Die fragile Schönheit des Digitalen: Verlagshaus Berlin

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Slides zur AKEP-Veranstaltung "Die fragile Schönheit des Digitalen" auf der Frankfurter Buchmesse.

Copyright: Verlagshaus Berlin, 2015

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Die fragile Schönheit des Digitalen: Verlagshaus Berlin

  1. 1. Diefragile Schönheit desDigitalen. ‹
  2. 2. Darreichungs- formen
  3. 3. Geschichte des Neids Die Spielkarte ist zu beneiden, Obwohl gemacht und unfruchtbar. Eine Dame, ein König: Nichts als gezeichnet, Nichts als Bestimmtheit. Unbewegte Beweger, Unentwegt entschleiert. Erleuchteter Zustand der Welt, Was für ein großer Roman. Während am Tisch Sich die verzerrten Zahnformeln der Menschen herumdrücken, wie sie mit ihren kleinen Einzelheiten Grinsen, gewinnen, verlieren. Keine von ihnen hat Eine Geschichte zu erzählen wie Die Figuren, die Generation um Generation Fruchtbare Spieler wegwerfen Und über sich ergehen lassen. Daunen und Firn Da wandelt auf unruhigen Feldern Leukothea, Amme des Rausches einst, jetzt Liguster und Jasmin, keine Hilfe mehr. Wenn der Wind in alles Wellen kämmt Und der Himmel Nicht einen Moment Der gleiche ist. So wenig, klagt sie über uns, Raum, um weich zu sein. Lichtpunkte auf den Weißen Haaren des Meeres, Auf vergletscherten Graten, Zittern des Zitterns. Doch man schmiegt sich in die Letzten Winkel und Ecken. Die letzte klare Form Im Dünnschliff des Turmalins, Die als Wunde des Sündenbocks Wie in Kirchenfenstern Brennt und blüht; Wir hoffen, es war der letzte Und den Lämmern langes Leben: Die uns verweisen, Die wir vergleichen: Unsere stete Nähe zu, Unsere stete Sehnsucht nach Daunen und Firn. Unter ausgeblühten Bäumen, Zwischen weißen Dolden, Durch die schräg der Wind geht. 8 9
  4. 4. 23. (Endspiel in der Hölle) ich trat hindurch und stand in einem Hallenbad mit spaßbereich und Korkenzieher-Rutsche Dante kam herangepaddelt und zog sich elegant am Beckenrand hinauf Er hatte eine schwimmkerl-Badehose an und lächelte mir zu: „Mein Freund“ sagte er und prustete ein wenig Wasser aus „Du willst nicht von der Hölle lassen!“ ich reichte ihm ein Badetuch er trocknete sich in Windeseile ab „schau her“, sprach er, „das ist der letzte Kreis der Hölle“ Und ich schaute in das Becken: da schwamm mein Doppelgänger ohne Beine er paddelte mit beiden Armen schnell zu einem großen weißen Hai den er mit fickrigen Bewegungen von hinten sattelte Da trieb ein toter Mann herum dem wuchsen die Gedärme so wie Algen aus dem aufgeschlitzten Bauch ich dachte: Oh, großer bunter splatter-Film und sprühte mir die Füße mit Fungiziden ein Madonna stand auf dem Ein-Meter-Brett in einer gelben speedo-Badehose und ihre Brüste hingen bis zum Waschbrett-Bauch und ihre Rollerskates waren ganz eingerostet sie sang die erste strophe meines Deutschlandlieds und Fallersleben an der Bikini-Cocktail-Bar klatschte ihr den Takt dazu Und über allem schwebte die honigsüße Marschmusik der Abendunterhaltung Und alle schwimmbad-sphären splitterten und Dante kicherte und griff sich in den schritt und ich, ja ich, riss mir die Augen raus Da ward der Fernseher im schatten meines Kopfes angeschaltet, und in den Dunkelheiten meiner Kopfgeburten schrien alle Mannequins und wanden sich in grellen Farben, die aus meinen Kopfscheinwerfern über sie gegossen wurden Und ich probierte geistig krank zu werden aber die Posaunen an der Decke meines Kopfes kündigten die neue sendung an: Da waren alle nachrichten der letzten vierzig Jahre auf einer Tonspur in der alten schädelschüssel fix gefangen Aber dieser dumme Kopf, der platzte nicht und Karl-Heinz Köpcke krächzte vom Atomschlag während Ulrich Wickert beruhigend von der völligen Vernichtung lamentierte ich drehte und ich drehte mich und endlich platzte mir mein schädel mit einem mäßig lauten Krachen und ich fand mich auf einer linden Wiese nah am Waldesrande wieder Das Gras war grün und alle Gänseblümchen hielten nun ihr Maul und nickten nur im Takte meiner herzensguten schreie Auf der Wiese lag ein toter weißer Hai der bis auf die Knochen schon vergammelt war und neben ihm stand ein großer Grabstein auf dem zu lesen war: „nun ruhe sanft du dumme Welt aus Gottes schweiß“ Und das Gras, das glänzte grün In Flip-Flops nach ArmageddonIn Flip-Flops nach Armageddon 48 49
  5. 5. trial&error 1415➞ schon klar, es war ein fehler, hier einfach so rein- zugehen: die andern längst weg, nur hinter dir, wo der eingang war, sitzt noch was, das schnurrt und riecht ein bisschen faulig. es erinnert an zerliebte pullis, scheint weiter aber nutzlos zu sein. gedämpftes hämmern: draußen bauen sie schon ab. vielleicht, denkst du, sollte man sich langsam fragen, ob das schnurrige ding essbar ist. trial & error, denkst du, man kann doch so schön verlieren, warum kriegst du das eigentlich nie hin? neben dir stapeln sich stoßweise pläne, vor dir stellen sich fragen auf schuhschränke, in denen du vermuten kannst. mach das mal. von draußen ist nämlich nichts mehr zu hören, und das ding, sichtlich besorgt, würde dich gern fragend anschauen, ist sich aber nicht sicher, ob es augen hat. begründen üben, z.b. so. inseln: fußnoten vom festland. einsamkeit in bungalows: absichtlich, eine gelegenheit für zweckentfremdung. nehmen wir an, du kannst dich für zufall entscheiden. nehmen wir weiterhin an, das ende der welt sei noch gar nicht passiert. der morgen, der danach sein sollte, liegt in einer pfütze, saugt sich voll, bis er groß und weich ist, ein spülschwamm mangels geschirr. pfützen sind das einzige, was nach weltende aussieht, apokalyptische accessoires am strand. falls doch was passiert ist, taucht das erst viel später auf, an einem punkt, wo die handlung so fortgeschritten ist, dass du sie nicht mehr abbrechen kannst. es ist sonntag, und der punkt befindet sich unter einem stuhl in der bungalowküche, aber das weißt du nicht, sonst wäre es kein zufall. bei schweren entscheidungen empfehlen die ratgeber: zeit gewinnen durch alltagstätigkeit, z. b. das spülen von geschirr.
  6. 6. i Viens, mon beau chat, sur mon coeur amoureux Schnee vereinzelt März. Salut. Wolle mutet sich Von oben an Und kann Sich nicht in meinen Mantel weben. Wie die Katzen Versuche ich sie aus der Luft Zu krallen. Vergebens Und wundere Mich über meine Körpertemperatur. Ich erinnere – du nanntest sie Charles. Als sie an dein Fenster tappte. Maunzte Und wir ihr Gedicht Nicht hören konnten, weil Die Flocken zu dick auftrugen. Nun lösche ich sie. Geruch verlorener Schafe. Wir sind beide schneespät. ii Dans ma cervelle se promène Ainsi qu’en son appartement, un beau chat, … Gugel unter der mein Denken steht. Schlaf und ich im Co-Tango Deiner nun eingewohnten Katze. Gern auf Traumböden trampeln. Mit ihren Pfoten Hinterlässt sie Spuren, Die Schlummeräcker überdecken. Mit dir schlafend wach zu sein. Oui, oui. Als suchest du an Monitoren Ohne Netz nach deiner Masche Ohne Google hüpft dein Augenpaar Wie Potenz für die Katz. Wir beide Suchen dein Hinschauen Hinter den Gittern zu suchen. Ich hab Nacht abgeträumt Hab dich abgeträumt, zaghaft Beginne ich an Dosen Katzenfutter zu glauben. An Überdosen Schlummertoxin, An dich als Morphin, deine Katze als Experimentleiterin. Ich glaubte nicht an die Nächte, bis die Katze, Bis die Tage wohl morgen. BaudelairesKatzen achtundfünfzig•neunundfünfzig
  7. 7. 88 ×Morphine fLaMinGos sniffen ×89 das Fest der er- Schlaffenden Muskeln in der Bewellung Vom ende des Lichts ge- Badet.. die Schönheit von Schmerzmitteln, in unterströmungen ge- Löst — das Herz von seinen zahllosen Bakterien kontaminiert Verabredung zum Ertrinken Lob des ertrinkens er- Trinkendes, großmäulig.. in ein Gähnen von Meer (mit Stein- Gedachtem — (kußmäulig
  8. 8. 11 10 Drei (Kommentar eines Zurü>gela½enen) Der Kaiser7 freut sich und schöpft keinen Verdacht schaut mit bedacht auf die burg seiner Väter, denkt sich: Das ist der richtige Ort, mit bier und brot für die meinen den ältesten sohn und die seinen. Genauer. Lässt zügig die Ziehbrunnen noch überprüfen, die satten Weiden greift noch einmal ins Gras und schürft zwischen steinen lässt sand hier und schwarzerde da durch die Finger gleiten durch die Handschuhe rieseln, und kichert heiser. Der Kaiser denkt vor der Flucht noch: Hier werde ich, mit schlechtem Gewissen und gutem Grund meinen Ältesten und die seinen zur Wehr gegen den norden zurücklassen müssen,8 wenn ich mich endlich auf Reisen begebe (scheiße, nicht hier! sagt der Autor, oder der sohn) will heißen, nach italien. ich möchte es Heiliges Land nennen.9 Doch dieser name ist schon vergeben ans heilige Land. 7 Das ist der erste Vers zum Text — eine Tarantella, an deren Ende die Tänzer zumeist in Trance fielenundschließlichzusammenbrachen.EinWitzboldnanntederartigeTänzespäterSufitaran- tellas.Allerdings verbreitete sich die Kunde von Friedrichs hellem Gemüt auf die Art bis in den Osten der späteren Türkei und nach Zentralafghanistan, wo einige stammesführer sich noch heute bei ihrer Abstammung bis auf den staufer berufen.Al ibn Frich Frich. (Hier wird’s albern, aber das ist eben Ge- schichte) Auch die Tarantella hat einen tierischen namen und ein rhythmisches schluchzen. 8 Der zurückgelassene sohn hieß zu allem Überfluss auch noch Heinrich. 9 Wir dürfen uns nichts vormachen, eine deutsche italiensehnsucht ist noch kein Anzeichen postnationaleridentität.EherimGegenteil.AbervielleichtliegtderAuswegausdemnationalismus ohnehinnichtinderAusweitung,sonderninderEinengungdesbegriffs,Gruppenidentitäten,Grüppchen- identitäten.ichidentitäten.WasnatürlicheinerAushöhlungdesinhaltsgleichkäme.Aberwaserwarten wir,isteineHöhledochnureinausgedehntesLochundihreWändeProjektionsflächenfürplatonische schattenspiele. schrumdibum ;-) Zwei in den sand vor den ställen muss etwas notiert worden sein vom wiegenden Gang der Kamele, der Hufschlag der Pferde verwischt von den bäuchen der Walrosse,5 von einer Herde Gazellen, verwischt von Gnus und jedem einzelnen schwein von Pfauenschwänzen muss etwas notiert worden sein. Vielleicht hielten die Knechte Austauschgiraffen bereit und Meerkatzen, Gibbons. Zu jeder Zeit anzufordern, die Arche mit Paaren jeder Gattung gefüllt, alle Tierheit auf Abruf. irgendwo muss es neben dicken büchern Tierfriedhöfe geben. namen der Tiere, sortiert nach Gattung,Alter und Art6 damit, wenn der Kaiser sie ruft, stets das richtige antrabt auf den Hinterbeinen steht, tanzt und mit dem Huf scharrt. Der Herrscher erkennt seine liebsten Tiere am schwanz. sie wedeln, der Kaiser schöpft keinen Verdacht beim Tanz. 5 Wenigstens einWalross muss es imTross gegeben haben.Ein italienischerAnthropologe fand 1993 an einer Lagerstätte die Knochen, freute sich, und dachte nachgewiesen zu haben, dass dersteinzeitlicheMitteleuropäermitdemsteinzeitlichennordeuropäerHandelbetriebenhatte.Diese These hatte ihn lange beschäftigt. im Grunde wollte er nur widerlegen, dass Krieg die Verkehrsform derVölker gewesen sei.Krieg,so sagte er,resultiere aus der künstlichenVerknappung der Ressourcen. Auf das künstlich legte er Wert, denn ein Produkt, zum beispiel ein Walross, erzeuge durch seine An- wesenheit nicht notwendig ein bedürfnis. Erst seine Einbindung in postrituelle Handlungen rufe ein Verlangen hervor. Wer würde schon für ein Walross töten? Aber Essig war’s. Untersuchungen der iso- topenstruktur datierten die Knochen auf’s Hochmittelalter — eine Zeit also, in der der steinzeitliche Mensch längst ausgespielt hatte,die Langhäuser verlassen und im Einfamilienhaus wohnte.Und von der Lagerstätte, wo man sie fand, war überliefert (Haare, Kotreste, schriften), dass dort auch einmal eineLagerstätteFriedrichdesstaufersgewesenseinmuss.(„naprima!“kommentiertederitalienische Anthropologe.)WalrossesindfüreinLebenmiteinemKaiserauf Reisenvollkommenungeeignet.Aber offensichtlich hatte man einen Versuch unternommen. Die Hauer waren im Übrigen unversehrt, als man sie fand. Elfenbein! Sie hätten schöne Schachfiguren abgegeben. 6 Vielleicht ähnlich dem brehm.Auch hieß einer der ständigen begleiter Friedrichs von brehm. Er war gebürtiger burgunder,sie trafen sich amTiber.Von brehm war mit einem schmetterlings- netz unterwegs, hatte aber keine Ahnung davon, wie man die gefangenen Tiere tötet und konserviert. Abendsließersiefrei,umihnenamMorgenvonneuemnachzustellen.ErentwickeltedieTheorie,dass Falter am Abend ihre Farbe verlieren und am Morgen zurückgewinnen. sein buch De Farfallo (Vom schmetterling) gilt als eines der ersten bücher der europäischen schmetterlingsforschung. ist leider verschollen.
  9. 9. 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 Москва. / Москвичи / повылезли на крыши / сорокаэтажных / домов-коммун./ — Посмотрим, что ли… / Про что пропишет. / Кто? / Кого? / Когда? / Кому? — // ТРЕВОгА. // Летчик / открыл / горящий газ, / вывел / на небе / раму. / Вывел / крупными буквами: / ПРИКАЗ. / МОБИЛИЗАЦИЯ. / А потом — / телеграмму: In Moskau: Die Moskowiter erklommen die Dächer der vierzig Stock hohen Blocks der Kommune „lass mal sehen, was … meldet der rauchsprecher. Wer? Wen denn? Wann? Wem nun?“ alarM. Der Flieger beschriftete mit leuchtgas die lüfte, umriss einen rahmen und setzte in riesigen lettern: ERLASS: MOBILISIERUNG. und dann — als telegramm: Der rapport. Die Posten am Seeabschnitt ost vermelden: „Punkt — fünf vor acht hat ungeachtet so früher Stunde der Feind die leuchtfeuer an der grenze verdunkelt.“ eine rakete. Im Finstern ergrellt was fiebrigen takts — in Bereitschaft gestellt. tragwerk an tragwerk, Flügel zu Flügel ein erster, zweiter, jetzt hundert Züge. Nächste rakete! ein Feuerball. Mitgekriegt? aus Hangars geht es in den Jagdfliegerkrieg. Рапорт. / Наблюдатели. / Берег восточный. / Доносим: / «Точно — / без пяти восемь, /несмотря /навремяраннее,/враг/маяки / потушилкрайние»./Ракета./Осветились / в темноте / приготовления — / лихорадочный темп. / Крыло к крылу, / в крылья крылья, / первая, / вторая, / сотая эскадрилья. / Еще ракету! / Вспыхнула. / Видели? / Из ангаров / ыводятся истребители. 10 11
  10. 10. details oder dasgrosse ganze
  11. 11. i ANLAUTE I ALITERATION I ENJAmBMENTS I Parallelismen I Chiasmen et al
  12. 12. InternationalE stimmen
  13. 13. marktproblem
  14. 14. LYRIK VS. VAMPIRE
  15. 15. DieSchönheit ausdem Fragilenlösen
  16. 16. editionbinär

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