23.03.2007




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Chinas Wirtschaftswunder Nr. 2? Die chinesische Forschungsoffensive - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 15

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Nachdem die chinesische Volkswirtschaft im Verlauf der 1990er Jahre zur "Werkbank der Welt" aufgestiegen ist, wird derzeit bereits weitergehend diskutiert, inwiefern China in naher Zukunft nicht auch zur "Wissensfabrik der Welt" aufsteigen könnte. Tatsächlich bieten erste Analysen das Bild einer massi­ven staatlich angestoßenen Forschungsof­fensive und substantiellen Aufwertung der Forschungs- und Entwicklungs-(F&E)Kapazi­täten der chinesischen Volkswirtschaft. Und
die offiziell verkündeten Zielgrößen der
chinesischen Regierung sind noch sehr viel
ambitionierter: Erklärtes Ziel der aktuellen chinesischen Forschungspolitik ist es, China bis zum Jahr 2020 in eine innovationsorientierte Gesellschaft zu transformieren und das Land bis 2050 zum Weltführer in Wissenschaft und Technik aufzubauen. Mit Hilfe indigener, also eigenständiger, Innovationsleis­tungen soll China führende Positionen in den neuen, wissenschaftsbasierten Industrien einnehmen. Zu diesem Zweck sollen die nationalen Investitionen in F&E von 1,34% des BIP in 2005 auf über 2.5% des BIP in 2020 angehoben werden (Mitte der 1990er Jahre waren es gerade einmal 0,5%). Der Beitrag des technologischen Fortschritts zum Wirt­schaftswachstum soll auf bis zu 60% an­steigen, während die Abhängigkeit von ausländischen Technologieimporten auf unter 30% geführt werden soll. Bis zum Jahr 2020
soll China außerdem in Hinblick auf die An­zahl der in chinesischer Hand befindlichen Patentrechte und in der Zahl der internationa­len Veröffentlichungen zu den fünf führenden Nationen gehören.

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Chinas Wirtschaftswunder Nr. 2? Die chinesische Forschungsoffensive - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 15

  1. 1. 23.03.2007 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 15 „Chinas Wirtschaftswunder Nr. 2? Die chinesische Forschungsoffensive“ Prof. Dr. Markus Taube Nachdem die chinesische Volkswirtschaft im des technologischen Fortschritts zum Wirt­ Verlauf der 1990er Jahre zur “Werkbank der schaftswachstum soll auf bis zu 60% an­ Welt” aufgestiegen ist, wird derzeit bereits steigen, während die Abhängigkeit von aus­ weitergehend diskutiert, inwiefern China in ländischen Technologieimporten auf unter naher Zukunft nicht auch zur „Wissensfabrik 30% geführt werden soll. Bis zum Jahr 2020 der Welt“ aufsteigen könnte. Tatsächlich soll China außerdem in Hinblick auf die An­ bieten erste Analysen das Bild einer massi­ zahl der in chinesischer Hand befindlichen ven staatlich angestoßenen Forschungsof­ Patentrechte und in der Zahl der internationa­ fensive und substantiellen Aufwertung der len Veröffentlichungen zu den fünf führenden Forschungs- und Entwicklungs-(F&E)Kapazi­ Nationen gehören. täten der chinesischen Volkswirtschaft. Und die offiziell verkündeten Zielgrößen der Die OECD bescheinigt China, gut auf dem chinesischen Regierung sind noch sehr viel Weg zu sein, um dieses Ziel auch zu errei­ ambitionierter: Erklärtes Ziel der aktuellen chen. Demnach ist China im Jahr 2006 zum chinesischen Forschungspolitik ist es, China zweitgrößten F&E Investor weltweit aufge­ bis zum Jahr 2020 in eine innovations­ stiegen und hat mit 136 Mrd. US$ etwas orientierte Gesellschaft zu transformieren und mehr in F&E investiert als Japan mit 130 Mrd. das Land bis 2050 zum Weltführer in Wissen­ US$ und wird nur von den USA mit Ge­ schaft und Technik aufzubauen. Mit Hilfe in­ samtinvestitionen in Höhe von 330 Mrd. US$ digener, also eigenständiger, Innovationsleis­ übertroffen. Die EU-15 Staaten haben dem­ tungen soll China führende Positionen in den nach insgesamt nur ein F&E Investitionsvolu­ neuen, wissenschaftsbasierten Industrien men von 230 Mrd. US$ erreicht (vgl. Abbil­ einnehmen. Zu diesem Zweck sollen die na­ dung). tionalen Investitionen in F&E von 1,34% des BIP in 2005 auf über 2.5% des BIP in 2020 angehoben werden (Mitte der 1990er Jahre waren es gerade einmal 0,5%). Der Beitrag
  2. 2. 2 Abbildung: Entwicklung der Gross Expen­ chinesischen Antragsteller zugesprochenen ditures for Research and Development Patente für den Zeitraum 1977 bis 2005 auf (GERD) im internationalen Vergleich (Mrd. insgesamt 3.157. Beinahe zwei Drittel dieser PPP US$), 1981-2006 Daten: OECD Patente wurden allerdings erst seit 2002 ge­ © THINK!DESK China Research & Consulting währt, während in den vorangehenden Jah­ Auch andere Indikatoren sprechen dafür, ren nur eine sehr geringe Aktivität zu dass China seine F&E Leistungsfähigkeit verzeichnen war. Zwischen 1977 und 1991 deutlich ausweitet und zu einem neuen For­ waren es lediglich 248 Patene, die gewährt schungsstandort aufsteigen könnte. Zahlrei­ wurden. che ausländische Investoren engagieren sich mittlerweile auch mit F&E am Standort China. Europa am Ende?; jetzt (bald) auch auf der Nach Angaben der UNCTAD ist China nun Ebene der wissensbasierten Industrien abge­ neben Indien zum gesuchtesten Standort für hängt? – Nun, bei jenen, die die Realität F&E Engagements transnationaler Unterneh­ chinesischer Unternehmungen kennen, dürfte mungen aufgestiegen. Gleichzeitig steigt wohl angesichts derartiger Zahlen der Ver­ auch die Anzahl von Patenten, die dacht aufsteigen, in ein Paralleluniversum chinesischen Akteuren seitens der euro­ versetzt worden zu sein. Da passt etwas nicht päischen und amerikanischen Patentämter zusammen. Die Bereitschaft chinesisch ge­ gewährt werden, deutlich an. So belaufen führter Unternehmungen, in risikobehaftete sich beispielsweise die seitens des U.S. Pa­ F&E zu investieren, die erst langfristig Ein­ tents and Trademark Office (USPTO) kommensströme versprechen, war bislang © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 nicht sehr ausgeprägt. Zugegeben, ein Unter­ China Petrochemical Development Corp. (41 nehmen wie Huawei Technologies beschäf­ Patente) und der China Petroleum and Che­ tigt in Shenzhen 20.000 Ingenieure. Diese mical Corp. (30 Patente) die ersten „rein“ befassen sich allerdings in erster Linie mit chinesischen Unternehmungen. Die in Re-Engineering und bereiten so die Grund­ Rangliste nächsten „rein“ chinesischen Ak­ lage für Huaweis Patentstreitigkeiten mit teure sind dann die Tsinghua Universität (17 Cisco Systems. F&E-Führerschaft oder auch Patente), Huawei Technologies Co., Ltd. (15 nur genuine Invention ist nicht das, was man Patente), Changchun Institute of Applied i.d.R. mit Chinas Unternehmen und staatli­ Chemistry, CAS (12 Patente), Shenzhen STS chen Forschungseinrichtungen verbindet. Microelectronics Co., Ltd. (8 Patente), Xinji­ ang Shengsheng Co., Ltd. (7 Patente), SINO­ PEC (6 Patente) und die China Academy of Tatsächlich entlarvt sich das chinesische Telecommunications Technology (5 Patente). ‚Forschungswunder’ bei näherer Betrachtung denn auch als statistisches Zerrbild einerseits und politisches Wunschdenken andererseits. De facto bleibt Chinas F&E System auf ab­ Die Zahlen der OECD basieren so zum Bei­ sehbare Zeit in bedeutendem Maße von aus­ spiel auf einem Kaufkraftparitätenvergleich. ländischen Impulsen abhängig. Dabei kommt Ob dies allerdings im Bereich der F&E sinn­ drei Schnittstellen zum Ausland eine beson­ voll ist, erscheint mehr als fraglich – zu wenig dere Bedeutung zu: besteht die Möglichkeit, für F&E-Inputs eigen­ ständige nationale Preisstrukturen geltend zu Attraktion ausländischer Investoren und Si­ machen. Selbst in der OECD sind die zi­ cherstellung eines Technologietransfers. Die tierten Ergebnisse von daher umstritten. Und chinesische Regierung hat bislang sehr er­ auch die chinesische Patentlawine im Aus­ folgreich Rahmenbedingungen für die Attrak­ land entpuppt sich bei näherer Betrachtung tion ausländischer Direktinvestitionen ge­ als wenig eindrucksvoll. Der Großteil der schaffen und gleichzeitig dafür Sorge ge­ „chinesischen“ Antragsteller besteht letztlich tragen, dass diese mit einem Transfer von aus in China niedergelassenen Einheiten Technologie und F&E-Kapazitäten einherge­ ausländischer Unternehmungen. Die Liste hen. Unternehmen mit ausländischem Kapi­ der „chinesischen“ Empfänger von USPTO- talanteil erwirtschaften derzeit gut 30% des Patenten im Zeitraum 2001-2005 wird so z.B. industriellen Brutto-Produktionswertes der mit 342 gewährten Patenten von Hon Hai chinesischen Volkswirtschaft. In einzelnen Precision Ind. Co. Ltd., einem taiwanischen high-tech Sektoren stellen sie bis zu 100% Unternehmen, angeführt. Es folgt das US- der nationalen Produktion. Sie stellen somit amerikanische Unternehmen Microsoft Corp. auch weiterhin die wichtigste Quelle für das mit 46 Patenten. Erst dann kommen mit der industrial upgrading und die Technolo­ © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  4. 4. 4 gisierung der chinesischen Volkswirtschaft wird die bislang eher „passive“ Absorption dar. von von ausländischen Investoren nach Chi­ na getragenen Technologien und For­ schungskapazitäten durch eine pro-aktive An­ Repatriierung chinesischer ‚Bildungs­ eignung ausländischer Kompetenzen ergänzt emigranten’. Eines der zentralen bottlenecks und bereichert. Aus Deutschland sind mehre­ der chinesischen F&E Landschaft stellt die re Fälle bekannt, bei denen ein chinesischer mangelnde Verfügbarkeit qualifizierten Perso­ Investor ein in wirtschaftlichen Schwierigkei­ nals dar. Die chinesische Regierung fördert ten stehendes mittelständisches Unter­ von daher bereits seit Beginn der 1980er nehmen aufkauft und dieses dann als krea­ Jahre aktiv die Nutzung ausländischer Bil­ tives Zentrum und high-end provider in seine dungs- und Forschungseinrichtungen zur F&E Strategie einbindet. Ausbildung von ‚chinesischem’ Humankapital. In Anbetracht dessen, dass von den ca. einen Million Auslandsstudenten, die zwi­ Im Überblick ist somit festzuhalten: Keine schen den 1980er Jahren und 2006 im Aus­ Angst vorm gelben Mann! Chinas endogene land studiert haben, bislang nur lediglich 25% Forschungskapazitäten sind noch weit von nach China zurückgekehrt sind, steht heute globalen Standards entfernt. De facto erfolgt allerdings deren Nutzbarmachung für China Chinas hoch ambitionierte F&E Initiative auch nach erfolgter Ausbildung im Vordergrund der keineswegs aus einer Position der Stärke politischen Aktivität. Zwischen 2006-2010 heraus, sondern stellt sich bei näherer Be­ sollen so mittels diverser Anreizpakete trachtung als ein aus der Not geborener Ver­ 200.000 ‚Bildungsemigranten’ zu einer Rück­ such zur Mobilisierung nationaler Kräfte dar. kehr nach China bewegt werden. Ohne Die chinesische Regierung hat sich das Ziel Chinas Bildungsemigranten wird das Land gesetzt, im Zeitraum zwischen 2000 und seinen Bedarf an qualifizierten Fachkräften 2020 das BIP des Landes zu vervierfachen auf absehbare Zeit nicht decken können. und die Gesellschaft in „bescheidenen Wohl­ stand“ zu führen. Im Rahmen dieses Wachs­ tums- und Entwicklungsprozesses sollen zu­ Akquisition von F&E-Kapazitäten im Ausland. dem einerseits die regionalen Einkommens- Seit Beginn des Jahrzehnts ist zu beobach­ und Wohlfahrtsunterschiede reduziert und ten, wie chinesische Unternehmungen mit sollen andererseits auch der Verbrauch von massiver staatlicher Unterstützung mit Ressourcen und die Belastung der Umwelt eigenen Beteiligungsinvestitionen und Ak­ mit Schadstoffen nur deutlich unterproportio­ quisitionen im Ausland auftreten und dort ge­ nal ansteigen. Die Energieintensität der zielt F&E Einrichtungen, Forschungslabors volkswirtschaftlichen Leistungserbringung soll und Unternehmungen mit starken technolo­ halbiert werden. Genau diese Zielparameter gischen Kompetenzen aufkaufen. Hierdurch © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  5. 5. 5 sind nun aber während der ersten sechs Jah­ re dieser 20-jährigen Planperiode dramatisch verfehlt worden. Ohne signifikante Impulse aus der F&E Landschaft wird Chinas ‚Wirt­ schaftswunder Nr. 1’ in sich zusammenbre­ chen. Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Verfügung! THINK!DESK China Research & Consulting Prof. Dr. Markus Taube 0203 - 4 835 357 taube@thinkdesk.de © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting

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