WWF Pocket Guide zum neuen Klimaabkommen in Kopenhagen

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WWF Pocket Guide zum neuen Klimaabkommen in Kopenhagen

  1. 1. Das neue Kopenhagener Klima-abKommen ein pocKet guiDe 1
  2. 2. Die Bilder in dieser Broschüre sind Beiträge zur Interna- Veröffentlicht im Mai 2009 vom WWF – World Wide tional Children’s Painting Competition on the Environ- Fund For Nature (ehemals World Wildlife Fund), Gland, ment und eine Würdigung des großen Enthusiasmus und Schweiz. Jede vollständige oder teilweise Wiedergabe Engagements junger Menschen. Veranstalter dieses Wett- dieser Veröffentlichung muss den Titel und die erwähnten bewerbs sind die UNEP, die Foundation for Global Peace Urheberangaben enthalten. and Environment sowie die Firmen Bayer und Nikon. Thema des Wettbewerbs war der Klimawandel. Weiterhin © Text und Grafik: 2009 WWF waren die Bilder Bestandteil der Kampagne „Paint for the Alle Rechte vorbehalten Planet“ (www.unep.org/paint4planet). ISBN 978-3-9813048-1-7 Vorderer Einband: Andrew Bartolo, Malta; Innenteil: Evdokia Vallis, Griechenland; Laura Paulina Das Material und die geografischen Namen in diesem Be- Tercero Araiza, Mexico; Abdul Rahman Anwar Elmeligg, richt stellen keine Meinungsäußerungen welcher Art auch Saudi-Arabien; UNFCCC, IISD, U.S. State Department, immer seitens des WWF in Bezug auf den rechtlichen Sta- IISD/UNDP/UNEP, IISD; Charlie Sullivan, Großbri- tus von Ländern, Territorien oder Gebieten oder in Bezug tannien; Daniela Melendez, Kolumbien; Netpakaikarn auf den Verlauf ihrer Grenzen dar. Netwong, Thailand; Alex Smith, USA; Kevin Van Den Broucke, Belgien; Obamamedia; Gloria Ip Tung, China; Verfasser: Fred Pearce Jerrika C. Shi, Philippinen; Zayan Masood, Bangladesh; Herausgeber: Kim Carstensen, Kathrin Gutmann, Anoushka Bhari, Kenia; Laurent Ipperciel, Kanada; An- Martin Hiller, Stefan Singer driy Palamarchuk, Ukraine; Katherine Liu, USA; Maria Kassabian, Nigeria; Elizaveta Rossokha, Ukraine; Dave Deutsche Ausgabe: September 2009, Laurence A. Juntilla, Philippinen; Guy Jayce Nindorera, WWF Deutschland, Mandy Schoßig Burundi; Tewanat Saypan, Thailand; Giselle Lau Ching Yue, China. Grafische Anpassung: www.bertramsturm.de kay druck und medien Druckhaus Kay GmbH / Kreuztal 2
  3. 3. Klimaschutz unD wirtschaFts- Krise „Es ist unsere Generation, die die weitere Ausbreitung der Ver- schmutzung, die unseren Planeten langsam umbringt, aufhalten muss ... Die fortschreitende Erderwärmung zu stoppen, ist eine Verantwortung, die wir uns, unseren Kindern und all denen gegenüber haben, die die Schöpfung erben, lange nachdem wir gegangen sind.“ Barack Obama, Straßburg, April 2009. Das Jahr 2009 wirD uns als Das Denn Krisen bedeuten immer auch Chancen. Jahr Der FinanzKrise in erinne- Aus der doppelten Bedrohung der Finanz- und rung bleiben. oDer? Klimakrise heraus erwächst jetzt die Chance, die globale Wirtschaft wieder mit der Umwelt Nicht nur, hoffen wir. in Einklang zu bringen und die zukünftige Ent- wicklung der Weltwirtschaft – für alle Bürger 2009 muss uns als das Jahr in Erinnerung der Erde – auf ein nachhaltiges Fundament zu bleiben, in dem die Welt die Antwort auf den stellen. Klimawandel gefunden hat. Als das Jahr, in dem sie den politischen Willen aufgebracht Dies ist Die herausForDerung hat, sich dieser immensen Herausforderung zu unD Die chance Des Jahres 2009. stellen und Worten Taten folgen lässt. 3
  4. 4. „Die Finanzkrise ist Folge der Tatsache, Wenn wir immer mehr Treibhausgase, die zum dass wir über unsere finanziellen Ver- Klimawandel führen, ausstoßen, untergraben hältnisse gelebt haben. Die Klimakrise wir das grundlegende Lebenserhaltungssys- ist Folge der Tatsache, dass wir über die tem des Planeten. Der ehemalige Cheföko- Verhältnisse unseres Planeten leben.“ nom der Weltbank, Lord Stern, schrieb 2006 Yvo de Boer, Generalsekretär des Sekretariats in seinem richtungweisenden Bericht über die der Klimarahmenkonvention der Vereinten wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels, Nationen. das Versäumnis, für diese Emissionen einen Preis festzulegen, sei „das größte Marktver- Die weltweite Finanz- und Klimakrise haben säumnis, das die Welt jemals gesehen hat“. eine gemeinsame Ursache: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Die Welt häuft Dies aufzuholen, ist jedoch ein enormes Unter- gewaltige ökologische Schulden an, ebenso fangen. Unser Wirtschaftssystem – unse- wie sie bereits gewaltige finanzielle Schul- re Zivilisation – ist nur möglich, wenn die den angehäuft hat. Keines von beiden ist grundlegenden Ressourcen, d. h. Atmosphäre, nachhaltig. Meere, Wälder und Böden, und fundamenta- le Prozesse wie das Klimasystem und seine unsere regierungen Können Den Kohlenstoff- und Wasserkreisläufe intakt blei- Kapitalismus nur Dann wieDer ben. Ökonomie und Ökologie gegeneinander erFolgreich in richtige bahnen auszuspielen bedeutet, beide dem Untergang lenKen, wenn sie gleichzeitig et- zu weihen. Sie miteinander in Einklang zu was gegen Die schlimmste Folge bringen, eröffnet die Chance auf eine reichere, mangelnDer nachhaltigKeit – Den nachhaltigere, profitablere und fairere Welt. KlimawanDel – unternehmen. Während die Politiker in den letzten Monaten Die Verbindungen zwischen Finanzen und Billionen von Dollar in die Lösung der Finanz- Klima sind nicht immer offensichtlich erkenn- krise gepumpt haben, haben sie die weitaus bar. Der Grund hierfür liegt in der Art der Bi- bedrohlichere Krise – den Zusammenbruch des lanzierung in den Unternehmen. Die Natur als Klimasystems – bislang vernachlässigt. Die unser grundlegendes Wirtschaftsgut hat keinen Chance, diesen Fehler wieder gutzumachen, Platz in Unternehmensbilanzen oder in den ergibt sich im Dezember dieses Jahres in Ko- meisten nationalen Wirtschaftsdaten. Folglich penhagen. Dort kommt die Welt zusammen, um wird auch ihr Wertverlust nicht erfasst. Nie- Regeln für die Begrenzung von klimaschädli- mand muss die Tatsache rechtfertigen, dass chen Treibhausgasen aufzustellen und um Maß- wir unser natürliches Kapital verschwenden, nahmen für den Umgang mit den unvermeidli- als gäbe es kein Morgen. chen Folgen des Klimawandels zu vereinbaren. Als das Finanzsystem zusammenbrach, ver- wenn Dieses Versäumnis auF Der suchten es einige Länder zu retten, indem sie KlimaKonFerenz Der Vereinten na- frisches Geld druckten. Wenn jedoch die Le- tionen nicht Korrigiert wirD, wirD benserhaltungssysteme unseres Planeten rui- 2009 als Das Jahr in Die geschich- niert sind, haben wir keine derartige Lösung te eingehen, in Dem einer Der zur Verfügung. Einen neuen Planeten können grössten politischen Fehler Der wir nicht erschaffen. weltgeschichte geschehen ist. 4
  5. 5. Krise Jahr 2100 um bis zu 40 Prozent zurückgehen. unD KipppunKte Des Klimas chance Schlimmer noch ist, dass der Planet bestimmte Kipppunkte („Tipping Points“) fast erreicht haben könnte, an denen gesam- Die auFgabe, Die Den Klima- te Ökosysteme in einem neuen Zustand „kip- VerhanDlungsFührern in Diesem pen“. Mit Erreichen dieser Kipppunkte wird Jahr beVorsteht, unD ihre Dring- das globale Klima in einen neuen und labi- lichKeit sinD immens. leren Zustand „katapultiert“. Die Polareisflä- chen in Grönland und der Antarktis werden Der Klimawandel führt bereits heute zu destabilisiert, der Meeresspiegel steigt um schweren Dürren, Überschwemmungen und mehrere Meter an. Eine zunehmende Erwär- Wirbelstürmen sowie zu einer stärkeren Aus- mung des Planeten birgt darüber hinaus die breitung von Krankheiten wie Malaria und Gefahr, dass Milliarden Tonnen von Methan dem Denguefieber. Er schädigt empfindliche aus schmelzendem Permafrost (d. h. aus ganz- Ökosysteme wie beispielsweise das Great jährig gefrorenen Böden) freigesetzt werden Barrier Reef in Australien, den Regenwald sowie CO2 aus Wäldern entweicht, die in zu- des Amazonas und die Arktis. Wissenschaft- nehmendem Maß Dürren, Insektenschäden lern zufolge wäre die Hitzewelle des Jahres und Feuer ausgesetzt sind. Letztlich könn- 2003 mit ihren 30.000 Todesopfern ohne die te sogar das Meereszirkulationssystem zum globale Erwärmung nicht eingetreten. Stillstand kommen. Die Welt steht vor dem Verschwinden ganzer Inselstaaten, aufgrund des An- stiegs des Meeresspiegels. Fast eine Milliarde Menschen leben heute ohne zuverlässige Nahrungsmittelversorgung. Ihre Anzahl wird sich deutlich erhöhen, wenn sich die Wüsten weiter ausbreiten, wenn sich das asiatische Monsunsystem umfassend verändert oder wenn die Ver- sorgung mit Süßwasser aus schmelzen- den Gletschern beispielsweise im Hima- laya immer unregelmäßiger wird. Nach Berechnungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der offiziellen Klimainstitution der Verein- ten Nationen, wird die weltweite Nah- rungsmittelproduktion bei unkontrolliert fortschreitendem Klimawandel bis zum 5
  6. 6. menschheit, Kultur unD öKosysteme haben ein recht auF überleben. Die welt hat Die pFlicht zu hanDeln. um Derartige Katastrophen zu der anderen Seite. Die erste Ländergruppe VerhinDern, ForDern wissen- weist deutlich geringere Pro-Kopf-Emissio- schaFtler, Dass wir Die globale nen und ein erheblich niedrigeres Wohlstands- erwärmung Deutlich unter 2°c niveau auf, während die Industrieländer die begrenzen müssen. hierFür müs- Atmosphäre seit Jahrzehnten verschmutzen. sen wir Die emissionen Der treib- Das eigentliche Problem liegt daher bei den hausgase bis zum Jahr 2050 um reichen Ländern wie den Vereinigten Staaten minDestens 80 prozent gegen- von Amerika und Deutschland, die immer über Den werten Des Jahres noch an Kohlekraftwerksprojekten festhalten, 1990 VerminDern. obwohl ihnen viele andere Möglichkeiten in Form neuer Energien und Technologien offen- Leider werden derzeit in allen Ländern der stehen. Welt neue Kohlekraftwerke gebaut – wichtigs- te Hauptverursacher von CO2. Es gibt jedoch Die umstellung auF co2-arme einen wesentlichen Unterschied zwischen technologien muss Jetzt erFol- China, Indien und den Entwicklungsländern gen. wir DürFen sie nicht länger auf der einen und den reichen Nationen auf hinausschieben. 6
  7. 7. Die gute nachricht ist... wir Können es schaFFen! Wir verfügen über die notwendigen Technolo- Studien von Universitäten, Forschungsein- gien für einen Wandel. Und: Diese werden die richtungen und Nichtregierungsorganisationen Weltwirtschaft nicht ruinieren. Grüne Ener- wie dem WWF zeigen, dass wir jetzt beginnen gietechnologien sind nicht nur der Schlüssel müssen, wenn wir eine Chance haben wollen, zur Stabilisierung des Klimas, sondern auch die neuen Wirtschaftszweige noch rechtzeitig der Weg in eine Zukunft, in der schwindende aufzubauen. natürliche Ressourcen effizienter und nach- haltiger genutzt werden. Eine grüne Welt ist keine Zukunftsmusik. Sie muss hier und jetzt beginnen. wir haben Die weltwirtschaFts- systeme globalisiert. Jetzt müssen wir Den schutz Von umwelt unD Klima globali- sieren, um unseren planeten zu schützen. Die rettung Des Klimas ist Der schlüssel zu einer nachhalti- gen zuKunFt. wir DürFen Keine zeit Verlieren. 7
  8. 8. Der wwF ForDert, Wenn hinsichtlich dieser Ziele Einverneh- Die FolgenDen men hergestellt wird, kann es innerhalb der sechs schlüssel- nächsten Dekade zu einem Spitzenwert der ziele auF Der welt- globalen Treibhausgasemissionen und im KlimaKonFerenz Anschluss daran zu einem raschen Rück- gang kommen – Voraussetzung für die Ab- in Kopenhagen zu wehr des gefährlichen Klimawandels. Vereinbaren: Manche mögen diese Aufgabe zu schwie- rig oder zu „teuer“ finden. Sie verlangt in der Tat Vertrauen zwischen den Nationen, Die reichen Länder sollten als Gruppe die sich zu deutlichen Reduzierungen ihrer ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Emissionen von Treibhausgasen verpflichten Prozent im Vergleich zu den Werten des sowie erhebliche Geld- und Technologieströ- Jahres 1990 senken. Der größte Teil die- me von den reichen zu den armen Nationen. ser Minderungen muss in diesen Ländern selbst erbracht werden. Es ist jedoch unerlässlich, dass wir uns ihr Es müssen Mittel bereitgestellt und die stellen. technologische Zusammenarbeit gefördert werden, um die Einführung kohlenstoffar- Diese Verteilung der Pflichten basiert auf dem mer Wirtschaften in den Entwicklungslän- Verursacherprinzip. Die entwickelten Nati- dern zu unterstützen. onen mit ihren historisch hohen Emissionen Mit geeigneter, bedarfsorientierter Unter- müssen den ärmeren Ländern helfen. Wir alle stützung sollten sich die Entwicklungslän- werden von dieser „Lastenteilung“ zwischen der verpflichten, ihre Emissionen bis zum Nord und Süd profitieren. Jahr 2020 um 30 Prozent gegenüber den derzeitigen Prognosen zu reduzieren. nach Fast zwei Jahrzehnten Ver- Die Maßnahmen der Entwicklungsländer zögerungen seit beKanntwerDen sollten die Beendigung der Waldvernich- Der wissenschaFtlichen ergeb- tung und die damit einhergehenden Emis- nisse zum KlimawanDel ist Kopen- sionen beinhalten. hagen Die letzte chance Für Die Die reichen Nationen müssen die am welt, Den politischen willen zum stärksten gefährdeten und vom Klima- hanDeln auFzubringen. wandel am schwersten betroffenen Länder, Gemeinschaften und Öko- systeme unterstützen und deren An- passungsmaßnahmen finanzieren. Alle Länder müssen einvernehm- lich beschließen, dass die globalen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Pro- zent unter den Werten des Jahres 1990 liegen müssen. 8
  9. 9. KöpFe Für Kopenhagen „Die Finanzkrise ist die übertreffen die schlimmsten Szenarien. Folge der Tatsache, dass Die Folgen von Untätigkeit – oder wir über unsere finanzi- ungenügenden Handelns – sind nicht ellen Verhältnisse gelebt hinnehmbar.“ haben. Die Klimakrise Todd Stern, Klimabotschafter der USA, in ist die Folge der Tatsa- seiner Ankündigung des Endes der Jahre kli- che, dass wir über die mapolitischer Ignoranz der Ära Bush, Bonn, Verhältnisse unseres Planeten leben.“ April 2009. Yvo de Boer, oberster Klimabeamter der Ver- einten Nationen und allgemein für seinen Hu- mor, sein Pflichtbewusstsein und seine diplo- „China hat noch nicht matischen Fähigkeiten geschätzt. das Stadium erreicht, in dem wir die Gesam- temissionen reduzieren „Südafrika [ist] gemein- können, aber wir kön- sam mit vielen unseren nen die CO2-Intensität Partnern unter den reduzieren.“ Entwicklungsländern Su Wei, chinesischer Klimaunterhändler, im entschlossen, deutlich Zuge der Neupositionierung Chinas als Reak- mehr gegen den Klima- tion auf die Initiative der USA in der Klimapo- wandel zu unternehmen. litik, April 2009. Wir sind bereit, unseren angemessenen Beitrag zu unserer gemeinsamen Verant- wortung für die Zukunft zu leisten.“ „Die Finanzkrise hat Marthinus Van Schalkwyk, Minister für Um- gezeigt, dass eine welt und Tourismus, Republik Südafrika, globale Erkenntnis der Kapstadt, 2008. Dringlichkeit einen ein- zigartigen politischen Willen und Kooperation „Wir haben keinen hervorbringen kann. Zweifel an den wissen- Die Größe der Herausforderungen des schaftlichen Erkennt- Klimawandels verlangt ein Engagement nissen, wir haben derselben Größe. Die Geschichte wird keinen Zweifel an der uns anhand unserer kollektiven Leistun- Dringlichkeit, und wir gen beurteilen.“ haben keinen Zweifel Connie Hedegaard, dänische Ministerin für am Ausmaß der vor uns liegenden Her- Klima und Energie, die die Verhandlungen in ausforderung. Die offenkundigen Fakten Kopenhagen leiten wird. 9
  10. 10. zeitübersicht zum weltKlima Atmosphärische CO2-Konzentrationen 1000 – 2005 500 400 Parts per million (ppm) 300 200 100 0 1000 1100 1200 1300 1400 1500 1600 1700 1800 1900 2000 Quelle: CDIAC/Worldwatch 1865: John Tyndall stellt die These auf, dass Gase wie Wasserdampf und CO2 in der „atmo- 1970er Jahre: Beginn der starken „globalen sphärischen Hülle“ die Wärme zurückhalten. Erwärmung“. 1896: Svante Arrhenius sagt voraus, dass 1988: Die Vereinten Nationen richten das eine Zunahme von atmosphärischem CO2 auf- Intergovernmental Panel on Climate Change grund der Verbrennung fossiler Brennstoffe (IPCC) ein, um den Klimawandel wissen- zu globaler Erwärmung führt. Eine Verdoppe- schaftlich zu untersuchen. lung des atmosphärischen CO2 könnte zu ei- nem Anstieg der globalen Durchschnittstem- 1990: Veröffentlichung des ersten Klimafol- peratur um 5°C führen. Die Vorhersagen des genberichts des IPCC. Dieses Jahr wird später Nobelpreisträgers von 1903 blieben mehr als zum Bezugsjahr für künftige Emissionsziele ein halbes Jahrhundert lang unbeachtet. gewählt. 1958: Eine erste kontinuierliche Überwa- chung zeigt rasch ansteigende CO2-Werte in der Atmosphäre. 10
  11. 11. 1992: Erdgipfel (engl. „Earth Summit“) in nis, dass es sich hierbei um das erste extreme Rio de Janeiro. Die Staaten einigen sich auf Wetterereignis handelt, das definitiv auf den die Klimarahmenkonvention der Vereinten vom Menschen verursachten Klimawandel Nationen (UNFCCC), die sie verpflichtet, den zurückgeführt werden kann. Wissenschaftli- gefährlichen Klimawandel zu verhindern. chen Berichten zufolge ist ein Drittel der Welt von Dürren betroffen, doppelt so viele wie in 1995: Nach heftigen Diskussionen, insbe- den 1970er Jahren. sondere mit den OPEC-Staaten, stellt der zweite Klimafolgenbericht des IPCC die enge 2005: Aufgrund einer Dürre wird der Regen- Verbindung zwischen vom Menschen verur- wald am Amazonas vorübergehend von einer sachten Treibhausgasen und dem Klimawan- CO2-Senke zu einer CO2-Quelle. del fest und führt aus, dass „insgesamt erwie- sen ist ...“, dass die globale Erwärmung vom 2007: Massiver Verlust des Sommereises in Menschen verursacht ist. der Arktis löst Befürchtungen eines eisfreien Nordens aus. Der vierte Klimafolgenbericht 1997: Das Kioto-Protokoll wird im Rahmen des IPCC warnt vor einem schnelleren und der Klimarahmenkonvention der Vereinten irreversiblen Klimawandel. Die Klimakonfe- Nationen verabschiedet. Es beinhaltet die renz auf Bali legt einen Zeitplan für die Ver- ersten Emissionsreduktionsziele für Industrie- einbarung eines Nachfolgeprotokolls für das länder für den Zeitraum 2008 bis 2012. Alle Kioto-Protokoll fest. großen Nationen unterzeichnen. 2008: Klimakonferenz im polnischen Posen; 1998: Das wärmste Jahr im wärmsten Jahr- langsamer Fortschritt der Verhandlungen, da zehnt im wärmsten Jahrhundert seit mindes- viele Beteiligte darauf warten, dass die neue tens 1.000 Jahren. Regierung unter Präsident Obama in den USA ihre Haltung zu erkennen gibt. 2001: Die Vereinten Nationen einigen sich in Marrakesch auf methodologische und an- 2009: Schicksalsjahr für das Klima mit zahl- dere Details des Kioto-Protokolls. Die USA reichen Zwischenverhandlungen, die im De- und Australien weigern sich, das Protokoll zu zember in einem zu verabschiedenden Kopen- ratifizieren. hagen-Protokoll münden sollen. 2003: In Europa kommen in einer Hitzewel- le über 30.000 Menschen ums Leben. Wis- senschaftler gelangen später zu der Erkennt- 11
  12. 12. Klimawissen- schaFt auF einen blicK Historische CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe 1900 – 1999 (in % der Gesamtemissionen) 30 sche Entwicklungsländer China, Indien und asiati- Süd- und Mittelamerika Ehemalige UdSSR Naher Osten Australien Kanada Europa Japan Afrika USA 0 Quelle: CDIAC Wir wissen, dass Treibhausgase wie beispiels- Emissionen in die Atmosphäre nehmen seit weise CO2 die Atmosphäre erwärmen, indem dem Jahr 2000 um mehr als zwei Prozent sie die von der Erdoberfläche abgestrahlte jährlich zu. Diese zusätzlichen Treibhausgase Wärme zurückhalten. Dies ist seit 100 Jah- stammen zum allergrößten Teil aus der Ver- ren bekannt. Die ersten Berechnungen, denen brennung fossiler Brennstoffe und der Zerstö- zufolge eine Verdoppelung des atmosphäri- rung von Wäldern, die beide jeweils aus Koh- schen CO2 zu einem Temperaturanstieg um lenstoff bestehen. 2 bis 6°C führt, wurden vor mehr als einem Jahrhundert von dem schwedischen Chemiker Es widerspräche 100 Jahren physikalischer Svante Arrhenius durchgeführt. Die heutigen Erkenntnisse, wenn dieses CO2 den Planeten Klimamodelle stimmen im Wesentlichen da- nicht erwärmte. mit überein. Von dem beschriebenen Prozess abgesehen, Wir wissen, dass sich die Erde erwärmt. Im gibt es keine andere Erklärung für die festge- Durchschnitt um 0,74°C während des vergan- stellte Erderwärmung. Sonnenzyklen haben in genen Jahrhunderts und zum größten Teil seit den vergangenen Jahrzehnten im Durchschnitt 1970. weniger als zehn Prozent hierzu beigetragen, während Vulkanausbrüche und andere bekann- Vom Menschen verursachtes CO2 ist für den te Natureinflüsse auf das globale Klima seit größten Teil dieser Erwärmung verantwort- 1970 einen kühlenden Effekt hatten. Seitdem lich. Die Konzentrationen von CO2 in der wurden die stärkste Gesamterwärmung und die Atmosphäre liegen heute um fast 40 Prozent größten Zunahme von CO2 und anderen Treib- über den Werten von vor 200 Jahren und die hausgasen in der Atmosphäre beobachtet. 12
  13. 13. Die prognose Das IPCC berichtet seit 20 Jahren regelmä- Die Erwärmung, verbunden mit zunehmen- ßig über wissenschaftliche Erkenntnisse auf der Wärmeenergie und Wasserdampfmengen dem Gebiet des Klimawandels. Der jüngste in der Atmosphäre, wird zu extremen Kli- Bericht belegt „ohne jeden Zweifel“, dass der ma- und Wetterbedingungen führen. Stürme Klimawandel eine Tatsache ist und sich dras- und Orkane treten heftiger und häufiger auf. tisch verschlimmern wird, wenn wir nicht so- Feuchtregionen werden feuchter und Trocken- fort und entschlossen handeln. gebiete trockener. Dürren, die schon jetzt ge- häuft auftreten, werden länger und extremer. Derzeit nimmt die Natur mit ihren Meeren und Zugleich betreffen sie neue Regionen, darun- Wäldern etwa die Hälfte des CO2 auf, das wir ter den Mittelmeerraum, den Nahen Osten, ausstoßen. Der Rest bleibt über Jahrhunderte Zentralasien und das südliche Afrika, wo die in der Atmosphäre. Die Menge des von den Niederschlagsmengen deutlich zurückgehen natürlichen Ökosystemen aufgenommenen werden. CO2 nimmt jedoch kontinuierlich ab. Deshalb reicht es nicht aus, die Emissionen auf dem Durch abschmelzende Gletscher und Land- heutigen Level konstant zu halten. Und: Jede eismassen steigt der Meeresspiegel. Dem weitere Tonne CO2, die wir in die Luft aussto- 4. Klimabericht des IPCC zufolge wird der ßen, verschlimmert die Situation. Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um mehr als einen Meter ansteigen. Dadurch werden min- um Den globalen temperaturan- destens 100 Millionen Menschen in Asien, stieg zu begrenzen, müssen wir überwiegend im östlichen China, in Bangla- Den ausstoss Von treibhausgasen desh und Vietnam, heimatlos, ebenso vierzehn so schnell wie möglich stoppen. Millionen Menschen in Europa und jeweils acht Millionen in Afrika und Südamerika. was passiert wenn wir Das nicht tun? all Dies ist möglicherweise nur Der anFang ... „Business as usual“ ist nicht gut für die Wirt- schaft – aber auch nicht für Mensch und Na- „Es gibt Kipppunkte im Klimasystem, tur. Die globalen Temperaturen werden weiter denen wir schon sehr nahe sind. Wenn ansteigen – um mindestens 2 bis 4,5°C bis wir sie überschreiten, kann die Dynamik Ende dieses Jahrhunderts. Am stärksten wird des Systems unbeherrschbar werden und die Erwärmung im Inneren der Kontinente sehr weit reichende Veränderungen mit und in den Polarregionen sein. sich bringen, auf die wir keinen Einfluss mehr haben.“ James Hansen, NASA, Juni 2008. 13
  14. 14. mögliche KipppunKte Forscher machen die Freiset- sinD beispielsweise: zung von Methan für frühere plötzliche globale Erwärmungs- perioden verantwortlich. Auseinanderbrechen des Inlandeises in Grönland und/oder der westlichen Antark- Zusammenbruch des Meeresströmungs- tis. Diese Eismassen sind drei Kilometer systems mit der Folge schwerwiegender dick und bedecken eine Fläche von je- Klimaveränderungen einschließlich einer weils mehr als zwei Millionen Quadrat- radikalen Abkühlung in Europa und ei- kilometer. Das Schmelzen bereits einer nes möglichen Ausbleibens des Monsuns dieser Eismassen ließe den Meeresspiegel in Asien. Dieser ist lebenswichtig für die um sechs Meter oder mehr ansteigen. Wasserversorgung und Nahrungsmitteler- zeugung im größten Teil von Asien. Absterben des Regenwaldes am Amazo- nas durch Hitze, Trockenheit und Wald- science-Fiction? brände. Dies würde zu einer immensen Freisetzung von CO2 und dadurch einer Die Risiken einer rapiden Klimaveränderung weiteren Erwärmung des Planeten führen. sind von der Wissenschaft noch nicht in vol- Das würde weitere Wälder destabilisieren, lem Umfang quantifiziert. Sie sind jedoch real. die Erwärmung schritte fort und eine der Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, dass wichtigsten CO2-Senken unseres Planeten die Wahrscheinlichkeit, dass die Meeresströ- sowie ein einzigartige Quelle von Arten- mung noch in diesem Jahrhundert aussetzt, vielfalt ginge verloren. lediglich 1:3 beträgt. Diese Unsicherheit ist jedoch eher Grund zur Sorge als zur Gelassen- Freisetzung von Milliarden Tonnen von heit. Sie zeigt, wie wichtig wissenschaftliche bislang im Permafrost zurückgehaltenem Studien sind, damit bei den Klimaverhandlun- Methangas. Methan ist ein Treibhausgas, gen aktuelle Fakten vorliegen. das die Erwärmung noch weiter verstärkt. Abschmelzen der Verlust des arktischen Meereises Eismasse in Grönland Verlust von Durch den Permafrost Absterben der Atlantische Tiefen- Klimawandel Absterben und Tundra Wälder auf der wasserbildung verursachtes der Boreal- Nordhalbkugel Ozonloch wälder Bedrohung des Verschiebung des regelmäßigen Änderung von Amplitude westafrikanischen indischen Monsuns Absterben des oder Frequenz von Regenwaldes Monsuns ozeanischen Temperatur- am Amazonas schwankungen (ENSO/El-Niño) Instabilität der Veränderungen der westantarktischen Eismasse antarktischen Bodenwasserbildung Quelle: nach Lenton/National Höhere Bevölkerungsdichte Academy of Sciences 14
  15. 15. wie Können wir Die erwärmung unter 2ºc begrenzen? trotz aller unsicherheiten gibt Konzentration von CO2 und anderen vom es Die zunehmenDe übereinstim- Menschen erzeugten Treibhausgasen in der mung, Dass Der geFährliche unD Atmosphäre stabilisieren. Der Einfachheit irreVersible KlimawanDel nur halber fasst man in der Wissenschaft diese Dann VerhinDert werDen Kann, Gase unter der Bezeichnung „CO2-Äquiva- wenn Der globale temperatur- lent“ zusammen. Die aktuelle CO2-Konzen- anstieg so weit wie möglich auF tration beträgt 386 parts per million (ppm). weniger als 2°c gegenüber Den Zusammen mit den anderen Gasen beträgt VorinDustriellen werten be- das CO2-Äquivalent derzeit ca. 462 ppm und grenzt wirD. steigt weiter an. Dies mag wenig erscheinen. Es bedeutet aber um langFristig Klimastabilität zu immer noch, dass die Welt dann wärmer sein gewährleisten, muss Die Konzen- wird als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt trationen Des co2-äquiValents während der vergangenen eine Millionen zunächst wieDer auF 400 ppm unD Jahre. letztlich auF VorinDustrielle werte gesenKt werDen. Wie viel schon kleine Temperaturschwankun- gen ausmachen können, zeigt auch folgendes: ist Dies möglich? Die heutige Temperatur liegt nur etwa 6°C über den Tiefst- werten der letzten Eiszeit. Da- mals lag der größte Teil Euro- pas und Nordamerikas unter einem dicken Eispanzer und der Meeresspiegel war meh- rere zehn Meter niedriger als heute. Um die Temperaturen zu sta- bilisieren, müssen wir die 15
  16. 16. Ja – es ist machbar! Langfristig werden die Meere und Wälder schen dem Jahr 2000 und heute emittiert. mehr des CO2 aufnehmen, das wir ausstoßen. Zusätzlich zu einer deutlichen Reduzierung Uns bleiben noch einige wenige Jahrzehnte, von Treibhausgasemissionen müssen wir uns um zu handeln. Einerseits führen Emissionen entschieden daran machen, CO2 aus der At- erst mit einer gewissen Verzögerung zu stei- mosphäre zu beseitigen. genden Temperaturen. Andererseits schützt uns bislang ein dünner Schadstoffschleier Hierzu bedarf es nicht nur einer massiven aus Rauch und anderen Nicht-Treibhausgas- Wieder- und Neuaufforstung, sondern auch Emissionen vor einem Teil der Erwärmung, neuer CO2-Abscheidungs- und Speicherungs- indem sie die Intensität der Sonneneinstrah- technologien, nachhaltig erzeugter Bioener- lung vermindern. gieträger als Ersatz für fossile Brennstoffe sowie neuer Technologien zur Reduzierung zwischen Den Jahren 2000 unD der CO2-Konzentrationen in der Atmosphä- 2050 Können wir Die atmosphäre re. Wie vom IPCC festgestellt, muss die Welt Vermutlich höchstens noch mit für eine kohlenstoffarme Entwicklung bis zur weiteren 1.000 milliarDen tonnen Mitte des Jahrhunderts zu einer CO2-Senke co2 oDer 1.400 milliarDen tonnen werden. Emissionen zu reduzieren reicht co2-äquiValenten belasten. nicht mehr aus. Wir müssen bereit sein, wei- ter zu gehen. Dies entspricht etwa 20 Jahren mit heutigen Emissionswerten aus der Verbrennung fossi- wir bewegen uns schon sehr nah ler Brennstoffe, Entwaldung und veränderter am abgrunD. Landnutzung. Darüber hinaus wurde bereits weitere Fehler Können wir uns über ein Drittel dieses „CO2-Budgets“ zwi- nicht mehr leisten. 16
  17. 17. Die co2-senKen unD -quellen Der natur Etwa die Hälfte der CO2-Emissionen aus werden, ihr CO2 in die Luft freisetzen und menschlicher Aktivität werden rasch von den damit die Erwärmung weiter beschleunigen. beiden großen natürlichen CO2-Speichern auf Während der Dürre im Jahr 2005 starben viele der Oberfläche unseres Planeten aufgenom- Bäume oder wuchsen nicht weiter – und wur- men: Wälder und Meere. Zum Glück. Ohne den dadurch zu CO2-Quellen. In diesem Jahr diesen Gratisservice der Natur wäre die Welt setzte der Regenwald am Amazonas fünf Mil- bereits heute viel wärmer. liarden Tonnen CO2 frei. Dies entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von Europa und Der erhalt Der „co2-senKen“ ist Japan zusammen. Daher lebenswichtig, um Die ge- schwinDigKeit Des KlimawanDels Denkbar ist auch, dass einige Meere durch zu bremsen. Erwärmung ihre Fähigkeit zur Aufnahme von CO2 verlieren. Das Südpolarmeer um die Statt jedoch diese natürlichen Speicher zu Antarktis, zuvor eine der größten natürlichen schützen, zerstören wir sie. Wenn wir bei- CO2-Senken des Planeten, hat in den vergan- spielsweise Wälder roden, gelangt das in genen 25 Jahren weniger CO2 aufgenommen. ihnen gespeicherte CO2 in die Atmosphäre. Warum dies so ist, ist nicht vollständig be- Statt als CO2-Senken zu wirken, werden sie kannt. Jedoch ist eine Kombination mehrerer zu CO2-Quellen. Die Entwaldung ist heute für Faktoren wahrscheinlich. Zum Einen die be- etwa ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen grenzte Aufnahmefähigkeit aufgrund rapide verantwortlich. zunehmender Emissionen. Zum Anderen das verstärkte Ausgasen von CO2 aus wärmeren Zwar nehmen die noch lebenden Wälder wei- Gewässern sowie wärmeres Oberflächenwas- terhin CO2 auf, jedoch wandeln sie sich durch ser, welches das Wachstum von Algen hemmt. die Abholzung insgesamt von einer CO2-Sen- Diese haben jedoch die wichtige Funktion, ke zu einer Quelle. den größten Teil des überschüssigen CO2 auf- zunehmen. aus Diesem grunD ist es so wich- tig Für Den Klimaschutz, Der ent- „Ich fürchte, dass wir bei weiter steigen- walDung einhalt zu gebieten. der Temperatur keine lebenden Korallen mehr haben, die wir den Touristen zeigen Eine weitere große Gefahr besteht darin, dass können.“ viele Wälder auch dann, wenn wir die Ent- Carlton Young Junior, Tauchlehrer und Reise- waldung stoppen, Opfer des Klimawandels veranstalter, Belize. 17
  18. 18. Das Klima-abKommen: Das Kioto- protoKoll in Kürze Das Kioto-Protokoll wurde im Dezember Der CDM hat bislang über 1.000 Projekte 1997 in der gleichnamigen japanischen Stadt registriert. Weitere 4.000 sind angemeldet. von 184 Staaten vereinbart. Es trat 2005 in Diese könnten letztlich zu Emissionsminde- Kraft und verpflichtet 37 Industrienationen, rungen führen, die die gemeinsamen derzeiti- während des Zeitraums von 2008 bis 2012 ihre gen Emissionen von Australien, Deutschland Emissionen um durchschnittlich 5 Prozent un- und Großbritannien übersteigen. Die Projekte ter die Werte des Jahres 1990 zu reduzieren. reichen von Windturbinen in Indien über die Speicherung und Nutzung von Methan aus Das protoKoll war ein histori- Deponien in Brasilien bis hin zu Erdwärme- scher „erster schritt“ zur Kon- kraftwerken in Mittelamerika. trolle Von treibhausgasen unD schuF Die rahmenbeDingungen Angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Für massnahmen zur beKämpFung Projekte im Rahmen des CDM auf einige we- Des KlimawanDels. nige Länder (insbesondere China, Indien, Bra- silien und Mexiko) entfällt, gibt es Bedenken, Es hat viele Industrienationen dazu veran- dass die am wenigsten entwickelten Länder, lasst, politische Institutionen und Richtlinien vor allem in Afrika, das Nachsehen haben. zu schaffen, um Emissionsminderungen zu Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass zu viele erreichen. Einige Länder und Regionen haben Projekte nur wenig wirkliche Emissionsmin- bereits damit begonnen, ihre Emissionen tat- derungen bringen. sächlich zu reduzieren. Der Einfluss des Pro- tokolls auf die Zunahme globaler Emissionen eine reForm Des cDm wirD ist jedoch sehr begrenzt und einige seiner Me- Deshalb allgemein Für nötig chanismen sind fragwürdig. erachtet. Beispielsweise können die Staaten ihre Re- Darüber hinaus können Länder mit Kioto-Zie- duktionsziele zum Teil durch Investitionen len ihre Emissionsrechte unter sich verteilen in Emissionsreduzierungsprojekte in anderen (wie im Falle des EU-Emissionshandels ge- Ländern erfüllen. Der derzeit größte dieser schehen) oder diese verkaufen. Dieser Handel „flexiblen Mechanismen“ ist der Clean Deve- soll den Klimaschutz kosteneffizienter gestal- lopment Mechanism (CDM). Mit ihm finan- ten, indem maximale Emissionsminderungen zieren Investoren Emissionseinsparungspro- dort realisiert werden, wo die Kosten ihrer jekte in Entwicklungsländern und lassen sich Umsetzung am niedrigsten sind. die Einsparungen auf ihre eigenen Emissionen zu Hause anrechnen bzw. verkaufen diese an andere Emittenten. 18
  19. 19. „Seit 20 Jahren fotografiere ich die aufgelegt, um die Anpassungsmaßnahmen alljährliche Ansammlung von Eisbären der am stärksten gefährdeten Länder an den in der kanadischen Hudson Bay. Der Klimawandel zu unterstützen. Finanziert wird Winter setzt von Jahr zu Jahr später ein. dieser Fonds durch eine Abgabe von zwei Jede Woche, die die Eisbären später zum Prozent auf CDM-Transaktionen, jedoch wur- Jagen auf das Eis können, bedeutet, dass den bislang noch keine Projekte im Rahmen sie weniger Körperfett ansetzen und we- dieses Mechanismus finanziert. niger gesund sind. Sie werden kleiner und leichter. Wenn sich diese Entwicklung Die im protoKoll Vorgesehenen fortsetzt, gibt es in 20 bis 30 Jahren keine sanKtionen bei nicht-erFüllung Eisbären mehr in der Hudson Bay.“ Der ziele zeigen so gut wie Keine Daniel J. Cox, Tierfotograf, Kanada. wirKung. Kanada stößt gegenwärtig mehr als 25 Prozent Für Entwicklungsländer sind im Kioto-Proto- an Treibhausgasen mehr (gegenüber 1990) koll Verpflichtungen, jedoch keine verbindli- aus, obwohl für das Land eine Minderung um chen Emissionsziele vorgesehen. So können sechs Prozent vorgegeben ist. Die Vereinigten sie beispielsweise durch Teilnahme am CDM Staaten haben sich 2001 sogar ganz aus dem Gelder für Projekte zur Reduzierung von Protokoll zurückgezogen. Emissionen erhalten. Die Industrieländer sind verpflichtet, die Anstrengungen der Entwick- Das Kioto-Protokoll ist keinesfalls perfekt, lungsländer durch finanzielle Mittel und den aber dennoch wichtig. Gerade weil seine Vor- Transfer von Technologien zu unterstützen. gaben für Emissionsminderungen Ende 2012 auslaufen, müssen jetzt dringend die nächsten In den jüngsten Klimaverhandlungen wurde Schritte eingeleitet werden. darüber hinaus auch ein Anpassungsfonds auFbauenD auF Den rahmenbeDingungen Des Kioto-proto- Kolls muss ein an- spruchsVoller unD umFassenDer Klima- Vertrag geschaFFen werDen, Der Den wissenschaFtlich erwiesenen risiKen Des KlimawanDels begegnet. 19
  20. 20. emissionen um 80prozent senKen! Kopenhagen muss mehr leisten Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkennt- als Kioto. nissen dürfen wir zwischen 2000 und 2050 nicht mehr als ca. 1.400 Milliarden Tonnen Die Welt ist heute wärmer, der Klimawandel CO2-Äquivalente ausstoßen, damit die globale stärker, und die weltweiten Treibhausgasemis- Erwärmung unterhalb von 2°C bleibt. sionen liegen 25 Prozent höher als noch 1990. Dank eines Jahrzehnts Forschung und zweier hierFür müssen Die weltweiten weiterer IPCC-Berichte kennen wir darüber emissionen bis zum Jahr 2050 auF hinaus auch die Gefahren, die auf uns zukom- minDestens 80 prozent Der werte men, wenn wir nicht handeln. Des Jahres 1990 reDuziert werDen. Die meisten staaten stimmen Darin überein, Dass Die globale Das bedeutet auch, dass die globalen Emissi- erwärmung auF weniger als 2°c onen im Jahr 2015 ihren Höchstwert erreicht begrenzt werDen muss. haben und anschließend stark zurückgehen müssen. Und selbst dann müssen die Emissi- Sie stimmen – zumindest theoretisch – auch onen auch nach 2050 weiter reduziert werden, darin überein, dass die Welt einen mittel- und um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre langfristigen Plan für die Senkung und Sta- auf akzeptable Werte zu reduzieren. Mit an- bilisierung der Treibhausgaskonzentrationen deren Worten: Wir müssen CO2 aus der Luft aufstellen muss, um dies zu erreichen. Des- entfernen – durch Aufforstung oder mit tech- halb: In Kopenhagen müssen die Staaten an- nologischen Mitteln. hand einer konsequenten wissenschaftlichen Beurteilung entscheiden, was getan werden muss, um die Klimakatastrophe zu verhin- dern. 20
  21. 21. „Wir leben auf einer Insel und erle- Die langfristigen Ziele für 2050 müssen für ben die Naturgewalten in Form von alle Industrieländer gelten, ebenso wie auch Wirbelstürmen und Sturmfluten. Das für alle anderen großen Verursacher von Meer spült unsere Häuser, unser Land Treibhausgasemissionen. Die Länder mit den und unser Vieh fort. Wenn das Wasser höchsten Emissionswerten, die gemeinsam zurückweicht, ist unser Land versalzen etwa 80 Prozent aller Emissionen weltweit ver- und nicht mehr bepflanzbar. Die Dinge ursachen, müssen so schnell wie möglich han- ändern sich schnell. Zweimal habe ich deln. Gleichzeitig sollte sich die Welt jedoch schon mein Haus verloren, und ich auf eine Zukunft mit „Null-CO2-Emissionen“ fürchte mich vor dem dritten Mal. Wir vorbereiten, vor allem durch den freiwilligen sind absolut hilflos, weil wir nicht vor- Einsatz sauberer Energietechnologien. Wir gewarnt werden. Wir schaffen es nicht müssen unsere Gewohnheiten (die CO2 produ- einmal, unsere Habe zusammenzusuchen zieren) auf dieselbe Weise über Bord werfen, und in Sicherheit zu bringen.“ wie die Industrienationen im 20. Jahrhundert Intaz Sah, lebt an der indischen Küste. beschlossen hatten, den tödlichen Kohlen- staubsmog abzuschaffen. Die inDustrielänDer müssen hanDeln. Die Vereinigten Staaten müssen einem globalen Kli- marahmenabkommen beitre- ten. Zugleich sollen sie die neuindustrialisierten Länder, darunter Malaysia, die Re- publik Korea, Saudi-Arabien und Singapur, sowie Schwel- lenländer wie beispielsweise China, Brasilien, Indonesien, Indien, Südafrika und Mexi- ko von Anfang an in diesen Prozess einbeziehen. wie Können wir si- cherstellen, Dass Die globalen emissi- onen innerhalb Des nächsten Jahrzehnts ihren spitzenwert erreichen unD Dann zurücKgehen? 21
  22. 22. Verantwortung Dies reicht nicht aus. Je weniger CO2-Einsparun- übernehmen gen wir heute vornehmen, desto mehr legen wir uns … ziele Für Die auf schmutzige Infra- inDustrienationen strukturen fest und desto größer ist die Gefahr, dass die Schwelle von 2°C überschritten wird. auF Der grunDlage Der wissen- schaFtlichen erKenntnisse Des Der wwF ForDert, Dass sich alle ipcc stellte Die KlimaKonFerenz inDustrielänDer VerbinDlich Ver- auF bali 2007 Fest, Dass Die inDus- pFlichten, ihren treibhausgasaus- trielänDer bis zum Jahr 2020 ihre stoss bis zum Jahr 2020 um 40 pro- emissionen um 25 bis 40 prozent zent gegenüber 1990 zu senKen. gegenüber Den werten Des Jah- Der grösste teil Dieser minDerung res 1990 reDuzieren müssen. muss „zu hause“ erFolgen. Zusätzlich müssen sie weitaus einschneiden- Wenn die Industrienationen dieses Ziel nicht dere Reduktionen vorsehen, um die globale erreichen, schränkt dies die künftigen Hand- Erwärmung auf niedrige Werte zu begrenzen. lungsoptionen im Kampf gegen den Klima- wandel empfindlich ein. Insbesondere be- Die Europäische Union sieht als einzige deutet dies den Verbrauch atmosphärischen eine 20-prozentige und, sofern andere Staaten „Raums“ für Emissionen, den man den är- mitziehen, eine 30-prozentige Emissionsein- meren Ländern im Zuge des Aufbaus ihrer sparung vor. Der Vorschlag der EU beinhaltet Wirtschaft überlassen sollte. Jede von einer jedoch zu viele Möglichkeiten, die Emissi- Industrienation emittierte Tonne CO2 ist eine onsminderungen durch Projekte in Entwick- Tonne, die nicht von einem Entwicklungsland lungsländern zu erfüllen. Dies bedeutet, dass emittiert werden kann. die EU „zu Hause“ (also innerhalb der EU) gerade einmal fünf Prozent ihrer Emissionen Ebenso wenig dürfen wir bis zum Jahr 2020 zwischen heute und dem Jahr 2020 einspart. warten, bevor wir handeln. Es darf keine Lü- cke zwischen der Kioto-Verpflichtungsperio- Die Regierung der Vereinigten Staaten hat de von 2008 bis 2012 und der nachfolgenden ihre Absicht erklärt, ihre Emissionen bis zum Verpflichtungsperiode entstehen. Kopenhagen Jahr 2020 auf die Werte des Jahres 1990 zu- muss Ziele für die Verpflichtungsperiode von rückzufahren. Weitere Minderungen würden 2013 bis 2017 festlegen. Ebenso muss das Da- erwogen. Kanada hat, wenn überhaupt, nur tum für den Beginn der Verhandlungen über geringe Anstrengungen unternommen, um Ziele für den Zeitraum von 2018 bis 2022 auf seine Emissionen entsprechend seinen Kioto- spätestens 2013 gelegt werden. Der WWF Verpflichtungen zu reduzieren. Japan und schlägt weiterhin eine Notfall-Überprüfungs- Russland hingegen haben sich bislang zu klausel vor, damit die Welt unverzüglich auf überhaupt keinen wesentlichen Emissionsre- schlechte Nachrichten aus der Wissenschaft duzierungen nach 2012 verpflichtet. reagieren kann. 22
  23. 23. Die tiger an Den VerhanDlungstisch Das Kioto-Protokoll teilt die Welt ein in fossiler Rohstoffe mittlerweile auf dieselben reiche Industrienationen, denen Emissi- Werte wie die von Großbritannien und auf onsziele zugeteilt wurden (den so genannten mehr als das Doppelte von Rumänien. Taiwan, Annex-1-Staaten) und alle anderen Staaten. die Republik Korea und Israel haben ebenfalls So einfach ist die Welt jedoch nicht. Einige ihre Pro-Kopf-Emissionen seit 1990 verdop- Nicht-Annex-1-Staaten sind mittlerweile In- pelt und somit ebenfalls europäische Werte er- dustrieländer geworden und heute reicher als reicht. Die Emissionen Singapurs sind um fast manche Annex-1-Staaten wie beispielsweise 50 Prozent gestiegen und liegen heute über Rumänien und die Ukraine. Dank ihres Wirt- den Werten der meisten europäischen Länder. schaftsaufschwungs weisen sie heute höhere Pro-Kopf-Emissionen und höhere Pro-Kopf- Viele Golfstaaten, die bislang von den Zielen Einkommen auf. des Kioto-Protokolls ausgenommen waren, weisen sogar noch höhere Emissionen auf. Der WWF ist der Ansicht, dass sich diese Län- Saudi-Arabien hat seine Emissionen seit 1990 der nicht länger hinter ihrem offiziellen Status nahezu verdoppelt und liegt damit heute über als Entwicklungsländer verstecken dürfen. Sie den Pro-Kopf-Emissionen aller europäischen müssen sich ihrer Verantwortung als nunmehr Länder mit Ausnahme Luxemburgs. Die Ver- industrialisierte Länder stellen und sich zu einigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait verbindlichen Emissionsziele verpflichten. und Qatar besetzen heute die vier Spitzenposi- tionen in der Pro-Kopf-Tabelle. Beispielsweise belaufen sich die Pro-Kopf- Emissionen Malaysias durch die Verbrennung Veränderung der CO2-Emissionen aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe 1990 – 2005 (Index) 500 VAE [Vereinigte Arabische Emirate] 400 300 Index 100 = Wert des Jahres 1990 200 Republik Korea Saudi-Arabien Indonesien Rumänien Singapur Malaysia Bahrain 100 Taiwan Kuwait Indien China Qatar Israel USA 0 23
  24. 24. ein historisches abKommen … In Kioto haben Entwicklungsländer wie bei- Dies ist eine wichtige wenn auch umstrittene spielsweise China, Indien und Brasilien viel Forderung an die Entwicklungsländer. Sie ist Verantwortung übernommen, jedoch ohne jedoch für unseren Planeten unabdingbar, und Emissionsziele. Mit Ausnahme der neuindus- sie kann auf faire Weise umgesetzt werden. trialisierten Länder sind ihre Emissionen pro Kopf der Bevölkerung gering, gemessen an Diese Forderung kann mit dem Grundgebot den Emissionen von Industrieländern. China der Fairness in Einklang gebracht werden, verursacht beispielsweise ebenso viel CO2 wenn die reichen Nationen für die zusätzli- wie die USA, hat jedoch vier Mal so viele chen Kosten aufkommen, die dieser grünere Einwohner und folglich geringere Pro-Kopf- Entwicklungspfad mit sich bringt. Dies ist Emissionen. Darüber hinaus ist der historische letztlich nur deshalb nötig, weil die entwi- Beitrag Chinas zur Belastung der Atmosphäre ckelten Länder die Erwärmung des Planeten mit Treibhausgasen geringer als seine aktuel- verursacht und den größten Teil des atmo- len Emissionen. So verursachen die 100 Län- sphärischen „Raums“ für Treibhausgase in der mit den geringsten Emissionen zusammen Anspruch genommen haben. gerade einmal drei Prozent aller weltweiten Emissionen. „Der Monsun kommt später und dauert kürzer. Wegen der Veränderungen kom- Dennoch nehmen die Emissionen der Ent- men nicht mehr so viele Blaukrabben aus wicklungsländer in dem Maß zu, in dem ihre dem Südchinesischen Meer zu uns. Der Wirtschaft wächst. Mittlerweile sind sie für Fang ist von 300 Gramm pro Falle auf etwa die Hälfte der weltweiten Emissionen gerade einmal 30 Gramm zurückgegan- verantwortlich. Kein Land – ob reich oder arm gen. Im Dezember 2008 wurde mir der – auf diesem Planeten kann es sich leisten, Vertrag für die Lieferung von Krabben dass seine Wirtschaft dieselbe „Business-as- an eine Fabrik, die den amerikanischen usual“-Entwicklung nimmt wie in der schmut- Markt beliefert, gekündigt.“ zigen Vergangenheit. Christopher Kong, Krabbenfischer, Sabah, Malaysia. Der wwF pläDiert DaFür, Dass sich Die entwicKlungslänDer mit ihren emissionen so schnell wie möglich Von Der „business-as- usual“-entwicKlung abKehren unD Diese bis zum Jahr 2020 um 30 prozent gegenüber ihren eigent- lichen werten senKen müssen. 24
  25. 25. … zur chen, seine Emissionen zwischen heute und dem Jahr 2050 um 50 rettung Des Prozent zu reduzieren, und ei- nigte sich im April 2009 mit der planeten Regierung unter Präsident Oba- ma auf eine Zusammenarbeit in der Minderung von Emissionen. China, Brasilien und Indien re- duzieren die CO2-Intensität ihrer Wirtschaft und bauen den Be- reich der erneuerbare Energien aus. Vor kurzem verpflichteten sich die Philippinen, ihren An- teil erneuerbarer Energien auf 50 Prozent bis zum Jahr 2020 aus- zuweiten. Auch die großen Nati- onen mit starker Entwaldung wie beispielsweise Indonesien und Die gute nachricht ... Brasilien haben sich das sehr ehrgeizige Ziel Für Die entwicKlungslänDer: gesetzt, die Entwaldung um ca. 70 Prozent bis zum Jahr 2020 zu reduzieren. ist, dass sie durch Überspringen konventio- neller Technologien und schnelles Einführen Der wwF schlägt Vor, Dass Die emissionsarmer Verfahren und Prozesse viele entwicKlungslänDer nationale Nachteile CO2-intensiver Technologien ver- massnahmenpläne Für eine co2- meiden können: Umwelt- und Luftverschmut- arme wirtschaFt (low carbon zung, ungesunde Lebensbedingungen für den action plans) ausarbeiten. Menschen und Schädigung der Natur. Darüber hinaus sind die grünen, CO2-armen Technolo- Diese Pläne sollten eigene Prioritäten für eine gien effizienter und sparen langfristig Geld. nachhaltige Entwicklung berücksichtigen, gleichzeitig aber auch das Ziel einer Minde- Die gute nachricht ... rung um 30 Prozent gegenüber dem „Busi- Für Die inDustrienationen: ness-as-usual“-Szenario ermöglichen. Einige dieser „Minderungsmaßnahmen“ werden sich ist, dass unser Planeten vielleicht doch noch selbst tragen, viele andere werden jedoch auch in der Lage ist, den Folgen der umwelt- und Investitionen und technologische Unterstüt- klimaschädlichen Industrialisierung zu ent- zung durch die Industrienationen erfordern. kommen. Wenn die am wenigsten entwickelten Länder Eine Handvoll Entwicklungsländer stellt sich im Rahmen ihrer Entwicklungsstrategien ei- bereits der Herausforderung. Südafrika hat sich gene Pläne für eine CO2-arme Entwicklung dazu verpflichtet, dass seine Emissionen An- erstellen, ermutigt der WWF sie ausdrücklich. fang der 2020er Jahre ihr Maximum erreichen Hierzu sollten sie jedoch zum gegenwärtigen und danach abnehmen. Mexiko hat verspro- Zeitpunkt nicht verpflichtet sein. 25
  26. 26. Das Klima-abKommen: anpassung Der Klimawandel ist Realität. Er gefährdet ausgesetzt sinD, sinD am wenigs- bereits heute menschliche Existenzen und ten Für seine entwicKlung Ver- die Lebenserhaltungssysteme der Natur. Die antwortlich. durch den Klimawandel noch verstärkten Naturkatastrophen töten Menschen. Die Welt Diese Länder sind arm und liegen an Orten, muss sich auf den unausweichlichen Klima- wo das Klima – ohnehin schon eine Bedro- wandel einstellen und sich gleichzeitig bemü- hung – immer gefährlicher wird. hen, Schlimmeres zu verhindern. Wenn Wet- terereignisse gefährlicher werden, müssen wir Die durchschnittlichen Emissionen der 150 uns gegen ihre Gefahren besser wappnen. Millionen Bangladescher betragen ein Sech- zigstel der Emissionen eines durchschnittli- Viele Der länDer, Die Den Folgen chen Amerikaners. Dies schützt sie jedoch Des KlimawanDels am DireKtesten nicht vor dem steigenden Meeresspiegel, Sturmfluten, versalzten Bö- den und immer stärkeren Tai- funen. Wie in vielen afrikanischen Ländern entspricht die per- sönliche CO2-Bilanz eines durchschnittlichen Einwoh- ners von Burundi in etwa der des Fernsehgeräts eines west- lichen Haushalts im Standby- betrieb. Prognosen zufolge wird der Klimawandel jedoch den Ertrag ihrer Farmen durch Dürre und Hitze um 30 Pro- zent oder mehr schmälern. Gefährdete Inselstaaten im Pazifik und im Indischen Oze- an wie Tuvalu und die Male- diven sehen sich Sturmfluten, Küstenerosion und einem steigenden Meeresspiegel gegenüber und werden inner- halb der nächsten fünfzig Jah- 26
  27. 27. re unbewohnbar. Wohin sollen die Bewohner eine „Verursachersteuer“ auf Flugtickets oder dieser Inseln gehen? Werden die Industriena- eine Abgabe auf Schifftransporte. Zusätzlich tionen, die die größte Verantwortung für die müssen die Länder einen internationalen Ver- Ursachen des Klimawandels tragen, sie als sicherungsmechanismus schaffen, um den Flüchtlinge anerkennen? Opfern von Klimakatastrophen zu helfen. ist es Fair, Dass sie auswanDern Im Rahmen des Kioto-Protokolls erhielten die müssen? 48 am wenigsten entwickelten Nationen Geld für die Ausarbeitung nationaler Anpassungs- wieDer sinD Die entwicKelten na- pläne (NAP). Darin sollte der vordringliche tionen VerpFlichtet, anpassungs- Handlungsbedarf ermittelt werden, beispiels- massnahmen Der armen nationen, weise zum Schutz von Gletscherseen in Berg- Die zugleich erste opFer Des Kli- regionen oder für Küstenschutzmaßnahmen. mawanDels sinD, zu Finanzieren. Hierfür wurde ein Fonds bei der Global En- vironment Facility eingerichtet. Das Völkerrecht besagt auf der Grundlage des allgemein anerkannten „Verursacherprinzips“, Bislang wurden 39 nationale Anpassungspläne dass die großen CO2-Verursacher rechtlich erstellt, neun weitere stehen kurz vor der Fer- verpflichtet sind, diese Länder zu schützen. tigstellung. Allerdings steht kein Geld für ihre Durchführung zur Verfügung. Daher wurde Ein guter Ausgangspunkt für diese Hilfe ist lediglich eine Handvoll spezifischer Projekte der Anpassungsfonds. Er ist der bislang ein- ausgearbeitet und die entsprechenden Mittel zige Fonds für Maßnahmen gegen den Kli- beantragt. Das Programm stockt. Die Ver- mawandel der demokratisch ist, da in ihm sprechungen der Industrienationen zur Finan- die Entwicklungsländer angemessen vertre- zierung von Anpassungsmaßnahmen an den ten sind. Er nahm im Jahr 2008 seine Arbeit Klimawandel in den Ländern, die die geringste auf und speist sich in erster Linie aus einer Schuld daran tragen, klingen hohl. Abgabe in Höhe von zwei Prozent auf Trans- aktionen im Rahmen des Clean Development Der wwF ForDert, Dass Die in- Mechanism. Dustrienationen noch in Diesem Jahr zwei milliarDen us-Dollar in Der WWF stellt fest, dass dies nicht ausreicht. Den anpassungsFonDs einzahlen Nach acht Jahren ist der Anpassungsfonds im- müssen, Damit Dessen proJeKte mer noch nicht voll einsatzfähig. Die Indust- DurchgeFührt werDen Können. rienationen müssen sich endlich ihrer Verant- Dies ist eine überFällige Vertrau- wortung stellen und Gelder aufbringen, um ensbilDenDe massnahme, Die Die die am stärksten vom Klimawandel betroffe- atmosphäre Für Die gespräche in nen Opfer zu schützen. Eine Möglichkeit wäre Kopenhagen Verbessern würDe. 27
  28. 28. wie anpassung möglich ist Es gibt Fälle, in denen Menschen dringend auf „Ich habe immer noch das laute Dröh- technische Hilfe angewiesen sind. Schmelzen nen in den Ohren, das zu hören war, die Gletscher des Himalayas ab, bilden sich bevor das Wasser aus dem Dig-Tsho-See in engen Tälern gewaltige Schmelzwasser- hinter meinem Haus herabstürzte. Der seen, oft hinter schwachen natürlichen Däm- See hatte sich mit Schmelzwasser aus ei- men aus Schutt. Wenn sich diese Seen fül- nem Gletscher gefüllt und war plötzlich len, verlieren die Dämme ihre Stabilität und über seine Ufer getreten. Ich war damals brechen schließlich. Eine Wasserwand wälzt ein Teenager. Wir mussten zusehen, wie talabwärts. Bhutan hat über 2.000 Gletscher- das Wasser vierzehn Hängebrücken und seen, von denen 24 als potenzielle Quellen viele unserer Häuser und Geschäfte plötzlicher Überschwemmungen identifiziert zerstörte. In unserem Dorf starben fünf wurden. Ingenieure müssen die Seen begut- Menschen. Heute lebe ich von den Tou- achten und ablassen, bevor es zur Katastrophe risten, die zu meiner Lodge kommen. Ich kommt. glaube nicht, dass sich meine Familie noch einmal von einer weiteren Über- schwemmung erholen kann.“ Scherpa Ang Maya, Nepal. Manchmal brauchen Menschen früh- zeitige Warnungen und Hilfe zur Vor- bereitung auf Katastrophen. Durch den ansteigenden Meeresspiegel sind die Küstenregionen mehr denn je der Gefahr durch Fluten und Stür- me ausgesetzt, die ganze Gemein- schaften fortschwemmen können. 1991 starben in Bangladesh 138.000 Menschen durch einen Wirbelsturm. Seither hat das Land viel unternom- men, um seine Bürger durch den Bau von Hochwasserschutzanlagen auf Deichkronen zu schützen. Was das Land jetzt braucht, sind verbesserte Wirbel- sturmwarnsysteme, damit die Einwohner recht- zeitig die Schutzanlagen aufsuchen können. 28
  29. 29. menschen brauchen wissenschaFtliche erKenntnisse! Angesichts des Klimawandels brauchen Milli- gen in Höhe von sieben Millionen US-Dollar onen selbstversorgende Bauern neues Saatgut, für den Unterhalt von Deichen gegenüber. das gegen höhere Temperaturen und längere Dürren widerstandsfähig ist. In Teilen des südli- Im Landesinnern gelegene Regenwälder stabi- chen Afrikas ist bereits ein Ertragsrückgang um lisieren die Böden und bieten Schutz vor kata- 30 Prozent und mehr zu befürchten, wenn die strophalen Erdrutschen nach Stürmen. Weiter- dortigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht hin stabilisieren sie Flussströmungen, erzeugen dürretoleranter und damit klimafester werden. Regen und schützen vor Dürre. In Brasilien Da der Klimawandel auch zu einer weiteren sind Landwirtschaft und Regenwälder häufig Ausbreitung von Krankheiten führt, bedarf es Konkurrenten um Land. Aber: Landwirtschaft neuer Impfprogramme für Mensch und Vieh. braucht die Regenwälder, da dort der Regen entsteht, auf den die Landwirtschaft angewie- oFtmals ist Der schutz Von öKo- sen ist. Wenn die Wälder nicht mehr da sind, systemen, Die Den KlimawanDel entsteht überall nur noch Wüste. unD seine Folgen abpuFFern, am DringenDsten nötig. Der wwF ForDert Die staaten auF, besonDere anstrengungen zu un- Die Natur bietet uns eine Vielzahl von „Öko- ternehmen, um eine öKosystem- systemleistungen“. Die Natur zu nutzen, ist oft basierte anpassung weiter auszu- der billigste Weg zum Schutz von Küsten vor bauen. mit ihren positiVen eFFeK- Stürmen und immer höheren Gezeiten. Seit ten sinD Diese inVestitionen Die 15 Jahren pflanzen vietnamesische Gemein- eFFizientesten. Der schutz Der schaften unter Leitung von Ortsverbänden des natürlichen inFrastruKtur ist Roten Kreuzes Mangrovenwälder in den am minDestens ebenso wichtig wie stärksten taifungefährdeten Uferbereichen an. Der unterhalt Von inFrastruK- Mangroven dienen als Wellenbrecher und ab- turen wie strassen unD Küsten- sorbieren die Energie von Stürmen. gebieten. Als im Jahr 2000 der Taifun Wukong auf die Küste traf, blieben die bepflanzten Be- reiche unzerstört, während benachbarte Provinzen mit zerstörten Häusern und am ganzen Ufer verstreuten Leichen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bislang wurden 12.000 Hektar mit einem Aufwand von etwa einer Million US-Dollar be- pflanzt. Dem stehen geschätzte Einsparun- 29
  30. 30. treibstoFFe Für Den gen werden dann zu den nationalen Flug- unD schiFFVerKehr Gesamtmengen dieses Landes ad- ... ein schwarzes loch diert und in die Ziele für die Indus- an emissionen trieländer aufgenommen. Die Indus- trienationen wehren sich hiergegen mit dem Argument, dass wir eine Das Kioto-Protokoll enthält keine Regelungen globale Lösung brauchen, da es sich hier auch für Emissionen des internationalen Luft- und um globale Wirtschaftszweige handele. Sie Schiffsverkehrs, da sich die Unterhändler in befürchten eine Benachteiligung ihrer Flug- der Vergangenheit auf keine Zuständigkeits- und Schifffahrtsgesellschaften. regelung einigen konnten. Sollte das Abreise- land, das Ankunftsland oder die Nationalität Sie schlagen vielmehr vor, beide Sektoren des Schiffs bzw. des Flugzeugs, der Passagie- stattdessen als eigene „Länder“ zu behandeln. re oder der Waren maßgeblich sein? Das Pro- Für die Emissionen des internationalen Luft- tokoll überließ es der International Maritime verkehrs gälten dann eigene Ziele, die von Organization und der International Civil Avia- diesem kontrolliert und durchgesetzt würden. tion Organization, entsprechende Maßnahmen Gleiches soll für die Schifffahrt gelten. zu ergreifen. Dieser Vorschlag benachteiligt allerdings die geschehen ist nicht Viel. in Der Entwicklungsländer. Er verletzt ihr derzeiti- zwischenzeit JeDoch steigen Die ges Recht auf Befreiung von rechtsverbind- emissionen Von Flugzeugen unD lichen Emissionszielen. Die kleinen Insel- schiFFen weiter an. staaten befürchten nachteilige Folgen für ihre lebensnotwendige Tourismusindustrie und Emissionen aus dem Flugverkehr haben auf- Lebensmittelimporte. Sollte kein vertretbarer grund der Höhe in der sie ausgestoßen wer- Kompromiss gefunden werden, könnte sich den einen deutlich negativeren Effekt auf die dies zu einem der umstrittensten Themen in Atmosphäre als CO2-Emissionen am Boden. Kopenhagen entwickeln. So sind sie allein (nach konservativen Schät- zungen) für mehr als fünf Prozent der globa- Der wwF glaubt, Dass Die auFnah- len Erwärmung verantwortlich. Das Kioto- me Der emissionen Dieser beiDen Protokoll verlangt Emissionseinsparungen in wirtschaFtszweige in Die natio- derselben Größenordnung von den Industrie- nalen ziele Der entwicKlungs- nationen. Es besteht Einigkeit darin, dass die- länDer Den grössten teil Dieser ses Schlupfloch in Kopenhagen geschlossen emissionen berücKsichtigen werden muss. würDe. Aber wie? Die Entwicklungsländer sollten darüber hi- Heute gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. naus ebenfalls handeln. Außerdem könnte eine Steuer auf Treibstoffe für den Flug- und Die einfachste Möglichkeit besteht darin, sich Schiffverkehr zusätzliche Mittel für Anpas- auf das Land zu einigen, das für die Emissi- sungsmaßnahmen an Klimafolgen liefern und onen verantwortlich sein soll (beispielsweise gleichzeitig eine CO2-arme Entwicklung för- den Einschiffungshafen). Die Emissionsmen- dern. 30
  31. 31. Das Klima-abKommen: technologie Energiebedarf steht dabei an Platz eins. Noch heute sind zwei Milliarden Men- schen überall auf der Welt ohne elementare Stromversorgung. Wenn wir also acht bis zehn Milliarden Menschen mit Energie versorgen und gleichzeitig die Emissionen um 80 Prozent reduzieren wollen, müssen wir die Art und Weise, mit der wir Energie zu Hause, in der Industrie, im Büro, in öffentlichen Räumen und im Verkehr erzeugen und verbrauchen, ändern. Dafür brauchen wir effiziente Technologi- en, eine veränderte Lebensweise und ein verändertes Lebensumfeld. So müssten beispielsweise Städte so gebaut werden, dass man öffentliche Einrichtungen zu Fuß erreichen kann und Verkehr als öffentlicher Der Ausdruck „technische Lösung“ klingt Personen- und nicht als Individualverkehr or- heute negativ. ganisiert ist. tatsache ist JeDoch, Dass tech- Wir müssen die neuen Ideen und Technologi- nologien zentrale elemente en zuerst in die Länder bringen, die ihre Ener- JeDer lösung gegen Den Klima- gieinfrastruktur derzeit am schnellsten aus- wanDel sein werDen. unD auch bauen. Nach Schätzungen der Internationalen sein müssen. Energieagentur werden zwischen 2006 und 2030 weltweit insgesamt 26 Billionen US- In den nächsten 50 Jahren wird die Weltbevöl- Dollar investiert, davon mehr als die Hälfte in kerung weiter anwachsen und sich etwa um Entwicklungsländern. das Jahr 2050 stabilisieren. Wir müssen dann acht bis zehn Milliarden Menschen ernähren, Die entwicKlungslänDer müssen kleiden und versorgen. Folglich werden wir Die neuen technologien ohne Den viele Ressourcen noch stärker verbrauchen, umweg über Die schmutzigen unD selbst dann, wenn es die reicheren Länder umweltbelastenDen alten tech- schaffen sollten, sich einzuschränken. Der nologien einFühren. 31
  32. 32. Die meisten Der benötigten … Die Windenergie ist schon heute gut entwi- geln und Linsen gebündelt wird. Mit ihr wird ckelt und nicht teuer. Industrienationen wie Wasser erhitzt, das dann Kraftwerksturbinen Deutschland, Spanien, Dänemark und die antreibt. Die ersten Kraftwerke dieser Art USA investieren erhebliche Summen in die- werden im industriellen Maßstab in Spanien se Technologie. Unter den Entwicklungslän- und den USA in Betrieb gehen. Theoretisch dern haben in erster Linie Indien und China könnten große Wüstengebiete, unter anderem Windenergie in großem Umfang eingeführt. in Nevada, Algerien und Indien, mit Spiegeln Viele weitere Länder könnten ähnliche Schrit- bedeckt werden, um die Sonnenenergie ein- te unternehmen, wenn sie durch Investitionen zufangen. Eine funktionsfähige Technologie der reichen Länder unterstützt werden. Sie für konzentrierte Sonnenenergie als potenziell benötigen Schulung, technisches Know-how mächtige Quelle sauberer Energie ist von glo- und Hilfe bei der Erstellung von Windatlanten balem Interesse. und der Integration von Windenergie in ihre Stromnetze. Die Fahrzeuge der Zukunft werden vor- aussichtlich durch Strom oder Wasserstoff Die Sonnenenergie entwickelt sich eben- angetrieben (für die Erzeugung von Wasser- falls schnell. Bis vor kurzem bedeutete dies stoff werden allerdings erhebliche Mengen an in erster Linie Photovoltaik (PV), bei der das Energie benötigt). Elektrofahrzeuge sind al- Sonnenlicht direkt in Strom umgewandelt lein aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkei- wird. Gebäude können mit Sonnenkollektoren ten weitaus effizienter als Fahrzeuge, die mit versehen werden, die aus Sonnenlicht Strom flüssigen Kohlenwasserstoffen wie beispiels- und Energie für Klimaanlagen gewinnen. Ein weise Öl betrieben werden. Elektrofahrzeuge zunehmendes Interesse besteht auch an kon- sind das politische Thema des Jahres 2009. zentrierter Sonnenenergie, die mittels Spie- Wie klimafreundlich diese Fahrzeuge jedoch sind, hängt ganz entscheidend davon ab wie der benötigte Strom erzeugt wird. Wenn wir dafür am Ende doch nur mehr Kohle verbrennen, wäre der Gewinn gering. Die Zukunft liegt in einem höchst effizienten Ver- kehrssystem, das mit Strom aus er- neuerbaren Quellen betrieben wird. Durch die Elektrifizierung der öf- fentlichen Verkehrsmittel wird zu- dem der öffentliche Personenver- kehr erheblich umweltfreundlicher. Straßenbahnen, Elektrobusse und 32
  33. 33. … technologien Kennen wir Züge müssen an die Stelle dieselbetriebener betriebener Kraftwerke aufgefangen und dau- Systeme für den Stadt- und Regionalverkehr erhaft unterirdisch gespeichert werden. Diese treten. Elektrische Hochgeschwindigkeitszü- Technologie ist bei weitem noch nicht kom- ge, die zwischen den Städten verkehren, wie merziell im erforderlichen Maßstab verfügbar dies in Teilen Europas bereits der Fall ist, be- und verursacht darüber hinaus auch selbst ein deuten einen deutlich geringeren Bedarf an gewisses Maß an Emissionen. Mit ihrer Hilfe Flugverbindungen. Darüber hinaus muss der könnten jedoch eines Tages die Emissions- Frachtverkehr wieder auf die Schiene verla- werte aus der Verbrennung von Kohle um 90 gert werden. Prozent oder mehr reduziert werden und dann deutlich unter den Werten bei einer Verbren- Als weitere natürliche Energiequellen können nung von Erdgas liegen. Das Verfahren der Gezeiten- und Wellenenergie sowie geo- CO2-Abscheidung und -Speicherung eignet thermische Energie (Erdwärme) erschlos- sich auch für Kraftstoffe aus Biomasse und sen werden. kann so die Stromerzeugung „CO2-negativ“ machen. Darüber hinaus kann diese Techno- Biokraftstoffe sind stark in die Kritik geraten, logie in großem Maßstab für andere CO2-frei- weil sie Flächen und Wasser beanspruchen, setzende und energieintensive Prozesse wie die für die Nahrungsmittelproduktion benötigt beispielsweise die Zement- und Stahlproduk- werden. Darüber hinaus ist die CO2-Bilanz der tion eingesetzt werden. Produktion einiger Biokraftstoffe äußerst un- günstig. Künftige Biokraftstoffe könnten je- Das Potenzial der Kernenergie als Stromquel- doch insbesondere dann eine bessere Lösung le in großem Umfang wird oftmals überbewer- darstellen, wenn sie aus Abfallprodukten aus tet. Der WWF hält diese Option aufgrund der der Land- und Forstwirtschaft und aus Wäl- Gefahren einer Verbreitung von Kernwaffen, dern gewonnen werden. Biokraftstoffe könn- der Risiken in Verbindung mit der Abfallent- ten langfristig auch in der Luftfahrt eine Zu- sorgung, von Unfällen sowie einer künftigen kunft haben. Feste Biomasse im Allgemeinen Knappheit an Uranbrennstoff für unsicher, un- sowie aus neuen und nachhaltig bewirtschaf- klug und nicht nachhaltig. teten Forsten im Besonderen stellt eine wich- tige erneuerbare Quelle dar, mit deren Hilfe Verfahren zur Abscheidung und Nutzung Kohle in der Stromerzeugung ersetzt und eine von Methanemissionen aus Landwirtschaft, zuverlässige Versorgung mit Brennholz für Deponien und Gaspipelines sind schnell zu viele arme Gemeinschaften in Entwicklungs- realisieren, kostengünstig und wirken sich in- ländern gesichert werden kann. nerhalb kurzer Zeit positiv auf das Klima aus. Methan hält sich zwar lediglich etwa zehn Die CO2-Abscheidung und -Speicherung Jahre in der Atmosphäre, hat jedoch während (CCS) ist eine Technologie, bei der die CO2- dieser Zeit im Vergleich zu CO2 eine 20-mal Emissionen großer, mit fossilen Brennstoffen stärkere Treibhausgaswirkung. 33
  34. 34. energie- die Entwicklung neuer und hochgra- dig effizienter Materialien. eFFizienz Die zentrale auFgabe Der KommenDen Jahre wirD es sein, Diese unD weitere in nahezu allen bereichen un- technologien zu entwicKeln, sie seres lebens Können gewaltige billiger zu machen unD weltweit potenziale Für eine eFFizientere einzusetzen. Die zeit Drängt. nutzung Von energie erschlos- sen werDen. Eine wissenschaftliche Untersuchung im Auf- trag des WWF hat ergeben, dass, auch bei Von der Schwerindustrie über den Verkehr bis einem starken und frühzeitig einsetzenden hin zu Gebäuden und Unterhaltungselektronik Wachstums neuer Technologien, keine Bran- – der Energieverbrauch kann in vielen Berei- che (selbst nicht die der erneuerbaren Energi- chen durch Veränderungen an Geräten und en) längere Zeit um mehr als 30 Prozent pro Prozessen um etwa 30 bis 80 Prozent gesenkt Jahr wachsen kann, sobald sie eine bestimmte werden. Energieeinsparung und Energieef- Größe erreicht hat. Die Studie hatte die ver- fizienzmaßnahmen sind langfristig die beste fügbaren Energietechnologien analysiert und Methode, um Emissionen und Kosten einzu- kam zu dem Ergebnis, dass für ein breites sparen. Gleichzeitig werden wir unabhängiger Spektrum von ihnen dieses dreißigprozentige von teuren und unzuverlässigen Öl- und Gas- Wachstum so bald wie möglich, spätestens importen, die ohnehin zeitlich begrenzt sind. jedoch bis zum Jahr 2014, angestrebt werden Dafür müssen die zunächst relativ hohen In- muss. Nur so kann die globale Erwärmung vestitionen für effizienteste technische Geräte auf weniger als 2°C begrenzt werden. Gelingt aufgebracht werden – Kosten die sich mittel- dies nicht, könnten wir unser Ziel – den Kli- und langfristig lohnen. mawandel aufzuhalten – verpassen. Neben Technologien zur Einsparung von warum also weiter warten? Der Energie müssen dringend neue Werkstoffe übergang zu einer co2-armen entwickelt werden, wie beispielsweise leichte wirtschaFt Kann Die grunDlage Kohlenstofffasern. Bei ihrer Herstellung fällt Für neue arbeitsplätze unD in- deutlich weniger CO2 an und sie zeichnen sich Dustrien, neue märKte unD eine durch eine lange Lebensdauer aus. Zudem eFFizientere, proDuKtiVere unD müssen wir unseren wirtschaftlichen Wohl- grünere wirtschaFt bilDen – stand künftig auf erneuerbaren Ressourcen loKal, national unD global. bauen. Dafür müssen fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt und Al- ternativen für Materialien wie Kunststoffe und Verpackungen aber auch für Zement, Stahl und Aluminium gefunden werden. Neue und innovative Produkte, beispiels- weise aus der Nano-, Bio- und Informati- onstechnologie bieten enorme Chancen für 34

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