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5/2022 2. Mai 2022 € 3,50 Das führende Gesundheitsmagazin Österreichs
Fit mit Motor
Mit dem E-Bike unterwegs
Endlich
Nichtraucher!
So kann’s klappen
Vom Winde verweht
Hilfe bei Darmgeräuschen
Veggies
www.medizinpopulaer.at
Mehr
GUT FÜR
KÖRPER
& KLIMA
Fotos:
©
BioLife
ier von fünf Österreicher:innen sind
einmal in ihrem Leben auf eine
plasmabasierte Therapie angewiesen –
bei einer Not-OP oder Verletzung kann
jede:r das Lebenselixier Plasma benö-
tigen. BioLife will dies allen Menschen
im Land mit einer Initiative vor Augen
führen und das Bewusstsein für die
Wichtigkeit der Spende stärken.
zu Monika Wiesner, Head of Commu-
nications der BioLife Plasmazentren:
„Mein Plasma kann soll aufzeigen,
dass jede:r Menschen aus seinem en-
gen Umfeld oder auch sich selbst Si-
cherheit und Geborgenheit mit einer
Plasmaspende schenken kann. Blut-
plasma ist nämlich ein unersetzlicher
Rohstoff, der nicht künstlich herge-
stellt werden kann.“
# Mein·Alltag·kann
Jährlich verzeichnet Österreich über
700.000 Unfälle mit fast gleich vielen
verletzten Personen. Knapp 30.000 Per-
sonen werden pro Jahr im Land als
Schwerstverletzte behandelt (KFV Un-
fallbilanz 2021). Plasmabasierte The-
rapien kommen bei seltenen Erkran-
kungen, bei Verbrennungen, Verletzun-
gen oder für Operationen zum Einsatz.
Wiesner: „Auch bei größter Vorsicht
können Unfälle passieren, bei denen
ein Arzneimittel aus Plasma benötigt
wird, wie etwa einen Fibrinkleber zum
Wundverschluss. Immerhin 80 % aller
Österreicher:innen sind einmal auf ei-
ne Behandlung mit einer plasmabasier-
ten Therapie angewiesen. Auch dürfen
wir jene Mitmenschen nicht vergessen,
die aufgrund einer seltenen Erkran-
kung oft ein Leben lang auf eine The-
rapie aus Plasma angewiesen sind.
Plasma ist für manche Erkrankungen
die einzige Behandlungsoption“, stellt
Wiesner klar.
BioLife
Plasmazentren
starten Initiative
zur Wichtigkeit von
Blutplasma
# Mein·Weg·zur·Spende
Mit „Mein Plasma kann“ wollen
die BioLife Plasmazentren Men-
schen für die Wichtigkeit der
Plasmaspende sensibilisieren
und aufzeigen, dass jede:r ein-
mal auf eine plasmabasierte
Therapie angewiesen sein kann.
Kampagnenclips, weitere Infos
und der Weg zur Spende unter
meinplasma.at
Infobox
# Mein·Plasma·kann
Menschlichkeit ist eine Grundhaltung,
die gerade in Österreich oft keine Gren-
zen kennt. So spenden jährlich auch
30.000 Menschen ihr Blutplasma in ei-
nem BioLife Plasmazentrum. Aus einer
Plasmaspende werden unzählige Thera-
pien hergestellt, die Versorgungssicher-
heit für Patient:innen sicherstellen. Da-
„Blutplasma
ist ein unersetz-
licher Rohstoff, der
nicht künstlich herge-
stellt werden kann.“
Monika Wiesner,
Biolife
V # Meine·Spende·kann
Plasmaspenden ist in Österreich in
zwölf spezialisierten Plasmaspende-
zentren möglich. Dabei wird nur das
Blutplasma – der flüssige Bestandteil
des Blutes – entnommen. Die roten
und weißen Blutkörperchen und Blut-
plättchen erhalten Spender:innen wie-
der zurück (Plasmapherese). „Die Plas-
maspende ist ein schonendes Verfah-
ren, da der Körper die entnommenen
Eiweiße nach wenigen Tagen wieder er-
setzt hat. Plasmaspenden ist bis zu 50
Mal im Jahr möglich“, erklärt Wiesner
und ergänzt: „Die Spende wird unter
professioneller Betreuung geleistet:
Spender:innen machen es sich ca.
45-60 Minuten auf einer Liege bequem
und nützen die Zeit für sich.“ Für eine
Spende kommen gesunde Erwachsene
von 18 bis 60 Jahren in Frage.
Advertorial
Hier erhalten
Sie Einblicke
in die Initiative
der BioLife
Plasmazentren
Gewebe kleben.
Blutungen stoppen.
Leben retten.
MEDIZIN populär . 5/2022 3
EDITORIAL
VERZICHT,
DER SICH LOHNT
© Cover-Foto
iStock/Md Zakir Mahmud;
ingimage; Tom
Silvia Feffer-Holik
Chefredakteurin
Einfach drauflosradeln
Das steigende Umweltbewusstsein zeigt
sich auch in der Wahl des Fortbewegungs-
mittels. Mehr als eine Million E-Bikes sind
jetzt schon auf Österreichs Straßen unter-
wegs, bald werden es mehr sein. Denn viele
möchten ihre Alltagserledigungen zuneh-
mend mit dem Rad machen – und im Zuge
dessen etwas für ihre Gesundheit tun.
Was bei E-Bike-Fahrten zu beachten ist und
warum insbesondere Herz und Kreislauf
davon profitieren, lesen Sie ab Seite 66.
Viel Vergnügen beim Lesen des aktuellen
Mai-Heftes und jede Menge interessanter
Anregungen wünscht Ihnen herzlichst
mmer mehr Menschen setzen sich für
den Schutz unseres Planeten ein. Eine
sehr wirksame Maßnahme findet dabei
oft zu wenig Beachtung: der Blick auf
den eigenen Teller. Denn mit jeder Mahlzeit
lässt sich ein wichtiger Beitrag für die Um-
welt leisten. Das könnte damit beginnen,
weniger Fleisch zu essen.
Massentierhaltung, die Verarbeitung und
der Transport von Fleisch sind weltweit für
fast die Hälfte der ernährungsbezogenen
Treibhausgase verantwortlich. Und Öster-
reich liegt mit einem Fleischkonsum von
60,5 Kilogramm pro Person und Jahr im
europäischen und weltweiten Spitzenfeld.
Wie aus einer Umfrage des World Wide
Fund For Nature (WWF) Österreich hervor-
geht, handelt vor allem die junge Genera-
tion in Hinblick auf die Klimakrise anders:
Junge Menschen ernähren sich doppelt so
häufig vegetarisch oder vegan wie der
Durchschnitt der Bevölkerung.
Wie nicht nur die Umwelt, sondern auch
die eigene Gesundheit von pflanzenbasier-
ter Ernährung profitiert und warum (Pflan-
zen-)Vielfalt auf dem Teller so wichtig ist,
erfahren Sie in unserer Titelgeschichte
ab Seite 6.
I
MEDIZIN populär auf facebook:
https://facebook.com/medizinpopulaer/
4 MEDIZIN populär . 5/2022
37
EXTRA – GUT ERHOLT & GESUND URLAUBEN
38 Dahamas statt Bahamas
Urlaub daheim – so klappt’s!
46 Auf in die Sommerfrische!
Wie der Urlaub Erholung bringt.
54 Urlaub trotz Blasenschwäche
Was den Umgang damit erleichtert.
RUBRIKEN
3 Editorial
34 Nachgefragt
45 Grüne Freuden
59 Gesunde Tipps
81 Impressum
82 Preisrätsel
Welche Rolle die Klima-
krise beim Umstieg auf
fleischfreie Ernährung
spielt.
INHALT
66
Fotos: © djd / Jentschura International / Phovoir / shutterstock, iStock / pixdeluxe, www.flyer-bikes.com | pd-f
Mehr dazu in
unserem Titelthema 6
TITEL
6 Veggies: Gut für Körper & Klima
Was bei vegetarischer und veganer
Ernährung zu beachten ist.
KOSMETIK & PFLEGE
16 Gut geschützt ins Freie
Nur Sonnencreme ist zu wenig.
Wie Sie die Sonne sicher genießen.
MEDIZIN & TRENDS
24 Vom Winde verweht ...
Furz & Blähbauch: Was man für eine
„windstille“ Verdauung tun kann.
53 Zahntipp des Monats
Diesmal: Hilfe bei Zahnfleischbluten
60 Serie: Was hilft bei ...
Diesmal: Hitzewallungen & Schlaf-
störungen im Wechsel?
72 Rauchfrei! So klappt es
Ein Rauchstopp gelingt viel leichter
mit Unterstützung. Und die ist viel-
fältig, lesen Sie nach!
78 Serie: Operationen im Fokus
Teil 24: Skoliose-Operation
FITNESS & ENTSPANNUNG
66 Fit mit Motor
Wie E-Bike-Fahren die körperliche
und seelische Gesundheit fördert.
GESUNDHEITSPOLITIK
36 Jugend initiiert Volksbegehren
ÖÄK unterstützt Forderung nach mehr
Psychologen und Psychiatern.
INHALT AUSGABE MAI
6 MEDIZIN populär . 5/2022
TITEL
Veg
ie
g
Wie die Gesund-
heit von pflanzen-
basierter Ernährung
profitiert, warum Vielfalt
auf dem Teller so wichtig
ist und wie der Abschied
von Schnitzel & Co
genussvoll gelingen
kann.
s
MEDIZIN populär . 5/2022 7
Gut für
Körper&Klima
W
ie vielfältig der Umgang mit
vegetarischer und veganer
Ernährung hierzulande ist,
zeigen die folgenden Beispiele:
n Für die 14-Jährige Emma ist der bewusste
Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel ein
politisches Statement. So wie viele ihre Mit-
schülerinnen und Mitschüler möchte sie durch
ihre vegane Lebensweise ein Zeichen gegen
Massentierhaltung, Ressourcenvergeudung
und Bodenzerstörung setzen. Ihre Eltern, die
beide Fleisch essen, akzeptieren Emmas Ent-
scheidung, machen sich aber Sorgen um mög-
liche Mangelerscheinungen.
n Iris (29) ernährt sich seit ihrer Studienzeit
ausschließlich pflanzlich und fühlt sich damit
richtig wohl. In sieben Monaten erwartet die
Lehrerin ihr erstes Kind. Plötzlich ist sie verun-
sichert, ob sie ihre vegane Lebensweise auch in
dieser besonderen Zeit fortsetzen kann und
soll. Schließlich ist sie jetzt nicht nur für ihre
eigene Gesundheit, sondern auch für die opti-
male Entwicklung ihres Babys verantwortlich.
n Fleisch, Eier und Milchprodukte kommen bei
Thomas (35) täglich auf den Tisch. Er trai-
niert mehrmals pro Woche im Fitnessstudio
und macht Ausdauersport. Obwohl er sich als
„Fleischtiger“ bezeichnet, ist Thomas offen für
alternative Ernährungsformen. Seine neue
Partnerin möchte ihn von den Vorteilen einer
veganen Ernährung überzeugen. Der Sportler
bezweifelt, dass er auf tierisches Eiweiß ver-
zichten kann, ohne seine mühsam antrainier-
ten Muskeln zu riskieren. ‘
Fotos:
©
djd
/
Jentschura
International
/
George
Rudy-shutterstock,
ingimage
(2),
iStock
/
Natalia
Deriabina
?
?
VO N M AG . a
N ATA S C H A GA Z Z A R I
?
8 MEDIZIN populär . 5/2022
TITEL
PFLANZENKRAFT
AUF DEM VORMARSCH
Acht Prozent der Österreicherinnen und Öster-
reicher gaben bei einer 2018 durchgeführten re-
präsentativen Umfrage an, vegetarisch zu le-
ben, ein Prozent vegan. In den letzten vier Jah-
ren dürfte der Prozentanteil merkbar gestiegen
sein und Schätzungen zufolge bei zehn Prozent
bzw. zwei Prozent liegen.
Mag.a
Katharina Petter von der Veganen Gesell-
schaft Österreich kennt die Motive, warum im-
mer mehr Menschen bewusst auf tierische Pro-
dukte verzichten: „Meist stehen tierethische Mo-
tive im Vordergrund, d.h. sie möchten nicht län-
ger dazu beitragen, dass Tiere getötet werden
und unter den heute üblichen Bedingungen in
der Massentierhaltung leiden müssen. Gerade
bei den Jungen sind auch ökologische Gründe
entscheidend. Durch den Umstieg auf eine ve-
gane Ernährung möchten sie einen Beitrag zur
Abwendung der drohenden Klimakatastrophe
leisten.“
Nicht zuletzt spielen für viele auch gesundheitli-
che Aspekte eine Rolle beim Umstieg auf eine
fleischlose Ernährung.
VERZICHT, DER SICH LOHNT
Für die Wiener Ernährungswissenschafterin lie-
gen die gesundheitlichen Vorteile einer vorwie-
gend bzw. rein pflanzlichen Ernährung auf der
Hand: „Sie ist reich an vielen Vitaminen und
Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären
Pflanzenstoffen. Pflanzliche Lebensmittel ent-
halten kein Cholesterin und nur wenige gesät-
tigte Fettsäuren, dafür viele wertvolle ungesät-
tigte Fettsäuren.“
Fotos: © ingimage (2),
iStock / GMVozd,
djd/Jentschura International/
Phovoir/shutterstock
Tierethische
Motive ste-
hen beim
Verzicht auf
Fleisch und
tierische Pro-
dukte meist
im Vorder-
grund.
Mag.a
Katharina
Petter
©
Carina
Fürnkranz
Sich pflanzenbasiert zu
ernähren, kann dabei helfen,
das Risiko für chronische
Erkrankungen wie Bluthoch-
druck und Diabetes zu senken.
Proteinquellen wie
Sojaprodukte sollten
bei einer pflanzenbasierten
Ernährung mit auf den Teller.
V
Das vorteilhafte Fettsäuremuster führt dazu,
dass vegetarisch und vegan lebende Menschen
in der Regel einen niedrigeren Cholesterinspie-
gel aufweisen. Und eine pflanzenbasierte Ernäh-
rung kann dabei helfen, das Risiko für chroni-
sche Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes
mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Arteriosklerose
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.
DIE VIELFALT MACHT‘S
Um tatsächlich in den Genuss der gesundheits-
wirksamen Vorteile einer pflanzenbasierten Er-
nährung zu kommen und den Körper mit allen
wichtigen Nährstoffen zu versorgen, sollten die
Mahlzeiten möglichst abwechslungsreich sein.
Eine ausgewogene vegetarische Ernährung ba-
siert auf Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten,
Vollkorngetreide, Nüssen, Samen und gegebe-
nenfalls aus Milchprodukten und Eiern.
Katharina Petter empfiehlt, sich bei der Zusam-
menstellung der Mahlzeiten am „gesunden Er-
nährungsteller“ zu orientieren: „Die Hälfte des
Tellers sollte aus Gemüse und Obst bestehen,
wobei anteilig etwas mehr Gemüse als Obst ge-
gessen werden sollte. Ein knappes Viertel fällt
auf Vollkorngetreide wie Brot, Haferflocken
und Vollkornnudeln, ein weiteres knappes Vier-
tel besteht aus Proteinquellen wie Hülsenfrüch-
ten, Tofu und anderen Sojaprodukten. Wer
möchte, greift als Eiweißquelle zu Milchpro-
dukten und Eiern. Der verbleibende Rest wird
durch Nüsse und Samen ergänzt. Hinzu kom-
men hochwertige Pflanzenöle.“
Wer beim Einkauf auf biologische, regionale
und saisonale Lebensmittel achtet und auf hoch
verarbeitete Ersatzprodukte sowie exotische
Lebensmittel verzichtet, leistet zudem einen
wertvollen Beitrag in Sachen Klimaschutz: „Ver-
glichen mit einer omnivoren Ernährung werden
mit einer veganen Ernährung 70 Prozent an
Treibhausgasen eingespart“, weiß die Ernäh-
rungsexpertin.
PFLANZLICHE EIWEISSPOWER
Gerade für sehr sportliche Menschen wie Tho-
mas spielt eine optimale Versorgung mit Protei-
nen eine wichtige Rolle. Oft bestehen Zweifel, ‘
MEDIZIN populär . 5/2022 9
BUCHTIPP
Copien, Rittenau
Vegane Ernährung
für Einsteiger
Das wichtigste Basiswissen
und schnelle Rezepte
ISBN 978-3-8310-4325-5
272 Seiten, € 19,95
Dorling Kindersley
Hochwertiges
Protein, das
auch in unver-
arbeiteten
Hülsenfrüchten
steckt, ist in sei-
ner Wertigkeit
sogar besser
als Rind- und
Schweine-
fleisch.
Veg
ie
g
s
10 MEDIZIN populär . 5/2022
TITEL
ob mit einer rein pflanzlichen Ernährung der Ei-
weißbedarf ausreichend gedeckt werden. Die
Ernährungswissenschafterin klärt auf: „Hoch-
wertiges Protein, das in Bezug auf die biologi-
sche Wertigkeit fast so gut ist wie das Protein ei-
nes Hühnereis und sogar deutlich besser als z.B.
Rind- und Schweinefleisch, erreicht man durch
die Kombination von Hülsenfrüchten mit Ge-
treide.“ Eine besonders hohe Eiweißqualität un-
ter den Hülsenfrüchten haben Sojabohnen, die
mittlerweile sogar im Burgenland und in Ober-
österreich angebaut werden. Sojaprodukte wie
Tofu, Sojaschnetzel/-granulat oder Sojajoghurt
sind ideale Eiweißlieferanten. Interessant für
Sportler sind Sojaprodukte aufgrund ihres im
Vergleich zu den unverarbeiteten Hülsenfrüch-
ten geringeren Ballaststoffgehalts. Tofu & Co
sind dadurch deutlich leichter verdaulich und
können auch in größeren Mengen verzehrt wer-
den. „Sportler können sich auf diese Weise sehr
gut mit Eiweiß versorgen“, so Katharina Petter.
Diese Kombinationen haben es in sich:
n Spaghetti mit Soja-Bolognese
n Chili sin Carne (Bohnen, Sojaschnetzel und
Mais) mit Gebäck oder Reis
n Reis mit Linsen Dal (indisches Linsengericht)
n Porridge aus Haferflocken, Sojamilch, Nüssen
n Reis mit Tofu und Gemüse
n Brot mit Hummus
n Quinoa-Bohnen-Salat
AUF KRITISCHE NÄHRSTOFFE ACHTEN
Basiert die vorwiegend bzw. rein pflanzliche
Ernährung auf der oben erwähnten Vielfalt,
kann ein gesunder Erwachsener fast alle wichti-
gen Nährstoffe damit abdecken. Immer ergänzt
werden sollte Vitamin B12, und zwar unabhän-
gig vom Alter. Das für den Körper essenzielle Vi-
tamin ist fast ausschließlich in tierischen Le-
bensmitteln wie Leber, Fleisch oder Milchpro-
dukten enthalten und muss bei einer veganen
Ernährung durch Nahrungsergänzungsmittel
zugeführt werden, um Mangelerscheinungen
vorzubeugen.
Während Vegane-
rinnen und Vega-
ner keinerlei tierische
Produkte konsumieren,
werden bei der vegeta-
rischen Ernährung drei
Formen unterschieden:
Vegetarisch, vegan: Was bedeutet das?
Ovo-lakto-vegetarisch
Menschen, die weder
Fleisch noch Fisch,
aber Milch und Eier
essen. Diese Form
wird meist als „vege-
tarisch“ bezeichnet.
Lakto-vegetarisch
Menschen, die weder
Fleisch noch Fisch
noch Eier essen, aber
Milchprodukte zu sich
nehmen.
Ovo-vegetarisch
Menschen, die weder
Fleisch noch Fisch
noch Milch konsu-
mieren, aber Eier
essen. q
Ein Porridge
aus Hafer-
flocken, Soja-
milch und
Nüssen birgt
wertvolles
Protein.
Veg
ie
g
s
Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung gel-
ten bei einer veganen Ernährung auch folgen-
de Nährstoffe als kritisch: Die Vitamine Ribo-
flavin und Vitamin D, die Mineralstoffe Kal-
zium, Eisen, Jod, Zink und Selen sowie essen-
zielle Aminosäuren und langkettige Fettsäuren.
„Dies bedeutet jedoch nicht, dass es bei diesen
Nährstoffen zwangsläufig zu einem Mangel
kommt, wenn sie nicht zugesetzt werden“, rela-
tiviert die Ernährungswissenschafterin.
So können beispielsweise Paranüsse mit Selen
versorgen, Algen mit Jod, Hefeflocken und Wei-
zenkeime mit Riboflavin. Eisen kommt z.B. in
verschiedenen grünen Gemüsesorten, Vollkorn-
produkten, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und
Samen vor. Die Aufnahme von Eisen kann durch
eine gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C in
Form von frischem Obst und Gemüse deutlich
gesteigert werden. Kalzium ist in vielen grünen
Gemüsesorten, Tofu, kalziumreichem Mineral-
wasser, Nüssen und Samen enthalten.
Gute Zinkquellen sind z.B. Kürbiskerne, Nüsse
und Samen. Wer für seine Mahlzeiten sowohl
Hülsenfrüchte als auch Getreide verwendet, ist
mit essenziellen Aminosäuren gut versorgt. Die
langkettigen Fettsäuren Docosahexaensäure
und Eicosapentaensäure können etwa in Form
von Algenöl aufgenommen werden. ‘
Wenn man
eine Umstel-
lung beglei-
tet, ist eine
vegetarische
und vegane
Ernährung
bei Kindern
und Jugend-
lichen gut
möglich
Univ.-Prof.in
PD Dr.in
Nadja Haiden, MSc
©
Alek
Kawka
Nüsse und
Samen ent-
halten viel
Kalzium,
Zink und
B-Vitamine.
Fotos:
©
djd
/
Jentschura
International,
iStock
/
Ivan
Kovbasniuk
12 MEDIZIN populär . 5/2022
TITEL
REIN PFLANZLICH
FÜR MUTTER UND KIND?
Eine ausgewogene vegetarische Ernährung, die
zwar auf Fleisch und Fisch verzichtet, jedoch
Milchprodukte und Eier einbezieht, ist auch
während der Schwangerschaft, in der Stillzeit
sowie im Säuglings- und Kleinkindalter eine
gute Möglichkeit den Nährstoffbedarf ausrei-
chend zu decken. Kritischer sehen Kinderärztin-
nen und Kinderärzte wie Univ.-Prof.in
PD. Dr.in
Nadja Haiden, MSc, Vorsitzende der Ernäh-
rungskommission der ÖGKJ, eine rein vegane
Ernährung bei den oben erwähnten Gruppen.
„Aufgrund des erhöhten Risikos einer mögli-
chen Unterversorgung mit wichtigen Nährstof-
fen spricht die Österreichische Gesellschaft für
Kinder- und Jugendheilkunde derzeit keine Emp-
fehlung für die vegane Ernährung in Schwan-
gerschaft, Stillzeit und den ersten Lebensjahren
aus.“ Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte
sich gut mit dem Thema auseinandersetzen und
sich professionell begleiten lassen, sei es vom
Hausarzt, vom Kinderarzt, von einer Diätologin
oder von einer Ernährungswissenschafterin.
Besonders wichtig ist eine ausreichende Versor-
gung mit Vitamin B12 für schwangere Frauen
wie Iris. Ein Vitamin B12-Mangel der Mutter
kann beim Ungeborenen zu einem beeinträch-
tigten Wachstum sowie zu geistigen und moto-
rischen Einschränkungen führen. Ist die stillen-
de Frau nicht ausreichend mit Vitamin B12 ver-
sorgt, ist auch der Vitamin B12-Gehalt der Mut-
termilch niedriger, und das wiederum kann sich
negativ auf die Entwicklung des Säuglings aus-
wirken.
„Wird das Kleinkind nach dem Abstillen vegan
ernährt, muss Vitamin B12 beim Kind unbe-
dingt ergänzt werden, um neurologische Schä-
den, die nicht rückgängig zu machen sind, zu
vermeiden“, so der Appell der Kinderärztin.
Eisen zählt ebenfalls zu den kritischen Nährstof-
fen, sowohl bei Schwangeren als auch bei Kin-
dern. Es spielt eine wichtige Rolle für das kind-
liche Wachstum und die Entwicklung. Gerade in
der Schwangerschaft ist eine Ergänzung bei den
meisten Frauen erforderlich, selbst wenn sie
Fleisch essen.
Vitamin D wird im ersten Lebensjahr standard-
mäßig ergänzt und sollte bei einer veganen Er-
nährung ebenfalls immer kontrolliert und wenn
nötig ergänzt werden. Weitere potenziell kriti-
sche Nährstoffe sind Proteine, Omega-3-Fett-
säuren sowie Kalzium, Zink und Jod. Um mög-
liche Mängel frühzeitig zu erkennen und wenn
nötig ausgleichen zu können, empfiehlt die
Expertin halbjährliche bis jährliche Kontrol-
Eine sichere
Orientierungshilfe:
Das V-Label – eine
international an-
erkannte und ge-
schützte Marke
zur Kennzeichnung
vegetarischer und
veganer Produkte.
Einheitliche Kri-
terien und regel-
mäßige Kontrollen
machen es europa-
weit zu einem
einzigartigen
Qualitätssiegel.
Veganer konsumieren
keinerlei tierische Produkte,
sondern nur Pflanzliches.
Veg
ie
g
s
MEDIZIN populär . 5/2022 13
len mittels Blutuntersuchung. Eltern, deren Kin-
der den Wunsch äußern, sich vegetarisch oder
vegan ernähren zu wollen, rät Nadja Haiden,
sich gut mit dem Thema auseinanderzusetzen:
„Wenn man eine Ernährungsumstellung profes-
sionell begleitet, sich gut informiert und kriti-
sche Nährstoffe, allen voran Vitamin B12, er-
gänzt, ist eine vegetarische und auch vegane
Ernährung bei Kindern und Jugendlichen gut
möglich.“ n
WEBTIPP
www.vegan.at/veganer-monat
Der kostenlose Newsletter „Der vegane Monat“
der Veganen Gesellschaft Österreich liefert einen
Monat lang alle zwei Tage schmackhafte Rezepte,
praktische Tipps und Hintergrundinfos.
Wird ein Kleinkind nach
dem Abstillen vegan ernährt,
muss unbedingt Vitamin B12
ergänzt werden.
Fotos:
©
ingimage,
iStock
/
Zukovic
14 MEDIZIN populär . 5/2022
TITEL
Für 2
Portionen
∂ 3 Liter Wasser aufkochen,
mit 1 EL Salz würzen und die
Pasta darin in 8 Minuten al den-
te kochen. Den Ofen auf 230 °C
Ober-/Unterhitze vorheizen.
Währenddessen sämtlichen Tofu
(300 g) zwischen Küchenpapier
kräftig ausdrücken, dann mit
den Händen zerkrümeln. Die
Zwiebel fein würfeln.
∑ Für die Sauce eine große
beschichtete Pfanne stark er-
hitzen, die Zwiebel und die Hälf-
te des Tofus hineingeben, das Öl
darüberträufeln und alles 6 Mi-
nuten bei starker Hitze braun
braten. Tomaten und Spinat
zufügen, die Tomaten mit dem
Pfannenwender zerkleinern.
Zucker, 1 TL Salz, 1 großzügige
Prise Pfeffer und die Sojasahne
dazugeben, unterrühren und
einmal kräftig aufkochen. Die
Sauce mit Salz, Pfeffer und nach
Belieben Kräutern abschmecken.
∏ Ein Drittel der Sauce in ei-
ner ofenfesten Form verteilen
und die Pasta mit der Öffnung
nach oben hineinsetzen. Den
Rest der Sauce darüber vertei-
len oder die Shells damit füllen.
Alle Zutaten für das Topping gut
verkneten und über den Nudeln
verteilen.
π Das Gericht 10 Minuten im
Ofen backen, in den letzten 3 Mi-
nuten den Grill dazuschalten, da-
mit der käsige Tofu schön braun
und knusprig wird. q
Rezepte und Foto: © Rittenau, Copien
Vegane Ernährung für Einsteiger –
Das wichtigste Basiswissen und schnelle Rezepte
Zutaten
Pasta
Salz
200 g Pastashells
(Muschelnudeln)
Sauce
150 g fester weißer Tofu
1 große rote Zwiebel,
geschält
3 EL Olivenöl
400 g Pelati-Tomaten
150 g junger Spinat,
geputzt
1 TL Zucker
Salz, frisch gemahlener
Pfeffer
Italienische Kräuter
(nach Belieben)
Käsiges Tofu-Topping
150 g fester weißer Tofu
2 EL Olivenöl
3 EL Würzhefeflocken
1 EL Apfelessig
1 gestr. TL Salz
Pasta Shellsmit Tofu-Spinat-Füllung
und Topping
Für 2
Portionen
Zutaten
Blitzpolentamit rauchigen
Bohnen und Blumenkohlsalat
Rauchige Bohnen
2 Knoblauchzehen,
geschält
2 EL natives Olivenöl extra
240 g Riesenbohnen
(aus der Dose; oder kleine
weiße Bohnen), plus 3 EL
Bohnenwasser
geräuchertes Paprika-
pulver
Salz, frisch gemahlener
Pfeffer
10 Kirschtomaten
Blumenkohlsalat
200 g Blumenkohl
5 Stängel Petersilie
(oder 20 Basilikumblätter)
750 ml Sojadrink
Salz
2 EL Olivenöl
1 EL Ahornsirup
2 EL Apfelessig
frisch gemahlener Pfeffer
Polenta
150 g Minutenpolenta
2 EL natives Olivenöl extra
Salz, frisch gemahlener
Pfeffer
chen und dann bei schwa-
cher Hitze ziehen lassen.
Den Blumenkohl aus dem
Topf nehmen und mit dem
Dressing in der Schüssel
mischen.
∏ Den Sojadrink im Topf
bei mittlerer Hitze wieder
erwärmen. Die Polenta un-
ter beständigem Rühren
mit dem Schneebesen ein-
rieseln lassen und kurz
aufkochen, bis sie abbin-
det; noch 1 Minute rühren,
bis der Schaum des Soja-
drinks verschwindet. Die
Polenta vom Herd nehmen,
das Öl einrühren und mit
Salz und Pfeffer abschme-
cken. Zwei Teller mit je der
Hälfte der Polenta aus-
streichen, die Bohnen
darüber verteilen und mit
Blumenkohl dekorieren. q
∂ Für den Salat den
Blumenkohl in 4 cm große
Röschen teilen, die Peter-
silie fein hacken. Sojadrink,
1 TL Salz und Kohl in ei-
nem Topf aufkochen lassen,
vom Herd nehmen und zu-
gedeckt 5 Minuten ziehen
lassen. Petersilie mit den
restlichen Salatzutaten zu
einem Dressing verrühren.
∑ Knoblauch fein
schneiden. Eine kleine
Pfanne stark erhitzen,
Knoblauch und Öl hinein-
geben und in 1 Minute
leicht braun braten. Die
Bohnen mit Bohnenwasser
dazugeben, mit 1 großzügi-
gen Prise Paprikapulver,
sowie je 1 Prise Salz und
Pfeffer abschmecken. Die
Tomaten halbieren, dazu-
geben, alles einmal aufko-
16 MEDIZINpopulär . 5/2022
KOSMETIK & PFLEGE
Ab Mai wird die Sonnenein-
strahlung besonders intensiv
und für die Haut mitunter zum
Problem. Wie viel Sonne die
Haut verträgt und wie man
sie am besten schützt.
V O N M A G . W O L F G A N G B AU E R
geschützt
ins Freie
Gut
I
m Frühling zieht uns die Sonne fast ma-
gisch ins Freie – um die Natur zu genie-
ßen, spazieren zu gehen, Sport zu treiben
oder im Garten zu arbeiten. Doch so wohl-
tuend und anregend der Aufenthalt in der
Sonne auch sein mag: Das Sonnenlicht ist
auch brandgefährlich – im wahrsten Sinne
des Wortes. Denn seine ultraviolette (UV-)
Strahlung kann zu verschiedenen Schäden
und Beeinträchtigungen der Haut führen.
für die
Sonnentage
Tipps
Istockphoto/gradyreese
å‘
MEDIZIN populär . 5/2022 17
18 MEDIZINpopulär . 5/2022
KOSMETIK & PFLEGE
1
2
3
SONNE LÄSST DIE HAUT
ALT AUSSEHEN
Sonnengebräunte Haut gilt für
viele immer noch als jung, fesch
und gesund. Doch aus medizi-
nischer Sicht ist das Gegenteil
der Fall. Die Bräunung, genauer
gesagt die Bildung des Farb-
stoffes Melanin in der Oberhaut,
stellt einen Selbstschutz dar,
um die Haut vor Schaden durch
UV-Strahlen zu bewahren. Ge-
bräunte Haut altert auch schnel-
ler und bildet im Laufe der Jahre
verstärkt Falten.
LÄSTIGE AUSSCHLÄGE
Wer jetzt im Mai zum ersten Mal
in diesem Jahr bestimmte Haut-
stellen – etwa an den Armen oder
am Dekolleté – der Sonne aussetzt,
wird vielleicht mit juckenden Aus-
schlägen, Rötungen und Bläschen
an diesen Stellen reagieren. Vor
allem Frauen im Alter von 20 bis
40 Jahren sind davon betroffen.
Diese Überreaktion auf die Sonne
wird Polymorphe Lichtdermatose
genannt und umgangssprachlich
auch als Sonnenallergie bezeich-
net. „Was an sich falsch ist, denn es
handelt sich nicht um eine Aller-
gie“, sagt Peter Wolf. „Die genauen
Ursachen sind noch nicht bekannt,
die heftigsten Symptome treten im
Frühsommer auf, sie nehmen im
Laufe des Sommers ab. Es gibt also
ein gewisses Maß an Anpassung.
Außerdem scheinen die Betroffe-
nen ein besonders robustes Im-
munsystem und damit verbunden
ein vermindertes Hautkrebsrisiko
aufzuweisen.“
Eine gute Nachricht sozusagen für
Lichtdermatose-Patienten, die sich
mit entsprechender Kleidung und
einer Sonnencreme mit hohem
Lichtschutzfaktor vor dieser Über-
reaktion schützen können.
RISIKO SONNENBRAND
Gefahr droht, wenn die UV-Strah-
lung so intensiv ausfällt, dass
sich die Haut entzündet, rot und
warm wird – eine besonders häu-
fige Schädigung der Haut namens
Sonnenbrand. „Sonnenbrände
sollten nicht als Lappalie abgetan
werden, sie fördern das Entste-
hen von schwarzem Hautkrebs“,
so Univ.-Prof. Dr. Peter Wolf, Vor-
stand der Universitätsklinik für
Dermatologie und Venerologie
an der Medizinischen Universität
Graz. Entsprechender Sonnen-
schutz hilft, Sonnenbrände zu
vermeiden, für die Erholung der
Haut nach einem Sonnenbrand
und für die Reparatur der geschä-
digten Stellen empfiehlt Peter
Wolf kühlende Gele und entspre-
chende Lotionen.
Was zu viel
Sonne mit
ungeschützer
Haut macht:
Istockphoto/fairywong,
t_kimura,
apomares,
feelimage/Matern
4
5
MEDIZIN populär . 5/2022 19
WECHSELWIRKUNGEN MIT ARZNEIEN
UV-Strahlen können zu unangenehmen
Wechselwirkungen mit bestimmten Substan-
zen in Medikamenten führen. „Es handelt
sich vor allem um Medikamente, die die
Vorsilbe „Anti-“ enthalten. Wie zum Beispiel
bestimmte Antidepressiva, Antibiotika, Anti-
rheumatika und dergleichen. Wer solche
Arzneien einnimmt, kann unter Sonnenein-
strahlung in kürzester Zeit Symptome eines
Sonnenbrandes entwickeln“, sagt Experte
Wolf. Das gilt auch für pflanzliche Arzneimit-
tel wie Johanniskrautpräparate.
BILDUNG DES
„SONNENVITAMINS“
Sonnenlicht fördert die körpereigene Bil-
dung des lebenswichtigen Vitamins D, das
beispielsweise für ein funktionierendes
Immunsystem und starke Knochen von Be-
deutung ist. Zu diesem Zweck muss man
aber nicht ausgiebig in der Sonne braten.
„Für die Vitamin-D-Bildung benötigt der
Organismus relativ wenig UV-Strahlung,
etwa zweimal 20 Minuten Sonne pro Woche
auf das Gesicht und die unbedeckten Arme
genügen“, sagt Dermatologe Peter Wolf. Ein
vernünftiger Umgang mit UV-Strahlung be-
einträchtigt die Vitaminbildung also nicht.
Sonnenbrände sollten nicht als
Lappalie abgetan werden, sie
fördern das Entstehen von
schwarzem Hautkrebs.
credit
å‘
Lesen Sie weiter auf Seite 22
Für die
Vitamin-D-
Bildung ge-
nügen etwa
zweimal 20
Minuten
Sonne pro
Woche auf
Gesicht und
Arme.
Univ.-Prof.
Dr. Peter Wolf
20 MEDIZINpopulär . 5/2022
KOSMETIK & PFLEGE
als einem Millimeter besteht der Verdacht, dass
der Tumor bereits gestreut haben könnte. Daher
wird in diesen Fällen häufig der erste Lymphkno-
ten nahe dem Melanom ebenfalls entfernt und
untersucht. Hat der Tumor bereits gestreut und
können die Metastasen nicht mehr operativ ent-
fernt werden, kommen andere Therapien zum
Einsatz, etwa Medikamente oder auch die Im-
muntherapie.
Auch beim „weißen“ Hautkrebs wird der Tumor
operativ entfernt. In über 90 Prozent der Fälle
gelten die Patienten nach einer OP als geheilt.
Der Name des Tumors rührt übrigens von den
hellen Krusten und Schuppen her, die sich auf
der Oberhaut bilden.
WICHTIGE FRÜHERKENNUNG
Ganz wichtig ist nach Ansicht von Christoph
Höller, dass man die eigene Haut oder die des
Partners regelmäßig und gründlich nach Ver-
änderungen absucht bzw. einmal jährlich durch
einen Facharzt für Dermatologie begutachten
lässt. Denn die Hautkrebsarten bieten im Ver-
gleich mit anderen Tumorerkrankungen einen
wesentlichen „Vorteil“: Sie sind auch für Laien
sichtbar und erkennbar, selbst in frühen Stadien.
Zumeist reicht das Auflichtmikroskop des Haut-
arztes, um festzustellen, ob zum Beispiel ein
Muttermal gefährlich ist oder nicht. Christoph
Z
u wenig geschützte oder gar unge-
schützte Haut erhöht das Risiko für
die Entstehung von Hautkrebs deut-
lich. So wird der schwarze Hautkrebs
(malignes Melanom) vor allem durch häufige
Sonnenbrände gefördert. Der weiße Hautkrebs
wiederum (dazu zählen das Basalzellkarzinom
und das Plattenepithelkarzinom) steht eben-
falls in Verbindung mit intensiver und häufiger
UV-Strahlung. „Wir verzeichnen in Österreich
ebenso wie auf der ganzen Welt steigende Haut-
krebszahlen“, so Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller
vom Hauttumorzentrum der Universitätsklinik
für Dermatologie an der Medizinischen Univer-
sität Wien.
So tritt der schwarze Hautkrebs bei 27 von
100.000 Personen auf. Der weiße Hautkrebs mit
geschätzten 20.000 bis 30.000 Fällen jährlich
gilt sogar als der häufigste Tumor in Österreich.
WIE WIRD BEHANDELT?
Das maligne Melanom gilt als der bösartigste
Tumor der Haut. Weil die Veränderungen auf
der Haut sehr dunkel ausschauen, wird der Tu-
mor auch als „schwarzer“ Hautkrebs bezeichnet.
Wird der Tumor, der auch aus einem Muttermal
entstehen kann, im Frühstadium entdeckt und
operativ entfernt, sind die Heilungschancen be-
sonders groß. Bei einer Tumordicke von mehr
nimmt zu
Hautkrebs
Die Verwen-
dung einer
Sonnen-
creme allein
stellt keinen
ausreichen-
den Schutz
vor Haut-
krebs dar,
wenig
Sonne und
Schutzklei-
dung lautet
die Devise.
Univ.-Prof. Dr.
Christoph Höller
Höller: „Zum Glück kommen die allermeis-
ten Patientinnen und Patienten in einem Sta-
dium zum Arzt, in dem nach einem raschen
Befund der Tumor entfernt und sie zur Gän-
ze geheilt werden können.“ q
Links im Bild
untersucht eine
Ärztin mit einem
Auflichtmikros-
kop verdächtige
Hautzellen, die
im rechten Bild
vergrößert zu
sehen sind.
Istockphoto/kali9,
Malikov
Aleksandr,
Medizinische
Universität
Wien
n … des schwarzen Hautkrebs
Ein Melanom sieht in einem frühen Stadium
aus wie ein kleines Muttermal. Es kann sich
jedoch verändern, asymmetrisch an Größe
zunehmen. Dabei kann es verschiedene
Farben aufweisen – braun, rötlich, schwarz,
manchmal auch grau. „Wenn ein Muttermal
auftaucht, das innerhalb von Wochen oder
Monaten wächst, sollte man unbedingt zum
Hautarzt“, rät Christoph Höller.
n … des weißen Hautkrebs
Diese Hautveränderungen treten vor allem
im Hals- und Kopfbereich auf. Ihre Farbe ist
heller als das Melanom, sie können ebenfalls
wachsen und weisen darüber hinaus auch
kleine Erhebungen und Vertiefungen auf.
Manchmal können diese Hautveränderungen
auch bluten. q
Merkmale
mpfindliche, sensible Haut reagiert oft
mit Rötungen. Weil Sie schnell reizbar ist,
braucht Sie besonders viel Pflege. Eine er-
höhte Hautsensibilität ist bedingt durch eine ver-
minderte Hautschutzbarriere und einen gestör-
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22 MEDIZINpopulär . 5/2022
KOSMETIK & PFLEGE
å‘Fortsetzung von Seite 19
SICH VOR DER SONNE SCHÜTZEN?
SO GEHT´S …
Adäquate Kleidung und richtiges Verhalten
stehen beim Sonnenschutz ganz oben, so
Hautarzt Christoph Höller. Das bedeutet:
n Lange Hose, Hemd, Kopfbedeckung und
Sonnenbrille tragen.
n In den Sommermonaten während der Mit-
tagszeit die pralle Sonne meiden, im Schat-
ten bleiben.
n Sonnenschutzmittel verwenden. „Dies vor
allem dann, wenn die Bedeckung der Haut
mit der Kleidung nicht möglich ist, weil
man etwa Sport betreibt oder einen Bade-
tag genießt“, sagt Höller.
Ein geeignetes Sonnenschutzmittel sollte so-
wohl vor der langwelligen UVA- als auch vor
der energiereichen UVB-Strahlung schützen,
beides ist auf den Produkten ausgewiesen. Sie
enthalten entweder einen chemischen oder
mineralischen Lichtschutz. Die chemischen
Substanzen lassen sich gut auf der Haut ver-
teilen, ziehen rasch ein, schützen aber erst
nach etwa einer halben Stunde. Mineralische
Lichtschutzmittel wie Titandioxid oder Zink-
oxid wirken an der Oberfläche, indem sie die
UV-Strahlung blockieren, sie schützen gleich
nach dem Auftragen.
Außerdem: Je heller die Haut, desto höher
sollte der Lichtschutzfaktor des Mittels sein.
Dieser zeigt an, um wie viel mal länger man
sich nach Auftragen des flüssigen oder cremi-
gen „Schutzes“ den sonnigen Strahlen ohne
Sonnenbrandgefahr aussetzen kann als ohne
Sonnenschutz.
Denn jeder Hauttyp verfügt über eine „eige-
ne Schutzzeit“, bevor es zum Sonnenbrand
kommt: Der Typ 1 (sehr helle Hautfarbe) soll-
te sich ohne Schutzmittel nur sehr wenige Mi-
nuten in der Sonne aufhalten, während Men-
schen vom dunkleren mediterranen Hauttyp
(Typ 4) maximal 40 Minuten Zeit haben, sich
zusätzlich zu schützen.
DER LICHTSCHUTZFAKTOR (LSF)
BEGINNT BEI 6 UND ENDET BEI 50+
n Niedriger Schutz (LSF 6–10)
n Mittlerer Schutz (LSF 15–25)
n Hoher Schutz (LSF 30–50)
n Sehr hoher Schutz (LSF 50+)
Um ein Beispiel für die Wahl des Lichtschutz-
faktors zu nennen: Wer aufgrund seines
Hauttyps bis zu zehn Minuten ungeschützt in
der Sonne verbringen kann, also eine Eigen-
schutzzeit von zehn Minuten aufweist, kann
dies mit einem Sonnenschutzmittel mit dem
Lichtschutzfaktor 20 etwas mehr als drei
Stunden lang tun (20 x 10 Minuten).
Zumindest rein rechnerisch gesehen. Es wird
jedoch empfohlen, auch bei diesem Thema
mit Augenmaß vorzugehen und die Zeit, in
der man sich der Sonne aussetzt, deutlich kür-
zer zu halten. Denn kaum jemand trägt die für
istockphoto/RossHelen,
Svetlana-Cherruty
Meist wird bei der
Sonnencreme
gespart, sie schützt
aber nur, wenn sie
großzügig aufge-
tragen wird.
den optimalen Schutz nötige Menge an Son-
nencreme auf. Außerdem: „Die Verwendung
einer Sonnencreme bedeutet keinen Freibrief
für ungehemmtes Sonnenbaden. Eine Creme
allein stellt keinen ausreichenden Schutz vor
Hautkrebs dar“, sagt Christoph Höller.
WIE VIEL SONNENCREME TRÄGT MAN AUF?
Experten empfehlen gemäß Vorgaben der
Lichtschutzfaktor-Testung zwei Milligramm
pro Quadratzentimeter freier Hautstelle.
Das bedeutet für einen Erwachsenen, der
im Schwimmbad den gesamten Körper ein-
schmiert: Zirka 35 Milliliter bei jedem Ein-
cremen, das entspricht in etwa einem Drittel
des Inhaltes einer Standard-Sonnenschutz-
packung von 100 Millilitern. In der Praxis
wird allerdings mit zirka einem Drittel davon
weit weniger verwendet, weswegen die auf
der Verpackung von Lichtschutzmitteln an-
gegebenen Schutzfaktoren bei Weitem nicht
erreicht werden.
Kinder sollten mit wasserfesten Schutzcre-
men mit sehr hohem Lichtschutzfaktor, mit
Kappen und UV-undurchlässigen T-Shirts
vor der Sonne geschützt werden. Ihre Haut
ist wesentlich empfindlicher als die von Er-
wachsenen. Babys und Kleinkinder unter ei-
nem Jahr sollten gar nicht in die pralle Sonne,
sondern geschützt mit Kopfbedeckung und
leichter Kleidung ausschließlich im Schatten
bleiben. Ihre Haut schützt man am besten mit
speziellen Sonnenschutzmitteln für die sen-
sible Kinderhaut, mit einem Lichtschutzfak-
tor ab 50 plus. n
24 MEDIZINpopulär . 5/2022
MEDIZIN  TRENDS
Winde
Vom
verweht!
Fotos:
©
Istockphoto/KRdesign
MEDIZIN populär . 5/2022 25
Warum so viele Menschen mit Blähungen kämpfen und was man für
eine weitgehend „windstille“ Verdauung tun kann.
V O N M A G .a
A N D R E A R I E D E L
G
leich vorweg: Eine gänzlich
,windstille‘ Verdauung gibt es
nicht“, konstatiert einer, der es
wissen muss. Laut Dr. Anton
Pruntsch, Allgemeinmediziner mit einem
Schwerpunkt auf Darmproblemen, sind
„bis zu zwanzig ,Leibwinde‘ pro Tag“ ganz
normal. In seinem kürzlich erschienenen
Buch geht der Villacher Hausarzt dem
Phänomen Furz humorvoll, aber medi-
zinisch fundiert auf den Grund. So müs-
se, wer vier Bratwürsteln mit Sauerkraut
verschlingt und ein, zwei Bier nachspült,
„jedenfalls mit temporärer verstärkter
Darmgasbildung“ rechnen. Aber warum
eigentlich?
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Der Furz
Alarmsignal des Körpers
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26 MEDIZINpopulär . 5/2022
MEDIZIN  TRENDS
WIE EIN FURZ ENTSTEHT
„Weil“, so Pruntsch, „hier ungesundes Essen
auf ungesundes Essverhalten trifft: Zur Ver-
dauung derart schwerer Kost stehen auf die
Schnelle nicht genügend Magensäure, Gal-
len- und Bauchspeicheldrüsensekret bereit.“
Das Menü landet also halbverdaut im Darm,
wo es Bakterien „zerlegen“. Dabei entstehen
Gase, die teils ins Blut übergehen und letztlich
geruchsarm ausgeatmet werden. Der Rest wa-
bert, in Schaumbläschen gebunden, im Darm
herum und tritt irgendwann die Flucht nach
hinten an.
Wer sich gesund ernährt und bewegt, kann
sich eher eine genussvolle „Sünde“ samt den
erwartbaren windigen Folgen erlauben.
WENN FURZ AUF FURZ FOLGT, ...
Werden Blähungen jedoch chronisch und
wirklich störend, sollte man sich nicht scheu-
en, mit Hausärztin oder Hausarzt darüber zu
reden. Manchmal können nämlich auch Nah-
rungsmittelintoleranzen oder schwere Erkran-
kungen die Ursache sein (siehe Kasten Seite
32). In den allermeisten Fällen überfordern
aber falsche Ernährungsgewohnheiten den
Verdauungsapparat.
… IST OFT DER DICKDARM ZUGEMÜLLT
„Dann sammeln sich halbverdaute Nahrungs-
und klebrige Stuhlreste im Dickdarm an, der
nie ganz entleert wird. Viele ahnen gar nichts
von dieser ,latent-chronischen Obstipation‘,
Vollkornproduk-
te sind schwer
verdaulich und
sollten beson-
ders lang gekaut
werden.
Bis zu 20 „Leibwinde“
täglich sind ganz normal.
Falsche Essgewohnheiten
erhöhen die Furz-Frequenz.
Dr. Anton Pruntsch
Trinken ist
wichtig, aber
nicht unmittel-
bar vor, nach
oder während
des Essens.
weil ihr Stuhlgang durchaus regelmäßig ist.“
In dieser „Mülldeponie“ feierten schädliche
Darmbakterien und Pilze fröhliche Urständ
und produzierten jede Menge Gär- und Faulga-
se, so Pruntsch.
RICHTIG ESSEN  BLÄHBAUCH VERMEIDEN
Für ein Leben ohne chronische Flatulenzen hat
Pruntsch u.a. folgende Tipps parat:
n Nichts verwässern
Wer zum Essen Wasser trinke, verdünne die
Verdauungssekrete und sabotiere so mutwillig
die Arbeit von Magen und Darm. „Genügend
Flüssigkeit ist wichtig, auch, um Verstopfungen
vorzubeugen“, stellt der Allgemeinmediziner
klar, „aber nicht unmittelbar vor, nach oder
während des Essens.“
n Am Anfang ein Aperitiv
Kräuterbitter oder klare Suppe vor dem Essen å‘
Fotos:
©
Istockphoto/alvarez,
milan2099,
Juliane
Menzinger
28 MEDIZINpopulär . 5/2022
MEDIZIN  TRENDS
würden hingegen die Produktion der Verdau-
ungssäfte ankurbeln. Etwas weniger effektiv sei
der Verdauungsschnaps post festum.
n Wer Zähne hat, der kaue
Und setze dabei Enzyme frei! Gründliches Zer-
kleinern erleichtert nicht nur die spätere Ver-
dauung, sondern sorgt auch dafür, dass sie dank
der im Speichel enthaltenen Enzyme bereits im
Mund startet.
n Immer mit der Ruhe
Das gilt fürs Essen und generell. Denn bei Stress
schaltet der Körper auf Survival-Modus: „Wie
zu Zeiten des seligen Säbelzahntigers wird die
Verdauung zurückgefahren und löst sich buch-
stäblich in Luft auf.“
WOHER DER WIND (NICHT) WEHT 
LEBENSMITTEL UND IHR BLÄHFAKTOR
ZweifelloshabenmancheNahrungsmitteleinen
höheren „Blähfaktor“ als andere. Bei einigen ist
eher die Dosis entscheidend.
n Bitter, bitte!
Bitterstoffe sind ein Turbo für die Ausschüttung
von Galle, und die brauchen wir, um Fett or-
dentlich verdauen zu können.
n Obst in Maßen
Zu viel Obst können Magen und Dickdarm oft
nicht verdauen. Dann vergären es Bakterien im
Dickdarm quasi „mit Vollgas“ zu Fuselalkoho-
len. „So können sich sogar Abstinenzler nicht
nur Blähungen, sondern auch eine Fettleber he-
ranzüchten“, warnt Pruntsch.
n Vorsicht bei Vollkorn  Rohkost
Ganze Körner und oft auch rohes Gemüse sind
durchs Kauen kaum ausreichend kleinzukrie-
gen. Auch sie flutschen meist unversehrt in den
Darm, wo ihre Vergärung Gase freisetzt. – Gut,
dass gemahlenes Getreide und gegartes Gemü-
se genauso ballaststoffreich, aber leichter ver-
daulich sind.
n Weniger Fleisch
Tierisches Eiweiß in größeren Mengen und
Sobald die
Flatulenzen
wirklich störend
werden, sollte
man sich ein
Herz fassen und
mit Hausärztin
oder Hausarzt
darüber reden.
Foto:
©
Istockphoto/Anetlanda
schlecht gekaut „ist im Dickdarm Fäulnisprozes-
sen ausgesetzt – mit den bekannten ,Ffffolgen‘,
so der Verdauungsexperte.
n Noch weniger Zucker
Im Dünndarm wird Zucker verwertet – aber
nicht jeder. Viele Zuckerarten landen unge-
bremst im Dickdarm, wo sie das Darmmikro-
biom aus dem Gleichgewicht bringen.
n Jedes Böhnchen ein Tönchen
Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Stangensellerie, Kohl
oder Sauerkraut sind zweifellos wichtig für eine
gesunde Mischkost, enthalten allerdings unver-
dauliche Zuckermoleküle.
„Rein furztechnisch stellen sie ein Risiko dar,
das aus ärztlicher Sicht aber vertret- weil ent-
schärfbar ist, etwa durch Beigabe blähungs-
mindernder Gewürze wie etwa Kümmel“, so der
Mediziner.
(HAUS)MITTEL GEGEN BLÄHBAUCH
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zur Ent-
spannung der Blähbauch-Lage. Zum Beispiel:
n Wärmeflasche
Wärme entkrampft und entspannt. Wird das
Bauchweh dadurch aber schlimmer, kann eine
Entzündung vorliegen, die Ärztin oder Arzt ab-
klären sollte.
n Massage
Manchmal wirkt es Wunder, den Bauch sanft im
Uhrzeigersinn einige Minuten lang zu massieren.
n Carminativa
Nie gehört? Dabei finden sich „Blähungstreiber“
wie Kümmel, Fenchel, Anis, Koriander, aber
å‘
Lesen Sie weiter auf Seite 32
30 MEDIZINpopulär . 5/2022
MEDIZIN  TRENDS
Blähungen und Bauchweh können auch auf ein Reizdarm-
Syndrom hinweisen, manchmal verbunden mit einer durch-
lässigeren Darmbarriere, einem „Leaky-Gut-Syndrom“.
Was das Mikrobiom damit zu tun hat, erklärt Univ.-Prof. Dr.
Alexander Moschen, Vorstand der Uniklinik für Innere
Medizin am Kepler Universitätsklinikum Linz.
MEDIZIN populär
Wie einzigartig ist das Mikrobiom?
Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen
Würde man beispielsweise unser bei-
der „Darmflora“ vergleichen, würden
nur 20 bis 30 Prozent der Bakterien-
Spezies übereinstimmen. Viel weni-
ger Unterschiede gibt es bei ihren
Aufgaben. So wie eine funktionie-
rende Gesellschaft Installateure und
Busfahrerinnen, Lehrer, Ärztinnen
uvm. braucht, so brauchen wir für
eine gute Verdauung „Mitbewohner“
mit möglichst vielen unterschiedli-
chen enzymatischen Fertigkeiten.
Wie wirken Probiotika? Jedenfalls
nicht so, dass sich neue, „gesunde“
Keime im Darm längerfristig ansie-
deln könnten. Denn unser Mikrobiom
ist extrem intolerant gegenüber Neu-
ankömmlingen. Auseinandersetzen
muss es sich mit ihnen aber trotz-
dem. Dabei verändert und adaptiert
es automatisch die eigenen enzyma-
tischen Funktionen – es lernt sozusa-
gen dazu.
Welche Rolle spielt die Darmflora
beim Reizdarmsyndrom? Darmbakte-
rien kommunizieren über Stoffwech-
selprodukte mit dem Gehirn. So wird
z.B. das Schmerzzentrum von Reiz-
darm-Patienten ab einem bestimmten
Druck im Darm aktiviert. Gesunde mit
einem vergleichbaren Druckreiz spü-
ren hingegen noch keinen Schmerz.
Probiotika können den Mikrobiom-
Stoffwechsel bei Reizdarm-Patienten
so verändern, dass die Schmerz-
empfindlichkeit verringert wird. Wie
das genau funktioniert, ist aber noch
unklar.
Was versteht man unter einem
„Leaky-Gut-Syndrom“?
Grundsätzlich ist es notwendig, dass
die Darmwand durchlässig ist. Nur
so können lebenswichtige Stoffe aus
der Nahrung ins Blut übergehen.
Bei Nahrungsmittelallergien öffnen
sich die „Schleusen“ über komplexe
Mechanismen kurzfristig auch für
schädliche oder reizende Substanzen.
Schuld an dieser erhöhten Durchläs-
Fotos:
©
Istockphoto/Deagreez
Eine gesunde Darmflora
besteht aus Bakterien mit
vielen unterschiedlichen Fer-
tigkeiten.
Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen
Mikrobiom, Reizdarm und Leaky Gut
INTERVIEW
MEDIZIN populär . 5/2022 31
Typ-1-Diabetes geht mit einem höheren
Risiko für weitere Autoimmunerkran-
kungen einher. Dazu zählt laut der Deut-
schen Diabetesgesellschaft auch die chro-
nische Gastritis Typ A oder Autoimmungas-
tritis. Bei dieser seltenen Erkrankung greift
das Immunsystem die Magenschleimhaut-
zellen an. Das zum Ausgleich des so ent-
stehenden Magensäure-Mangels gebildete
Hormon Gastrin kann bestimmte Magen-
Darm-Tumoren begünstigen. Häufiges
Symptom einer Autoimmungastritis ist ein
Mangel an Vitamin B12. q
Typ-1-Diabetes  Darm
sigkeit der Darmbarriere – „leaky“ bedeutet
auf Englisch so viel wie „löchrig“ – sind be-
stimmte Bestandteile der Nahrung oder auch
Stoffwechselprodukte der im Darm siedeln-
den Bakterien. q
In manchen Fällen
können auch ernste
Erkrankungen hinter
Blähungen und Bauch-
krämpfen stecken.
32 MEDIZINpopulär . 5/2022
MEDIZIN  TRENDS
Gelegentlich gehen Blähungen auf ernst-
hafte Störungen oder Erkrankungen zu-
rück, die einer gesonderten Therapiebedürfen.
Dazu zählen:
n Nahrungsmittel-Intoleranzen. Neben chro-
nischem Stress die häufigsten krankheits-
bedingten Ursachen für Blähungen. Mittels
Tests zu diagnostizieren. Der Verzicht auf
die jeweiligen Nahrungsmittel beugt Blä-
hungen vor.
n Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
oder Leber. Mindern meist die Produktion
von Verdauungssekret. Rasche gründliche
Abklärung und entsprechende Behandlung
sind unbedingt nötig.
n Verstopfung, Darmverschluss. Bei unge-
wohnt seltenem Stuhlgang oder sehr mas-
siven Blähungen mit aufgetriebenem Bauch
besteht die Gefahr eines Darmverschlus-
ses – daher unbedingt abklären lassen.
Schlimmstenfalls blockiert ein Tumor den
Darm. „Darmkrebs wächst langsam und ist
daher durch regelmäßige Koloskopien viel-
fach zu verhindern“, weiß der Allgemeinme-
diziner Anton Pruntsch aus Erfahrung. q
Manchmal auch ernste
Erkrankungen
auch Pfefferminze, Melisse oder Kamille sicher
auch in Ihrer Küche. „Die ätherischen Öle dieser
Kräuter und Gewürze wirken krampflösend auf
die Darmmuskulatur und beschleunigen so den
Abgang der aufgeschäumten Gase.“
n Medikamente
Entschäumer setzen das in unzähligen Bläschen
gebundene Gas frei, Motto: „Besser ein Ende mit
Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Verdau-
ungsenzyme aus der Apotheke helfen, wenn es
an körpereigenen fehlt. Krampflösende Medika-
mente lindern Blähungen und Koliken.
n Entschlacken
„Wie ein Großputz funktioniert die Colon-Hyd-
ro-Therapie beim Arzt: Stuhl- und Nahrungsreste
werden in einem absolut hygienischen, geschlos-
senen Kreislauf sanft mit Wasser aus dem Darm
geschwemmt“, erklärt Pruntsch ein Verfahren,
auf das viele seiner Patientinnen und Patienten
schwören, „weil sie sich danach rundum befreit
und voller Energie fühlen“. Ähnlich geht es vielen
auch nach einer F.X.Mayr-Kur, zu der neben einer
speziellen Fastendiät auch das bewusst langsame
Kauen, abführende Bittersalze und Einläufe ge-
hören. Beide Methoden eignen sich als Prophy-
laxe und Therapie. n
Gegen Blähun-
gen ist so man-
ches Kraut be-
ziehungsweise
Gewürz gewach-
sen: Kümmel,
Fenchel, Kamille
uvm.
å‘Fortsetzung von Seite 29
Foto:
©
Istockphoto/mescioglu
34 MEDIZIN populär . 5/2022
NACHGEFRAGT
SIE FRAGEN –
WIR ANTWORTEN
Univ.-Prof. Dr. Michael
Bernhard Fischer,
Leiter des Zentrums
für Experimentelle
Medizin am Depart-
ment für Gesundheits-
wissenschaften
und Biomedizin der
Universität Krems
ie Entnahme von Nabelschnurblut
nach der Entbindung dient der Ge-
winnung von Stammzellen. Werden
Stammzellen aus diesem Blut, das
auch Plazentarestblut genannt wird, der
Allgemeinheit gespendet und in einer öf-
fentlichen Blutbank eingelagert, können die
Stammzellen später zur Behandlung be-
stimmter Krankheiten verwendet werden.
Sie kommen zum Beispiel bei Immunde-
fekten und Stoffwechseldefekten zum Ein-
satz, aber auch bei Erkrankungen des Blu-
tes wie Leukämie und bei anderen Krebser-
krankungen. Werden Erkrankten Stamm-
zellen aus Nabelschnurblut transplantiert,
kann das zu Therapieerfolgen führen, was
die Entnahme von Nabelschnurblut schon
einmal sinnvoll macht. Außerdem werden
Stammzellen aus Nabelschnurblut auch für
die Forschung verwendet.
D
das Immunsystem eine Rolle spielen, müs-
sen kompatibel sein. Und auch die Blut-
gruppen müssen zueinander passen. Kin-
der, die schwerer als vierzig Kilogramm
sind, und Erwachsene benötigen zudem für
eine Transplantation mehrere Stammzel-
lenspenden. Haben sich werdende Eltern
dazu entschieden, das Nabelschnurblut mit
den Stammzellen für die Allgemeinheit zu
spenden, müssen sie dies der Geburtsklinik
einige Wochen vor der Geburt mitteilen, da-
mit man sich dort entsprechend vorbereiten
kann. So ist zwar der Aufwand groß, der mit
einer Nabelschnurblutspende und der Trans-
plantation von Stammzellen verbunden ist,
doch haben nach einer Geburt entnommene
Stammzellen gegenüber später gespende-
ten den Vorteil, dass sie noch nicht mit ei-
nem Körper gealtert sind, sozusagen noch
frisch sind und etwa eine Heilung gut unter-
stützen. Sollen die Stammzellen aus dem
Nabelschnurblut nicht gespendet werden,
V O N M A G . a
S A B I N E S T E H R E R
MEDIZIN populär-Leserin Michaela H. fragt per E-Mail:
Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut zu entnehmen und einzulagern, und wenn ja,
wie wird dabei vorgegangen?
Um transplantiert werden zu können, müs-
sen Stammzellen allerdings bestimmte Kri-
terien erfüllen, die sie für Empfänger ver-
träglich machen. So muss es gewisse Ge-
webeübereinstimmungen geben: Die soge-
nannten humanen Leukozytenantigene, Pro-
teine, die bei der Unterscheidung körperei-
gener und körperfremder Strukturen durch
Werden Stammzellen aus Nabel-
schnurblut transplantiert, kann
das bei bestimmten Krankheiten
zu Therapieerfolgen führen.
Univ.-Prof. Dr. Michael Bernhard Fischer
Illustration:
©
TOM
©
Andrea
Reischer
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sondern für den möglichen späteren Eigen-
bedarf entnommen werden, kann das nur
gegen Bezahlung durch einen privaten An-
bieter erfolgen.
Gelagert wird das Nabelschnurblut mit den
Stammzellen tiefgefroren, und ist es für den
Allgemeingebrauch gedacht, für zehn Jah-
re. Dient es der privaten Vorsorge, kann es
so lang wie gewünscht aufbewahrt werden.
Entnommen wird es unmittelbar nach der
Geburt. Für die Entnahme wird ein Gefäß
der Plazenta punktiert, über eine Kanüle
und einen Schlauch werden anschließend
80 bis 200 Milliliter Blut in ein Säckchen
transferiert und zusammen mit einem Mit-
tel, das die Blutgerinnung verhindert, für
den Transport vorbereitet. Dort, wo Blut und
Stammzellen gelagert werden, wird die Flüs-
sigkeit noch weiterverarbeitet, mit einer
Gefrierlösung versehen und schließlich ein-
gefroren. Lässt man die Nabelschnur nach
der Geburt noch auspulsieren, durchtrennt
man sie also nicht gleich, damit das Neu-
geborene weiter mit Blut versorgt wird, ist
übrigens meist zu wenig Blut für eine Na-
belschnurblutspende vorhanden. ■
GESUNDHEITSPOLITIK
36 MEDIZIN populär . 5/2022
Kinder und Jugendliche leiden verstärkt an psychi-
schen Problemen, doch hierzulande gibt es zu wenig
Hilfen. Eine neu gegründete Initiative will das nun än-
dern und wird auch von der Ärztekammer unterstützt.
ir in Österreich sind ganz vorn da-
bei, was die Akutmedizin betrifft.
Hier macht uns kaum eine andere Na-
tion etwas vor. Betrachtet man aller-
dings die Prävention, hinken wir im
Vergleich deutlich hinterher. EU-weit
sind wir eines jener Länder, das am
wenigsten Geld für die Gesundheitsför-
derung ausgibt. Angesichts dieser Tat-
sache sind die Folgen daraus wenig ver-
wunderlich. Immer mehr Österreicher
leiden an sogenannten Wohlstands-
erkrankungen. Was zunächst wie ein
Oxymoron klingt, ist keineswegs zu un-
terschätzen. Ausgelöst werden diese
Krankheiten durch ungesundes und
übermäßiges Essen in Verbindung mit
zu wenig Bewegung. Die Folgen davon
sind Bluthochdruck, Diabetes und Adi-
positas. Diese Krankheiten sind dann
sehr häufig die Auslöser von Schlag-
anfällen und Herzinfarkten.
Was Prävention anbelangt, geschieht
aktuell noch zu wenig. Das liegt auch
daran, dass präventive Maßnahmen,
die Ärzte setzen, nicht oder kaum ho-
noriert werden. Auch wenn es schwie-
rig werden wird, diesen Umstand zu
verändern, so ist es doch notwendig.
Gleichzeitig braucht es einen besseren
Zugang der Bevölkerung zu Diätbera-
tungen und Bewegungsschulungen.
Was wir in die Prävention investieren,
spart das Gesundheitssystem lang-
fristig für die Akutversorgung. Daher
scheint mir eine Auseinandersetzung
mit dieser Thematik letztlich alter-
nativlos. q
STAND-
PUNKT
Ao. Univ.-Prof.
Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK)
MEHR GELD FÜR PRÄVENTION
Fotos:
©
ÖÄK,
Ernst
Kainerstorfer,
iStock
/
pixdeluxe
VO N M AG . a
S A B I N E S T E H R E R
ir Kinder und Jugendli-
che kommen nicht ohne
seelische Narben aus
der Pandemie, ein
Krieg in Europa, die Klimakrise und
eine damit verbundene Zukunfts-
angst sind weitere Themen, die uns
belasten“, heißt es seitens der
„Österreichischen Schülerunion“.
Und weiter: „Wir sind keine ´Lost
Generation´, Unterstützung brau-
chen wir aber trotzdem, und die be-
kommen wir nicht.“ So betreue
derzeit eine Schulpsychologin mehr
als 6000 Schüler, und auch sonst
gebe es hierzulande zu wenig ent-
sprechende Hilfen, dabei leide mitt-
lerweile jeder zweite Jugendliche
an depressiven Symptomen, jeder
Sechste habe Suizidgedanken. Die
neu gegründete multi-organisatio-
nale Initiative „Gut, und
selbst?“, zu der die Schüler-
union zählt, hat dazu das
„Mental health Jugendvolks-
begehren“ gestartet, das bei
psychischen Problemen Unterstüt-
zungsmaßnahmen direkt an den
Schulen fordert (siehe Webtipp).
Eine langfristige Lösung, die es je-
dem jungen Menschen ermöglicht,
unmittelbar die psychologische Hil-
fe zu bekommen, die er braucht,
und mehr kassenfinanzierte Thera-
pieplätze fordert die Bundesju-
gendvertretung, die die neue Initia-
tive neben der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) unterstützt.
„Froh über die Gründung“
„Ich bin sehr froh über die Grün-
dung der Initiative, denn wir brau-
chen eine entsprechende Gesund-
heitsversorgung für unsere Kinder
und Jugendlichen“, sagt ÖÄK-Prä-
sident ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas
Szekeres. Die Ärztekammer habe
auch bereits immer wieder vor dem
Mangel auch an Fachärzten für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und
dessen Auswirkungen gewarnt, die
Gesundheitspolitik habe das Pro-
blem bisher aber stets ignoriert. n
W
Österreichische Ärztekammer unterstützt neue Initiative
W
Mehr Hilfen bei
psychischen Problemen
WEBTIPP
www.gutundselbst.at/
Auf dieser Website finden sich Infor-
mationen über die Initiative „Gut,
und selbst?“ und das „Mental health
Jugendvolksbegehren“, das von
2. bis 9. Mai unterzeichnet werden
kann.
extra
MEDIZIN populär extra . 5/2022 37
Inhalt
„Dahamas“
statt Bahamas
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 38
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Auf in die
Sommerfrische
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 46
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Urlaub trotz
Blasenschwäche
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 54
Gut erholen,
gesund
urlauben
38 MEDIZINpopulär . 5/2022
credit
statt Bahamas
statt Bahamas
„Dahamas“
Den Urlaub in vertrauter Umgebung zu verbringen,
hat durchaus Vorteile. Aber klappt Erholung dort,
wo wir wohnen und oft auch arbeiten, überhaupt?
VO N M A G .a
SY LV I A N E U B AU E R
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
MEDIZIN populär . 5/2022 39
Fotos:
©
istockphoto/ronstik
40 MEDIZINpopulär . 5/2022
W
enn wir zu Hause Urlaub ma-
chen, setzen wir uns keinem
Reisestress aus. Wir sind nicht
bereits mit den Nerven am En-
de, bevor der Urlaub überhaupt angefangen
hat, weil das Hotel so rein gar nicht den eige-
nen Erwartungen entspricht. Und: Wir leiden
nicht an einem Jetlag.
„Was die Erholung anbelangt, so muss man
bei größeren Fernreisen jeweils die Zeit, die
man zum Hin- und Zurückkommen benötigt,
abziehen – ebenso eine etwaige Zeitumstel-
lung“, weiß Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard
Blasche von der Abteilung für Umwelthygiene
und Umweltmedizin am Zentrum für Public
Health der Medizinischen Universität Wien:
„Wenn man zu Hause bleibt, spielt das natür-
lich keine Rolle.“ Gewonnene Zeit also, die
zum Ausspannen einlädt. Wie nutzt man diese
am besten?
URLAUBSTAGE „HAMSTERN“? BITTE NICHT!
Das heutige Leben ist, als würde uns jemand
mit einem riesengroßen Bagger pausenlos
Tonnen an Wörtern, Bildern und Anforderun-
gen in das Gehirn schaufeln. Unser Denkappa-
rat ist jedoch nicht dafür geschaffen, immer-
während Leistung zu erbringen.
Er stammt aus einer Zeit, in der es noch La-
gerfeuer gab und in der man sich auf klare
Sternenhimmel fokussierten konnte – ganz
pathetisch gesprochen.
Auch heutzutage sollte das Gehirn in regelmä-
ßigen Abständen einen Müßiggang einlegen
dürfen – ebenso der Körper. „Mehrere Erho-
lungspausen sind dabei besser, als den Urlaub
in einem Stück in Anspruch zu nehmen“, rät
Blasche dazu, die Urlaubstage über das Jahr
zu verteilen.
Ein Fehler ist es, den Urlaub ausfallen zu lassen
oder auf einen anderen Zeitpunkt zu verschie-
ben, wenn Reisen aus irgendeinem Grund ak-
tuell nicht möglich ist. Der Mensch braucht
regelmäßige Atempausen, um danach wieder
durchstarten zu können. „Je müder man sich
vor Urlaubsantritt fühlt, desto länger braucht
man, um sich zu erholen“, weiß der Experte
für Erholungsforschung und Erholungsförde-
rung und nennt einen zeitlichen Richtwert:
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
Ein wesent-
licher Faktor
für die
Erholungs-
fähigkeit ist
das mentale
Distanzieren
von der
Arbeit.
Ao. Univ.-Prof. Mag.
Dr. Gerhard Blasche
MEDIZIN populär . 5/2022 41
„Im Durchschnitt sind Menschen zwischen
dem fünften und dem zehnten Urlaubstag er-
holt.“
SENDEPAUSE FÜR PC UND CO
Nicht nur die Urlaubsdauer entscheidet darü-
ber, wie effizient Stress abgebaut wird, auch
das Entbinden von Verpflichtungen ist ganz
maßgeblich an diesem Erholungsprozess be-
teiligt. Der Alltag läuft meist nach festgelegten
Strukturen ab. Das hat nicht nur Nachteile:
Routinen geben uns Sicherheit und Halt. Sie
engen uns aber auch ein. Urlaub bietet die
Chance, den Tagen einen anderen Rhythmus
zu geben.
„Urlaub besteht darin, dass man eine Zeit
lang nicht arbeitet und sich vielleicht auch
ein Stück weit der Alltagsroutine entzieht“, so
Blasche. Gerade, wenn man zu Hause bleibt,
ist man oft dazu verleitet, die Urlaubstage erst
recht wieder mit Arbeit anzufüllen. Und ja, es
stimmt schon, ein Umzug oder eine nötige Re-
novierung lassen sich am besten im Urlaub er-
ledigen. Dennoch sollte darauf geachtet wer-
den, dass freie Zeit nicht zu kurz kommt. „Das
Abschalten – das mentale Distanzieren von
der Arbeit – ist ein wesentlicher Faktor für die
Erholungsfähigkeit“, erklärt der Psychologe.
Für Menschen, die ihren Arbeitsplatz während
der Pandemie nach Hause verlegt haben, ist
es wichtig, nicht visuell an die Arbeit erinnert
zu werden. Frei nach dem Motto „aus den
Augen, aus dem Sinn“ kann es hilfreich sein,
den Arbeitslaptop vorübergehend im Schrank
zu verbarrikadieren. Ein im Vorfeld erstellter
Plan, wann und wie Liegengebliebenes nach
dem Urlaub am besten abgearbeitet wird, hilft
dem Gehirn dabei, Unerledigtes leichter von
der mentalen To-Do-Liste zu streichen.
(ALLTAGS-)ROUTINEN DURCHBRECHEN
Generell ist es ratsam, die auf Arbeitsmodus
programmierten grauen Zellen aktiv abzulen-
ken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes:
Denn regungslos mit der Couch zu verschmel-
zen und sich berieseln zu lassen, ist eher kon-
traproduktiv, wenn es darum geht, tatsächlich
abzuschalten.
Ob einander
Geschichten
erzählen oder
in der Hänge-
matte lesen: Bei
einem Urlaub zu
Hause heißt es,
bewusst einmal
etwas anderes
zu machen.
å‘
Fotos:
©
Bubu
Dujmic
Photography,
Istockphoto/Robert
Daly,
42 MEDIZINpopulär . 5/2022
Ganz im Gegenteil: Um den Kopf frei zu krie-
gen, brauchen wir neue Impulse. „Das gelingt
oft besser, wenn man einen Ortswechsel voll-
ziehen kann – man kommt so leichter in ein
Urlaubsfeeling hinein“, sagt Blasche. Es gebe
aber durchaus Alternativen zu „Balkonien“:
„Wenn man zu Hause bleibt, ist es ratsam, All-
tagsroutinen bewusst zu durchbrechen. Zum
Beispiel, indem man ein Museum besucht
oder einen kleinen Ausflug tätigt.“ Auch da-
hingehende Unternehmungen sollten vom
Gewohnten abweichen. Heißt also: Wenn
möglich keine Ausflugsziele anpeilen, die man
ohnehin auch unter dem Jahr aufsucht. Im
Urlaub ist man oft spontaner, neugieriger und
probiert gerne einmal etwas Neues aus.
Sich auf unbekanntes Terrain zu wagen, setzt
dabei nicht zwingend voraus, seilgesichert
kopfüber in die Tiefe zu stürzen und Bungee-
Jumping zu betreiben. Im Kleinen kann das
auch eine Nacht im Freien sein, die man mit
den Kindern verbringt. In Schlafsäcke einge-
mummt und einander Geschichten erzählend
kann so ein Abenteuer zum emotionalen An-
kerpunkt werden, an den man sich auch spä-
ter gerne zurückerinnert. Unabhängig davon,
welche Vorhaben umgesetzt werden – ent-
scheidend ist es, nicht vor dem Computer oder
der Waschmaschine hängen zu bleiben.
ERHOLUNG WILL GEPLANT SEIN
Aus dem täglichen Trott ein Stück weit auszu-
steigen, ist speziell in den ersten Urlaubstagen
von Bedeutung. „Wenn ich mir etwas vorneh-
me, das ich ansonsten nicht tue, signalisiere
ich mir: Jetzt ist etwas anderes als Alltag an-
gesagt“, erklärt Blasche. In den Folgetagen
sei man dann mental schon mehr auf Urlaub
gepolt. Um nicht bereits am ersten Urlaubstag
mit der Frage: „Was machen wir jetzt?“ kon-
frontiert zu werden, ist eine gute Planung er-
forderlich. „Bei einer Urlaubsdestination fern-
ab vom eigenen Wohnort ist man gezwungen,
etwas anderes zu machen. Bei einem Heimur-
laub muss man es sich bewusster vornehmen“,
empfiehlt Blasche, den Urlaub zu Hause ge-
nauso zu planen wie eine Reise. Anstatt Flugti-
ckets zu buchen, darf man sich Gedanken über
tägliche Programmpunkte machen – man
Ein Ausflug mit
dem Mountainbike
ist besser, als vor
dem Computer
hängen zu bleiben.
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
MEDIZIN populär . 5/2022 43
kann Ideen für besondere Aktivitäten sam-
meln. Dabei sollten die Wünsche aller Beteilig-
ten miteinfließen und berücksichtigt werden.
Es gilt gemeinsam zu eruieren: Möchte man
Spannendes erleben? Oder will man einfach
nur die Seele baumeln lassen? Pläne verlei-
hen der freien Zeit nicht nur einen Rahmen,
darüber hinaus wecken sie auch die Vorfreude
auf die Auszeit – umso mehr noch, wenn man
etwas ganz Konkretes in der Hand hält, etwa
reservierte Konzertkarten oder eine ausgetüf-
telte Wanderroute.
DEN MOMENT ZELEBRIEREN
Letztendlich geht es darum, eine gute Balance
zwischen geplanter und unverplanter Zeit zu
finden. Denn gerade im Urlaub darf man sich
auch Augenblicke des Nichtstuns – oder viel-
mehr des Nichts-tun-Müssens – zugestehen.
Sprich: Es sollte auch ein Spielraum für spon-
tan gestaltbare Zeit offenbleiben.
Zum Beispiel, um ein ausgiebiges Urlaubs-
frühstück zu genießen – vielleicht sogar mit
außergewöhnlichen Ingredienzen, die man
sich ansonsten nicht gönnt. Überhaupt sind
symbolische Handlungen hilfreich, um leich-
ter Urlaubsgefühle entwickeln zu können. Wer
bei der Ankunft „am Meer“ normalerweise im-
mer Fischvariationen im Restaurant isst, kann
dieses Ritual auch zu Hause beibehalten und
sich ein exquisites Mahl leisten. Schmecken,
riechen, hören – die Sinneswahrnehmung be-
einflusst unser Empfinden. Der Schlüssel dazu
liegt in der Achtsamkeit: Den Fokus auf den
Moment richten und die freie Zeit voll aus-
kosten – das alles klappt besonders gut in der
Natur. Schon ein zwanzig minütiger Waldauf-
enthalt kann den Cortisol-Spiegel effizient sen-
ken. Cortisol ist ein Stresshormon, das in der
Nebennierenrinde produziert und in der Leber
abgebaut wird. Durch chronische Anspannung
erhöhte Cortisol-Werte begünstigen das Ent-
stehen von Krankheiten. Aufenthalte im Freien
können hier ein Gegengewicht setzen.
Urlaub ist weniger ein Ort als vielmehr ein Ge-
fühl. Um dieses Gefühl auch entsprechend le-
ben zu können, sollte man sich selbst fragen:
Was bringt mich tatsächlich zur Ruhe? Was tut
mir wirklich gut? n
Ein Museums-
besuch kann im
Urlaub zu Hause
Urlaubsfeeling
erzeugen.
Fotos:
©
Istockphoto/
KatarzynaBialasiewicz,
AscentXmedia
44 MEDIZINpopulär . 5/2022
Fotos:
©
istockphoto/Creative
Credit,
ilbusca
Wer durch gärtnerisches Tun etwas im Außen bewegt,
bewegt gleichzeitig etwas in sich selbst. „Garteln“
berührt die Sinne auf ganzheitliche Weise. Prim.a
Assoc.Prof.in
Dr.in
Andrea Zauner-Dungl, Leiterin des
Klinischen Instituts für Physikalische Medizin und Reha-
bilitation am Universitätsklinikum Krems.
MEDIZIN populär
Welche Auswirkungen hat das „Garteln“
auf das Wohlbefinden?
Prim.a
Assoc.Prof.in
Dr.in
Andrea
Zauner-Dungl
Die Effekte jeglicher Aktivität im Garten
sind vielfältig: Beweglichkeit, Geschick-
lichkeit und Belastungsfähigkeit ver-
bessern sich – ebenso die Grob- und
Feinmotorik. Vorhandene Fähigkeiten
und Fertigkeiten bleiben erhalten – das
ist nicht nur bei älteren oder kranken
Menschen von Bedeutung: Gleichge-
wicht und Feinkoordination lassen mit
jedem Tag, an dem wir sie nicht nützen,
nach. Außerdem wird die Sinneswahr-
nehmung – das Sehen, Hören, Riechen,
Schmecken und Fühlen – gefördert.
Auch Unruhe, Panik, Stress und Aggres-
sionen können abgebaut werden: Es
kommt zu einer allgemeinen Steigerung
des Wohlbefindens.
Im Garten aktiv zu sein, bedeutet in
Kontakt mit der Natur zu treten. Inwie-
fern ist das therapeutisch wertvoll?
Im Garten aktiv zu sein, bedeutet mit
unseren Urbedürfnissen in Kontakt zu
kommen, die für viele Menschen, die
in der Stadt leben, heute nicht mehr
präsent sind. Die Arbeit und der Bezug
zur Erde, das Beobachten des Gedei-
hens der Pflanzen und Tiere, entspre-
chen einer sehr basalen emotionalen
Ansprache aller Sinne. Gleichzeitig
nehmen wir wie selbstverständlich an,
dass die Dinge Zeit benötigen, dass wir
das Wachsen der Pflanzen, das ja von
vielen Faktoren abhängig ist, nicht wirk-
lich steuern und beeinflussen können.
Aktionen wie „Natur im Garten“, die die
Wichtigkeit natürlichen Gärtnerns in
den Mittelpunkt stellen, unterstützen
das Verständnis für die Reduktion der
künstlichen Einflussnahme auf Wachs-
tum und Ertrag.
„Garteln“ – mit der Natur wachsen
Die Natur konfrontiert uns damit, dass
jede Jahreszeit Ihre Schönheit hat, dass
unsere Sinne – Schauen, Fühlen, Duften,
Schmecken, Hören, Genießen – immer
wieder auf unterschiedlichste Weise neu
angesprochen werden. Die so entste-
hende Achtsamkeit hilft, die innere Ruhe
und Gelassenheit wieder zu gewinnen
und wertzuschätzen.
Haben Sie ein paar konkrete Anregun-
gen, wie man im Garten am besten zur
Ruhe findet?
Für manche Menschen ist die Ernte von
Gemüse in Hochbeeten ein wahrer Ge-
nuss, für andere sind es eher Blumen.
Manche Menschen genießen eine Medi-
tationslaube, manche einen Schwimm-
teich. Wichtig ist es immer, dass die
notwendigen Aktivitäten im Garten über-
schaubar bleiben und nicht überfordern.
Im Winter können Gräser oder Vogel-
häuschen Sonne in den Alltag bringen.
Auch im Herbst geerntete Zapfen, Äste
oder Früchte können den Garten in die
Wohnung bringen. Die Vorfreude, das
Planen der Aktivitäten im Garten, kön-
nen lange Winterabende verkürzen.
Im Zentrum des Tuns sollte Freude an
der Tätigkeit und mit den Dingen stehen.
Dabei sollten auch körperliche Gegeben-
Gärtnerische
Tätigkeiten
bringen Fitness,
Freude, innere
Ruhe und
Gelassenheit.
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
VO N M A G . H A G E N S C H AU B
Der Garten ist permanentes Krisengebiet, das wissen
erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner nicht erst in Zei-
ten wie diesen. Und der Hauptfeind ist die Nacktschnecke.
Es gibt zahllose Tipps, wie man den gefräßigen Plage-
geistern beikommen kann, DER Tipp ist aber nie wirklich
dabei. In schlimmen Jahren konnte ich bei mir bis zu 63
Exemplare auf einem Quadratmeter absammeln, mehr
oder weniger gut versteckt unter Blättern und Steinen.
Und nach vielen Jahren als Hobbygärtner erweist sich das
händische Absammeln und „Entfernen“ noch immer als
zielführendste Methode. Was aber mühsame Arbeit ist.
Andere Versuche können natürlich nicht schaden, auf
Chemie (Schneckenkorn  Co.) sollten naturverbundene
Gärtner aber verzichten – zum Schutz anderer Tiere.
Hilfreicher sind diese Tipps:
n Die ohnehin geschützten Weinbergschnecken sollten
wir im Garten gewähren lassen, deren Fraßschäden
sind vernachlässigbar, sie vertilgen die Gelege der
Nacktschnecken.
n Nacktschnecken legen ihre Eier gerne an feuchten,
dunklen Stellen ab. Frisch geschnittenes Gras und Laub
können hier als gute „Köder“ dienen. Schön dicht an-
gehäuft und immer feucht gehalten, locken sie die ge-
fräßigen Plagegeister zur Eiablage unwiderstehlich an.
Nach ein paar Tagen kann man den Haufen dann unter-
suchen und die Gelege entfernen (in den Restmüll, nicht
in den Komposter geben).
n Mit einer gezielt schneckenunfreundlichen Bepflanzung
kann man die Plagegeister auch vertreiben. Also alles,
was gerne gefressen wird, sollte in geschützte Hoch-
beete wandern oder gar nicht erst gepflanzt werden. Es
gibt zahlreiche Stauden, Bodendecker usw., die Nackt-
schnecken verschmähen (Listen finden sich im Internet)
und mangels Angebot dann an einen besser gedeckten
Tisch übersiedeln. q
GRÜNE
Freuden
Der Feind
in meinem
Garten
DIESMAL:
MEDIZIN populär . 5/2022 19
heiten beachtet werden. Mit einer Knie-
gelenksabnützung ist es besser, Hoch-
beete zu nutzen, als am Boden zu knien.
Hohe Bäume sind für junge Menschen
gut geeignet. Später sind jedoch mittel-
hohe Bäume oder Spalierobst eindeutig
praktischer. Wenn eine Ruhepause erst
am späteren Nachmittag möglich ist,
ist eine Sitzecke im Westen gut, zur
Mittagszeit ist eine Möglichkeit der Be-
schattung essenziell. Das Wechselspiel
Nutzer – Garten, die Garten-Nutzer-Be-
ziehung, sollte immer berücksichtigt
werden.
Welche Alternativen gibt es für Men-
schen ohne eigenen Garten?
Ein Balkonkisterl oder ein Blumenkisterl
am Fenster, Gemeinschaftsgärten oder
Dachgärten bieten zahlreiche Möglich-
keiten, die Effekte des Gartelns zu nut-
zen. So manche Gärtnerei freut sich über
Unterstützung. Ich habe beispielsweise
einen Patienten, der in einer Gärtnerei
regelmäßig einen Bonsai pflegt. Gleich-
zeitig sollten wir aber nicht vergessen,
dass jeder bewusste Schritt hinaus in
die Natur, jedes bewusste Wahrnehmen
unserer natürlichen Umwelt – vom Son-
nenstrahl bis hin zum Vogelgezwitscher
– ein Schritt zu mehr Achtsamkeit ist. q
46 MEDIZINpopulär . 5/2022
Auf in die
Wie der Urlaub
Erholung bringt
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
Auf in die
Sommer-
frische
MEDIZIN populär . 5/2022 47
Urlaubsbedürfnisse gibt es viele, doch zu den häufigsten
zählt wohl der Wunsch nach Entspannung. Was am besten
getan wird, damit der Urlaub ganz so wie die einstige
Sommerfrische gesunde Erholung bringt.
VO N M A G .a
S A B I N E ST E H R E R
E
s war einmal, und es war einmal schön,
heißt es in einem Chanson, und das
gilt wohl auch für die Sommerfrische
von anno dazumal. Auf Sommerfrische
zu gehen, das gönnten sich hierzulande ab der
Mitte des 19. Jahrhunderts neben Kaiser Franz
Joseph I. samt seinem Hofstaat auch der Adel,
diverse Würdenträger, Industrielle, Wissen-
schafter und Ärzte, wohlhabende Künstler und
begüterte Bürger. Sie verlegten ihren Wohnsitz
oft samt Personal und Hausrat aus der Stadt aufs
Land und je nach finanzieller Lage in dort extra
errichtete Sommervillen, Hotels, Gasthäuser
oder Privatquartiere. Und das über den ganzen
Sommer, um sich zu erholen. Genauer, um sich
in Sommerfrische-Regionen wie dem Gebiet um
denSemmering,demSalzkammergut,demStei-
rischen Thermenland, der Wörthersee-Gegend
oder dem Gasteinertal an der frischen Luft und
den kühlen Temperaturen zu erquicken, sich å‘
dem Müßiggang hinzugeben, durch die Gegend
zu flanieren, auch zu wandern und bergzustei-
gen, sowie – falls vorhanden – in diversen Gewäs-
sern zu baden. Doch so wie sich dereinst selbst
unter Vermögenden viele den Luxus des Lang-
zeitsommerurlaubs nur leisten konnten, indem
die Familienväter teilweise weiterarbeiteten, ist
die Sommerfrische in ihrer ursprünglichen Form
heute wohl für die meisten Österreicher mangels
ausreichend Geld und Urlaub undurchführbar.
Gut nur, dass es auch möglich ist, binnen kürze-
rer Zeit und kostengünstiger so zu urlauben, dass
die Wirkung des Urlaubs jener der früheren Som-
merfrische entspricht. Wie ein vergleichbarer
Erholungseffekt samt positivem Einfluss auf die
Gesundheit erzielt werden kann, weiß ao. Univ.-
Prof. Dr. Gerhard Blasche, Psychotherapeut und
Psychologe am Zentrum für Public Health der
Medizinischen Universität Wien, und gibt dafür
im Folgenden sieben Tipps.
Im Urlaub
immer wie-
der aktiv
zu werden,
intensi-
viert das
Urlaubs-
feeling und
macht so
die freie
Zeit zum
Gewinn für
die Gesund-
heit.
Ao. Univ.-Prof. Dr.
Gerhard Blasche
Fotos:
©
Istockphoto/AscentXmedia,
Bubu
Dujmic
Photography
2
48 MEDIZIN populär . 5/2022
Auf dass sich der Sommerur-
laub anfühlt wie die einstige
Sommerfrische empfiehlt es
sich, den Urlaub frühzeitig zu
planen. Denn schon während
der Planung und des Denkens
an den Urlaubsort und die
Urlaubssituation entsteht so
etwas wie ein Urlaubsfeeling.
„Dieses Feeling bringt noch
bevor der Urlaub beginnt,
gute, urlaubsähnliche Stim-
mung und Vorfreude in den
Alltag“, so Blasche. Und bei-
des wirkt sich schon einmal
in vielerlei Hinsicht positiv
auf die psychische und kör-
perliche Gesundheit aus.
Bereits bei der Urlaubsplanung bedacht werden sollte auch, dass es sich lohnt,
zwischen dem Antritt eines Urlaubs im Sinn der seinerzeitigen Sommerfrische
einen zeitlichen Puffer zwischen Arbeit und Abreise einzubauen. Also etwa
nicht gleich am Freitag nach der Arbeit in den Urlaubsort loszustarten, sondern
zum Beispiel erst am Montag. „So kann man verschiedene Dinge, die mit der
Arbeit, dem Haushalt oder auch noch mit der Vorbereitung auf den Urlaub zu
tun haben, in Ruhe erledigen und gedanklich damit abschließen“, sagt Blasche.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Anreise zum Urlaubsort weit-
gehend stressfrei und möglichst entspannt verläuft.
1
Früh planen
Puffer einbauen
Fotos:
©
Istockphoto/DenEmmanuel,
Andrii
Tokarchuk
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
4
MEDIZIN populär . 5/2022 49
Am Urlaubsort angekommen, sollte, wer Erho-
lung sucht, wie ehedem die Sommerfrischler
einerseits weiter nach Entspannung streben
und den einen oder anderen Tag beispielswei-
se im Liegestuhl am Seeufer verbringen. Ande-
rerseits gilt es auch immer wieder Aktivitäten
vorzusehen, und zum Beispiel eine Bergtour
zu unternehmen. „Physisch aktiv zu werden,
erleichtert es, den Alltag zu vergessen und das
Urlaubsfeeling zu intensivieren“, erklärt Bla-
sche. Und je stärker ausgeprägt das Urlaubsge-
fühl ist, desto größer ist die Urlaubsfreude und
umso eher wird die freie Zeit zum Gewinn für
die psychisch-physische Gesundheit.
Wer im Urlaub auf Social Media-Präsenz ver-
zichtet, E-Mails im virtuellen Postfach ruhen lässt
und das Phone abdreht, hat sich dem Zustand der
Erreichbarkeit der einstmaligen Sommerfrischler
angenähert, die – wenn überhaupt – wohl mehr-
heitlich über Ansichtskarten, Postkarten oder
Briefe mit Daheimgebliebenen korrespondierten.
„Sich in der freien Zeit von den genannten Tech-
nologien und ihren Möglichkeiten abzuwenden,
ist anzuraten, denn das bringt mehr Abstand zum
Alltag und zur Arbeit“, so Blasche. Und wer sich
im Urlaub von Alltäglichem distanziert, erholt
und fühlt sich während der freien Zeit und meist
auch noch länger danach besser.
3
Aktivitäten
vorsehen
Erreichbarkeit
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50 MEDIZINpopulär . 5/2022
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
Das Institut für Ökomedizin der Paracelsus
Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg
stellt immer wieder dar, wie sich Urlaube auf die
Gesundheit auswirken. Institutsleiter Dr. Arnulf Hartl
im Interview über die aktuellsten Forschungsarbeiten
und ihre Ergebnisse.
MEDIZIN populär
Herr Dr. Hartl, wie wirkt sich ein Som-
merurlaub wie die Sommerfrische von
anno dazumal mit Wandern aus?
Dr. Arnulf Hartl
Das Wandern wirkt sich ganz eindeutig
positiv auf das Immunsystem aus. Schon
nach einer Woche Wandern ist man bes-
ser vor Krankheiten geschützt, weil das
Wandern das Immunsystem insofern
stärkt, als die Immunzellen im Blut ak-
tiver sind und die Reaktivierbarkeit der
Gedächtniszellen des Immunsystems
zunimmt. Außerdem erhöht sich die
Sauerstoffsättigung des Bluts und mit
ihr die körperliche Fitness. Neben den
Blutparametern verbessern sich durch
das Wandern aber auch Stressparame-
ter wie die Herzfrequenz, und Stresshor-
mone werden abgebaut.
Wie lange halten diese Wirkungen an?
In unserer neuesten Studie, die wir im
vergangenen Dezember abgeschlossen
haben, konnten wir zeigen, dass diese
Effekte bis zu 180 Tage anhalten.
Wie ist diese Studie abgelaufen?
Die 100 Studienteilnehmer haben eine
Woche im selben Hotel in Südtirol bei
Meran verbracht, sie bekamen dasselbe
Wie sich Urlaubsaktivitäten auf die Gesundheit auswirken
Essen und denselben Wein, genossen
dasselbe italienische Flair. Die eine
Hälfte hat jeden Tag eine mehrstündige
Wanderung absolviert, die andere Hälfte
hat die Tage in verschiedenen Höhen-
lagen mit Achtsamkeitsübungen und Me-
ditation im Wald verbracht. Wobei dieser
körperlich eher passive Aufenthalt auf
die Stressparameter eine sehr ähnliche
Auswirkung wie der Wanderurlaub
hatte. Auf das Immunsystem hatten die
Meditation und Achtsamkeitsübungen
aber keinen Einfluss, auf die körperliche
Fitness auch nicht.
Welche Effekte kann eine
Sommerfrische Ihren Forschungen
nach noch haben?
Im Oktober 2021 haben wir eine Studie
abgeschlossen, für die wir Aufenthalte in
verschiedenen Arten von Natur bei Bad
Birnbach in Bayern miteinander vergli-
chen haben. Konkret in „green space“,
einem trockenen Wald, und in „green
and blue space“, einem Waldabschnitt
mit einem Wasserelement. Eine Hälfte
der 52 Studienteilnehmer verbrachte
sechs Stunden mit einer Waldtherapie
im trockenen Wald, die andere Hälfte
dieselbe Dauer mit derselben Aktivität
im Wald mit Wasserelement. Da hat sich
gezeigt, dass bei den Teilnehmern beider
Gruppen dieselben positiven Effekte
auf die Psyche, also derselbe Grad an
Entspannung und eine vergleichbare
Steigerung des Wohlbefindens eintraten.
Vor dieser Studie haben wir im Sommer
2021 getreu unseres neuen Instituts-
mottos „patients into nature, nature to
bedside“ außerdem noch die Wirkung
eines virtuellen Aufenthalts in der Natur,
konkret bei den Krimmler Wasserfällen
in Salzburg, mit einem realen Aufenthalt
bei diesen Wasserfällen verglichen.
Wie wirkt sich das virtuelle Erleben der
Krimmler Wasserfälle aus?
In der Studie ging es um die Wirkung
auf die psychische Gesundheit. Dabei
stellte sich über EEG-Messungen der
Fotos:
©
Istockphoto/BartekSzewczyk
Sommerfrische in der Wissenschaft:
INTERVIEW
Schon nach einer Woche
Wandern ist man besser vor
Krankheiten geschützt, weil
das Wandern das Immun
system stärkt. Dr. Arnulf Hartl
MEDIZIN populär . 5/2022 51
n Der Begriff Sommerfrische meinte im 19.
Jahrhundert laut dem Wörterbuch der Ge-
brüder Grimm „Erholungsaufenthalt der
Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“.
Damals wurden solche Erholungsaufent-
halte verbreitet angetreten, da mit der
Erschließung Österreichs und Europas
durch die Eisenbahn das Reisen einfacher
geworden war. Mit der wachsenden Zahl
an Sommergästen entwickelten sich auch
die Tourismusorte weiter und schufen ein
immer breiteres touristisches Angebot.
n Wer weilte wo? Zu den berühmten Per-
sönlichkeiten, die dereinst alljährlich zu
Sommerfrischlern wurden, zählten Kaiser
Franz Joseph I, der oft den gesamten
Sommer über in Bad Ischl weilte. Oder
Sigmund Freud, der die Sommermonate
unter anderem am Semmering und in Bad
Gastein verbrachte. Sowie Gustav Mahler
oder Arthur Schnitzler, die wie der Kaiser
im Salzkammergut, genauer am Attersee
und im Ausseerland den Sommer über
urlaubten.
n Eine gewisse Renaissance erlebt die Som-
merfrische aktuell: Zahlreiche Tourismus-
regionen und Tourismusorte Österreichs
werben mit dem Begriff für sich. Dies wohl
auch, weil sie auf die Sehnsucht hitzege-
plagter Stadtbewohner nach einem Urlaub
in der Kühle und ganz entspannt wie frü-
her setzen. q
Sommerfrische –
Fakten  Zahlen
Hirnströme der 27 Versuchsteilnehmer
heraus, dass ein einstündiger virtueller
Aufenthalt in einem Raum mit fotorea-
listischer und akustischer Darstellung
der Krimmler Wasserfälle auf psychisch
Gesunde dieselbe positive Wirkung auf
die Psyche hat wie ein Aufenthalt bei
den realen Wasserfällen. Für psychisch
belastete Menschen, die ja auch oft nicht
so gern hinausgehen, hatte der virtuelle
Aufenthalt aber mehr Vorteile. q
Allein ein Aufent-
halt in Wald und
Wiese reduziert
Stress, körperliche
Aktivität stärkt
außerdem das
Immunsystem.
BUCHTIPP
Blasche
Erholung 4.0
Warum sie wichtiger
ist denn je
ISBN: 978-3-99002-115-6
256 Seiten; 24,90 Euro
Facultas/Maudrich
52 MEDIZINpopulär . 5/2022
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
Urlaub bedeutet vielfach auch, wie vordem die Sommer-
frischler ungewohnterweise rund um die Uhr mit den
Liebsten, der Familie und/oder Freunden zusammen
zu sein. Allein das erhöht das Risiko für Konflikte. Aber
auch die Fragen, ob nun wie geplant die Mountain-
biketour unternommen wird oder doch eher Faulsein
angesagt ist, können zu Streits führen. „Bricht wegen
strittiger Fragen ein Streit aus, sollte dieser nicht des
Urlaubsfriedens willen unterdrückt werden, sondern
ausgetragen“, rät Blasche. Denn meist erleichtert die
Urlaubsatmosphäre Problemlösungen, und je schneller
der Groll geschwunden ist, desto besser ist der Erho-
lungseffekt und umso größer ist auch die Chance, dass
der Urlaub gesundheitlich vorteilhaft ist.
Für die Sommerfrischler von einst wurde geschaffen, was
es vor ihrer Ära oft noch gar nicht gab: Seebäder beispiels-
weise, markierte Wanderwege, gesicherte Steige im Gebirge
bis hin zu Gebirgsbahnen wie die Schneebergbahn und die
Schafbergbahn oder Seilbahnen wie die Rax-Seilbahn. So
probierten wohl etliche der damaligen Langzeiturlauber
neue Freizeitaktivitäten aus. Das sollte man ihnen gleichtun
und statt immer Rad zu fahren, auch einmal das Tennisspie-
len ausprobieren oder statt an Ruhetagen immer zu lesen,
zur Abwechslung ein Brettspiel spielen. „Denn neben Ver-
trautem, Liebgewonnenem einmal etwas anderes zu tun, et-
was anderes kennenzulernen und so auf neue Dinge zu kom-
men, bringt ein stärkeres Urlaubsfeeling“, so Blasche. Und
das macht die freie Zeit besonders erholsam und gesund.
5
Streits
austragen
å Fortsetzung von Seite 49
BUCHTIPP
Hartl, Geyer
Heilkraft der Alpen
ISBN: 978-3-7112-0016-7
224 Seiten; 22,00 Euro
Bergwelten
6
Neues
ausprobieren
Was die Dauer anbelangt, waren die Sommerfrisch-
ler von dazumal Urlaubern von heute voraus, dau-
erte doch ihr Urlaub den ganzen Sommer über. So
lang woanders als sonst zu verweilen, ist nun zwar
meist nicht möglich, mindestens eine Woche sollten
Sommerurlaube aber doch dauern. „Denn nach
sieben bis zehn Tagen stellt sich dem subjektiven
Empfinden der meisten Menschen folgend bestes
Wohlbefinden ein, und dieses Gefühl bleibt erhal-
ten, und zwar auch noch nach der Heimkehr und
dem Arbeitsantritt für etwa ein bis zwei Wochen“,
sagt Blasche. Dass das urlaubsbedingte Wohlgefühl
länger anhält, je länger ein Urlaub dauert, ist eher
unwahrscheinlich. Weshalb angepasst an die heuti-
gen Erkenntnisse empfohlen wird, statt einmal ganz
lang über den gesamten Sommer lieber öfter im
Jahr und eher kürzer auf Urlaub zu gehen. n
7
Dauer
anpassen
Neues ausprobieren: Es macht
Spaß und bringt Abwechslung
in gewohnte Urlaubsabläufe.
Fotos:
©
Istockphoto/by-studio,
ViktorCap
ZAHN
TIPP des Monats
MEDIZIN populär
Was sind die häufigsten
Ursachen für Zahnfleisch-
bluten?
Dr. med. dent.
Wolf-Dietrich Hauke
Die häufigste Ursache für
Blutungen im Mundraum
sind leichte Entzündungen
des Zahnfleisches (Gingi-
vitis), hervorgerufen durch
Beläge an den Zähnen.
Typische Symptome sind
eine deutliche Rötung und
Schwellung. Weitere Ursa-
chen können mechanische
oder thermische Reize sein,
die meist mit Verletzungen
der Schleimhaut einher-
gehen, oder auch hormo-
nelle Schwankungen wäh-
rend der Schwangerschaft
sowie körperliche Erkran-
kungen, welche sich auf die
Zahngesundheit auswirken.
Die häufigsten Erkrankun-
gen sind Diabetes Melli-
tus, Leukämie, Mangel-
ernährung und Virusinfek-
tionen.  
Zu einer oftmals nur schwa-
chen Blutung kommt es bei
einer Entzündung des ge-
samten Zahnhalteapparates
(Parodontitis). Da es sich
hierbei um eine Entzündung
des tieferen Gewebes han-
delt, kann diese auch ohne
Schwellungen und Rötungen
ablaufen.
Wann wird Zahnfleisch-
bluten gefährlich?
Sobald Zahnfleischbluten
regelmäßig auftritt, sollte
man seinen Zahnarzt zur
Abklärung aufsuchen. Sollte
sich eine Entzündung des
Zahnhalteapparates aus-
breiten, kann es zu einem
Verlust der Stabilität der
Zähne kommen.
Wie lässt sich vorbeugen?
Die beste Vorbeugung ist
eine penible und regelmäßi-
ge häusliche Mundhygiene.
Dabei sollte auch auf Hilfs-
mittel wie Zahnseide und
Interdentalbürstchen zu-
rückgegriffen werden, um
schwer zugängliche Stellen
zu reinigen.
Wie kann der Zahnarzt
unterstützen?
Durch regelmäßige Kon-
trollen kann der Zahnarzt
bei der häuslichen Mund-
hygiene unterstützen und
durch gezielte Instruktionen
auf Schwachstellen auf-
merksam machen. Eine
regelmäßige professionelle
Mundhygiene kann einen
entscheidenden Unterschied
im Erhalt der Zahnsubstanz
machen. Dabei werden die
Zahnoberflächen von einer
speziell geschulten Prophy-
laxeassistentin gereinigt.
(sfh) ❑
Zahnfleischbluten kommt sehr häufig vor. Dr. med. dent.
Wolf-Dietrich Hauke, Zahnarzt in Hollabrunn (NÖ), infor-
miert über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Illustration:
©
iStock
/
arthobbit
Hilfe bei Zahnfleischbluten
54 MEDIZINpopulär . 5/2022
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ERHOLEN
 gesund
urlauben
54 MEDIZINpopulär . 5/2022
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ERHOLEN
 gesund
urlauben
Entspannt
reisen …
… trotz „unentspannter“ Blase
MEDIZIN populär . 5/2022 55
Die Angst vor plötzlichem Harndrang kann die Freude am Reisen trüben.
Ein erholsamer Urlaub ist jedoch trotz Blasenschwäche möglich.
VO N M A G .a
SY LV I A N E U B AU E R
Die Angst vor plötzlichem Harndrang kann die Freude am Reisen trüben.
Ein erholsamer Urlaub ist jedoch trotz Blasenschwäche möglich.
VO N M A G .a
SY LV I A N E U B AU E R
å‘
W
o Verschlussmechanismen nicht
richtig funktionieren, kann es
passieren, dass unwillkürlich
Harn verloren geht. Das macht
Inkontinenz zu einer Krankheit wie jede an-
dere auch. Der Verlust über die eigene Blasen-
kontrolle ist allerdings immer noch ein mit
Scham verbundenes Tabuthema. Aus Sorge vor
einem Missgeschick meiden Betroffene Unter-
nehmungen in der Öffentlichkeit – auf größere
Ausflüge wird oft ganz verzichtet. Eine Blasen-
funktionsstörung muss allerdings kein Hinder-
nis darstellen: „Mit ein wenig Planung und Vor-
bereitung sind Reisen gut machbar“, ermutigt
Karin Müller, Obfrau des Vereins Kontinenz-
Stoma-Beratung Österreich, betroffene Men-
schen dazu, guter Dinge die Koffer zu packen.
VIELE URSACHEN, VIELE
BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
„Wichtig ist, im Vorfeld abklären zu lassen,
warum die Inkontinenz besteht“, rät Müller zu
einer urologischen Untersuchung. Man ist ja
verleitet, sich den Vorgang des Wasserlassens
so simpel wie die Entleerung eines Behälters
vorzustellen. Die Physiologie dahinter unter-
liegt jedoch einem komplexen Regelsystem: An
der Blasenkontrolle sind eine Vielzahl an Ner-
ven und Muskeln beteiligt. Für eine funktionie-
rende Kontinenz müssen diese Mechanismen
gut zusammenspielen.
Neurologische Erkrankungen wie ein Schlag-
anfall können ebenso zu Blasenfunktionsstö-
rungen führen wie ein unbehandelter Diabe-
tes – ein erhöhter Blutzuckerspiegel wirkt sich
direkt auf das Nervensystem aus. In beiden
Fällen kann es zu einer Dranginkontinenz kom-
men: Die Blase signalisiert dem Gehirn dann
bereits bei geringer Füllung, dass sie schon voll
gefüllt ist.
Auch ein Mangel an dem weiblichen Ge-
schlechtshormon Östrogen, wie er typischer-
weise nach den Wechseljahren auftritt, kann
die Symptome einer überaktiven Blase aus-
lösen. Je nach Ursache können zum Beispiel
ärztlich verschriebene und lokal angewende-
te Östrogensalben die spontane Aktivität der
Harnblasenmuskulatur hemmen. Bestimmte
Medikamente – sogenannte Anticholinergika
– entspannen die Muskulatur der Blase und er-
höhen ihre Kapazität.
Jede zweite Frau bemerkt nach dem 50. Le-
bensjahr eine Harninkontinenz unter körperli-
cher Belastung, etwa beim Husten, Niesen oder
beim Sport – man spricht von Belastungsin-
kontinenz. Aber auch Schwangerschaften, Ge-
burten oder Prostataoperationen können dazu
führen, dass der Schließmuskel einer Drucker-
höhung im Bauchraum nicht mehr gut stand-
hält. Häufig ist ein geschwächter Beckenboden
dafür verantwortlich.
DER BECKENBODEN – ELASTISCH
WIE EIN TRAMPOLIN
Der Beckenboden hält die Organe des Beckens
wie eine Art Schale in der vorgesehenen Posi-
tion zusammen. Der Verschluss der Ausschei-
dungsorgane ist Teil des Beckenbodens: Die
Schließmuskeln müssen dabei gleichermaßen
„dichthalten“ und loslassen können. Um diese
Aufgaben zu bewältigen, bilden die Muskeln
des Beckenbodens ein ausgeklügeltes Geflecht
aus drei Schichten. Diese ermöglichen es,
Drucksteigerungen durch Husten, Heben oder
Springen abzufedern. Idealerweise sollte der
Beckenboden wie ein gespanntes Trampolin
sein – fest, und dennoch elastisch.
Um ein Gespür dafür zu entwickeln, wo sich
die Beckenbodenmuskulatur überhaupt be-
findet, kann man sich vorstellen, mit den dort
ansässigen Muskeln ein Tuch vom Boden auf-
zuheben und wieder fallen zu lassen.
Regelmäßiges Beckenbodentraining kann die
Symptome einer Blasenschwäche mildern.
Fotos:
©
Istockphoto/ConstantinosZ,
_Aine_
Leichte Formen der Inkontinenz lassen sich da-
durch oft ganz beheben.
GUT GEPLANT IST HALB GEWONNEN
Doch auch akuten Problemen kann man gezielt
entgegenwirken. Menschen mit Inkontinenz
sorgen sich häufig, ob sie mit schwacher Blase
lange Flüge oder Autofahrten heil überstehen.
„Abhängig von der Art und Dauer des Urlaubs,
der Anreise und wo man übernachtet, können
entsprechende Vorbereitungen getroffen wer-
den“, beruhigt Müller und empfiehlt Betroffe-
nen, eine Kontinenz- und Stomaberatungsstelle
aufzusuchen.
Viele Unsicherheiten lassen sich bereits vor
Reiseantritt aus dem Weg räumen:
n Vorausschauend planen: „Informieren Sie
sich, ob auf dem Reiseweg ausreichend Toilet-
tenanlagen vorhanden sind und wie weit Auto-
bahn-Raststätten voneinander entfernt sind“,
rät Müller, Vorkehrungen für längere Autofahr-
ten zu treffen. Wer eine Busreise plant, sollte
sich vorab erkundigen, ob es eine Bordtoilette
gibt oder ob ausreichend Pausen eingeplant
sind. Auch für Flugreisen hat die Expertin einen
Tipp parat: „Bei der Buchung oder beim Einche-
cken sollte die Möglichkeit eines Sitzplatzes in
der Nähe der Toilette angesprochen werden“.
n Vorsorgen: Müller rät außerdem dazu, sich
„je nach Problematik rechtzeitig eine ausrei-
chende Menge an Hilfsmitteln wie saugfähige
Einlagen oder Katheter mit integriertem Urin-
beutel zu besorgen“.
n Übersetzungshilfe: Manchmal kann es den-
noch zu Engpässen kommen. In diesem Fall ist
es ratsam, sich vorab eine Liste mit den wichtigs-
ten Hilfsmitteln in der Sprache des Landes anzu-
legen, in das man reisen möchten.
n Stichwort öffentliche Toiletten: Viele euro-
päische Städte haben eigene Stadtpläne, in de-
nen sämtliche öffentlichen Toiletten eingezeich-
net sind, oder sie verfügen über Toilettenpläne,
die via Internet abrufbar sind.
n Ärztliches Attest: Ärztliche Bestätigungen
über die Art der Erkrankung und die benötigten
Therapien sind besonders dann wichtig, wenn
Probleme auftauchen oder im Urlaub ein Arzt-
besuch nötig wird. Zu beachten ist, dass Medi-
kamente im Ausland oft unter einem anderen
Namen registriert sind. n
56 MEDIZINpopulär . 5/2022
Eine Liste mit den wichtigsten
Hilfsmitteln in der jeweiligen
Landessprache kann in
Notsituationen helfen.
Karin Müller
Trotz Blasen-
schwäche ist es
wichtig, viel zu
trinken. Passiert
das nicht, wird
der Urin stark
konzentriert. Das
führt erst recht
zu vermehrtem
Harndrang.
Außerdem beugt
regelmäßiges
Wasserlassen
einer Blasenent-
zündung vor.
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
Foto:
©
Istockphoto/SolStock
EXTRA
GUT
ERHOLEN
 gesund
urlauben
58 MEDIZINpopulär . 5/2022
Wer mit dem
Auto verreist,
sollte sich
vorher erkun-
digen, wie weit
Autobahnrast-
stätten vonei-
nander entfernt
sind bzw. wo
Toilettenpausen
möglich sind.
WEBTIPP
www.kontinenzgesellschaft.at
Betroffene finden auf dieser Seite Wissenswertes zum Thema
Blasenschwäche. Sie können ihre Fragen auch per
Telefon (0810/100 455) an Experten richten.
Helferlein im Handgepäck
M
öglichst unmittelbar vor Fahrtantritt
sollte die Blase nochmals entleert wer-
den. Weite Kleidung, die sich schnell
öffnen lässt, sowie Kleingeld für die Toilette er-
leichtern die Reise.
n Auf Autobahnen: Dort sind öffentliche WCs
in regelmäßigen Abständen ausgeschildert.
Auf Nebenstraßen oder innerhalb von Ort-
schaften kann das Auffinden eines „stillen
Örtchens“ schwieriger werden. Hier bieten
Toiletten-Finder-Apps, die auf dem Smart-
phone installiert werden können, Abhilfe –
sie lotsten schnell zum Ziel.
n Hilfsmittel in Griffweite halten: Insbeson-
dere auf Flugreisen ist es sinnvoll, Medika-
mente und blasenunterstützende Präparate
mit Wirkstoffen wie z.B. der Preiselbeere so-
wie Inkontinenzhilfsmittel auf verschiedene
Gepäckstücke zu verteilen, um vor unlieb-
samen Überraschungen bei Verlust eines Ge-
päckstückes gefeit zu sein. Eine ausreichende
Reserve im Handgepäck sowie der Gebrauch
von stärker saugenden Einlagen während
der An- und Rückreise helfen, unangenehme
Situationen im Falle von Verspätungen und
zusätzlichen Zwischenstopps zu vermeiden.
n Wertvolle Reisebegleiter: „Auf Autofahrten
kann man Urinalbags benutzen“, sagt die Kon-
tinenz-Beraterin und erklärt: „Das sind Hilfs-
mittel, ähnlich einer mobilen Toilette. Sie ver-
fügen über einen Beutel mit einem Aufsatz, in
den man hineinurinieren kann.“
n Ausreichend trinken: Viele Reisende mit In-
kontinenzproblemen vermindern ihre Flüssig-
keitszufuhr, während sie unterwegs sind, um
häufigen Blasenentleerungen vorzubeugen.
Das ist insofern kontraproduktiv, als dass „der
stark konzentrierte Urin, der dadurch erzeugt
wird, erst recht zu vermehrtem Harndrang
führt“, rät Müller davon ab, weniger zu trin-
ken. Die aggressiven Bestandteile des Harns
reizen die Blasenschleimhaut. Außerdem ver-
hindern eine ausreichende Flüssigkeitsauf-
nahme und damit verbundenes häufiges Was-
serlassen, dass sich Bakterien in der Harnröh-
re festsetzen. Eine Blasenentzündung könne
eine Inkontinenz verstärken, so die Expertin.
n Harntreibende Getränke meiden: Das
ideale Getränk für unterwegs ist stilles Was-
ser. Kohlensäurehaltige und stark zucker-
haltige Getränke können die Blase reizen.
Künstliche Süßstoffe beeinträchtigen die Bla-
senkontrolle ebenso wie Koffein und Alkohol
– Kaffee und schwarzen Tee sollte man daher
eher meiden. n
Foto:
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Istockphoto/
Kangah
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  • 1. 5/2022 2. Mai 2022 € 3,50 Das führende Gesundheitsmagazin Österreichs Fit mit Motor Mit dem E-Bike unterwegs Endlich Nichtraucher! So kann’s klappen Vom Winde verweht Hilfe bei Darmgeräuschen Veggies www.medizinpopulaer.at Mehr GUT FÜR KÖRPER & KLIMA
  • 2. Fotos: © BioLife ier von fünf Österreicher:innen sind einmal in ihrem Leben auf eine plasmabasierte Therapie angewiesen – bei einer Not-OP oder Verletzung kann jede:r das Lebenselixier Plasma benö- tigen. BioLife will dies allen Menschen im Land mit einer Initiative vor Augen führen und das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Spende stärken. zu Monika Wiesner, Head of Commu- nications der BioLife Plasmazentren: „Mein Plasma kann soll aufzeigen, dass jede:r Menschen aus seinem en- gen Umfeld oder auch sich selbst Si- cherheit und Geborgenheit mit einer Plasmaspende schenken kann. Blut- plasma ist nämlich ein unersetzlicher Rohstoff, der nicht künstlich herge- stellt werden kann.“ # Mein·Alltag·kann Jährlich verzeichnet Österreich über 700.000 Unfälle mit fast gleich vielen verletzten Personen. Knapp 30.000 Per- sonen werden pro Jahr im Land als Schwerstverletzte behandelt (KFV Un- fallbilanz 2021). Plasmabasierte The- rapien kommen bei seltenen Erkran- kungen, bei Verbrennungen, Verletzun- gen oder für Operationen zum Einsatz. Wiesner: „Auch bei größter Vorsicht können Unfälle passieren, bei denen ein Arzneimittel aus Plasma benötigt wird, wie etwa einen Fibrinkleber zum Wundverschluss. Immerhin 80 % aller Österreicher:innen sind einmal auf ei- ne Behandlung mit einer plasmabasier- ten Therapie angewiesen. Auch dürfen wir jene Mitmenschen nicht vergessen, die aufgrund einer seltenen Erkran- kung oft ein Leben lang auf eine The- rapie aus Plasma angewiesen sind. Plasma ist für manche Erkrankungen die einzige Behandlungsoption“, stellt Wiesner klar. BioLife Plasmazentren starten Initiative zur Wichtigkeit von Blutplasma # Mein·Weg·zur·Spende Mit „Mein Plasma kann“ wollen die BioLife Plasmazentren Men- schen für die Wichtigkeit der Plasmaspende sensibilisieren und aufzeigen, dass jede:r ein- mal auf eine plasmabasierte Therapie angewiesen sein kann. Kampagnenclips, weitere Infos und der Weg zur Spende unter meinplasma.at Infobox # Mein·Plasma·kann Menschlichkeit ist eine Grundhaltung, die gerade in Österreich oft keine Gren- zen kennt. So spenden jährlich auch 30.000 Menschen ihr Blutplasma in ei- nem BioLife Plasmazentrum. Aus einer Plasmaspende werden unzählige Thera- pien hergestellt, die Versorgungssicher- heit für Patient:innen sicherstellen. Da- „Blutplasma ist ein unersetz- licher Rohstoff, der nicht künstlich herge- stellt werden kann.“ Monika Wiesner, Biolife V # Meine·Spende·kann Plasmaspenden ist in Österreich in zwölf spezialisierten Plasmaspende- zentren möglich. Dabei wird nur das Blutplasma – der flüssige Bestandteil des Blutes – entnommen. Die roten und weißen Blutkörperchen und Blut- plättchen erhalten Spender:innen wie- der zurück (Plasmapherese). „Die Plas- maspende ist ein schonendes Verfah- ren, da der Körper die entnommenen Eiweiße nach wenigen Tagen wieder er- setzt hat. Plasmaspenden ist bis zu 50 Mal im Jahr möglich“, erklärt Wiesner und ergänzt: „Die Spende wird unter professioneller Betreuung geleistet: Spender:innen machen es sich ca. 45-60 Minuten auf einer Liege bequem und nützen die Zeit für sich.“ Für eine Spende kommen gesunde Erwachsene von 18 bis 60 Jahren in Frage. Advertorial Hier erhalten Sie Einblicke in die Initiative der BioLife Plasmazentren Gewebe kleben. Blutungen stoppen. Leben retten.
  • 3. MEDIZIN populär . 5/2022 3 EDITORIAL VERZICHT, DER SICH LOHNT © Cover-Foto iStock/Md Zakir Mahmud; ingimage; Tom Silvia Feffer-Holik Chefredakteurin Einfach drauflosradeln Das steigende Umweltbewusstsein zeigt sich auch in der Wahl des Fortbewegungs- mittels. Mehr als eine Million E-Bikes sind jetzt schon auf Österreichs Straßen unter- wegs, bald werden es mehr sein. Denn viele möchten ihre Alltagserledigungen zuneh- mend mit dem Rad machen – und im Zuge dessen etwas für ihre Gesundheit tun. Was bei E-Bike-Fahrten zu beachten ist und warum insbesondere Herz und Kreislauf davon profitieren, lesen Sie ab Seite 66. Viel Vergnügen beim Lesen des aktuellen Mai-Heftes und jede Menge interessanter Anregungen wünscht Ihnen herzlichst mmer mehr Menschen setzen sich für den Schutz unseres Planeten ein. Eine sehr wirksame Maßnahme findet dabei oft zu wenig Beachtung: der Blick auf den eigenen Teller. Denn mit jeder Mahlzeit lässt sich ein wichtiger Beitrag für die Um- welt leisten. Das könnte damit beginnen, weniger Fleisch zu essen. Massentierhaltung, die Verarbeitung und der Transport von Fleisch sind weltweit für fast die Hälfte der ernährungsbezogenen Treibhausgase verantwortlich. Und Öster- reich liegt mit einem Fleischkonsum von 60,5 Kilogramm pro Person und Jahr im europäischen und weltweiten Spitzenfeld. Wie aus einer Umfrage des World Wide Fund For Nature (WWF) Österreich hervor- geht, handelt vor allem die junge Genera- tion in Hinblick auf die Klimakrise anders: Junge Menschen ernähren sich doppelt so häufig vegetarisch oder vegan wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Wie nicht nur die Umwelt, sondern auch die eigene Gesundheit von pflanzenbasier- ter Ernährung profitiert und warum (Pflan- zen-)Vielfalt auf dem Teller so wichtig ist, erfahren Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 6. I MEDIZIN populär auf facebook: https://facebook.com/medizinpopulaer/
  • 4. 4 MEDIZIN populär . 5/2022 37 EXTRA – GUT ERHOLT & GESUND URLAUBEN 38 Dahamas statt Bahamas Urlaub daheim – so klappt’s! 46 Auf in die Sommerfrische! Wie der Urlaub Erholung bringt. 54 Urlaub trotz Blasenschwäche Was den Umgang damit erleichtert. RUBRIKEN 3 Editorial 34 Nachgefragt 45 Grüne Freuden 59 Gesunde Tipps 81 Impressum 82 Preisrätsel Welche Rolle die Klima- krise beim Umstieg auf fleischfreie Ernährung spielt. INHALT 66 Fotos: © djd / Jentschura International / Phovoir / shutterstock, iStock / pixdeluxe, www.flyer-bikes.com | pd-f Mehr dazu in unserem Titelthema 6 TITEL 6 Veggies: Gut für Körper & Klima Was bei vegetarischer und veganer Ernährung zu beachten ist. KOSMETIK & PFLEGE 16 Gut geschützt ins Freie Nur Sonnencreme ist zu wenig. Wie Sie die Sonne sicher genießen. MEDIZIN & TRENDS 24 Vom Winde verweht ... Furz & Blähbauch: Was man für eine „windstille“ Verdauung tun kann. 53 Zahntipp des Monats Diesmal: Hilfe bei Zahnfleischbluten 60 Serie: Was hilft bei ... Diesmal: Hitzewallungen & Schlaf- störungen im Wechsel? 72 Rauchfrei! So klappt es Ein Rauchstopp gelingt viel leichter mit Unterstützung. Und die ist viel- fältig, lesen Sie nach! 78 Serie: Operationen im Fokus Teil 24: Skoliose-Operation FITNESS & ENTSPANNUNG 66 Fit mit Motor Wie E-Bike-Fahren die körperliche und seelische Gesundheit fördert. GESUNDHEITSPOLITIK 36 Jugend initiiert Volksbegehren ÖÄK unterstützt Forderung nach mehr Psychologen und Psychiatern. INHALT AUSGABE MAI
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  • 6. 6 MEDIZIN populär . 5/2022 TITEL Veg ie g Wie die Gesund- heit von pflanzen- basierter Ernährung profitiert, warum Vielfalt auf dem Teller so wichtig ist und wie der Abschied von Schnitzel & Co genussvoll gelingen kann. s
  • 7. MEDIZIN populär . 5/2022 7 Gut für Körper&Klima W ie vielfältig der Umgang mit vegetarischer und veganer Ernährung hierzulande ist, zeigen die folgenden Beispiele: n Für die 14-Jährige Emma ist der bewusste Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel ein politisches Statement. So wie viele ihre Mit- schülerinnen und Mitschüler möchte sie durch ihre vegane Lebensweise ein Zeichen gegen Massentierhaltung, Ressourcenvergeudung und Bodenzerstörung setzen. Ihre Eltern, die beide Fleisch essen, akzeptieren Emmas Ent- scheidung, machen sich aber Sorgen um mög- liche Mangelerscheinungen. n Iris (29) ernährt sich seit ihrer Studienzeit ausschließlich pflanzlich und fühlt sich damit richtig wohl. In sieben Monaten erwartet die Lehrerin ihr erstes Kind. Plötzlich ist sie verun- sichert, ob sie ihre vegane Lebensweise auch in dieser besonderen Zeit fortsetzen kann und soll. Schließlich ist sie jetzt nicht nur für ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die opti- male Entwicklung ihres Babys verantwortlich. n Fleisch, Eier und Milchprodukte kommen bei Thomas (35) täglich auf den Tisch. Er trai- niert mehrmals pro Woche im Fitnessstudio und macht Ausdauersport. Obwohl er sich als „Fleischtiger“ bezeichnet, ist Thomas offen für alternative Ernährungsformen. Seine neue Partnerin möchte ihn von den Vorteilen einer veganen Ernährung überzeugen. Der Sportler bezweifelt, dass er auf tierisches Eiweiß ver- zichten kann, ohne seine mühsam antrainier- ten Muskeln zu riskieren. ‘ Fotos: © djd / Jentschura International / George Rudy-shutterstock, ingimage (2), iStock / Natalia Deriabina ? ? VO N M AG . a N ATA S C H A GA Z Z A R I ?
  • 8. 8 MEDIZIN populär . 5/2022 TITEL PFLANZENKRAFT AUF DEM VORMARSCH Acht Prozent der Österreicherinnen und Öster- reicher gaben bei einer 2018 durchgeführten re- präsentativen Umfrage an, vegetarisch zu le- ben, ein Prozent vegan. In den letzten vier Jah- ren dürfte der Prozentanteil merkbar gestiegen sein und Schätzungen zufolge bei zehn Prozent bzw. zwei Prozent liegen. Mag.a Katharina Petter von der Veganen Gesell- schaft Österreich kennt die Motive, warum im- mer mehr Menschen bewusst auf tierische Pro- dukte verzichten: „Meist stehen tierethische Mo- tive im Vordergrund, d.h. sie möchten nicht län- ger dazu beitragen, dass Tiere getötet werden und unter den heute üblichen Bedingungen in der Massentierhaltung leiden müssen. Gerade bei den Jungen sind auch ökologische Gründe entscheidend. Durch den Umstieg auf eine ve- gane Ernährung möchten sie einen Beitrag zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe leisten.“ Nicht zuletzt spielen für viele auch gesundheitli- che Aspekte eine Rolle beim Umstieg auf eine fleischlose Ernährung. VERZICHT, DER SICH LOHNT Für die Wiener Ernährungswissenschafterin lie- gen die gesundheitlichen Vorteile einer vorwie- gend bzw. rein pflanzlichen Ernährung auf der Hand: „Sie ist reich an vielen Vitaminen und Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Pflanzliche Lebensmittel ent- halten kein Cholesterin und nur wenige gesät- tigte Fettsäuren, dafür viele wertvolle ungesät- tigte Fettsäuren.“ Fotos: © ingimage (2), iStock / GMVozd, djd/Jentschura International/ Phovoir/shutterstock Tierethische Motive ste- hen beim Verzicht auf Fleisch und tierische Pro- dukte meist im Vorder- grund. Mag.a Katharina Petter © Carina Fürnkranz Sich pflanzenbasiert zu ernähren, kann dabei helfen, das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthoch- druck und Diabetes zu senken. Proteinquellen wie Sojaprodukte sollten bei einer pflanzenbasierten Ernährung mit auf den Teller. V
  • 9. Das vorteilhafte Fettsäuremuster führt dazu, dass vegetarisch und vegan lebende Menschen in der Regel einen niedrigeren Cholesterinspie- gel aufweisen. Und eine pflanzenbasierte Ernäh- rung kann dabei helfen, das Risiko für chroni- sche Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. DIE VIELFALT MACHT‘S Um tatsächlich in den Genuss der gesundheits- wirksamen Vorteile einer pflanzenbasierten Er- nährung zu kommen und den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, sollten die Mahlzeiten möglichst abwechslungsreich sein. Eine ausgewogene vegetarische Ernährung ba- siert auf Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Nüssen, Samen und gegebe- nenfalls aus Milchprodukten und Eiern. Katharina Petter empfiehlt, sich bei der Zusam- menstellung der Mahlzeiten am „gesunden Er- nährungsteller“ zu orientieren: „Die Hälfte des Tellers sollte aus Gemüse und Obst bestehen, wobei anteilig etwas mehr Gemüse als Obst ge- gessen werden sollte. Ein knappes Viertel fällt auf Vollkorngetreide wie Brot, Haferflocken und Vollkornnudeln, ein weiteres knappes Vier- tel besteht aus Proteinquellen wie Hülsenfrüch- ten, Tofu und anderen Sojaprodukten. Wer möchte, greift als Eiweißquelle zu Milchpro- dukten und Eiern. Der verbleibende Rest wird durch Nüsse und Samen ergänzt. Hinzu kom- men hochwertige Pflanzenöle.“ Wer beim Einkauf auf biologische, regionale und saisonale Lebensmittel achtet und auf hoch verarbeitete Ersatzprodukte sowie exotische Lebensmittel verzichtet, leistet zudem einen wertvollen Beitrag in Sachen Klimaschutz: „Ver- glichen mit einer omnivoren Ernährung werden mit einer veganen Ernährung 70 Prozent an Treibhausgasen eingespart“, weiß die Ernäh- rungsexpertin. PFLANZLICHE EIWEISSPOWER Gerade für sehr sportliche Menschen wie Tho- mas spielt eine optimale Versorgung mit Protei- nen eine wichtige Rolle. Oft bestehen Zweifel, ‘ MEDIZIN populär . 5/2022 9 BUCHTIPP Copien, Rittenau Vegane Ernährung für Einsteiger Das wichtigste Basiswissen und schnelle Rezepte ISBN 978-3-8310-4325-5 272 Seiten, € 19,95 Dorling Kindersley Hochwertiges Protein, das auch in unver- arbeiteten Hülsenfrüchten steckt, ist in sei- ner Wertigkeit sogar besser als Rind- und Schweine- fleisch. Veg ie g s
  • 10. 10 MEDIZIN populär . 5/2022 TITEL ob mit einer rein pflanzlichen Ernährung der Ei- weißbedarf ausreichend gedeckt werden. Die Ernährungswissenschafterin klärt auf: „Hoch- wertiges Protein, das in Bezug auf die biologi- sche Wertigkeit fast so gut ist wie das Protein ei- nes Hühnereis und sogar deutlich besser als z.B. Rind- und Schweinefleisch, erreicht man durch die Kombination von Hülsenfrüchten mit Ge- treide.“ Eine besonders hohe Eiweißqualität un- ter den Hülsenfrüchten haben Sojabohnen, die mittlerweile sogar im Burgenland und in Ober- österreich angebaut werden. Sojaprodukte wie Tofu, Sojaschnetzel/-granulat oder Sojajoghurt sind ideale Eiweißlieferanten. Interessant für Sportler sind Sojaprodukte aufgrund ihres im Vergleich zu den unverarbeiteten Hülsenfrüch- ten geringeren Ballaststoffgehalts. Tofu & Co sind dadurch deutlich leichter verdaulich und können auch in größeren Mengen verzehrt wer- den. „Sportler können sich auf diese Weise sehr gut mit Eiweiß versorgen“, so Katharina Petter. Diese Kombinationen haben es in sich: n Spaghetti mit Soja-Bolognese n Chili sin Carne (Bohnen, Sojaschnetzel und Mais) mit Gebäck oder Reis n Reis mit Linsen Dal (indisches Linsengericht) n Porridge aus Haferflocken, Sojamilch, Nüssen n Reis mit Tofu und Gemüse n Brot mit Hummus n Quinoa-Bohnen-Salat AUF KRITISCHE NÄHRSTOFFE ACHTEN Basiert die vorwiegend bzw. rein pflanzliche Ernährung auf der oben erwähnten Vielfalt, kann ein gesunder Erwachsener fast alle wichti- gen Nährstoffe damit abdecken. Immer ergänzt werden sollte Vitamin B12, und zwar unabhän- gig vom Alter. Das für den Körper essenzielle Vi- tamin ist fast ausschließlich in tierischen Le- bensmitteln wie Leber, Fleisch oder Milchpro- dukten enthalten und muss bei einer veganen Ernährung durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Während Vegane- rinnen und Vega- ner keinerlei tierische Produkte konsumieren, werden bei der vegeta- rischen Ernährung drei Formen unterschieden: Vegetarisch, vegan: Was bedeutet das? Ovo-lakto-vegetarisch Menschen, die weder Fleisch noch Fisch, aber Milch und Eier essen. Diese Form wird meist als „vege- tarisch“ bezeichnet. Lakto-vegetarisch Menschen, die weder Fleisch noch Fisch noch Eier essen, aber Milchprodukte zu sich nehmen. Ovo-vegetarisch Menschen, die weder Fleisch noch Fisch noch Milch konsu- mieren, aber Eier essen. q Ein Porridge aus Hafer- flocken, Soja- milch und Nüssen birgt wertvolles Protein. Veg ie g s
  • 11. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung gel- ten bei einer veganen Ernährung auch folgen- de Nährstoffe als kritisch: Die Vitamine Ribo- flavin und Vitamin D, die Mineralstoffe Kal- zium, Eisen, Jod, Zink und Selen sowie essen- zielle Aminosäuren und langkettige Fettsäuren. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass es bei diesen Nährstoffen zwangsläufig zu einem Mangel kommt, wenn sie nicht zugesetzt werden“, rela- tiviert die Ernährungswissenschafterin. So können beispielsweise Paranüsse mit Selen versorgen, Algen mit Jod, Hefeflocken und Wei- zenkeime mit Riboflavin. Eisen kommt z.B. in verschiedenen grünen Gemüsesorten, Vollkorn- produkten, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und Samen vor. Die Aufnahme von Eisen kann durch eine gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C in Form von frischem Obst und Gemüse deutlich gesteigert werden. Kalzium ist in vielen grünen Gemüsesorten, Tofu, kalziumreichem Mineral- wasser, Nüssen und Samen enthalten. Gute Zinkquellen sind z.B. Kürbiskerne, Nüsse und Samen. Wer für seine Mahlzeiten sowohl Hülsenfrüchte als auch Getreide verwendet, ist mit essenziellen Aminosäuren gut versorgt. Die langkettigen Fettsäuren Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure können etwa in Form von Algenöl aufgenommen werden. ‘ Wenn man eine Umstel- lung beglei- tet, ist eine vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern und Jugend- lichen gut möglich Univ.-Prof.in PD Dr.in Nadja Haiden, MSc © Alek Kawka Nüsse und Samen ent- halten viel Kalzium, Zink und B-Vitamine. Fotos: © djd / Jentschura International, iStock / Ivan Kovbasniuk
  • 12. 12 MEDIZIN populär . 5/2022 TITEL REIN PFLANZLICH FÜR MUTTER UND KIND? Eine ausgewogene vegetarische Ernährung, die zwar auf Fleisch und Fisch verzichtet, jedoch Milchprodukte und Eier einbezieht, ist auch während der Schwangerschaft, in der Stillzeit sowie im Säuglings- und Kleinkindalter eine gute Möglichkeit den Nährstoffbedarf ausrei- chend zu decken. Kritischer sehen Kinderärztin- nen und Kinderärzte wie Univ.-Prof.in PD. Dr.in Nadja Haiden, MSc, Vorsitzende der Ernäh- rungskommission der ÖGKJ, eine rein vegane Ernährung bei den oben erwähnten Gruppen. „Aufgrund des erhöhten Risikos einer mögli- chen Unterversorgung mit wichtigen Nährstof- fen spricht die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde derzeit keine Emp- fehlung für die vegane Ernährung in Schwan- gerschaft, Stillzeit und den ersten Lebensjahren aus.“ Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte sich gut mit dem Thema auseinandersetzen und sich professionell begleiten lassen, sei es vom Hausarzt, vom Kinderarzt, von einer Diätologin oder von einer Ernährungswissenschafterin. Besonders wichtig ist eine ausreichende Versor- gung mit Vitamin B12 für schwangere Frauen wie Iris. Ein Vitamin B12-Mangel der Mutter kann beim Ungeborenen zu einem beeinträch- tigten Wachstum sowie zu geistigen und moto- rischen Einschränkungen führen. Ist die stillen- de Frau nicht ausreichend mit Vitamin B12 ver- sorgt, ist auch der Vitamin B12-Gehalt der Mut- termilch niedriger, und das wiederum kann sich negativ auf die Entwicklung des Säuglings aus- wirken. „Wird das Kleinkind nach dem Abstillen vegan ernährt, muss Vitamin B12 beim Kind unbe- dingt ergänzt werden, um neurologische Schä- den, die nicht rückgängig zu machen sind, zu vermeiden“, so der Appell der Kinderärztin. Eisen zählt ebenfalls zu den kritischen Nährstof- fen, sowohl bei Schwangeren als auch bei Kin- dern. Es spielt eine wichtige Rolle für das kind- liche Wachstum und die Entwicklung. Gerade in der Schwangerschaft ist eine Ergänzung bei den meisten Frauen erforderlich, selbst wenn sie Fleisch essen. Vitamin D wird im ersten Lebensjahr standard- mäßig ergänzt und sollte bei einer veganen Er- nährung ebenfalls immer kontrolliert und wenn nötig ergänzt werden. Weitere potenziell kriti- sche Nährstoffe sind Proteine, Omega-3-Fett- säuren sowie Kalzium, Zink und Jod. Um mög- liche Mängel frühzeitig zu erkennen und wenn nötig ausgleichen zu können, empfiehlt die Expertin halbjährliche bis jährliche Kontrol- Eine sichere Orientierungshilfe: Das V-Label – eine international an- erkannte und ge- schützte Marke zur Kennzeichnung vegetarischer und veganer Produkte. Einheitliche Kri- terien und regel- mäßige Kontrollen machen es europa- weit zu einem einzigartigen Qualitätssiegel. Veganer konsumieren keinerlei tierische Produkte, sondern nur Pflanzliches. Veg ie g s
  • 13. MEDIZIN populär . 5/2022 13 len mittels Blutuntersuchung. Eltern, deren Kin- der den Wunsch äußern, sich vegetarisch oder vegan ernähren zu wollen, rät Nadja Haiden, sich gut mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Wenn man eine Ernährungsumstellung profes- sionell begleitet, sich gut informiert und kriti- sche Nährstoffe, allen voran Vitamin B12, er- gänzt, ist eine vegetarische und auch vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen gut möglich.“ n WEBTIPP www.vegan.at/veganer-monat Der kostenlose Newsletter „Der vegane Monat“ der Veganen Gesellschaft Österreich liefert einen Monat lang alle zwei Tage schmackhafte Rezepte, praktische Tipps und Hintergrundinfos. Wird ein Kleinkind nach dem Abstillen vegan ernährt, muss unbedingt Vitamin B12 ergänzt werden. Fotos: © ingimage, iStock / Zukovic
  • 14. 14 MEDIZIN populär . 5/2022 TITEL Für 2 Portionen ∂ 3 Liter Wasser aufkochen, mit 1 EL Salz würzen und die Pasta darin in 8 Minuten al den- te kochen. Den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Währenddessen sämtlichen Tofu (300 g) zwischen Küchenpapier kräftig ausdrücken, dann mit den Händen zerkrümeln. Die Zwiebel fein würfeln. ∑ Für die Sauce eine große beschichtete Pfanne stark er- hitzen, die Zwiebel und die Hälf- te des Tofus hineingeben, das Öl darüberträufeln und alles 6 Mi- nuten bei starker Hitze braun braten. Tomaten und Spinat zufügen, die Tomaten mit dem Pfannenwender zerkleinern. Zucker, 1 TL Salz, 1 großzügige Prise Pfeffer und die Sojasahne dazugeben, unterrühren und einmal kräftig aufkochen. Die Sauce mit Salz, Pfeffer und nach Belieben Kräutern abschmecken. ∏ Ein Drittel der Sauce in ei- ner ofenfesten Form verteilen und die Pasta mit der Öffnung nach oben hineinsetzen. Den Rest der Sauce darüber vertei- len oder die Shells damit füllen. Alle Zutaten für das Topping gut verkneten und über den Nudeln verteilen. π Das Gericht 10 Minuten im Ofen backen, in den letzten 3 Mi- nuten den Grill dazuschalten, da- mit der käsige Tofu schön braun und knusprig wird. q Rezepte und Foto: © Rittenau, Copien Vegane Ernährung für Einsteiger – Das wichtigste Basiswissen und schnelle Rezepte Zutaten Pasta Salz 200 g Pastashells (Muschelnudeln) Sauce 150 g fester weißer Tofu 1 große rote Zwiebel, geschält 3 EL Olivenöl 400 g Pelati-Tomaten 150 g junger Spinat, geputzt 1 TL Zucker Salz, frisch gemahlener Pfeffer Italienische Kräuter (nach Belieben) Käsiges Tofu-Topping 150 g fester weißer Tofu 2 EL Olivenöl 3 EL Würzhefeflocken 1 EL Apfelessig 1 gestr. TL Salz Pasta Shellsmit Tofu-Spinat-Füllung und Topping
  • 15. Für 2 Portionen Zutaten Blitzpolentamit rauchigen Bohnen und Blumenkohlsalat Rauchige Bohnen 2 Knoblauchzehen, geschält 2 EL natives Olivenöl extra 240 g Riesenbohnen (aus der Dose; oder kleine weiße Bohnen), plus 3 EL Bohnenwasser geräuchertes Paprika- pulver Salz, frisch gemahlener Pfeffer 10 Kirschtomaten Blumenkohlsalat 200 g Blumenkohl 5 Stängel Petersilie (oder 20 Basilikumblätter) 750 ml Sojadrink Salz 2 EL Olivenöl 1 EL Ahornsirup 2 EL Apfelessig frisch gemahlener Pfeffer Polenta 150 g Minutenpolenta 2 EL natives Olivenöl extra Salz, frisch gemahlener Pfeffer chen und dann bei schwa- cher Hitze ziehen lassen. Den Blumenkohl aus dem Topf nehmen und mit dem Dressing in der Schüssel mischen. ∏ Den Sojadrink im Topf bei mittlerer Hitze wieder erwärmen. Die Polenta un- ter beständigem Rühren mit dem Schneebesen ein- rieseln lassen und kurz aufkochen, bis sie abbin- det; noch 1 Minute rühren, bis der Schaum des Soja- drinks verschwindet. Die Polenta vom Herd nehmen, das Öl einrühren und mit Salz und Pfeffer abschme- cken. Zwei Teller mit je der Hälfte der Polenta aus- streichen, die Bohnen darüber verteilen und mit Blumenkohl dekorieren. q ∂ Für den Salat den Blumenkohl in 4 cm große Röschen teilen, die Peter- silie fein hacken. Sojadrink, 1 TL Salz und Kohl in ei- nem Topf aufkochen lassen, vom Herd nehmen und zu- gedeckt 5 Minuten ziehen lassen. Petersilie mit den restlichen Salatzutaten zu einem Dressing verrühren. ∑ Knoblauch fein schneiden. Eine kleine Pfanne stark erhitzen, Knoblauch und Öl hinein- geben und in 1 Minute leicht braun braten. Die Bohnen mit Bohnenwasser dazugeben, mit 1 großzügi- gen Prise Paprikapulver, sowie je 1 Prise Salz und Pfeffer abschmecken. Die Tomaten halbieren, dazu- geben, alles einmal aufko-
  • 16. 16 MEDIZINpopulär . 5/2022 KOSMETIK & PFLEGE Ab Mai wird die Sonnenein- strahlung besonders intensiv und für die Haut mitunter zum Problem. Wie viel Sonne die Haut verträgt und wie man sie am besten schützt. V O N M A G . W O L F G A N G B AU E R geschützt ins Freie Gut I m Frühling zieht uns die Sonne fast ma- gisch ins Freie – um die Natur zu genie- ßen, spazieren zu gehen, Sport zu treiben oder im Garten zu arbeiten. Doch so wohl- tuend und anregend der Aufenthalt in der Sonne auch sein mag: Das Sonnenlicht ist auch brandgefährlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn seine ultraviolette (UV-) Strahlung kann zu verschiedenen Schäden und Beeinträchtigungen der Haut führen. für die Sonnentage Tipps Istockphoto/gradyreese å‘
  • 17. MEDIZIN populär . 5/2022 17
  • 18. 18 MEDIZINpopulär . 5/2022 KOSMETIK & PFLEGE 1 2 3 SONNE LÄSST DIE HAUT ALT AUSSEHEN Sonnengebräunte Haut gilt für viele immer noch als jung, fesch und gesund. Doch aus medizi- nischer Sicht ist das Gegenteil der Fall. Die Bräunung, genauer gesagt die Bildung des Farb- stoffes Melanin in der Oberhaut, stellt einen Selbstschutz dar, um die Haut vor Schaden durch UV-Strahlen zu bewahren. Ge- bräunte Haut altert auch schnel- ler und bildet im Laufe der Jahre verstärkt Falten. LÄSTIGE AUSSCHLÄGE Wer jetzt im Mai zum ersten Mal in diesem Jahr bestimmte Haut- stellen – etwa an den Armen oder am Dekolleté – der Sonne aussetzt, wird vielleicht mit juckenden Aus- schlägen, Rötungen und Bläschen an diesen Stellen reagieren. Vor allem Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren sind davon betroffen. Diese Überreaktion auf die Sonne wird Polymorphe Lichtdermatose genannt und umgangssprachlich auch als Sonnenallergie bezeich- net. „Was an sich falsch ist, denn es handelt sich nicht um eine Aller- gie“, sagt Peter Wolf. „Die genauen Ursachen sind noch nicht bekannt, die heftigsten Symptome treten im Frühsommer auf, sie nehmen im Laufe des Sommers ab. Es gibt also ein gewisses Maß an Anpassung. Außerdem scheinen die Betroffe- nen ein besonders robustes Im- munsystem und damit verbunden ein vermindertes Hautkrebsrisiko aufzuweisen.“ Eine gute Nachricht sozusagen für Lichtdermatose-Patienten, die sich mit entsprechender Kleidung und einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor vor dieser Über- reaktion schützen können. RISIKO SONNENBRAND Gefahr droht, wenn die UV-Strah- lung so intensiv ausfällt, dass sich die Haut entzündet, rot und warm wird – eine besonders häu- fige Schädigung der Haut namens Sonnenbrand. „Sonnenbrände sollten nicht als Lappalie abgetan werden, sie fördern das Entste- hen von schwarzem Hautkrebs“, so Univ.-Prof. Dr. Peter Wolf, Vor- stand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz. Entsprechender Sonnen- schutz hilft, Sonnenbrände zu vermeiden, für die Erholung der Haut nach einem Sonnenbrand und für die Reparatur der geschä- digten Stellen empfiehlt Peter Wolf kühlende Gele und entspre- chende Lotionen. Was zu viel Sonne mit ungeschützer Haut macht: Istockphoto/fairywong, t_kimura, apomares, feelimage/Matern
  • 19. 4 5 MEDIZIN populär . 5/2022 19 WECHSELWIRKUNGEN MIT ARZNEIEN UV-Strahlen können zu unangenehmen Wechselwirkungen mit bestimmten Substan- zen in Medikamenten führen. „Es handelt sich vor allem um Medikamente, die die Vorsilbe „Anti-“ enthalten. Wie zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, Antibiotika, Anti- rheumatika und dergleichen. Wer solche Arzneien einnimmt, kann unter Sonnenein- strahlung in kürzester Zeit Symptome eines Sonnenbrandes entwickeln“, sagt Experte Wolf. Das gilt auch für pflanzliche Arzneimit- tel wie Johanniskrautpräparate. BILDUNG DES „SONNENVITAMINS“ Sonnenlicht fördert die körpereigene Bil- dung des lebenswichtigen Vitamins D, das beispielsweise für ein funktionierendes Immunsystem und starke Knochen von Be- deutung ist. Zu diesem Zweck muss man aber nicht ausgiebig in der Sonne braten. „Für die Vitamin-D-Bildung benötigt der Organismus relativ wenig UV-Strahlung, etwa zweimal 20 Minuten Sonne pro Woche auf das Gesicht und die unbedeckten Arme genügen“, sagt Dermatologe Peter Wolf. Ein vernünftiger Umgang mit UV-Strahlung be- einträchtigt die Vitaminbildung also nicht. Sonnenbrände sollten nicht als Lappalie abgetan werden, sie fördern das Entstehen von schwarzem Hautkrebs. credit å‘ Lesen Sie weiter auf Seite 22 Für die Vitamin-D- Bildung ge- nügen etwa zweimal 20 Minuten Sonne pro Woche auf Gesicht und Arme. Univ.-Prof. Dr. Peter Wolf
  • 20. 20 MEDIZINpopulär . 5/2022 KOSMETIK & PFLEGE als einem Millimeter besteht der Verdacht, dass der Tumor bereits gestreut haben könnte. Daher wird in diesen Fällen häufig der erste Lymphkno- ten nahe dem Melanom ebenfalls entfernt und untersucht. Hat der Tumor bereits gestreut und können die Metastasen nicht mehr operativ ent- fernt werden, kommen andere Therapien zum Einsatz, etwa Medikamente oder auch die Im- muntherapie. Auch beim „weißen“ Hautkrebs wird der Tumor operativ entfernt. In über 90 Prozent der Fälle gelten die Patienten nach einer OP als geheilt. Der Name des Tumors rührt übrigens von den hellen Krusten und Schuppen her, die sich auf der Oberhaut bilden. WICHTIGE FRÜHERKENNUNG Ganz wichtig ist nach Ansicht von Christoph Höller, dass man die eigene Haut oder die des Partners regelmäßig und gründlich nach Ver- änderungen absucht bzw. einmal jährlich durch einen Facharzt für Dermatologie begutachten lässt. Denn die Hautkrebsarten bieten im Ver- gleich mit anderen Tumorerkrankungen einen wesentlichen „Vorteil“: Sie sind auch für Laien sichtbar und erkennbar, selbst in frühen Stadien. Zumeist reicht das Auflichtmikroskop des Haut- arztes, um festzustellen, ob zum Beispiel ein Muttermal gefährlich ist oder nicht. Christoph Z u wenig geschützte oder gar unge- schützte Haut erhöht das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs deut- lich. So wird der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) vor allem durch häufige Sonnenbrände gefördert. Der weiße Hautkrebs wiederum (dazu zählen das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom) steht eben- falls in Verbindung mit intensiver und häufiger UV-Strahlung. „Wir verzeichnen in Österreich ebenso wie auf der ganzen Welt steigende Haut- krebszahlen“, so Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller vom Hauttumorzentrum der Universitätsklinik für Dermatologie an der Medizinischen Univer- sität Wien. So tritt der schwarze Hautkrebs bei 27 von 100.000 Personen auf. Der weiße Hautkrebs mit geschätzten 20.000 bis 30.000 Fällen jährlich gilt sogar als der häufigste Tumor in Österreich. WIE WIRD BEHANDELT? Das maligne Melanom gilt als der bösartigste Tumor der Haut. Weil die Veränderungen auf der Haut sehr dunkel ausschauen, wird der Tu- mor auch als „schwarzer“ Hautkrebs bezeichnet. Wird der Tumor, der auch aus einem Muttermal entstehen kann, im Frühstadium entdeckt und operativ entfernt, sind die Heilungschancen be- sonders groß. Bei einer Tumordicke von mehr nimmt zu Hautkrebs Die Verwen- dung einer Sonnen- creme allein stellt keinen ausreichen- den Schutz vor Haut- krebs dar, wenig Sonne und Schutzklei- dung lautet die Devise. Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller
  • 21. Höller: „Zum Glück kommen die allermeis- ten Patientinnen und Patienten in einem Sta- dium zum Arzt, in dem nach einem raschen Befund der Tumor entfernt und sie zur Gän- ze geheilt werden können.“ q Links im Bild untersucht eine Ärztin mit einem Auflichtmikros- kop verdächtige Hautzellen, die im rechten Bild vergrößert zu sehen sind. Istockphoto/kali9, Malikov Aleksandr, Medizinische Universität Wien n … des schwarzen Hautkrebs Ein Melanom sieht in einem frühen Stadium aus wie ein kleines Muttermal. Es kann sich jedoch verändern, asymmetrisch an Größe zunehmen. Dabei kann es verschiedene Farben aufweisen – braun, rötlich, schwarz, manchmal auch grau. „Wenn ein Muttermal auftaucht, das innerhalb von Wochen oder Monaten wächst, sollte man unbedingt zum Hautarzt“, rät Christoph Höller. n … des weißen Hautkrebs Diese Hautveränderungen treten vor allem im Hals- und Kopfbereich auf. Ihre Farbe ist heller als das Melanom, sie können ebenfalls wachsen und weisen darüber hinaus auch kleine Erhebungen und Vertiefungen auf. Manchmal können diese Hautveränderungen auch bluten. q Merkmale mpfindliche, sensible Haut reagiert oft mit Rötungen. Weil Sie schnell reizbar ist, braucht Sie besonders viel Pflege. Eine er- höhte Hautsensibilität ist bedingt durch eine ver- minderte Hautschutzbarriere und einen gestör- ten Feuchtigkeitshaushalt. Mit EUBOS SENSITIVE PFLEGE HAND REPAIR & SCHUTZ wird die Haut- barriere gestärkt und Rötungen gemindert. NEU: Wenn die tägliche Pflege nicht ausreicht, EUBOS ULTRA REPAIR & SCHUTZ Handcreme, mit Anti-Riss Formel. Hilft auch bei leichten Verbrennungen. 0% Mikroplastik, Parfüm, PEG, Mineralöl, Silikone. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der/die TeilnehmerIn stimmt zu, dass wir seine/ihre oben angegebenen Daten an Dr. Hobein (Nachf.) GmbH zum Zwecke der Zusendung von Direktwerbung übermitteln und diese Daten von uns und Dr. Hobein (Nachf.) GmbH zum Zwecke der Zusendung von Direktwerbung verwen- det werden dürfen. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Weitere Teilnahmebedingungen sowie unsere Daten- schutzerklärung finden Sie unter: www.medizinpopulaer.at/ kontakt/datenschutzerklaerung. GEWINNENSIE 10 x ein PFLEGE-SET von EUBOS Wert pro Set € 65,– E Inhalt des Sets: ● AUFBAUCREME (50 ml) ● ULTRA REPAIR & SCHUTZ (75 ml) ● HAND REPAIR & SCHUTZ (75 ml) ● GESICHTSREINIGUNG VITALSCHAUM (150 ml) ● DUSCHÖL (200 ml) ● FUSS REPAIR & SCHUTZ (100 ml) ● FEST WASCHSTÜCK (125 ml) SO SPIELEN SIE MIT Im Web www.medizinpopulaer.at per E-Mail gewinnspiel@medizinpopulaer.at, Kennwort: EUBOS per Post Postkarte mit dem Kennwort EUBOS an MEDIZIN populär, Nibelungengasse 13, 1010 Wien EUBOS SENSITIVE – ERSTE HILFE BEI RISSIGEN HÄNDEN! Einsendeschluss: 30. Mai 2022
  • 22. 22 MEDIZINpopulär . 5/2022 KOSMETIK & PFLEGE å‘Fortsetzung von Seite 19 SICH VOR DER SONNE SCHÜTZEN? SO GEHT´S … Adäquate Kleidung und richtiges Verhalten stehen beim Sonnenschutz ganz oben, so Hautarzt Christoph Höller. Das bedeutet: n Lange Hose, Hemd, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen. n In den Sommermonaten während der Mit- tagszeit die pralle Sonne meiden, im Schat- ten bleiben. n Sonnenschutzmittel verwenden. „Dies vor allem dann, wenn die Bedeckung der Haut mit der Kleidung nicht möglich ist, weil man etwa Sport betreibt oder einen Bade- tag genießt“, sagt Höller. Ein geeignetes Sonnenschutzmittel sollte so- wohl vor der langwelligen UVA- als auch vor der energiereichen UVB-Strahlung schützen, beides ist auf den Produkten ausgewiesen. Sie enthalten entweder einen chemischen oder mineralischen Lichtschutz. Die chemischen Substanzen lassen sich gut auf der Haut ver- teilen, ziehen rasch ein, schützen aber erst nach etwa einer halben Stunde. Mineralische Lichtschutzmittel wie Titandioxid oder Zink- oxid wirken an der Oberfläche, indem sie die UV-Strahlung blockieren, sie schützen gleich nach dem Auftragen. Außerdem: Je heller die Haut, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor des Mittels sein. Dieser zeigt an, um wie viel mal länger man sich nach Auftragen des flüssigen oder cremi- gen „Schutzes“ den sonnigen Strahlen ohne Sonnenbrandgefahr aussetzen kann als ohne Sonnenschutz. Denn jeder Hauttyp verfügt über eine „eige- ne Schutzzeit“, bevor es zum Sonnenbrand kommt: Der Typ 1 (sehr helle Hautfarbe) soll- te sich ohne Schutzmittel nur sehr wenige Mi- nuten in der Sonne aufhalten, während Men- schen vom dunkleren mediterranen Hauttyp (Typ 4) maximal 40 Minuten Zeit haben, sich zusätzlich zu schützen. DER LICHTSCHUTZFAKTOR (LSF) BEGINNT BEI 6 UND ENDET BEI 50+ n Niedriger Schutz (LSF 6–10) n Mittlerer Schutz (LSF 15–25) n Hoher Schutz (LSF 30–50) n Sehr hoher Schutz (LSF 50+) Um ein Beispiel für die Wahl des Lichtschutz- faktors zu nennen: Wer aufgrund seines Hauttyps bis zu zehn Minuten ungeschützt in der Sonne verbringen kann, also eine Eigen- schutzzeit von zehn Minuten aufweist, kann dies mit einem Sonnenschutzmittel mit dem Lichtschutzfaktor 20 etwas mehr als drei Stunden lang tun (20 x 10 Minuten). Zumindest rein rechnerisch gesehen. Es wird jedoch empfohlen, auch bei diesem Thema mit Augenmaß vorzugehen und die Zeit, in der man sich der Sonne aussetzt, deutlich kür- zer zu halten. Denn kaum jemand trägt die für istockphoto/RossHelen, Svetlana-Cherruty Meist wird bei der Sonnencreme gespart, sie schützt aber nur, wenn sie großzügig aufge- tragen wird.
  • 23. den optimalen Schutz nötige Menge an Son- nencreme auf. Außerdem: „Die Verwendung einer Sonnencreme bedeutet keinen Freibrief für ungehemmtes Sonnenbaden. Eine Creme allein stellt keinen ausreichenden Schutz vor Hautkrebs dar“, sagt Christoph Höller. WIE VIEL SONNENCREME TRÄGT MAN AUF? Experten empfehlen gemäß Vorgaben der Lichtschutzfaktor-Testung zwei Milligramm pro Quadratzentimeter freier Hautstelle. Das bedeutet für einen Erwachsenen, der im Schwimmbad den gesamten Körper ein- schmiert: Zirka 35 Milliliter bei jedem Ein- cremen, das entspricht in etwa einem Drittel des Inhaltes einer Standard-Sonnenschutz- packung von 100 Millilitern. In der Praxis wird allerdings mit zirka einem Drittel davon weit weniger verwendet, weswegen die auf der Verpackung von Lichtschutzmitteln an- gegebenen Schutzfaktoren bei Weitem nicht erreicht werden. Kinder sollten mit wasserfesten Schutzcre- men mit sehr hohem Lichtschutzfaktor, mit Kappen und UV-undurchlässigen T-Shirts vor der Sonne geschützt werden. Ihre Haut ist wesentlich empfindlicher als die von Er- wachsenen. Babys und Kleinkinder unter ei- nem Jahr sollten gar nicht in die pralle Sonne, sondern geschützt mit Kopfbedeckung und leichter Kleidung ausschließlich im Schatten bleiben. Ihre Haut schützt man am besten mit speziellen Sonnenschutzmitteln für die sen- sible Kinderhaut, mit einem Lichtschutzfak- tor ab 50 plus. n
  • 24. 24 MEDIZINpopulär . 5/2022 MEDIZIN TRENDS Winde Vom verweht! Fotos: © Istockphoto/KRdesign
  • 25. MEDIZIN populär . 5/2022 25 Warum so viele Menschen mit Blähungen kämpfen und was man für eine weitgehend „windstille“ Verdauung tun kann. V O N M A G .a A N D R E A R I E D E L G leich vorweg: Eine gänzlich ,windstille‘ Verdauung gibt es nicht“, konstatiert einer, der es wissen muss. Laut Dr. Anton Pruntsch, Allgemeinmediziner mit einem Schwerpunkt auf Darmproblemen, sind „bis zu zwanzig ,Leibwinde‘ pro Tag“ ganz normal. In seinem kürzlich erschienenen Buch geht der Villacher Hausarzt dem Phänomen Furz humorvoll, aber medi- zinisch fundiert auf den Grund. So müs- se, wer vier Bratwürsteln mit Sauerkraut verschlingt und ein, zwei Bier nachspült, „jedenfalls mit temporärer verstärkter Darmgasbildung“ rechnen. Aber warum eigentlich? BUCHTIPP Pruntsch Der Furz Alarmsignal des Körpers ISBN: 978-3990522394 152 Seiten, € 19,90 Verlagshaus der Ärzte Gleich online bestellen in unserem neuen Shop unter www.aerzteverlagshaus.at/shop Jetzt neu! å‘
  • 26. 26 MEDIZINpopulär . 5/2022 MEDIZIN TRENDS WIE EIN FURZ ENTSTEHT „Weil“, so Pruntsch, „hier ungesundes Essen auf ungesundes Essverhalten trifft: Zur Ver- dauung derart schwerer Kost stehen auf die Schnelle nicht genügend Magensäure, Gal- len- und Bauchspeicheldrüsensekret bereit.“ Das Menü landet also halbverdaut im Darm, wo es Bakterien „zerlegen“. Dabei entstehen Gase, die teils ins Blut übergehen und letztlich geruchsarm ausgeatmet werden. Der Rest wa- bert, in Schaumbläschen gebunden, im Darm herum und tritt irgendwann die Flucht nach hinten an. Wer sich gesund ernährt und bewegt, kann sich eher eine genussvolle „Sünde“ samt den erwartbaren windigen Folgen erlauben. WENN FURZ AUF FURZ FOLGT, ... Werden Blähungen jedoch chronisch und wirklich störend, sollte man sich nicht scheu- en, mit Hausärztin oder Hausarzt darüber zu reden. Manchmal können nämlich auch Nah- rungsmittelintoleranzen oder schwere Erkran- kungen die Ursache sein (siehe Kasten Seite 32). In den allermeisten Fällen überfordern aber falsche Ernährungsgewohnheiten den Verdauungsapparat. … IST OFT DER DICKDARM ZUGEMÜLLT „Dann sammeln sich halbverdaute Nahrungs- und klebrige Stuhlreste im Dickdarm an, der nie ganz entleert wird. Viele ahnen gar nichts von dieser ,latent-chronischen Obstipation‘, Vollkornproduk- te sind schwer verdaulich und sollten beson- ders lang gekaut werden. Bis zu 20 „Leibwinde“ täglich sind ganz normal. Falsche Essgewohnheiten erhöhen die Furz-Frequenz. Dr. Anton Pruntsch Trinken ist wichtig, aber nicht unmittel- bar vor, nach oder während des Essens.
  • 27. weil ihr Stuhlgang durchaus regelmäßig ist.“ In dieser „Mülldeponie“ feierten schädliche Darmbakterien und Pilze fröhliche Urständ und produzierten jede Menge Gär- und Faulga- se, so Pruntsch. RICHTIG ESSEN  BLÄHBAUCH VERMEIDEN Für ein Leben ohne chronische Flatulenzen hat Pruntsch u.a. folgende Tipps parat: n Nichts verwässern Wer zum Essen Wasser trinke, verdünne die Verdauungssekrete und sabotiere so mutwillig die Arbeit von Magen und Darm. „Genügend Flüssigkeit ist wichtig, auch, um Verstopfungen vorzubeugen“, stellt der Allgemeinmediziner klar, „aber nicht unmittelbar vor, nach oder während des Essens.“ n Am Anfang ein Aperitiv Kräuterbitter oder klare Suppe vor dem Essen å‘ Fotos: © Istockphoto/alvarez, milan2099, Juliane Menzinger
  • 28. 28 MEDIZINpopulär . 5/2022 MEDIZIN TRENDS würden hingegen die Produktion der Verdau- ungssäfte ankurbeln. Etwas weniger effektiv sei der Verdauungsschnaps post festum. n Wer Zähne hat, der kaue Und setze dabei Enzyme frei! Gründliches Zer- kleinern erleichtert nicht nur die spätere Ver- dauung, sondern sorgt auch dafür, dass sie dank der im Speichel enthaltenen Enzyme bereits im Mund startet. n Immer mit der Ruhe Das gilt fürs Essen und generell. Denn bei Stress schaltet der Körper auf Survival-Modus: „Wie zu Zeiten des seligen Säbelzahntigers wird die Verdauung zurückgefahren und löst sich buch- stäblich in Luft auf.“ WOHER DER WIND (NICHT) WEHT  LEBENSMITTEL UND IHR BLÄHFAKTOR ZweifelloshabenmancheNahrungsmitteleinen höheren „Blähfaktor“ als andere. Bei einigen ist eher die Dosis entscheidend. n Bitter, bitte! Bitterstoffe sind ein Turbo für die Ausschüttung von Galle, und die brauchen wir, um Fett or- dentlich verdauen zu können. n Obst in Maßen Zu viel Obst können Magen und Dickdarm oft nicht verdauen. Dann vergären es Bakterien im Dickdarm quasi „mit Vollgas“ zu Fuselalkoho- len. „So können sich sogar Abstinenzler nicht nur Blähungen, sondern auch eine Fettleber he- ranzüchten“, warnt Pruntsch. n Vorsicht bei Vollkorn Rohkost Ganze Körner und oft auch rohes Gemüse sind durchs Kauen kaum ausreichend kleinzukrie- gen. Auch sie flutschen meist unversehrt in den Darm, wo ihre Vergärung Gase freisetzt. – Gut, dass gemahlenes Getreide und gegartes Gemü- se genauso ballaststoffreich, aber leichter ver- daulich sind. n Weniger Fleisch Tierisches Eiweiß in größeren Mengen und Sobald die Flatulenzen wirklich störend werden, sollte man sich ein Herz fassen und mit Hausärztin oder Hausarzt darüber reden. Foto: © Istockphoto/Anetlanda
  • 29. schlecht gekaut „ist im Dickdarm Fäulnisprozes- sen ausgesetzt – mit den bekannten ,Ffffolgen‘, so der Verdauungsexperte. n Noch weniger Zucker Im Dünndarm wird Zucker verwertet – aber nicht jeder. Viele Zuckerarten landen unge- bremst im Dickdarm, wo sie das Darmmikro- biom aus dem Gleichgewicht bringen. n Jedes Böhnchen ein Tönchen Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Stangensellerie, Kohl oder Sauerkraut sind zweifellos wichtig für eine gesunde Mischkost, enthalten allerdings unver- dauliche Zuckermoleküle. „Rein furztechnisch stellen sie ein Risiko dar, das aus ärztlicher Sicht aber vertret- weil ent- schärfbar ist, etwa durch Beigabe blähungs- mindernder Gewürze wie etwa Kümmel“, so der Mediziner. (HAUS)MITTEL GEGEN BLÄHBAUCH Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zur Ent- spannung der Blähbauch-Lage. Zum Beispiel: n Wärmeflasche Wärme entkrampft und entspannt. Wird das Bauchweh dadurch aber schlimmer, kann eine Entzündung vorliegen, die Ärztin oder Arzt ab- klären sollte. n Massage Manchmal wirkt es Wunder, den Bauch sanft im Uhrzeigersinn einige Minuten lang zu massieren. n Carminativa Nie gehört? Dabei finden sich „Blähungstreiber“ wie Kümmel, Fenchel, Anis, Koriander, aber å‘ Lesen Sie weiter auf Seite 32
  • 30. 30 MEDIZINpopulär . 5/2022 MEDIZIN TRENDS Blähungen und Bauchweh können auch auf ein Reizdarm- Syndrom hinweisen, manchmal verbunden mit einer durch- lässigeren Darmbarriere, einem „Leaky-Gut-Syndrom“. Was das Mikrobiom damit zu tun hat, erklärt Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen, Vorstand der Uniklinik für Innere Medizin am Kepler Universitätsklinikum Linz. MEDIZIN populär Wie einzigartig ist das Mikrobiom? Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen Würde man beispielsweise unser bei- der „Darmflora“ vergleichen, würden nur 20 bis 30 Prozent der Bakterien- Spezies übereinstimmen. Viel weni- ger Unterschiede gibt es bei ihren Aufgaben. So wie eine funktionie- rende Gesellschaft Installateure und Busfahrerinnen, Lehrer, Ärztinnen uvm. braucht, so brauchen wir für eine gute Verdauung „Mitbewohner“ mit möglichst vielen unterschiedli- chen enzymatischen Fertigkeiten. Wie wirken Probiotika? Jedenfalls nicht so, dass sich neue, „gesunde“ Keime im Darm längerfristig ansie- deln könnten. Denn unser Mikrobiom ist extrem intolerant gegenüber Neu- ankömmlingen. Auseinandersetzen muss es sich mit ihnen aber trotz- dem. Dabei verändert und adaptiert es automatisch die eigenen enzyma- tischen Funktionen – es lernt sozusa- gen dazu. Welche Rolle spielt die Darmflora beim Reizdarmsyndrom? Darmbakte- rien kommunizieren über Stoffwech- selprodukte mit dem Gehirn. So wird z.B. das Schmerzzentrum von Reiz- darm-Patienten ab einem bestimmten Druck im Darm aktiviert. Gesunde mit einem vergleichbaren Druckreiz spü- ren hingegen noch keinen Schmerz. Probiotika können den Mikrobiom- Stoffwechsel bei Reizdarm-Patienten so verändern, dass die Schmerz- empfindlichkeit verringert wird. Wie das genau funktioniert, ist aber noch unklar. Was versteht man unter einem „Leaky-Gut-Syndrom“? Grundsätzlich ist es notwendig, dass die Darmwand durchlässig ist. Nur so können lebenswichtige Stoffe aus der Nahrung ins Blut übergehen. Bei Nahrungsmittelallergien öffnen sich die „Schleusen“ über komplexe Mechanismen kurzfristig auch für schädliche oder reizende Substanzen. Schuld an dieser erhöhten Durchläs- Fotos: © Istockphoto/Deagreez Eine gesunde Darmflora besteht aus Bakterien mit vielen unterschiedlichen Fer- tigkeiten. Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen Mikrobiom, Reizdarm und Leaky Gut INTERVIEW
  • 31. MEDIZIN populär . 5/2022 31 Typ-1-Diabetes geht mit einem höheren Risiko für weitere Autoimmunerkran- kungen einher. Dazu zählt laut der Deut- schen Diabetesgesellschaft auch die chro- nische Gastritis Typ A oder Autoimmungas- tritis. Bei dieser seltenen Erkrankung greift das Immunsystem die Magenschleimhaut- zellen an. Das zum Ausgleich des so ent- stehenden Magensäure-Mangels gebildete Hormon Gastrin kann bestimmte Magen- Darm-Tumoren begünstigen. Häufiges Symptom einer Autoimmungastritis ist ein Mangel an Vitamin B12. q Typ-1-Diabetes Darm sigkeit der Darmbarriere – „leaky“ bedeutet auf Englisch so viel wie „löchrig“ – sind be- stimmte Bestandteile der Nahrung oder auch Stoffwechselprodukte der im Darm siedeln- den Bakterien. q In manchen Fällen können auch ernste Erkrankungen hinter Blähungen und Bauch- krämpfen stecken.
  • 32. 32 MEDIZINpopulär . 5/2022 MEDIZIN TRENDS Gelegentlich gehen Blähungen auf ernst- hafte Störungen oder Erkrankungen zu- rück, die einer gesonderten Therapiebedürfen. Dazu zählen: n Nahrungsmittel-Intoleranzen. Neben chro- nischem Stress die häufigsten krankheits- bedingten Ursachen für Blähungen. Mittels Tests zu diagnostizieren. Der Verzicht auf die jeweiligen Nahrungsmittel beugt Blä- hungen vor. n Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Leber. Mindern meist die Produktion von Verdauungssekret. Rasche gründliche Abklärung und entsprechende Behandlung sind unbedingt nötig. n Verstopfung, Darmverschluss. Bei unge- wohnt seltenem Stuhlgang oder sehr mas- siven Blähungen mit aufgetriebenem Bauch besteht die Gefahr eines Darmverschlus- ses – daher unbedingt abklären lassen. Schlimmstenfalls blockiert ein Tumor den Darm. „Darmkrebs wächst langsam und ist daher durch regelmäßige Koloskopien viel- fach zu verhindern“, weiß der Allgemeinme- diziner Anton Pruntsch aus Erfahrung. q Manchmal auch ernste Erkrankungen auch Pfefferminze, Melisse oder Kamille sicher auch in Ihrer Küche. „Die ätherischen Öle dieser Kräuter und Gewürze wirken krampflösend auf die Darmmuskulatur und beschleunigen so den Abgang der aufgeschäumten Gase.“ n Medikamente Entschäumer setzen das in unzähligen Bläschen gebundene Gas frei, Motto: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Verdau- ungsenzyme aus der Apotheke helfen, wenn es an körpereigenen fehlt. Krampflösende Medika- mente lindern Blähungen und Koliken. n Entschlacken „Wie ein Großputz funktioniert die Colon-Hyd- ro-Therapie beim Arzt: Stuhl- und Nahrungsreste werden in einem absolut hygienischen, geschlos- senen Kreislauf sanft mit Wasser aus dem Darm geschwemmt“, erklärt Pruntsch ein Verfahren, auf das viele seiner Patientinnen und Patienten schwören, „weil sie sich danach rundum befreit und voller Energie fühlen“. Ähnlich geht es vielen auch nach einer F.X.Mayr-Kur, zu der neben einer speziellen Fastendiät auch das bewusst langsame Kauen, abführende Bittersalze und Einläufe ge- hören. Beide Methoden eignen sich als Prophy- laxe und Therapie. n Gegen Blähun- gen ist so man- ches Kraut be- ziehungsweise Gewürz gewach- sen: Kümmel, Fenchel, Kamille uvm. å‘Fortsetzung von Seite 29 Foto: © Istockphoto/mescioglu
  • 33.
  • 34. 34 MEDIZIN populär . 5/2022 NACHGEFRAGT SIE FRAGEN – WIR ANTWORTEN Univ.-Prof. Dr. Michael Bernhard Fischer, Leiter des Zentrums für Experimentelle Medizin am Depart- ment für Gesundheits- wissenschaften und Biomedizin der Universität Krems ie Entnahme von Nabelschnurblut nach der Entbindung dient der Ge- winnung von Stammzellen. Werden Stammzellen aus diesem Blut, das auch Plazentarestblut genannt wird, der Allgemeinheit gespendet und in einer öf- fentlichen Blutbank eingelagert, können die Stammzellen später zur Behandlung be- stimmter Krankheiten verwendet werden. Sie kommen zum Beispiel bei Immunde- fekten und Stoffwechseldefekten zum Ein- satz, aber auch bei Erkrankungen des Blu- tes wie Leukämie und bei anderen Krebser- krankungen. Werden Erkrankten Stamm- zellen aus Nabelschnurblut transplantiert, kann das zu Therapieerfolgen führen, was die Entnahme von Nabelschnurblut schon einmal sinnvoll macht. Außerdem werden Stammzellen aus Nabelschnurblut auch für die Forschung verwendet. D das Immunsystem eine Rolle spielen, müs- sen kompatibel sein. Und auch die Blut- gruppen müssen zueinander passen. Kin- der, die schwerer als vierzig Kilogramm sind, und Erwachsene benötigen zudem für eine Transplantation mehrere Stammzel- lenspenden. Haben sich werdende Eltern dazu entschieden, das Nabelschnurblut mit den Stammzellen für die Allgemeinheit zu spenden, müssen sie dies der Geburtsklinik einige Wochen vor der Geburt mitteilen, da- mit man sich dort entsprechend vorbereiten kann. So ist zwar der Aufwand groß, der mit einer Nabelschnurblutspende und der Trans- plantation von Stammzellen verbunden ist, doch haben nach einer Geburt entnommene Stammzellen gegenüber später gespende- ten den Vorteil, dass sie noch nicht mit ei- nem Körper gealtert sind, sozusagen noch frisch sind und etwa eine Heilung gut unter- stützen. Sollen die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut nicht gespendet werden, V O N M A G . a S A B I N E S T E H R E R MEDIZIN populär-Leserin Michaela H. fragt per E-Mail: Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut zu entnehmen und einzulagern, und wenn ja, wie wird dabei vorgegangen? Um transplantiert werden zu können, müs- sen Stammzellen allerdings bestimmte Kri- terien erfüllen, die sie für Empfänger ver- träglich machen. So muss es gewisse Ge- webeübereinstimmungen geben: Die soge- nannten humanen Leukozytenantigene, Pro- teine, die bei der Unterscheidung körperei- gener und körperfremder Strukturen durch Werden Stammzellen aus Nabel- schnurblut transplantiert, kann das bei bestimmten Krankheiten zu Therapieerfolgen führen. Univ.-Prof. Dr. Michael Bernhard Fischer Illustration: © TOM © Andrea Reischer
  • 35. HABEN AUCH SIE FRAGEN ZUM THEMA GESUNDHEIT? Dann schreiben Sie uns einfach: per Post: MEDIZIN populär „Leserfragen“ Nibelungengasse 13, 1010 Wien per Mail: leserfragen@medizinpopulaer.at @ - sondern für den möglichen späteren Eigen- bedarf entnommen werden, kann das nur gegen Bezahlung durch einen privaten An- bieter erfolgen. Gelagert wird das Nabelschnurblut mit den Stammzellen tiefgefroren, und ist es für den Allgemeingebrauch gedacht, für zehn Jah- re. Dient es der privaten Vorsorge, kann es so lang wie gewünscht aufbewahrt werden. Entnommen wird es unmittelbar nach der Geburt. Für die Entnahme wird ein Gefäß der Plazenta punktiert, über eine Kanüle und einen Schlauch werden anschließend 80 bis 200 Milliliter Blut in ein Säckchen transferiert und zusammen mit einem Mit- tel, das die Blutgerinnung verhindert, für den Transport vorbereitet. Dort, wo Blut und Stammzellen gelagert werden, wird die Flüs- sigkeit noch weiterverarbeitet, mit einer Gefrierlösung versehen und schließlich ein- gefroren. Lässt man die Nabelschnur nach der Geburt noch auspulsieren, durchtrennt man sie also nicht gleich, damit das Neu- geborene weiter mit Blut versorgt wird, ist übrigens meist zu wenig Blut für eine Na- belschnurblutspende vorhanden. ■
  • 36. GESUNDHEITSPOLITIK 36 MEDIZIN populär . 5/2022 Kinder und Jugendliche leiden verstärkt an psychi- schen Problemen, doch hierzulande gibt es zu wenig Hilfen. Eine neu gegründete Initiative will das nun än- dern und wird auch von der Ärztekammer unterstützt. ir in Österreich sind ganz vorn da- bei, was die Akutmedizin betrifft. Hier macht uns kaum eine andere Na- tion etwas vor. Betrachtet man aller- dings die Prävention, hinken wir im Vergleich deutlich hinterher. EU-weit sind wir eines jener Länder, das am wenigsten Geld für die Gesundheitsför- derung ausgibt. Angesichts dieser Tat- sache sind die Folgen daraus wenig ver- wunderlich. Immer mehr Österreicher leiden an sogenannten Wohlstands- erkrankungen. Was zunächst wie ein Oxymoron klingt, ist keineswegs zu un- terschätzen. Ausgelöst werden diese Krankheiten durch ungesundes und übermäßiges Essen in Verbindung mit zu wenig Bewegung. Die Folgen davon sind Bluthochdruck, Diabetes und Adi- positas. Diese Krankheiten sind dann sehr häufig die Auslöser von Schlag- anfällen und Herzinfarkten. Was Prävention anbelangt, geschieht aktuell noch zu wenig. Das liegt auch daran, dass präventive Maßnahmen, die Ärzte setzen, nicht oder kaum ho- noriert werden. Auch wenn es schwie- rig werden wird, diesen Umstand zu verändern, so ist es doch notwendig. Gleichzeitig braucht es einen besseren Zugang der Bevölkerung zu Diätbera- tungen und Bewegungsschulungen. Was wir in die Prävention investieren, spart das Gesundheitssystem lang- fristig für die Akutversorgung. Daher scheint mir eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik letztlich alter- nativlos. q STAND- PUNKT Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) MEHR GELD FÜR PRÄVENTION Fotos: © ÖÄK, Ernst Kainerstorfer, iStock / pixdeluxe VO N M AG . a S A B I N E S T E H R E R ir Kinder und Jugendli- che kommen nicht ohne seelische Narben aus der Pandemie, ein Krieg in Europa, die Klimakrise und eine damit verbundene Zukunfts- angst sind weitere Themen, die uns belasten“, heißt es seitens der „Österreichischen Schülerunion“. Und weiter: „Wir sind keine ´Lost Generation´, Unterstützung brau- chen wir aber trotzdem, und die be- kommen wir nicht.“ So betreue derzeit eine Schulpsychologin mehr als 6000 Schüler, und auch sonst gebe es hierzulande zu wenig ent- sprechende Hilfen, dabei leide mitt- lerweile jeder zweite Jugendliche an depressiven Symptomen, jeder Sechste habe Suizidgedanken. Die neu gegründete multi-organisatio- nale Initiative „Gut, und selbst?“, zu der die Schüler- union zählt, hat dazu das „Mental health Jugendvolks- begehren“ gestartet, das bei psychischen Problemen Unterstüt- zungsmaßnahmen direkt an den Schulen fordert (siehe Webtipp). Eine langfristige Lösung, die es je- dem jungen Menschen ermöglicht, unmittelbar die psychologische Hil- fe zu bekommen, die er braucht, und mehr kassenfinanzierte Thera- pieplätze fordert die Bundesju- gendvertretung, die die neue Initia- tive neben der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) unterstützt. „Froh über die Gründung“ „Ich bin sehr froh über die Grün- dung der Initiative, denn wir brau- chen eine entsprechende Gesund- heitsversorgung für unsere Kinder und Jugendlichen“, sagt ÖÄK-Prä- sident ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres. Die Ärztekammer habe auch bereits immer wieder vor dem Mangel auch an Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und dessen Auswirkungen gewarnt, die Gesundheitspolitik habe das Pro- blem bisher aber stets ignoriert. n W Österreichische Ärztekammer unterstützt neue Initiative W Mehr Hilfen bei psychischen Problemen WEBTIPP www.gutundselbst.at/ Auf dieser Website finden sich Infor- mationen über die Initiative „Gut, und selbst?“ und das „Mental health Jugendvolksbegehren“, das von 2. bis 9. Mai unterzeichnet werden kann.
  • 37. extra MEDIZIN populär extra . 5/2022 37 Inhalt „Dahamas“ statt Bahamas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 38 ---------------------------- Auf in die Sommerfrische . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 46 ---------------------------- Urlaub trotz Blasenschwäche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . extra Seite 54 Gut erholen, gesund urlauben
  • 38. 38 MEDIZINpopulär . 5/2022 credit statt Bahamas statt Bahamas „Dahamas“ Den Urlaub in vertrauter Umgebung zu verbringen, hat durchaus Vorteile. Aber klappt Erholung dort, wo wir wohnen und oft auch arbeiten, überhaupt? VO N M A G .a SY LV I A N E U B AU E R EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben
  • 39. MEDIZIN populär . 5/2022 39 Fotos: © istockphoto/ronstik
  • 40. 40 MEDIZINpopulär . 5/2022 W enn wir zu Hause Urlaub ma- chen, setzen wir uns keinem Reisestress aus. Wir sind nicht bereits mit den Nerven am En- de, bevor der Urlaub überhaupt angefangen hat, weil das Hotel so rein gar nicht den eige- nen Erwartungen entspricht. Und: Wir leiden nicht an einem Jetlag. „Was die Erholung anbelangt, so muss man bei größeren Fernreisen jeweils die Zeit, die man zum Hin- und Zurückkommen benötigt, abziehen – ebenso eine etwaige Zeitumstel- lung“, weiß Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard Blasche von der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien: „Wenn man zu Hause bleibt, spielt das natür- lich keine Rolle.“ Gewonnene Zeit also, die zum Ausspannen einlädt. Wie nutzt man diese am besten? URLAUBSTAGE „HAMSTERN“? BITTE NICHT! Das heutige Leben ist, als würde uns jemand mit einem riesengroßen Bagger pausenlos Tonnen an Wörtern, Bildern und Anforderun- gen in das Gehirn schaufeln. Unser Denkappa- rat ist jedoch nicht dafür geschaffen, immer- während Leistung zu erbringen. Er stammt aus einer Zeit, in der es noch La- gerfeuer gab und in der man sich auf klare Sternenhimmel fokussierten konnte – ganz pathetisch gesprochen. Auch heutzutage sollte das Gehirn in regelmä- ßigen Abständen einen Müßiggang einlegen dürfen – ebenso der Körper. „Mehrere Erho- lungspausen sind dabei besser, als den Urlaub in einem Stück in Anspruch zu nehmen“, rät Blasche dazu, die Urlaubstage über das Jahr zu verteilen. Ein Fehler ist es, den Urlaub ausfallen zu lassen oder auf einen anderen Zeitpunkt zu verschie- ben, wenn Reisen aus irgendeinem Grund ak- tuell nicht möglich ist. Der Mensch braucht regelmäßige Atempausen, um danach wieder durchstarten zu können. „Je müder man sich vor Urlaubsantritt fühlt, desto länger braucht man, um sich zu erholen“, weiß der Experte für Erholungsforschung und Erholungsförde- rung und nennt einen zeitlichen Richtwert: EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Ein wesent- licher Faktor für die Erholungs- fähigkeit ist das mentale Distanzieren von der Arbeit. Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard Blasche
  • 41. MEDIZIN populär . 5/2022 41 „Im Durchschnitt sind Menschen zwischen dem fünften und dem zehnten Urlaubstag er- holt.“ SENDEPAUSE FÜR PC UND CO Nicht nur die Urlaubsdauer entscheidet darü- ber, wie effizient Stress abgebaut wird, auch das Entbinden von Verpflichtungen ist ganz maßgeblich an diesem Erholungsprozess be- teiligt. Der Alltag läuft meist nach festgelegten Strukturen ab. Das hat nicht nur Nachteile: Routinen geben uns Sicherheit und Halt. Sie engen uns aber auch ein. Urlaub bietet die Chance, den Tagen einen anderen Rhythmus zu geben. „Urlaub besteht darin, dass man eine Zeit lang nicht arbeitet und sich vielleicht auch ein Stück weit der Alltagsroutine entzieht“, so Blasche. Gerade, wenn man zu Hause bleibt, ist man oft dazu verleitet, die Urlaubstage erst recht wieder mit Arbeit anzufüllen. Und ja, es stimmt schon, ein Umzug oder eine nötige Re- novierung lassen sich am besten im Urlaub er- ledigen. Dennoch sollte darauf geachtet wer- den, dass freie Zeit nicht zu kurz kommt. „Das Abschalten – das mentale Distanzieren von der Arbeit – ist ein wesentlicher Faktor für die Erholungsfähigkeit“, erklärt der Psychologe. Für Menschen, die ihren Arbeitsplatz während der Pandemie nach Hause verlegt haben, ist es wichtig, nicht visuell an die Arbeit erinnert zu werden. Frei nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ kann es hilfreich sein, den Arbeitslaptop vorübergehend im Schrank zu verbarrikadieren. Ein im Vorfeld erstellter Plan, wann und wie Liegengebliebenes nach dem Urlaub am besten abgearbeitet wird, hilft dem Gehirn dabei, Unerledigtes leichter von der mentalen To-Do-Liste zu streichen. (ALLTAGS-)ROUTINEN DURCHBRECHEN Generell ist es ratsam, die auf Arbeitsmodus programmierten grauen Zellen aktiv abzulen- ken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn regungslos mit der Couch zu verschmel- zen und sich berieseln zu lassen, ist eher kon- traproduktiv, wenn es darum geht, tatsächlich abzuschalten. Ob einander Geschichten erzählen oder in der Hänge- matte lesen: Bei einem Urlaub zu Hause heißt es, bewusst einmal etwas anderes zu machen. å‘ Fotos: © Bubu Dujmic Photography, Istockphoto/Robert Daly,
  • 42. 42 MEDIZINpopulär . 5/2022 Ganz im Gegenteil: Um den Kopf frei zu krie- gen, brauchen wir neue Impulse. „Das gelingt oft besser, wenn man einen Ortswechsel voll- ziehen kann – man kommt so leichter in ein Urlaubsfeeling hinein“, sagt Blasche. Es gebe aber durchaus Alternativen zu „Balkonien“: „Wenn man zu Hause bleibt, ist es ratsam, All- tagsroutinen bewusst zu durchbrechen. Zum Beispiel, indem man ein Museum besucht oder einen kleinen Ausflug tätigt.“ Auch da- hingehende Unternehmungen sollten vom Gewohnten abweichen. Heißt also: Wenn möglich keine Ausflugsziele anpeilen, die man ohnehin auch unter dem Jahr aufsucht. Im Urlaub ist man oft spontaner, neugieriger und probiert gerne einmal etwas Neues aus. Sich auf unbekanntes Terrain zu wagen, setzt dabei nicht zwingend voraus, seilgesichert kopfüber in die Tiefe zu stürzen und Bungee- Jumping zu betreiben. Im Kleinen kann das auch eine Nacht im Freien sein, die man mit den Kindern verbringt. In Schlafsäcke einge- mummt und einander Geschichten erzählend kann so ein Abenteuer zum emotionalen An- kerpunkt werden, an den man sich auch spä- ter gerne zurückerinnert. Unabhängig davon, welche Vorhaben umgesetzt werden – ent- scheidend ist es, nicht vor dem Computer oder der Waschmaschine hängen zu bleiben. ERHOLUNG WILL GEPLANT SEIN Aus dem täglichen Trott ein Stück weit auszu- steigen, ist speziell in den ersten Urlaubstagen von Bedeutung. „Wenn ich mir etwas vorneh- me, das ich ansonsten nicht tue, signalisiere ich mir: Jetzt ist etwas anderes als Alltag an- gesagt“, erklärt Blasche. In den Folgetagen sei man dann mental schon mehr auf Urlaub gepolt. Um nicht bereits am ersten Urlaubstag mit der Frage: „Was machen wir jetzt?“ kon- frontiert zu werden, ist eine gute Planung er- forderlich. „Bei einer Urlaubsdestination fern- ab vom eigenen Wohnort ist man gezwungen, etwas anderes zu machen. Bei einem Heimur- laub muss man es sich bewusster vornehmen“, empfiehlt Blasche, den Urlaub zu Hause ge- nauso zu planen wie eine Reise. Anstatt Flugti- ckets zu buchen, darf man sich Gedanken über tägliche Programmpunkte machen – man Ein Ausflug mit dem Mountainbike ist besser, als vor dem Computer hängen zu bleiben. EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben
  • 43. MEDIZIN populär . 5/2022 43 kann Ideen für besondere Aktivitäten sam- meln. Dabei sollten die Wünsche aller Beteilig- ten miteinfließen und berücksichtigt werden. Es gilt gemeinsam zu eruieren: Möchte man Spannendes erleben? Oder will man einfach nur die Seele baumeln lassen? Pläne verlei- hen der freien Zeit nicht nur einen Rahmen, darüber hinaus wecken sie auch die Vorfreude auf die Auszeit – umso mehr noch, wenn man etwas ganz Konkretes in der Hand hält, etwa reservierte Konzertkarten oder eine ausgetüf- telte Wanderroute. DEN MOMENT ZELEBRIEREN Letztendlich geht es darum, eine gute Balance zwischen geplanter und unverplanter Zeit zu finden. Denn gerade im Urlaub darf man sich auch Augenblicke des Nichtstuns – oder viel- mehr des Nichts-tun-Müssens – zugestehen. Sprich: Es sollte auch ein Spielraum für spon- tan gestaltbare Zeit offenbleiben. Zum Beispiel, um ein ausgiebiges Urlaubs- frühstück zu genießen – vielleicht sogar mit außergewöhnlichen Ingredienzen, die man sich ansonsten nicht gönnt. Überhaupt sind symbolische Handlungen hilfreich, um leich- ter Urlaubsgefühle entwickeln zu können. Wer bei der Ankunft „am Meer“ normalerweise im- mer Fischvariationen im Restaurant isst, kann dieses Ritual auch zu Hause beibehalten und sich ein exquisites Mahl leisten. Schmecken, riechen, hören – die Sinneswahrnehmung be- einflusst unser Empfinden. Der Schlüssel dazu liegt in der Achtsamkeit: Den Fokus auf den Moment richten und die freie Zeit voll aus- kosten – das alles klappt besonders gut in der Natur. Schon ein zwanzig minütiger Waldauf- enthalt kann den Cortisol-Spiegel effizient sen- ken. Cortisol ist ein Stresshormon, das in der Nebennierenrinde produziert und in der Leber abgebaut wird. Durch chronische Anspannung erhöhte Cortisol-Werte begünstigen das Ent- stehen von Krankheiten. Aufenthalte im Freien können hier ein Gegengewicht setzen. Urlaub ist weniger ein Ort als vielmehr ein Ge- fühl. Um dieses Gefühl auch entsprechend le- ben zu können, sollte man sich selbst fragen: Was bringt mich tatsächlich zur Ruhe? Was tut mir wirklich gut? n Ein Museums- besuch kann im Urlaub zu Hause Urlaubsfeeling erzeugen. Fotos: © Istockphoto/ KatarzynaBialasiewicz, AscentXmedia
  • 44. 44 MEDIZINpopulär . 5/2022 Fotos: © istockphoto/Creative Credit, ilbusca Wer durch gärtnerisches Tun etwas im Außen bewegt, bewegt gleichzeitig etwas in sich selbst. „Garteln“ berührt die Sinne auf ganzheitliche Weise. Prim.a Assoc.Prof.in Dr.in Andrea Zauner-Dungl, Leiterin des Klinischen Instituts für Physikalische Medizin und Reha- bilitation am Universitätsklinikum Krems. MEDIZIN populär Welche Auswirkungen hat das „Garteln“ auf das Wohlbefinden? Prim.a Assoc.Prof.in Dr.in Andrea Zauner-Dungl Die Effekte jeglicher Aktivität im Garten sind vielfältig: Beweglichkeit, Geschick- lichkeit und Belastungsfähigkeit ver- bessern sich – ebenso die Grob- und Feinmotorik. Vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten bleiben erhalten – das ist nicht nur bei älteren oder kranken Menschen von Bedeutung: Gleichge- wicht und Feinkoordination lassen mit jedem Tag, an dem wir sie nicht nützen, nach. Außerdem wird die Sinneswahr- nehmung – das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen – gefördert. Auch Unruhe, Panik, Stress und Aggres- sionen können abgebaut werden: Es kommt zu einer allgemeinen Steigerung des Wohlbefindens. Im Garten aktiv zu sein, bedeutet in Kontakt mit der Natur zu treten. Inwie- fern ist das therapeutisch wertvoll? Im Garten aktiv zu sein, bedeutet mit unseren Urbedürfnissen in Kontakt zu kommen, die für viele Menschen, die in der Stadt leben, heute nicht mehr präsent sind. Die Arbeit und der Bezug zur Erde, das Beobachten des Gedei- hens der Pflanzen und Tiere, entspre- chen einer sehr basalen emotionalen Ansprache aller Sinne. Gleichzeitig nehmen wir wie selbstverständlich an, dass die Dinge Zeit benötigen, dass wir das Wachsen der Pflanzen, das ja von vielen Faktoren abhängig ist, nicht wirk- lich steuern und beeinflussen können. Aktionen wie „Natur im Garten“, die die Wichtigkeit natürlichen Gärtnerns in den Mittelpunkt stellen, unterstützen das Verständnis für die Reduktion der künstlichen Einflussnahme auf Wachs- tum und Ertrag. „Garteln“ – mit der Natur wachsen Die Natur konfrontiert uns damit, dass jede Jahreszeit Ihre Schönheit hat, dass unsere Sinne – Schauen, Fühlen, Duften, Schmecken, Hören, Genießen – immer wieder auf unterschiedlichste Weise neu angesprochen werden. Die so entste- hende Achtsamkeit hilft, die innere Ruhe und Gelassenheit wieder zu gewinnen und wertzuschätzen. Haben Sie ein paar konkrete Anregun- gen, wie man im Garten am besten zur Ruhe findet? Für manche Menschen ist die Ernte von Gemüse in Hochbeeten ein wahrer Ge- nuss, für andere sind es eher Blumen. Manche Menschen genießen eine Medi- tationslaube, manche einen Schwimm- teich. Wichtig ist es immer, dass die notwendigen Aktivitäten im Garten über- schaubar bleiben und nicht überfordern. Im Winter können Gräser oder Vogel- häuschen Sonne in den Alltag bringen. Auch im Herbst geerntete Zapfen, Äste oder Früchte können den Garten in die Wohnung bringen. Die Vorfreude, das Planen der Aktivitäten im Garten, kön- nen lange Winterabende verkürzen. Im Zentrum des Tuns sollte Freude an der Tätigkeit und mit den Dingen stehen. Dabei sollten auch körperliche Gegeben- Gärtnerische Tätigkeiten bringen Fitness, Freude, innere Ruhe und Gelassenheit. EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben
  • 45. VO N M A G . H A G E N S C H AU B Der Garten ist permanentes Krisengebiet, das wissen erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner nicht erst in Zei- ten wie diesen. Und der Hauptfeind ist die Nacktschnecke. Es gibt zahllose Tipps, wie man den gefräßigen Plage- geistern beikommen kann, DER Tipp ist aber nie wirklich dabei. In schlimmen Jahren konnte ich bei mir bis zu 63 Exemplare auf einem Quadratmeter absammeln, mehr oder weniger gut versteckt unter Blättern und Steinen. Und nach vielen Jahren als Hobbygärtner erweist sich das händische Absammeln und „Entfernen“ noch immer als zielführendste Methode. Was aber mühsame Arbeit ist. Andere Versuche können natürlich nicht schaden, auf Chemie (Schneckenkorn Co.) sollten naturverbundene Gärtner aber verzichten – zum Schutz anderer Tiere. Hilfreicher sind diese Tipps: n Die ohnehin geschützten Weinbergschnecken sollten wir im Garten gewähren lassen, deren Fraßschäden sind vernachlässigbar, sie vertilgen die Gelege der Nacktschnecken. n Nacktschnecken legen ihre Eier gerne an feuchten, dunklen Stellen ab. Frisch geschnittenes Gras und Laub können hier als gute „Köder“ dienen. Schön dicht an- gehäuft und immer feucht gehalten, locken sie die ge- fräßigen Plagegeister zur Eiablage unwiderstehlich an. Nach ein paar Tagen kann man den Haufen dann unter- suchen und die Gelege entfernen (in den Restmüll, nicht in den Komposter geben). n Mit einer gezielt schneckenunfreundlichen Bepflanzung kann man die Plagegeister auch vertreiben. Also alles, was gerne gefressen wird, sollte in geschützte Hoch- beete wandern oder gar nicht erst gepflanzt werden. Es gibt zahlreiche Stauden, Bodendecker usw., die Nackt- schnecken verschmähen (Listen finden sich im Internet) und mangels Angebot dann an einen besser gedeckten Tisch übersiedeln. q GRÜNE Freuden Der Feind in meinem Garten DIESMAL: MEDIZIN populär . 5/2022 19 heiten beachtet werden. Mit einer Knie- gelenksabnützung ist es besser, Hoch- beete zu nutzen, als am Boden zu knien. Hohe Bäume sind für junge Menschen gut geeignet. Später sind jedoch mittel- hohe Bäume oder Spalierobst eindeutig praktischer. Wenn eine Ruhepause erst am späteren Nachmittag möglich ist, ist eine Sitzecke im Westen gut, zur Mittagszeit ist eine Möglichkeit der Be- schattung essenziell. Das Wechselspiel Nutzer – Garten, die Garten-Nutzer-Be- ziehung, sollte immer berücksichtigt werden. Welche Alternativen gibt es für Men- schen ohne eigenen Garten? Ein Balkonkisterl oder ein Blumenkisterl am Fenster, Gemeinschaftsgärten oder Dachgärten bieten zahlreiche Möglich- keiten, die Effekte des Gartelns zu nut- zen. So manche Gärtnerei freut sich über Unterstützung. Ich habe beispielsweise einen Patienten, der in einer Gärtnerei regelmäßig einen Bonsai pflegt. Gleich- zeitig sollten wir aber nicht vergessen, dass jeder bewusste Schritt hinaus in die Natur, jedes bewusste Wahrnehmen unserer natürlichen Umwelt – vom Son- nenstrahl bis hin zum Vogelgezwitscher – ein Schritt zu mehr Achtsamkeit ist. q
  • 46. 46 MEDIZINpopulär . 5/2022 Auf in die Wie der Urlaub Erholung bringt EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Auf in die Sommer- frische
  • 47. MEDIZIN populär . 5/2022 47 Urlaubsbedürfnisse gibt es viele, doch zu den häufigsten zählt wohl der Wunsch nach Entspannung. Was am besten getan wird, damit der Urlaub ganz so wie die einstige Sommerfrische gesunde Erholung bringt. VO N M A G .a S A B I N E ST E H R E R E s war einmal, und es war einmal schön, heißt es in einem Chanson, und das gilt wohl auch für die Sommerfrische von anno dazumal. Auf Sommerfrische zu gehen, das gönnten sich hierzulande ab der Mitte des 19. Jahrhunderts neben Kaiser Franz Joseph I. samt seinem Hofstaat auch der Adel, diverse Würdenträger, Industrielle, Wissen- schafter und Ärzte, wohlhabende Künstler und begüterte Bürger. Sie verlegten ihren Wohnsitz oft samt Personal und Hausrat aus der Stadt aufs Land und je nach finanzieller Lage in dort extra errichtete Sommervillen, Hotels, Gasthäuser oder Privatquartiere. Und das über den ganzen Sommer, um sich zu erholen. Genauer, um sich in Sommerfrische-Regionen wie dem Gebiet um denSemmering,demSalzkammergut,demStei- rischen Thermenland, der Wörthersee-Gegend oder dem Gasteinertal an der frischen Luft und den kühlen Temperaturen zu erquicken, sich å‘ dem Müßiggang hinzugeben, durch die Gegend zu flanieren, auch zu wandern und bergzustei- gen, sowie – falls vorhanden – in diversen Gewäs- sern zu baden. Doch so wie sich dereinst selbst unter Vermögenden viele den Luxus des Lang- zeitsommerurlaubs nur leisten konnten, indem die Familienväter teilweise weiterarbeiteten, ist die Sommerfrische in ihrer ursprünglichen Form heute wohl für die meisten Österreicher mangels ausreichend Geld und Urlaub undurchführbar. Gut nur, dass es auch möglich ist, binnen kürze- rer Zeit und kostengünstiger so zu urlauben, dass die Wirkung des Urlaubs jener der früheren Som- merfrische entspricht. Wie ein vergleichbarer Erholungseffekt samt positivem Einfluss auf die Gesundheit erzielt werden kann, weiß ao. Univ.- Prof. Dr. Gerhard Blasche, Psychotherapeut und Psychologe am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien, und gibt dafür im Folgenden sieben Tipps. Im Urlaub immer wie- der aktiv zu werden, intensi- viert das Urlaubs- feeling und macht so die freie Zeit zum Gewinn für die Gesund- heit. Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Blasche Fotos: © Istockphoto/AscentXmedia, Bubu Dujmic Photography
  • 48. 2 48 MEDIZIN populär . 5/2022 Auf dass sich der Sommerur- laub anfühlt wie die einstige Sommerfrische empfiehlt es sich, den Urlaub frühzeitig zu planen. Denn schon während der Planung und des Denkens an den Urlaubsort und die Urlaubssituation entsteht so etwas wie ein Urlaubsfeeling. „Dieses Feeling bringt noch bevor der Urlaub beginnt, gute, urlaubsähnliche Stim- mung und Vorfreude in den Alltag“, so Blasche. Und bei- des wirkt sich schon einmal in vielerlei Hinsicht positiv auf die psychische und kör- perliche Gesundheit aus. Bereits bei der Urlaubsplanung bedacht werden sollte auch, dass es sich lohnt, zwischen dem Antritt eines Urlaubs im Sinn der seinerzeitigen Sommerfrische einen zeitlichen Puffer zwischen Arbeit und Abreise einzubauen. Also etwa nicht gleich am Freitag nach der Arbeit in den Urlaubsort loszustarten, sondern zum Beispiel erst am Montag. „So kann man verschiedene Dinge, die mit der Arbeit, dem Haushalt oder auch noch mit der Vorbereitung auf den Urlaub zu tun haben, in Ruhe erledigen und gedanklich damit abschließen“, sagt Blasche. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Anreise zum Urlaubsort weit- gehend stressfrei und möglichst entspannt verläuft. 1 Früh planen Puffer einbauen Fotos: © Istockphoto/DenEmmanuel, Andrii Tokarchuk EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben
  • 49. 4 MEDIZIN populär . 5/2022 49 Am Urlaubsort angekommen, sollte, wer Erho- lung sucht, wie ehedem die Sommerfrischler einerseits weiter nach Entspannung streben und den einen oder anderen Tag beispielswei- se im Liegestuhl am Seeufer verbringen. Ande- rerseits gilt es auch immer wieder Aktivitäten vorzusehen, und zum Beispiel eine Bergtour zu unternehmen. „Physisch aktiv zu werden, erleichtert es, den Alltag zu vergessen und das Urlaubsfeeling zu intensivieren“, erklärt Bla- sche. Und je stärker ausgeprägt das Urlaubsge- fühl ist, desto größer ist die Urlaubsfreude und umso eher wird die freie Zeit zum Gewinn für die psychisch-physische Gesundheit. Wer im Urlaub auf Social Media-Präsenz ver- zichtet, E-Mails im virtuellen Postfach ruhen lässt und das Phone abdreht, hat sich dem Zustand der Erreichbarkeit der einstmaligen Sommerfrischler angenähert, die – wenn überhaupt – wohl mehr- heitlich über Ansichtskarten, Postkarten oder Briefe mit Daheimgebliebenen korrespondierten. „Sich in der freien Zeit von den genannten Tech- nologien und ihren Möglichkeiten abzuwenden, ist anzuraten, denn das bringt mehr Abstand zum Alltag und zur Arbeit“, so Blasche. Und wer sich im Urlaub von Alltäglichem distanziert, erholt und fühlt sich während der freien Zeit und meist auch noch länger danach besser. 3 Aktivitäten vorsehen Erreichbarkeit einschränken Lesen Sie weiter auf Seite 52 å‘
  • 50. 50 MEDIZINpopulär . 5/2022 EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Das Institut für Ökomedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg stellt immer wieder dar, wie sich Urlaube auf die Gesundheit auswirken. Institutsleiter Dr. Arnulf Hartl im Interview über die aktuellsten Forschungsarbeiten und ihre Ergebnisse. MEDIZIN populär Herr Dr. Hartl, wie wirkt sich ein Som- merurlaub wie die Sommerfrische von anno dazumal mit Wandern aus? Dr. Arnulf Hartl Das Wandern wirkt sich ganz eindeutig positiv auf das Immunsystem aus. Schon nach einer Woche Wandern ist man bes- ser vor Krankheiten geschützt, weil das Wandern das Immunsystem insofern stärkt, als die Immunzellen im Blut ak- tiver sind und die Reaktivierbarkeit der Gedächtniszellen des Immunsystems zunimmt. Außerdem erhöht sich die Sauerstoffsättigung des Bluts und mit ihr die körperliche Fitness. Neben den Blutparametern verbessern sich durch das Wandern aber auch Stressparame- ter wie die Herzfrequenz, und Stresshor- mone werden abgebaut. Wie lange halten diese Wirkungen an? In unserer neuesten Studie, die wir im vergangenen Dezember abgeschlossen haben, konnten wir zeigen, dass diese Effekte bis zu 180 Tage anhalten. Wie ist diese Studie abgelaufen? Die 100 Studienteilnehmer haben eine Woche im selben Hotel in Südtirol bei Meran verbracht, sie bekamen dasselbe Wie sich Urlaubsaktivitäten auf die Gesundheit auswirken Essen und denselben Wein, genossen dasselbe italienische Flair. Die eine Hälfte hat jeden Tag eine mehrstündige Wanderung absolviert, die andere Hälfte hat die Tage in verschiedenen Höhen- lagen mit Achtsamkeitsübungen und Me- ditation im Wald verbracht. Wobei dieser körperlich eher passive Aufenthalt auf die Stressparameter eine sehr ähnliche Auswirkung wie der Wanderurlaub hatte. Auf das Immunsystem hatten die Meditation und Achtsamkeitsübungen aber keinen Einfluss, auf die körperliche Fitness auch nicht. Welche Effekte kann eine Sommerfrische Ihren Forschungen nach noch haben? Im Oktober 2021 haben wir eine Studie abgeschlossen, für die wir Aufenthalte in verschiedenen Arten von Natur bei Bad Birnbach in Bayern miteinander vergli- chen haben. Konkret in „green space“, einem trockenen Wald, und in „green and blue space“, einem Waldabschnitt mit einem Wasserelement. Eine Hälfte der 52 Studienteilnehmer verbrachte sechs Stunden mit einer Waldtherapie im trockenen Wald, die andere Hälfte dieselbe Dauer mit derselben Aktivität im Wald mit Wasserelement. Da hat sich gezeigt, dass bei den Teilnehmern beider Gruppen dieselben positiven Effekte auf die Psyche, also derselbe Grad an Entspannung und eine vergleichbare Steigerung des Wohlbefindens eintraten. Vor dieser Studie haben wir im Sommer 2021 getreu unseres neuen Instituts- mottos „patients into nature, nature to bedside“ außerdem noch die Wirkung eines virtuellen Aufenthalts in der Natur, konkret bei den Krimmler Wasserfällen in Salzburg, mit einem realen Aufenthalt bei diesen Wasserfällen verglichen. Wie wirkt sich das virtuelle Erleben der Krimmler Wasserfälle aus? In der Studie ging es um die Wirkung auf die psychische Gesundheit. Dabei stellte sich über EEG-Messungen der Fotos: © Istockphoto/BartekSzewczyk Sommerfrische in der Wissenschaft: INTERVIEW Schon nach einer Woche Wandern ist man besser vor Krankheiten geschützt, weil das Wandern das Immun system stärkt. Dr. Arnulf Hartl
  • 51. MEDIZIN populär . 5/2022 51 n Der Begriff Sommerfrische meinte im 19. Jahrhundert laut dem Wörterbuch der Ge- brüder Grimm „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“. Damals wurden solche Erholungsaufent- halte verbreitet angetreten, da mit der Erschließung Österreichs und Europas durch die Eisenbahn das Reisen einfacher geworden war. Mit der wachsenden Zahl an Sommergästen entwickelten sich auch die Tourismusorte weiter und schufen ein immer breiteres touristisches Angebot. n Wer weilte wo? Zu den berühmten Per- sönlichkeiten, die dereinst alljährlich zu Sommerfrischlern wurden, zählten Kaiser Franz Joseph I, der oft den gesamten Sommer über in Bad Ischl weilte. Oder Sigmund Freud, der die Sommermonate unter anderem am Semmering und in Bad Gastein verbrachte. Sowie Gustav Mahler oder Arthur Schnitzler, die wie der Kaiser im Salzkammergut, genauer am Attersee und im Ausseerland den Sommer über urlaubten. n Eine gewisse Renaissance erlebt die Som- merfrische aktuell: Zahlreiche Tourismus- regionen und Tourismusorte Österreichs werben mit dem Begriff für sich. Dies wohl auch, weil sie auf die Sehnsucht hitzege- plagter Stadtbewohner nach einem Urlaub in der Kühle und ganz entspannt wie frü- her setzen. q Sommerfrische – Fakten Zahlen Hirnströme der 27 Versuchsteilnehmer heraus, dass ein einstündiger virtueller Aufenthalt in einem Raum mit fotorea- listischer und akustischer Darstellung der Krimmler Wasserfälle auf psychisch Gesunde dieselbe positive Wirkung auf die Psyche hat wie ein Aufenthalt bei den realen Wasserfällen. Für psychisch belastete Menschen, die ja auch oft nicht so gern hinausgehen, hatte der virtuelle Aufenthalt aber mehr Vorteile. q Allein ein Aufent- halt in Wald und Wiese reduziert Stress, körperliche Aktivität stärkt außerdem das Immunsystem. BUCHTIPP Blasche Erholung 4.0 Warum sie wichtiger ist denn je ISBN: 978-3-99002-115-6 256 Seiten; 24,90 Euro Facultas/Maudrich
  • 52. 52 MEDIZINpopulär . 5/2022 EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Urlaub bedeutet vielfach auch, wie vordem die Sommer- frischler ungewohnterweise rund um die Uhr mit den Liebsten, der Familie und/oder Freunden zusammen zu sein. Allein das erhöht das Risiko für Konflikte. Aber auch die Fragen, ob nun wie geplant die Mountain- biketour unternommen wird oder doch eher Faulsein angesagt ist, können zu Streits führen. „Bricht wegen strittiger Fragen ein Streit aus, sollte dieser nicht des Urlaubsfriedens willen unterdrückt werden, sondern ausgetragen“, rät Blasche. Denn meist erleichtert die Urlaubsatmosphäre Problemlösungen, und je schneller der Groll geschwunden ist, desto besser ist der Erho- lungseffekt und umso größer ist auch die Chance, dass der Urlaub gesundheitlich vorteilhaft ist. Für die Sommerfrischler von einst wurde geschaffen, was es vor ihrer Ära oft noch gar nicht gab: Seebäder beispiels- weise, markierte Wanderwege, gesicherte Steige im Gebirge bis hin zu Gebirgsbahnen wie die Schneebergbahn und die Schafbergbahn oder Seilbahnen wie die Rax-Seilbahn. So probierten wohl etliche der damaligen Langzeiturlauber neue Freizeitaktivitäten aus. Das sollte man ihnen gleichtun und statt immer Rad zu fahren, auch einmal das Tennisspie- len ausprobieren oder statt an Ruhetagen immer zu lesen, zur Abwechslung ein Brettspiel spielen. „Denn neben Ver- trautem, Liebgewonnenem einmal etwas anderes zu tun, et- was anderes kennenzulernen und so auf neue Dinge zu kom- men, bringt ein stärkeres Urlaubsfeeling“, so Blasche. Und das macht die freie Zeit besonders erholsam und gesund. 5 Streits austragen å Fortsetzung von Seite 49 BUCHTIPP Hartl, Geyer Heilkraft der Alpen ISBN: 978-3-7112-0016-7 224 Seiten; 22,00 Euro Bergwelten 6 Neues ausprobieren
  • 53. Was die Dauer anbelangt, waren die Sommerfrisch- ler von dazumal Urlaubern von heute voraus, dau- erte doch ihr Urlaub den ganzen Sommer über. So lang woanders als sonst zu verweilen, ist nun zwar meist nicht möglich, mindestens eine Woche sollten Sommerurlaube aber doch dauern. „Denn nach sieben bis zehn Tagen stellt sich dem subjektiven Empfinden der meisten Menschen folgend bestes Wohlbefinden ein, und dieses Gefühl bleibt erhal- ten, und zwar auch noch nach der Heimkehr und dem Arbeitsantritt für etwa ein bis zwei Wochen“, sagt Blasche. Dass das urlaubsbedingte Wohlgefühl länger anhält, je länger ein Urlaub dauert, ist eher unwahrscheinlich. Weshalb angepasst an die heuti- gen Erkenntnisse empfohlen wird, statt einmal ganz lang über den gesamten Sommer lieber öfter im Jahr und eher kürzer auf Urlaub zu gehen. n 7 Dauer anpassen Neues ausprobieren: Es macht Spaß und bringt Abwechslung in gewohnte Urlaubsabläufe. Fotos: © Istockphoto/by-studio, ViktorCap ZAHN TIPP des Monats MEDIZIN populär Was sind die häufigsten Ursachen für Zahnfleisch- bluten? Dr. med. dent. Wolf-Dietrich Hauke Die häufigste Ursache für Blutungen im Mundraum sind leichte Entzündungen des Zahnfleisches (Gingi- vitis), hervorgerufen durch Beläge an den Zähnen. Typische Symptome sind eine deutliche Rötung und Schwellung. Weitere Ursa- chen können mechanische oder thermische Reize sein, die meist mit Verletzungen der Schleimhaut einher- gehen, oder auch hormo- nelle Schwankungen wäh- rend der Schwangerschaft sowie körperliche Erkran- kungen, welche sich auf die Zahngesundheit auswirken. Die häufigsten Erkrankun- gen sind Diabetes Melli- tus, Leukämie, Mangel- ernährung und Virusinfek- tionen.   Zu einer oftmals nur schwa- chen Blutung kommt es bei einer Entzündung des ge- samten Zahnhalteapparates (Parodontitis). Da es sich hierbei um eine Entzündung des tieferen Gewebes han- delt, kann diese auch ohne Schwellungen und Rötungen ablaufen. Wann wird Zahnfleisch- bluten gefährlich? Sobald Zahnfleischbluten regelmäßig auftritt, sollte man seinen Zahnarzt zur Abklärung aufsuchen. Sollte sich eine Entzündung des Zahnhalteapparates aus- breiten, kann es zu einem Verlust der Stabilität der Zähne kommen. Wie lässt sich vorbeugen? Die beste Vorbeugung ist eine penible und regelmäßi- ge häusliche Mundhygiene. Dabei sollte auch auf Hilfs- mittel wie Zahnseide und Interdentalbürstchen zu- rückgegriffen werden, um schwer zugängliche Stellen zu reinigen. Wie kann der Zahnarzt unterstützen? Durch regelmäßige Kon- trollen kann der Zahnarzt bei der häuslichen Mund- hygiene unterstützen und durch gezielte Instruktionen auf Schwachstellen auf- merksam machen. Eine regelmäßige professionelle Mundhygiene kann einen entscheidenden Unterschied im Erhalt der Zahnsubstanz machen. Dabei werden die Zahnoberflächen von einer speziell geschulten Prophy- laxeassistentin gereinigt. (sfh) ❑ Zahnfleischbluten kommt sehr häufig vor. Dr. med. dent. Wolf-Dietrich Hauke, Zahnarzt in Hollabrunn (NÖ), infor- miert über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Illustration: © iStock / arthobbit Hilfe bei Zahnfleischbluten
  • 54. 54 MEDIZINpopulär . 5/2022 EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben 54 MEDIZINpopulär . 5/2022 EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Entspannt reisen … … trotz „unentspannter“ Blase
  • 55. MEDIZIN populär . 5/2022 55 Die Angst vor plötzlichem Harndrang kann die Freude am Reisen trüben. Ein erholsamer Urlaub ist jedoch trotz Blasenschwäche möglich. VO N M A G .a SY LV I A N E U B AU E R Die Angst vor plötzlichem Harndrang kann die Freude am Reisen trüben. Ein erholsamer Urlaub ist jedoch trotz Blasenschwäche möglich. VO N M A G .a SY LV I A N E U B AU E R å‘ W o Verschlussmechanismen nicht richtig funktionieren, kann es passieren, dass unwillkürlich Harn verloren geht. Das macht Inkontinenz zu einer Krankheit wie jede an- dere auch. Der Verlust über die eigene Blasen- kontrolle ist allerdings immer noch ein mit Scham verbundenes Tabuthema. Aus Sorge vor einem Missgeschick meiden Betroffene Unter- nehmungen in der Öffentlichkeit – auf größere Ausflüge wird oft ganz verzichtet. Eine Blasen- funktionsstörung muss allerdings kein Hinder- nis darstellen: „Mit ein wenig Planung und Vor- bereitung sind Reisen gut machbar“, ermutigt Karin Müller, Obfrau des Vereins Kontinenz- Stoma-Beratung Österreich, betroffene Men- schen dazu, guter Dinge die Koffer zu packen. VIELE URSACHEN, VIELE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN „Wichtig ist, im Vorfeld abklären zu lassen, warum die Inkontinenz besteht“, rät Müller zu einer urologischen Untersuchung. Man ist ja verleitet, sich den Vorgang des Wasserlassens so simpel wie die Entleerung eines Behälters vorzustellen. Die Physiologie dahinter unter- liegt jedoch einem komplexen Regelsystem: An der Blasenkontrolle sind eine Vielzahl an Ner- ven und Muskeln beteiligt. Für eine funktionie- rende Kontinenz müssen diese Mechanismen gut zusammenspielen. Neurologische Erkrankungen wie ein Schlag- anfall können ebenso zu Blasenfunktionsstö- rungen führen wie ein unbehandelter Diabe- tes – ein erhöhter Blutzuckerspiegel wirkt sich direkt auf das Nervensystem aus. In beiden Fällen kann es zu einer Dranginkontinenz kom- men: Die Blase signalisiert dem Gehirn dann bereits bei geringer Füllung, dass sie schon voll gefüllt ist. Auch ein Mangel an dem weiblichen Ge- schlechtshormon Östrogen, wie er typischer- weise nach den Wechseljahren auftritt, kann die Symptome einer überaktiven Blase aus- lösen. Je nach Ursache können zum Beispiel ärztlich verschriebene und lokal angewende- te Östrogensalben die spontane Aktivität der Harnblasenmuskulatur hemmen. Bestimmte Medikamente – sogenannte Anticholinergika – entspannen die Muskulatur der Blase und er- höhen ihre Kapazität. Jede zweite Frau bemerkt nach dem 50. Le- bensjahr eine Harninkontinenz unter körperli- cher Belastung, etwa beim Husten, Niesen oder beim Sport – man spricht von Belastungsin- kontinenz. Aber auch Schwangerschaften, Ge- burten oder Prostataoperationen können dazu führen, dass der Schließmuskel einer Drucker- höhung im Bauchraum nicht mehr gut stand- hält. Häufig ist ein geschwächter Beckenboden dafür verantwortlich. DER BECKENBODEN – ELASTISCH WIE EIN TRAMPOLIN Der Beckenboden hält die Organe des Beckens wie eine Art Schale in der vorgesehenen Posi- tion zusammen. Der Verschluss der Ausschei- dungsorgane ist Teil des Beckenbodens: Die Schließmuskeln müssen dabei gleichermaßen „dichthalten“ und loslassen können. Um diese Aufgaben zu bewältigen, bilden die Muskeln des Beckenbodens ein ausgeklügeltes Geflecht aus drei Schichten. Diese ermöglichen es, Drucksteigerungen durch Husten, Heben oder Springen abzufedern. Idealerweise sollte der Beckenboden wie ein gespanntes Trampolin sein – fest, und dennoch elastisch. Um ein Gespür dafür zu entwickeln, wo sich die Beckenbodenmuskulatur überhaupt be- findet, kann man sich vorstellen, mit den dort ansässigen Muskeln ein Tuch vom Boden auf- zuheben und wieder fallen zu lassen. Regelmäßiges Beckenbodentraining kann die Symptome einer Blasenschwäche mildern. Fotos: © Istockphoto/ConstantinosZ, _Aine_
  • 56. Leichte Formen der Inkontinenz lassen sich da- durch oft ganz beheben. GUT GEPLANT IST HALB GEWONNEN Doch auch akuten Problemen kann man gezielt entgegenwirken. Menschen mit Inkontinenz sorgen sich häufig, ob sie mit schwacher Blase lange Flüge oder Autofahrten heil überstehen. „Abhängig von der Art und Dauer des Urlaubs, der Anreise und wo man übernachtet, können entsprechende Vorbereitungen getroffen wer- den“, beruhigt Müller und empfiehlt Betroffe- nen, eine Kontinenz- und Stomaberatungsstelle aufzusuchen. Viele Unsicherheiten lassen sich bereits vor Reiseantritt aus dem Weg räumen: n Vorausschauend planen: „Informieren Sie sich, ob auf dem Reiseweg ausreichend Toilet- tenanlagen vorhanden sind und wie weit Auto- bahn-Raststätten voneinander entfernt sind“, rät Müller, Vorkehrungen für längere Autofahr- ten zu treffen. Wer eine Busreise plant, sollte sich vorab erkundigen, ob es eine Bordtoilette gibt oder ob ausreichend Pausen eingeplant sind. Auch für Flugreisen hat die Expertin einen Tipp parat: „Bei der Buchung oder beim Einche- cken sollte die Möglichkeit eines Sitzplatzes in der Nähe der Toilette angesprochen werden“. n Vorsorgen: Müller rät außerdem dazu, sich „je nach Problematik rechtzeitig eine ausrei- chende Menge an Hilfsmitteln wie saugfähige Einlagen oder Katheter mit integriertem Urin- beutel zu besorgen“. n Übersetzungshilfe: Manchmal kann es den- noch zu Engpässen kommen. In diesem Fall ist es ratsam, sich vorab eine Liste mit den wichtigs- ten Hilfsmitteln in der Sprache des Landes anzu- legen, in das man reisen möchten. n Stichwort öffentliche Toiletten: Viele euro- päische Städte haben eigene Stadtpläne, in de- nen sämtliche öffentlichen Toiletten eingezeich- net sind, oder sie verfügen über Toilettenpläne, die via Internet abrufbar sind. n Ärztliches Attest: Ärztliche Bestätigungen über die Art der Erkrankung und die benötigten Therapien sind besonders dann wichtig, wenn Probleme auftauchen oder im Urlaub ein Arzt- besuch nötig wird. Zu beachten ist, dass Medi- kamente im Ausland oft unter einem anderen Namen registriert sind. n 56 MEDIZINpopulär . 5/2022 Eine Liste mit den wichtigsten Hilfsmitteln in der jeweiligen Landessprache kann in Notsituationen helfen. Karin Müller Trotz Blasen- schwäche ist es wichtig, viel zu trinken. Passiert das nicht, wird der Urin stark konzentriert. Das führt erst recht zu vermehrtem Harndrang. Außerdem beugt regelmäßiges Wasserlassen einer Blasenent- zündung vor. EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben Foto: © Istockphoto/SolStock
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  • 58. EXTRA GUT ERHOLEN gesund urlauben 58 MEDIZINpopulär . 5/2022 Wer mit dem Auto verreist, sollte sich vorher erkun- digen, wie weit Autobahnrast- stätten vonei- nander entfernt sind bzw. wo Toilettenpausen möglich sind. WEBTIPP www.kontinenzgesellschaft.at Betroffene finden auf dieser Seite Wissenswertes zum Thema Blasenschwäche. Sie können ihre Fragen auch per Telefon (0810/100 455) an Experten richten. Helferlein im Handgepäck M öglichst unmittelbar vor Fahrtantritt sollte die Blase nochmals entleert wer- den. Weite Kleidung, die sich schnell öffnen lässt, sowie Kleingeld für die Toilette er- leichtern die Reise. n Auf Autobahnen: Dort sind öffentliche WCs in regelmäßigen Abständen ausgeschildert. Auf Nebenstraßen oder innerhalb von Ort- schaften kann das Auffinden eines „stillen Örtchens“ schwieriger werden. Hier bieten Toiletten-Finder-Apps, die auf dem Smart- phone installiert werden können, Abhilfe – sie lotsten schnell zum Ziel. n Hilfsmittel in Griffweite halten: Insbeson- dere auf Flugreisen ist es sinnvoll, Medika- mente und blasenunterstützende Präparate mit Wirkstoffen wie z.B. der Preiselbeere so- wie Inkontinenzhilfsmittel auf verschiedene Gepäckstücke zu verteilen, um vor unlieb- samen Überraschungen bei Verlust eines Ge- päckstückes gefeit zu sein. Eine ausreichende Reserve im Handgepäck sowie der Gebrauch von stärker saugenden Einlagen während der An- und Rückreise helfen, unangenehme Situationen im Falle von Verspätungen und zusätzlichen Zwischenstopps zu vermeiden. n Wertvolle Reisebegleiter: „Auf Autofahrten kann man Urinalbags benutzen“, sagt die Kon- tinenz-Beraterin und erklärt: „Das sind Hilfs- mittel, ähnlich einer mobilen Toilette. Sie ver- fügen über einen Beutel mit einem Aufsatz, in den man hineinurinieren kann.“ n Ausreichend trinken: Viele Reisende mit In- kontinenzproblemen vermindern ihre Flüssig- keitszufuhr, während sie unterwegs sind, um häufigen Blasenentleerungen vorzubeugen. Das ist insofern kontraproduktiv, als dass „der stark konzentrierte Urin, der dadurch erzeugt wird, erst recht zu vermehrtem Harndrang führt“, rät Müller davon ab, weniger zu trin- ken. Die aggressiven Bestandteile des Harns reizen die Blasenschleimhaut. Außerdem ver- hindern eine ausreichende Flüssigkeitsauf- nahme und damit verbundenes häufiges Was- serlassen, dass sich Bakterien in der Harnröh- re festsetzen. Eine Blasenentzündung könne eine Inkontinenz verstärken, so die Expertin. n Harntreibende Getränke meiden: Das ideale Getränk für unterwegs ist stilles Was- ser. Kohlensäurehaltige und stark zucker- haltige Getränke können die Blase reizen. Künstliche Süßstoffe beeinträchtigen die Bla- senkontrolle ebenso wie Koffein und Alkohol – Kaffee und schwarzen Tee sollte man daher eher meiden. n Foto: © Istockphoto/ Kangah