SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
1 von 4
Downloaden Sie, um offline zu lesen
F 3.14
Ist das Ihr Ding?
Patenschaften in Museen am Beispiel der Dingpflegschaften




                                                                Manja Weinert



Patenschaften erfahren eine Konjunktur – jedoch nicht in der Kirche, sondern im Museum. Wäh-
rend kirchliche Patenschaften seit langem rückläufig sind, bieten seit einigen Jahren immer mehr
Museen Patenschaften für ihre Sammlungs- und Ausstellungsobjekte an. Der folgende Beitrag wid-
met sich dem Potenzial solcher Patenschaften als Mittel des Fundraising, der Besucherbindung und
Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel der sogenannten Dingpflegschaften des Werkbundarchiv – Muse-
um der Dinge (www.museumderdinge.de).


Gliederung                                                                                Seite

1.     Einleitung                                                                             2
2.     Beispiel für Dingpflegschaften: Werkbundarchiv – Museum der Dinge                      5
2.1    Die Einrichtung der Dingpflegschaften                                                  6
2.2    Die Organisation der Dingpflegschaften                                                 8
2.3    Der Dingpfleger und sein Pflegeding                                                   10
2.4    Die Pflege des Dingpflegers                                                           11
2.5    Vom Wesen der Dingpfleger                                                             13
2.6    Vom Wesen der Dingpflegschaften                                                       15
3.     Fazit                                                                                 17




                                                                                               1
F 3.14                                                        Finanzierung und Förderung

Private Kulturförderung




                          1.    Einleitung
Begriff „Patenschaft“     Patenschaften bezeichnen eine freiwillige Fürsorgepflicht. Ihr Ur-
                          sprung liegt im religiösen Ritual der Taufe. Der Pate bezeugte vor
                          Einführung der Kirchenbücher in erster Linie die Taufe und trug mit
                          Sorge dafür, dass das getaufte Kind im rechten Glauben erzogen wur-
                          de. Der Begriff „Pate“ leitet sich ab vom lateinischen „patrinus“, was
                          als „Mit-Vater“ übersetzt werden kann oder auch als „Gevatter“, wie
                          man es aus dem Altdeutschen kennt.1 Die Taufpatenschaft als Ehren-
                          amt der christlichen Kirche sicherte die angemessene Vorbereitung des
                          Täuflings auf die Aufnahme in die Kirchengemeinde. Verbunden da-
                          mit war auch die etwaige Fürsorgepflicht des Taufpaten für das un-
                          mündige Kind, sollte dessen Eltern etwas zustoßen.

Patenschaften im          Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurden erste Tendenzen einer
Umbruch                   Verweltlichung der Taufpatenschaften sichtbar. Bei der Wahl eines
                          Paten spielten neben einem untadeligen christlichen Lebenswandel
                          zunehmend sein Vermögen und Einfluss eine Rolle. Damit traten die
                          ursprünglichen Aufgaben des Paten in den Hintergrund.2 Parallel dazu
                          wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Patenschaften für nicht
                          christlich getaufte Kinder initiiert, sodass die Aufgaben des Paten von
                          vornherein anders definiert waren.

                          Um 1850 führten Vertreter der freireligiösen Bewegung die Jugend-
                          weihe ein.3 Mit diesen Entwicklungen begann der Bedeutungsverlust
                          der christlichen Taufpatenschaft, der sich in stetig sinkenden Zahlen
                          von Taufen ausdrückt. Die Taufen der evangelischen Kirche in
                          Deutschland beispielsweise sind von 280.510 Taufen im Jahr 1997 auf
                          204.922 im Jahr 2008 gesunken.4 „Der Begriff Patenschaft befindet
                          sich offensichtlich im Wandel. Er beschreibt heute ganz allgemein die
                          Aufnahme einer unterstützenden und fördernden Beziehung. Sein
                          einst klarer Bezug zu einem wichtigen Ehrenamt der christlichen Kir-
                          chen ist nur eine mögliche Assoziation, wenn das Wort fällt.“5 Das
                          Engagement im religiösen Rahmen ist schon lange nicht mehr fest im
                          Alltag verankert. „Zurück bleibt eine unerfüllte vage Sehnsucht nach
                          Sinnstiftung …“6

Patenschaften im          Diese erfüllen neue Formen der Patenschaften, in denen zumeist eine
weltlichen Kontext        finanzielle Unterstützung eine zentrale Rolle spielt. Kinderhilfswerke
                          bieten beispielsweise Patenschaften für afrikanische Aidswaisen oder
                          lateinamerikanische Straßenkinder an. Zoos haben mittlerweile zahl-
                          reiche Paten für ihre Tiere gewinnen können. Seit 1994 kann man zum
                          Beispiel im Berliner Zoo Tierpatenschaften übernehmen und die Fut-
                          terkosten eines Tieres finanzieren.




2
Finanzierung und Förderung                                                               F 3.14

                                                                          Private Kulturförderung




Eine eher symbolische Tierpatenschaft entwickelte sich im Bereich
des Artenschutzes. Die finanzielle Zuwendung des Paten eines vom
Aussterben bedrohten asiatischen Tigers beispielsweise fließt nicht
direkt dem Tier zu, sondern der Organisation, die sich für die Erhal-
tung seiner Art engagiert. In Berlin übertrugen der Botanische Garten
und das Botanische Museum Berlin-Dahlem in Anlehnung an engli-
sche und amerikanische Vorbilder im Jahr 2000 das erfolgreiche Mo-
dell der Tierpatenschaften auf Pflanzen. Die zunehmend schwieriger
werdende Finanzierung machte es notwendig, neue Wege zu be-
schreiten.

Doch nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Sitzbänke und die Res-             Patenschaften
taurierung von Büchern können Patenschaften im Botanischen Garten               für Dinge, Orte
und Museum übernommen werden. Die Ausweitung der Patenschaften                    und anderes
auf Nichtbelebtes setzte sich von Jahr zu Jahr fort. Heutzutage scheint
es in Deutschland fast nichts mehr zu geben, wofür man nicht Pate
werden kann. Neben Patenschaften für junge Leistungssportler, für
Familien und Schulklassen, für Rebstöcke, Bäume, gar für kilometer-
lange Alleen werden inzwischen auch Patenschaften für Stühle, Or-
gelpfeifen und für Fassadenteile bedeutender Bauwerke angeboten.
Zudem sind Patenschaften möglich für Friedhöfe, Haltestellen, Spiel-
plätze, Ehrenmale, Schlaglöcher und Packstationen. Abstrakter sind
Wetter- oder Hörfilmpatenschaften, Namens-, Wort- oder Projektpa-
tenschaften.

Wer spendet, kann Hoch- oder Tiefdruckgebieten einen Namen geben,
Pate des Wortes „Amtsschimmel“ werden, Hilfsprojekte des Deut-
schen Rotes Kreuzes unterstützen oder ein Sportstadion nach sich
benennen. All das wird heute unter dem Begriff „Patenschaft“ gefasst.
So verschieden die Patenschaften auch sind, ist doch allen der Gedan-
ke des gesellschaftlichen Engagements gemein. Paten werden als
Problemlöser angesprochen. Sie tragen bei zum Erhalt oder zur Förde-
rung verschiedenster gesellschaftlicher Bereiche.

Dieses Potenzial wurde auch von den Museen erkannt. Deren Anlie-              Flaggschiff: das
gen, Kulturgut zu erhalten, erwies sich mit dem Patenschaftsgedanken      Naturkundemuseum
des Schützens und Bewahrens als bestens vereinbar. Mittlerweile bie-                    Berlin
ten zahlreiche Museen Patenschaften für ausgewählte Objekte ihrer
Sammlungen an. Das wohl prominenteste deutsche Beispiel ist das
Naturkundemuseum Berlin. Mit einer groß angelegten Kampagne, die
von Partnern und Prominenten großzügig unterstützt wurde, weitete
das Museum als Fundraising-Maßnahme im Jahr 2004 sein Paten-
schaftsprogramm, das bis dahin nur Insektenkästen betraf, auf eine
Vielzahl von Objekten aus der wissenschaftlichen Sammlung aus.
Gegen eine einmalige Spende kann man dort beispielsweise lebens-
langer Pate eines ausgestopften Tieres, eines Fossils oder eines Meteo-
riten werden.




                                                                                               3
F 3.14                                                         Finanzierung und Förderung

Private Kulturförderung




Die Vielfalt der          Ein Jahr darauf startete Die Kiste – Das Augsburger Puppentheater-
Patenschaften in          museum mit Patenschaften. Weitere Museen folgten – wie das Über-
deutschen Museen          see-Museum Bremen, das bereits von 2005 bis 2006 Patenschaften im
                          Rahmen einer Sonderausstellung anbot und nun auch für Objekte der
                          Dauerausstellung Patenschaften einrichtet, sowie das Augustinermu-
                          seum in Freiburg und das Staatliche Naturhistorische Museum Braun-
                          schweig, wo man seit 2006 Patenschaften für Sammlungsobjekte
                          übernehmen kann. Seit 2007 ist es möglich, sich als Münzpate für das
                          Berliner Münzkabinett zu engagieren. Auch das Göttinger Geowissen-
                          schaftliche Museum sucht seit 2008 Paten für seine Fossilien, Minera-
                          le und Meteoriten. Das Max-Klinger-Haus in Naumburg bietet seit
                          2009 Patenschaften für die Werke des Künstlers an. Unlängst konnte
                          man für die Dauer einer Ausstellung Patenschaften im Museum der
                          Weltkulturen in Frankfurt/Main antreten und derzeit sucht das Zoolo-
                          gische Forschungsmuseum Alexander Koenig Paten für die Realisie-
                          rung seiner geplanten Regenwald-Ausstellung. Diese Beispiele ver-
                          deutlichen, dass sich Patenschaften für Objekte musealer Sammlungen
                          mittlerweile weit verbreitet haben und sich als gängige Praxis im
                          Fundraising und in der Besucherbindung etablieren konnten.

Die Besonderheiten        Über das ausgewählte Sammlungsobjekt wird dem Paten eine Identifi-
musealer Patenschaften    zierung mit dem Museum ermöglicht, ihm ein emotionalerer Zugang
                          zur Sammlung gewährleistet. Die meisten Patenschaften in Museen
                          basieren auf Spenden, die in der Regel nicht der Pflege des einzelnen
                          gewählten Objekts zufließen, sondern für allgemeine restauratorische
                          und kuratorische Zwecke, für den Erhalt und Ausbau der Sammlungen
                          sowie für die Finanzierung von Ausstellungen verwendet werden.
                          Folglich handelt es sich in den Museen vorwiegend um symbolische
                          Patenschaften. Das unterscheidet sie von den Patenschaften für Kinder
                          oder Tiere, bei denen die Spenden gewöhnlich direkt dem Patenkind
                          oder Patentier zufließen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt
                          darin, dass die Paten von musealen Objekten keine Entwicklungen an
                          den Dingen beobachten können. Patenkinder werden groß, Patentiere
                          pflanzen sich fort – aber ein Teekessel beispielsweise bleibt, was er
                          ist. Vielmehr ist es sogar vom Museum ausdrücklich gewünscht, dass
                          er so bleibt, wie er ist, und nicht Patina oder Rost ansetzt über die
                          Jahre. Folglich gibt es hier keine fortlaufenden Neuigkeiten, keinen
                          Lebenszyklus, der als Pate begleitet werden kann, und erst recht keine
                          Interaktion. Patenschaften für Museumsobjekte funktionieren demzu-
                          folge anders als Patenschaften für Lebewesen.

                          Das Verantwortungsgefühl gegenüber einem musealen Gegenstand ist
                          weniger groß als das, welches einem Menschen oder Tier im Rahmen
                          einer Patenschaft entgegengebracht wird. Infolgedessen sind Patenschaf-
                          ten für Unbelebtes kürzer, wenn die Patenschaften wie im Naturkunde-
                          museum Berlin nicht von vornherein auf Lebenszeit angelegt sind. Aber
                          auch dort stellt sich die Frage, ob die Person, die mit einer einmaligen
                          Spende zum Paten wird, nach mehreren Jahren noch immer einen Bezug
                          zum gewählten Objekt (und zum Museum) herstellen kann.




4

Weitere ähnliche Inhalte

Andere mochten auch

Etschradroute an der Via Claudia Augusta
Etschradroute an der Via Claudia Augusta Etschradroute an der Via Claudia Augusta
Etschradroute an der Via Claudia Augusta Hotel Schulerhof
 
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des Schülers
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des SchülersGmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des Schülers
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des SchülersRaabe Verlag
 
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder Realität
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder RealitätWerner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder Realität
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder RealitätUrbanMiningAT
 
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden Künste
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden KünsteHäret: Die Restaurierung von Werken der bildenden Künste
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden KünsteRaabe Verlag
 
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v5
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v520120820 kolloqium karl-hausdorf-v5
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v5pdbhausdorfk
 
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3Rahmat Kafidzin
 
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...Raabe Verlag
 
Googleitis 311209
Googleitis 311209Googleitis 311209
Googleitis 311209Martin Reti
 

Andere mochten auch (13)

Pablo alborán
Pablo alboránPablo alborán
Pablo alborán
 
Schuck 2011
Schuck 2011Schuck 2011
Schuck 2011
 
Etschradroute an der Via Claudia Augusta
Etschradroute an der Via Claudia Augusta Etschradroute an der Via Claudia Augusta
Etschradroute an der Via Claudia Augusta
 
Maurice Ravel
Maurice Ravel Maurice Ravel
Maurice Ravel
 
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des Schülers
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des SchülersGmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des Schülers
Gmilkowsky: Das Urheberrecht am Werk des Schülers
 
Binder6
Binder6Binder6
Binder6
 
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder Realität
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder RealitätWerner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder Realität
Werner Maass: Rohstoffknappheit - Mythos oder Realität
 
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden Künste
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden KünsteHäret: Die Restaurierung von Werken der bildenden Künste
Häret: Die Restaurierung von Werken der bildenden Künste
 
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v5
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v520120820 kolloqium karl-hausdorf-v5
20120820 kolloqium karl-hausdorf-v5
 
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3
Pengumuman tes tulis rsu kumala siwi kudus3
 
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...
Dr. Julia Frohne: Marketingstrategien für kulturelle Großereignisse am Beispi...
 
Freeze frame
Freeze frameFreeze frame
Freeze frame
 
Googleitis 311209
Googleitis 311209Googleitis 311209
Googleitis 311209
 

Mehr von Raabe Verlag

Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...
Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...
Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...Raabe Verlag
 
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im KulturbetriebDr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im KulturbetriebRaabe Verlag
 
David Scherer: Crowdfunding im Social Web
David Scherer: Crowdfunding im Social WebDavid Scherer: Crowdfunding im Social Web
David Scherer: Crowdfunding im Social WebRaabe Verlag
 
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher KulturförderungBirgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher KulturförderungRaabe Verlag
 
Dr. Burkhard Bastuck: Der Intendantenvertrag
Dr. Burkhard Bastuck: Der IntendantenvertragDr. Burkhard Bastuck: Der Intendantenvertrag
Dr. Burkhard Bastuck: Der IntendantenvertragRaabe Verlag
 
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-KunstProf. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-KunstRaabe Verlag
 
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und Staatsgarantien
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und StaatsgarantienRobert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und Staatsgarantien
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und StaatsgarantienRaabe Verlag
 
Stephanie Koopmann: Großspenden-Fundraising
Stephanie Koopmann: Großspenden-FundraisingStephanie Koopmann: Großspenden-Fundraising
Stephanie Koopmann: Großspenden-FundraisingRaabe Verlag
 
Antonella Tanca: „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als Lernort
Antonella Tanca:  „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als LernortAntonella Tanca:  „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als Lernort
Antonella Tanca: „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als LernortRaabe Verlag
 
Peter Loock: Beispiele für Mediations-Güteverfahren
Peter Loock: Beispiele für Mediations-GüteverfahrenPeter Loock: Beispiele für Mediations-Güteverfahren
Peter Loock: Beispiele für Mediations-GüteverfahrenRaabe Verlag
 
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien Kulturszene
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien KulturszeneGordon K. Strahl: Marketing in der Freien Kulturszene
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien KulturszeneRaabe Verlag
 
Oliver Daniel Sopalla: Werben in Echtzeit
Oliver Daniel Sopalla: Werben in EchtzeitOliver Daniel Sopalla: Werben in Echtzeit
Oliver Daniel Sopalla: Werben in EchtzeitRaabe Verlag
 
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der ZivilgesellschaftMarkus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der ZivilgesellschaftRaabe Verlag
 
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...Raabe Verlag
 
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...Raabe Verlag
 
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer Künstler
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer KünstlerUlrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer Künstler
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer KünstlerRaabe Verlag
 
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...Raabe Verlag
 
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...Raabe Verlag
 
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...Raabe Verlag
 
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1 Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1 Raabe Verlag
 

Mehr von Raabe Verlag (20)

Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...
Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...
Martina Herring: Besucherorientierung im Museum. Qualifizierung von Mitarbeit...
 
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im KulturbetriebDr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb
Dr. Annett Baumast: Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb
 
David Scherer: Crowdfunding im Social Web
David Scherer: Crowdfunding im Social WebDavid Scherer: Crowdfunding im Social Web
David Scherer: Crowdfunding im Social Web
 
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher KulturförderungBirgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
 
Dr. Burkhard Bastuck: Der Intendantenvertrag
Dr. Burkhard Bastuck: Der IntendantenvertragDr. Burkhard Bastuck: Der Intendantenvertrag
Dr. Burkhard Bastuck: Der Intendantenvertrag
 
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-KunstProf. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
Prof. Dr. Gerhard Pfennig: Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
 
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und Staatsgarantien
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und StaatsgarantienRobert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und Staatsgarantien
Robert Kirchmaier: Kulturgüteraustausch und Staatsgarantien
 
Stephanie Koopmann: Großspenden-Fundraising
Stephanie Koopmann: Großspenden-FundraisingStephanie Koopmann: Großspenden-Fundraising
Stephanie Koopmann: Großspenden-Fundraising
 
Antonella Tanca: „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als Lernort
Antonella Tanca:  „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als LernortAntonella Tanca:  „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als Lernort
Antonella Tanca: „Lebenslanges Lernen“ - Das Museum als Lernort
 
Peter Loock: Beispiele für Mediations-Güteverfahren
Peter Loock: Beispiele für Mediations-GüteverfahrenPeter Loock: Beispiele für Mediations-Güteverfahren
Peter Loock: Beispiele für Mediations-Güteverfahren
 
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien Kulturszene
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien KulturszeneGordon K. Strahl: Marketing in der Freien Kulturszene
Gordon K. Strahl: Marketing in der Freien Kulturszene
 
Oliver Daniel Sopalla: Werben in Echtzeit
Oliver Daniel Sopalla: Werben in EchtzeitOliver Daniel Sopalla: Werben in Echtzeit
Oliver Daniel Sopalla: Werben in Echtzeit
 
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der ZivilgesellschaftMarkus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
 
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...
Mandy Risch, Andreas Kerst: Die steuerbegünstigte Vermögensverwaltung gemeinn...
 
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...
Gereon Röckrath: Leistungsstörungen bei der Abwicklung von Verträgen im Kultu...
 
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer Künstler
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer KünstlerUlrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer Künstler
Ulrich Poser: Die beschränkte Steuerpflicht ausländischer Künstler
 
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...
Dr. Tobias Holzmüller: Die öffentliche Hand im Wettbewerb mit privaten Kultur...
 
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...
Prof. Dr. Gernot Wolfram: Die Bedeutung der Creative Industries für internati...
 
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...
Lansnicker, Schwirtzek: Private Arbeitsvermittlung durch Künstleragenturen – ...
 
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1 Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1
Dr. Achim Gmilkowsky: Vertragsgestaltung für Fotografen, Teil 1
 

Manja Weinert: Ist das Ihr Ding? Patenschaften in Museen am Beispiel der Dingpflegschaften

  • 1. F 3.14 Ist das Ihr Ding? Patenschaften in Museen am Beispiel der Dingpflegschaften Manja Weinert Patenschaften erfahren eine Konjunktur – jedoch nicht in der Kirche, sondern im Museum. Wäh- rend kirchliche Patenschaften seit langem rückläufig sind, bieten seit einigen Jahren immer mehr Museen Patenschaften für ihre Sammlungs- und Ausstellungsobjekte an. Der folgende Beitrag wid- met sich dem Potenzial solcher Patenschaften als Mittel des Fundraising, der Besucherbindung und Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel der sogenannten Dingpflegschaften des Werkbundarchiv – Muse- um der Dinge (www.museumderdinge.de). Gliederung Seite 1. Einleitung 2 2. Beispiel für Dingpflegschaften: Werkbundarchiv – Museum der Dinge 5 2.1 Die Einrichtung der Dingpflegschaften 6 2.2 Die Organisation der Dingpflegschaften 8 2.3 Der Dingpfleger und sein Pflegeding 10 2.4 Die Pflege des Dingpflegers 11 2.5 Vom Wesen der Dingpfleger 13 2.6 Vom Wesen der Dingpflegschaften 15 3. Fazit 17 1
  • 2. F 3.14 Finanzierung und Förderung Private Kulturförderung 1. Einleitung Begriff „Patenschaft“ Patenschaften bezeichnen eine freiwillige Fürsorgepflicht. Ihr Ur- sprung liegt im religiösen Ritual der Taufe. Der Pate bezeugte vor Einführung der Kirchenbücher in erster Linie die Taufe und trug mit Sorge dafür, dass das getaufte Kind im rechten Glauben erzogen wur- de. Der Begriff „Pate“ leitet sich ab vom lateinischen „patrinus“, was als „Mit-Vater“ übersetzt werden kann oder auch als „Gevatter“, wie man es aus dem Altdeutschen kennt.1 Die Taufpatenschaft als Ehren- amt der christlichen Kirche sicherte die angemessene Vorbereitung des Täuflings auf die Aufnahme in die Kirchengemeinde. Verbunden da- mit war auch die etwaige Fürsorgepflicht des Taufpaten für das un- mündige Kind, sollte dessen Eltern etwas zustoßen. Patenschaften im Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurden erste Tendenzen einer Umbruch Verweltlichung der Taufpatenschaften sichtbar. Bei der Wahl eines Paten spielten neben einem untadeligen christlichen Lebenswandel zunehmend sein Vermögen und Einfluss eine Rolle. Damit traten die ursprünglichen Aufgaben des Paten in den Hintergrund.2 Parallel dazu wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Patenschaften für nicht christlich getaufte Kinder initiiert, sodass die Aufgaben des Paten von vornherein anders definiert waren. Um 1850 führten Vertreter der freireligiösen Bewegung die Jugend- weihe ein.3 Mit diesen Entwicklungen begann der Bedeutungsverlust der christlichen Taufpatenschaft, der sich in stetig sinkenden Zahlen von Taufen ausdrückt. Die Taufen der evangelischen Kirche in Deutschland beispielsweise sind von 280.510 Taufen im Jahr 1997 auf 204.922 im Jahr 2008 gesunken.4 „Der Begriff Patenschaft befindet sich offensichtlich im Wandel. Er beschreibt heute ganz allgemein die Aufnahme einer unterstützenden und fördernden Beziehung. Sein einst klarer Bezug zu einem wichtigen Ehrenamt der christlichen Kir- chen ist nur eine mögliche Assoziation, wenn das Wort fällt.“5 Das Engagement im religiösen Rahmen ist schon lange nicht mehr fest im Alltag verankert. „Zurück bleibt eine unerfüllte vage Sehnsucht nach Sinnstiftung …“6 Patenschaften im Diese erfüllen neue Formen der Patenschaften, in denen zumeist eine weltlichen Kontext finanzielle Unterstützung eine zentrale Rolle spielt. Kinderhilfswerke bieten beispielsweise Patenschaften für afrikanische Aidswaisen oder lateinamerikanische Straßenkinder an. Zoos haben mittlerweile zahl- reiche Paten für ihre Tiere gewinnen können. Seit 1994 kann man zum Beispiel im Berliner Zoo Tierpatenschaften übernehmen und die Fut- terkosten eines Tieres finanzieren. 2
  • 3. Finanzierung und Förderung F 3.14 Private Kulturförderung Eine eher symbolische Tierpatenschaft entwickelte sich im Bereich des Artenschutzes. Die finanzielle Zuwendung des Paten eines vom Aussterben bedrohten asiatischen Tigers beispielsweise fließt nicht direkt dem Tier zu, sondern der Organisation, die sich für die Erhal- tung seiner Art engagiert. In Berlin übertrugen der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin-Dahlem in Anlehnung an engli- sche und amerikanische Vorbilder im Jahr 2000 das erfolgreiche Mo- dell der Tierpatenschaften auf Pflanzen. Die zunehmend schwieriger werdende Finanzierung machte es notwendig, neue Wege zu be- schreiten. Doch nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Sitzbänke und die Res- Patenschaften taurierung von Büchern können Patenschaften im Botanischen Garten für Dinge, Orte und Museum übernommen werden. Die Ausweitung der Patenschaften und anderes auf Nichtbelebtes setzte sich von Jahr zu Jahr fort. Heutzutage scheint es in Deutschland fast nichts mehr zu geben, wofür man nicht Pate werden kann. Neben Patenschaften für junge Leistungssportler, für Familien und Schulklassen, für Rebstöcke, Bäume, gar für kilometer- lange Alleen werden inzwischen auch Patenschaften für Stühle, Or- gelpfeifen und für Fassadenteile bedeutender Bauwerke angeboten. Zudem sind Patenschaften möglich für Friedhöfe, Haltestellen, Spiel- plätze, Ehrenmale, Schlaglöcher und Packstationen. Abstrakter sind Wetter- oder Hörfilmpatenschaften, Namens-, Wort- oder Projektpa- tenschaften. Wer spendet, kann Hoch- oder Tiefdruckgebieten einen Namen geben, Pate des Wortes „Amtsschimmel“ werden, Hilfsprojekte des Deut- schen Rotes Kreuzes unterstützen oder ein Sportstadion nach sich benennen. All das wird heute unter dem Begriff „Patenschaft“ gefasst. So verschieden die Patenschaften auch sind, ist doch allen der Gedan- ke des gesellschaftlichen Engagements gemein. Paten werden als Problemlöser angesprochen. Sie tragen bei zum Erhalt oder zur Förde- rung verschiedenster gesellschaftlicher Bereiche. Dieses Potenzial wurde auch von den Museen erkannt. Deren Anlie- Flaggschiff: das gen, Kulturgut zu erhalten, erwies sich mit dem Patenschaftsgedanken Naturkundemuseum des Schützens und Bewahrens als bestens vereinbar. Mittlerweile bie- Berlin ten zahlreiche Museen Patenschaften für ausgewählte Objekte ihrer Sammlungen an. Das wohl prominenteste deutsche Beispiel ist das Naturkundemuseum Berlin. Mit einer groß angelegten Kampagne, die von Partnern und Prominenten großzügig unterstützt wurde, weitete das Museum als Fundraising-Maßnahme im Jahr 2004 sein Paten- schaftsprogramm, das bis dahin nur Insektenkästen betraf, auf eine Vielzahl von Objekten aus der wissenschaftlichen Sammlung aus. Gegen eine einmalige Spende kann man dort beispielsweise lebens- langer Pate eines ausgestopften Tieres, eines Fossils oder eines Meteo- riten werden. 3
  • 4. F 3.14 Finanzierung und Förderung Private Kulturförderung Die Vielfalt der Ein Jahr darauf startete Die Kiste – Das Augsburger Puppentheater- Patenschaften in museum mit Patenschaften. Weitere Museen folgten – wie das Über- deutschen Museen see-Museum Bremen, das bereits von 2005 bis 2006 Patenschaften im Rahmen einer Sonderausstellung anbot und nun auch für Objekte der Dauerausstellung Patenschaften einrichtet, sowie das Augustinermu- seum in Freiburg und das Staatliche Naturhistorische Museum Braun- schweig, wo man seit 2006 Patenschaften für Sammlungsobjekte übernehmen kann. Seit 2007 ist es möglich, sich als Münzpate für das Berliner Münzkabinett zu engagieren. Auch das Göttinger Geowissen- schaftliche Museum sucht seit 2008 Paten für seine Fossilien, Minera- le und Meteoriten. Das Max-Klinger-Haus in Naumburg bietet seit 2009 Patenschaften für die Werke des Künstlers an. Unlängst konnte man für die Dauer einer Ausstellung Patenschaften im Museum der Weltkulturen in Frankfurt/Main antreten und derzeit sucht das Zoolo- gische Forschungsmuseum Alexander Koenig Paten für die Realisie- rung seiner geplanten Regenwald-Ausstellung. Diese Beispiele ver- deutlichen, dass sich Patenschaften für Objekte musealer Sammlungen mittlerweile weit verbreitet haben und sich als gängige Praxis im Fundraising und in der Besucherbindung etablieren konnten. Die Besonderheiten Über das ausgewählte Sammlungsobjekt wird dem Paten eine Identifi- musealer Patenschaften zierung mit dem Museum ermöglicht, ihm ein emotionalerer Zugang zur Sammlung gewährleistet. Die meisten Patenschaften in Museen basieren auf Spenden, die in der Regel nicht der Pflege des einzelnen gewählten Objekts zufließen, sondern für allgemeine restauratorische und kuratorische Zwecke, für den Erhalt und Ausbau der Sammlungen sowie für die Finanzierung von Ausstellungen verwendet werden. Folglich handelt es sich in den Museen vorwiegend um symbolische Patenschaften. Das unterscheidet sie von den Patenschaften für Kinder oder Tiere, bei denen die Spenden gewöhnlich direkt dem Patenkind oder Patentier zufließen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt darin, dass die Paten von musealen Objekten keine Entwicklungen an den Dingen beobachten können. Patenkinder werden groß, Patentiere pflanzen sich fort – aber ein Teekessel beispielsweise bleibt, was er ist. Vielmehr ist es sogar vom Museum ausdrücklich gewünscht, dass er so bleibt, wie er ist, und nicht Patina oder Rost ansetzt über die Jahre. Folglich gibt es hier keine fortlaufenden Neuigkeiten, keinen Lebenszyklus, der als Pate begleitet werden kann, und erst recht keine Interaktion. Patenschaften für Museumsobjekte funktionieren demzu- folge anders als Patenschaften für Lebewesen. Das Verantwortungsgefühl gegenüber einem musealen Gegenstand ist weniger groß als das, welches einem Menschen oder Tier im Rahmen einer Patenschaft entgegengebracht wird. Infolgedessen sind Patenschaf- ten für Unbelebtes kürzer, wenn die Patenschaften wie im Naturkunde- museum Berlin nicht von vornherein auf Lebenszeit angelegt sind. Aber auch dort stellt sich die Frage, ob die Person, die mit einer einmaligen Spende zum Paten wird, nach mehreren Jahren noch immer einen Bezug zum gewählten Objekt (und zum Museum) herstellen kann. 4