Zur Theorie und Entstehung von IconsMarlon Jonkers11.01.2013
Zur Theorie und Entstehung von IconsAuf jedem Computer, im Auto und auf allen       Icons und Semiotik                    ...
Zur Theorie und Entstehung von IconsDieses Zeichen stellt eine unmittelbare          Beispiel 1 – Der Apfel               ...
Zur Theorie und Entstehung von IconsWie wir gesehen haben und obwohl Zeichen                                              ...
Zur Theorie und Entstehung von Iconsreligiös und/oder kulturell geprägt. Beispiels-   Indexweise ist das Kreuz und sein Be...
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Auf jedem Computer, im Auto und auf allen mobilen Geräten finden sie sich wieder. Heute sind sie nicht mehr wegzudenken: Es geht um Icons. Icons sind für die schnelle und unkomplizierte Informationsüber-mittlung entwickelt worden. Etwa zur gleichen Zeit wie die grafische Benutzeroberfläche (engl. auch Graphical User Interface oder GUI genannt).
Aber woher kommen Idee und Ansatz? Wie werden Icons über alle Grenzen gleich interpretiert und warum können wir Menschen diese Icons sofort verstehen? Dazu müssen wir in der Zeit zurück. Die Entstehung der Icons greift weitaus tiefer in die Geschichte zurück als man meinen würde. So wurde die erste grafische Benutzeroberfläche mit Icons, Fenstern und sogenannten Widgets zwar im Jahr 1973 von Xerox entwickelt. Icons (oder zu Deutsch auch Ikone genannt) haben allerdings eine weitaus größere Bedeutung als nur im Zusammenhang mit GUIs. Vor allem aber gibt es sie natürlich viel länger.

Icons und Semiotik
Damit die Bedeutung der Icons besser verstanden werden kann, sollte man einiges über Semiotik wissen — eine Wissenschaft, die sich mit Zeichensystemen aller Art befasst. Sie befasst sich mit der Linguistik, der Gestik aber auch Zeichen, wie Abbildungen, Bilderschrift und Symbolik. Es gibt zahlreiche Richtungen der Semiotik und viele Wissenschaftler haben sich über die Jahre mit dieser umfangreichen Wissenschaft beschäftigt. Die ersten aufgezeichneten Werke über Semiotik stammen vom griechischen Philosophen Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.). In seiner Schrift „de Interpretatione“ schrieb er Folgendes:

„Die gesprochenen Worte sind die Zeichen von Vorstellungen in der Seele und die geschriebenen Worte sind die Zeichen von gesprochenen Worten. So wie nun die Schriftzeichen nicht bei allen Menschen dieselben sind, so sind auch die Worte nicht bei allen Menschen dieselben; aber die Vorstellungen in der Rede, deren unmittelbare Zeichen die Worte sind, sind bei allen Menschen dieselben und ebenso sind die Gegenstände überall dieselben, von welchen diese Vorstellungen die Abbilder sind.“
Aristoteles, de Interpretatione

Später wurde die Theorie von Aristoteles unter anderem vom US-amerikanischen Semiotiker Charles S. Peirce (1839 - 1914) aufgegriffen und in der triadischen Relation weiterentwickelt. Laut Peirce ist jedes Denken ein Denken in Zeichen. Er beschreibt in seiner Theorie eine dreistellige Beziehung zwischen:

1. einem Mittel (ein materielles Zeichen)
2. einem Objekt (auf das sich das Zeichen bezieht)
3. einem Interpretanten (ein System, in dem das Zeichen zu verstehen ist)

Zur Verdeutlichung nenne ich das Mittel in Zeichen um, welches eine Abbildung, ein Wort oder etwas Gesehenes sein kann.

Dieses Zeichen stellt eine unmittelbare Relation zu einem Objekt her. Dieses kann gegenständliches oder ein gedankliches Objekt sein. ...

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  1. 1. Zur Theorie und Entstehung von IconsMarlon Jonkers11.01.2013
  2. 2. Zur Theorie und Entstehung von IconsAuf jedem Computer, im Auto und auf allen Icons und Semiotik aber die Vorstellungen in der Rede, derenmobilen Geräten finden sie sich wieder. Damit die Bedeutung der Icons besser unmittelbare Zeichen die Worte sind, sindHeute sind sie nicht mehr wegzudenken: Es verstanden werden kann, sollte man einiges bei allen Menschen dieselben und ebensogeht um Icons. Icons sind für die schnelle über Semiotik wissen — eine Wissenschaft, sind die Gegenstände überall dieselben, vonund unkomplizierte Informationsüber- die sich mit Zeichensystemen aller Art welchen diese Vorstellungen die Abbildermittlung entwickelt worden. Etwa zur befasst. Sie befasst sich mit der Linguistik, sind.“gleichen Zeit wie die grafische Aristoteles, de Interpretatione der Gestik aber auch Zeichen, wieBenutzeroberfläche (engl. auch Graphical Abbildungen, Bilderschrift und Symbolik. EsUser Interface oder GUI genannt). Später wurde die Theorie von Aristoteles gibt zahlreiche Richtungen der Semiotik undAber woher kommen Idee und Ansatz? Wie viele Wissenschaftler haben sich über die unter anderem vom US-amerikanischen Semiotiker Charles S. Peirce (1839 - 1914)werden Icons über alle Grenzen gleich Jahre mit dieser umfangreichen aufgegriffen und in der triadischen Relationinterpretiert und warum können wir Wissenschaft beschäftigt. Die ersten weiterentwickelt. Laut Peirce ist jedesMenschen diese Icons sofort verstehen? aufgezeichneten Werke über Semiotik Denken ein Denken in Zeichen. Er beschreibtDazu müssen wir in der Zeit zurück. Die stammen vom griechischen Philosophen in seiner Theorie eine dreistellige BeziehungEntstehung der Icons greift weitaus tiefer in Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.). In zwischen:die Geschichte zurück als man meinen seiner Schrift „de Interpretatione“ schrieb erwürde. So wurde die erste grafische Folgendes: 1. einem Mittel (ein materielles Zeichen)Benutzeroberfläche mit Icons, Fenstern und 2. einem Objekt (auf das sich das Zeichensogenannten Widgets zwar im Jahr 1973 von „Die gesprochenen Worte sind die Zeichen bezieht)Xerox entwickelt. Icons (oder zu Deutsch von Vorstellungen in der Seele und die 3. einem Interpretanten (ein System, in demauch Ikone genannt) haben allerdings eine geschriebenen Worte sind die Zeichen von das Zeichen zu verstehen ist)weitaus größere Bedeutung als nur im gesprochenen Worten. So wie nun dieZusammenhang mit GUIs. Vor allem aber Schriftzeichen nicht bei allen Menschen Zur Verdeutlichung nenne ich das Mittel ingibt es sie natürlich viel länger. dieselben sind, so sind auch die Worte nicht Zeichen um, welches eine Abbildung, ein bei allen Menschen dieselben; Wort oder etwas Gesehenes sein kann. 2
  3. 3. Zur Theorie und Entstehung von IconsDieses Zeichen stellt eine unmittelbare Beispiel 1 – Der Apfel Beispiel 2 – Der ElefantRelation zu einem Objekt her. Dieses kann In unserem Beispiel nutzen wir die stilisierte Um zu vereinfachen, habe ich Peirce Theoriegegenständliches oder ein gedankliches Abbildung eines Apfels als Zeichen, das hier übertragen und zusätzlich um die Ebene desObjekt sein. Der Interpretant bezieht sich auf abgebildet ist. Kontextes erweitert. Das Beispiel findet sichdie Bedeutung des Zeichens, welches auch Jetzt stelle man sich dieses Zeichen zu-nächst in Abbildung 1 wieder. Wir setzen als Zeichenals Fazit, das wir aus der Beziehung auf einer Webseite für Biogemüse vor, dann die stilisierte Abbildung eines Elefanten ein.zwischen Zeichen und Objekt interpretieren auf einer Webseite für Computer-Hardware. Je Unser Objekt ist der reale Elefant.(sollen), bezeichnet werden kann. Theorie istgut. Praxis ist besser. Daher sollen die nach Fall ändert sich die Beziehung zwischen Wenn unser Kontext, in dem wir uns bewegen,folgenden Beispiele die Theorie für die Zeichen und Objekt (dem Apfel) denn der ein Schuhgeschäft für Kinder ist, wäre unserPraxis verdeutlichen. Interpretant, also das Fazit, was man daraus Interpretant also das Fazit: „Die Kinderschuh- zieht ist unterschiedlich und verweist marke ‚Elefanten‘ ist hier vorhanden.“ entweder auf Bio-Früchte oder Computer- In der Abbildung 2 haben wir den Kontext Hardware einer bekannten Marke. verändert und wir sind wieder mit unseren Kindern unterwegs, allerdings dieses Mal auf dem Weg in den schönen Taunus. Bei Erkennen des Zeichens am Straßenrand verändert sich der Interpretant.. Es ist in diesen Fall keine Schuhmarke mehr sondern der Hinweis auf die Abfahrt zum Opel-Zoo in Kronberg. Allerdings gilt das nur für Eingeweihte, die vom Zoo wissen. Für Nicht- Eingeweihte könnte das Fazit lauten: „Hier geht es zum Factory-Shop der SchuhmarkeDas semiotisches Dreieck ‚Elefanten‘.“ Allerdings wäre das eine Irreführung, denn diesen gibt hier nicht. Ein Icon für „Apfel“ 3
  4. 4. Zur Theorie und Entstehung von IconsWie wir gesehen haben und obwohl Zeichen leicht zu deuten, obwohl auch sie im Laufeund Objekt gleich sind, haben der Kontext der Geschichte ihre ursprünglichenund der Stil des Zeichens einen entscheiden- Bedeutungen verloren haben. Die Abbildungden Einfluss auf die Interpretation und damit eines Vogels stand nicht mehr für das Wortauf das Fazit. Um noch mehr über Icons zu „Vogel“, sondern für einen Gott oder alserfahren wird auch das Wissen über die Zeichen für Luft. Die Zeichnungen wurden imZeichensorten benötigt, in denen sich die Laufe der Zeit so weit stilisiert, dass sie ohneIcons als Untergruppe wiederfinden. Sprachkenntnisse unmöglich zu lesen waren. Übertragen auf die heutige Zeit wäre das mit dem Speichersymbol der Diskette zu vergleichen. Auch wenn wir mit modernen PCs Abbildung 2 seit der Jahrtausendwende nicht mehr auf Diskette speichern und die jüngeren Die Zeichensorten Generationen die Laufwerke nicht mehr Es gibt drei Sorten von Zeichen (Mittel) in kennen, so hat sich die Bedeutung des dieser Theorie: Symbols nicht grundlegend verändert. Es hat • Ikon sich von „auf Diskette speichern“ hin zu • Index „Speichern“ verändert. Dabei spielt es keine • Symbol Rolle, ob das Medium eine Flash-Card, eine Festplatte oder sogar die Cloud ist, obwohl wirAbbildung 1 Ikon immer noch auf das Symbol mit der Diskette klicken. Wir dürfen gespannt sein, wie das Ein Ikon (nicht zu verwechseln mit Ikonen) ist Icon im Jahr 2025 aussehen wird. ein Zeichen, bei dem eine äußerliche Ähnlich- keit zwischen Abbildung und Bedeutung Symbol besteht. Diese kann man mit Höhlenmalereien Symbole haben eine vereinbarte Bedeutung oder Hieroglyphen vergleichen. Diese Zeichen (ohne Einweihung oder Kenntnisse sind sie überschritten die Sprachbarriere und waren nicht zu verstehen) und sind vorwiegend 4
  5. 5. Zur Theorie und Entstehung von Iconsreligiös und/oder kulturell geprägt. Beispiels- Indexweise ist das Kreuz und sein Bedeutung sowohl Eine weitere Sorte von Zeichen ist der Index, derfür Christen als auch für Nicht-Christen in auch als Signal betrachtet werden. Der Indexwestlichen Ländern bekannt und eindeutig. kann nur als Zeichen auf das Objekt verweisen,Dagegen ist der hinduistische Om (das Zeichen wenn dieses auch unmittelbar und physischfür Hinduismus) fast unbekannt. vorhanden ist. Zum Beispiel die umgeknickte Seitenecke in einem Buch. Auf einem normalen DIN A4 Blatt sagt die umgeknickte Seitenecke (Zeichen) nicht viel aus, erst wenn sie mit einen Buch (das Objekt) verbunden wird, bekommt Index: Dunkle Wolken sind ein Zeichen für das Zeichen seinen Interpretant also sein Fazit, Regen. © Bidgee nämlich dass es die Seite ist, auf der man sich zuletzt beim Lesen hat befunden. Symbol: „ICHTHYS“ Ein Icon: „Zuhause“ oder „Home“ 5
  6. 6. Zur Theorie und Entstehung von IconsIkone werden Icons und Piktogramme QuellenStellen Sie sich den Alltag ohne sie vor. Was Icons im Dock bei Mac OS X 10.5.8 • Semiotikwäre, wenn sie von heute auf morgen • semiotischen Dreieckverschwinden würden? Heutzutage werden Im Allgemeinen dienen Piktogramme und Icons • Geschichte von GUIIkone überall verwendet. Gute Beispiele sind der schnellen und unkomplizierten • Symbol Omdie sogenannten Piktogramme, wie z.B. Informationsvermittlung — vor allem aber auch • Quelle Bildmaterial (Gewitterwolken)Verkehrsschilder oder Waschanleitungen. Sie international. Denn Computer und anderestellen eine Untergruppe der Ikone dar. Bedienoberflächen werden vonPiktogramme müssen schnell und einfach zu unterschiedlichen Kulturen benutzt. Deshalberkennen sein. Sie müssen auch ohne müssen gerade hier Icons die SprachbarriereVorkenntnisse die Informationen vermitteln, durchbrechen können.die man braucht. Bei Icons kann man nach all den Jahren die Kontakt Theorie von Charles S. Peirce immer noch anwenden, um die wichtigsten Voraussetzungen Iconstorm - Agentur für für eine stimmige Bedeutung herauszufinden: Markentechnik GmbH & Co. KGQuelle: Piktogramme des US National Park Hanauer Landstraße 184 Stimmt die Beziehung zwischen Zeichen, Objekt und dem Interpretant im jeweiligen Kontext? D-60314 Frankfurt am MainIm Computerbereich und bei anderenBedienfunktionen werden die Ikone Icons Tel.: +49 (0) 69 - 401484-0 Probieren Sie es selbst aus. Sie werden Fax: +49 (0) 69 - 401484-33genannt und sind ein gebräuchliches Mittel zur überrascht und erstaunt sein, wie einfach und www.iconstorm.deVereinfachung der Gestaltung und Benutzung wirkungsvoll dieses Prinzip anzuwenden ist. info@iconstorm.degrafischer Benutzeroberflächen geworden. Viele Dabei wünschen wir viel Spaß und Vergnügen.Icons müssen erst erlernt werden und benötigen Dieses Konzept ist geistiges Eigentum der Iconstorm – Agentur füreine hohe Wiedererkennbarkeit, damit sich Markentechnik GmbH & Co. KG. Es ist urheberrechtlich geschütztNutzer die Bedeutung schnell und einfach und darf nur mit ausdrücklicher vorheriger Einwilligung verwendet werden.einprägen können. © 2013 Iconstorm 6

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