Hausmitteilung7. April 2012                                                                        Betr.: Titel, Samenspen...
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  1. 1. Hausmitteilung7. April 2012 Betr.: Titel, Samenspender, ToreroE s mag auch an der Deutschtümelei der Nazis liegen: Vom Missbrauch des Hei- matbegriffs haben sich die Deutschen bis heute nicht erholt. Wer von Heimat-liebe spricht, setzt sich schnell dem Verdacht aus, nicht so recht ins moderne Lebenzu passen. Doch als SPIEGEL-Autor Dirk Kurbjuweit, 49, und Fotograf MichaelTrippel, 47, durch die Republik reisten, trafen sie auf Menschen, denen Heimatsehr viel bedeutet – wenn auch jeder etwas anderes darunter versteht. Der einemeint Haidenkofen, ein Dorf bei Regensburg, 97 Einwohner; der andere das Inter-net, das seine Welt geworden ist. Kurbjuweit ist in Berlin aufgewachsen und lebtauch heute dort. „Die intensivsten Heimatgefühle hatte ich bis vor kurzem ineinem Spielwarengeschäft in Reinickendorf“, sagt er, „dort habe ich als Kind Stun-den verbracht, mir alles genau angeschaut und eine Menge Dinge mit nach Hausegenommen, aber leider nur in Gedanken.“ Fürihn sei das Geschäft „ein Ort der Träume undSehnsüchte“. Nun sei es geschlossen, „aber dieErinnerungen bleiben“. Mit dem Cover dieser MICHAEL TRIPPEL / DER SPIEGELAusgabe will der SPIEGEL jeder Leserin und je-dem Leser ein Gefühl von Heimat bieten undjedenfalls ein Bild seiner Region. Erstmals wirddas Heft mit dreizehn verschiedenen Titelbildernausgeliefert; elf Motive für elf Regionen Deutsch-lands, dazu ein eigenes Titelbild für Österreichund eines für die Schweiz (Seite 60). Kurbjuweit in HaidenkofenA ls SPIEGEL-Redakteurin Barbara Hardinghaus, 36, von der Freizeitbeschäfti- gung des Niederländers Ed Houben, 42, erfuhr, war sie gespannt auf die Be-gegnung mit ihm: Der Mann spendet Samen, er hat schon 82 Kinder. Frauen ausdem In- und Ausland nehmen via Internet mit ihm Kontakt auf und bitten Houben,mit ihnen zu schlafen. Hardinghaus traf in Maastricht, wo Houben als Stadtführerarbeitet, nicht auf einen Beau, sondern auf einen Mann mit Übergewicht und ohnebesondere Ausstrahlung. „Die Frauen wollen ihn, weil er kein anonymer Samen-spender ist, kein Geld nimmt und die Werte in seinem Spermiogramm sehr gutsind“, sagt die Redakteurin. Sex mit einem Fremden, so Hardinghaus, „sehen sieals reine Notwendigkeit, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen“ (Seite 52).B evor die SPIEGEL-Redakteure Cathrin Gilbert, 27, und Maik Großekathöfer, 40, den Torero Juan José Padilla, 38, in Spanien aufsuchten, diskutierten siemit ihren Kollegen aus dem Sportressort: Ist das grausame Treiben wirklich eineSportart? Die Redakteure, die ähnliche Diskussionen über Schach, Poker und die Formel 1 geführt hatten, entschieden sich auch diesmal für den interessanten Stoff – spannender als Definitionsfragen er- schien ihnen, wie Padilla die Tierquälerei rechtfertigen würde. Der Torero, dem ein MARCEL METTELSIEFEN / DER SPIEGEL Stier im Oktober das linke Auge ausge- stochen hatte, erzählte, dass er sich als „Tänzer“ empfinde und seine Arbeit als „Kunst“. Als die Redakteure das mörde- rische Schauspiel in den Arenen kritisier- ten, „hatte er es jedoch plötzlich eilig und beendete das Gespräch“, sagt GilbertGroßekathöfer, Padilla, Gilbert bei Jerez (Seite 130).Im Internet: www.spiegel.de D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2 5
  2. 2. In diesem Heft Merkel, von der Leyen TitelWie sich das Heimatgefühl der Deutschenverändert hat .................................................... 60Für Österreich: Wie sich der Staat aus derProvinz zurückzieht .......................................... 70Für die Schweiz: Was ein Schweizer imAusland an seiner Heimat vermisst ................... 70 DeutschlandPanorama: Bundesjustizministerin gegenBetreuungsgeld / Schüler verschmähenMensa-Essen / Gerangel um Termin fürBundestagswahl 2013 ......................................... 14Union: Merkel positioniert sich alsKanzlerin der Gerechtigkeit .............................. 18Wirtschaftspolitik: Auf die Stromkundenkommen neue Milliardenkosten zu ................... 22Atomausstieg: Niedersachsens MinisterpräsidentMcAllister fordert den Einstieg des Staatesbeim Netzausbau .............................................. 24Parteien: Sollen die Vorsitzenden der Piratenein Gehalt bekommen? ....................................... 26Karrieren: Die private Griechenland-Mission Aus Schwarz wird Rot Seite 18 SEAN GALLUP / GETTY IMAGESdes FDP-Politikers Chatzimarkakis ................... 28Integration: Junge Migrantinnen flüchtenvor ihren Familien, um selbstbestimmt leben Auf keinen Fall will die Kanzlerin im nächsten Jahr einen Gerechtig-zu können ......................................................... 32 keitswahlkampf führen. Deshalb räumt sie alle sozialpolitischenAlter: Wie aktiv kann sich Walter Scheel noch Streitfälle ab, um der SPD möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.mit der Tagespolitik befassen? .......................... 38Verbrechen: Die Fehler der Polizei im Falldes 18-jährigen Kindsmörders ........................... 40Gesundheit: Fragwürdige Therapiengegen Heuschnupfen ......................................... 42Strafjustiz: Zu viel Aufmerksamkeit fürdie Opfer von Strafverfahren? .......................... 44Bestattungen: Fettleibige Leichname führenzu Störfällen in Krematorien ............................ 48 Grabenkämpfe bei der Deutschen Bank S. 74 Gesellschaft Im Handstreich beenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Ära Ackermann.Szene: Wal-Bergung in Brasilien / Interview Die Aktionäre jubeln, Politiker und Aufseher begegnen den neuen Chefs mitüber Organspenden und die Grenzen Argwohn. Nun müssen die beiden die Deutsche Bank neu erfinden.der Nächstenliebe ............................................. 50Eine Meldung und ihre Geschichte – wie einsächsischer Zoo den Tod eines prominentenTiers verkraftet .................................................. 51Fortpflanzung: Das seltsame Leben desSamenspenders Ed Houben .............................. 52Ortstermin: Eine Messe in Hannover probt Das Geschäft mit dem Krebs Seite 81 Mit Chemotherapien verdienen Pharmafirmen und Apotheker besondersden Umbau Deutschlands zur Altenrepublik .... 59 gut. Um an die begehrten Rezepte zu kommen, sollen sie bundesweit Wirtschaft Krebsärzte geschmiert haben. Nun ermitteln die Staatsanwälte.Trends: Audi baut Werk in Mexiko / Finanzgruppewill Schlecker kaufen / VerkehrsministerRamsauer über die Folgen desNachtflugverbots ............................................... 72Finanzindustrie: Wohin steuert die DeutscheBank unter Anshu Jain und Jürgen Fitschen? .... 74Steuerhinterziehung: Unbeirrt von Die verstecktenSpionagevorwürfen kaufen deutsche Fahnderneue Daten aus der Schweiz ............................. 79 Mädchen Seite 32Affären: Wie Pharmafirmen und Apotheker Sie wollen westlich unddie Krankenkassen mit Krebsmedikamenten selbstbestimmt leben –ausnehmen ........................................................ 81 doch sie dürfen es nicht. Ausland Manche Migrantinnen wer-Panorama: Ende der Toleranz in den Vereinigten den von ihrer Familie ausArabischen Emiraten / Machtkampf in Mali ..... 86 Deutschland verschlepptUkraine: Der Deal um Julija Timoschenko ........ 88 oder ermordet. Andere flie-Frankreich: Der „Le Monde“-Reporter Philippe hen rechtzeitig und bekom-Ridet über den Wahlkämpfer Sarkozy .............. 91 men sogar eine neue Identi-Griechenland: Pasok-Chef Evangelos Venizelosüber die Reformierbarkeit seines Landes .......... 93 tät. Trotzdem müssen sie POLIZEI / DPAIrak: Hoffen auf den Öl-Boom .......................... 95 ihr neues Leben im Verbor-USA: Die neue alte Rassenfrage ........................ 98 Mordopfer Arzu genen führen, in ständigerGlobal Village: Ein Niederländer wirbt fürs Angst vor Entdeckung.Wandern in Palästina ....................................... 1006 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  3. 3. Kultur Szene: Ein Liebeslied aus „Mad Men“ macht Karriere / Wie die Nazis ihre Kunstraubzüge katalogisierten ................................................. 102 Debatte: Das seltsame Frauenbild der Familienministerin Kristina Schröder ........ 104 Literatur: „Oblomow“, der Roman, der den Müßiggang feiert, erscheint endlich in einer Neuübersetzung ..................................... 108 Bestseller ......................................................... 110 Essay: Constanze Kurz vom Chaos Computer Club über das Vorbild der Piraten für andere Parteien ............................................................ 112 Autoren: Der amerikanische Konvertit Michael Muhammad Knight entwirft die Vision eines westlichen Islam ......................................... 114 Debattenkritik: Günter Grass und sein Israel- Gedicht „Was gesagt werden muss“ ................. 117 Wissenschaft · Technik Prisma: E-Books als Anreiz für Lesemuffel / Ecstasy gefährdet Ungeborene ......................... 118 Tauziehen um Timoschenko Seite 88 Archäologie: In Israel wird ein 2500 Jahre altes Bergheiligtum erforscht ..................................... 120 SERGEI CHUZAVKOV / AP Deutschland will die inhaftierte Julija Timoschenko an der Charité Neurologie: Wie ein Schriftsteller plötzlich behandeln lassen. Ob sie nach Berlin kommt, ist offen: In der Ukraine das Lesen verlernte ......................................... 124 verschärft Staatschef Janukowitsch seinen Kurs gegen die Opposition. Automobile: Das neue Elektro-Gefährt von Renault ..................................................... 127 Naturkatastrophen: Tsunami an der deutschen Nordseeküste ................................................... 128 Sport Szene: Überteuerte Hotels bei Fußball-EM in der Ukraine / Wie gerecht ist das Image vonBagdads schwarzer Schatz Seite 95 Spielerfrauen? ................................................. 129 Stierkampf: SPIEGEL-Gespräch mit demNach Jahren des Niedergangs wächst auf Iraks Ölfeldern die Zuversicht. Torero Juan José Padilla über einen Unfall,Fast alle Konzerne haben Verträge mit Bagdad geschlossen – doch sie gehen bei dem ihm ein Bulle das Auge ausstieß, und sein Comeback in der Arena ........................... 130mit der Ölförderung ein hohes Risiko ein: Stabil ist das Land bis heute nicht. Medien Trends: „taz“ macht Gewinn / Niggemeiers Medienlexikon ................................................. 137 Filme: China entdeckt Hollywood –Weltliteratur gegen den Burnout Seite 108 und umgekehrt ................................................ 138Er ist ehrgeizlos und liebt den Müßiggang: Ilja Oblomow, der Titelheld aus Briefe .................................................................. 8Iwan Gontscharows Roman von 1859. Seine Lebensart ist der Gegenentwurf Impressum, Leserservice ................................. 142zum Burnout-Menschen von heute. Jetzt wurde das Buch neu übersetzt. Register ........................................................... 144 Personalien ...................................................... 146 Hohlspiegel / Rückspiegel ................................ 148 Titelbild: Schleswig-Holstein: Dörthe Hagenguth/Agentur Focus; Mecklenburg-Vorpommern: Berthold Steinhilber/laif; Hamburg:Gottes zweiter Peter Bialobrzeski/laif; Niedersachsen: Christian O. Bruch/laif; Berlin: Maurice Weiss/Ostkreuz; Nordrhein-Westfalen: Peter Bialobrzeski/laif/Aus dem Buch „Heimat“, Hatje Cantz Verlag, 2005;Tempel Seite 120 Hessen: Markus Hanke/Visum; Rheinland-Pfalz: Dieter Roeseler/laif; Sachsen: Look-Photo; Baden-Württemberg: Peter Bialobrzeski/laif; Bayern: Berthold Steinhilber/laif; Österreich: Julia Knop/laif; Schweiz:Überraschung im Heiligen Stefan Jaeggi/Keystone/laifLand: 50 Kilometer vomTempel in Jerusalem ent-fernt stand ein mächtigesGegenheiligtum – die Kult- Lauter denkenstätte der Samaritaner, die Jungphilosophen erklä-mit den Juden um die wahre ren uns die Welt. Außer- URIEL SINAI / GETTY IMAGESLehre Gottes stritten. Jetzt dem im UniSPIEGEL:werten Forscher Funde aus wie man Fußballmana-diesem „Haus des Herrn“ ger wird, das Geschäftund Handschriften der Sekte mit den Studienplatz-aus, die als kleine Gemeinde Samaritaner auf dem Berg Garizim klagen und der intimefortexistiert. Job der Sexologen. D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2 7
  4. 4. Briefe Preisschwankungen und deren Auswir- kungen auf den Konsum statistisch aus- „Bei diesen Benzinpreisen ist es werten und die zukünftige Preispolitik so festlegen. Daher halte ich auch nichts von Sache des Verbrauchers, ein einer Erhöhung der Pendlerpauschale. Höhere Subventionen führen immer zu kostengünstigeres Verkehrsmittel höheren Preisen. CLEMENS JUNG, BRÜCKEN (RHLD.-PF.) zu wählen. Die Angebote fahren Natürlich rege auch ich mich über die bereits herum. Einfach zugreifen.“ Preispolitik der Ölkonzerne auf. Und doch muss ich an der Tankstelle schmun- zeln, wenn einige ihr offensichtlich neues ERIK SCHNEIDER, FRANKFURT AM MAIN Geländefahrzeug volltanken und sich SPIEGEL-Titel 14/2012 wundern, dass sie mit dem Rechnungs- betrag locker eine Einzimmerwohnung für einen Monat hätten mieten können.Nr. 14/2012, Das Benzin-Kartell – Wie GIORGIO FORLANO, BERLINÖl-Konzerne die Spritpreise manipulieren Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Sprit-Nach uns die Sintflut preise ist mir gestern aufgefallen: Auf der Autobahn fahren am hellen NachmittagKann es sein, dass wir Deutsche die bei gutem Wetter, kaum Verkehr unddümmsten Europäer sind, weil wir uns ohne Tempolimit plötzlich (fast) alle Au-die hohen Spritpreise gefallen lassen? Es tofahrer Tempo 120. Das gab’s noch nie. GUIDO OHLENBOSTEL / DER SPIEGEList geradezu lächerlich, dass ein und die- STEFFEN MÜLLER, TUTTLINGEN (BAD.-WÜRTT.)selbe Lieferung an den Tankstellen un-terschiedlich bepreist wird, sogar inner-halb eines Tages. Die Begründung mit Nr. 13/2012, Wenn der eigene Sohnden Spotpreisen in Rotterdam kann das ein Mörder istnicht erklären. Ob Aral, Shell, Total oderandere: Sie erhöhen gleichzeitig auf glei-che Preise – und das Kartellamt meint Tankstelle in Köln Gelebtes Christentumnicht eingreifen zu können!? Gut, dass man auch mal die Opfer auf HUBERT SCHMOLL, WETTER (NRW) die Parklücke kriegt. Deshalb fordert ja der bösen Seite sieht und Mitgefühl der ADAC auch größere Parkhäuser. weckt. Schlimm, dass sich die Geschwis-In einem ambulanten Pflegedienst mit ei- MARK BIHLER, BERLIN ter nur von hinten zeigen können. Schön,nem Fuhrpark von 120 Fahrzeugen wer- dass die Familie die „Bestie“ weiter liebt.den in einem Jahr rund 2,75 Millionen Hohe Energiekosten erhöhen den Inno- Gelebtes Christentum.Kilometer gefahren. Bei einem Durch- vationsdruck, um die Abhängigkeit vom M. LENZEN, MÜNCHENschnittsverbrauch von insgesamt 6,37 Li- Öl zu reduzieren. Darüber hinaus sindtern zahlt ein Pflegedienst allein für den die Spritpreise auch im Hinblick auf die Mirco wird nie wieder draußen spielenSprit 275 000 Euro. Die Höhe der Sprit- Folgekosten für Umwelt und Gesundheit können, nie wieder seine Eltern oder Ge-preise ist ein eminent politisches Thema. viel zu niedrig. Verbreitet ist diese Er- schwister in den Arm nehmen, er darfDenn im Gegensatz zu anderen Unter- kenntnis allerdings nicht in einer Gesell- nicht erwachsen werden, eine Familienehmen, die mit Pkw arbeiten, sind Un- schaft, die nach wie vor von der Auto- gründen. Die letzten Stunden seines kur-ternehmen im Gesundheitsbereich nicht mobilindustrie und ihren Werbebotschaf- zen Lebens müssen schrecklich gewesenvorsteuerabzugsberechtigt. Der Steueran- ten dominiert wird. Dazu kommen noch sein. Mircos Familie wird bis zum Endeteil von über 90 Cent pro Liter schlägt die Trägheit und die Uneinsichtigkeit ihrer Tage mit diesem furchtbaren Verlustalso voll durch. Wenn die Politik nicht vieler Verbraucher. leben müssen. Man sehe es mir als Mutterwill, dass die ambulante Pflege insgesamt DR. HEINZ MESTRUP, MÜNSTER zweier Söhne nach, dass ich nicht verste-an die Wand fährt, muss sie dafür sorgen, hen kann, wie die Familie des Täters tickt.dass sie die unabdingbare Mobilität noch Die Höhe der Preisschwankungen kann Dass auch die Täterfamilie sehr unter die-bezahlen kann. damit zusammenhängen, dass man mit ser Tat leidet, ist nachvollziehbar, aber DR. MARIA PANZER, UNTERHACHING (BAYERN) dem Kaufverhalten der Kunden experi- zum Täter halten? Unvorstellbar. HEIMBEATMUNGSSERVICE mentiert. Man kann mit „Testregionen“ JESSIKA SCHÜTEN, PULHEIM (NRW)Wir verprassen derzeit Erdöl nach demMotto: Nach uns die Sintflut. STEFAN BLUEMER, MÜLHEIM A. D. RUHR Diskutieren Sie im Internet www.spiegel.de/forum und www.facebook.com/DerSpiegelWenn sich die Autofahrer im weltweiteinzigen Land ohne Tempolimit über zu ‣ Titel Was ist Heimat?hohe Spritpreise aufregen, ist das an Ko-mik kaum zu überbieten. Grinsen kann ‣ Krebs Verdienen Apotheker zu vielman auch täglich in deutschen Metropo- an den Medikamenten?len, wenn die überforderte Zahnarztgat- ‣ Sport Ist der Stierkampf mehr alstin den allradgetriebenen Spritmonster- nur Tierquälerei?SUV jenseits der 250 PS nicht mehr in8 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  5. 5. BriefeNr. 13/2012, Wie die Piratenpartei das triebswirten hat mit 49,09 Prozent nochpolitische Establishment herausfordert Luft nach oben. Schlimm wird es bei den Ingenieuren: Maschinenbau (9,62 Pro-Im Cyberspace verloren zent), Elektrotechnik (7,81 Prozent), Fahr- zeugtechnik (4,55 Prozent). Das Frauen-Verwegen finde ich, dass die Piraten in quotenproblem hat nichts mit Männernihrem Parteiprogramm für „alle Bürger und nichts mit der Wirtschaft zu tun. Son-jederzeit die volle Kontrolle über ihre In- dern mit einer Frauschaft, die führen will,formationsverarbeitung und Kommuni- aber die dazu nötigen Qualifikationen nicht anbieten kann. MANFRED POWELEIT, ARTLENBURG (NIEDERS.) Frau Reding meint, dass die Menschen viel vernünftiger seien als „wir Politiker“. Zu diesen Menschen rechne ich allerdings STEFAN PUCHNER / DPA auch die Gegner der Quote und beson- ders die betreffenden Unternehmer. Ein Argument wird leider in solchen Diskus- sionen selten gesehen: Der Unternehmer muss die Freiheit behalten, selbst überBundesparteitag der Piraten 2011 sein Personal zu entscheiden. Wir brau- chen mehr Freiheiten und die dazugehö-kation“ erreichen wollen und dazu for- rige Ethik der Verantwortung.dern, „die Macht über Systeme und Da- DIETER BRANDES, HAMBURGten … so breit wie möglich auf alle Bürgerzu verteilen und so ihre Freiheit und Pri- Klarer Punktsieg für Frau Schröder. Ge-vatsphäre zu sichern“. Da ist den Piraten gen den Zeitgeist bietet sie souverän Brüs-im Cyberspace wohl etwas die Bodenhaf- seler Erpressungsversuchen die Stirn.tung verlorengegangen. Aber unterhalt- Warum auch sollten im 21. Jahrhundertsam sind sie schon! Einstellungen und Beförderungen nach JÜRGEN SIEVERS, BÜDELSDORF (SCHL.-HOLST.) Geschlechterzugehörigkeit erfolgen – wa- ren wir da nicht schon mal weiter?Fast alle unserer konkreten Programm- MICHAEL KEMPTER, STUTTGARTpunkte stammen ursprünglich von einfa-chen Parteimitgliedern ohne Amt und Auffällig, dass nur in den Rosinen-Jobswerden dann von meist informellen Ar- nach der Frauenquote gefragt wird, nichtbeitsgruppen weiterentwickelt, bis die jedoch in gefährlichen Berufen, in denenVorlagen beschlussfähig sind. Bei den zu 92 Prozent Männer verunglücken.etablierten Parteien dagegen (gerade beiden Bündnis-Grünen!) ist es genau um-gekehrt; dort brütet die Vorstandschaft MAURICE WEISS / OSTKREUZ / DER SPIEGELfertige „Meinungsvorlagen“ aus, die bes-tenfalls vom Parteitag noch abgenicktwerden dürfen. Die Meinungs- und Wil-lensbildung der Piratenpartei läuft prin-zipiell „von unten nach oben“, wie es ineiner funktionierenden Demokratie auchsein sollte. Ein Pirat hat keine feste Welt-anschauung – ein Pirat, der schaut sichdie Welt an! OLIVER VAILLANT, REGENSBURG Politikerinnen Schröder, Reding PIRATENPARTEI OBERPFALZ Wenn Frauen ihre Kinder mit 25 statt mit 39 bekämen, hätten wir diese Aufstiegs-Nr. 13/2012, EU-Kommissarin Viviane Re- diskussion eher nicht. Eine Vorstandskar-ding und Familienministerin Kristina Schrö- riere beginnt nämlich ab Anfang 40.der über Sinn und Unsinn der Frauenquote RICHARD SCHEDEL, ERLENBACH (BAYERN)Romanistinnen für VW?Sehr viel höher als Frau Redings 60 Pro- Korrekturzent ist die Quote der Hochschulabsol- zu Heft 14/2012ventinnen bei Romanistik (86,43 Prozent), Seite 143, „In der Problemzone“: DieGermanistik (80,94 Prozent) und Anglis- Grafik nennt für den März 2012tik (78, 39 Prozent). Doch was sollen Vor- falsche Marktanteilswerte. Für RTLstand und Aufsichtsrat von VW mit Ro- muss es richtig heißen 17,6 statt 18,2manisten, Germanisten und Anglisten? Prozent und für Sat.1 10,2 statt 9,9VW wird geführt von Kaufleuten und In- Prozent.genieuren. Die Frauenquote bei den Be-10 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  6. 6. BriefeNr. 13/2012, Die Mär von der anti- sich die Suizidzahlen ansieht. Es fehlen Nr. 13/2012, Knapp eine Milliarde Euro imsyrischen Verschwörung einfach Therapeuten! Die Patienten, die Jahr für die Berliner Kultur – reicht das? begutachtet werden, müssen unter einemEinreiseverbot aufheben erheblichen Leidensdruck stehen, weil sie sich sonst nicht in die stigmatisierte Be- Berliner LuxusproblemeDie von Todenhöfer zu Syrien festgestell- handlung begeben würden. Bevor wir uns weiter mit den kulturellente „gigantische Desinformationskampa- KERSTIN VOSPOHL, ESSEN Luxusproblemen Berlins beschäftigen,gne“ ließe sich sehr leicht verifizieren: sollten wir die Entwicklung der einstDer Despot von Damaskus müsste dazu Jeder in Psychotherapie investierte Euro so reichen föderalen Kulturlandschaftlediglich das Einreiseverbot für unabhän- spart an anderer Stelle zwei bis vier Euro Deutschlands mit den Zentren Hamburg,gige Journalisten aufheben. an Kosten. Demzufolge kann es nur wün- München, Dresden, Düsseldorf, Köln, Es- PETER BERGER, HEILIGENHAUS (NRW) schenswert sein, wenn Menschen auch mit noch nicht chronifizierten StörungenIm vergangenen Jahr habe ich Herrn To- eine Behandlung bekommen. Die Gesell-denhöfer mehrmals als Videojournalistin schaft sollte sich fragen, warum die Zahlnach Syrien begleitet. Vor Ort haben wir der Hilfesuchenden, der Krankgeschrie-Hunderte Gespräche mit den unterschied- benen und der Erwerbsgeminderten auf- P. PONZIAK / VISION PHOTOSlichsten Menschen geführt. Die von To- grund psychischen Leidens rasant unddenhöfer gemachten Aussagen kann ich permanent steigt, statt diejenigen zu dif-bezeugen. Zwischenzeitlich wurden eini- famieren, die Hilfe anbieten.ge Aussagen Todenhöfers – für die er hier SVEN QUILITZSCH, ZWICKAU (SACHSEN)in Deutschland verhöhnt wurde – auch PSYCHOLOGISCHER PSYCHOTHERAPEUTvon Human Rights Watch, der Arabi-schen Liga und Kofi Annan bestätigt. Bei Dass die Psychotherapeutensitze so un- Geschlossenes Schiller Theater 1993der Recherche ist Todenhöfer akribisch gleich verteilt sind, liegt an der Bedarfs-vorgegangen. Er hat dafür ein hohes Risi- planungsrichtlinie. Viele der jungen Psy- sen und so weiter analysieren und hierko auf sich genommen. Auch im Ge- chotherapeuten würden gern in die struk- wieder Schwerpunkte der Förderung set-spräch mit Assad, bei dem ich anwesend turschwachen Gebiete gehen, wenn es zen. Zum Europa der Regionen passt daswar, hat sich Todenhöfer vehement für dort freie Sitze gäbe. besser als die Konzentration auf einenDemokratie eingesetzt. Umso verwunder- DIETER BEST, LUDWIGSHAFEN national bestimmten Kulturort.licher war die Reaktion in Deutschland. DEUTSCHE PSYCHOTHERAPEUTENVEREINIGUNG PETER SCHMIDT, HAMBURG JULIA LEEB, MÜNCHEN EHEM. BÜRGERSCHAFTSABGEORDNETER Ich habe keinen einzigen Burnout-Patien- ten, sondern behandle etwa 15 Prozent Staatssekretär Schmitz hat recht damit,Nr. 12/2012, Der Mangel an Psycho- „leichte Fälle“, die „nur“ eine Anpas- dass mit kleinen Beiträgen große Wir-therapeuten führt zu langen Wartezeiten sungsstörung haben, circa 50 Prozent kung erzielt werden kann! Warum ent- komplex Traumatisierte, die zum Beispiel zieht seine Landesregierung diese Bei-Bitterer Nachgeschmack eine Borderline- oder dissoziative Stö- rung haben, 10 Prozent Psychose-Kranke, träge der musikalischen Bildung? Auch Niedersachsen hat den Musikunterricht der Rest besteht aus Leuten mit depressi- halbiert, an Baden-Württembergs Grund- ven Störungen, Ängsten und Zwangser- schulen gibt es das Fach Musik gar nicht krankungen. Der reale Bedarf liegt hier mehr. Man stelle sich vor, die Metropo- 170 Prozent höher als die zugelassene An- lenbibliothek auf dem Tempelhofer Feld ACHENBACH PACINI / DER SPIEGEL zahl von Therapeuten. Und dies ist in al- wird vom Regierenden Bürgermeister er- len anderen Ballungszentren genauso. öffnet, während sein Schulsenator den ANKE STAHL, KÖLN Deutschunterricht halbiert! Aus der Sta- tik wissen wir, dass Leuchttürme ohne Die Arbeit mit schwer und schwerst psy- Fundament zum Einsturz neigen. chisch Kranken erfordert höchsten Ein- PROF. HANNO MÜLLER-BRACHMANN, BERLIN satz – nicht nur fachlich, sondern auch Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe – bitte mitPsychologe Thomas Bock in Hamburg emotional. Wer glaubt, dies an fünf Tagen Anschrift und Telefonnummer – gekürzt und auch elek- die Woche von früh bis spät leisten zu tronisch zu veröffentlichen. Die E-Mail-Anschrift lautet:Eine leichte Erkrankung wird – wenn können, wird wahrscheinlich eines Tages leserbriefe@spiegel.denicht richtig und frühzeitig behandelt – selbst behandlungsbedürftig werden. In dieser SPIEGEL-Ausgabe befindet sich im Mittelbundrasch zu einer schweren Erkrankung; es DR. EVA-MARIA GLOFKE-SCHULZ, ROSENHEIM ein 16-seitiger Beihefter der Firma DURAVIT, Hornberg.macht also viel Sinn, auch „leichte“ Fälleanzunehmen, vor allem wirtschaftlich istes erheblich effektiver für das Gemein-wesen, wenn Erkrankungen frühzeitigprofessionell behandelt werden. Aus der SPIEGEL-RedaktionDIPL.-PSYCH. CORNELIA CORDES, SCHLEIDEN (NRW) Verwüstete Landstriche, gequälte Bauern, abgeschlachtete Söldner – mit dramatischen Bildern hat sich der Dreißigjährige Krieg in dasHier entsteht er wieder, der bittere Nach- Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Was 1618 mit dem „Pragergeschmack, dass man sich als depressiver Fenstersturz“ begann, wurde zum europäischen Dauerkonflikt; derPatient mit ein wenig Selbsthilfegruppe, Streit der Konfessionen war nur ein Kriegsgrund unter vielen. ErstSport oder autogenem Training helfen mit dem Westfälischen Frieden kam wieder Ordnung in die politi-soll, damit sich die Psychotherapeuten schen und religiösen Verhältnisse. Historiker und SPIEGEL-Autorenmit ernsthaften Erkrankungen beschäfti- erörtern die Ursachen des Krieges, porträtieren große Gestalten dergen können. Ein Trugschluss, wenn man Zeit und fragen, welches Erbe die Katastrophe hinterlassen hat.12 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  7. 7. Panorama PA R T E I E N Stau auf der A 1 bei Hamburg Linker SchwundErstmals seit der Fusion von Linkspar-tei.PDS und WASG im Jahr 2007 istdie Mitgliederzahl der Linken unter70 000 gesunken. Während sich dieZahl in den mitgliederstarken, aberüberalterten Ostverbänden hauptsäch-lich durch Todesfälle dezimiert, leidetdie Linke im Westen unter Austrittenoder Parteiwechseln. Allein in Nord-rhein-Westfalen verlor die Linke imvergangenen Jahr mehr als 500 Mit-glieder. Bundestagsfraktionschef Gre-gor Gysi klagte kürzlich intern, derZustrom aus der SPD und von den Ge-werkschaften sei völlig zum Erliegengekommen. Ihren Höchststand hattedie Partei im Bundestagswahljahr 2009mit mehr als 78 000 Mitgliedern er-reicht. ULRICH PERREY / DPA N O R D R H E I N -W E S T FA L E N Clement pro LindnerDer Ex-Sozialdemokrat Wolfgang Cle- BENZINPREISEment unterstützt die nordrhein-westfä-lische FDP im Landtagswahlkampf.Zehn Jahre nach seinem Abgang alsNRW-Ministerpräsident schlägt sichClement damit auf die Seite seines CDU-Politiker wolleneinstigen Gegners; von 1998 bis 2002hatte er das Bundesland mit einem rot-grünen Kabinett regiert. Derzeit wür- Pendlern helfenden Clement und FDP-Spitzenkandi- Angesichts weiter steigender Benzinpreise wächst in der Union die Bereitschaftdat Christian Lindner die Einzelheiten zur Erhöhung der Pendlerpauschale. Zwar dürfe die Pauschale nicht ständig mitder Zusammenarbeit klären, heißt es Blick auf den Spritpreis angehoben oder gesenkt werden, sagt Unionsfraktions-bei den Liberalen. Die beiden Politi- vize Michael Fuchs. Trotzdem sei eine Entlastung der Pendler geboten. „Wirker kennen sich noch aus der gemein- können von den Leuten nicht verlangen, dass sie 150 Kilometer zum Arbeitsplatzsamen Zeit im Landtag. Seit seinem pendeln, und sie dann mit den Kosten alleinlassen“, sagt Fuchs. Ähnlicher An-Austritt aus der SPD 2008 ist Clement sicht ist Hessens Regierungschef Volker Bouffier. Er will zwar zunächst abwarten,gelegentlich bei der FDP aufgetreten. ob die Bundesratsinitiativen, mit denen die Marktmacht der BenzinkonzerneDer ehemalige Bundeswirtschaftsmi- eingeschränkt werden soll, Wirkung zeigen. „Sollte dies nicht der Fall sein undnister sitzt heute im Aufsichtsrat der eine kritische Grenze erreicht werden, muss man über eine Erhöhung der Pend-RWE Power AG in Essen. lerpauschale nachdenken“, sagt der CDU-Vizechef. Die Parteivorsitzende Angela Merkel hat sich gegen eine solche Erhöhung ausgesprochen. Derweil mahnt der Wirtschaftswissenschaftler Frank Hechtner von der Freien Universität Berlin, dass nur ein geringer Teil der Deutschen von einer Erhöhung der Pendlerpauschale von 30 auf 40 Cent pro Kilometer profitieren würde. Wie seine Auswertung der Steuerstatistik zeigt, machen gerade einmal 30 Prozent MAURICE WEISS / OSTKREUZ / DER SPIEGEL der Steuerpflichtigen die Aufwendungen in ihrer Steuererklärung geltend. „Für die meisten Beschäftigten ist die Pauschale nur relevant, wenn die Arbeit min- destens 15 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt“, sagt der Professor. Eine spür- bare Entlastung ergebe sich sogar erst ab einem Arbeitsweg von mindestens 50 Kilometern, den laut Hechtner aber nur zwei Millionen Steuerzahler zurücklegen. Nach seinen Berechnungen käme eine Erhöhung der Pauschale um 10 Cent vor allem den Beziehern hoher Einkommen zugute. Ein Single, der 40 Kilometer pendelt und 2500 Euro brutto verdient, hätte monatlich 24 Euro netto mehr, bei einem Einkommen von 6000 Euro wären es 35 Euro.Clement14 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  8. 8. Deutschland FA M I L I E N Justizministerin gegen Betreuungsgeld Im schwarz-gelben Regierungsbündnis ver- Kinder unter 3 Jahren in öffentlich schärft sich der Streit um das Betreuungsgeld. geförderter Tagesbetreuung, Mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnar- Betreuungsquote renberger spricht sich erstmals ein liberales Mit- glied der Bundesregierung dafür aus, die koali- tionsinterne Vereinbarung zur Einführung des Landkreise Betreuungsgelds platzen zu lassen. Das von der unter CSU geforderte Instrument „passt eigentlich nicht mehr in die Zeit“, sagt die FDP-Politike- 10 % Hamburg rin. Beim Angebot von Kita-Plätzen bleibe Aurich Deutschland weit hinter Ländern wie Schwe- Leer den und Frankreich zurück. Deswegen könne auch keine Rede davon sein, dass Eltern die Berlin Wahlfreiheit zwischen heimischer und externer Hannover Betreuung ihrer Kinder hätten. „Der Ausbau der Kinderbetreuung sollte angesichts der Un- terfinanzierung Priorität haben“, sagt Leut- Oberhausen heusser-Schnarrenberger. Die Ministerin stellt (Stadt) sich damit gegen eine Absprache, die die Par- teichefs von CDU, CSU und FDP im November Dresden Heinsberg Köln im Koalitionsausschuss getroffen haben. Dem- Oberbergischer nach soll das Betreuungsgeld, das Eltern zugute- Kreis kommt, die ihre Kinder nicht in eine öffentlich Euskirchen 60 % und mehr Frankfurt geförderte Kita bringen, zum 1. Januar 2013 am Main eingeführt werden. Pro Monat sind für Kinder Wittenberg im zweiten Lebensjahr 100 Euro vorgesehen, im Salzlandkreis Jahr 2014 soll der Betrag auf 150 Euro für das Börde zweite und dritte Lebensjahr steigen. Der Plan sorgt auch innerhalb der Union zuneh- mend für Unmut. Während in der CDU der Wi- Neuburg- Stuttgart derstand wächst, ist die CSU erzürnt darüber, Schrobenhausen dass Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Mühldorf a. Inn München die parteiinternen Kritiker nicht schärfer in die Schranken weist. CSU-Generalsekretär Alexan- der Dobrindt forderte Kauder am vergangenen Dienstag in einem Telefonat zum Einschreiten DEUTSCHLAND auf. Bayerns Sozialministerin Christine Hader- 25% Zielvorgabe 35 % thauer (CSU) ermahnt mögliche Abweichler innerhalb der Union: Die Abstimmung über das Betreuungsgeld sei „keine Gewissensentschei- unter 15 Prozent 15 bis unter 25 25 bis unter 35 35 bis unter 50 50 und mehr dung, die den Fraktionszwang aufhebt“. Quelle: Destatis, 1. März 2011 B U N D E S TA G S WA H L mindestens zwei Wochen Abstand lie- Bundestagswahl müsste in diesem Fall gen. Wegen der bayerischen Sommer- am 29. September stattfinden. Diesen ferien ist der früheste Termin für die Termin lehnt jedoch das Bundesinnen- Schwieriger Termin Landtagswahl der 15. September, die ministerium ab, weil dann bereits die Herbstferien in Hamburg, Berlin undDer bayerische Ministerpräsident Brandenburg beginnen. Andere Sonn-Horst Seehofer und Bundesinnen- tage im September kollidieren eben-minister Hans-Peter Friedrich – beide falls mit Ferienterminen. DennochCSU – rangeln um den Termin für die beharrt die CSU-Fraktion im bayeri-Bundestagswahl 2013. Friedrichs Haus- schen Landtag auf ihrer Position:juristen wollen die Abstimmung für „Beide Wahlen müssen getrennt statt- MAGNUS SETTELE / DAPDden 15. oder 22. September ansetzen. finden, nur so können landespolitischeDas läuft den Plänen der CSU in Mün- Themen zur Geltung kommen“, sagtchen zuwider. Sie rechnet sich für die CSU-Fraktionschef Georg Schmid.bayerischen Landtagswahlen bessere Der Streit soll nun bei einem TreffenChancen aus, wenn zwischen den Ab- der Parteichefs von CDU, CSU undstimmungen im Bund und in Bayern Deutscher Bundestag FDP beigelegt werden. D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2 15
  9. 9. Deutschland Panorama E LBVE RTI E FUNG Angst vor dem Wasser ROLAND GEISHEIMER / ATTENZIONE Wegen der von Hamburg geplanten Fahrrinnenvertiefung der Elbe fordert die stromabwärts gelegene Gemeinde Jork eine Erhöhung ihrer Deiche. „Wir rechnen durch die geplante Schüler in Wuppertal Maßnahme mit häufigeren und höhe- ren Sturmfluten und fühlen uns be- droht“, sagt Bürgermeister Gerd VERPFLEGUNG Hubert. Daher müssten die Schutz- wälle gegen den dann schneller flie- ßenden Fluss „dringend erhöht wer- Bäcker statt Mensa den“. Hubert und andere Bürgermeis- ter des Obstanbaugebiets „Altes Land“ prüfen Klagen gegen das Pro- Trotz des teuren Ausbaus von Schulkantinen essen nur 15 Prozent der Schüler jekt, das die Elbe für große Container- regelmäßig in der Mensa. In einem Brief an die Kultusministerkonferenz beklagt schiffe mit einem Tiefgang von bis zu das Deutsche Netzwerk Schulverpflegung, dass nur in gebundenen Ganztags- 14,5 Metern schiffbar machen soll. Be- schulen „respektable Umsatzgrößen“ erreicht würden. An Schulen mit sporadi- denken gibt es auch gegen die einge- schem Nachmittagsunterricht oder mit freiwilliger Ganztagsbetreuung, welche planten Süßwasserreservoirs, die als ebenfalls Essen anbieten, konstatieren die Experten eine „Mensaflucht“ insbe- Ausgleich für eine mögliche Verschie- sondere älterer Schüler. Diese favorisierten „benachbarte Döner- und Bäcker- bung der Salzwassergrenze elbauf- läden“, selbst wenn sie dort mehr bezahlen müssten. Die Kantinen würden den wärts dienen sollen. Es sei fraglich, „gastronomisch vorgeprägten Geschmackserwartungen“ nicht gerecht, heißt es „ob genügend Flächen dafür zur Ver- in dem Brief, außerdem erwarteten Schüler „Auswahl und To-go-Angebote“. fügung stehen“, so Hubert. In dieser Auch eine „signifikante Mehrheit“ der Eltern steht demnach dem Schulessen Woche stimmte die niedersächsische skeptisch gegenüber und behilft sich mit „Snackzugaben oder kleinem Bargeld“. Landesregierung dem Projekt zu und Der Verein, der im November im Bundestag angehört wurde, fordert Steuerver- räumte damit ein entscheidendes Hin- günstigungen für Schulessen sowie Berater, die Ernährungswissen vermitteln. dernis für die Elbvertiefung aus dem Weg. UM FRAGEN Anteil der Haushalte, in denen hafen. Die Umfrage-Institute würden nur per Handy telefoniert wird die Zahlen dann „durch Erfahrung und alte Umfragewerte interpretie- Handys verunsichern 2011, in Prozent Quellen: Bitkom, Eurostat ren“, ihre Ursprungszahlen aber nicht Meinungsforscher 81 78 59 offenlegen, so Behnke. Auch dadurch könne es zu Fehlprognosen wie bei der Wahl im Saarland vor zwei Wo-Das veränderte Telefonierverhalten chen kommen, als Meinungsfor-der Deutschen bereitet Meinungsfor- schungsinstitute SPD und CDU gleich- Tschechien Finnland Slowakeischern große Probleme bei Wahlum- auf sahen, diese am Ende jedoch fastfragen. Viele Bürger buchen zwar über fünf Prozentpunkte auseinanderlagen.Flatrates einen Internetanschluss plus Eine deutliche Diskrepanz erlebtenFestnetznummer, telefonieren aber 47 34 31 die Demoskopen auch bei der Wahlhäufiger mit dem Handy; manche sind zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011.über das Festnetz nicht oder nur Die meisten Institute sahen die Pira-schlecht zu erreichen. Ein noch größe- Österreich Italien Spanien tenpartei bei fünf Prozent, bei derres Problem seien die Menschen, die Wahl erreichte diese dann knapp neunbei den Telefon-Stichproben nicht Prozent. Meinungsforscher sehen diemehr mitmachen wollen, so Klaus-Pe- 27 17 13 telefonischen Befragungen mit wach-ter Schöppner, Geschäftsführer von sender Skepsis. Solche Umfragen hät-TNS Emnid. Viele Angerufene haben ten ihre „methodische Unantastbar-unterwegs keine Zeit oder Lust, Aus- EU-Durchschn. Großbritannien Frankreich keit verloren“, sagt Thomas Schwabl,kunft zu geben, andere wollen schlicht dessen Markt- und Meinungsfor-ihre Akku-Ladung schonen. „Stellen- schungsinstitut Marketagent.com aufweise nur zehn Prozent der Angerufe- 12 11 Online-Umfragen setzt. Man müssenen nehmen an einer Umfrage teil“, 2 „durch massive Veränderungen in dersagt Politikwissenschaftler Joachim Kommunikationslandschaft laufendBehnke von der Universität Friedrichs- Deutschland Niederlande Schweden mit Weiterentwicklung rechnen“.16 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  10. 10. Deutschland Parteifreundinnen Merkel, von der Leyen UNION Eine Frage der Gerechtigkeit Ob beim Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst, dem Mindestlohn oder den Renten – Angela Merkel versucht, alle sozialpolitischen Streitfragen abzuräumen. Sie will der SPD keine Angriffsfläche im nächsten Wahlkampf bieten.RAINER JENSEN / DPA 18 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2
  11. 11. D er Zwischenfall ereignete sich am „Professor aus Heidelberg“ zum Symbol forderern Sigmar Gabriel, Frank-Walter Freitag vor einer Woche. Es war der sozialen Kälte abzustempeln – und Steinmeier und Peer Steinbrück. mittags um kurz vor zwölf, als der seine Herausforderin gleich mit. So knapp Deutlich wurde Merkels Strategie, alsRegierungssprecher die Orientierung ver- war am Ende das Ergebnis, dass sich sich am frühen Samstagmorgen vor einerlor. Steffen Seibert war vor die Front ge- Schröder bei seinem legendären Fernseh- Woche Bundesinnenminister Hans-Peterraten, und er merkte es nicht. auftritt am Wahlabend zunächst noch als Friedrich (CSU) und Ver.di-Chef Frank Was denn die Kanzlerin zum Verhalten Sieger sah. Bsirske nach vierwöchigen Verhandlun-der FDP in Sachen Schlecker sage, wollte Merkel hat aus dieser Beinahe-Nieder- gen die Hand schüttelten. Ein Plus vonein Journalist während der Regierungs- lage ihre Schlüsse gezogen. Einen Wahl- 6,3 Prozent über zwei Jahre für diePressekonferenz wissen, und Seibert trug kampf um die Frage, wer ist der Sozialste Beschäftigten von Bund und Kommunen,vor, was er für die richtige Antwort hielt. im ganzen Land, kann die Union nicht das ist ein Zuschlag, wie es ihn lange„Es gibt Gründe für eine Transfergesell- gewinnen. Nicht gegen die SPD, die pro- nicht gegeben hat. Dabei hatte sich FDP-schaft, und es gibt sehr gute Gründe da- blemlos noch eine Schippe Wohltaten Chef Philipp Rösler noch Mitte Januargegen.“ Nur wenig später meldeten die drauflegen kann. gegen kräftige Lohnerhöhungen ausge-Nachrichtenagenturen: „Merkel stärkt Die Kanzlerin weiß, dass sie angreifbar sprochen. Gerade die LohnzurückhaltungRösler nach Schlecker-Entscheidung den ist. Ihre Regierung hat die Banken nach sei Grundlage für die Erfolge der vergan-Rücken“. der Lehman-Pleite mit Milliarden-Pro- genen Jahre am Arbeitsmarkt gewesen. Irgendetwas war schiefgelaufen. Die grammen gestützt, laufend werden neue, „Dabei sollte man bleiben“, sagte Rösler.Kanzlerin an der Seite des FDP-Chefs? gewaltigere Rettungsschirme für die ma- Angela Merkel sieht das nicht so. Fried-Ein Signal der sozialen Kälte? Das war roden Euro-Länder aufgespannt. Die teu- rich hatte sich schon vor den Tarifver-nicht die Botschaft, die Angela Merkel ren Hilfsaktionen sind unpopulär, und sie handlungen Prokura für einen großzügi-aussenden wollte. Nein, sie konnte sich verschärfen die Gerechtigkeitsdebatte, gen Abschluss eingeholt, Bundesfinanz-sehr wohl eine Auffanggesellschaft für die sich auf einen einfachen Nenner brin- minister Wolfgang Schäuble hatte seinemdie entlassenen Schlecker-Mitarbeiterin- gen lässt: „Warum helft ihr den Bankern, Kollegen signalisiert, dass er gegen einennen vorstellen. Die Kanzlerin kümmert den Schlecker-Frauen aber nicht?“ üppigen Aufschlag für die öffentlich Be-sich um die armen Schlecker-Frauen – Und so versucht Merkel nun systema- diensteten kein Veto einle-dieses Merkel-Bild hätte der Regierungs- tisch, alle Konflikte zu entschärfen, die gen würde. +15,5sprecher verbreiten sollen. Jetzt wurdeer zurückgepfiffen. Verzweifelt versuchte Seibert am Nach- Vermehrte Armut ...mittag, seine Aussage nachzujustieren. Er Veränderung des verfügbaren Einkommens in Deutschlandsei da völlig missverstanden worden. Auf 2010 gegenüber 2000, in Prozentkeinen Fall habe sich die Kanzlerin andie Seite der FDP gestellt. Es war zu spät.Am folgenden Morgen titelte nicht nur Einkommensgruppendie „Süddeutsche Zeitung“: „Merkel bil- 1. (unterstes) +1,1 +1,2 +1,3 Zehntel 2. Zehntel 3. 4. 5. +2,0ligt Nein der FDP zu Schlecker“. Zum Glück der Kanzlerin wurde das – 2,9 – 1,0 6. 7. 8. 9. 10. (oberstes) ZehntelMissgeschick des Regierungssprechers be-reits am Samstag von einer neuen Nach- – 5,7richtenlage überdeckt. Die Merkel-Regie-rung und die Kommunen hatten sich in ... vermehrterder Nacht auf ein sattes Lohnplus für den –10,3 – 9,2 berechnet in Preisen von 2005, Panel Study (SOEP), DIW Berlin Quelle: German Socio-Economic ReichtumÖffentlichen Dienst verständigt. Das ent-sprach sehr viel mehr dem Image, dassich Merkel in diesen Zeiten gern zulegen der SPD einen Anlass für einen Gerech- Dass Städte und Gemeinden über diemöchte. tigkeitswahlkampf bieten könnten. Kos- Zusatzkosten in Milliardenhöhe jammern Denn ihre Strategen im Kanzleramt ten spielen dabei keine Rolle. Dass die und andere Branchen wie die Metall-und in der CDU-Zentrale haben bereits Unionsrechten dabei jammern, nimmt sie arbeitgeber vor der Vorbildfunktion desdas Bundestagswahljahr 2013 im Visier. in Kauf. Der konservative Landesverband Abschlusses warnen, stört Merkels LeuteJede Festlegung wird von nun an unter Hessen hat sich bislang als Gegenpol zu nicht, im Gegenteil: Zufriedene Arbeit-dem Blickwinkel geprüft, ob sie Merkel Merkels Linie verstanden, doch spä- nehmer sind zufriedene Wähler, das istin der Auseinandersetzung mit dem lin- testens seit dem Debakel bei der Frank- die Gleichung im Kanzleramt. „Das istken Lager nutzen oder schaden könnte. furter Oberbürgermeister-Wahl ist klar, nichts anderes als eine Aufschwung-In dieser Perspektive ist alles gut, was die dass die Strahlkraft des rechten Flügels dividende“, sagt ein Merkel-Vertrauter.Kanzlerin an die Seite der Arbeitnehmer begrenzt ist. „Wenn die Wirtschaft wächst, sollen auchstellt. Und alles schlecht, was den Sozial- Geht Merkels Plan auf, tritt im nächs- die Arbeitnehmer etwas davon haben.“demokraten Angriffsfläche für einen Ge- ten Jahr eine Union an, die sich in zen- Anlegen will sich die CDU allenfallsrechtigkeitswahlkampf bieten könnte. De- tralen Positionen kaum noch von der SPD mit betuchteren Bürgern, Steuererhöhun-ren Attacken sollen ins Leere laufen. unterscheidet. Die Sozialdemokraten hät- gen jedenfalls sind für die Partei kein Es ist das Trauma von 2005, das Merkel ten es schwer, ihre Anhänger durch eine Tabu mehr. Mag der ehemalige Finanz-verfolgt. Damals hatte sie nicht rechtzei- starke Polarisierung zu mobilisieren, und minister Steinbrück jetzt auch für einetig gespürt, dass sich die Ära des neolibe- am Ende würde sich die Wahl wohl auf stärkere Belastung der Reichen werben –ralen Zeitgeistes dem Ende zuneigte, und eine einzige Frage verengen: Wer ist der die Union ist längst da.war mit dem Steuervereinfacher Paul bessere Kanzler? Erst kürzlich hatte sich Bundestagsprä-Kirchhof in den Wahlkampf gezogen. Ein Diese Frage beantworten die Deut- sident Norbert Lammert für einen höhe-verhängnisvoller Fehler. schen in allen Umfragen derzeit eindeutig ren Spitzensteuersatz ausgesprochen. Un- Dem amtierenden SPD-Kanzler Ger- zugunsten der Amtsinhaberin, sie liegt terstützt wird er dabei von Vertretern deshard Schröder gelang es mühelos, den weit vor den drei möglichen SPD-Heraus- Sozialflügels der Partei wie der saarlän- D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2 19
  12. 12. Deutschland gen, wann Zeitarbeiter in Unternehmen die gleiche Bezahlung wie die Stamm- belegschaft erhalten sollen. Andernfalls, so die Drohung von der Leyens, werde ihr Ministerium die Sache selbst in die Hand nehmen. Die Strategie der sozialen Wärme ist eng mit der CSU abgestimmt. In den ver- gangenen Monaten drängte deren Partei- chef Horst Seehofer die Kanzlerin wie- derholt dazu, sozialpolitische Streitfragen abzuräumen, um der SPD keine Angriffs- fläche zu bieten. „Die Union darf nicht als Partei der sozialen Kälte dastehen“, heißt es in der Münchner Parteizentrale. Auch Seehofer leidet noch unter dem Trauma des missglückten Wahlkampfs STEFFI LOOS / DAPD / DDP IMAGES von 2005. Merkels Wohlfahrtsprogramm hat al- lerdings einen hohen Preis. Allein der Tarifabschluss für die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes wird den Bund pro Jahr 1,7 Milliarden Euro kosten. Das Be- treuungsgeld, mit dem Merkel die CSUSPD-Politiker Gabriel, Steinmeier, Steinbrück: Attacken sollen ins Leere laufen und Hausfrauen erfreuen will, schlägt mit bis zu 1,9 Milliarden Euro zu Buche, unddischen Ministerpräsidentin Annegret noch vor der Sommerpause durch das noch teurer wird die Rechnung, wenn sichKramp-Karrenbauer und Peter Weiß, Bundeskabinett. Darin enthalten sind die Frauen in der Unionsfraktion durch-dem Chef der Unionsarbeitnehmer im Verbesserungen bei den Erwerbsminde- setzen und im Gegenzug für das unge-Bundestag. „Ich bin für höhere Steuern rungsrenten, bessere Hinzuverdienstmög- liebte Betreuungsgeld die Kindererzie-für Besserverdiener, wenn wir dafür im lichkeiten für Frührentner und eine Zu- hungszeiten stärker bei der Rente ange-Gegenzug Menschen mit kleinen und schussrente für Geringverdiener. rechnet werden. Allein das würde ammittleren Einkommen entlasten“, sagt der. Selbst Erziehungszeiten könnten bald Ende 3,5 Milliarden Euro kosten. Zwar hat die Kanzlerin bisher alle De- stärker bei den Renten angerechnet wer- Im Moment geht es der deutschen Wirt-batten über Steuererhöhungen abge- den, zumindest wenn es nach den Frauen schaft zwar so gut, dass neue Wohltatenblockt. Aber das geschah aus Rücksicht in der Unionsfraktion geht. Als sie vor nicht sofort Löcher in den Haushalt rei-auf die FDP, die schon schwer genug dar- kurzem im Kanzleramt vorstellig wurden, ßen, aber der Bundesetat 2013 zeigt auch,an trägt, dass ihre Steuersenkungsträume beteuerte Merkel, man könne über die wie labil die Lage ist. Schäuble muss 20geplatzt sind. Idee durchaus reden. Auch Finanzminis- Milliarden Euro neue Kredite einplanen, Merkel registriert genau, wie der ter Schäuble fand kürzlich Zeit, um mit obwohl die Steuereinnahmen um fast dreiWunsch in ihrer Partei wächst, die Rei- Prozent auf 257 Milliarden Euro steigenchen zur Kasse zu bitten; ein Obolus für sollen. Verschlechtert sich die Konjunktur,Begüterte wird nun auch in der Regie- Angela Merkel will als wird es schwer, bereits 2016 einen nahezurungszentrale nicht mehr ausgeschlos-sen – und könnte sogar Teil des CDU- fürsorgliche Regierungs- schuldenfreien Haushalt vorzulegen. Merkel stört das nicht. Für sie zählt imWahlprogramms für 2013 werden. chefin dastehen, nicht Moment allein das Wahljahr 2013, und Merkels wichtigste Waffe im Kampf umdie Deutungshoheit beim Thema Gerech- als Kanzlerin der Kälte. da will sie als fürsorgliche Regierungs- chefin dastehen und nicht als Kanzlerintigkeit ist Ursula von der Leyen (CDU). der Kälte. Nichts fürchtet sie mehr alsSie treibt die Diskussion voran, ohne dass der Frauen-Union und von der Leyen den Vorwurf der SPD, kein Herz für dieMerkel selbst zwischen die parteiinternen über das Projekt zu beraten. Armen und Benachteiligten zu haben. ImFronten gerät. Seit von der Leyen im Amt Aus Schwarz wird Rot – das zeigt sich Moment kann sie sich in diesem Punktist, hat sie das Arbeitsministerium zur auch beim Thema Mindestlohn. Während zumindest sicher fühlen.sozialen Wärmestube der schwarz-gelben Merkels Amtszeit wurden mehr Mindest- Denn selbst die Gewerkschaften regi-Koalition ausgebaut. löhne in Deutschland eingeführt als unter strieren Merkels Kurs mit Wohlwollen. Kein Interview, kein Auftritt, bei dem allen sozialdemokratisch geführten Re- Als DGB-Chef Michael Sommer Mitte Ja-ihr nicht das Wort „Gerechtigkeit“ über gierungen zusammen. Beim Projekt eines nuar in einer halb privaten Veranstaltungdie Lippen kommt. „Ich verstehe soziale allgemeinen Mindestlohns befindet sich im Berliner Ensemble seinen 60. Geburts-Gerechtigkeit nicht als Populismus“, sagt die Union auf der Zielgeraden, er soll tag feierte, war das halbe Kabinett an-von der Leyen, und weil der Etat ihres von einer Kommission aus Arbeitgebern getreten, und die Kanzlerin hielt dieHauses 126,5 Milliarden Euro umfasst, und Arbeitnehmern festgelegt werden, Laudatio. Zumindest die Atmosphäre zwi-fällt es ihr auch nicht schwer, „soziale zur Not könnte am Ende ein Schlichter schen Regierung und Arbeitnehmerver-Leitplanken“ zu bauen. entscheiden. Nach Ostern will eine Ar- tretern könnte besser kaum sein. „Merkel Da sind zum Beispiel die 20 Millionen beitsgruppe der Unionsfraktion das Mo- strahlt aus: Sie gehört zu uns“, gibt einRentner. Sie gehören zu den treuesten dell offiziell vorstellen. hochrangiger GewerkschaftsfunktionärWählern der Union, und in diesem Jahr Auch die Zeitarbeiter hat von der leicht amüsiert die Stimmung wieder.wurde ihnen ein Plus von über zwei Pro- Leyen nicht vergessen. Bis zum Sommer MARKUS DETTMER,zent gewährt. Nun schnürt die Ministerin haben Gewerkschaften und Arbeitgeber KONSTANTIN VON HAMMERSTEIN,ein neues Wohlfühlprogramm, es soll noch Schonfrist, um sich darauf zu eini- PETER MÜLLER, RENÉ PFISTER20 D E R S P I E G E L 1 5 / 2 0 1 2

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