23.02.2008




             THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 22
             „Das Inflationsgespenst geht um in China“
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Das Inflationsgespenst geht um in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 22

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Das Statistische Amt der VR China hat diese Woche die höchsten Inflationsraten seit 11 Jahren veröffentlicht. Der Consumer Price Index (CPI) ist im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,1 % gestiegen. Sind diese Preissteigerungen Ausdruck dessen, dass die Volkswirtschaft wie bereits fünf Mal zuvor seit Beginn der Reform-Ära wieder derart überhitzt ist, dass nun Verknappungen zentraler Inputgüter den Motor des gesamtwirtschaftlichen Wachstums zum Stottern bringen? Zeigt
sich hier nun also der Anfang vom Ende des
jüngsten Booms, den die chinesische Volkswirtschaft in den letzten Jahren verzeichnen konnte?

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Das Inflationsgespenst geht um in China - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 22

  1. 1. 23.02.2008 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 22 „Das Inflationsgespenst geht um in China“ Prof. Dr. Markus Taube Das Statistische Amt der VR China hat diese nesischen Konsumgüter-Preisinflation. Die Woche die höchsten Inflationsraten seit 11 Zahlen sind unerfreulich und liegen in ver- Jahren veröffentlicht. Der Consumer Price In- nichtenden Seuchen im Viehbestand dex (CPI) ist im Januar im Vergleich zum Vor- („Schweinepest“) und eklatanten Ernteausfäl- jahresmonat um 7,1 % gestiegen. Sind diese len begründet. Sie haben aber keine unmittel- Preissteigerungen Ausdruck dessen, dass die bar gefährdende Bedeutung für die Stabilität Volkswirtschaft wie bereits fünf Mal zuvor seit des gesamtwirtschaftlichen Wachstumsmo- Beginn der Reform-Ära wieder derart über- ments – diese Gefahr liegt anderswo, dazu hitzt ist, dass nun Verknappungen zentraler später. Inputgüter den Motor des gesamtwirtschaftli- chen Wachstums zum Stottern bringen? Zeigt Dessen ungeachtet, die chinesische Regie- sich hier nun also der Anfang vom Ende des rung sieht diese Preisentwicklung mit größter jüngsten Booms, den die chinesische Volks- Sorge und hat die Inflationsbekämpfung ganz wirtschaft in den letzten Jahren verzeichnen oben auf ihre Agenda gesetzt. Der Grund konnte? hierfür liegt in der Befürchtung, dass derartige inflationäre Entwicklungen zu breiter Unzu- Ein näherer Blick auf die jetzt veröffentlichten friedenheit in der Bevölkerung führen und den Zahlen zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Der Herrschaftsanspruch der Kommunistischen Anstieg des CPI liegt allein im Nahrungsmit- Partei unterminieren könnten. Die Erfahrun- tesektor begründet. Nahrungsmittel insge- gen mit der 1989 auf dem Tian’anmen-Platz samt haben sich seit einem Jahr um 18,2% gewaltsam niedergeschlagenen Protestbewe- verteuert; allein Schweinefleisch ist im Jah- gung sind nicht vergessen: Damals war es resvergleich um 58,8% angestiegen, andere eine fehlgeleitete Preisreform, die zu explo- Fleisch- und Geflügelprodukte um 41,2%, dierenden Konsumgüterpreisen führte und Speiseöle und -fette um 37,1. Frisches Ge- letztlich die Massenunruhen auslöste. müse legte um 13,7% zu. Diese vier Güter- gruppen sind die wichtigsten Treiber der chi-
  2. 2. 2 Heute, sollte man meinen, besteht die Gefahr dies wegen eines „bisschen“ Schnees nicht von Massenprotesten kaum mehr. Ist doch gewährleisten, so wird eine der Grundfesten das Nominaleinkommen der Bevölkerung al- des chinesischen Gesellschaftsvertrags ge- lein im Jahr 2007 um 17,2% in den Städten brochen und der Herrschaftsanspruch in Fra- und 15,4% in den ländlichen Regionen ange- ge gestellt. Dies gilt insbesondere für die stiegen. Da sollte ein „bisschen“ Inflation Kommunistische Partei, die ihren Herr- doch leicht weggesteckt werden können. Das schaftsanspruch schon lange nicht mehr ist nicht ganz so. Die Inflation trifft nämlich in ideologisch herleiten kann, sondern sich statt- erster Linie die Unterprivilegierten in den dessen als der große „Organisator“ und Ga- ländlichen Regionen bzw. die das neue rant ökonomischen Aufstiegs geriert. Stadtproletariat bildenden Wanderarbeiter, für die Lebensmittel sehr wohl einen großen An- Es kam daher nicht von ungefähr, dass Wen teil ihrer Konsumausgaben darstellen. Gera- Jiabao sich im Januar an die Spitze eines für de auf dem Land sind die Preissteigerungen China außergewöhnlich offensiven Krisenma- auch am stärksten gewesen. Der nationale nagements setzte, zu den an den Bahnhöfen Durchschnittswert von 7,1% ist letztlich eine gestrandeten Massen reiste und öffentlich irreale Größe: auf dem Lande stieg der CPI Entschuldigungen aussprach. um 7,7%, in den Städten nur 6,8%. Und die Unruhe in der Bevölkerung ist bereits da: In Soviel zur politischen Bedeutung des CPI. Südwestchina kamen Ende letzten Jahres Wo liegen nun aber die im engeren Sinne drei Menschen ums Leben als sie von einer ökonomischen Gefahren der jüngsten Preiss- rasenden Menschenmenge, die sich knappes teigerungen in China? Speiseöl sichern wollte, niedergetrampelt wurden. Vorweg: Eine der in der mittelfristigen Sicht schwerwiegendsten negativen Begleiterschei- In punkto Unruhepotenzial kommt hinzu, dass nungen der jüngsten Preissteigerungen dürfte die chinesische Gesellschaft mit dem darin liegen, dass die dringend notwendigen Schneechaos der letzten Wochen und damit Preiserhöhungen für Strom und Wasser wei- der Immobilisierung von Millionen von Men- ter zurückgestellt werden. Diese beiden ele- schen – die meisten von ihnen unterprivile- mentaren Produktions- (und Konsumfaktoren) gierte Wanderarbeiter – an ihrer empfind- werden derzeit zu staatlich gesteuerten und lichsten Stelle getroffen worden ist. Wenn ei- subventionierten Preisen abgegeben, die ihre nes in China sakrosankt ist, dann das Früh- gesamtwirtschaftlichen Gestellungskosten in lingsfest. Dieses muss im Kreise der Familie keinster Weise widerspiegeln. Die sich dar- gefeiert werden und dass dies möglich ist, aus ergebende massive Übernutzung trägt in dafür muss die Regierung sorgen. Kann sie entscheidendem Maße zur fehlenden, nicht – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 nur ökologischen, Nachhaltigkeit des chinesi- lassen keinen Zweifel daran, dass in der schen Entwicklungsprozesses bei. Volkswirtschaft überschüssige Liquidität vor- handen ist. Diese Liquidität wird derzeit in erster Linie im Rahmen einer asset price in- Zur weiteren ökonomischen Diskussion wird flation aufgesogen, was dazu führt, dass in es an dieser Stelle notwendig, die enge Per- China eine riesige Vermögenswertblase auf- spektive des Konsumentenpreisindex zu ver- gebaut wird, die irgendwann (allerdings kaum lassen und auch den Producers Price Index bereits in 2008) platzen wird. (PPI) und die Preise an den Immobilien- und Aktienmärkten zu betrachten. Der PPI für Produktionsmittel ist im Januar im Jahresver- Die makroökonomischen Steuerungsorgane gleich um 6,5% angestiegen. Treibende Kräf- Chinas und insbesondere die People’s Bank te waren hier – wie weltweit – die Preise für of China (PBOC) wissen genau, was für eine Erdöl, die um 29,9% zulegten, sowie witte- Gefahr sich hier aufbaut und versuchen, die rungsbedingt die Preise für Kohle (plus überschüssige Liquidität anderweitig zu bin- 14,9%). Die Preise für Eisen- und Stahlgüter den: Die PBOC hat die Leitzinsen und die verteuerten sich um 17,3%, liegen damit al- Mindestreserveanforderungen in den letzten lerdings in China noch immer gut ein Drittel Monaten mehrfach angehoben und reduziert unter den am Weltmarkt anliegenden Prei- so die monetäre Multiplikatorwirkung des sen. Auch hier gilt, diese Preissteigerungen Bankensektors. RMB-denominierte Anleihen sind nicht dazu geeignet, zusätzliche Wachs- und Aktienemissionen wirken zusätzlich auf tumsimpulse zu setzen. Sie weisen aber auch eine Reduzierung der gesamtwirtschaftlichen nicht darauf hin, dass die Volkswirtschaft kurz Liquidität und dämpfen den auf den Vermö- vor einem Kollaps stünde, der durch die Ver- genswerten lastenden Anlagedruck. Derartige knappung zentraler Inputs hervorgerufen Maßnahmen werden das ganze Jahr 2008 werden würde. Im Gegenteil, China hat sich über zu beobachten sein. in den letzten Jahren u.a. bei Stahlprodukten von einem Netto-Importeur zu einem Netto- Letztlich kann es sich bei diesen Versuchen, Exporteur gemausert. Versorgungsengpässe Liquidität zu binden, aber nur um Maßnah- sind nicht in Sicht. men zur Symptombehandlung handeln. Das zentrale Problem liegt in der Außenbewer- Problematischer sieht es im Bereich der Akti- tung des Renminbis und der bislang staatlich en- und Immobilenbewertung aus. Realitäts- durchgesetzten Inflexibilität des Wechselkur- fremde und trotzdem ständig weiter steigende ses, die letztlich zu einer unerwünschten Aus- Immobilienpreise sowie eine Shanghaier Bör- weitung der inländischen Geldmenge bei- se, deren Untenehmen mittlerweile im Durch- trägt. schnitt mit KGVs von 60-70 bewertet werden, – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  4. 4. 4 Die Verhinderung einer deutlichen Aufwer- Was tun? Viele Möglichkeiten zur Flucht aus tung des Renminbis hat die chinesischen dem Dilemma bleiben nicht: Reduzierung der Zentralbank zu massiven Stützungskäufen inländischen monetären Neutralisierungstä- und somit mittlerweile zum Aufbau von Devi- tigkeit zum Preis weiterer Liquiditätsüber- senreserven in Höhe von ca. 1.500 Milliarden schüsse? Wohl kaum. Umschichtung von De- US$ gezwungen. Diese enorme Zahl wird im visen aus dem US$ in den Euro und andere Westen oft mit Bewunderung und Faszination Währungen zur Verbesserung des Zinsdiffe- rezipiert. Für China dürften diese riesigen De- rentials? Sicher! – aber damit kann das Pro- visenberge allerdings langsam eher zum blem nicht endgültig gelöst werden. Bleibt Fluch als zur Freude gereichen. eine forcierte Aufwertung des Renminbi. Nur so könnte die zwanghafte Devisenmarktinter- ventionstätigkeit grundlegend reduziert und Dass die Anlage eines derart gewaltigen die Überversorgung der Volkswirtschaft mit Geldbetrags in primär US-amerikanischen Liquidität entscheidend bekämpft werden. Staatsanleihen keine besonders rentable In- vestitionsstrategie ist, ist längst bekannt. Dass die chinesische Zentralbank aber mit ih- Ein Paradox baut sich auf: Letztlich könnte ren Devisenmarktinterventionen derzeit Geld die Subprime-Krise eine größere Überzeu- verliert, ist vielleicht noch nicht Allgemeinwis- gungskraft für eine Aufwertung des Renminbi sen. Den Zinseinnahmen aus den US-ameri- entfalten als sie alle diplomatischen Vorstöße kanischen Staatsanleihen stehen nämlich die und Drohungen der USA in der Vergangen- Zinszahlungen gegenüber, die die chinesi- heit hatten. sche Zentralbank für jene RMB-Anleihen leis- ten muss, die sie begibt, um ihre Devisen- marktinterventionen im Inland (so weit als THINK!DESK China Research & Consul- möglich) geldpolitisch zu neutralisieren. Nach ting ist spezialisiert auf die Beratung von Un- den letzten Zinssteigerungsrunden in China ternehmen, die einen Marktzutritt in China und den Subprime-induzierten Zinssenkun- planen oder bereits seit vielen Jahren im gen in den USA hat die PBOC derzeit mit ei- „Reich der Mitte“ tätig sind und Möglichkeiten nem negativen Zinsdifferential von über ei- für einen Marktausbau suchen. Darüber hin- nem Prozentpunkt zu kämpfen. D.h. die aus führt THINK!DESK China Research & PBOC zahlt höhere Zinsen für die von ihr im Consulting im Auftrag Branchen- und Indus- Rahmen der Devisenmarktinterventionen be- triestudien durch, erstellt Prognosen und Sze- gebenen inländischen Anleihen, als sie aus narioanalysen zu ökonomischen und politi- ihren US-amerikanischen Staatspapieren ein- schen Trends in China sowie gesamtwirt- nimmt. schaftliche China-Analysen. Das erklärte Ziel von THINK!DESK China Research & Consul- – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  5. 5. 5 ting ist es, seine Kunden sowohl mit fundier- ter und erprobter Beratung als auch streng Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu praxisorientierter Wissenschaft zu unterstüt- unserem aktuellen Standpunkt? zen. Das deutsche Team von THINK!DESK Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Verfügung! China Research & Consulting verfügt über 20 Jahre Erfahrung in chinabezogenen Bera- tungs- und Forschungsprojekten. Ein entspre- THINK!DESK chend intensiver Zugang besteht u.a. zu chi- China Research & Consulting nesischen Regierungseinrichtungen, Liefe- ranten von monatsaktuellen Industrie- und Prof. Dr. Markus Taube Branchendaten sowie Experten vor Ort. In 0176 - 21 603 441 Shanghai verfügen wir über ein erprobtes taube@thinkdesk.de deutsch-chinesisches Partner-Team. Auch unsere nicht-chinesischen Mitarbeiter spre- chen die Landessprache mitunter verhand- lungssicher. Ausführliche Informationen zu THINK!DESK China Research & Consulting sowie eine Reihe von kostenlosen Publikatio- nen erhalten Sie auf unserer Website unter www.thinkdesk.de – © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting

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