Zukunft von Linked Media: Trends, Entwicklungen und Visionen
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Sandra Schön und Georg Güntner (2013). Zukunft von Linked Media: ...

Sandra Schön und Georg Güntner (2013). Zukunft von Linked Media:
Trends, Entwicklungen und Visionen. Band 6 in der Reihe der „Linked Media Lab Reports“, herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian Schaffert.

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Zukunft von Linked Media: Trends, Entwicklungen und Visionen Zukunft von Linked Media: Trends, Entwicklungen und Visionen Document Transcript

  • Das Kompetenzzentrum für Neue Medien, SalzburgNewMediaLab – The Next Generation (SNML-TNG)arbeitet unter der Koordination der Salzburg ResearchForschungsges.m.b.H. daran, digitale Inhalte zu personali­sieren, für alle auffindbar zu machen und nachhaltig zunutzen: Dazu werden Informationen auf der Ebene derInhalte (Linked Content), der stukturierten Daten (LinkedData) und der sozialen Interaktion (Linked People)verknüpft. Für die dadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „LinkedMedia“ gewählt. SNML­TNG ist ein K­Projekt im Rahmen des COMET­Programms(Competence Centers for Excellent Technologies, www.ffg.at/comet) und wird gefördertaus Mitteln des BMWFJ, des BMVIT und des Landes Salzburg.Homepage: www.newmedialab.at© Salzburg NewMediaLab – The Next Generation Mai 2013Dieses Buch ist auch gedruckt erhältlich: ISBN 978­3­902448­36­1Sandra Schön und Georg Güntner:ZUKUNFT VON LINKED MEDIA:Trends, Entwicklungen und Visionen.Band 6 der Reihe „Linked Media Lab Reports“,herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner und Sebastian SchaffertVerlag und Herstellung: Salzburg Research, SalzburgUmschlaggestaltung: Daniela Gnad, Salzburg ResearchBibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d­nb.de abrufbar.
  • VorwortDas Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 alsDenkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und denBetreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklungund Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsammit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei vonBeginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt.In der Laufzeit des aktuellen „Salzburg NewMediaLab – The Next Generation“steht eine Fortentwicklung der Verknüpfung und Verwendung von Linked­Data­Prinzipien für multimediale Inhalte auf dem Programm. Durch die Nutzungverfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietet sich Unternehmendamit die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungen hinaus zuverknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierter Inhalte zureduzieren.Die Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Linked­Media­Konzepts nehmen dabeiunter der Koordination der Salzburg Research Forschungsgesellschaft führendeösterreichische Medienunternehmen (ORF, Red Bull Media House, Salzburg AGund Salzburger Nachrichten, Der Standard) und Softwarehäuser (mediamid,Semantic Web Company, TECHNODAT) ein. Sie werden wissenschaftlich begleitetvon Forschungseinrichtungen im Bereich der Multimedia­Technologien, desSemantic Web und der sozialen Medien (Studiengang MultiMediaTechnology derFH Salzburg, Semantic Technology Institut der Universität Innsbruck, SalzburgResearch).Die konzeptionellen und technologischen Arbeiten des Salzburg NewMediaLabumfassen einen Beitrag zur Entwicklung von Unternehmen, die sich des Wertsihrer Daten bewusst sind, die einen Mehrwert für ihre Geschäftsprozesse darinsehen, dass isolierte Datenquellen untereinander verknüpft werden, die Daten ausdem World Wide Web und anderen externen Quellen akzeptieren und annehmen,die aber auch einen Schritt weiter gehen und ihrerseits Datenquellen für dieVerwendung im Daten­Web zur Verfügung stellen. Diese Herangehensweisestellt ­ unabhängig von ihrer technischen Realisierung – eine wesentliche Voraus­setzung für die Entwicklung von „Open Semantic Enterprises“ nach einer Visiondes Analysten und Linked­Data­Experten Michael K. Bergman1.Wir hoffen, mit diesem sechsten Band der „Linked Media Lab Reports“ eineninspirierenden Ausblick in die Zukunft von Linked Media und gleichzeitig auchIdeen für den Weg zum „Open Semantic Enterprise“ zu geben.1Michael K. Bergmann: „Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise“ -http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/(2013-02-28)
  • Auch im Namen von Sandra Schön bedanke ich mich dabei herzlich bei allen, diesich an der Erstellung dieses Reports beteiligt haben, indem sie bei den Live­ oderOnline­Wetten teilgenommen haben, als Jury­Mitglied den weiteren Verlauf derWetten beobachten, indem sie in den Workshops Aussagen entwickelt undVisionen formuliert haben oder indem sie die Zwischenergebnisse später kritischkommentierten.Wir hoffen, unsere Einschätzungen inspirieren auch Ihre Pläne und Arbeiten!Georg Güntnerwww.newmedialab.atZentrumsleiterMai 2013
  • InhaltsverzeichnisEinleitung und Hintergrund........................................................................... 7Von Multimedia im Web zu „Linked Media“.............................................7Das Linked-Media-Konzept: Eine Konkretisierung.................................... 8Highlight: Apache Marmotta.................................................................. 10… und wie geht es weiter?......................................................................10Unser Vorgehen........................................................................................... 13Zukunft von Technologien...................................................................... 13Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3Ts BET“...................13Vorbereitung: Formulierung von Wettaussagen ....................................14Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3Ts SEE“...17Ausarbeitung von Visionen.....................................................................19Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monate......................21Die zwölf Thesen und ihre Bewertung.................................................... 21Unterschiede zwischen Live- und Online-Wette..................................... 27Was passiert (wahrscheinlich) wann? ....................................................27Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre.....................................29Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- undTechnologie-Unternehmen.......................................................... 29Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Medienunternehmen...30Trends und Entwicklungen aus Perspektive der Forschung....................31Trends und Entwicklungen aus Perspektive von Behörden.....................33Trends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innen......34Zwei Visionen unter der Lupe...................................................................... 37Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werdenangeboten................................................................................... 37Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise-Daten mit Webdaten sind etabliert..............................................40Diskussion.................................................................................................... 43
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenEINLEITUNG UND HINTERGRUNDVon Multimedia im Web zu „Linked Media“Das Kompetenzzentrum für neue Medien wurde beginnend mit dem Jahr 2000 alsDenkfabrik für innovative Konzepte und Lösungen für die österreichische Medien­und Content­Industrie aufgebaut und bietet seitdem Technologieführern und denBetreibern fortschrittlicher Internet­Plattformen eine Heimat zur Entwicklungund Erprobung innovativer Informationssysteme und ­architekturen. Gemeinsammit führenden Vertretern der Medien­ und Content­Industrie wurden dabei vonBeginn an konkrete Lösungen entwickelt und erfolgreich umgesetzt.Seit der Gründung 2000 haben sich die Fragestellungen des Salzburg NewMedia­Lab mit der technologischen Entwicklung des Internets stark verändert: Ging es inder Anfangsphase noch vorwiegend um die Trennung von Inhalt und Layout imOnline­Bereich, so ermöglichten es die ab 2003 aufkommenden Technologien desSemantic Webs erstmals die Bedeutung von Inhalten auch für Computerpro­gramme begreifbar zu machen. In dieser Zeit arbeitete das Salzburg NewMedi­aLab an der Entwicklung intelligenter Inhalte, die sich ihrem jeweiligen Verwen­dungsbereich automatisch anpassen. Seit dem Jahrtausendwechsel hat die Mengean textuellen und multimedialen Informationen sowie die Zahl der Verknüp­fungen zwischen digitalen Inhalten und den mit ihnen interagierenden Personenim Web enorm zugenommen. Dadurch entstanden weitere neue Anforderungenund Chancen an die Medien­ und Content­Industrie.Unter dem Schlagwort „Linked Media“ (verlinkte Medien) tritt das Kompetenz­zentrum ab 2010 für ein neuartiges Konzept digitaler Informationen ein, das aufder Verknüpfung von Inhalten, von strukturierten Daten und von Personen bzw.auf deren Interaktion mit den Inhalten beruht. In unserem ersten Band der LinkedMedia Lab Reports, dem Whitepaper zu Linked Media, haben wir folgende Abbil­dung 1 und Beschreibung erstellt (vgl. Bauer u.a. 2011):Neben der Vernetzung von Personen und ihrer Aktivitäten (Linked People) undVerknüpfung von Inhalten (Linked Content) hat sich eine weitere Initiativegegründet, die sich auf die Verknüpfung von strukturierten Daten – und in dieserForm auch mit Hintergrundwissen – spezialisiert hat (Linked Data). Für diedadurch entstehende Form von Inhalten wurde der Begriff „Linked Media“gewählt.7
  • Einleitung und HintergrundDas SNML­TNG hat sich in seinem Forschungsprogramm zum Ziel gesetzt, dievorgestellten technologischen Entwicklungen im Internet, eben der Verknüpfungvon Personen, Inhalten und Daten, in unterschiedlichen Kontexten zu untersu­chen und deren Potential darin zu demonstrieren. Das Kompetenzzentrum unter­sucht die genannten Aspekte aus sozio­ökonomischer und technischer Perspek­tive und stützt sich dabei auf Ergebnisse aus den Forschungsgebieten SocialComputing, Semantic Web und Annotation von Multimediadaten.Das Linked-Media-Konzept: Eine KonkretisierungWährend der Arbeiten zu Linked Media hat sich eine deutliche Konkretisierungergeben. Sprechen die Beteiligen am SNML­TNG heute von „Linked Media“beziehen sie sich auf Folgendes:Auf der konzeptionellen Ebene verstehen sie unter dem „Linked­Media­Kon­zept“ die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien auf multimediale Inhalte bzw.deren Fragmente.Dieser Ansatz ist in den Linked-Media-Prinzipien festgehalten2:Die erste Zielsetzung der Linked­Media­Prinzipien ist die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien um Updates nach dem REST­Prinzip. Bislang ist Linked Data nurlesbar („read­only“) und soll also nun aktualisierbar werden. Diese Erweiterung2www.newmedialab.at/LinkedMediaPrinciples (2013-02-28)8
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionenist dabei vollständig rückwärts­kompatibel, d.h. jeder Linked­Media­Server istauch ein Linked­Data­Server.Die zweite Zielsetzung ist die Erweiterung der Linked­Data­Prinzipien fürjedwede Inhalte mit Hilfe von MIME Mapping bzw. dem Content­Typ „rel“. Bislangwird bei Linked Data mit dem „GET Request“ zwischen der RDF­Darstellung undeiner von Menschen lesbaren Repräsentation unterschieden, es wird entweder dieURL für die RDF­Repräsentation oder die URL für die lesbare HTML­Versionverwendet. In unserem Ansatz wird das Prinzip erweitert, sodass unterschied­liche Formate, basierend auf dem MIME­Prinzip, genutzt werden können undtrotzdem weiterhin zwischen Content und Metadaten unterschieden werdenkann. Die wesentliche Idee ist dabei, die Ressourcen­URL auf eine neue Weise zuschreiben.Auf der technologischen Ebene gibt es mit dem Linked Media Framework3(LMF) eine Referenz­Implementierung, die Linked­Media­Prinzipien verwendet.Das Linked Media Framework ist eine Server­Anwendung, die zentrale Semantic­Web­Technologien bündelt, um entsprechend fortschrittliche Services anzubieten.Die Anwendung basiert auf drei Open Source Frameworks:• Apache Marmotta (siehe den folgenden Abschnitt) stellt die Linked DataPlatform Funtionalitäten bereit.• Apache Stanbol4unterstütz die Extraktion und Anreicherung von Inhalten.• Apache Solr5stellt die Indizierungskomponente zur Verfügung.Darüber bietet das Linked Media Framework Komponenten zur Unterstützungund Umsetzung der semantischen Suche, des Linked Data Cachings, des Reaso­nings (automatischen Schlußfolgern), der Textklassifizierung, der Versionierungund einen einfachen SKOS­Editor. Detailinformationen zum Linked Media Frame­work sind auf der Projekt­Website verfügbar.Folgende Szenarien lassen sich mit dem Linked­Media­Frameworks derzeithervorragend umsetzen:• Veröffentlichung von Altdaten, beispielsweise Datensätze als CSV, Excel, XMLoder ähnlichem, als Linked Data.• Semantische Suchen zu den eigenen Daten entwickeln, indem die eigenenDaten durch Inhalte aus der Linked Data Cloud angereichert werden.• Analyse und Verknüpfung von Inhalten auf der Basis der Inhalte des Daten­Webs, seien dies öffentlich im Internet zugänglich oder sei es, dass sie Infor­mationsquellen innerhalb eines Unternehmens repräsentieren.Ausführliche Hilfestellungen und die Software finden sich dazu jeweils unter denin den Fusszeilen angeführten URL auf den Seiten des NewMediaLabs.3http://www.newmedialab.at/LMF (2013-02-28)4http://stanbol.apache.org/ (2013-02-28)5http://lucene.apache.org/solr (2013-02-28)9
  • Einleitung und HintergrundAuf der Anwendungsebene bedeutet das Linked­Media­Prinzip also Folgendes:Wir unterstützen semantische Suche in (Multimedia­) Repositories, Multimedia­annotation und das Linked Data Publishing von Enterprise­Daten (Triplifizierung)als Ausprägungen eines Enterprise­Information­Integration­Ansatzes, der multi­mediale (unstrukturierte) Inhalte einschließt.Durch die Nutzung verfügbarer Wissensquellen und des sozialen Kontextes bietetsich Unternehmen die Chance, ihre Inhalte über verschiedene Anwendungenhinaus zu verknüpfen und den Kostendruck bei der Entwicklung personalisierterInhalte zu reduzieren.Highlight: Apache MarmottaDas Linked Media Framework des Salzburg NewMediaLabs stößt auch bei denOpen­Source­Entwicklern auf große Resonanz. Bald werden Teile daraus unterdem Namen „Apache Marmotta“ als Teil der Infrastruktur der Apache SoftwareFoundation fest installiert sein.Das Ziel von Apache Marmotta ist es, „eine offene Implementierung für eine Lin­ked­Data­Plattform6anzubieten, die von Organisationen, die Linked Data veröf­fentlichen oder Anwendungen zu Linked Data entwickeln möchten, einfachgenutzt, erweitert und angepasst werden kann“ (eig. Übersetzung, Homepage vonApache Marmotta7). Das Salzburg NewMediaLab freut sich darüber, dass mitdieser Übernahme ihrer Entwicklungen in die Apache­Infrastruktur die Qualitätund Innovativität ihrer Arbeit Anerkennung findet.… und wie geht es weiter?So wie wir in den letzten Jahren die Linked­Media­Prinzipien und das Linked­Me­dia­Framework (weiter­) entwickelt haben, sind auch zukünftige Entwicklungenzu Linked Media zu erwarten.Wie geht es mit Linked Media weiter? Was wird sich wie entwickeln? WelcheTrends sind wahrnehmbar, welche kurzfristigen Entwicklungen gibt es, welcheVisionen gibt es – und wie könnten sie realisiert werden? Dabei geht es natürlichnicht allein um technische Fragestellungen, sondern auch um den Kontext: Wie6Apache Marmotta setzt die Empfehlung einer Arbeitsgruppe des World Wide WebConsortums (W3C) um, in der die Eigenschaften einer “Linked Data Platorm” defniertwerden. Die “Linked Data Platorm Working Group” des W3C (http://www.w3.org/2012/ldp/) defniert die Prinzipien eines Linked Data Servers, der Lese- und Schreib-Ope-rationen nach den Linked Data Prinzipien ermöglicht. (2013-02-28)7http://marmotta.incubator.apache.org/ (2013-02-28)10
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionenentwickeln sich und reagieren Märkte, Unternehmen, die Öffentlichkeit auf dieEntwicklungen zu Linked Media?Auf solche Fragen zur Zukunft von Linked Media versuchen wir in diesem 6. Bandder Linked Media Lab Reports Antworten zu finden. In der letzten Phase desSNML­TNG haben wir uns dazu systematisch Gedanken über die zukünftigenEntwicklungen zu den Konzepten und Technologien von Linked Media gemacht.Im nächsten Abschnitt möchten wir dazu zunächst die unterschiedlichenVerfahren vorstellen, die dabei zum Einsatz kamen. In den weiteren Kapitelnstellen wir dann unsere Ergebnisse und Erwartungen zu den kurz­ und mittelfris­tigen Entwicklungen vor. Abschließend stellen wir auch zwei Visionen vor, diesich mit Apache Marmotta und der erfolgreichen Implementierung von Linked­Media­Prinzipien in Unternehmen beschäftigen.11
  • Einleitung und Hintergrund12
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenUNSER VORGEHENWie geht es weiter? Linked­Media­Technologien unterlagen in den letzten Jahreneinem starkem Wandel, und werden sich absehbar auch zukünftig wandeln. Dochwie kann man Aussagen darüber erhalten, was zukünftig passiert?In diesem ersten Abschnitt beschreiben wir das Vorgehen bei unserem Vorhaben,Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen zu erhalten.Zukunft von Technologien„Zukunftsforschung“ heißt die junge Disziplin die versucht, auch im Bereich derTechnologien, Aussagen über zukünftige Entwicklungen zu erhalten.Dazu werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Bei vielen Methoden derZukunftsforschung wird auf das Wissen von Expertinnen und Experten gesetzt.Ihre Meinungen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und die Effekte, die durchden Austausch und durch Aggregation ihrer Aussagen entstehen, werden alswesentlich dafür erachtet, gute Einschätzungen zukünftiger Entwicklungen zuerhalten (Schön & Markus 2011). Andere Verfahren verwenden historische, alsobisherige Daten um daraus zukünftige Entwicklungen zu berechnen.Alle Methoden schließen von aktuellen auf zukünftige Fälle (induktive Schlussfol­gerungen) und sind daher aus erkenntnistheoretischer Sicht kritisierbar. Ande­rerseits muss man bedenken, dass man bei eigenen und bei Handlungen von Orga­nisationen nicht umhin kommt, eine Zukunft vorwegzunehmen. Die Frage istdaher nicht ob, sondern nur wie man diese Zukunft vorwegnimmt: Intuitiv oderdoch einigermaßen systematisch.Wir haben uns für letzteres entschieden und stellen im folgenden die unterschied­lichen Verfahren vor, wie wir zu den Aussagen und Einschätzungen zur Zukunftvon Linked Media gekommen sind.Kurzfristige Vorhersagen mit Hilfe von Wetten: „L3Ts BET“Um kurzfristige Vorhersagen zu erhalten, haben wir Wetten zu ausgewähltenAussagen zur Zukunft von Linked Media abgeschlossen. Aus dem Wettverhaltenlassen sich Ableitungen auf mögliche mittelfristige Entwicklungen vornehmen(für die nächsten 6, 12 bzw. 18 Monate).Die Beobachtung von Wettverhalten bzw. das Verhalten auf Wettmärkten als eineMöglichkeit zu betrachten, Aufschlüsse über zukünftige Entwicklungen zuerhalten, hat eine erstaunlich lange Tradition. Mangels entsprechender Umfrage­ergebnisse wurden entsprechende Analysen der Quoten und des Wettverhaltensbei Wettbüros so in den USA schon nach dem Ende des Bürgerkrieges in derWahlprognose angewendet, wo sie erfolgreich zur Vorhersage des Ausgangs von13
  • Unser VorgehenPräsidentschaftswahlen eingesetzt wurde (vgl. Wolfers & Zitzewitz 2004, S. 1­2;Armstrong & Green 2006, S. 3; Zhao et al. 2008).Das im Folgenden vorgestellte Verfahren wurde für die Veranstaltung „L3T’swork8“, einem Expertentreffen zur Zukunft von Lern­ und Lehrmaterialien, entwi­ckelt. Das Verfahren „L3Ts BET“ (Schön & Ebner 2012, Ebner & Schön 2012)wurde dabei für das Vorgehen beim SNML angepasst. Da es nicht möglich war, imUntersuchungszeitraum alle SNML­Expertinnen und ­Experten an einen Ort zuversammeln, wurde es um eine Online­Wette erweitert.Ablauf im ÜberblickIm Folgenden stellen wir das Vorgehen vor. Eine Übersicht über die zeitlichenAblauf gibt die folgende Abbildung:Abbildung 3: Ablauf der WettenAm 30. Oktober 2012 wurden im Rahmen des SNML­Management­Board­Treffensauf Wettaussagen gesetzt. Aus dem Wettverhalten lassen sich Aussagen über dieEintreffenswahrscheinlichkeiten ableiten.Nach jeweils 6, 12 und 18 Monaten wird überprüft, ob die Wettaussagen einge­troffen sind oder nicht und entsprechend Punkte ausgeschüttet. Ob eine Wettaus­sage eingetroffen ist, bestimmt dabei eine unabhängige Jury.Vorbereitung: Formulierung von WettaussagenIn einem Workshop beim SNML Mitte Oktober 2012 wurden Aussagen formuliert,zu denen später die Wetten abgegeben werden konnten. Zwölf Aussagen wurdenso gesammelt. Es mussten Aussagen sein, bei denen zukünftig möglichst eindeutigeine Aussage zu tätigen ist, ob sie eingetreten ist oder nicht. Auch sollten es8http://l3t.eu/zukunft/?page_id=519 (2012-10-19)14
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenAussagen zu Entwicklungen sein, von denen (eher) anzunehmen ist, dass sie inden nächsten 18 Monaten eintreffen könnten.Bei den 12 Wettaussagen werden möglichst unterschiedliche Aspekte im Themen­feld angesprochen. Keine der Aussagen durfte bereits eingetroffen sein. Teilswurde in Anmerkungen ergänzt, wie das Eintreffen einer Aussage geprüft werdensoll bzw. welche Kriterien dazu genau erfüllt sein müssen.Spielregeln: Spielplan, Jetons, Ausschüttung und GewinneAm 30. Oktober 2012 wurden die 12 Aussagen vorgestellt und alle anwesendenSNML­Beteiligten wurden gebeten, ihre Jetons auf das Eintreffen der Ereignisse(in den nächsten 6 Monaten, 6 bis 12 Monaten, 13 bis 18 Monaten bzw. späteroder nie) zu wetten. Der Spielplan ist aus einem 2 mal 3 Meter großen grünen Filz.Abbildung 4: Eindrücke vom Setzen (aufgenommen bei L3T’s bet!, http://l3t.eu/zukunft)Dabei werden auch die Gewinnregeln vorgestellt: Die Expertinnen und Expertenerhalten jeweils 20 Jetons. Sie dürfen folgendermaßen setzen:• Bei jeder Aussage muss min. einmal gesetzt werden.• Bei jeder Aussage dürfen bis zu drei Jetons gesetzt werden. Auch auf unter­schiedliche Felder, z.B. zur „Risikostreuung“.Die Teilnehmer/innen können ihre Jetons platzieren und auch immer wieder neuarrangieren. Dabei ist es gewünscht, dass sie sich vom Verhalten der anderenbeeinflussen lassen und sich über die Wetten auszutauschen.Bestimmung einer JuryZum Prinzip von Prognosemärkten gehört es, dass immer klar ist, wie festgelegtwird, dass ein Ereignis eingetreten ist oder nicht, vor allem wenn keine (100%)objektiven Aussagen möglich sind, beispielsweise wie zu Aussagen „im Irakwerden bis zum 30.8. Massenvernichtungswaffen gefunden“. Gaspoz und Pigneur(2008) schlagen daher den Einsatz einer Jury und eine exakte Beschreibung desVerfahrens vor, auf welcher Grundlage später festgelegt wird, ob das Ereigniseingetreten ist oder nicht (u.a. Datengrundlage, Expertenjury, Fehlergenauigkeit,was passiert wenn Daten nicht veröffentlicht werden).15
  • Unser VorgehenMitglieder der Jury dürfen natürlich selbst nicht an den Wetten beteiligt sein. Andieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Jury­Mitglieder:• Mag. Wernher Behrendt (Salzburg Research)• Privat­Dozent Dr. Mario Döller (FH Kufstein)• Prof. Dr. Harald Kosch (Universität Passau)• Prof. (FH) Dr. Tassilo Pelligrini (FH St. Pölten)• Dr. Lyndon Nixon (STI International)Ausschüttung und GewinnermittlungNach 6, 12 und 18 Monaten bespricht sich die Jury um festzulegen, ob die Ereig­nisse eingetreten sind oder nicht. Im Vorfeld kann die Öffentlichkeit aufgerufenwerden, Hinweise zu sammeln. Darüberhinaus werden durch die Jury zu jede/rder Aussagen Recherchen (z. B. mit Google) vorgenommen, sofern keine Eviden­zen vorliegen, dass sie bereits eingetroffen sind. Findet kein Mitglied der Juryausreichende Evidenz, gilt die Aussage für diesen Zeitraum als nicht erfüllt.Die Auswertung ist denkbar einfach: Für jeden richtig gesetzten Jeton gibt es fünfPunkte für den Teilnehmer. Bei Setzfehlern kommt es zu folgenden Abzügen:• Wurde auf eine Aussage gar nicht gesetzt, gibt es fünf Punkte Abzug.• Wurden auf eine Aussage mehr als drei Jetons gesetzt gibt es für jedes darüberfünf, Punkte Abzug.Wer die meisten Punkte erhält, hat gewonnen. Die Gewinner mit den meistenPunkten. Die ersten drei Plätze werden für jeden Zeitabschnitt jeweils bekanntge­geben, für sie gibt es jeweils einen Pokal zu gewinnen.Erweiterung: Online-WetteAls absehbar wurde, dass nur ein Teil der möglichen und interessierten SNML­Mitarbeiter/innen zum gewünschten Termin für die Live­Wette verfügbar sindund auch Interesse von außen an den Wetten signalisiert wurde, wurde ergän­zend eine Online­Wette durchgeführt.Dabei ergaben sich als Herausforderungen:• Während bei der Live­Wette ein Austausch und Kommunikation derExpertinnen und Experten stattfindet und auch deren Wettverhaltensichtbar ist (und man selbst noch mal umlegen kann) ist dies in einemOnline­Setting nicht realisierbar.• Zudem ist der spezifische Setzmodus (bis zu drei Jetons je Aussage) nichtmit den Standardbefragungstools realisierbar.Wir haben die Online­Wette folglich folgendermaßen modifiziert:16
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen• Die Teilnehmer/innen sehen das Ergebnis der Live­Wette und könnensich parallel im Web (oder woanders) informieren.• Man kann sich nur für ein Feld pro Aussage entscheiden.• Der Wettzeitraum wurde angepasst.Die Ergebnisse werden entsprechend getrennt ausgewertet, auch werdengetrennt von der Live­Wette Wettkönige gekürt.Ableitungen von Vorhersagen aus dem WettverhaltenAus dem Wettverhalten und der Verteilung der Jetons lassen sich Wahrscheinlich­keiten für das Eintreffen der Aussagen ableiten. Darüberhinaus ist es auchmöglich, (Un­) Sicherheiten der Beteiligten bei den einzelnen Aussagen festzu­stellen.Mittelfristige Vorhersagen: Adaptiertes Delphi-Verfahren „L3Ts SEE“Neben den kurzfristigen Vorhersagen wollten wir auch mittelfristige Vorhersagenfür den Zeitraum von fünf Jahren wagen. Dazu haben wir uns an der Methode der„Delphi­Studie“ orientiert.Delphi-StudienDie Delphi­Methode ist ein mehrstufiges Verfahren, bei dem Expertinnen undExperten aus unterschiedlichen Disziplinen in moderierten Gruppendiskussionenzukünftige Trends und Entwicklungen identifizieren (Schön & Markus 2011).Durch den Austausch der Experten und Zusammenfassung der ersten Runde wirderwartet, dass sich die Einschätzungen in den weiteren Runden konsolidieren. DieDelphi­Methode kann auch schriftlich erfolgen, wie es beispielsweise bei einerBefragung zur Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen von Online­Prü­fungen eingesetzt wurde: Schaffert (2004) hat dazu 48 Expertinnen und Expertenin einer zweistufigen schriftlichen Befragung Aussagen bewerten lassen. Währendes beim ersten Durchgang noch ein weites Spektrum an Aussagen und zukünf­tigen Entwicklungen gab, ergab sich in der zweiten Runde ein moderateres Bild:Die Befragten kamen beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Online­Prüfungen vorallem in Branchen in denen Computer als Arbeitsgerät zum Alltag gehören,zukünftig häufiger eingesetzt werden wird.Unsere VarianteAuch wenn Delphi­Studien häufig schriftlich oder online durchgeführt werden, istes eben auch möglich, das Verfahren in moderierten Gruppendiskussionen und­arbeiten durchzuführen. Eine Variante wurde bei dem Expertentreffen zur17
  • Unser VorgehenZukunft von Lern und Lehrmaterialien erprobt9und dort als „L3Ts SEE“bezeichnet (Ebner & Schön 2012): Am zweiten Tag der Veranstaltung ging esdarum, mittelfristige Trends zu benennen, die die Zukunft von Lern­ und Lehrma­terialien beeinflussen werden. Im Austausch und Diskussion mit anderen Exper­tinnen sollte daher Konsens erzielt werden. Da die Teilnehmer/innen mit demAblauf und den Ergebnissen zufrieden waren, haben wir es auch beim SNMLverwendet.Methodisch wird dabei kein „allgemeiner Blick“ gewählt, sondern die Perspek­tiven der beteiligten Akteure – und damit auch Expertinnen und Expertengewählt. Wir gehen so davon aus (die teils deutlich unterschiedlichen Ergebnisseaus Sicht der unterschiedlichen Akteure bestätigen das), dass aus Sicht der unter­schiedlichen Akteure unterschiedliche Trends maßgeblich und wichtig sind. Diese„Trends“ wurden mit Hilfe unterschiedlicher Poster von allen, die dazu beitragenwollten, bearbeitet. Ein Wechsel und Diskussionen sind dabei erwünscht: Jede/rsoll sich dort einbringen können, wo sie/er Expertise einbringen konnte. Präsen­tationen und Diskussionen der Zwischenergebnisse führen zu einem Wissensaus­tausch und Überarbeitungen der Trends. Neben den „Trends“ sollten auchEntwicklungen beschrieben werden, die sich daraus ergeben.Im Anschluss sollte es dann möglichst konkret werden. Die Teilnehmer wurdendaher aufgefordert Thesen zu formulieren, die möglichst eindeutig, konkret undüberprüfbar sind. Angesichts der Vorarbeit fällt das gar nicht schwer. ImAnschluss wurde mit einem simplen Auswahlverfahren – jeder Teilnehmer bekameine gewisse Zahl von Klebepunkten – die wichtigsten Thesen bestimmt, indemman überall abstimmen konnte, wo man wollte.Abbildung 5: Plakate beim Delphi­Workshop9Siehe http://l3t.eu/zukunft [2012-10-19]18
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenBesonderheiten dieses Verfahrens im Vergleich zum herkömmlichen Delphi­Ve­fahren sind, dass es eine Open­Space­Methode ist (jede/r kann wählen, wo erseine Expertise einbringt und auch wechseln), dass gezielt unterschiedlichePerspektiven eingenommen werden und dass man dort mitspricht und abstimmt,wo man auch selbst Expertise hat.Um neben den vier beteiligten Experten eine breitere Basis von Meinungen, Ideenund Ansichten zu integrieren wurden deren Einschätzungen und Argumenta­tionen zur Diskussion vorgestellt. Die ersten Ergebnisse waren nicht „in Steingemeißelt“ sondern wurden wiederum einer erweiterten Runde zur Diskussiongestellt.Ausarbeitung von VisionenSchließlich wollen wir uns im Rahmen unserer Arbeit zur Zukunft auch ein wenig„ausspinnen“: Uns ist klar, dass Prognosen für längere Zeiträume, also ab ca. dreiJahren, nur noch mit großer Vorsicht anzugehen sind. Trotzdem wollen wir unsim Detail mit zwei ausgewählten Ideen beschäftigen. Wir formulieren „Visionen“konkret und machen uns Gedanken, wie es zu ihnen kam. Zunächst wurden dazubereits vor dem Workshop zwei Visionen formuliert.Ansatz: Think Tank und RoadmappingIm Workshop mit sechs SNML­Experten wurden dann Mitte Februar 2013 ineinem ersten Schritt Anleihen aus dem Verfahren der „Think Tanks“ genommen:Mit Hilfe eines Plakats sollte genau beschrieben werden was passiert, wenn dieVision eingetreten ist: Wie reagieren unterschiedliche Personengruppen darauf?Was ändert sich?Im zweiten Schritt haben wir das Vorgehen des „Road Mapping“ verwendet: Beim„Road Mapping“ werden Landkarten beziehungsweise Fahrpläne zukünftigerEntwicklungen beschrieben und aufgezeichnet. Typischerweise werden dazusystematisch zentrale Herausforderungen und Möglichkeiten für Aktivitätenbeschrieben und mit Entwicklungszielen und Meilensteinen auf einer Zeitachseillustriert (Kosow & Gaßner 2008, 65). Dabei wird auch der Rückwärtsblick ein­gesetzt: Ausgehend von einer in der Zukunft (erwünschten) Entwicklung werdenMeilensteine und das Vorgehen beschrieben, wie man diese erreicht hat undwelche Faktoren dabei entscheidend waren. Mit Hilfe eines Plakats wurde so imWorkshop erarbeitet, welche Hürden und Enabler es auf dem Weg zur Vision gab:Wir haben also so getan, als ob die Vision bereits eingetroffen ist und einen Blickzurück gewagt: Wie kam es zur Vision? Was hat die Entwicklung unterstützt, wogab es Probleme?19
  • Unser VorgehenDokumentationDie Dokumentation der Ergebnisse erfolgte zum einen durch die ausgearbeitetenPlakate, zum anderen wurden nach jedem Schritt die Zwischenergebnisse derGruppenarbeiten präsentiert. Diese Präsentation wurden aufgenommen und sinddie Grundlage für die spätere erste schriftliche Fassung.Abbildung 6: Workshop­Doku : Arbeit an den Visionen, Februar 2013Überarbeitung und DiskussionDa es sich beim SNML­Kernteam um eine vergleichsweise homogene Experten­gruppe handelt, wurden die Ergebnisse uns Ausarbeitungen der Visionen schließ­lich – ebenso wie die Thesen – weiteren Experten vorgelegt und um Kritik,Kommentare und Widerspruch gebeten.20
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenKURZFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN 6, 12 UND 18 MONATEDie zwölf Thesen und ihre BewertungIm Rahmen eines Workshops wurden zwölf Aussagen gewählt und formuliert, dieeinzelne Aspekte der zukünftigen Entwicklung von Linked Media aufgreifen.Dabei wurde beachtet, dass es sich dabei um Aussagen zur Medienbranche, zuUnternehmen, zu technologischen Entwicklungen, zur Nutzersicht, zur Forscher­sicht und auch zum Thema „Open Government“ handelt. Eine Schwierigkeit lagdarin, die Aussagen so zu formulieren, dass sie möglichst überprüfbar sind.Entsprechende zusätzliche Angaben wurden so gewählt, dass sie die Bewertbar­keit der einzelnen Aussagen und damit die Arbeit der Jury unterstützen. Beispiels­weise wurde schon im Vorfeld festgehalten, wo die je zehn größten Unternehmenin D­A­CH gelistet sind.Die einzelnen Aussagen und ihre Bewertungen bei dem gewählten Verfahren,einer Online­ und einer Live­Wette, werden nun im folgenden vorgestellt.1. API oder Webservices auf Inhalte und/oder Metadaten von RundfunkunternehmenDie erste Wette bezieht sich auf die Verfügbarkeit von so genannten ApplicationProgramming Interfaces (APIs), also Programmier­Schnittstellen oder Webser­vices. Den Expertinnen und Experten zufolge ist es absehbar, dass innerhalb dernächsten 18 Monate Rundfunkunternehmen APIs oder Webservices für denZugriff auf ihre Inhalte und Metadaten anbieten.Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder einWebservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=102. Second-Screen-Format im FernsehenImmer häufiger sitzen Fernsehzuschauer mit ihren elektronischen Geräten, zumBeispiel dem Smartphone oder einem Tablet­Computer vor dem Fernseher. Eswird bereits damit experimentiert, die Nutzung dieser Geräte, z. B. in Form vonTweets, also Kurznachrichten bei Twitter, in Fernsehsendungen einzubauen. Den21
  • Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 MonateExperten zufolge ist es wahrscheinlich (70%), dass ein oder mehrere Fernseh­sender in den nächsten 18 Monaten eigene dezidierte Second­Screen­Formateentwickeln und anbieten.Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Format an,das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format ist ohneSecond Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=103. Archivdaten von Medienunternehmen als Linked DataOb Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum absehbar Archivdaten alsLinked Data veröffentlichen, diese also in einer Form verfügbar machen, die dasVerknüpfen mit anderen Daten vereinfacht, ist Gegenstand der dritten Aussage.Hier gehen die Experten davon aus, dass sich in den nächsten 18 Monaten wahr­scheinlich drei Medienunternehmen finden werden, die diesen Service anbieten(60%). Die Teilnehmer der Online­Wette sind hier skeptischer (50%).Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten alsLinked Data.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=104. Linked-Data-Prinzipien in großen UnternehmenLinked­Data­Prinzipien können auch innerhalb eines Unternehmens eingesetztwerden, um Informationsbestände miteinander zu verknüpfen, also um die Inte­gration von Unternehmensdaten zu ermöglichen, denn sehr oft ist die Informationin Unternehmen in unterschiedlichen Systemen eingeschlossen („Daten­Silos“).Die Experten gehen davon aus, dass in den nächsten 18 Monaten wahrscheinlichmehr als die Hälfte der Unternehmen solche Linked­Data­Prinzipien einsetzt.22
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenLinked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration inmin. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT,CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationenaus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipienintegriert.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=105. UnternehmensterminologienBei der Erschließung von unternehmensinternen Informationen und Dokumentenist die Erstellung einer unternehmenseigenen Terminologie, also eine Sammlungund Ordnung der unternehmensrelevanten oder auch ­eigenen Fachbegriffe, hilf­reich. Dass mehr als die Hälfte der größten Unternehmen im deutschsprachigenEuropa innerhalb der nächsten 18 Monate eine solche Terminologie und daraufbasierende Prozesse definiert haben, erscheint den Experten sehr wahrscheinlich(100%).In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum(DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologie und daraufbasierende Prozesse definiert.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wettn bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=106. Personalisierte Leseempfehlungen bei TageszeitungenDie Online­Ausgabe der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ bot schon voreinigen Jahren Abonnenten und Online­Leser/innen Formen der Personalisierungan. So war es möglich, Farbe und Schriftgröße der Darstellung zu ändern und zuspeichern (vgl. Wieden­Bischof & Schaffert 2008). Denkbar ist aber heute auch,dass Abonnenten inhaltliche Leseempfehlungen gegeben werden. Mit großer23
  • Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 MonateWahrscheinlichkeit (97%) wird dies in den nächsten zwölf Monaten für dreideutschsprachige Tageszeitungen der Fall sein.Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen fürAbonnenten.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=107. Interaktivierte KundenzeitschriftenDie starke Verbreitung von Smartphones und Tablet­Computern ist von einemAusbau entsprechender Services begleitet. Beispielsweise können Barcodes vonProdukten, Adressangaben von Visitenkarten oder auch QR­Codes heute vonSmartphones ausgelesen und weiterverarbeitet werden. Eine Interaktivierungvon Kundenzeitschriften ist dabei ein folgerichtiger Schritt. Den Experten zufolgeist es relativ wahrscheinlich (80%), dass mindestens 50 Prozent aller gedrucktenKundenzeitschriften in 18 Monaten in dieser Form vorliegen werden.Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigen Raumliegen auch in interaktivierter digitaler Form vor.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=108. Publikationen zu „Web Science“Die Entwicklung von Linked Media interessiert uns auch aus Sicht der Forschung.Hier scheint „Web Science“ eines der großen verwandten Fachbegriffe, evt. auchein Modewort (engl. Buzz word), zu sein. Auch die Experten gehen davon aus,dass sich die Zahl der Treffer bei Google Scholar zu diesem Suchbegriff relativschnell von derzeit knapp 6.000 verdoppeln wird: In spätestens 18 Monaten solltedies sicher (100%) der Fall sein.24
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenDie Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymendafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdoppeltsich.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=109. Open Semantic EnterprisesMichael K. Bergmann hat in einem Weblog­Artikel sieben Grundprinzipien für einsogenannten „Open Semantic Enterprise“ aufgestellt und beschrieben. Werdensich solche Prinzipien durchsetzen? Und in welchem Zeitraum? Etwas kompliziertwurde die Wettaussage so formuliert, dass mindestens jedes zweite der größtenUnternehmen in D­A­CH mindesten drei der Prinzipien, z. B. Nutzung von Linked­Data­Technologie oder Open World Mindset umgesetzt hat. Tatsächlich scheintdies den Experten in den nächsten 18 Monaten relativ wahrscheinlich (79%).In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE,AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen-basiertesDatenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Ontologie-ba-sierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz, Open WorldMindset – vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umgesetzt.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=1010. Open-Government-DatenImmer mehr Behörden veröffentlichen ihre Daten frei („Open Data“ bzw. „OpenGovernment Data“). Es gibt bereits einige Applikationen, z. B. von politischenVerbänden, die darauf aufbauend Informationen generieren oder darstellen. Unsinteressierte nun, ob und wann es auch zu einer Nutzung der Open GovernmentDaten von industrieller Seite kommt. Hier scheint es den Experten sicher (100%)dass in den nächsten 18 Monaten mindestens drei industrielle Applikationen25
  • Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 Monatebekannt werden, die maßgeblich auf Open­Government­Daten beruhen. Es könnteauch sein, dass dies schon früher, nämlich in den nächsten 6 Monaten (52%) oderzwölf Monaten (67%) eintrittEs liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applikationenim deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integrale Datenquelleverwenden.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=1011. Kommerzielle Lösung für Linked-Media-TechnologieNicht zuletzt aus eigenem Interesse ist für das Salzburg NewMediaLab die Frageder Kommerzialisierung der Linked­Media­Technologie interessant. Demnacherscheint es den Experten sehr wahrscheinlich, dass ein europäisches Unter­nehmen in den nächsten zwölf Monaten eine kommerzielle Lösung, Beratung undSupport für die Linked­Media­Technologie anbietet (78%).Ein europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Supportfür die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=1012. Mitarbeiter mit Expertise zu Linked DataSchließlich interessierte uns auch Auswirkungen auf den Fachkräftemarkt undNachfrage von entsprechend qualifizierten Fachpersonal. Wir wollten daherwissen, wann das erste Mal ein großes deutschsprachiges Unternehmen eine/nMitarbeiter/in mit Expertise zu Linked Data sucht. Die Experten sind sich relativsicher, dass ein entsprechender Eintrag bei einem Jobportal in den nächsten zwölfMonaten zu finden ist (76%).26
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenEin großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmals eine/nMitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“.Einschätzung bei der Live-WetteEinschätzung bei der Online-Wetten bis zum 30.4.2013, n zwischen 1.5.2013 und 30.10.2013, n zwischen 1.11.2013 und 30.4.2014,o später/nie – Teilnehmer bei der Live-Wette N=17, bei der Online-Wette N=10Unterschiede zwischen Live- und Online-WetteAuffallend sind teils deutliche Unterschiede im Wettverhalten der Teil­nehmer/innen bei der Live­ bzw. der Online­Wette. Dabei ist zu beachten, dass dieOnline­Wetten später stattfanden und den Teilnehmer/innen dabei die Ergeb­nisse der Live­Wette vorlagen: Es sind also keine „unabhängigen Stichproben“,vielmehr haben die Online­Wettteilnehmer/innen bestimmt auch bewusst„Gegentrends“ gesetzt, um Aussagen „in die richtige Richtung zu biegen“. SolcheAnnahmen und auch weitere Auswertungen zum Wettverhalten müssen jedochspätere Auswertungen genauer untersuchen.Was passiert (wahrscheinlich) wann?Wenn man davon ausgeht, dass mehr als 50 Prozent bedeutet, dass eine Entwick­lung eher wahrscheinlich ist, ergibt sich folgende Darstellung. Herangezogenwurden hierbei die Ergebnisse der Live­Wette.In den nächsten sechs Monaten (bis 30.4.13) treffen wahrscheinlich keine Aussagenzu, weil keine der Aussagen mit mehr als 50% Zustimmung bereits in den nächstensechs Monaten eintreffen wird.In den nächsten zwölf Monaten (bis 30.10.13) treffen wahrscheinlich folgendeAussage zu:Drei deutschsprachige Tageszeitungen geben personalisierte Leseempfehlungen fürAbonnenten. (97% Wahrscheinlichkeit)Ein großes Wirtschaftsunternehmen im deutschsprachigen Europa sucht erstmalseine/n Mitarbeiter/in mit explizit genannter Expertise zum Thema „Linked Data“. (76%Wahrscheinlichkeit)Es liegen Pressemeldungen und Artikel von mindestens fünf industriellen Applika-tionen im deutschsprachigen Raum vor, die Open-Government-Daten als integraleDatenquelle verwenden. (67% Wahrscheinlichkeit)27
  • Kurzfristige Entwicklung: Die nächsten 6, 12 und 18 MonateEin europäisches Unternehmen bietet kommerzielle Lösungen, Beratung und Supportfür die Linked-Media-Technologie und darauf basierende Lösungen an. (61% Wahr-scheinlichkeit)In mindestens 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigenRaum (DE, AT, CH, siehe Anm.) ist eine dokumentierte Unternehmensterminologieund darauf basierende Prozesse defniert. (54% Wahrscheinlichkeit)In den nächsten 18 Monaten (bis 30.4.14) treffen wahrscheinlich folgende Aussagenzu:Die Zahl der Publikationen zum Thema „Web Science“ (oder anerkannten Synonymendafür), die bei Google Scholar registriert sind (Oktober 2012: 5.980 Treffer), verdop-pelt sich. (100% Wahrscheinlichkeit)In mindestens 50% jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum(DE, AT, CH) sind 3 der 7 Grundprinzipen des „Open Semantic Enterprise“ (Graphen-basiertes Datenmodell, (Open) Linked-Data-Technologien, Adaptive Ontologien, Onto-logie-basierte Anwendungen, Web-orientierte Architektur, Schichtartiger Ansatz,Open World Mindset - vgl. „Open Semantic Enterprise“, Michael K. Bergman) umge-setzt. (81% Wahrscheinlichkeit)Mindestens 50 Prozent der gedruckten Kundenzeitschriften im deutschsprachigenRaum liegen auch in interaktivierter digitaler Form vor. (80% Wahrscheinlichkeit)Ein Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bietet ein spezielles Formatan, das die Verwendung eines Second Screen integral beinhaltet, d.h. das Format istohne Second Screen nur sehr eingeschränkt nutzbar. (70% Wahrscheinlichkeit)Drei Rundfunkunternehmen im deutschsprachigen Raum bieten eine API oder einWebservice zum Zugriff auf Inhalte und/oder Metadaten an. (67% Wahrscheinlichkeit)Linked-Data-Prinzipien sind als Technologie für Enterprise Information Integration inmin. 50% der jeweils zehn größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum (DE, AT,CH, siehe Anm.) etabliert, d.h. es gibt mindestens eine Applikation, die Informationenaus zwei oder mehreren Informationssystemen mit Hilfe der Linked-Data-Prinzipienintegriert. (68% Wahrscheinlichkeit)Drei Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum publizieren Archivdaten alsLinked Data. (60% Wahrscheinlichkeit)Später oder nie treffen wahrscheinlich keine Aussagen zu: Alle Aussagen werden mitmehr als 50% Wahrscheinlichkeit in den nächsten 18 Monaten eintreffen.28
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenMITTELFRISTIGE ENTWICKLUNG: DIE NÄCHSTEN FÜNF JAHREIn einem Workshop mit Experten wurden die folgenden Ausführungen über diemittelfristige Entwicklung in den nächsten fünf Jahren erarbeitet. Die Aussagenbeziehen sich dabei auf jenen geografischen Bereich, den die Experten (gut)kennen, nämlich das deutschsprachige EuropaTrends und Entwicklungen aus Perspektive der Industrie- und Technolo-gie-UnternehmenAls Trends für Industrie­ und Technologie­Unternehmen werden für die nächstenfünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt:Big DataBusiness IntelligenceOpen Semantic EnterpriseVierte industrielle RevolutionEin Trend für der Industrie­ und Technologie­Unternehmen interessant wird, istBig Data. Wie gehen Unternehmen mit dem ständig steigenden Datenvolumenum? Die wichtigsten Aspekte sind hierbei Data Warehousing und Enterprise Infor­mation Integration.Ein zweiter wichtiger Trend ist die zunehmende Bedeutung von Business Intelli-gence, bei der es auch um Datenintegration geht. Enterprise Dashboards ermögli­chen zukünftig einen schnellen Blick auf Daten und Informationen im Unter­nehmen aus dem jeweiligen Handlungskontext heraus.Der Trend zu „Open Semantic Enterprises“ wird ebenso in fünf Jahren wichtigsein. Sieben Säulen, werden in diesem Zusammenhang in einem Weblog von MikeBergman genannt10: Das RDF­Daten­Modell, Linked­Data­Technologien, AdaptiveOntologien, Ontologie­getriebene Anwendungen, eine Web­orientierte Archi­tektur, ein inkrementelles Schichtenmodell sowie das passende Mindset „OpenWorld“.Schließlich ist die vierte industrielle Revolution eine zu erwartende Konse­quenz aus der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre (z. B. SPIEGEL ONLINE,5.10.2012): Die industriellen Unternehmen sollen von Seiten der Regierungenwieder gestärkt werden. Aus Sicht der Informationstechnologie ist hier z. B. das„Internet der Dinge“ ein wichtiges zukünftiges Thema.10http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/[2012-10-19]29
  • Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf JahreErwartete Entwicklungen für die nächsten fünf JahrenTechnologieunternehmen erlauben durch Enterprise Dashboards eine integrierte Sichtauf Unternehmensdaten.Integrierte Unternehmensdaten und -inhalte liegen in einheitlichen Strukturen vor.Technologieunternehmen bieten semantische Data-Warehouse-Funktionalitäten aufintegrierte Unternehmensdaten an.Technologieunternehmen folgen den sieben Grundprinzipien von Open SemanticEnterprises bei der Erstellung ihrer Informationssysteme und als Grundlage ihrer Infor-mationsmanagementpolitik.Technologieunternehmen nutzen Sensordaten und Wissensmodelle zur automati-sierten Prozessoptimierung.Trends und Entwicklungen aus Perspektive der MedienunternehmenAls Trends für Medienunternehmen werden für die nächsten fünf Jahre folgendeals bedeutsam eingeschätzt:Open AccessNutzergenerierte InhalteNeue MonetarisierungsstrategienDer Trend „Open Access“ führt zu einem Öffnen der Archive nach außen. Hierbeiunterscheiden die Experten auf der einen Seite die öffentlich­rechtliche Medien­unternehmen, von denen dies verstärkt verlangt wird, weil sie eben als öffentlich­rechtliche Einrichtungen einen offenen Zugang erlauben sollen. Auf der anderenSeite wird auch von privatrechtlichen Medienunternehmen eine Öffnung desZugangs erwartet, weil darin Marketingpotentiale gesehen werden (z. B. übersoziale Netzwerke). Bei öffentlich­rechtlichen Einrichtungen ist dieser Prozessschon weiter fortgeschritten. Trotzdem sind gerade diese Einrichtungen voneinem Perspektivenwechsel betroffen: Heute und noch verstärkt in den nächstenJahren sollen die Materialien auch als „kulturelles Erbe“ zur Verfügung gestelltwerden, z.B. auch für Forscher/innen. Vorreiter ist hier das Projekt „Europea­na.org“11. Dies stellt jedoch aktuelle Ordnungsprinzipien der Archive in Frage.Auch die Frage nach den nutzergenerierten Inhalten („user generated content“)wird an Bedeutung gewinnen: Wie gehen Medienunternehmen damit um, lassensie zum Beispiel Medienannotationen durch Nutzer/innen zu? Sind sie dazubereit, das Laden von Bildern oder Videos in ihre Plattformen durch externeNutzer/innen zuzulassen? Auch die Integration von sozialen Interaktionsmöglich­11http://europeana.org (2012-10-19)30
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionenkeiten wie Kommentare, Bewertungen und Diskussionen gehört zu diesemzukünftig wichtigen Thema.Klassische Printmedienunternehmen haben derzeit und werden auch weiterhinein Monetarisierungsproblem haben, zu dessen Überwindung sie neue Geschäfts­modelle entwickeln und erproben müssen. Die neuen Monetarisierungsstrate-gien führen unter anderem dazu, dass es für Medienunternehmen wichtig wird,dass sie lange oder längere Verweilzeiten auf den Web­Plattformen verzeichnenkönnen (z. B. für Anzeigenkunden). Cross­Media­Publishing und „ConnectingMedia“ (d.h. Ansätze zur Verbindung und Verlinkung unterschiedlicher Medienin­halte) sind weitere Entwicklungen, die zur Bildung von neuen Monetarisierungs­strategien und Geschäftsmodellen führen werden. Second­Screen­Szenarien, beidenen Nutzer/innen neben dem Fernsehen mit Mobilgeräten mit dem Fernsehan­gebot interagieren, sind ein weiterer Teil solcher Szenarien.Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf JahrenMedienunternehmen interaktivieren ihre Angebote, z.B. mit Second-Screen-Anwen-dungen.Medienunternehmen bieten zusätzliche Services über ihre Inhalte und Archive an, z.B.für Crossmedia Publishing, Mashups, usw.Medienunternehmen entwickeln Geschäftsmodelle für ihre Archive.Nutzergenerierte Inhalte werden neben Premium- bzw. redaktionellen Content zueiner weiteren Säule des Angebots.Medienunternehmen erlauben Annotationen durch die Benutzer.Trends und Entwicklungen aus Perspektive der ForschungAls Trends für die Forschung werden für die nächsten fünf Jahre folgende alsbedeutsam eingeschätzt:Web ScienceBig Data (Datenanalyse)Cross-Media-AnalysenSocial-Media-Analysen und Soziale-Netzwerk-AnalysenIn der Forschung gibt es vier wesentliche Trends. Im Bezug auf Big Data spielenv.a. die technologischen Grundlagen eine Rolle, etwa Cloud­Infrastrukturen (Wiekann ich mir als Unternehmen solche Strukturen aufbauen?) und skalierbareArchitekturen (Wie kann ich meine Software auf solchen Cloud­Infrastrukturenlaufen lassen?). Ein drittes zukünftig wichtiges Thema werden in diesem Bereich31
  • Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahredie Echzeitdaten sein: Viele Daten werden als kontinuierlicher Datenstrom an dieUnternehmen geliefert. Die Analyse muss daher in (nahezu) Echtzeit erfolgen.Viele Daten werden selbst gar nicht mehr gespeichert, sondern es werden nur diedaraus gewonnenen Analyseergebnisse verwaltet und visualisiert.Der zweite Trend in der Forschung ist die Cross-Media-Analyse: Viele Mediensind miteinander verknüpft, aber die bisherigen Analyseverfahren unterliegenstrikt den Mediengrenzen, sind also entweder Audio­ oder Bildanalysen. Zukünf­tige Verfahren werden unterschiedliche Analyseverfahren kombinieren, umdadurch eine höhere Genauigkeit und Trefferquote („precision“ und „recall“) derVerfahren zu erreichen. Halbautomatische Verfahren werden die Menschenoptimal unterstützen, in dem sie die aus kombinierten Analyseansätzen gewon­nenen Informationen in den menschlichen Handlungskontext einfließen lassen.Der dritte Trend der Forschung ist „Web Science“: Dieser Begriff umfasst einenoch junge Wissenschaft, die sich mit den sozialen und technologischen Aspekten,v.a. auch mit den Abhängigkeiten zwischen den technologischen und nicht­tech­nologischen Aspekten, des World Wide Webs befasst. Wenn etwa das UbiquitousWeb, in dem Menschen das Web überall und zu jederzeit verwenden in naherZukunft kommt, dann hat dies große Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Wirt­schaft, das allgemeine Leben und die Politik. Damit zusammenhängend ist dieFrage nach den Rechten („Intellectual Property Rights“), sowie Fragen desVertrauens und der Kennzeichnung der Herkunft, etwa von offen zugänglichenDaten („Open Data“). Gegenwärtige Lizensierungsmodelle, z.B. die häufiggenutzen Creative­Commons­Lizenzen schränken die Nutzung für Unternehmenstark ein bzw. es ist unklar, ob sie möglich ist. Ein weiteres Thema ist hierbei auchdas erwähnte Vertrauen in die Datenquellen („Trust“) und die Kennzeichnung derHerkunft („Provenance“): Wie kann ich mich auf die Daten verlassen, welchenDaten kann ich vertrauen, wenn ich sie „irgendwo“ aus dem Netz habe?Social-Media- und Social-Network-Analysen sind zwar streng betrachtet zweiverschiedene Dinge, werden aber hier als ein Trend genannt, da sie beide daraufhinweisen, dass mit den neuen Daten auch andere Analyseverfahren notwendigsind und (weiter­)entwickelt werden müssen. Social­Media­Analysen versuchenaus den Inhalten von Social­Media­Plattformen neue Einsichten zu generieren, beiSocial­Network­Analysen ist das soziale Netzwerk Gegenstand der Analysen.Erwartete Entwicklungen für die nächsten fünf JahreEs ist möglich, Daten zu zertifzieren und ein Web of Trust für Daten herzustellen.Im Bereich der Informationssysteme sind skalierbare Architekturen State-of-the-Art.Web Science ist ein etabliertes Forschungsthema.Es gibt verschiedene neue Modelle für Urheberrecht im Web.32
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenTrends und Entwicklungen aus Perspektive von BehördenAls Trends für Behörden und Regierungsorganisationen (engl. „government“)werden für die nächsten fünf Jahre folgende als bedeutsam eingeschätzt:Open DataDigitale Behörden („digital government“)Digitale PartizipationZunächst werden immer mehr Behörden ihre Daten als „Open Data“ veröffentli­chen. Daraus entstehen steigende Anforderungen an die Entwicklungen von Sche­mata und von Mashup­Applikationen, die mit diesen Daten arbeiten. Vor allemRegierungsorganisationen werden dabei, so wird erwartet, ihre Daten – auch ausTransparenzgründen – in großem Umfang zur Verfügung stellen. Dies wird inallen Bereichen der Fall sein, wo nicht die Privatsphäre von Personen betroffenist.Der Trend „Digitale Behörde“ wird dazu führen, dass der größte Teil der Kon­taktaufnahme, Information und Kommunikation mit Behörden über das Webstattfinden wird.Die digitale Partizipation ist ein wichtiges zukünftiges Demokratiethema: In fünfJahren wird sie noch mehr gefordert und auch unterstützt werden. Communi­ty­Aspekte und ­Themen werden zukünftig eine größere Rolle für die Behördenspielen: Wie können Bürgerinnen und Bürger sinnvoll mit Hilfe des Web an denProzessen mitwirken, welche neuen Verfahren sind sinnvoll?Erwartete konkrete Entwicklungen für die nächsten fünf JahrenInteraktionen mit Behörden über das Web sind selbstverständlich.Die Bevölkerung verwendet öffentliche Daten als Wirtschaftsgut.Die Unternehmen übernehmen öffentliche Daten und verwenden sie für ihreGeschäfts- und Entscheidungsprozesse.Immer mehr große Städte in Österreich stellen immer mehr Daten öffentlich zurVerfügung.33
  • Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf JahreTrends und Entwicklungen aus Perspektive der (End)-Nutzer/innenAls Trends für (End­)Nutzer/innen werden für die nächsten fünf Jahre folgendeals bedeutsam eingeschätzt:Nutzung mobiler Endgeräte (privat und geschäftlich)TrustPost PrivacyAus Sicht der Nutzer/innen ist der wichtigste Trend, dass alles mobil wird: Diemobilen Geräte werden bei der privaten, als auch in der geschäftlichen Nutzungdominieren und stets präsent sein. Es ist also zunächst notwendig, Inhalte undDaten auch für mobile Endgeräte nutzbar zu machen. Klassische nicht­interaktiveMedien, z. B. Fernsehen oder Zeitungen, werden daher auch zunehmend interakti­viert, d.h. mit interaktiven Elementen versehen, welche auf den Mobilgeräten zumEinsatz kommen. Mit zunehmender Verwendung von Tablet­Computern kannschnell vom bedruckten Blatt auf Webinhalte, z.B. auf die Produktdatenblätter vonden beschriebenen Autos, gewechselt werden. Interaktive Fernsehsendungenoder auch Multi­Plattform­Nutzungsszenarien, wie z.B. Second­Screen­Szenarien,sind denkbar.Ein zweiter wichtiger Trend ist „Trust“ die Vertrauenswürdigkeit von Inhaltenund Daten: Mit dem Anstieg von nutzergenerierten Inhalten und Daten wird esgerade im Medienbereich immer wichtiger sein, die Herkunft der Inhalte undFakten zu kennen („Provenance“). Zukünftige Benutzerschnittstellen müssenverständlich machen, woher die Inhalte und zugrundeliegende Daten kommen.Eine wichtige Rolle spielen zukünftig auch Empfehlungen für Inhalte und Daten,denen ich besonders gerne vertraue, zum Beispiel Kinoempfehlungen von meinenFreunden. Eng damit verbunden ist auch der Aspekt des Datenschutzes und desSchutzes der Privatsphäre: Die Experten erwarten, dass sogenannte „Post-Pri-vacy“­Tendenzen zunehmen werden. Darunter werden – ohne Bewertung –Tendenzen verstanden, die auf eine zunehmende Auflösung von Privatem undPrivatsphäre zielen: Wenn Geburtsdaten und ­Gewichte von Neugeborenen inFacebook oder per Tweet veröffentlicht werden, ist es zukünftig schwer, hier nochsinnvoll begründbaren schützenswerten Datenbestand einzuklagen oder Schutz­rechte zu definieren.34
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenErwartete Entwicklungen für die nächsten fünf JahreNutzer/innen verwenden zunehmend Daten auf mobilen Endgeräten, mit unterschied-lichen Zielen in unterschiedlichen Handlungskontext.Nutzer/innen wollen Empfehlungen bei der Nutzung und Konsumierung von Inhalten(und Daten).Nutzer/innen wollen über die Verwendung ihrer Daten entscheiden.Nutzer/innen wollen wissen, woher Inhalte aus verschiedenen Quellen kommen(„provenance“).Nutzer/innen setzen interaktive Zeitschriften ein.35
  • Mittelfristige Entwicklung: Die nächsten fünf Jahre36
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenZWEI VISIONEN UNTER DER LUPEAls letzten Schritt bei unseren Überlegungen zur Zukunft des Linked MediaAnsatzes beschäftigten wir uns nicht mit „sehr wahrscheinlichen“ sondern imFolgenden mit zwei von uns gewünschten und mit angetriebenen Entwicklungen.Wir formulierten dazu zunächst zwei Visionen. Die erste Vision sieht im Jahr 2016erste Dienstleistungen rund um eine Open Source Implementierung für eineLinked Data Plattform, genannt „Apache Marmotta“. Die zweite Vision sieht fürdas Jahr 2020, dass Linked Data Technologien zur Integration von Enterprise­Daten mit Webdaten etabliert sind.In einem Workshop mit sechs Experten des Salzburg NewMediaLab arbeiteten wirMitte Februar 2013 intensiv zu diesen Visionen (vgl. S. 13ff). Im Folgendenwerden die beiden Visionen und ihre Konsequenzen (unter der Annahme, dass sieeintreffen) dargestellt. Zudem wird gezeigt, wie es zum Eintreten der Visionkommen kann, welche Hindernisse gesehen werden und welche Ermöglicher.Das Jahr 2016: Dienstleistungen rund um Apache Marmotta werden ange-botenDie erste Vision beschäftigt sich mit einer im Januar 2013 als Inkubationsprojektbei der Apache Software Foundation (ASF) gestarteten Referenzimplementierungfür eine Linked­Data­Plattform, die die Bezeichnung „Apache Marmotta“ trägt. DieVision lautet:Im Jahr 2016 ist Apache Marmotta zum Top-Level-Projekt der Apache Software Foun-dation (ASF) graduiert und stellt eine Referenzimplementierung der W3CLinked-Data-Platorm bereit. Eine Schar von Early Adopters (StartUps) bietet Tools, Beratungs- undEntwicklungsdienstleistungen für Apache Marmotta an.Apache Marmotta haben wir in der Einführung (s. S. 10f) bereits vorgestellt. Nunwollen wir uns im Sinne einer Roadmap ansehen, was auf dem Weg zur erfolgrei­chen Adaption passieren könnte.Eine SituationsbeschreibungDie meisten von den Experten identifizierten Interessengruppen, die die Entwick­lung rund um Apache Marmotta verfolgen und mit ihr in Berührung kommen,reagieren positiv, einige reagieren jedoch mit gemischten Gefühlen oder auchnegativ auf die Etablierung von Apache Marmotta im Jahr 2016.Zunächst zu den Gruppen, die positiv auf die Entwicklung reagieren:37
  • Zwei Visionen unter der LupeDie Apache Software Foundation hat wieder ein Produkt entwickelt, das denMarkt in einem gewissen Sektor nachhaltig beeinflusst.Berater und ähnliche Dienstleiter reagieren ebenso positiv auf das neue Produkt.Auch die CMS­Anbieter freuen sich über die smarten Alternativen für die Back­end­Infrastruktur, die die Methoden aus dem Bereich des Semantic Web zurVerfügung stellt.In den Unternehmen, in denen Apache Marmotta im Jahr 2016 bereits integriertwurde, reagieren auch die zuständigen Mitarbeiter positiv, da es ihnen mit derApache­Software gelingt, unternehmensübergreifend auf Daten zuzugreifen. DasManagement der Unternehmen, die Apache Marmotta einsetzen, hat so erstmalseinen Überblick über alle Daten in seinem Unternehmen und kann sich auf derBasis neuer Perspektiven rasch Entscheidungsgrundlagen verschaffen. Auch dieDoktoranden im Unternehmen sind erfreut darüber, wie einfach es nun ist,anderen ihre Daten zur Verfügung zu stellen bzw. auf andere Daten zuzugreifen.Eine andere Gruppe im Unternehmen reagiert eher negativ: Der Betriebsrat istmit der Entwicklung weniger erfreut, er fragt kritisch nach, wie es mit dem Daten­schutz und dem Schutz der Privatsphäre aussieht.Systemintegratoren und -Architekten, die Web­ und Unternehmensdaten aufherkömmlichen Wege integrieren, reagieren (natürlich) negativ auf die Entwick­lung und Adaption von Apache Marmotta, weil sie den Markt für Lösungen aufBasis ihrer proprietären Plattformen durch die neue Open­Source­Plattformgefährdet sehen.Der Weg dorthin: Hürden und begünstigende FaktorenAuf der Seite der begünstigenden Faktoren zeigt sich, dass Marmotta stark voneiner Open­Source­Community getragen wird, in der großer Enthusiasmusherrscht. Bereits heute gibt es „Early Adopters“, die die Linked Data Plattformverwenden, (z. B. Message S.R.L. für Enel12). Wir erwarten, dass Apache Marmottaim Laufe des Jahres 2014 zum Top­Level­Projekt graduiert und damit die volleSichtbarkeit und auch Aufmerksamkeit in der Open­Source­Community hat. Einweiterer begünstigender Faktor ist der Open­Data­Trend, der im Bereich deroffenen Daten das vorlebt, was im Bereich der Unternehmensdaten passierenkann. Ob der „Big­Data­Hype“ eher eine Hürde oder einen begünstigenden Faktordarstellt, ist nach Einschätzung der Experten nicht ganz eindeutig zu sagen. DerHype wird als vorübergehend angenommen und wird sich spätestens ab 2015wieder legen.Zu Verzögerungen, im Sinne einer Hürde, könnte es auch bei der Linked DataWorking Group am W3C13kommen. Aufgrund der finanziellen und personellenEngpässen in Stiftungen solcher Art, ist hier grundsätzlich von einem Risiko für12http://data.enel.com/ (2013-04-30)13http://www.w3.org/2012/ldp/charter (2013-04-30)38
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionenmögliche Verzögerungen auszugehen. Ähnliche Probleme könnten auch dieApache Software Foundation oder Wikimedia betreffen: Open­Source­Projektesind in gewissem Umfang immer von der aktuellen Situation und der vergleichs­weise unstetigen Arbeitslage in den Stiftungen abhängig.Auch sind die mangelnden Kenntnisse über das Resource Description Framework(RDF bildet eine technologisch­konzeptionelle Grundlage für Linked Data Platt­formen) in den IT­Abteilungen eine Hürde für die Verbreitung von ApacheMarmotta. Die Europäische Union hat beispielsweise ein Projekt gestartet, dasdem Informationsmanko in diesem Bereich entgegenwirken soll14. Eine Hürdestellt zudem der Widerstand der Anbieter für Lösungen im Bereich Informations­integration, etwa Anbieter von Enterprise­Bus­Systemen oder die Vertreter derCommon­Object­Request­Broker­Architektur (CORBA), dar, um nur zwei derkonkurrierenden Ansätze für die Integration von Daten und Services zu nennen.Diese möchten die von ihnen propagierten und in ihrem Bereich etabliertenAnsätze weiterverfolgen. Eine weitere Hürde wird in den „akademischen Linked­Data­Evangelisten“ gesehen, die sehr stark auf eine formale logische Repräsenta­tion von Wissensstrukturen in der Linked Data Cloud wert legen, dadurch aberihre pragmatische Verbreitung in der Praxis möglicherweise behindern. Schließ­lich werden auch Datenschützer auf die Barrikaden klettern und daraufhinweisen, dass nicht alles durchdringbar und durchsuchbar sein darf. Daher istes zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen für Datenpools zubeschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsentieren zu können.Allerdings sind derartige Gesetzgebungsprozesse sehr langfristig zu sehen.Was bringt Apache Marmotta jedoch voran, so dass es bis zum Jahr 2016 soerfolgreich wird?Als begünstigender Faktor wird der Leidensdruck der vertikalen Abteilungen inUnternehmen gesehen, der die Entwicklung und Adaption von Apache Marmottavoranbringt. „Neueinsteigern“ ist es egal, welcher konzeptionelle Ansatzverwendet wird, damit sie zu ihren Antworten und Services kommen: Sie wollen,dass sie auf einfache und nachhaltige Weise auf vernetzte Unternehmensdatenzugreifen können. Ein weiterer begünstigender Faktor wird in einer öffentlich­keitswirksamen Nutzung der Linked­Data­Technologien von Unternehmen wieGoogle, Facebook, Oracle und Microsoft gesehen. Wenn diese beispielsweise imJahr 2015 Start­Ups mit entsprechendem Know­How kaufen, um dies für ihreSuchmaschine, Datenbanktechnologie oder Betriebssystem­Dienste zu nutzen,könnte dies Linked­Data­Plattformen und Apache Marmotta wesentlich voran­bringen. Das Integrationsbudget macht derzeit etwa 60 Prozent der IT­Budgetsaus. Wenn erste Nachweise verfügbar sind, dass die Nutzung von ApacheMarmotta (und ähnlicher Linked Data Plattformen) diese Ausgaben auf –beispielsweise – 55 Prozent senken, wäre der finanzielle Aspekt und das Einspa­14vgl. EUCLID-Projekt: Educational curriculum for the usage of Linked Data – http://euclid-project.eu/ (2013-04-30)39
  • Zwei Visionen unter der Luperungspotenzial ein weiterer wichtiger begünstigender Faktor, um ApacheMarmotta nachhaltig in Unternehmen zu integrieren und zu nutzen.Das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien zur Integration von Enterprise-Daten mit Webdaten sind etabliertDie zweite Vision, der wir uns intensiver gewidmet haben, lautet:Es ist das Jahr 2020: Linked-Data-Technologien haben sich als elementarer Bausteinder Integration von Enterprise-Daten mit Web-Daten etabliert. Führende Datenbank-hersteller (Oracle, Microsoft, Progress) bieten SPARQL Endpoints zum Zugriff auf ihrerelationalen Daten an. Quer über alle Branchen entwickeln sich zahlreiche Enterprise-Daten-Pools und Datenservices auf Basis der Linked-Data-Prinzipien.Eine SituationsbeschreibungFür 2020 werden unterschiedliche „Datenmärkte“ gesehen.So lassen sich zunächst solche unterscheiden, die Branchenwissen einschließen,die also die beispielsweise wissen, welche Autohersteller und Fahrzeugtypen esgibt und welche Ausstattungen diese haben, sowie solche mit Instanzdaten, alsomit Daten von aktuellen Verkäufern, z.B. auto.de, die dort einen Fahrzeug desHerstellers Ford des Typs Transit mit dem Baujahr 1985 in einem definiertenaktuellen Zustand um 2.000 Euro verkaufen. Im Bezug auf solche branchenspezifi­sche Datenpools (Datenservices, Datenmärkte) könnte zukünftig ein Anbieter aufdie Idee kommen, alle Daten über Politiker zu sammeln, also auch Events, die siebesuchen um dieses Branchenwissen an einen zweiten Anbieter zu verkaufen, derdiese Daten mit den Presseberichten verknüpft und weitergehende Analysenmacht.Aus der Sicht der Verwendung und Nutzung der Daten unterscheiden wirAnbieter und Nachfrager: Im Jahr 2020 wird es zum einen Unternehmen undOrganisationen geben, die „Data Outlets“ bereitstellen. Wie das Content Publis­hing heute, wird es zukünftig einen Markt für „Data Publishing“ geben. Unter­nehmen stellen Partnern oder auch der Öffentlichkeit ihre Daten zur Verfügung,beispielsweise Produktkataloge und branchenspezifische Terminologien. Umge­kehrt nutzen Unternehmen „Data Inlets“, indem sie Daten von außen in ihreFirma hineinnehmen, beispielsweise von Providern, die Branchenwissenanbieten.Ein Enterprise Knowledge Graph wird zukünftig die herkömmlichen Ansätze fürInformationsintegration ersetzen. Bei der Informationsintegration legt man zumZeitpunkt ihrer Erstellung genau fest, was man mit der Datenintegration errei­chen will, also welche Datensätze man zu welchem Zweck und mit welchem40
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenErgebnis verknüpfen möchte. Beim Enterprise Knowledge Graph werden dieDaten anwendungsneutral (und damit schemenfrei) miteinander verknüpft undman kann auch später weitere darauf basierende Services bzw. Analysenaufsetzen. Man kann also zu jedem späteren Zeitpunkt entscheiden, z.B. wenn sichneue Probleme oder Fragen ergeben, die vorhandenen Daten auf eine andereWeise zu nutzen. Der Ansatz gibt also eine größere Flexibilität, auch für damitverbundene Beratungstätigkeiten.Welche Gruppen arbeiten nun mit den neuen Entwicklungen?Zum einen sind das Serviceanbieter, denen es nun auf Basis der Graph­Datenmöglich ist, neue Sichten zu generieren. Wenn beispielsweise das Branchenwissenüber Autos mit den Instanzdaten der Märkte integrierbar wird, lassen sich z.B.individuelle Empfehlungen für die verfügbaren Fahrzeuge für eine Familie mitvier Kindern und einem Hund erstellen. Für die Akzeptanz solcher Empfehlungenist es wiederum wichtig, dass nachvollziehbar begründet werden kann, warumdieser Familie z.B. ein Auto mit einem großen Kofferraum empfohlen wird.Die Gruppe der Datenschützer wird im Jahr 2020 jammern. Die vorgestellteVision ist eine volle Etablierung des sogenannten „Web of Data“, erweitert auf das„Web of Corporate Data“. Das heißt, Unternehmen bieten dort nicht nur Produkte,sondern auch Daten über Produkte, Mitarbeiter, Services an. Das sind qualitativganz andere Daten, als sie heute in der Open Data Cloud erfasst werden: Dort istderzeit v. a. öffentlich zugängliches Wissen verfügbar, z.B. Daten über Orte, kultu­relle Güter, Denkmäler oder Personen des öffentlichen Interesses. Im Jahr 2020geht es aber immer mehr um interne (Unternehmens­) Daten, bei denen eine De­Anonymisierung vergleichsweise einfach möglich ist. Selbst wenn man vorder­gründig dafür sorgt, dass Wissen über die Personen und ihre Privatsphäre nichtbekannt wird, besteht oft durch die Verknüpfung der Daten (die „Traversierungder Enterprise Knowledge Graphs“) die Möglichkeit, dass Einsichten möglich sind,die von Datenschützern nicht unterstützt werden können. Ein Beispiel dafür istetwa die heute schon praktizierte Auswertung des Kaufverhaltens.Die Kosument/innen, also Kund/innen, nutzen die neuen Services natürlich. Sieerhalten mehr und maßgeschneiderte Services. Vordergründig profitieren sienatürlich davon, aber man muss sich auch die Frage stellen, ob sie in diesenDatenmärkten noch eine Privatsphäre haben.Die Betreiber von Datenmärkten wollen ihre Datenpools monetarisieren: Sieverdienen unmittelbar am Branchenwissen und/ oder am faktischen Wissen überdie Datenmärkte. Das Unternehmen Diagnosia Internetservices GmbH etwa stelltheute schon ein Datenservice für Medikamente und Inhaltsstoffe zur Verfügung.Die Vision ist also, dass das „Web of Data“ realisiert ist und um ein „Web of Corpo­rate Data“ erweitert wird.41
  • Zwei Visionen unter der LupeDer Weg dorthin: Hürden und begünstigende FaktorenZum einen gibt es eine Reihe von begünstigenden Faktoren auf dem Weg zurVision:Es gibt bereits Bestrebungen, solche geänderten Dienstleistungen anzubieten, dienicht so sehr auf den traditionellen Services, sondern auf offenen Daten beruhen.Wir rechnen damit, dass sich über Ansätze wie schema.org und die Linked­Data­Prinzipien mächtige graphenbasierte Wissensstrukturen im World Wide Webentwickeln. Auf dem Weg dorthin sind Technologien wie das Resource Descrip­tion Framework (RDF), oder Apache Hadoop (verteilte skalierbare Rechner­Archi­tektur) als Basis für eine weltumspannende Graphendatenbank wichtig undbringen die Entwicklung voran. Natürlich treibt der Markt für branchenspezifi­sches Wissen, der unserer Vision zugrunde liegt, bzw. die Nachfrage für entspre­chende Integrations­ und Auswertungsmöglichkeiten die Entwicklung und denEinsatz der Linked­Data­Technologien in den nächsten Jahren voran.Im Jahr 2016/17 werden schließlich Daten­Outlets oder auch Daten­Inlets bis hinzu den wirklichen Anwendungen und Services angeboten werden.Doch es gibt auch einige Hürden, die bis dahin überwunden werden:Da sind zum einen jener Teil der Semantic Web Community, der sich auf die Defi­nition und Entwicklung komplexer Wissensmodelle (Ontologien) spezialisiert hat.Die bisherigen Arbeiten und Arbeitsweisen dieser Gruppen und Einrichtungenwerden von diesem neuen Ansatz zumindest in Frage gestellt. Zum anderen sindda auch die handelnden Personen im Unternehmen, also IT­Verantwortliche, dieauch die aktuelle (traditionelle) Sichtweise teilen und ihre Systeme entsprechendaufgesetzt haben. IT­Verantwortliche denken stark in den organisatorischenEinheiten des Unternehmens, also: „hier die Buchhaltung, dort das Personalmana­gement, und da drüben die Abteilung XY“. Die Ermöglichung und Entwicklungeiner Datenintegration und verbindender Services, ist bei vertikaler Denkweiseschwer voranzutreiben. Effektvolle Mechanismen zum Datenschutz in Form vonZugriffsbeschränkungen (Was darf veröffentlicht werden? Wer hat Zugriff aufwelche Daten?) ist eine weitere Hürde in der Umsetzung: Genau genommen darfja niemand in der Firma beispielsweise Zugriff auf alle Daten haben. Auch derManager darf aufgrund der geltenden Gesetze viele Daten nicht personenbezogenauswerten. Eine weitere Hürde ist die Angst vor einer „gläsernen Firma“: Wer zuviele Daten nach außen abgibt, kann u.U. durch entsprechende Analysen, und auchKombinationen mit anderen Daten Einblicke in Firma gewähren, die man garnicht geben möchte oder eventuell als Manager sogar selber gar nicht hat. SteveJobs soll so beispielsweise schockiert reagiert haben, als Auswertungen derFehlermeldungen über eine neuartige Applikation Einblicke in die Applikationerlaubten, die die Entwickler selbst vorher nicht hatten15.15vgl. http://donmelton.com/2013/01/03/keeping-safari-a-secret/ (2013-04-30)42
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenDISKUSSIONWir haben nun mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren kurz­ und mittelfristigeEntwicklungen beschrieben und auch versucht, Wege zum Eintreffen von zweivon uns gewünschten Visionen darzulegen.Doch was bedeutet dies nun für die tatsächlichen Entwicklungen? Werden sietatsächlich so eintreffen? Umgekehrt stellt sich die Frage: Was passiert, wenn sienicht eintreffen? War dann unsere Arbeit wertlos?Dazu ein paar allgemeine Hinweise zur Debatte um die Qualität der Zukunftsfor­schung (vgl. Schön & Markus 2011). Zukunftsforschung gehört prinzipiell in eineGrauzone wissenschaftlicher Verfahren. Ihre Güte zu bewerten und sie kritisch zubetrachten, ist natürlich notwendig. Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitenssind unter anderem die Gültigkeit von Aussagen und ihre Korrektheit. Auf denersten Blick sind das auch Erwartungen, die man an die Forschung über zukünf­tige Entwicklungen heranträgt: Man will schließlich verlässlich erfahren, waszukünftig passiert. Gute Vorhersagen sollten demnach zukünftig auch zutreffen.Auf dem zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass Zukunftsforschung häufigbetrieben wird, um Planungen und Strategien zu beeinflussen, also auch um dieZukunft aktiv zu beeinflussen und mitzugestalten. In diesem Sinne kann Zukunfts­forschung auch davor bewahren, falsche Entscheidungen zu treffen. Die Vorher­sagen treffen dann gerade eben wegen der guten Forschung nicht ein (Grunwald,2002). Ein Beispiel ist die Forschung zum Klimawandel und den damit verbun­denen Katastrophenszenarien: Sie sollen eben auf Gefahren hinweisen undpräventive Maßnahmen hervorrufen.In diesem Sinne könnte diese Arbeit bei einem – wohl übersichtlichen, aberdennoch einflussreichen – Personenkreis zu Überlegungen oder Entwicklungenführen, die gerade wegen unserer Diskussionen in den Workshops oder derErgebnisdarstellung hier im Band erfolgt. Wollen wir wirklich alles so? Wenn daseh bald kommt – warum soll ich da mitmachen? Wie können wir vorhersehbarenProblemen aus den Weg gehen? Wie müssen wir agieren, dass unsere IdeenVerbreitung finden? An welche Partner müssen wir denken?So wurde beispielsweise konkret für die Entwicklung der Linked­Media­Techno­logien die Aussage getroffen:„(...) Daher ist es zwingend notwendig, sich auch mit regulativen Prozessen fürDatenpools zu beschäftigen, um hier adäquate Antworten und Lösungen präsen­tieren zu können.“ (s. S. 39).Zwar war der Aspekt der Notwendigkeit für regulative Prozesse aufgrund derDatenschutzproblematik in Betrieben allen bekannt, erst im Workshop wurdejedoch eine klare Handlungsanweisung formuliert und auch die Brisanz einersolchen Entwicklung für den Erfolg der gewünschten Ziele klar formuliert.43
  • DiskussionDas ist also nur ein Beispiel für weiterführende Überlegungen und Konsequenzen,die durch die intensiven Beschäftigung im Workshop oder auch mit der Lektüreder Ergebnisse in Gang gesetzt werden konnten. „Eigentlich“ waren sie auch viel­leicht allen – oder ein paar – der Beteiligten bekannt, nur wurden sie vorher ebennicht oder nicht so präzise formuliert. Übrigens kam es im Workshop zu denVisionen bei der Diskussion darüber, wie die Märkte zu künftig aussehen, auch zueiner Wortneuschöpfung: Neben Daten­Outlets werden auch „Daten­Inlets“vorhergesehen. Wenn wir mit diesem Beitrag und der Arbeit daran entsprechendeweitergehende Überlegungen und Entwicklungen sowie auch Wortneuschöp­fungen für das, was da auf uns zukommt, angeregt haben, ist das auch ein zufrie­denstellendes Ergebnis.Nichtdestotrotz ist natürlich das Vorgehen selbst nicht von vorneherein als unan­tastbar zu betrachten im Sinne von „egal wie und was wir gemacht haben oderwas dabei herauskam, Hauptsache, es ist etwas passiert“. Auch sollte das Ergebnisselbst durchaus einer Überprüfung durch die realen Entwicklung standhaltenbzw. nicht vollständig davon abweichen. Wir haben und werden also auchzukünftig, insbesondere bei den Wetten ist dies quasi schon im Konzept einge­baut, überprüfen, inwieweit unsere Vorhersagen und Einschätzungen zur Zukunftzutreffend sind. Inwieweit die Qualität durch das Verfahren und den beteiligtenPersonen abhängt, wird ebenso in der Rückschau eine Rolle spielen.Allgemein gibt es Bedenken gegenüber dem typischen methodischen Vorgehender Zukunftsforschung, dem Einbinden von Expertinnen und Experten bei derForschung zur Zukunft. So haben diese eine persönliche Geschichte, spezifischesVorwissen, persönliche Haltungen und auch persönliche Eigenschaften wiebeispielsweise einen ausgeprägten Optimismus oder eben Pessimismus. Damitbeeinflussen sie das Verfahren (z.B. Dominanz im Gespräch) und auch dasErgebnis (z.B. Kreativität der Ergebnisse). Diesen Argumenten haben wir wenigentgegenzusetzen. Vielmehr ist uns klar, dass der Auswahl unserer Experten ein„Bias“ hinterliegt: Wir haben – mit Ausnahme der Online­Wette – ausschließlichmit Experten aus dem SNML TNG gearbeitet, die Visionen sogar ausschließlich mitdem Salzburger Entwickler­Kernteam entwickelt. Zwar wurde versucht, korrigie­rend Stellungnahmen und Kritik einzuholen und zu ergänzen. Es ist zu vermuten –allerdings müsste das überprüft werden – dass die Einschätzungen andersausfallen, bzw. ausgefallen wären, wenn von vorneherein andere mit eingebundenworden wären – beispielsweise IT­Fachleute aus Medienunternehmen. Es ist aberauch nicht notwendigerweise so, dass sie dann „exakter“ im Hinblick auf dieVorhersage sein müssen.Neben der Diskussion des Vorgehens möchten wir abschließend auch einenAusblick auf weitere Unternehmungen geben. So haben wir das Repertoire undSpielfeld der Zukunftsforschung noch nicht ausgereizt, auch gibt es – insbeson­dere im Bereich der kurzfristigen Entwicklung von Apache Marmotta – einverwandtes Arbeitsfeld, in dem hilfreiche Maßnahmen und Erklärungen genutztwerden können, nämlich das Feld der Innovationsentwicklung sowie der Theorie44
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionenzur Marktaufnahme von Innovationen. So gibt es eine Reihe von Vorschlägen, diebeschreiben, wie Innovationen und Technologien am Markt aufgenommenwerden. Diese Konzepte helfen z.B. dabei, den aktuellen Stand von Technologienund Innovationen am Markt einzuschätzen (Rogers, 2003; Moore, 1999).Nun ist Apache Marmotta oder das Linked Media Framework keine Technologiefür Endkunden, dennoch sind – beispielsweise – aus Rogers und Moores Erklä­rungen Ableitungen möglich, die bei der Weiterentwicklung und Etablierung derTechnologien eben auch hilfreich sein können.Wir freuen uns auf alle Fälle darauf, in den nächsten Jahren an dieser erfolgsver­sprechenden Entwicklung mitzuwirken. Vielleicht auch Sie?45
  • Diskussion46
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenLITERATUR UND QUELLEN• Armstrong, J. Scott & Green, Kesten C. (2006). Demand Forecasting: Evidence-basedMethods. A chapter for the forthcoming book Strategic Marketing Management: ABusiness Process Approach, edited by Luit Moutinho and Geoff Southern. URL:http://marketing.wharton.upenn.edu/ideas/pdf/Armstrong/DemandForcasting.pdf[2011-08-30]• Bauer, Christoph; Blumauer, Andreas; Bürger, Tobias; Fernandez, Manuel; Gewald,Wolfgang; Glachs, Dietmar; Güntner, Georg; Haberl, Gerhard; Kurz, Thomas; Reich,Siegfried; Schaffert, Sebastian; Schebella, Marius; Schön, Sandra; Siorpaes, Katharina;Westenthaler, Rupert; Winkler, Markus und Zwischenbrugger &Edgar (Leitung: SandraSchön und Georg Güntner) (2011). Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialenvon Linked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen.Band 1 der Reihe„Linked Media Lab Reports“, herausgegeben von Christoph Bauer, Georg Güntner undSebastian Schaffert. Salzburg: Salzburg Research.• Bergman, Mike (2012). Seven Pillars of the Open Semantic Enterprise. URL:http://www.mkbergman.com/859/seven-pillars-of-the-open-semantic-enterprise/[2012-10-19]• Ebner, Martin & Schön, Sandra (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien:Entwicklungen, Initiativen, Vorhersagen. Band 4 der Reihe “Beiträge zu offenenBildungsressourcen”, herausgegeben von Ebner, Martin & Schön, Sandra (Hrsg.) Bookon Demand, Norderstedt bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu• Gaspoz, Cédric & Pigneur, Yves (2008). A design science approach for developpingprediction markets in a research and development community. Proc. 41th AnnualHawaii International Conference on System Sciences (HICSS), volume 41. IEEE ComputerSociety, January.• Grunwald, A. (2002). Technikfolgenabschätzung. Eine Ein- führung. Berlin: EditionSigma.• Kosow, H. & Gaßner, R. (2008). Methoden der Zukunfts-und Szenarioanalyse Überblick,Bewertung und Auswahlkriterien. In: WerkstattBericht Nr. 103, Berlin: Institute forFutures Studies and Technology Assessment, URL: http://www.izt.de/fleadmin/down-loads/pdf/IZT_WB103.pd f [2010-12-29].• Moore, G. A. (2002). Crossing the Chasm: marketing and selling high-tech products tomainstream customers. New York: Harper Business Essential.• Rogers, E. M. (2003). Diffusion of Innovations. New York: Free Press.• Schaffert, Sandra (2004). Einsatz von Online-Prüfungen in der beruflichen Weiterbil-dung: Gegenwart und Zukunft. Deutsches Institut für Erwachsenenbildung.URL:http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2000/schaffert00_01.pdf47
  • Diskussion• Schön, Sandra & Ebner, Martin (2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien:Wettergebnisse bei zwölf ausgewählte Thesen zur Entwicklung in den nächsten 18Monaten. In: bildungsforschung, Jahrgang 9, Ausgabe 1, September 2012, URL:http://bildungsforschung.org [2013-02-15]• Schön, Sandra & Markus, Mark (2011). Zukunftsforschung und Innovation – … wissenwas kommt. In: Martin Ebner & Sandra Schön (Hrsg.), Lehrbuch zum Lernen und Lehrenmit Technologien. URL:http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/85 [2013-02-15]• SPIEGEL ONLINE (2012). Europa plant dritte industrielle Revolution. Beitrag vom5.10.2012. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eu-kommission-will-dritte-industrielle-revolution-a-859794.html [2012-10-19]• Wieden-Bischof, Diana & Schaffert, Sandra (2008). Nachrichten 2.0: Eine Analyse inter-nationaler Nachrichtenangebote im Internet. Norderstedt: Book on Demand GmbH.• Wolfers, Justin & Zitzewitz, Eric (2004). Prediction Markets. In: Journal of EconomicPerspectives. Stanford Graduate School of Business, 18 2, 107-126.• Zhao, Sesia J.; Wagner, Christian & Chen, Huaping (2008). Review of prediction marketresearch: Guidelines for information system research. Pacis 2008 Proceedings, Paper193. URL: http://aisel.aisnet.org/pacis2008/193/ [2011-09-16]48
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und VisionenLINKED MEDIA LAB REPORTS – DIE NEUE REIHE DES SNML-TNGDies ist das sechste Band in der neuen Reihe „Linked Media Lab Reports“ des Salz­burg NewMediaLab – The Next Generation (herausgegeben von Christoph Bauer,Georg Güntner und Sebastian Schaffert). In dieser Reihe werden in Deutsch oderin Englisch Werkstattberichte veröffentlicht, also Beiträge mit eher konzeptio­nellen Charakter und Anleitungen.Band 1Linked Media. Ein White-Paper zu den Potentialen vonLinked People, Linked Content und Linked Data in Unternehmen.(Salzburg NewMediaLab – The Next Generation)ISBN 978-3-902448-27-9Issue 2 (auf Englisch)Linked Media InterfacesGraphical User Interfaces for Search and Annotation(Marius Schebella, Thomas Kurz and Georg Güntner)ISBN 978-3-902448-29-3Issue 3 (auf Englisch)Media Objects in the Web of Linked DataPublishing Multimedia as Linked Data(Thomas Kurz)ISBN 978-3-902448-30-9Band 4Smarte Annotationen.Ein Beitrag zur Evaluation von Empfehlungen für Annotationen.(Sandra Schön, Thomas Kurz und andere)ISBN 978-3-902448-31-6Band 5Qualitätssicherung bei AnnotationenSoziale und technologische Verfahren in der Medienbranche(Sandra Schön, Georg Güntner und andere)ISBN 978-3-902448-32-349
  • DiskussionSOCIAL MEDIA – DIE PUBLIKATIONSREIHE DES SNML-TNGIn der Reihe „Social Media“ des Salzburg NewMediaLab (herausgegeben vonGeorg Güntner und Sebastian Schaffert) sind bisher folgende Bände erschienen:Band 1Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys.Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen.(Sandra Schaffert und Diana Wieden-Bischof)ISBN 978-3-902448-13-2Band 2(Meta-) Informationen von Communitys und Netzwerken.Entstehung und Nutzungsmöglichkeiten.(Sandra Schaffert, Julia Eder, Wolf Hilzensauer, Thomas Kurz, Mark Markus, SebastianSchaffert, Rupert Westenthaler, Rupert und Diana Wieden-Bischof)ISBN 978-3-902448-15-6Band 3Empfehlungen im Web. Konzepte und Realisierungen.(Sandra Schaffert, Tobias Bürger, Cornelia Schneiderund Diana Wieden-Bischof)ISBN 978-3-902448-16-3Band 4Reputation und Feedback im Web.Einsatzgebiete und Beispiele.(Sandra Schaffert, Georg Güntner, Markus Lassnig und Diana Wieden-Bischof)ISBN 978-3-902448-17-0Band 5 – in Kooperation mit evolaris und Salzburg ResearchMobile Gemeinschaften.Erfolgreiche Beispiele aus den Bereichen Spielen, Lernen und Gesundheit.(Sandra Schön, Diana Wieden-Bischof, Cornelia Schneider und Martin Schumann)ISBN 978-3-902448-25-550
  • ZUKUNFT VON LINKED MEDIA: Trends, Entwicklungen und Visionen51
  • Diskussion52