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Sustainable Development bei ökonomischen
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Chinas leidende Umwelt und die Verantwortung ausländischer Unternehmen - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 9

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Auch wenn kein chinesisches Unternehmen
behaupten würde, dass es bei seinen Aktivi­
täten nicht Rücksicht auf die Umwelt nehmen würde, so fällt die tatsächliche Imple­mentierung eines Sustainable Development-Gedankens dem potenziellen schnellen Reichtum rasch zum Opfer. Kaum ein Unter­nehmer berücksichtigt bei seiner Investitionsentscheidung den Einfluss seiner Tätigkeit auf die drei Säulen des „Sustainable Deve­lopments“, also die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen seiner Umge­bung. In diesem Jahr hat eine Umfrage des WWF (1) unter den 182 größten chinesischen Unternehmen ergeben, dass, „while one group of companies takes environmental is­sues seriously and is proactive, a large group could almost be described as hostile to environmental issues and do not even want to engage in discussions. 39% of respondents said
‘many’ or ‘very many’ Chinese companies were breaking the law, and 57% said com­panies were trying to lower standards.”

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Chinas leidende Umwelt und die Verantwortung ausländischer Unternehmen - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 9

  1. 1. 24.01.2006 THINK!DESK „China Standpunkt“ Nr. 9 Chinas leidende Umwelt und die Verantwortung ausländischer Unternehmen Auch wenn kein chinesisches Unternehmen Sustainable Development und/oder Corpo­ behaupten würde, dass es bei seinen Aktivi­ rate Social Responsibility, die in der Regel täten nicht Rücksicht auf die Umwelt nehmen auch in China umgesetzt wird – keines dieser würde, so fällt die tatsächliche Imple­ Unternehmen kann es sich schließlich leisten, mentierung eines Sustainable Development- sich nachsagen zu lassen, aus umweltpoli­ Gedankens dem potenziellen schnellen tischen Gründen nach China zu „fliehen“. Die Reichtum rasch zum Opfer. Kaum ein Unter­ Auswirkungen einer Investition auf die Um­ nehmer berücksichtigt bei seiner Investitions­ welt, das soziale und das ökonomische Um­ entscheidung den Einfluss seiner Tätigkeit feld werden also mitunter von dem auslän­ auf die drei Säulen des „Sustainable Deve­ dischen Unternehmen selbst genau beobach­ lopments“, also die wirtschaftlichen, sozialen tet. Das Interesse gilt dabei nicht nur den und ökologischen Bedingungen seiner Umge­ durch die Investition entstehenden un­ bung. In diesem Jahr hat eine Umfrage des mittelbaren Effekten (wie zum Beispiel der WWF (1) unter den 182 größten chinesischen Schaffung von Arbeitsplätzen am Standort) Unternehmen ergeben, dass, „while one sondern auch den indirekten Effekten (wie group of companies takes environmental is­ zum Beispiel der Gründung neuer Unter­ sues seriously and is proactive, a large group nehmen entlang der Wertschöpfungskette could almost be described as hostile to envir­ und deren Auswirkungen wiederum beispiels­ onmental issues and do not even want to en­ weise auf die unmittelbare Umwelt usw.). gage in discussions. 39% of respondents said Neben den direkten und indirekten Aus­ ‘many’ or ‘very many’ Chinese companies wirkungen ausländischer Direktinvestitionen were breaking the law, and 57% said com­ ist jedoch ein dritter Effekt von möglicher­ panies were trying to lower standards.” weise noch größerer Bedeutung in einem Gleichzeitig sind Investitionen ausländischer China, dessen Wirtschaftskraft noch fragil, Unternehmen an teils strenge Umweltauf­ dessen Wirtschaftswachstum hingegen stabil lagen gebunden. Zum großen Teil verfügen erscheint: Die Übertragung des Sustainable insbesondere die global agierenden Unter­ Development-Gedankens selbst auf nehmen bereits über eine unter­ chinesische Unternehmen! Kaum ein nehmensinterne Agenda zum Thema chinesisches Unternehmen ist mit diesem
  2. 2. 2 Konzept vertraut und kennt die Vorteile, die machenden und vielfach tödlichen Tribut (2). sich bereits kurzfristig durch seine Imple­ Und die chinesische Regierung, die mentierung ergeben können. Zwar kommen chinesische Presse, sie schweigen in der die meisten industriell bedingten Umweltkata­ Regel, solange sich die Katastrophe eben ge­ strophen in China nie ans Licht der Öffentlich­ rade noch verheimlichen lässt. Der Unfall am keit, doch wird die chinesische Regierung Sunghua-Fluss ließ sich aufgrund seiner immer häufiger zu hartem Durchgreifen ge­ Dimension und der internationalen Implika­ zwungen – denn angesichts ihrer gewaltigen tionen allerdings nicht mehr verbergen, und Dimensionen lassen sich einige Katastrophen so wurden der öffentliche Druck und der schlichtweg nicht mehr unter den Teppich Druck der Zentralregierung auf die Verant­ kehren. wortlichen der Katastrophe im Unternehmen und in den Lokalregierungen immer größer. Als beim spektakulärsten Fall der sich nahe­ Der Vize-Bürgermeister von Harbin, Wang zu monatlich ereignenden Chemieunfälle in Wei, der die Explosion tagelang China am 13. November 2005 in Jilin eine verschwiegen hatte, wurde inzwischen tot in Fabrik der staatlichen China National Petrole­ um Corp. explodierte und den Abb.: Der durch die Explosion einer Chemiefabrik in Jilin verschmutze Sunghua-Fluss Sunghua-Fluss mit einem 80 Ki­ lometer langen hochgiftigen Benzolteppich verseuchte, schwieg China zunächst. Hundert Tonnen Benzol und Ni­ trobenzol im Flusswasser führten dazu, dass in Millionenstädten wie Harbin die Trinkwasserver­ sorgung tagelang abgestellt werden musste. Und dabei ist dieser Fall nur einer der spekta­ kulärsten der vergangenen Mo­ nate: Von den regelmäßigen Chemieunfällen in kleineren Quelle: China Photos/Getty Images Städten oder auf dem Land, in deren Zuge nicht nur die Lebensgrundlage seinem Haus aufgefunden – es wird vermu­ von Millionen von Menschen gefährdet, son­ tet, dass er Selbstmord begangen hat. dern häufig sogar grundlegend zerstört wird, erfahren meistens nicht einmal die Betrof­ Die Fabrik der China National Petroleum fenen. Die Geschwindigkeit des Wirtschafts­ Corp. missachtete Sicherheitsstandards, die wachstums in China fordert hier auf Kosten offensichtlich ohnehin nicht der Rede Wert der Umwelt und der Menschen ihren krank­ waren. Die Konsequenzen werden im heu­ © 2006 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 tigen China die Verantwortlichen selbst weniger als bei einem chinesischen Unter­ tragen müssen – aber auch nur, da es sich nehmen mit den gleichen Produktionskapazi­ hierbei um einen der größten Chemieunfälle täten. Ein Novum für China dürften allerdings in der chinesischen Industriegeschichte die Sicherheitsstandards sein, die während handelte. Vor diesem Hintergrund können des Baus des „Verbunds“ und seines Be­ ausländische Unternehmen in China gemein­ triebs zur Anwendung kamen und kommen, sam mit zentralen Behörden durch die Ver­ und die sich nicht nur auf das Betriebsge­ mittlung des Sustainable Development Ge­ lände selbst beschränken, sondern auch die dankens einen großen Beitrag leisten, durch Vorproduzenten, Logistikunternehmen und den Katastrophen wie diejenige von Jilin Endabnehmer mit einbeziehen (siehe hierzu verhindert werden können. Die rechtzeitige auch ausführlich die von THINK!DESK China Implementierung hoher (westlicher) Si­ Research & Consulting sowie der Gesell­ cherheitsstandards im Rahmen eines schaft für Technische Zusammenarbeit Sustainable Development Konzeptes, wie wir (GTZ) erstellte Studie „The impact of foreign es nicht nur von multinationalen Unter­ direct investment of BASF in Nanjing, China nehmen kennen, hätte hier nicht nur zur on the sustainable development of the region“ schnellen Verwirklichung ökologischer, son­ (3)). dern auch monetärer Effekte geführt. Auf Die Notwendigkeit der Übertragung von diese Weise erreichen investierende Unter­ Sustainable Development-Konzepten selbst nehmen durch ihre ansonsten meist regional auf chinesische Unternehmen und die Ver­ begrenzten direkten und indirekten Effekten mittlung der Inhalte, der positiven Aspekte einer Investition zusätzlich sogar noch eine und der Chancen der daraus folgenden Im­ landesweite Wirkung! plementierung wird meist übersehen. Dabei Beispiele für die Implementierung hoher Si­ verfügen gerade die globalen Unternehmen, cherheitsstandards beim Bau und Betrieb die eben auch in China vertreten sind, über einer Chemie-Fabrik in China bietet das neue vielfach erprobte Konzepte, deren Über­ Werk von BASF in Nanjing. Die sozialen tragung einen wertvollen Beitrag für die Um­ Effekte, die von diesem Werk ausgehen, mö­ weltschutz in China (der letztendlich der gen geradezu enttäuschend sein, denn es ganzen Welt zugute kommt (4)) leisten werden bei einer Investition von 2,9 Mrd. US$ können. Leapfrogging in diesem Bereich nur etwas mehr als 1.000 Stellen geschaffen kann für China angesichts der bekannten und (und hier werden auch noch zu 90 Prozent unbekannten Belastung der Umwelt essentiell die Angestellten eines Betriebes des staatli­ sein. Und nicht nur für China allein: chen Joint-Venture Partners gleich aus der Chinesische Unternehmen investieren Nachbarschaft übernommen, die ansonsten zunehmend selbst im Ausland (vor allem ihren Arbeitsplatz verlieren würden). Selbst­ Südost-Asien). Umso dringender ist die verständlich wird auch durch dieses Werk die Erzeugung eines Verständnisses für die Be­ Umwelt belastet werden, wenn auch deutlich deutung von und eines Bewusstseins für © 2006 THINK!DESK China Research & Consulting
  4. 4. 4 Sustainable Development bei ökonomischen Aktivitäten. Es gilt einen Beitrag nicht nur zum nachhaltigen Wirtschaften durch auslän­ dische Unternehmen in China, sondern auch durch chinesische Unternehmen im Ausland zu leisten. Da die Geschwindigkeit des Wirt­ schaftswachstums in China und die Investi­ tionszuwächse chinesischer Unternehmen im Ausland weiterhin atemberaubend sind, Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu drängt die Zeit! unserem aktuellen Standpunkt? Zum Weiterlesen: Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur • Peng Lei ( 彭 磊 ), Baijin Long ( 龙 柏 金 ), Verfügung! Dennis Pamlin (2005): „Chinese com­ panies in the 21st century – Helping or destroying the planet? Corporate social responsibility and beyond”, WWF Interna­ THINK!DESK tional China Research & Consulting (http://assets.panda.org/downloads/chine secompaniesinthe21centuryfinal.pdf) Dr. Christian Schmidkonz • Georg Blume (2005): „Im Krebsdorf“, in 089 – 26 21 27 82 ZEIT.de (http://www.zeit.de/2005/51/Chi­ schmidkonz@thinkdesk.de na) www.thinkdesk.de • Sonja Kurz und Christian Schmidkonz (2005): „The impact of direct investment of BASF in Nanjing, China on the sustain­ able development of the region”, Studie für BASF-YPC Co. Ltd. (http://www.cor­ porate.basf.com/en/sustainability/oeko­ nomie/fdi/gtz- studie.htm?id=auCse8366bcp*T.) • Jared M. Diamond (2005): „Kollaps“, S. Fischer Verlag, Kapitel 12 © 2006 THINK!DESK China Research & Consulting

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