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  1. 1. ZDF.de - Artikelseite http://fussball.zdf.de/ZDFsport/drucken/0,6733,7553752,00.html 1 von 3 27.04.2009 07:54 imago Lutz Pfannenstiel 10.04.2009 http://fussball.zdf.de/ZDFsport/inhalt/24/0,5676,7553752,00.html Fußball "Ständiges rumoren von Korruption" Lutz Pfannenstiel erlebte Wettbetrug als Profialltag Lutz Pfannenstiel hat auf fünf Kontinenten gespielt und dabei die Fußballwelt in allen Facetten gesehen. Die dunkelsten davon in Asien, wo er Korruption als alltägliches Geschäft erlebte und sogar eingesperrt wurde. Ein Interview mit dem Torwart. ZDFonline: Der kanadische Autor Declan Hill schreibt in seinem Buch "Sichere Siege", die asiatische Wettmafia habe Spiele in Deutschland und sogar bei der WM 2006 manipuliert. Sie haben selbst in Malaysia und Singapur gespielt. Können diese Leute Spiele einfach manipulieren? Lutz Pfannenstiel: Dass es direkte Manipulationen in den Topligen Europas gibt, bezweifle ich vehement. Ich glaube auch nicht, dass die asiatische Wettmafia in eine WM eingreifen kann. Aber solange man auf Spiele der zweiten Liga und Regional- oder Oberliga wetten kann, wird es immer wieder Leute mit dummen Gedanken geben. Zumal die asiatische Mafia ein weltweites Netzwerk hat. ZDFonline: Haben Sie als Spieler in Malaysia oder Singapur erlebt, wie sogenannte "Runner" der Wettmafia versuchen, Kontakte zu Spielern herzustellen? Pfannenstiel: Ja, sehr oft. Einige meiner Kollegen wurden ständig von Leuten angesprochen. Nach ein paar normalen Treffen ging es dann immer schnell um Fußball. Allerdings hatte in Singapur jeder Spieler großen Respekt vor so was. Meistens wurden diese Kontakte dann schnell abgebrochen oder beim Verband gemeldet. Letztlich habe ich in Singapur dann ja auch meine eigenen Erfahrungen machen müssen. Allerdings wurde mir nie irgendwas angeboten. ZDFonline: Wie hat die Wettmafia in Singapur mit Ihnen Kontakt aufgenommen? Pfannenstiel: Ein Mann sprach mich nach dem Training an. Er stellte sich als Golflehrer und Fußballfan vor, was er ja letztlich auch war. Er hat mir nichts angeboten, sondern redete eigentlich nur über Fußball. Außerdem stellte er jede Menge Fragen zu meiner Mannschaft und den nächsten Spielen. Das klang nie verdächtig. ZDFonline: Was passierte dann?
  2. 2. ZDF.de - Artikelseite http://fussball.zdf.de/ZDFsport/drucken/0,6733,7553752,00.html 2 von 3 27.04.2009 07:54 Pfannenstiel: Der Mann hörte sich eigentlich an wie ein guter Fan, der einiges an Fachwissen mitbrachte. Es wird halt nicht einfach auf Spieler zugegangen und gesagt: "Komm, lass uns mal ein Spiel verschieben." Ingesamt drei Mal fragte mich der Mann - drei bis vier Tage vor den Spielen - wie wir denn so drauf sind und ob wir gewinnen würden. Ich habe geantwortet: "Wir sind gut drauf, die hauen wir weg." Das war alles. Lustigerweise war unsere nächstes Treffen dann wieder vor Gericht, wo der Mann gegen mich aussagte. INFOBOX ZDFonline: Sie wurden in Singapur des Wettbetrugs bezichtigt. Pfannenstiel: Ohne irgendwelche Beweise. Das Wort eines kleinen illegalen Buchmachers reichte aus. Ich wurde nicht wegen Spielmanipulation, sondern wegen eines korrupten, verbalen Einverständnisses angeklagt. ZDFonline: Wie das? Pfannenstiel: Kurioserweise wurde ich angeklagt, dass ich meine Spiele gewinnen wollte. Mir wurde im Gericht vorgeworfen, auffallend gut gespielt zu haben. Also besser als normal. Völlig absurd. Man wollte an mir ein Exempel statuieren. Die Justiz in Singapur musste ihr Gesicht wahren. Ich hatte nie eine Chance. ZDFonline: Sie sind im Gefängnis gelandet. Pfannenstiel: Unschuldig für 101 Tage in einem der härtesten Gefängnisse der Welt. Das Gefängnis war die Hölle. 15 Mann - darunter Mörder und Drogenhändler - in einer Minizelle. Wenig Wasser, wenig Essen, kein Bett. Wir mussten auf dem Betonboden schlafen. Die Toilette bestand aus einem Loch im Boden. Klopapier gab es nicht. ZDFonline: Wie wurden Sie behandelt? Pfannenstiel: Wie ein Tier. Und dann noch meine Mithäftlinge, die mit der Furcht vor der Todesstrafe regelrecht ausflippten. Ohne die deutsche Botschaft, meine Familie und meine damalige Freundin hätte ich es nicht geschafft. Ich werde dieses Land nie mehr betreten. ZDFonline: Haben Sie erlebt, wie Spiele, Mannschaften oder einzelne Spieler manipuliert wurden? Lutz Pfannenstiel - Geboren am 12. Mai 1973 in Zwiesel - Heimatverein 1. FC Kötzting Stationen als Spieler - Jetziger Verein: Manglerud Star (3. norwegische Liga) - Frühere Vereine, u.a.: Tampere United, FC Haka (beide Finnland), FC Wimbledon, Nottingham Forrest, Bradford Park Avenue (alle England), Hamrun Spartans (Malta), Bærum SK (Norwegen), Orlando Pirates (Südafrika), Geylang United (Singapur), CA Hermann Aichinger (Brasilien), Vancouver Whitecaps, Calgary Mustangs (beide Kanada), Wacker Burghausen, ASV Cham (Deutschland), Vllaznia Shkodër (Albanien), Otago United (Neuseeland) Stationen als Trainer - zurzeit Torwarttrainer kubanische Nationalmannschaft
  3. 3. ZDF.de - Artikelseite http://fussball.zdf.de/ZDFsport/drucken/0,6733,7553752,00.html 3 von 3 27.04.2009 07:54 Pfannenstiel: Ich kann ein ganz konkretes Beispiel erläutern. Allerdings ohne Namen und ohne weitere Details. Ein Spieler machte bei einem meiner damaligen Vereine ein Probetraining und konnte sich dort nicht durchsetzen. Er wollte dann zu einem Probetraining in einem anderen asiatischen Land. Ich stellte den Kontakt her. Später erfuhr ich dann, wie alles ablief: Der Trainer dieser Mannschaft sagte dem Spieler: Wenn er einen Vertrag haben wolle, würde ihn das jeden Monat 2000 Dollar kosten. Er müsse auf Ergebnis spielen und auf den Trainer hören. Mein Teamkollege ließ sich nicht darauf ein, sondern kehrte in seine Heimat zurück. ZDFonline: Und der Trainer selbst macht dann die Wettabsprachen mit der Wettmafia? Pfannenstiel: Ganz genau. Er stellt ja auf, gibt taktische Anweisungen und hat auch noch ein paar Spieler seines eigenen Teams selbst manipuliert. ZDFonline: Kennen Sie Personen, die mit illegalen Wetten in Asien zu tun haben? Pfannenstiel: Ja, natürlich. Als ich damals in Singapur drei Monate gegen Kaution aus dem Gefängnis war und mich auf meinen Fall vorbereitete, habe ich nichts anderes gemacht, als mich mit diesem Thema und den Hintergründen zu beschäftigen. Erst nach meiner Anklage lernte ich durch Eigeninitiative, was da überhaupt alles abgeht. Ich traf sehr viele Leute und machte erschreckende Erfahrungen. Aber Namen kann ich hier nicht nennen. ZDFonline: Welche Erfahrungen haben Sie mit Wettbetrügern in Europa gemacht? Pfannenstiel: Albanien beispielsweise ist ein sehr schwieriges Land. Man hat extremen Druck - vor allem als deutscher Torwart. Einige Idioten dort glauben, dass ein deutscher Torwart kein Tor kassieren darf. Dass Gegenstände wie Steine oder Raketen den Keepern an den Ohren vorbei fliegen, ist Alltag. Das ständige Rumoren von Korruption war speziell für mich ein Problem. In Albanien erfährt man als Ausländer nur wenig. Aber wenn dann aber man mitkriegt, dass der Präsident des Gegners mit Polizeischutz die Schiedsrichterkabine betritt und dort den Schiris den Schuh auf den Kopf haut, kann man sich wohl vorstellen, was da so alles abgeht. ZDFonline: Kennen Sie Spieler, die sich geweigert haben mitzumachen und dafür bestraft wurden? Pfannenstiel: Nein. Wenn ein Spieler davon nichts wissen will, dann gibt es keine Probleme. Hat ein Spieler aber einmal mitgemacht, haben die bösen Jungs den kleinen Fußballer in der Hand und unter Kontrolle. Dann fangen die Probleme erst an. ZDFonline: Wie viele Spieler muss man bestechen, um ein Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken? Pfannenstiel: Meinen Informationen nach müssen es mindestens vier Spieler in jeweils einer Mannschaft sein - und dann oft auch noch einen Trainer und/oder Schiedsrichter. Das Interview führte Kay Auster © ZDF 2009

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