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1 von 23
Ideologie und Wirklichkeit
Von der Finanzarktkrise zur Schuldenkrise



                                     Wolfgang Greif
                                     Leiter der Abt. Europa,
                                     Konzerne, Internationale
                                     Beziehungen


                                     Mitglied im Europä ischen
                                     Wirtschafts- und
                                     Sozialausschuss (EWSA)
                                     wolfgang.greif@gpa-djp.at




   1
Europa steckt in der schwersten
     Krise seit 80 Jahren
Schrumpfende Volkswirtschaften
                                                              ver.di Bundesvorstand
                                                              Bereich Wirtschaftspolitik


105 %
            Bruttoinlandsprodukt, 2008 = 100 Prozent


100 %




 95 %

             Griechenland

             Irland
 90 %
             Portugal

             Eurozone
 85 %
             Deutschland

             Spanien
                                                         Quelle: Europäische Kommission
 80 %
     2008                   2009       2010            2011                           2012


   3
Europa ohne Arbeit
                                                                                                                ver.di Bundesvorstand
                                                                                                                Bereich Wirtschaftspolitik


               Arbeitslosenquoten in Prozent im Herbst/Winter 2011
                      Jugendliche unter 25 Jahren                                                                                  48,9 %

                      Arbeitslosenquote insgesamt                                                                   45,1 %




                                                                              30,4 %      31,3 %       30,2 %
                                       29,2 %
                                                                 27,2 %
                                                    24,2 %
                          22,2 %                                                                                                     22,8 %
                                                                                                                         18,3 %

                                                                                               13,6 %       14,3 %
                                                                                   12,9 %
                                                          10,%        9,9 %
8,2 %      8,5 %               7,5 %        8,5 %
     4,8 %      5,5 %



Niederlande Deutschland   Schweden       Italien    Frankreich     Polen       Portugal     Slowakei     Irland     Griechenland    Spanien
Quelle: Eurostat



      4
Soziale Katastrophe in Südeuropa                                   ver.di Bundesvorstand
                                                                                   Bereich Wirtschaftspolitik
                   Quoten der Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit
50%
                                                                                                Spanien
45%                                                                                             Jugend

40%
                                                                                                Griechenland
                                                                                                Jugend
35%

30%                                                                                             Portugal
                                                                                                Jugend

25%
                                                                                                Spanien
20%

15%                                                                                             Griechenland

10%
                                                                                                Portugal
5%


0%
            2006               2007               2008      2009   2010     2011
 Quelle: Eurostat, Zahlen für Griechenland 2011: November


      5
Die neoliberale Lesart der Krise &
    was davon zu halten ist . . .
Neoliberale Lesart der Krise

• Schuldenkrise als Ergebnis laxer Haushaltspolitik und
  zu hoher Ausgaben
• Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt, der
  überbordende Sozialstaat verlangt seinen Tribut
• Leistungsbilanzen sind Leistungszeugnisse:
  nur die „schlechten Schüler“ müssen sich ändern
   – Wettbewerbsfähig werden nach „Deutschem Vorbild“

• Kapitalmärkte sind geeigneter Schiedsrichter
  für solide Haushaltsführung.
                                                        7
Alles im Rahmen!                                           ver.di Bundesvorstand
                                                                                                  Bereich Wirtschaftspolitik
                  Staatsausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

55%
                                                            Frankreich




50%
                                                          Deutschland


                                                                EU 17

45%
                                                          Griechenland



40%
                                                             Spanien




35%
          1996   1997   1998    1999    2000     2001    2002     2003    2004   2005   2006   2007   2008     2009     2010

Quelle: Europäische Kommission; 2000 ohne UMTS-Einnahmen in Deutschland



      8
Laxe Haushaltspolitik ist NICHT die Ursache                                              ver.di Bundesvorstand
                                                                                                       Bereich Wirtschaftspolitik
              Öffentlich Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts
200 %


180 %                                                   Die Finanz- und
                                                        Wirtschaftskrise
160 %                                                                                                             Irland
                                                        hat die Schulden
                                                        hochgetrieben                                             Portugal
140 %
                                                                                                                  Frankreich
120 %                                                                                                             Spanien
                                                                                                                  Deutschland
100 %
                                                                                                                  Griechenland

 80 %
                                                                                                                  Italien
                                                                                                                  Euro-Länder
 60 %


 40 %


 20 %
                                                                                                         Quelle: EU Kommission
                                                                                                         2012/13: Prognose
  0%
            2000   2001   2002   2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012    2013



        9
Staatsverschuldung vor/in der Krise
     jeweils relativ zur Wirtschaftsleistung

      90,0


      70,0
                                               1996-2007
                                               2007-2011
      50,0


      30,0


      10,0


     -10,0


     -30,0


     -50,0
       Quelle: EU-Kommission (Nov. 2011)
10
Schuldenstand des Staates in % des BIP
Wo kommen die Schulden her?
• Die aktuell hohen Staatsschulden sind kein Ergebnis
  -   eines plötzlich unfinanzierbaren Sozialstaates
  -   der Maßlosigkeit „der kleinen Leute“

• Verschuldung gibt es nicht,
  – weil „wir“ in Österreich, in Deutschland, in Griechenland etc. über
    unsere Verhältnisse gelebt hätten

• Bis zum Ausbruch der Finanzkrise
  – wurde die öffentliche Verschuldung in Relation zum BIP in nahezu
    allen EU-Ländern gesenkt

• Die öffentlichen Schuldenberge sind
  – die direkte Folge der von Banken und Finanzmärkten ausgelösten
    Finanz- und Wirtschaftskrise

• Die Banken- und Finanzkrise wurde zur
  Staatsschuldenkrise umgedeutet
Europa in der Wachstums- und
        Schuldenfalle
Finanz- und Wirtschaftskrise treibt Schulden hoch                                          ver.di Bundesvorstand
                                                                                                      Bereich Wirtschaftspolitik
           Öffentliche Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts
200 %

180 %

160 %

                                                                                                                  Irland
140 %
                                                                                                                  Portugal
                                                                                                                  Frankreich
120 %
                                                                                                                  Spanien
100 %                                                                                                             Deutschland
                                                                                                                  Griechenland
80 %                                                                                                              Italien
                                                                                                                  Euro-Länder
60 %

40 %

20 %
                                                                                        2012/13: Prognose
 0%
         2000   2001     2002   2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013
Quelle: EU Kommission;



    14
Halb Europa in der Wachstums- und Schulden-falle:
Zinsanstieg setzt Staaten unter Druck
(Renditen zehnjähriger Staatsanleihen)




BIP real (2007-2012)
- Griechenland    -20%   - Irland       - 9%
- Estland         - 7%   - Portugal     - 7%
- Italien         - 6%   - Spanien      - 4%
-15
  Deutschland     + 4%   - Österreich   + 4%
Die tatsächliche Ursachen der
     gegenwärtigen Krise
Was ist schuld an der Krise
• Deregulierung – Narrenfreiheit für‘s Kapital

• Shareholder Value – Aufblähung der
  Finanzmärkte

• Zunehmende Ungleichheiten – bei
  Einkommen und Vermögen

• Ungleichgewichte zwischen den
  Volkswirtschaften in der EU/Euro-Zone
Aufblähung der Finanzmärkte




                              18
Realwirtschaftliche Krisenursachen
• Die Ursachen der Finanzkrise kann man nicht nur in
  den Finanzmärkten suchen
• Die Neoliberale Politik führte zu Umverteilung von
  unten nach oben =>
   – Beschränkung der Massenkaufkraft beschränkt rentable
     Realinvestitionen
   – Unternehmen setzen vermehrt auf Übernahmen als auf
     organisches Wachstum
   – Unternehmen „investieren“ auch auf Finanzmärkten – große
     Rolle der Finanzergebnisse
   – Vermögende legen ihren Reichtum vermehrt an den
     Finanzmärkten an
• Schieflage der Verteilung führte zur Umlenkung
  des Gewinnstrebens auf die Finanzmärkte
                                                            19
Zunahme der Ungleichheit
                                                                  Lohnquote n s e it 1960



80,0




75,0




70,0
                                                                                                                              E 15
                                                                                                                               U
                                                                                                                              E 16 ink W-Dtl
                                                                                                                               U
                                                                                                                              Deutschland

65,0                                                                                                                          Westdeutschland
                                                                                                                              Österreich
                                                                                                                              USA
                                                                                                                              Japan

60,0




55,0




50,0
   0




                 6



                        9



                               2



                                      5



                                             8



                                                    1



                                                           4



                                                                  7



                                                                         0



                                                                                3



                                                                                       6



                                                                                              9



                                                                                                     2



                                                                                                            5



                                                                                                                   8



                                                                                                                          1
          3
  6



         6



                6



                       6



                              7



                                     7



                                            7



                                                   8



                                                          8



                                                                 8



                                                                        9



                                                                               9



                                                                                      9



                                                                                             9



                                                                                                    0



                                                                                                           0



                                                                                                                  0



                                                                                                                         1
 9



        9



               9



                      9



                             9



                                    9



                                           9



                                                  9



                                                         9



                                                                9



                                                                       9



                                                                              9



                                                                                     9



                                                                                            9



                                                                                                   0



                                                                                                          0



                                                                                                                 0



                                                                                                                        0
1



       1



              1



                     1



                            1



                                   1



                                          1



                                                 1



                                                        1



                                                               1



                                                                      1



                                                                             1



                                                                                    1



                                                                                           1



                                                                                                  2



                                                                                                         2



                                                                                                                2



                                                                                                                       2
                                                 Que lle . AM ECO Date nbank




                                                                                                                                            20
Steigerung makroökonomischer Ungleichgewichte
• Seit Einführung des EURO nahmen auch die Ungleichgewichte in
der Währungsunion zu.
• Deutschland hatte das geringste Wachstum der Lohnstückkosten
und enorme Leistungsbilanzüberschüsse (Exporte > Importe)
• Dem stehen Leistungsbilanzdefizite in Süd- und Osteuropa
gegenüber.
• Ein Abbau der Ungleichgewichte kann nur gelingen, wenn sich
allem an den Anpassungskosten beteiligen.
• Dh es reicht nicht wenn die Defizitländer ihre
Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
• Es müssen auch die Überschussländer ihre Binnennachfrage und
die Löhne deutlich erhöhen.

 21
Deutschland ist Europameister beim Export und hat zunehmend mehr produziert als konsumiert.
     22
Aber der Exportüberschuss bringt eine steigende Verschuldung der Defizitländer mit sich.
ver.di Bundesvorstand
           Deutschland ganz unten                                                                           Bereich Wirtschaftspolitik

           Steigerung der Reallöhne pro Kopf 2000 gegenüber 2010

                                                                                                                                   29,0%



                                                                                                                           22,6%

                                                                                                                   19,4%
                                                                                                           17,9%
                                                                                                   16,4%
                                                                                           15,0%
                                                                           13,5% 13,8%

                                                            9,6% 10,2%
                                             8,6%   8,8%
                                     7,6%
              6,1%   6,2%    6,5%




      -2,7%




Quelle: Europäische Kommission: Ameco-Datenbank (Deflator: privater Konsum), Stand: März 2011




 23

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  • 1. Ideologie und Wirklichkeit Von der Finanzarktkrise zur Schuldenkrise Wolfgang Greif Leiter der Abt. Europa, Konzerne, Internationale Beziehungen Mitglied im Europä ischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) wolfgang.greif@gpa-djp.at 1
  • 2. Europa steckt in der schwersten Krise seit 80 Jahren
  • 3. Schrumpfende Volkswirtschaften ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik 105 % Bruttoinlandsprodukt, 2008 = 100 Prozent 100 % 95 % Griechenland Irland 90 % Portugal Eurozone 85 % Deutschland Spanien Quelle: Europäische Kommission 80 % 2008 2009 2010 2011 2012 3
  • 4. Europa ohne Arbeit ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik Arbeitslosenquoten in Prozent im Herbst/Winter 2011 Jugendliche unter 25 Jahren 48,9 % Arbeitslosenquote insgesamt 45,1 % 30,4 % 31,3 % 30,2 % 29,2 % 27,2 % 24,2 % 22,2 % 22,8 % 18,3 % 13,6 % 14,3 % 12,9 % 10,% 9,9 % 8,2 % 8,5 % 7,5 % 8,5 % 4,8 % 5,5 % Niederlande Deutschland Schweden Italien Frankreich Polen Portugal Slowakei Irland Griechenland Spanien Quelle: Eurostat 4
  • 5. Soziale Katastrophe in Südeuropa ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik Quoten der Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit 50% Spanien 45% Jugend 40% Griechenland Jugend 35% 30% Portugal Jugend 25% Spanien 20% 15% Griechenland 10% Portugal 5% 0% 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Quelle: Eurostat, Zahlen für Griechenland 2011: November 5
  • 6. Die neoliberale Lesart der Krise & was davon zu halten ist . . .
  • 7. Neoliberale Lesart der Krise • Schuldenkrise als Ergebnis laxer Haushaltspolitik und zu hoher Ausgaben • Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt, der überbordende Sozialstaat verlangt seinen Tribut • Leistungsbilanzen sind Leistungszeugnisse: nur die „schlechten Schüler“ müssen sich ändern – Wettbewerbsfähig werden nach „Deutschem Vorbild“ • Kapitalmärkte sind geeigneter Schiedsrichter für solide Haushaltsführung. 7
  • 8. Alles im Rahmen! ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik Staatsausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts 55% Frankreich 50% Deutschland EU 17 45% Griechenland 40% Spanien 35% 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Quelle: Europäische Kommission; 2000 ohne UMTS-Einnahmen in Deutschland 8
  • 9. Laxe Haushaltspolitik ist NICHT die Ursache ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik Öffentlich Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts 200 % 180 % Die Finanz- und Wirtschaftskrise 160 % Irland hat die Schulden hochgetrieben Portugal 140 % Frankreich 120 % Spanien Deutschland 100 % Griechenland 80 % Italien Euro-Länder 60 % 40 % 20 % Quelle: EU Kommission 2012/13: Prognose 0% 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 9
  • 10. Staatsverschuldung vor/in der Krise jeweils relativ zur Wirtschaftsleistung 90,0 70,0 1996-2007 2007-2011 50,0 30,0 10,0 -10,0 -30,0 -50,0 Quelle: EU-Kommission (Nov. 2011) 10
  • 12. Wo kommen die Schulden her? • Die aktuell hohen Staatsschulden sind kein Ergebnis - eines plötzlich unfinanzierbaren Sozialstaates - der Maßlosigkeit „der kleinen Leute“ • Verschuldung gibt es nicht, – weil „wir“ in Österreich, in Deutschland, in Griechenland etc. über unsere Verhältnisse gelebt hätten • Bis zum Ausbruch der Finanzkrise – wurde die öffentliche Verschuldung in Relation zum BIP in nahezu allen EU-Ländern gesenkt • Die öffentlichen Schuldenberge sind – die direkte Folge der von Banken und Finanzmärkten ausgelösten Finanz- und Wirtschaftskrise • Die Banken- und Finanzkrise wurde zur Staatsschuldenkrise umgedeutet
  • 13. Europa in der Wachstums- und Schuldenfalle
  • 14. Finanz- und Wirtschaftskrise treibt Schulden hoch ver.di Bundesvorstand Bereich Wirtschaftspolitik Öffentliche Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts 200 % 180 % 160 % Irland 140 % Portugal Frankreich 120 % Spanien 100 % Deutschland Griechenland 80 % Italien Euro-Länder 60 % 40 % 20 % 2012/13: Prognose 0% 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Quelle: EU Kommission; 14
  • 15. Halb Europa in der Wachstums- und Schulden-falle: Zinsanstieg setzt Staaten unter Druck (Renditen zehnjähriger Staatsanleihen) BIP real (2007-2012) - Griechenland -20% - Irland - 9% - Estland - 7% - Portugal - 7% - Italien - 6% - Spanien - 4% -15 Deutschland + 4% - Österreich + 4%
  • 16. Die tatsächliche Ursachen der gegenwärtigen Krise
  • 17. Was ist schuld an der Krise • Deregulierung – Narrenfreiheit für‘s Kapital • Shareholder Value – Aufblähung der Finanzmärkte • Zunehmende Ungleichheiten – bei Einkommen und Vermögen • Ungleichgewichte zwischen den Volkswirtschaften in der EU/Euro-Zone
  • 19. Realwirtschaftliche Krisenursachen • Die Ursachen der Finanzkrise kann man nicht nur in den Finanzmärkten suchen • Die Neoliberale Politik führte zu Umverteilung von unten nach oben => – Beschränkung der Massenkaufkraft beschränkt rentable Realinvestitionen – Unternehmen setzen vermehrt auf Übernahmen als auf organisches Wachstum – Unternehmen „investieren“ auch auf Finanzmärkten – große Rolle der Finanzergebnisse – Vermögende legen ihren Reichtum vermehrt an den Finanzmärkten an • Schieflage der Verteilung führte zur Umlenkung des Gewinnstrebens auf die Finanzmärkte 19
  • 20. Zunahme der Ungleichheit Lohnquote n s e it 1960 80,0 75,0 70,0 E 15 U E 16 ink W-Dtl U Deutschland 65,0 Westdeutschland Österreich USA Japan 60,0 55,0 50,0 0 6 9 2 5 8 1 4 7 0 3 6 9 2 5 8 1 3 6 6 6 6 7 7 7 8 8 8 9 9 9 9 0 0 0 1 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 0 0 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 Que lle . AM ECO Date nbank 20
  • 21. Steigerung makroökonomischer Ungleichgewichte • Seit Einführung des EURO nahmen auch die Ungleichgewichte in der Währungsunion zu. • Deutschland hatte das geringste Wachstum der Lohnstückkosten und enorme Leistungsbilanzüberschüsse (Exporte > Importe) • Dem stehen Leistungsbilanzdefizite in Süd- und Osteuropa gegenüber. • Ein Abbau der Ungleichgewichte kann nur gelingen, wenn sich allem an den Anpassungskosten beteiligen. • Dh es reicht nicht wenn die Defizitländer ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. • Es müssen auch die Überschussländer ihre Binnennachfrage und die Löhne deutlich erhöhen. 21
  • 22. Deutschland ist Europameister beim Export und hat zunehmend mehr produziert als konsumiert. 22 Aber der Exportüberschuss bringt eine steigende Verschuldung der Defizitländer mit sich.
  • 23. ver.di Bundesvorstand Deutschland ganz unten Bereich Wirtschaftspolitik Steigerung der Reallöhne pro Kopf 2000 gegenüber 2010 29,0% 22,6% 19,4% 17,9% 16,4% 15,0% 13,5% 13,8% 9,6% 10,2% 8,6% 8,8% 7,6% 6,1% 6,2% 6,5% -2,7% Quelle: Europäische Kommission: Ameco-Datenbank (Deflator: privater Konsum), Stand: März 2011 23

Hinweis der Redaktion

  1. Allzu deutlich ist, dass sich die Folgen der Krise zuspitzen – nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Einbrüche in vielen EU-Ländern, sondern v.a. auch, weil die große Mehrheit der Regierungen auf die sog. Schuldenkrise, die u.a. aufgrund der massiven Deregulierung der Finanzmärkte in den letzten Jahren entstanden ist, mit for­cierter Sparpolitik reagieren. In fast allen EU-Ländern stehen im Zuge der Umsetzung der neu adaptierten Regeln zur wirtschaftspolitischen Steuerung im Euro-Raum die Reduzierung öffentlicher Defizite mit empfindlichen Einschnitten bei öffentlichen Ausgaben, fokussiert auf Einschränkungen von Sozialausgaben und öffentlichen Diensten im Mittelpunkt der anstehenden Konsolidieung. Es wird immer deutlicher: Durch den eingeschlagenen Weg, die Union aus der Krise hinaus sparen zu wollen, spitzen sich die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen der Krise europaweit immer mehr zu. Die europaweit betriebene Sparpolitik droht Europa nachhaltig in eine Rezession zu stürzen. Mehrere Staaten steuern auf eine mehrjährige massive Rezession hin, die in eine Depression zu führen droht.
  2. Wenn kein Politikwechsel Platz greift, dann manövriert sich Europa in den kommenden Jahren mit ziemlicher Geradlinigkeit in eine äußerst angespannte Beschäftigungslage. Der eingeschlagene Weg, die Union aus der Krise hinaus zu sparen, verengt die Arbeitsmarktchancen, nicht zuletzt jener, die bisher schon zu den benachteiligten Gruppen gezählt haben: Jugendliche, niedrig Qualifizierte, Langzeitarbeitslose, Personen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende. Die Stabilisierung von Beschäftigung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze werden immer schwieriger. Europa manövriert sich nachhaltig in eine aufs äußerste angespannte Beschäftigungslage, allem voran - aber nicht nur - für Jugendliche. Seit dem Ausbruch der Krise sind die Arbeitslosenzahlen EU-weit um 20 % gestiegen. In mehreren EU-Ländern beträgt die Jugendarbeitslosigkeit heute mehr als 50%. Das ist Wahnsinn! Das ist ein Skandal!
  3. Die schlimmste Krise ist nicht was an den Börsen passiert, sondern die soziale Krise bzw. Katastrophe, die sich in Griechenland und den anderen südeuropäischen Ländern abspielt: über 20 Prozent Erwerbslose, die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos, massenweise Verelendung, Obdachlosigkeit, soziale Unruhen drohen.
  4. Seit dem Jahr 2007 sind die Staatsschulden EU-weit enorm gestiegen. Vielfach wird getrommelt, dass die Krise der Euro-Zone v.a. in einer laxen Budgetpolitik und in überzogenen Sozialstaaten begründet sein soll. Einige Zitate: „ Wir sind alle vom Sozialstaat verwöhnt.“, Veit Sorger, IV-Präsident, 29. 10. 2010 „ In Wahrheit haben alle über ihre Verhältnisse gelebt, wir alle haben Mitschuld daran.“ Karlheinz Kopf, ÖVP-Klubobmann im NR, 27. 5. 2010 "Der Sozialstaat hat ausgedient", sagt hingegen Barbara Kolm vom Hayek Instituts. "In den letzten Jahren ist der Sozialstaat einfach zu groß geworden, man hat unreflektiert ausgegeben, ohne darüber nachzudenken.“, 10.6.2010 Zitat EZB-Präsident Draghi im April 2012 in Times-Interview: „Das europäische Sozialmodell hat ausgedient“ Das verkennt jedoch komplett die Ursachen der Verschuldungskrise. Sie ist die direkte Folge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, die in hohem Maß auf einer über Jahrzehnte vorangetriebenen Deregulierung der Finanzmärkte basiert. Diese Finanzmarktkrise hat gewaltige Kosten zur Bankenrettung mit sich gebracht und hohe Ausfälle an Steuer- und Beitragseinnahmen bewirkt. Es wird immer deutlicher: Durch den eingeschlagenen Weg, die Union aus der Krise hinaus sparen zu wollen, spitzen sich die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen der Krise europaweit immer mehr zu.
  5. Letztlich sind die Probleme der Krisenstaaten nicht der Grad der absoluten Verschuldung. Diese war bis zum Ausbruch der Krise weitgehend im Lot.. Die Krise ist im Kern keine Staatsschuldenkrise, schon gar keine Krise übermäßiger Staatsausgaben. Selbst in Griechenland ist das zentrale innere Problem die Korruption und die verbreitete Steuerhinterziehung, insb. der Reichen, nicht überhöhte Ausgaben. Sondern tatsächlich ist die Krise Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008.
  6. Die Krise ist im Kern keine Staatsschuldenkrise, schon gar keine Krise übermäßiger Staatsausgaben. Selbst in Griechenland ist das zentrale innere Problem die Korruption und die verbreitete Steuerhinterziehung, insb. der Reichen, nicht überhöhte Ausgaben. Sondern tatsächlich ist die Krise Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008. Erst die notwendigen Gegenmaßnahmen zur Rettung der Banken und der Konjunktur sowie die Steuerausfälle und sozialpolitische Mehrausgaben in Folge der Krise trieben die Staatsverschuldung, die vorher stabil oder sinkend war, so stark in die Höhe. In den Krisenstaaten setzte sich der Anstieg der Verschuldungsquoten trotz bzw. gerade wegen der Austeritätspolitik (Politik der Ausgabenkürzungen) und der dadurch bewirkten Krisenverschärfung auch 2011 und voraussichtlich darüber hinaus fort. Die heutigen Probleme des Euro Resultat liegen in den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Euro-Zone begründet. Es ist eine Krise der Lohnentwicklung, der unterschiedlichen Entwicklung der Lohnstückkosten, die im Euro-Raum nicht mehr durch Auf- und Abwertungen ausgeglichen werden konnten. Eine Währungsunion ohne wirtschaftliche und soziale Ausgleichmechanismen kann auf die Dauer nicht funktionieren.
  7. Kein Wunder, dass vor dem Hintergrund der falschen Erklärung der Krise die bisherigen Antworten zur Krisenlösung nicht nur ungenügend sondern auch kontraproduktiv sind. Die bislang geschnürten Pakete zur Rettung der Euro-Zone sind höchst einseitig auf die Festschreibung einer Sparunion ausgerichtet. In vielen Ländern werden die Kosten in Form rigoroser Sparpakete, Lohnkürzungen und ausbleibenden Investitionen v.a. jenen aufgebürdet, die die Krise nicht verursacht haben. Die gleichzeitige Einleitung von Sparprogrammen in der EU birgt die Gefahr in sich, die wirtschaftliche Abwärtsbewegung zu beschleunigen und die Wachstumsaussichten weiter einzutrüben. Auf der Strecke bleibt die Binnennachfrage als letzte Stütze der Konjunktur. Das ist definitiv der falsche Weg, um die dauerhafte Wachstumsschwäche in weiten Teilen Europas zu korrigieren und die EU insgesamt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Die europaweit betriebene Sparpolitik droht Europa nachhaltig in eine Rezession zu stürzen. Mehrere Staaten steuern auf eine mehrjährige massive Rezession hin, die in eine Depression zu führen droht.
  8. Blinder Glaube an sich selbst regulierende Märkte Deregulierung der Finanzmärkte - Abbau von Kapitalverkehrskontrollen - Kapital wurde international enorm mobil. - Unter den Staaten entstand ein Wettbewerb, um Kapital mit günstiger Besteuerung und attraktiven Rahmenbedingungen (=wenig Regelungen) anzulocken. Zulassung neuer Finanzprodukte: Der Finanzsektor entwickelte jede Menge hochkomplexer Finanzprodukte, an denen vor allem er selbst verdiente. - Finanzinstitute werden unterschiedlich stark reguliert und beaufsichtigt => Es folgte eine Regulierungsflucht in den Schattenbanksektor und in Steuer- und Regulierungsoasen Aufsichtbehörden operieren national, Finanzinstitute grenzüberschreitend. Das macht eine effektive Ausfischt schwierig bis unmöglich. Shareholder Value: Ausrichtung der Unternehmenspolitik an der Maximierung des Unternehmenswertes (in Aktienkurs gemessen) Kurzfristdenken – Quartalsdaten - Kurze Verträge von Managern - Stock Options – Managereinkommen maßgeblich von Höhe der Aktienkurse abhängig – verleiten zum Eingehen von exzessiven Risken. Wenn Kurs steigt enorme Boni, wenn Kurs sinkt, wird Option nicht eingelöst - Zu Lasten Beschäftigter – langfristiger Unternehmenziele: je mehr Gewinn an Aktionäre ausgeschüttet desto weniger für Investition, Innovationen - Überzogene Erwartungen auf Finanzmärkten – Bilanzmanipulationen
  9. Polarisierung der Verteilung: Die fallenden Lohnquoten beschränken die Kaufkraft und Nachfrage breiter Schichten der Bevölkerung. Darauf reagierten verschiedene Wirtschaften unterschiedlich: 1) kreditgetriebenes Wachstumsmodell (USA, GB, Südeuropa). Das Schuldenwachstum ersetzt das Lohnwachstum als Konsummotor. Das funktioniert aber nicht lange und ist nicht nachhaltig aufrechtzuerhalten. 2) exportorientiertes Wachstumsmodell (Deutschland, Japan, China). Die mäßige Inlandsnachfrage wird durch Nachfrage aus dem Ausland ersetzt. Das Wachstum hängt von den Exporten ab. Beide Wachstumsstrategien hängen voneinander ab! Es können Exportweltmeister wie Deutschland nur deshalb Außenhandelsüberschüsse erzielen, wenn sich andere Länder verschulden und mehr importieren als sie selbst exportieren. Daher kann es keinen Ausweg darstellen, wenn jetzt “alle“ dem deutschen Modell folgen wollen und über höhere Wettbewerbsfähigkeit wachsen wollen. Gleichzeitiges Sparen in ganz Europa, insb. In den Defizitländern untergräbtw auch das Wachstum in den Überschussländern Es können nicht alle Wirtschaften mehr exportieren als importieren. In der Summe gleichen sich Exporte und Importe aus.