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Pluspunkte 3 2012

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8. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik, 2012
Fachkräftesicherung braucht Weitsicht

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Pluspunkte 3 2012

  1. 1. Liebe Leserinnen und Leser, schon heute erhalten Un- ternehmen auf ihre Stellen- ausschreibungen weniger Bewerbungen als noch vor einigen Jahren. Der Großteil der Chemie-Unternehmen geht davon aus, dass sich diese Lage weiter verschär- fen wird. Angesichts des demografischen Wandels wird der Wett- bewerb um gute Mitarbeiter in Deutsch- land härter. Unsere Branche hat bei diesem Thema Weitsicht bewiesen. Bereits 2003 haben wir den Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ abgeschlossen. 2008 haben wir in den Tarifvertrag „Lebens- arbeitszeit und Demografie“ wichtige Instrumente aufgenommen, um den Herausforderungen zu begegnen. Im Tarifabschluss 2012 wurden diese kon- sequent weitergedacht. So erlaubt zum Beispiel der Demografie-Korridor eine notwendige Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit. Welche weiteren Maßnahmen sich zur Sicherung des Fachkräftebedarfs eignen, darüber haben wir bei unseren 8. Wies- badener Gesprächen diskutiert. Lesen Sie mehr dazu auf diesen Seiten. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr Dr. Axel Schack und das Team der HessenChemie editorial Der Newsletter der HessenChemie / Nr. 3 / Juli 2012 Pluspunkte Kreativer Perspektivenwechsel Die Welt durch die Brille des Bewerbers sehen – das kann dabei helfen, Fachkräfte zu finden und zu halten Seite 4 Aus dem Ausland Bisher ziehen qualifizierte Zuwan- derer meist an Deutschland vorbei. Das muss sich ändern Seite 3 Wie lässt sich der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in Zukunft sicherstellen? Welche Maßnahmen sind langfristig notwendig? Darüber diskutierten Unter- nehmensvertreter sowie Experten aus Wirtschaft und Politik am 19. Juni bei den 8. Wiesbadener Gesprächen der HessenChemie. Laut einer Umfrage der HessenChemie ist fast die Hälfte der Mitgliedsunterneh- men akut von Fachkräftemangel betroffen. Die übrigen rechnen damit, dass sie bei bestimmten Berufen und Qualifikationen demnächst ein Defizit spüren werden. Diese Zahlen präsentierte Karl-Hans Caprano, Vorsitzender der HessenChemie, vor rund 170 Gästen im Wiesbadener Kurhaus. Und doch ist die Chemie besser vorbereitet als manch andere Branche. Diese Auf- fassung vertraten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Nor- bert Lehmann, Programmbereichsleiter des ZDF. Gelobt wurde der 2008 abge- schlossene Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie. „Dadurch waren wir gezwungen, uns mit der Thematik auseinanderzusetzen“, sagte Richard Engelhard, Geschäftsführer Engelhard Arzneimittel. Thorsten Winter, Wirtschaftsredakteur der Fortsetzung Seite 2 8. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik Fachkräftesicherung braucht Weitsicht Die Ressourcen im Inland werden künftig kaum ausreichen, um den Bedarf an Fachkräften zu decken, so die Meinung der Experten auf dem Podium.
  2. 2. Rhein-Main-Zeitung der FAZ, bekräftig- te: „Mit diesem Vertrag hat die Chemie die Nase vorn.“ Positive Auswirkun- gen habe unter anderem die Selbstver- pflichtung der Unternehmen auf eine relativ hohe Zahl von Ausbildungsplät- zen. Manfred Hoppe, Bildungsexperte und langjähriger Geschäftsführer der HessenChemie, bestätigte: „Wir haben heute in Hessen rund 20 Prozent mehr Azubis als 2003.“ Verstärkt werde die positive Wirkung durch innovative Initiativen der Chemie-Arbeitgeberver- bände wie die Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt (ElVi)“. Unternehmen,diefürNachwuchskräfte attraktiv bleiben wollen, müssten aller- dings nicht nur ausbilden, sondern die Absolventen auch übernehmen, so die Auffassung von Anne Wein- schenk, Landesbezirkssekretärin der IG BCE Hessen-Thüringen: „Am bes- ten unbefristet.“ Insbesondere junge Frauen sollten verstärkt auf naturwis- senschaftliche und technische Berufe aufmerksam gemacht werden. Potenzial sahen die Experten auch am anderen Ende der Altersskala. Jahre- lang habe man da- für geworben, dass Menschen Ende 50 in den Ruhestand gehen, meinte Hei- ke Strack von der Bundesagentur für Arbeit. Ein Umden- ken sei nötig. Auch sollten mehr Frau- en dazu motiviert werden, aus Teilzeit- in Vollzeitstellen zu gehen. Das sei jedoch nur mach- bar, wenn der Rahmen für die Kinder- betreuung stimme. Dass die Ressourcen im Inland nicht ausreichen werden, war einhellige Meinung auf dem Podium. Die Zuwan- derung qualifizierter Arbeitskräfte sei notwendig – zur Sicherung des Fach- kräftebedarfs wie für die Finanzierung der Sozialsysteme. Die Politik sei ge- fragt, die notwendigen Strukturen zu schaffen. „Deutschland muss eine Will- kommenskultur entwickeln“, forder- te Thorsten Winter. „Da wurde in den letzten Jahren viel falsch gemacht.“ Zu Beginn der Veranstaltung würdigte Karl-Hans Caprano Manfred Hoppe für seine mehr als 30-jährige Arbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Hoppe war Ende 2011 in den Ruhestand verabschiedet worden. nachgehakt: Kreative Lösungen Drei Fragen an Richard Engelhard, Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG Spüren Sie bei Engelhard Arzneimittel einen Fachkräftemangel? In einigen Berufen haben wir bereits Engpässe bemerkt. So blieb zum Beispiel eine Laborantenstelle längere Zeit unbesetzt, un- ter anderem deshalb, weil wir als Mittelständler bei den Gehältern weniger Spielraum haben als mancher Konzern. Auch Pharmazeuten, Mechaniker und Mechatroniker sind nicht immer leicht zu bekommen. Aber im Großen und Ganzen bewältigen wir die Suche nach geeigne- ten Fachkräften noch immer gut. Allerdings wird der Aufwand höher. Was tun Sie konkret, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten? Wir versuchen, mit den Qualitäten eines gewachsenen Familienunter- nehmens zu punkten. Die überschaubare Unternehmensgröße fördert den Austausch untereinander. Bei uns gibt es zum Beispiel Sportgrup- 2 Fortsetzung von Seite 1 Richard Engelhard ist Geschäftsführer von Engelhard Arzneimittel. Das mittelständische Unternehmen in Niederdorfelden beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. 1 Mitgliedsunternehmen, Politik, Wirtschaft und Medien - rund 170 Gäste begrüßte Karl-Hans Caprano im Wiesbadener Kurhaus.
  3. 3. Worin sehen Sie die langfristigen Heraus- forderungen? Unternehmen dürfen sich nicht einfach auf die Politik verlassen. Wir müssen verstärkt selbst aktiv werden, uns attraktiv machen und auf Kandidaten zugehen. Bei der Nachwuchssuche beispielsweise arbeitet Engel- hard Arzneimittel gezielt mit Schulen zusammen. Wir haben zwei Schulpatenschaften. Auf Bewerbermessen sind wir regelmäßig vertreten. Doch es ist nicht nur wichtig, für das eigene Unterneh- men zu werben. Wir müssen allgemein darauf aufmerk- sam machen, welche Berufe es in unserer Branche gibt. Einige davon sind sehr bekannt – aber die Chemie ist wesentlich vielfältiger, als viele Stellensuchende denken. pen, einen Fußballverein, einen Kegelverein. Außerdem haben wir flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten. Wir nehmen nicht nur auf Kinderbetreuung Rücksicht, sondern auch auf Mitarbeiter, die Angehörige pflegen müssen. Um kompetente Mitarbeiter zu halten, bieten wir kontinuierliche Weiterbildung und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Gleichzeitig suchen wir nach neuen, kreativen Lösun- gen. So haben wir zum Beispiel ein Programm „Mit- arbeiter werben Mitarbeiter“ gestartet und darüber bereits eine Reihe guter Empfehlungen erhalten. 3 Ist der Fachkräftemangel nur ein Phantomschmerz? Keines- wegs, meint Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker. Die Lage werde sich weiter verschärfen. Eine knappe Million offene Stellen gibt es in Deutschland. Ihnen stehen fast vier Millionen Arbeitssuchende gegenüber. Diese Zahlen nannte Prof. Dr. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundes- agentur für Arbeit. Das IAB rechnet zu den offiziell 2,9 Mil- lionen Arbeitslosen eine Million Menschen in arbeitsmarkt- politischen Maßnahmen hinzu. „Dennoch ist der Fachkräftemangel kein Phantomschmerz“, erläuterte Brücker. „Viele offene Stellen können heute nicht besetzt werden, unter anderem bei wirtschaftlichen Dienst- leistungen, dem verarbeitenden Gewerbe und der Chemie-Industrie.“ Zu beobachten sei ein „Mismatch“: ein strukturelles Ungleichgewicht. Dieses entsteht, wenn Angebot und Nachfra- ge nicht gut genug zueinander passen. Eine exakte Übereinstimmung gebe es auf dem Arbeitsmarkt eigentlich nie, führte Brücker weiter aus. Lange Zeit hätten das jedoch, wegen der hohen Arbeitslosigkeit, nur die Arbeitnehmer zu spüren bekommen, nicht die Arbeitgeber. Nun sei eine Verschiebung der Gewichte zu beobachten. „Man kann nicht sagen, dass das bereits ein Ergebnis des demografischen Wandels ist“, erklärte der Experte. Er sieht hier vielmehr eine Folge der guten Konjunktur. Aber: „Der demografische Wandel wird kommen – und zwar drama- tisch“, ist Brücker überzeugt. Einen starken Hebel, um dem entgegenzuwirken, sieht er in der Zuwanderung. Ohne sie sei bis 2050 ein Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials um 40 Prozent zu erwarten. Mit qualifizierter Zuwanderung lasse sich die Zahl halbieren. Für Fachkräfte aus dem Ausland müssten daher Anreize ge- schaffen werden. Den Einwand, dass damit Einheimischen Jobs weggenommen würden, ließ Brücker nicht gelten. Qualifizierte Zuwanderer seien keine Konkurrenz für ein- heimische Arbeitslose. „Und auch für die Sicherung unserer Sozialsysteme werden sie dringend gebraucht.“ Das Land braucht Zuwanderung Den Fachkräftemangel wird die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen, sagte Herbert Brücker (links) im Gespräch mit Moderator Norbert Lehmann.
  4. 4. www.hessenchemie.de Um die Besten zu gewinnen, können Unternehmen sich nicht auf herkömmlichen Strategien ausruhen. Neue Ideen müssen her. Ein Perspektivenwechsel hilft dabei. Marco sucht einen Ausbildungsplatz. Viele Unternehmen haben sich bei ihm beworben. Doch Marco hat strenge Aus- wahlkriterien: Er erwartet überdurchschnittliche Bezahlung, private Nutzung des Internets und einen umweltverträgli- chen CO2-Fußabdruck. Die Bilanzen der letzten drei Jahre und weitere Unterlagen müssen interessierte Unternehmen auf Marcos Webseite hochladen – Zeitaufwand drei bis vier Stunden. Das Szenario, das Axel Haitzer von der Agentur Quergeist dem amüsierten Publikum schilderte, hatte einen ernsten Hinter- grund. „Bei Bewerbungsverfahren ist ein Paradigmenwech- sel erforderlich“, meinte Haitzer. „Unternehmen müssen sich künftig stärker bei ihren Bewerbern bewerben.“ Unpersön- liche Eingangsbestätigungen, aufwendige Auswahlverfahren und monatelanges Warten auf eine Einladung – all das seien Stolpersteine bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Bei der Frage, wie das eigene Unternehmen bewertet wird, klaffe oft eine breite Lücke zwischen der Selbsteinschätzung des Arbeitgebers und dem Urteil von Bewerbern und Mit- arbeitern, so Haitzer. Er empfahl, sich auf Internetportalen wie kununu.com zu informieren: Hier können Unternehmen erfahren, wie die eigenen Mitarbeiter über sie denken. Erscheinungsweise: 4 Ausgaben / Jahr /  Auflage: 1.800 Redaktion: Ole Richert (v.i.S.d.P.), Dr. Ute Heinemann (Sprache + Text, Frankfurt) Layout: Q GmbH, Wiesbaden Fotos: Matt oder Glänzend, Wiesbaden Internet: www.hessenchemie.de Kontakt: Arbeitgeberverband Chemie und ­verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. Abraham-Lincoln-Straße 24 65189 Wiesbaden Telefon 0611 7106-0 info@hessenchemie.de impressum Bewerben beim Bewerber Axel Haitzer gab Anregungen für neue, kreative Wege bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Tipp „Von Leuchttürmen, Nebelbänken und Eisbergen – Fachkräftesiche- rung braucht Weitsicht“ lautet der Titel des von Jürgen Funk und Nora Hum- mel herausgegebenen Tagungsbandes, der im FAZ-Verlag erschienen ist. Mitglieder erhalten ihn kostenfrei unter www.hessenchemie.de. Im Buchhandel ist er zum Preis von 29,90 Euro erhältlich (ISBN 978-3-89981-281-7). Internetportale rund um die Fachkräftesicherung finden Unter- nehmen sowie Arbeits- und Ausbildungsplatzsuchende unter www.elementare-vielfalt.de, www.fachkraefte-offensive.de und www.make-it-in-germany.com. Vielfalt in der Struktur der Belegschaft ist oft ein handfestes Plus. Diversity Management wird immer häufiger zum Teil der Geschäftsstrategie. Doch wie werden Strukturen und Unter- nehmenskultur auf eine Strategie der Vielfalt vorbereitet? Das erfahren Mitgliedsunternehmen im Seminar „Personelle Viel- falt für den Geschäftserfolg“ am 4.9.2012 in Wiesbaden. Bei- spiele aus der chemischen Industrie sorgen für starken Praxisbezug. Infor- mation und Anmeldung: michaela.erhard@hessenchemie.de, 0611 7106-51.

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