Interview mit Blumauer / Langegger

1.246 Aufrufe

Veröffentlicht am

0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
1.246
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
22
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
10
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Interview mit Blumauer / Langegger

  1. 1. Heimische Open Government Data – Initiative gestartet WOZU OPEN DATA GOVERNMENT? Wien, 8. April 2010 - Die Experten Andreas Blumauer und Andreas Langegger im Interview mit Marion Fugléwicz-Bren *) anlässlich der Pressekonferenz. Sie wollen eine Open Data Government Initiative in Österreich starten. Was ist Open Data Government? Langegger: Es geht eigentlich nicht um “Government” sondern um “Open Government Data” (anders herum), also um öffentliche Daten, die die österreichische Verwaltung sammelt - wie zum Beispiel alle Daten der Volkszählung, Mikrozensus, Daten zur Wirtschaftsleistung, Kriminalität, Gesundheitsversorung, etc. Es handelt sich keinesfalls um personenbezogene Daten welche unter den Datenschutz fallen, sondern vielmehr um Daten, die zum Teil ohnehin schon publiziert werden, aber oft in bereits verdichteter Form oder in Form von Textdokumenten. Unser Ziel ist es, dass diese Daten in Zukunft auch in standardisierter Rohform der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden, die ja ohnehin dafür durch Steuern bezahlt und somit ein Recht auf deren Weiterverwendung hat. Blumauer: Open Government Data ist die Idee von "Open Data" auf die Öffentliche Ver- waltung angewandt. Obwohl bereits viele Daten aus der Verwaltung zwar "online" sind, heißt das noch nicht, dass sie den 8 Grundprinzipien ("Open Government Data Principles ") folgen. Einerseits ist es sehr schwer möglich und kostenintensiv, die eigentlichen Daten aus PDFs herauszufiltern, leider werden sehr unterschiedliche Formate zur Publikation von Daten verwendet. Dort setzt unsere Initiative an: Wir wollen den Vorteil interopera- bler Daten aufzeigen, also demonstrieren, welcher Nutzen bei gleichbleibend hohen Kosten entsteht, wenn auf RDF als Austauschformat gesetzt wird. Warum sind Sie hier engagiert, wer steht da noch dahinter, was ist die „Vi- sion“ dahinter? Blumauer: Die Vision dahinter ist, aus den riesigen Datenmengen, die speziell in der Öf- fentlichen Verwaltung täglich produziert werden, besseren Nutzen zu ziehen, neue Erken- ntnisse zu gewinnen und Handlungen davon ableiten zu können. Zur Zeit sind viele Daten in Silos und proprietären Formaten und Strukturen "versteckt". Man kann sie zwar herun- terladen, aber niemand kann damit etwas anfangen, man kann sie nur schwer weiterverar- beiten. Wir als Semantic Web Company haben hier ein konkretes Angebot: Wir unter- stützen Institutionen dabei, ihre Daten in einer Art und Weise zu veröffentlichen, dass sich darum eine Community bilden kann, die aus den Rohdaten veredelte Informationen und schließlich Mehrwert-Services aufbauen können. Das führt zu mehr Transparenz, was die Verwaltungsabläufe, z.B. Förderungen anbelangt, aber auch dazu, dass die Verwaltung Geld sparen kann, weil viele Anwendungen, die rund um die Datenpools entstehen, sozusagen zum Bürger hin ausgelagert werden.
  2. 2. Langegger: Es gibt viele Gründe, die für eine derartige Initiative sprechen, was sich durch unterschiedliche Interessensgruppen bemerkbar macht. Da gibt es unter anderem politische Motive wie mehr Transparenz und Effizienz (z.B. Verhindern von mehrfacher Erfassung/Aufbereitung derselben Daten von unterschiedlichen Stellen), aber auch wirtschaftliche Interessen sowie auch das Interesse, neueste Forschungsergebnisse aus dem Bereich Semantic Web anzuwenden. Was politische Interessen betrifft, ist die Initiative nichts völlig Neues. Im November 2005 wurde in Österreich die EU Direktive 2003/98/EC (“on the re-use of public sector information”) durch das Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG) umgesetzt. Ziel des Gesetzes ist “die Erleichterung der Weiterverwendung von Dokumenten öffentlicher Stellen, insbesondere, um dadurch die Erstellung neuer Informationsprodukte und -dienste zu fördern.” Es handelt sich dabei um keine Verpflichtung zur Freigabe öffentlicher Daten, sondern um eine klare rechtliche Regelung und einen transparenten, allgemeinen Zugang. In vielen EU-Ländern (UK, Finnland, Niederlande, Dänemark, etc.) sowie auch in den USA und Kanada haben Regierungen dieses Potential bereits erkannt und vorbildliche Initiativen unterstützt bzw. selbst initiiert. EU-weit gibt es derzeit Initiativen, die auf diesem Grundgedanken aufbauen und den Zugang durch standardisierte Beschreibung der zugrundeliegenden Daten erheblich verbessern und effizienter machen. Die Verwendung und Verknüpfung der Informationen aus aufbereiteteden Textdokumenten erfordert erheblichen Aufwand, welcher von jedem Nutzer mehrfach manuell unternommen werden muss, weil die Informationen nicht maschinenlesbar sind. Würde man diese Informationen bereits in standardisierter Form zur Verfügung stellen, würde man die Weiterverwendung erheblich erleichtern und den Zugang vereinfachen. Durch sinkende Kosten und mehr Effizienz würden sich außerdem ganz neue Möglichkeiten der Nutzung ergeben (Web services, Mashups, etc.). Können Sie 2, 3 Anwendungsbeispiele nennen? Langegger: Steht erst einmal die Infrastruktur zur Verfügung, gibt es jede Menge denkbare Anwendungsbeispiele. Durch den Einsatz offener Standards können öffentliche Informationen in alle möglichen bestehenden Anwendungen, Internetseiten und -dienste eingebunden werden. Es werden aber sicher auch völlig neue dezidierte Dienste von öffentl. Stellen, Medien, Unternehmen, Vereinen und Einzelpersonen entstehen. Zum Beispiel: 1. Bürgerservices (können von verschiedenen “Dritten” angeboten werden, die Daten stammen jeweils von der öffentlichen Verwaltung): Visualisierung von Daten über die Gesundheitsversorung, Familienunterstützung & Bildungsmöglichkeiten in versch. Gemeinden oder Informationen zur Verkehrsversorgung/-planung in der Region. Bessere Information der Bevölkerung über politische Vorgänge im Parlament, Landtagen, Gemeinden durch Integration von aktuellen Daten ins Webangebot verschiedener Medien usw. 2. Marketingabteilungen von Unternehmen würden vom leichteren und effizienteren Zugang zu demografischen Informationen durch automatisierte Integration in eigene Berechnungsmodelle profitieren. 3. Geografische Informationssysteme verschiedener Art und für unterschiedliche Zwecke könnten sehr einfach demografische Informationen einblenden (Mashups).
  3. 3. Wie hängen die Interessen unterschiedlicher Stakeholder (Medien, Un- ternehmen, Verwaltung, Bürger, Konsumenten) zusammen? Blumauer: Nutznießer einer Open Data Politik wären vor allem Unternehmen, Verwal- tung und die Bürger. Einerseits könnten die Unternehmen zum Beispiel auf hochwertiges demographisches Datenmaterial zugreifen und könnten dieses mittels "Mashups" mit ihren eigenen Daten im Sinne einer verbesserten "Market Intelligence" vernetzen. Bürger würden langfristig durch den Transparenzierungsschritt profitieren, da z.B. Mißbrauch von Fördergeldern undurchführbarer würden und natürlich würde die Verwaltung selbst einen Nutzen ziehen: Die Glaubwürdigkeit würde steigen, das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung würde wieder wachsen und das Bürger-Service würde verbessert. Ein Beispiel: Waren in UK die Katasterkarten zunächst kostenpflichtig, so wurden diese schrittweise als Open Data der Öffentlichkeit "übergeben" (siehe: http://www.communities.gov.uk/news/corporate/1385429 ). Seither sind zwar direkte Einnahmen über Gebühren beim UK Government zurückgegangen, aber es sind neue, kreative Dienste und Unternehmen rund um dieses Datenmaterial entstanden, die natür- lich wieder Steuern an die Verwaltung zurückführen, welche höher sind als die Einnahmen zuvor - ganz zu schweigen vom Mehrwert, den die Bürger davon haben. Langegger: Es handelt sich ganz klar um eine “win-win Situation”, weshalb sich Medien, Unternehmen, Verwaltung und Bürger formieren und eine gemeinsame Initiative starten sollten. Das ist das Ziel des Meetups im April. Welche Rolle spielt hier die Politik? Blumauer: Die Politik kann bei einem "Open Data" Prozess natürlich erheblichen Ein- fluss nehmen, kann diesen verhindern oder fördern. Gefragt sind Politiker, die Mut zu mehr Transparenz haben, die neue Medien und das Internet der Partizipation als Kraft verstehen, die unsere Gesellschaft rund um erneuern kann. Dazu gehört eine koordinierte Wissengesellschaft, die freien Zugang zu Wissen garantiert. Wikipedia war erst der erste Schritt dorthin. Langegger: Durch das IWG wurden bereits die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, das heisst staatliche Stellen können bereits jetzt aktiv werden und Informationen in standardisierter Form bereitstellen. Langfristig sollte allerdings eine nationale Strategie in Kooperation mit verschiedenen Stakeholdern entwickelt werden, die zum Teil auch die Veröffentlichung bestimmter grundlegender Daten vorschreibt und somit langfristig gewährleistet. Auf europäischer Ebene sind wir über die Open Knowledge Foundation http://www.opendefinition.org/okd/ (Open Knowledge Definition1) bereits gut vernetzt. Von technischer Seite her, ist es außerordentlich wichtig, dass überall die gleichen Standards verwendet werden und Interoperabilität gewährleistet werden kann. Welche Rolle die Öffentlichkeit? 1 Die Unterscheidung zw. Daten und Wissen ist hier irrelevant, in der Informationstheorie gibt es allerdings eine klare Hierarchie: Daten/Information/Wissen/Weisheit; Wissen wird aus Informationen generiert, Informationen werden durch Daten repräsentiert
  4. 4. Blumauer: Die Öffentlichkeit ist die "Triebfeder" von Open Data Initiativen schlechthin. Viele Ideen stammen von der "Internet-Öffentlichkeit", von Communities, die sich seit Jahren mit Themen wie Science Commons, Open Access, Open Source oder Semantic Web auseinandersetzen. Um das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen gilt nun eines: Klarstellen, was Open (Government) Data tatsächlich ist, was damit bezweckt wird und was nicht. Open Data hat etwa gar nichts damit zu tun, dass private Daten veröffentlicht werden sollen - aber Verwechslungen entstehen oft schneller als man will. Langegger: Grundsätzlich betrifft es ja alle Bürger, also jede/n, der/die Interesse an dieser Thematik hat, sollte sich über Vereine bzw. Interessensgruppen aktiv einbringen. Welche Daten gibt es überhaupt und wem gehören sie? Langegger: Zum Beispiel Daten zur Gesundheitsversorung, Beschäftigung, Soziales, Bildung, Forschung, Kriminalität, Öffentl. Verkehr, KFZ-Registrierungen, Straßenbau, Wirtschaftsleistung, VGR, Staatshaushalt, offizielles Firmenverzeichnis, Katasterdaten, Bauwesen, Informationen zu Gebäuden/Anlagen/Landwirtschaftsflächen, geologische Daten, Energie & Umwelt, Tourismus, etc. Viele dieser Daten werden von staatlichen Organisationen gesammelt und verwaltet und gehören demnach dem Staat, also den Österreichern und sollten daher auch öffentlich zugänglich sein (“open”). Je nach rechtlicher Lage kann es aber sein, dass sie nicht so einfach veröffentlicht werden können. Allerdings haben bereits viele Staaten erkannt, welchen Nutzen sie daraus ziehen, wenn sie auch Daten die z.B. von externen Firmen im Auftrag des Staates erstellt werden, an die Bevölkerung weitergeben. Wie hängt "Open Data" mit "Linked Data" zusammen? Bitte definieren Sie (kurz) die Unterschiede: Open Data, Linked Open Data, Open Government Data Blumauer: "Open Data" sind zunächst Datenquellen, die den 8 Grundprinzipien folgen, u.a. also Maschinenverarbeitbarkeit. Werden nun 2 oder mehrere Quellen mit Hilfe von RDF, also der Basistechnologie des Semantic Web, verlinkt, so spricht man von Linked Data. Linked Data Mechanismen können grundsätzlich auf alle Daten (auch Enterprise Daten) angewandt werden; passiert dies aber mit Open Data, so spricht man von Linked Open Data. Dieser Bereich ist in den letzten beiden Jahren enorm gewachsen, es ist die so genannte Linked Open Data Cloud (LOD Cloud) entstanden (siehe: http://blog.semantic- web.at/wp-content/uploads/2009/05/lod_cloud_growth_2009.jpg ). Open Government Data sind also Daten der Öffentlichen Verwaltung, die den 8 Grundprinzipien folgen. Langegger: Unter “open data” verstehe ich genau das, was die Open Knowledge Foundation definiert hat: http://www.opendefinition.org/okd/ (Open Knowledge Definition2) Also barrierefreier und nicht diskriminierender Zugang (Kosten nur als Grenzkosten für die Reproduktion, im Internet deshalb kostenfrei), Möglichkeit zur Wiederverwendung und auch Redistribution mit gleichzeitiger Kennzeichnung (Attribution). 2 Die Unterscheidung zw. Daten und Wissen ist hier irrelevant, in der Informationstheorie gibt es allerdings eine klare Hierarchie: Daten/Information/Wissen/Weisheit; Wissen wird aus Informationen generiert, Informationen werden durch Daten repräsentiert
  5. 5. “Open Government Data” sind öffentliche Daten, die vom Staat für die jeweiligen Verwaltungsaufgaben gesammelt werden (ausgenommen davon sind ZMR-Daten bzw. Personenbezogene Daten – diese sind ja nicht öffentlich/open). “Linked Data” ist eine im Semantic Web angewandte Methode, mit der geografisch verteilte Informationen auf Basis des WWW systematisch organisiert und verknüpft werden können. Alle Vorteile eines Hypertextsystems, (z.B. WWW) das Dokumente mit Hyperlinks verbindet, können dann auf verteilte Datenbestände angewendet werden. Wenn Daten miteinander verknüpft werden, wem obliegt die Interpretation der Daten? Langegger: Nach Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Quellen ist die Kennzeichnung dieser natürlich sehr wichtig (siehe Open Knowledge Definition: Attribution). Bei der Anwendung der Linked Data Prinzipien ist die Quelle grundsätzlich immer sofort ersichtlich (Datenelemente werden stets über URIs identifiziert, wobei der Domainname die Herkunft eindeutig belegt). Wenn Daten weiterverarbeitet werden (z.B. Zahlen zu Summen verdichtet werden), entstehen grundsätzlich immer neue Datensätze, die wiederum über URIs identifiziert werden können. Die zugrundeliegenden Basisdaten bleiben durch korrekte Attribution zurückverfolgbar (vgl. Statistiken in Zeitungen). Eine Technologie zu haben ist noch kein Garant für ihre „politisch korrekte Umsetzung“ – wie stehen Sie dazu, welche Mechanismen gibt es hier, bzw. welche Maßnahmen sollten hier gesetzt werden, um sicherzustellen, dass hier bestmöglich im Sinne des Bürgers gearbeitet wird? Blumauer: Einiges kann man sich von ähnlichen Initiativen abschauen, die zur Zeit in UK, USA, Australien, Kanada und einigen skandinavischen Ländern hochgefahren werden. Der OpenGovData-Prozess selbst ist ebenfalls äußerst transparent. Daten und Anwendun- gen werden in einer Plattform gesammelt. Jeder kann sich einbringen im Sinne einer Web 2.0 Plattform. Langegger: Ich denke der Begriff “politisch korrekt” wird teilweise etwas überstrapaziert. Nur ein Beispiel: ist es politisch korrekt, Kriminalitätsstatistiken eines Bezirkes öffentlich zugänglich zu machen? Gegner mögen einwenden, damit können Bezirke abgewertet werden und es kommt zur Konzentration oder Ghettobildung. Man kann es auch genauso umgekehrt sehen. Langfristig kommt es auch ohne Veröffentlichung der Daten zur Ghettobildung, weil die hohe Kriminalität ja ein Fakt ist und sich auf die Lebensqualität unmittelbar auswirken wird. Ist die Öffentlichkeit allerdings informiert, wird die Verwaltung zum Handeln gezwungen und es kann dagegen etwas unternommen werden. Ich glaube, “Offenheit” und Transparenz ist ein ganz wichtigter Motor in einer entwickelten Gesellschaft.
  6. 6. Was passiert mit den gesammelten Daten? Blumauer: Was mit den gesammelten und publizierten Daten passiert, weiß man am An- fang nicht - das ist auch ein Grundprinzip des Semantic Web. Daten werden hier nach den Linked Data Prinzipien Applikations-agnostisch veröffentlicht. Die Daten können so nach dem Gutdünken des Anwenders weiterverlinkt werden. Dabei sollten die Verwaltungen den Bürgern und Unternehmen ruhig zutrauen, dass auch diese imstande sind, wertvolle Datenbestände in interessante Anwendungen ummünzen zu können. Wichtigster Prozess- Schritt ist jedoch die Interpretation der neu vernetzten Datenbestände - hier ist bislang noch zuwenig diskutiert worden, wie das "funktionieren" könnte. Die Wissenschaft ist also gefordert, da dieser immens wichtige letzte Schritt in dieser Wertschöpfungskette nicht alleine der Politik überlassen werden sollte. Die Politik ist schließlich zum Handeln aufge- fordert! Langegger: Wie bereits bei den Anwendungsbeispielen beschrieben. Sie werden wiederverwendet und zwar transparent, barrierefrei und ohne Wettbewerbsverzerrungen – auch von staatlichen Stellen selbst. Es sollte ja auch die Weitergabe von Daten unter verschiedenen Verwaltungseinheiten bestmöglich gewährleistet sein. Welche Gruppen könnten Sie bei Ihrer Arbeit unterstützen, durch welche Maßnahmen? Blumauer: An Open Data mangelt es nicht, wir benötigen daher gar nicht so sehr die Un- terstützung der Data-Provider, sondern vielmehr von den Kreisen, die den Nutzen von Linked Open Data auch verstehen und einsetzen wollen. Das sind neben Politik auch Un- ternehmen, die aus Datenfluten neue Erkenntnisse gewinnen wollen und daher in diese Entwicklung auch investieren wollen. Langegger: Erst einmal wollen wir mit 1-2 Beispielen, die wir in Kooperation mit einer Verwaltungsstelle erarbeiten, zeigen was möglich ist. Dazu brauchen wir interessierte Kollegen aus der Verwaltung, die wir ja zum Teil schon haben. Eine andere – eher langfristige Aufgabe – wird es sein, Überzeugungskraft zu leisten und ggf. die rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Dazu brauchen wir alle möglichen Stakeholder an unserer Seite, sowie auch Politiker und Juristen. Parallel dazu werden wir gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation auf europäischer Ebene guidelines erarbeiten und “best practice” Lösungen austauschen. Wir haben den Vorteil, dass es bereits einige Länder wie GB, Finnland, Holland, Dänemark, Deutschland gibt, die uns ein paar Schritte voraus sind. Somit profitieren wir natürlich von Erfahrungen in diesen Ländern. Was soll sich wünschenswerterweise – etwa in einem Jahr – durch die öster- reichische Initiative verändert haben? In fünf Jahren? Blumauer: Das Thema (Linked) Open Government Data sollte in einem Jahr in Österre- ich öffentlich diskutiert und weitgehend verstanden und angenommen sein. Neben einigen organisatorischen Maßnahmen, sollten vor allem erste konkrete Projekte gestartet sein. Man möchte ja schließlich nicht der letzte sein, der auf den fahrenden Zug aufspringt -
  7. 7. Österreich hat einen guten Ruf als Vorreiter im Bereich e-Government zu verlieren! Klares Ziel in 5 Jahren also: Österreich ist Spitzenreiter im Bereich Open Government Data, was sich dann vor allem anhand florierender, neuer Anwendungen für den Bürger, aber auch für Unternehmen und die Verwaltung selbst ablesen lässt. Langegger: Ich denke innerhalb dieses Jahres werden wir es mit Hilfe der Open Knowledge Foundation noch schaffen, ein relativ komplettes zentrales Verzeichnis zumindest mit Links zu allen bereits jetzt öffentlichen Datenbeständen aufzubauen (Bsp. http://www.ckan.net/). Parallel dazu werden wir 1-2 “sichtbare” Demoprojekte erarbeiten, um zu zeigen, was am Ende möglich sein wird. In 5 Jahren wird es einen internationalen Standard für Open Government Data geben, der auf Linked Data basieren wird und der innerhalb der EU, in den USA, Kanada, Neuseeland und vielen weiteren Ländern Anwendung finden wird. Möglicherweise wird es eine aktualisierte EU PSI-Direktive geben, welche sich nicht mehr bloß auf Dokumente bezieht, sondern auch auf Linked Data. Während wir bei eGov-Bürgerserviceleistungen Spitzenreiter in Europa sind, belegen wir punkto Transparenz bezüglich Zugang zu öffentlichen Informationen innerhalb der EU die hinteren Plätze (siehe MEPSIR-Studie3 von 2006). Es gibt zwar bereits Ansätze wie z.B. das Informationsweiterverwendungsregister www.help.gv.at/iwr/, allerdings fehlen hier wirkliche Initiativen, um das hohe Potential zu nutzen. --- *) Mag. Andreas Blumauer ist Dozent an den Wiener Fachhochschulen FHWien und FH Technikum Wien sowie am Campus02, einer Fachhochschule in Graz sowie Geschäfts- führer der Semantic Web Company http://www.semantic-web.at/35.team.htm Mag. Andreas Langegger ist Semantic Web Researcher, FH-Dozent, wissenschaftl. Mit- arbeiter an der Universität Linz (Wissensverarbeitung) http://www.sembase.at/index.php/Andreas_Langegger Marion Fugléwicz-Bren ist freie Journalistin und Communications Managerin der Se- mantic Web Company www.semantic-web.at. www.marions.at 3 http://ec.europa.eu/information_society/policy/psi/mepsir/index_en.htm

×