Machtspiele und Informalität – GIVE & TAKE bei wirDesign

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Die Soziologin Judith Muster sprach im Rahmen des wirDesign GIVE & TAKE über die Funktion und Bedeutung von Machspielen in Organisationen.

Als Markenmanager, die ihren Job ernst nehmen, arbeiten Sie zwangsläufig an zentralen Unternehmensfragen. Ihre hierarchischen Positionen und Ressourcenausstattungen bilden diese Tragweite leider nicht immer ab. 
Die Nutzung informeller Strukturen und der kluge Einsatz von legalen Machtspielen könnten helfen, den eigenen Wirkungsgrad deutlich zu erhöhen.

Veröffentlicht in: Leadership & Management
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Machtspiele und Informalität – GIVE & TAKE bei wirDesign

  1. 1. Titel Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 1 Impulsvortrag und Diskussion Judith Muster Funktion und Bedeutung von Machtspielen in Organisationen 19.02.2016 kurze Einführung eines Fallbeispiels eine soziologisch orientierte Definition von Macht vorschlagen zur Funktion von Macht in Organisationen eine Möglichkeit Machtspiele zu analysieren bei Fragen bitte blitzen
  2. 2. Gewinde 1 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 2 der informelle Einsatz von Gewindebohrern bei einem Militärflugzeughersteller (Werk mit ca. 2.000 MA) Fallbeispiel zur Macht- analyse beim Montieren von Flugzeugtragflächen muss man Bolzen in Muttern einpassen die Muttern sind vorgestanzt in der Massen- produktion verschieben sich aber die Flächen die Bolzen passen nicht mehr genau auf die Muttern wenn man Bolzen mit Gewalt hineinschraubt kann sich die Tragfläche verbiegen wie ist es geregelt? der Einsatz des Gewindebohrers ist deswegen strikt verboten es gibt einen strikten Montageplan nur die Original- pläne garantieren maximale Sicherheit der Verbindungen neue Gewinde zerstören die Wirksamkeit von Verschlussmuttern späterer Service wird schwierig, weil Abweichungen nicht registriert werden diese Ausnahmen müssen von der Spitze genehmigt werden für den Einsatz in Ausnahmefällen gibt es hohe Hürden nur wenige Experten dürfen den Bohrer in Ausnahmefällen einsetzen ein Arbeiter kann gekündigt werden, wenn er einen Bohrer nur besitzt im Problemfall wird ein Gewindebohrer eingesetzt um ein neues Gewinde in einem anderen Winkel zu bohren aber... es ist praktisch unmöglich, Bohrer ohne Wissen der Vorabeiter zu nutzen der Vorarbeiter bringt den Arbeitern die Anwendung der Bohrer selbst bei er macht ihnen gleichzeitig klar, wann er eingesetzt wird und wie der Einsatz „geregelt ist“ jeder zweite Mitarbeiter hat einen Gewindebohrer viele haben sogar vier bis fünf Bohrer von verschiedener Größe alle in der Fabrik wissen um die Existenz der Bohrer wie kommt es dazu, dass diese Regelabweichungen durchgesetzt werden können?
  3. 3. Macht 1 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 3 Macht ist Teil jeder Beziehung Macht ist die Fähig- keit, bei anderen ein Verhalten zu erzeugen Macht hängt von der Relevanz der Handlungsmöglich- keiten für andere ab und von der Autonomie und der Nichtersetzbarkeit der Akteure typische Ungewiss- heitszonen in Orga- nisationen Fachwissen Experten Kommunikation Gate- Keeper Markt, Umwelt Relais- stellen formale Bedingungen Hierarchie wer für andere Pro- bleme lösen kann, kontrolliert Unge- wissheitszonen die Machtmöglich- keiten sind meist asymmetrisch Verfügbarkeit von Ressourcen Macht erwächst aus der Kontrolle relevanter Ungewissheitszonen Macht ist eine Austausch- beziehung getauscht werden Handlungs- möglichkeiten das ist die Fähigkeit, für andere wichtige Probleme zu lösen das gilt nur, wenn die Hilfe auch verweigert werden könnte aber sie sind stets wechselseitig der Meister kann anordnen, solange der Arbeiter ihm folgt man hat nur so viel Macht, wie einem der andere zugesteht und zwar in einer bestimmten Situation es gibt keine „Machtquelle“ an sich Macht ist relational und situativ Mittel- hoheit das sie spontan nicht angenommen hätten
  4. 4. Macht 2 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 4 Akteure streben nach mehr Macht Machtspiele laufen oft latent ab Organisationen brauchen Machtspiele man fechtet mit „rationalen“ Argumenten als „rational“ gilt, was dem „Ganzen“ dient man beruft sich auf seine Kompetenz, auf seine Pflichten oder auf seine Rechte man zitiert, was die Obrigkeit gesagt hat (oder gesagt haben könnte) man verweist auf Untersuchungen, auf (Miss-)Erfolgs- beispiele man ist dazu gezwungen, mit begrenzter Rationalität zu entscheiden Quelle: Bounded rationality, Herbert Simon sie sind nicht immer sofort als solche zu erkennen Akteure sind bestrebt, ihre Interessen durch- zusetzen sie streben nach mehr Macht, um mehr Handlungs- möglichkeiten zu gewinnen damit stehen sie in Konkurrenz zu anderen Akteuren sie sind nicht dysfunktional, sondern Antriebsmittel der Organisation diese entspricht in der Regel der eigenen Bereichs- logik Hand- lungsmög- lichkeiten werden getauscht Organisationen basieren auf Arbeitsteilung und der Koopera- tion zwischen den Bereichen die Bereiche beherrschen unter- schiedliche Un- gewissheitszonen sie müssen in Austausch- beziehungen treten dieser Austausch wird in Machtspielen geregelt sie tauschen ihr Fähigkeiten aus, anderen Handeln zu ermöglichenverfügbares Wissen ist begrenzt die verfügbare Information reicht nie für ein volles Bild aus tionsfülle ließe sich auch nicht zeit- gerecht verarbeiten dies kann man bewusst im Machtspiel einsetzen man nutzt Unge- wissheitszonen, um Begründungslücken zu schließen man verschafft sich einen Entschei- dungsvorsprung die anderen Akteure können es nicht direkt überprüfen
  5. 5. Macht 3 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 5 Machtspiele können blockieren weil dadurch der „tote Punkt“ überwunden werden kann weil dadurch etwas entschieden wird Machtspiele können etwas voran- bringen wenn man sich im Kreise dreht, nicht aufeinander zugeht weil sie Motivation und Energie mobilisieren „In-Führung-Gehen“ kann Akzeptanz und Gefolgschaft schaffen die Macht- entfaltung stößt auf Grenzen Macht wird durch gegenseitige Ab- hängigkeit begrenzt Machtbeziehungen werden durch Spielregeln kanalisiert es gibt ein gemein- sames Interesse an der Fortdauer des Spieles die Dauer eines Machtspieles hängt vom Machtgefälle ab je steiler es ist, umso eher wird klar, wer nachzugeben hat es endet, wenn die Austragungskosten höher als der Spielgewinn werden sofern die Akteure dies erkennen Machtspiele lassen sich analysieren und auch verändern und keine Kooperationsbereit -schaft mehr vorliegt wenn man nicht mehr miteinander redet, sondern „schießt“
  6. 6. Gewinde 2 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 6 wer sind die beteiligten Akteure? die Qualitäts- kontrolle der Luftwaffe die Vorarbeiterdie Monteure sie verpflichten sich im Arbeitsvertrag keinen Bohrer einzusetzen sie beaufsichtigen mehrere Arbeitsgruppen von Monteuren sie können die fertigen Flugzeuge zurückweisen wenn von den Spezifikationen abgewichen wurde sie zeichnen ein fertiggestelltes Werkstücke ab die Qualitäts- inspektoren der Fabrik sie sind die zentrale Kontrollinstanz und führen alltägliche Überwachung durch wenn ein Inspektor einen Arbeiter erwischt mahnt er die Arbeiter ironisch wenn ein Inspektor einen Bohrer sieht: legt der Arbeiter ihn in der Toolbox tiefer der Inspektor kann den Arbeiter aber auch zurechtweisen „das habe ich jetzt lieber nicht gesehen“ und eine Zeit lang offen lassen, ob er ihn anzeigt ein Inspektor kann einen Arbeiter beim Bohren „ernsthaft“ auch erwischen dann reicht der Inspektor den Fall an dessen Vorarbeiter weiter der Vorarbeiter führt dann ein „ernstes Gespräch“ mit dem Arbeiter der Vorarbeiter spricht eine Verwarnung aus darüber, dass er sich hat erwischen lassen der Arbeiter muss sich reuig zeigen entweder der Arbeiter wartet bis der Inspektor weg ist es hat sich ein informaler „Deal“ herausgebildet die Bohrer werden nicht in Gegenwart von Inspektoren eingesetzt darüber gibt es eine stillschweigender Übereinkunft oder der Inspektor nimmt den Bohrer als Zeichen zu verschwinden wenn ein Bohrer eingesetzt werden muss und zeigt, dass er sich jetzt für dessen Rettung einsetzen muss Anlass ist meist ein zu unvorsichtiger Umgang mit dem Bohrer welches Machtspiel läuft immer wieder ab?
  7. 7. Gewinde 3 Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 7 welche Ungewiss- heitszonen beherrschen die Akteure? die Arbeiter kontrollieren eine Ungewissheitszone der Vorarbeiter einerseits sind die Vorarbeiter dafür verantwortlich, dass die Produktion läuft andererseits sollen sie dem Gesetz Geltung verschaffen ihre Karriere hängt von ihren Produktionszahlen ab deswegen duldem sie den Einsatz von Bohrern es müsste sonst die komplette Instal- lation auseinander- genommen werden teilweise müssen sie die Arbeiter um den Bohrereinsatz bitten in Notfällen muss er sogar selbst aufbohren wenn es kompliziert ist, lassen ihn die Arbeiter es selbst machen sie müssen sicher sein, dass die Arbeit von der Luftwaffe akzeptiert wird ein guter Teil der Arbeit ist den Inspektoren nicht zugänglich sie können nicht immer dabei sein welche Abhängig- keiten begrenzen die Machtmög- lichkeiten? zurückgewiesene Stücke ziehen Sanktionen nach sich sie müssen darauf vertrauen, dass die Vorarbeiter ihren Job machen wenn er Berichte über den Bohrereinsatz weitergibt riskiert er das Vertrauens- verhältnis die Vorarbeiter beherrschen eine UgZ der Qualitäts- inspektoren
  8. 8. Führung Vortrag Machtspiele und Informalität.vsdx page 8 aus der Kontrolle relevanter Ungewissheitszonen ergeben sich Führungsmittel für die Akteure Management: Führung gemäß der Hierarchie Unterführung: Führung von unten nach oben laterales Führen: Führen ohne Weisungsbefugnis welche Ungewissheitszonen lassen sich in Markenprozessen kontrollieren? welche Abhängigkeiten begrenzen die Macht- möglichkeiten? Mit- arbeiter Vor- arbeiter In- spektor Vor- arbeiter In- spektor Vor- arbeiter Vor- arbeiter In- spektor

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