19.04.2007




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    „Forschen für Deutschland – in China“
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„Forschen für Deutschland – in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 16

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Deutschland hat in der Vergangenheit entscheidende Beiträge zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des chinesischen Wissenschaftssystems geleistet und tut dies auch weiterhin. Zehntausende von chinesischen Fachkräften sind an deutschen Universitäten ausgebildet worden und heute in der chinesischen F&E Landschaft engagiert. Deutsche
Unternehmen haben in substantiellem Maße Hoch-Technologie und operatives Know-how nach China transferiert. Alle großen deutschen Unternehmungen unterhalten heute auch F&E Einrichtungen in China. Und zwischenstaatliche Programme haben wichtige
Impulse für die Entwicklung der Wissenschaftslandschaft Chinas geleistet. Die DFG und das Fraunhofer Institut sind stark in China engagiert.

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„Forschen für Deutschland – in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 16

  1. 1. 19.04.2007 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 16 „Forschen für Deutschland – in China“ Prof. Dr. Markus Taube Deutschland hat in der Vergangenheit ent- schen Vorstellungen von Partnerschaft und scheidende Beiträge zur Steigerung der Leis- Kooperation klingen zuweilen doch etwas tungsfähigkeit des chinesischen Wissen- seltsam. schaftssystems geleistet und tut dies auch weiterhin. Zehntausende von chinesischen Das zentrale strategisch-programmatische Fachkräften sind an deutschen Universitäten Dokument zur Ausgestaltung der chinesi- ausgebildet worden und heute in der chinesi- schen Forschungslandschaft bis zum Jahr schen F&E Landschaft engagiert. Deutsche 2020, das Medium to Long-term Program on Unternehmen haben in substantiellem Maße Technological and Scientific Development, Hoch-Technologie und operatives Know-how erhebt ‚eigenständige Innovation’ zum zentra- nach China transferiert. Alle großen deut- len Prinzip und Leitthema der chinesischen schen Unternehmungen unterhalten heute Forschungsinitiative. Dabei wird ‚eigenständi- auch F&E Einrichtungen in China. Und zwi- ge Innovation’ allerdings als Dreiklang ver- schenstaatliche Programme haben wichtige schiedener Formen wissenschaftlicher Er- Impulse für die Entwicklung der Wissen- kenntnisgewinnung verstanden: schaftslandschaft Chinas geleistet. Die DFG - der ‚völlig eigenständigen Innovation’, und das Fraunhofer Institut sind stark in Chi- - der ‚integrierten Innovation’ d.h. der Ver- na engagiert. wendung bekannter Technologie auf neue Weise Einen ‚vatermordenden’ Brutus hat man sich - der ‚Re-Innovation’, d.h. der Aufnahme und damit bislang nicht herangezüchtet – die Verbesserung importierter Technologien. Klassenunterschiede zwischen den respekti- ven Forschungskapazitäten sind noch lange nicht aufgehoben. Trotzdem gilt es nun, die Insbesondere die beiden letzten der hier ge- eigenen Interessen stärker in den Vorder- nannten Komponenten dürften bei den westli- grund zu rücken und echte ‚win-win’-Konstel- chen Technologieführern so manches Stirn- la¬tionen herbeizuführen. Denn die chinesi- runzeln hervorrufen. Der Euphemismus ‚Re-
  2. 2. 2 Engineering’ scheint hier neue Synonyme er- allerdings in F&E Bereichen, die z.B. einen halten zu haben. hohen Grad an kreativer Intelligenz verlan- gen, nicht möglich. Hier bietet China kein at- traktives Forschungsumfeld. Trotzdem, wo können deutsche Unternehmen heute von chinesischen F&E Kapazitäten pro- fitieren? Drei Bereiche treten hervor: Wiederentdeckung verloren gegangenen Know-hows. In engem Zusammenhang mit dem ersteren Aspekt steht das downward-en- Produktentwicklung für den chinesischen und gineering mittels dessen deutsche Unterneh- asiatischen Markt. Die Masse der F&E Aktivi- men ihre Kunden in China anzusprechen ge- täten ausländischer Unternehmen in China lernt haben. Deutsche Unternehmungen, die fallen derzeit unter diese Kategorie: F&E in in den letzten Jahren nur noch die hoch in- China wird mit einem kleinen f und einem dustrialisierten OECD-Staaten als Markt defi- sehr großen E geschrieben. Dies ist sicher niert hatten, sehen sich plötzlich aus strategi- keine Spitzenforschung, aber wie wichtig die- schen Erwägungen heraus veranlasst, nach ser Aspekt für die Unternehmensbilanzen ist, China zu gehen und erkennen dort oft, dass zeigen nicht zuletzt die unterschiedlichen Er- ihre Produkte für die lokalen Umfeldbedin- folgesgeschichten europäischer Mobiltelefon- gungen (Infrastruktur, Materialien, komple- Anbieter im chinesischen Markt. Während mentäre Güter und Dienstleistungen, Bedie- Nokia massiv in China für den chinesischen nerverhalten, etc.) zu komplex, verfeinert und (und mittlerweile auch den Welt-) Markt ent- zu wenig robust sind. (Man denke nur an das wickelt, verschlief Siemens in China die PR-Desaster des öffentlich zertrümmerten Klapp-Technologie – mit katastrophalen Fol- Mercedes Benz, als Daimler Chrysler nicht in gen. China bietet einen vergleichsweise der Lage war zu vermitteln, dass das Pro- günstigen Standort für die Anpassung von blem nicht am Auto, sondern am minderwerti- Produkten an die Bedürfnisse chinesischer gen Treibstoff lag …) Im Zuge der Anpassung Kunden – seien dies Festland-Chinesen oder an die lokalen Marktbedingungen eignen sich Auslandschinesen, die in Südostasien eben. zahlreiche deutsche Unternehmen derzeit wieder Know-how bei der Verwendung weni- Kostenarbitrage. Standardisierte F&E Abläu- ger komplexer Technologien und robusterer fe, die einen hohen Anteil an menschlicher Materialien an, das über Jahre und Jahrzehn- Arbeitsleistung beinhalten, wie z.B. Testrei- te ‚verschüttet’ war und nun wieder reaktiviert hen in der chemischen Industrie, im Bereich wird. Diese Unternehmen erschließen sich der life-sciences etc., können in China ver- somit ein zusätzliches Marktsegment und gleichsweise günstiger ausgeführt werden, stärken grundsätzlich ihre globale Wettbe- als in den etablierten F&E Standorten der werbsfähigkeit. Auch wenn die chinesische OECD-Länder. Derartige Kostenarbitrage ist © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 Regierung genau das Gegenteil anstrebt, halten und nicht von der Marktevolution abge- wird China so zu einem Zentrum des industri- koppelt zu werden. al downgrading für bislang etwas ‚abgehobe- ne’ westliche Ingenieurskünstler. Die F&E Ak- Eine Gefahr für die etablierten wissensbasier- tivitäten deutscher Unternehmen in China be- ten Volkswirtschaften wird aus einer Stärkung dienen somit letztlich ein anderes Technolo- der chinesischen Forschungskapazitäten auf giesegment als andere F&E Standorte in den absehbare Sicht nicht entstehen. Im Gegen- OECD-Staaten oder auch Indien. teil, es erwachsen neue Möglichkeiten zur Gestaltung arbeitsteiliger Prozesse in einer Wertesystem-Arbitrage. In Forschungsfeldern komplementären F&E Weltwirtschafts-Geo- wie der Biogenetik und der Nuklearforschung graphie. steht zu erwarten, dass China dank ‚freizügi- ger’ Genehmigungen und fehlender mora- lisch-ethischer Skrupel sich einen langfristi- gen Vorsprung gegenüber dem Forschungs- standort Deutschland aufbauen kann. Dieser sich abzeichnende Verlust an Forschungs- Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? kompetenz am Standort Deutschland scheint Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur ein Preis zu sein, den die deutsche Gesell- Verfügung! schaft im Sinne der Wahrung ihres ethisch- moralischen Wertekonsenses derzeit zu zah- THINK!DESK len bereit ist. Einzelne Unternehmen mögen China Research & Consulting sich allerdings veranlasst sehen, aus diesem Konsens auszubrechen und in China an der- Prof. Dr. Markus Taube artigen F&E-Aktivitäten zu partizipieren, um 0203 - 4 835 357 Fühlung mit den aktuellen Entwicklungen zu taube@thinkdesk.de © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting

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