27.02.2009




             THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 28
             „Chinas Stahlindustrie in der Krise“
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schmerzhaften Preisaufschlägen von 65%                          zweistelligen    Wachstumsraten            gestiegen
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Zukunftserwartungen             für     immer          mehr          großen      und        mittelgroßen           chi...
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Chinas Stahlindustrie in der Krise - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 28

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„Ich fühle mich himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt“
Dieses Zitat aus Goethes Egmont beschreibt den abrupten Übergang von großer Euphorie in einen Zustand abgrundtiefer Depression. Vielen Marktbeobachtern, die die Entwicklung
der chinesischen Stahlindustrie seit dem letzten Jahr mitverfolgt haben, wird in den letzten Wochen dieses geflügelte Wort eingefallen sein. Denn der gigantische Stahlboom der letzten Jahre scheint – zumindest vorerst – zu Ende.
In diesem Standpunkt werfen wir einen kurzen Blick zurück auf das Jahr 2008 und gehen danach ausführlich auf die gegenwärtige Krise ein. Anschließend wagen wir einen vorsichtigen Blick in die Zukunft.

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Chinas Stahlindustrie in der Krise - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 28

  1. 1. 27.02.2009 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 28 „Chinas Stahlindustrie in der Krise“ von Prof. Dr. Markus Taube und Peter Thomas in der Heiden „Ich fühle mich himmelhoch jauchzend - zu der sich in dieser Form nicht so schnell Tode betrübt“ wiederholen dürfte. Die Nachfrage entwickelte sich robust, da alle wichtigen Stahlabnehmer, insbesondere die Bau- und Dieses Zitat aus Goethes Egmont beschreibt Maschinenbauindustrien, ihren den abrupten Übergang von großer Euphorie Wachstumskurs der Vorjahre weiter in einen Zustand abgrundtiefer Depression. fortsetzten. Beispielsweise stiegen die Vielen Marktbeobachtern, die die Entwicklung Sachinvestitionen der Immobilienwirtschaft der chinesischen Stahlindustrie seit dem um 35% und auch die Produktion von letzten Jahr mitverfolgt haben, wird in den stahlintensiven Gütern, wie Autos, letzten Wochen dieses geflügelte Wort Passagierschiffen, Waschmaschinen und eingefallen sein. Denn der gigantische Kühlschränken, expandierte mit zweistelligen Stahlboom der letzten Jahre scheint – Zuwachsraten. zumindest vorerst – zu Ende. Getragen von dieser dynamischen In diesem Standpunkt werfen wir einen Nachfrageentwicklung zogen die Stahlpreise kurzen Blick zurück auf das Jahr 2008 und nach dem chinesischen Neujahrsfest Anfang gehen danach ausführlich auf die Februar kräftig an und stiegen bis Mitte Juli gegenwärtige Krise ein. Anschließend wagen teilweise um bis zu 30%. Der auf allen wir einen vorsichtigen Blick in die Zukunft. wichtigen Absatzmärkten vorherrschende Optimismus wirkte sich auch auf die Himmelhoch jauchzend – das erste relevanten Rohstoffmärkte aus und Halbjahr 2008 veranlasste Kokereien und Bergwerke, sich ihren Teil vom Kuchen zu sichern. Von der Aus Sicht von Baosteel und anderer Überzeugung getragen, dass der chinesische führender Stahlerzeuger war das erste Stahlboom weiter anhalten würde, endeten Halbjahr ein sehr erfolgreicher Zeitabschnitt, die jährlichen Erzpreisverhandlungen mit
  2. 2. 2 schmerzhaften Preisaufschlägen von 65% zweistelligen Wachstumsraten gestiegen -71% für brasilianische bzw. 80% - 96% für waren, drehten nun ins Minus. Kurz darauf australische Lieferungen. begann auch die Bauindustrie weniger Stahl nachzufragen. Es dauerte noch bis zur letzten Juli Woche – dann legten die Dennoch war das erste Halbjahr für die chinesischen Stahlpreise schließlich auch chinesische Stahlindustrie außerordentlich den Rückwärtsgang ein. Doch noch immer erfolgreich: Die monatliche Stahlproduktion waren viele Marktbeobachter überzeugt, dass kletterte im Juni auf ein neues Allzeithoch von es sich nur um eine kurze Verschnaufpause 53,9 Mio. Tonnen und die Ertragssituation der im langfristigen Wachstumstrend handelte. Großunternehmen sorgte zusätzlich für Nach den Olympischen Spielen, so die Euphorie. Dem chinesischen Stahlverband überwiegende Meinung damals, würde die CISA zufolge, erhöhten die 71 größten Industrieproduktion wieder voll anlaufen und Stahlunternehmen ihre Umsätze um 42% und größere Bau- und Investitionsprojekte würden steigerten ihre Reinerlöse um 26%. wieder aufgenommen. Expansion war das Wort der Stunde. Zu Tode betrübt – Die Entwicklung seit Schon im späten Frühjahr – als sich die August Wirtschaftspolitik noch mit aller Kraft gegen die Gefahren galoppierender Inflation und wirtschaftlicher Überhitzung stemmte – Die erwartete Belebung blieb aus. mehrten sich aber bereits die Anzeichen Stattdessen beschleunigte sich der einer drohenden Abkühlung. Diese wurden Preisverfall nach Abschluss der Olympischen jedoch durch Sondereffekte, wie den mehrere Spiele weiter. Die Folgen der internationalen Wochen anhaltenden Kälteeinbruch, der zu Finanzkrise hatten China erreicht. Alle Beginn des Jahres 2008 weite Teile bedeutenden Stahlabnehmer, wie die Südchinas heimsuchte, das tragische Bauindustrie, die Fahrzeug- und Erdbeben in Sichuan am 12. Mai, dem über Schiffbauindustrie sowie die Hersteller von 88.000 Menschen zum Opfer fielen und die Elektro- und Haushaltsgeräten, litten Olympischen Spiele im August, deren zunehmend unter Absatzproblemen und Vorbereitungen bereits mehrere Monate im Umsatzrückgängen infolge sinkender Voraus die Wirtschaftsaktivität in Nordchina Exportnachfrage, der Kaufzurückhaltung bei beeinflussten, überlagert. heimischen Konsumenten und – wenn auch in deutlich geringerem Maße - sinkender Kaufkraft der chinesischen Endverbraucher. Mitte Mai kam der Wendepunkt am Der Stahlverbrauch sank infolgedessen chinesischen Automarkt. Die deutlich und die zunehmend pessimistischen Fahrzeugabsätze, die seit 2003 immer mit –2– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 Zukunftserwartungen für immer mehr großen und mittelgroßen chinesischen Industriezweige setzten die Stahlpreise Stahlhersteller zusammengerechnet einen zusätzlich unter Druck. Verlust in Höhe von 12,8 Mrd. Yuan (1,4 Mrd. Euro) eingefahren. Die 48 unrentablen Unternehmen haben insgesamt Verluste in Doch auch auf der Angebotsseite gab es Höhe von 14 Mrd. Yuan (1,5 Mrd. Euro) Probleme. Nach dem Ende der Olympischen ausgewiesen. Spiele nahm die Stahlherstellung in Nordchina wieder zu, da die angeordneten Produktionsbeschränkungen, welche Die Wende ? während der Veranstaltung für einen blauen Himmel sorgen sollten, ausliefen. Und noch Mitte November begann sich der Markt zu ein weiteres Phänomen beschleunigte den stabilisieren. Der Preisverfall, der die Preisverfall. Stahlhandelsunternehmen, die Stahlindustrie nach den Olympischen Spielen sich im Juni und Juli zu hohen Preisen auf breiter Front getroffen hatte, war vorerst eingedeckt hatten und mit ansehen musste, zu Ende. Langsam zwar, aber kontinuierlich wie ihre Ware von Tag zu Tag an Wert verlor, erholten sich die Preise von ihren warfen ihre Bestände aus Angst vor weiteren Tiefstständen und gewannen bis zum Preisabschlägen massenweise auf den chinesischen Neujahrsfest Ende Januar Markt. Ab August brachen die Stahlpreise teilweise über 25%. Obwohl sich in der dann ungebremst ein: Bis Mitte November gleichen Zeit auch die internationalen um durchschnittlich 40% – bei einzelnen Stahlmärkte stabilisierten, war die Erholung in Langprodukten sogar deutlich mehr. China stärker ausgeprägt, als in einigen Nachbarstaaten. So wurde berichtet, dass die Obwohl auch die Märkte für Eisenerz, Koks Stahlimporte aus Kasachstan und der und andere wichtige Rohmaterialien der Ukraine seit Dezember deutlich zunahmen, Stahlerzeugung massive Preisrutsche weil das chinesische Preisniveau verzeichneten, litt die Rentabilität der zwischenzeitig höher lag. Diese Entwicklung Stahlindustrie erheblich unter der Krise. Die behinderte auch die Exporttätigkeit größten Verluste verzeichneten wieder vor chinesischer Stahl- und Walzwerke, denn die allem solche Unternehmen, die auf großen chinesischen Preise waren in einigen Lagervorräten teuer eingekaufter Rohstoffe früheren Zielmärkten nun plötzlich nicht mehr saßen. Die Wertminderung der konkurrenzfähig. Lagerbestände von Eingangsstoffen aber auch von Fertigprodukten belasten die Wird die Erholung des chinesischen Unternehmen stark. In den ersten elf Stahlmarktes weiter anhalten? Hat die Monaten des Jahres 2008 haben die 71 chinesische Stahlindustrie die Krise bereits –3– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  4. 4. 4 überstanden? Um diese Fragen beantworten sicherstellen würden, hellte die zu können, muss zunächst einmal geklärt Marktstimmung noch einmal deutlich auf. werden, welche Ursachen der Preiserholung zugrunde lagen. Natürlich kann der neuerliche Preisanstieg nicht allein mit zunehmendem Optimismus Die Trendwende am Stahlmarkt fällt mit der als Folge der angekündigten staatlichen Ankündigung des 4 Billionen Yuan (430 Mrd. Intervention erklärt werden. Stattdessen ging Euro) umfassenden Konjunkturpakets am 9. ein wesentlicher Impuls von den November zusammen. Als Reaktion darauf Stahlunternehmen selbst aus: Durch die breitete sich neuer Optimismus aus. Es hatte vorübergehende Stilllegungen von den Anschein, als ob das aktive Eingreifen Produktionskapazitäten kam es zu einer der Politik und die Vorstellung von deutlichen Angebotsverknappung, die den gigantischen staatlichen Abbau der Lagerbestände ermöglichte und Investitionsprogrammen den das weitere Abrutschen der Preisniveaus Marktteilnehmern neuen Mut einflößten. Aus verhinderte. In der Region Tangshan, einem Sicht der Stahlindustrie ist die gute Stimmung Schwerpunkt der chinesischen als Folge des Konjunkturpakets nur bedingt Stahlerzeugung, wurden schon ab gerechtfertigt, denn einiges spricht dafür, September große Teile der dass die unterstützende Wirkung geringer Produktionskapazitäten vorübergehend ausfallen könnte als zunächst erhofft – doch stillgelegt – zwischenzeitig sogar bis zu 70%. dazu später. Auch Baosteel fuhr die Stahlproduktion deutlich zurück und drosselte den Output von Edelstahl im Dezember sogar um 40%. Darüber hinaus mehrten sich seit Ende Zahlreiche Stahlwerke nahmen ihre Anlagen November Spekulationen über neue für vorgezogene oder verlängerte industriepolitische Leitlinien für die Wartungsarbeiten vorübergehend außer Stahlindustrie und acht weitere Betrieb. Infolge der Produktionsrückgänge Säulenindustrien, welche besonders hart von konnten die Lagerbestände bei Herstellern der Krise betroffen waren. Analysten und und Händlern abgebaut und das Marktteilnehmer diskutierten wochenlang Stahlangebot im Markt reduziert werden. über mögliche Unterstützungsmaßnahmen, wie z. B. die Einrichtung einer staatlichen Stahlreserve, und schürten damit neue Sowohl von Seiten der Politik, als auch von Hoffnungen. Die Erwartung, dass Seiten der Anbieter gingen Impulse zur industriepolitische Eingriffe den Überwindung des Preisverfalls aus. Die angeschlagenen Stahlerzeugern den Weg Nachfrageseite entwickelte sich jedoch aus der Krise weisen und ihr Überleben anhaltend schwach und eine Wiederbelebung –4– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  5. 5. 5 ist derzeit noch nicht in Sicht. Ein Blick auf Die chinesische Automobilindustrie schlägt die wesentlichen Stahlverbraucher in China sich gut – zumindest im Vergleich zu ihren zeigt auch Mitte Februar kein erfreuliches Konkurrenten in den USA, Europa und Bild. Japan. Obwohl die Autoverkäufe seit Dezember wieder anziehen, liegt das Absatzniveau noch immer deutlich unter dem Die Aktivität in der Bauindustrie hat seit dem Vorjahreswert. Im Januar: minus 7,8%. Sommer stark nachgelassen. Während der Außerdem verschiebt sich die Nachfrage zu Wintermonate ist sie in vielen Gegenden Gunsten preiswerter und sparsamer noch zusätzlich abgeschwächt. Die Kleinwagen. Für die Stahlindustrie sind das Attraktivität privater Bauinvestitionen hat schlechte Nachrichten, denn die benötigte infolge sinkender Immobilienpreise seit Ende Menge Stahl pro Fahrzeug ist bei diesen 2008 abgenommen. Nach Angaben der Modellen geringer. National Development and Reform Commission lagen die Preise in den 70 größten Städten des Landes im Januar 2009 In der Werftenindustrie stehen die Zeichen durchschnittlich 0,9% niedriger als im Vorjahr. noch immer auf Abschwung. So erwartet die Die Preise für Neuwohnungen fielen mit 1,4% Vereinigung der chinesischen sogar noch stärker. Auf Talfahrt befinden sich Schiffbauindustrie für das laufende Jahr die Preise für Neuwohnungen in einigen einen drastischen Einbruch bei Neuaufträgen. Ballungszentren, wie z. B. Shenzhen (- 16%) Analysten zufolge, könnte die oder Guangzhou (- 9%). Die Investitionen in Gesamtladekapazität der 2009 in Auftrag Ausbau und Verbesserung der landesweiten gegebenen Schiffe um bis 60% unter dem Infrastruktur werden allerdings starke positive Vorjahreswert liegen. Impulse setzen. Durch den Bau neuer Straßen, Schienenverbindungen und Die Elektronik- und Flughäfen sowie durch den Wiederaufbau der Haushaltsgerätehersteller stemmen sich durch das Erdbeben vom 12. Mai 2008 ebenfalls gegen den Abschwung. Bisher zerstörten Städte in Südwest China wird in wenig beachtete Berichte, wonach die den nächsten Monaten zusätzliche taiwanesischen Exporte aufs chinesische Stahlnachfrage generiert werden. Wegen der Festland im Dezember um 54% Zeitverzögerung bei der Projektumsetzung, eingebrochen sind, deuten auf eine massive ist jedoch frühestens ab Februar 2009 mit Schwäche der weltweiten Absatzmärkte für einer entsprechenden Zunahme der chinesische Computer und Nachfrage zu rechnen. Elektronikprodukte hin. Die Ursache dafür ist, dass es sich bei einem großen Teil dieser Lieferungen um Kernkomponenten, wie –5– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  6. 6. 6 Prozessoren und andere hoch entwickelte stattdessen eher von einer fortgesetzten Bauteile handelt, welche in den Schwächephase aus. Auf Dauer kann es Festlandsfabriken von Honhai und anderen nicht gelingen, die Markterwartungen allein taiwanesische Elektronikkonzernen in durch Spekulationen über zukünftige Laptops und andere Exportwaren verbaut Unterstützung von staatlicher Seite hoch zu werden. halten. Sollte es zu einer weiteren Verschärfung der Wirtschaftskrise in China kommen, wovon viele Analysten derzeit Konnten chinesische Stahlwerke die ausgehen, werden die aktuellen Preisniveaus anhaltend schwache Inlandsnachfrage durch nicht zu halten sein. Infolge anhaltend zusätzliche Exporte kompensieren? Die klare schwacher Inlandsnachfrage – angeheizt Antwort lautet: Nein. Die monatlichen durch Konsumzurückhaltung und Stahlausfuhren schrumpften durch die abnehmendem Wohlstand einiger Auswirkungen der internationalen Endverbraucher - und einbrechender Wirtschaftskrise von 7,7 Mio. Tonnen im Ausfuhren, besteht die Gefahr des August 2008 auf lediglich 1,9 Mio. Tonnen im Abrutschens in eine Deflation. Anzeichen Januar 2009. Das entspricht einem Rückgang einer solchen Entwicklung sind bereits seit von 75%! dem Herbst sichtbar. Die Indizes der Produzenten- und Konsumentenpreise Fazit: Die Suche nach Rettung auf der befinden sich im schnellen Sinkflug und Nachfrageseite - Inlandsnachfrage und steuern auf die Nulllinie zu. Eine Kontraktion Exportnachfrage - bleibt ergebnislos. Daher der Preise in China wäre auch für die dortige kann die beobachtete Erholung der Stahlindustrie eine Katastrophe. chinesischen Stahlpreise nur auf die Angebotsverknappung durch Auf der Angebotsseite mehren sich die vorübergehende Stilllegungen und auf Anzeichen für ein Wiederaufflammen der verbesserte Markterwartungen durch die Krise. Zahlreiche Unternehmen, die Teile angekündigten industriepolitischen ihrer Kapazitäten für einige Wochen oder Maßnahmen zurückgeführt werden. sogar Monate stillgelegt hatten, planen die Wiederaufnahme der normalen Produktion Ausblick nach dem chinesischen Neujahrsfest. Das Ende der Produktionszurückhaltung bedeutet Solange eine deutliche Belebung der auch das Ende der Angebotsverknappung, Stahlnachfrage im In- und Ausland ausbleibt, die sich in der Vergangenheit als erwarten wir in China bis zum Sommer keine unterstützend erwiesen hatte. Ein neuerlicher weiteren Preissteigerungen und gehen –6– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  7. 7. 7 Preisverfall am chinesischen Stahlmarkt Infrastrukturausbau vor allem Lang- und erscheint daher wahrscheinlich. Röhrenprodukte gebraucht werden. Hochwertige und technologieintensive Flachprodukte, wie Oberflächenveredelte Das Konjunkturpaket, das für soviel Bleche, werden darin deutlich weniger Optimismus gesorgt hat, könnte der Anwendung finden. Diese Feststellung deutet Stahlindustrie weit weniger helfen als auf einen weiteres Problem hin: Die erwartet. Berichten zufolge, soll der größte Produktion von Langprodukten, wie Teil des Konjunkturpakets, fast 3 Billionen Bewehrungsstahl oder Draht, ist Yuan (323 Mrd. Euro), bis 2010 dem Ausbau vergleichsweise weniger anspruchsvoll. der Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur Durch Ausweitung der Nachfrage in diesem zu Gute kommen. Sachinvestitionen dieser Produktsegment verfehlt die chinesische Art schaffen naturgemäß eine zusätzliche Wirtschaftspolitik ihr erklärtes Ziel, den Stahlnachfrage. Die entscheidende Frage ist: Einsatz von technologieintensiven wie groß wird sie ausfallen? Eine Möglichkeit Herstellungsverfahren zu fördern. Es besteht zur groben Schätzung des zusätzlichen auch die Gefahr, dass kleine und mittelgroße Stahlverbrauchs basiert auf der Stahlwerke mit veralteten Stahlintensität der Nachfrage. Diese erhält Produktionsanlagen, die eigentlich vom Markt man, in dem man die Sachinvestitionen zum verdrängt werden sollten, ein Rettungsring tatsächlichen inländischen Stahlverbrauch ins zugeworfen wird. Schließlich haben alle Verhältnis setzt. Für China im Jahre 2008 führenden Großunternehmen ihre ergibt sich daraus, dass pro einer Million Produktpaletten in den letzten Jahren zu Tonnen Stahlverbrauch, Sachinvestitionen im Gunsten von hochwertigen Flachprodukten Wert von durchschnittlich 33 Mrd. Yuan (3,5 aufgewertet und eine möglichst hohe Flach- Mrd. Euro) getätigt werden mussten. Auf Lang-Quote angestrebt. dieser Grundlage lässt sich leicht ein möglicher Stahlverbrauch von etwa 90 Mio. Tonnen ermitteln, der durch das Die neue Leitlinie für die Entwicklung der angekündigte Investitionsprogramm bis Ende Stahlindustrie ist nach monatelangen 2010 realisiert werden könnte. Beratungen Mitte Januar „vom Grundsatz Selbstverständlich steht außer Frage, dass her“ verabschiedet worden. Die diese Art der Ermittlung nur ein sehr grobes Veröffentlichung wiederholt die bereits aus Bild liefern kann. der Stahlpolitik von 2005 bekannten Positionen zu Themen wie Stilllegung veralteter Anlagen oder der Beschränkung Betrachtet man die geplanten von Neuprojekten und enthält in der Investitionskategorien etwas genauer, fällt ursprünglichen Form keine nennenswerten auf, dass für den angestrebten –7– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  8. 8. 8 Neuerungen. Konkrete Angaben darüber, auf aber nur mit einem Jahresverbrauch von 500 welche Weise die Regierung die seit langem Mio. Tonnen gerechnet. Sollten diese bekannten Zielsetzungen erreichen will, Kalkulationen Realität werden, würde das fehlen ebenso wie Hinweise darauf, wie die einen Auslastungsgrad chinesischer krisengeschüttelten Stahlindustrie unterstützt Stahlwerke von nur 76% bedeuten! Zum werden soll. In der Mitte Januar bekannt Vergleich: Die deutsche Stahlindustrie gewordenen Form bietet die neue Leitlinie erreichte in den vergangenen Jahren leider keine Anhaltspunkte, die auf eine Auslastungsgrade von über 90%! Neuausrichtung der Industriepolitik hindeuten. Nach Regierungsangaben handelt Noch mehr Pessimismus kommt von den es sich bisher nur um ein Grundgerüst, das Analysten bei World Steel Dynamics: Sie auf verschiedenen Ebenen weiter diskutiert rechnen 2009 mit einer fallenden und schrittweise mit konkreten Inhalten gefüllt Stahlproduktion in China von minus 13,9% werden wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegenüber 2008. Stellt man diesen Wert den erscheinen die optimistischen Erwartungen Kapazitätsschätzungen des State Information im Vorfeld der Veröffentlichung eher Centers gegenüber, ergibt sich ein wahres unbegründet. Schreckensszenario. Auch wenn sich die chinesischen Behörden Ob es tatsächlich dazu kommt, entscheidet mit der Ausgestaltung ihrer Industriepolitik sich in den kommenden Monat durch die noch mehr Zeit lassen wollen, die konkrete Ausformung von Konjunktur- und Stahlbranche befindet sich schon jetzt in Industriepolitik einerseits und der Entwicklung einer tiefen Krise. Li Yizhong, der Minister für der chinesischen Stahlverbraucher in Bau-, Industrie und Informationstechnologie, hat Automobil-, Schiffbau und Anfang Dezember die gesamte aktuelle Haushaltsgeräteindustrie andererseits. Der Produktionskapazität auf 600 Mio. Tonnen zweite Punkt – der wichtigere von beiden - geschätzt. Bei einer erwarteten Produktion setzt eine große Zahl zahlungskräftiger und von 490 Mio. Tonnen bleiben mehr als 100 konsumbegeisterter Endverbraucher voraus. Mio. Tonnen Überkapazitäten. Um diese Bedingungen zu schaffen, wird sich die Wirtschaftspolitik einiges einfallen lassen Da die Sachinvestitionen der Stahlindustrie müssen. aber schon seit 2006 wieder ansteigen, kann mit einer weiteren Zunahme gerechnet werden. So geht das State Information Center für 2009 von einer Rohstahlkapazität von 650 Mio. Tonnen aus. Gleichzeitig wird –8– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting
  9. 9. 9 THINK!DESK China Research & und Branchendaten sowie Experten vor Ort. Consulting ist spezialisiert auf die Beratung In Shanghai verfügen wir über ein erprobtes von Unternehmen, die einen Marktzutritt in deutsch-chinesisches Partner-Team. Auch China planen oder bereits seit vielen Jahren unsere nicht-chinesischen Mitarbeiter im „Reich der Mitte“ tätig sind und sprechen die Landessprache mitunter Möglichkeiten für einen Marktausbau suchen. verhandlungssicher. Ausführliche Darüber hinaus führt THINK!DESK China Informationen zu THINK!DESK China Research & Consulting im Auftrag Branchen- Research & Consulting sowie eine Reihe von und Industriestudien durch, erstellt kostenlosen Publikationen erhalten Sie auf Prognosen und Szenarioanalysen zu unserer Website unter www.thinkdesk.de ökonomischen und politischen Trends in China sowie gesamtwirtschaftliche China- Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu Analysen. Das erklärte Ziel von THINK!DESK unserem aktuellen Standpunkt? China Research & Consulting ist es, seine Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Verfügung! Kunden sowohl mit fundierter und erprobter Beratung als auch streng praxisorientierter Wissenschaft zu unterstützen. Das deutsche THINK!DESK Team von THINK!DESK China Research & China Research & Consulting Consulting verfügt über 20 Jahre Erfahrung in chinabezogenen Beratungs- und Prof. Dr. Markus Taube Forschungsprojekten. Ein entsprechend taube@thinkdesk.de intensiver Zugang besteht u.a. zu chinesischen Regierungseinrichtungen, Lieferanten von monatsaktuellen Industrie- –9– © 2008 THINK!DESK China Research & Consulting

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