Vortrag zu Demenz 2015

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Was ist Demenz? Wie kann man mit dieser Erkrankung umgehen?
Was ist normale Alterung? Wo beginnt die Erkrankung?
Wie verläuft eine demenzielle Erkrankung?
Was kann ich tun?
Was sollte ich lassen?

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
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  • Der Körper im Alter
    Altern betrifft über kurz oder lang den ganzen Körper und sämtliche Organe. Dabei gibt es von Mensch zu Mensch große Unterschiede in der Ausprägung und dem Zeitpunkt des Auftretens der verschiedenen altersbedingten Veränderungen. Wichtige Veränderungen sind beispielsweise: 
    Augen
    Die Fähigkeit der Augen, sich an kurze Entfernungen anzupassen und darauf scharf zu stellen, nimmt ebenso ab wie das Anpassungsvermögen an veränderte Lichtbedingungen. Mit etwa 60 Jahren hat die Augenlinse bei den meisten Menschen ihre Anpassungsfähigkeit an kurze Entfernungen verloren (Altersweitsichtigkeit). Häufig macht sich diese Entwicklung bereits ab dem 40. Lebensjahr bemerkbar.
    Gehör
    Das Hörvermögen beider Ohren wird aufgrund von Veränderungen im Innenohr schlechter. Meist hören die Betroffenen die hohen Töne schlechter. Außerdem können im Alter störende Geräusche auftreten (Tinnitus).
    Geruch, Geschmack & Durst
    Geruchs- und Geschmackswahrnehmung nehmen im Alter ab. Mögliche Folgen sind verminderter Appetit und einseitige Ernährung. Normal gesalzene Kost schmeckt dann oft fad und langweilig (z.B. Krankenhausessen). Das Empfinden von Durst wird geringer, so dass ältere Menschen oft zu wenig Flüssigkeit aufnehmen. Senioren müssen das Trinken manchmal regelrecht trainieren.
    Gehirn
    Mit den Jahren nimmt die Zahl der Gehirnzellen ab und die Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn untereinander funktionieren schlechter. Davon ist vor allem das Vorderhirn betroffen, der Sitz der höheren Geistes- und Wahrnehmungsfähigkeiten. Unter anderem verantwortlich dafür ist die Abnahme der Produktion des Botenstoffs Azetylcholin, das für die Signalübertragung in den für Denken, Erinnern, Lernen und räumliches Orientieren zuständigen Nervenzellen gebraucht wird. Außerdem wird im Alter die Isolierschicht von Nervenzellen abgebaut, das so genannte Myelin. Deshalb lernen und reagieren ältere Menschen etwas langsamer als junge. Ehemals unbewusst ablaufende Prozesse wie z.B. das Gehen, werden teilweise durch höhere Regionen im Gehirn übernommen. Dadurch sinkt die Verarbeitungsfähigkeit gleichzeitiger Reize. Die geteilte Aufmerksamkeit sinkt und z.B. die Sturzgefahr steigt.
    Allerdings ist das Gehirn bis ins hohe Alter trainierbar, da ausgefallene Nervenverbindungen von anderen übernommen werden können und sogar neue Gehirnzellen gebildet werden. Daher behalten auch ältere Menschen ein hohes Lernvermögen bei und können jüngeren sogar überlegen sein, wenn erworbenes Wissen und Erfahrung zur Lösung von Problemstellungen notwendig sind. Erkrankungen wie Alzheimer, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder mangelnde Durchblutung des Gehirns können den Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit zusätzlich verstärken. Auch Medikamente oder Alkohol können Nervenzellen im Gehirn schädigen oder gar zerstören.
    Haut
    Die Haut wird im Alter dünner, trockener und enthält weniger Proteinfasern wie Kollagen, die sie elastisch und dehnbar halten. Die Abnahme des Wassergehalts im Körper wird am Spannungszustand der Haut sichtbar. Auch das Unterhautfettgewebe geht zurück. Sie verliert dadurch ihr straffes und glattes Aussehen und bildet Falten.
    Knochen
    Die Knochen unterliegen zeitlebens einem ständigen Auf- und Abbauprozess. Im Alter gewinnt der Abbauprozess jedoch die Oberhand, vor allem bei einem Mangel an Vitamin D. Es wird mehr Knochensubstanz abgebaut als aufgebaut. Dies betrifft vor allem Frauen ab der Menopause. Knochen älterer Menschen sind deshalb weniger stabil und brechen leichter. Bei einem krankhaften Abbau von Knochensubstanz spricht man auch von einer Osteoporose.
    Knorpel
    Mit dem Alter verliert der Körper Wasser, das auch ein wesentlicher Bestandteil des Knorpelgewebes in den Gelenken ist. Die Knorpel schrumpfen und verlieren ihre Dämpfungseigenschaften. Dadurch wird die Beweglichkeit der Gelenke eingeschränkt und es können Schmerzen an Wirbeln, Knien oder Hüfte auftreten. Mechanische Abnutzung des Knorpels infolge jahrelanger Fehl- oder Überbelastung kann diesen Prozess noch beschleunigen (Arthrose).
    Bindegewebe
    Die Elastizität des Bindegewebes nimmt ab. Davon betroffen sind unter anderen die Wände der Blutgefäße. Das behindert den Blutfluss und erhöht den systolischen (oberen) Blutdruck, während der diastolische (untere) Wert eher sinkt. Dadurch erhöht sich die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
    Muskulatur
    Die Muskulatur im wird langsamer aufgebaut als in jungen Jahren, dafür wird vermehrt Fett eingelagert. Vor allem die Muskelfasern, die für kurze schnelle Leistung wie Sprints gebraucht werden, nehmen ab. Allerdings kann dieser Prozess durch gezieltes Training  beeinflusst werden. Auch im hohen Alter sind also noch Steigerungen der Muskelkraft möglich.
    Herz & Kreislauf
    Das Herz ist als Muskel ebenfalls vom Alterungsprozess betroffen: Muskelfasern werden durch Bindegewebe ersetzt und die Leistung des Herzens nimmt ab. Erhöhter Blutdruck, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot sind mögliche Anzeichen solcher Veränderungen. Blutdruck erhöhend wirken sich außerdem Ablagerungen in den Blutgefäßen aus (Arteriosklerose), deren Wand im Alter weniger elastisch ist. Folgen dieser Veränderungen können Herzinfarkt und Schlaganfall sein.
    Nieren & Blase
    Die Nieren verlieren im Alter einen Teil ihrer Funktionstüchtigkeit, deshalb müssen manche Medikamente anders dosiert werden. Außerdem lassen Beckenboden, Blasenmuskel und Schließmuskel des Afters in ihrer Elastizität nach, so dass ältere Menschen oftmals nachts zum Wasserlassen auf die Toilette müssen. Manchmal kann der Harndrang auch nicht mehr kontrolliert werden (Inkontinenz). Bei Männern kann sich die Prostata vergrößern, Folgen sind Inkontinenz, Harnstörungen und Schmerzen. Eine Gefürchtete Komplikation ist die Entwicklung von Prostatakrebs. Deshalb wird Männern ab 45 Jahren empfohlen, jährlich zur Prostata-Vorsorgeuntersuchung zu gehen.
    Hormone
    Der Hormonhaushalt ändert sich im Alter sowohl bei Frauen (Wechseljahre) als auch bei Männern. Manche Hormone, wie z.B. Testosteron oder Östrogen, nehmen ab, andere werden vermehrt gebildet, z.B. Insulin und Gonadotropin. Außerdem bildet die Schilddrüse weniger Hormone.
    Immunsystem
    Die Abwehrkräfte werden mit zunehmendem Alter schwächer. Das Immunsystem älterer Menschen produziert weniger Abwehrzellen und Antikörper, so dass zahlreiche Erreger eher zu Erkrankungen führen und diese schwerer verlaufen. Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper daher empfindlicher auf Krankheitserreger und Erkrankungen verlaufen mit deutlich mehr Komplikationen.
    Darm & Verdauung
    Mit den Jahren bilden die Drüsen des Körpers weniger Hormone und Verdauungssekrete. So kann eine verminderte Insulin-Produktion der Bauchspeicheldrüse zu Typ-2-Diabetes führen (Alterszucker). Erkrankungen des Magen-Darm-Ttraktes wie Blinddarmreizungen, Geschwüre, Verstopfung, chronische Darmentzündungen und Darmverschlüsse sind im Alter ebenfalls häufiger.
    Körperzusammensetzung
    Mit den Jahren verändert sich die Zusammensetzung des Körpers. Wasseranteil und Muskelmasse verringern sich, der Körperfettanteil steigt. So beträgt laut der Körperwasseranteil bei 30-Jährigen rund 60%, bei sportlich aktiven 55 bis 65-jährigen Männern und Frauen sinkt er auf 56 bzw. 49%. Diese Entwicklung beschleunigt sich mit zunehmendem Alter.
  • Das Langzeitgedächtnis wird in mehrere Gedächtnisformen unterteilt, die unterschiedliche Inhalte abspeichern.
    Das deklarative Gedächtnis besteht aus persönlichen Erinnerungen, episodisches Gedächtnis genannt, und dem Faktenwissen des semantischen Gedächtnisses.
    Zum nicht-deklarativen Gedächtnis gehören Fertigkeiten wie Laufen, Schreiben oder Fahrradfahren, aber auch erlernte Ängste oder Konditionierungen.
    Neben dem Langzeitgedächtnis gibt es das Arbeitsgedächtnis, das Inhalte kurzzeitig speichert, etwa beim Lösen von Rechenaufgaben.
  • Hartmut Vöhringer Einführung
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    1. 1. Demenz Information und Hinweise zu einer modernen Erkrankung Vergesslich sein– ist das schon Demenz? Hartmut Vöhringer
    2. 2. Normale Alterung • Abnahme der Anpassungsfähigkeit • Junge Menschen haben mehr Möglichkeiten, als sie nutzen Jugend Normal Hohes Alter www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 2
    3. 3. Beispiele Auswirkungen des Alters www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 3 • Augen => Anpassung nah und fern, hell und dunkel • Gehör => weniger Frequenzumfang (hohe Töne) • Riechen, Geschmack und Durst => Wahrnehmung wird weniger • Haut dünner, trockener, weniger Kollagen und Wasser, Unterhautfett • Knochen und Knorpel =>Dichte nimmt ab, weniger Wasser • Bindegewebe weniger elastisch (Blutgefäße!) • Insgesamt: Weniger Wasser, weniger Muskulatur • Gehirn => Abnahme von Zellen, Verbindungen, Botenstoffe
    4. 4. 4 Gehirnalterung • Nervenzellen kleiner Hirnvolumen weniger • Weniger Synapsen • Veränderungen bei den Überträgersubstanzen • Beginn der Abnahme im 60. - 65. Jahr • bis zum 80. Jahr um etwa 7% www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz
    5. 5. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 5 Pensionierung basale Frontalhirnrinde zuständig für individuelle Psyche und soziale Kommunikation schrumpft meist erst im Ruhestand
    6. 6. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 6 Abnahme und Gebrauch • Abnahme von Hirnvolumen und Hirn- leistungsfähigkeit müssen nicht parallel verlaufen • Hirnsubstanzverlust ist vom Gebrauch der Neuronen abhängig • Besonders stark nach der Pensionierung • Keine Übung bedeutet Verlust
    7. 7. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 7 Kognitive Funktionen • Orientierung • Gedächtnis • Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit • Problem lösendes Denken • Sprachvermögen • Lesen und Schreiben • Räumlich-konstruktive Fähigkeiten
    8. 8. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 8 Orientierung • Zeitlich Tageszeit, Wochentag, Jahreszeit, Jahr • örtlich Wo ist das WC ? Wo bin ich ? etc. • zur Person Wer bin ich? Wie alt? Meine Funktion? • situativ Was tue ich hier? Warum?
    9. 9. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 9 Zeit • Am Tag wach Hell Schlafenszeit Aktivität • In der Nacht Schlaf Keine Schlafmittel
    10. 10. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 10 Ort • Orientierung Klarheit Farben Vorsicht: Spiegel, Abbildungen • Vertrautheit wenig Veränderung
    11. 11. Gedächtnis • Ultrakurzzeitgedächtnis: Kurz gespeichert – ohne Aufmerksamkeit • Kurzzeitgedächtnis: Informationen, die innerhalb von 30 sec. reproduziert werden • Merkfähigkeit: mittelbares Reproduzieren • Langzeitgedächtnis: Weltwissen, persönliches Wissen www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 11
    12. 12. Kurzzeitgedächtnis Sieben (plus oder minus Zwei!) www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 12 Neue Inhalte Vergessen
    13. 13. Gedächtnisformen des Langzeitgedächtnis Deklaratives Gedächtnis: • persönliche Erinnerungen, episodisches Gedächtnis genannt • Faktenwissen des semantischen Gedächtnisses Nicht-deklarativen Gedächtnis • Fertigkeiten wie Laufen, Schreiben oder Fahrradfahren • erlernte Ängste oder Konditionierungen www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 13
    14. 14. Gedächtnisarten www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 14
    15. 15. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 15 Erinnerung •Wann ist jetzt? •Das Gift der Veränderung •Alte Geistesschätze weggeworfen? •Panik
    16. 16. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 16 Sprachvermögen • Benennen von Gegenständen Die richtige Bezeichnung für eine bestimmte Sache • Sprachverständnis Was zuvor verstanden wurde • Handlungsanweisung umsetzen Trotz Erklärung wird anders verfahren
    17. 17. Demenz • „Der Geist geht weg“ • vorzeitig erworbener und auf organischer Grundlage beruhender Abbau kognitiver Funktionen • mindestens 6 Monate • Meist: präsenile oder senile Form vom Alzheimer Typ und vaskuläre Demenzen www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 17
    18. 18. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 18 Beginn der Alzheimer Demenz • Schleichender Verlauf • zunehmende Hirnleistung- einschränkung • zu Beginn Gedächtnis - und Konzentrations- störungen
    19. 19. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 19 Verlauf der Alzheimer Demenz • Probleme der Orientiertheit • eventuell gestörter Schlaf - Wach - Rhythmus • zunehmender Persönlichkeitsverfall • sozialer Rückzug • Problem mit Haushalt • persönliche Hygiene vernachlässigt
    20. 20. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 20 Kompensation Leistungsverlust Leistungsvermögen Anforderung Dekompensation
    21. 21. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 21 Hirn ohne Erkrankung
    22. 22. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 22 Hirn mit Morbus Alzheimer
    23. 23. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 23 Positronen- Emissions-Tomographie (PET)
    24. 24. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 24 Kognition und Gedächtnis • Zuerst fallen Gedächtnisstörungen auf, Gegenstände werden verlegt, Namen werden vergessen etc. • zum Teil fehlende Konzentrationsfähigkeit im Gespräch Diese Symptome können aber auch durch Stress Trauer, Erschöpfung und Müdigkeit hervorgerufen werden!
    25. 25. Veränderung der Merkfähigkeit • Das Kurzzeitgedächtnis ist zu Beginn gestört - (unmittelbares Reproduzieren) Beispiel: 1. Telefonnummer lesen, 2. Telefonbuch schließen 3. wählen • Das Langzeitgedächtnis ist am spätesten gestört Inhalte: Weltwissen und persönliches Wissen www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 25
    26. 26. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 26 Ausgeprägte Störungen der Kognition Orientiertheit ist über längeren Zeitraum gestört: • bei Delir (etwa Alkoholdelir oder Wassermangel) • bei Demenz (etwa bei Morbus Alzheimer im späten Stadium)
    27. 27. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 27 Häufige Formen der Demenz Form • Morbus Alzheimer • Vaskuläre Demenz • Mischform (Morbus Alzheimer und vaskulär) • Lewy - Körperchen – Demenz & Parkinson • Frontotemporale Demenz • Andere Formen Häufigkeit • 50 % – 60 % • 20 % • 15 % • 10 % – 20 % • 5 %– 10 % • 5 %
    28. 28. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 28 Delir • Plötzliches Auftreten • Folge von Begleiterkrankungen • Dauer: Stunden bis Tage (oder Monate) • Besserung bei Abklingen der auslösenden Ursachen • Änderung im Tagesverlauf wahrscheinlich • häufig Unruhe, Halluzinationen
    29. 29. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 29 Ursachen des Delir • Entzug: Alkohol, Medikamente • Medikamente: Antiparkinsonmittel, Diuretika, Digitalis, Antibiotika, Antihypertensiva • Volumenmangel: Wasser, Anämie • Akute Infekte: Pneumonie, Harnwege • Stoffwechselentgleisungen: Hyperthyreose, Urämie, Leberinsuffizienz, Hypo-glykämie, Hyperglykämie, Hyponatriämie • Kreislaufstörungen: Herzinsuffizienz, Hypotonie, Hypertonie • Demenz • Operation, Trauma
    30. 30. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 30 Auslöser eines Delir • Meist durch Medikamente • Infekte: häufig Pneumonien oder Harnwegsinfekte • Wassermangel und Anämie • in einer bestehenden Demenz • akute Psychose • akute Hirnerkrankungen
    31. 31. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 31 Andere Erkrankungen • bei bestehender Demenz: Umgebungswechsel Exsikkose Infektion oder Medikament • akute Psychose im Alter meist mit Halluzinationen im Vordergrund
    32. 32. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 32 Medikamente • Falsche Einnahme (falsche Therapie?) • neue Verordnung wird nicht vertragen • Kumulation von Stoffen: Digitalis (Herz) Theophylin (Asthma) Antiepileptika (Krampf) Tranquilizer (Beruhigung) Diuretika (Entwässerung)
    33. 33. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 33 Infekte Oft ist das Delir das einzige Symptom einer akuten Erkrankung • Beispiel Lungenentzündung: weder Fieber, noch Husten, kein Auswurf aber Patient phantasiert und ist verwirrt Das Delir verschwindet mit Behandlung und Besserung der Pneumonie.
    34. 34. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 34 Angehörige reagieren, wenn... sich Betroffene selbst oder andere gefährden: • Aggressivität • Halluzinationen • im Nachthemd im Winter auf der Straße • die Herdplatte glüht • Betroffene verirrt sich in der Stadt
    35. 35. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 35 Angebote • Pflege und Versorgung zu Hause • Teilstationäre Angebote • Stationäre Angebote • Wohngemeinschaft • Heim • Integrative Unterbringung • Segregative Unterbringung • Beschützender Bereich
    36. 36. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 36 Ambient Assisted Living Elektrotechnik hilft zu Hause: • Automatische Meldung bei Notfall • Keine Bewegung in der Wohnung • Temperatur in Wohnung fällt • Bad wird längere Zeit nicht benutzt • Intelligente Schaltungen • Herd wird automatisch ausgeschaltet • Licht mit Bewegungsmeldern 36
    37. 37. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 37 Konzepte • ROT : Realitäts- Orientierung - Training • Psychobiographisches Modell nach Erwin Böhm • Rückgriff auf die „beste Zeit im Leben“ • Validation nach Naomi Feil • Ich verstehe Dich und Deine Gefühle • Milieutherapie nach Wilfried Bion • Wir sind ein große Familie
    38. 38. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 38 Biographischer Zugriff • Zeit zwischen 21 und 40 Jahren • Rolle und Selbstverständnis • Das bin ICH! • Motivation • Kommunikation
    39. 39. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 39 Umgang mit Demenzkranken • Freundlich bestimmt, deutlicher Umgangston • Geduldig: Minuten, nicht Sekunden • Verständnis – auch wenn es schwer fällt • Klare Anweisungen in einfachen, kurzen Sätzen • Keine sinnlosen Diskussionen • Nicht auf Meinung bestehen: ablenken oder einlenken • Anschuldigungen oder Vorwürfe überhören • Beständigkeit und Routine im Tagesablauf • Konkrete Angaben wie Zeit, Datum, Ort und Namen bieten Erinnerungshilfen
    40. 40. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 40 Würde • Warum führt geistige Einschränkung zu Abstieg im sozialen Status? • Respekt • Toleranz • Solidarität
    41. 41. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 41 Reize • Eine Wand ist zu wenig! • Ein Fernseher ist zu viel! • Zwei Bett Zimmer! • Ärger • Aufgaben im Haushalt • Spaß
    42. 42. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 42 Respekt • Diagnose mitteilen • Bitte und Danke • Fassade erhalten • Unauffällig helfen • Eigenarten akzeptieren • Erwachsen behandeln • Keine Verbote
    43. 43. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 43 Essen • Wasser • Kalorien! • Geschmackssinn • Salz und Pfeffer • Keine Schonung! • Zu heißes Essen! • Blutzucker nachts
    44. 44. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 44 Trinken • Furcht vor Inkontinenz • Nachts raus müssen • Vergessen • Kein Durst • Alkohol im Alter • Sparen
    45. 45. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 45 Rollen • Großmutter • Mutter • Tochter • Umkehrung der Aufgaben - der Rolle? • Verlust der Mutter • Rolle und Person?
    46. 46. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 46 Prophylaxe • spezielle Hirnleistungstrainingsprogramme • Erhalt und Förderung der körperlichen Fitness • gutes Sehen und Hören bei 60 jährigen durchschnittlich 20% Hörverlust bei 80 jährigen durchschnittlich 43% Hörverlust
    47. 47. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 47 Fördern der Hirnleistung • Lesen Zeitung, Bücher • Kartenspielen Skat, Bridge etc. • Spiele Memory, Scrabble • Sprachen lernen Kurse,Auffrischen • Kreuzworträtsel lösen aus Zeitungen etc. • Vorträge besuchen VHS, Universität • Theater Musical, Drama • Hobby Sammeln, Basteln etc.
    48. 48. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 48 Bewegung • Bewegungsmangel führt zu Depression • Depression führt zu Bewegungsmangel • Schlechte Immunabwehr
    49. 49. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 49 Soziale Aktivitäten • Helfen gegen Hirnabbau im Stirnbereich • Umgang mit Menschen • Forderung der sozialen Kompetenz (Personennamen, Umgangsformen, Gedächtnis) • Wirken emotional stabilisierend • Geben hohe Motivation
    50. 50. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 50 Fragwürdige Thesen • Viele alte Mensch würden dement • 2/3 der Menschen nicht! • Hirnleistungstraining helfe bei Morbus Alzheimer • Gefahr der Überforderung und Frustration • Medikamente helfen gegen Demenz • Sagt die Pharmaindustrie • Demenz ist für die Betroffenen immer schrecklich • Manchmal gelingt das Leben mit Einschränkungen • Sehr glückliche Tage möglich (Demenzparadox) • Fast immer schwieriger für Angehörige 50
    51. 51. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 51 Berühmte Beispiele Platon (427 - 347 v.Chr.), antiker Philosoph, verfasst mit 89 "Philebos". Michelangelo (1475 - 1564) beginnt mit 72 die Kuppel des Petersdoms Tizian (1477 - 1576) malt mit 98 die berühmte Pietà für sein eigenes Grab. Giacomo Antonio Stradivari (1644 - 1737) baut mit 93 noch Geigen. Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859) beendet mit 89 den "Kosmos", seinen "Entwurf einer physischen Weltbeschreibung".
    52. 52. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 52 Geht doch… Helmuth Graf von Moltke (1800 - 1891) schlägt mit 70 Schlacht von Sedan Giuseppe Verdi (1813 - 1901) komponiert mit 79 die Oper "Falstaff" und mit 81 die Ballettmusik für "Othello". Theodor Fontane (1819 - 1898) schreibt mit 79 "Der Stechlin". Gerhart Hauptmann (1862 - 1946) verfasst im Alter von 82 Jahren seine Version von „Iphigenie in Aulis“ Frank Lloyd Wright (1869 - 1959) entwirft mit 74 Jahren das Guggenheim-Museum in New York; im Alter von 89 bis 90 überwacht er dessen Bau.
    53. 53. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 53 …immer noch… Konrad Adenauer (1876 – 1967) trat erst im 88. Lebensjahr von seinem Amt als Bundeskanzler zurück in das er mit 73 Jahren zum ersten Mal gewählt wurde. Oskar Kokoschka (1886 - 1980) gestaltet mit 88 das Mosaik "Ecce Homines" in der Hamburger Kirche St. Nikolai. Marc Chagall (1887 - 1985) bemalt mit 74 Jahren die Decke der Pariser Oper; mit 81 Glasmalereien für Zürcher Frauenmünster Bernhard Minetti (1905 - 1998) debütiert mit 80 mit Wedekinds "Frühlings Erwachen" als Regisseur; mit 90 spielt er in Ibsens "Wildente".
    54. 54. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 54 …besser • 88 % aller 70-80-Jährigen und 66 % der über 90- Jährigen kommen in ihrem Alltag ohne fremde Hilfe aus • über 90 % leben Zuhause. • Projekt Frame „Die landläufige Meinung vom Dahinsiechen und der Hilfsbedürftigkeit älterer Menschen muss revidiert werden!“
    55. 55. www.heimbetrieb.de Hartmut Vöhringer Demenz 55 Das Glas ist (mehr als) halbvoll Altersgruppe • 65- bis 69-Jährige • 70- bis 74-Jährige • 75- bis 79-Jährige • 80- bis 84-Jährige • 85- bis 89-Jährige • über 90-Jährige Gesunde Menschen • 98,8 % • 97,2 % • 94,0 % • 86,7 % • 76,1 % • 65,4 %
    56. 56. Herzlichen Dank! • Dieses Skript und Handout ist Teil eines Schulung oder Vortrages zu Demenz • Dauer: • Zwei Stunden • Als Schulung vier Stunden Kontakt: h.voehringer@t-online.de Hartmut Vöhringer Demenz www.heimbetrieb.de 56

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