Alexander MerowDas aureanische Zeitalter            I      Flavius Princeps       Engelsdorfer Verlag             Leipzig ...
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbib- liothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diesePubl...
InhaltDas aureanische Zeitalter.................................................... 7Wieder auf Terra........................
Das aureanische ZeitalterDie Morgensonne schob sich zwischen den aufragendenTürmen und Gebäuden von Asaheim gemächlich nac...
Das 16. Jahrtausend, nach alter Zeitrechnung, war in jederHinsicht eine Epoche des Aufstiegs und der letzte großeKrieg auf...
dunkle, belächelte Mythen aus unaufgeklärten Zeiten,wenn man den gewöhnlichen Bürger des Goldenen Reichesfragte. So schien...
Generationen einen derartigen gesellschaftlichen Statuserlangt, dass er fast religiöse Züge annahm. Wer nicht vorweisen ko...
Er unternahm nicht nur alles, damit jährlich Millionenvon Siedlern die Erde verließen, um in den Kolonien eineneue Heimat ...
immer mehr anaureanische Diener in ihre luxuriösenHäuser geholt und Schritt für Schritt damit begonnenhatten, in den Mensc...
Von allen menschlichen Kolonien, welche sich jemalsgegen das Goldene Reich auf Terra erhoben hatten, war esdem Sternenreic...
mehrfach die an Terra zu entrichtenden Tributratenheruntersetzte, gelang es ihm, ein relativ harmonischesVerhältnis zu den...
Geschichte mehrfach in verfeindete Teilreiche zerbrochen,welche sich ebenfalls wieder und wieder bekriegt hatten. Die ural...
In den letzten Jahren hatten sich schließlich Gerüchte vonder Präsenz einer offenbar feindlich gesinnten Alienspeziesim Be...
»Ich habe schon einen ganzen Haufen Flüge hinter michgebracht und bereits über 100 Jahre in Tiefschlafkammernverbracht, ab...
Zu Beginn dieser Reise war Flavius gerade einmal 20Jahre alt gewesen und hatte sich mit dem Flug zu einemfernen Planeten e...
worden war, hatte Flavius einen Fluch nach dem anderenabgegeben. Dieser Weg zur Schlafkammer war der mit Abstandschrecklic...
Schlaf nicht mehr aufwachten, hatte sich inzwischen aufein Minimum reduziert. Dennoch kam es ab und zu vor,dass der Körper...
druck alle gewünschten Luxuswaren und Unterhaltungs-möglichkeiten, welche das 16. Jahrtausend seiner herr-schenden Kaste b...
Trotzdem hatte der Aureaner schon seit frühester Jugendeine gewisse Unzufriedenheit mit seinem Leben empfun-den und war se...
Wieder auf TerraPrinceps hatte sich durch das Menschengewühl des Welt-raumbahnhofes von Thoringan gekämpft und endlich den...
»Ist das Onkel Flavius?«, quiekte ein Mädchen und ergriffmit ihrer zarten Hand die ihres Vaters. »Ja!«, sagte Xentor erfre...
Norec Princeps hingegen fragte ihn, ob sich der Flug zuden Sternen denn »gelohnt« hatte, doch Flavius druckstenur herum un...
»Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen«, dachtesich Flavius und überlegte, was er nun mit seiner Zeitanstellen sollt...
halle seines Habitatskomplexes hinter sich gelassen hatte,schritt Flavius durch eine der großen Zugangstüren heraus. Hunde...
»Möchten Sie meinen Neuro-Sanator haben? Ich kanneinen aus meiner Wohnung holen …«, erklärte die Frau. »Schon gut! So schl...
Es dauerte noch ein paar Wochen, bis sich Flavius halb-wegs akklimatisiert hatte. Letztendlich hatte er beschlos-sen, wied...
seiner sportlichen Tätigkeiten wenigstens die eine oderandere Bekanntschaft schließen konnte. Dank seiner intensiven Bemüh...
Mehrere Tausend junge Aureaner hatten sich heute aufden Zuschauertribünen der großen Arena im Zentrum vonVanatium eingefun...
»Löwen! Löwen! Löwen!«, hallte es von der Tribüne undFlavius schenkte einigen hübschen Frauen am Spielfeld-rand ein kurzes...
beiden Seiten schlagartig auf. Es gelang Flavius, einemGegner die Lanze mit einem wuchtigen Stoß in den Unter-leib zu ramm...
Ende des Tages vom Platz und ließ sich von den begeister-ten Zuschauern feiern.Die Löwen von Crax hatten die Bezirksmeiste...
Der junge Mann wunderte sich und zuckte mit den Ach-seln. »Nichts! Ich habe geredet?« »Ja, ich wollte dich schon gestern d...
Siedlerkolonie mit einigen Hundert Menschen, aber dieexistiert jetzt auch nicht mehr.«  »Damals hast du uns nur gesagt, da...
»So? Was dann, Junge?«, wollte der ältere Mann wissenund spitzte die Ohren. »Da waren auch noch andere Überreste und die w...
»Was weiß ich, was das genau für Sachen waren? Jeden-falls waren es intelligente Wesen und keine Tiere, Papa!« Der nüchter...
Himmel hinauf. Einige waren sogar noch höher, als dasGebäude, in welchem Flavius mit seinen Eltern lebte.  Zwischendurch z...
einem Raumschiff eingesperrt gewesen war, war dieseTatsache auch nicht verwunderlich. Schritt für Schritt tastete er sich ...
Hier in Vanatium war offenbar alles beim Alten geblie-ben, zumindest in Crax. Es herrschte im Grunde diegleiche heile Welt...
»Das Zeug braucht kein Mensch«, sagte plötzlich eineergraute Frau neben ihm, während Flavius nachdenklichein flackerndes W...
»Ich meine damit, dass wir langsam überzivilisiert sind!Wir haben nicht nur alles, sondern haben viel zu viel.Sehen Sie de...
»Ich bedanke mich für das Gespräch, gute Frau«, erwider-te Flavius höflich und schüttelte der Dame die Hand.Dann ging er w...
Der Abschied des XanthosImperator Xanthos der Erhabene blickte von einer Platt-form auf dem Dach des prunkvollen, gigantis...
Der Berater wartete erneut einen Augenblick mit seinerAntwort. »Ihr habt viel erreicht, Eure Herrlichkeit! Sehtdoch wie gr...
»Sie beherrschen inzwischen den Senat von Asaheim odersehe ich das falsch, mein Freund?« Clautus nickte. »Ja, sie haben wo...
einst sagen, dass ich schwach war und es ist leider auch dieWahrheit, Clautus…«, sprach Xanthos leise. »Das ist doch so ni...
Er nahm sich fest vor, seinen noch laufenden Dienstver-trag als »wissenschaftlicher Assistent für Raumflüge undinterstella...
Der junge Mann war sichtlich verstört. Hier war es ir-gendwie unangenehm und einige der fremden Gestaltenwarfen ihm giftig...
Flavius betrachtete das verdreckte Mondgesicht der unter-setzten Gestalt und hielt den Atem an. »Packst du mich an, du rei...
»Seit wann gibt es in Vanatium so viele Anaureaner? Washaben die hier überhaupt zu suchen?«, schimpfte deraufgebrachte Vat...
genusssüchtigen Herzen begehrten. Partys, Frauen,Rauschmittel und alle vorstellbaren Sorten benebelnderGetränke. Zudem gab...
»Bist du eine Sau, Alter! Gib mal her. Jetzt ich«, sagteLucius und nippte an einem kleinen Fläschchen.  Jetzt hielt sich d...
Ein weiterer Schub sexueller Stimulation raste durch FlaviusGehirn und anschließend war der junge Mann kaum nochin der Lag...
»Dieses Viertel ist furchtbar! Was habt ihr denn da zusuchen gehabt? Dort treibt sich doch allerhand Gesindelherum«, beton...
benommen von der letzten Nacht, in einem Haufenweicher Kissen herum. Dann schaltete er das Gerät an undblickte auf den sic...
derlich interessierte. Schließlich kroch er wieder unter dieDecke und verschlief den Rest des Tages.Juan Sobos, der steinr...
»Es ist eine großartige Feier, Senator! So hatte ich eserwartet«, bemerkte die Dame. »Mein Mann ist auch ganzhin und weg, ...
system spezialisiert. Mittlerweile besitze ich Dutzende vongroßen Frachtschiffen.« »Ach? Und was ist mit ihren Landgütern ...
»Malix Yussam! Ich bin ein Bankier aus Süd-Orian«,erklärte der Gast und blickte Sobos mit seinen dunklenAugen an. »Ah, ich...
bieten und zog die Anwesenden wieder und wieder inseinen Bann. So hatte es Juan Sobos geplant und seinePläne waren immer e...
Credos Platon entstammte einer der angesehensten Fami-lien der aureanischen Nobilität und war ein junger Mann,welcher auch...
weiterhin darüber rätselte, warum Xanthos der Erhabenegerade ihn zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Juan Sobos und eine G...
GewitterstimmungDie große Politik an den Futtertrögen der Macht in Asa-heim und den vielen anderen Metropolen des Goldenen...
»Juhuuu!«, rief Lucius und reckte die Arme in die Höhe,während um ihn herum Dutzende von aureanischenJugendlichen zu einem...
»Vielleicht habt ihr ja Lust mitzukommen?«, fügte Luciushinzu.  Luculla stieß ein verwirrtes Kichern aus und ihre Freun-di...
»Also ich wohne bei meinen Eltern. Das ist nur ein paarHabitatskomplexe von hier weg. Wir haben eine großePlattform, von d...
Die jungen Aristokraten verschwendeten häufig ihr Lebenin unendlicher Üppigkeit, Wollust und entnervtem Hedo-nismus. Die E...
Das aureanische Zeitalter - Flavius Princeps (Roman)
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Das aureanische Zeitalter - Flavius Princeps (Roman)

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Lesenswerter Science Fiction Roman für Warhammer und Military SF Fans.
In einer fernen Zukunft herrscht das Goldene Reich, das älteste und mächtigste Imperium der Menschheit, über die Erde und ihre Kolonieplaneten. Flavius Princeps, ein junger Mann aus gutem Hause, lebt ein sorgloses Leben in Wohlstand und Überfluss. Doch mit dem Amtsantritt eines neuen Imperators, welcher umfassende Reformen im Goldenen Reich durchführen will, ändert sich die Situation dramatisch. Der ehrgeizige Herrscher trifft bei seinen Vorhaben auf den erbitterten Widerstand der reichen Senatoren und schon bald wird das Imperium von politischen Intrigen erschüttert. Unerwartete Ereignisse nehmen ihren Lauf und es dauert nicht lange, da bekommt auch die heile Welt von Flavius Risse und er wird in einen Machtkampf gewaltigen Ausmaßes hineingezogen…

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Das aureanische Zeitalter - Flavius Princeps (Roman)

  1. 1. Alexander MerowDas aureanische Zeitalter I Flavius Princeps Engelsdorfer Verlag Leipzig 2011
  2. 2. Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbib- liothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diesePublikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-86268-299-7 Copyright (2011) Engelsdorfer Verlag LeipzigAlle Rechte, einschließlich des vollständigen und auszugswei- sen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors. Hergestellt in Leipzig, Germany (EU) www.engelsdorfer-verlag.de 12,95 Euro (D)
  3. 3. InhaltDas aureanische Zeitalter.................................................... 7Wieder auf Terra................................................................. 23Der Abschied des Xanthos............................................... 45Gewitterstimmung ............................................................. 65Politische Gegensätze ........................................................ 87Partys und Attentate ........................................................109In Terras Legion ...............................................................129Aufbruch nach Proxima Centauri..................................149Kälteschlafangst................................................................168Der Mordauftrag ..............................................................187Die Reformen des Platon................................................205Ankunft auf Thracan .......................................................223Verwirrung.........................................................................240Die Vergeltungsaktion .....................................................257Der Untergang von San Favellas ...................................273Machtwechsel....................................................................291 5
  4. 4. Das aureanische ZeitalterDie Morgensonne schob sich zwischen den aufragendenTürmen und Gebäuden von Asaheim gemächlich nachoben und hüllte die riesige Zentralstadt in einen majestäti-schen Schein. Oben am Himmel flogen zahllose kleineGleiter und gewaltige Transportraumschiffe langsam überdas sich von Horizont zu Horizont erstreckende Häuser-meer hinweg und bewegten sich in Richtung des Welt-raumbahnhofes am äußersten Ende der Metropole. Die Zeitrechnung zeigte heute den 02. Mai des Jahres15289 n. Chr., wenn man den vorgeschichtlichen Kalenderder alten Menschheit als Grundlage nahm, und seit nichtweniger als 91 Jahren herrschte Imperator Xanthos derErhabene, man nannte ihn in seinen jungen Jahren auch»den Schönen«, über die Erde und die ihr tributpflichtigenKolonieplaneten, welche sich über die naheliegendenSonnensysteme und den Perseus-Spiralarm der Milchstraßeverteilten. Das von Xanthos dem Erhabenen regierte Imperium aufTerra bezeichnete sich in dieser Zeit stolz als das GoldeneReich und nirgendwo waren die Zeichen menschlicherTechnologie und Zivilisation so markant wie hier. Keineandere, von Menschen in den Tiefen des Alls gegründeteKolonie, konnte es mit der Herrlichkeit und Macht diesesReiches aufnehmen. Denn hier, auf dem blauen Planeten,wo alles seinen Anfang genommen hatte, formte dieMenschheit bereits seit Äonen den Boden und hatte ihninzwischen von einem Kontinent zum anderen mit denstrahlenden Zeugnissen ihrer Existenz bedeckt. 7
  5. 5. Das 16. Jahrtausend, nach alter Zeitrechnung, war in jederHinsicht eine Epoche des Aufstiegs und der letzte großeKrieg auf Terra, welcher im Osten Ajans und in Vastastattgefunden und über eine Milliarde Menschenlebengefordert hatte, lag mittlerweile schon fast 1400 Jahrezurück. Seitdem herrschte, von sporadischen Konflikten an denReichsgrenzen oder auf einigen Kolonieplaneten abgese-hen, Frieden und die Bewohner des Goldenen Reiches wid-meten sich mehr denn je den Annehmlichkeiten eines vonhoher Technologie geprägten Lebens. Über 80 Milliarden Menschen bevölkerten die Erde undbewohnten Riesenstädte, welche manchmal halbe Länderbedeckten, bis in die luftigen Höhen des Himmels hinauf-ragten oder sich sogar bis auf den Boden des Meeresausdehnten. Vor 1000 Jahren war der Antrieb für Raumschiffe bereitsvon den genialen Wissenschaftlern des Goldenen Reiches sosehr verbessert worden, dass inzwischen gewaltige Entfer-nungen zwischen den Sternen zurückgelegt werden konn-ten und die Menschheit mit jedem weiteren Jahr tiefer undtiefer in noch unerforschte Regionen der Milchstraßegelangte. Alles in allem stellte das 16. Jahrtausend einen kulturellenund zivilisatorischen Höhepunkt der menschlichen Ent-wicklung dar, wie er seit den Zeiten der legendären Impe-ratoren Nexus Cassar oder Gunther Dron nicht mehrerreicht worden war. Der stetige Weiteraufstieg des Menschengeschlechtesschien in dieser Zeit keine Grenzen zu kennen und dieSchrecken der Vergangenheit waren nicht viel mehr als8
  6. 6. dunkle, belächelte Mythen aus unaufgeklärten Zeiten,wenn man den gewöhnlichen Bürger des Goldenen Reichesfragte. So schien die Sonne auf Asaheim und die glückliche Erdehinab, um ihre Strahlen bis in den letzten Winkel einerWelt zu senden, welche sich mit jedem Tag neu am Glanzeihrer eigenen Erhabenheit labte.Für die Angehörigen der reichen Familien der Aureaner,jener oberen Kaste der Menschheit, welche seit über sechsJahrtausenden das Rückgrat der technologischen Zivilisati-on Terras darstellte, waren Probleme, welche sich auf dastägliche Überleben bezogen, schon seit Generationen sogut wie nicht mehr existent. Diese Menschen lebten in einem Zustand höchstenKomforts und häufig auch einer vollkommenen Vergeis-tigung. Sie verfügten meist über einen überquellendenWohlstand und kamen schon mit dem Bewusstsein, dasses ihnen im Leben niemals an etwas mangeln würde, aufdie Welt. Waren sie vor langer Zeit noch die führenden Köpfegewesen, wenn es darum ging, Kriege zu führen, neuePlaneten zu kolonisieren oder den technischen Fortschrittvoran zu treiben, so hatte sich in ihren Reihen inzwischeneine gewisse Müdigkeit und Lethargie eingeschlichen. Der Gefahr des gesundheitlichen Verfalls, in einer Epo-che, in der ihnen fast jede körperliche Arbeit von Dienernoder Maschinen abgenommen wurde, versuchten sie durcheine fast besessene Ausübung sportlicher Tätigkeitenentgegen zu wirken. Der Sport wurde in diesen Zeitengroß geschrieben und seine Beherrschung hatte über viele 9
  7. 7. Generationen einen derartigen gesellschaftlichen Statuserlangt, dass er fast religiöse Züge annahm. Wer nicht vorweisen konnte, dass er seinen Körper durchsportliche Betätigung gesund hielt, wurde von seinen aurea-nischen Kastengenossen meist schief angesehen. Allerdingshatte der Kult des Sports in den letzten drei Jahrhundertenein wenig seiner ehemaligen Bedeutung eingebüßt undimmer häufiger kam es vor, dass die Kinder reicher aureani-scher Familien schon in jungen Jahren faul und des rundumabgesicherten Lebens überdrüssig wurden. Doch nicht alle Aureaner lebten in einem Zustand desüberquellenden Wohlstandes. Nein, wenn man es genaubetrachtete, nahm die Zahl derer, welche in einer Zeit derautomatisierten Produktion für nichts mehr gebrauchtwurden, mit jedem Jahr langsam zu und von dem erwirt-schafteten Reichtum sah die breite Masse der Aureaner-kaste auch immer weniger. Die gewaltigen Megastädte auf Terra quollen mittlerweilevor Menschen über, welche zwar dank eines umfangrei-chen Systems der sozialen Absicherung noch immer aufeinem recht hohen Level überleben konnten, aber imEndeffekt unnütz waren. So belasteten diese vielen Milliarden Menschen, welchenirgendwo mehr als Arbeitskräfte nötig erschienen, aufDauer auch die Staatskasse des Goldenen Reiches in erhebli-chem Maße. Irgendwann, so prophezeiten viele derGelehrten, würde das ausgeklügelte Sozialsystem desImperiums, welches viele Generationen lang funktionierthatte, aufgrund dieser Entwicklung zusammenbrechen. Archon Xanthos der Erhabene hatte dieses Problemschon vor Jahrzehnten erkannt und einen großen Teilseiner langen Regierungszeit dessen Lösung gewidmet.10
  8. 8. Er unternahm nicht nur alles, damit jährlich Millionenvon Siedlern die Erde verließen, um in den Kolonien eineneue Heimat und beim Aufbau junger Zivilisationenzudem Arbeit zu finden, sondern bemühte sich auch,Milliarden von Aureanern auf Terra ein Leben vollersinnvoller Aufgaben zu gewährleisten. Vielfach wurden sie als Verwaltungskräfte in das giganti-sche, aufgeblähte Netzwerk der Bürokratie des GoldenenReiches eingebunden und ihnen zuliebe wurde sogar aufGeheiß von Xanthos dem Erhabenen auf einige vollauto-matisierte Computersysteme verzichtet, um an ihre StelleMenschen aus Fleisch und Blut zu setzen. Schließlich gab es auch noch die Anaureaner, jene Ange-hörigen der unteren Kaste der Menschheit, welche mitt-lerweile wieder in Massen die öden Regionen außerhalbdes Goldenen Reiches bevölkerten. Die strikte Trennung der beiden Kasten hatte der CodexVarna, jenes von Xanthos dem Erhabenen vor vier Jahrenerlassene Gesetz, noch einmal bekräftigt, nachdem dasnoch aus der Epoche des Archons Gunther Dron stam-mende Kastensystem auf Terra in den letzten Jahrhunder-ten langsam angefangen hatte zu zerbröckeln. Dennoch hatten die Anaureaner, welche zusammen mitCyborgs und Arbeitsdroiden, besonders gerne als ausfüh-rende Mitglieder von Raumschiffbesatzungen zu denSternen geschickt wurden, im Gefolge der Aureaner dieSterne bereist und sich mit ihnen über viele Planetenausgebreitet. Weiterhin hatte es die traditionelle Kastengesetzgebungauch nicht verhindern können, dass sich die oberstenFamilien des Goldenen Reiches in den letzten Jahrhunderten 11
  9. 9. immer mehr anaureanische Diener in ihre luxuriösenHäuser geholt und Schritt für Schritt damit begonnenhatten, in den Menschen der unteren Kaste wieder kosten-günstige Arbeitskräfte zu sehen. Diese konnte man ausSicht vieler Patrizier vor allem als Überwacher von Pro-duktionsmaschinen, ausführende Techniker oder sogar fürdirekte körperliche Arbeiten einsetzen. In den neu errichteten Kolonien waren die anaureani-schen Arbeitskräfte inzwischen fast unentbehrlich gewor-den, denn Terra mangelte es im 16. Jahrtausend mehr dennje an Rohstoffen. So ging es im Falle vieler neu entdeckterPlaneten nicht nur darum, den aureanischen Kolonisteneine neue Heimat zu geben, sondern auch neue Rohstoff-quellen für die wachsende Menschheit zu finden. Oft gruben sich gewaltige Maschinen durch die Oberflä-chen der Himmelskörper, um alles an verwertbaremMaterial aus dem Boden herauszuwühlen, was sie findenkonnten. Nicht selten erstreckten sich diese Abbauzonenüber endlose Quadratkilometer und trotz modernerMaschinen konnte man keinesfalls auf menschlicheArbeiter und Techniker, welche die Abbaugebiete zuTausenden bevölkerten, verzichten.Das Sternenreich rund um den Planeten Dron, welchervon den menschlichen Kolonisten nach dem verehrtenImperator des 10. Jahrtausends alter Zeitrechnung be-nannt worden war, hatte sich im Laufe der letzten 1800Jahre zu einem eigenständigen Menschenimperiumentwickelt, das seine Unabhängigkeit gegenüber Terraimmer wieder in verheerenden Kriegen behauptet hatte.12
  10. 10. Von allen menschlichen Kolonien, welche sich jemalsgegen das Goldene Reich auf Terra erhoben hatten, war esdem Sternenreich von Dron wie keinem Zweiten gelungen,einen eigenen Machtstatus zu erkämpfen, welcher im Laufeder Zeit weiter und weiter angewachsen war. Zuletzt hatte es Imperator Marius Salax Mitte des 14.Jahrtausends in einem über 50 Jahre andauernden Kriegversucht, die selbstbewussten Kolonisten wieder im Na-men der Erde zu unterwerfen. Doch obwohl er eineKriegsflotte nach der anderen und Abermillionen gepan-zerte Soldaten gegen das Sternenreich hatte anrennenlassen, musste er sich schließlich geschlagen geben. Mit unglaublicher Hartnäckigkeit waren die Menschen desSternenreiches von Dron, die Dronai, den Invasoren desGoldenen Reiches entgegengetreten und hatten ihnen ineinem jahrzehntelangen Guerillakrieg so schwere Verlustezugefügt, dass sie sich am Ende zurückziehen mussten. Seitdem schwelten die Feindseligkeiten zwischen Dronund Terra immer wieder unter der Oberfläche. Offiziellhatten beide Seiten allerdings einen Friedensvertrag ge-schlossen, in welchem die Erde die Unabhängigkeit derrebellischen Kolonie zähneknirschend anerkennen musste. Imperator Xanthos der Erhabene hatte die Beziehungenzu den Dronai während seiner Regierungszeit jedochimmer weiter verbessern können. Gleiches galt für Hun-derte von kleineren Menschenkolonien, welche sich häufigzwar insgeheim die Unabhängigkeit von der Erde wünsch-ten, jedoch nicht die Macht besaßen, ihre Streitkräfteherauszufordern. Dadurch, dass Imperator Xanthos seine Brüder auf denfernen Planeten äußerst zuvorkommend behandelte und 13
  11. 11. mehrfach die an Terra zu entrichtenden Tributratenheruntersetzte, gelang es ihm, ein relativ harmonischesVerhältnis zu den Kolonisten herzustellen. Man durfte den vielen Millionen Menschen, deren Vor-fahren ihrem Heimatplaneten teilweise schon vor Jahrtau-senden den Rücken gekehrt und in den Tiefen des Allsneue Zivilisationen gegründet hatten, auch nicht mit allzugroßer Härte begegnen, denn das hatte Folgen für deninterstellaren Handel und konnte gar zu ausbleibendenRohstofflieferungen führen. Das hatte Xanthos der Erhabene längst erkannt und dieden interplanetarischen Handel kontrollierenden Patrizier-familien auf Terra, deren Einfluss auf die Politik derImperatoren in den letzten Jahrhunderten immer weiterangewachsen war, sorgten ebenfalls dafür, dass in ersterLinie das Geschäft florierte.Obwohl die letzten Epochen auf dem blauen Planeten vonrelativem Frieden geprägt waren, zeigte ein Blick auf dievon den Archivatoren dokumentierte Geschichte derMenschheit ein anderes Bild und man musste zugeben,dass eine so lange Periode ohne größere Konflikte aufErden eigentlich die Ausnahme darstellte. Beständig hatten die Menschen in der Vergangenheitihre Waffen gegeneinander gerichtet und die Kriegezwischen verschiedenen Gruppen oder Glaubensrichtun-gen der menschlichen Art hatten ganze Zeitalter langgewütet. Das Goldene Reich selbst war, wie die alten Chroniken zuberichten wussten, in grauer Vorzeit durch einen apokalyp-tischen Kampf entstanden und im Laufe seiner langen14
  12. 12. Geschichte mehrfach in verfeindete Teilreiche zerbrochen,welche sich ebenfalls wieder und wieder bekriegt hatten. Die uralten Datenarchive zeugten von Perioden desVerfalls der Zivilisation oder Kämpfen auf Mond undMars in lange vergangenen Zeiten, in welchen der Menschnoch kaum seinen Fuß auf die nächstliegenden Gestirnegesetzt hatte. Besonders vor dem 10. Jahrtausend hatten heftige Kon-flikte das Gesicht Terras immer wieder zu einer blutigenFratze verunstaltet. War es den Vorfahren der Aureanerendlich gelungen, ihre Rivalen zu besiegen und einig zuwerden, so verfiel ihr Weltreich nach einigen Jahrhunder-ten erneut oder zerbrach in verfehdete Teilimperien. Namen wie der des fast vergessenen Archons LudgerRauther, des Einigers Gutrim Malogor, der die Erde imNamen der Aureanerkaste zurückeroberte, oder auch desDespoten Lestjuck, zeugten von endlosen Konflikten inder terranischen Geschichte und dem Fluch des Krieges,welcher den Menschen bereits befallen hatte, seitdem er inder finstersten Urzeit aus seiner Höhle gekrochen war. Auf Außerirdische war man im 16. Jahrtausend nochnicht im großen Stil getroffen, aber man ahnte zumindest,dass die Menschheit in den Weiten des Weltraums nichtallein war. Schon im 8. Jahrtausend hatte eine Forschungssonde dieÜberreste einer nichtmenschlichen Zivilisation auf demPlaneten Barrac aufgespürt. Dann gab es noch den berühmtgewordenen »Elysia-Vorfall« im 12. Jahrtausend, als einemenschliche Handelsflotte angeblich von Alienschiffenunbekannter Herkunft angegriffen und zerstört wordenwar. 15
  13. 13. In den letzten Jahren hatten sich schließlich Gerüchte vonder Präsenz einer offenbar feindlich gesinnten Alienspeziesim Bereich des äußeren Perseusarms der Milchstraßegehäuft. Da es sich bei dieser galaktischen Region aber lediglichum ein nur schwach besiedeltes Gebiet handelte, war denmysteriösen Berichten von Seiten der terranischen Macht-haber bisher kaum nachgegangen worden.Flavius Princeps sah mit melancholischem Blick aus demFenster des Sternenschiffes auf den langsam größer wer-denden blauen Planeten herab. Die Scutus näherte sichTerra, der alten, geliebten Mutter Erde, mit noch immerbeträchtlicher Geschwindigkeit und in einigen Stundensollte Flavius wieder festen Boden unter den Füßen spü-ren. Wie sehr hatte sich der junge Mann diesen Tag herbeige-sehnt und er konnte es in diesem Moment nicht verhin-dern, dass ihm einige Freudentränen die Wangen herunter-kullerten. »Heute hast du es endlich hinter dir, Junge!«, hörte er einergrautes Mitglied der Schiffsbesatzung neben sich sagenund fühlte, wie ihm der Mann väterlich von hinten auf dieSchulter klopfte. »Gott sei Dank!«, stieß Flavius aus und lächelte demAstronauten zu. »War es denn wirklich so schlimm?«, wollte dieser wissen. »Reisen durch das All sind doch nichts für mich. Dashabe ich jetzt erkannt«, bemerkte der junge Raumfahrerund betrachtete weiter die Erde.16
  14. 14. »Ich habe schon einen ganzen Haufen Flüge hinter michgebracht und bereits über 100 Jahre in Tiefschlafkammernverbracht, aber ich kann es schon verstehen, wenn dasnicht jedermanns Sache ist«, gab der Mann zurück. Flavius schwieg und musterte erfreut die weißen Wolken-fetzen über dem tiefen Blau Terras, welche man nunimmer genauer erkennen konnte. Nach einer Weile setztedas Raumschiff zum Landeanflug an und Princeps atmeteerleichtert auf. Noch einmal dachte er jetzt daran, was er überstandenhatte und fragte sich, warum er damals so dumm gewesenwar, sich auf einen Weltraumflug einzulassen. Flavius Princeps war als Mitglied eines wissenschaftlich-militärischen Untersuchungstrupps vor 19 Jahren zumPlaneten Furbus IV, im gleichnamigen System, geschicktworden, um dort die Zerstörung einer winzigen Siedlerko-lonie zu untersuchen. Furbus IV war etwa 7,4 Lichtjahre von Terra entfernt undstellte lediglich eine Kolonie der untersten Klassifizie-rungskategorie dar. Die dort befindlichen Kolonistenhatten ursprünglich die Aufgabe besessen, eine Mine zumAbbau von Erzen aufzubauen, doch eines Tages war derKontakt zu ihnen abgebrochen. Fragmente von Funksprüchen kamen nach einigen Jahrenzur Erde, welche von einem Überfall durch Unbekannteberichteten und dringend Hilfe erbaten. Irgendwannmeldete sich niemand mehr und es dauerte weitere Jahre,bis die schwerfällige Bürokratie des Goldenen Reiches diebruchstückhaften Botschaften ausgewertet hatte und dieAnweisung zu einer Untersuchung der mysteriösen Vorfäl-le gab. 17
  15. 15. Zu Beginn dieser Reise war Flavius gerade einmal 20Jahre alt gewesen und hatte sich mit dem Flug zu einemfernen Planeten einen Traum erfüllt. Das dachte er jeden-falls am Anfang. Der ehrgeizige, junge Mann hatte sich vor einigen Jahrenzu einem »wissenschaftlichen Mitarbeiter mit militärischemZusatztraining« ausbilden lassen und war frohen Mutes anBord der Scutus gegangen. Die Tatsache, dass er seine Eltern und seine beiden Ge-schwister über 19 Jahre lang nicht mehr wiedersehenwürde, hatte er in seiner Euphorie, endlich einen Raumflugmiterleben zu dürfen, meistens ausgeblendet. Doch bereits nach wenigen Tagen, als das RaumschiffTerra verlassen hatte und es kein Zurück mehr gab, warseine Begeisterung verflogen und er realisierte, worauf ersich in seinem jugendlichen Leichtsinn eingelassen hatte.Nun warteten mehrere Jahre Kälteschlaf auf ihn, nur umam Ende eines nervenzermürbenden Raumfluges auf derOberfläche eines trostlosen Planeten, fernab der geliebtenHeimat, auszusteigen. Zwar alterte sein Körper während des künstlichen Tief-schlafs so gut wie nicht, doch war es trotz allem vergeudeteZeit, wie Flavius schmerzhaft bewusst wurde. Als seineKameraden von der Crew auf dem Hinflug die Kühlzelleüber seinem Kopf verschlossen und seinen Geist fürHunderte von Tagen in der Dunkelheit einsperrten, hatteer gedacht, er würde dieses Grauen nicht überleben.Als er damals von zwei anderen Mitgliedern der Besatzungzu seiner Kühlzelle begleitet und sein Kälteschlaf einleitet18
  16. 16. worden war, hatte Flavius einen Fluch nach dem anderenabgegeben. Dieser Weg zur Schlafkammer war der mit Abstandschrecklichste Augenblick seines ansonsten so behütetenLebens gewesen, wie er es sich jetzt selbst eingestand. Erhatte geschrieen und geweint und in diesem Momentvollkommen die Nerven verloren. Mit drei Männern hattensie ihn festhalten und ihm mehrere Beruhigungsspritzengeben müssen. »Mach dir keine Sorgen!«, hatte einer der Ingenieure anBord noch gesagt, bevor die Kammer geschlossen undversiegelt worden war. Flavius war damals, als er die dicke Stahltür der Kühlzelleüber seinem Kopf einrasten hörte, von einem Zustandfurchtbarster Panik ergriffen worden. Aufgeregt hatte er inseine Atemmaske hinein geschnauft, während sein Herzwie ein Dampfhammer gepumpt und das Adrenalin seineBlutbahn gefüllt hatte. Nach einer Weile hatten ihn die Narkose- und Schlafmit-tel endlich beruhigt und sein Metabolismus fuhr Minutefür Minute weiter herunter bis sein Bewusstsein schließlichlangsam, wie ein verzweifelt glimmendes Streichholz,erloschen war. Irgendwann hatte der Tiefschlaf eingesetztund wo sein Geist in der Zeit dieser künstlichen Totenstar-re gewesen war, wusste er bis heute nicht. Mitglieder von Raumschiffbesatzungen für lange interstel-lare Reisen einzufrieren und in Kühlzellen zu versiegeln,war im 16. Jahrtausend kein allzu großes Kunstwerk mehr.Die dafür notwendige Technologie war in den letztenhundert Jahren um ein Vielfaches verbessert worden unddie Zahl derer, welcher aus diesem langen, künstlichen 19
  17. 17. Schlaf nicht mehr aufwachten, hatte sich inzwischen aufein Minimum reduziert. Dennoch kam es ab und zu vor,dass der Körper eines in den Tiefschlaf versetzten Men-schen im Laufe der oft Jahre andauernden Reisen durchdas All seine Funktion für immer einstellte. Jetzt, wo der Flug fast vorbei war und sie beinahe denBoden Terras erreicht hatten, gelang es ihm endlich, überdie ganze Angelegenheit zu schmunzeln und der jungeAstronaut war auch ein wenig stolz auf sich, es heil über-standen zu haben.Flavius Princeps war ein Aureaner wie viele Millionenandere auch und in Vanatium aufgewachsen. Seine Elterngehörten nicht zu den sehr reichen Angehörigen ihrerKaste, aber auch keineswegs zu den Ärmeren. NorecPrinceps, sein Vater, verdiente sich seinen Lebensunterhaltals mittlerer Beamter im weit verzweigten Bürokratiesys-tem des Goldenen Reiches und seine Mutter Crusulla arbeitetehalbtags als Magisterin im größten Bildungswerk der Stadt. Flavius war das Jüngste von drei Kindern und genossdemnach, seit er sich erinnern konnte und oft zum Unwil-len seiner Geschwister, einen Sonderstatus, denn seineEltern liebten ihn über alles. Umso schwerer war es ihnendamals gefallen, gerade Flavius zu den Sternen reisen zulassen. Ein Aureaner aus seinen Verhältnissen hatte es materiellgesehen äußerst gut und gewöhnte sich schon früh an dieAnnehmlichkeiten des Lebens, welche die technologischeEntwicklung mit sich brachte. Es hatte Flavius in seiner Jugend nie an etwas gemangeltund die Vorstellung, eines Tages einmal nicht per Knopf-20
  18. 18. druck alle gewünschten Luxuswaren und Unterhaltungs-möglichkeiten, welche das 16. Jahrtausend seiner herr-schenden Kaste bieten konnte, zu bekommen, war für ihnfast unvorstellbar. Zu anderen Zeiten hätten die Menschen gesagt, dass erwie ein Kaiser lebte, doch seine persönlichen Verhältnissewaren in dieser Epoche nichts Ungewöhnliches, denn dergrößte Teil seiner unmittelbaren Umgebung lebte aufebenso großem Fuß. Flavius Princeps war athletisch gebaut, hatte ein langge-zogenes, schmales Gesicht und wache blau-graue Augen.Seine Haare besaßen die Farbe von reifem Weizen undmeistens trug er sie zusammengebunden als kleinen Kno-ten am Hinterkopf, wie es in diesem Jahrhundert allerortsim Golden Reich Mode war. Der junge Mann maß knappe 1,80 m und war damit einwenig kleiner als die meisten anderen aureanischen Männerin seinem Alter. Offiziell war er noch immer 22 Jahre alt,denn die Zeit in der Kühlzelle konnte aufgrund der Tatsa-che, dass man nicht dem Alterungsprozess ausgeliefertwar, nicht wirklich zu seinen »echten« Lebensjahrenhinzugerechnet werden. Insgesamt stellte Flavius einen äußerst ansehnlichenjungen Burschen dar und seine beeindruckende Schlagfer-tigkeit und hohe Intelligenz rundeten das Bild seinerPersönlichkeit fast perfekt ab. Gerne trieb er Sport und liebte vor allem den Holographi-schen Schwertkampf und das Phalangieren. Zudem war er einbegabter Zeichner und im Fach Terranische Geschichte kannteer sich besser aus als die meisten seiner Altersgenossen. 21
  19. 19. Trotzdem hatte der Aureaner schon seit frühester Jugendeine gewisse Unzufriedenheit mit seinem Leben empfun-den und war seiner behüteten Existenz meist mit einergewissen Geringschätzung entgegengetreten. Immer wieder hatte er sich den Träumen von großenAbenteuern und interstellaren Reisen hingegeben und sichschließlich freiwillig gemeldet, um einen Flug zu denSternen zu erleben. Heute war dieser Flug endlich zu Ende und Flavius warsich schon seit langem darüber klar geworden, dass er beidieser Raumfahrt nicht das erhoffte Abenteuer, sonderneinen Höllentrip gefunden hatte. Die Scutus stieß mit einem leisen Zischen durch die At-mosphäre des blauen Planeten und bohrte sich wie einFalke in Richtung der Oberfläche. »Es ist vorbei!«, sagte Flavius leise zu sich selbst undspürte, wie eine weitere Freudenträne an seiner Wangeherunterlief.22
  20. 20. Wieder auf TerraPrinceps hatte sich durch das Menschengewühl des Welt-raumbahnhofes von Thoringan gekämpft und endlich denHauptausgang des gewaltigen Gebäudekomplexes erreicht.Aufgeregt durchsuchten seine Augen die an ihm vorbeihu-schenden Menschenschwärme nach seinen Eltern undGeschwistern. Schon eine halbe Stunde wartete er hier, umgeben vonhastigen und umtriebigen Scharen, und spähte gespanntnach seinen Lieben, die er über 19 Jahre nicht mehr gese-hen hatte. Das war eine lange Zeit, in welcher sich zwangs-läufig viel verändert haben musste. Schließlich erblickte er sie. Seine Mutter Crusulla, derengraue Haare für Flavius ungewohnt aussahen, stieß einenlauten Freudenschrei aus, als sie ihn erkannte, und rannteals Erste auf ihn zu. Sein Vater eilte ihr hinterher und sein Bruder Xentor undKarina, seine Schwester, folgten. Den beiden Geschwisterntrotteten noch drei freundlich lächelnde Kinder nach.Offenbar hatten Xentor und Karina inzwischen Familiengegründet und Nachwuchs bekommen. »Mein Junge!«, stieß Crusulla aus vollem Herzen aus undwarf sich dem Sohn an den Hals. Flavius gab ihr einenKuss auf die Wange und betrachtete freudig ihr gealtertesGesicht. Nun kam Norec und schüttelte Flavius die Hand. Deransonsten so sachliche Beamte konnte sich diesmal einekleine Freudenträne nicht verkneifen. 23
  21. 21. »Ist das Onkel Flavius?«, quiekte ein Mädchen und ergriffmit ihrer zarten Hand die ihres Vaters. »Ja!«, sagte Xentor erfreut und umarmte seinen jüngerenBruder. »Endlich bist du wieder auf Terra. Das ist der schönsteAugenblick meines Lebens«, weinte Crusulla vor Freudeund drückte ihren Sohn wieder und wieder an sich. »Wie habe ich euch vermisst! Ihr habt euch ganz schönverändert«, bemerkte Flavius lächelnd. »Du willst sagen, dass wir älter geworden sind, nichtwahr?«, erwiderte Karina. »Das blieb wohl nicht aus – in 19 langen Jahren«, gabFlavius zurück und war überglücklich, wieder zu Hause zusein. Sein Vater war jetzt 69 Jahre alt und seine Mutter 66. Seingroßer Bruder Xentor ging mittlerweile auf die 43 zu,Flavius konnte es kaum fassen, und auch Karina hatte dasvierte Lebensjahrzehnt inzwischen schon überschritten. Sie alle waren für Princeps ein ungewohnter Anblick, wasallerdings nach 19 langen Jahren auch nichts Ungewöhnli-ches war. Flavius hingegen fühlte sich, als wäre er in einerZeitblase gefangen gewesen und erst vor kurzem wiederfreigelassen worden. Und so war es in gewisser Hinsichtauch, denn er hatte lange wie ein Stück Fleisch in einerTiefkühlkammer gelegen, während der Rest seiner Familiegelebt hatte. Vor allem seine Mutter redete auf dem Heimflug nachVanatium ununterbrochen auf ihn ein, als wolle sie dieganzen letzten Jahre seiner Abwesenheit mit ihrer liebevol-len Zuneigung ausgleichen.24
  22. 22. Norec Princeps hingegen fragte ihn, ob sich der Flug zuden Sternen denn »gelohnt« hatte, doch Flavius druckstenur herum und verkniff sich eine klare Antwort. »Es war ganz interessant«, murmelte er, wollte eigentlichjedoch sagen, dass es grauenhaft gewesen war. Doch derjunge Mann fürchtete sich, den anderen Mitgliedern derFamilie gegenüber seine damalige Fehlentscheidung zu-zugeben. Als Flavius in den Habitatskomplex, in welchem er seineJugend verbracht hatte, zurückkehrte, überkamen ihnmelancholische Gefühle und er brach einmal mehr inTränen der Rührung aus. Zu Hause, in der Wohnung seiner Eltern, erwartete denHeimkehrer ein üppiges Festmahl und Norec Princepshielt eine minutenlange Ansprache. »Unser Sohn Flavius ist ein wahrer Held! Ohne solchmutige Raumfahrer, würde es unser Sternenreich nichtgeben!«, betonte der Vater stolz. Die Familie verbrachte noch einen entspannten undwundervollen Tag bei gutem Essen und langen Gesprä-chen. Trotzdem fühlte sich Flavius aber tief im Innerenvon seinen Familienangehörigen entfremdet und musstesich erst wieder an ihre Anwesenheit gewöhnen. Alles war zwar einerseits vertraut, jedoch andererseitsauch vollkommen neu und geradezu verstörend. Jetzt hatte der junge Raumfahrer noch fast ein ganzes JahrUrlaub. Es war eine gesetzliche Vorschrift, dass man nacheiner mehr als sechs Monate andauernden Raumreise, einAnrecht auf ein volles Jahr Freizeit hatte, damit sichKörper und Psyche erholen konnten. 25
  23. 23. »Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen«, dachtesich Flavius und überlegte, was er nun mit seiner Zeitanstellen sollte …Der Heimgekehrte hatte das alte Gästezimmer, wobei essich eigentlich um sein ursprüngliches Kinderzimmerhandelte, bezogen und sich dort notdürftig eingerichtet.Nun war er bereits seit einer Woche wieder zu Hause. Crusulla hegte und pflegte ihren Sohn nach wie vor ohnePause, als wäre er noch ein kleiner Säugling. Meistensfreute sich Flavius über so viel Mutterliebe, manchmal gingsie ihm jedoch auch auf die Nerven. Der junge Mann hatte sein altes Zimmer bisher kaumverlassen und schlich nur gelegentlich einmal ins Wohn-zimmer, um sich vor den Simulations-Transmitter zuhocken oder ein Nickerchen auf dem Sofa zu machen. Erfühlte sich ausgelaugt und müde. Gelegentlich litt Flaviusauch unter Schwindelanfällen, Desorientierung und Panik-attacken, was er auf die Nachwirkungen seiner Raumreisezurückführte. Jetzt, wo er wieder auf Terra in der Obhut seiner Elternwar, wusste er oft nichts mit seiner Zeit anzufangen. Dasnormale Leben verwirrte ihn und da Norec und Crusullameistens bis spät nachmittags arbeiteten, verbrachte er, wieheute wieder, die meisten Stunden des Tages allein. Daswar seltsam und häufig auch unangenehm. Schließlich raffte sich Flavius endlich einmal auf, um dieWohnung seiner Eltern zu verlassen und herunter auf dieStraße zu gehen. Nachdem er mit dem Aufzug 79 Stock-werke nach unten gefahren war und die große Eingangs-26
  24. 24. halle seines Habitatskomplexes hinter sich gelassen hatte,schritt Flavius durch eine der großen Zugangstüren heraus. Hunderte von Menschen drängten sich dicht an dichtüber den Bürgersteig und hinter dem Gewühl konnte derjunge Aureaner eine mit Gleitern im Fahrmodus vollge-stopfte Straße erkennen. Dahinter schoben sich weitereHabitatskomplexe in den Himmel. Flavius taumelte zurück und atmete schwer. Eine Angst-attacke kündigte sich tief in seinem Geist an, denn an soviele Menschen musste er sich erst wieder gewöhnen.Hastig verschwand er in der Eingangshalle seines eigenenWohnblocks und setzte sich in eine Ecke. Schweißperlenhatten sich auf der Stirn des jungen Mannes gebildet undverwirrt starrte er umher. »Alles klar?«, hörte er plötzlich eine sanfte Frauenstimmeneben sich. Flavius drehte den Kopf zur Seite und lächelte erschöpft.»Ja, ich habe nur leichte Kopfschmerzen«, murmelte er. Neben ihn hatte sich eine junge Frau gestellt, welche ihnmit freundlicher Miene musterte. »Wohnen Sie auch in diesem Komplex?«, wollte sie wis-sen. »Im 79. Stockwerk«, antwortete Princeps erschöpft. »Dann kann ich Ihnen ja auf dem Kopf herumspringen«,scherzte die Dame. »Ich wohne im 104. Stock!« »Mein Kopf dröhnt schon genug, aber danke für dasAngebot«, erwiderte Flavius und grinste gequält. »Es ist aber nichts Ernstes, oder?«, fragte sie. »Nein, nein! Das geht schon wieder vorbei«, stöhnte derjunge Mann. 27
  25. 25. »Möchten Sie meinen Neuro-Sanator haben? Ich kanneinen aus meiner Wohnung holen …«, erklärte die Frau. »Schon gut! So schlimm ist es nicht! Ich bin übrigensFlavius. Flavius Princeps!« »Asgara Trevoc!«, erklärte sie freudig und streckte ihreHand aus. »Ich kenne hier kaum noch jemanden, weil ich 19 Jahrelang im Weltall war«, sagte Flavius. »Sie waren bei den Sternen?« Asgara erschien beeindruckt. »Ja, auf Furbus IV!« »Von diesem Planeten habe ich noch nie etwas gehört…« »Ist auch nicht so wichtig. Jedenfalls bin ich jetzt wiederda, kenne aber keinen mehr. Das ist irgendwie traurig. Ichbin in diesem Habitatskomplex aufgewachsen, fühle michaber fremder denn je«, erklärte Princeps. Asgara blickte mit ihren strahlenden, grauen Augen aufihn herab und neigte den Kopf zur Seite. Sie war hübsch,wie Flavius zugeben musste, und ihr Lächeln strahlte eineangenehme Milde aus. »Das wird mit der Zeit bestimmt wieder besser. Es tut mirleid, aber ich muss jetzt zur Arbeit. Vielleicht sieht mansich ja noch einmal, Herr Princeps«, sagte die junge Fraujetzt und verabschiedete sich. Flavius schaute ihr hinterher und hielt sich anschließendwieder der Kopf. Mit einem leisen Murren ging er zu denAufzügen und fuhr in den 79. Stock hinauf. Irgendwie warheute nicht der richtige Tag, um durch die Straßen vonVanatium zu spazieren, dachte er sich, und schlich zurückin die Wohnung seiner Eltern.28
  26. 26. Es dauerte noch ein paar Wochen, bis sich Flavius halb-wegs akklimatisiert hatte. Letztendlich hatte er beschlos-sen, wieder etwas für seinen Körper zu tun und widmetesich dem Phalangieren, einem in der aureanischen Kasteäußerst beliebten Mannschaftssport. Schon vor seiner Reise in den Weltraum war er im Pha-langier-Club seines Stadtteils aktiv gewesen und nun warFlavius zu dem Entschluss gelangt, das sinnlose Herum-lungern der letzten Tage mit schweißtreibendem Phalan-giertraining zu vertauschen. Seiner gebeutelten Psychewürde der Sport ebenfalls gut tun, wie sich Princeps sicherwar. So entfaltete der junge Aureaner schon in den erstenTagen, nachdem er sich ordnungsgemäß beim örtlichenPhalangier-Club angemeldet hatte, eine fieberhafte Aktivi-tät und befand sich meistens mehrere Stunden täglich aufdem Übungsplatz. Hier lernte er schnell weitere Burschen aus seiner Alter-klasse kennen und mit den meisten verstand er sich gut.Nach einigen Tagen hatte sich ein junger Mann namensLucius an seine Fersen geheftet und hielt Flavius unent-wegt Vorträge über seine weiblichen Bekanntschaften unddie Partys in der Stadt. Princeps fand den selbstsicheren Teamkameraden zwargelegentlich etwas anstrengend, aber er brachte ihn mitseinen ständigen, flapsigen Sprüchen zum Lachen und daswar besser als nichts. Auch mit dem Trainer der Löwen von Crax, wie sich Flavi-us Phalangier-Mannschaft nannte, kam der junge Mannrecht gut zurecht. So war Princeps froh, dass er im Zuge 29
  27. 27. seiner sportlichen Tätigkeiten wenigstens die eine oderandere Bekanntschaft schließen konnte. Dank seiner intensiven Bemühungen auf dem Übungs-platz, gelang es ihm nach nur drei Wochen sogar bis in dieerste Reihe des Phalangier-Teams aufzusteigen. SeineEltern waren äußerst stolz, als sie diese Nachricht hörtenund Flavius selbst lief tagelang mit geschwellter Brust überden Trainingsplatz. Lucius war ebenfalls einer der besten Spieler in der 100Mann zählenden Löwen-Mannschaft und wurde vomTrainer auch in die erste Reihe gestellt. »Wir stehen jetzt immer zusammen vorne!«, hatte erFlavius verkündet und ihm grinsend auf den Schulterpan-zer seiner Plastonitrüstung geschlagen. »Ich freue mich darauf!«, hatte Princeps seinem neuenBekannten grinsend geantwortet und wirkte zufrieden. Von diesem Zeitpunkt an bildeten Lucius und Flavius einZweierteam, welches sich im Spiel gegenseitig abwechselndmit Schild und Lanze schützte. In den Trainingssimulatio-nen erwiesen sich die beiden als hervorragendes Gespann. Schließlich begannen sich die Löwen von Crax, also dasTeam des Stadtbezirks Vanatium-Crax, auf die Bezirksmeis-terschaften vorzubereiten und Flavius war fast ununter-brochen mit dem Phalangier-Training beschäftigt. Es galt,in einer Woche die Falken von Crax, die Craxer Hopliten, dieVanatium-Crax Schildträger und etwa ein Dutzend weitereTeams vom Spielfeld zu fegen. Die Bezirksmeisterschaften zu gewinnen, war in dieserZeit das höchste Lebensziel des jungen Mannes undlangsam begann er sich wieder wie ein ganz normalerMensch zu fühlen …30
  28. 28. Mehrere Tausend junge Aureaner hatten sich heute aufden Zuschauertribünen der großen Arena im Zentrum vonVanatium eingefunden und johlten unbeschwert ausLeibeskräften. Flavius befand sich unten auf dem Platz, wo heute umden Titel des Bezirksmeisters von Vanatium-Crax gerungenwurde. Dieses einmal im Jahr stattfindende sportliche Spektakelerhellte auch an diesem Tag den ansonsten oft gähnendlangweiligen Alltag zahlloser Jugendlicher im gepflegtenStadtteil Crax. Flavius gehörte nun ebenfalls wieder zuihnen, wie ihm schnell bewusst geworden war. Doch daszog er weiteren Weltraumreisen definitiv vor. Irgendwo auf der Tribüne befand sich vielleicht auch diehübsche Asgara aus seinem Habitatskomplex, nach wel-cher er in den letzten Wochen gelegentlich Ausschaugehalten hatte. Flavius kniff die Augen zu einem dünnen Schlitz zusam-men und hielt seine Hand darüber, um die blendendenSonnenstrahlen abzuhalten. Nach einigen Minuten gab eres auf, Asgara in der Masse der jubelnden Zuschauer zusuchen, denn dafür war diese viel zu groß. »Stellt euch auf, Leute!«, schrie der Teamführer über denPlatz und der junge Mann reihte sich in den 100 Spielerzählenden Block seiner Teamkameraden ein. Gegenüber postierte sich die gegnerische Mannschaftebenfalls zu einem starren Viereck und die Rivalen schlu-gen mit ihren drei Meter langen Lanzen aus Plastonit gegenihre roten Schilde mit den Falkensymbolen, welche ausdem gleichen Material angefertigt waren. 31
  29. 29. »Löwen! Löwen! Löwen!«, hallte es von der Tribüne undFlavius schenkte einigen hübschen Frauen am Spielfeld-rand ein kurzes Lächeln. Eine Durchsage ertönte und die beiden Teamblöckepostierten sich hinter ihren jeweiligen Aufstellungslinien.Jetzt schwoll das Geschrei der Zuschauer zu einem nochlauteren Getöse an. Princeps musterte seine mit zahllosen kleinen Sensorenversehene Rüstung, welche Bauch, Brust und Oberschen-kel schützte, und versuchte sich zu konzentrieren. »Mach heute keinen Mist mit deinem Schild!«, bemerktesein Nebenmann Lucius, welcher mit ihm in der erstenReihe des Teamblocks stand und nervös auf das Signalzum Start der ersten Runde wartete. »Keine Angst, ich halte es dir immer vor die Nase«, ant-wortete Flavius, verschnaufte kurz und klappte das Visierseines Helms herunter. Das Spiel begann und beide Teams bewegten sich lang-sam wie zwei bullige Nashörner aufeinander zu. Sofortnahm Flavius einen seiner beiden Wurfspeere aus Plastonitin die Hand und schleuderte ihn mit voller Wucht auf dengegnerischen Block. Mit einem leisen »Klack« traf die mitKontaktsensoren versehene Spitze der Waffe auf denBrustpanzer eines Gegners und dessen Rüstung begannrötlich zu leuchten. »Treffer!«, jubelte Princeps und der fluchende, jungeMann aus dem gegenüberliegenden Team trottete vomPlatz. Dann bohrten sich die langen Plastonitlanzen der beidenTeams mit einem lauten Krachen in den jeweils gegenüber-liegenden Block und mehrere Rüstungen leuchteten auf32
  30. 30. beiden Seiten schlagartig auf. Es gelang Flavius, einemGegner die Lanze mit einem wuchtigen Stoß in den Unter-leib zu rammen und auch dieser wurde vom Schiedsrichterausgezählt. Beide Mannschaften hatten sich inzwischen wie zweiringende Hirschkäfer ineinander verhakt und keine Seiteschaffte es, die andere entscheidend zurückzudrängen. Nach einigen Minuten ließ der Schiedsrichter die beidenTeams wieder Aufstellung nehmen und beendete dieRunde. »Wir führen 18 zu 16!«, bemerkte Lucius und klopftePrinceps auf die Schulter. »Guter Wurf übrigens!« »Danke! Ich tue, was ich kann. Vielleicht treffe ich jagleich den Teamkapitän«, gab jener zuversichtlich zurück. Nach einigen Minuten Verschnaufpause ging es weiterund die beiden Teamblöcke rannten in der nächsten Rundeerneut gegeneinander an. Flavius war inzwischen so euphorisch und aufgeheizt,dass er ohne jede Deckung und entgegen des Rates vonLucius, dem Kapitän der gegnerischen Mannschaft seineLanze forsch gegen den Brustpanzer schmetterte unddiesen einige Meter nach hinten schleuderte. Damit hatte das gegnerische Team seinen Anführer verlo-ren und die Löwen von Crax auf einen Schlag zehn Punktebekommen. Jetzt nahmen die Löwen ihre KontrahentenStück für Stück auseinander und zerlegten deren Phalanxmit Wurfspeeren und Plastonitlanzen. Spieler Princeps warder Held des Tages und seine Mannschaftskameradenbedankten sich bei ihm für die vielen kühnen Einsätze. Miteinem glücklichen Lächeln schlenderte der junge Mann am 33
  31. 31. Ende des Tages vom Platz und ließ sich von den begeister-ten Zuschauern feiern.Die Löwen von Crax hatten die Bezirksmeisterschaft ge-wonnen und Flavius war stolz auf seine sportlichen Leis-tungen, während der Jubel der Zuschauer noch lange inseinen Ohren nachhallte. Jetzt saß er wieder zu Hause, in der geräumigen Wohnungseiner Eltern, im oberen Bereich des HabitatskomplexesG-4122. Draußen strahlte die Sonne und schickte ihreLichtstrahlen durch das große Küchenfenster. Vor einigen Minuten hatte sich Flavius noch die neuestenNachrichten aus aller Welt auf dem Simulations-Transmitter seines Vaters angesehen. Dann war ihmirgendwann langweilig geworden und er hatte sich in diesonnendurchflutete Küche zurückgezogen. Draußen flogen einige Gleiter am Himmel vorbei undglänzten vor dem blauen Horizont wie leuchtende Edel-steine, während sie der junge Mann nachdenklich betrach-tete. Plötzlich hörte er, wie sich die Wohnungstür mit einemleisen Summen aufschob, nachdem der Erbgut-Scanner imEingangsbereich das genetische Profil seines Vaters er-kannt hatte. Dieser kam schnellen Schrittes einige Stufennach oben und stellte sich schließlich in die Küche. »Wie geht es dir heute, Junge?«, fragte er und setzte sichzu Flavius an den Tisch. »Gut, alles klar, Vater!«, gab der Sohn zurück und lächelte. »Du warst vorgestern Nacht ganz schön unruhig. Wirhaben dich im Schlaf reden gehört. Was war denn los,Flavius?«34
  32. 32. Der junge Mann wunderte sich und zuckte mit den Ach-seln. »Nichts! Ich habe geredet?« »Ja, ich wollte dich schon gestern darauf ansprechen.Kannst du dich an keinen bösen Traum erinnern?« »Nicht, dass ich wüsste«, antwortete Princeps und wirkteetwas verwundert. »Dein Bio-Scanner hat auch erhöhte Adrenalinwerteaufgezeigt…« »Mein Bio-Scanner? Hast du dir ihn angesehen?« »Tut mir leid, aber deine Mutter und ich haben uns Sor-gen gemacht. Ich will dir ja keine Angst machen, aber duwirktest vollkommen panisch und hast in deinem Bett wildum dich geschlagen…« Flavius wusste nicht, was er erwidern sollte und starrtenur schweigend auf den Küchentisch. Wieder zuckte erlediglich mit den Achseln. Norec Princeps stand auf, ließ sich von einem kleinenAutomaten ein mineralisches Getränk machen und setztesich wieder auf seinen Stuhl. Dann fixierte er seinen Sohnmit seinen von kleinen Fältchen umgebenen blauen Augenund hob seine weißgrauen Brauen an. »Wie war es denn auf deiner Reise zu den Sternen? Duhast Mutter und mir bisher noch überhaupt nichts erzählt,Junge! Ist alles glatt gelaufen?« »Es war die Hölle! Ich betrete nie wieder ein Raum-schiff…«, sagte Flavius kleinlaut. Sein Vater wunderte sich. »Und auf diesem Planeten gabes wirklich nichts zu sehen?« »Naja, zu sehen gab es da schon etwas, aber ihr würdet esmir sowieso nicht glauben. Es war ein öder Ort mit wenigVegetation und sehr kalt. Dort gab es nur eine kleine 35
  33. 33. Siedlerkolonie mit einigen Hundert Menschen, aber dieexistiert jetzt auch nicht mehr.« »Damals hast du uns nur gesagt, dass ihr irgendwelcheDinge erforschen sollt, aber bist nie ins Detail gegangen.Was habt ihr denn dort gemacht, Flavius? Lass dir dochnicht alles aus der Nase ziehen…«, bemerkte Norec. Flavius lächelte gequält und erklärte, dass man ihm an-fangs selbst nicht genau gesagt hatte, was sie auf Furbus IVerforschen mussten. Angeblich sollte das wissenschaftlicheTeam, dem er als Assistent angeschlossen war, die Roh-stoffe des Planeten genauer untersuchen und den Siedlernbeim Aufbau von Mienen und Abbauzonen helfen, dochdas war nicht ganz die Wahrheit gewesen. »Ich habe auf diesem Planeten seltsame Dinge gesehen,Vater«, flüsterte Flavius und fummelte sich nervös anseinem Haarknoten am Hinterkopf herum. »Was denn für Dinge?«, hakte der Vater nach. »Dort hatte wohl ein Kampf stattgefunden. Jedenfalls wardie kleine Station der menschlichen Kolonisten vollkom-men zerstört als wir dort ankamen. Es war total unheim-lich. Nur noch Ruinen, die schon seit ein paar Jahren vorsich hin zerfielen, waren übrig.« »Und wo waren die Kolonisten?«, wunderte sich Norec,welcher jetzt mit größtem Interesse und aufgerissenenAugen zuhörte. »Wir fanden zahlreiche Skelette von Menschen, aberniemand war mehr am Leben. Unser ganzer Trupp wartotal verunsichert, nachdem wir die zerstörte Siedlungerreicht hatten. Überall lagen Trümmer und Gerippe, aberdas war nicht das, was uns am meisten beunruhigt hat,Papa…«36
  34. 34. »So? Was dann, Junge?«, wollte der ältere Mann wissenund spitzte die Ohren. »Da waren auch noch andere Überreste und die warennicht von Menschen!« »Was?«, stieß Norec Princeps aus und verschluckte sichan seinem Getränk. »Ja, das ist die Wahrheit! Ich schwöre es! Wir haben Über-reste von außerirdischen Wesen gefunden, allerdings auchnur Gerippe. Diese Kreaturen hatten eine mehr oderweniger humanoide Form, waren aber wesentlich kräftigergebaut und besaßen lange, starke Arme und recht kurzeBeine. Wir haben einige DNA-Proben von diesen Dingernmitgenommen. Du hättest diese Aliens sehen sollen. Siehatten große Zähne in ihren massigen Schädeln und tiefsitzende Augenlöcher.« »Das klingt verrückt, Flavius. Das soll ich dir glauben?«,murmelte Norec verunsichert. »Doch, Vater, das ist die Wahrheit!«, zischte der jungeMann wütend. »So wie du diese Dinger beschrieben hast, waren es viel-leicht irgendwelche einheimischen Tiere auf Furbus IV,oder?« Langsam wurde der Sohn zornig und hämmerte mit derFaust auf den Tisch. »Nein! Ich wusste, dass du so rea-gierst! Nein, das waren keine Tiere! Wir haben nebendiesen seltsamen Überresten auch Waffen gefunden. Siesahen pistolenähnlich aus und da waren solche Dinger, dieuns an Hackebeile erinnerten …« »Hackebeile?«, wunderte sich Norec. 37
  35. 35. »Was weiß ich, was das genau für Sachen waren? Jeden-falls waren es intelligente Wesen und keine Tiere, Papa!« Der nüchterne Verwaltungsbeamte winkte ab und machtesich noch ein mineralisches Getränk. »Das klingt doch sehr, sehr phantastisch, Junge«, bemerk-te er dann. »Wir haben auch so eine Art Maschine offenbar nicht-menschlichen Ursprungs gefunden…«, fügte Flavius jetzthinzu. »Das wird ja immer besser«, bekam er als ungläubigeAntwort zurück. »Was soll`s! Eigentlich dürfen wir auch mit niemandemdarüber reden, denn die Untersuchungsergebnisse gehendirekt an höhere Stellen auf Terra. Vergiss es!«, brummteFlavius und verließ enttäuscht den Raum. Norec Princepsnippte nur grübelnd an seiner Tasse und schüttelte denKopf.Nachdem er sich über seinen Vater gründlich geärgerthatte, denn offenbar hielt dieser ihn für einen Schwätzer,verließ Flavius die Wohnung seiner Eltern und ging durcheinige lange Gänge mit vielen Fenstern. Kurz darauf kamer zu einem der großen Aufzüge der 79. Etage seinesHabitatskomplexes. Hier hatten sich schon mehrere Dutzend andere Men-schen versammelt, aber Flavius kannte niemanden vonihnen und lächelte den Leuten nur flüchtig zu. Während er auf den Aufzug wartete, warf er einen Blickaus dem Fenster hinab auf das Häusergewirr unter sich.Hunderte von Habitatskomplexen ragten zwischen denkleineren Wohnblöcken wie gigantische Säulen in den38
  36. 36. Himmel hinauf. Einige waren sogar noch höher, als dasGebäude, in welchem Flavius mit seinen Eltern lebte. Zwischendurch zogen Schwärme von Gleitern und ande-ren Fluggeräten wie Vogelscharen in der Ferne am Hori-zont vorüber. Im 16. Jahrtausend war die aureanischeMenschheit endgültig zu einer fliegenden Spezies gewor-den, denn das Fliegen war inzwischen so selbstverständlichwie Essen oder Schlafen. Wenn der gewöhnliche Aureaner mit 20 Jahren die Voll-jährigkeit erlangt und seine Prüfung zum Vollbürger derAureanerkaste erfolgreich absolviert hatte, bekam er vonseinen Eltern meistens einen Gleiter geschenkt. Flavius besaß zurzeit kein eigenes Fluggerät, vermisstejedoch das Fliegen nach seiner Raumreise, deren Nachwir-kungen noch immer an seinen Nerven zehrten, nichtsonderlich. Allerdings konnte sich ein Gleiter auch aufRädern fortbewegen, wenn man nicht so gerne flog. Vorallem ältere Aureaner nutzten ihre Gleiter häufig auf dieseWeise, denn sie blieben mit ihrem Fortbewegungsmittellieber auf dem Boden, als noch durch die Lüfte zu zischen. Ein leises Summen und eine hellgrün leuchtende Anzeigegaben Flavius zu verstehen, dass der Aufzug im 79. Stockangekommen war. Kurz darauf ging es nach unten. Nach einigen Minuten war der junge Mann in der großenVorhalle seines Habitatskomplexes angekommen undbegab sich auf die Straße. Hier wimmelten Wogen vonMenschen über die Gehsteige. Tausende Personen dräng-ten sich über die breiten Fußwege vorwärts und Flaviuswirkte einmal mehr verstört und unsicher angesichts sovieler Menschen. Wenn man bedachte, dass er jahrelang in 39
  37. 37. einem Raumschiff eingesperrt gewesen war, war dieseTatsache auch nicht verwunderlich. Schritt für Schritt tastete er sich voran und durchquerteeinen Fußgängertunnel, welcher über eine breite, befahreneStraße führte. Ab und zu erhoben sich neben ihm, an dafürvorgeschriebenen Stellen, einige Gleiter in die Lüfte undflogen davon. Warum Flavius heute überhaupt in das Gewirr der Stra-ßen von Vanatium hinabgetaucht war, wusste er selbstnicht. Vermutlich hatte er einfach keine Lust mehr, denganzen Tag in der Wohnung seiner Eltern herumzuhän-gen. Außerdem hatte ihn das ignorante Verhalten seinesVaters doch mehr erzürnt, als er es sich eingestehen wollte. Jetzt kam der junge Mann an eine Kreuzung, hinter wel-cher er einen der größten Parks der Stadt ausmachenkonnte. Wieder riss ihn eine beschäftigte Masse mit sichund nach einigen Minuten hatte er das in ein saftiges Grüngehüllte Erholungsgelände erreicht. Eine Gruppe kleiner Mädchen spielte zu seiner Rechtenauf einem breiten Rasenstück. Sie versuchten sich gegen-seitig zu fangen, lachten laut und schrieen durcheinander.Ihre hellen Haare glänzten in der Sonne, so dass sie wiekleine Engelchen aussahen. »Typische Aureanerkinder…«, dachte sich Flavius undging weiter durch das Parkstück. Von irgendwo erklang eine sanfte Melodie zu seinenOhren herüber und kurz darauf konnte er einen älterenHerrn in weißem Gewand erkennen, welcher mit einigendigital-holographischen Instrumenten die angenehmenTöne erzeugte und ganz vertieft in seine musikalischeArbeit war.40
  38. 38. Hier in Vanatium war offenbar alles beim Alten geblie-ben, zumindest in Crax. Es herrschte im Grunde diegleiche heile Welt, wie vor seiner Reise zu den Sternen. WoFlavius hinsah, erblickte er brave, aureanische Kastenge-nossen, welche entweder in ihre Arbeit vertieft waren odersich irgendeiner Freizeitaktivität hingaben. Allerdings fiel Princeps bei seinem Rundgang durch dieStadt auf, dass die Anzahl der Anaureaner in seiner Abwe-senheit doch leicht zugenommen hatte, was ihn sehrverwunderte. Normalerweise war es Angehörigen der unteren Kastenur in Ausnahmefällen gestattet, eine aureanische Stadtüberhaupt zu betreten. Jetzt tummelten sich mittlerweileimmer mehr Anaureaner in Vanatium. In seiner Kindheit hatte er hier so gut wie nie einen Anau-reaner zu Gesicht bekommen, doch jetzt waren es mehrgeworden. Offenbar hatten die vornehmen Patrizierfamili-en der Stadt bei den Behörden des Goldenen Reiches einegrößere Anzahl von Sondergenehmigungen durchsetzenkönnen, denn die meisten Anaureaner hier in Vanatiumwaren allem Anschein nach Diener und Aushilfskräfte derreichen Familien, welche meist auf riesigen Wohnplattfor-men in luftiger Höhe residierten. Flavius verließ den Park wieder und ließ sich von einemGleiter in die Innenstadt bringen. Hier setzte ihn derFlugist in der Nähe der Marmorallee, der größten, breites-ten und prunkvollsten Straße Vanatiums ab. Der jungeMann schlenderte ohne ein genaues Ziel zu haben umherund betrachtete die riesigen Schaufenster einiger Kaufhäu-ser, welche voller teurer Waren und holographischerPräsentationen waren. 41
  39. 39. »Das Zeug braucht kein Mensch«, sagte plötzlich eineergraute Frau neben ihm, während Flavius nachdenklichein flackerndes Werbehologramm bestaunte. Er lächelte ihr zu und nickte. »Viele von uns wissen haltnicht, was sie den ganzen Tag tun sollen – außer irgend-welches Zeug zu kaufen.« Die ältere Dame, welche noch immer schöne, aristokrati-sche Gesichtszüge und wache blaue Augen hatte, hobihren langen, weißen Zeigefinger und sah Flavius ernst an. Schließlich sagte sie: »Das ist das größte Problem unsererZeit, junger Mann. Dieses ununterbrochene Kaufen undVerschwenden. Es nimmt immer weiter zu und gewissePatrizier fördern es, weil sie noch mehr VEs verdienenwollen. Als ob sie nicht schon Luxus genug hätten. Siehaben so viel Reichtum und Unterhaltung, dass sich ihreKinder vor Langeweile und Frust manchmal von denWohnplattformen hinab in die Tiefe stürzen, weil sie esnicht gelernt haben, ihr eigenes Leben zu schätzen. Kön-nen Sie sich das vorstellen, junger Mann?« Princeps lächelte und betrachtete vergnügt, wie sich dieältere Dame immer mehr ereiferte. »Sie haben ja Recht, gute Frau! Aber so ist es doch seitGenerationen und es wird auch immer so bleiben«, gab derjunge Mann jetzt zurück. »Wird es das?«, erwiderte die Dame und wirkte angesichtsseiner Ignoranz ein wenig erbost. »Ja, warum sollte es sich jemals ändern?« »Weil uns irgendwann die Natur dazu zwingen wird!«,sagte die Frau und hob erneut den Zeigefinger. »Die Natur? Wie meinen Sie das jetzt?«42
  40. 40. »Ich meine damit, dass wir langsam überzivilisiert sind!Wir haben nicht nur alles, sondern haben viel zu viel.Sehen Sie denn nicht, dass die einst stolze Aureanerkastelangsam vor die Hunde geht, junger Mann? Unsere Vor-fahren waren anders, sie waren wie die Dronai, welche diealten Tugenden des Goldenen Reiches heute noch hochhal-ten!« »Und deswegen hat das Goldene Reich so oft Krieg mit demSternenreich von Dron gehabt?«, fragte Princeps leichtprovokant. »Sie verstehen nicht, was ich sagen will, junger Mann«,gab die Dame zurück. »Die Dronai sind doch auch Aurea-ner, zumindest von ihrer Abstammung her, und sie habenseit der Gründung ihrer Kolonie die alten Werte unsererKaste viel besser gepflegt als wir Terraner. Wir sind doch mittlerweile auf dem besten Weg zur De-kadenz, weil gewisse Herrschaften aus der Nobilitas immerhäufiger nur ihre Geschäfte vor Augen haben und denImperator immer weiter beeinflussen, auf dass er das ganzeGoldene Reich in einen einzigen, großen Marktplatz verwan-delt…« »Jetzt übertreiben Sie aber, gnädige Frau«, winkte Flaviusab und machte Anstalten zu gehen. »Vielleicht werden Sie sich noch an meine Worte erin-nern, junger Herr«, bemerkte die ältere Frau aufgeregt.»Uns Aureaner konnte hier auf Terra auch in der Vergan-genheit niemand besiegen – außer wir selbst! Entwederhaben wir uns gegenseitig den Schädel eingeschlagen oderunsere eigene Gier nach noch mehr Reichtum und Machthat uns ins Unglück fallen lassen. Denken Sie an meineWorte, junger Mann!« 43
  41. 41. »Ich bedanke mich für das Gespräch, gute Frau«, erwider-te Flavius höflich und schüttelte der Dame die Hand.Dann ging er weiter die Marmorallee hinab.44
  42. 42. Der Abschied des XanthosImperator Xanthos der Erhabene blickte von einer Platt-form auf dem Dach des prunkvollen, gigantischen Archon-tenpalastes hinunter auf das Häusermeer von Asaheim undwirkte nachdenklich. Hinter ihm wartete sein engster Berater, Clautus Triton,welcher ihm seit fast 50 Jahren zur Seite stand. Der eben-falls in die Jahre gekommene Mann, welcher aus einer derobersten Familien der aureanischen Nobilität stammte, warin ein langes, rotes Gewand eingehüllt und betrachteteseinerseits schweigend den Rücken des Imperators. »Über 9 Jahrzehnte herrsche ich jetzt über das GoldeneReich. Das ist eine lange Zeit, nicht wahr?«, sagte Xanthosleise. »Ja, eure Majestät. So lange hat vor Euch kaum jemandüber unser Imperium gewacht«, erwiderte der Berater undstellte sich neben seinen Herrn. »Denkt er, dass ich meiner Aufgabe gerecht gewordenbin?«, fragte Xanthos seinen Diener mit leicht melancholi-schem Unterton. Dieser zögerte für einige Sekunden mit seiner Antwortund sagte dann: »Ihr habt in all den Jahren Euer Bestesgetan. Daran zweifele ich nicht…« »Glaubt er das tatsächlich?« »Ja, Herr! Ich kann es nicht anders sagen!« »Er soll mir nicht schmeicheln, sondern ehrlich sein.Habe ich wirklich alle meine Aufgaben erfüllt, Clautus?«,gab der Imperator zurück und lehnte sich über die Brüs-tung. 45
  43. 43. Der Berater wartete erneut einen Augenblick mit seinerAntwort. »Ihr habt viel erreicht, Eure Herrlichkeit! Sehtdoch wie großartig das Goldene Reich erblüht und gedeiht.Wie könnt Ihr da an Eurem Erfolg zweifeln?« »Selbst die größten Imperien der Vergangenheit sindimmer wieder zerfallen. Wann wird das Goldene Reich diesesSchicksal ereilen, Clautus?«, wollte Xanthos von seinemBerater wissen und sah ihn mit seinen alten Augen an. »Darauf deutet nichts hin, Herr! Überhaupt nichts!«,versuchte ihn der Diener zu beruhigen. »Habe ich in den 9 Jahrzehnten milde regiert, Clautus?« »Ich denke schon, Herr! Ihr wart ein Kaiser des Friedensund der Versöhnung…«, gab der Berater zurück. »Zu milde vielleicht?« »Nun, ich denke es war alles genau richtig.« »Denkt er denn nicht, dass ich ihnen zu viel Macht einge-räumt habe?« »Wen meinen Sie, Majestät?« »Nun ich denke, er weiß, wen ich meine«, antwortete derHerrscher. »Die reichen Patrizierfamilien, Herr?« »Ja!« Clautus Triton sah den Kaiser für einen Augenblick anund richtete dann seinen Blick auf Asaheim. »Er möge es mir doch sagen, wie er es denkt«, batXanthos der Erhabene und trat vor seinen Gefährten. »Sie haben sehr viel Einfluss bekommen, das ist schonrichtig, Majestät!«, gab Clautus leise zurück. »Zu viel, denkt er, nicht wahr?« »Vielleicht ein wenig zu viel, Herr! Ja!«46
  44. 44. »Sie beherrschen inzwischen den Senat von Asaheim odersehe ich das falsch, mein Freund?« Clautus nickte. »Ja, sie haben wohl den größten Einflussgewonnen und folgen nur ihrem Egoismus.« Xanthos wischte sich mit der knochigen Hand durchseine schneeweißen Haare und sagte für einen Momentnichts. »Das Problem ist, dass sie die ökonomischen Interessenihrer kleinen Gruppe von Nobilen denen der gesamtenAureanerkaste vorziehen, Majestät!«, meinte Clautus. »Und ich habe sie gewähren lassen, obwohl sie eigentlichnur die Berater des Imperators sein sollten. Meine Helferund Mitstreiter sollten sie sein und keine selbstsüchtigenSchlangen. Denkt er auch so, mein treuer Clautus?«, sprachXanthos traurig. »Wollen Sie meine aufrichtige Antwort hören, Majestät?«,vergewisserte sich Triton noch einmal. »Ja, darum bitte ich die ganze Zeit, Clautus!«, erwiderteder Souverän. »Nun, Ihr hättet sie schärfer in die Schranken weisensollen, Herr«, gab der Berater zu. »Aber ich habe es nicht getan, mein alter Freund. Jetzt istes für mich dafür zu spät, aber ich werde meinem Nach-folger eindrücklich sagen, dass das von Nöten ist. Denkter, dass es so von Vorteil wäre?« »Ja, Majestät!«, antwortete Clautus. »Ich habe den Frieden gewahrt und gleichzeitig denGrundstein für den Unfrieden und das Chaos der Zukunftgelegt. In zwei Monaten ist meine Herrschaft vorbei undich werde die wenigen Jahre, die mir noch bleiben, inmeinem Domizil in Speras verbringen. Dann wird man 47
  45. 45. einst sagen, dass ich schwach war und es ist leider auch dieWahrheit, Clautus…«, sprach Xanthos leise. »Das ist doch so nicht richtig, Majestät«, entgegnete ihmder Diener kleinlaut, während der Imperator bedrückt anihm vorbei huschte. »Doch! Das ist die bittere Wahrheit, der sich der Greisjetzt stellen muss«, flüsterte der Souverän und verschwandin seinem Palast.Es war noch recht früh. Jedenfalls betrachtete es Flaviusso, der in den letzten Wochen stets in den Genuss ge-kommen war, ausschlafen zu können. Sein Vater hatteeinige seiner Kontakte spielen lassen und ihm ein Bewer-bungsgespräch bei der Unterverwaltung des WohnbezirksVanatium-Degenan, am anderen Ende der Stadt, organisiert. So hatte sich der junge Mann bereits in den frühen Mor-genstunden aufgemacht, um sich von einem Gleiter nachDegenan bringen zu lassen. Anschließend ging er zu seinem Bewerbungsgespräch, woihn ein gelangweilter Verwaltungsmitarbeiter mittlerenAlters erwartete. »Gut, ich denke, dass wir Sie hier gebrauchen können,Herr Princeps. Ihren Vater kenne ich übrigens ganz gut.Ich hatte viel mit ihm zu tun – auf Verwaltungsebene.Grüssen Sie ihn von mir!«, hatte dieser bereits nach einigenMinuten gesagt und ihm die Arbeitsstelle angeboten. Flavius willigte ein, denn irgendetwas musste er ja arbei-ten und in einer verstaubten Amtsstube herumzusitzen,war immer noch besser, als noch weitere Weltraumflügeertragen zu müssen.48
  46. 46. Er nahm sich fest vor, seinen noch laufenden Dienstver-trag als »wissenschaftlicher Assistent für Raumflüge undinterstellare Forschungsreisen« am nächsten Tag zu kündi-gen und schlenderte zufrieden aus dem Verwaltungskom-plex heraus. Damit war auch diese Angelegenheit geregeltund jetzt galt es erst einmal, die Freizeit zu genießen, denndavon hatte Flavius noch mehr als genug übrig. Der Aureaner lief durch die Straßen des ihm eigentlichfremden Teils seiner Heimatstadt und sah sich ein wenigum. Vanatium-Degenan hatte schon zu Zeiten seiner Kind-heit nicht den besten Ruf gehabt, denn hier lebten eher dieärmeren Angehörigen der Aureanerkaste. Zudem gab eshier eine Vielzahl von Fabriken und sehr viele Habitatsblö-cke, welche recht ungepflegt wirkten. »Da sieht es in Crax doch besser aus«, dachte sichPrinceps und betrachtete verächtlich die Wohnkomplexeum sich herum. Nach einer Weile war er einige Straßenzüge herunterge-gangen und befand sich mitten im Herzen von Degenan.Gleiter rasten an ihm vorbei oder zischten über seinemKopf hinweg durch die Luft. Quasselnde Männer undFrauen drängten ihn zur Seite und schenkten ihm keineBeachtung. Flavius traute seinen Augen nicht, als er sich genauerumsah. Hier in Dengenan wimmelte es von Anaureanern.Hunderte hasteten über die Straßen oder lungerten zwi-schen den Habitatskomplexen herum. Eine so große Anzahl Anaureaner hatte Princeps in sei-nem Leben noch nicht gesehen. Was machten die alle hier?Und dann auch noch in seiner Heimatstadt? Arbeiteten sieetwa in den Fabrikkomplexen? 49
  47. 47. Der junge Mann war sichtlich verstört. Hier war es ir-gendwie unangenehm und einige der fremden Gestaltenwarfen ihm giftige Blicke zu, als er an ihnen vorbeiging. Flavius durchquerte einen langen Tunnel, um auf dendahinter liegenden Gleiterplatz zu gelangen. Er wollte soschnell es ging wieder zurück nach Crax, das alles hier warungewohnt und verwirrend. Als er eine Vielzahl von Stufen herunterging, stach ihmein widerlicher Gestank in die Nase. Es roch nach Urinund Schmutz. Ein derartiger Mief war zuviel für seineansonsten duftverwöhnte Aureanernase. Mit schnellem Schritt versuchte er durch die verdreckteUnterführung zu kommen und bemerkte die dunklenIndividuen, welche in den Ecken kauerten, in seiner Eileüberhaupt nicht. »Hey!«, hörte er plötzlich hinter sich und ein metallischerGegenstand polterte neben ihm über den Boden. Flavius drehte sich um und sah vier junge Anaureaner aufsich zukommen. Sie grinsten hämisch und entblößten ihrefauligen, gelben Zähne, als sie sich vor ihm postierten. »Warum antwortest du nicht, Junge? Ich habe dich dochgerufen!«, krächzte einer der drei Gesellen. »Keine Ahnung! Was wollt ihr?«, stammelte Princepsunsicher. »Der kleine Goldmensch hat Angst! Das kleine Goldhaar!Seht nur sein Goldhaar…«, zischelte einer der Anaureanerund strich Flavius über den Kopf. »Nimm die Finger weg!«, knurrte dieser und schlug dessenHand weg. Drei finstere Augenpaare starrten ihn jetzt wütend an.Einer der Drei trat nun direkt vor ihn und grinste bösartig.50
  48. 48. Flavius betrachtete das verdreckte Mondgesicht der unter-setzten Gestalt und hielt den Atem an. »Packst du mich an, du reicher Goldjunge? Hä? Packst dumich an?«, knurrte der Anaureaner. »Ihr habt mich zuerst angefasst. Lasst mich in Ruhe!«, gabPrinceps zurück, während sie ihn an die Wand drängten.Als Antwort erhielt der junge Aureaner einen Faustschlagins Gesicht und landete auf dem schmutzigen Boden derUnterführung. Die drei Angreifer lachten und traten ihmnoch einmal kräftig in die Rippen, nachdem sie seineTaschen nach wertvollen Gegenständen durchsucht hatten.Schließlich rannten sie davon. Vor Schmerzen schnaufend richtete sich Flavius auf undwischte sich das Blut von der Lippe. Er stieß einen leisenFluch aus und humpelte aus der Unterführung herauf andie Oberfläche, um mit dem nächsten Gleiter aus Vanati-um-Degenan zu verschwinden. So eben hatten ihn drei Anaureaner überfallen und ausge-raubt. Ein ungeheuerlicher Vorfall, wie sich Princepsdachte. Und das in seiner Heimatstadt, mitten im GoldenenReich! Der junge Mann konnte es noch immer nicht fassen undals er seinen Eltern von seinem Erlebnis in Vanatium-Degenan berichtete, verschlug es ihnen die Sprache. Norec Princeps meldete den Überfall auf seinen Sohn amnächsten Tag sofort den örtlichen Behörden, doch diesekümmerten sich kaum darum. »Es hat sich in Vanatium in den letzten Jahren nun einmaleiniges verändert – und nicht unbedingt zum Positiven!«,erklärte der zuständige Beamte Herrn Princeps lediglich. 51
  49. 49. »Seit wann gibt es in Vanatium so viele Anaureaner? Washaben die hier überhaupt zu suchen?«, schimpfte deraufgebrachte Vater. »Das ist eben so! Ist Ihnen das denn noch nicht aufgefal-len? Vielleicht sollten sie ihren Habitatskomplex öfterverlassen«, erwiderte der Verwaltungsmitarbeiter genervtund schickte Herrn Princeps fort. Die Aussicht demnächst jeden Tag nach Vanatium-Degenan zu müssen, um zu der neuen Arbeitsstelle zugelangen, hob Flavius Laune nicht unbedingt sonderlichan. Allerdings hatte er jetzt erst einmal frei, denn nachseiner jahrelangen Raumreise, stand ihm die einjährigeRuhepause, wovon noch fast acht Monate übrig waren,glücklicherweise zu. Das war wohl das Einzige, so dachte sich der Aureaner,was der schreckliche Flug zu den Sternen an Positivem mitsich gebracht hatte. Drei Tage nach seinem Bewerbungsgespräch zog er mitLucius, seinem Teamkameraden aus dem Sportclub, ersteinmal um die Häuser und genoss das süße Leben in denVergnügungsvierteln seiner Heimatstadt. Mit Lucius konnte man feiern bis zum Umfallen. Der aussehr reichem Hause stammende, junge Mann, welcherkeinem Lohnerwerb nachgehen musste, war ein Meisterdes Müßigganges. Heute hatten sich die beiden schon zurMittagsstunde einige synthetische Drinks genehmigt undsich dann mit einem Gleiter nach Vanatium-Rusing bringenlassen. Hier befand sich das größte und prunkvollste Vergnü-gungsviertel der Riesenstadt und dort wartete auf diebereits stark angeheiterten jungen Burschen alles, was ihre52
  50. 50. genusssüchtigen Herzen begehrten. Partys, Frauen,Rauschmittel und alle vorstellbaren Sorten benebelnderGetränke. Zudem gab es hier auch an jeder StraßeneckeNeurostimulatoren. Rusing war wahrlich ein dekadentesParadies. Lucius, der oft schnodderige, gutaussehende Blondschopfmit den glänzenden Augen und dem athletischen Körper,torkelte voraus und Flavius folgte ihm. »Guck mal die da!«, sagte er und deutete auf eine Gruppehübscher Aureanerinnen, die sich ihnen mit einem leisenKichern näherten. »Nicht übel!«, lallte Flavius hinterher und grinste benom-men. »Das Zeug haut gut rein, was?«, kam von Lucius. »Jau! Aber voll!«, stammelte Princeps und merkte, wie seinBlick immer verschwommener wurde. Die beiden kauften sich einen kleinen Neurostimulatorbei einem freundlich lächelnden Händler und bogen dannin eine Nebenstraße ab. »Du zuerst!«, sagte Lucius und drückte seinem Kumpeldas leuchtende Gerät in die Hand. Flavius zögerte für einen Augenblick, dann tippte ereinige Knöpfe und hielt sich das leise summende Ding andie Schläfe. »Scheiße!«, stieß er nach einigen Sekunden aus und tau-melte zurück. »Alter, haut das rein…« »Du hast das verdammte Ding auf sexuelle Stimulationgestellt, du elende Sau!«, blökte Lucius und lachte laut.»Und auch noch auf Stufe 3…« »Ja, sicher! Von nichts kommt nichts«, bemerkte Flaviusund hielt sich den Kopf. 53
  51. 51. »Bist du eine Sau, Alter! Gib mal her. Jetzt ich«, sagteLucius und nippte an einem kleinen Fläschchen. Jetzt hielt sich dieser den Neurostimulator ebenfalls anden Kopf und verpasste sich einen gehörigen SchwallGlücksgefühle. »Alter, ich habe so Bock zu vögeln…«, stammelte Flavius. »Kein Wunder bei Stufe 3! Ha! Ha!«, brabbelte Lucius undließ einen Begeisterungsschrei los. Die jungen Männer trotteten wieder zurück auf dieHauptstraße und kehrten in einem von greller Leuchtre-klame beschienenen Lokal ein. Hier wimmelte es vonhübschen Mädchen und angetrunkenen Männern. Sieschwankten an die Theke und ließen sich auf einem Bar-hocker nieder. »Was kann ich den Herrschaften bringen?«, fragte sieeiner der Kellner. »Zwei Cypher-Shakes!«, antwortete Lucius und fiel fastvon seinem Stuhl. »Sehr wohl!«, bemerkte der Mann und verschwand wie-der. »Booah! Die geile Sau da hinten. Da! Die Rothaarige!«,lallte Flavius und krallte sich an der Theke fest. »Hat klasse Beine. Wollen wir mal hingehen?«, fragte derbenommene Lucius. »Ja, Scheiße! Warum nicht? Quatschen wir die süße Tussidoch mal an. Die hat ja auch ein paar scharfe Freundin-nen«, erklärte Princeps und machte Anstalten, sich denNeurostimulator noch einmal an die Schläfe zu halten. »Ey! Das reicht doch jetzt! Du klappst um, wenn du dasDing zu oft benutzt«, warnte Lucius, doch sein Begleiterließ sich nicht beirren.54
  52. 52. Ein weiterer Schub sexueller Stimulation raste durch FlaviusGehirn und anschließend war der junge Mann kaum nochin der Lage, geradeaus zu laufen. Mit wankenden Schrittennäherte er sich der Gruppe von hübschen Mädchen amTisch gegenüber.Der folgende Tag war ein einziges Desaster. Bis um 5.00Uhr morgens hatten Flavius und Lucius Rusing unsichergemacht und Ersterer war nicht müde geworden, sich alleerdenklichen Getränke in den Rachen zu kippen und dieKraft des Neurostimulators bis zum Anschlag auszurei-zen. Irgendwann hatte sich Flavius übergeben müssen undauch sein Bekannter, welcher ebenfalls kaum noch einengeraden Satz herausbekommen konnte, war fast nichtmehr in der Lage gewesen, einen Gleiter für den Heimflugzu organisieren. Irgendwie waren sie dann aber doch beide nach Hausegekommen, um den nächsten Tag mit üblen Kopfschmer-zen zu verbringen. »Verdammt!«, jammerte Flavius, hielt sich den dröhnen-den Schädel und wälzte sich in seinem Bett von einemEnde zum anderen. Nach einer Weile, es war inzwischenschon Mittag, kam seine Mutter herein, um nach ihremSohn zu sehen. »Was war denn heute Morgen los?«, wollte sie wissen. »Nichts! Ich war mit Lucius feiern«, brummte der Sohnleise. »Etwa in Rusing?« »Ja, wieso?« 55
  53. 53. »Dieses Viertel ist furchtbar! Was habt ihr denn da zusuchen gehabt? Dort treibt sich doch allerhand Gesindelherum«, betonte Crusulla. »Keine Ahnung…Feiern halt…« »Hast du diese Neurostimulatoren benutzt, Flavius?«,fragte sie besorgt. Der junge Mann zog sich die Decke über den Kopf undhoffte, seine Mutter würde ihn noch eine Runde schlafenlassen. »Nur einmal…«, stammelte er. »Diese Geräte sind gefährlich!«, schimpfte die Mutter. »Ach, war doch nur einmal!«, log der Sohn. Crusulla schüttelte den Kopf und ging wieder aus FlaviusZimmer heraus. »Glaube nicht, dass das jetzt jedes Wochenende so läuft,mein Lieber«, gab sie ihrem Sprössling noch mit auf denWeg. Dieser ignorierte das Geschwätz seiner Mutter und kon-zentrierte sich weiter auf seinen furchtbaren Brummschä-del. Einige Stunden später, nachdem er noch etwas geschlafenhatte, schlich er aus seinem Zimmer heraus und setzte sichan den Küchentisch. Sein Vater saß auch dort und mur-melte ihm ein leicht verärgert klingendes »Hallo!« entgegen. »Hast du dich gut amüsiert?«, fragte er dann. »Ja, war gut!«, brachte Flavius nur leise hervor und machtesich ein Mineralwasser fertig. »So, so…«, erwiderte Norec Princeps und trottete in dieobere Etage der Wohnung. Der junge Mann machte sich auf dem Sofa vor demSimulations-Transmitter breit und räkelte sich, immer noch56
  54. 54. benommen von der letzten Nacht, in einem Haufenweicher Kissen herum. Dann schaltete er das Gerät an undblickte auf den sich vor seinen Augen auftuenden Holo-graphie-Bildschirm. »Möchten Sie sich in die Sendung einloggen?«, stand alsMeldung am unteren Rand der leuchtenden Bildfläche.Flavius wischte die Meldung mit einer flüchtigen Handbe-wegung weg und hielt sich noch einmal den Kopf. Plötz-lich riss er die Augen auf.»Imperator Xanthos der Erhabene hat heute, nach 91Jahren seiner gesegneten Herrschaft über das Goldene Reich,der aureanischen Öffentlichkeit endgültig verkündenlassen, dass er in einer Woche aus seinem Amt ausscheidenwird. Damit endet die über neun Jahrzehnte andauerndeRegierungszeit des großen Archons. Unsere erlauchte Majestät wird als Friedenskaiser in dieChroniken der Archivatoren Terras eingehen, dennXanthos der Erhabene hat das Goldene Reich wie kaum einanderer durch eine Epoche der Versöhnung und derEintracht geführt. Zu seinem Nachfolger hat er gesternden verehrten Credos Platon von Eusangia ernannt…«Flavius Kopfschmerzen ließen es kaum zu, noch länger dieholographische Bildfläche anzusehen. Zu sehr branntendie leuchtenden Farben in seinem gepeinigten Schädel.Schließlich schaltete er den Simulations-Transmitter wiederaus und schlich zurück ins Bett. »Der alte Xanthos macht sich vom Feld«, sagte er leise zusich selbst und wirkte, als ob ihn die Meldung nicht son- 57
  55. 55. derlich interessierte. Schließlich kroch er wieder unter dieDecke und verschlief den Rest des Tages.Juan Sobos, der steinreiche Großgrundbesitzer und Sena-tor aus Braza, hatte ein Fest organisiert, welches an Prunkund Protz kaum noch zu überbieten war. Etwa 1000Gäste, allesamt Angehörige der aureanischen Nobilität undwohlhabende Geschäftsleute, waren hier in seiner Som-merresidenz im Norden von Braza erschienen, um sich andem zu laben, was Sobos ihnen in Fülle bot. Der Besitzer gewaltiger Landgüter und Fabriken hatte einganzes Sammelsurium von exotischen Blickfängen fürseine Gäste auffahren lassen. Es reichte von extra für diesemonumentale Feier geklonten, ausgestorbenen Tieren bishin zu anaureanischen Bauchtänzerinnen und ganzenSchwärmen von Freudenmädchen aus dem Süden desKontinents. Mit einem zufriedenen Lächeln schritt der leicht unter-setzte Mann mit dem aschblonden, krauseligen Haar unddem kleinen Doppelkinn an einer Reihe von Dienernvorbei und begutachtete das teure Spektakel. So gut wieder gesamte Senat von Asaheim war bei dieser Feiervertreten und Juan Sobos wusste, dass man den luxusge-wohnten Herrschaften etwas Außergewöhnliches bietenmusste. »Madame Clerilla!«, stieß er mit gekünstelter Freude ausund küsste einer in die Jahre gekommenen Aristokratin dieHand. Diese hatte ihr Gesicht hinter einer Goldmaske verbor-gen, welche sie nun zur Seite schob, um Sobos ein kurzesLächeln zu schenken.58
  56. 56. »Es ist eine großartige Feier, Senator! So hatte ich eserwartet«, bemerkte die Dame. »Mein Mann ist auch ganzhin und weg, sage ich Ihnen…« »Das freut mich«, erwiderte der Großgrundbesitzer undverbeugte sich. »Wo ist denn Senator Alphaios, wenn ichfragen darf?« »Er stellt wohl einem dieser Mädchen nach«, erklärte dieFrau und wirkte nicht sonderlich erfreut. »Verzeihen Sie ihm, Madame Clerilla! So sind wir Männereben. Das ist unsere Natur. Wir halten die Augen immernach allen Varianten des weiblichen Geschlechtes offen«,scherzte der Gastgeber. Dann schritt er weiter durch dasendlose Meer seiner fröhlich lachenden Besucher. Es dauerte nur einige Minuten, da war er schon in dasnächste Gespräch mit einem anderen illustren Gast verwi-ckelt. »Es ist großartig, Senator Sobos! Sie haben sich diesmalwirklich nicht lumpen lassen!«, sagte ein begeisterter,älterer Herr mit zahlreichen Diamantringen an den Fin-gern. Juan Sobos schmunzelte stolz. »Das freut mich aber, dasses Ihnen hier bei mir gefällt. Ich habe diese Sommerresi-denz erst vor fünf Jahren erbauen lassen. Die Architekturkann sich sehen lassen, nicht wahr?« »Ohne Zweifel! Ohne Zweifel!«, bemerkte der Mann undblickte mit Begeisterung auf die strahlend weißen Marmor-gebäude um sich herum. »Wie laufen die Geschäfte, Censor Fersius?«, fragte ihnSobos. »Ich kann nicht klagen. Seit einigen Jahren habe ich michauf den interstellaren Rohstoffhandel in unserem Sonnen- 59
  57. 57. system spezialisiert. Mittlerweile besitze ich Dutzende vongroßen Frachtschiffen.« »Ach? Und was ist mit ihren Landgütern in Canmerigaund Arica?«, erkundigte sich der Gastgeber mit leichterVerwunderung. »Das läuft nebenher. Der interstellare Handel ist in letzterZeit einfach lukrativer geworden. Trotzdem produzierenwir auf unseren Agrarkomplexen natürlich auch weiterhinLebensmittel für Millionen Aureaner«, erklärte Fersius. »Ich bleibe bei meinem Hauptgeschäft. Landbesitz ist seitJahrhunderten das Rückgrat der ökonomischen Erfolgeder Familie Sobos«, gab der Großgrundbesitzer lachendzurück. Sein Gegenüber zog die buschigen Augenbrauen nachoben. »Das wissen wir ja alle hier, Senator. An die Größeder Ländereien der Familie Sobos kommt eben keinanderes Patriziergeschlecht heran. Das muss auch ichzugeben. Wie auch immer, der interstellare Handel hat esmir jedenfalls angetan.« »Jedem das Seine!«, flachste Juan Sobos und ging weiter. Inzwischen hatten sich einige anaureanische Tänzerinnenauf einer gewaltigen Bühne postiert und schwangen ihreschlanken Hüften zum Rhythmus eines lauten Getrom-mels. Zwischendurch erschallte das Gejohle ergrauterHerren aus der aureanischen Nobilitas, welche von demSpektakel sehr angetan zu sein schienen. Auf einmal kamein Mann auf Juan Sobos zu und schüttelte ihm die Hand. »Senator, ich wollte mich noch einmal für die Einladungzu dieser großartigen Party bedanken«, sagte er. Der Gastgeber stutzte kurz und wirkte nachdenklich. »Mitwem habe ich die Ehre?«60
  58. 58. »Malix Yussam! Ich bin ein Bankier aus Süd-Orian«,erklärte der Gast und blickte Sobos mit seinen dunklenAugen an. »Ah, ich erinnere mich. Gefällt es Ihnen bei mir?« »Es ist fantastisch, Senator Sobos. Ich fühle mich ganzgeehrt. Für mich als ehemaligen Anaureaner ist es eineEhre, heute dabei sein zu dürfen…« Juan Sobos schmunzelte väterlich und sagte: »Dann ha-ben Sie es meinem Einfluss zu verdanken, dass sie in dieoberste Kaste aufgestiegen sind?« »Sozusagen, Herr Senator!«, erwiderte Yussam. »Und? Laufen die Geschäfte?«, wollte der Patrizier wissen. »Außerordentlich gut, Herr Senator! Seitdem mich dieFamilie Cilius offiziell adoptiert hat, kann ich nun auch imGoldenen Reich selbst meinen Tätigkeiten nachgehen. ImÜbrigen verwalte ich inzwischen auch das Vermögen derehrenwerten Cilius Sippe«, sagte der Gast. Sobos grinste gönnerhaft und bemerkte: »Wissen Sie,Aureaner oder Anaureaner, was spielt das heute noch füreine Rolle? Ich habe mich immer gegen dieses antiquierteDenken gewehrt. Wichtig ist doch, dass wir gute Ge-schäftspartner haben, Herr Yussam! Ich denke Sie sehen esähnlich, oder?« »Mit Sicherheit, Herr Senator! Auf jeden Fall ist es großar-tig heute hier zu sein«, sagte der Bankier. Der Gastgeber deutete auf den dunklen Nachthimmelund erläuterte, dass das Feuerwerk nun jeden Momentbeginnen müsste. Einige Minuten später knallte undzischte es, während über den Köpfen der begeistertenGäste bunte Lichter aufleuchteten. Das berauschende Festhatte in dieser Nacht noch einige Sehenswürdigkeiten zu 61
  59. 59. bieten und zog die Anwesenden wieder und wieder inseinen Bann. So hatte es Juan Sobos geplant und seinePläne waren immer erfolgreich.Anfang Oktober des Jahres 15289, nach vorgeschichtlicherZeitrechnung, oder im Jahre 3978 nach Gutrim Malogor,dem großen Reformator, nach welchem der allgemeineKalender des Goldenen Reiches benannt worden war, schiedXanthos der Erhabene schließlich aus seinem Amt aus undübertrug seinen Imperatorentitel auf Credos Platon vonEusangia. Der Abschied des bei der überwiegenden Mehrheit derAureaner äußerst beliebten Herrschers wurde mit einerimposanten Veranstaltung gefeiert, welche ganz Asaheimfür mehrere Tage in eine Wolke aus verschwenderischemPrunk einhüllte. Dann zeigte sich der kaum 26jährige Credos Platon denjubelnden Menschenmassen in den Straßen der riesigenZentralstadt und ließ sich in einem endlosen Triumphzugvon seinem Volk huldigen. Wenige Tage später begab sich der neue Monarch miteiner ganzen Heerschar seiner Würdenträger und Dienerauf die traditionelle Reise zum Mars, um sich in der größ-ten Metropole des roten Planeten ebenfalls von denbegeisterten Massen feiern zu lassen. Der Flug zum Marswar seit Jahrtausenden eine feste Tradition im GoldenenReich, denn kein neu eingesetzter Imperator konnte es sichleisten, der Bevölkerung auf dem roten Planeten, demzweitwichtigsten Zentrum des menschlichen Sternenrei-ches, nicht die Ehre seiner Anwesenheit zu schenken.62
  60. 60. Credos Platon entstammte einer der angesehensten Fami-lien der aureanischen Nobilität und war ein junger Mann,welcher auch optisch dem Idealbild eines Patriziers ent-sprach. Seine glatten, strahlend hellen Haare waren ineinem Knoten am Hinterkopf zusammengefasst und seineGesichtszüge wirkten fein und edel. Lediglich das Kinn desschlanken, hochgewachsenen Mannes war »ein wenig zukurz«, wie manche Schönheitsfanatiker in den Adelskreisendes Goldenen Reiches anzumerken hatten. Politisch war der neue Archon bisher noch kaum in Er-scheinung getreten. Auf Empfehlung des Xanthos war erim letzten Jahr in den Senat von Asaheim berufen worden,wo er sich allerdings ruhig, bescheiden und zurückhaltendgezeigt hatte. Hunderte von anderen Patriziern beneideten den jungenMann seit dem Tage seines Amtsantrittes im Verborgenen.Hatten sie doch gehofft, dass der alte Xanthos vielleichteinen der ihren als seinen Thronfolger auswählen würde. Doch schließlich war die Wahl des greisen Imperators aufCredos Platon, einen unscheinbaren Jüngling, welcher vonseiner politischen Ausrichtung her noch kaum einzuschät-zen war, gefallen. Man sagte allerdings, dass Platon ein Freund der altaurea-nischen Tugenden war. Dazu gehörte die Wertschätzungvon Ehre, Demut, Bescheidenheit, Tapferkeit und Fleiß. Der neue Souverän hatte damit eine Geisteshaltung,welche von vielen Senatoren und Nobilen als eher veraltetangesehen oder gar ein wenig belächelt wurde. So beäugte man Credos Platon von Anfang an misstrau-isch und kritisch, während man in den hohen Adelskreisen 63
  61. 61. weiterhin darüber rätselte, warum Xanthos der Erhabenegerade ihn zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Juan Sobos und eine Gruppe weiterer, einflussreicherSenatoren, suchten ihrerseits nun erst einmal seine Nähe,denn sie wollten unbedingt wissen, welchen Charakter diepolitischen Ansichten des neuen Monarchen hatten. Die Würdigung der altaureanischen Tugenden, welcheCredos Platon bereits in einigen Gesprächen mit Juan Sobosgeäußert hatte, war diesem schon früh bitter aufgestoßen.Der wohlhabende Landbesitzer hatte für solche Dinge,welche weder etwas mit Geschäften noch Reichtümern zutun hatten, überhaupt nichts übrig. Als ihm Platon dannauch noch erzählte, dass er ein Bewunderer Malogors seiund auch den antiken Herrscher Gunther Dron sehr schätz-te, hatte er bei Sobos schon einige Sympathien verspielt. Bei einer Reihe weiterer Senatoren verhielt es sich nichtviel anders. Auch diese waren verwundert, derartige Dingeaus dem Munde eines so jungen Mannes zu hören. Aber solange Credos Platon ihren Geschäften und ihrer in derletzten Zeit immer mächtigeren Position im Senat vonAsaheim nicht in die Quere kam, konnte man ihn ruhigreden lassen. »Wenn er sich uns gegenüber wie Xanthos der Erhabeneverhält, nämlich passiv, dann soll er noch viele Jahre in Ruheregieren«, bemerkte Juan Sobos bei der Amtseinführung desjungen Monarchen mit dem ihm eigenen Sarkasmus. So widmete sich der junge Imperator in den ersten Tagenmit Eifer seinen ersten Amtshandlungen, doch wirkte ernoch so unsicher und harmlos, dass er den erfahrenenSenatoren um ihn herum höchstens ein mitleidiges Lächelnentlockte.64
  62. 62. GewitterstimmungDie große Politik an den Futtertrögen der Macht in Asa-heim und den vielen anderen Metropolen des GoldenenReiches auf Terra interessierte Flavius Princeps in diesenTagen herzlich wenig. Ob der neue Imperator nun dereinen oder anderen politischen Fraktion im Senat besseroder schlechter gesonnen war, hatte für den jungen Bur-schen keinerlei persönliche Bedeutung. Er war nämlich ganz darauf eingestellt, jeden Tag bis zumBeginn seiner langweiligen Arbeitstätigkeit im Verwal-tungszentrum von Degenan mit dem größtmöglichenGenuss zu verbringen. Flavius hatte inzwischen ein innigesVerhältnis zu Neurostimulatoren und diversen Rauschmit-teln aufgebaut und mit seinem Saufkumpan Lucius an derSeite, konnte er auch sicher sein, dass die Partys undFreuden erst einmal nicht endeten. Die beiden waren heute mit Lucius’ neuem Gleiter in diebenachbarte Stadt Midheim geflogen und hatten sich festvorgenommen, noch einmal richtig ihren Spaß zu haben.Schon gegen Mittag waren sie im Gewühl des Vergnü-gungsviertels der Stadt untergetaucht und von einem Lokalzum nächsten getingelt. Drei Schübe Glücksgefühle hatte sich Flavius bereits seitheute morgen per Neurostimulatur durch den Schädelgejagt, Lucius sogar schon fünf. Letzterer grinste seitdembenommen vor sich hin und umarmte ab und zu vor lauterFreude irgendwelche wildfremden Personen. 65
  63. 63. »Juhuuu!«, rief Lucius und reckte die Arme in die Höhe,während um ihn herum Dutzende von aureanischenJugendlichen zu einem monotonen Rhythmus tanzten. »Hey!«, fügte Flavius hinzu und deutete mit seinem Fingerauf eine hübsche, junge Dame, welche sich gerade einenNeurostimulator an die Schläfe hielt. Er hastete zu ihr hin und stellte sich neben sie. »Nicht zuviel, meine Süße!«, sagte er und fixierte die schlanke Brü-nette mit seinen blutunterlaufenen Augen. »Wer bist du denn, Kleiner?«, gab sie zurück und taumelteumher. »Flavius! Und du, schöne Frau?« Die hübsche Maid lächelte. »Luculla! Und das ist Cenia,meine beste Freundin.« »Ich bin sehr erfreut«, sagte Flavius und schüttelte Ceniadie Hand. »Ist der niedlich«, tuschelte diese ihrer Freundin zu undmachte ebenfalls den Eindruck, als ob sie heute schoneinige Neurostimulationsschübe hinter sich gebracht hatte. »Was geht denn hier?«, erschallte es jetzt von hinten undLucius legte seinen Arm um Flavius’ Schulter. »Ist das dein Freund?«, wollte Luculla wissen. »Ja, das ist Lucius«, antwortete der junge Mann. »Na, Mädels! Was macht die Party? Jawohl, ich … ich binLucius«, lallte jener. »Jau! Das ist so geil hier! Ich liebe Percussiontanz!«,jauchzte Luculla und schwang ihre ansehnlichen Beine zudem mitreißenden Rhythmus. »Wir wollten später noch in das Lokal da hinten. Ist dasgut? Ihr seid doch von hier«, bemerkte Princeps. »Das ist okay! Warum?«, gab Cenia zurück.66
  64. 64. »Vielleicht habt ihr ja Lust mitzukommen?«, fügte Luciushinzu. Luculla stieß ein verwirrtes Kichern aus und ihre Freun-din tat es ihr gleich. »Ja, klar! Warum nicht? Juhuuu!«, rief die Schönheit undtanzte Flavius an. Nach einer Stunde kehrten die beiden jungen Männer indas Lokal ein, während ihnen die hübschen Mädchenfolgten. Es dauerte nicht lange, da hatten die vier einige berau-schende Getränke zu sich genommen und flegelten sich ineine gemütliche Sitzecke. »Und ihr seid aus Vanatium?«, fragte Luculla jetzt undbemühte sich, nicht unter den Tisch zu rutschen. »Jau!«, murmelte Lucius und verpasste sich noch eineneurologische Dröhnung. Diesmal hatte er das Gerät aufleichte Sexualstimulation gestellt, was Cenia offenbar aufgefal-len war. »Du Schlingel!«, flüsterte sie Lucius ins Ohr und diesergrinste wie ein angetrunkener Ochsenfrosch. »Wollt ihr heute noch nach Hause fliegen, Jungs?«, erkun-digte sich Luculla. »Ach, was! Das geht eh in die Hose«, gab Flavius kicherndzurück. Lucius winkte den Kellner heran und gab noch eineGroßbestellung an diversen Getränken auf. »Eigentlich könnt ihr ja dann auch bei mir übernachten.Wenn ihr wollt…«, meinte die Brünette und schlug dieAugen auf. »Echt? Prima! Wohnt ihr hier in der Innenstadt?«, stam-melte Lucius. 67
  65. 65. »Also ich wohne bei meinen Eltern. Das ist nur ein paarHabitatskomplexe von hier weg. Wir haben eine großePlattform, von dort aus sieht man die ganze Stadt«, erklärteLuculla. »Ihr wohnt auf einer Plattform?«, wunderte sich Flavius. »Ja, ich kann sie dir heute Abend mal zeigen, wenn duwillst«, sagte sie. Lucius schickte seinem Saufkumpan ein benommenesSchmunzeln zu und zog die Augenbrauen nach oben,während sich Luculla einen kleinen Schub sexuelle Stimulati-on verpasste. Es sollte noch ein aufregender Abend wer-den.Credos Platon hatte es nicht leicht, als er das Amt seinesgroßen Vorgängers Xanthos übernahm. Der junge Impera-tor traf bei vielen Angehörigen der höheren Stände derAureanerkaste auf eine derart dekadente Geisteshaltung,dass es ihn zutiefst entsetzte. Er erschrak über das Ausmaß der Entartung in vielenFamilien der Nobilität, wo selbst die größten Reichtümernicht ausreichten, den Aufwand, die maßlose Verschwen-dung und Genusssucht zu befriedigen, wo einer denanderen an Glanz, an schwelgerischen Gelagen und berau-schenden Festen in prunkvollen Villen zu übertreffenversuchte. Viele der angesehenen Senatoren verbrachten ein Lebenvoller Verschuldung, während sie und ihre Frauen Schamund Sitte mit Füßen traten, sich Huren und zahllosenLiebhabern hingaben, bis irgendwann selbst die größtenVermögen verprasst waren.68
  66. 66. Die jungen Aristokraten verschwendeten häufig ihr Lebenin unendlicher Üppigkeit, Wollust und entnervtem Hedo-nismus. Die Erreichung höchster Freuden und Sinneslüsteerschien vielen Angehörigen der führenden Patriziersippeninzwischen als das höchste Ziel. Diesen sich im hauptstädtischen Modeleben bewegendenNobilen, waren die Begriffe von Ehre, Pflicht und Tugendschon seit Generationen abhanden gekommen. Sie schlos-sen sich denjenigen politischen Gruppen und Führern an,bei denen für ihre Selbstsucht und ihre niedrigen Begier-den die größte Aussicht bestand und wurden in ihremHandeln nicht durch Grundsätze und Überzeugungen,sondern durch puren Eigennutz und Egoismus geleitet. Imperator Platon selbst hatte diesem Denken glückli-cherweise bisher entsagt und seine Eltern gehörten offen-bar zu den selten anzutreffenden Aristokraten, denen dieaureanischen Tugenden noch wichtig waren, wie er schonkurze Zeit nach seinem Amtsantritt feststellen musste. So ragte er als einer der wenigen Ehrenmänner aus demMeer seiner verlebten und verschuldeten Standesgenossenheraus, was ihm keinesfalls nur Freunde bescherte. Der alte Clautus Triton, welcher sich bereits unterXanthos dem Erhabenen als vertrauensvoller Gefährteerwiesen hatte, fand ihn jedoch schnell sympathisch undteilte die meisten seiner politischen Ansichten. Juan Sobos hatte ihn hingegen schon direkt zu Beginnseiner Amtzeit darauf hingewiesen, dass er sich besser mitden einflussreichen Landbesitzern, Bankiers und Indus-triellen im Senat von Asaheim gut stellen sollte, wenn ihman einer ruhigen Amtszeit gelegen war. 69

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