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9. Jahrgang
                                                                                     Heft 4
                                                                                     Juli 2004
Deutsche Arachnologische Gesellschaft e.V.




                                             in dieser Ausgabe:
                                             • Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der
                                              brasilianischen Kammspinne Phoneutria nigri-
                                              venter (KEYSERLING, 1891)
                                             • Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996)
                                              in der Artvorstellung
                                             • Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus
                                              hasselti in der Artvorstellung
                                             • Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für
                                              Vogelspinnen
                                                                                     ISSN 1613-2688
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                                                  ARACHNE 9(4), 2004
                                              Impressum                                                                                                                     Inhalt
Redaktion                                                     Text Format oder *.txt) per E-Mail, 3,5" Diskette oder                                                                                                          Seite:
Volker von Wirth                Martin Huber                  CD-R. Gattungs- und Artnamen sind kursiv zu schrei-
Lilienstr. 1                    Dorfstr. 5                    ben, Überschriften sollen hervorgehoben werden, wei-
71723 Großbottwar               82395 Obersöchering           tere Formatierungen sind zu unterlassen.
    von-wirth@dearge.de            huber@dearge.de            Mit der Abgabe des Manuskripts versichern die Auto-          Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der brasiliani-
                                                              ren, dass sie allein befugt sind, über die urheberrechtli-   schen Kammspinne Phoneutria nigriventer (KEYSERLING, 1891) . . 4 - 9
Tobias Dörr                     Marcus Löffler                chen Nutzungsrechte an ihren Beiträgen, einschließlich       von Volker Herzig
Falkenstr. 24                   A. d. Ronnenheide 6a          eventueller Bild- und anderer Reproduktionsvorlagen
30449 Hannover                  45731 Waltrop                 zu verfügen und dass der Beitrag keine Rechte Dritter
   doerr@dearge.de                 loeffler@dearge.de         verletzt.                                                    Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996) in der
                                                              Eingereichte Manuskripte werden ggf. an die Formatie-        Artvorstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 - 15
Kleinanzeigen, Kontakte & Leserbriefe                         rung und den Stil des Journals angepasst. Rechtsschrei-      von Tristan Meschede
Kleinanzeigen können von Mitgliedern in beliebiger            bung und Grammatik werden überprüft und gegebe-
Anzahl an die Anzeigenannahme geschickt werden. An-           nenfalls geändert.
nahmeschluss ist der 10. eines jeden Monats. Zu spät
                                                                                                                           Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus hasselti
eingehende Anzeigen werden nicht automatisch in der           Copyright 2004                                               in der Artvorstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 - 19
nächsten Ausgabe veröffentlicht. Wir veröffentlichen          Die Vervielfältigung jedweder Art (auch auszugsweise)        von Stephan Martini
auch alle Informationen über Börsen und Ausstellun-           bedarf der schriftlichen Genehmigung durch die
gen. Kleinanzeigen und Termine bitte per E-Mail,              DeArGe e.V. Sofern nicht anders angegeben, stammen
                                                              die Bilder von der Redaktion. ISSN 1613-2688
                                                                                                                           Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für Vogelspinnen . 20 - 21
maschienengeschrieben bzw. in Druckbuchstaben an
die Anzeigenannahme schicken!                                                                                              von Mario Wilfert
                                                              Titelfoto: Latrodectus hasselti, Weibchen
Anzeigen- & Leserbriefannahme                                 Foto: Peter Grabowitz                                        kürzlich publiziert
Michaela Biese                                                                                                                         Buchrezension: Vogelspinnen. DRACO Terraristik
Düsterbeck 51                                                 Bankverbindung
45731 Waltrop                                                 Deutsche Arachnologische Gesellschaft e.V.                               Themen heft Nr. 16(4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 - 28
   anzeigenannahme@dearge.de                                  Raiffeisenbank Frechen+Hürth eG
                                                              Kontonummer: 701493010                                                   Buchrezension: Günter Schmidt (2003): Die Vogelspin-
   leserbriefe@dearge.de
                                                              BLZ : 37062365                                                           nen – Eine weltweite Übersicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 - 34
Nachbestellservice
Fehlende Ausgaben der »ARACHNE« (ehem. »Mittei-               Fachbeiräte                                                  Vereine informieren
lungen«) können schriftlich bei der Redaktion nachbe-         * für Systematik und Taxonomie
                                                              Dipl. Biol. Boris Striffler                                              Der Vogelspinnen- und Reptilien-Stammtisch Mainz
stellt werden (sofern noch vorhanden). Die Kosten
betragen pro Heft 5 EUR.                                      Zoologisches Forschungsinstitut                                          stellt sich vor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 - 37
                                                              und Museum A. Koenig
Artikel                                                       53113 Bonn                                                               Arachnida Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 - 38
Berichte über Haltung, Reisen oder sonstige interessan-
te Themen werden gerne entgegengenommen und in                * für Vogelspinnenökologie und -ethologie                                Vogelspinne e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 - 39
der Reihenfolge des Eingangs veröffentlicht. Wir setzen       Dipl. Biol. Dirk Weinmann
die Einhaltung unseres Ethikkodexes und ebenso auch           70734 Fellbach                                               Presse & Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 - 40
die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen voraus.
Mit Verfassernamen gekennzeichnete Beiträge geben             Druck
                                                              Druck + Papier Meyer GmbH                                    Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und der
DeArGe e.V. wieder. Für Berichte und auch für die             91443 Scheinfeld
Anzeigen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.        ℡ 09162-9298-0                                               Vereinsnachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 - 42
Für unverlangt eingesandtes Redaktionsmaterial (Ma-
nuskripte, Fotos, Bücher, etc.) kann keine Haftung            Homepage-Redaktion                                           zum Schmunzeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
übernommen werden.                                            Thorsten Gurzan                    Mandy Raasch
                                                              Ringener Str. 15                   Schmollerstr. 10
                                                              53501 Grafschaft-Karweiler         74074 Heilbronn
                                                                                                                           Kleinanzeigen & Kontakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Hinweise für Autoren
Beiträge können in handschriftlicher, maschinenge-               gurzan@dearge.de                   raasch@dearge.de
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reicht werden. Bevorzugt werden Manuskripte in elek-          http://www.dearge.de
tronischer Form (WinWord, StarOffice Writer, Rich-                                                                         Stammtische . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
                                                          2                                                                                                                     3
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                        ARACHNE 9(4), 2004




Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der                                                       Verhalten durchaus zu. Deshalb halte ich es (2000) 5-10 mal empfindlicher auf das Gift
                                                                                                     für keine besonders kluge Idee, sich diese von P. nigriventer als Mäuse. Da außerdem
brasilianischen Kammspinne Phoneutria nigriventer                                                    Tiere nur zum Spaß zu Hause zu halten, nicht nur Schwankungen in der Giftmenge,
(KEYSERLING, 1891)                                                                                   insbesondere da vermutlich die allerwenig- sondern auch die Verfassung des Bissopfers
von Volker Herzig                                                                                    sten Phoneutria-Halter das vom Butantan- (z.B.: Alter, Gesundheitszustand) eine wich-
                                                                                                     Institut in Brasilien hergestellte Antiserum tige Rolle spielen, ist der Verlauf der Vergif-
                                                                                                     vorrätig haben. Somit könnten auch unbe- tungssymptome und die dazu passende
Mit Interesse habe ich den Phoneutria-Artikel tungsbedingungen für die (zur Serumpro-                teiligte Personen durch die Haltung dieser Behandlung immer vom jeweiligen Einzel-
von JOHN OSMANI (2003) gelesen und mich duktion gehaltenen) Phoneutrias anzuschauen                  Giftspinnen gefährdet werden, da ein gewis- fall abhängig. In der Regel ist aber die Gabe
entschlossen, für die DeArGe-Mitglieder (Foto 1), die natürlich etwas professioneller                ses Restrisiko ja nie ganz auszuschließen ist.           des Antiserums (Butantan Institut, Brasilien)
noch etwas ausführlicher über das Gift und waren als in meinem Labor (Foto 2).                            P. nigriventer ist eine der wenigen Spin- als das Mittel der Wahl für die Behandlung
die Giftigkeit dieser Spinnen zu berichten.                    Einleitend möchte ich noch ein paar   nenarten, die durch ihr Gift auch dem Men- von Phoneutria-Bissen anzusehen.
Dieser 1. Artikel und der in einer späteren Anmerkungen zu der oft beschriebenen                     schen gefährlich werden kann. Zur Angabe                      Unter Gift versteht man generell ein
Ausgabe der »ARACHNE« folgende 2. Teil (»sagenumwobenen«) Aggressivität von                          der Gefährlichkeit eines Giftes wird die Gemisch, das aus einer Vielzahl von Sub-
über entwicklungsabhängige Variationen ba- P. nigriventer machen. Nach meinen eigenen                mittlere letale Giftdosis (median lethal dose stanzen bestehen kann. Diejenigen Kompo-
sieren auf Ergebnissen verschiedener Wis- Beobachtungen zeigt P. nigriventer dieses viel             = LD50), also die Dosis bei der die Hälfte nenten, die für die toxischen oder letalen
senschaftler sowie auf meinen eigenen Re- beschriebene Abwehrverhalten (Beschrei-                    der getesteten Mäuse sterben, verwendet. Effekte verantwortlich sind, werden als
sultaten (veröffentlicht unter HERZIG et al., bung siehe z.B. OSMANI, 2003) nur, wenn sie            Vergleicht man die LD50 verschiedener Toxine bezeichnet. Das getrocknete Gift
2002), die ich während meiner 10-monatigen in die Enge getrieben wird, also genau wie                Giftspinnen und -skorpione (d.h. für den von P. nigriventer ist ein grau-weißes Pulver
Arbeit an der Universität von São Paulo bei einigen Vogelspinnenarten. In freier                     Menschen potentiell gefährliche) wie in Ta- das hauptsächlich aus basischen Peptiden
(USP) in Ribeirão Preto (Brasilien) ge - Wildbahn hingegen haben alle P. nigriventer                 belle 1, so erweist sich das Gift von P. und Proteinen (54%) sowie aus freien Ami-
wonnen habe und die als Grundlage für die ich fangen wollte, stets zuerst versucht                   nigriventer unter den Spinnen als das bei wei- nosäuren (26%) besteht (F ISCHER and
meine spätere Diplomarbeit (HERZIG, 2001) die Flucht zu ergreifen. Erst wenn dies nicht              tem potenteste. Lediglich die Gifte einiger B OHN , 1957; S CHENBERG and P EREIRA
im Fach Biologie dienten. Alle Versuche da- mehr möglich war, kam es zum Angriffsver-                Skorpionarten scheinen ähnlich gefährlich LIMA, 1962). Beim Gift von P. nigriventer han-
zu wurden 1999 durchgeführt und sämtliche halten. Daher bin ich der Meinung, dass das                zu sein. Die extrahierte Giftmenge unterliegt delt es sich um ein Nervengift, in dem bis-
Spinnen wurden auf dem Campus der USP, aggressive Verhalten von P. nigriventer oft-                  bei vielen Arten jedoch                                                    her über 25 neurotoxische
Ribeirão Preto gefangen, zur Giftentnahme mals zu sehr verallgemeinert wird. In Gefan-               deutlichen Schwankungen.                                                   Proteine (= Toxine) nach-
im Labor gehalten und anschließend von genschaft hingegen, wo kaum Fluchtmög-                        Bei P. nigriventer wurde so-                                               gewiesen wurden (C OR -
Dr. ANTONIO BRESCOVIT (Butantan Institut, lichkeiten bestehen, trifft das beschriebene               gar eine maximale Tro -                                                    DEIRO et al., 1995). Diese
São Paulo) als Phoneutria nigriven-                                                                  ckengiftmenge von 8,0 mg                                                   Phoneutria-Toxine können
ter (KEYSERLING, 1891) identifi-                                                                     erzielt (LUCAS, 1988), was                                                 die unterschiedlichsten Re-
ziert. Dr. B RESCOVIT ist übri-                                                                      nach Berechnung wie in                                                     ak tionen erzeugen und
gens auch Co-Autor der aktuell-                                                                      Tabelle 1 eine Letalität für                                               wirken teilweise spezifisch
sten Revision (SIMÓ und BRES-                                                                        1333 Mäuse ergeben wür-                                                    auf Wirbeltiere oder Wir-
COVIT , 2001) über die Gattung                                                                       de. Auf Menschen lassen                                                    bellose. Das Gift verur-
Phoneutria, wonach es noch fol-                                                                      sich diese Werte jedoch                                                    sacht bei Mäusen Atem-
gende fünf gültige Arten gibt:                                                                       nicht direkt übertragen, sie                                               not, Er schöp fung sowie
P. bahiensis, P. boliviensis, P. fera, P.                                                            können aber zumindest ei-                                                  Lähmung der Hinterextre-
nigriventer und P. reidyi (Farbtafel                                                                 nen groben Anhaltspunkt                                                    mitäten. Der Tod tritt
Abb. 1). Während meines kur-                                                                         für die mögliche Gefähr-                                                   schließlich durch Atemläh-
zen Aufenthalts im Butantan                                                                          lichkeit eines Bisses lie-                                                 mung ein. Menschen be -
Institut hatte ich auch die Mög-                                                                     fern. Allerdings reagieren                                                 rich ten, dass sofort nach
                                          Foto 1: Tierhaltung Butantan Institut                                                        Foto 2: Tierhaltung Labor Ribeirão Preto
lichkeit, mir die dortigen Hal-           Foto: Volker Herzig                                        Menschen laut S CHMIDT            Foto: Volker Herzig                      Phoneutria-Bissen ein inten-
                                                4                                                                                                      5
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                            ARACHNE 9(4), 2004



                                                                                                           um nach Weibchen zu suchen, was zu einem             und von solchen die gerade einen Kokon
                                       durchschnittliche LD50 (i.v.) in max. Anzahl getö-
                                                                                                           Anstieg in der Häufigkeit von Bissunfällen           haben, weniger gefährlich sind (zumindest
                      Art              Trockengiftmasse Mäusen (mg/kg) teter Mäuse pro
                                                                                                           führt (R AMOS et al., 1998). Aus diesem              für Mäuse). Eine mögliche Erklärung für
                                         pro Tier (mg)                   Biss bzw. Stich
                                                                                                           Grund erschien es mir wichtig, die ge -              diese geringere Giftausbeute kokontragen-
             Atrax robustus                  0,31                   10-17,5               0,9-1,6          schlechtsspezifischen Unterschiede im Gift           der Weibchen kann der Energieaufwand
             Latrodectus geometricus         0,3                     11,5                   1,3            von P. nigriventer in meiner Studie genauer zu       sein, der zur Herstellung und Pflege des
             Latrodectus mactans             0,6                      5,5                   5,5            untersuchen.                                         Kokons benötigt wird. Dies könnte dazu
 Spinnen




             Loxoxsceles reclusa             0,07                     4,6                   0,8                Tabelle 2 zeigt die in meinen Versuchen          führen, dass nicht mehr genug Energiereser-
             Loxosceles rufipes              0,7                     10,0                   3,5            mittels elektrischer Giftextraktion gewonne-         ven für die Giftsynthese übrig bleiben.
             Loxosceles similis              0,7                      6,5                   5,4            ne durchschnittliche Trockengiftmasse pro                 Adulte männliche P. nigriventer sind nicht
             Lycosa erythrognatha            1,0                      4,0                 13,0             Spinne in Gruppen von unterschiedlich                nur kleiner als die Weibchen sondern haben
             Trechona venosa                 1,0                      1,5                 33,0             großen Exemplaren sowie deren Proso-                 auch eine deutlich geringere Giftausbeute
             Phoneutria nigriventer          1,25                     0,3                208,0             malänge und die Anzahl der jeweils extra-            und, was noch wichtiger ist, ein weniger als
                                                                                                           hierten Spinnen. Ferner sind die ermittelten         halb so potentes Gift (siehe Tabelle 2). Das
             Androctonus amoreuxi          0,38-0,72                  0,36                53-100
                                                                                                           mittleren letalen Dosen (getestet an männli-         Gift der größten weiblichen Exemplare von
 Skorpione




             Androctonus australis            1,4                     0,49               143,0
                                                                                                           chen weißen Mäusen nach intravenöser                 P. nigriventer hätte somit eine Letalität (nach
             Leiurus quinquestriatus          0,65                 0,15-0,30             108-217
                                                                                                           Injektion) der Gifte von weiblichen (mit und         gleicher Berechnung wie in Tabelle 1) für
             Tityus bahiensis                 0,39                    1,32                15,0
                                                                                                           ohne Kokon) und männlichen P. nigriventer            knapp 86 Mäuse, das der Männchen hinge-
             Tityus serrulatus                0,62                 0,96-1,25              25-32
                                                                                                           angegeben. Diese Ergebnisse zeigen, dass             gen nur für 12 (das entspricht einem Faktor
                                                                                                           große Weibchen ohne Kokon eine mehr als              von 7). Vergleicht man die LD50-Werte mei-
Tabelle 1: Vergleich der Trockengiftmasse und LD50 verschiedener Giftspinnen und -skor-                    doppelt so hohe Ausbeute an Trockengift              ner Studie mit früheren Arbeiten, so berich-
pione (aus SCHMIDT, 2000, verändert) und deren daraus resultierende maximale Letalität für                 liefern wie Weibchen, die gerade einen Ko-           tet z.B. BÜCHERL (1956) von einer LD50
Mäuse.                                                                                                     kon mit sich führen. Selbst Weibchen, die            von 0,3 mg/kg, was weder mit meinen Wer-
                                                                                                           ebenso groß sind wie die kokontragenden              ten für das Gift von Weibchen, noch mit
siver, lokaler Schmerz einsetzt, welcher                       Zur Häufigkeit von Unfällen mit Gifttie-    Weibchen, zeigen noch eine größere Gift-             denen von Männchen übereinstimmt. In
durch den hohen Gehalt an Histamin und                     ren in Brasilien gibt es inzwischen eine        ausbeute. Die Letalität unterscheidet sich           BÜCHERL s Arbeit wurde aber nur das Gift
Serotonin im Gift hervorgerufen wird.                      große Anzahl von Daten. Von 88.000 im           dagegen so gut wie nicht bei Weibchen mit            von weiblichen P. nigriventer untersucht (nicht
Ebenfalls zeigt über die Hälfte aller Patien-              Vital-Brazil Krankenhaus in São Paulo in        und ohne Kokon. Daher kann vermutet                  P. fera wie irrtümlich von Bücherl beschrie-
ten eine lokale Ödembildung an der Bissstel-               einem Zeitraum von 50 Jahren behandelten        werden, dass Bisse von kleineren Weibchen            ben, da in der Umgebung des Butantan-
le (C OELHO and G ONÇALVES , 1993). BÜ -                   Bissunfällen wurden 35 % durch Spinnen,
CHERL (1956) beschreibt zwei unterschied-                  25 % durch Skorpione und 12 % durch                               Prosomalänge   Anzahl                 Trockengiftmasse        LD50 in Mäusen
liche Phasen der Giftwirkung, eine anfängli-               Schlangen verursacht (CARDOSO, 1996). Die         Geschlecht       (mm) ± SD   extrahierter              pro Spinne (mg)           (mg/kg)
che erregende und eine darauf folgende                     meisten der Spinnenbisse (60%) waren der                                         Spinnen
beruhigende Phase. Die erregende Phase ist                 Gattung Phoneutria, besonders der dort häu-
gekennzeichnet durch Symptome wie er -                     fig vorkommenden P. nigriventer zuzuschrei-       Weibchen           15,8 ± 0,6           21                    1,079                  0,63
niedrigte Körpertemperatur, Erbrechen,                     ben (LUCAS, 1988). Es wird vermutet, dass         Weibchen           13,5 ± 0,6           17                    0,548             nicht getestet
Ejakulation, schneller unregelmäßiger Puls,                aufgrund ihrer höheren Giftmenge die größ-
Schwitzen und Schüttelfrost, wonach dann                   te Gefahr für Menschen von weiblichen             Weibchen
                                                                                                                                13,9 ± 1,7            6                    0,462                  0,61
meist wieder eine Erholung eintritt. In den                P. nigriventer ausgeht, jedoch werden über       (mit Kokon)
seltenen ernsten Vergiftungsfällen folgt die               70% der Phoneutria-Bisse durch Männchen           Männchen           11,8 ± 2,7           12                    0,386                  1,57
beruhigende Phase mit Symptomen wie                        verursacht (C OELHO and G ONÇALVES ,
Lähmungen, Blindheit, Krämpfe und Tod                      1993). Besonders während der Paarungszeit       Tabelle 2: Unterschiede in der Trockengiftmasse und LD50 von männlichen und weiblichen
durch Atemlähmung.                                         (April bis Juli) streifen die Männchen umher,   Phoneutria nigriventer.
                                                       6                                                                                                    7
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                           ARACHNE 9(4), 2004



Instituts um São Paulo herum nur P. nigriven-       nach einem passenden Weibchen zu ma -              an explanation why serious spiderbites from            HERZIG, V., WARD, R.J., DOS SANTOS,W.F.
ter vorkommt und P. fera vom Amazonas               chen.                                              Phoneutria nigriventer have been mainly caused            (2002): Intersexual variations in the
beschrieben wurde, vgl. SIMÓ und BRESCO-                 Zusätzlich zu den bereits erwähnten           by females and not by males. On the other                 venom of the Brazilian armed spider
VIT , 2001). Die Spinnen für meine Arbeit           Tests an Mäusen und Termiten, habe ich das         hand, lower venom doses of male venom in                  Phoneutria nigriventer (K EYSERLING ,
wurden ausschließlich auf dem Campus der            Gift beider Geschlechter von P. nigriventer        termites were even more potent in respect                 1891). Toxicon 40: 1399-1406.
USP in Ribeirão Preto gefangen, wohinge-            noch mit physikalisch-chemischen Metho-            to paralysis and lethality. Finally, electropho-       L UCAS , S. (1988): Spiders In Brazil (Re -
gen die in Butantan von BÜCHERL unter-              den (Gelelektrophorese) auf Unterschiede           retic analysis demonstrated large proteins                view). Toxicon 26: 759-772.
suchten Exemplare zum Großteil aus der              im Proteingehalt untersucht. Dabei stellte         (66-200 kDa) exclusively in male venom,                O LIVEIRA -C ALEGARIO, L., D E L IMA ,
Gegend von São Paulo stammten (das ca.              sich heraus, dass geschlechtsunabhängig            while similar-sized small proteins (< 45                  M.E., CORDEIRO, M.N., DINIZ, C.R.
300 km von Ribeirão Preto entfernt ist). So-        gleich große niedermolekulare (= 45 kDa            kDa) were found in venom from both sexes.                 (2000): Estudo comparativo da consti-
mit könnten regionale Schwankungen in der           Molekulargewicht) Proteine nachgewiesen                                                                      tuiçao e neurotoxicidade dos venenos de
LD50 innerhalb dieser Art eine mögliche             wurden. Im Gift von Männchen wurden                LITERATUR                                                 aranhas macho e femea da especie Pho-
Erklärung für die gefundenen Unterschiede           allerdings noch zusätzlich größere Proteine                                                                  neutria nigriventer. Abstract P11, VI. Sim-
liefern.                                            (66-200 kDa) gefunden, die nicht im Gift           B ÜCHERL , W. (1956): Südamerikanische                    pósio do Sociedade Brasileira de Toxinologia.
     Außer der Bestimmung der LD50 in               von Weibchen nachgewiesen werden konn-                Spinnen und ihre Gifte. Arzneimittel For-           O SMANI , J. (2003): Anmerkungen zu den
Mäusen habe ich noch die Wirkung des Gif-           ten. Diese Beobachtung deckt sich mit den             schung 6: 293-297.                                     Spinnen der Gattung Phoneutria (PERTY,
tes von adulten männlichen und großen               Ergebnissen von O LIVEIRA -C ALEGARIO et           CARDOSO, J.L.C. (1996): Hospital Vital Bra-               1833). DeArGe-Mitteilungen 6: 4-7.
weiblichen P. nigriventer auf Arbeiter-Termi-       al. (2000), die ebenfalls Männchen-spezifi-           zil: 50 years of clinical experience at             R AMOS , E.F., A LMEIDA , C.E., G OUVEA ,
ten (Sintermes spec., bestimmt von THOMAS           sche Komponenten im Gift von P. nigriventer           Instituto Butantan, São Paulo. Toxicon 34              E., CARMO-SILVA, M.D. (1998): Consi-
SCHLEMMERMEYER , Ribeirão Preto) unter-             gefunden haben. Die Funktion dieser Kom-              (2): 158.                                              derações Sobre Atividade De Loco-
sucht, um einen Anhaltspunkt für die Wirk-          ponenten ist bis jetzt noch nicht geklärt,         C OELHO, L.K., G ONÇALVES J R . (1993):                   moção, Preferencia Por Ecótopos E
samkeit des Giftes in Wirbellosen zu erhal-         eine letale Wirkung auf Wirbeltiere ist da-           Phoneutria sp. bite: clinical aspects and              Aspectos Territoriais De Phoneutria
ten. Dabei stellte sich heraus, dass die ver-       durch allerdings nicht zu erwarten, da das            treatment. Toxicon 31 (2): 120.                        nigriventer (KEYSERLING , 1891), (Ara-
wendeten Dosierungen (2 bis 5 µg Trocken-           Gift der Männchen in dieser Hinsicht deut-         C ORDEIRO, M.D.N., R ICHARDSON , M.,                      neae, Ctenidae). Rev. Bras. Biol. 58 (1): 71-
gift pro Termite) vom Gift beider Ge -              lich weniger potent ist als das der Weibchen.         G ILROY, J., F IGUEIREDO, S.G.D.,                      78.
schlechter zu einer Lähmung sowie zu einer                                                                B EIRÃO, P.S.L., D INIZ , C.R. (1995):              S CHENBERG , S., P EREIRA L IMA , F.A.
erhöhten Letalität der Termiten führten,            SUMMARY                                               Properties Of The Venom From The                       (1962): Estudo Farmacológico do Vene-
welche dosisabhängig noch zunahm. Folg-                                                                   South American »Armed« Spider Pho-                     no de Phoneutria Fera. Ciencia e Cultura
lich scheinen sowohl die Männchen, als auch         The first part of the diploma thesis of VOL-          neutria Nigriventer (KEYSERLING, 1891).                14 (4): 287.
die Weibchen von P. nigriventer Toxine zu           KER H ERZIG is presented here and covers              Journal Toxicology- Toxin Reviews 14 (3):           SCHMIDT, G. (2000): Giftige und gefährli-
enthalten, die toxisch für Wirbellose sind.         intersexual differences within venom from             309-326.                                               che Spinnentiere. Die Neue Brehm-Bü -
Die niedrige Dosis (2 µg) von männlichem            the Brazilian ctenid spider Phoneutria nigriven-   FISCHER, F.G., BOHN, H. (1957): Die Gift-                 cherei, Bd. 608.
Gift war sowohl in ihren lähmenden, als             ter (KEYSERLING, 1891). The study took pla-           sekrete der brasilianischen Tarantel                SIMÓ, M., BRESCOVIT, A.D. (2001): Revisi-
auch in ihren letalen Eigenschaften potenter        ce in 1999 on the campus of the University            Lycosa erythrognatha und der Wander-                   on and cladistic analysis of the Neotro-
als die von Weibchen, was bei der hohen             of São Paulo in Ribeirão Preto, where all the         spinne Phoneutria fera. Hoppe-Seyler's                 pical spider genus Phoneutria P ERTY ,
Dosis (5 µg) genau umgekehrt war. Für               spiders have been caught and maintained.              Zeitschrift physiologische Chemie 306: 265-            1833 (Araneae, Ctenidae), with notes on
männliche P. nigriventer macht dies durchaus        The electrically extracted venom was dried            268.                                                   related Cteninae. Bull. Br. Arachnol. Soc.
Sinn, da sie dadurch beim Erbeuten anderer          and tested in mice. The largest female ve -        HERZIG, V. (2001): Effects of state of nu-                12 (2): 67-82.
Wirbelloser eine geringere Giftmenge be -           nom had the highest venom yield as well as            trition, growth and sex on the quantity
nötigen und somit sparsamer mit ihren               the highest lethal potency. On the other              and composition of Phoneutria nigri-                   Adresse des Autors:
Energiereserven umgehen. Diese haben sie            hand, adult male spiders yielded considerab-          venter (Keyserling, 1891) spider venom.                Volker Herzig
dann übrig, um sich z.B. damit auf Suche            ly less venom and showed a more than two              Diplomarbeit der Fakultät für Biologie der             Narzissenstr. 26
                                                    times lower potency in mice. This could be            Eberhard-Karls-Universität, Tübingen.                  72108 Rottenburg
                                                8                                                                                                         9
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                                     ARACHNE 9(4), 2004




Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996) in                                                                mehr als nur im apikalen Viertel skopuliert.          Ucayali im Nordosten Perus. Die Farbge-
                                                                                                                    Die Tibia des vierten Beinpaares ist nicht            bung dieser Art hängt scheinbar von der
der Artvorstellung                                                                                                  verdickt. Es befinden sich keine Fiederhaare          Haltungstemperatur und Luftfeuchte ab. So
von Tristan Meschede                                                                                                an Coxa, Trochanter oder Femur des ersten             sind warm und feucht gehaltene Tiere dun-
                                                                                                                    Beinpaares oder der Taster.                           kel gefärbt, wohingegen kalt und trocken
                                                                                                                        Das Sternum und die Maxillen sind nor-            gehaltene Tiere blass gefärbt sind.
D IE G ATTUNG L ASIODORIDES        IM   Ü BER -        schen Stridulationsborsten. Auch fehlt der                   mal und nicht wie bei Ozopactus SIMON 1889                Lasiodorides rolinae wurde 1999 von MARC
BLICK                                                  Gattung die ebenfalls für Lasiodora charakte-                aufgebläht.                                           T ESMOINGT im weiblichen Geschlecht als
                                                       ristischen dicken Polster aus Fiederhaaren                       Das Augenfeld ist hinten nicht breiter als        Lasiodorides rolinii beschrieben. Sie wird von
Die im folgenden behandelte Gattung Lasi-              am Femur von Bein IV retrolateral.                           vorn.                                                 einigen Arachnologen als ein Synonym von
odorides wurde 1997 von GÜNTER SCHMIDT                                                                                  Das Labium ist mit mehr als 20 Cuspeln            L. polycuspulatus gehalten. Mir wurden im
und B ERND B ISCHOFF aufgestellt. Derzeit              TAXONOMISCHE M ERKMALE                     DER     G AT -    bedeckt.                                              März 2002 zwei Vogelspinnen als L. rolinii
umfasst diese Gattung vier Arten. Hierbei              TUNG L A SIODORIDES                                              Männchen und Weibchen der Arten die-              angeboten. Ich kaufte das größere Tier und
handelt es sich um:                                                                                                 ser Gattung besitzen keinen ausgeprägten              übergab die erste Exuvie ANDREAS HALBIG,
                                                       Vertreter der Gattung Lasiodorides weisen in                 Sexualdichromatismus.                                 der das Tier auf dem Vogelspinnenbestim-
  • Lasiodorides longicolli SCHMIDT 2003               beiden Geschlechtern die Reizhaartypen I                                                                           mungskurs am 05.04.2003 als eine Lasiodori-
  • Lasiodorides polycuspulatus S CHMIDT &             und III nach C OOKE et al. (1972) auf. Der                   DIE EINZELNEN ARTEN IM KURZPORTRAIT                   des bestimmte. Die zweite Exuvie schickte
    BISCHOFF 1997                                      Reizhaartyp IV ist jedoch bei keinem Ge -                                                                          ich an BERND BISCHOFF, um die Zugehörig-
  • Lasiodorides rolinae TESMOINGT 1999                schlecht vorhanden.                                          Lasiodorides longicolli wurde 2003 von GÜN-           keit der Art festzustellen (dazu später mehr).
  • Lasiodorides striatus (S CHMIDT & A NTO -              Die Weibchen haben eine in 2 Recepta-                    TER S CHMIDT in beiden Geschlechtern be -             Über die Anzahl der Cuspeln auf dem Labi-
    NELLI 1996)                                        cula seminis geteilte Spermathek. Zudem                      schrieben. Im Zoohandel wurde sie zu-
                                                       weisen die adulten Männchen 2 Tibiaapo-                      nächst als Paraphysa Species ex Pe -
Lasiodorides polycuspulatus diente als Typusart        physen auf, bei der die primäre Tibiaapo-                    ru/Ecuador verkauft. Die Männchen
für diese Gattung, da die schon 1996 be -              physe nicht doppelt so lang ist wie die                      weisen ein im Vergleich zu Bein I we-
schriebene Lasiodorides striatus damals noch           sekundäre Tibiaapophyse.                                     sentlich längeres Bein IV auf, was im
der Gattung Pamphobeteus P OCOCK 1901                      Dem Femur des vierten Beinpaares fehlt                   starken Kontrast zu den Beinlängenver-
angehörte.                                             die retrolaterale Skopula aus Fiederhaaren.                  hältnissen der anderen Arten steht. Die
    Die Vertreter dieser der Unterfamilie              Der Metatarsus des vierten Beinpaares ist                    Anzahl der Cuspeln auf dem Labium
Theraphosinae THORELL, 1870 zugeordne-                                                                              liegt bei L. longicolli im weiblichen Ge-
ten Gattung weisen alle eine mehr oder we-                                                                          schlecht bei etwa 50. Auch ist die Sper-
niger bräunliche Streifenzeichnung der Ex-                                                                          mathek langhalsiger als bei den anderen
tremitäten auf. Auch kommen sie in etwa in                                                                          Arten. Diese Art stammt, wie schon er-
der selben Gegend vor. So stammt Lasiodori-                                                                         wähnt, aus dem Grenzgebiet zwischen
des longicolli aus dem Grenzgebiet zwischen                                                                         Ecuador und Peru.
                                                                                                                                                                 Lasiodorides striatus, Weibchen
Ecuador und Peru, die anderen 3 Arten aus                                                                               Lasiodorides polycuspulatus wurde 1997   Foto: Tristan Meschede
einem kleinen Gebiet am Rio Ucayali im                                                                              von G ÜNTHER S CHMIDT und B ERND
Nordosten Perus.                                                                                                    BISCHOFF in beiden Geschlechtern beschrie- um gibt es bei dieser Art bislang keine ge-
    Hinweis: Lasiodorides rolinae wird von                                                                          ben. Sie wurde anfangs als Pamphobeteus Spe- nauen Angaben. Anscheinend kommt L.
einigen Arachnologen als ein Synonym von                                                                            cies ex Peru angeboten. Sie war die Typusart polycuspulatus sympatrisch mit L. striatus vor.
Lasiodorides polycuspulatus gehalten.                                                                               für diese Gattung. Die Anzahl der Cuspeln               Lasiodorides striatus wurde 1996 von GÜN-
    Die Spermatheken ähneln denen der                                                                               auf dem Labium liegt bei L. polycuspulatus im TER SCHMIDT und DANIELE ANTONELLI in
Gattung Lasiodora sehr. Allerdings fehlen               Lasiodorides striatus Weibchen haben eine in 2 Receptacu-   weiblichen Ge schlecht bei über 70. Sie beiden Geschlechtern als Pamphobeteus striatus
                                                        la seminis geteilte Spermathek.
Lasiodorides die für Lasiodora charakteristi-           Foto: Tristan Meschede                                      stammt aus einem kleinen Gebiet am Rio beschrieben. Im Zoohandel wurde sie zu -
                                                  10                                                                                                                 11
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                           ARACHNE 9(4), 2004



nächst als Pamphobeteus »wallaci«, P. melanotar-        ausgeht. Diese sehr attraktive Färbung ver-      zwar eine »Glatze« auf dem Abdomen, was                tung beendet meine L. striatus ihr großes
sum oder P. »striped« angeboten. Sie wurde              blasst allerdings wenige Wochen nach einer       darauf schließen ließ, dass sie eine »Bombar-          Fressen und zieht sich in ihren Unterschlupf
dann im April 1997 der neu aufgestellten                Häutung zu einem stumpfen Kupfer und             dier-Spinne« ist, sie hat aber, seitdem sie in         zurück.
Gattung Lasiodorides zugeordnet. Sie ist mit            färbt sich wenige Wochen vor einer Häu-          meinem Be sitz ist, nicht ein einziges Mal                 Entgegen den Angaben des Zoohändlers
etwa 9 cm Körperlänge die wohl größte                   tung bräunlich.                                  bombardiert. Nur wenige Wochen vor einer               frisst meine L. striatus weder Heuschrecken
Lasiodorides. Die Anzahl der Cuspeln auf                    Die Extremitäten sind von gräulicher         Häutung streift sie allerdings mehrere Stel-           noch Zweifleckgrillen, sondern nur große
dem Labium schwanken beim weiblichen                    Grundfärbung und mit einem kupferfarbe-          len auf dem Hinterleib frei, wodurch ich               Heimchen und Steppengrillen. Ich finde es
Geschlecht zwischen 30 und 40. Sie stammt               nen Streifenmuster versehen, das an Aphono-      dann das schwarz gefärbte Abdomen sehen                seltsam, dass sie diese verschmäht, da meine
ebenfalls aus einem kleinen Gebiet am Rio               pel ma seemanni oder Eupalaestrus campestratus   kann.                                                  viel kleinere Avicularia metallica nur große
Ucayali im Nordosten Perus. Sie scheint                 erinnert. An den Femora befinden sich an             Meine L. striatus frisst die ersten 2 Mona-        Heuschrecken frisst.
auch die am häufigsten angebotene und                   der Außenseite je zwei Streifen; Pa tel la,      te nach einer Häutung nur sehr wenig. Ist
gehaltene Lasiodorides in Deutschland zu                Tibia und Metatarsus sind ebenso gefärbt.        dieser Zeitraum erst mal verstrichen, ver-             D IE H ALTUNG    VON   L A SIODORIDES STRIA -
sein.                                                   Die Chelizerengrundglieder wiederum sind         wandelt sie sich für etwa 3 Monate in einen            TUS
                                                        wie bei vielen Vogelspinnenarten einfarbig       Vielfrass. In dieser Zeit frisst sie jede ange-
DAS ERSCHEINUNGSBILD VON LA SIODORI-                    gräulich.                                        botene Steppengrille im nu weg. Danach                 Anfangs hielt ich meine L. striatus in einem
DES STRIA TUS                                                                                            folgt wieder eine etwa zweimonatige Fasten-            Terrarium der Größe 40 x 30 x 30 cm (LxB
                                                        DAS VERHALTEN VON LA SIODORIDES STRIA -          zeit. Dann werden noch mal 4 Monate lang               xH). Da sie in diesem Terrarium aber nicht
Da ich leider nur ein adultes Weibchen habe             TUS                                              alle angebotenen Steppengrillen gefressen.             fraß und sie dort auch schon mehrmals aus-
(Farbtafel Abb. 2), kann ich nur dessen Aus-                                                             Etwa einen Monat vor der nächsten Häu-                 brach, entschied ich mich, sie in eine kleine-
sehen und Größe angeben. Die Größe liegt                Meine als Lasiodorides rolinii gekaufte Vogel-
bei meinem Tier bei etwa 73 mm. Das ist                 spinne entpuppte sich also als L. striatus.
recht klein für diese Art, da Weibchen nor-             Man kann sie als mittelaggressive Vogelspin-
malerweise bis zu 9 cm groß werden. Eine                ne bezeichnen. Sie lässt sich zwar nicht auf
Artidentifikation durch BERND B ISCHOFF ,               die Hand nehmen, bleibt aber ruhig auf ih-
einen ausgewiesenen Ex perten für diese                 rem Platz sitzen, wenn man im Terrarium
Vogelspinnengruppe, ergab eine hohe Wahr-               hantiert. Als ich das Tier im März 2002 in
scheinlichkeit dafür, dass es sich bei meinem           einem Zoogeschäft kaufte, war ich noch
Tier um L. striatus handelt.                            recht unerfahren mit Vogelspinnen und ver-
    Die Grundfärbung ist schwarz mit ei -               suchte meine neue Vogelspinne aus dem
nem gräulichen Schimmer an den Beinen.                  Terrarium heraus zu nehmen, wie ich es bei
Mit dem zunehmenden Heranschreiten ei-                  meiner Grammostola rosea auch tat. So wurde
ner Häutung verblasst das kräftige schwarz              ich einmal von meinem Weibchen in die
in ein helleres verwaschenes schwarz.                   rechte Handinnenfläche gebissen, als ich es
    Das Abdomen hat eine kurze schwarze                 nach langem Hin- und Herlaufen endlich
Behaarung aus Reizhaaren und weist mehre-               auf der Hand sitzen hatte. Der Zoofach-
re längere orange gefärbte Haare auf, die               händler meinte nämlich, dass sie »mäuse-
sich deutlich von den schwarzen Reizhaaren              zahm« sei (eigene Worte des Zoohändlers).
abheben und einen schönen Kontrast bil-                 Es tat etwa zwei Tage weh und wurde ziem-
den.                                                    lich dick und rot. Glücklicherweise konnten
    Der Carapax weist ein kupferfarbenes                weitere Symptome nicht beobachtet werden,
sternförmiges Muster auf, wobei die Carapa-             da ich be fürchtete, dass meine Eltern mir
xränder kupfer-metallisch schimmern und                 die Haltung einer aggressiven Vogelspinne
                                                                                                          Lasiodorides striatus in ihrem Terrarium
ein schwarzer »Stern« von der Thoraxgrube               verboten hätten. Das besagte Tier hatte           Foto: Tristan Meschede

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ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                       ARACHNE 9(4), 2004



re Behausung umzusetzen. Zu meinem                   Lampenkasten für die Spinne unzugänglich.        Terrarium. Dort verblieb es etwa vier Wo-            SUMMARY
Glück verschenkte der Großvater meiner               Die Nachttemperaturen im Terrarium liegen        chen, um sich mit der neuen Umgebung ver-
damaligen Freundin ein Aquarium mit den              zwischen 18 und 20°C.                            traut zu machen. In dieser Zeit besorgte sich        T RISTAN M ESCHEDE introduces the genus
Maßen 80 x 30 x 40 cm (LxBxH). In dieses                  Als Einrichtung dient ein großes gebo-      ein Freund von mir ein adultes L. striatus           Lasiodorides. Short portraits of the four spe-
Aquarium arbeitete ich mit meinem Vater 2            genes Korkstück als Höhle. Die Höhle be-         Männchen. Dieses hatte eine Körperlänge              cies within the genus are given.
Trennwände ein, sodass ich 3 »Terrarien«             wohnt meine L. striatus eigentlich nur kurz      von etwa 6 bis 7 cm. Ihm fehlten schon 2                 Habit, behaviour and mating of Lasiodo-
zur Verfügung hatte. So hatte ich 2 Abteile          vor und nach einer Häutung. Die meiste           Beine und es war fraglich, ob er sich über-          rides striatus are described. Some clues con-
mit einer Grundfläche von 25 x 30 cm und             Zeit ihres Lebens verbringt sie lieber auf der   haupt noch für eine Kopulation eignen wür-           cerning the conditions like temperature,
ein Abteil mit einer Grundfläche von 30 x            Höhle oder neben ihr. Als weitere Einrich-                                                            humidity etc. for keeping this species are
30 cm. Mein Tier bewohnt das linke Abteil            tungsgegenstände dienen zum einen die                                                                 given.
mit einer Grundfläche von 25 x 30 cm. Das            Trinkschale, die bei mir in jedem Terrarium
mittlere Abteil mit einer Grundfläche von            ist, und ein kleines Savannenholzstück, an                                                            LITERATUR
30 x 30 cm wird von einem Brüderpärchen              dem eine kleine Plastikpflanze befestigt ist.
Kaiserskorpione [Pandinus imperator (C. L.           Ich wechsle das Wasser nicht wie empfohlen                                                            C OOKE , J. A., V. D. ROTH & F. H. M IL -
KOCH, 1842)] bewohnt, und in dem rechten             alle 2 Tage, sondern alle 7 Tage, da ich der                                                             LER (1972): The urticating hairs of
Abteil mit einer Grundfläche von ebenfalls           Meinung bin, dass der Terrarienpflegling, sei                                                            thera phosid spiders. Am. Mus. Novit.
25 x 30 cm wohnt ein subadultes Männchen             es eine Vogelspinne oder ein Skorpion,                                                                   2498: 1-43.
von Xenesthis immanis (AUSSERER, 1875).              durch zu häufiges Hantieren im Terrarium                                                              KLAAS ,P. (1989): Vogelspinnen im Terrari-
    Meine L. striatus hielt ich anfangs recht        sehr viel Stress ausgesetzt wird. Dies könnte                                                            um. Ulmer Verlag, Stuttgart
feucht mit Luftfeuchtigkeitswerten um die            sich negativ auf das Verhalten des gestres-                                                           SCHMIDT, G. (2003): Lasiodorides longicolli sp.
85 %, da der Händler mir versicherte, dass           sten Tieres auswirken. So hielt sich ein                                                                 n., eine weitere Art aus dem Grenzgebiet
                                                                                                       Lasiodorides striatus während der Häutung
sie in einer Region »irgendwo in Südameri-           Freund von mir, der eine Brachypelma emilia       Foto: Tristan Meschede
                                                                                                                                                              zwischen Ekuador und Peru (Araneae:
ka« (eigene Worte des Zoohändlers) in                pflegt, an die diversen Buchanweisungen,                                                                 Theraphosidae: Theraphosinae). Tarantu-
Überschwemmungsgebieten lebt. Die feuch-             die besagen, dass man mindestens alle 2          de. Mit guter Hoffnung ließen wir ihn, weit             las of the World 88: 4-9.
te Haltung veranlasste meine Spinne dann             Tage das Wasser wechseln soll (K LAAS            genug vom Weibchen entfernt, ins Terrari-            S CHMIDT, G. & D. A NTONELLI (1996):
dazu, aus einer Bodenbewohnerin eine                 1989). Die anfangs sehr friedliche B. emilia     um herein. Das Männchen krabbelte sofort                Eine extrem abweichende ?Pamphobete-
Baum bewohnerin im wahrsten Sinne des                verwandelte sich innerhalb von nur 6 Wo-         auf das Weibchen zu. Dann lief er über das              us-Art aus Peru (Araneae: Theraphosi-
Wortes zu werden. Sie kletterte die Scheiben         chen in ein wahres »Bombardier-Monster«          Weibchen, welches sich dies nicht gefallen              dae: Theraphosinae). Arachnol. Mag.
hoch und blieb dort tagelang sitzen. Inzwi-                                                           ließ, sich nach ihm umdrehte und ihre Cheli-            4(12): 1-12.
schen halte ich das Bodensubstrat aus Terra-         DIE ZUCHT VON LASIODORIDES STRIATUS              zeren in seinen kleinen Hinterleib versenkte.        SCHMIDT, G. & B. B ISCHOFF (1997): Die
rienhumus nur in einem Teil des Terrariums                                                            Ich versuchte noch mit der großen Futter-               Gattung Lasiodorides n. gen. und ihre
leicht feucht, was mir die Spinne nicht übel         Im Nachfolgenden wird ein misslungener           pinzette einzugreifen, allerdings war ich zu            Typus-Art Lasiodorides polycuspulatus n. sp.
nahm, da sie schnell wieder zu ihrer alten           Zuchtversuch beschrieben. Dennoch bin ich        langsam.                                                (Arachnida: Araneae: Theraphosidae:
Lebensweise auf dem Boden zurückfand. So             der Meinung, dass einige der gemachten               Ich fing das schwer verletzte Männchen              Theraphosinae). Ent. Z., 107: 153-159.
beträgt die relative Luftfeuchte nun etwa 70         Angaben für die zukünftig – hoffentrlich –       aus dem Terrarium und versuchte zu beur-             T ESMOINGT, M. (1999): Description de
bis 75 %.                                            erfolgreiche Zucht dieser art behilflich sein    teilen, ob es an dieser Verletzung sterben              Lasiodorides rolinii n. sp. du Perou (Ara-
Die Temperaturen liegen am Tage bei 24 bis           können.                                          wird oder ob man ihn noch heilen kann. Ich              neae, Theraphosidae, Theraphosinae).
26°C. Ich erreiche diese Temperaturen                    Nachdem sich meine L. striatus im Januar     musste feststellen, dass mein Weibchen den              Arachnides 43: 21-26.
durch die im Aquariendeckel integrierte, 12          dieses Jahres erfolgreich häutete, setzte ich    Hinterleib des Männchens mit seinen Cheli-
Stunden am Tag brennende Aquarienbe-                 sie Anfang Februar in ein extra für die Ver-     zeren durchschlagen hatte. So blieb mir                 Adresse des Autors:
leuchtung vom Typ »SUN-GLO«. Die                     paarung hergerichtetes Terrarium der Größe       nichts anderes übrig als ihn zu betäuben und            Tristan Meschede
Leuchtstoffröhre hat eine Leistung von 20            60 x 30 x 40 cm (LxBxH). Es beinhaltete          ihn dann in den Gefrierschrank zu stellen,              Jahnstraße 52 a
Watt und ist durch eine Glasscheibe am               nur das gebogene Korkstück aus ihrem alten       um ihm mögliches Leid zu ersparen.                      59192 Bergkamen
                                                14                                                                                                    15
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                    ARACHNE 9(4), 2004




Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus has-                                                  TERRARIENHALTUNG                                   Witwen fressen in der Terrarienhaltung In-
                                                                                                                                                        sekten aller Art: Heimchen, Mehlwürmer,
selti in der Artvorstellung                                                                          Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Fliegen usw. Schaben sind nicht zu empfeh-
von Stephan Martini                                                                                  im Umgang mit Schwarzen Witwen vorsich- len, da diese sich zu schnell im Boden ein-
                                                                                                     tig und verantwortungsbewusst gehandelt graben.
                                                                                                     werden muss, denn es handelt sich um sehr                 Die Schwarzen Witwen bauen in 10-20
EINLEITUNG                                           in Australien. Die Tiere sind dort im Busch-    giftige Spinnen, auch wenn sie nicht so cm Höhe ein Haubennetz, von welchem
                                                     werk und in niedriger Vegetation anzutref-      aggressiv scheinen.                                einige Spinnfäden zum Terrarienboden ver-
Bei den meisten Mitmenschen haben die                fen. Mit Vorliebe werden aber auch mensch-          Die Terrarien sollten eine Größe von laufen bzw. dort arretiert sind. An der Spitze
Schwarzen Witwen keinen guten Ruf. Sie               liche Behausungen aufgesucht, in denen sie      20 x 30 x 20-30 cm (Breite x Länge x Höhe) sind diese Spinnfäden, die unter Spannung
sind als Tod bringende Kreaturen bekannt             dann ihre Haubennetze anlegen.                  haben. Es ist darauf zu achten, dass die Tie-                          stehen, mit Klebtröpfchen
geworden, wobei die Medien mit ihren meist                                                           re nicht entweichen können. Ich halte meine                             behaftet. Hat sich ein In-
falschen Informationen erheblich dazu bei-           BESCHREIBUNG & SYSTEMATIK                       Exemplare in abgeschlossenen,                                             sekt an einem solchen
getragen haben. In Deutschland halten viele                                                          dicht schließenden Falltürterrari-                                         Spinnfaden verfangen,
Terrarianer und Spinnenfreunde Schwarze              L. hasselti gehört wie alle Exemplare der       en. Als Bo den grund empfehle                                              reißt dieser ab und ka-
Witwen als Terrarientiere. Im folgenden Be-          Gattung Latrodectus zu den »echten Spinnen«     ich Blumenerde (un-                                                         tapultiert das an ihm
richt möchte ich die Australische Witwe,             und dort zu den Theridiidae (Kugelspin-         gedüngt) oder die in                                                      klebende Insekt in die
auch Rotrücken-Witwe (Latrodectus hasselti)          nen).                                           Zoogeschäften ange-                                                      Höhe. Nun eilt die Spin-
ge nannt, vorstellen. Von den Australiern                                                            botenen Humus-Ziegel.                                                  ne schnell herbei, zieht
wird sie als »Red Back Spider« bezeichnet.             • Ordnung: Araneomorphae (»echte Spin-        Das Substrat sollte ei-                                           den Spinnfaden mit dem Opfer
Jedes Jahr kommt es dort zu vielen Zwi-                  nen«)                                       ne Hö he von ca. 4-5                                             an sich heran und spinnt dieses
schenfällen mit diesen Spinnen. Latrodectus            • Familie: Theridiidae (Kugelspinnen)         cm haben, und es soll-                                           ein und/oder bringt einen Gift-
                                                                                                                                          Latrodectus hasselti
hasselti kommt dort sehr häufig in Garagen,            • Gattung: Latrodectus (Schwarze Witwen),     te leicht feucht gehalten            Zeichnung: Stephan Martini  biß an, je nach Größe und
Schuppen und Außentoiletten vor, also in                 Steatoda usw.                               wer den. Zur Verankerung des                                     Wehr haftigkeit des Op fers. L.
mensch licher Nähe, wodurch die meisten                                                              Haubennetzes kann man Wurzeln oder Äste hasselti erbeutet in freier Natur oft Insekten,
der Unfälle passieren, da die Tiere häufig           Die Kugelspinnen sind z.B. an dem großen        anbieten sowie Pflanzen, wobei ich persön- die viel größer sind als sie selbst.
verletzt werden oder sich in die Enge ge -           Hinterleib zu erkennen, der an eine Kugel       lich hier künstliche Pflanzen be vorzuge.                 Wenn man eine Schwarze Witwe einfan-
trieben fühlen. Normalerweise ist L. hasselti        erinnert. L. hasselti erreicht im weiblichen    Einen Trinknapf brauchen diese Spinnen gen muss, so sollte dies nur mit Hilfe einer
nicht aggressiv und flüchtet eher bevor sie          Geschlecht eine Größe von ca. 12-15 mm,         nicht. Es reicht wenn alle 2-3 Tage das Ter- Heimchendose geschehen. Eine Giftspinne
zubeißt, es sei denn sie bewacht ihren Ko-           männliche Exemplare max. 7-8 mm. Männ-          rarium und das Netz mit Wasser be sprüht darf niemals mit der Hand eingefangen wer-
kon, dann reagiert sie wie die meisten Spin-         chen sind intensiver gezeichnet und glänzen     wird. Die Spinnen trinken die Wassertropfen den! Die beste Methode zum Einfangen ei-
nen gereizt. Seit es in den fünfziger Jahren         als ob sie frisch lackiert wären (Farbtafel     aus dem Netz; teilweise werden diese sogar ner Schwarzen Witwe: der Becher wird über
die Serumtherapie in Australien gibt (WIE-           Abb. 6). Die Extremitäten und der gesamte       attackiert und eingesponnen.                       die Spinne gestülpt und der Deckel darunter
NER 1956), wurden kaum noch Todesfälle               Kopf-Brust-Bereich sind schwarz gezeich-            Bei Temperaturen von 20-25°C fühlen geschoben (so werden auch häufig Vogel-
registriert.                                         net. Das Opisthosoma von L. hasselti ist        sich die Spinnen wohl. Nachts sollte eine spinnen eingefangen).
                                                     ebenfalls schwarz. Auf der Unterseite trägt     leichte Abkühlung erfolgen. Bei guter Pflege
HERKUNFT & LEBENSRAUM                                sie die für Schwarze Witwen bekannte rote       können Schwarze Witwen ein Alter von 2 NACHZUCHT
                                                     Sanduhrzeichnung. Auf der Oberseite des         bis 4 Jahren erreichen. Adulte Männchen
L. hasselti bewohnt weite Teile Asiens. Ihr          Opisthosoma verläuft ein roter breiter Strei-   hingegen sterben schon nach etwa zwei bis Hat man das Glück und besitzt beide Ge -
Hauptverbreitungsgebiet ist in Australien            fen, daher der Name »Red Back« (= Rot-          sechs Monaten.                                     schlechter einer Art, kann man einen Paa-
und Neuseeland, wo sie z. B. mit Atrax robu-         rücken) Witwe (Farbtafel Abb. 5 und 8 bis           Das Futter sollte an die Größe der Spin- rungsversuch starten. Allerdings müssen
stus zu den medizinisch bedeutsamsten Spin-          12).                                            ne an gepasst werden, d.h. es sollte nicht bei de Tiere geschlechtsreif sein und das
nen gehört. Man begegnet ihnen fast überall                                                          größer als die Spinne selber sein. Schwarze Männchen muss sein Spermanetz schon
                                                16                                                                                                  17
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                        ARACHNE 9(4), 2004



gebaut haben. Dieses ist bei L. hasselti sehr           man nicht aufpasst können die Kleinen sehr     Transmittervorrat erschöpft ist, können kei-         den Aufgrund einer bevorstehenden respira-
klein, meistens in Dreieckform, und etwa                leicht entkommen.                              ne »echten« Reitzinformationen mehr wei-             torischen Insuffizienz. In der Regel tritt
1 cm hoch bzw. breit. In Terrarien gehaltene                Die sicherste Methode ist es, den Kokon    tergeleitet werden, was letale Folgen haben          nach Applikation des Antiserum sehr
L. hasselti lassen sich zu jeder Jahreszeit ver-        in ein hohes, dicht schließendes Gefäß zu      kann wenn das Atemzentrum betroffen ist.             schnell eine Besserung ein. In einzelnen Fäl-
paaren. Fachleute empfehlen jedoch die                  stellen, welches mit einem feuchten Stück          Der Biss der Schwarzen Witwe wird                len reagieren Patienten auch auf das Serum
Herbstzeit bis Dezember. Natürlich kann                 Fließpapier oder Zellstoff ausgestattet ist    häufig gar nicht wahrgenommen. Symptome              allergisch, was unangenehme Folgen haben
man auch eine Abkühlung simulieren. Zur                 (Farbtafel Abb. 13). Ich lasse die Jungspin-   setzen erst nach ca. 10 min bis 2 h ein. Oft-        kann. Aber seit dem Einsatz der Serumthe-
Paarung sollte immer das Männchen in das                nen mehrere Wochen zusammen, auch              mals wird eine lokale Rötung und eine                rapie gibt es kaum noch Todesfälle weltweit
Netz des Weibchens gesetzt werden (Farbta-              wenn dabei die schwächeren von den stärke-     Ödembildung an der Bissstelle beobachtet.            durch Bisse von Schwarzen Witwen.
fel Abb. 10). Es ist ratsam das Weibchen                ren Geschwistern aufgefressen werden.          Es kann weiterhin zu Schmerzen in den
vorher gut zu füttern, oder man setzt das               Zum Schluss bleiben ca. 30-40 gut genährte     Lymphknoten kommen sowie häufig zum                  SUMMARY
                                                        Jungspinnen übrig, die dann getrennt und       charakteristischen Abdominalschmerz, wel-
                                                        einzeln aufgezogen werden. Es sollte pein-     cher teilweise als unerträglich beschrieben          STEPHAN MARTINI introduces Latrodectus has-
                                                        lichst genau darauf geachtet werden, dass      wird. Zusätzlich kommt es zu Krämpfen,               selti, a »true spider«.
                                                        keine der Jungspinnen aus ihrem Behältnis      wobei besonders die Ge sichts muskulatur                   Invalidating prejudices he gives an over-
                                                        entweichen kann, denn sie sind in der Lage     betroffen sein kann. Dies wird auch »Facies          view about keeping and breeding these small
                                                        den Menschen durch ihr Gift zu schädigen.      Latrodectismica« genannt.                            but poisonous spiders. An overview about
                                                                                                                                                            the effects and countermeasures of a bite of
                                                        TOXOLOGIE                                      MAßNAHMEN                                            Latrodectus completes the article.

                                                        Gefährlich sind für den Menschen nur die       Jeder der von einer Schwarze Witwe gebis-            LITERATUR
                                                        großen Weibchen der Schwarzen Witwen,          sen wird, sollte unverzüglich durch den Ret-
                                                        die mit ihren spitzen Chelizeren auch in der   tungsdienst versorgt werden. Eine sofortige          BREENE, R. G. (2001): Widow Spiders. An
                                                        Lage sind die menschliche Haut zu durch-       Klinikeinweisung ist unbedingt ratsam. Als               Overview of the Genus Latrodectus.
 Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons              dringen. Ihr Gift besteht aus mehreren neu-    erstes heißt es Ruhe zu bewahren. Oftmals                Arachnida 1(1): 24-32.
 Foto: Stephan Martini
                                                        rotoxischen Komponenten, bei denen die         ist der Schreck schlimmer als die Symptome           P IEPHO, F. (1995): Haltungshinweise für
Männchen zu einem Weibchen, das gerade                  Hauptwirkung durch das so genannte alpha-      selbst. Die betreffende Bissstelle sollte ge-            Latrodectus-Arten. Arachnol. Mag. 3(3):
frisst. Das Männchen fängt dann häufig mit              Latrotoxin ausgelöst wird, welches sich an     kühlt werden. Zusätzlich erfolgt eine absolu-            18-19.
dem Paarungsvorspiel an und zupft am Netz               einen Rezeptor der Synapsen von Säugern        te Ruhigstellung der betroffenen Extremität.         P IEPHO, F. (1997): Latrodectusarten und
des Weibchens herum. Im Durchschnitt                    bindet und einen Kalzium-Kanal bildet.             Der Betroffene sollte sich auch nicht                deren Verbreitung. DeArGe Mitteilungen
dauert die Kopulation ca. 20 bis 30 Minuten.            Dies hat zur Folge, dass es zu einem unkon-    aktiv bewegen! Diese Maßnahmen bewirken,                 2(4): 7-8.
Bei manchen Schwarze Witwen-Arten wird                  trollierten Kalzium-Einfluss kommt. Nor-       dass das Gift nicht so schnell in den Körper
in der Literatur eine Paarungsdauer von bis             malerweise geschieht der Einfluss von Kal-     eingeschwemmt wird. Dem Notarzt ist un-                 Adresse des Autors:
zu 24 Stunden angegeben. L. hasselti baut               zium durch spannungsabhängige Ionen-           bedingt mitzuteilen um welche Art es sich               Stephan Martini
dann etwa ein bis zwei Monate später einen              kanäle, die durch ankommende Aktionspo-        genau handelt (wissenschaftliche Bezeich-               Clara-Zetkin-Str.46
Kokon, welchen sie mitten in ihr Netz hängt             tentiale geöffnet werden. Das ist das Signal   nung). Dies erleichtert den Einsatz eines               99880 Waltershausen
und bewacht (Farbtafel Abb. 7, 8 und 12).               für die postsynaptische Freisetzung von so     Antiserums, da die Spinnenart dann schon                   vogelspinne46@aol.com
Einen weiteren Monat später schlüpfen die               genannten Neurotransmittern, welche an         bekannt ist.
Larven (ca. 200-300 Stück), welche nicht                der Gegensynapse Aktionspotentiale auslö-          Im Krankenhaus kann eine intensivme-
größer sind als eine Fruchtfliege. Die gerin-           sen und somit Reizinformationen weiterlei-     dizinische Behandlung bevorstehen. Patien-
ge Größe der jungen Spinnchen kann bei                  ten. Das Latrotoxin löst also fortlaufend      ten mit starken Vergiftungserscheinungen
der Aufzucht ein Problem sein, denn wenn                Aktionspotentiale aus, welche zu Schmerzen     oder anaphylaktischen Reaktionen müssen
                                                        und Krämpfen führen. Wenn dann der             gegebenenfalls intubiert und beatmet wer-
                                                   18                                                                                                  19
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                        ARACHNE 9(4), 2004




Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für Vogel-                                                   stellen, im Fachhandel oder bei einem                  rand gespannt. Die Befestigung erfolgt mit
                                                                                                        Handwerksbetrieb, der diese Materialien ver-           Klebeband, welches mehrmals um die Röh-
spinnen                                                                                                 arbeitet, erhältlich.                                  re gewickelt wird.
von Mario Wilfert                                                                                           Die Röhren besitzen unterschiedliche
                                                                                                        Durchmessergrößen von 4-15 cm und Län-
                                                                                                        gen von 0,5-5 m.
Der Versand einer Spinne ist immer mit               sand oder Empfang verzichten. Es besteht               Mit einer Wandstärke von 0,5-1 cm sind
Stress für das Tier verbunden. Der Idealfall         auch die Möglichkeit, dass sich eine Paketzu-      diese Pappröhren auch sehr druckstabil.
wäre also, wenn man seiner Spinne diesen             stellung um einige Tage verzögert oder die         Nach der Größe des zu versendenden Tieres
Stress ersparen oder vermindern könnte.              sofortige Annahme der Sendung nicht mög-           wird der endsprechende Durchmesser aus-
Da aber eine persönliche Weitergabe nicht            lich ist. In diesem Fall helfen bei sehr niedri-   gewählt und die erforderliche Rohrlänge mit             Abbildung 3

immer möglich ist, lässt sich ihre Reise             gen Temperaturen auch keine Styroporver-           einer Säge zugeschnitten. Der große Vorteil
manch mal nicht vermeiden. Doch bevor                packungen und Wärmeakkus mehr. Bei dem             für die reisende Spinne besteht in erster                  Abb. 4 – Nachdem die Spinne einge-
eine Spinne auf Reisen geht, müssen einige           Versand einer Spinne spielt auch die Aus-          Linie darin, dass sie in dieser maßgeschnei-           bracht wurde, wird die zweite Rohröffnung
Umstände beachtet werden. Das Tier darf              wahl der Verpackung eine wichtige Rolle.           derten Transportröhre einen permanenten                verschlossen und die Versandröhre noch mit
sich in keiner akuten Häutungsphase oder             Der Versandbehälter sollte der Größe des           Wandkontakt besitzt und somit auch einen               Angaben zum Tier, wie z.B. Gattung/Art,
einem schlechten Gesundheitszustand be-              Tieres entsprechen und ihm genügend                sicheren und festen Halt hat. Die beiden
finden. Die Beigabe von Futtertieren, als            Schutz vor äußeren Einwirkungen bieten.            verbleibenden Öffnungen werden mit zwei
Reiseproviant, sollte man generell und aus-          Ferner muss er absolut ausbruchssicher sein.       vorbereiteten Deckeln verschlossen.
nahmslos unterlassen, denn das Verletzungs-              Im folgenden möchte ich meine Ver-                 Abb. 2 – Als Verschlussdeckel eignet
risiko für die Spinne durch ein mitreisendes         sandverpackung vorstellen.                         sich ein sogenanntes Panzergewebe aus
Futtertier wäre einfach zu groß. Von einem           Abb.1 – Ich versende meine subadulten/             Nylon, welches problemlos im Baumarkt
Versand außerhalb von Deutschland würde              adulten Vogelspinnen in zweckentfremdeten          erhältlich ist. Dieses flexible und reißfeste
ich persönlich abraten, da das Paket, je nach        und umgestalteten Pappkernröhren, die sich         Gittergewebe stammt aus dem Handwerks-                  Abbildung 4

Ziel ort, weit über eine Woche unterwegs             seit Jahren als Versandbehälter sehr gut be-                                     bereich und
sein könnte. Der Versandweg sollte immer                                                                                              lässt sich leicht        NZ / WF, Herkunft, Geschlecht (RH) usw.
so kurz wie möglich sein, denn je länger der                                                                                          verarbeiten.             beschriftet. Nun kann die so untergebrachte
Transport dauert, desto höher ist das Risiko                                                                                          Bei einer Ma -           Spinne in einem Paket auf die Reise gehen.
für die Spinne.                                                                                                                       schengröße
    Um eine Erfrierung oder Überhitzung                                                                                               von ca. 3 mm             SUMMARY
zu vermeiden, müssen die örtlichen Tempe-                                                                                             ist das Gewebe
raturverhältnisse berücksichtigt werden,                                                                                              ausreichend              M ARIO W ILFERT mentions some general
nicht nur beim Absender, sondern auch                 Abbildung 1                                                                     luftdurchlässig          thoughts about the dispatch of tarantulas
beim Empfänger. In den Monaten von No-                                                                                                und ausbruch-            and introduces boxes for dispatching taran-
vember bis März sind, von einigen Ausnah-            währt haben. Dieser Behälter hat gegenüber           Abbildung 2                 sicher zugleich.         tulas in a secure way.
men abgesehen, die Voraussetzungen für ei-           einer herkömmlichen und instabilen Heim-                                         Mit einer Sche-
nen der Spinne verträglichen Versand wegen           chendose einen großen Sicherheitsvorteil           re wird das Gewebe passend zugeschnitten.                 Adresse des Autors:
der häufig wechselnden und unbeständigen             und sein Umgestaltungsaufwand ist gering.          Dabei ist aber zu beachten, dass der Zu -                 Mario Wilfert
Klimaverhältnisse kaum gegeben. Er fah -             Die sehr stabilen Pappkerne befinden sich          schnittradius um ca. 5 cm größer gehalten                 Burgweg 19
rungsgemäß würde ich bei einer unkonstan-            u.a. in aufgerolltem PVC/Linoleumbelägen,          wird als der gewählte Röhrendurchmesser.                  35619 Braunfels
ten Witterungslage und Nachttemperaturen             Teppichböden, Raufaserrollen, Bauschutzfo-             Abb. 3 – Anschließend wird das Gewebe
unter 15°C oder bei extrem hohen Tages -             lien, Armierungsstoffen usw. Diese Kern-           ähnlich wie bei einer Trommel straff und
temperaturen von über 30°C auf einen Ver-            röhren sind in der Regel kostenlos auf Bau-        gleichmäßig über den ersten Rohröffnungs-
                                                20                                                                                                        21
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                                  kürzlich publiziert

Buchrezension: Vogelspinnen. DRACO Terraristik
Themenheft Nr. 16(4), Natur und Tier Verlag, Münster
ISSN 1439-8168, Preis: 8,60 EUR
von Tobias Dörr

Bei der DRACO handelt es sich um ein vier-
teljährlich erscheinendes Terraristik-The-
menheft, in dem in jeder Ausgabe eine ande-
re, terraristisch interessante Tiergruppe vor-
gestellt wird.
     Nachdem in vergangenen Ausgaben
Reptilien und Amphibien im Vordergrund
standen, widmete sich Heft 4/2003 einer
Tiergruppe, deren steigende Beliebtheit in
terraristischen Kreisen nicht zu leugnen ist:
Vogelspinnen.
     Was also erwartet man von einem sol-
chen Themenheft? Meines Erachtens sollte
es Zusatzinformationen zur Vogelspinnen-                                                               Abb. 1: Phoneutria sp.
                                                                                                       Foto: Lelle Pettersson
haltung geben, die nicht oder nur selten in
Büchern behandelt werden, gleichzeitig je-
doch nicht zu speziell werden, um auch für
den Anfänger attraktiv zu sein. Dieser Spa-
gat, wie auch die weitere Umsetzung, ist den
Autoren auf überzeugende Art und Weise
gelungen.
     So beginnt das Heft mit einer Zusam-             taileinsichten in die Vogelspinnenhaltung;
menfassung der Systematik und Biologie                praktische Erfahrung der Autoren manife-
von Vogelspinnen. Wohl geordnet und – im              stiert sich in einer Loslösung der in Büchern
Hinblick auf das oben geschriebene – mit              beschriebenen sogenannten »Standard-Be-
der richtigen Tiefenschärfe beleuchtet                dingungen« und wird sicherlich dazu beitra-
Diplom-Biologe BORIS STRIFFLER alle wich-             gen, dass einige Arten erfolgreicher nachge-
tigen As pekte des Themas Vogelspinnen.               züchtet werden können.
Garniert ist das Ganze, wie übrigens das ge-              So führen die Artikel »Vogelspinnen in
samte Heft, mit sehr schönen Fotos (wobei             Venezuela« (S. 70) sowie »Aktivitätsmuster
etwas stört, dass die ersten Seiten mit ganz-         bei Vogelspinnen« (S. 62 ff) sehr deutlich
seitigen Fotos bedruckt sind, sodass die              vor Augen, dass es auf Dauer nicht bei den
Spinnen durch den Falzpunkt »zerschnitten«            Einsteigern empfohlenen Klimabedingun-
werden – hier hätte man lieber mehrere und            gen für pauschalisiert »tropische« Arten blei-
dafür ganzheitliche Fotos unterbringen sol-           ben sollte, sondern das selbst bei aus bere-
                                                                                                       Abb. 2: Lasiodorides striatus
len). Weiter geht es mit verschiedenen De-            chenbar erscheinenden Klimazonen stam-           Foto: Tristan Meschede

                                                 22                                                                                    23
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 Abb. 3: Lasiodorides striatus, juveniles Tier beim Fressen        Abb. 4: Lasiodorides striatus, juveniles Tier
 Foto: Ingo Wendt                                                  Foto: Ingo Wendt




                                                                                                                       Abb. 9: Latrodectus hasselti, Weibchen
                                                                                                                       Foto: Eddy Hijmensen




 Abb. 5: Latrodectus hasselti, Weibchen                            Abb. 6: Latrodectus hasselti, Männchen
 Foto: Peter Grabowitz                                             Foto: Michaela Biese




 Abb. 7: Latrodectus hasselti Kokons                               Abb. 8: Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons   Abb. 10: Latrodectus hasselti, Pärchen
 Foto: Stephan Martini                                             Foto: Stephan Martini                               Foto: Michaela Biese

                                                              24                                                                                                25
ARACHNE 9(4), 2004                                                                                                                                                                                          ARACHNE 9(4), 2004
                                                                                                                                                          kürzlich publiziert
                                                                                                                       mende Arten sehr spezielle Ansprüche ha-                Arten gefunden werden konnte – vor allem
                                                                                                                       ben können, die spätestens bei der Nach-                auch deshalb, weil alle anderen Erdteile Be-
                                                                                                                       zucht berücksichtigt werden sollten.                    rücksichtigung fanden.
                                                                                                                           Was Aufbau und Inhalt der einzelnen                     Was weiterhin ins Auge sticht sind die
                                                                                                                       Artikel angeht gibt es nichts zu bemängeln.             Buchbesprechungen. Diese lassen teilweise
                                                                                                                           Im Vergleich zu anderen Publikationen               etwas Sachlichkeit vermissen. Während es
                                                                                                                       fallen verschwindend wenige Rechtschreib-               z.B. in der Besprechung des Buches von
                                                                                                                       fehler auf (z.B. »Xerodendrophila« statt richtig        VON W IRTH noch heisst, »Begriffe wie Ce -
                                                                                                                       »Xenodendrophila« S. 9 und S. 16).                      phalothorax […] sollten vermieden werden«,
                                                                                                                           Abgerundet wir das Heft durch einige                schreibt der Autor über den gleichen Fehler
                                                                                                                       Vorstellungen neuerer Forschungsergebnisse              bei der Besprechung des Buches von D R .
                                                                                                                       z.B. zum Schwimmverhalten von Vogelspin-                SCHMIDT »[…] in Schmidts Terminologie […]«,
                                                                                                                       nen. Damit ist der Synthesekreis zwischen               was so klingt, als gestehe K RITON K UNZ
                                                                                                                       Theorie und Praxis sowie zwischen Infor-                Herrn SCHMIDT eine Berechtigung zu einer
                                                                                                                       mationstiefe und -breite geschlossen.                   eigenen Terminologie durchaus zu.
                                                                                                                           Etwas seltsam ist die Praxis, bei den                   Während, um bei dem besonders an -
                                                                                                                       Spinnennamen die Artikel dem Geschlecht                 schaulichen Beispiel dieser zwei Bücher zu
                                                                                                                       des lateinischen bzw. griechischen Ursprun-             bleiben, im GU-Buch jeder Fehler mikro-
                                                                                                                       ges anzupassen. So liest man z.B. auf S. 60             chirurgisch seziert wird, übergeht Herr
                                                                                                                       »Juveniles Brachypelma smithii«. Da diese Pra-          K UNZ die diversen Mängel des anderen
 Abb. 11: Latrodectus hasselti, die Überreste des Männchen hängen, nachdem es gefressen wurde, im Netz des Weibchens   xis konsequent durch das ganze Heft durch-              Buches elegant: Schmidt darf »Blut« schrei-
 Foto: Michaela Biese
                                                                                                                       gehalten wird, schließe ich einen Zufall aus.           ben (GÜNTHER SCHMIDT: Vogelspinnen, 4.
                                                                                                                       Meines Wissens ist es jedoch nicht üblich,              Auflage, S. 20), vON WIRTH nicht (Rezensi-
                                                                                                                       eine solche Anpassung vorzunehmen, da im                on S. 79, mittlere Spalte). Bei VON W IRTH
                                                                                                                       Hintergrund der Artennamen ja immer »die                sind Sätze »unsinnig«, bei Schmidt dagegen
                                                                                                                       Spinne« steht, also feminin.                            ist Herr KUNZ neutraler und spricht von »Ich
                                                                                                                           Einem hyperkritischen Rezensenten fal-              meine« und »Mir persönlich gefällt […] nicht«
                                                                                                                       len noch einige weniger gelungene Aspekte               usw.
                                                                                                                       des Heftes auf, die nicht unerwähnt bleiben                 Weiterhin vergisst Herr KUNZ zu erwäh-
                                                                                                                       sollen:                                                 nen, dass gerade die vorgestellte 4. Auflage
                                                                                                                           Bei dem Artikel »Ecdysis – wenn Vogel-              des Schmidt-Buches derart veraltet ist, dass
                                                                                                                       spinnen aus der Haut fahren« (S. 20) wäre es            sie eigentlich für systematische Arbeit nur
                                                                                                                       interessanter gewesen, die Häutungsabstän-              noch wenig Wert besitzt (was sich hoffent-
                                                                                                                       de einer Jungspinne bis zum adulten Stadi-              lich mit der ebenfalls kurz vorgestellten neu-
                                                                                                                       um zu verfolgen. Die nur drei bzw. 4 be -               en Auflage, in die ich noch keinen konzen-
                                                                                                                       schriebenen Häutungen einer Vogelspinne                 trierten Einblick vornehmen konnte, verbes-
                                                                                                                       werden wohl viele Halter selber schon ver-              sert hat). Weiterhin fehlen Hinweise auf die
                                                                                                                       folgt haben. Weiterhin geschmälert wird der             deutlichen Schwächen des Buches »Vogel-
                                                                                                                       Informationsgehalt des Artikels dadurch,                spinnen« von PETER KLAAS (s. Buchbespre-
                                                                                                                       dass einige »verpasste« Häutungen erwähnt               chung in ARACHNE Nr. 1 (9), 2004).
                                                                                                                       werden.                                                     Bei den Buchbesprechungen von K RI -
                                                                                                                           Schade ist auch, dass anscheinend kein              TON K UNZ handelt es sich aber, im Ge -
 Abb. 12: Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons           Abb. 13: Latrodectus hasselti, Kokon im »Inkubator«
 Foto: Stephan Martini                                        Foto: Stephan Martini                                    Au tor für die Haltung von afrikanischen                sammtkontext gesehen, nur um kleinere
                                                         26                                                                                                               27
ARACHNE 4/2004
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ARACHNE 4/2004

  • 1. 9. Jahrgang Heft 4 Juli 2004 Deutsche Arachnologische Gesellschaft e.V. in dieser Ausgabe: • Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der brasilianischen Kammspinne Phoneutria nigri- venter (KEYSERLING, 1891) • Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996) in der Artvorstellung • Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus hasselti in der Artvorstellung • Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für Vogelspinnen ISSN 1613-2688
  • 2. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Impressum Inhalt Redaktion Text Format oder *.txt) per E-Mail, 3,5" Diskette oder Seite: Volker von Wirth Martin Huber CD-R. Gattungs- und Artnamen sind kursiv zu schrei- Lilienstr. 1 Dorfstr. 5 ben, Überschriften sollen hervorgehoben werden, wei- 71723 Großbottwar 82395 Obersöchering tere Formatierungen sind zu unterlassen. von-wirth@dearge.de huber@dearge.de Mit der Abgabe des Manuskripts versichern die Auto- Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der brasiliani- ren, dass sie allein befugt sind, über die urheberrechtli- schen Kammspinne Phoneutria nigriventer (KEYSERLING, 1891) . . 4 - 9 Tobias Dörr Marcus Löffler chen Nutzungsrechte an ihren Beiträgen, einschließlich von Volker Herzig Falkenstr. 24 A. d. Ronnenheide 6a eventueller Bild- und anderer Reproduktionsvorlagen 30449 Hannover 45731 Waltrop zu verfügen und dass der Beitrag keine Rechte Dritter doerr@dearge.de loeffler@dearge.de verletzt. Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996) in der Eingereichte Manuskripte werden ggf. an die Formatie- Artvorstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 - 15 Kleinanzeigen, Kontakte & Leserbriefe rung und den Stil des Journals angepasst. Rechtsschrei- von Tristan Meschede Kleinanzeigen können von Mitgliedern in beliebiger bung und Grammatik werden überprüft und gegebe- Anzahl an die Anzeigenannahme geschickt werden. An- nenfalls geändert. nahmeschluss ist der 10. eines jeden Monats. Zu spät Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus hasselti eingehende Anzeigen werden nicht automatisch in der Copyright 2004 in der Artvorstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 - 19 nächsten Ausgabe veröffentlicht. Wir veröffentlichen Die Vervielfältigung jedweder Art (auch auszugsweise) von Stephan Martini auch alle Informationen über Börsen und Ausstellun- bedarf der schriftlichen Genehmigung durch die gen. Kleinanzeigen und Termine bitte per E-Mail, DeArGe e.V. Sofern nicht anders angegeben, stammen die Bilder von der Redaktion. ISSN 1613-2688 Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für Vogelspinnen . 20 - 21 maschienengeschrieben bzw. in Druckbuchstaben an die Anzeigenannahme schicken! von Mario Wilfert Titelfoto: Latrodectus hasselti, Weibchen Anzeigen- & Leserbriefannahme Foto: Peter Grabowitz kürzlich publiziert Michaela Biese Buchrezension: Vogelspinnen. DRACO Terraristik Düsterbeck 51 Bankverbindung 45731 Waltrop Deutsche Arachnologische Gesellschaft e.V. Themen heft Nr. 16(4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 - 28 anzeigenannahme@dearge.de Raiffeisenbank Frechen+Hürth eG Kontonummer: 701493010 Buchrezension: Günter Schmidt (2003): Die Vogelspin- leserbriefe@dearge.de BLZ : 37062365 nen – Eine weltweite Übersicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 - 34 Nachbestellservice Fehlende Ausgaben der »ARACHNE« (ehem. »Mittei- Fachbeiräte Vereine informieren lungen«) können schriftlich bei der Redaktion nachbe- * für Systematik und Taxonomie Dipl. Biol. Boris Striffler Der Vogelspinnen- und Reptilien-Stammtisch Mainz stellt werden (sofern noch vorhanden). Die Kosten betragen pro Heft 5 EUR. Zoologisches Forschungsinstitut stellt sich vor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 - 37 und Museum A. Koenig Artikel 53113 Bonn Arachnida Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 - 38 Berichte über Haltung, Reisen oder sonstige interessan- te Themen werden gerne entgegengenommen und in * für Vogelspinnenökologie und -ethologie Vogelspinne e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 - 39 der Reihenfolge des Eingangs veröffentlicht. Wir setzen Dipl. Biol. Dirk Weinmann die Einhaltung unseres Ethikkodexes und ebenso auch 70734 Fellbach Presse & Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 - 40 die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen voraus. Mit Verfassernamen gekennzeichnete Beiträge geben Druck Druck + Papier Meyer GmbH Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und der DeArGe e.V. wieder. Für Berichte und auch für die 91443 Scheinfeld Anzeigen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. ℡ 09162-9298-0 Vereinsnachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 - 42 Für unverlangt eingesandtes Redaktionsmaterial (Ma- nuskripte, Fotos, Bücher, etc.) kann keine Haftung Homepage-Redaktion zum Schmunzeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 übernommen werden. Thorsten Gurzan Mandy Raasch Ringener Str. 15 Schmollerstr. 10 53501 Grafschaft-Karweiler 74074 Heilbronn Kleinanzeigen & Kontakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Hinweise für Autoren Beiträge können in handschriftlicher, maschinenge- gurzan@dearge.de raasch@dearge.de schriebener oder computerbearbeiteter Form einge- Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 - 46 reicht werden. Bevorzugt werden Manuskripte in elek- http://www.dearge.de tronischer Form (WinWord, StarOffice Writer, Rich- Stammtische . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 2 3
  • 3. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Geschlechtsspezifische Variationen im Gift der Verhalten durchaus zu. Deshalb halte ich es (2000) 5-10 mal empfindlicher auf das Gift für keine besonders kluge Idee, sich diese von P. nigriventer als Mäuse. Da außerdem brasilianischen Kammspinne Phoneutria nigriventer Tiere nur zum Spaß zu Hause zu halten, nicht nur Schwankungen in der Giftmenge, (KEYSERLING, 1891) insbesondere da vermutlich die allerwenig- sondern auch die Verfassung des Bissopfers von Volker Herzig sten Phoneutria-Halter das vom Butantan- (z.B.: Alter, Gesundheitszustand) eine wich- Institut in Brasilien hergestellte Antiserum tige Rolle spielen, ist der Verlauf der Vergif- vorrätig haben. Somit könnten auch unbe- tungssymptome und die dazu passende Mit Interesse habe ich den Phoneutria-Artikel tungsbedingungen für die (zur Serumpro- teiligte Personen durch die Haltung dieser Behandlung immer vom jeweiligen Einzel- von JOHN OSMANI (2003) gelesen und mich duktion gehaltenen) Phoneutrias anzuschauen Giftspinnen gefährdet werden, da ein gewis- fall abhängig. In der Regel ist aber die Gabe entschlossen, für die DeArGe-Mitglieder (Foto 1), die natürlich etwas professioneller ses Restrisiko ja nie ganz auszuschließen ist. des Antiserums (Butantan Institut, Brasilien) noch etwas ausführlicher über das Gift und waren als in meinem Labor (Foto 2). P. nigriventer ist eine der wenigen Spin- als das Mittel der Wahl für die Behandlung die Giftigkeit dieser Spinnen zu berichten. Einleitend möchte ich noch ein paar nenarten, die durch ihr Gift auch dem Men- von Phoneutria-Bissen anzusehen. Dieser 1. Artikel und der in einer späteren Anmerkungen zu der oft beschriebenen schen gefährlich werden kann. Zur Angabe Unter Gift versteht man generell ein Ausgabe der »ARACHNE« folgende 2. Teil (»sagenumwobenen«) Aggressivität von der Gefährlichkeit eines Giftes wird die Gemisch, das aus einer Vielzahl von Sub- über entwicklungsabhängige Variationen ba- P. nigriventer machen. Nach meinen eigenen mittlere letale Giftdosis (median lethal dose stanzen bestehen kann. Diejenigen Kompo- sieren auf Ergebnissen verschiedener Wis- Beobachtungen zeigt P. nigriventer dieses viel = LD50), also die Dosis bei der die Hälfte nenten, die für die toxischen oder letalen senschaftler sowie auf meinen eigenen Re- beschriebene Abwehrverhalten (Beschrei- der getesteten Mäuse sterben, verwendet. Effekte verantwortlich sind, werden als sultaten (veröffentlicht unter HERZIG et al., bung siehe z.B. OSMANI, 2003) nur, wenn sie Vergleicht man die LD50 verschiedener Toxine bezeichnet. Das getrocknete Gift 2002), die ich während meiner 10-monatigen in die Enge getrieben wird, also genau wie Giftspinnen und -skorpione (d.h. für den von P. nigriventer ist ein grau-weißes Pulver Arbeit an der Universität von São Paulo bei einigen Vogelspinnenarten. In freier Menschen potentiell gefährliche) wie in Ta- das hauptsächlich aus basischen Peptiden (USP) in Ribeirão Preto (Brasilien) ge - Wildbahn hingegen haben alle P. nigriventer belle 1, so erweist sich das Gift von P. und Proteinen (54%) sowie aus freien Ami- wonnen habe und die als Grundlage für die ich fangen wollte, stets zuerst versucht nigriventer unter den Spinnen als das bei wei- nosäuren (26%) besteht (F ISCHER and meine spätere Diplomarbeit (HERZIG, 2001) die Flucht zu ergreifen. Erst wenn dies nicht tem potenteste. Lediglich die Gifte einiger B OHN , 1957; S CHENBERG and P EREIRA im Fach Biologie dienten. Alle Versuche da- mehr möglich war, kam es zum Angriffsver- Skorpionarten scheinen ähnlich gefährlich LIMA, 1962). Beim Gift von P. nigriventer han- zu wurden 1999 durchgeführt und sämtliche halten. Daher bin ich der Meinung, dass das zu sein. Die extrahierte Giftmenge unterliegt delt es sich um ein Nervengift, in dem bis- Spinnen wurden auf dem Campus der USP, aggressive Verhalten von P. nigriventer oft- bei vielen Arten jedoch her über 25 neurotoxische Ribeirão Preto gefangen, zur Giftentnahme mals zu sehr verallgemeinert wird. In Gefan- deutlichen Schwankungen. Proteine (= Toxine) nach- im Labor gehalten und anschließend von genschaft hingegen, wo kaum Fluchtmög- Bei P. nigriventer wurde so- gewiesen wurden (C OR - Dr. ANTONIO BRESCOVIT (Butantan Institut, lichkeiten bestehen, trifft das beschriebene gar eine maximale Tro - DEIRO et al., 1995). Diese São Paulo) als Phoneutria nigriven- ckengiftmenge von 8,0 mg Phoneutria-Toxine können ter (KEYSERLING, 1891) identifi- erzielt (LUCAS, 1988), was die unterschiedlichsten Re- ziert. Dr. B RESCOVIT ist übri- nach Berechnung wie in ak tionen erzeugen und gens auch Co-Autor der aktuell- Tabelle 1 eine Letalität für wirken teilweise spezifisch sten Revision (SIMÓ und BRES- 1333 Mäuse ergeben wür- auf Wirbeltiere oder Wir- COVIT , 2001) über die Gattung de. Auf Menschen lassen bellose. Das Gift verur- Phoneutria, wonach es noch fol- sich diese Werte jedoch sacht bei Mäusen Atem- gende fünf gültige Arten gibt: nicht direkt übertragen, sie not, Er schöp fung sowie P. bahiensis, P. boliviensis, P. fera, P. können aber zumindest ei- Lähmung der Hinterextre- nigriventer und P. reidyi (Farbtafel nen groben Anhaltspunkt mitäten. Der Tod tritt Abb. 1). Während meines kur- für die mögliche Gefähr- schließlich durch Atemläh- zen Aufenthalts im Butantan lichkeit eines Bisses lie- mung ein. Menschen be - Institut hatte ich auch die Mög- fern. Allerdings reagieren rich ten, dass sofort nach Foto 1: Tierhaltung Butantan Institut Foto 2: Tierhaltung Labor Ribeirão Preto lichkeit, mir die dortigen Hal- Foto: Volker Herzig Menschen laut S CHMIDT Foto: Volker Herzig Phoneutria-Bissen ein inten- 4 5
  • 4. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 um nach Weibchen zu suchen, was zu einem und von solchen die gerade einen Kokon durchschnittliche LD50 (i.v.) in max. Anzahl getö- Anstieg in der Häufigkeit von Bissunfällen haben, weniger gefährlich sind (zumindest Art Trockengiftmasse Mäusen (mg/kg) teter Mäuse pro führt (R AMOS et al., 1998). Aus diesem für Mäuse). Eine mögliche Erklärung für pro Tier (mg) Biss bzw. Stich Grund erschien es mir wichtig, die ge - diese geringere Giftausbeute kokontragen- Atrax robustus 0,31 10-17,5 0,9-1,6 schlechtsspezifischen Unterschiede im Gift der Weibchen kann der Energieaufwand Latrodectus geometricus 0,3 11,5 1,3 von P. nigriventer in meiner Studie genauer zu sein, der zur Herstellung und Pflege des Latrodectus mactans 0,6 5,5 5,5 untersuchen. Kokons benötigt wird. Dies könnte dazu Spinnen Loxoxsceles reclusa 0,07 4,6 0,8 Tabelle 2 zeigt die in meinen Versuchen führen, dass nicht mehr genug Energiereser- Loxosceles rufipes 0,7 10,0 3,5 mittels elektrischer Giftextraktion gewonne- ven für die Giftsynthese übrig bleiben. Loxosceles similis 0,7 6,5 5,4 ne durchschnittliche Trockengiftmasse pro Adulte männliche P. nigriventer sind nicht Lycosa erythrognatha 1,0 4,0 13,0 Spinne in Gruppen von unterschiedlich nur kleiner als die Weibchen sondern haben Trechona venosa 1,0 1,5 33,0 großen Exemplaren sowie deren Proso- auch eine deutlich geringere Giftausbeute Phoneutria nigriventer 1,25 0,3 208,0 malänge und die Anzahl der jeweils extra- und, was noch wichtiger ist, ein weniger als hierten Spinnen. Ferner sind die ermittelten halb so potentes Gift (siehe Tabelle 2). Das Androctonus amoreuxi 0,38-0,72 0,36 53-100 mittleren letalen Dosen (getestet an männli- Gift der größten weiblichen Exemplare von Skorpione Androctonus australis 1,4 0,49 143,0 chen weißen Mäusen nach intravenöser P. nigriventer hätte somit eine Letalität (nach Leiurus quinquestriatus 0,65 0,15-0,30 108-217 Injektion) der Gifte von weiblichen (mit und gleicher Berechnung wie in Tabelle 1) für Tityus bahiensis 0,39 1,32 15,0 ohne Kokon) und männlichen P. nigriventer knapp 86 Mäuse, das der Männchen hinge- Tityus serrulatus 0,62 0,96-1,25 25-32 angegeben. Diese Ergebnisse zeigen, dass gen nur für 12 (das entspricht einem Faktor große Weibchen ohne Kokon eine mehr als von 7). Vergleicht man die LD50-Werte mei- Tabelle 1: Vergleich der Trockengiftmasse und LD50 verschiedener Giftspinnen und -skor- doppelt so hohe Ausbeute an Trockengift ner Studie mit früheren Arbeiten, so berich- pione (aus SCHMIDT, 2000, verändert) und deren daraus resultierende maximale Letalität für liefern wie Weibchen, die gerade einen Ko- tet z.B. BÜCHERL (1956) von einer LD50 Mäuse. kon mit sich führen. Selbst Weibchen, die von 0,3 mg/kg, was weder mit meinen Wer- ebenso groß sind wie die kokontragenden ten für das Gift von Weibchen, noch mit siver, lokaler Schmerz einsetzt, welcher Zur Häufigkeit von Unfällen mit Gifttie- Weibchen, zeigen noch eine größere Gift- denen von Männchen übereinstimmt. In durch den hohen Gehalt an Histamin und ren in Brasilien gibt es inzwischen eine ausbeute. Die Letalität unterscheidet sich BÜCHERL s Arbeit wurde aber nur das Gift Serotonin im Gift hervorgerufen wird. große Anzahl von Daten. Von 88.000 im dagegen so gut wie nicht bei Weibchen mit von weiblichen P. nigriventer untersucht (nicht Ebenfalls zeigt über die Hälfte aller Patien- Vital-Brazil Krankenhaus in São Paulo in und ohne Kokon. Daher kann vermutet P. fera wie irrtümlich von Bücherl beschrie- ten eine lokale Ödembildung an der Bissstel- einem Zeitraum von 50 Jahren behandelten werden, dass Bisse von kleineren Weibchen ben, da in der Umgebung des Butantan- le (C OELHO and G ONÇALVES , 1993). BÜ - Bissunfällen wurden 35 % durch Spinnen, CHERL (1956) beschreibt zwei unterschied- 25 % durch Skorpione und 12 % durch Prosomalänge Anzahl Trockengiftmasse LD50 in Mäusen liche Phasen der Giftwirkung, eine anfängli- Schlangen verursacht (CARDOSO, 1996). Die Geschlecht (mm) ± SD extrahierter pro Spinne (mg) (mg/kg) che erregende und eine darauf folgende meisten der Spinnenbisse (60%) waren der Spinnen beruhigende Phase. Die erregende Phase ist Gattung Phoneutria, besonders der dort häu- gekennzeichnet durch Symptome wie er - fig vorkommenden P. nigriventer zuzuschrei- Weibchen 15,8 ± 0,6 21 1,079 0,63 niedrigte Körpertemperatur, Erbrechen, ben (LUCAS, 1988). Es wird vermutet, dass Weibchen 13,5 ± 0,6 17 0,548 nicht getestet Ejakulation, schneller unregelmäßiger Puls, aufgrund ihrer höheren Giftmenge die größ- Schwitzen und Schüttelfrost, wonach dann te Gefahr für Menschen von weiblichen Weibchen 13,9 ± 1,7 6 0,462 0,61 meist wieder eine Erholung eintritt. In den P. nigriventer ausgeht, jedoch werden über (mit Kokon) seltenen ernsten Vergiftungsfällen folgt die 70% der Phoneutria-Bisse durch Männchen Männchen 11,8 ± 2,7 12 0,386 1,57 beruhigende Phase mit Symptomen wie verursacht (C OELHO and G ONÇALVES , Lähmungen, Blindheit, Krämpfe und Tod 1993). Besonders während der Paarungszeit Tabelle 2: Unterschiede in der Trockengiftmasse und LD50 von männlichen und weiblichen durch Atemlähmung. (April bis Juli) streifen die Männchen umher, Phoneutria nigriventer. 6 7
  • 5. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Instituts um São Paulo herum nur P. nigriven- nach einem passenden Weibchen zu ma - an explanation why serious spiderbites from HERZIG, V., WARD, R.J., DOS SANTOS,W.F. ter vorkommt und P. fera vom Amazonas chen. Phoneutria nigriventer have been mainly caused (2002): Intersexual variations in the beschrieben wurde, vgl. SIMÓ und BRESCO- Zusätzlich zu den bereits erwähnten by females and not by males. On the other venom of the Brazilian armed spider VIT , 2001). Die Spinnen für meine Arbeit Tests an Mäusen und Termiten, habe ich das hand, lower venom doses of male venom in Phoneutria nigriventer (K EYSERLING , wurden ausschließlich auf dem Campus der Gift beider Geschlechter von P. nigriventer termites were even more potent in respect 1891). Toxicon 40: 1399-1406. USP in Ribeirão Preto gefangen, wohinge- noch mit physikalisch-chemischen Metho- to paralysis and lethality. Finally, electropho- L UCAS , S. (1988): Spiders In Brazil (Re - gen die in Butantan von BÜCHERL unter- den (Gelelektrophorese) auf Unterschiede retic analysis demonstrated large proteins view). Toxicon 26: 759-772. suchten Exemplare zum Großteil aus der im Proteingehalt untersucht. Dabei stellte (66-200 kDa) exclusively in male venom, O LIVEIRA -C ALEGARIO, L., D E L IMA , Gegend von São Paulo stammten (das ca. sich heraus, dass geschlechtsunabhängig while similar-sized small proteins (< 45 M.E., CORDEIRO, M.N., DINIZ, C.R. 300 km von Ribeirão Preto entfernt ist). So- gleich große niedermolekulare (= 45 kDa kDa) were found in venom from both sexes. (2000): Estudo comparativo da consti- mit könnten regionale Schwankungen in der Molekulargewicht) Proteine nachgewiesen tuiçao e neurotoxicidade dos venenos de LD50 innerhalb dieser Art eine mögliche wurden. Im Gift von Männchen wurden LITERATUR aranhas macho e femea da especie Pho- Erklärung für die gefundenen Unterschiede allerdings noch zusätzlich größere Proteine neutria nigriventer. Abstract P11, VI. Sim- liefern. (66-200 kDa) gefunden, die nicht im Gift B ÜCHERL , W. (1956): Südamerikanische pósio do Sociedade Brasileira de Toxinologia. Außer der Bestimmung der LD50 in von Weibchen nachgewiesen werden konn- Spinnen und ihre Gifte. Arzneimittel For- O SMANI , J. (2003): Anmerkungen zu den Mäusen habe ich noch die Wirkung des Gif- ten. Diese Beobachtung deckt sich mit den schung 6: 293-297. Spinnen der Gattung Phoneutria (PERTY, tes von adulten männlichen und großen Ergebnissen von O LIVEIRA -C ALEGARIO et CARDOSO, J.L.C. (1996): Hospital Vital Bra- 1833). DeArGe-Mitteilungen 6: 4-7. weiblichen P. nigriventer auf Arbeiter-Termi- al. (2000), die ebenfalls Männchen-spezifi- zil: 50 years of clinical experience at R AMOS , E.F., A LMEIDA , C.E., G OUVEA , ten (Sintermes spec., bestimmt von THOMAS sche Komponenten im Gift von P. nigriventer Instituto Butantan, São Paulo. Toxicon 34 E., CARMO-SILVA, M.D. (1998): Consi- SCHLEMMERMEYER , Ribeirão Preto) unter- gefunden haben. Die Funktion dieser Kom- (2): 158. derações Sobre Atividade De Loco- sucht, um einen Anhaltspunkt für die Wirk- ponenten ist bis jetzt noch nicht geklärt, C OELHO, L.K., G ONÇALVES J R . (1993): moção, Preferencia Por Ecótopos E samkeit des Giftes in Wirbellosen zu erhal- eine letale Wirkung auf Wirbeltiere ist da- Phoneutria sp. bite: clinical aspects and Aspectos Territoriais De Phoneutria ten. Dabei stellte sich heraus, dass die ver- durch allerdings nicht zu erwarten, da das treatment. Toxicon 31 (2): 120. nigriventer (KEYSERLING , 1891), (Ara- wendeten Dosierungen (2 bis 5 µg Trocken- Gift der Männchen in dieser Hinsicht deut- C ORDEIRO, M.D.N., R ICHARDSON , M., neae, Ctenidae). Rev. Bras. Biol. 58 (1): 71- gift pro Termite) vom Gift beider Ge - lich weniger potent ist als das der Weibchen. G ILROY, J., F IGUEIREDO, S.G.D., 78. schlechter zu einer Lähmung sowie zu einer B EIRÃO, P.S.L., D INIZ , C.R. (1995): S CHENBERG , S., P EREIRA L IMA , F.A. erhöhten Letalität der Termiten führten, SUMMARY Properties Of The Venom From The (1962): Estudo Farmacológico do Vene- welche dosisabhängig noch zunahm. Folg- South American »Armed« Spider Pho- no de Phoneutria Fera. Ciencia e Cultura lich scheinen sowohl die Männchen, als auch The first part of the diploma thesis of VOL- neutria Nigriventer (KEYSERLING, 1891). 14 (4): 287. die Weibchen von P. nigriventer Toxine zu KER H ERZIG is presented here and covers Journal Toxicology- Toxin Reviews 14 (3): SCHMIDT, G. (2000): Giftige und gefährli- enthalten, die toxisch für Wirbellose sind. intersexual differences within venom from 309-326. che Spinnentiere. Die Neue Brehm-Bü - Die niedrige Dosis (2 µg) von männlichem the Brazilian ctenid spider Phoneutria nigriven- FISCHER, F.G., BOHN, H. (1957): Die Gift- cherei, Bd. 608. Gift war sowohl in ihren lähmenden, als ter (KEYSERLING, 1891). The study took pla- sekrete der brasilianischen Tarantel SIMÓ, M., BRESCOVIT, A.D. (2001): Revisi- auch in ihren letalen Eigenschaften potenter ce in 1999 on the campus of the University Lycosa erythrognatha und der Wander- on and cladistic analysis of the Neotro- als die von Weibchen, was bei der hohen of São Paulo in Ribeirão Preto, where all the spinne Phoneutria fera. Hoppe-Seyler's pical spider genus Phoneutria P ERTY , Dosis (5 µg) genau umgekehrt war. Für spiders have been caught and maintained. Zeitschrift physiologische Chemie 306: 265- 1833 (Araneae, Ctenidae), with notes on männliche P. nigriventer macht dies durchaus The electrically extracted venom was dried 268. related Cteninae. Bull. Br. Arachnol. Soc. Sinn, da sie dadurch beim Erbeuten anderer and tested in mice. The largest female ve - HERZIG, V. (2001): Effects of state of nu- 12 (2): 67-82. Wirbelloser eine geringere Giftmenge be - nom had the highest venom yield as well as trition, growth and sex on the quantity nötigen und somit sparsamer mit ihren the highest lethal potency. On the other and composition of Phoneutria nigri- Adresse des Autors: Energiereserven umgehen. Diese haben sie hand, adult male spiders yielded considerab- venter (Keyserling, 1891) spider venom. Volker Herzig dann übrig, um sich z.B. damit auf Suche ly less venom and showed a more than two Diplomarbeit der Fakultät für Biologie der Narzissenstr. 26 times lower potency in mice. This could be Eberhard-Karls-Universität, Tübingen. 72108 Rottenburg 8 9
  • 6. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Lasiodorides striatus (SCHMIDT & ANTONELLI, 1996) in mehr als nur im apikalen Viertel skopuliert. Ucayali im Nordosten Perus. Die Farbge- Die Tibia des vierten Beinpaares ist nicht bung dieser Art hängt scheinbar von der der Artvorstellung verdickt. Es befinden sich keine Fiederhaare Haltungstemperatur und Luftfeuchte ab. So von Tristan Meschede an Coxa, Trochanter oder Femur des ersten sind warm und feucht gehaltene Tiere dun- Beinpaares oder der Taster. kel gefärbt, wohingegen kalt und trocken Das Sternum und die Maxillen sind nor- gehaltene Tiere blass gefärbt sind. D IE G ATTUNG L ASIODORIDES IM Ü BER - schen Stridulationsborsten. Auch fehlt der mal und nicht wie bei Ozopactus SIMON 1889 Lasiodorides rolinae wurde 1999 von MARC BLICK Gattung die ebenfalls für Lasiodora charakte- aufgebläht. T ESMOINGT im weiblichen Geschlecht als ristischen dicken Polster aus Fiederhaaren Das Augenfeld ist hinten nicht breiter als Lasiodorides rolinii beschrieben. Sie wird von Die im folgenden behandelte Gattung Lasi- am Femur von Bein IV retrolateral. vorn. einigen Arachnologen als ein Synonym von odorides wurde 1997 von GÜNTER SCHMIDT Das Labium ist mit mehr als 20 Cuspeln L. polycuspulatus gehalten. Mir wurden im und B ERND B ISCHOFF aufgestellt. Derzeit TAXONOMISCHE M ERKMALE DER G AT - bedeckt. März 2002 zwei Vogelspinnen als L. rolinii umfasst diese Gattung vier Arten. Hierbei TUNG L A SIODORIDES Männchen und Weibchen der Arten die- angeboten. Ich kaufte das größere Tier und handelt es sich um: ser Gattung besitzen keinen ausgeprägten übergab die erste Exuvie ANDREAS HALBIG, Vertreter der Gattung Lasiodorides weisen in Sexualdichromatismus. der das Tier auf dem Vogelspinnenbestim- • Lasiodorides longicolli SCHMIDT 2003 beiden Geschlechtern die Reizhaartypen I mungskurs am 05.04.2003 als eine Lasiodori- • Lasiodorides polycuspulatus S CHMIDT & und III nach C OOKE et al. (1972) auf. Der DIE EINZELNEN ARTEN IM KURZPORTRAIT des bestimmte. Die zweite Exuvie schickte BISCHOFF 1997 Reizhaartyp IV ist jedoch bei keinem Ge - ich an BERND BISCHOFF, um die Zugehörig- • Lasiodorides rolinae TESMOINGT 1999 schlecht vorhanden. Lasiodorides longicolli wurde 2003 von GÜN- keit der Art festzustellen (dazu später mehr). • Lasiodorides striatus (S CHMIDT & A NTO - Die Weibchen haben eine in 2 Recepta- TER S CHMIDT in beiden Geschlechtern be - Über die Anzahl der Cuspeln auf dem Labi- NELLI 1996) cula seminis geteilte Spermathek. Zudem schrieben. Im Zoohandel wurde sie zu- weisen die adulten Männchen 2 Tibiaapo- nächst als Paraphysa Species ex Pe - Lasiodorides polycuspulatus diente als Typusart physen auf, bei der die primäre Tibiaapo- ru/Ecuador verkauft. Die Männchen für diese Gattung, da die schon 1996 be - physe nicht doppelt so lang ist wie die weisen ein im Vergleich zu Bein I we- schriebene Lasiodorides striatus damals noch sekundäre Tibiaapophyse. sentlich längeres Bein IV auf, was im der Gattung Pamphobeteus P OCOCK 1901 Dem Femur des vierten Beinpaares fehlt starken Kontrast zu den Beinlängenver- angehörte. die retrolaterale Skopula aus Fiederhaaren. hältnissen der anderen Arten steht. Die Die Vertreter dieser der Unterfamilie Der Metatarsus des vierten Beinpaares ist Anzahl der Cuspeln auf dem Labium Theraphosinae THORELL, 1870 zugeordne- liegt bei L. longicolli im weiblichen Ge- ten Gattung weisen alle eine mehr oder we- schlecht bei etwa 50. Auch ist die Sper- niger bräunliche Streifenzeichnung der Ex- mathek langhalsiger als bei den anderen tremitäten auf. Auch kommen sie in etwa in Arten. Diese Art stammt, wie schon er- der selben Gegend vor. So stammt Lasiodori- wähnt, aus dem Grenzgebiet zwischen des longicolli aus dem Grenzgebiet zwischen Ecuador und Peru. Lasiodorides striatus, Weibchen Ecuador und Peru, die anderen 3 Arten aus Lasiodorides polycuspulatus wurde 1997 Foto: Tristan Meschede einem kleinen Gebiet am Rio Ucayali im von G ÜNTHER S CHMIDT und B ERND Nordosten Perus. BISCHOFF in beiden Geschlechtern beschrie- um gibt es bei dieser Art bislang keine ge- Hinweis: Lasiodorides rolinae wird von ben. Sie wurde anfangs als Pamphobeteus Spe- nauen Angaben. Anscheinend kommt L. einigen Arachnologen als ein Synonym von cies ex Peru angeboten. Sie war die Typusart polycuspulatus sympatrisch mit L. striatus vor. Lasiodorides polycuspulatus gehalten. für diese Gattung. Die Anzahl der Cuspeln Lasiodorides striatus wurde 1996 von GÜN- Die Spermatheken ähneln denen der auf dem Labium liegt bei L. polycuspulatus im TER SCHMIDT und DANIELE ANTONELLI in Gattung Lasiodora sehr. Allerdings fehlen Lasiodorides striatus Weibchen haben eine in 2 Receptacu- weiblichen Ge schlecht bei über 70. Sie beiden Geschlechtern als Pamphobeteus striatus la seminis geteilte Spermathek. Lasiodorides die für Lasiodora charakteristi- Foto: Tristan Meschede stammt aus einem kleinen Gebiet am Rio beschrieben. Im Zoohandel wurde sie zu - 10 11
  • 7. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 nächst als Pamphobeteus »wallaci«, P. melanotar- ausgeht. Diese sehr attraktive Färbung ver- zwar eine »Glatze« auf dem Abdomen, was tung beendet meine L. striatus ihr großes sum oder P. »striped« angeboten. Sie wurde blasst allerdings wenige Wochen nach einer darauf schließen ließ, dass sie eine »Bombar- Fressen und zieht sich in ihren Unterschlupf dann im April 1997 der neu aufgestellten Häutung zu einem stumpfen Kupfer und dier-Spinne« ist, sie hat aber, seitdem sie in zurück. Gattung Lasiodorides zugeordnet. Sie ist mit färbt sich wenige Wochen vor einer Häu- meinem Be sitz ist, nicht ein einziges Mal Entgegen den Angaben des Zoohändlers etwa 9 cm Körperlänge die wohl größte tung bräunlich. bombardiert. Nur wenige Wochen vor einer frisst meine L. striatus weder Heuschrecken Lasiodorides. Die Anzahl der Cuspeln auf Die Extremitäten sind von gräulicher Häutung streift sie allerdings mehrere Stel- noch Zweifleckgrillen, sondern nur große dem Labium schwanken beim weiblichen Grundfärbung und mit einem kupferfarbe- len auf dem Hinterleib frei, wodurch ich Heimchen und Steppengrillen. Ich finde es Geschlecht zwischen 30 und 40. Sie stammt nen Streifenmuster versehen, das an Aphono- dann das schwarz gefärbte Abdomen sehen seltsam, dass sie diese verschmäht, da meine ebenfalls aus einem kleinen Gebiet am Rio pel ma seemanni oder Eupalaestrus campestratus kann. viel kleinere Avicularia metallica nur große Ucayali im Nordosten Perus. Sie scheint erinnert. An den Femora befinden sich an Meine L. striatus frisst die ersten 2 Mona- Heuschrecken frisst. auch die am häufigsten angebotene und der Außenseite je zwei Streifen; Pa tel la, te nach einer Häutung nur sehr wenig. Ist gehaltene Lasiodorides in Deutschland zu Tibia und Metatarsus sind ebenso gefärbt. dieser Zeitraum erst mal verstrichen, ver- D IE H ALTUNG VON L A SIODORIDES STRIA - sein. Die Chelizerengrundglieder wiederum sind wandelt sie sich für etwa 3 Monate in einen TUS wie bei vielen Vogelspinnenarten einfarbig Vielfrass. In dieser Zeit frisst sie jede ange- DAS ERSCHEINUNGSBILD VON LA SIODORI- gräulich. botene Steppengrille im nu weg. Danach Anfangs hielt ich meine L. striatus in einem DES STRIA TUS folgt wieder eine etwa zweimonatige Fasten- Terrarium der Größe 40 x 30 x 30 cm (LxB DAS VERHALTEN VON LA SIODORIDES STRIA - zeit. Dann werden noch mal 4 Monate lang xH). Da sie in diesem Terrarium aber nicht Da ich leider nur ein adultes Weibchen habe TUS alle angebotenen Steppengrillen gefressen. fraß und sie dort auch schon mehrmals aus- (Farbtafel Abb. 2), kann ich nur dessen Aus- Etwa einen Monat vor der nächsten Häu- brach, entschied ich mich, sie in eine kleine- sehen und Größe angeben. Die Größe liegt Meine als Lasiodorides rolinii gekaufte Vogel- bei meinem Tier bei etwa 73 mm. Das ist spinne entpuppte sich also als L. striatus. recht klein für diese Art, da Weibchen nor- Man kann sie als mittelaggressive Vogelspin- malerweise bis zu 9 cm groß werden. Eine ne bezeichnen. Sie lässt sich zwar nicht auf Artidentifikation durch BERND B ISCHOFF , die Hand nehmen, bleibt aber ruhig auf ih- einen ausgewiesenen Ex perten für diese rem Platz sitzen, wenn man im Terrarium Vogelspinnengruppe, ergab eine hohe Wahr- hantiert. Als ich das Tier im März 2002 in scheinlichkeit dafür, dass es sich bei meinem einem Zoogeschäft kaufte, war ich noch Tier um L. striatus handelt. recht unerfahren mit Vogelspinnen und ver- Die Grundfärbung ist schwarz mit ei - suchte meine neue Vogelspinne aus dem nem gräulichen Schimmer an den Beinen. Terrarium heraus zu nehmen, wie ich es bei Mit dem zunehmenden Heranschreiten ei- meiner Grammostola rosea auch tat. So wurde ner Häutung verblasst das kräftige schwarz ich einmal von meinem Weibchen in die in ein helleres verwaschenes schwarz. rechte Handinnenfläche gebissen, als ich es Das Abdomen hat eine kurze schwarze nach langem Hin- und Herlaufen endlich Behaarung aus Reizhaaren und weist mehre- auf der Hand sitzen hatte. Der Zoofach- re längere orange gefärbte Haare auf, die händler meinte nämlich, dass sie »mäuse- sich deutlich von den schwarzen Reizhaaren zahm« sei (eigene Worte des Zoohändlers). abheben und einen schönen Kontrast bil- Es tat etwa zwei Tage weh und wurde ziem- den. lich dick und rot. Glücklicherweise konnten Der Carapax weist ein kupferfarbenes weitere Symptome nicht beobachtet werden, sternförmiges Muster auf, wobei die Carapa- da ich be fürchtete, dass meine Eltern mir xränder kupfer-metallisch schimmern und die Haltung einer aggressiven Vogelspinne Lasiodorides striatus in ihrem Terrarium ein schwarzer »Stern« von der Thoraxgrube verboten hätten. Das besagte Tier hatte Foto: Tristan Meschede 12 13
  • 8. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 re Behausung umzusetzen. Zu meinem Lampenkasten für die Spinne unzugänglich. Terrarium. Dort verblieb es etwa vier Wo- SUMMARY Glück verschenkte der Großvater meiner Die Nachttemperaturen im Terrarium liegen chen, um sich mit der neuen Umgebung ver- damaligen Freundin ein Aquarium mit den zwischen 18 und 20°C. traut zu machen. In dieser Zeit besorgte sich T RISTAN M ESCHEDE introduces the genus Maßen 80 x 30 x 40 cm (LxBxH). In dieses Als Einrichtung dient ein großes gebo- ein Freund von mir ein adultes L. striatus Lasiodorides. Short portraits of the four spe- Aquarium arbeitete ich mit meinem Vater 2 genes Korkstück als Höhle. Die Höhle be- Männchen. Dieses hatte eine Körperlänge cies within the genus are given. Trennwände ein, sodass ich 3 »Terrarien« wohnt meine L. striatus eigentlich nur kurz von etwa 6 bis 7 cm. Ihm fehlten schon 2 Habit, behaviour and mating of Lasiodo- zur Verfügung hatte. So hatte ich 2 Abteile vor und nach einer Häutung. Die meiste Beine und es war fraglich, ob er sich über- rides striatus are described. Some clues con- mit einer Grundfläche von 25 x 30 cm und Zeit ihres Lebens verbringt sie lieber auf der haupt noch für eine Kopulation eignen wür- cerning the conditions like temperature, ein Abteil mit einer Grundfläche von 30 x Höhle oder neben ihr. Als weitere Einrich- humidity etc. for keeping this species are 30 cm. Mein Tier bewohnt das linke Abteil tungsgegenstände dienen zum einen die given. mit einer Grundfläche von 25 x 30 cm. Das Trinkschale, die bei mir in jedem Terrarium mittlere Abteil mit einer Grundfläche von ist, und ein kleines Savannenholzstück, an LITERATUR 30 x 30 cm wird von einem Brüderpärchen dem eine kleine Plastikpflanze befestigt ist. Kaiserskorpione [Pandinus imperator (C. L. Ich wechsle das Wasser nicht wie empfohlen C OOKE , J. A., V. D. ROTH & F. H. M IL - KOCH, 1842)] bewohnt, und in dem rechten alle 2 Tage, sondern alle 7 Tage, da ich der LER (1972): The urticating hairs of Abteil mit einer Grundfläche von ebenfalls Meinung bin, dass der Terrarienpflegling, sei thera phosid spiders. Am. Mus. Novit. 25 x 30 cm wohnt ein subadultes Männchen es eine Vogelspinne oder ein Skorpion, 2498: 1-43. von Xenesthis immanis (AUSSERER, 1875). durch zu häufiges Hantieren im Terrarium KLAAS ,P. (1989): Vogelspinnen im Terrari- Meine L. striatus hielt ich anfangs recht sehr viel Stress ausgesetzt wird. Dies könnte um. Ulmer Verlag, Stuttgart feucht mit Luftfeuchtigkeitswerten um die sich negativ auf das Verhalten des gestres- SCHMIDT, G. (2003): Lasiodorides longicolli sp. 85 %, da der Händler mir versicherte, dass sten Tieres auswirken. So hielt sich ein n., eine weitere Art aus dem Grenzgebiet Lasiodorides striatus während der Häutung sie in einer Region »irgendwo in Südameri- Freund von mir, der eine Brachypelma emilia Foto: Tristan Meschede zwischen Ekuador und Peru (Araneae: ka« (eigene Worte des Zoohändlers) in pflegt, an die diversen Buchanweisungen, Theraphosidae: Theraphosinae). Tarantu- Überschwemmungsgebieten lebt. Die feuch- die besagen, dass man mindestens alle 2 de. Mit guter Hoffnung ließen wir ihn, weit las of the World 88: 4-9. te Haltung veranlasste meine Spinne dann Tage das Wasser wechseln soll (K LAAS genug vom Weibchen entfernt, ins Terrari- S CHMIDT, G. & D. A NTONELLI (1996): dazu, aus einer Bodenbewohnerin eine 1989). Die anfangs sehr friedliche B. emilia um herein. Das Männchen krabbelte sofort Eine extrem abweichende ?Pamphobete- Baum bewohnerin im wahrsten Sinne des verwandelte sich innerhalb von nur 6 Wo- auf das Weibchen zu. Dann lief er über das us-Art aus Peru (Araneae: Theraphosi- Wortes zu werden. Sie kletterte die Scheiben chen in ein wahres »Bombardier-Monster« Weibchen, welches sich dies nicht gefallen dae: Theraphosinae). Arachnol. Mag. hoch und blieb dort tagelang sitzen. Inzwi- ließ, sich nach ihm umdrehte und ihre Cheli- 4(12): 1-12. schen halte ich das Bodensubstrat aus Terra- DIE ZUCHT VON LASIODORIDES STRIATUS zeren in seinen kleinen Hinterleib versenkte. SCHMIDT, G. & B. B ISCHOFF (1997): Die rienhumus nur in einem Teil des Terrariums Ich versuchte noch mit der großen Futter- Gattung Lasiodorides n. gen. und ihre leicht feucht, was mir die Spinne nicht übel Im Nachfolgenden wird ein misslungener pinzette einzugreifen, allerdings war ich zu Typus-Art Lasiodorides polycuspulatus n. sp. nahm, da sie schnell wieder zu ihrer alten Zuchtversuch beschrieben. Dennoch bin ich langsam. (Arachnida: Araneae: Theraphosidae: Lebensweise auf dem Boden zurückfand. So der Meinung, dass einige der gemachten Ich fing das schwer verletzte Männchen Theraphosinae). Ent. Z., 107: 153-159. beträgt die relative Luftfeuchte nun etwa 70 Angaben für die zukünftig – hoffentrlich – aus dem Terrarium und versuchte zu beur- T ESMOINGT, M. (1999): Description de bis 75 %. erfolgreiche Zucht dieser art behilflich sein teilen, ob es an dieser Verletzung sterben Lasiodorides rolinii n. sp. du Perou (Ara- Die Temperaturen liegen am Tage bei 24 bis können. wird oder ob man ihn noch heilen kann. Ich neae, Theraphosidae, Theraphosinae). 26°C. Ich erreiche diese Temperaturen Nachdem sich meine L. striatus im Januar musste feststellen, dass mein Weibchen den Arachnides 43: 21-26. durch die im Aquariendeckel integrierte, 12 dieses Jahres erfolgreich häutete, setzte ich Hinterleib des Männchens mit seinen Cheli- Stunden am Tag brennende Aquarienbe- sie Anfang Februar in ein extra für die Ver- zeren durchschlagen hatte. So blieb mir Adresse des Autors: leuchtung vom Typ »SUN-GLO«. Die paarung hergerichtetes Terrarium der Größe nichts anderes übrig als ihn zu betäuben und Tristan Meschede Leuchtstoffröhre hat eine Leistung von 20 60 x 30 x 40 cm (LxBxH). Es beinhaltete ihn dann in den Gefrierschrank zu stellen, Jahnstraße 52 a Watt und ist durch eine Glasscheibe am nur das gebogene Korkstück aus ihrem alten um ihm mögliches Leid zu ersparen. 59192 Bergkamen 14 15
  • 9. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Die »Australian Red Back Spider« – Latrodectus has- TERRARIENHALTUNG Witwen fressen in der Terrarienhaltung In- sekten aller Art: Heimchen, Mehlwürmer, selti in der Artvorstellung Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Fliegen usw. Schaben sind nicht zu empfeh- von Stephan Martini im Umgang mit Schwarzen Witwen vorsich- len, da diese sich zu schnell im Boden ein- tig und verantwortungsbewusst gehandelt graben. werden muss, denn es handelt sich um sehr Die Schwarzen Witwen bauen in 10-20 EINLEITUNG in Australien. Die Tiere sind dort im Busch- giftige Spinnen, auch wenn sie nicht so cm Höhe ein Haubennetz, von welchem werk und in niedriger Vegetation anzutref- aggressiv scheinen. einige Spinnfäden zum Terrarienboden ver- Bei den meisten Mitmenschen haben die fen. Mit Vorliebe werden aber auch mensch- Die Terrarien sollten eine Größe von laufen bzw. dort arretiert sind. An der Spitze Schwarzen Witwen keinen guten Ruf. Sie liche Behausungen aufgesucht, in denen sie 20 x 30 x 20-30 cm (Breite x Länge x Höhe) sind diese Spinnfäden, die unter Spannung sind als Tod bringende Kreaturen bekannt dann ihre Haubennetze anlegen. haben. Es ist darauf zu achten, dass die Tie- stehen, mit Klebtröpfchen geworden, wobei die Medien mit ihren meist re nicht entweichen können. Ich halte meine behaftet. Hat sich ein In- falschen Informationen erheblich dazu bei- BESCHREIBUNG & SYSTEMATIK Exemplare in abgeschlossenen, sekt an einem solchen getragen haben. In Deutschland halten viele dicht schließenden Falltürterrari- Spinnfaden verfangen, Terrarianer und Spinnenfreunde Schwarze L. hasselti gehört wie alle Exemplare der en. Als Bo den grund empfehle reißt dieser ab und ka- Witwen als Terrarientiere. Im folgenden Be- Gattung Latrodectus zu den »echten Spinnen« ich Blumenerde (un- tapultiert das an ihm richt möchte ich die Australische Witwe, und dort zu den Theridiidae (Kugelspin- gedüngt) oder die in klebende Insekt in die auch Rotrücken-Witwe (Latrodectus hasselti) nen). Zoogeschäften ange- Höhe. Nun eilt die Spin- ge nannt, vorstellen. Von den Australiern botenen Humus-Ziegel. ne schnell herbei, zieht wird sie als »Red Back Spider« bezeichnet. • Ordnung: Araneomorphae (»echte Spin- Das Substrat sollte ei- den Spinnfaden mit dem Opfer Jedes Jahr kommt es dort zu vielen Zwi- nen«) ne Hö he von ca. 4-5 an sich heran und spinnt dieses schenfällen mit diesen Spinnen. Latrodectus • Familie: Theridiidae (Kugelspinnen) cm haben, und es soll- ein und/oder bringt einen Gift- Latrodectus hasselti hasselti kommt dort sehr häufig in Garagen, • Gattung: Latrodectus (Schwarze Witwen), te leicht feucht gehalten Zeichnung: Stephan Martini biß an, je nach Größe und Schuppen und Außentoiletten vor, also in Steatoda usw. wer den. Zur Verankerung des Wehr haftigkeit des Op fers. L. mensch licher Nähe, wodurch die meisten Haubennetzes kann man Wurzeln oder Äste hasselti erbeutet in freier Natur oft Insekten, der Unfälle passieren, da die Tiere häufig Die Kugelspinnen sind z.B. an dem großen anbieten sowie Pflanzen, wobei ich persön- die viel größer sind als sie selbst. verletzt werden oder sich in die Enge ge - Hinterleib zu erkennen, der an eine Kugel lich hier künstliche Pflanzen be vorzuge. Wenn man eine Schwarze Witwe einfan- trieben fühlen. Normalerweise ist L. hasselti erinnert. L. hasselti erreicht im weiblichen Einen Trinknapf brauchen diese Spinnen gen muss, so sollte dies nur mit Hilfe einer nicht aggressiv und flüchtet eher bevor sie Geschlecht eine Größe von ca. 12-15 mm, nicht. Es reicht wenn alle 2-3 Tage das Ter- Heimchendose geschehen. Eine Giftspinne zubeißt, es sei denn sie bewacht ihren Ko- männliche Exemplare max. 7-8 mm. Männ- rarium und das Netz mit Wasser be sprüht darf niemals mit der Hand eingefangen wer- kon, dann reagiert sie wie die meisten Spin- chen sind intensiver gezeichnet und glänzen wird. Die Spinnen trinken die Wassertropfen den! Die beste Methode zum Einfangen ei- nen gereizt. Seit es in den fünfziger Jahren als ob sie frisch lackiert wären (Farbtafel aus dem Netz; teilweise werden diese sogar ner Schwarzen Witwe: der Becher wird über die Serumtherapie in Australien gibt (WIE- Abb. 6). Die Extremitäten und der gesamte attackiert und eingesponnen. die Spinne gestülpt und der Deckel darunter NER 1956), wurden kaum noch Todesfälle Kopf-Brust-Bereich sind schwarz gezeich- Bei Temperaturen von 20-25°C fühlen geschoben (so werden auch häufig Vogel- registriert. net. Das Opisthosoma von L. hasselti ist sich die Spinnen wohl. Nachts sollte eine spinnen eingefangen). ebenfalls schwarz. Auf der Unterseite trägt leichte Abkühlung erfolgen. Bei guter Pflege HERKUNFT & LEBENSRAUM sie die für Schwarze Witwen bekannte rote können Schwarze Witwen ein Alter von 2 NACHZUCHT Sanduhrzeichnung. Auf der Oberseite des bis 4 Jahren erreichen. Adulte Männchen L. hasselti bewohnt weite Teile Asiens. Ihr Opisthosoma verläuft ein roter breiter Strei- hingegen sterben schon nach etwa zwei bis Hat man das Glück und besitzt beide Ge - Hauptverbreitungsgebiet ist in Australien fen, daher der Name »Red Back« (= Rot- sechs Monaten. schlechter einer Art, kann man einen Paa- und Neuseeland, wo sie z. B. mit Atrax robu- rücken) Witwe (Farbtafel Abb. 5 und 8 bis Das Futter sollte an die Größe der Spin- rungsversuch starten. Allerdings müssen stus zu den medizinisch bedeutsamsten Spin- 12). ne an gepasst werden, d.h. es sollte nicht bei de Tiere geschlechtsreif sein und das nen gehört. Man begegnet ihnen fast überall größer als die Spinne selber sein. Schwarze Männchen muss sein Spermanetz schon 16 17
  • 10. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 gebaut haben. Dieses ist bei L. hasselti sehr man nicht aufpasst können die Kleinen sehr Transmittervorrat erschöpft ist, können kei- den Aufgrund einer bevorstehenden respira- klein, meistens in Dreieckform, und etwa leicht entkommen. ne »echten« Reitzinformationen mehr wei- torischen Insuffizienz. In der Regel tritt 1 cm hoch bzw. breit. In Terrarien gehaltene Die sicherste Methode ist es, den Kokon tergeleitet werden, was letale Folgen haben nach Applikation des Antiserum sehr L. hasselti lassen sich zu jeder Jahreszeit ver- in ein hohes, dicht schließendes Gefäß zu kann wenn das Atemzentrum betroffen ist. schnell eine Besserung ein. In einzelnen Fäl- paaren. Fachleute empfehlen jedoch die stellen, welches mit einem feuchten Stück Der Biss der Schwarzen Witwe wird len reagieren Patienten auch auf das Serum Herbstzeit bis Dezember. Natürlich kann Fließpapier oder Zellstoff ausgestattet ist häufig gar nicht wahrgenommen. Symptome allergisch, was unangenehme Folgen haben man auch eine Abkühlung simulieren. Zur (Farbtafel Abb. 13). Ich lasse die Jungspin- setzen erst nach ca. 10 min bis 2 h ein. Oft- kann. Aber seit dem Einsatz der Serumthe- Paarung sollte immer das Männchen in das nen mehrere Wochen zusammen, auch mals wird eine lokale Rötung und eine rapie gibt es kaum noch Todesfälle weltweit Netz des Weibchens gesetzt werden (Farbta- wenn dabei die schwächeren von den stärke- Ödembildung an der Bissstelle beobachtet. durch Bisse von Schwarzen Witwen. fel Abb. 10). Es ist ratsam das Weibchen ren Geschwistern aufgefressen werden. Es kann weiterhin zu Schmerzen in den vorher gut zu füttern, oder man setzt das Zum Schluss bleiben ca. 30-40 gut genährte Lymphknoten kommen sowie häufig zum SUMMARY Jungspinnen übrig, die dann getrennt und charakteristischen Abdominalschmerz, wel- einzeln aufgezogen werden. Es sollte pein- cher teilweise als unerträglich beschrieben STEPHAN MARTINI introduces Latrodectus has- lichst genau darauf geachtet werden, dass wird. Zusätzlich kommt es zu Krämpfen, selti, a »true spider«. keine der Jungspinnen aus ihrem Behältnis wobei besonders die Ge sichts muskulatur Invalidating prejudices he gives an over- entweichen kann, denn sie sind in der Lage betroffen sein kann. Dies wird auch »Facies view about keeping and breeding these small den Menschen durch ihr Gift zu schädigen. Latrodectismica« genannt. but poisonous spiders. An overview about the effects and countermeasures of a bite of TOXOLOGIE MAßNAHMEN Latrodectus completes the article. Gefährlich sind für den Menschen nur die Jeder der von einer Schwarze Witwe gebis- LITERATUR großen Weibchen der Schwarzen Witwen, sen wird, sollte unverzüglich durch den Ret- die mit ihren spitzen Chelizeren auch in der tungsdienst versorgt werden. Eine sofortige BREENE, R. G. (2001): Widow Spiders. An Lage sind die menschliche Haut zu durch- Klinikeinweisung ist unbedingt ratsam. Als Overview of the Genus Latrodectus. Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons dringen. Ihr Gift besteht aus mehreren neu- erstes heißt es Ruhe zu bewahren. Oftmals Arachnida 1(1): 24-32. Foto: Stephan Martini rotoxischen Komponenten, bei denen die ist der Schreck schlimmer als die Symptome P IEPHO, F. (1995): Haltungshinweise für Männchen zu einem Weibchen, das gerade Hauptwirkung durch das so genannte alpha- selbst. Die betreffende Bissstelle sollte ge- Latrodectus-Arten. Arachnol. Mag. 3(3): frisst. Das Männchen fängt dann häufig mit Latrotoxin ausgelöst wird, welches sich an kühlt werden. Zusätzlich erfolgt eine absolu- 18-19. dem Paarungsvorspiel an und zupft am Netz einen Rezeptor der Synapsen von Säugern te Ruhigstellung der betroffenen Extremität. P IEPHO, F. (1997): Latrodectusarten und des Weibchens herum. Im Durchschnitt bindet und einen Kalzium-Kanal bildet. Der Betroffene sollte sich auch nicht deren Verbreitung. DeArGe Mitteilungen dauert die Kopulation ca. 20 bis 30 Minuten. Dies hat zur Folge, dass es zu einem unkon- aktiv bewegen! Diese Maßnahmen bewirken, 2(4): 7-8. Bei manchen Schwarze Witwen-Arten wird trollierten Kalzium-Einfluss kommt. Nor- dass das Gift nicht so schnell in den Körper in der Literatur eine Paarungsdauer von bis malerweise geschieht der Einfluss von Kal- eingeschwemmt wird. Dem Notarzt ist un- Adresse des Autors: zu 24 Stunden angegeben. L. hasselti baut zium durch spannungsabhängige Ionen- bedingt mitzuteilen um welche Art es sich Stephan Martini dann etwa ein bis zwei Monate später einen kanäle, die durch ankommende Aktionspo- genau handelt (wissenschaftliche Bezeich- Clara-Zetkin-Str.46 Kokon, welchen sie mitten in ihr Netz hängt tentiale geöffnet werden. Das ist das Signal nung). Dies erleichtert den Einsatz eines 99880 Waltershausen und bewacht (Farbtafel Abb. 7, 8 und 12). für die postsynaptische Freisetzung von so Antiserums, da die Spinnenart dann schon vogelspinne46@aol.com Einen weiteren Monat später schlüpfen die genannten Neurotransmittern, welche an bekannt ist. Larven (ca. 200-300 Stück), welche nicht der Gegensynapse Aktionspotentiale auslö- Im Krankenhaus kann eine intensivme- größer sind als eine Fruchtfliege. Die gerin- sen und somit Reizinformationen weiterlei- dizinische Behandlung bevorstehen. Patien- ge Größe der jungen Spinnchen kann bei ten. Das Latrotoxin löst also fortlaufend ten mit starken Vergiftungserscheinungen der Aufzucht ein Problem sein, denn wenn Aktionspotentiale aus, welche zu Schmerzen oder anaphylaktischen Reaktionen müssen und Krämpfen führen. Wenn dann der gegebenenfalls intubiert und beatmet wer- 18 19
  • 11. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Praxistipp: Herstellung einer Versandröhre für Vogel- stellen, im Fachhandel oder bei einem rand gespannt. Die Befestigung erfolgt mit Handwerksbetrieb, der diese Materialien ver- Klebeband, welches mehrmals um die Röh- spinnen arbeitet, erhältlich. re gewickelt wird. von Mario Wilfert Die Röhren besitzen unterschiedliche Durchmessergrößen von 4-15 cm und Län- gen von 0,5-5 m. Der Versand einer Spinne ist immer mit sand oder Empfang verzichten. Es besteht Mit einer Wandstärke von 0,5-1 cm sind Stress für das Tier verbunden. Der Idealfall auch die Möglichkeit, dass sich eine Paketzu- diese Pappröhren auch sehr druckstabil. wäre also, wenn man seiner Spinne diesen stellung um einige Tage verzögert oder die Nach der Größe des zu versendenden Tieres Stress ersparen oder vermindern könnte. sofortige Annahme der Sendung nicht mög- wird der endsprechende Durchmesser aus- Da aber eine persönliche Weitergabe nicht lich ist. In diesem Fall helfen bei sehr niedri- gewählt und die erforderliche Rohrlänge mit Abbildung 3 immer möglich ist, lässt sich ihre Reise gen Temperaturen auch keine Styroporver- einer Säge zugeschnitten. Der große Vorteil manch mal nicht vermeiden. Doch bevor packungen und Wärmeakkus mehr. Bei dem für die reisende Spinne besteht in erster Abb. 4 – Nachdem die Spinne einge- eine Spinne auf Reisen geht, müssen einige Versand einer Spinne spielt auch die Aus- Linie darin, dass sie in dieser maßgeschnei- bracht wurde, wird die zweite Rohröffnung Umstände beachtet werden. Das Tier darf wahl der Verpackung eine wichtige Rolle. derten Transportröhre einen permanenten verschlossen und die Versandröhre noch mit sich in keiner akuten Häutungsphase oder Der Versandbehälter sollte der Größe des Wandkontakt besitzt und somit auch einen Angaben zum Tier, wie z.B. Gattung/Art, einem schlechten Gesundheitszustand be- Tieres entsprechen und ihm genügend sicheren und festen Halt hat. Die beiden finden. Die Beigabe von Futtertieren, als Schutz vor äußeren Einwirkungen bieten. verbleibenden Öffnungen werden mit zwei Reiseproviant, sollte man generell und aus- Ferner muss er absolut ausbruchssicher sein. vorbereiteten Deckeln verschlossen. nahmslos unterlassen, denn das Verletzungs- Im folgenden möchte ich meine Ver- Abb. 2 – Als Verschlussdeckel eignet risiko für die Spinne durch ein mitreisendes sandverpackung vorstellen. sich ein sogenanntes Panzergewebe aus Futtertier wäre einfach zu groß. Von einem Abb.1 – Ich versende meine subadulten/ Nylon, welches problemlos im Baumarkt Versand außerhalb von Deutschland würde adulten Vogelspinnen in zweckentfremdeten erhältlich ist. Dieses flexible und reißfeste ich persönlich abraten, da das Paket, je nach und umgestalteten Pappkernröhren, die sich Gittergewebe stammt aus dem Handwerks- Abbildung 4 Ziel ort, weit über eine Woche unterwegs seit Jahren als Versandbehälter sehr gut be- bereich und sein könnte. Der Versandweg sollte immer lässt sich leicht NZ / WF, Herkunft, Geschlecht (RH) usw. so kurz wie möglich sein, denn je länger der verarbeiten. beschriftet. Nun kann die so untergebrachte Transport dauert, desto höher ist das Risiko Bei einer Ma - Spinne in einem Paket auf die Reise gehen. für die Spinne. schengröße Um eine Erfrierung oder Überhitzung von ca. 3 mm SUMMARY zu vermeiden, müssen die örtlichen Tempe- ist das Gewebe raturverhältnisse berücksichtigt werden, ausreichend M ARIO W ILFERT mentions some general nicht nur beim Absender, sondern auch Abbildung 1 luftdurchlässig thoughts about the dispatch of tarantulas beim Empfänger. In den Monaten von No- und ausbruch- and introduces boxes for dispatching taran- vember bis März sind, von einigen Ausnah- währt haben. Dieser Behälter hat gegenüber Abbildung 2 sicher zugleich. tulas in a secure way. men abgesehen, die Voraussetzungen für ei- einer herkömmlichen und instabilen Heim- Mit einer Sche- nen der Spinne verträglichen Versand wegen chendose einen großen Sicherheitsvorteil re wird das Gewebe passend zugeschnitten. Adresse des Autors: der häufig wechselnden und unbeständigen und sein Umgestaltungsaufwand ist gering. Dabei ist aber zu beachten, dass der Zu - Mario Wilfert Klimaverhältnisse kaum gegeben. Er fah - Die sehr stabilen Pappkerne befinden sich schnittradius um ca. 5 cm größer gehalten Burgweg 19 rungsgemäß würde ich bei einer unkonstan- u.a. in aufgerolltem PVC/Linoleumbelägen, wird als der gewählte Röhrendurchmesser. 35619 Braunfels ten Witterungslage und Nachttemperaturen Teppichböden, Raufaserrollen, Bauschutzfo- Abb. 3 – Anschließend wird das Gewebe unter 15°C oder bei extrem hohen Tages - lien, Armierungsstoffen usw. Diese Kern- ähnlich wie bei einer Trommel straff und temperaturen von über 30°C auf einen Ver- röhren sind in der Regel kostenlos auf Bau- gleichmäßig über den ersten Rohröffnungs- 20 21
  • 12. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 kürzlich publiziert Buchrezension: Vogelspinnen. DRACO Terraristik Themenheft Nr. 16(4), Natur und Tier Verlag, Münster ISSN 1439-8168, Preis: 8,60 EUR von Tobias Dörr Bei der DRACO handelt es sich um ein vier- teljährlich erscheinendes Terraristik-The- menheft, in dem in jeder Ausgabe eine ande- re, terraristisch interessante Tiergruppe vor- gestellt wird. Nachdem in vergangenen Ausgaben Reptilien und Amphibien im Vordergrund standen, widmete sich Heft 4/2003 einer Tiergruppe, deren steigende Beliebtheit in terraristischen Kreisen nicht zu leugnen ist: Vogelspinnen. Was also erwartet man von einem sol- chen Themenheft? Meines Erachtens sollte es Zusatzinformationen zur Vogelspinnen- Abb. 1: Phoneutria sp. Foto: Lelle Pettersson haltung geben, die nicht oder nur selten in Büchern behandelt werden, gleichzeitig je- doch nicht zu speziell werden, um auch für den Anfänger attraktiv zu sein. Dieser Spa- gat, wie auch die weitere Umsetzung, ist den Autoren auf überzeugende Art und Weise gelungen. So beginnt das Heft mit einer Zusam- taileinsichten in die Vogelspinnenhaltung; menfassung der Systematik und Biologie praktische Erfahrung der Autoren manife- von Vogelspinnen. Wohl geordnet und – im stiert sich in einer Loslösung der in Büchern Hinblick auf das oben geschriebene – mit beschriebenen sogenannten »Standard-Be- der richtigen Tiefenschärfe beleuchtet dingungen« und wird sicherlich dazu beitra- Diplom-Biologe BORIS STRIFFLER alle wich- gen, dass einige Arten erfolgreicher nachge- tigen As pekte des Themas Vogelspinnen. züchtet werden können. Garniert ist das Ganze, wie übrigens das ge- So führen die Artikel »Vogelspinnen in samte Heft, mit sehr schönen Fotos (wobei Venezuela« (S. 70) sowie »Aktivitätsmuster etwas stört, dass die ersten Seiten mit ganz- bei Vogelspinnen« (S. 62 ff) sehr deutlich seitigen Fotos bedruckt sind, sodass die vor Augen, dass es auf Dauer nicht bei den Spinnen durch den Falzpunkt »zerschnitten« Einsteigern empfohlenen Klimabedingun- werden – hier hätte man lieber mehrere und gen für pauschalisiert »tropische« Arten blei- dafür ganzheitliche Fotos unterbringen sol- ben sollte, sondern das selbst bei aus bere- Abb. 2: Lasiodorides striatus len). Weiter geht es mit verschiedenen De- chenbar erscheinenden Klimazonen stam- Foto: Tristan Meschede 22 23
  • 13. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 Abb. 3: Lasiodorides striatus, juveniles Tier beim Fressen Abb. 4: Lasiodorides striatus, juveniles Tier Foto: Ingo Wendt Foto: Ingo Wendt Abb. 9: Latrodectus hasselti, Weibchen Foto: Eddy Hijmensen Abb. 5: Latrodectus hasselti, Weibchen Abb. 6: Latrodectus hasselti, Männchen Foto: Peter Grabowitz Foto: Michaela Biese Abb. 7: Latrodectus hasselti Kokons Abb. 8: Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons Abb. 10: Latrodectus hasselti, Pärchen Foto: Stephan Martini Foto: Stephan Martini Foto: Michaela Biese 24 25
  • 14. ARACHNE 9(4), 2004 ARACHNE 9(4), 2004 kürzlich publiziert mende Arten sehr spezielle Ansprüche ha- Arten gefunden werden konnte – vor allem ben können, die spätestens bei der Nach- auch deshalb, weil alle anderen Erdteile Be- zucht berücksichtigt werden sollten. rücksichtigung fanden. Was Aufbau und Inhalt der einzelnen Was weiterhin ins Auge sticht sind die Artikel angeht gibt es nichts zu bemängeln. Buchbesprechungen. Diese lassen teilweise Im Vergleich zu anderen Publikationen etwas Sachlichkeit vermissen. Während es fallen verschwindend wenige Rechtschreib- z.B. in der Besprechung des Buches von fehler auf (z.B. »Xerodendrophila« statt richtig VON W IRTH noch heisst, »Begriffe wie Ce - »Xenodendrophila« S. 9 und S. 16). phalothorax […] sollten vermieden werden«, Abgerundet wir das Heft durch einige schreibt der Autor über den gleichen Fehler Vorstellungen neuerer Forschungsergebnisse bei der Besprechung des Buches von D R . z.B. zum Schwimmverhalten von Vogelspin- SCHMIDT »[…] in Schmidts Terminologie […]«, nen. Damit ist der Synthesekreis zwischen was so klingt, als gestehe K RITON K UNZ Theorie und Praxis sowie zwischen Infor- Herrn SCHMIDT eine Berechtigung zu einer mationstiefe und -breite geschlossen. eigenen Terminologie durchaus zu. Etwas seltsam ist die Praxis, bei den Während, um bei dem besonders an - Spinnennamen die Artikel dem Geschlecht schaulichen Beispiel dieser zwei Bücher zu des lateinischen bzw. griechischen Ursprun- bleiben, im GU-Buch jeder Fehler mikro- ges anzupassen. So liest man z.B. auf S. 60 chirurgisch seziert wird, übergeht Herr »Juveniles Brachypelma smithii«. Da diese Pra- K UNZ die diversen Mängel des anderen Abb. 11: Latrodectus hasselti, die Überreste des Männchen hängen, nachdem es gefressen wurde, im Netz des Weibchens xis konsequent durch das ganze Heft durch- Buches elegant: Schmidt darf »Blut« schrei- Foto: Michaela Biese gehalten wird, schließe ich einen Zufall aus. ben (GÜNTHER SCHMIDT: Vogelspinnen, 4. Meines Wissens ist es jedoch nicht üblich, Auflage, S. 20), vON WIRTH nicht (Rezensi- eine solche Anpassung vorzunehmen, da im on S. 79, mittlere Spalte). Bei VON W IRTH Hintergrund der Artennamen ja immer »die sind Sätze »unsinnig«, bei Schmidt dagegen Spinne« steht, also feminin. ist Herr KUNZ neutraler und spricht von »Ich Einem hyperkritischen Rezensenten fal- meine« und »Mir persönlich gefällt […] nicht« len noch einige weniger gelungene Aspekte usw. des Heftes auf, die nicht unerwähnt bleiben Weiterhin vergisst Herr KUNZ zu erwäh- sollen: nen, dass gerade die vorgestellte 4. Auflage Bei dem Artikel »Ecdysis – wenn Vogel- des Schmidt-Buches derart veraltet ist, dass spinnen aus der Haut fahren« (S. 20) wäre es sie eigentlich für systematische Arbeit nur interessanter gewesen, die Häutungsabstän- noch wenig Wert besitzt (was sich hoffent- de einer Jungspinne bis zum adulten Stadi- lich mit der ebenfalls kurz vorgestellten neu- um zu verfolgen. Die nur drei bzw. 4 be - en Auflage, in die ich noch keinen konzen- schriebenen Häutungen einer Vogelspinne trierten Einblick vornehmen konnte, verbes- werden wohl viele Halter selber schon ver- sert hat). Weiterhin fehlen Hinweise auf die folgt haben. Weiterhin geschmälert wird der deutlichen Schwächen des Buches »Vogel- Informationsgehalt des Artikels dadurch, spinnen« von PETER KLAAS (s. Buchbespre- dass einige »verpasste« Häutungen erwähnt chung in ARACHNE Nr. 1 (9), 2004). werden. Bei den Buchbesprechungen von K RI - Schade ist auch, dass anscheinend kein TON K UNZ handelt es sich aber, im Ge - Abb. 12: Latrodectus hasselti, Weibchen mit Kokons Abb. 13: Latrodectus hasselti, Kokon im »Inkubator« Foto: Stephan Martini Foto: Stephan Martini Au tor für die Haltung von afrikanischen sammtkontext gesehen, nur um kleinere 26 27