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Religionslehrer enseignement secondaire

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Stellungnahme Religionslehrer Secondaire

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Religionslehrer enseignement secondaire

  1. 1. Das Komitee der Religionslehrer im ‚Enseignement Secondaire‘ Angesichts der zahlreichen Beiträge in den Medien zum Thema einheitlicher Werteunterricht beziehen die Religionslehrer im ‚Enseignement Secondaire‘ öffentlich Stellung: Wir begrüßen und finden es nur normal und richtig, dass die Regierung bei der Erarbeitung des neuen Werteunterrichts sowohl auf die Religionslehrer als auch auf die Lehrer der Formation Morale et Sociale (früher Morale Laïque) zurückgreift und somit dem neuen Fach einen breitest möglichen gesellschaftlichen Konsens erlaubt. Wir sind erstaunt, wie sich manche Vertreter der Formation Morale et Sociale mit großem medialen Aufwand als die besseren Lehrer für das neue Fach zu profilieren versuchen; sie geben vor nur sie wären kompetent den „fait religieux“ von „außen“ d.h. neutral und objektiv thematisieren zu können. Gleichzeitig sprechen sie den Religionslehrern diese Kompetenz ab, da diese den „fait religieux“ nur von „innen“ betrachten würden. Wie kann man so wenig nuanciert und plakativ über einen Berufsstand urteilen? Wir finden es absurd, dass unsere bisherige mediale Zurückhaltung als heimliches Taktieren hinter den Kulissen gedeutet wird. Wir protestieren dagegen, dass Theologen bei jeglicher Auseinandersetzung mit Religion automatisch unterstellt wird zu indoktrinieren. Wir sind der Meinung, dass jeder gebildete Mensch eine kritische Distanz zu einer ihm mehr oder weniger wichtigen Weltanschauung braucht, damit er die Gefahren jeglichen Fundamentalismus und Fanatismus einzuschätzen weiß.
  2. 2. Wir sind erstaunt, dass den Religionslehrern unterstellt wird, sie würden und könnten nicht mit den Schülern praktisch philosophieren. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass das Studium eines Religionslehrers zu großen Teilen aus einer Auseinandersetzung mit verschiedenen philosophischen Strömungen besteht. Um sich selbstverantwortlich mit den komplexen Fragen des Lebens auseinander zu setzen ist reflexive Überprüfung eigener wie auch anderer Wirklichkeitskonstrukte eine Selbstverständlichkeit. Den Sinn moralischen Handelns, die Kriterien ethischer Entscheidungen, sowie die Gründe und Ziele der Lebensgestaltung zu thematisieren sind bis heute Bestandteil des Religionsunterrichts. Wir sind befremdet über die Angst der Laizistenvertreter, die Auseinandersetzung mit dem „fait religieux“ im neuen Werteunterricht berge die Gefahr einer zu starken „Religionslastigkeit“ und vermindere somit den Stellenwert ethischer Themen. Sich mit den kollektiven Weltanschauungen und ethischen Themen und folgerichtig auch mit verschiedenen spirituellen Richtungen auseinander zu setzen und diese mit humanwissenschaftlichen Erkenntnissen zu konfrontieren scheint uns bildungspolitisch von größter Wichtigkeit. Des Weiteren gehört auch die Auseinandersetzung mit dem religiös-kulturellen Gedächtnis zu einem zeitgenössischen Bildungsangebot einfach dazu. Was ist daran „religionslastig“? Könnte man in diesem Kontext nicht auch von einer Gefahr von „Laizitätslastigkeit“ sprechen? Wir sind der Meinung, dass sich bestimmte Laizistenvertreter im Klaren sein sollten, dass sie nicht die Meinung aller Luxemburger vertreten.
  3. 3. Wir wundern uns über die Forderung der Lehrer der Formation Morale et Sociale, allen Weltreligionen müsse der gleiche Stellenwert eingeräumt werden; keine dürfe privilegiert behandelt werden. Der Stellenwert und die Gewichtung von Religionen ergeben sich aus ihrer kulturellen Verflechtung und gesellschaftspolitischen Herausforderung. Wird zum Beispiel der Musiklehrer der indonesischen Gamelanmusik den gleichen Zeitraum widmen wie Bach und Händel? Oder wird der Kunstlehrer der asiatischen Kunst den gleichen Zeitrahmen gewähren wie der abendländischen? Wir sind perplex, dass viele Lehrer der Formation Morale et Sociale ihre religionswissenschaftlichen Kompetenzen nicht in Frage stellen. Wir zweifeln an der Objektivität mancher Laizistenvertreter, die pauschal, einseitig und gebetsmühlenartig die Kompetenzen der Religionslehrer in Sachen Werteunterricht in Frage stellen. Durch ihr Studium an staatlich anerkannten Universitäten, „Concours“ und „Stage pédagogique“ sind Religionslehrer staatlich geprüfte Staatsbeamte mit anerkannten humanwissenschaftlichen Kompetenzen. Durch das Berufsethos aller Lehrer versteht es sich von selbst, dass jegliche ideologische Vereinnahmung der Jugend einer Art Verbrechen gleichkäme. Wir sind erstaunt, dass Laizistenvertreter und manche Lehrer der Formation Morale et Sociale der Meinung sind, der neue Werteunterricht dürfe nur eine strikt laizistische Orientierung haben. Erstens, Laizität bezeichnet eine Trennung von Kirche und Staat, richtet sich aber nicht gegen Religion an sich. Gegen objektives Thematisieren von Religionen war zu keinem Zeitpunkt im Regierungsprogramm die Rede. Zweitens widerspricht dieser Wunsch den offiziellen Zahlen: Uns ist nicht bekannt, dass die
  4. 4. früher so genannte ‚Morale laïque‘, seit ihrer Einführung 1968, jemals größeren Zulauf gehabt hätte als der Religionsunterricht. Wir sind sprachlos, dass die Laizistenvertreter beim neuen Werteunterricht mit größter Selbstverständlichkeit mitzureden gedenken, dem ‚Conseil des cultes‘ dies aber mitnichten zugestehen. Für die Programmgestaltung eines Fachs sollte, wie bei jedem anderen Schulfach auch, allein die vom Unterrichtsministerium eingesetzte Programmkommission zuständig sein. Wir sind nicht einverstanden, wenn einerseits christliche Vertreter das neue Fach vorschnell als „Einheitsbrei“ abqualifizieren, obwohl das Konzept noch nicht abgeschlossen ist. Andererseits gilt das Gleiche für jene, die in ihm einen verkappten Religionsunterricht sehen wollen. Wir bedauern, dass der Religionsunterricht aus politischen Gründen abgeschafft und somit die Forderung zahlreicher Eltern für den Status quo nicht berücksichtigt wird. Wir sind jedoch überzeugt, wohl wissend, dass die Planung des neuen Fachs Auseinandersetzungen und reichlich Diskussionsstoff mit sich zieht, dass kompromissbereite Positionen am ehesten zu einem konsensfähigen Modell führen können.

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