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ISBN x-xxxx-xxxx-x
Alle Rechte beim Autor
© 2008 Burkhard Pape, cyberculture lanzarote
Herstellung und Verlag: Verlag xxx

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung
des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert,
verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Layout und Umschlag: Diogenes von der Töss, cyberculture lanzarote
Fotos: Pape; cyberculture lanzarote

Wir danken dem DFB, adidas und der GTZ für ihre Unterstützung
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Schwitzen
         statt Sitzen


           Burkhard Pape:
40 Jahre Diplomatie im Trainingsanzug


          EIn Reisebericht
          mit Herz und Ball




               Verlag
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Ein Reisebericht mit
         Herz und Ball
Vier Jahrzehnte lang hat Burkhard Pape      dutzende von Wettkämpfen, pflegt
den deutschen Fussball im Ausland           mit seiner Arbeit das gute Image des
erfolgreich repräsentiert. Viel hat sich    deutschen Fussballs und sorgt für
geändert seit er mit seiner Art der         ein positives Image der Deutschen
„Entwicklungshilfe“ damals begann.          insgesamt.
Auch sportlich sind die Kontinente
enger zusammengerückt. Die Afrika-          Während ein Franz Beckenbauer
Meisterschaften sind heute fester           im Rampenlicht zuerst mit genialen
Bestandteil mitteleuropäischer live-        Pässen die Stürmer bediente und
Sportprogramme im Fernsehen und             danach im internationalen Fussball
im Internet. In diesem Buch schildert       auch als Funktionär die Fäden zog,
ein Insider, wie alles begann, wie es       arbeitet Burkhard Pape, von der
im Laufe der Jahre weiterging und wie       Öffentlichkeit viel weniger beachtet im
ein echtes deutsches Exportprodukt          Ausland erfolgreich daran, deutsche
im Ausland erfolgreich eingeführt           Ideen und Qualität in viele andere
wurde. Burkhard Pape konnte dabei           Länder zu tragen.
auf die Unterstützung von Freunden,
Firmen und Helfern zählen, auch             Während in Deutschland Rassismus
wenn oft die Mittel für eine noch           und Gewalt gegen Ausländer immer
konkretere Hilfe fehlten, weil der          wieder für Schlagzeilen sorgten, bis
Sport unter den Politikern nicht den        vor allem mit der Fussball-WM 2006
Stellenwert geniesst, den er vielleicht     auch diese unschönen Geschehnisse
erhalten sollte. Hier waren es vor          zu einem guten Teil relativiert wurden,
allem der Deutsche Fussballbund, das        passt sich ein deutscher Fussball-
auswärtige Amt und weitere Förderer,        trainer an unbekannte Kulturen an und
auf deren Unterstützung der Trainer         sorgt für eine Völkerverständigung
zählen konnte. So wanderten begehrte        direkt am Menschen, von der die
deutsche National-Trikots nicht selten in   meisten im Ausland tätigen Diplomaten
die Hände von jungen Talenten aus den       nur träumen können.
sogenannten „Entwicklungsländern“
und trugen zur Motivation vieler            Der Sport entfacht Leidenschaft, setzt
ambitionierter Jugendlicher bei.            Emotionen frei und ist – fairness und
                                            Sportsgeist vorausgesetzt – eine
Und während die deutsche Fussball           der Förderung würdige Variante des
Nationalmannschaft im Laufe der Zeit in     menschlichen Bedürfnisses, sich mit
so manchen internationalen Turnieren        anderen zu messen. Ein Diplomat
Schwäche zeigte, gewinnt Pape mit           hinter seinem Schreibtisch kann nicht
„seinen“ Teams aus zwei Kontinenten         so viele Sympathien gewinnen wie

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der Trainer auf dem Platz. Pape war         vorgezeigt und einen wichtigen Beitrag
während der Arbeit in den Ländern,          zur Re-Integration der Deutschen in die
in denen er eingesetzt wurde,               internationale Familie geleistet.
bekannt und beliebt wie hierzulande
Rumenigge, Vogts, Beckenbauer und           Die    sprichwörtlichen    „deutschen
Klinsmann. In Deutschland wurde von         Tugenden“, die vor allem der Fussball-
seiner sympathischen Arbeit kaum            Nationalmannschaft immer wieder
Notiz genommen, eine Lücke, die das         bescheinigt werden, wenn sie ein
vorliegende Buch schliessen möchte.         verloren geglaubtes Spiel noch aus
                                            dem Feuer reisst, hat Pape erfolgreich
Deutschland hat nicht erst mit der          international    weitergegeben,     vor
„WM der Herzen“ gezeigt, dass das           allem auch in Ländern, in denen
Trauma und die Schande, die Hitler          keine „deutsche Ordnung“ herrscht,
dem Volk nach dem 2. Weltkrieg              in denen Länderspiele nicht 2 Jahre
hinterlassen hatte, endgültig der           vorher geplant sind, in denen man
Vergangenheit angehören sollten. Dass       statt auf Medizinbälle zum Training auf
die Deutschen ein gastfreundliches,         Kokosnüsse zurückgreifen musste und
multikulturelles Volk sind und andere       in denen die Beschwörung von Geistern
Kulturen aufmerksam beobachten und          vor dem Spiel auch heute noch zum
integrieren möchten. Pape, zusammen         Alltag gehört. Der Mensch Burkhard
dem DFB und vielen weiteren                 Pape hat sich daran angepasst
Förderern, hat dies als grosser             und dennoch jene „ordentlichen“
Sympathieträger in Afrika und Asien         Tugenden trainieren lassen. Der Erfolg




Die „Sportspende“ aus Deutschland wird in Sri Lanka...


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... genauso wie in Thailand begeistert empfangen
hat ihm Recht gegeben und an seinen          Fussballmannschaft     spielte  die
ehemaligen Wirkungsstätten hat er            Nationalität für sie nie eine Rolle,
bleibende Eindrücke hinterlassen und         sondern nur, ob einer ein besserer
ist dort auch heute noch bekannt wie in      Tormann oder Stürmer war.
Deutschland ein Gerd Müller.

Der Sport kann Barrieren auflösen, wo
die Politik scheitern muss. Sport ist eine
Sprache, die die ganze Welt spricht, der
Sportler wird zum Kinde, indem es ihm
nur um grundsätzliche Werte von Sieg
oder Niederlage, Einsatzbereitschaft
und Emotionsfülle geht.

Es wird gejubelt und geweint, Gegner         Dieses Buch blickt auf spannende
umarmen sich und werden ausserhalb           Jahre im Ausland zurück, kann
des „Kampfplatzes“ zu Freunden.              sowohl als Abenteuer-Bericht gelesen
                                             werden, als auch als Grundlage für
Papes blonde und hellhäutige Kinder          eine erfolgreiche Strategie globaler
sind auf viele internationale Schulen        Integration innerhalb und ausserhalb
gegangen. In einer mehrfarbigen              des Fussballplatzes.

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      ndlich bin ich dazu gekommen, einmal      kennt Rummenige, Beckenbauer, die Ver-
      aufzuschreiben, wie „exotisch“ eigent-    eine Bayern, Borussia Mönchengladbach,
      lich mein Leben gewesen ist.              HSV – obwohl man diesen Vereinsnamen
                                                nur ganz schlecht aussprechen konnte.
Nach Kindheit und Jugend in Magdeburg, wo       Zuerst wusste ich nicht, welcher Verein mit
ich als knapp 13-Jähriger das Kriegsende        einem für die Afrikaner völlig unaussprech-
und vorher die Bombenangriffe erlebt hatte,     lichen Namen gemeint sein konnte. Aber da
kam es in der DDR-Zeit noch ganz normal         man mich dann immer: fragte: „Burkhard,
zu einer breit gefächerten sportlichen Lauf-    kennst Du den Verein mit vielen jungen
bahn.                                           Spielern, die immer so einen tollen Angriffs-
Zuerst war es die Leichtatlethik mit Meister-   fußball spielen? Als ich dann den Namen
schaften im Zehnkampf, danach war es der        „Mönchen-Gladbach“ aussprach, wurde mit
Fußball in Spitzenmannschaften in der DDR       leuchtenden Gesichtern genickt. Aber den
und nach meiner Flucht ab 1953 auch in          Namen dieses Vereins selbst auszuspre-
der Bundesrepublik. Das Exotische begann        chen, das sollte einfach nicht klappen!
12 Jahre später. Seitdem hat es mein Leben
bestimmt, und ich meine, dass ich insge-        Wie fing das alles mit diesen 36 Jahren fas-
samt sehr viel erlebt habe.                     zinierender Arbeit im Ausland an? Vorher
Wenn ich heute davon erzähle, dann pas-         war ich einige Jahre Verbandssportlehrer
siert es mir oft, dass jemand sagt: „In die-    beim Badischen Fußballverband auf der
sen Ländern, da war ich auch schon!“ Es         Sportschule Karlsruhe-Schöneck. Das war
sind oft Menschen, die dort für 14 Tage         eine sehr schöne, einprägsame Zeit. Ob-
ihren Urlaub verbrachten und die dann von       wohl ich dort der jüngste Verbandssport-
diesem Land erzählen wollen.                    lehrer gewesen bin, war ich sicher nicht der
Sehen wir uns jetzt das Wort „exotisch“ ein-    Schlechteste. Dort habe ich viel gelernt.
mal genauer an! Wenn man sich überlegt,         Nicht nur, soweit es um Pädagogik ging, son-
dass ich 36 Jahre im Ausland unterwegs          dern noch mehr konnte ich den Umgang mit
war, hat mich in dieser Zeit trotzdem der       den Funktionären lernen. Das war eine Fra-
Begriff „Ausländer“ gekennzeichnet. Es ist      ge, die sich immer wieder auch im Ausland
aber zu akzeptieren, dass ich mich selbst in    stellte: Wie komme ich mit den Offiziellen,
manchem dieser Länder schon nicht mehr          mit den Funktionären zurecht? Das war
als Ausländer empfand. Dazu passt auch,         weit problematischer in Afrika oder Asien,
dass wir heute hier bei uns von den Proble-
men mit der Immigration sprechen, wenn
von den Menschen die Rede ist, die zu uns
nach Deutschland gekommen sind. Meine
Situation war anders, dass ich nämlich als
Repräsentant 36 Jahre lang Ausländer war
und davon je zur Hälfte 18 Jahre in Afrika
und 18 Jahre in Asien. In der gesamten Zeit
habe ich deshalb aber nie das erlebt, was
sich hier bei uns mit den Immigranten leider
so tut.

Man meint, wir könnten sehr stolz sein! Man     Treffen der Verbandssportlehrer 1961 auf der
bewundert den deutschen Fußball, man be-        Sportschule Schöneck. Mit dabei: Helmut
wundert den deutschen Fußballbund. Man          Schön, Sepp Herberger, Burkhard Pape

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als schon in Deutschland. Aber ich hatte in ich Verbandssportlehrer in Karlsruhe, lernte
meiner Heimat gelernt, wie auch mit schwie- viel, hatte aber stets die Worte von Sepp
rigen Leuten umzugehen war. Viel geholfen Herberger in Erinnerung und wußte, dass
hat mir ausserdem, dass ich bei Sepp Her- ich irgendwann einem solchen Ruf ins Aus-
berger, dem damaligen Bundestrainer, ei- land folgen würde.
nen „Stein im Brett“ hatte. Er war mit der Es war also 1965, als der DFB laufend An-
Nationalmannschaft mehrfach bei mir in fragen erhielt und zwar besonders aus Afri-
Karlsruhe auf der Sportschule, und der gute ka: „Wir wollen einen deutschen Trainer für
Kontakt zu ihm war sehr hilfreich für mich.   unsere Nationalmannschaft haben“. Zuerst
Eines Tage sagte er dort zu mir: „Burkhard, konnte der DFB nur antworten: „Dafür ha-
horche se mol! Se müsse was ins Ausland ben wir keine Trainer. Wir haben zwar Sepp
gehe! Se sin a guate Sportlährer un könne Herberger und seinen Assistenten Helmut
was!” Bei meinem bald darauf folgenden Schön, aber sonst niemanden dafür.“
Entschluß, dem Ruf ins Ausland zu folgen, Nachdem die Rufe nach einem deutschen
haben         diese                                                  Trainer immer lauter
Worte von Sepp                                                       wurden, kam man
Herberger stark                                                      aber doch zu der Er-
mitgewirkt. Den                                                      kenntnis, dass die
Reiz, so etwas zu                                                    E n t w i c k l u n g s h i l fe
tun, gab es vor-                                                     auch zum Vorteil von
her schon immer.                                                     Deutschland              viel-
Während         mei-                                                 leicht doch ebenfalls
ner DDR-Zeit bis                                                     mit einem Fußball-
1953 hatte ich                                                       trainer wirkungsvoll
schon immer von                                                      zu ergänzen war. Der
Reisen geträumt,                                                     DFB sprach mit dem
was in der DDR                                                       Auswärtigen              Amt,
oft ein Wunsch                                                       die Idee fiel dort auf
bleiben mußte.                                                       fruchtbaren Boden
Im Westen wurde                                                      mit der klaren Fest-
das zu meinem                                                        stellung:           „Warum
Glück richtigge-                                                     sollten wir das nicht
hend zum Hobby!                                                      auch einmal versu-
Die Reisen ins                                                       chen“! Es wurde bei
Ausland      waren                                                   diesen Gesprächen
meine Chance,                                                        aber auch deutlich,
viel für die eigene                                                  dass es nicht nur um
Horizonterweite-      Sepp Herberger und Helmut Schön                das Training einer Na-
rung zu tun. Ich                                                     tionalmannschaft ge-
habe sehr deutlich den Unterschied erlebt, hen würde, sondern auch um die Ausbildung
ob man lediglich für 2 bis 3 Wochen eine von Trainern, die jene Lücke füllen müssten,
oberflächliche Erfahrung als Tourist im Aus- die nach dem Weggang des deutschen Trai-
land machen konnte oder ob man mehrere ners entstehen könnte. Zu dieser „Hilfe zur
Jahre dort zwar ein Ausländer blieb, aber oft Selbsthilfe“ ist es dann auch gekommen! Es
den Eindruck haben konnte, fast zum Ein- war Sepp Herberger, der meinen Namen da-
heimischen geworden zu sein.                  mals ins weitere Spiel brachte. Er wies auf
Dazu kam es aber erst 1965. Bis dahin war mich als standfesten Verbandssportlehrer

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hin, der sicher für eine solche Aufgabe qua-      Das ist ebenfalls in West-Afrika und nicht
lifiziert sei, weil er erfolgreich Mannschaften   weit vom Kongo entfernt. Wir haben hier
trainieren würde, mit der Amateurauswahl          gerade den Sportminister von diesem Land
auch schon zu Spielen in anderen Ländern          zu Besuch und der hat uns gesagt, dass
wie z.B. der USA gewesen sei. Er könne auch       er nicht eher aus Deutschland weggehen
Trainer ausbilden, was er laufend tun wür-        würde, wenn er nicht einen deutschen Trai-
de, weshalb er eine solche Aufgabe sicher         ner mitnehmen könnte.“ Für mich klangen
mit grossem Einsatz und Aussicht auf Erfolg       diese mit einem solchen Nachdruck ausge-
angehen könne. Und dieser Kandidat sei            sprochenen Worte recht überzeugend, und
bereit, eine derartige Aufgabe zu überneh-        ich fragte natürlich, ob ich mich mit diesem
men.                                              Minister beim DFB treffen könnte, um ihn
Sepp Herberger war eine anerkannte Auto-          kennen zu lernen. Nach dem O.K. fuhr ich
rität! Und mit seiner Fürsprache ging plötz-      also nach Frankfurt. Auffallend an diesem
lich auch alles Ruck-Zuck. Wir trafen uns         Minister war, dass er sich als Mann mit kräf-
in Bonn, wo damals das Auswärtige Amt             tiger Leibesfülle herausstellte, weshalb es
residierte, das Innenministerium wurde mit        in meiner direkten Art sofort meine erste
hinzugezogen und man kam mit dem DFB-             Aktion gewesen ist, ihn über seinen Bauch
Beauftragten Passlack ganz schnell zu den         zu streicheln und zu sagen: „Wenn ich also
nötigen Regelungen. Für mich war jedenfalls       nach Sierra Leone komme, dann bist Du ei-
klar: Wenn die Regierung dahinter steht,          ner meiner ersten Patienten! Denn so geht
dann kann ich mich darauf einlassen, dann         das nicht als Sportminister!“ Das berühmte
passen die Bedingungen. „Ob jetzt Afrika,         afrikanische Lachen ertönte daraufhin
Alaska oder Asien – ich bin bereit, das zu        durch die Hallen des deutschen Fußball-
machen!“, das war meine Einstellung. Und          bundes und dieser Mann aus Sierra Leone
ich wußte auch, dass mir niemand vom DFB          und ich waren uns gleich näher gekommen.
und von den Regierungsbeamten sagen               Das hat mir später in seinem Land sehr ge-
konnte, was genau mich dort erwartet und          holfen, nämlich meine Art, recht burschikos
wie ich damit umzugehen hätte.                    mit allen meinen Gesprächspartnern ohne
Zuerst hieß es noch in Bonn, ich könne da-        Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stel-
von ausgehen, dass der erste Versuch sechs        lung umzugehen.
Monate im Kongo sein würde. Man fragte            Dazu kam auch noch, dass ich Hennes Weil-
mich zum wiederholten Male, ob ich das tun        weiler – der auf der Sporthochschule in Köln
würde, und ich antwortete erneut: „Ich bin        auch mein Lehrer gewesen war – dort in
zu allem bereit, selbst wenn Ihr mich jetzt       Köln besuchte, wo sich auch zwei Fußballer
in die Antarktis oder wohin auch immer sen-       aus Sierra Leone in der Trainer-Ausbildung
den würdet“!                                      befanden. Beide waren zwar noch nicht so
Es war somit alles klar. Die Ausreise war für     weit, dass sie ihr Diplom bekommen konn-
Anfang Februar 1966 eingeplant. Ich muss-         ten, aber ich sollte sie auf Wunsch von
te auf der Sportschule Ende des Jahres und        Hennes Weisweiler gleich mit in ihr Land zu-
im Januar vorher noch einige Prüfungen            rücknehmen und sie dort weiter ausbilden.
abnehmen. Plötzlich kam aber im Dezem-            Den Grund dafür war, dass nämlich beide
ber der Anruf: „Würden Sie denn auch nach         nur sehr schlechtes Englisch sprachen und
Sierra Leone gehen?“ Zuerst musste ich            dem theoretischen Unterricht nicht beson-
fragen: „Wo ist das denn? Das hört sich so        ders gut folgen konnten. Ich bin jedenfalls
nach Südamerika an.“ Die Antwort vom Aus-         später in ihrem Land mit den Beiden sehr
wärtigen Amt war: „Wir mussten auch erst          gut zurecht gekommen und habe sie zu gu-
einmal nachschauen“.                              ten Sportlehrern ausbilden können.

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Es gab dann noch ein Gespräch im Auswär-       Uganda die nächste große Herausforderung
tigen Amt mit dem späteren Bundeskanzler       auf mich zu. Die erste Station war für mich
und damaligen Außenminister Willy Brandt.      als Vorbereitung für die weiteren Stationen
Wir sprachen auch über die Verbindungen        mehr als lehrreich und das zu einer Zeit im
zu meinem Elternhaus in Magdeburg. Mein        Jahr 1966, als es bei uns in Deutschland
Vater war früher Bundesjugendführer im         sehr wenig Wissen über Afrika gab.
Deutschen Reichsbanner gewesen, was
Willy Brandt bekannt war. Nachdem er mich
dazu befragt hatte, sagte er noch: „Herr       Afrika vor 33 Jahren
Pape, wir wissen gar nicht, was Sie da ei-     Burkhard Pape berichtet im Jahre 1975 in
gentlich alles in Afrika machen sollen?“ Ich   der Fachzeitschrift „Der Fussballtrainer“
konnte nur sagen: „Ja, Herr Außenminister,     (siehe Bild S. 14) über seine Erlebnisse vor
das weiß ich eigentlich auch nicht. Das kann   Ort. Der vorliegende Artikel und das dort
mir nämlich niemand genau sagen!“ Willy        präsentierte Afrikabild muten sicherlich ein
Brandt meinte daraufhin: „Machen Sie dort      wenig überholt an, beweisen daher um so
bloß keinen Mist!“                             deutlicher, welche Veränderungen, auch
Ich behaupte heute, nachdem 36 Jahre im        dank der Sportentwicklungshilfe, in vier
Ausland daraus geworden sind, dass ich         Jahrzehnten vor sich gegangen sind... :
wohl kaum „Mist“ gemacht habe. Auch aus
diesem Anfang in Sierra Leone, für den ur-     Sport und Politik
sprünglich insgesamt 6 Monate eingeplant
waren, wurden dann nach mehreren Verlän-       Im Leben der Afrikaner spielt der Sport eine
gerungen zwei Jahre.                           besondere Rolle. Man verspricht sich vom
Später kam nach dieser Anfangszeit in          Sport, in einigen Bereichen auch mit Recht,
meinem ersten afrikanischen Land mit           eine Chance der Anerkennung, die auf ande-




Trainingseinheit unter freiem Himmel: Burkhard Pape und konzentrierte Zuhörer

                                                12
ren Gebieten noch nicht so schnell zu erwar-    ständig das Gespenst „Prestige“ im Nacken
ten ist. Man hat eine Möglichkeit gefunden,     stehen. Schulsport, Jugendarbeit, Lehrer-
sich den Bewohnern anderer Länder, Konti-       und Übungsleiterausbildung sind Dinge, die
nente, auch den Völkern anderer Hautfarbe       Zeit und Geld kosten, aber eben erst nach
als ebenbürtig oder gar überlegen zu erwei-     Jahren Erfolge bringen. Wenn sich diese
sen. Dies ist ein Faktor, der den Sport zu      Einstellung nicht ändert, wird der afrika-
einem politischen Hilfsmittel werden lässt,     nische Fußball weiterhin nur als exotischer
aber leider der kontinuierlichen Entwick-       Farbtupfer auf internationalem Parkett er-
lung im Wege steht. In Afrika ist der Sport     scheinen, wie beispielsweise Zaire bei der
ein Politikum ersten Ranges. Allerdings aber    letzten Weltmeisterschaft 74. Zaire hat mich
auch eines voller Widersprüche. Wirtschaft-     nicht enttäuscht, da ich nicht mehr erwartet
liche Schwierigkeiten sind nur eins jener       hatte. Die Publikumslieblinge gingen zwar
Probleme, die eine gute Sportorganisation       kämpfend unter, verstanden auch durch
erschweren. An Geld mangelt es immer.           einige Kabinettstückchen das Publikum zu
Ein Teil der jungen afrikanischen Staaten       begeistern. Was aber fehlte, waren Routine,
sieht im Sport ein Mittel, um das Prestige      Stellungsspiel, taktische Marschregeln, von
des eigenen Landes zu stärken. Es gibt aber     Spielerpersönlichkeiten ganz zu schweigen.
auch massgebliche Persönlichkeiten ande-        Wieder einmal gab es keine Chance für den
rer Staaten, die der Meinung sind, dass eine    Schwarzen Erdteil.
gemeinsame afrikanische Sportbewegung
ein echtes Mittel sei, um zu einer grossen      Der Hemmschuh des Prestigedenkens
politischen Gemeinschaft zu kommen. Die
Folgen solcher Politik haben wir leider schon   Da ich nun selbst seit Jahren in Afrika tätig
erleben müssen, als der afrikanische Sport      bin — in der Zwischenzeit mit vielen anderen
groβen Druck ausübte auf die Olympischen        Kollegen —, weiβ ich, daβ das Prestigeden-
Spiele in München in der Frage der Teilnah-     ken für uns ein sehr groβer Hemmschuh ist.
me von Rhodesien.                               Ich habe in West- und Ostafrika einige Revo-
                                                lutionen erlebt. Die Arbeit mit der National-
Ein weiteres Problem der Beziehung von          mannschaft ging danach immer sehr schnell
Sport und Politik ist, daβ in den meisten       weiter. Andere Pläne wurden erst mal zu den
Ländern der Sport, oder besser seine Orga-      Akten gelegt, da sie ja vom Vorgänger wa-
nisation, politisch abhängig ist und durch      ren. Ob in West- oder Ostafrika, ich konnte
Staatsstreiche und Revolutionen immer wie-      immer nur den Weg gehen, der für uns zu
der zurückgeworfen werden kann.                 Hause kaum verständlich erscheint: Erst
                                                Spitzensport, dann kommt die Breite. Lei-
All diese Dinge, politisches Denken, Über-      der wird dann aber die Breite auch wieder
bewerten des Prestiges, politische Abhän-       sehr schnell vergessen, wenn die Spitze auf
gigkeit, hindern die kontinuierliche Ent-       einmal für afrikanische Verhältnisse sehr er-
wicklung und die organische Aufbauarbeit,       folgreich ist.
die notwendig wäre, um den Anschluβ an
andere Länder zu erreichen. Es ist nicht        All dies macht es auch verständlich, dass
damit getan, bei der Teilnahme an grossen       man hier bei unserer Arbeit gezwungen ist,
sportlichen Ereignissen immer wieder zu         sehr schnell zu improvisieren. Ich glaube
erklären: Wir sind gekommen, um zu ler-         kaum, dass ein Fussballehrer in Deutsch-
nen. Die Jahre zwischen grossen Sporter-        land so vielseitig sein muss, wie es hier die
eignissen müssen genutzt werden, um den         Verhältnisse von uns verlangen. Man hat
Aufbau zu fördern. Dabei darf aber nicht        dort doch für viele Dinge „seine“ Leute. Es

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gibt eine Art von Arbeitsaufteilung. Hier, im   organisieren, dass wirkliche Vergleiche mit
Ausland, müssen wir alles in einer Person       anderen auch möglich waren. Kaum vor-
verkörpern, einmal, weil es notwendig ist,      handenes oder schlechtes Sportmaterial
zum anderen setzt man es bei uns voraus.        setzte weitere Improvisationskunst voraus.
Es wird einfach erwartet.                       Zum Krafttraining mussten dann auch mal
                                                          Steine oder Kokosnüsse aushel-
                                                          fen, Palmen am Strand oder Ba-
                                                          nanenstauden wurden als Sla-
                                                          lomstangen zweckentfremdet.
                                                          Persönliche      Schwierigkeiten,
                                                          unabhängig von den Menschen,
                                                          kamen dazu: Sprachbarrieren,
                                                          Wohnungsfrage, eigener Trans-
                                                          port, an wen kann man sich auch
                                                          mal mit einer fachlichen Frage
                                                          wenden, wen um Rat fragen,
                                                          sich eindenken in die Mentalität
                                                          des Afrikaners. Alles Dinge, die
                                                          sehr belasten können. Mit der
                                                          Zeit lernt man aber auch diese
                                                          Hürden zu meistern. Leicht ist es
                                                          sicherlich keinem von uns gefal-
                                                          len. Man muβte eben „seinen“
                                                          Weg finden. Von den Afrikanern
                                                          akzeptiert werden, heisst nicht
                                                          nur, auf fachlichem Gebiet Vor-
                                                          bild zu sein, das ist vielmehr
                                                          eine unbedingte Voraussetzung.
                                                          Das psychologische Problem
                                                          bei solch einem Einsatz dürfte
                                                          für viele das gröβte Hindernis
                                                          sein: Die Gewalttätigkeiten und
                                                          die Arroganz der früheren Kolo-
                                                          nialherren haben tiefe Wunden
                                                hinterlassen. An uns liegt es, zu bewei-
Es begann in Sierra Leone                       sen, dass wir wirklich helfen wollen. Als
                                                erstes muss man dem Afrikaner klarma-
Zwei Jahre Westafrika, zwei Jahre Sierra        chen, dass ein Klassenunterschied, be-
Leone, das war mein erster Einsatz in Afri-     dingt durch die Hautfarbe, für uns nicht
ka. Es waren schwere, aber auch schöne          besteht, und zwar nicht nur durch nette
Jahre. Von der Mentalität und „Arbeitswut“      Reden, sondern durch Taten. So zu leben,
der Afrikaner hatte ich noch keine Vorstel-     wie der Afrikaner, ist dabei nicht notwen-
lung. Mit der Nationalmannschaft zu ge-         dig. Unserem Können, unserer Zivilisation,
winnen, setzte man voraus, da man ja jetzt      unseren Lebensgewohnheiten konnten wir
einen deutschen Trainer hatte. Aber hier        gerecht werden und dennoch das feste
war echte Pionierarbeit notwendig: Spieler      Vertrauen der Leute gewinnen. Kleine Din-
im Lande zu finden; den Spielbetrieb so zu      ge helfen dabei, diesen Weg leichter zu be-

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schreiten: Transport der nass geschwitzten     sagt, man sollte Pape zu diesem Zeitpunkt
Spieler, auch einmal im eigenen Auto, eine     nicht gehen lassen. Wir haben erst jetzt die
EInladung der Mannschaft zum Kaffee            Früchte seiner Arbeit zu sehen bekommen.
ins eigene Heim Bis zu höchsten Stellen        Wenn wir Pape gehen lassen, wird Ugan-
muss man versuchen, auch auf sozialem          da sofort bereit sein, sich ihn zu schnap-
Gebiet eine Verbesserung der Spieler und       pen. Zur Zeit können wir es uns aber nicht
ihrer Familien zu erreichen. Dienstlich und    leisten, den Standard im Fuβball wieder
auch privat habe ich sehr viele Reisen         sinken zu lassen. Noch haben wir keinen
(überwiegend Safaris) in das tiefste Innere    Nachfolger. Ein weiteres Jahr unter Pape
des afrikanischen Urwalds unternommen.         würde für uns viele Probleme lösen“.
Entweder waren es Reisen zu den Ge-
burtsorten der Spieler, Besuche bei ihren      Nun aber, ich ging. Im Gepäck viele Erfah-
Angehörigen, oder Fahrten zu Lehrgängen,       rungen auf fachlichem Gebiet, Erfahrungen
„nup country“, oder Safaris, die wir einfach   in der Behandlung der Menschen, aber im
unternahmen, um noch ,,echtes“ Afrika zu       Gepäck auch Geschenke der Afrikaner
erleben, ein Afrika, wie wir es uns in un-     und Filme und Farbdias von einem Land,
serer Jugend erträumt hatten. Die Kon-         das wir natürlich viel gründlicher kennen
takte werden geknüpft in dem Milieu, aus       gelernt haben als ein Tourist in wenigen
dem die Spieler kommen. Vieles wurde für       Wochen.
mich leichter verständlich. Auch der groβe     In Lagos ein uns schon vertrautes Bild: Sol-
Zauberer „Ju-Ju“, der auch heute noch im       daten mit Maschinenpistolen. Da sie nicht
Leben des Afrikaners eine bedeutende           auf uns gerichtet waren, was schliesslich
Rolle spielt. Der Europäer sollte sich nicht   auch schon mal der Fall war, störte es uns
einbilden, über diesen Dingen zu stehen!       nicht. Weiter ging es ´gen Osten.
Aberglaube, kultische Gemeinden, Feti-
schismus, der Glaube an das Horoskop der       Daβ die klimatische Umstellung von West
Tageszeitung usw., all diese Dinge haben       nach Ost keine Probleme brachte, war für
auch heute noch (oder heute wieder) einen      meine Arbeit ein erster wesentlicher Faktor.
Platz in unserer Gesellschaft. Mir gelang      Eine Umstellung betraf den Sport selbst.
es, das Vertrauen meiner Spieler so weit zu    Organisatorisch war in Uganda alles leich-
gewinnen, daβ man mir sogar erlaubte, vor      ter als in Sierra Leone. Seit Jahren gab es
einem Länderspiel gegen Guinea als Euro-       ein „National Council of Sports“, Träger al-
päer dabeizubleiben, als zwei Stunden vor      ler Sportarten, herrliche Rasenflächen, wo-
Spielbeginn der groβe „Ju-Ju“-Mann kam,        bei selbstverständlich das gute Klima eine
um seine kultisch-heilige Handlung vorzu-      wesentliche Rolle spielte, eine Sporthalle
nehmen. Ich war tief beeindruckt, einmal       für 2500 Zuschauer, einen geregelten
durch das Erlebnis, aber auch von dem          Spielbetrieb in den Regionen, aber leider
hohen Vertrauensbeweis. Man wollte mir         auch nur wenige ausgebildete Trainer. Da
zeigen, ich sei einer von ihnen.               ein Afrikaner als Nationaltrainer fungierte,
                                               war meine erste Hauptaufgabe die Orga-
Von West nach 0st                              nisation des Spielbetriebs und die Ausbil-
                                               dung von Trainern und Übungsleitern. Ich
Trotz gröβter Anstrengung der Afrikaner,       war darüber nicht böse, enthob es mich
mich weiter im Lande zu behalten, hiess        doch des Problems, immer nur ans Siegen
es für die Familie packen und es ging quer     denken zu müssen, was man ja von einem
durch den Kontinent nach Ostafrika. Die        deutschen Trainer erwartet. Die pädago-
Staatszeitung schrieb dann: „Offen ge-         gische Aufgabe mit Lehrern, Übungslei-

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tern und Trainern hatte auch ihre Reize und      nur dienstlich, sondern auch privat Türen
- freie Wochenenden standen in Aussicht!         zu den höchsten Stellen öffnete. Was dies
Die ersten Lehrgänge wurden durchgeführt,        bedeutete, weiß nur derjenige, der längere
die Technical Colleges boten sich dabei mit      Zeit im Ausland tätig war und die Probleme
ihren Sportanlagen an. Nach den erfolg-          kennt, die auf allen Gebieten auftauchen
reichen Lehrgängen sah man nun auch, daβ         und auch vom Arbeitgeber in Bonn kaum
dadurch eine Möglichkeit gegeben war, den        behoben werden können.
Sport im Landesinneren zu fördern, denn
auch in Afrika ist ein Talent weder an einen     Durch gute Kontakte konnte man fast Un-
Ort noch an eine Zeit gebunden. Nur muβ es       mögliches, dienstlich und privat, möglich
eben gefunden werden!                            machen.

Schwarz-weiβe Kooperation                        Erfolge im Afrika-Pokal

Nach kurzer Zeit bat man mich dann aber,         Da die Spiele innerhalb Ostafrikas einer In-
auch das Training und die Arbeit mit der         zucht glichen, überzeugte ich den Verband
Nationalmannschaft zu übernehmen. Da             von der Notwendigkeit, am Afrikapokal der
meine Bedingung, daβ mir der Afrikaner als       Nationen und der Landesmeister teilzuneh-
Assistent zur Verfügung steht, angenommen        men. Bedingt durch die Auslosung kommt es
wurde, kam es zu einer guten afrikanisch-        dabei zu Vergleichen mit anderen Ländern
deutschen Zusammenarbeit.                        und auch Teilen Afrikas. Mit der Teilnahme
Nach zwei Jahren hatte ich eine Jugendna-        an diesem Turnier wurde mir immer automa-
tionalmannschaft ins Leben gerufen. Somit        tisch auch das Training des Landesmeisters
bekam mein Assistent eine selbständige           übertragen - eine sehr erfolgreiche Tätigkeit
Aufgabe, bei der ich nur noch beratend zur       in Verbindung mit der Nationalmannschaft.
Seite stand. Ein anderer Afrikaner, der vor-     Zuerst kamen wir mit dem Vereinsmeister
malige Spielführer der Nationalmannschaft,       bis ins Semifinale, zwei Jahre später bis ins
wurde mein Assistent und brachte es bis zu       Endspiel. Der zweite Versuch mit der Nati-
einer Ausbildung in Köln als Fuβballehrer.       onalmannschaft im Afrikapokal führte uns
Eine Nationalliga wurde eingeführt, um die       nach großartigen Siegen in der Qualifikati-
Leistungsstärke zu verbessern. Sie spielte
über das ganze Land, und trotz Geburtswe-
hen und „afrikanischen“ Schwierigkeiten
wurde sie von Jahr zu Jahr erfolgreicher.
Die jährliche Teilnahme am Ostafrikaturnier
war für Uganda immer ein groβes Ziel. Daβ
dabei nicht nur sportliche Belange, sondern
auch politische eine Rolle spielten, war klar.
Wer ist der ,,Gröβte“ im Land? Uganda,
Kenia, Tansania oder Sansibar? Nun, die
,,Gröβten“ wurden wir. In meiner sechsjäh-
rigen Tätigkeit konnte Uganda viermal den
Pokal gewinnen, einmal wurden wir Zweiter,       on - erstmals für Uganda - bis ins Endturnier
und einmal wurde er nicht ausgetragen, da        nach Kairo. Eine Deutschlandreise meiner
Krieg im Lande war. Zweimal gewannen wir         Truppe bildete einen weiteren Höhepunkt.
den Pokal mit den Junioren. für Ostafrika        Das Länderspiel gegen die Amateure des
durchaus ein stolzer Rekord, der mir nicht       DFB in Bamberg ging nur knapp 1:2 verlo-

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ren.                                             eigentlich alles erreicht, was den Leistungs-
Eine Revolution im Land - Idi Amin Dada          stand der Nationalmannschaft betraf. für
kam an die Macht - änderte nichts an mei-        den weiteren Unterbau fehlten die notwen-
ner Arbeit. Unter guter Bewachung und bei
,,Kriegsverhältnissen“ ging alles ordentlich
weiter.

Als erstmals eine Ostafrika-Auswahl aufge-
stellt wurde, mit Spielern aus allen vier Län-
dern, wurde mir die Ehre zuteil, als Trainer
dieser Auswahl berufen zu werden. Im Zuge
der Afrikanisierung war es für mich als Eu-
ropäer eine groβe Anerkennung von Seiten
der Afrikaner. So kam ich nach fast sechs-
jähriger Arbeit in Uganda, neben der Ausbil-
dung von Trainern und Übungsleitern, auch
zu einem nicht schlechten Rekord, nämlich
                                                 zu Gast bei Idi Amin
52 Siege, 18 Unentschieden und nur 13
Niederlagen.                                     digen Gelder. Großartige Abschiedspartys
                                                 machten uns das Abschiednehmen noch
Es war eine lange, nicht immer leichte,          schwerer, lieβen wir doch viele Freunde in
aber doch schöne und erfolgreiche Zeit in        Ostafrika zurück.
Uganda. Die Tage der Unruhen sind heute
vergessen, wo man bewaffnet ins Kino oder        Von der Nilquelle bis zur Mündung
zu einer Party fuhr, wo Überfälle an der Ta-
gesordnung waren, wo man nachts oft mit          Von der Quelle des Nils verschlug es uns ca.
dem Gewehr durchs Haus schlich, weil man         600 km nördlich an die Mündung des Nils,
annahm, dass mit Pangas (Buschmessern)           dem Lebensspender Ägyptens. Ein neues
bewaffnete Banden ins Haus einzudringen          Einsatzland, ein neuer Wohnort, Kairo, un-
versuchten. Die Stunden der Angst sind           sere neue Heimat. Neue Probleme, neue
nicht zu zählen, die meine Frau allein mit       Bekannte, neues Einleben, neues Herantas-
Sohn im Haus verbrachte, da meine Tätig-         ten an die schon vorhandenen Institutionen,
keit mich oft ins Ausland oder auβerhalb         eigene Gedanken. Aber dies sind unsere
Kampalas führte. Dass auch meine Frau mit        Probleme, mit denen wir leben, wir können
Waffen umzugehen weiss, war dabei nur            auch nicht erwarten, daβ zu Hause dafür im-
ein kleiner Trost. Passiert ist allerdings nie   mer volles Verständnis aufgebracht wird.
etwas. Die Angst war jedoch berechtigt, da
selbstverständlich in allen Zeitungen meine      Ägypten nimmt mit Sicherheit eine Sonder-
Abwesenheit nachzulesen war.                     stellung ein unter den Ländern am Mittel-
                                                 meer. Ägypten, das Land der Pyramiden, eine
Nach fast sechs Jahren wurden von Seiten         faszinierende, auch heute noch geheimnis-
der Uganda-Regierung alle Anstrengungen          volle Welt am Nil. Tempel, Gräber, Riesen-
gemacht, mich auch weiterhin im Lande zu         bildwerke haben schon Römer und Griechen
behalten. Präsident Idi Amin, ehemals selbst     im Altertum in ihren Bann gezogen. Ein Dich-
Sportler. zu dem ich auch gute freundschaft-     ter sagte einmal: ,,Der Ägyptische Boden ist
liche Beziehungen hatte setzte sich selbst       Gold, der Nil ist ein Wunder, die Ägyptischen
dafür ein. Aber nach solch langer Zeit war       Frauen sind wie himmlische Huris, und

                                         17
sich, sondern eher etwas Verwir-
                                                        rendes, Gegensätzliches. Eine un-
                                                        beschreibliche Bürokratie und eine
                                                        geplante Volkswirtschaft, nach so-
                                                        zialistischem Vorbild gelenkt, führt
                                                        dazu, daβ Konsumgüter heute noch
                                                        sehr knapp sind. Menschenschlan-
                                                        gen vor den Staatsläden sind an
                                                        der Tagesordnung, das Wort Luxus
                                                        findet man nur bei sehr wenigen,
                                                        der „Bakschisch“, das „Öl zwischen-
                                                        menschlicher Beziehungen“, hilft
                                                        doch immer wieder weiter.

                                                        Malesh

                                                         Seit der Revolution 1952 regieren
                                                         erstmals Ägypter über Ägypten. In
                                                         den über 20 Jahren völliger Selb-
                                                         ständigkeit haben Kriege und po-
                                                         litische Ereignisse aller Art tiefe
                                                         Einschnitte in den Ablauf der Wirt-
                                                         schaft und auch im Sport gebracht.
                                                         Stillstand heiβt Rückgang, nicht nur
                                                         für den Sport. 30 Mill. Menschen le-
                                                         ben heute in Ägypten, davon etwa 7
                                                         Millionen in Kairo. Fast 2 Millionen
                                                         wurden nach dem ersten Krieg aus
                                                         den Städten Suez, Ismailia und Port
                                                         Said evakuiert. Mit der Eröffnung
                                                         des Suezkanals werden diese Leute
 Gespannt verfolgt Pape die Künste seiner                wieder zurückgehen. Ob das spür-
           ägyptischen Jungs                    bar wird, ist fraglich, da täglich 3000 neue
Kairo ist die Stadt der Städte! „ Welch ein     Ägypter das Licht der Welt erblicken. Ein Pro-
Glück. dass der Beruf mich dorthin brach-       blem, welches sicherlich nicht kleiner wird,
te, wo Jahr für Jahr Tausende von Touristen     denn vor zehn Jahren waren es ,,nur“ 1000.
ihre Träume von ,,Tausendundeiner Nacht“        Die Kriege haben auch in Kairo groβe Nar-
verwirklicht sehen wollen. Nur, mit Traumen     ben hinterlassen, die Stadt ist abgenutzt,
ist es bei mir nicht getan. An den Pyramiden    der Schmutz dringt aus allen Winkeln, der
fahre ich täglich vorbei. In Ägypten gibt es    Zustand der meisten Strassen ist seit Jah-
aber groβe Probleme, was nach Revolution        ren unverändert, der Verkehr hat aber be-
und zwei Kriegen gar nicht verwunderlich        ängstigend zugenommen. Überfüllte Busse,
ist. Heute spricht man hier von einem ,,Wirt-   uralte Autos auf den Straβen, die oftmals
schaftswunder“. Dies bezieht sich aber wohl     kaum mit den notwendigen Lichtern ausge-
darauf, dass es doch immer irgendwie wei-       rüstet sind, der Verkehrsfluβ, die Art zu fa-
tergeht. für westliche Besucher hat dieses      hren, sich durchzusetzen, ist unvorstellbar.
Wunder nämlich wenig Wunderbares an             Der Besucher, vom Flughafen abgeholt, at-

                                                 18
met erlöst auf, wenn er das Haus erreicht        mern. In Ismailia und Port Said regen sich
hat. Er braucht Tage, um nicht immer wie-        erste Lebenszeichen, die Bevölkerung kehrt
der als Beifahrer zu erschrecken. Um dies        zurück. Der Aufbauminister Osman Ahmed
zu begreifen, muβ man eben die ,“Malesh“-        Osman (auch Präsident eines Sportklubs,
Einstellung der Ägypter kennen (Malesh           der schon in Bremen spielte) hat grosse
ist ein Wort, das ,,Vergebung“ und ,,macht       Pläne. Man setzt groβe Hoffnungen auf die
nichts“ bedeuten kann), sich nämlich hin         Deutschen, wohl beeindruckt von unserer
und wieder rücksichtslos und auch manch-         Aufbauleistung nach dem Kriege. Wirt-
mal mit nicht ganz korrekten Mitteln durchs      schaftsdelegationen geben sich in Kairo die
Leben zu boxen. Dies ist aber nur eine Seite,    Türklinke in die Hand, sind Dauergäste in
mit deren Schwierigkeiten sich nur der Orts-     den Hotels. Warten wir ab, was kommt. Die
ansässige auseinanderzusetzen hat. Dem           wichtigste Voraussetzung für das Gelingen
Touristen eröffnet sich eine andere Welt.        dürfte wohl sein, daβ im Nahen Osten kein
Herrliche ägyptische Restaurants in der          neuer Krieg ausbricht, der mit Sicherheit
Stadt und am Nil, wo sich dann bei unter-        nicht nur Tage dauern würde.
gehender Sonne die Feluken-Boote auf dem
trägen Wasser treiben lassen oder gar ge-        Standort des Sports in Ägypten
gen den Strom segeln. Die 7-Millionen-Stadt
ist voller Dokumente vorchristlicher Vergan-     Stillstand heiβt Rückgang. Wo steht nun
genheit, voll der Stätten islamischer Kunst.     der Sport in Ägypten? Die Vergangenheit
Bei wechselnder Beleuchtung ist es immer         hat gezeigt, dass bei dem 35-Millionen-Volk
wieder ein bedrückend-faszinierender An-         ein sehr grosses Potential für den Sport
blick, über die riesigen Gebiete der Mame-       vorhanden ist. Die Ägypter haben von allen
lukkengrabmäler zu blicken, ein enormes          afrikanischen Staaten schon die gröβten
Gräberfeld mitten in der Stadt, dazwischen       Fortschritte gemacht. Medaillen und inter-
viele herrliche Moscheen. über allem dann        nationale Siege sprechen heute noch da-
die Zitadelle mit der groβen Mohamed-Ali-        von. Die deutsche Nationalmannschaft hat
Moschee. Das ägyptische Museum und die           hier in Kairo 1958 1:2 verloren, mit Spielern
Pyramiden von Gizeh und Sakkara sprechen         wie Rahn, Tilkowski, Schnellinger, Morlock,
für sich selbst. Der Blick von der Sahara-City   Schäfer. Nationalmannschaften aus aller
auf die Pyramiden, den Nil, im Hintergrund       Welt waren hier schon zu Gast. Real Madrid
Kairo, dann wieder Wüste, dürfte auch für        in seiner gröβten Zeit spielte zur Eröffnung
einen Touristen, der sich nicht so genau         des 100 000 Mann fassenden Nasser-Sta-
in der Geschichte des alten Ägyptens aus-        dions.
kennt, unvergesslich bleiben. Der nächt-
liche Lichtzauber um Sphinx und Pyramiden        Ein organisiertes Vereinsleben, mit Kluban-
versetzt den Besucher in die fünftausend         lagen für alle Arten von Sport, dürfte für Afri-
Jahre alte Kultur der Pharaonen. Fahrten         ka (und nicht nur dort) als vorbildlich gelten.
nach Luxor, Kharnak, Assuan bilden weitere       Der Gezira-Sporting-Club z. B. gilt als einer
Möglichkeiten, um Ägypten als Reiseland zu       der gröβten Klubs in der Welt. Er hat über
entdecken.                                       30 000 Mitglieder, die ca. 20 verschiedene
                                                 Sportarten betreiben können. Die Klubs
Gross sind nun die Pläne der Ägypter für den     haben eigene Stadien und eine Anhänger-
weiteren Ausbau des Landes. Der Suezka-          schaft, die sich fast schon familiär vererbt.
nal mit seinen Millionen-Dollar-Einnahmen        Mitglied in solch einem Klub zu sein, zählt
im Jahr spielt dabei die gröβte Rolle. Noch      schon etwas.
ist er Sperrgebiet, noch liegt Suez in Trüm-

                                         19
Der Fuβball ist auch hier Sportart Nr. 1.      Uganda! Die Zeit war zu kurz, um wenige
Das Problem der Aufstellung einer Na-          Wochen vor Turnierbeginn noch entschei-
tionalmannschaft liegt hier nicht wie in       denden Einfluβ - vom Training abgesehen
Schwarzafrika im Stammesdenken, son-           - auf die Mannschaft auszuüben. Seit Mo-
dern in der Rivalität der Vereine. Bei be-     naten gab es kriegsbedingt keinen Spiel-
sonderen Punktspielen kommen oft 100           verkehr, kein geregeltes Training, es fehl-
000 Zuschauer. Da das eigene Stadion           te einfach an Wettkampfpraxis. Da auch
nicht ausreicht, weicht man in das grosse      das härteste Training keinen Wettkampf
Nasser-Stadion aus. Ein Freundschafts-         ersetzt, wurden Testspiele in der Vorberei-
spiel der Eintracht Frankfurt im letzten       tungszeit ausgetragen, erst A gegen B. was
Sommer brachte auch hier gegen eine            ja auch selten einen echten Einblick gibt,
Vereinsmannschaft etwa 60 000 Leute            dann Spiele gegen Dukla Prag als Trai-
auf die Beine. Aber wie sieht es mit der       ningspartner. Leider kam es dabei zu den
heutigen Leistungsstärke im ägyptischen        bekannten Zwischenfällen im Zamalek-
Sport aus? Die Vergangenheit ist Geschich-     Stadion. Nach solch einer langen Fussball-
te - eine Hypothek, die belasten kann. Zwei    pause war die Begeisterung noch grösser
Kriege haben den Sport und nicht nur den       als erwartet. Das Stadion wurde gestürmt.
Fuβball - um Jahre zurückgeworfen. 1948        Zu einem Spiel kam es nicht, aber zu einer
wurde eine Nationalliga gegründet, aber        Katastrophe. über 40 Tote wurden dann
nur neunzehnmal konnte sie bis zum Ende        später gezählt.
durchgespielt werden. Immer wieder kam
es zu Unterbrechungen. Wir wissen alle,        Dies war psychologisch auch nicht gerade
daβ gerade in den letzten zehn Jahren die      der beste Weg der Vorbereitung, aber es
Entwicklung im Leistungssport so sprung-       musste weitergehen. Persönliche Schwie-
haft gestiegen ist, daβ den Anschluβ zu ver-   rigkeiten traten auch mal wieder auf.
lieren fast einer Katastrophe gleichkommt.     Transportschwierigkeiten, Wohnungssuche
Beispiele auf vielen Gebieten des Sports in    usw., Dinge, die gerade in solch einer Zeit
vielen Ländern gibt es dafür genug.            die Arbeit nicht gerade erleichtern. Doch
                                               Improvisieren, sich den Gegebenheiten
Mich reizte diese Aufgabe. In Spielen mit      anpassen, auch wenn es nicht in den vor-
Uganda gegen Ägypten konnte ich sehen,         gefertigten Plan paβt, sind eben Dinge,
welche Kräfte dort zu fördern sind, die        die man können muβ, die ich mir auch in
auch auf internationalem Leistungsge-          den knapp 10 Jahren Afrika gut angeeig-
bieten mitreden könnten, aber auch, daβ        net habe. Sehr viel kollegiale Unterstüt-
durch die schon vorhandenen Vereine eine       zung erhielt ich von Dettmar Cramer, der
gute Breitenarbeit möglich ist.                in seiner Eigenschaft als Trainer der FIFA
                                               im gleichen Zeitraum hier Trainerlehrgän-
Mit der neuen Mannschaft gegen die alte        ge abhielt. Die Pokalspiele selbst hatten
                                               kein sehr hohes Niveau, gemessen am in-
Meine Ankunft in Kairo fiel fast zusammen      ternationalen Standard. Trotz mangelnder
mit dem Endturnier um den Afrika-Pokal         Kondition und mit wenig Wettkampfpraxis
der Nationen. Ägypten war als Ausrich-         konnten wir gegen Uganda, Zambia, Elfen-
ter qualifiziert. Mit Uganda hatte ich - im    beinküste und Kongo-Brazzaville gewin-
Rahmen meiner letzten Tätigkeit - dieses       nen. Gegen Zaire verloren wir dann trotz
Turnier nach Siegen über Algerien erreicht.    einer 2:0-Fuhrung noch 3:2. Zaire wurde
Mein erstes Länderspiel in Kairo hiess, so     dann auch Afrikapokalsieger und vertrat ja
wollte es die Gruppeneinteilung, Ägypten -     bekanntlich den afrikanischen Erdteil bei

                                               20
der WM 74 in Deutschland.                       vier Punktspiele ausgetragen werden. Über
                                                die Zahl der erhaltenen gelben Karten wer-
Da die konditionellen Mängel gerade bei         den die Vereine jedes Mal informiert. Ein
der ägyptischen Mannschaft deutlich             ägyptischer Schiedsrichter war auch Leiter
sichtbar wurden — Wadenkrämpfe, Er-             bei der WM 74 im Spiel Deutschland gegen
schöpfung, Tempoverlust usw. - , tauchte        Australien.
die Frage auf, ob der momentane Lei-            Auch mit der Trainerausbildung konnte
stungsstand überhaupt ausreicht für den         ich beginnen. Der ägyptische Verband ist
Leistungssport. Eine Untersuchung ergab         in 5 Zonen aufgeteilt: Kairo, Alexandria,
dann interessante Resultate. Bei den Spit-      Delta, Kanal und Oberägypten. Die Zonen
zenkräften des ägyptischen Sports wurde         verfügen über eine eigene Verwaltung
ein Lungenvolumen von ca. 4 Litern festge-      und haben ihren Regionalfuβball und die
stellt. Da 5,56 Liter heute für die Belastung   Spielrunden der Jugendlichen unter sich.
im Leistungssport verlangt werden, war es       Der Hauptverband, mit Sitz in Kairo, leitet
kein Wunder, dass die Spieler den Bela-         die Nationalliga, die mit 18 Mannschaften
stungen von Wettkampf und Training nicht        über das ganze Land spielt. Da die Lei-
gewachsen waren. Drei Freundschafts-            stungsstärke nicht so groβ ist wie die Zahl
spiele gegen die Eintracht Frankfurt vor der    der Vereine, kommt es leider immer wie-
WM zeigten noch einmal, daβ die spiele-         der zu sehr niveaulosen Spielen. Der echte
rischen Mittel durchaus genügen, um auch        Spitzenspieler braucht sehr oft nur die hal-
Profimannschaften vor echte Probleme zu         be Kraft, um zu gewinnen. Es fehlt der ste-
stellen. Aber leider eben noch nicht für 90     tige Leistungsdruck, das Abverlangen einer
Minuten. Nach der WM, die auch hier mit         ständigen Höchstleistung, die dann ja erst
Spannung verfolgt wurde, begann dann            zur Beständigkeit führt. (Im Vergleich dazu:
erstmals nach langer Zeit wieder eine           unsere Bundesliga heute und die Oberliga
Punktspielrunde. In den vergangenen 26          damals).
Jahren konnte Kairo den Titel der ,,National
Club“12mal gewinnen, Zamalek 4mal und           Guter Nachwuchs
Mehalla, das jetzt im Endspiel um den Afri-
kapokal der Vereinsmeister stand, Ismailia      Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung,
und Arsenal je einmal. Daβ nach den zwei        wenn auch langsam, ist nun auch im Sport
Kriegen die Punktspieleinnahmen für die         wieder geregeltes Leben eingekehrt. Die
Vereine sehr wichtig sind, durfte wohl je-      Liga läuft, zusätzlich haben wir jetzt in den
dem klar sein, denn nach solch langer Zeit      einzelnen Zonen Sichtungsspiele gemacht,
sieht es auch für den Verband nicht gerade      um bei den Jugendlichen unter 18 Jahren
rosig aus.                                      die Talente herauszupicken. Um den lau-
                                                fenden Spielbetrieb nicht zu unterbrechen,
Viermal gelbe Karte = 15 Tage Sperre            flog ich mit einer Nachwuchsmannschaft
                                                nach Damaskus. Es war ein Turnier (Kune-
Einige Schiedsrichterlehrgänge konnte ich       tra-Pokal) mit 11 arabischen Staaten, die
schon durchführen, wobei das Niveau als         direkt oder durch finanzielle Unterstützung
sehr gut bezeichnet werden kann. Dabei          am Krieg gegen Israel teilgenommen hat-
wäre besonders zu erwähnen, daβ man             ten. Mit drei Siegen und zwei Niederlagen
hier vom Verband aus die Regelung ein-          brachte die Truppe weit mehr als erwartet.
führte, daβ die vierte gelbe Karte automa-      Es gab uns weiteres Vertrauen, daβ wir bei
tisch zu einer Sperre von 15 Tagen führt,       dem Nachwuchs auf dem richtigen Wege
egal, ob in dieser Zeit zwei, drei, oder gar    sind.

                                          21
Bezahlte Amateure                               meine Aufgabe sein. eine gute Verbindung,
                                                ein besseres Verständnis zwischen Vereinen
Der hiesige Fußball ist auf Amateurbasis        und Verband herzustellen. Mein Angebot,
aufgebaut. Durch den Verein kann der Spie-      auch die Vereine zu unterstützen, wurde
ler aber doch „einiges“ Geld machen. Ein        nach einigem Zögern überraschend schnell
guter Spieler kann durchaus auf 600-800         angenommen. Der Zamalek-Klub, der bisher
DM im Monat kommen. Es gibt dabei eine          einen Trainer aus der CSSR hatte und sehr
Staffelung nach Tabellenplatz, Zuschauer-       viele Spieler an die Nationalmannschaft
zahl, Wichtigkeit des Spieles usw. Von den      abstellt, bat um meine Hilfe, auch Arsenal.
Einnahmen gehen 10 % an den Verband             Gern bin ich diesem Wunsch, nach Abspra-
ab, 5 % an die Zone. Die Eintrittspreise lie-   che mit dem Verband, nachgekommen, lag
gen zwischen 1 DM und 10 DM. All diese          doch hier die groβe Chance, endlich einmal
Beträge sagen für deutsche Verhältnisse         die Rivalität Verein - Verband zu beseitigen.
nichts aus. Wenn man aber bedenkt, daβ          Ich als Nationaltrainer, sprich Verband, hel-
                                                                    fe euch, dem Verein, ihr
                                                                    müsst aber auch mir,
                                                                    sprich Verband helfen.
                                                                    wenn Spieler für die Na-
                                                                    tionalmannschaft      ge-
                                                                    braucht werden. Durch
                                                                    diesen Einsatz kam es
                                                                    dann auch zu einer gu-
                                                                    ten     Zusammenarbeit
                                                                    mit den Trainern, die ich
                                                                    ja auch für meine Ver-
                                                                    bandsarbeit brauchte,
                                                                    deren Arbeit letztlich
                                                                    entscheidend war für die
                                                                    Verbreitung meiner Me-
                                                                    thoden.
  Hoher Besuch: Berti Vogts, Günter Netzer u.A. in Ägypten
                                                                   Gute Trainer werden in
ein junger Verkehrspolizist knapp 100 DM        Ägypten immer willkommen sein. Als Deut-
im Monat verdient, ein Arzt am Sportinstitut    scher machte ich den Anfang. Mit meiner
es auf knapp 500 DM bringt, dann lohnt es       Hilfe konnte dieser Sport wieder aus der
sich schon, in Ägypten bei einem Spitzen-       Versenkung auftauchen, dorthin gelangen,
klub Fußball zu spielen, um zusätzlich diese    wo er schon einmal war, dann aber weiterge-
Einnahmen zu haben. Leider führt dies aber      führt werden bis zum Erreichen eines Stan-
auch dazu, daβ die Vereine kein allzu groβes    dards, der es uns erlaubte, auf der internati-
lnteresse an der Nationalmannschaft zei-        onalen Bühne des Fuβballs mitzureden. Der
gen, da der Verband nicht in der Lage ist,      Weg wird nicht leicht sein. Es wird Zeit brau-
groβe Gelder zu zahlen. Bei richtigem Spiel-    chen und natürlich auch Geld. Durch die
betrieb und einem oberen Tabellenplatz sind     langen Jahre in Afrika hat man aber eine Art
die Vereine finanziell in einer weit besseren   ,,brutales Durchhaltevermögen“ entwickelt,
Lage als der Verband. Im Gegensatz zum          ohne das es einfach keinen Erfolg geben
anderen Teil Afrikas, wo die Schwierigkeit      kann. Die Zukunft lag vor uns und ,,inshalla“
im Stammesbewuβtsein lag, würde es hier         würden wir auch erfolgreich sein.

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Sonne, Sand,                                   nen deutschen Trainer auch in etwa genau
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Siege und Sport                                von großer, kräftiger Statur. Einem solchen
                                               Wunschbild habe ich perfekt entsprochen!
Eine sportliche und politische, lebensnahe     So stellte man sich für das eigene Land
Geschichte                                     den passenden Fußballtrainer vor. Die mir
                                               entgegengebrachten Wünsche konnte ich
                                               tagtäglich spüren in einem zwar nicht mit
                                               Worten ausgesprochenen, aber trotzdem
Haben diese vier „S“, so frage ich mich        deutlichen Denken:
heute, mehr als alles andere mein Leben        „So, jetzt bist Du da und jetzt gewinnen wir
bestimmt? Es gab noch weitere lebens-          mit Dir die Länderspiele gegen unsere Riva-
werte Dinge auf meinem Weg, aber trotz-        len, gegen die Länder in der Nachbarschaft!
dem sind Sport und Sonne untrennbar mit        So war es dann auch im weiteren Verlauf
meinem Leben verbunden, Sand (im Ge-           meiner Zeit in Sierra Leone! Und nicht nur
triebe so mancher Maschinerie) hat sicher      dort. Zuerst begann es aber mit den unmög-
so manches mal die Siege verhindert, nach      lichsten Dingen.
denen ein Sportler so sehr sich sehnt wie
ein Wanderer in der Wüste nach dem leben-
spendenden Wasser.

Zu Anfang möchte ich gleich mit meiner er-
sten großen Herausforderung in dem mir bis
dahin völlig unbekannten afrikanischen Kon-
tinent, nämlich mit dem westafrikanischen
Land Sierra Leone beginnen, wo diese vier
„S“ mein Leben viele Monate bestimmen
sollten.

Für mich war dort alles richtiggehend neu
und mit nichts zu vergleichen, was ich bis
dahin erlebt hatte. Ich musste mich heran-
tasten an viele ungewohnte Dinge. Als ich
in Sierra Leone ankam, begleiteten mich
Schritt für Schritt die hohen Erwartungen
dieses Landes in den schon lange erwar-
teten zukünftigen Trainer der noch nicht
vorhandenen Fußball-Nationalmannschaft.
Aber zuerst war ich aus meiner Sicht nur
der „Ausländer“. Aber ich war doch ein be-
sonderer Ausländer, was ich bei jeder Be-              Not macht erfinderisch:
gegnung mit Einheimischen spüren konn-                 Bänke statt Medizinbälle
te. Ich war jemand, von dem man sich viel      Über die Platzverhältnisse wollen wir gar
erhofft hatte - das habe ich später auch in    nicht einmal reden. Es gab nämlich auch
anderen Ländern immer wieder erlebt und        keine vernünftigen Bälle; Medizinbälle wa-
gespürt: „Jetzt bist Du endlich da, Du deut-   ren völlig unbekannt. Große Kokosnüsse
scher Germane“. Und man stellte sich ei-       waren der einzig mögliche Ersatz. Es wurde

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Sand hinein gefüllt, damit wir überhaupt         einer kurzen Rede wurden wir aufgefordert,
Gymnastik machen konnten. Als ich dann           diese Führung zu verteidigen und möglichst
an hoch offizieller Stelle quengelte, dass wir   noch auszubauen. Zugleich versprach er
nur einen einzigen Fußball hatten, wurde         eine Erhöhung der Siegesprämie für jeden
ich beim Premierminister Sir Albert Margai       Spieler auf 5 oder 8 Mark (genau weiß ich
persönlich vorstellig, der lange Jahre für die   das nicht mehr). Wir konnten das 1:0 halten
Sierra Leone Peoples Party im Amt gewesen        und ganz Sierra Leone feierte uns für die-
ist (von 1958 bis 1967) und der während          sen historischen Sieg über den Nachbarn.
dieser Zeit, kurz bevor ich kam, der erste       Zur Beruhigung der wutschnaubenden Libe-
Premierminister nach der Selbständigkeit         rianer wurde dann aber schon für drei Tage
des Landes geworden war. Vorher war ich          später ein neues Spiel ausgemacht. Es war
aber auch noch in der deutschen Botschaft,       dann ein passender Erfolg für die Diploma-
um dort unseren Botschafter zu sprechen -        tie, dass dieses Spiel mit Unentschieden
mit dem ich im weiteren Verlauf meiner Tä-       ausging.
tigkeit einen sehr guten Kontakt hatte. Als      In der Gesamtabrechnung waren auf jeden
ich ihm sagte, dass ich jetzt zum Premiermi-     Fall wir erfolgreich. Das brachte mit sich,
nister gehen würde, um dort wegen der Bäl-       dass mein Ansehen weiter beträchtlich ge-
le anzufragen, da meinte der Botschafter:        wachsen war. Die Liberianer waren jeden-
„So können Sie doch nicht hingehen, so wie       falls - das wurde mir berichtet - ausgespro-
Sie aussehen, nämlich im Sporthemd und           chen neidisch auf den deutschen Trainer im
kurzer Hose!“                                    Nachbarland, und es gab auch gleich den
Ich machte mir nichts aus diesem Ein-            scherzhaft ausgesprochenen, aber doch
wand und meine Antwort entsprach mei-            ernstgemeinten Versuch eines Funktionärs
ner Einstellung: „Wenn ich jetzt im Anzug
mit Schlips komme, dann erkennt der mich
überhaupt nicht! Genauso war‘s auch. Sir Al-
bert Margai nahm die Sache sofort gut auf,
hatte aber doch den Einwand: „Ihr braucht
doch beim Spiel nur einen einzigen Fuß-
ball“. Da hatte er nicht unrecht für‘s Spiel
selbst; aber natürlich konnte ich ihm klar-
machen, was alles da noch zusätzlich so
dranhängt mit Ersatzbällen, den Mitteln für
das Training usw. Danach wurde die Sache
auch sofort ohne Verzögerung klar gemacht,
und wir hatten von nun an mehrere Fußbälle
und was sonst noch alles dazu gehört.
Es kam kurz darauf ein erstes, für Sierra Le-
one sehr bedeutendes Spiel gegen das ein
kleines bißchen größere direkte Nachbar-
land Liberia zustande. Auch politisch was
das mit langer Tradition schon immer so
ein ziemliches „Hick-Hack“ zwischen beiden
Ländern. Dieses Spiel gewannen wir knapp
aber verdient mit 1:0, und bereits nach Ende
der ersten Halbzeit wurden wir in der Kabi-
ne bereits vom Premierminister erwartet. In              Ballgefühl auch ausserhalb
                                                             des Fussballplatzes
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von Liberia, mich abzuwerben sowie mich         in die Lage der Leute zu versetzen, die ich
am besten gleich in das Nachbarland mit-        trainierte, die ich brauchte oder mit denen
zunehmen.                                       ich auch zusammen lebte. Es ging darum,
Nach guten Anfängen in Karlsruhe war ich        nicht nur als Ausländer anerkannt zu wer-
schon in Deutschland ein begeisterter Ten-      den, sondern als Mensch, der sich für die-
nisspieler geworden. In der Zwischenzeit        jenigen interessiert, die dort leben und mit
hatte sich das nach ebenfalls in Sierra Leone   ihnen auf gleicher Stufe stehen wollte. Und
herumgesprochen, was dazu führte, dass          der sich nicht nur dafür interessiert, dass
ich mit dem mir inzwischen sehr gewogenen       sie dort leben, sondern wie sie leben und
Premier Margai schon bald Tennis spielte. Er    was sie erleben.
ließ sogar in seinem eigenen Wohnbereich        Denn immerhin waren meine Spieler, die aus
Tennisplätze anlegen. Wir spielten dort lau-    dem Urwald kamen, auch Menschen, mit de-
fend miteinander Tennis und hatten auch         nen ich auskommen wollte. Es gab deshalb
dadurch einen sehr stabilen, richtig guten      auch Tage, an denen ich bei den Spielern
Kontakt. Sport verbindet – das ist mir im       und deren Familien im Dorf wohnte - unter
Laufe meiner Tätigkeiten wieder und wieder      nicht immer ganz leichten Bedingungen -
aufgefallen – dort wo die reine Diplomatie      aber das wurde von den Leuten anerkannt.
versagt, haben sich verschwitzte Sports-        „Mensch, der interessiert sich doch für uns,
männer oft mehr zu sagen.                       der steht nicht nur da oben drüber!“
Gleich zu Anfang, nach wenigen Wochen in
Sierra Leone, trainierten wir als Vorberei-     Es war jedenfalls kein Wunder, dass so aus
tung auf das schon geschilderte Spiel gegen     den ursprünglich für Sierra Leone vorgese-
Liberia. Nachdem das Training vorbei war        henen 6 Monaten, als ich eigentlich wegge-
und wir alle ziemlich staubig, dreckig und      hen sollte, eine große Staatsaffäre wurde.
verschwitzt waren, ging die ganze Mann-         Die deutsche Botschaft wurde eingeschaltet
schaft zum Duschen. Und ich ging natürlich      und auch das Auswärtige Amt in Bonn. Alles
mit - was für mich vom Sport in Deutschland     wurde getan, damit ich in diesem Land blei-
her selbstverständlich war, ohne mir dabei      ben sollte. Natürlich ging diese Forderung
irgend etwas zu denken. Der deutsche Bot-       auch an den DFB mit dem Ergebnis, dass
schafter rief mich einige Tage später an und    mein Aufenthalt gleich auf ein volles Jahr
fragte, ob ich denn schon gesehen hätte, was    verlängert wurde. Später kam nach ähn-
die lokalen Zeitungen schreiben würden. Ich     lichen Forderungen an die gleichen deut-
musste ihm sagen: „Nein, was ist denn los?“     schen Stellen noch mal ein weiteres Jahr
Daraufhin hörte ich von ihm, dass in der Zei-   dazu.
tung stand, wie sehr die Spieler mehr als
überrascht waren und dem Reporter gesagt        Vorher hatte ich nach dem ersten Jahr in
hatten: „Der Trainer ist mit uns zusammen       diesem Land Urlaub in Deutschland ge-
zum Duschen gegangen!“ Dass dies dort so        macht und heiratete in Münster in Westfa-
großartig ankam, hatte ich nicht erwartet!      len meine mir schon etwas länger bekannte
Dass ich nämlich als Weißer, als Europäer       Freundin Bärbel, die auch Sportlehrerin war.
mit den schwarzen Spielern zusammen auf         Wir kamen dann gemeinsam nach Sierra
Augenhöhe stand, brachte mir ungeahnte          Leone zurück, hatten dort inzwischen ein
Sympathien ein. Und das war etwas, was ich      schönes Haus, nämlich ein altes Kolonial-
vielleicht nur gefühlsmäßig gemacht hatte,      haus gefunden, das auf Stelzen mit hartem
und was mir aber - wenn es zu ähnlichen Ge-     Holz erbaut war. Bilder ließen sich übrigens
meinsamkeiten kam - auch in den nächsten        in diesem Haus erst aufhängen, nachdem
35 Jahren immer wieder geholfen hat, mich       man in dem harten Holz unter erheblichen

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Schwierigkeiten Löcher gebohrt hatte. Das       folgenden Jahren gab es das hier in Sierra
harte Holz hatte mit den Termiten zu tun, die   Leone wie später ebenfalls in anderen Län-
sich wegen der Härte nicht einnisten sollten,   dern, wobei ich dann mit den gewonnenen
damit das Haus stehenbleiben und nicht zu-      Erfahrungen aber bessere Reaktionen zei-
sammenbrechen konnte. Das waren alles           gen konnte. In Sierra Leone war es für uns
neue Erfahrungen, die ich bis dahin noch        beide jedenfalls etwas, was wir nicht er-
nicht gemacht hatte, weil ich mich damit im     wartet hatten. Es kriselte zu dieser Zeit im
vorherigen Junggesellenleben überhaupt          etwas weiter entfernten Ghana im dortigen
nicht in Berührung gekommen war.                Ein-Parteien-System. Unser Premierminister
                                                Albert Margai hatte hier das gleiche System
Meine Frau arbeitete inzwischen auch an         auch einzuführen versucht. Die Opposition
den Schulen, führte dort sogar schon sehr       war sehr dagegen. Von Regierungsseite ver-
früh so etwas Ähnliches wie das Bundes-         suchte man nun, mich in solchen Fragen
sportfest bzw. die Bundesjugendspiele ein.      einzuspannen. Aber ich wußte stets, dass
Das kam großartig an und wir waren beide als    ich mich aus diesen politischen Angelegen-
leitende Akteure voll akzeptiert. Man konnte    heiten rauszuhalten hatte. In allen meinen
auch mit Hilfe Bärbels vieles machen, was       Einsätzen habe ich stets eine solche Haltung
im Sport weiterhalf und Fortschritte brach-     eingenommen und bin gut damit gefahren,
te. Die zusätzlichen Aktivitäten von Bärbel     dass ich immer gesagt habe: „Ich bin Sport-
machten sie sehr schnell genau wie mich         ler, neutral und unpolitisch. Ich kümmere
weiter populär und sie trugen alle zur Fuß-     mich deshalb auch nicht um die Politik in
ball- sowie Sportbegeisterung mit bei.          Deutschland und genau so wenig um Eure
                                                Politik oder um die der Nachbarländer. Ich
Jetzt möchte ich aber noch auf den Anfang       verkaufe stattdessen nur Fußball“. Auf die-
meiner Zeit dort in Freetown, der Haupt-        ser Basis konnte ich mich mit der Opposition
stadt von Sierra Leone zurückkommen. Als        wie mit der Regierung immer gut verstehen,
ich dort nämlich ankam, erfuhr ich schon        weil ich genau wußte: Wenn etwas passiert,
relativ bald, dass der zuständige Sportmini-    dann kann es nur von der Opposition, der
ster überall voll Stolz erzählen würde: „Ich    Polizei oder der Armee kommen. Deshalb
war es, der den Burkhard von Deutschland        habe ich in den meisten der Länder, in de-
in Frankfurt beim dortigen Fußballbund für      nen ich war, auch die Mannschaften der Po-
unser Land gekapert und nach hierher ge-        lizei wie der Armee mit trainiert, denn es war
holt habe. Von diesem Sportminister wurde       mir klar, dass wenn einmal eine Revolution
ich wenig später ebenfalls allen anderen        kommen sollte, dass ich auch dort Helfer
Kabinettmitgliedern vorgestellt, was mir        haben würde. In solche politischen Ausei-
und danach auch Bärbel viel Unterstützung       nandersetzungen wollten nämlich weder
durch alle diese Amtspersonen gebracht          meine Frau noch ich als frisch gebackener
hat. Als wir übrigens nach unserer Heirat       Ehemann verwickelt werden.
in Deutschland gemeinsam dort ankamen,
wurde sogar eine Parlamentssitzung unter-       Und so war‘s dann auch mit dem Nicht-ver-
brochen mit der Ankündigung: „Soeben ist        wickelt-werden. Kurz nach der gerade be-
unser deutscher Trainer wieder gelandet!“       gonnenen Regenzeit hatte ich noch mit der
                                                Mannschaft der Armee trainiert. Nach dem
Nun aber zu der Überraschung in diesem          Training saßen wir in Freetown im Offiziers-
afrikanischen Land. Was in solchen Län-         kasino zusammen, als der Colonel Johnson
dern nämlich auch passiert, ist manchmal        zu mir auf einmal sagte: „Coach, morgen trai-
nicht ganz so einfach zu überstehen. In den     nieren wir nicht.“ Ich habe ihm als Germane

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natürlich sofort geantwortet: „Moment mal,       wußte, was auf der deutschen Botschaft
hier wir trotz des Regens trainiert!“ Nach       nicht bekannt war. Der Kanzler der deut-
einer Pause sagte er wieder: „Du, morgen         schen Botschaft in Freetown, den ich dann
trainieren wir nicht!“ Ich bin dann sofort auf   auch noch ansprach, es war ein Herr Süß
die Palme gegangen und habe geantwor-            aus Darmstadt, reagierte aber als Mann
tet: „Horch mal her, Ihr seid hier geboren,      mit langjähriger Erfahrung ganz anders.
ich komme hierher, der Regen ist warm und        „Komm, Burkhard, zu uns ins Haus, ich bin
nicht wie der Schnee- und Eisregen bei uns       bewaffnet, wir können uns 14 Tage halten.“
in Deutschland, und da wird hier doch wei-       Ich erzählte ihm gleich, dass ich das sicher
tergemacht!“ Aber ich hatte nach dieser          nicht brauchen würde wegen der mir ver-
mehrfachen Wiederholung des Hinweises,           sprochenen Wachposten. Und als es dun-
dass morgen nicht trainiert würde, schon         kel wurde, waren diese Posten tatsächlich
das Gefühl, irgendetwas dürfte nicht stim-       da. Allerdings hatten sie Karabiner, die ich
men. Und dann sagte er mir, so dass es an-       schon mal im Museum gesehen hatte und
dere nicht hören konnten: „Morgen ist ‚ne        die wahrscheinlich noch aus dem ersten
Revolution! Aber Coach, Du brauchst keine        Weltkrieg stammten.
Angst zu haben. Wir schicken Dir morgen
oben auf den Berg, wo Dein Haus steht, zwei      Nachts rappelte es jedenfalls in Freetown
Soldaten, die bewaffnet sind. Dir passiert       kräftig. Es gab allerhand Tote, aber zwei
jedenfalls nichts. Aber wenn Du jetzt nach       Tage später war der Spuk vorbei und alles
Hause fährst, dann sag Deiner Frau, sie soll     wieder in Ordnung. Mich rief dann aber der
noch schnell etwas zu essen und trinken          Botschafter an und bat mich, in die Bot-
einkaufen, denn man weiß nicht, wie lange        schaft zu kommen. Er sagte: „Ich muss Sie
so etwas dauert.“                                unbedingt sprechen.“ Als ich bei ihm war,
                                                 meinte er, es könne mit der Revolution doch
Ich bin dann gleich zu Bärbel, die meinte aber   noch weiter gehen, und es ginge ihm darum,
nur, dass ich spinnen würde oder dass man        dass man meine Frau und mich sofort aus-
beim Training einen Scherz mit mir gemacht       fliegen sollte über Dakar nach Deutschland.
habe. Als ich ihr dann aber die Geschichte       Ich fragte ihn gleich: „Was ist denn dafür der
genauer erzählte, sind wir sofort doch noch      Grund?“ Seine Antwort war: „Stellen Sie sich
tüchtig einkaufen gegangen. Zugleich hielt       mal vor. Sie haben doch mit dem vorherigen
ich es für meine Pflicht, den Botschafter, zu    Premierminister Tennis gespielt und hatten
dem ich genau wie in den anderen Ländern         zu seinem Kabinett sehr gute Verbindungen,
später zu den deutschen Botschaften einen        was Ihnen jetzt, wenn die Opposition ans
guten Kontakt hatte, über die bevorstehen-       Ruder kommt, angekreidet werden kann!“
de Revolution zu unterrichten. Ich rief ihn an   Ich meinte dazu aber nur: „Kennen Sie denn
und sagte ihm: „Herr Botschafter, Sie sollten    schon den dann vielleicht möglichen neuen
sich darauf einstellen, dass heute Nacht         Premierminister?“ Er verneinte das, aber ich
eine Revolution kommt.“ Er meinte darauf-        konnte ihm sagen, dass ich ihn bereits ken-
hin allerdings: „Ach, Herr Pape, Sie hören ja    nen würde. Und dieser Mann dürfte mich
nicht nur Gras wachsen, Sie hören ja eine        genauso akzeptieren, weil er wisse, dass ich
ganze Wiese wachsen! Wenn so etwas läuft,        mich immer klar aus der Politik raushalten
dann würden wir das bestimmt als Erste           würde. Ebenfalls möchte dieser Mann je-
wissen!“                                         denfalls auch, dass wir Länderspiele gewin-
                                                 nen. Und dann sagte ich ihm noch: „Mich
Auch in späteren Zeiten ist das manchmal         akzeptiert man hier überall, weil ich inzwi-
so ähnlich passiert, dass ich schon etwas        schen schon nicht mehr als Ausländer emp-

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funden werde. Man weiß hier, dass mich die       den dort gab es viel Trauer, aber man ließ
Kultur des Landes interessiert und zwar mit      es sich nicht nehmen, mich ganz großartig
all ihren Hintergründen, dem hier normalen       zu verabschieden. Mit ihren Tänzen trat nur
Familienleben, wie und wo die Menschen           für uns eine Tanzgruppe auf mit dem Namen
wohnen und alle diese Dinge, womit manch         „Heart Beat of Africa.“ Mein Bruder war ge-
ein Ausländer schon mal Schwierigkeiten          rade zu Besuch bei uns, und er nahm an der
hat und nach wenigen Jahren das Land ver-        Abschiedsparty mit teil. Als ich ihn eingela-
läßt. Das sind nämlich im Gegensatz zu mir       den habe und er dort alles auf Tonband auf-
Leute, die wenig von den Bewohnern wissen        nahm und einen Videofilm drehte, mussten
bzw. wissen wollen und nur an das hier zu        wir allerdings versichern, dass die Darbie-
verdienende Geld denken.“                        tungen dort von meinem Bruder nicht kom-
                                                 merziell ausgewertet würden. Ich habe das
Meine Zeit dort in Sierra Leone war jeden-       alles damals auch auf Tonband aufgenom-
falls weiter erfolgreich und die Arbeit machte   men und freue mich über den Film davon.
Bärbel und mir viel Spaß.                        Das Ganze damals war für uns ein wunder-
                                                 barer Abschied. Was mir deshalb so nah und
Aber nach über zwei Jahren insgesamt teilte      plastisch in Erinnerung ist, weil es meine er-
man mir mit, dass ich jetzt mit einer Verset-    ste Station im Ausland war, der dann aber
zung zu rechnen hätte. Bei meinen Freun-         noch viele weitere Stationen folgen sollten.




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Drei Jahrzehnte in Afrika und                   von denen noch sehr viele aktiv sind. Be-
Asien: 1966 - 1996                              kannt sind vor allem die indonesischen
                                                Inseln Java, Sumatra, Borneo, das heutige
Einige kurze Einblicke in eine aufregende       Kalimantan, und vor allem Bali - die Insel
Tätigkeit voller Überraschungen                 der Götter.

Sierra Leone, Westafrika: Dichter Urwald bis    Thailand. Allein der Name erweckt die
hinter das Haus. Schlangen im Garten oder       verschiedensten Erwartungen: Exotische
gar in den Zimmern. Von Palmen umsäumte         Tempelbauten und Paläste, mandeläugige
Traumstrände. Diamanten- und Edelstein-         Schönheiten mit langem seidigen Haar, Ele-
vorkommen. Aber nur 46 Meilen asphal-           fanten, tiefer Dschungel, Palmen und son-
tierte Straßen. Ein Schwarz-Afrika, wie man     nige Strände am Golf von Thailand. Bang-
es sich in der Jugend erträumt.                 kok - weltbekannte Großstadt, die fasziniert,
Ostafrika: Das sind Uganda, Kenia, Tansania     aber auch eine Zumutung sein kann, im
und Sansibar. Ostafrika steht für Buschsa-      Widerspruch zwischen asiatischer Tradition
vannen mit den größten Tierreservaten der       und westlicher Neuzeit.
Welt, aber auch für den höchsten Berg Afri-
kas, den schneebedeckten Kilimanscharo.         Westafrika, Ostafrika, Ägypten, Sri Lanka,
Und auch der Victoria See, der zweitgrößte      Indonesien und Thailand - nicht um einen
See der Welt, befindet sich in Ostafrika. Vor   Reisebericht für die Tourismusindustrie
Tansania, im Indischen Ozean, liegt Sansi-      handelt es sich im Nachfolgenden, sondern
bar, reich an Gewürznelken und Ausgangs-        um die Beschreibung meiner Einsatz- und
ort vieler Afrika-Expeditionen; die exotische   Arbeitsplätze als Fußballehrer in den letzten
Insel, die in den 90er Jahren des letzten       30 Jahren, aber auch um die Wahlheimat
Jahrhunderts gegen die in britischem Besitz     meiner Familie mit den Geburtsländern un-
befindliche Insel Helgoland in der Nordsee      serer Kinder.
eingetauscht wurde.
                                                Ob ich nun nach so vielen Jahren in diesen
Ägypten, das Land der Pharaonen, der Sphinx     Ländern ein „Afrika- und Asienkenner“ ge-
und der Pyramiden. Ein Land mit gewaltigen      worden bin, lasse ich dahin gestellt. Dabei
Wüsten, ein Land aus Sand und Salzseen,         bin ich sicher, daß wir Europäer die Menta-
ein Land mit einem Jahrhundertbauwerk,          lität der Afrikaner und der Asiaten kaum bis
dem Suezkanal, der das Mittelmeer mit           zur letzten Konsequenz verstehen werden,
dem Indischen Ozean verbindet, aber auch        ganz gleich, wie lange wir uns in Afrika oder
ein Land mit modernen Großstädten.              Asien aufhalten.
                                                Da ich aber als Fußballtrainer in erster Li-
Sri Lanka, das ehemalige Ceylon, die Perle      nie nur mit Einheimischen, die selten aus
des Indischen Ozeans: Unvorstellbar schöne      der jeweiligen Oberschicht stammten, zu
Strände und Tauchparadiese, die bis zu den      tun hatte, war es mir doch möglich, die Pro-
Malediven reichen. Plantagen mit Tee, Ka-       bleme, Sorgen und familiären Hintergründe
kao, Kautschuk und Kokospalmen, die zum         der Menschen kennenzulernen. Mit der Zeit
Teil auf 2.000 Meter Höhe liegen.               entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis
                                                und Verständnis auf beiden Seiten - die Ba-
Indonesien, mit ca. 180 Millionen Einwoh-       sis um überhaupt erfolgreich arbeiten zu
nern eines der bevölkerungsstärksten Län-       können. So wird Verständnis und Interesse
der der Welt, bestehend aus über 13.000         an uns fremden Mentalitäten und Kulturen
Inseln mit weltweit den meisten Vulkanen,       „eingetauscht“ gegen das Vertrauen der

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Bewohner des Landes gegenüber einem              der größten „Berg-Republik“ mit den mei-
„Fremden“.                                       sten „Engpässen“. Über Berlin floh ich zu ei-
                                                 ner Zeit in den Westen, zu der es die „men-
Doch vor weiteren Ausführungen über mei-         schenfreundliche“ Mauer noch nicht gab.
ne doch sehr lange, schöne, aber auch nicht
immer ungefährliche Tätigkeit an so vielen       Für Hannover 96, den VFR Neumünster und
unterschiedlichen Orten der Erde, zunächst       den FSV Frankfurt spielte ich dann als Ver-
einmal ein paar Angaben zu meiner Person:        tragsspieler in der Oberliga, der damaligen
1932 in Magdeburg geboren, waren die Jah-        höchsten Spielklasse (Bundesliga wurde
re des Krieges und der Nachkriegszeit sehr       erst 1962 eingeführt). Der Leichtathletik
einprägsam. Schon immer sportbegeistert,         widmete ich nur noch wenig Zeit, da ich
war ich in Magdeburg ein aktiver und erfolg-     mein Ziel verfolgte, an der Sporthochschule
reicher Fußballspieler geworden, der bis zur     Köln das Examen als Fußballtrainer unter
höchsten Klasse spielte. Aber auch Hand-         Hennes Weisweiler zu machen. Dafür benö-
ball spielte ich damals in der Stadtauswahl.     tigte ich allerdings Geld. Als „der schnellste
In der Leichtathletik wurde ich in der dama-     Rechtsaußen der Oberliga“ konnte ich mir
ligen DDR Jugendmeister im Fünfkampf und         in den Jahren, in denen ich aktiv Fußball
zwei Jahre später Juniorenmeister im Zehn-       spielte, ein finanzielles Polster schaffen, so
kampf. Schon früh war die DDR-Sportförde-        daß ich anschließend, im Jahr 1959, in Köln
rung optimal.                                    mein Examen erfolgreich ablegen konnte.

Zwar wurde man als großes Talent im Mehr-        Danach war ich sieben Jahre lang als einer
kampf umhätschelt, aber die Bespitzelung         der jüngsten Verbandssportlehrer an der
und das ganze System mit den widrigen            herrlichen Sportschule Schöneck in Karls-
Umständen waren widerlich. Meine Eltern          ruhe Durlach auf dem Turmberg tätig. Eine
und mein Bruder hatten die DDR schon früh        wichtige und lehrreiche Zeit, die mir, wie
verlassen bzw. haben, wie man in Magde-          ich später feststellen sollte, viel gab, um an
burg sagt, „rüber gemacht“. Dann kam der         meinen exotischen Einsatzorten erfolgreich
Volksaufstand am 17. Juni 1953: Schwerbe-        arbeiten zu können.
waffnete Stasileute mit Schäferhund verhaf-
teten mich wegen Spionageverdachts.              In sehr guter Erinnerung blieb mir die Rei-
                                                 se der Badischen Amateurauswahl im Jahr
Keiner der sonst so hilfsbereiten Sport-         1962 in die USA. Es war das erste Mal nach
funktionäre machte auch nur einen Finger         dem Krieg, daß eine Auswahl eine solche
krumm, um mir zu helfen. Niemand wußte,          Reise antrat. In den drei Wochen Aufenthalt
wo ich mich befand. GottseiDank konnte           wurden viele Spiele durchgeführt und nach
mein damaliger Trainer G. Gläser, der mich       Verletzung zweier Spieler zog auch ich mei-
auch später oft unterstützte, die Mannschaft     ne Fußballschuhe an, um die Auswahl auf-
davon abhalten, in Spielstreik zu treten, da     zufüllen. Wenn ich damals gewußt hätte, an
mir dies mehr geschadet denn genützt hät-        welchen Orten ich lehren und Fußball spie-
te. 10 Tage lebte ich in einer Einzelzelle mit   len würde....
weiteren sieben Häftlingen im Zuchthaus.
Doch über Umwege und mit Hilfe des Sports        An der Sportschule Schöneck lernte ich auch
wurde ich auf freien Fuß gesetzt.                meine spätere Frau und Mutter unserer Kin-
                                                 der kennen, aber dazu später mehr.
Nach dieser Erfahrung hielt mich nichts          Zwei wesentliche Dinge (oder Weisheiten)
mehr in der sozialistischen Volks-DDR - in       gab ich in den Jahren an der Sportschule

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Schöneck den Menschen mit auf den Weg:         Das Ergebnis der Gespräche entsprach
- begeistert muß man sein, um begeistern       meine Vorstellungen: Freies Arbeiten nach
zu können,                                     meine Entscheidungen, dabei eine Natio-
- überzeugt muß man sein, um überzeugen        nalmannschaft aufzubauen, im Lande auf
zu können.                                     Talentsuche zu gehen und nationale Trainer
                                               auszubilden. Allerdings konnte ich mir natür-
Damals war mir allerdings nicht bewußt,        lich nicht vorstellen, was mich de facto er-
daß diese Philosophie in meinem weiteren       wartete. Daß das Organisieren von Spielen,
Berufs- und Lebensweg ein große Rolle spie-    das Massieren der Spieler, die Behandlung
len würde. Heute, nach 30 Jahren an so un-     von Verletzungen selbstverständlich erwar-
terschiedlichen Plätzen der Welt, blicke ich   tete wurde, überraschte mich kaum, Aber
auf so viel Ungereimtheiten in dieser Zeit     daß das Tanzen, Singen und Klavierspielen
zurück und weiß, daß diese zwei Lehrsätze      zur Selbstverständlichkeit wurden, hätte ich
notwendig waren und sind, um in meiner         zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch
exotischen, turbulenten, schönen, interes-     nicht gedacht.
santen und gefährlichen Tätigkeit Erfolg zu
haben.                                         Aber wie stellte man sich im Jahr 1966 in
                                               Westafrika einen deutschen Trainer vor?
Nennen wir diese Tätigkeit „sportliche Ent-    Was erwartete man von ihm? Ich sollte es
wicklungshilfe“. Für diese Form der Entwick-   bald erfahren:
lungshilfe ist der Kulturhaushalt des Aus-
wärtigen Amtes in Bonn zuständig, der DFB      Abflug ab Hannover am 01.02.1966 nach
steht als fachlicher Berater zur Seite. Die    Frankfurt, das Abenteuer Afrika beginnt.
GAWI, die heutige GTZ, ist für die Durchfüh-   Von Frankfurt weiter nach Dakar (Senegal)
rung der sportlichen Entwicklungshilfe ver-    mit Zwischenpause, um eine kleiner Ma-
antwortlich. Sepp Herberger, Herbert Wid-      schine zu bekommen, die mich weiter nach
mayer und viele andere bestärkten mich,        Gambia brachte. Nicht so wie heute, mit LTU
mein fachliches Können auch im Ausland         oder Neckermann in wenigen Stunden mit
unter Beweise zu stellen. So habe ich dann     komfortablen Abfertigungshallen, nein, der
das Angebot aus Bonn angenommen und            Flughafen war noch aus alten Zeiten und
bin nach Absprache mit dem DFB (Detmar         bestand nur aus einigen Baracken. Getankt
Cramer war damals mein Freund und Bera-        wurde noch von Hand aus Fässern! Weiter
ter) nach Westafrika gegangen.                 gehts nach Sierra Leone, Freetown. Der Hin-
                                               flug war schon interessant, aber das, was
Geplant war zunächst einmal ein Einsatz        nun auf mich einstürmte war neu und fast
von nur 6 Monaten, als Versuch dieser Art      unvorstellbar. So, wie man sich Afrika als
sportlicher Entwicklungshilfe. Aber schon in   kleiner Junge vorstellt: Die Affen, die auf dem
Sierra Leone wurde aus diesen 6 Monaten        Wege vom Flughafen zur Stadt zu sehen wa-
zwei Jahre. Heute sind es nun, ohne Unter-     ren, waren nicht meinetwegen dort, sondern
brechung, 30 Jahre. Ich glaube, daß man        sie sausten dort täglich durch die Gegend.
sagen kann, daß das AA, die GTZ und ich in-    Sie gehörten dort so selbstverständlich hin,
zwischen aus dem Versuchsstadium heraus        wie später zu meinem Hotel und als „Haus-
sind.                                          tiere“ unserem Garten am Haus.
In Bonn und beim DFB in Frankfurt ergab        Im Parlament, das gerade tagte, wurde eine
sich eine gute Gelegenheit, meinen künf-       Unterbrechung eingelegt und man gab be-
tigen Arbeitgeber zu treffen, den Generaldi-   kannt, daß der deutschen Fußballtrainer ein-
rektor für Sport aus Freetown/Sierra Leone.    getroffen war. Dies schien ein wichtiges Er-

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eignis zu sein. Ich erfuhr auch bald warum:     einem notwendigen Kehlkopfschnitt char-
Ein erstes Länderspiel gegen den Erzfeind       terten wir ein Sportflugzeug und hielten
Liberia war geplant, frei nach dem Motto        den Mann notdürftig am Leben.
„Nun haben wir einen deutschen Trainer,
nun gewinnen wir auch automatisch“.             Der damalige Präsident von Sierra Leone,
                                                der erste nach Entlassung des Landes
Am nächsten Tag begleitete mich „mein“ Di-      in die Selbständigkeit, Sir Albert Margai,
rector General für Sport zu allen Ministern,    kümmerte sich ebenfalls um den Fußball.
um mich vorzustellen, denn schließliche         Erst als es mir gelang ihn davon zu über-
hatter er es ja geschafft, mich nach Afri-      zeugen, daß zum Spiel ein Ball durchaus
ka zu holen. Die Minster waren zufriedne,       ausreicht, aber zum Training mehrere Bälle
denn ich entsprach voll den Vorstellungen       notwendig sind, wurde veranlaßt, eine ent-
der Afrikaner: groß, blond, kräftig und mit     sprechende Anzahl Bälle zur Verfügung zu
lauter Stimme, so daß ich beim Training         stellen. Fußball als Chefsache. Auch hatte
keine Pfeife benötige, scheut weder Sonne       Margai das größte Interesse daran, daß
oder Hitze noch die Regenmassen in der          ich sein Tennisspiel verbesserte, ein Ersu-
Regenzeit. Selbst das schwüle Wetter war        chen, dem ich gerne entsprach. Überhaupt
für den „Germanen“ kein Grund, das Trai-        hat mir die Sportart Tennis viel geholfen,
ning abzusagen.                                 Verbindungen aufzubauen und Kontakte
                                                zu festigen.
Eine Verhaltensweise, die von mir we-
der bewußt noch mit bestimmter Absicht          Aber zurück zum Länderspiel gegen Liberia.
durchgeführt wurde, brachte mir gleich zu       Nach kaum ausreichender Vorbereitung
Beginn meiner Arbeit in Westafrika großen       - notwendige Medizinbälle wurden durch
Kredit ein: Als die Spieler nach dem ersten     mit Sand gefüllte Kokosnüsse ersetzt - war
Training zu den Duschen gingen, konnten         es soweit: das Länderspiel gegen Liberia
es die Spieler nicht fassen, daß ich mich       stand vor der Tür, eine Mannschaft, gegen
ihnen selbstverständlich anschloß und mit       die noch nie gewonnen worden war. Das
ihnen duschte. Im Jahre 1966 hatte man          Haus war ausverkauft, denn man hatte
so ein Verhalten von einem Weißen nicht         ja den Germanen als Trainer. Zur großen
erwartet. Dies und die Tatsache, daß ich        Überraschung stand es in der Halbzeit,
beim Duschen meine wasserdichte Arm-            nach gutem Spiel für uns, immer noch 0 :
banduhr am Handgelenk behalten konn-            0. Da kam der Präsident persönlich in die
te, machte anschließend die Runde in der        Kabine und versprach eine Prämie für den
Stadt und in den Dörfern des Landes, was        Sieg. Und wir gewannen 1 : 0! Der Jubel
ich allerdings erst später erfuhr. Jedenfalls   war groß. Ich war der Größte. Schnell wur-
entstand durch das Duschen das Gefühl,          de nach diesem Sieg noch ein Spiel für in
daß ich zu ihnen und daß sie zu mir ge-         zwei Tagen vereinbart, um die Einnahmen
hörten.                                         zu verdoppeln. Und wieder gewannen wir.
In Sierra Leone kam auch immer wieder zu        Nur waren aus diesen zwei Spielen kaum
„Einsätzen“, die nun wirklich nicht zu mei-     Einnahmen vorhanden. Sie hatten wohl
ner Trainertätigkeit gehörten. So begleite-     „Wege“ gefunden, die sie bislang immer
te ich zusammen mit Krankenschwestern           gegangen waren. Eine Erkenntnis, die mich
einen verletzten Matrosen nach London,          seit 30 Jahren, egal wo ich mich befinde,
der sich nach einem Freundschaftsspiel          immer begleitet hat.
gegen „meine“ Mannschaft beim Baden
den Halswirbel gebrochen hatte. Nach            Dann aber kam für mich der erste große

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„Hammer“: Zwei Männer waren zum Tode            wieder im ausverkauften Stadion, das so
durch den Strang verurteilt worden, da          voll war, daß wir nicht ins Stadion fahren
sie aus kultischen Motiven Menschen ge-         konnten. Also haben wir den Bus an der
schlachtet hatten. Einige Wochen vorher         Stadionmauer geparkt, sind auf die Küh-
hatte der Präsident noch, nachdem alle          lerhaube und auf das Dach geklettert und
Radios ausgeschaltet waren, in einer Stadt      mit einem Sprung ins Stadion gehechtet.
im Landesinnern gesagt „It is not nice to       Jeder Sprung eines Spielers wurde mit Ju-
eat your neighbours“ (es ist nicht gut, seine   bel begrüßt. Tosender Beifall entbrannte,
Nachbarn zu essen). Doch diesmal sollte         als ich, ein Weißer; ebenso auf der Bildflä-
erstmals eine öffentliche Hinrichtung statt-    che erschien.
finden und das, wie nicht anders erwartet,
im Fußballstadium. Freudestrahlend über-        Bei diesem Spiel erfolgte zum ersten Mal
brachte man mir die Nachricht, daß ich als      eine live Übertragung im Radio nach Sierra
Zeuge dabei sein sollte. Man bedenke, dies      Leone. Der Reporter saß mit seinem Mi-
geschah in den Jahren 1966/67. Obwohl           krofon auf dem Dach des Rot-Kreuz-Fahr-
ich schon von der Sonne gebräunt war,           zeugs, um einen besseren Überblick zu
wurde ich blaß. Ich fragte die Deutsche         haben. Als sich einer unserer Spieler nach
Botschaft um Rat. Erst einmal ratlos und        einem Tor am Torpfosten verletzte und der
geschockt überlegte man: Die Idee aus-          Rot-Kreuz-Wagen losbrauste, flog der Re-
zufliegen könnte mißverstanden werden,          porter in hohem Bogen vom Dach. Sicher-
krank werden wäre ein Alternative. Dann         lich wurde die Übertragung unterbrochen.
wurde diese Hinrichtung aber nach vielen        Mit dieser Aktion kam aber Stimmung im
Protesten aus aller Welt zum Glück nicht        Stadium auf. Als ich mich umsah, stellte ich
öffentlich durchgeführt, sondern unter          fest, daß ich der einzige Weiße war. Mutig
strengen Sicherheitsmaßnahmen im Ge-            hielt ich die Stellung auf der Trainerbank.
fängnis, wo ich nicht „gebraucht“ wurde.        Nach der Halbzeit wurde es immer dunk-
                                                ler. Flutlicht gab es damals noch nicht.
Hatte ich bislang nur am Rande mitbe-           Liberia schoß ein Tor: 1 : 1. Es war inzwi-
kommen, wie wichtig der Medizinmann in          schen so dunkel, daß man die Schwarzen
Afrika ist, sollte ich dies nun bald selbst     nicht mehr sehen konnte. Bei einem Frei-
erfahren. Der Medizinmann macht „Ju Ju“,        stoß nahm mein Spielführer den Ball in die
d.h. er zaubert und verzaubert. Bei dem         Hand und versuchte dem Schiedsrichter
Rückspiel in Monrovia, Liberia, erlebte ich     klar zu machen, daß man wegen der Dun-
erstmals die Angst sowohl meiner Spieler        kelheit nicht mehr spielen könne. Dies war
als auch der liberianischen Spieler: Kein       seine letzte Handlung, denn dann brach
Spieler und auch kein Offizieller hatten in     ein Tumult aus. Ich suchte sofort Schutz im
dem Hotel, in dem wir abgestiegen waren,        Bus. Nachdem sich die Spieler ausgetobt
etwas gegessen oder getrunken. Auf mei-         hatten, suchte auch meine Mannschaft
ne Frage hin, warum denn nicht, erhielt         Schutz im Bus, der versuchte, Land zu ge-
ich die Antwort, daß die Gefahr bestünde,       winnen. Steine flogen gegen den Bus und
daß alles verzaubert sei. Au weiha. Somit       er wurde von den Liberianern ziemlich de-
wurde schnell ein Auto gemietet und in          moliert, während wir auf dem Busboden
unterschiedlichen Geschäften Essen und          lagen. Ich als Neuling dachte, daß nun
Trinken eingekauft, das auf den Zimmern         sämtliche politischen Beziehungen ab-
gemampft wurde. „Das fängt ja gut an“,          gebrochen würden, aber weit gefehlt. Wir
dachte ich mir.                                 duschten, gingen zum Festbankett und al-
Am nächsten Tag fand das Rückspiel statt,       les war vergessen. Wir tanzten, etwas das

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die Afrikaner wirklich können, und alles       schickte, dachte ich mir irgendwann, daß
war wieder in Butter.                          ein Heiratsantrag auf Tonband - direkt
Innerhalb weniger Stunden erlebte ich auf      aus dem afrikanischen Busch - auch eine
diese Art die Schwankung zwischen „To-         nicht gerade alltägliche Angelegenheit sei.
desangst“ und größter Freude. Ob wir Euro-     Gedacht, getan. Ich schickte den Heirats-
päer solche Vorkommnisse zu dramatisch         antrag auf Band per Kurier nach Deutsch-
sehen? Jedenfalls war auch der Deutschen       land und wurde erhört. Ich flog sofort nach
Welle dieses Länderspiel mit all seinen Be-    Deutschland, bekam den Segen der Eltern,
gleiterscheinungen eine Reportage wert.        es wurde geheiratet, kurz geflittert und
                                               schon ging es zu zweit zurück nach Sierra
Nun war schon bald mein erstes Jahr in         Leone.
Afrika vergangen, das ich staunend und
hin- und hergerissen von all den neuen         Als Sportlehrerin in Afrika, blond und
Eindrücken erlebte.                            hübsch, war sie bald so beliebt und be-
                                               kannt wie ich als Trainer. Bärbel unter-
Dann folgte ein wichtiger Schritt in meinem    richtete die Frauen, während ich mich um
Leben - oder auch ein wichtiges Tonband,       die Kicker kümmerte. Sie führte eine Art
das meinen, unseren Lebensweg be-              Bundesjugendspiele an den Schulen ein
stimmte.                                       und durch sie wurde der Sportunterricht
Leider gibt es sehr viele Beispiele für Ent-   für die Schüler zu einem bisher nicht ge-
wicklungshelfer, die für viele Jahre allein    kannten Erlebnis. Welche Anstrengungen
im Ausland tätig waren und durch Heim-         Bärbel dabei auf sich nahm, kann kaum
weh, Alkohol und sexuelle Exzesse in kur-      beschrieben werden, aber sie hatte Erfolg.
zer Zeit zum Wrack wurden. Dies hatte ich
nicht vor. Ich wollte eigentlich eine ganz     Der Spaß an der Arbeit und an den gemein-
„normale“ Familie gründen, aber wie?           samen Hobbies, wie Tennis spielen oder
Noch vor meinem Umzug nach Sierra Le-          das Landesinnere auch unter schwierigen
one hatte man sich ach Abschluß eines          Umständen zu erkunden, waren immer
Ausbildungslehrganges an der Sportschu-        wieder Dinge, die uns in der Welt voller Un-
le Schöneck zum Feiern bei mir auf Schö-       gereimtheiten und auch Ängsten zusam-
neck getroffen. Und da begegnete SIE mir:      menbrachten. Gemeinsam verjagten wir
eine intelligente, sehr hübsche, blonde        abends mit einer Schrotflinte die Affen, die
Westfälin. Sie war selbst Sportlehrerin und    um unser dicht am Urwald liegenden Haus
bildete Schülerinnen an der Sportschule        herumtobten, beruhigten den Hausboy, der
Steinbach, nicht weit von Karlsruhe, aus.      aufschrie, weil sich unter dem Bügelbrett
Wir lernten uns nur kurz kennen, denn lei-     eine Schlange bewegte und staunten über
der ging dann aber alles sehr schnell mit      die Wolken, die in der Regenzeit auf der
meinem Einsatz in Sierra Leone, der ein        einen Seite ins Haus kamen und auf der
kaum abzusehender Schritt in eine damals       anderen Seite das Haus wieder verließen.
noch unbekannte Zukunft war. Schon nach        Wir krabbelten nachts unter unser großes
kurzer Zeit in Sierra Leone sagte ich mir,     Moskitonetz um morgens festzustellen,
daß es ein Fehler gewesen war, SIE nicht       daß die Schuhe, die wir aus Versehen nicht
direkt gefragt zu haben, ob sie mich heira-    in den Schrank mit der starken Glühbirne
ten und nach Afrika begleiten würde, aber      zum Trocknen gestellt hatten, voller Schim-
.... Chance verpaßt.                           mel waren.
Da ich meine Erlebnisse in Sierra Leone
auf Tonband sprach und nach Hause              Einmal bekamen wir einen großen Schreck,

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als ich nachts beim Umkleiden, nachdem        ler der Botschaft, ein alter Afrikakämpfer,
wir von einer Party zurückgekommen wa-        glaubte mir sofort und lud uns zu sich in
ren, im Spiegel sah, wie eine schwarze        die Residenz ein. Ein Woche könnten wir
Hand nach unserem Radio griff. Ich, split-    uns dort gut „halten“. Dies war aber dann
ternackt, konnte es kaum fassen, sagte        nicht notwendig, da wir von den Mannen
nichts, sondern schnappte mir nur einen       der Armee beschützt wurden. In der Nacht
großen Stock und jagte nackt hinter dem       war „Stimmung in der Bauernschänke“ und
Afrikaner her, der nach unten auf die Stra-   morgens hatten wir eine neue Regierung.
ße sauste. Ich hatte ihn fast erreicht, da
machte er einen Satz in den Urwald und        Der Botschafter meinte nun, man müßte
ich stand nackt davor. Der Fahrer eines       mich wegen meiner sehr guten Bezie-
gerade vorbeifahrenden Autos hat wohl         hungen zu dem nun in Haft sitzenden,
auch im Scheinwerferlicht gedacht, daß        ehemaligen Präsidenten ausfliegen. Als ich
er träumt: Steht da mitten in der Nacht ein   fragte, ob man denn in der Botschaft den
weißer nackter Mann mit einem Prügel auf      neuen Präsidenten kennen würde, und
der Straße! Schnell bin ich zurück ins Haus   dies mit nein beantwortet wurde, konnte
gelaufen, habe die Tür verrammelt und Mü-     ich beruhigend erklären, daß ich den neu-
ckennetz zugezogen und habe mit Bärbel        en Präsidenten schon kennen würde und
einen neuen aufregenden Tag erwartet.         er mir aufgrund meiner Trainertätigkeit
                                              recht zugetan sei. So laufen die Uhren in
Ein anderes Mal waren meine guten Ver-        solchen Ländern manchmal anders. Und
bindungen zur Armee und Polizei von gro-      als Trainer öffnet man Türen, von denen
ßer Hilfe. Insbesondere in Schwarzafrika      andere nicht einmal die Klinke kennen.
kommen Leistungssportler nämlich über-
wiegend aus diesen Institutionen. Und aus     Eine nette Episode erlebte ich mit „Ju Ju“,
diesen Quellen erfährt man so manches ...     dem Zauberer. Ich hatte eine sehr große
Nach einem Training bei der Armee wurde       Schienbeinverletzung, eine große Schraub-
mir bei einem Drink danach mitgeteilt, daß    stollenwunde, die nicht heilen wollte. Alles
das Training am nächsten Tag ausfallen        wurde versucht, aber immer wieder brach
würde. Da ich zu der Zeit noch unwissend      die Narbe auf - eine nicht gerade ungefähr-
war, bezog ich dies auf die Regenzeit und     liche Verletzung bei den nicht sauberen
wollte das Training doch durchführen. Bis     Böden. Sollte ich nach Deutschland fliegen
man mir klar machte, daß in der folgenden     und mich dort behandeln lassen? Nein,
Nacht eine Revolution stattfinden, mir und    zunächst wollte ich noch etwas auspro-
meiner Frau aber nichts passieren würde.      bieren: mit einem Deutschen, der schon
Nur einkaufen gehen sollten wir zur Sicher-   lange im Land lebte und auch die Sprache
heit noch! Zu Hause angekommen, ging          beherrschte, fuhr ich eines Tages zu einem
Bärbel direkt los, um noch notwendige         Medizinmann in den Urwald. Mir war zwar
Dinge einzukaufen. Doch was war in solch      etwas mulmig, aber neugierig war ich auch.
einer Situation notwendig?                    Der Medizinmann machte Feuer, mischte
                                              Blätter, Kräuter und alles mögliche in
Auf jeden Fall hielt ich es für notwendig,    einem Topf zu einem Brei zusammen, der
unseren Botschafter über meine Erkennt-       auf mein Schienbein aufgetragen wurde.
nisse zu informieren. Dieser fragte er-       Anschließend wurde ich notdürftig verbun-
staunt, wieso ich von der Revolution wüßte,   den. Schon wenige Tage später stellte sich
wenn die Botschaft nicht informiert sei?      Erfolg ein! Die Wunde verheilte vollkom-
Kein Kommentar meinerseits. Der Kanz-         men und dies bis heute. Hoch lebe der Ju

                                              36
Ju im afrikanischen Busch.                      wieder war spürbar, welche Wunden die
Eine ähnliche Situation erlebte ich später      früheren Kolonialherren im Land hinter-
auch in Asien. Geschehnisse, die ich gerne      lassen haben. Um so freundlicher und
mit Medizinern zu Hause diskutiere.             offener reagierten die Menschen, da wir
                                                keine Klassen¬unterschiede machte, ver-
Der Bedeutung des Sports und vor allem          schwitzte Spieler im eigenen Auto mitnah-
des Fußballs wurde ich mir so richtig be-       men oder zum Kaffee bei uns zu Hause
wußt, als wir ein Länderspiel in Ibadan, Ni-    einluden. Aber auch der Kontakt zu den
geria, machten, während der Biafra Krieg        höchsten Regierungsstellen war - wie über-
in vollem Gange war. Ich wunderte mich,         all - unerläßlich, wenn die Arbeit als Fuß-
wieso die Regierung unter diesen Um-            balltrainer dauerhaft Früchte tragen sollte.
ständen Geld und Zeit für ein Länderspiel       Zwei Jahre Westafrika bedeuteten neben
hatte. Auf einem Festbankett erklärte mir       den enormen Erfahrungen und Bereiche-
dann ein Minister diesbezüglich, daß die        rungen - kultureller, menschlicher und
Welt eher an einem guten Abschneiden            fachlicher Art - auch echte Pionierarbeit
der Nationalmannschaft bei einer großen         und Improvisation in Reinkultur. Oft war
internationalen Veranstaltung, bei Olym-        meine Frau die einzige Ansprechpartnerin
pischen Spielen oder einer Weltmeister-         in fachlichen Fragen - wie gut daß sie auch
schaft interessiert sei, als an einem Krieg.    Sportlehrerin ist.
Die Regierung wollte also durch das Län-
derspiel politische Vorteile erzielen und in-   Trotz aller Anstrengungen, mich in Westafri-
ternationales Interesse wecken!                 ka zu halten, hieß es für die Familie, zu pa-
                                                cken, um nach Ostafrika zu ziehen. Selbst
Nach zwei Jahren Westafrika standen un-         die Zeitungen schrieben, daß das Land
sere letzten zwei Länderspiel bevor. Noch       bzw. die Mannschaft ohne „Paep“, wie ich
immer wurde ich nach der Spielbespre-           in Schwarzafrika genannt wurde, den Stan-
chung mit der Mannschaft kurz fortge-           dard nicht halten könne und es besser sei,
schickt, so daß der Ju Ju Mann, der Zau-        mich ein weiteres Jahr zu engagieren.
berer, die notwendigen Verzauberungen
an der Mannschaft vornehmen konnte.             Echt afrikanisch war auch die Reise von
Nach ca. einer halben Stunde erschienen         West nach Ostafrika, nach Uganda, unserer
die Spieler meist völlig gelöst, entspannt      neuen Heimat: Bei der Zwischenlandung in
und guten Mutes. Trotzdem verloren wir          Lagos bot sich uns wieder ein gewohntes
das Hinspiel in Guinea. Das Rückspiel in        Bild: Soldaten mit Maschinenpistolen, die
Freetown gewannen wir dann. Bei diesem          allerdings diesmal nicht gegen uns gerich-
letzten Länderspiel durfte ich - als größter    tet waren.
Vertrauensbeweis der Mannschaft aber
auch des Ju Ju Mannes - bei den kultisch-       In Uganda waren die Anfangsvorausset-
heiligen Handlungen anwesend sein. Ich          zungen professioneller, als in Sierra Le-
war tief beeindruckt und gerührt, daß ich       one: es gab eine oberste Sportbehörde,
tatsächlich „einer der ihren“ geworden          eine große Sporthalle für 2.500 Zuschau-
war.                                            er, herrliche Rasenflächen und vor allem
                                                einen geregelten Spielbetrieb in den Re-
Während der zwei Jahre in Westafrika            gionen. Sogar einen Nationaltrainer hatte
haben meine Frau und ich viele Safa-            man etabliert. Allerdings gab es damals
ris unternommen, zu Geburtsorten der            nur wenige ausgebildete Trainer in Ugan-
Spieler oder zu Länderspielen. Immer            da, so daß ich mich zunächst um die Trai-

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nerausbildung kümmerte. Wir veranstal-         litische Interessen eine große Bedeutung.
teten viele Lehrgänge, bei denen wir die       Wer, bzw. welches Land ist das größte in
Fußballtalente entdeckten.                     Ostafrika? Nun, beim Fußball wurden wir
                                               die Größten. In meiner sechsjährigen Tä-
Nach kurzer Zeit bat man mich, auch die        tigkeit in Uganda gewannen wir viermal
Nationalmannschaft zu übernehmen. Der          den Pokal, einmal wurden wir Zweiter und
ehemalige Nationaltrainer wurde mein           einmal wurden die Spiele aus Kriegsgrün-
Assistent und so entstand eine sehr gute       den nicht ausgetragen. Zweimal gewannen
afrikanische-deutsche Zusammenarbeit.          wir auch den Pokal mit den Junioren, ein
Als wir auch eine Jugendnationalmann-          stolzer Rekord!
schaft aufgebaut hatten, übernahm mein
Assistent deren Training und der ehema-        Selbstverständlich war das Training den
lige Spielführer der Nationalmannschaft        Landesverhältnissen angepaßt. Da die
wurde mein Assistent. Er ging später sogar     Turnierspiele in der heißesten Trockenzeit
zur Fußballtrainer-Ausbildung nach Köln!       stattfanden, wurde das Training ebenso
Die Einführung einer Nationalliga förderte     in der heißen Zeit durchgeführt, Meine
die Spielerfolge deutlich.                     Spieler und ich schwitzen, aber die Mann-
                                               schaft dachte sich, daß der „Germane“
Eine große Hilfe bei meiner Arbeit war auch    schon wisse, was er tut. In der Tat wirkten
in Uganda die Armee, die zusammen mit          die anderen Mannschaften während des
der Polizei auch in Uganda fast alle Spit-     Turniers in der glühenden Sonne eher wie
zensportler stellt. Idi Amin, der damalige     ausgequetschte Zitronen.
Oberbefehlshaber der Armee und selbst
aktiver Sportler, hatte ein offenes Ohr für    Nach unserem ersten Sieg in Tansania
alle meine Wünsche, die den Sport be-          schickte uns der damalige Präsident Dr.
trafen. Jedes Länderspiel wurde von Idi        Obote eine Militärmaschine, die uns abhol-
Amin live im Stadion miterlebt, er stellte     te. In Kampala war dann unser der Empfang
die Quartiere für die Mannschaft und auch      eines Königs würdig. Voller Begeisterung
notwendige Lastwagen für Transporte zur        feierte das Volk unseren Erfolg. Es kam so-
Verfügung.                                     gar zu so skurilen Situationen, daß mir ein
                                               Stammeshäuptling seine Tochter schen-
Mit Sicherheit war ich für ihn auch der        ken wollte. Aber was würden meine Frau
„echte“ Deutsche, der ihm sogar sagen          und meine Schwiegereltern dazu sagen?
konnte, daß er einige Pfunde zu viel auf den   Statt dessen nahmen meine Frau und ich
Rippen hatte. Willig lies er sich sogar ein    dankbar das Angebot Dr. Obotes an, unser
Fitness-Programm verordnen und suchte          erstes erspartes Auto, eine Mercedes, zoll-
um Rat in sportlichen Fragen. Idi Amin         frei einzuführen. „ES HAT SICH GELOHNT“
gab aber damals auch manch wertvollen          hieß es überschwenglich in den Zeitungen
Hinweis, wie ich die Afrikaner behandeln       Ugandas, dabei spielten sie auf das harte
sollte, so daß sich eine Art „Freundschaft“    Training an. „Durch unseren Trainer „Paep“
entwickelte, als es noch nicht abzusehen       gelangten wir plötzlich in die Sonne eines
war, welche unschöne Rolle er in seinem        bis dahin nie erlebten Triumphes über un-
Land noch spielen sollte.                      sere erhabenen Nachbarn“...
Die jährliche Teilnahme an dem Ostafrika-      Auch meine Frau wurde wieder schnell be-
turnier war für Uganda schon immer ein         ruflich erfolgreich, da sie an einer privaten
großes Ziel gewesen. Dabei hatte natürlich     Sportschule neben Kinderschwimmen und
neben den sportlichen Interessen auch po-      Hausfrauengymnastik auch Handballtrai-

                                               38
ning gab.                                     und mich an. „Wir benötigen diese Reise
Nach unserem zweiten Sieg im Ostafri-         für die mögliche Weiterentwicklung beider
kapokal stand ein weiteres, bedeutungs-       Mannschaften“ und so mobilisierten wir
volles Ereignis bevor: Eine Reise nach        alle verfügbaren Kräfte. Durch die Unter-
Deutschland im Jahr 1970! Schon länger        stützung unseres Botschafters, Herrn Eick,
hatte in Uganda der Wunsch bestanden,         wurde uns ein Zuschuß aus Bundesmitteln
einmal nach Europa zu reisen. Ich unter-      bewilligt. Wir führten Verhandlungen mit
stützte dieses Anliegen, da es an der Zeit    Fluggesellschaften, feilschten mit Schnei-
war, außer-afrikanische Erfahrungen zu        dern und organisierten Geschenke, die
machen und somit der fußballerischen          billig aber/und typisch afrikanisch sein
„Inzucht“ mit immer denselben Gegnern         sollten. Es wurden Fußballspiele (National-
entgegen zu wirken. Da die Deutsche           spieler gegen Trainer) organisierten, deren
Fußballnational¬mannschaft anläßlich der      Einnahmen für die Reise verwendet wer-
Olympischen Spiele 1972 in München auch       den sollten.
einen Vertreter Schwarzafrikas erwartete,
war der DFB ebenfalls an einem Leistungs-     Der Aufruf zu privaten Spenden brachte
vergleich interessiert. Daher übernahm        die riesige Überraschung: Auf einem von
der DFB alle notwendigen Vorbereitungen       der Armee organisierten Festbankett stand
in Deutschland. Noch nie hatte vorher         selbst der einfachste Afrikaner mit nied-
eine schwarzafrikanische Fußballnational-     rigem Lohn auf und spendete zwischen 50
mannschaft in Deutschland gespielt!           Pfennige und 10 DM. Jeder Spieler gab von
                                              seinem Taschengeld 50 DM in die Kasse.
Flugkosten, Kosten für die Kleidung der       Unser Botschafter, Ehrengast des Ban-
Spieler und die Kosten für die Vorbereitung   ketts, mischte sich tanzend unters Volk
in Uganda sollten von ugandischer Seite       und begeisterte die Afrikaner zu weiteren
übernommen werden. Im März / April 1970       Spenden. Mit diesem Geld, durch das Ent-
war alles klar: Ein dreiwöchiger Aufenthalt   gegenkommen der Fluggesellschaften und
in Deutschland mit sechs Spielen war ab-      durch den Bundeszuschuß war unsere
gesprochene Sache. Die Vorbereitungen         Reise dann doch gesichert. Als Gastge-
in Uganda liefen auf Hochtouren und die       schenke verfügten wir über Zebra- und An-
Zeitungen berichteten begeistert von den      tilopenfelle, Masken und Schlangenhäute,
Orten, in denen wir spielen sollten.          die bei der Überreichung in Deutschland
                                              großen Anklang fanden.
Um die Kosten zu decken, schrieb ich,
nein, schrieb meine Frau ca. 30 Briefe an     Endlich unterwegs, war eine Riesenstim-
Firmen, die wir um Spenden für die Flug-      mung an Bord der Maschine. Noch nie war
tickets und um Kleidungsgeld baten. Alle      schließlich ein Ugander in Europa gewe-
Firmen gaben ohne Zögern ihre Zusage.         sen. So wie es mir 1966 in Sierra Leone
Aber dann kam der 1. Mai und Dr. Obote        ergangen war, so war es nun für meine
verstaatlichte unerwartet am Tag der Arbeit   Mannschaft: Alles war neu. Ankunft am
alle Unternehmen. Aus mit den Spenden!        Flughafen Frankfurt, dort Empfang durch
Absage der Reise, obwohl in Deutschland       den DFB, die Autobahnfahrt nach Nürn-
schon alles vorbereitet war. Wie Schade.      berg zur Einkleidung durch adidas. Meine
Die Niedergeschlagenheit der Afrikaner        Spieler hatten strahlende Augen bei der
und deren geheim gehegte Hoffnung, daß        Einkleidung! Mit einem herrlichen Zebrafell
der Pape bzw. die Papes das schon irgend-     bedankten wir uns bei Frau Käthe Dassler
wie machen würden, stachelten meine Frau      (adidas).

                                        39
Das erste Spiel, wie immer sehr wichtig bei   Spieler auf dem Feld persönlich begrüßte.
Reisen ins Ausland, war gegen den dama-       Als Überraschung wurde jedem Spieler ein
ligen Länderpokalsieger Bayern München        Trainingsanzug überreicht.
geplant. Hatten meine Spieler durch ihr       Der DFB verabschiedete uns mit dem
fröhliches und diszipliniertes Auftreten      Wunsch eines Wiedersehens im Jahr 1972.
viele Sympathien gewonnen und für ihr         Aber daraus wurde leider nichts, da wir die
Land geworben, erreichten sie durch ihre      Qualifikation beim Elf-Meter-Schießen im
hervorragende Spielweise und durch den        Sudan nicht schafften.
Sieg gegen Bayern noch viel mehr. (Damals,    Das Reiseprogramm wurde durch Fahrten
1979 wußte kaum jemand in Deutschland,        zum Titisee, zum Feldberg, durch den Be-
wo Uganda überhaupt liegt und ob ein Afri-    such der Opel-Werke und Besichtigung der
kaner nicht „abfärbt“) Den Spielern, den      Hutschenreuther Porzellanfabrik abgerun-
Begleitern und mir fiel ein Stein vom Her-    det. Von München aus ging es dann, mit
zen und auch die Resonanz der deutschen       59 statt 25 Gepäckstücken bewaffnet, zu-
Presse war überaus positiv. Überall wollte    rück nach „Hause“, wo wir stürmisch gefei-
man die „schwarzen Perlen“, wie die Spie-     ert und empfangen wurden.
ler zärtlich genannt wurden, beim Training
erleben.                                      Auch in Uganda wurden wir Zeuge einer Re-
                                              volution: „Mein“ General wurde Präsident
Nach einem sehr guten Spiel gegen den         des Landes, obwohl er dies zunächst nicht
damals starken Gegner Bayern Hof mit          wollte. Nichts änderte sich an meiner Ar-
einem Ergebnis von 1 : 1, wartete man         beit, bis auf die Bewachung und die Kriegs-
nun mit Spannung auf die Bewährungspro-       verhältnisse. Allerdings wurde die Bezie-
be gegen die deutsche Amateurnational-        hung zwischen Idi Amin und mir intensiver,
mannschaft, die durch sieben Mitglieder       da er, nun Präsident, mich aufforderte, mit
der Bundesliga verstärkt wurde. Auch Ulli     allen Problemen direkt zu ihm zu kommen,
Hoeness aus München war mit dabei und         er sei immer für mich da. Unter diesen
Jupp Derwall, ein guter Freund von mir, war   Umständen war es nicht verwunderlich,
der Trainer.                                  daß ich bald der bekannteste Mann der
                                              in Uganda lebenden Ausländer war. Leider
Bamberg war unser nächster Spielort. Die      wurden mir wegen meiner guten Kontakt
beiden Nationalhymnen wurden gespie-          zu Idi Amin auch Vorwürfe gemacht, aber
lt, der Botschafter Ugandas begrüßte die      die Menschen in Deutschland hatten gut
Mannschaften und schon erfolgte der An-       reden. Sie waren in Sicherheit, ich arbei-
stoß zum Länderspiel Uganda : Deutsch-        tete und lebte mit meiner Frau und später
land. Bis zur 88. Minute verlief das Spiel    meinem Sohn in Uganda! Eine Zeitung in
sehr ausgeglichen, aber da fiel das 2:1       Deutschland berichtete sogar, daß der
gegen Uganda. So ein Pech. Bei einem ab-      beste Freund von Idi Amin der deutsche
schließenden Fest lobte man die Leistung      Modellathlet B. Pape sei. Dabei wurde
der Afrikaner und ihre Spielweise, war aber   Amin bei einem Staatsbesuch in Deutsch-
auf deutscher Seite auch froh über einen      land vom Bundespräsidenten empfangen,
Leistungsvergleich im Hinblick auf die        Minister Willy Brand schüttelte ihm die
Olympischen Spiele 1972. Dem klaren Sieg      Hand und der Bürgermeister von Hamburg
mit 3:0 gegen eine Süd-Baden-Auswahl          machte mit ihm eine Hafenrundfahrt.
wurde noch mehr Bedeutung beigemes-           Als in Kampala unser Sohn Timo geboren
sen, da der damalige Entwicklungshilfe-Mi-    wurde, tat Idi Amin Dada so, als wäre er
nister, Herr Eppler, Ehrengast war und die    der Vater. Er meinte zu mir, daß wir Papes

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die Afrikaner und ihre Mentalität sehr gut     allerdings etwas mulmig, da ich es fälsch-
verstehen würden, aber Timo wäre ein rich-     licherweise als Spaß aufgefaßt hatte. Ab-
tiger Halb-Ugander, da er in Uganda gebo-      rupt brachen die Geschäftsbeziehungen
ren wurde. Darauf war Amin mächtig stolz.      ab und fuhren weiter. Vermutlich wären
                                               auch die Schwiegereltern nicht einver-
Timo lebte in seinen ersten Lebensjahren       standen gewesen, und wie hätten die 100
in Uganda. Seine Spielkameraden waren          Rinder nach Münster transportiert werden
Afrikaner, mit denen er sich prächtig ver-     sollen....?
stand. Herbst und Winter kannte Timo
nicht, aber Büffel, Antilopen, Nilpferde und   Eines der letzten Länderspiele war das
Löwen in freier Wildbahn gehörten zu sei-      gegen die brasilianische Mannschaft, die
ner gewohnten Umgebung. Ein Wort wie           sich auf die Weltmeisterschaft 1974 vor-
„Zoo“ war ihm kein Begriff.                    bereitete. Für uns war es selbstverständ-
                                               lich, daß wir alles taten, um vor vollem
Auch in Uganda sagten wir uns, daß die         Haus bzw. Stadion zu bestehen. In diesem
Hauptstadt nicht wie das Land selbst sei       Zusammenhang kam der General und
und so machten wir viele Safaris in das Lan-   Präsident mal wieder auf eine tolle und
desinnere. Aber auch quer durch Ostafrika      auch gute Idee: Quasi als Vorspiel zu dem
nach Kenia, Tansania und Sansibar gingen       Länderspiel sollte am selben Tag ein Fuß-
unsere Reisen, wo wir unserem Hobby, der       ballspiel Regierungs¬mannschaft, damals
Großwildjagd frönten. Man mag heute bei        Government of Action genannt, gegen das
dem Wort Großwildjagd erschrecken, aber        Diplomatische Corps Ugandas stattfinden.
damals war die Jagd voll lizensiert und
nach deutschen Jagdgesetzen kontrolliert.      Idi Amin wollte selbst als Mittelstürmer
                                               spielen; von der Deutschen Botschaft wur-
Auch in diesem Zusammenhang erlebten           den der Herr Botschafter und der Leiter
wir interessante Episoden wie z.B. daß         der Kulturabteilung aufgestellt. Das Gan-
man nach mir im ganzen Busch suchen            ze wurde ein riesiges Spektakel. In einem
ließ, da Idi Amin und der Präsident eines      offenen LKW wurde die Regierungsmann-
anderen Landes spontan vereinbart hat-         schaft ins Stadion gefahren. Während des
ten, in einem Länderspiel zu klären, wes-      Spiels verletzte sich Idi Amin und wurde
sen Mannschaft die bessere sei. Es war al-     auf meinen Rat hin aus dem Spiel ge-
lerdings Spielpause und sowohl die Spieler     nommen. Da er sich aber den Spaß nicht
als auch meine Familie und ich machten         nehmen lassen wollte, humpelte er in der
Urlaub, sprich, wir gingen auf Safari. Über    2. Halbzeit als Schiedsrichter übers Feld.
Radio lies man uns ausrufen und fand uns       Er war so Feuer und Flamme, daß er das
schließlich im Busch, so daß zwei Tage         Ende der Halbzeit übersah. So mußte ich
später das Spiel stattfinden konnte.           ihn vom Spielfeld holen und ihn auf die
                                               Zeit aufmerksam machen, da das Haupt-
Auf Safaris im Busch weit entfernt jeglicher   spiel auch noch stattfinden sollte. „Paep,
Zivilisation fragten wir oft die Einwohner     ok“, sagte er und schon war das Abpfeifen
nach dem Weg. Dabei interessierten sich        seine nächste Amtshandlung. Da wir mit
die Dorfbewohner öfter für meine blonde        1 : 1 gegen Brasilien das Spielfeld verlie-
Frau Bärbel und wollten sie mir sogar ab-      ßen, war Idi Amin sehr zufrieden. Wieder
kaufen - nichts ungewöhnliches für eine        einmal hatte ein Gegner gedacht, die
afrikanische Frau oder ein Mädchen. Über       „Schwarzen“ mal so eben zu putzen und
100 Rinder bot man mir, dann wurde es mir      nebenbei auf Safari gehen zu können.

                                         41
sichts der Kriegsverhältnisse
                                                            im Land für mich nur ein
                                                            schwacher Trost.

                                                          Oft konnte ich der Deutschen
                                                          Botschaft oder Geschäftsleu-
                                                          ten durch meine guten Bezie-
                                                          hungen zu Idi Amin helfen, in
                                                          dem ich als Türöffner fungier-
                                                          te. Dies hat man mir und mei-
                                                          ner Frau oft vorgeworfen. Und
                                                          in der Tat hat Idi Amin, der an-
                                                          fangs im Volk sehr beliebt war,
                                                          viele Fehler gemacht und bru-
                                                          tal gewütet. Aber wir mußten
Ein General auf Abwegen: Idi Amin als Schiedsrichter      unter diesen Umständen im
                                                        Land leben und arbeiten. Kei-
Nach über sechs Jahren harter Arbeit wur-    ner hat mich aufgefordert, das Projekt zu
de es wieder Zeit, die Koffer zu packen      verlassen oder hat das Projekt eingestellt.
und diesmal Uganda den Rücken zu keh-        Und offene Opposition hätte weder mei-
ren. Die ugandische Regierung hatte alles    ner Familie noch dem AA etwas gebracht,
erdenkliche versucht, uns im Lande zu hal-   wenn ich standrechtlich erschossen wor-
ten, aber nach so langer Zeit war eigentlich den wäre. Meine Aufgabe bestand darin
alles erreicht, um den Leistungsstand der    Fußball „ zu verkaufen“ und dies habe ich
Nationalmannschaft zu optimieren. Es gab     erfolgreich getan. Daß meine Frau öfter
inzwischen genügend ausgebildete Trainer     ängstlich auf mich wartete, ob ich lebend
im Land und für weitere Maßnahmen fehl-      von einem Besuch bei Idi Amin zurückkam,
ten die Gelder.                              wissen nur die wenigsten Menschen.

Die Zeit in Uganda war nicht immer leicht      Trotzdem verließen wir Ostafrika auch mit
gewesen. Die Tage der Unruhen sind unge-       einem weinenden Auge, denn natürlich
zählt, an denen wir bewaffnet ins Kino gin-    blieben viele liebe Freunde zurück und
gen oder zu einer Party fuhren, an denen       viele schöne Erlebnisse sind für immer mit
Überfälle auf Weiße an der Tagesordnung        Ostafrika verbunden.
waren, an denen man nachts mit Gewehr
im Haus umher schlich, da man vermutete,       Die nächste Station in unserer „Karriere“
daß mit Buschmesser bewaffnete Banden          hieß Ägypten, das Land der Pyramiden und
versuchten, in das Haus einzudringen. Die      der Königs-Gräber. Das Tal der Könige,
Stunden der Angst sind nicht zu vergessen,     das Mausoleum des Aga Khan und nicht
die meine Frau alleine mit unserem Sohn        zu vergessen der Abu-Simbel-Tempel gehö-
im Haus verbrachte, da meine Tätigkeit         ren zu Ägyptens Attraktionen. Ein Land, in
oft mit Reisen ins Landesinnere und auch       das jährlich Tausende von Touristen reisen
ins Ausland verbunden war. Die Angst war       oder von einer Reise träumen. Aber nur mit
nicht unberechtigt, da in den Zeitungen        träumen war es in unserem Falle natürlich
immer berichtet wurde, wann ich mich wo        nicht getan. Ein neues Einsatzland, ein
aufhielt. Die Tatsache, daß meine Frau         neuer Wohnort, neue Bekannte, neues Ein-
mit Waffen umzugehen vermag, war ange-         leben und Herantasten an die schon vor-

                                               42
handenen Institutionen. In diesen Punkten       den notwendigen Mitteln vor allem an der
waren wir inzwischen Profis geworden.           Nachwuchsarbeit. Die Wende brachte ein
                                                Turnier in Syrien mit sich, als ich mit einer
Im sportlichen Bereich gab es in Ägypten        Nachwuchsmannschaft antrat, um den üb-
nach den Jahren des Krieges eine Menge          rigen Spielbetrieb nicht zu unterbrechen.
zu tun. Aber es gab schon damals eine gute      Wir schnitten in Damaskus gut ab und so
Grundlage im Bereich des Breitensports,         wurde grünes Licht für den gezielten Nach-
mit vielen Sportvereinen und den notwen-        wuchsaufbau gegeben. Weihnachten 1974
digen Sportanlagen. Es herrschte sogar          wurde in Tunesien der Palästinenser Po-
schon wieder ein geregelter Fußball-Spiel-      kal ausgetragen, der eine große politische
betrieb, bei dem allerdings noch keine Län-     Bedeutung hatte. Wir gewannen das Tur-
derspiele durchgeführt wurden. Durch feh-       nier mit einer verjüngten Mannschaft und
lende internationale Kontakte begann im         konnten so die Sinnhaftigkeit der Nach-
Jahr 1974 alles neu. Schon in demselben         wuchsförderung unter Beweis stellen.
Jahr trugen wir in Kairo den Afrikapokal der
Nationen aus, so daß die Begeisterung bei       Ein Höhepunkt meiner Arbeit in Ägypten
Spielern, sich auch im Turnier zu qualifizie-   waren zwei Trainingsreisen nach Deutsch-
ren, leicht geweckt werden konnte.              land, die von der Bevölkerung mit groß-
                                                em Interessen verfolgt wurden. Bei den
Bei einem Spiel der Nationalmannschaft          Freundschaftsspielen erzielten wir gute
gegen Dukla Prag kam es aber leider auch        Ergebnisse, so daß die Reisen auch als
zu weniger schönen Ereignissen: Obwohl          die Vorbereitung auf die ersten Weltmei-
das Stadion bereits ausverkauft und voll        sterschaft der Junioren ein voller Erfolg
besetzt war, drängten sich immer noch           waren.
unglaubliche Maßen hinein, drückten
die Menschen an Pfeiler und Wände und           Bis in das Endspiel der Qualifikationsrun-
selbst die Flucht der Zuschauer auf das         den für diese WM spielten wir uns vor. Doch
Spielfeld half in dieser Situation nur wenig.   dann wurde leider ein berechtigter Protest
Das Spiel wurde daher nicht angestoßen.         gegen die Mannschaft der Elfenbeinküste,
Wir flüchteten in die Kabinen und später        die Spieler im Alter von über 20 Jahren
wurde in den Zeitungen von viele Toten be-      aufgestellt hatte, nicht berücksichtigt und
richtet. Zu dieser Zeit war Dettmar Cramer      wir verloren. Nach all‘ der Arbeit und Mühe
bei mir zu Besuch, unsere Familien jedoch       war ich war stinksauer.
in Deutschland. Da wir wußten, daß ein
solches Desaster weltweit Schlagzeilen          Bei einem anderen Turnier brachte ich die
machen würde, versuchten wir, in Deutsch-       Mannschaft von Zamalek ins Pokalend-
land ein Lebenszeichen zu hinterlassen,         spiel. Das Nasser Stadion drohte aus allen
was uns schließlich auch gelang.                Nähten zu platzen. Über 120.000 Men-
Das gesamte Turnier wurde schließ-              schen drängten sich auf den Rängen. Daß
lich mit „älteren“ Spielern mit geringer        wir das Spiel gewannen, brachte die Menge
Wettkampf¬erfahrung ausgetragen, mit            dazu, mich als Erfolgstrainer zu feiern und
denen wir uns sogar den dritten Platz er-       mir den Sportdress zum Leibe zu reißen:
spielten.                                       man wollte ein kleines Souvenir mitneh-
                                                men. Selbst meiner Sportschuhe wurde ich
Die Einsicht in die Notwendigkeit der Trai-     entledigt und zieren heute vielleicht einen
nerausbildung war damals in Ägypten             Trophäenschrank. Nur mit Mühe und Not
schon vorhanden, aber es fehlte neben           konnte ich meine Hose anbehalten, die ich

                                          43
für den anschließenden Festumzug durch         auch durchaus sehen lassen, wurden aber
die Stadt doch benötigte!                      von den Verantwortlichen leider oft über-
                                               schätzt. Es war daher nicht immer leicht,
In Ägypten vergrößerte sich unsere Familie:    zusätzliche Trainerlehrgänge etc. durchzu-
Unser Sohn Thorsten wurde geboren, der         setzen.
mit seinem Bruder Timo an all‘ meinen/
unseren Einsatzorten - natürlich unter der     Von 1978 bis 1983 lebten meine Familie
Obhut der Eltern, bzw. der Mutter - dabei      und ich in Colombo / Sri Lanka, dem ehe-
war.                                           maligen Ceylon. Heute eine unruhige Insel,
                                               war Sri Lanka damals ein echtes Paradies
Wie auch in Afrika waren wir bemüht, die       zum Genießen - und zum Arbeiten.
Geschichte und Eigenarten Ägyptens durch
Reisen zu ergründen und so die Menschen        Große Unterstützung in meiner Arbeit er-
besser zu verstehen. Dabei begegnete uns       fuhr ich durch einen Direktor des Sportmini-
immer wieder der Ausdruck „MALESH“.            steriums, der in Leipzig in der DDR studiert
Malesh hat eine mächtige Bedeutung und         hatte und perfekt Deutsch sprach. Trotz
kann schon fast als eine Lebenseinstel-        relativ geringer finanzieller Mittel lief die
lung bezeichnet werden. Malesh bedeutet        Arbeit recht gut. Zahlreiche Trainer-, Leh-
vor allem „Vergebung“, das landläufig mit      rer- und Schiedsrichterseminare wurden
„macht nichts“ oder „kann man eben nicht       durchgeführt und das Training der Natio-
ändern“ übersetzt werden kann. Hat man         nalmannschaft zeigte erste Früchte. Auch
einen Unfall: Malesh. Schießt man am lee-      wurden Kleinprojekte in Sachen Sportme-
ren Tor vorbei: Malesh. Auch wenn ein naher    dizin, Sportverwaltung und Schiedsrichter-
Angehöriger stirbt: Malesh. Aber auch sich     ausbildung unterstützt.
mit vielleicht nicht ganz korrekten Mitteln
durchs Leben zu boxen ist Malesh. Ein wei-     Sportlehrer, die als Counterparts ausgebil-
terer wichtiger Begriff in Ägypten ist „Bak-   det wurden, waren in ihren Provinzen für
schisch“, das „Öl“ zwischen¬menschlicher       die Auswahlmannschaften zuständig, so
Beziehungen. Bis man diese Lebensauffas-       daß der Nachwuchs gezielt gefördert wur-
sungen und Verhaltensweisen verstanden         de. Insbesondere der Nachwuchsförderung
und verinnerlicht hat, vergeht als Europäer    wurde von Regierungsseite viel Beachtung
doch eine gewisse Zeit!                        geschenkt. Bei den Asienmeisterschaften
                                               erzielten wir die dritte Runde und hatten
Als es nach 13 Jahren Afrikanischer Konti-     somit in Sri Lanka einen riesigen Erfolg.
nent im Jahr 1978 wieder hieß, Abschied
zu nehmen, hatten wir in Sachen Fußball        War ich in Sachen Sportlehrerausbildung
einen guten internationalen Standard er-       als Fußballspezialist bekannt, so wurde
reicht. Hatte zuletzt 1958 die deutsche Na-    meine Frau in der Ausbildung in der Rhyth-
tionalmannschaft in Kairo mit 1:2 verloren,    mischen Gymnastik aktiv und erfolgreich.
so kamen auch nun nach ca. 20 Jahren           Es war sehr interessant zu beobachten,
wieder Mannschaften aus aller Welt, um         wie die Männer (!) immer mehr Gefallen an
Freundschaftsspiele gegen Ägypten auszu-       der Gymnastik fanden und sich bemühten,
tragen. Auch deutsche Mannschaften, wie        diese noch unbekannte Sportart zu beherr-
z.B. Bayern München, Eintracht Frankfurt       schen. Mit einer Mädchengruppe trat mei-
oder Bor. M. Gladbach haben ihre Kräfte        ne Frau im ausverkauften Stadion auf. Di-
gegen „uns“ gemessen. Die Ergebnisse           ese Gruppe war mit ihren Keulen und dem
dieser Freundschaftsspiele konnte sich         Einsatz klassischer Musik ein Höhepunkt

                                               44
der Veranstaltung, so daß der Präsident -       Ergebnisse meiner Arbeit, also Erfolge se-
selbst Zuschauer - meine Frau bat, diese        hen, bevor man bereit war zu investieren.
Vorführung im Landesinnern zu wiederho-         Anders als in Deutschland wird zunächst
len, was sie natürlich mit Freude tat.          der Spitzensport gefördert, bis auch Mittel
Auf allen Gebieten des Sports wurden in         für den Breitensport freigegeben werden.
Sri Lanka große Fortschritte gemacht, die       Als „Experte“ muß man in diesen Ländern
dann leider durch den Krieg zu nichte ge-       daher besonders „am Ball bleiben“, um et-
macht wurden.                                   was langfristiges zu erreichen. GottseiDank
                                                wurden wir mit der U-18 (unter 18jährige)
In Sri Lanka, das sich erst kurz vor unser      erstmals Asiatischer Meister beim Turnier
Übersiedlung vom Sozialismus befreit hat-       in Indien. Dies war der Ansporn, auf die
te, ging es nach den Jahren der Isolation       Jugend zu setzen, um vor allem dauerhaft
politisch und wirtschaftlich schnell bergauf.   Erfolg zu erzielen.
Viele Touristen reisten damals ins Land,
um neben Kultur und Religion vor allem
die traumhafte Landschaft mit den para-
diesischen Stränden zu genießen. Auch wir
entdeckten ein neues Hobby: das Tauchen.
Wir hatten es natürlich besonders gut, da
wir nicht nur die Tauchreviere Sri Lankas,
sondern auch die Malediven direkt vor der
„Haustür“ hatten. Auch für unsere Kinder
waren die Jahre in Sri Lanka herrlich: in
wunderschöner Natur wohnend, mit erfolg-
reichen und zufriedenen Eltern, ging der Äl-
tere in die erste Schulklasse während der
Jüngere den Kindergarten besuchte.

Im Jahr 1983 siedelten wir nach Jakarta,        Viel Prasis am Ball: Während eines
                                                Trainer-Lehrganges in Indonesien
Indonesien um. Indonesien, das Land der
13.000 Inseln ist an Abwechslungsreich-         Auch in Jakarta entwickelten sich schnell
tum und Schönheit meiner Meinung nach           die notwendigen Kontakte zu einfluß-
kaum zu überbieten. Hier widmete ich            reichen Persönlichkeiten des öffentlichen
mich überwiegend dem Auf- und Ausbau            Lebens: Jahrelang spielte ich in Jakarta
des Jugendfußballs. Es bestanden zwar           als einziger Ausländer im Stadion jeden
schon drei Fußballschulen, aber auf mei-        Mittwoch Tennis. Als Gegner oder Partner
nen Reisen durch das Land bzw. über die         lernte ich so z.B. den Sportminister, sei-
Inseln stellte ich immer wieder fest, daß es    nen Deputy, einen Staatssekretär und den
wahnsinnig schwer war, geeignete Talente        Sportdirektor, dem unsere Jugendschulen
zu entdecken. Wo sollte auf den 13.000 In-      unterstanden, persönlich gut kennen. Die-
seln nur der indonesische „Beckenbauer“         se Personen waren für meine Projekte sehr
oder „Maradonna“ leben? Von den ca. 180         wichtig und so war es klug, im geeigneten
Millionen Einwohnern Indonesiens leben          Augenblick auszusetzen und ein „Schwätz-
ca. 70 Prozent auf der Hauptinsel Java.         chen“ zu halten. So konnten Dinge viel
                                                leichter entschieden werden, als bei einem
Wie in fast allen Ländern der „Dritten Welt“    offiziellen Termin im Ministerium: Andere
wollte man in Indonesien auch zunächst          Länder, andere Sitten.

                                          45
Bis zu meiner Abreise im Jahr ..... gab es     berichtet werden können.
insgesamt neun Jugendsportschulen auf
Java, Sumatra, Sulavesi, Irian-Jaya und in     Da die Kinder nun auch schon größer und
Kalimantan verteilt. Dort wurden auch die      älter waren, haben wir viel im Land unter-
jeweiligen Zentralen für die Trainerausbil-    nommen. So sind wir z.B. mit dem Motorrad
dung etabliert.                                durch die Götterinsel Bali gefahren, sind
                                               auf noch brodelnde Vulkane gestiegen und
Natürlich reiste ich mit meiner indone-        haben Eingeborenenstämmen „besucht“,
sischen U-18 auch nach Deutschland,            die zu dieser Zeit kaum Kontakt zur Außen-
genau gesagt sogar zweimal. Die Reisen         welt hatten. Vor allem für unsere Kinder
wurden von dem NOK, von dem leider in-         waren dies wichtige Erfahrungen, um Ver-
zwischen verstorbenen Herrn Dobrick, ei-       ständnis für eine „andere“ Welt aufzubrin-
ner großen Stütze aller Sportexperten im       gen, in der sie später allein leben sollten.
Ausland, und von seinen Mitarbeitern be-       Wir sind uns sicher, daß unsere Kinder, die
stens vorbereitet. Nach schwerem Training      inzwischen in den USA studieren, von die-
und harten Gegnern in Deutschland waren        sem Leben stark profitierten.
wir nach dem Sieg in Indien gestählt, wie-
der Asiatischer Meister zu werden.             Als wir dann nach Thailand, in das Land
                                               des Lächelns umzogen, blieben uns viele
Und dann erzielten wir noch den Sieg ge-       gute Kontakte in Indonesien erhalten.
gen Thailand vor 90.000 Zuschauern in Ja-
karta. Die tolle Stimmung nutzend, packte      Thailand ist wie Indonesien ein Urlaubs-
ich die Gelegenheit beim, diesen Sieg nicht    land mit, reich an Dschungelgebiten und
nur mit einem „feuchten“ Händedruck für        Traumstränden. Aber die Hauptstadt
die Spieler honorieren zu lassen, sondern      Bangkok in der wie nun seit gut 5 Jahren
dem Minister abzuringen, daß jeder Spieler     leben, ist mit den ca. 8 Mio Einwohnern
nach dem Schulabschluß ein Studiensti-         und aufgrund der schlechten Verkehrspla-
pendium bekam. Für die Jungs, die meist        nung eher eine Zumutung. Z. B. beträgt die
aus ärmlichen Verhältnissen kamen, hatte       durchschnittliche Stundengeschwindigkeit
dies natürlich einen unschätzbaren Wert.       zu Spitzenzeiten nur 3 bis 5 km/h. Aber
Sie selbst hätten sich nie ein Studium lei-    schöne Frauen gibt es hier ebenso wie ei-
sten können. Zudem wurden die Stipen-          nen über alles erhabenen König, der vom
dien für die jüngeren Fußballjahrgänge die     Volk verehrt und von der Politik und dem
richtige Motivation, sich total ins Zeug zu    Militär im Lande geachtet wird.
legen und ähnliches zu erreichen. Denn so
konnte der Sport für sie zum Vehikel wer-      Auch in Thailand wird der Sport von der Re-
den, ihren sozialen Status zu verbessern.      gierung als Erziehungsaufgabe angesehen
Bei fünf Turnieren wurden wir zweimal Asi-     und man bat mich daher, den Jugend- und
atischer Meister und haben dreimal das         Schulsport abzudecken. Trainerausbildung
Halbfinale erreicht. Auf unseren Reisen in     gehört natürlich ebenso dazu. Fußball ist
andere Länder wurde ein guter Grundstein       die populärste Sportart des Landes. Die
gelegt und die Notwendigkeit, noch weitere     deutsche Bundesliga mit all ihren Stars ist
Schulen aufzubauen, eingesehen. Durch          ein fester Begriff; fast jeder Thai weiß, wer
die vielen Trainerlehrgänge, die in allen      Matthäus oder Völler sind. Der Thai-Ger-
Ecken und Enden des Landes abgehalten          man-Fussball-Fan-Club zählt über 1.000
wurden, erlebte ich natürlich wieder viele     Mitglieder. Da dies in Deutschland nicht
Dinge, die aufgrund Vielzahl hier nicht alle   so bekannt ist, waren unser Bundestrainer

                                               46
Berti Vogts und auch Franz Beckenbauer          1991 versuchten wir uns mit der Frauen-
bei einem Besuch in Thailand sehr über-         auswahl in Japan für die erste Frauen-WM
rascht, welchen Stellenwert Fußball in          zu qualifizieren, doch beim letzten Spiel
Thailand hat. Auch die Westfalen-Auswahl        schafften wir gegen Taiwan nur ein 0:0,
staunte, als sie zum Kings-Cup nach Thai-       was nicht ausreichte. Aber die sehr gute
land kam und vor 30.000 bis 40.000 Zu-          Zusammenarbeit führte dazu, daß Frau-
schauern spielte.                               enfußball nun erstmals in Thailand im De-
                                                zember 1995 bei den SEA Games (South
Die Jugendfußballarbeit läuft auch in Thai-     East Asien Games) auf dem Programm
land über die Schulen. Die Sportlehrer sind     steht. Zur Zeit, im August 1995, werden
normalerweise begeistert, ihren Status          mit der U-18 die letzten Vorbereitungen für
durch eine Trainerausbildung aufzuwerten        die nächste Meisterschaft in Brunei getrof-
und auch die Jugendlichen erhoffen sich         fen.
dauerhafte Verbesserungen ihrer Leben-
sumstände. Das fehlende Vereinsgefüge           Auch in Thailand wurden/werden viele Trai-
macht die Arbeit allerdings nicht leicht. Und   nerseminare an exotischen Plätzen abge-
da es auch in der oberstenSpielklasse kei-      halten. Dabei ist Thailand ein Land voller
nen geregelten Spielbetrieb über Monate,        Überraschungen: der Norden des Landes
wie beispielsweise in Europa gibt,wird es       ist mit Dschungel überzogen, der Süden
für Thailand nicht leicht sein, internatio-     Thailands weist herrliche Strände auf. Nur
nalen Anschluß zu finden. Aber trotzdem         Bangkok bietet trotz der eindrucksvollen
haben wir mit gut ausgebildeten Counter-        Paläste und Tempel keinen Grund zum
parts (Trainern) und hartem Training einige     Schwärmen. Durch die immer größer wer-
Erfolge erzielt. So waren wir bislang zwei-     denden Verkehrsprobleme ist diese Stadt
mal Asiatischer Meister: in Malaysia gegen      eher eine Belastung. Jegliches außerberuf-
Korea und in Sri Lanka gegen Indonesien.        liches Leben kommt zum Erliegen bzw. ent-
                                                steht nicht erst. Bis Ende des Jahre 1995
Ja, so traf man seinen alten Freunde            werden wir, d.h. meine Frau und ich, noch
wieder.                                         in Bangkok wohnen, dann aber werde ich




              Hahn im Korbe: Trainer Pape und die Mädels in Thailand
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in Rente und wir nach 30 Jahren zurück           Leistungen zu bringen. Dies geschieht
nach Deutschland gehen.                          selbst dann wenn anfangs z.B. wegen der
                                                 Methode eigentlich Skepsis besteht. Der
Bewußt habe ich in dem in meinem Bericht         Asiate sagt hingegen: „gut, daß du da bist,
aus Indonesien nichts über die kulturellen,      aber wir machen alles so wie bisher“. Dies
menschlichen und klimatischen Beson-             ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür,
derheiten berichtet, da sich Indonesien          daß deutsche Trainer immer eher in Afrika
und Thailand nicht so stark von einander         eingesetzt wurden, als in Asien.
unterscheiden. Allerdings ist mir die Zu-
sammenarbeit in Indonesien leichter als          Für Touristen ist natürlich die asiatische
in Thailand gefallen, sei es bei der Arbeit      Art sehr angenehm, da man immer ange-
mit den Counterparts, mit den Offiziellen        lächelt wird und erst nach einiger Zeit die
an höchster Stelle oder auch mit dem             drei Formen des Lächelns erkennt: das
Personal. Natürlich sind insbesondere in         echte, herzliche Lächeln, das schamvolle
Thailand die Sprache und die Schrift ein         Lächeln und das eisige Lächeln.
großes Hindernis, da nur wenig Englisch
gesprochen wird.                                 Thais werden auch nie laut oder ausfal-
Aber das für Europaer verwirrenste und für       lend. Unarten, die in Deutschland im Um-
Thais wichtigste ist es, „nicht das Gesicht      gang z.B. mit Verkehrsrowdies üblich sind,
zu verlieren“. Auch in Europa verliert man       wie Vogel zeigen oder andere Handbewe-
nur ungern sein Gesicht, d.h. man blamiert       gungen, wird man bei Thais vergeblich
sich ungern. In Asien hat dies allerdings        suchen. So ist es auch beim Fußball: kein
eine weitaus wichtigere Bedeutung, ja es         Schrei „Mensch, gib den Ball ab“, oder
handelt sich hierbei um eine echte Men-          „greiff an!“. Emotionale „Ausbrüche“, die
talitätsfrage. Oft wurde ich gefragt, ob es      beim Fußballspielen lebenswichtig sind,
in Afrika oder Asien einfacher war, zu ar-       kommen mentalitätsbedingt nicht vor. Da
beiten. Die Antwort heißt für uns ganz klar:
In Afrika und zwar in Schwarzafrika. Schon
in Ägypten, also in Nordafrika, führt der ara-
bische Einfluß zu ganz anderen Verhaltens-
weisen der Einheimischen und zu anderen
Lebensumständen als in Schwarzafrika.

Bei einem Schwarzafrikaner weiß man
ganz genau, was los ist, ob er gut oder
schlecht gelaunt ist und ob man Einver-
ständnis erzielen konnte oder nicht. Wenn
ein Schwarzafrikaner lacht, blitzen seine
weißen Zähne, da klatscht er in die Hän-
de und man weiß, daß die Freude echt ist.
Auch die Akzeptanz der eigenen Person
ist in Afrika anders als in Asien. In Afrika
einem Ausländer, der als Experte ins Land
kommt, die Chance gegeben zu zeigen,
was er kann. Man sagt dort, „gut, daß du
da bist, wir werden das so mal probieren“
und man gibt sich Mühe, entsprechende

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ich aber nach Thailand zum arbeiten, also      Verständnis für diese uns so fremde Men-
zum trainieren gekommen bin, mußten/           talität aufzubringen, kostet oft sehr viel
müssen sich die Spieler gewaltig umgewöh-      Zeit und Kraft. Allerdings ist es natürlich
nen und Kompromisse eingehen. Oft weiß         für die Asiaten auch nicht anders. Oft war
ich natürlich wegen des ewigen Lächelns        und ist die Improvisation in vertrackten Si-
nicht, woran ich eigentlich bin. Die einzel-   tuationen alles. In den Jahren in Afrika und
nen Nuancen habe ich erst nach längerer        Asien habe ich daher so eine Art „Durch-
Zeit erkannt und zu interpretieren gelernt.    haltevermögen“ entwickelt, ohne das es
                                               keine Erfolge gegeben hätte.
Zudem ist die Hierarchie in der Thai-Gesell-
schaft ein wesentliches Element. So kann       Dabei wäre noch zu klären, wie sich für
es passieren, daß in Asien ein Mitarbei-       mich „Erfolg“ eigentlich definiert. Sicher-
ter zusagt, etwas zu tun, was er aber aus      lich ist jeder Sieg im Spiel ein Erfolg, aber
Gründen, die in der Hierarchie liegen, gar     für mich persönlich gibt es auch Erfolge an-
nicht ausführen darf und demnach auch          derer Art: Durch meine Tätigkeit als Trainer
nicht tut. Man darf dann nicht verärgert       hatte ich immer eine gewisse Vorbildfunk-
sein, sondern muß durch indirekte Fragen       tion bei den Jugendlichen und konnte sie
herausfinden, warum es nicht möglich war,      bei zahlreichen Gelegenheiten davon ab-
das Angekündigte zu tun.                       halten, Dinge zu tun, die sie in irgendeiner
                                               Form in Gefahr gebracht hätten. Eine phan-
Fragen stellen, dies ist auch ein beson-       tastische Chance bot sich mir hier in Thai-
deres Thema in Asien. Als Trainer ist es       land, genau gesagt im Goldenen Dreieck
natürlich eine meiner Aufgaben, Wissen zu      Laos, Burma und Thailand. Das Goldene
vermitteln und dieses Wissen abzuprüfen.       Dreieck ist eines der größte Drogenan-
Dabei habe ich bei Trainerseminaren oft        baugebiete der Welt. Drogen aller Art sind
selbst das Gesichter verloren, da ich unver-   hier zu relativ niedrigen Preisen verfügbar
ständlich unterrichtete. Aber auch die Teil-   - welch eine Gefahr für die Jugendlichen,
nehmer verloren öfter ihr Gesicht, da sie      insbesondere da in den Bergregionen der
von mir gestellte Fragen nicht richtig be-     Golden Dreiecks Drogen traditionell z.B.
antworten konnten. Ein herrliches Beispiel     gegen Hungergefühle eingenommen wer-
für diese Situation ist die nicht unübliche    den (Kauen der Betel-Nuß).
Frage nach dem Weg: Frage einen Thai
nach dem Weg nach X und er wird auf je-        In Zusammenwirken mit einem anderen
den Fall eine Antwort geben, auch wenn er      GTZ-Projekt, das sich im Norden Thailands
den richtigen Weg nicht kennt. Es wäre ein-    seit Jahren mit dem Thema Drogenanbau
fach zu unhöflich, entweder keine Antwort      und seinen Folgen beschäftigt, ergab sich
zu geben und einzugestehen, daß er den         die Möglichkeit, eine kleine gemeinsame
Weg nicht weiß. Eine weitere Möglichkeit       Kampagne zu fahren: Drogen - nein danke.
ist, daß der Angesprochene selbst wieder       Mit unserer Schülerauswahl aus Bangkok
Leute anspricht, bei denen man auch nicht      veranstalteten wir in Mae Hong Song, an
sicher ist, ob sie den Weg nun tatsächlich     der Grenze zur Burma, einen Anti-Drogen-
kennen. So kann schnell eine kleine Men-       Sporttag. Wir wurden dabei vom dortigen
schentraube entstehen, die über den rich-      Gouverneur in unseren Aktivitäten unter-
tigen Weg diskutiert.                          stützt. Die Fußballmannschaften liefen mit
Man darf dann bloß nicht die Geduld ver-       adidas-Fußballhemden in schwarz-rot-gold
lieren und einfach weggehen, denn dann         und dem Aufdruck „Keine Macht den Dro-
verlieren alle ihr Gesicht.                    gen“ über das Spielfeld. Fallschirmsprin-

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ger brachten den Spielball vom Himmel,        Nun mag man mich fragen, was denn in
ein Prominentenspiel erfreute die Zu-         diesen 30 Jahren Trainerleben im Ausland
schauer und ein Anti-Drogenumzug durch        die wichtigsten Ereignisse oder Momente
die Stadt war der Höhepunkt des Tages.        in meinem Leben waren. Vieles gibt es da
Auch im Tennis gab es ein Länderspiel: der    zu nennen, aber nur einiges soll hier Er-
Gouverneur und sein Stellvertreter traten     wähnung finden: der Mauerfall 1989 war
gegen zwei GTZ-Experten an. Diese Aktion      für mich, als eigentlicher „Ossi“, ein sehr
fand sehr viel Anklang und wurde mit einer    bedeutsames Ereignis.
intensiven Berichterstattung in den Medi-     Grundsätzlich ist der Zusammenhalt in
en, Presse und                                                          unserer Fami-
Fernsehen                                                               lie, die ja nun
bedacht. Die-                                                           nicht gerade ein
ser Tag war                                                             durchschnitt-
für mich ein                                                            liches Leben an
großer persön-                                                          meiner          Seite
licher Erfolg,                                                          führt mit das
da wir den                                                              Wichtigste          in
Jugendlichen                                                            meinem Leben.
Wege aus ei-                                                            Die Entwicklung
ner Sackgas-                                                            meiner Söhne,
se aufzeigen                                                            die durch die
konnten - und                                                           Erfahrungen im
sei es nur mit                                                          Ausland - eigent-
Fu ß b a l l s p i e -                                                  lich ihrer Heimat
len. Ich bin si-                                                        - keine Rassen-
cher, daß man                                                           oder Fremden-
insbesondere                                                            feindlichkeiten
im Goldenen                                                             e n t w i c ke l te n ,
Dreieck noch                                                            sondern          über
viel mehr mit                                                           diese Probleme
Sport bewegen könnte, aber leider fehlen      erst aus der Zeitung erfahren haben. Auch
hierzu die Mittel.                            durch ihrer Ausbildung an internationalen
Neben den bisher beschriebenen Einsatz-       Schulen, an denen sie mit ca. 50 verschie-
orten führte mich mein Trainerberuf auch      denen Nationalitäten „aufwuchsen“, hat
zu vielen Kurzzeiteinsätzen in die Welt. So   den Weitblick meiner Söhne gefördert. Es
war ich z.B. auf den Malediven, in Bangla-    war und ist nicht wichtig gewesen, welche
desch, in Papua-Neuguinea, auf Tuvalu in      Hautfarbe die jeweiligen „Kumpels“ hat-
der Südsee und in Laos. Gerne erinnere        ten, wichtig war statt dessen, ob sie gute
ich mich auch an die kollegiale Freund-       Stürmer oder Mittelfeldspieler waren oder
schaft unter den „alten“ Recken auf dem       eine andere Sportart bevorzugten. Für sie,
Gebiet der Sportentwicklungshilfe: an         wie auch für meine Frau und mich ist der
Bernd Trautwein in Afrika und Kairo, an B.    Mensch wichtig, nicht seine Nationalität,
Ziese, an Rudi Gutendorf und seine Frau       auch wenn man sagen kann, daß der Um-
Maika.                                        gang mit bestimmten Nationalitäten für
Bernd Zkoll war bei uns zu Besuch in Ja-      uns Europäer leichter ist, als mit anderen
karta und Holger Obermann und K. H. Wei-      Nationalitäten. Wie schon erwähnt, stu-
gand waren bereits in Bangkok.                dieren beide Söhne in den USA und gehen

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on anhält, im Beruf darauf zu achten, daß
                                               er Spaß macht und vielleicht sogar, wie in
                                               meinem Fall, eine Art Hobby darstellt. Ich
                                               kann auch nur jedem raten, eine Zeit seines
                                               Lebens im Ausland zu verbringen und dort
                                               zu arbeiten. Ich kann dies nach nun gut 30
                                               Jahren Auslandseinsatz jedem mit aller Ehr-
                                               lichkeit empfehlen.

                                               Ich bin auch ein wenig stolz, daß ich in all
                                               den vielen Jahren meine Arbeitgeber, die
                                               GTZ und das AA, nicht enttäuscht habe.
                                               Leider wird nun aufgrund der Kostensitua-
                                               tion die sportliche Entwicklungshilfe stark
                                               eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Mei-
                                               ner Erfahrung nach kann gerade mit den
                                               relativ geringen Mitteln in der sportlichen
                                               Entwicklungshilfe überproportional viel im
                                               Gastland erreicht und für das positive An-
                                               sehen Deutschlands getan werden. Manch-
                                               mal hieß es sogar, daß wir Trainer im Aus-
                                               land „die idealen Botschafter in aller Welt“
                                               wären. Ein Funken Wahrheit ist schon wahr
schon ihre eigenen Wege.                       daran.
Meine sportlichen persönlichen Erfolge, die
Meisterschaften in der Leichtathletik, im      Jedenfalls blicke ich gerne auf die turbu-
Fünf- und Zehnkampf freuten mich natürlich     lenten und aufregenden Jahre in der Frem-
damals auch sehr, insbesondere wo sie da-      de zurück, die nun eigentlich meine Heimat
mals unter anderen Bedingungen als heute       geworden ist. Ich danke meiner Familie, die
errungen wurden.                               dies alles mitgemacht hat, vor allem meiner
                                               Frau, die ja nun nicht gefragt wurde, ob sie
Aber auch die Meistertitel mit meinen je-      schon wieder in ein anderes Land umziehen
weiligen Fußballmannschaften - der Ostafri-    wollte, aber mit Optimismus und Tatkraft im-
katitel, zweimal Jugend-Asien-Meister mit      mer wieder „neu“ angefangen hat.
Indonesien und auch schon zweimal mit
Thailand sind wichtige Schritte in meinem      Mögen recht viele Menschen ein gleiches
Leben gewesen. Die Ausbildung sehr vieler      „Wagnis“ eingehen und ebenso positive Er-
Trainer und Übungsleiter, denen ich eine       fahrungen machen.
Grundlage verschaffte und die meine Arbeit
nach meinem Weggang weiterführten, sind
ebenso wichtig für mich.

Ein weiterer, bedeutsamer Punkt ist, daß ich
es tatsächlich geschafft habe, mein Hobby
zu meinem Beruf zu machen, etwas, wovon
oft abgeraten wird. Ich kann aber nur hof-
fen, daß diese Zeilen die jüngere Generati-

                                        51
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Burkhard Pape: Schwitzen Statt Sitzen

  • 1.
  • 2.
    ISBN x-xxxx-xxxx-x Alle Rechtebeim Autor © 2008 Burkhard Pape, cyberculture lanzarote Herstellung und Verlag: Verlag xxx Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Layout und Umschlag: Diogenes von der Töss, cyberculture lanzarote Fotos: Pape; cyberculture lanzarote Wir danken dem DFB, adidas und der GTZ für ihre Unterstützung 2
  • 3.
    Schwitzen statt Sitzen Burkhard Pape: 40 Jahre Diplomatie im Trainingsanzug EIn Reisebericht mit Herz und Ball Verlag 3
  • 4.
  • 5.
    Ein Reisebericht mit Herz und Ball Vier Jahrzehnte lang hat Burkhard Pape dutzende von Wettkämpfen, pflegt den deutschen Fussball im Ausland mit seiner Arbeit das gute Image des erfolgreich repräsentiert. Viel hat sich deutschen Fussballs und sorgt für geändert seit er mit seiner Art der ein positives Image der Deutschen „Entwicklungshilfe“ damals begann. insgesamt. Auch sportlich sind die Kontinente enger zusammengerückt. Die Afrika- Während ein Franz Beckenbauer Meisterschaften sind heute fester im Rampenlicht zuerst mit genialen Bestandteil mitteleuropäischer live- Pässen die Stürmer bediente und Sportprogramme im Fernsehen und danach im internationalen Fussball im Internet. In diesem Buch schildert auch als Funktionär die Fäden zog, ein Insider, wie alles begann, wie es arbeitet Burkhard Pape, von der im Laufe der Jahre weiterging und wie Öffentlichkeit viel weniger beachtet im ein echtes deutsches Exportprodukt Ausland erfolgreich daran, deutsche im Ausland erfolgreich eingeführt Ideen und Qualität in viele andere wurde. Burkhard Pape konnte dabei Länder zu tragen. auf die Unterstützung von Freunden, Firmen und Helfern zählen, auch Während in Deutschland Rassismus wenn oft die Mittel für eine noch und Gewalt gegen Ausländer immer konkretere Hilfe fehlten, weil der wieder für Schlagzeilen sorgten, bis Sport unter den Politikern nicht den vor allem mit der Fussball-WM 2006 Stellenwert geniesst, den er vielleicht auch diese unschönen Geschehnisse erhalten sollte. Hier waren es vor zu einem guten Teil relativiert wurden, allem der Deutsche Fussballbund, das passt sich ein deutscher Fussball- auswärtige Amt und weitere Förderer, trainer an unbekannte Kulturen an und auf deren Unterstützung der Trainer sorgt für eine Völkerverständigung zählen konnte. So wanderten begehrte direkt am Menschen, von der die deutsche National-Trikots nicht selten in meisten im Ausland tätigen Diplomaten die Hände von jungen Talenten aus den nur träumen können. sogenannten „Entwicklungsländern“ und trugen zur Motivation vieler Der Sport entfacht Leidenschaft, setzt ambitionierter Jugendlicher bei. Emotionen frei und ist – fairness und Sportsgeist vorausgesetzt – eine Und während die deutsche Fussball der Förderung würdige Variante des Nationalmannschaft im Laufe der Zeit in menschlichen Bedürfnisses, sich mit so manchen internationalen Turnieren anderen zu messen. Ein Diplomat Schwäche zeigte, gewinnt Pape mit hinter seinem Schreibtisch kann nicht „seinen“ Teams aus zwei Kontinenten so viele Sympathien gewinnen wie 5
  • 6.
    der Trainer aufdem Platz. Pape war vorgezeigt und einen wichtigen Beitrag während der Arbeit in den Ländern, zur Re-Integration der Deutschen in die in denen er eingesetzt wurde, internationale Familie geleistet. bekannt und beliebt wie hierzulande Rumenigge, Vogts, Beckenbauer und Die sprichwörtlichen „deutschen Klinsmann. In Deutschland wurde von Tugenden“, die vor allem der Fussball- seiner sympathischen Arbeit kaum Nationalmannschaft immer wieder Notiz genommen, eine Lücke, die das bescheinigt werden, wenn sie ein vorliegende Buch schliessen möchte. verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer reisst, hat Pape erfolgreich Deutschland hat nicht erst mit der international weitergegeben, vor „WM der Herzen“ gezeigt, dass das allem auch in Ländern, in denen Trauma und die Schande, die Hitler keine „deutsche Ordnung“ herrscht, dem Volk nach dem 2. Weltkrieg in denen Länderspiele nicht 2 Jahre hinterlassen hatte, endgültig der vorher geplant sind, in denen man Vergangenheit angehören sollten. Dass statt auf Medizinbälle zum Training auf die Deutschen ein gastfreundliches, Kokosnüsse zurückgreifen musste und multikulturelles Volk sind und andere in denen die Beschwörung von Geistern Kulturen aufmerksam beobachten und vor dem Spiel auch heute noch zum integrieren möchten. Pape, zusammen Alltag gehört. Der Mensch Burkhard dem DFB und vielen weiteren Pape hat sich daran angepasst Förderern, hat dies als grosser und dennoch jene „ordentlichen“ Sympathieträger in Afrika und Asien Tugenden trainieren lassen. Der Erfolg Die „Sportspende“ aus Deutschland wird in Sri Lanka... 6
  • 7.
    ... genauso wiein Thailand begeistert empfangen hat ihm Recht gegeben und an seinen Fussballmannschaft spielte die ehemaligen Wirkungsstätten hat er Nationalität für sie nie eine Rolle, bleibende Eindrücke hinterlassen und sondern nur, ob einer ein besserer ist dort auch heute noch bekannt wie in Tormann oder Stürmer war. Deutschland ein Gerd Müller. Der Sport kann Barrieren auflösen, wo die Politik scheitern muss. Sport ist eine Sprache, die die ganze Welt spricht, der Sportler wird zum Kinde, indem es ihm nur um grundsätzliche Werte von Sieg oder Niederlage, Einsatzbereitschaft und Emotionsfülle geht. Es wird gejubelt und geweint, Gegner Dieses Buch blickt auf spannende umarmen sich und werden ausserhalb Jahre im Ausland zurück, kann des „Kampfplatzes“ zu Freunden. sowohl als Abenteuer-Bericht gelesen werden, als auch als Grundlage für Papes blonde und hellhäutige Kinder eine erfolgreiche Strategie globaler sind auf viele internationale Schulen Integration innerhalb und ausserhalb gegangen. In einer mehrfarbigen des Fussballplatzes. 7
  • 8.
  • 9.
    E ndlich bin ich dazu gekommen, einmal kennt Rummenige, Beckenbauer, die Ver- aufzuschreiben, wie „exotisch“ eigent- eine Bayern, Borussia Mönchengladbach, lich mein Leben gewesen ist. HSV – obwohl man diesen Vereinsnamen nur ganz schlecht aussprechen konnte. Nach Kindheit und Jugend in Magdeburg, wo Zuerst wusste ich nicht, welcher Verein mit ich als knapp 13-Jähriger das Kriegsende einem für die Afrikaner völlig unaussprech- und vorher die Bombenangriffe erlebt hatte, lichen Namen gemeint sein konnte. Aber da kam es in der DDR-Zeit noch ganz normal man mich dann immer: fragte: „Burkhard, zu einer breit gefächerten sportlichen Lauf- kennst Du den Verein mit vielen jungen bahn. Spielern, die immer so einen tollen Angriffs- Zuerst war es die Leichtatlethik mit Meister- fußball spielen? Als ich dann den Namen schaften im Zehnkampf, danach war es der „Mönchen-Gladbach“ aussprach, wurde mit Fußball in Spitzenmannschaften in der DDR leuchtenden Gesichtern genickt. Aber den und nach meiner Flucht ab 1953 auch in Namen dieses Vereins selbst auszuspre- der Bundesrepublik. Das Exotische begann chen, das sollte einfach nicht klappen! 12 Jahre später. Seitdem hat es mein Leben bestimmt, und ich meine, dass ich insge- Wie fing das alles mit diesen 36 Jahren fas- samt sehr viel erlebt habe. zinierender Arbeit im Ausland an? Vorher Wenn ich heute davon erzähle, dann pas- war ich einige Jahre Verbandssportlehrer siert es mir oft, dass jemand sagt: „In die- beim Badischen Fußballverband auf der sen Ländern, da war ich auch schon!“ Es Sportschule Karlsruhe-Schöneck. Das war sind oft Menschen, die dort für 14 Tage eine sehr schöne, einprägsame Zeit. Ob- ihren Urlaub verbrachten und die dann von wohl ich dort der jüngste Verbandssport- diesem Land erzählen wollen. lehrer gewesen bin, war ich sicher nicht der Sehen wir uns jetzt das Wort „exotisch“ ein- Schlechteste. Dort habe ich viel gelernt. mal genauer an! Wenn man sich überlegt, Nicht nur, soweit es um Pädagogik ging, son- dass ich 36 Jahre im Ausland unterwegs dern noch mehr konnte ich den Umgang mit war, hat mich in dieser Zeit trotzdem der den Funktionären lernen. Das war eine Fra- Begriff „Ausländer“ gekennzeichnet. Es ist ge, die sich immer wieder auch im Ausland aber zu akzeptieren, dass ich mich selbst in stellte: Wie komme ich mit den Offiziellen, manchem dieser Länder schon nicht mehr mit den Funktionären zurecht? Das war als Ausländer empfand. Dazu passt auch, weit problematischer in Afrika oder Asien, dass wir heute hier bei uns von den Proble- men mit der Immigration sprechen, wenn von den Menschen die Rede ist, die zu uns nach Deutschland gekommen sind. Meine Situation war anders, dass ich nämlich als Repräsentant 36 Jahre lang Ausländer war und davon je zur Hälfte 18 Jahre in Afrika und 18 Jahre in Asien. In der gesamten Zeit habe ich deshalb aber nie das erlebt, was sich hier bei uns mit den Immigranten leider so tut. Man meint, wir könnten sehr stolz sein! Man Treffen der Verbandssportlehrer 1961 auf der bewundert den deutschen Fußball, man be- Sportschule Schöneck. Mit dabei: Helmut wundert den deutschen Fußballbund. Man Schön, Sepp Herberger, Burkhard Pape 9
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    als schon inDeutschland. Aber ich hatte in ich Verbandssportlehrer in Karlsruhe, lernte meiner Heimat gelernt, wie auch mit schwie- viel, hatte aber stets die Worte von Sepp rigen Leuten umzugehen war. Viel geholfen Herberger in Erinnerung und wußte, dass hat mir ausserdem, dass ich bei Sepp Her- ich irgendwann einem solchen Ruf ins Aus- berger, dem damaligen Bundestrainer, ei- land folgen würde. nen „Stein im Brett“ hatte. Er war mit der Es war also 1965, als der DFB laufend An- Nationalmannschaft mehrfach bei mir in fragen erhielt und zwar besonders aus Afri- Karlsruhe auf der Sportschule, und der gute ka: „Wir wollen einen deutschen Trainer für Kontakt zu ihm war sehr hilfreich für mich. unsere Nationalmannschaft haben“. Zuerst Eines Tage sagte er dort zu mir: „Burkhard, konnte der DFB nur antworten: „Dafür ha- horche se mol! Se müsse was ins Ausland ben wir keine Trainer. Wir haben zwar Sepp gehe! Se sin a guate Sportlährer un könne Herberger und seinen Assistenten Helmut was!” Bei meinem bald darauf folgenden Schön, aber sonst niemanden dafür.“ Entschluß, dem Ruf ins Ausland zu folgen, Nachdem die Rufe nach einem deutschen haben diese Trainer immer lauter Worte von Sepp wurden, kam man Herberger stark aber doch zu der Er- mitgewirkt. Den kenntnis, dass die Reiz, so etwas zu E n t w i c k l u n g s h i l fe tun, gab es vor- auch zum Vorteil von her schon immer. Deutschland viel- Während mei- leicht doch ebenfalls ner DDR-Zeit bis mit einem Fußball- 1953 hatte ich trainer wirkungsvoll schon immer von zu ergänzen war. Der Reisen geträumt, DFB sprach mit dem was in der DDR Auswärtigen Amt, oft ein Wunsch die Idee fiel dort auf bleiben mußte. fruchtbaren Boden Im Westen wurde mit der klaren Fest- das zu meinem stellung: „Warum Glück richtigge- sollten wir das nicht hend zum Hobby! auch einmal versu- Die Reisen ins chen“! Es wurde bei Ausland waren diesen Gesprächen meine Chance, aber auch deutlich, viel für die eigene dass es nicht nur um Horizonterweite- Sepp Herberger und Helmut Schön das Training einer Na- rung zu tun. Ich tionalmannschaft ge- habe sehr deutlich den Unterschied erlebt, hen würde, sondern auch um die Ausbildung ob man lediglich für 2 bis 3 Wochen eine von Trainern, die jene Lücke füllen müssten, oberflächliche Erfahrung als Tourist im Aus- die nach dem Weggang des deutschen Trai- land machen konnte oder ob man mehrere ners entstehen könnte. Zu dieser „Hilfe zur Jahre dort zwar ein Ausländer blieb, aber oft Selbsthilfe“ ist es dann auch gekommen! Es den Eindruck haben konnte, fast zum Ein- war Sepp Herberger, der meinen Namen da- heimischen geworden zu sein. mals ins weitere Spiel brachte. Er wies auf Dazu kam es aber erst 1965. Bis dahin war mich als standfesten Verbandssportlehrer 10
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    hin, der sicherfür eine solche Aufgabe qua- Das ist ebenfalls in West-Afrika und nicht lifiziert sei, weil er erfolgreich Mannschaften weit vom Kongo entfernt. Wir haben hier trainieren würde, mit der Amateurauswahl gerade den Sportminister von diesem Land auch schon zu Spielen in anderen Ländern zu Besuch und der hat uns gesagt, dass wie z.B. der USA gewesen sei. Er könne auch er nicht eher aus Deutschland weggehen Trainer ausbilden, was er laufend tun wür- würde, wenn er nicht einen deutschen Trai- de, weshalb er eine solche Aufgabe sicher ner mitnehmen könnte.“ Für mich klangen mit grossem Einsatz und Aussicht auf Erfolg diese mit einem solchen Nachdruck ausge- angehen könne. Und dieser Kandidat sei sprochenen Worte recht überzeugend, und bereit, eine derartige Aufgabe zu überneh- ich fragte natürlich, ob ich mich mit diesem men. Minister beim DFB treffen könnte, um ihn Sepp Herberger war eine anerkannte Auto- kennen zu lernen. Nach dem O.K. fuhr ich rität! Und mit seiner Fürsprache ging plötz- also nach Frankfurt. Auffallend an diesem lich auch alles Ruck-Zuck. Wir trafen uns Minister war, dass er sich als Mann mit kräf- in Bonn, wo damals das Auswärtige Amt tiger Leibesfülle herausstellte, weshalb es residierte, das Innenministerium wurde mit in meiner direkten Art sofort meine erste hinzugezogen und man kam mit dem DFB- Aktion gewesen ist, ihn über seinen Bauch Beauftragten Passlack ganz schnell zu den zu streicheln und zu sagen: „Wenn ich also nötigen Regelungen. Für mich war jedenfalls nach Sierra Leone komme, dann bist Du ei- klar: Wenn die Regierung dahinter steht, ner meiner ersten Patienten! Denn so geht dann kann ich mich darauf einlassen, dann das nicht als Sportminister!“ Das berühmte passen die Bedingungen. „Ob jetzt Afrika, afrikanische Lachen ertönte daraufhin Alaska oder Asien – ich bin bereit, das zu durch die Hallen des deutschen Fußball- machen!“, das war meine Einstellung. Und bundes und dieser Mann aus Sierra Leone ich wußte auch, dass mir niemand vom DFB und ich waren uns gleich näher gekommen. und von den Regierungsbeamten sagen Das hat mir später in seinem Land sehr ge- konnte, was genau mich dort erwartet und holfen, nämlich meine Art, recht burschikos wie ich damit umzugehen hätte. mit allen meinen Gesprächspartnern ohne Zuerst hieß es noch in Bonn, ich könne da- Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stel- von ausgehen, dass der erste Versuch sechs lung umzugehen. Monate im Kongo sein würde. Man fragte Dazu kam auch noch, dass ich Hennes Weil- mich zum wiederholten Male, ob ich das tun weiler – der auf der Sporthochschule in Köln würde, und ich antwortete erneut: „Ich bin auch mein Lehrer gewesen war – dort in zu allem bereit, selbst wenn Ihr mich jetzt Köln besuchte, wo sich auch zwei Fußballer in die Antarktis oder wohin auch immer sen- aus Sierra Leone in der Trainer-Ausbildung den würdet“! befanden. Beide waren zwar noch nicht so Es war somit alles klar. Die Ausreise war für weit, dass sie ihr Diplom bekommen konn- Anfang Februar 1966 eingeplant. Ich muss- ten, aber ich sollte sie auf Wunsch von te auf der Sportschule Ende des Jahres und Hennes Weisweiler gleich mit in ihr Land zu- im Januar vorher noch einige Prüfungen rücknehmen und sie dort weiter ausbilden. abnehmen. Plötzlich kam aber im Dezem- Den Grund dafür war, dass nämlich beide ber der Anruf: „Würden Sie denn auch nach nur sehr schlechtes Englisch sprachen und Sierra Leone gehen?“ Zuerst musste ich dem theoretischen Unterricht nicht beson- fragen: „Wo ist das denn? Das hört sich so ders gut folgen konnten. Ich bin jedenfalls nach Südamerika an.“ Die Antwort vom Aus- später in ihrem Land mit den Beiden sehr wärtigen Amt war: „Wir mussten auch erst gut zurecht gekommen und habe sie zu gu- einmal nachschauen“. ten Sportlehrern ausbilden können. 11
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    Es gab dannnoch ein Gespräch im Auswär- Uganda die nächste große Herausforderung tigen Amt mit dem späteren Bundeskanzler auf mich zu. Die erste Station war für mich und damaligen Außenminister Willy Brandt. als Vorbereitung für die weiteren Stationen Wir sprachen auch über die Verbindungen mehr als lehrreich und das zu einer Zeit im zu meinem Elternhaus in Magdeburg. Mein Jahr 1966, als es bei uns in Deutschland Vater war früher Bundesjugendführer im sehr wenig Wissen über Afrika gab. Deutschen Reichsbanner gewesen, was Willy Brandt bekannt war. Nachdem er mich dazu befragt hatte, sagte er noch: „Herr Afrika vor 33 Jahren Pape, wir wissen gar nicht, was Sie da ei- Burkhard Pape berichtet im Jahre 1975 in gentlich alles in Afrika machen sollen?“ Ich der Fachzeitschrift „Der Fussballtrainer“ konnte nur sagen: „Ja, Herr Außenminister, (siehe Bild S. 14) über seine Erlebnisse vor das weiß ich eigentlich auch nicht. Das kann Ort. Der vorliegende Artikel und das dort mir nämlich niemand genau sagen!“ Willy präsentierte Afrikabild muten sicherlich ein Brandt meinte daraufhin: „Machen Sie dort wenig überholt an, beweisen daher um so bloß keinen Mist!“ deutlicher, welche Veränderungen, auch Ich behaupte heute, nachdem 36 Jahre im dank der Sportentwicklungshilfe, in vier Ausland daraus geworden sind, dass ich Jahrzehnten vor sich gegangen sind... : wohl kaum „Mist“ gemacht habe. Auch aus diesem Anfang in Sierra Leone, für den ur- Sport und Politik sprünglich insgesamt 6 Monate eingeplant waren, wurden dann nach mehreren Verlän- Im Leben der Afrikaner spielt der Sport eine gerungen zwei Jahre. besondere Rolle. Man verspricht sich vom Später kam nach dieser Anfangszeit in Sport, in einigen Bereichen auch mit Recht, meinem ersten afrikanischen Land mit eine Chance der Anerkennung, die auf ande- Trainingseinheit unter freiem Himmel: Burkhard Pape und konzentrierte Zuhörer 12
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    ren Gebieten nochnicht so schnell zu erwar- ständig das Gespenst „Prestige“ im Nacken ten ist. Man hat eine Möglichkeit gefunden, stehen. Schulsport, Jugendarbeit, Lehrer- sich den Bewohnern anderer Länder, Konti- und Übungsleiterausbildung sind Dinge, die nente, auch den Völkern anderer Hautfarbe Zeit und Geld kosten, aber eben erst nach als ebenbürtig oder gar überlegen zu erwei- Jahren Erfolge bringen. Wenn sich diese sen. Dies ist ein Faktor, der den Sport zu Einstellung nicht ändert, wird der afrika- einem politischen Hilfsmittel werden lässt, nische Fußball weiterhin nur als exotischer aber leider der kontinuierlichen Entwick- Farbtupfer auf internationalem Parkett er- lung im Wege steht. In Afrika ist der Sport scheinen, wie beispielsweise Zaire bei der ein Politikum ersten Ranges. Allerdings aber letzten Weltmeisterschaft 74. Zaire hat mich auch eines voller Widersprüche. Wirtschaft- nicht enttäuscht, da ich nicht mehr erwartet liche Schwierigkeiten sind nur eins jener hatte. Die Publikumslieblinge gingen zwar Probleme, die eine gute Sportorganisation kämpfend unter, verstanden auch durch erschweren. An Geld mangelt es immer. einige Kabinettstückchen das Publikum zu Ein Teil der jungen afrikanischen Staaten begeistern. Was aber fehlte, waren Routine, sieht im Sport ein Mittel, um das Prestige Stellungsspiel, taktische Marschregeln, von des eigenen Landes zu stärken. Es gibt aber Spielerpersönlichkeiten ganz zu schweigen. auch massgebliche Persönlichkeiten ande- Wieder einmal gab es keine Chance für den rer Staaten, die der Meinung sind, dass eine Schwarzen Erdteil. gemeinsame afrikanische Sportbewegung ein echtes Mittel sei, um zu einer grossen Der Hemmschuh des Prestigedenkens politischen Gemeinschaft zu kommen. Die Folgen solcher Politik haben wir leider schon Da ich nun selbst seit Jahren in Afrika tätig erleben müssen, als der afrikanische Sport bin — in der Zwischenzeit mit vielen anderen groβen Druck ausübte auf die Olympischen Kollegen —, weiβ ich, daβ das Prestigeden- Spiele in München in der Frage der Teilnah- ken für uns ein sehr groβer Hemmschuh ist. me von Rhodesien. Ich habe in West- und Ostafrika einige Revo- lutionen erlebt. Die Arbeit mit der National- Ein weiteres Problem der Beziehung von mannschaft ging danach immer sehr schnell Sport und Politik ist, daβ in den meisten weiter. Andere Pläne wurden erst mal zu den Ländern der Sport, oder besser seine Orga- Akten gelegt, da sie ja vom Vorgänger wa- nisation, politisch abhängig ist und durch ren. Ob in West- oder Ostafrika, ich konnte Staatsstreiche und Revolutionen immer wie- immer nur den Weg gehen, der für uns zu der zurückgeworfen werden kann. Hause kaum verständlich erscheint: Erst Spitzensport, dann kommt die Breite. Lei- All diese Dinge, politisches Denken, Über- der wird dann aber die Breite auch wieder bewerten des Prestiges, politische Abhän- sehr schnell vergessen, wenn die Spitze auf gigkeit, hindern die kontinuierliche Ent- einmal für afrikanische Verhältnisse sehr er- wicklung und die organische Aufbauarbeit, folgreich ist. die notwendig wäre, um den Anschluβ an andere Länder zu erreichen. Es ist nicht All dies macht es auch verständlich, dass damit getan, bei der Teilnahme an grossen man hier bei unserer Arbeit gezwungen ist, sportlichen Ereignissen immer wieder zu sehr schnell zu improvisieren. Ich glaube erklären: Wir sind gekommen, um zu ler- kaum, dass ein Fussballehrer in Deutsch- nen. Die Jahre zwischen grossen Sporter- land so vielseitig sein muss, wie es hier die eignissen müssen genutzt werden, um den Verhältnisse von uns verlangen. Man hat Aufbau zu fördern. Dabei darf aber nicht dort doch für viele Dinge „seine“ Leute. Es 13
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    gibt eine Artvon Arbeitsaufteilung. Hier, im organisieren, dass wirkliche Vergleiche mit Ausland, müssen wir alles in einer Person anderen auch möglich waren. Kaum vor- verkörpern, einmal, weil es notwendig ist, handenes oder schlechtes Sportmaterial zum anderen setzt man es bei uns voraus. setzte weitere Improvisationskunst voraus. Es wird einfach erwartet. Zum Krafttraining mussten dann auch mal Steine oder Kokosnüsse aushel- fen, Palmen am Strand oder Ba- nanenstauden wurden als Sla- lomstangen zweckentfremdet. Persönliche Schwierigkeiten, unabhängig von den Menschen, kamen dazu: Sprachbarrieren, Wohnungsfrage, eigener Trans- port, an wen kann man sich auch mal mit einer fachlichen Frage wenden, wen um Rat fragen, sich eindenken in die Mentalität des Afrikaners. Alles Dinge, die sehr belasten können. Mit der Zeit lernt man aber auch diese Hürden zu meistern. Leicht ist es sicherlich keinem von uns gefal- len. Man muβte eben „seinen“ Weg finden. Von den Afrikanern akzeptiert werden, heisst nicht nur, auf fachlichem Gebiet Vor- bild zu sein, das ist vielmehr eine unbedingte Voraussetzung. Das psychologische Problem bei solch einem Einsatz dürfte für viele das gröβte Hindernis sein: Die Gewalttätigkeiten und die Arroganz der früheren Kolo- nialherren haben tiefe Wunden hinterlassen. An uns liegt es, zu bewei- Es begann in Sierra Leone sen, dass wir wirklich helfen wollen. Als erstes muss man dem Afrikaner klarma- Zwei Jahre Westafrika, zwei Jahre Sierra chen, dass ein Klassenunterschied, be- Leone, das war mein erster Einsatz in Afri- dingt durch die Hautfarbe, für uns nicht ka. Es waren schwere, aber auch schöne besteht, und zwar nicht nur durch nette Jahre. Von der Mentalität und „Arbeitswut“ Reden, sondern durch Taten. So zu leben, der Afrikaner hatte ich noch keine Vorstel- wie der Afrikaner, ist dabei nicht notwen- lung. Mit der Nationalmannschaft zu ge- dig. Unserem Können, unserer Zivilisation, winnen, setzte man voraus, da man ja jetzt unseren Lebensgewohnheiten konnten wir einen deutschen Trainer hatte. Aber hier gerecht werden und dennoch das feste war echte Pionierarbeit notwendig: Spieler Vertrauen der Leute gewinnen. Kleine Din- im Lande zu finden; den Spielbetrieb so zu ge helfen dabei, diesen Weg leichter zu be- 14
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    schreiten: Transport dernass geschwitzten sagt, man sollte Pape zu diesem Zeitpunkt Spieler, auch einmal im eigenen Auto, eine nicht gehen lassen. Wir haben erst jetzt die EInladung der Mannschaft zum Kaffee Früchte seiner Arbeit zu sehen bekommen. ins eigene Heim Bis zu höchsten Stellen Wenn wir Pape gehen lassen, wird Ugan- muss man versuchen, auch auf sozialem da sofort bereit sein, sich ihn zu schnap- Gebiet eine Verbesserung der Spieler und pen. Zur Zeit können wir es uns aber nicht ihrer Familien zu erreichen. Dienstlich und leisten, den Standard im Fuβball wieder auch privat habe ich sehr viele Reisen sinken zu lassen. Noch haben wir keinen (überwiegend Safaris) in das tiefste Innere Nachfolger. Ein weiteres Jahr unter Pape des afrikanischen Urwalds unternommen. würde für uns viele Probleme lösen“. Entweder waren es Reisen zu den Ge- burtsorten der Spieler, Besuche bei ihren Nun aber, ich ging. Im Gepäck viele Erfah- Angehörigen, oder Fahrten zu Lehrgängen, rungen auf fachlichem Gebiet, Erfahrungen „nup country“, oder Safaris, die wir einfach in der Behandlung der Menschen, aber im unternahmen, um noch ,,echtes“ Afrika zu Gepäck auch Geschenke der Afrikaner erleben, ein Afrika, wie wir es uns in un- und Filme und Farbdias von einem Land, serer Jugend erträumt hatten. Die Kon- das wir natürlich viel gründlicher kennen takte werden geknüpft in dem Milieu, aus gelernt haben als ein Tourist in wenigen dem die Spieler kommen. Vieles wurde für Wochen. mich leichter verständlich. Auch der groβe In Lagos ein uns schon vertrautes Bild: Sol- Zauberer „Ju-Ju“, der auch heute noch im daten mit Maschinenpistolen. Da sie nicht Leben des Afrikaners eine bedeutende auf uns gerichtet waren, was schliesslich Rolle spielt. Der Europäer sollte sich nicht auch schon mal der Fall war, störte es uns einbilden, über diesen Dingen zu stehen! nicht. Weiter ging es ´gen Osten. Aberglaube, kultische Gemeinden, Feti- schismus, der Glaube an das Horoskop der Daβ die klimatische Umstellung von West Tageszeitung usw., all diese Dinge haben nach Ost keine Probleme brachte, war für auch heute noch (oder heute wieder) einen meine Arbeit ein erster wesentlicher Faktor. Platz in unserer Gesellschaft. Mir gelang Eine Umstellung betraf den Sport selbst. es, das Vertrauen meiner Spieler so weit zu Organisatorisch war in Uganda alles leich- gewinnen, daβ man mir sogar erlaubte, vor ter als in Sierra Leone. Seit Jahren gab es einem Länderspiel gegen Guinea als Euro- ein „National Council of Sports“, Träger al- päer dabeizubleiben, als zwei Stunden vor ler Sportarten, herrliche Rasenflächen, wo- Spielbeginn der groβe „Ju-Ju“-Mann kam, bei selbstverständlich das gute Klima eine um seine kultisch-heilige Handlung vorzu- wesentliche Rolle spielte, eine Sporthalle nehmen. Ich war tief beeindruckt, einmal für 2500 Zuschauer, einen geregelten durch das Erlebnis, aber auch von dem Spielbetrieb in den Regionen, aber leider hohen Vertrauensbeweis. Man wollte mir auch nur wenige ausgebildete Trainer. Da zeigen, ich sei einer von ihnen. ein Afrikaner als Nationaltrainer fungierte, war meine erste Hauptaufgabe die Orga- Von West nach 0st nisation des Spielbetriebs und die Ausbil- dung von Trainern und Übungsleitern. Ich Trotz gröβter Anstrengung der Afrikaner, war darüber nicht böse, enthob es mich mich weiter im Lande zu behalten, hiess doch des Problems, immer nur ans Siegen es für die Familie packen und es ging quer denken zu müssen, was man ja von einem durch den Kontinent nach Ostafrika. Die deutschen Trainer erwartet. Die pädago- Staatszeitung schrieb dann: „Offen ge- gische Aufgabe mit Lehrern, Übungslei- 15
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    tern und Trainernhatte auch ihre Reize und nur dienstlich, sondern auch privat Türen - freie Wochenenden standen in Aussicht! zu den höchsten Stellen öffnete. Was dies Die ersten Lehrgänge wurden durchgeführt, bedeutete, weiß nur derjenige, der längere die Technical Colleges boten sich dabei mit Zeit im Ausland tätig war und die Probleme ihren Sportanlagen an. Nach den erfolg- kennt, die auf allen Gebieten auftauchen reichen Lehrgängen sah man nun auch, daβ und auch vom Arbeitgeber in Bonn kaum dadurch eine Möglichkeit gegeben war, den behoben werden können. Sport im Landesinneren zu fördern, denn auch in Afrika ist ein Talent weder an einen Durch gute Kontakte konnte man fast Un- Ort noch an eine Zeit gebunden. Nur muβ es mögliches, dienstlich und privat, möglich eben gefunden werden! machen. Schwarz-weiβe Kooperation Erfolge im Afrika-Pokal Nach kurzer Zeit bat man mich dann aber, Da die Spiele innerhalb Ostafrikas einer In- auch das Training und die Arbeit mit der zucht glichen, überzeugte ich den Verband Nationalmannschaft zu übernehmen. Da von der Notwendigkeit, am Afrikapokal der meine Bedingung, daβ mir der Afrikaner als Nationen und der Landesmeister teilzuneh- Assistent zur Verfügung steht, angenommen men. Bedingt durch die Auslosung kommt es wurde, kam es zu einer guten afrikanisch- dabei zu Vergleichen mit anderen Ländern deutschen Zusammenarbeit. und auch Teilen Afrikas. Mit der Teilnahme Nach zwei Jahren hatte ich eine Jugendna- an diesem Turnier wurde mir immer automa- tionalmannschaft ins Leben gerufen. Somit tisch auch das Training des Landesmeisters bekam mein Assistent eine selbständige übertragen - eine sehr erfolgreiche Tätigkeit Aufgabe, bei der ich nur noch beratend zur in Verbindung mit der Nationalmannschaft. Seite stand. Ein anderer Afrikaner, der vor- Zuerst kamen wir mit dem Vereinsmeister malige Spielführer der Nationalmannschaft, bis ins Semifinale, zwei Jahre später bis ins wurde mein Assistent und brachte es bis zu Endspiel. Der zweite Versuch mit der Nati- einer Ausbildung in Köln als Fuβballehrer. onalmannschaft im Afrikapokal führte uns Eine Nationalliga wurde eingeführt, um die nach großartigen Siegen in der Qualifikati- Leistungsstärke zu verbessern. Sie spielte über das ganze Land, und trotz Geburtswe- hen und „afrikanischen“ Schwierigkeiten wurde sie von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Die jährliche Teilnahme am Ostafrikaturnier war für Uganda immer ein groβes Ziel. Daβ dabei nicht nur sportliche Belange, sondern auch politische eine Rolle spielten, war klar. Wer ist der ,,Gröβte“ im Land? Uganda, Kenia, Tansania oder Sansibar? Nun, die ,,Gröβten“ wurden wir. In meiner sechsjäh- rigen Tätigkeit konnte Uganda viermal den Pokal gewinnen, einmal wurden wir Zweiter, on - erstmals für Uganda - bis ins Endturnier und einmal wurde er nicht ausgetragen, da nach Kairo. Eine Deutschlandreise meiner Krieg im Lande war. Zweimal gewannen wir Truppe bildete einen weiteren Höhepunkt. den Pokal mit den Junioren. für Ostafrika Das Länderspiel gegen die Amateure des durchaus ein stolzer Rekord, der mir nicht DFB in Bamberg ging nur knapp 1:2 verlo- 16
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    ren. eigentlich alles erreicht, was den Leistungs- Eine Revolution im Land - Idi Amin Dada stand der Nationalmannschaft betraf. für kam an die Macht - änderte nichts an mei- den weiteren Unterbau fehlten die notwen- ner Arbeit. Unter guter Bewachung und bei ,,Kriegsverhältnissen“ ging alles ordentlich weiter. Als erstmals eine Ostafrika-Auswahl aufge- stellt wurde, mit Spielern aus allen vier Län- dern, wurde mir die Ehre zuteil, als Trainer dieser Auswahl berufen zu werden. Im Zuge der Afrikanisierung war es für mich als Eu- ropäer eine groβe Anerkennung von Seiten der Afrikaner. So kam ich nach fast sechs- jähriger Arbeit in Uganda, neben der Ausbil- dung von Trainern und Übungsleitern, auch zu einem nicht schlechten Rekord, nämlich zu Gast bei Idi Amin 52 Siege, 18 Unentschieden und nur 13 Niederlagen. digen Gelder. Großartige Abschiedspartys machten uns das Abschiednehmen noch Es war eine lange, nicht immer leichte, schwerer, lieβen wir doch viele Freunde in aber doch schöne und erfolgreiche Zeit in Ostafrika zurück. Uganda. Die Tage der Unruhen sind heute vergessen, wo man bewaffnet ins Kino oder Von der Nilquelle bis zur Mündung zu einer Party fuhr, wo Überfälle an der Ta- gesordnung waren, wo man nachts oft mit Von der Quelle des Nils verschlug es uns ca. dem Gewehr durchs Haus schlich, weil man 600 km nördlich an die Mündung des Nils, annahm, dass mit Pangas (Buschmessern) dem Lebensspender Ägyptens. Ein neues bewaffnete Banden ins Haus einzudringen Einsatzland, ein neuer Wohnort, Kairo, un- versuchten. Die Stunden der Angst sind sere neue Heimat. Neue Probleme, neue nicht zu zählen, die meine Frau allein mit Bekannte, neues Einleben, neues Herantas- Sohn im Haus verbrachte, da meine Tätig- ten an die schon vorhandenen Institutionen, keit mich oft ins Ausland oder auβerhalb eigene Gedanken. Aber dies sind unsere Kampalas führte. Dass auch meine Frau mit Probleme, mit denen wir leben, wir können Waffen umzugehen weiss, war dabei nur auch nicht erwarten, daβ zu Hause dafür im- ein kleiner Trost. Passiert ist allerdings nie mer volles Verständnis aufgebracht wird. etwas. Die Angst war jedoch berechtigt, da selbstverständlich in allen Zeitungen meine Ägypten nimmt mit Sicherheit eine Sonder- Abwesenheit nachzulesen war. stellung ein unter den Ländern am Mittel- meer. Ägypten, das Land der Pyramiden, eine Nach fast sechs Jahren wurden von Seiten faszinierende, auch heute noch geheimnis- der Uganda-Regierung alle Anstrengungen volle Welt am Nil. Tempel, Gräber, Riesen- gemacht, mich auch weiterhin im Lande zu bildwerke haben schon Römer und Griechen behalten. Präsident Idi Amin, ehemals selbst im Altertum in ihren Bann gezogen. Ein Dich- Sportler. zu dem ich auch gute freundschaft- ter sagte einmal: ,,Der Ägyptische Boden ist liche Beziehungen hatte setzte sich selbst Gold, der Nil ist ein Wunder, die Ägyptischen dafür ein. Aber nach solch langer Zeit war Frauen sind wie himmlische Huris, und 17
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    sich, sondern eheretwas Verwir- rendes, Gegensätzliches. Eine un- beschreibliche Bürokratie und eine geplante Volkswirtschaft, nach so- zialistischem Vorbild gelenkt, führt dazu, daβ Konsumgüter heute noch sehr knapp sind. Menschenschlan- gen vor den Staatsläden sind an der Tagesordnung, das Wort Luxus findet man nur bei sehr wenigen, der „Bakschisch“, das „Öl zwischen- menschlicher Beziehungen“, hilft doch immer wieder weiter. Malesh Seit der Revolution 1952 regieren erstmals Ägypter über Ägypten. In den über 20 Jahren völliger Selb- ständigkeit haben Kriege und po- litische Ereignisse aller Art tiefe Einschnitte in den Ablauf der Wirt- schaft und auch im Sport gebracht. Stillstand heiβt Rückgang, nicht nur für den Sport. 30 Mill. Menschen le- ben heute in Ägypten, davon etwa 7 Millionen in Kairo. Fast 2 Millionen wurden nach dem ersten Krieg aus den Städten Suez, Ismailia und Port Said evakuiert. Mit der Eröffnung des Suezkanals werden diese Leute Gespannt verfolgt Pape die Künste seiner wieder zurückgehen. Ob das spür- ägyptischen Jungs bar wird, ist fraglich, da täglich 3000 neue Kairo ist die Stadt der Städte! „ Welch ein Ägypter das Licht der Welt erblicken. Ein Pro- Glück. dass der Beruf mich dorthin brach- blem, welches sicherlich nicht kleiner wird, te, wo Jahr für Jahr Tausende von Touristen denn vor zehn Jahren waren es ,,nur“ 1000. ihre Träume von ,,Tausendundeiner Nacht“ Die Kriege haben auch in Kairo groβe Nar- verwirklicht sehen wollen. Nur, mit Traumen ben hinterlassen, die Stadt ist abgenutzt, ist es bei mir nicht getan. An den Pyramiden der Schmutz dringt aus allen Winkeln, der fahre ich täglich vorbei. In Ägypten gibt es Zustand der meisten Strassen ist seit Jah- aber groβe Probleme, was nach Revolution ren unverändert, der Verkehr hat aber be- und zwei Kriegen gar nicht verwunderlich ängstigend zugenommen. Überfüllte Busse, ist. Heute spricht man hier von einem ,,Wirt- uralte Autos auf den Straβen, die oftmals schaftswunder“. Dies bezieht sich aber wohl kaum mit den notwendigen Lichtern ausge- darauf, dass es doch immer irgendwie wei- rüstet sind, der Verkehrsfluβ, die Art zu fa- tergeht. für westliche Besucher hat dieses hren, sich durchzusetzen, ist unvorstellbar. Wunder nämlich wenig Wunderbares an Der Besucher, vom Flughafen abgeholt, at- 18
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    met erlöst auf,wenn er das Haus erreicht mern. In Ismailia und Port Said regen sich hat. Er braucht Tage, um nicht immer wie- erste Lebenszeichen, die Bevölkerung kehrt der als Beifahrer zu erschrecken. Um dies zurück. Der Aufbauminister Osman Ahmed zu begreifen, muβ man eben die ,“Malesh“- Osman (auch Präsident eines Sportklubs, Einstellung der Ägypter kennen (Malesh der schon in Bremen spielte) hat grosse ist ein Wort, das ,,Vergebung“ und ,,macht Pläne. Man setzt groβe Hoffnungen auf die nichts“ bedeuten kann), sich nämlich hin Deutschen, wohl beeindruckt von unserer und wieder rücksichtslos und auch manch- Aufbauleistung nach dem Kriege. Wirt- mal mit nicht ganz korrekten Mitteln durchs schaftsdelegationen geben sich in Kairo die Leben zu boxen. Dies ist aber nur eine Seite, Türklinke in die Hand, sind Dauergäste in mit deren Schwierigkeiten sich nur der Orts- den Hotels. Warten wir ab, was kommt. Die ansässige auseinanderzusetzen hat. Dem wichtigste Voraussetzung für das Gelingen Touristen eröffnet sich eine andere Welt. dürfte wohl sein, daβ im Nahen Osten kein Herrliche ägyptische Restaurants in der neuer Krieg ausbricht, der mit Sicherheit Stadt und am Nil, wo sich dann bei unter- nicht nur Tage dauern würde. gehender Sonne die Feluken-Boote auf dem trägen Wasser treiben lassen oder gar ge- Standort des Sports in Ägypten gen den Strom segeln. Die 7-Millionen-Stadt ist voller Dokumente vorchristlicher Vergan- Stillstand heiβt Rückgang. Wo steht nun genheit, voll der Stätten islamischer Kunst. der Sport in Ägypten? Die Vergangenheit Bei wechselnder Beleuchtung ist es immer hat gezeigt, dass bei dem 35-Millionen-Volk wieder ein bedrückend-faszinierender An- ein sehr grosses Potential für den Sport blick, über die riesigen Gebiete der Mame- vorhanden ist. Die Ägypter haben von allen lukkengrabmäler zu blicken, ein enormes afrikanischen Staaten schon die gröβten Gräberfeld mitten in der Stadt, dazwischen Fortschritte gemacht. Medaillen und inter- viele herrliche Moscheen. über allem dann nationale Siege sprechen heute noch da- die Zitadelle mit der groβen Mohamed-Ali- von. Die deutsche Nationalmannschaft hat Moschee. Das ägyptische Museum und die hier in Kairo 1958 1:2 verloren, mit Spielern Pyramiden von Gizeh und Sakkara sprechen wie Rahn, Tilkowski, Schnellinger, Morlock, für sich selbst. Der Blick von der Sahara-City Schäfer. Nationalmannschaften aus aller auf die Pyramiden, den Nil, im Hintergrund Welt waren hier schon zu Gast. Real Madrid Kairo, dann wieder Wüste, dürfte auch für in seiner gröβten Zeit spielte zur Eröffnung einen Touristen, der sich nicht so genau des 100 000 Mann fassenden Nasser-Sta- in der Geschichte des alten Ägyptens aus- dions. kennt, unvergesslich bleiben. Der nächt- liche Lichtzauber um Sphinx und Pyramiden Ein organisiertes Vereinsleben, mit Kluban- versetzt den Besucher in die fünftausend lagen für alle Arten von Sport, dürfte für Afri- Jahre alte Kultur der Pharaonen. Fahrten ka (und nicht nur dort) als vorbildlich gelten. nach Luxor, Kharnak, Assuan bilden weitere Der Gezira-Sporting-Club z. B. gilt als einer Möglichkeiten, um Ägypten als Reiseland zu der gröβten Klubs in der Welt. Er hat über entdecken. 30 000 Mitglieder, die ca. 20 verschiedene Sportarten betreiben können. Die Klubs Gross sind nun die Pläne der Ägypter für den haben eigene Stadien und eine Anhänger- weiteren Ausbau des Landes. Der Suezka- schaft, die sich fast schon familiär vererbt. nal mit seinen Millionen-Dollar-Einnahmen Mitglied in solch einem Klub zu sein, zählt im Jahr spielt dabei die gröβte Rolle. Noch schon etwas. ist er Sperrgebiet, noch liegt Suez in Trüm- 19
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    Der Fuβball istauch hier Sportart Nr. 1. Uganda! Die Zeit war zu kurz, um wenige Das Problem der Aufstellung einer Na- Wochen vor Turnierbeginn noch entschei- tionalmannschaft liegt hier nicht wie in denden Einfluβ - vom Training abgesehen Schwarzafrika im Stammesdenken, son- - auf die Mannschaft auszuüben. Seit Mo- dern in der Rivalität der Vereine. Bei be- naten gab es kriegsbedingt keinen Spiel- sonderen Punktspielen kommen oft 100 verkehr, kein geregeltes Training, es fehl- 000 Zuschauer. Da das eigene Stadion te einfach an Wettkampfpraxis. Da auch nicht ausreicht, weicht man in das grosse das härteste Training keinen Wettkampf Nasser-Stadion aus. Ein Freundschafts- ersetzt, wurden Testspiele in der Vorberei- spiel der Eintracht Frankfurt im letzten tungszeit ausgetragen, erst A gegen B. was Sommer brachte auch hier gegen eine ja auch selten einen echten Einblick gibt, Vereinsmannschaft etwa 60 000 Leute dann Spiele gegen Dukla Prag als Trai- auf die Beine. Aber wie sieht es mit der ningspartner. Leider kam es dabei zu den heutigen Leistungsstärke im ägyptischen bekannten Zwischenfällen im Zamalek- Sport aus? Die Vergangenheit ist Geschich- Stadion. Nach solch einer langen Fussball- te - eine Hypothek, die belasten kann. Zwei pause war die Begeisterung noch grösser Kriege haben den Sport und nicht nur den als erwartet. Das Stadion wurde gestürmt. Fuβball - um Jahre zurückgeworfen. 1948 Zu einem Spiel kam es nicht, aber zu einer wurde eine Nationalliga gegründet, aber Katastrophe. über 40 Tote wurden dann nur neunzehnmal konnte sie bis zum Ende später gezählt. durchgespielt werden. Immer wieder kam es zu Unterbrechungen. Wir wissen alle, Dies war psychologisch auch nicht gerade daβ gerade in den letzten zehn Jahren die der beste Weg der Vorbereitung, aber es Entwicklung im Leistungssport so sprung- musste weitergehen. Persönliche Schwie- haft gestiegen ist, daβ den Anschluβ zu ver- rigkeiten traten auch mal wieder auf. lieren fast einer Katastrophe gleichkommt. Transportschwierigkeiten, Wohnungssuche Beispiele auf vielen Gebieten des Sports in usw., Dinge, die gerade in solch einer Zeit vielen Ländern gibt es dafür genug. die Arbeit nicht gerade erleichtern. Doch Improvisieren, sich den Gegebenheiten Mich reizte diese Aufgabe. In Spielen mit anpassen, auch wenn es nicht in den vor- Uganda gegen Ägypten konnte ich sehen, gefertigten Plan paβt, sind eben Dinge, welche Kräfte dort zu fördern sind, die die man können muβ, die ich mir auch in auch auf internationalem Leistungsge- den knapp 10 Jahren Afrika gut angeeig- bieten mitreden könnten, aber auch, daβ net habe. Sehr viel kollegiale Unterstüt- durch die schon vorhandenen Vereine eine zung erhielt ich von Dettmar Cramer, der gute Breitenarbeit möglich ist. in seiner Eigenschaft als Trainer der FIFA im gleichen Zeitraum hier Trainerlehrgän- Mit der neuen Mannschaft gegen die alte ge abhielt. Die Pokalspiele selbst hatten kein sehr hohes Niveau, gemessen am in- Meine Ankunft in Kairo fiel fast zusammen ternationalen Standard. Trotz mangelnder mit dem Endturnier um den Afrika-Pokal Kondition und mit wenig Wettkampfpraxis der Nationen. Ägypten war als Ausrich- konnten wir gegen Uganda, Zambia, Elfen- ter qualifiziert. Mit Uganda hatte ich - im beinküste und Kongo-Brazzaville gewin- Rahmen meiner letzten Tätigkeit - dieses nen. Gegen Zaire verloren wir dann trotz Turnier nach Siegen über Algerien erreicht. einer 2:0-Fuhrung noch 3:2. Zaire wurde Mein erstes Länderspiel in Kairo hiess, so dann auch Afrikapokalsieger und vertrat ja wollte es die Gruppeneinteilung, Ägypten - bekanntlich den afrikanischen Erdteil bei 20
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    der WM 74in Deutschland. vier Punktspiele ausgetragen werden. Über die Zahl der erhaltenen gelben Karten wer- Da die konditionellen Mängel gerade bei den die Vereine jedes Mal informiert. Ein der ägyptischen Mannschaft deutlich ägyptischer Schiedsrichter war auch Leiter sichtbar wurden — Wadenkrämpfe, Er- bei der WM 74 im Spiel Deutschland gegen schöpfung, Tempoverlust usw. - , tauchte Australien. die Frage auf, ob der momentane Lei- Auch mit der Trainerausbildung konnte stungsstand überhaupt ausreicht für den ich beginnen. Der ägyptische Verband ist Leistungssport. Eine Untersuchung ergab in 5 Zonen aufgeteilt: Kairo, Alexandria, dann interessante Resultate. Bei den Spit- Delta, Kanal und Oberägypten. Die Zonen zenkräften des ägyptischen Sports wurde verfügen über eine eigene Verwaltung ein Lungenvolumen von ca. 4 Litern festge- und haben ihren Regionalfuβball und die stellt. Da 5,56 Liter heute für die Belastung Spielrunden der Jugendlichen unter sich. im Leistungssport verlangt werden, war es Der Hauptverband, mit Sitz in Kairo, leitet kein Wunder, dass die Spieler den Bela- die Nationalliga, die mit 18 Mannschaften stungen von Wettkampf und Training nicht über das ganze Land spielt. Da die Lei- gewachsen waren. Drei Freundschafts- stungsstärke nicht so groβ ist wie die Zahl spiele gegen die Eintracht Frankfurt vor der der Vereine, kommt es leider immer wie- WM zeigten noch einmal, daβ die spiele- der zu sehr niveaulosen Spielen. Der echte rischen Mittel durchaus genügen, um auch Spitzenspieler braucht sehr oft nur die hal- Profimannschaften vor echte Probleme zu be Kraft, um zu gewinnen. Es fehlt der ste- stellen. Aber leider eben noch nicht für 90 tige Leistungsdruck, das Abverlangen einer Minuten. Nach der WM, die auch hier mit ständigen Höchstleistung, die dann ja erst Spannung verfolgt wurde, begann dann zur Beständigkeit führt. (Im Vergleich dazu: erstmals nach langer Zeit wieder eine unsere Bundesliga heute und die Oberliga Punktspielrunde. In den vergangenen 26 damals). Jahren konnte Kairo den Titel der ,,National Club“12mal gewinnen, Zamalek 4mal und Guter Nachwuchs Mehalla, das jetzt im Endspiel um den Afri- kapokal der Vereinsmeister stand, Ismailia Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, und Arsenal je einmal. Daβ nach den zwei wenn auch langsam, ist nun auch im Sport Kriegen die Punktspieleinnahmen für die wieder geregeltes Leben eingekehrt. Die Vereine sehr wichtig sind, durfte wohl je- Liga läuft, zusätzlich haben wir jetzt in den dem klar sein, denn nach solch langer Zeit einzelnen Zonen Sichtungsspiele gemacht, sieht es auch für den Verband nicht gerade um bei den Jugendlichen unter 18 Jahren rosig aus. die Talente herauszupicken. Um den lau- fenden Spielbetrieb nicht zu unterbrechen, Viermal gelbe Karte = 15 Tage Sperre flog ich mit einer Nachwuchsmannschaft nach Damaskus. Es war ein Turnier (Kune- Einige Schiedsrichterlehrgänge konnte ich tra-Pokal) mit 11 arabischen Staaten, die schon durchführen, wobei das Niveau als direkt oder durch finanzielle Unterstützung sehr gut bezeichnet werden kann. Dabei am Krieg gegen Israel teilgenommen hat- wäre besonders zu erwähnen, daβ man ten. Mit drei Siegen und zwei Niederlagen hier vom Verband aus die Regelung ein- brachte die Truppe weit mehr als erwartet. führte, daβ die vierte gelbe Karte automa- Es gab uns weiteres Vertrauen, daβ wir bei tisch zu einer Sperre von 15 Tagen führt, dem Nachwuchs auf dem richtigen Wege egal, ob in dieser Zeit zwei, drei, oder gar sind. 21
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    Bezahlte Amateure meine Aufgabe sein. eine gute Verbindung, ein besseres Verständnis zwischen Vereinen Der hiesige Fußball ist auf Amateurbasis und Verband herzustellen. Mein Angebot, aufgebaut. Durch den Verein kann der Spie- auch die Vereine zu unterstützen, wurde ler aber doch „einiges“ Geld machen. Ein nach einigem Zögern überraschend schnell guter Spieler kann durchaus auf 600-800 angenommen. Der Zamalek-Klub, der bisher DM im Monat kommen. Es gibt dabei eine einen Trainer aus der CSSR hatte und sehr Staffelung nach Tabellenplatz, Zuschauer- viele Spieler an die Nationalmannschaft zahl, Wichtigkeit des Spieles usw. Von den abstellt, bat um meine Hilfe, auch Arsenal. Einnahmen gehen 10 % an den Verband Gern bin ich diesem Wunsch, nach Abspra- ab, 5 % an die Zone. Die Eintrittspreise lie- che mit dem Verband, nachgekommen, lag gen zwischen 1 DM und 10 DM. All diese doch hier die groβe Chance, endlich einmal Beträge sagen für deutsche Verhältnisse die Rivalität Verein - Verband zu beseitigen. nichts aus. Wenn man aber bedenkt, daβ Ich als Nationaltrainer, sprich Verband, hel- fe euch, dem Verein, ihr müsst aber auch mir, sprich Verband helfen. wenn Spieler für die Na- tionalmannschaft ge- braucht werden. Durch diesen Einsatz kam es dann auch zu einer gu- ten Zusammenarbeit mit den Trainern, die ich ja auch für meine Ver- bandsarbeit brauchte, deren Arbeit letztlich entscheidend war für die Verbreitung meiner Me- thoden. Hoher Besuch: Berti Vogts, Günter Netzer u.A. in Ägypten Gute Trainer werden in ein junger Verkehrspolizist knapp 100 DM Ägypten immer willkommen sein. Als Deut- im Monat verdient, ein Arzt am Sportinstitut scher machte ich den Anfang. Mit meiner es auf knapp 500 DM bringt, dann lohnt es Hilfe konnte dieser Sport wieder aus der sich schon, in Ägypten bei einem Spitzen- Versenkung auftauchen, dorthin gelangen, klub Fußball zu spielen, um zusätzlich diese wo er schon einmal war, dann aber weiterge- Einnahmen zu haben. Leider führt dies aber führt werden bis zum Erreichen eines Stan- auch dazu, daβ die Vereine kein allzu groβes dards, der es uns erlaubte, auf der internati- lnteresse an der Nationalmannschaft zei- onalen Bühne des Fuβballs mitzureden. Der gen, da der Verband nicht in der Lage ist, Weg wird nicht leicht sein. Es wird Zeit brau- groβe Gelder zu zahlen. Bei richtigem Spiel- chen und natürlich auch Geld. Durch die betrieb und einem oberen Tabellenplatz sind langen Jahre in Afrika hat man aber eine Art die Vereine finanziell in einer weit besseren ,,brutales Durchhaltevermögen“ entwickelt, Lage als der Verband. Im Gegensatz zum ohne das es einfach keinen Erfolg geben anderen Teil Afrikas, wo die Schwierigkeit kann. Die Zukunft lag vor uns und ,,inshalla“ im Stammesbewuβtsein lag, würde es hier würden wir auch erfolgreich sein. 22
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    Sonne, Sand, nen deutschen Trainer auch in etwa genau so vor, wie ich damals aussah: blond und Siege und Sport von großer, kräftiger Statur. Einem solchen Wunschbild habe ich perfekt entsprochen! Eine sportliche und politische, lebensnahe So stellte man sich für das eigene Land Geschichte den passenden Fußballtrainer vor. Die mir entgegengebrachten Wünsche konnte ich tagtäglich spüren in einem zwar nicht mit Worten ausgesprochenen, aber trotzdem Haben diese vier „S“, so frage ich mich deutlichen Denken: heute, mehr als alles andere mein Leben „So, jetzt bist Du da und jetzt gewinnen wir bestimmt? Es gab noch weitere lebens- mit Dir die Länderspiele gegen unsere Riva- werte Dinge auf meinem Weg, aber trotz- len, gegen die Länder in der Nachbarschaft! dem sind Sport und Sonne untrennbar mit So war es dann auch im weiteren Verlauf meinem Leben verbunden, Sand (im Ge- meiner Zeit in Sierra Leone! Und nicht nur triebe so mancher Maschinerie) hat sicher dort. Zuerst begann es aber mit den unmög- so manches mal die Siege verhindert, nach lichsten Dingen. denen ein Sportler so sehr sich sehnt wie ein Wanderer in der Wüste nach dem leben- spendenden Wasser. Zu Anfang möchte ich gleich mit meiner er- sten großen Herausforderung in dem mir bis dahin völlig unbekannten afrikanischen Kon- tinent, nämlich mit dem westafrikanischen Land Sierra Leone beginnen, wo diese vier „S“ mein Leben viele Monate bestimmen sollten. Für mich war dort alles richtiggehend neu und mit nichts zu vergleichen, was ich bis dahin erlebt hatte. Ich musste mich heran- tasten an viele ungewohnte Dinge. Als ich in Sierra Leone ankam, begleiteten mich Schritt für Schritt die hohen Erwartungen dieses Landes in den schon lange erwar- teten zukünftigen Trainer der noch nicht vorhandenen Fußball-Nationalmannschaft. Aber zuerst war ich aus meiner Sicht nur der „Ausländer“. Aber ich war doch ein be- sonderer Ausländer, was ich bei jeder Be- Not macht erfinderisch: gegnung mit Einheimischen spüren konn- Bänke statt Medizinbälle te. Ich war jemand, von dem man sich viel Über die Platzverhältnisse wollen wir gar erhofft hatte - das habe ich später auch in nicht einmal reden. Es gab nämlich auch anderen Ländern immer wieder erlebt und keine vernünftigen Bälle; Medizinbälle wa- gespürt: „Jetzt bist Du endlich da, Du deut- ren völlig unbekannt. Große Kokosnüsse scher Germane“. Und man stellte sich ei- waren der einzig mögliche Ersatz. Es wurde 23
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    Sand hinein gefüllt,damit wir überhaupt einer kurzen Rede wurden wir aufgefordert, Gymnastik machen konnten. Als ich dann diese Führung zu verteidigen und möglichst an hoch offizieller Stelle quengelte, dass wir noch auszubauen. Zugleich versprach er nur einen einzigen Fußball hatten, wurde eine Erhöhung der Siegesprämie für jeden ich beim Premierminister Sir Albert Margai Spieler auf 5 oder 8 Mark (genau weiß ich persönlich vorstellig, der lange Jahre für die das nicht mehr). Wir konnten das 1:0 halten Sierra Leone Peoples Party im Amt gewesen und ganz Sierra Leone feierte uns für die- ist (von 1958 bis 1967) und der während sen historischen Sieg über den Nachbarn. dieser Zeit, kurz bevor ich kam, der erste Zur Beruhigung der wutschnaubenden Libe- Premierminister nach der Selbständigkeit rianer wurde dann aber schon für drei Tage des Landes geworden war. Vorher war ich später ein neues Spiel ausgemacht. Es war aber auch noch in der deutschen Botschaft, dann ein passender Erfolg für die Diploma- um dort unseren Botschafter zu sprechen - tie, dass dieses Spiel mit Unentschieden mit dem ich im weiteren Verlauf meiner Tä- ausging. tigkeit einen sehr guten Kontakt hatte. Als In der Gesamtabrechnung waren auf jeden ich ihm sagte, dass ich jetzt zum Premiermi- Fall wir erfolgreich. Das brachte mit sich, nister gehen würde, um dort wegen der Bäl- dass mein Ansehen weiter beträchtlich ge- le anzufragen, da meinte der Botschafter: wachsen war. Die Liberianer waren jeden- „So können Sie doch nicht hingehen, so wie falls - das wurde mir berichtet - ausgespro- Sie aussehen, nämlich im Sporthemd und chen neidisch auf den deutschen Trainer im kurzer Hose!“ Nachbarland, und es gab auch gleich den Ich machte mir nichts aus diesem Ein- scherzhaft ausgesprochenen, aber doch wand und meine Antwort entsprach mei- ernstgemeinten Versuch eines Funktionärs ner Einstellung: „Wenn ich jetzt im Anzug mit Schlips komme, dann erkennt der mich überhaupt nicht! Genauso war‘s auch. Sir Al- bert Margai nahm die Sache sofort gut auf, hatte aber doch den Einwand: „Ihr braucht doch beim Spiel nur einen einzigen Fuß- ball“. Da hatte er nicht unrecht für‘s Spiel selbst; aber natürlich konnte ich ihm klar- machen, was alles da noch zusätzlich so dranhängt mit Ersatzbällen, den Mitteln für das Training usw. Danach wurde die Sache auch sofort ohne Verzögerung klar gemacht, und wir hatten von nun an mehrere Fußbälle und was sonst noch alles dazu gehört. Es kam kurz darauf ein erstes, für Sierra Le- one sehr bedeutendes Spiel gegen das ein kleines bißchen größere direkte Nachbar- land Liberia zustande. Auch politisch was das mit langer Tradition schon immer so ein ziemliches „Hick-Hack“ zwischen beiden Ländern. Dieses Spiel gewannen wir knapp aber verdient mit 1:0, und bereits nach Ende der ersten Halbzeit wurden wir in der Kabi- ne bereits vom Premierminister erwartet. In Ballgefühl auch ausserhalb des Fussballplatzes 24
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    von Liberia, michabzuwerben sowie mich in die Lage der Leute zu versetzen, die ich am besten gleich in das Nachbarland mit- trainierte, die ich brauchte oder mit denen zunehmen. ich auch zusammen lebte. Es ging darum, Nach guten Anfängen in Karlsruhe war ich nicht nur als Ausländer anerkannt zu wer- schon in Deutschland ein begeisterter Ten- den, sondern als Mensch, der sich für die- nisspieler geworden. In der Zwischenzeit jenigen interessiert, die dort leben und mit hatte sich das nach ebenfalls in Sierra Leone ihnen auf gleicher Stufe stehen wollte. Und herumgesprochen, was dazu führte, dass der sich nicht nur dafür interessiert, dass ich mit dem mir inzwischen sehr gewogenen sie dort leben, sondern wie sie leben und Premier Margai schon bald Tennis spielte. Er was sie erleben. ließ sogar in seinem eigenen Wohnbereich Denn immerhin waren meine Spieler, die aus Tennisplätze anlegen. Wir spielten dort lau- dem Urwald kamen, auch Menschen, mit de- fend miteinander Tennis und hatten auch nen ich auskommen wollte. Es gab deshalb dadurch einen sehr stabilen, richtig guten auch Tage, an denen ich bei den Spielern Kontakt. Sport verbindet – das ist mir im und deren Familien im Dorf wohnte - unter Laufe meiner Tätigkeiten wieder und wieder nicht immer ganz leichten Bedingungen - aufgefallen – dort wo die reine Diplomatie aber das wurde von den Leuten anerkannt. versagt, haben sich verschwitzte Sports- „Mensch, der interessiert sich doch für uns, männer oft mehr zu sagen. der steht nicht nur da oben drüber!“ Gleich zu Anfang, nach wenigen Wochen in Sierra Leone, trainierten wir als Vorberei- Es war jedenfalls kein Wunder, dass so aus tung auf das schon geschilderte Spiel gegen den ursprünglich für Sierra Leone vorgese- Liberia. Nachdem das Training vorbei war henen 6 Monaten, als ich eigentlich wegge- und wir alle ziemlich staubig, dreckig und hen sollte, eine große Staatsaffäre wurde. verschwitzt waren, ging die ganze Mann- Die deutsche Botschaft wurde eingeschaltet schaft zum Duschen. Und ich ging natürlich und auch das Auswärtige Amt in Bonn. Alles mit - was für mich vom Sport in Deutschland wurde getan, damit ich in diesem Land blei- her selbstverständlich war, ohne mir dabei ben sollte. Natürlich ging diese Forderung irgend etwas zu denken. Der deutsche Bot- auch an den DFB mit dem Ergebnis, dass schafter rief mich einige Tage später an und mein Aufenthalt gleich auf ein volles Jahr fragte, ob ich denn schon gesehen hätte, was verlängert wurde. Später kam nach ähn- die lokalen Zeitungen schreiben würden. Ich lichen Forderungen an die gleichen deut- musste ihm sagen: „Nein, was ist denn los?“ schen Stellen noch mal ein weiteres Jahr Daraufhin hörte ich von ihm, dass in der Zei- dazu. tung stand, wie sehr die Spieler mehr als überrascht waren und dem Reporter gesagt Vorher hatte ich nach dem ersten Jahr in hatten: „Der Trainer ist mit uns zusammen diesem Land Urlaub in Deutschland ge- zum Duschen gegangen!“ Dass dies dort so macht und heiratete in Münster in Westfa- großartig ankam, hatte ich nicht erwartet! len meine mir schon etwas länger bekannte Dass ich nämlich als Weißer, als Europäer Freundin Bärbel, die auch Sportlehrerin war. mit den schwarzen Spielern zusammen auf Wir kamen dann gemeinsam nach Sierra Augenhöhe stand, brachte mir ungeahnte Leone zurück, hatten dort inzwischen ein Sympathien ein. Und das war etwas, was ich schönes Haus, nämlich ein altes Kolonial- vielleicht nur gefühlsmäßig gemacht hatte, haus gefunden, das auf Stelzen mit hartem und was mir aber - wenn es zu ähnlichen Ge- Holz erbaut war. Bilder ließen sich übrigens meinsamkeiten kam - auch in den nächsten in diesem Haus erst aufhängen, nachdem 35 Jahren immer wieder geholfen hat, mich man in dem harten Holz unter erheblichen 25
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    Schwierigkeiten Löcher gebohrthatte. Das folgenden Jahren gab es das hier in Sierra harte Holz hatte mit den Termiten zu tun, die Leone wie später ebenfalls in anderen Län- sich wegen der Härte nicht einnisten sollten, dern, wobei ich dann mit den gewonnenen damit das Haus stehenbleiben und nicht zu- Erfahrungen aber bessere Reaktionen zei- sammenbrechen konnte. Das waren alles gen konnte. In Sierra Leone war es für uns neue Erfahrungen, die ich bis dahin noch beide jedenfalls etwas, was wir nicht er- nicht gemacht hatte, weil ich mich damit im wartet hatten. Es kriselte zu dieser Zeit im vorherigen Junggesellenleben überhaupt etwas weiter entfernten Ghana im dortigen nicht in Berührung gekommen war. Ein-Parteien-System. Unser Premierminister Albert Margai hatte hier das gleiche System Meine Frau arbeitete inzwischen auch an auch einzuführen versucht. Die Opposition den Schulen, führte dort sogar schon sehr war sehr dagegen. Von Regierungsseite ver- früh so etwas Ähnliches wie das Bundes- suchte man nun, mich in solchen Fragen sportfest bzw. die Bundesjugendspiele ein. einzuspannen. Aber ich wußte stets, dass Das kam großartig an und wir waren beide als ich mich aus diesen politischen Angelegen- leitende Akteure voll akzeptiert. Man konnte heiten rauszuhalten hatte. In allen meinen auch mit Hilfe Bärbels vieles machen, was Einsätzen habe ich stets eine solche Haltung im Sport weiterhalf und Fortschritte brach- eingenommen und bin gut damit gefahren, te. Die zusätzlichen Aktivitäten von Bärbel dass ich immer gesagt habe: „Ich bin Sport- machten sie sehr schnell genau wie mich ler, neutral und unpolitisch. Ich kümmere weiter populär und sie trugen alle zur Fuß- mich deshalb auch nicht um die Politik in ball- sowie Sportbegeisterung mit bei. Deutschland und genau so wenig um Eure Politik oder um die der Nachbarländer. Ich Jetzt möchte ich aber noch auf den Anfang verkaufe stattdessen nur Fußball“. Auf die- meiner Zeit dort in Freetown, der Haupt- ser Basis konnte ich mich mit der Opposition stadt von Sierra Leone zurückkommen. Als wie mit der Regierung immer gut verstehen, ich dort nämlich ankam, erfuhr ich schon weil ich genau wußte: Wenn etwas passiert, relativ bald, dass der zuständige Sportmini- dann kann es nur von der Opposition, der ster überall voll Stolz erzählen würde: „Ich Polizei oder der Armee kommen. Deshalb war es, der den Burkhard von Deutschland habe ich in den meisten der Länder, in de- in Frankfurt beim dortigen Fußballbund für nen ich war, auch die Mannschaften der Po- unser Land gekapert und nach hierher ge- lizei wie der Armee mit trainiert, denn es war holt habe. Von diesem Sportminister wurde mir klar, dass wenn einmal eine Revolution ich wenig später ebenfalls allen anderen kommen sollte, dass ich auch dort Helfer Kabinettmitgliedern vorgestellt, was mir haben würde. In solche politischen Ausei- und danach auch Bärbel viel Unterstützung nandersetzungen wollten nämlich weder durch alle diese Amtspersonen gebracht meine Frau noch ich als frisch gebackener hat. Als wir übrigens nach unserer Heirat Ehemann verwickelt werden. in Deutschland gemeinsam dort ankamen, wurde sogar eine Parlamentssitzung unter- Und so war‘s dann auch mit dem Nicht-ver- brochen mit der Ankündigung: „Soeben ist wickelt-werden. Kurz nach der gerade be- unser deutscher Trainer wieder gelandet!“ gonnenen Regenzeit hatte ich noch mit der Mannschaft der Armee trainiert. Nach dem Nun aber zu der Überraschung in diesem Training saßen wir in Freetown im Offiziers- afrikanischen Land. Was in solchen Län- kasino zusammen, als der Colonel Johnson dern nämlich auch passiert, ist manchmal zu mir auf einmal sagte: „Coach, morgen trai- nicht ganz so einfach zu überstehen. In den nieren wir nicht.“ Ich habe ihm als Germane 26
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    natürlich sofort geantwortet:„Moment mal, wußte, was auf der deutschen Botschaft hier wir trotz des Regens trainiert!“ Nach nicht bekannt war. Der Kanzler der deut- einer Pause sagte er wieder: „Du, morgen schen Botschaft in Freetown, den ich dann trainieren wir nicht!“ Ich bin dann sofort auf auch noch ansprach, es war ein Herr Süß die Palme gegangen und habe geantwor- aus Darmstadt, reagierte aber als Mann tet: „Horch mal her, Ihr seid hier geboren, mit langjähriger Erfahrung ganz anders. ich komme hierher, der Regen ist warm und „Komm, Burkhard, zu uns ins Haus, ich bin nicht wie der Schnee- und Eisregen bei uns bewaffnet, wir können uns 14 Tage halten.“ in Deutschland, und da wird hier doch wei- Ich erzählte ihm gleich, dass ich das sicher tergemacht!“ Aber ich hatte nach dieser nicht brauchen würde wegen der mir ver- mehrfachen Wiederholung des Hinweises, sprochenen Wachposten. Und als es dun- dass morgen nicht trainiert würde, schon kel wurde, waren diese Posten tatsächlich das Gefühl, irgendetwas dürfte nicht stim- da. Allerdings hatten sie Karabiner, die ich men. Und dann sagte er mir, so dass es an- schon mal im Museum gesehen hatte und dere nicht hören konnten: „Morgen ist ‚ne die wahrscheinlich noch aus dem ersten Revolution! Aber Coach, Du brauchst keine Weltkrieg stammten. Angst zu haben. Wir schicken Dir morgen oben auf den Berg, wo Dein Haus steht, zwei Nachts rappelte es jedenfalls in Freetown Soldaten, die bewaffnet sind. Dir passiert kräftig. Es gab allerhand Tote, aber zwei jedenfalls nichts. Aber wenn Du jetzt nach Tage später war der Spuk vorbei und alles Hause fährst, dann sag Deiner Frau, sie soll wieder in Ordnung. Mich rief dann aber der noch schnell etwas zu essen und trinken Botschafter an und bat mich, in die Bot- einkaufen, denn man weiß nicht, wie lange schaft zu kommen. Er sagte: „Ich muss Sie so etwas dauert.“ unbedingt sprechen.“ Als ich bei ihm war, meinte er, es könne mit der Revolution doch Ich bin dann gleich zu Bärbel, die meinte aber noch weiter gehen, und es ginge ihm darum, nur, dass ich spinnen würde oder dass man dass man meine Frau und mich sofort aus- beim Training einen Scherz mit mir gemacht fliegen sollte über Dakar nach Deutschland. habe. Als ich ihr dann aber die Geschichte Ich fragte ihn gleich: „Was ist denn dafür der genauer erzählte, sind wir sofort doch noch Grund?“ Seine Antwort war: „Stellen Sie sich tüchtig einkaufen gegangen. Zugleich hielt mal vor. Sie haben doch mit dem vorherigen ich es für meine Pflicht, den Botschafter, zu Premierminister Tennis gespielt und hatten dem ich genau wie in den anderen Ländern zu seinem Kabinett sehr gute Verbindungen, später zu den deutschen Botschaften einen was Ihnen jetzt, wenn die Opposition ans guten Kontakt hatte, über die bevorstehen- Ruder kommt, angekreidet werden kann!“ de Revolution zu unterrichten. Ich rief ihn an Ich meinte dazu aber nur: „Kennen Sie denn und sagte ihm: „Herr Botschafter, Sie sollten schon den dann vielleicht möglichen neuen sich darauf einstellen, dass heute Nacht Premierminister?“ Er verneinte das, aber ich eine Revolution kommt.“ Er meinte darauf- konnte ihm sagen, dass ich ihn bereits ken- hin allerdings: „Ach, Herr Pape, Sie hören ja nen würde. Und dieser Mann dürfte mich nicht nur Gras wachsen, Sie hören ja eine genauso akzeptieren, weil er wisse, dass ich ganze Wiese wachsen! Wenn so etwas läuft, mich immer klar aus der Politik raushalten dann würden wir das bestimmt als Erste würde. Ebenfalls möchte dieser Mann je- wissen!“ denfalls auch, dass wir Länderspiele gewin- nen. Und dann sagte ich ihm noch: „Mich Auch in späteren Zeiten ist das manchmal akzeptiert man hier überall, weil ich inzwi- so ähnlich passiert, dass ich schon etwas schen schon nicht mehr als Ausländer emp- 27
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    funden werde. Manweiß hier, dass mich die den dort gab es viel Trauer, aber man ließ Kultur des Landes interessiert und zwar mit es sich nicht nehmen, mich ganz großartig all ihren Hintergründen, dem hier normalen zu verabschieden. Mit ihren Tänzen trat nur Familienleben, wie und wo die Menschen für uns eine Tanzgruppe auf mit dem Namen wohnen und alle diese Dinge, womit manch „Heart Beat of Africa.“ Mein Bruder war ge- ein Ausländer schon mal Schwierigkeiten rade zu Besuch bei uns, und er nahm an der hat und nach wenigen Jahren das Land ver- Abschiedsparty mit teil. Als ich ihn eingela- läßt. Das sind nämlich im Gegensatz zu mir den habe und er dort alles auf Tonband auf- Leute, die wenig von den Bewohnern wissen nahm und einen Videofilm drehte, mussten bzw. wissen wollen und nur an das hier zu wir allerdings versichern, dass die Darbie- verdienende Geld denken.“ tungen dort von meinem Bruder nicht kom- merziell ausgewertet würden. Ich habe das Meine Zeit dort in Sierra Leone war jeden- alles damals auch auf Tonband aufgenom- falls weiter erfolgreich und die Arbeit machte men und freue mich über den Film davon. Bärbel und mir viel Spaß. Das Ganze damals war für uns ein wunder- barer Abschied. Was mir deshalb so nah und Aber nach über zwei Jahren insgesamt teilte plastisch in Erinnerung ist, weil es meine er- man mir mit, dass ich jetzt mit einer Verset- ste Station im Ausland war, der dann aber zung zu rechnen hätte. Bei meinen Freun- noch viele weitere Stationen folgen sollten. 28
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    Drei Jahrzehnte inAfrika und von denen noch sehr viele aktiv sind. Be- Asien: 1966 - 1996 kannt sind vor allem die indonesischen Inseln Java, Sumatra, Borneo, das heutige Einige kurze Einblicke in eine aufregende Kalimantan, und vor allem Bali - die Insel Tätigkeit voller Überraschungen der Götter. Sierra Leone, Westafrika: Dichter Urwald bis Thailand. Allein der Name erweckt die hinter das Haus. Schlangen im Garten oder verschiedensten Erwartungen: Exotische gar in den Zimmern. Von Palmen umsäumte Tempelbauten und Paläste, mandeläugige Traumstrände. Diamanten- und Edelstein- Schönheiten mit langem seidigen Haar, Ele- vorkommen. Aber nur 46 Meilen asphal- fanten, tiefer Dschungel, Palmen und son- tierte Straßen. Ein Schwarz-Afrika, wie man nige Strände am Golf von Thailand. Bang- es sich in der Jugend erträumt. kok - weltbekannte Großstadt, die fasziniert, Ostafrika: Das sind Uganda, Kenia, Tansania aber auch eine Zumutung sein kann, im und Sansibar. Ostafrika steht für Buschsa- Widerspruch zwischen asiatischer Tradition vannen mit den größten Tierreservaten der und westlicher Neuzeit. Welt, aber auch für den höchsten Berg Afri- kas, den schneebedeckten Kilimanscharo. Westafrika, Ostafrika, Ägypten, Sri Lanka, Und auch der Victoria See, der zweitgrößte Indonesien und Thailand - nicht um einen See der Welt, befindet sich in Ostafrika. Vor Reisebericht für die Tourismusindustrie Tansania, im Indischen Ozean, liegt Sansi- handelt es sich im Nachfolgenden, sondern bar, reich an Gewürznelken und Ausgangs- um die Beschreibung meiner Einsatz- und ort vieler Afrika-Expeditionen; die exotische Arbeitsplätze als Fußballehrer in den letzten Insel, die in den 90er Jahren des letzten 30 Jahren, aber auch um die Wahlheimat Jahrhunderts gegen die in britischem Besitz meiner Familie mit den Geburtsländern un- befindliche Insel Helgoland in der Nordsee serer Kinder. eingetauscht wurde. Ob ich nun nach so vielen Jahren in diesen Ägypten, das Land der Pharaonen, der Sphinx Ländern ein „Afrika- und Asienkenner“ ge- und der Pyramiden. Ein Land mit gewaltigen worden bin, lasse ich dahin gestellt. Dabei Wüsten, ein Land aus Sand und Salzseen, bin ich sicher, daß wir Europäer die Menta- ein Land mit einem Jahrhundertbauwerk, lität der Afrikaner und der Asiaten kaum bis dem Suezkanal, der das Mittelmeer mit zur letzten Konsequenz verstehen werden, dem Indischen Ozean verbindet, aber auch ganz gleich, wie lange wir uns in Afrika oder ein Land mit modernen Großstädten. Asien aufhalten. Da ich aber als Fußballtrainer in erster Li- Sri Lanka, das ehemalige Ceylon, die Perle nie nur mit Einheimischen, die selten aus des Indischen Ozeans: Unvorstellbar schöne der jeweiligen Oberschicht stammten, zu Strände und Tauchparadiese, die bis zu den tun hatte, war es mir doch möglich, die Pro- Malediven reichen. Plantagen mit Tee, Ka- bleme, Sorgen und familiären Hintergründe kao, Kautschuk und Kokospalmen, die zum der Menschen kennenzulernen. Mit der Zeit Teil auf 2.000 Meter Höhe liegen. entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis und Verständnis auf beiden Seiten - die Ba- Indonesien, mit ca. 180 Millionen Einwoh- sis um überhaupt erfolgreich arbeiten zu nern eines der bevölkerungsstärksten Län- können. So wird Verständnis und Interesse der der Welt, bestehend aus über 13.000 an uns fremden Mentalitäten und Kulturen Inseln mit weltweit den meisten Vulkanen, „eingetauscht“ gegen das Vertrauen der 30
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    Bewohner des Landesgegenüber einem der größten „Berg-Republik“ mit den mei- „Fremden“. sten „Engpässen“. Über Berlin floh ich zu ei- ner Zeit in den Westen, zu der es die „men- Doch vor weiteren Ausführungen über mei- schenfreundliche“ Mauer noch nicht gab. ne doch sehr lange, schöne, aber auch nicht immer ungefährliche Tätigkeit an so vielen Für Hannover 96, den VFR Neumünster und unterschiedlichen Orten der Erde, zunächst den FSV Frankfurt spielte ich dann als Ver- einmal ein paar Angaben zu meiner Person: tragsspieler in der Oberliga, der damaligen 1932 in Magdeburg geboren, waren die Jah- höchsten Spielklasse (Bundesliga wurde re des Krieges und der Nachkriegszeit sehr erst 1962 eingeführt). Der Leichtathletik einprägsam. Schon immer sportbegeistert, widmete ich nur noch wenig Zeit, da ich war ich in Magdeburg ein aktiver und erfolg- mein Ziel verfolgte, an der Sporthochschule reicher Fußballspieler geworden, der bis zur Köln das Examen als Fußballtrainer unter höchsten Klasse spielte. Aber auch Hand- Hennes Weisweiler zu machen. Dafür benö- ball spielte ich damals in der Stadtauswahl. tigte ich allerdings Geld. Als „der schnellste In der Leichtathletik wurde ich in der dama- Rechtsaußen der Oberliga“ konnte ich mir ligen DDR Jugendmeister im Fünfkampf und in den Jahren, in denen ich aktiv Fußball zwei Jahre später Juniorenmeister im Zehn- spielte, ein finanzielles Polster schaffen, so kampf. Schon früh war die DDR-Sportförde- daß ich anschließend, im Jahr 1959, in Köln rung optimal. mein Examen erfolgreich ablegen konnte. Zwar wurde man als großes Talent im Mehr- Danach war ich sieben Jahre lang als einer kampf umhätschelt, aber die Bespitzelung der jüngsten Verbandssportlehrer an der und das ganze System mit den widrigen herrlichen Sportschule Schöneck in Karls- Umständen waren widerlich. Meine Eltern ruhe Durlach auf dem Turmberg tätig. Eine und mein Bruder hatten die DDR schon früh wichtige und lehrreiche Zeit, die mir, wie verlassen bzw. haben, wie man in Magde- ich später feststellen sollte, viel gab, um an burg sagt, „rüber gemacht“. Dann kam der meinen exotischen Einsatzorten erfolgreich Volksaufstand am 17. Juni 1953: Schwerbe- arbeiten zu können. waffnete Stasileute mit Schäferhund verhaf- teten mich wegen Spionageverdachts. In sehr guter Erinnerung blieb mir die Rei- se der Badischen Amateurauswahl im Jahr Keiner der sonst so hilfsbereiten Sport- 1962 in die USA. Es war das erste Mal nach funktionäre machte auch nur einen Finger dem Krieg, daß eine Auswahl eine solche krumm, um mir zu helfen. Niemand wußte, Reise antrat. In den drei Wochen Aufenthalt wo ich mich befand. GottseiDank konnte wurden viele Spiele durchgeführt und nach mein damaliger Trainer G. Gläser, der mich Verletzung zweier Spieler zog auch ich mei- auch später oft unterstützte, die Mannschaft ne Fußballschuhe an, um die Auswahl auf- davon abhalten, in Spielstreik zu treten, da zufüllen. Wenn ich damals gewußt hätte, an mir dies mehr geschadet denn genützt hät- welchen Orten ich lehren und Fußball spie- te. 10 Tage lebte ich in einer Einzelzelle mit len würde.... weiteren sieben Häftlingen im Zuchthaus. Doch über Umwege und mit Hilfe des Sports An der Sportschule Schöneck lernte ich auch wurde ich auf freien Fuß gesetzt. meine spätere Frau und Mutter unserer Kin- der kennen, aber dazu später mehr. Nach dieser Erfahrung hielt mich nichts Zwei wesentliche Dinge (oder Weisheiten) mehr in der sozialistischen Volks-DDR - in gab ich in den Jahren an der Sportschule 31
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    Schöneck den Menschenmit auf den Weg: Das Ergebnis der Gespräche entsprach - begeistert muß man sein, um begeistern meine Vorstellungen: Freies Arbeiten nach zu können, meine Entscheidungen, dabei eine Natio- - überzeugt muß man sein, um überzeugen nalmannschaft aufzubauen, im Lande auf zu können. Talentsuche zu gehen und nationale Trainer auszubilden. Allerdings konnte ich mir natür- Damals war mir allerdings nicht bewußt, lich nicht vorstellen, was mich de facto er- daß diese Philosophie in meinem weiteren wartete. Daß das Organisieren von Spielen, Berufs- und Lebensweg ein große Rolle spie- das Massieren der Spieler, die Behandlung len würde. Heute, nach 30 Jahren an so un- von Verletzungen selbstverständlich erwar- terschiedlichen Plätzen der Welt, blicke ich tete wurde, überraschte mich kaum, Aber auf so viel Ungereimtheiten in dieser Zeit daß das Tanzen, Singen und Klavierspielen zurück und weiß, daß diese zwei Lehrsätze zur Selbstverständlichkeit wurden, hätte ich notwendig waren und sind, um in meiner zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch exotischen, turbulenten, schönen, interes- nicht gedacht. santen und gefährlichen Tätigkeit Erfolg zu haben. Aber wie stellte man sich im Jahr 1966 in Westafrika einen deutschen Trainer vor? Nennen wir diese Tätigkeit „sportliche Ent- Was erwartete man von ihm? Ich sollte es wicklungshilfe“. Für diese Form der Entwick- bald erfahren: lungshilfe ist der Kulturhaushalt des Aus- wärtigen Amtes in Bonn zuständig, der DFB Abflug ab Hannover am 01.02.1966 nach steht als fachlicher Berater zur Seite. Die Frankfurt, das Abenteuer Afrika beginnt. GAWI, die heutige GTZ, ist für die Durchfüh- Von Frankfurt weiter nach Dakar (Senegal) rung der sportlichen Entwicklungshilfe ver- mit Zwischenpause, um eine kleiner Ma- antwortlich. Sepp Herberger, Herbert Wid- schine zu bekommen, die mich weiter nach mayer und viele andere bestärkten mich, Gambia brachte. Nicht so wie heute, mit LTU mein fachliches Können auch im Ausland oder Neckermann in wenigen Stunden mit unter Beweise zu stellen. So habe ich dann komfortablen Abfertigungshallen, nein, der das Angebot aus Bonn angenommen und Flughafen war noch aus alten Zeiten und bin nach Absprache mit dem DFB (Detmar bestand nur aus einigen Baracken. Getankt Cramer war damals mein Freund und Bera- wurde noch von Hand aus Fässern! Weiter ter) nach Westafrika gegangen. gehts nach Sierra Leone, Freetown. Der Hin- flug war schon interessant, aber das, was Geplant war zunächst einmal ein Einsatz nun auf mich einstürmte war neu und fast von nur 6 Monaten, als Versuch dieser Art unvorstellbar. So, wie man sich Afrika als sportlicher Entwicklungshilfe. Aber schon in kleiner Junge vorstellt: Die Affen, die auf dem Sierra Leone wurde aus diesen 6 Monaten Wege vom Flughafen zur Stadt zu sehen wa- zwei Jahre. Heute sind es nun, ohne Unter- ren, waren nicht meinetwegen dort, sondern brechung, 30 Jahre. Ich glaube, daß man sie sausten dort täglich durch die Gegend. sagen kann, daß das AA, die GTZ und ich in- Sie gehörten dort so selbstverständlich hin, zwischen aus dem Versuchsstadium heraus wie später zu meinem Hotel und als „Haus- sind. tiere“ unserem Garten am Haus. In Bonn und beim DFB in Frankfurt ergab Im Parlament, das gerade tagte, wurde eine sich eine gute Gelegenheit, meinen künf- Unterbrechung eingelegt und man gab be- tigen Arbeitgeber zu treffen, den Generaldi- kannt, daß der deutschen Fußballtrainer ein- rektor für Sport aus Freetown/Sierra Leone. getroffen war. Dies schien ein wichtiges Er- 32
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    eignis zu sein.Ich erfuhr auch bald warum: einem notwendigen Kehlkopfschnitt char- Ein erstes Länderspiel gegen den Erzfeind terten wir ein Sportflugzeug und hielten Liberia war geplant, frei nach dem Motto den Mann notdürftig am Leben. „Nun haben wir einen deutschen Trainer, nun gewinnen wir auch automatisch“. Der damalige Präsident von Sierra Leone, der erste nach Entlassung des Landes Am nächsten Tag begleitete mich „mein“ Di- in die Selbständigkeit, Sir Albert Margai, rector General für Sport zu allen Ministern, kümmerte sich ebenfalls um den Fußball. um mich vorzustellen, denn schließliche Erst als es mir gelang ihn davon zu über- hatter er es ja geschafft, mich nach Afri- zeugen, daß zum Spiel ein Ball durchaus ka zu holen. Die Minster waren zufriedne, ausreicht, aber zum Training mehrere Bälle denn ich entsprach voll den Vorstellungen notwendig sind, wurde veranlaßt, eine ent- der Afrikaner: groß, blond, kräftig und mit sprechende Anzahl Bälle zur Verfügung zu lauter Stimme, so daß ich beim Training stellen. Fußball als Chefsache. Auch hatte keine Pfeife benötige, scheut weder Sonne Margai das größte Interesse daran, daß oder Hitze noch die Regenmassen in der ich sein Tennisspiel verbesserte, ein Ersu- Regenzeit. Selbst das schwüle Wetter war chen, dem ich gerne entsprach. Überhaupt für den „Germanen“ kein Grund, das Trai- hat mir die Sportart Tennis viel geholfen, ning abzusagen. Verbindungen aufzubauen und Kontakte zu festigen. Eine Verhaltensweise, die von mir we- der bewußt noch mit bestimmter Absicht Aber zurück zum Länderspiel gegen Liberia. durchgeführt wurde, brachte mir gleich zu Nach kaum ausreichender Vorbereitung Beginn meiner Arbeit in Westafrika großen - notwendige Medizinbälle wurden durch Kredit ein: Als die Spieler nach dem ersten mit Sand gefüllte Kokosnüsse ersetzt - war Training zu den Duschen gingen, konnten es soweit: das Länderspiel gegen Liberia es die Spieler nicht fassen, daß ich mich stand vor der Tür, eine Mannschaft, gegen ihnen selbstverständlich anschloß und mit die noch nie gewonnen worden war. Das ihnen duschte. Im Jahre 1966 hatte man Haus war ausverkauft, denn man hatte so ein Verhalten von einem Weißen nicht ja den Germanen als Trainer. Zur großen erwartet. Dies und die Tatsache, daß ich Überraschung stand es in der Halbzeit, beim Duschen meine wasserdichte Arm- nach gutem Spiel für uns, immer noch 0 : banduhr am Handgelenk behalten konn- 0. Da kam der Präsident persönlich in die te, machte anschließend die Runde in der Kabine und versprach eine Prämie für den Stadt und in den Dörfern des Landes, was Sieg. Und wir gewannen 1 : 0! Der Jubel ich allerdings erst später erfuhr. Jedenfalls war groß. Ich war der Größte. Schnell wur- entstand durch das Duschen das Gefühl, de nach diesem Sieg noch ein Spiel für in daß ich zu ihnen und daß sie zu mir ge- zwei Tagen vereinbart, um die Einnahmen hörten. zu verdoppeln. Und wieder gewannen wir. In Sierra Leone kam auch immer wieder zu Nur waren aus diesen zwei Spielen kaum „Einsätzen“, die nun wirklich nicht zu mei- Einnahmen vorhanden. Sie hatten wohl ner Trainertätigkeit gehörten. So begleite- „Wege“ gefunden, die sie bislang immer te ich zusammen mit Krankenschwestern gegangen waren. Eine Erkenntnis, die mich einen verletzten Matrosen nach London, seit 30 Jahren, egal wo ich mich befinde, der sich nach einem Freundschaftsspiel immer begleitet hat. gegen „meine“ Mannschaft beim Baden den Halswirbel gebrochen hatte. Nach Dann aber kam für mich der erste große 33
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    „Hammer“: Zwei Männerwaren zum Tode wieder im ausverkauften Stadion, das so durch den Strang verurteilt worden, da voll war, daß wir nicht ins Stadion fahren sie aus kultischen Motiven Menschen ge- konnten. Also haben wir den Bus an der schlachtet hatten. Einige Wochen vorher Stadionmauer geparkt, sind auf die Küh- hatte der Präsident noch, nachdem alle lerhaube und auf das Dach geklettert und Radios ausgeschaltet waren, in einer Stadt mit einem Sprung ins Stadion gehechtet. im Landesinnern gesagt „It is not nice to Jeder Sprung eines Spielers wurde mit Ju- eat your neighbours“ (es ist nicht gut, seine bel begrüßt. Tosender Beifall entbrannte, Nachbarn zu essen). Doch diesmal sollte als ich, ein Weißer; ebenso auf der Bildflä- erstmals eine öffentliche Hinrichtung statt- che erschien. finden und das, wie nicht anders erwartet, im Fußballstadium. Freudestrahlend über- Bei diesem Spiel erfolgte zum ersten Mal brachte man mir die Nachricht, daß ich als eine live Übertragung im Radio nach Sierra Zeuge dabei sein sollte. Man bedenke, dies Leone. Der Reporter saß mit seinem Mi- geschah in den Jahren 1966/67. Obwohl krofon auf dem Dach des Rot-Kreuz-Fahr- ich schon von der Sonne gebräunt war, zeugs, um einen besseren Überblick zu wurde ich blaß. Ich fragte die Deutsche haben. Als sich einer unserer Spieler nach Botschaft um Rat. Erst einmal ratlos und einem Tor am Torpfosten verletzte und der geschockt überlegte man: Die Idee aus- Rot-Kreuz-Wagen losbrauste, flog der Re- zufliegen könnte mißverstanden werden, porter in hohem Bogen vom Dach. Sicher- krank werden wäre ein Alternative. Dann lich wurde die Übertragung unterbrochen. wurde diese Hinrichtung aber nach vielen Mit dieser Aktion kam aber Stimmung im Protesten aus aller Welt zum Glück nicht Stadium auf. Als ich mich umsah, stellte ich öffentlich durchgeführt, sondern unter fest, daß ich der einzige Weiße war. Mutig strengen Sicherheitsmaßnahmen im Ge- hielt ich die Stellung auf der Trainerbank. fängnis, wo ich nicht „gebraucht“ wurde. Nach der Halbzeit wurde es immer dunk- ler. Flutlicht gab es damals noch nicht. Hatte ich bislang nur am Rande mitbe- Liberia schoß ein Tor: 1 : 1. Es war inzwi- kommen, wie wichtig der Medizinmann in schen so dunkel, daß man die Schwarzen Afrika ist, sollte ich dies nun bald selbst nicht mehr sehen konnte. Bei einem Frei- erfahren. Der Medizinmann macht „Ju Ju“, stoß nahm mein Spielführer den Ball in die d.h. er zaubert und verzaubert. Bei dem Hand und versuchte dem Schiedsrichter Rückspiel in Monrovia, Liberia, erlebte ich klar zu machen, daß man wegen der Dun- erstmals die Angst sowohl meiner Spieler kelheit nicht mehr spielen könne. Dies war als auch der liberianischen Spieler: Kein seine letzte Handlung, denn dann brach Spieler und auch kein Offizieller hatten in ein Tumult aus. Ich suchte sofort Schutz im dem Hotel, in dem wir abgestiegen waren, Bus. Nachdem sich die Spieler ausgetobt etwas gegessen oder getrunken. Auf mei- hatten, suchte auch meine Mannschaft ne Frage hin, warum denn nicht, erhielt Schutz im Bus, der versuchte, Land zu ge- ich die Antwort, daß die Gefahr bestünde, winnen. Steine flogen gegen den Bus und daß alles verzaubert sei. Au weiha. Somit er wurde von den Liberianern ziemlich de- wurde schnell ein Auto gemietet und in moliert, während wir auf dem Busboden unterschiedlichen Geschäften Essen und lagen. Ich als Neuling dachte, daß nun Trinken eingekauft, das auf den Zimmern sämtliche politischen Beziehungen ab- gemampft wurde. „Das fängt ja gut an“, gebrochen würden, aber weit gefehlt. Wir dachte ich mir. duschten, gingen zum Festbankett und al- Am nächsten Tag fand das Rückspiel statt, les war vergessen. Wir tanzten, etwas das 34
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    die Afrikaner wirklichkönnen, und alles schickte, dachte ich mir irgendwann, daß war wieder in Butter. ein Heiratsantrag auf Tonband - direkt Innerhalb weniger Stunden erlebte ich auf aus dem afrikanischen Busch - auch eine diese Art die Schwankung zwischen „To- nicht gerade alltägliche Angelegenheit sei. desangst“ und größter Freude. Ob wir Euro- Gedacht, getan. Ich schickte den Heirats- päer solche Vorkommnisse zu dramatisch antrag auf Band per Kurier nach Deutsch- sehen? Jedenfalls war auch der Deutschen land und wurde erhört. Ich flog sofort nach Welle dieses Länderspiel mit all seinen Be- Deutschland, bekam den Segen der Eltern, gleiterscheinungen eine Reportage wert. es wurde geheiratet, kurz geflittert und schon ging es zu zweit zurück nach Sierra Nun war schon bald mein erstes Jahr in Leone. Afrika vergangen, das ich staunend und hin- und hergerissen von all den neuen Als Sportlehrerin in Afrika, blond und Eindrücken erlebte. hübsch, war sie bald so beliebt und be- kannt wie ich als Trainer. Bärbel unter- Dann folgte ein wichtiger Schritt in meinem richtete die Frauen, während ich mich um Leben - oder auch ein wichtiges Tonband, die Kicker kümmerte. Sie führte eine Art das meinen, unseren Lebensweg be- Bundesjugendspiele an den Schulen ein stimmte. und durch sie wurde der Sportunterricht Leider gibt es sehr viele Beispiele für Ent- für die Schüler zu einem bisher nicht ge- wicklungshelfer, die für viele Jahre allein kannten Erlebnis. Welche Anstrengungen im Ausland tätig waren und durch Heim- Bärbel dabei auf sich nahm, kann kaum weh, Alkohol und sexuelle Exzesse in kur- beschrieben werden, aber sie hatte Erfolg. zer Zeit zum Wrack wurden. Dies hatte ich nicht vor. Ich wollte eigentlich eine ganz Der Spaß an der Arbeit und an den gemein- „normale“ Familie gründen, aber wie? samen Hobbies, wie Tennis spielen oder Noch vor meinem Umzug nach Sierra Le- das Landesinnere auch unter schwierigen one hatte man sich ach Abschluß eines Umständen zu erkunden, waren immer Ausbildungslehrganges an der Sportschu- wieder Dinge, die uns in der Welt voller Un- le Schöneck zum Feiern bei mir auf Schö- gereimtheiten und auch Ängsten zusam- neck getroffen. Und da begegnete SIE mir: menbrachten. Gemeinsam verjagten wir eine intelligente, sehr hübsche, blonde abends mit einer Schrotflinte die Affen, die Westfälin. Sie war selbst Sportlehrerin und um unser dicht am Urwald liegenden Haus bildete Schülerinnen an der Sportschule herumtobten, beruhigten den Hausboy, der Steinbach, nicht weit von Karlsruhe, aus. aufschrie, weil sich unter dem Bügelbrett Wir lernten uns nur kurz kennen, denn lei- eine Schlange bewegte und staunten über der ging dann aber alles sehr schnell mit die Wolken, die in der Regenzeit auf der meinem Einsatz in Sierra Leone, der ein einen Seite ins Haus kamen und auf der kaum abzusehender Schritt in eine damals anderen Seite das Haus wieder verließen. noch unbekannte Zukunft war. Schon nach Wir krabbelten nachts unter unser großes kurzer Zeit in Sierra Leone sagte ich mir, Moskitonetz um morgens festzustellen, daß es ein Fehler gewesen war, SIE nicht daß die Schuhe, die wir aus Versehen nicht direkt gefragt zu haben, ob sie mich heira- in den Schrank mit der starken Glühbirne ten und nach Afrika begleiten würde, aber zum Trocknen gestellt hatten, voller Schim- .... Chance verpaßt. mel waren. Da ich meine Erlebnisse in Sierra Leone auf Tonband sprach und nach Hause Einmal bekamen wir einen großen Schreck, 35
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    als ich nachtsbeim Umkleiden, nachdem ler der Botschaft, ein alter Afrikakämpfer, wir von einer Party zurückgekommen wa- glaubte mir sofort und lud uns zu sich in ren, im Spiegel sah, wie eine schwarze die Residenz ein. Ein Woche könnten wir Hand nach unserem Radio griff. Ich, split- uns dort gut „halten“. Dies war aber dann ternackt, konnte es kaum fassen, sagte nicht notwendig, da wir von den Mannen nichts, sondern schnappte mir nur einen der Armee beschützt wurden. In der Nacht großen Stock und jagte nackt hinter dem war „Stimmung in der Bauernschänke“ und Afrikaner her, der nach unten auf die Stra- morgens hatten wir eine neue Regierung. ße sauste. Ich hatte ihn fast erreicht, da machte er einen Satz in den Urwald und Der Botschafter meinte nun, man müßte ich stand nackt davor. Der Fahrer eines mich wegen meiner sehr guten Bezie- gerade vorbeifahrenden Autos hat wohl hungen zu dem nun in Haft sitzenden, auch im Scheinwerferlicht gedacht, daß ehemaligen Präsidenten ausfliegen. Als ich er träumt: Steht da mitten in der Nacht ein fragte, ob man denn in der Botschaft den weißer nackter Mann mit einem Prügel auf neuen Präsidenten kennen würde, und der Straße! Schnell bin ich zurück ins Haus dies mit nein beantwortet wurde, konnte gelaufen, habe die Tür verrammelt und Mü- ich beruhigend erklären, daß ich den neu- ckennetz zugezogen und habe mit Bärbel en Präsidenten schon kennen würde und einen neuen aufregenden Tag erwartet. er mir aufgrund meiner Trainertätigkeit recht zugetan sei. So laufen die Uhren in Ein anderes Mal waren meine guten Ver- solchen Ländern manchmal anders. Und bindungen zur Armee und Polizei von gro- als Trainer öffnet man Türen, von denen ßer Hilfe. Insbesondere in Schwarzafrika andere nicht einmal die Klinke kennen. kommen Leistungssportler nämlich über- wiegend aus diesen Institutionen. Und aus Eine nette Episode erlebte ich mit „Ju Ju“, diesen Quellen erfährt man so manches ... dem Zauberer. Ich hatte eine sehr große Nach einem Training bei der Armee wurde Schienbeinverletzung, eine große Schraub- mir bei einem Drink danach mitgeteilt, daß stollenwunde, die nicht heilen wollte. Alles das Training am nächsten Tag ausfallen wurde versucht, aber immer wieder brach würde. Da ich zu der Zeit noch unwissend die Narbe auf - eine nicht gerade ungefähr- war, bezog ich dies auf die Regenzeit und liche Verletzung bei den nicht sauberen wollte das Training doch durchführen. Bis Böden. Sollte ich nach Deutschland fliegen man mir klar machte, daß in der folgenden und mich dort behandeln lassen? Nein, Nacht eine Revolution stattfinden, mir und zunächst wollte ich noch etwas auspro- meiner Frau aber nichts passieren würde. bieren: mit einem Deutschen, der schon Nur einkaufen gehen sollten wir zur Sicher- lange im Land lebte und auch die Sprache heit noch! Zu Hause angekommen, ging beherrschte, fuhr ich eines Tages zu einem Bärbel direkt los, um noch notwendige Medizinmann in den Urwald. Mir war zwar Dinge einzukaufen. Doch was war in solch etwas mulmig, aber neugierig war ich auch. einer Situation notwendig? Der Medizinmann machte Feuer, mischte Blätter, Kräuter und alles mögliche in Auf jeden Fall hielt ich es für notwendig, einem Topf zu einem Brei zusammen, der unseren Botschafter über meine Erkennt- auf mein Schienbein aufgetragen wurde. nisse zu informieren. Dieser fragte er- Anschließend wurde ich notdürftig verbun- staunt, wieso ich von der Revolution wüßte, den. Schon wenige Tage später stellte sich wenn die Botschaft nicht informiert sei? Erfolg ein! Die Wunde verheilte vollkom- Kein Kommentar meinerseits. Der Kanz- men und dies bis heute. Hoch lebe der Ju 36
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    Ju im afrikanischenBusch. wieder war spürbar, welche Wunden die Eine ähnliche Situation erlebte ich später früheren Kolonialherren im Land hinter- auch in Asien. Geschehnisse, die ich gerne lassen haben. Um so freundlicher und mit Medizinern zu Hause diskutiere. offener reagierten die Menschen, da wir keine Klassen¬unterschiede machte, ver- Der Bedeutung des Sports und vor allem schwitzte Spieler im eigenen Auto mitnah- des Fußballs wurde ich mir so richtig be- men oder zum Kaffee bei uns zu Hause wußt, als wir ein Länderspiel in Ibadan, Ni- einluden. Aber auch der Kontakt zu den geria, machten, während der Biafra Krieg höchsten Regierungsstellen war - wie über- in vollem Gange war. Ich wunderte mich, all - unerläßlich, wenn die Arbeit als Fuß- wieso die Regierung unter diesen Um- balltrainer dauerhaft Früchte tragen sollte. ständen Geld und Zeit für ein Länderspiel Zwei Jahre Westafrika bedeuteten neben hatte. Auf einem Festbankett erklärte mir den enormen Erfahrungen und Bereiche- dann ein Minister diesbezüglich, daß die rungen - kultureller, menschlicher und Welt eher an einem guten Abschneiden fachlicher Art - auch echte Pionierarbeit der Nationalmannschaft bei einer großen und Improvisation in Reinkultur. Oft war internationalen Veranstaltung, bei Olym- meine Frau die einzige Ansprechpartnerin pischen Spielen oder einer Weltmeister- in fachlichen Fragen - wie gut daß sie auch schaft interessiert sei, als an einem Krieg. Sportlehrerin ist. Die Regierung wollte also durch das Län- derspiel politische Vorteile erzielen und in- Trotz aller Anstrengungen, mich in Westafri- ternationales Interesse wecken! ka zu halten, hieß es für die Familie, zu pa- cken, um nach Ostafrika zu ziehen. Selbst Nach zwei Jahren Westafrika standen un- die Zeitungen schrieben, daß das Land sere letzten zwei Länderspiel bevor. Noch bzw. die Mannschaft ohne „Paep“, wie ich immer wurde ich nach der Spielbespre- in Schwarzafrika genannt wurde, den Stan- chung mit der Mannschaft kurz fortge- dard nicht halten könne und es besser sei, schickt, so daß der Ju Ju Mann, der Zau- mich ein weiteres Jahr zu engagieren. berer, die notwendigen Verzauberungen an der Mannschaft vornehmen konnte. Echt afrikanisch war auch die Reise von Nach ca. einer halben Stunde erschienen West nach Ostafrika, nach Uganda, unserer die Spieler meist völlig gelöst, entspannt neuen Heimat: Bei der Zwischenlandung in und guten Mutes. Trotzdem verloren wir Lagos bot sich uns wieder ein gewohntes das Hinspiel in Guinea. Das Rückspiel in Bild: Soldaten mit Maschinenpistolen, die Freetown gewannen wir dann. Bei diesem allerdings diesmal nicht gegen uns gerich- letzten Länderspiel durfte ich - als größter tet waren. Vertrauensbeweis der Mannschaft aber auch des Ju Ju Mannes - bei den kultisch- In Uganda waren die Anfangsvorausset- heiligen Handlungen anwesend sein. Ich zungen professioneller, als in Sierra Le- war tief beeindruckt und gerührt, daß ich one: es gab eine oberste Sportbehörde, tatsächlich „einer der ihren“ geworden eine große Sporthalle für 2.500 Zuschau- war. er, herrliche Rasenflächen und vor allem einen geregelten Spielbetrieb in den Re- Während der zwei Jahre in Westafrika gionen. Sogar einen Nationaltrainer hatte haben meine Frau und ich viele Safa- man etabliert. Allerdings gab es damals ris unternommen, zu Geburtsorten der nur wenige ausgebildete Trainer in Ugan- Spieler oder zu Länderspielen. Immer da, so daß ich mich zunächst um die Trai- 37
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    nerausbildung kümmerte. Wirveranstal- litische Interessen eine große Bedeutung. teten viele Lehrgänge, bei denen wir die Wer, bzw. welches Land ist das größte in Fußballtalente entdeckten. Ostafrika? Nun, beim Fußball wurden wir die Größten. In meiner sechsjährigen Tä- Nach kurzer Zeit bat man mich, auch die tigkeit in Uganda gewannen wir viermal Nationalmannschaft zu übernehmen. Der den Pokal, einmal wurden wir Zweiter und ehemalige Nationaltrainer wurde mein einmal wurden die Spiele aus Kriegsgrün- Assistent und so entstand eine sehr gute den nicht ausgetragen. Zweimal gewannen afrikanische-deutsche Zusammenarbeit. wir auch den Pokal mit den Junioren, ein Als wir auch eine Jugendnationalmann- stolzer Rekord! schaft aufgebaut hatten, übernahm mein Assistent deren Training und der ehema- Selbstverständlich war das Training den lige Spielführer der Nationalmannschaft Landesverhältnissen angepaßt. Da die wurde mein Assistent. Er ging später sogar Turnierspiele in der heißesten Trockenzeit zur Fußballtrainer-Ausbildung nach Köln! stattfanden, wurde das Training ebenso Die Einführung einer Nationalliga förderte in der heißen Zeit durchgeführt, Meine die Spielerfolge deutlich. Spieler und ich schwitzen, aber die Mann- schaft dachte sich, daß der „Germane“ Eine große Hilfe bei meiner Arbeit war auch schon wisse, was er tut. In der Tat wirkten in Uganda die Armee, die zusammen mit die anderen Mannschaften während des der Polizei auch in Uganda fast alle Spit- Turniers in der glühenden Sonne eher wie zensportler stellt. Idi Amin, der damalige ausgequetschte Zitronen. Oberbefehlshaber der Armee und selbst aktiver Sportler, hatte ein offenes Ohr für Nach unserem ersten Sieg in Tansania alle meine Wünsche, die den Sport be- schickte uns der damalige Präsident Dr. trafen. Jedes Länderspiel wurde von Idi Obote eine Militärmaschine, die uns abhol- Amin live im Stadion miterlebt, er stellte te. In Kampala war dann unser der Empfang die Quartiere für die Mannschaft und auch eines Königs würdig. Voller Begeisterung notwendige Lastwagen für Transporte zur feierte das Volk unseren Erfolg. Es kam so- Verfügung. gar zu so skurilen Situationen, daß mir ein Stammeshäuptling seine Tochter schen- Mit Sicherheit war ich für ihn auch der ken wollte. Aber was würden meine Frau „echte“ Deutsche, der ihm sogar sagen und meine Schwiegereltern dazu sagen? konnte, daß er einige Pfunde zu viel auf den Statt dessen nahmen meine Frau und ich Rippen hatte. Willig lies er sich sogar ein dankbar das Angebot Dr. Obotes an, unser Fitness-Programm verordnen und suchte erstes erspartes Auto, eine Mercedes, zoll- um Rat in sportlichen Fragen. Idi Amin frei einzuführen. „ES HAT SICH GELOHNT“ gab aber damals auch manch wertvollen hieß es überschwenglich in den Zeitungen Hinweis, wie ich die Afrikaner behandeln Ugandas, dabei spielten sie auf das harte sollte, so daß sich eine Art „Freundschaft“ Training an. „Durch unseren Trainer „Paep“ entwickelte, als es noch nicht abzusehen gelangten wir plötzlich in die Sonne eines war, welche unschöne Rolle er in seinem bis dahin nie erlebten Triumphes über un- Land noch spielen sollte. sere erhabenen Nachbarn“... Die jährliche Teilnahme an dem Ostafrika- Auch meine Frau wurde wieder schnell be- turnier war für Uganda schon immer ein ruflich erfolgreich, da sie an einer privaten großes Ziel gewesen. Dabei hatte natürlich Sportschule neben Kinderschwimmen und neben den sportlichen Interessen auch po- Hausfrauengymnastik auch Handballtrai- 38
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    ning gab. und mich an. „Wir benötigen diese Reise Nach unserem zweiten Sieg im Ostafri- für die mögliche Weiterentwicklung beider kapokal stand ein weiteres, bedeutungs- Mannschaften“ und so mobilisierten wir volles Ereignis bevor: Eine Reise nach alle verfügbaren Kräfte. Durch die Unter- Deutschland im Jahr 1970! Schon länger stützung unseres Botschafters, Herrn Eick, hatte in Uganda der Wunsch bestanden, wurde uns ein Zuschuß aus Bundesmitteln einmal nach Europa zu reisen. Ich unter- bewilligt. Wir führten Verhandlungen mit stützte dieses Anliegen, da es an der Zeit Fluggesellschaften, feilschten mit Schnei- war, außer-afrikanische Erfahrungen zu dern und organisierten Geschenke, die machen und somit der fußballerischen billig aber/und typisch afrikanisch sein „Inzucht“ mit immer denselben Gegnern sollten. Es wurden Fußballspiele (National- entgegen zu wirken. Da die Deutsche spieler gegen Trainer) organisierten, deren Fußballnational¬mannschaft anläßlich der Einnahmen für die Reise verwendet wer- Olympischen Spiele 1972 in München auch den sollten. einen Vertreter Schwarzafrikas erwartete, war der DFB ebenfalls an einem Leistungs- Der Aufruf zu privaten Spenden brachte vergleich interessiert. Daher übernahm die riesige Überraschung: Auf einem von der DFB alle notwendigen Vorbereitungen der Armee organisierten Festbankett stand in Deutschland. Noch nie hatte vorher selbst der einfachste Afrikaner mit nied- eine schwarzafrikanische Fußballnational- rigem Lohn auf und spendete zwischen 50 mannschaft in Deutschland gespielt! Pfennige und 10 DM. Jeder Spieler gab von seinem Taschengeld 50 DM in die Kasse. Flugkosten, Kosten für die Kleidung der Unser Botschafter, Ehrengast des Ban- Spieler und die Kosten für die Vorbereitung ketts, mischte sich tanzend unters Volk in Uganda sollten von ugandischer Seite und begeisterte die Afrikaner zu weiteren übernommen werden. Im März / April 1970 Spenden. Mit diesem Geld, durch das Ent- war alles klar: Ein dreiwöchiger Aufenthalt gegenkommen der Fluggesellschaften und in Deutschland mit sechs Spielen war ab- durch den Bundeszuschuß war unsere gesprochene Sache. Die Vorbereitungen Reise dann doch gesichert. Als Gastge- in Uganda liefen auf Hochtouren und die schenke verfügten wir über Zebra- und An- Zeitungen berichteten begeistert von den tilopenfelle, Masken und Schlangenhäute, Orten, in denen wir spielen sollten. die bei der Überreichung in Deutschland großen Anklang fanden. Um die Kosten zu decken, schrieb ich, nein, schrieb meine Frau ca. 30 Briefe an Endlich unterwegs, war eine Riesenstim- Firmen, die wir um Spenden für die Flug- mung an Bord der Maschine. Noch nie war tickets und um Kleidungsgeld baten. Alle schließlich ein Ugander in Europa gewe- Firmen gaben ohne Zögern ihre Zusage. sen. So wie es mir 1966 in Sierra Leone Aber dann kam der 1. Mai und Dr. Obote ergangen war, so war es nun für meine verstaatlichte unerwartet am Tag der Arbeit Mannschaft: Alles war neu. Ankunft am alle Unternehmen. Aus mit den Spenden! Flughafen Frankfurt, dort Empfang durch Absage der Reise, obwohl in Deutschland den DFB, die Autobahnfahrt nach Nürn- schon alles vorbereitet war. Wie Schade. berg zur Einkleidung durch adidas. Meine Die Niedergeschlagenheit der Afrikaner Spieler hatten strahlende Augen bei der und deren geheim gehegte Hoffnung, daß Einkleidung! Mit einem herrlichen Zebrafell der Pape bzw. die Papes das schon irgend- bedankten wir uns bei Frau Käthe Dassler wie machen würden, stachelten meine Frau (adidas). 39
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    Das erste Spiel,wie immer sehr wichtig bei Spieler auf dem Feld persönlich begrüßte. Reisen ins Ausland, war gegen den dama- Als Überraschung wurde jedem Spieler ein ligen Länderpokalsieger Bayern München Trainingsanzug überreicht. geplant. Hatten meine Spieler durch ihr Der DFB verabschiedete uns mit dem fröhliches und diszipliniertes Auftreten Wunsch eines Wiedersehens im Jahr 1972. viele Sympathien gewonnen und für ihr Aber daraus wurde leider nichts, da wir die Land geworben, erreichten sie durch ihre Qualifikation beim Elf-Meter-Schießen im hervorragende Spielweise und durch den Sudan nicht schafften. Sieg gegen Bayern noch viel mehr. (Damals, Das Reiseprogramm wurde durch Fahrten 1979 wußte kaum jemand in Deutschland, zum Titisee, zum Feldberg, durch den Be- wo Uganda überhaupt liegt und ob ein Afri- such der Opel-Werke und Besichtigung der kaner nicht „abfärbt“) Den Spielern, den Hutschenreuther Porzellanfabrik abgerun- Begleitern und mir fiel ein Stein vom Her- det. Von München aus ging es dann, mit zen und auch die Resonanz der deutschen 59 statt 25 Gepäckstücken bewaffnet, zu- Presse war überaus positiv. Überall wollte rück nach „Hause“, wo wir stürmisch gefei- man die „schwarzen Perlen“, wie die Spie- ert und empfangen wurden. ler zärtlich genannt wurden, beim Training erleben. Auch in Uganda wurden wir Zeuge einer Re- volution: „Mein“ General wurde Präsident Nach einem sehr guten Spiel gegen den des Landes, obwohl er dies zunächst nicht damals starken Gegner Bayern Hof mit wollte. Nichts änderte sich an meiner Ar- einem Ergebnis von 1 : 1, wartete man beit, bis auf die Bewachung und die Kriegs- nun mit Spannung auf die Bewährungspro- verhältnisse. Allerdings wurde die Bezie- be gegen die deutsche Amateurnational- hung zwischen Idi Amin und mir intensiver, mannschaft, die durch sieben Mitglieder da er, nun Präsident, mich aufforderte, mit der Bundesliga verstärkt wurde. Auch Ulli allen Problemen direkt zu ihm zu kommen, Hoeness aus München war mit dabei und er sei immer für mich da. Unter diesen Jupp Derwall, ein guter Freund von mir, war Umständen war es nicht verwunderlich, der Trainer. daß ich bald der bekannteste Mann der in Uganda lebenden Ausländer war. Leider Bamberg war unser nächster Spielort. Die wurden mir wegen meiner guten Kontakt beiden Nationalhymnen wurden gespie- zu Idi Amin auch Vorwürfe gemacht, aber lt, der Botschafter Ugandas begrüßte die die Menschen in Deutschland hatten gut Mannschaften und schon erfolgte der An- reden. Sie waren in Sicherheit, ich arbei- stoß zum Länderspiel Uganda : Deutsch- tete und lebte mit meiner Frau und später land. Bis zur 88. Minute verlief das Spiel meinem Sohn in Uganda! Eine Zeitung in sehr ausgeglichen, aber da fiel das 2:1 Deutschland berichtete sogar, daß der gegen Uganda. So ein Pech. Bei einem ab- beste Freund von Idi Amin der deutsche schließenden Fest lobte man die Leistung Modellathlet B. Pape sei. Dabei wurde der Afrikaner und ihre Spielweise, war aber Amin bei einem Staatsbesuch in Deutsch- auf deutscher Seite auch froh über einen land vom Bundespräsidenten empfangen, Leistungsvergleich im Hinblick auf die Minister Willy Brand schüttelte ihm die Olympischen Spiele 1972. Dem klaren Sieg Hand und der Bürgermeister von Hamburg mit 3:0 gegen eine Süd-Baden-Auswahl machte mit ihm eine Hafenrundfahrt. wurde noch mehr Bedeutung beigemes- Als in Kampala unser Sohn Timo geboren sen, da der damalige Entwicklungshilfe-Mi- wurde, tat Idi Amin Dada so, als wäre er nister, Herr Eppler, Ehrengast war und die der Vater. Er meinte zu mir, daß wir Papes 40
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    die Afrikaner undihre Mentalität sehr gut allerdings etwas mulmig, da ich es fälsch- verstehen würden, aber Timo wäre ein rich- licherweise als Spaß aufgefaßt hatte. Ab- tiger Halb-Ugander, da er in Uganda gebo- rupt brachen die Geschäftsbeziehungen ren wurde. Darauf war Amin mächtig stolz. ab und fuhren weiter. Vermutlich wären auch die Schwiegereltern nicht einver- Timo lebte in seinen ersten Lebensjahren standen gewesen, und wie hätten die 100 in Uganda. Seine Spielkameraden waren Rinder nach Münster transportiert werden Afrikaner, mit denen er sich prächtig ver- sollen....? stand. Herbst und Winter kannte Timo nicht, aber Büffel, Antilopen, Nilpferde und Eines der letzten Länderspiele war das Löwen in freier Wildbahn gehörten zu sei- gegen die brasilianische Mannschaft, die ner gewohnten Umgebung. Ein Wort wie sich auf die Weltmeisterschaft 1974 vor- „Zoo“ war ihm kein Begriff. bereitete. Für uns war es selbstverständ- lich, daß wir alles taten, um vor vollem Auch in Uganda sagten wir uns, daß die Haus bzw. Stadion zu bestehen. In diesem Hauptstadt nicht wie das Land selbst sei Zusammenhang kam der General und und so machten wir viele Safaris in das Lan- Präsident mal wieder auf eine tolle und desinnere. Aber auch quer durch Ostafrika auch gute Idee: Quasi als Vorspiel zu dem nach Kenia, Tansania und Sansibar gingen Länderspiel sollte am selben Tag ein Fuß- unsere Reisen, wo wir unserem Hobby, der ballspiel Regierungs¬mannschaft, damals Großwildjagd frönten. Man mag heute bei Government of Action genannt, gegen das dem Wort Großwildjagd erschrecken, aber Diplomatische Corps Ugandas stattfinden. damals war die Jagd voll lizensiert und nach deutschen Jagdgesetzen kontrolliert. Idi Amin wollte selbst als Mittelstürmer spielen; von der Deutschen Botschaft wur- Auch in diesem Zusammenhang erlebten den der Herr Botschafter und der Leiter wir interessante Episoden wie z.B. daß der Kulturabteilung aufgestellt. Das Gan- man nach mir im ganzen Busch suchen ze wurde ein riesiges Spektakel. In einem ließ, da Idi Amin und der Präsident eines offenen LKW wurde die Regierungsmann- anderen Landes spontan vereinbart hat- schaft ins Stadion gefahren. Während des ten, in einem Länderspiel zu klären, wes- Spiels verletzte sich Idi Amin und wurde sen Mannschaft die bessere sei. Es war al- auf meinen Rat hin aus dem Spiel ge- lerdings Spielpause und sowohl die Spieler nommen. Da er sich aber den Spaß nicht als auch meine Familie und ich machten nehmen lassen wollte, humpelte er in der Urlaub, sprich, wir gingen auf Safari. Über 2. Halbzeit als Schiedsrichter übers Feld. Radio lies man uns ausrufen und fand uns Er war so Feuer und Flamme, daß er das schließlich im Busch, so daß zwei Tage Ende der Halbzeit übersah. So mußte ich später das Spiel stattfinden konnte. ihn vom Spielfeld holen und ihn auf die Zeit aufmerksam machen, da das Haupt- Auf Safaris im Busch weit entfernt jeglicher spiel auch noch stattfinden sollte. „Paep, Zivilisation fragten wir oft die Einwohner ok“, sagte er und schon war das Abpfeifen nach dem Weg. Dabei interessierten sich seine nächste Amtshandlung. Da wir mit die Dorfbewohner öfter für meine blonde 1 : 1 gegen Brasilien das Spielfeld verlie- Frau Bärbel und wollten sie mir sogar ab- ßen, war Idi Amin sehr zufrieden. Wieder kaufen - nichts ungewöhnliches für eine einmal hatte ein Gegner gedacht, die afrikanische Frau oder ein Mädchen. Über „Schwarzen“ mal so eben zu putzen und 100 Rinder bot man mir, dann wurde es mir nebenbei auf Safari gehen zu können. 41
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    sichts der Kriegsverhältnisse im Land für mich nur ein schwacher Trost. Oft konnte ich der Deutschen Botschaft oder Geschäftsleu- ten durch meine guten Bezie- hungen zu Idi Amin helfen, in dem ich als Türöffner fungier- te. Dies hat man mir und mei- ner Frau oft vorgeworfen. Und in der Tat hat Idi Amin, der an- fangs im Volk sehr beliebt war, viele Fehler gemacht und bru- tal gewütet. Aber wir mußten Ein General auf Abwegen: Idi Amin als Schiedsrichter unter diesen Umständen im Land leben und arbeiten. Kei- Nach über sechs Jahren harter Arbeit wur- ner hat mich aufgefordert, das Projekt zu de es wieder Zeit, die Koffer zu packen verlassen oder hat das Projekt eingestellt. und diesmal Uganda den Rücken zu keh- Und offene Opposition hätte weder mei- ren. Die ugandische Regierung hatte alles ner Familie noch dem AA etwas gebracht, erdenkliche versucht, uns im Lande zu hal- wenn ich standrechtlich erschossen wor- ten, aber nach so langer Zeit war eigentlich den wäre. Meine Aufgabe bestand darin alles erreicht, um den Leistungsstand der Fußball „ zu verkaufen“ und dies habe ich Nationalmannschaft zu optimieren. Es gab erfolgreich getan. Daß meine Frau öfter inzwischen genügend ausgebildete Trainer ängstlich auf mich wartete, ob ich lebend im Land und für weitere Maßnahmen fehl- von einem Besuch bei Idi Amin zurückkam, ten die Gelder. wissen nur die wenigsten Menschen. Die Zeit in Uganda war nicht immer leicht Trotzdem verließen wir Ostafrika auch mit gewesen. Die Tage der Unruhen sind unge- einem weinenden Auge, denn natürlich zählt, an denen wir bewaffnet ins Kino gin- blieben viele liebe Freunde zurück und gen oder zu einer Party fuhren, an denen viele schöne Erlebnisse sind für immer mit Überfälle auf Weiße an der Tagesordnung Ostafrika verbunden. waren, an denen man nachts mit Gewehr im Haus umher schlich, da man vermutete, Die nächste Station in unserer „Karriere“ daß mit Buschmesser bewaffnete Banden hieß Ägypten, das Land der Pyramiden und versuchten, in das Haus einzudringen. Die der Königs-Gräber. Das Tal der Könige, Stunden der Angst sind nicht zu vergessen, das Mausoleum des Aga Khan und nicht die meine Frau alleine mit unserem Sohn zu vergessen der Abu-Simbel-Tempel gehö- im Haus verbrachte, da meine Tätigkeit ren zu Ägyptens Attraktionen. Ein Land, in oft mit Reisen ins Landesinnere und auch das jährlich Tausende von Touristen reisen ins Ausland verbunden war. Die Angst war oder von einer Reise träumen. Aber nur mit nicht unberechtigt, da in den Zeitungen träumen war es in unserem Falle natürlich immer berichtet wurde, wann ich mich wo nicht getan. Ein neues Einsatzland, ein aufhielt. Die Tatsache, daß meine Frau neuer Wohnort, neue Bekannte, neues Ein- mit Waffen umzugehen vermag, war ange- leben und Herantasten an die schon vor- 42
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    handenen Institutionen. Indiesen Punkten den notwendigen Mitteln vor allem an der waren wir inzwischen Profis geworden. Nachwuchsarbeit. Die Wende brachte ein Turnier in Syrien mit sich, als ich mit einer Im sportlichen Bereich gab es in Ägypten Nachwuchsmannschaft antrat, um den üb- nach den Jahren des Krieges eine Menge rigen Spielbetrieb nicht zu unterbrechen. zu tun. Aber es gab schon damals eine gute Wir schnitten in Damaskus gut ab und so Grundlage im Bereich des Breitensports, wurde grünes Licht für den gezielten Nach- mit vielen Sportvereinen und den notwen- wuchsaufbau gegeben. Weihnachten 1974 digen Sportanlagen. Es herrschte sogar wurde in Tunesien der Palästinenser Po- schon wieder ein geregelter Fußball-Spiel- kal ausgetragen, der eine große politische betrieb, bei dem allerdings noch keine Län- Bedeutung hatte. Wir gewannen das Tur- derspiele durchgeführt wurden. Durch feh- nier mit einer verjüngten Mannschaft und lende internationale Kontakte begann im konnten so die Sinnhaftigkeit der Nach- Jahr 1974 alles neu. Schon in demselben wuchsförderung unter Beweis stellen. Jahr trugen wir in Kairo den Afrikapokal der Nationen aus, so daß die Begeisterung bei Ein Höhepunkt meiner Arbeit in Ägypten Spielern, sich auch im Turnier zu qualifizie- waren zwei Trainingsreisen nach Deutsch- ren, leicht geweckt werden konnte. land, die von der Bevölkerung mit groß- em Interessen verfolgt wurden. Bei den Bei einem Spiel der Nationalmannschaft Freundschaftsspielen erzielten wir gute gegen Dukla Prag kam es aber leider auch Ergebnisse, so daß die Reisen auch als zu weniger schönen Ereignissen: Obwohl die Vorbereitung auf die ersten Weltmei- das Stadion bereits ausverkauft und voll sterschaft der Junioren ein voller Erfolg besetzt war, drängten sich immer noch waren. unglaubliche Maßen hinein, drückten die Menschen an Pfeiler und Wände und Bis in das Endspiel der Qualifikationsrun- selbst die Flucht der Zuschauer auf das den für diese WM spielten wir uns vor. Doch Spielfeld half in dieser Situation nur wenig. dann wurde leider ein berechtigter Protest Das Spiel wurde daher nicht angestoßen. gegen die Mannschaft der Elfenbeinküste, Wir flüchteten in die Kabinen und später die Spieler im Alter von über 20 Jahren wurde in den Zeitungen von viele Toten be- aufgestellt hatte, nicht berücksichtigt und richtet. Zu dieser Zeit war Dettmar Cramer wir verloren. Nach all‘ der Arbeit und Mühe bei mir zu Besuch, unsere Familien jedoch war ich war stinksauer. in Deutschland. Da wir wußten, daß ein solches Desaster weltweit Schlagzeilen Bei einem anderen Turnier brachte ich die machen würde, versuchten wir, in Deutsch- Mannschaft von Zamalek ins Pokalend- land ein Lebenszeichen zu hinterlassen, spiel. Das Nasser Stadion drohte aus allen was uns schließlich auch gelang. Nähten zu platzen. Über 120.000 Men- Das gesamte Turnier wurde schließ- schen drängten sich auf den Rängen. Daß lich mit „älteren“ Spielern mit geringer wir das Spiel gewannen, brachte die Menge Wettkampf¬erfahrung ausgetragen, mit dazu, mich als Erfolgstrainer zu feiern und denen wir uns sogar den dritten Platz er- mir den Sportdress zum Leibe zu reißen: spielten. man wollte ein kleines Souvenir mitneh- men. Selbst meiner Sportschuhe wurde ich Die Einsicht in die Notwendigkeit der Trai- entledigt und zieren heute vielleicht einen nerausbildung war damals in Ägypten Trophäenschrank. Nur mit Mühe und Not schon vorhanden, aber es fehlte neben konnte ich meine Hose anbehalten, die ich 43
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    für den anschließendenFestumzug durch auch durchaus sehen lassen, wurden aber die Stadt doch benötigte! von den Verantwortlichen leider oft über- schätzt. Es war daher nicht immer leicht, In Ägypten vergrößerte sich unsere Familie: zusätzliche Trainerlehrgänge etc. durchzu- Unser Sohn Thorsten wurde geboren, der setzen. mit seinem Bruder Timo an all‘ meinen/ unseren Einsatzorten - natürlich unter der Von 1978 bis 1983 lebten meine Familie Obhut der Eltern, bzw. der Mutter - dabei und ich in Colombo / Sri Lanka, dem ehe- war. maligen Ceylon. Heute eine unruhige Insel, war Sri Lanka damals ein echtes Paradies Wie auch in Afrika waren wir bemüht, die zum Genießen - und zum Arbeiten. Geschichte und Eigenarten Ägyptens durch Reisen zu ergründen und so die Menschen Große Unterstützung in meiner Arbeit er- besser zu verstehen. Dabei begegnete uns fuhr ich durch einen Direktor des Sportmini- immer wieder der Ausdruck „MALESH“. steriums, der in Leipzig in der DDR studiert Malesh hat eine mächtige Bedeutung und hatte und perfekt Deutsch sprach. Trotz kann schon fast als eine Lebenseinstel- relativ geringer finanzieller Mittel lief die lung bezeichnet werden. Malesh bedeutet Arbeit recht gut. Zahlreiche Trainer-, Leh- vor allem „Vergebung“, das landläufig mit rer- und Schiedsrichterseminare wurden „macht nichts“ oder „kann man eben nicht durchgeführt und das Training der Natio- ändern“ übersetzt werden kann. Hat man nalmannschaft zeigte erste Früchte. Auch einen Unfall: Malesh. Schießt man am lee- wurden Kleinprojekte in Sachen Sportme- ren Tor vorbei: Malesh. Auch wenn ein naher dizin, Sportverwaltung und Schiedsrichter- Angehöriger stirbt: Malesh. Aber auch sich ausbildung unterstützt. mit vielleicht nicht ganz korrekten Mitteln durchs Leben zu boxen ist Malesh. Ein wei- Sportlehrer, die als Counterparts ausgebil- terer wichtiger Begriff in Ägypten ist „Bak- det wurden, waren in ihren Provinzen für schisch“, das „Öl“ zwischen¬menschlicher die Auswahlmannschaften zuständig, so Beziehungen. Bis man diese Lebensauffas- daß der Nachwuchs gezielt gefördert wur- sungen und Verhaltensweisen verstanden de. Insbesondere der Nachwuchsförderung und verinnerlicht hat, vergeht als Europäer wurde von Regierungsseite viel Beachtung doch eine gewisse Zeit! geschenkt. Bei den Asienmeisterschaften erzielten wir die dritte Runde und hatten Als es nach 13 Jahren Afrikanischer Konti- somit in Sri Lanka einen riesigen Erfolg. nent im Jahr 1978 wieder hieß, Abschied zu nehmen, hatten wir in Sachen Fußball War ich in Sachen Sportlehrerausbildung einen guten internationalen Standard er- als Fußballspezialist bekannt, so wurde reicht. Hatte zuletzt 1958 die deutsche Na- meine Frau in der Ausbildung in der Rhyth- tionalmannschaft in Kairo mit 1:2 verloren, mischen Gymnastik aktiv und erfolgreich. so kamen auch nun nach ca. 20 Jahren Es war sehr interessant zu beobachten, wieder Mannschaften aus aller Welt, um wie die Männer (!) immer mehr Gefallen an Freundschaftsspiele gegen Ägypten auszu- der Gymnastik fanden und sich bemühten, tragen. Auch deutsche Mannschaften, wie diese noch unbekannte Sportart zu beherr- z.B. Bayern München, Eintracht Frankfurt schen. Mit einer Mädchengruppe trat mei- oder Bor. M. Gladbach haben ihre Kräfte ne Frau im ausverkauften Stadion auf. Di- gegen „uns“ gemessen. Die Ergebnisse ese Gruppe war mit ihren Keulen und dem dieser Freundschaftsspiele konnte sich Einsatz klassischer Musik ein Höhepunkt 44
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    der Veranstaltung, sodaß der Präsident - Ergebnisse meiner Arbeit, also Erfolge se- selbst Zuschauer - meine Frau bat, diese hen, bevor man bereit war zu investieren. Vorführung im Landesinnern zu wiederho- Anders als in Deutschland wird zunächst len, was sie natürlich mit Freude tat. der Spitzensport gefördert, bis auch Mittel Auf allen Gebieten des Sports wurden in für den Breitensport freigegeben werden. Sri Lanka große Fortschritte gemacht, die Als „Experte“ muß man in diesen Ländern dann leider durch den Krieg zu nichte ge- daher besonders „am Ball bleiben“, um et- macht wurden. was langfristiges zu erreichen. GottseiDank wurden wir mit der U-18 (unter 18jährige) In Sri Lanka, das sich erst kurz vor unser erstmals Asiatischer Meister beim Turnier Übersiedlung vom Sozialismus befreit hat- in Indien. Dies war der Ansporn, auf die te, ging es nach den Jahren der Isolation Jugend zu setzen, um vor allem dauerhaft politisch und wirtschaftlich schnell bergauf. Erfolg zu erzielen. Viele Touristen reisten damals ins Land, um neben Kultur und Religion vor allem die traumhafte Landschaft mit den para- diesischen Stränden zu genießen. Auch wir entdeckten ein neues Hobby: das Tauchen. Wir hatten es natürlich besonders gut, da wir nicht nur die Tauchreviere Sri Lankas, sondern auch die Malediven direkt vor der „Haustür“ hatten. Auch für unsere Kinder waren die Jahre in Sri Lanka herrlich: in wunderschöner Natur wohnend, mit erfolg- reichen und zufriedenen Eltern, ging der Äl- tere in die erste Schulklasse während der Jüngere den Kindergarten besuchte. Im Jahr 1983 siedelten wir nach Jakarta, Viel Prasis am Ball: Während eines Trainer-Lehrganges in Indonesien Indonesien um. Indonesien, das Land der 13.000 Inseln ist an Abwechslungsreich- Auch in Jakarta entwickelten sich schnell tum und Schönheit meiner Meinung nach die notwendigen Kontakte zu einfluß- kaum zu überbieten. Hier widmete ich reichen Persönlichkeiten des öffentlichen mich überwiegend dem Auf- und Ausbau Lebens: Jahrelang spielte ich in Jakarta des Jugendfußballs. Es bestanden zwar als einziger Ausländer im Stadion jeden schon drei Fußballschulen, aber auf mei- Mittwoch Tennis. Als Gegner oder Partner nen Reisen durch das Land bzw. über die lernte ich so z.B. den Sportminister, sei- Inseln stellte ich immer wieder fest, daß es nen Deputy, einen Staatssekretär und den wahnsinnig schwer war, geeignete Talente Sportdirektor, dem unsere Jugendschulen zu entdecken. Wo sollte auf den 13.000 In- unterstanden, persönlich gut kennen. Die- seln nur der indonesische „Beckenbauer“ se Personen waren für meine Projekte sehr oder „Maradonna“ leben? Von den ca. 180 wichtig und so war es klug, im geeigneten Millionen Einwohnern Indonesiens leben Augenblick auszusetzen und ein „Schwätz- ca. 70 Prozent auf der Hauptinsel Java. chen“ zu halten. So konnten Dinge viel leichter entschieden werden, als bei einem Wie in fast allen Ländern der „Dritten Welt“ offiziellen Termin im Ministerium: Andere wollte man in Indonesien auch zunächst Länder, andere Sitten. 45
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    Bis zu meinerAbreise im Jahr ..... gab es berichtet werden können. insgesamt neun Jugendsportschulen auf Java, Sumatra, Sulavesi, Irian-Jaya und in Da die Kinder nun auch schon größer und Kalimantan verteilt. Dort wurden auch die älter waren, haben wir viel im Land unter- jeweiligen Zentralen für die Trainerausbil- nommen. So sind wir z.B. mit dem Motorrad dung etabliert. durch die Götterinsel Bali gefahren, sind auf noch brodelnde Vulkane gestiegen und Natürlich reiste ich mit meiner indone- haben Eingeborenenstämmen „besucht“, sischen U-18 auch nach Deutschland, die zu dieser Zeit kaum Kontakt zur Außen- genau gesagt sogar zweimal. Die Reisen welt hatten. Vor allem für unsere Kinder wurden von dem NOK, von dem leider in- waren dies wichtige Erfahrungen, um Ver- zwischen verstorbenen Herrn Dobrick, ei- ständnis für eine „andere“ Welt aufzubrin- ner großen Stütze aller Sportexperten im gen, in der sie später allein leben sollten. Ausland, und von seinen Mitarbeitern be- Wir sind uns sicher, daß unsere Kinder, die stens vorbereitet. Nach schwerem Training inzwischen in den USA studieren, von die- und harten Gegnern in Deutschland waren sem Leben stark profitierten. wir nach dem Sieg in Indien gestählt, wie- der Asiatischer Meister zu werden. Als wir dann nach Thailand, in das Land des Lächelns umzogen, blieben uns viele Und dann erzielten wir noch den Sieg ge- gute Kontakte in Indonesien erhalten. gen Thailand vor 90.000 Zuschauern in Ja- karta. Die tolle Stimmung nutzend, packte Thailand ist wie Indonesien ein Urlaubs- ich die Gelegenheit beim, diesen Sieg nicht land mit, reich an Dschungelgebiten und nur mit einem „feuchten“ Händedruck für Traumstränden. Aber die Hauptstadt die Spieler honorieren zu lassen, sondern Bangkok in der wie nun seit gut 5 Jahren dem Minister abzuringen, daß jeder Spieler leben, ist mit den ca. 8 Mio Einwohnern nach dem Schulabschluß ein Studiensti- und aufgrund der schlechten Verkehrspla- pendium bekam. Für die Jungs, die meist nung eher eine Zumutung. Z. B. beträgt die aus ärmlichen Verhältnissen kamen, hatte durchschnittliche Stundengeschwindigkeit dies natürlich einen unschätzbaren Wert. zu Spitzenzeiten nur 3 bis 5 km/h. Aber Sie selbst hätten sich nie ein Studium lei- schöne Frauen gibt es hier ebenso wie ei- sten können. Zudem wurden die Stipen- nen über alles erhabenen König, der vom dien für die jüngeren Fußballjahrgänge die Volk verehrt und von der Politik und dem richtige Motivation, sich total ins Zeug zu Militär im Lande geachtet wird. legen und ähnliches zu erreichen. Denn so konnte der Sport für sie zum Vehikel wer- Auch in Thailand wird der Sport von der Re- den, ihren sozialen Status zu verbessern. gierung als Erziehungsaufgabe angesehen Bei fünf Turnieren wurden wir zweimal Asi- und man bat mich daher, den Jugend- und atischer Meister und haben dreimal das Schulsport abzudecken. Trainerausbildung Halbfinale erreicht. Auf unseren Reisen in gehört natürlich ebenso dazu. Fußball ist andere Länder wurde ein guter Grundstein die populärste Sportart des Landes. Die gelegt und die Notwendigkeit, noch weitere deutsche Bundesliga mit all ihren Stars ist Schulen aufzubauen, eingesehen. Durch ein fester Begriff; fast jeder Thai weiß, wer die vielen Trainerlehrgänge, die in allen Matthäus oder Völler sind. Der Thai-Ger- Ecken und Enden des Landes abgehalten man-Fussball-Fan-Club zählt über 1.000 wurden, erlebte ich natürlich wieder viele Mitglieder. Da dies in Deutschland nicht Dinge, die aufgrund Vielzahl hier nicht alle so bekannt ist, waren unser Bundestrainer 46
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    Berti Vogts undauch Franz Beckenbauer 1991 versuchten wir uns mit der Frauen- bei einem Besuch in Thailand sehr über- auswahl in Japan für die erste Frauen-WM rascht, welchen Stellenwert Fußball in zu qualifizieren, doch beim letzten Spiel Thailand hat. Auch die Westfalen-Auswahl schafften wir gegen Taiwan nur ein 0:0, staunte, als sie zum Kings-Cup nach Thai- was nicht ausreichte. Aber die sehr gute land kam und vor 30.000 bis 40.000 Zu- Zusammenarbeit führte dazu, daß Frau- schauern spielte. enfußball nun erstmals in Thailand im De- zember 1995 bei den SEA Games (South Die Jugendfußballarbeit läuft auch in Thai- East Asien Games) auf dem Programm land über die Schulen. Die Sportlehrer sind steht. Zur Zeit, im August 1995, werden normalerweise begeistert, ihren Status mit der U-18 die letzten Vorbereitungen für durch eine Trainerausbildung aufzuwerten die nächste Meisterschaft in Brunei getrof- und auch die Jugendlichen erhoffen sich fen. dauerhafte Verbesserungen ihrer Leben- sumstände. Das fehlende Vereinsgefüge Auch in Thailand wurden/werden viele Trai- macht die Arbeit allerdings nicht leicht. Und nerseminare an exotischen Plätzen abge- da es auch in der oberstenSpielklasse kei- halten. Dabei ist Thailand ein Land voller nen geregelten Spielbetrieb über Monate, Überraschungen: der Norden des Landes wie beispielsweise in Europa gibt,wird es ist mit Dschungel überzogen, der Süden für Thailand nicht leicht sein, internatio- Thailands weist herrliche Strände auf. Nur nalen Anschluß zu finden. Aber trotzdem Bangkok bietet trotz der eindrucksvollen haben wir mit gut ausgebildeten Counter- Paläste und Tempel keinen Grund zum parts (Trainern) und hartem Training einige Schwärmen. Durch die immer größer wer- Erfolge erzielt. So waren wir bislang zwei- denden Verkehrsprobleme ist diese Stadt mal Asiatischer Meister: in Malaysia gegen eher eine Belastung. Jegliches außerberuf- Korea und in Sri Lanka gegen Indonesien. liches Leben kommt zum Erliegen bzw. ent- steht nicht erst. Bis Ende des Jahre 1995 Ja, so traf man seinen alten Freunde werden wir, d.h. meine Frau und ich, noch wieder. in Bangkok wohnen, dann aber werde ich Hahn im Korbe: Trainer Pape und die Mädels in Thailand 47
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    in Rente undwir nach 30 Jahren zurück Leistungen zu bringen. Dies geschieht nach Deutschland gehen. selbst dann wenn anfangs z.B. wegen der Methode eigentlich Skepsis besteht. Der Bewußt habe ich in dem in meinem Bericht Asiate sagt hingegen: „gut, daß du da bist, aus Indonesien nichts über die kulturellen, aber wir machen alles so wie bisher“. Dies menschlichen und klimatischen Beson- ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür, derheiten berichtet, da sich Indonesien daß deutsche Trainer immer eher in Afrika und Thailand nicht so stark von einander eingesetzt wurden, als in Asien. unterscheiden. Allerdings ist mir die Zu- sammenarbeit in Indonesien leichter als Für Touristen ist natürlich die asiatische in Thailand gefallen, sei es bei der Arbeit Art sehr angenehm, da man immer ange- mit den Counterparts, mit den Offiziellen lächelt wird und erst nach einiger Zeit die an höchster Stelle oder auch mit dem drei Formen des Lächelns erkennt: das Personal. Natürlich sind insbesondere in echte, herzliche Lächeln, das schamvolle Thailand die Sprache und die Schrift ein Lächeln und das eisige Lächeln. großes Hindernis, da nur wenig Englisch gesprochen wird. Thais werden auch nie laut oder ausfal- Aber das für Europaer verwirrenste und für lend. Unarten, die in Deutschland im Um- Thais wichtigste ist es, „nicht das Gesicht gang z.B. mit Verkehrsrowdies üblich sind, zu verlieren“. Auch in Europa verliert man wie Vogel zeigen oder andere Handbewe- nur ungern sein Gesicht, d.h. man blamiert gungen, wird man bei Thais vergeblich sich ungern. In Asien hat dies allerdings suchen. So ist es auch beim Fußball: kein eine weitaus wichtigere Bedeutung, ja es Schrei „Mensch, gib den Ball ab“, oder handelt sich hierbei um eine echte Men- „greiff an!“. Emotionale „Ausbrüche“, die talitätsfrage. Oft wurde ich gefragt, ob es beim Fußballspielen lebenswichtig sind, in Afrika oder Asien einfacher war, zu ar- kommen mentalitätsbedingt nicht vor. Da beiten. Die Antwort heißt für uns ganz klar: In Afrika und zwar in Schwarzafrika. Schon in Ägypten, also in Nordafrika, führt der ara- bische Einfluß zu ganz anderen Verhaltens- weisen der Einheimischen und zu anderen Lebensumständen als in Schwarzafrika. Bei einem Schwarzafrikaner weiß man ganz genau, was los ist, ob er gut oder schlecht gelaunt ist und ob man Einver- ständnis erzielen konnte oder nicht. Wenn ein Schwarzafrikaner lacht, blitzen seine weißen Zähne, da klatscht er in die Hän- de und man weiß, daß die Freude echt ist. Auch die Akzeptanz der eigenen Person ist in Afrika anders als in Asien. In Afrika einem Ausländer, der als Experte ins Land kommt, die Chance gegeben zu zeigen, was er kann. Man sagt dort, „gut, daß du da bist, wir werden das so mal probieren“ und man gibt sich Mühe, entsprechende 48
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    ich aber nachThailand zum arbeiten, also Verständnis für diese uns so fremde Men- zum trainieren gekommen bin, mußten/ talität aufzubringen, kostet oft sehr viel müssen sich die Spieler gewaltig umgewöh- Zeit und Kraft. Allerdings ist es natürlich nen und Kompromisse eingehen. Oft weiß für die Asiaten auch nicht anders. Oft war ich natürlich wegen des ewigen Lächelns und ist die Improvisation in vertrackten Si- nicht, woran ich eigentlich bin. Die einzel- tuationen alles. In den Jahren in Afrika und nen Nuancen habe ich erst nach längerer Asien habe ich daher so eine Art „Durch- Zeit erkannt und zu interpretieren gelernt. haltevermögen“ entwickelt, ohne das es keine Erfolge gegeben hätte. Zudem ist die Hierarchie in der Thai-Gesell- schaft ein wesentliches Element. So kann Dabei wäre noch zu klären, wie sich für es passieren, daß in Asien ein Mitarbei- mich „Erfolg“ eigentlich definiert. Sicher- ter zusagt, etwas zu tun, was er aber aus lich ist jeder Sieg im Spiel ein Erfolg, aber Gründen, die in der Hierarchie liegen, gar für mich persönlich gibt es auch Erfolge an- nicht ausführen darf und demnach auch derer Art: Durch meine Tätigkeit als Trainer nicht tut. Man darf dann nicht verärgert hatte ich immer eine gewisse Vorbildfunk- sein, sondern muß durch indirekte Fragen tion bei den Jugendlichen und konnte sie herausfinden, warum es nicht möglich war, bei zahlreichen Gelegenheiten davon ab- das Angekündigte zu tun. halten, Dinge zu tun, die sie in irgendeiner Form in Gefahr gebracht hätten. Eine phan- Fragen stellen, dies ist auch ein beson- tastische Chance bot sich mir hier in Thai- deres Thema in Asien. Als Trainer ist es land, genau gesagt im Goldenen Dreieck natürlich eine meiner Aufgaben, Wissen zu Laos, Burma und Thailand. Das Goldene vermitteln und dieses Wissen abzuprüfen. Dreieck ist eines der größte Drogenan- Dabei habe ich bei Trainerseminaren oft baugebiete der Welt. Drogen aller Art sind selbst das Gesichter verloren, da ich unver- hier zu relativ niedrigen Preisen verfügbar ständlich unterrichtete. Aber auch die Teil- - welch eine Gefahr für die Jugendlichen, nehmer verloren öfter ihr Gesicht, da sie insbesondere da in den Bergregionen der von mir gestellte Fragen nicht richtig be- Golden Dreiecks Drogen traditionell z.B. antworten konnten. Ein herrliches Beispiel gegen Hungergefühle eingenommen wer- für diese Situation ist die nicht unübliche den (Kauen der Betel-Nuß). Frage nach dem Weg: Frage einen Thai nach dem Weg nach X und er wird auf je- In Zusammenwirken mit einem anderen den Fall eine Antwort geben, auch wenn er GTZ-Projekt, das sich im Norden Thailands den richtigen Weg nicht kennt. Es wäre ein- seit Jahren mit dem Thema Drogenanbau fach zu unhöflich, entweder keine Antwort und seinen Folgen beschäftigt, ergab sich zu geben und einzugestehen, daß er den die Möglichkeit, eine kleine gemeinsame Weg nicht weiß. Eine weitere Möglichkeit Kampagne zu fahren: Drogen - nein danke. ist, daß der Angesprochene selbst wieder Mit unserer Schülerauswahl aus Bangkok Leute anspricht, bei denen man auch nicht veranstalteten wir in Mae Hong Song, an sicher ist, ob sie den Weg nun tatsächlich der Grenze zur Burma, einen Anti-Drogen- kennen. So kann schnell eine kleine Men- Sporttag. Wir wurden dabei vom dortigen schentraube entstehen, die über den rich- Gouverneur in unseren Aktivitäten unter- tigen Weg diskutiert. stützt. Die Fußballmannschaften liefen mit Man darf dann bloß nicht die Geduld ver- adidas-Fußballhemden in schwarz-rot-gold lieren und einfach weggehen, denn dann und dem Aufdruck „Keine Macht den Dro- verlieren alle ihr Gesicht. gen“ über das Spielfeld. Fallschirmsprin- 49
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    ger brachten denSpielball vom Himmel, Nun mag man mich fragen, was denn in ein Prominentenspiel erfreute die Zu- diesen 30 Jahren Trainerleben im Ausland schauer und ein Anti-Drogenumzug durch die wichtigsten Ereignisse oder Momente die Stadt war der Höhepunkt des Tages. in meinem Leben waren. Vieles gibt es da Auch im Tennis gab es ein Länderspiel: der zu nennen, aber nur einiges soll hier Er- Gouverneur und sein Stellvertreter traten wähnung finden: der Mauerfall 1989 war gegen zwei GTZ-Experten an. Diese Aktion für mich, als eigentlicher „Ossi“, ein sehr fand sehr viel Anklang und wurde mit einer bedeutsames Ereignis. intensiven Berichterstattung in den Medi- Grundsätzlich ist der Zusammenhalt in en, Presse und unserer Fami- Fernsehen lie, die ja nun bedacht. Die- nicht gerade ein ser Tag war durchschnitt- für mich ein liches Leben an großer persön- meiner Seite licher Erfolg, führt mit das da wir den Wichtigste in Jugendlichen meinem Leben. Wege aus ei- Die Entwicklung ner Sackgas- meiner Söhne, se aufzeigen die durch die konnten - und Erfahrungen im sei es nur mit Ausland - eigent- Fu ß b a l l s p i e - lich ihrer Heimat len. Ich bin si- - keine Rassen- cher, daß man oder Fremden- insbesondere feindlichkeiten im Goldenen e n t w i c ke l te n , Dreieck noch sondern über viel mehr mit diese Probleme Sport bewegen könnte, aber leider fehlen erst aus der Zeitung erfahren haben. Auch hierzu die Mittel. durch ihrer Ausbildung an internationalen Neben den bisher beschriebenen Einsatz- Schulen, an denen sie mit ca. 50 verschie- orten führte mich mein Trainerberuf auch denen Nationalitäten „aufwuchsen“, hat zu vielen Kurzzeiteinsätzen in die Welt. So den Weitblick meiner Söhne gefördert. Es war ich z.B. auf den Malediven, in Bangla- war und ist nicht wichtig gewesen, welche desch, in Papua-Neuguinea, auf Tuvalu in Hautfarbe die jeweiligen „Kumpels“ hat- der Südsee und in Laos. Gerne erinnere ten, wichtig war statt dessen, ob sie gute ich mich auch an die kollegiale Freund- Stürmer oder Mittelfeldspieler waren oder schaft unter den „alten“ Recken auf dem eine andere Sportart bevorzugten. Für sie, Gebiet der Sportentwicklungshilfe: an wie auch für meine Frau und mich ist der Bernd Trautwein in Afrika und Kairo, an B. Mensch wichtig, nicht seine Nationalität, Ziese, an Rudi Gutendorf und seine Frau auch wenn man sagen kann, daß der Um- Maika. gang mit bestimmten Nationalitäten für Bernd Zkoll war bei uns zu Besuch in Ja- uns Europäer leichter ist, als mit anderen karta und Holger Obermann und K. H. Wei- Nationalitäten. Wie schon erwähnt, stu- gand waren bereits in Bangkok. dieren beide Söhne in den USA und gehen 50
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    on anhält, imBeruf darauf zu achten, daß er Spaß macht und vielleicht sogar, wie in meinem Fall, eine Art Hobby darstellt. Ich kann auch nur jedem raten, eine Zeit seines Lebens im Ausland zu verbringen und dort zu arbeiten. Ich kann dies nach nun gut 30 Jahren Auslandseinsatz jedem mit aller Ehr- lichkeit empfehlen. Ich bin auch ein wenig stolz, daß ich in all den vielen Jahren meine Arbeitgeber, die GTZ und das AA, nicht enttäuscht habe. Leider wird nun aufgrund der Kostensitua- tion die sportliche Entwicklungshilfe stark eingeschränkt, was ich sehr bedauere. Mei- ner Erfahrung nach kann gerade mit den relativ geringen Mitteln in der sportlichen Entwicklungshilfe überproportional viel im Gastland erreicht und für das positive An- sehen Deutschlands getan werden. Manch- mal hieß es sogar, daß wir Trainer im Aus- land „die idealen Botschafter in aller Welt“ wären. Ein Funken Wahrheit ist schon wahr schon ihre eigenen Wege. daran. Meine sportlichen persönlichen Erfolge, die Meisterschaften in der Leichtathletik, im Jedenfalls blicke ich gerne auf die turbu- Fünf- und Zehnkampf freuten mich natürlich lenten und aufregenden Jahre in der Frem- damals auch sehr, insbesondere wo sie da- de zurück, die nun eigentlich meine Heimat mals unter anderen Bedingungen als heute geworden ist. Ich danke meiner Familie, die errungen wurden. dies alles mitgemacht hat, vor allem meiner Frau, die ja nun nicht gefragt wurde, ob sie Aber auch die Meistertitel mit meinen je- schon wieder in ein anderes Land umziehen weiligen Fußballmannschaften - der Ostafri- wollte, aber mit Optimismus und Tatkraft im- katitel, zweimal Jugend-Asien-Meister mit mer wieder „neu“ angefangen hat. Indonesien und auch schon zweimal mit Thailand sind wichtige Schritte in meinem Mögen recht viele Menschen ein gleiches Leben gewesen. Die Ausbildung sehr vieler „Wagnis“ eingehen und ebenso positive Er- Trainer und Übungsleiter, denen ich eine fahrungen machen. Grundlage verschaffte und die meine Arbeit nach meinem Weggang weiterführten, sind ebenso wichtig für mich. Ein weiterer, bedeutsamer Punkt ist, daß ich es tatsächlich geschafft habe, mein Hobby zu meinem Beruf zu machen, etwas, wovon oft abgeraten wird. Ich kann aber nur hof- fen, daß diese Zeilen die jüngere Generati- 51
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