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China positioniert sich in Afrika – Ökonomische Ratio und politische Globalstrategie - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 21

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Mit Staunen nimmt die Welt derzeit zur Kenntnis, dass Afrika, der 'verlorene Kontinent', von einem neuen Liebhaber umschwärmt wird. China bemüht sich mit aller Macht um eine neue strategische Partnerschaft mit Afrika, die eine politische, ökonomische und auch militärstrategische Dimension aufweisen soll.

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China positioniert sich in Afrika – Ökonomische Ratio und politische Globalstrategie - THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 21

  1. 1. 20.12.2007 THINK!DESK CHINA STANDPUNKT Nr. 21 „China positioniert sich in Afrika – Ökonomische Ratio und politische Global- strategie“* von Prof. Dr. Markus Taube Mit Staunen nimmt die Welt derzeit zur Kenntnis, dass Afrika, der ‚verlorene Kontinent’, von einem neuen Liebhaber umschwärmt wird. China bemüht sich mit aller Macht um eine neue strategische Partnerschaft mit Afrika, die eine politische, ökonomische und auch militärstrategische Dimension aufweisen soll. Überraschen kann diese neue Liebschaft Führung in Beijing von vornherein klar eigentlich nicht. Afrika besitzt Erdöl und gestellt, dass es den Begriff der ‚rogue states’ Rohstoffe (Eisenerz, Kupfer, Platin, Holz, nicht kennt. Was die OECD-Staaten als etc.) sowie insgesamt 53 Stimmen in Menschenrechtsverletzungen, Korruption, supranationalen Organisationen wie z.B. der Klientelismus etc. geißeln, wird von Beijing UNO, die China benötigt, um seinen steilen als innere Angelegenheit betrachtet und hat Aufstieg in der Weltwirtschaft und der von daher keinen Einfluss auf die bilateralen globalen politischen Arena weiter Beziehungen. In dieser Logik einer voranzutreiben. Aber China ist auch für viele unkompromittierten direkten Ansprache der afrikanische Staaten attraktiv. Schließlich ist Entscheidungsträger stehen auch die der asiatische Emporkömmling bereit, den chinesischen Entwicklungshilfeleistungen, entscheidungstragenden Eliten in Afrika soft loans und Schuldenerlasse. Diese sind Anerkennung und Finanzmittel zu geben, die so strukturiert, dass sie in erster Linie den ihnen die OECD-Staaten mit ihren afrikanischen Eliten zu gute kommen, die Forderungen nach good governance, der ohne lästige Auflagen erfüllen zu müssen, an Einhaltung von Menschenrechten und Anti- neue liquide Mittel herankommen. Als Korruptionsmaßnamen bislang verweigert Gegenleistung kommen die semi-staatlichen haben. Investoren aus China bei den staatlich kontrollierten Erdölfeldern und Die chinesische Charme-Offensive gilt Rohstofflagerstätten Afrikas in den Genuss dementsprechend auch nicht den breiten von Lizenzen und Konzessionen, die anderen Bevölkerungsmassen, die zu erheblichen Akteuren verwehrt bleiben. Teilen noch immer in bitterer Armut leben, sondern richtet sich direkt an die Mit dieser kompromisslosen Fokussierung herrschenden Eliten. Dabei hat die politische von Diplomatie und entwicklungspolitischem
  2. 2. 2 Instrumentarium auf die Erdöl- und Abstimmungsverhalten afrikanischer Staaten Rohstoffversorgung des Landes, ist es China in supranationalen Gremien erlangt. gelungen, innerhalb weniger Jahre ein festes Es stellt sich die Frage, wie nachhaltig diese Standbein auf dem afrikanischen Kontinent Erfolge sein werden. Die einflussreiche Rolle zu errichten. Bereits heute wird ein Drittel des Chinas ist derzeit in erster Linie bei den chinesischen Erdölbedarfs aus afrikanischer Herrschaftseliten verankert. D.h. deren Förderung gedeckt, und stammen 15% der Befähigung, ihren Machtanspruch afrikanischen Ölexporte aus Quellen, die mit aufrechtzuerhalten, entscheidet letztlich auch chinesischer Kapitalbeteiligung erschlossen über den Zeitraum, über den hinweg China worden sind – beides mit steigender mehr oder minder ungestört seinen Einfluss Tendenz. in Staaten ausüben kann, mit denen der Während der chinesische Hunger nach Erdöl OECD-Raum aufgrund seiner good gerade bei steigenden Weltmarktpreisen den governance Forderungen keine echte afrikanischen Exporteuren signifikante Gesprächsbasis mehr besitzt. Gewinne in die Kassen spült, so bleibt doch Genau diese Machtbasis der herrschenden China der eigentliche Gewinner des Eliten könnte allerdings gerade durch das chinesisch-afrikanischen Techtelmechtels. sich massiv ausweitende wirtschaftliche China beherrscht die Geschehnisse. Gerade Engagement Chinas in Afrika ausgehöhlt die in OECD-Terminologie als ‚rogue states’ werden. Die von China mit Macht klassifizierten Erdölexporteure wie der Sudan vorangetriebene Erdöl- und und Angola haben sich bereits in eine Rohstoffexploration lässt das Gespenst der unmittelbare Abhängigkeit von China dutch disease, das Afrika zwischen den 70er begeben. Das Drohpotenzial einer und 90er Jahre im Griff hatte, wieder am Aussetzung chinesischer Entwicklungshilfe Horizont erscheinen. Durch den Aufbau von und Waffenlieferungen ist für deren exportorientierten Monostrukturen im politischen Eliten real, insofern diese Mittel Rohstoffbereich und daraus resultierenden nicht einfach durch andere Geber- bzw. realen Wechselkursaufwertungen besteht in Lieferländer substituiert werden können. vielen Staaten die Gefahr einer neuerlichen Die chinesische Charme-Offensive in Afrika Atrophie der gerade erst wieder offenbart sich so als eine überaus geschickte aufkeimenden einheimischen Industrie. Strategie. In einer nach Jahrzehnten Dieses Szenario wird derzeit noch weiter glückloser Entwicklungsdiplomatie der befördert durch die Praxis, chinesische OECD-Staaten weltpolitisch verwaisten Entwicklungshilfe zwar auf der politischen Region wird so das Fundament für die Ebene unkonditioniert zu vergeben, auf der langfristige Erdöl- und Rohstoffversorgung Geschäftsebene jedoch 70% aller durch der chinesischen Volkswirtschaft gelegt und chinesische Entwicklungshilfe finanzierten zudem signifikanter Einfluss auf das Bauprojekte an chinesische © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting
  3. 3. 3 Bauunternehmungen zu vergeben. Diese Prof. Dr. Markus Taube ist Gründungspartner Unternehmungen verdrängen somit aber von THINK!DESK China Research & Consul- nicht nur afrikanische Anbieter, sondern ting. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfah- bringen zudem noch ihre eigenen rung in der Analyse und Bewertung der Chi- Arbeitskräfte aus China mit. Gleiches tun im nesischen Volkswirtschaft. Zudem berät er Übrigen auch chinesische Industriebetriebe, Regierungen, internationale Verbände und die sich in Afrika niederlassen, um von hier Unternehmen bei Fragen u.a. zu Marktent- aus auf die amerikanischen und wicklung und Marktzutritt in China. Auch bei europäischen Märkte zu exportieren, die feste interkulturellen Fragestellungen wird er nicht Quoten für Direkt-Einfuhren aus China zuletzt, da er die chinesische Sprache perfekt erlassen haben. In Afrika profitieren von beherrscht, immer wieder zu Rate gezogen. diesen Projekte weder Unternehmen noch Arbeitskräfte. * Der Beitrag erschien zuerst als Gastkom- Das wirtschaftliche Engagement chinesischer mentar in der Börsen-Zeitung Nr. 240 vom Unternehmen in Afrika entpuppt sich somit 13. Dezember 2007. bei näherer Betrachtung als für den Industrialisierungsprozess wenig förderlich und für die Masse der afrikanischen Haben Sie Anregungen, Kritik oder Fragen zu unserem aktuellen Standpunkt? Bevölkerung kaum wohlfahrtssteigernd. Unsere Autoren stehen Ihnen gerne zur Tatsächlich dürfte oft genau der gegenteilige Verfügung! Effekt dominieren. Insgesamt scheint das chinesische Engage- ment in Afrika nicht dazu beizutragen, dort bessere, nachhaltige Entwicklungsprozesse THINK!DESK anzustoßen. Im Gegenteil – es steht zu be- China Research & Consulting fürchten, dass wenn der chinesische Liebha- 0700 – t h i n k d e s k ber wieder verschwunden ist, die OECD- Staaten erneut auf den Plan treten werden www.thinkdesk.de müssen, um ‚Trost’ zu spenden und von Neu- taube@thinkdesk.de em wirklich nachhaltige Entwicklungsprozes- se zu befördern. © 2007 THINK!DESK China Research & Consulting

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