Humboldt-Universität zu Berlin Sommersemester 2006Philosophische Fakultät IIIInstitut für Bibliotheks- und Informationswis...
InhaltsverzeichnisI. Struktur und Funktion der Einrichtung1. Die Deutsche Bibliothek (DDB) 12. Deutsches Musikarchiv (DMA)...
- 1 -I. Struktur und Funktion der Einrichtung1. Die Deutsche Bibliothek (DDB)Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Arch...
- 2 -Basis der Sammlung sind die Veröffentlichungen, die die deutschen Musikverleger und Ton-trägerhersteller auf Grund de...
- 3 -AllgemeinesDr. Ingo Kolasa, der Direktor des Hauses, gab uns eine allgemeine Einführung ins DMA. Da-bei ging er auf F...
- 4 -mierarbeiten ist das Benutzungs- und Ausleihsystem (BAS) am DMA, das eine Vielzahl vonVorgängen unter einer Oberfläch...
- 5 -das Fernsehen ans DMA heran, wenn diese zu bestimmten Produktionen spezielles Materialbenötigen. Die Recherche nach T...
- 6 -Wir widmeten uns ausführlicher dem Thema „Mahnungen“. Frau Gebhardt-Freienstein re-cherchiert regelmäßig im Internet ...
- 7 -findlichen Schellackplatten ist eine abgeschlossene Sache: Es werden keine weiteren Exemp-lare mehr produziert. Denno...
- 8 -Muss ein Personennormdatensatz angelegt werden, geschieht dies in erster Linie durch dieKolleginnen aus der Titelaufn...
- 9 -FE Tonträger E-Musik / U-MusikGenau wie bei der Formalerschließung von Musikalien gehen auch Frau Quast und Frau El-l...
- 10 -zwei verschiedene. Als die Schellackplatten zweiseitig bespielt wurden, bekam jede Seite einejeweils eigene Bestell-...
- 11 -auf mögliche Fehler zu überprüfen, die Bestände mit Signaturen zu versehen und die Hand-bibliothek nach und nach geo...
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Praktikumsbericht Deutsches Musikarchiv

  1. 1. Humboldt-Universität zu Berlin Sommersemester 2006Philosophische Fakultät IIIInstitut für Bibliotheks- und InformationswissenschaftBericht zumBibliothekspraktikumimDeutschen Musikarchiv Berlin (DMA)in der Zeit vom 20.02.2006 bis 17.03.2006Praktikumsbetreuerin: Helga DietrichSebastian Wilke 4.FachsemesterE-mail: sep.wilke@web.de Hauptfach: MusikwissenschaftMatrikelnummer: 502487 2. Hauptfach: Bibliothekswissenschaft
  2. 2. InhaltsverzeichnisI. Struktur und Funktion der Einrichtung1. Die Deutsche Bibliothek (DDB) 12. Deutsches Musikarchiv (DMA) 1II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten1. Einführungen 2Allgemeines 3Erwerbung Tonträger 3IT 3Verwaltung 4Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA 4Problematik Magazin 5Erwerbung Musikalien 5Historische Tonträger – Erwerbung und Betreuung 6Thematik Normdateien 7Sachgebiet Formalerschließung 8FE Musikalien 8FE Tonträger E-Musik / U-Musik 9FE Historische Tonträger 9Tonstudio 102. Arbeiten in der Handbibliothek 10III. Einschätzung des Praktikums 11
  3. 3. - 1 -I. Struktur und Funktion der Einrichtung1. Die Deutsche Bibliothek (DDB)Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografischeZentrum der Bundesrepublik Deutschland und erfüllt die Funktion einer Nationalbibliothek.Sie hat die für Deutschland einzigartige Aufgabe, lückenlos alle deutschen und deutschspra-chigen Publikationen ab 1913 zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, umfassend zu dokumen-tieren und bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.Sie entstand 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands aus den VorgängereinrichtungenDeutsche Bücherei Leipzig (gegründet 1912) und Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main(gegründet 1947), zu der seit 1970 das Deutsche Musikarchiv gehört. Der Einigungsvertragvom 23. September 1990 erlaubt beiden Häusern, gemeinsam die gesetzlich festgelegten Auf-gaben fortzuführen.Archivierung und Benutzung erfolgen an allen Standorten nach denselben Regeln; die Litera-turbearbeitung geschieht strikt arbeitsteilig. Durch dieses Konzept werden an jedem Standorteine komplette Sammlung und damit ein guter Benutzerservice angeboten.Der Gesamtbestand Der Deutschen Bibliothek beläuft sich zurzeit auf rund 22,2 MillionenEinheiten, davon etwa 13,2 Millionen in der Deutschen Bücherei Leipzig, etwa 7,8 Millionenin der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main und ungefähr 1,2 Millionen im DeutschenMusikarchiv Berlin.Dr. Elisabeth Niggemann ist seit 1999 Generaldirektorin Der Deutschen Bibliothek.2. Deutsches Musikarchiv Berlin (DMA)Innerhalb der Aufgabenteilung zwischen den drei Standorten Der Deutschen Bibliothek er-schließt und archiviert das Deutsche Musikarchiv Berlin Musikalien (Noten) und Musikton-träger. Es ist damit die zentrale Musiksammlung und das nationale Musikinformationszent-rum der Bundesrepublik Deutschland. Vorläufer war die Deutsche Musik-Phonothek, die von1961 bis 1969 existierte. Seit seiner Gründung im Jahre 1970 ist das DMA der DeutschenBibliothek Frankfurt am Main als Abteilung angegliedert.
  4. 4. - 2 -Basis der Sammlung sind die Veröffentlichungen, die die deutschen Musikverleger und Ton-trägerhersteller auf Grund des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek an das Deutsche Mu-sikarchiv Berlin abliefern. Es werden zwei Pflichtexemplare abgeliefert. Eines wird nach derBearbeitung durch das DMA zur Archivierung und Benutzung an die Musikalien- und Ton-trägersammlung der Deutschen Bücherei Leipzig weitergegeben.Schwerpunkt des Deutschen Musikarchivs ist die gesetzlich definierte Sammlung: Tonträgerab 1970 und Musikalien ab 1973. Gesammelt werden alle musikalischen Genres. Die histori-sche Tonträgersammlung geht bis in die Anfänge der Tonträgerproduktion 1877 zurück. DasMaterial stammt aus Sammlernachlässen und Ankäufen.Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte(GEMA) hat im Juli 2000 das Deutsche Musikarchiv zum Sammlungsort ihrer Noten be-stimmt. Zugleich ist der Gesamtbestand des GEMA-Archivs von 210.000 Noten dem Deut-schen Musikarchiv übereignet worden. Mit der Übernahme des Musikinformationszentrumsdes Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (MIZ) stehen Tonbän-der, Noten und Werkkarteien zur Verfügung, die das Musikleben und -schaffen der ehemali-gen DDR auf dem Gebiet der E-Musik dokumentieren.Ende 2004 befanden sich im Bestand des Deutschen Musikarchivs Berlin 250.000 Notendru-cke, 310.000 CDs, 207.000 Langspielplatten, 48.000 Singles und 2.500 Musikvideos. DieseBestände können vor Ort benutzt werden.Sei 1998 leitet Dr. Ingo Kolasa das Deutsche Musikarchiv Berlin.II. Arbeitsbereiche und ausgeführte Tätigkeiten1. EinführungenIm Laufe meines Praktikums lernte ich zusammen mit meiner Mitpraktikantin Frau JuliaBrunner von der Fachhochschule Potsdam (Studiengang Informationswissenschaften / Biblio-thek) alle wesentlichen Arbeitsbereiche im Deutschen Musikarchiv kennen. Wir begleiteten inden ersten drei Wochen täglich andere Mitarbeiter, die uns in ihre Tätigkeiten einführten.
  5. 5. - 3 -AllgemeinesDr. Ingo Kolasa, der Direktor des Hauses, gab uns eine allgemeine Einführung ins DMA. Da-bei ging er auf Funktion und Struktur der Einrichtung sowie auf die Geschichte des Gebäudesund des Grundstücks ein.Erwerbung TonträgerDie Tonträger, die durch die Pflichtstückverordnung in doppelter Ausführung ins DeutscheMusikarchiv gelangen, werden in der Abteilung „Erwerbung Tonträger“ von Frau Dietrichund zwei Kolleginnen bearbeitet. Das DMA kooperiert mit der PhonoNet GmbH in Hamburgim Bereich Digitalisierung, was im Erwerbungs- und Erschließungsprozess Konsequenzenhat: Nach dem Eingang der Tonträger im DMA werden die wichtigsten Daten in der Erwer-bung in das hauseigene Datenbanksystem, die Basic Suite, eingegeben und die Tonträger miteinem Barcode versehen. Dieser ist wichtig, um später bei der weiteren Bearbeitung schnellan den richtigen Datensatz zu kommen. Als nächstes werden die Tonträger nach Hamburggeschickt, wo PhonoNet sie digitalisiert: Es werden von sämtlichen Tracks mp3-Dateien er-stellt sowie die Covers eingescannt. PhonoNet sendet die Tonträger mitsamt der Digitalisateans DMA zurück und darf seinerseits die Daten behalten – darin besteht die Kooperation;PhonoNet ist u.a. für die Internetseite www.musicline.de verantwortlich. Im Folgenden kanndie ausführliche Erschließung durch das DMA stattfinden. Diese geschieht mit Hilfe des Da-tenbanksystems WinIBW. Zwischen der Basic Suite und WinIBW existiert eine Schnittstelle,so dass die vorhandenen Daten weiterverwendet werden können. Eine solche Schnittstellewäre auch zwischen dem DMA und PhonoNet wünschenswert, damit der Datentransfer effek-tiver erfolgen könnte.ITFrau Seiberlich kümmert sich um das Netzwerk innerhalb des DMA. Sie gab uns die Zu-gangsdaten für die PCs an unseren Arbeitsplätzen, zeigte uns die wichtigsten Programme undFunktionen und gab uns einen Überblick über die Struktur des hausinternen Netzwerkes. ZurVeranschaulichung gingen wir in den Serverraum.Wenn im DMA Probleme bei der Benutzung von Computern oder Computeranwendungenauftreten, dann wendet man sich an Herrn Hack. Neben der Behebung dieser Probleme istseine Aufgabe vor allem die Anwendungsprogrammierung. Eine seiner zentralen Program-
  6. 6. - 4 -mierarbeiten ist das Benutzungs- und Ausleihsystem (BAS) am DMA, das eine Vielzahl vonVorgängen unter einer Oberfläche vereint. Weitere Projekte sind ein Bestandskatalog zu denhistorischen Abspielgeräten des Hauses sowie der Aufbau einer Datenbank zum GEMA-Archiv. Dabei sei es nach Angaben von Herrn Hack immer am effektivsten, wenn bei derAuftragserteilung für eine solche Datenbank ein Pflichtenheft vorliegt. Dieses grenzt denRahmen seiner Programmierarbeit möglichst exakt ein, indem es die Anforderungen deutlichmacht.VerwaltungFür die Verwaltung im Haus ist Herr Heerer zuständig. Wir sprachen mit ihm u.a. über Be-triebssicherung, Dienstrecht, Haushaltsplanung, Stellenbesetzung und die Organisation DerDeutschen Bibliothek. Die Verwaltung wird auf die zwei Häuser in Frankfurt und Leipzigaufgeteilt: So ist die DB Leipzig z.B. für Dienstreisen zuständig, während sich die DB Frank-furt um die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter kümmert. Dem DMA fallen als Abteilungder DB Frankfurt dementsprechend nur wenige Kompetenzen zu. Viele Vorgänge im Perso-nalwesen, die das DMA betreffen, laufen über Frau Dr. Elisabeth Niggemann und den Ge-samtpersonalrat in Frankfurt ab.Herr Heerers Aufgabenbereich im DMA ist der so genannte „Innere Dienst vor Ort“. Als qua-si „Buchhalter“ des Hauses muss er dafür sorgen, dass von allen benötigten Arbeitsmateria-lien immer genügend vorrätig ist bzw. rechtzeitig angeschafft wird. Das Spektrum erstrecktsich von Bleistiften bis zum neuen Computer. Ähnlich verhält es sich mit sämtlichen Diens-ten, die rund um das Haus anfallen: Dazu gehören beispielsweise die Putzfrau, der Fenster-putzer, der Botendienst oder der Handwerker. Sobald eine Anschaffung angestrebt wird, müs-sen per Ausschreibung mehrere Angebote eingeholt werden. – Die Höhe der angestrebtenAusgaben hat Konsequenzen für die Art der Ausschreibung und die Anzahl der nötigen Be-werber. Wirtschaftlichkeit zählt hier vor dem Preis. Letztlich entscheidet eine Auftragsverga-bekommission, die in Frankfurt sitzt, wer den Zuschlag erhält.Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMAFrau Berr und ihre Kolleginnen aus der Abteilung „Benutzung“ erreichen täglich Anfragen zubestimmten Musikstücken und Musikalien. Die Personen, die sich auf der Suche danach ansDMA wenden, haben entweder schon alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft oder ganz speziel-le Wünsche. Neben Privatpersonen und Wissenschaftlern treten z.B. auch Radiosender und
  7. 7. - 5 -das Fernsehen ans DMA heran, wenn diese zu bestimmten Produktionen spezielles Materialbenötigen. Die Recherche nach Tonträgern, Musikalien oder bibliografischen Angaben überdiese ist kostenpflichtig und wird über eine Gebührenordnung geregelt. Das DMA stellt aufAnfrage Umschnitte von Tonträgern her. Dabei gilt jedoch, dass der entsprechende Tonträgerbereits zwei Jahre lang nicht mehr im Handel erhältlich sein darf. Damit soll der Plattenin-dustrie kein Schaden zugefügt werden. Das Umschneiden wird pro Viertelstunde berechnet.Je älter das Medium, desto komplizierter ist das Kopieren und umso höher der Preis. Näheresregelt wiederum die Gebührenordnung.Bei der Recherche steht den Mitarbeiterinnen ein umfangreicher Suchapparat zur Verfügung.Zunächst werden am Computer alle verfügbaren online- und offline-Informationsdienstedurchsucht: Suchmaschinen, OPACs, Bibliografien, Handelsverzeichnisse und sonstige Da-tenbanken im nationalen und internationalen Raum. Alternativ und ergänzend fungieren diegedruckten Informationsmittel im DMA: Kartenkataloge sowie diverse Nachschlagewerkeund Bibliografien in der internen Handbibliothek. Da die Recherchen kostenpflichtig sind,werden möglichst alle Suchmittel berücksichtigt.Problematik MagazinHerr Adam führte uns durch das Magazin des DMA. Ein Großteil der Bestände lagert im Kel-ler des Gebäudes, der aus bibliothekarischer Sicht eine Besonderheit darstellt: Er erstrecktsich nämlich über eine Vielzahl von einzelnen Räumen, die in unregelmäßiger Anordnungeinen großen, zunächst unüberschaubaren Komplex ergeben. Der Grund hierfür liegt in derGeschichte des Gebäudes: Ehemals als Villa konzipiert, ist es natürlich auch im Keller nichtan die Anforderungen eines Bibliotheksmagazins angepasst. Doch das Tiefgeschoss hat auchseine Vorteile: Die Temperaturen sind hier relativ konstant. Die Platzreserven reichen aufjeden Fall noch bis zum geplanten Umzug des Deutschen Musikarchivs nach Leipzig aus.Erwerbung MusikalienÄquivalent zur Erwerbung der Tonträger verfährt die Abteilung „Erwerbung Musikalien“ mitden Noten, die im DMA eingehen. Auch Frau Gebhardt-Freienstein, die uns einführte, arbei-tet mit der Basic Suite: Dort gibt sie die ersten Informationen zu den Musikalien ein, bevoreine ausführliche Titelaufnahme durch die Formalerschließung erfolgt. Das DMA steht mitetwa 7000 Musikalienverlagen in Kontakt. Eine Kooperation zur PhonoNet GmbH oder einerähnlichen Einrichtung besteht nicht, wäre aber durchaus denkbar und sinnvoll.
  8. 8. - 6 -Wir widmeten uns ausführlicher dem Thema „Mahnungen“. Frau Gebhardt-Freienstein re-cherchiert regelmäßig im Internet und in Zeitschriften nach Verlagen bzw. ihren Publikatio-nen und erkundet, ob von diesen Musikalien schon die beiden Pflichtstückexemplare zumDMA geschickt worden sind. Eine weiterer Weg stellt das Mahnsystem der DB Frankfurt undder DB Leipzig dar: Dieses ermittelt automatisch ISBN von Musikalien, die das DMA nochnicht erhalten hat. Fehlt nun eine Musikalie, wird der entsprechende Verlag gemahnt, diese inzwei Ausführungen dem DMA zukommen zu lassen. Die Verlage agieren unterschiedlich:Viele kommen der Aufforderung auch ungebeten nach, einige (vor allem kleine Verlage undPrivatpersonen) wissen nichts von der Pflichtstückverordnung und müssen erst informiertwerden und bei nicht wenigen kommt es zu Verzögerungen, weil sie nicht daran denken oderdie Abgabe bewusst ignorieren. In letztgenannten Fällen folgen seitens des DMA weitereMahnungen. – Als finales Mittel steht ein Verwaltungszwangsverfahren zur Verfügung, zudem es aber in der Regel nicht kommt. Wie Frau Gebhardt-Freienstein sagte, seien persönli-che Gespräche mit den Verantwortlichen meistens eine gute Möglichkeit, die Verlage zumUmdenken zu bewegen.Historische Tonträger – Erwerbung und BetreuungDie interessanteste Arbeit im DMA hat Herr Schleußner-Schwarz: Er kümmert sich um dieSammlung der historischen Tonträger. Wir sprachen zunächst über die Geschichte der Ton-träger von den Anfängen ausgehend. Zur Veranschaulichung gingen wir auch durch die Dau-erausstellung im Gebäude, die sich mit diesem Thema beschäftigt.Wenn man die historischen Tonträger – vom Edison-Zylinder bis zur Vinyl-Schallplatte –untersucht, stellt man fest, dass die Schellackplatte von allen diesen Medien das beständigstewar: 1887 entwickelt, war sie noch bis 1958 der wichtigste Tonträger auf dem Markt. Dem-entsprechend zentral ist die Schellackplatte auch bei der Beschaffung weiterer historischerTonträger für die Sammlung. Herr Schleußner-Schwarz hat pro Jahr einen bestimmten Etatzur Erwerbung zur Verfügung. Er durchsucht regelmäßig alle wichtigen Auktions- und Fest-preislisten im deutschen Raum, verhandelt mit Händlern und Sammlern und sichtet aufgelösteSammlungen. Bevor die Schellackplatten gekauft werden, erfolgt eine Ankaufsrecherche:Herr Schleußner-Schwarz prüft nach, ob die Platte sich schon in der Sammlung befindet; zurRecherche kommen die Deutsche Nationalbibliographie für Historische Tonträger, die BasicSuite und selbst erstellte Eingangslisten in Frage. Der Gesamtbestand der sich im Umlauf be-
  9. 9. - 7 -findlichen Schellackplatten ist eine abgeschlossene Sache: Es werden keine weiteren Exemp-lare mehr produziert. Dennoch ist der Markt ständig in Bewegung und sehr aktiv. Das liegtdaran, dass über genaue Stückzahlen nur schwer bzw. gar nicht geurteilt werden kann. Zumeinen war es früher in Zeiten knapper Kassen gängige Praxis, Platten zu recyclen, mehrerealte im Tausch gegen eine neue abzugeben, damit aus dem kostbaren Material neue Rohlingehergestellt werden konnten. Zum anderen ist davon auszugehen, dass im Laufe der Zeit nichtwenige Platten kaputtgegangen sind. Aus diesen Gründen lässt sich immer nur über den Preiseiner Schellackplatte spekulieren. Die Händler wissen meistens am ehesten, wie häufig sie einExemplar in der Hand gehalten haben und welcher Seltenheitswert sich daraus ergibt. Ähnli-che Erfahrungswerte helfen auch Herrn Schleußner-Schwarz weiter, seinen Etat sinnvoll aus-zugeben.Das DMA besitzt zwischen 180.000 und 190.000 Schellackplatten. Pro Jahr vergrößert sichdie Sammlung um ungefähr 2000 Exemplare. Der Bestand wird im Magazin aufbewahrt. DasMaterial erfordert spezielle Vorkehrungen: Vier Schellackplatten wiegen ca. ein Kilo. Insge-samt ergibt sich also ein Gewicht der Sammlung von etwa 45 Tonnen. Die Regale sind dem-entsprechend stabil gebaut und die Räume verfügen über eine zusätzliche Stahlschicht unterdem Boden, damit die Statik nicht unter dem Gewicht leidet.Thematik NormdateienDer Bereich der Normdateien ist Frau Kohn zugeteilt. Im DMA werden mehrere Normdateienangesetzt: Neben Körperschaften, die die Verlage mit einschließen, und Personen gehörendazu auch die Einheitssachtitel (EST).Wir sprachen über die Vorgehensweise und Probleme bei der Ansetzung von Körperschaftenund Personen. Wenn für eine Körperschaft noch keine Normdatei existiert, dann wendet sichdie entsprechende Kollegin aus der Titelaufnahme an Frau Kohn. Der Anfrage liegen meistschon einige Informationen bei, die in einer ersten groben Recherche ermittelt wurden. ZurErstellung des Normdatensatzes recherchiert Frau Kohn nun noch einmal genauer im Internet:Dabei geht sie den Hinweisen der Titelaufnahme nach, nutzt Suchmaschinen wie Google,sucht auf offiziellen Seiten der Körperschaft oder in allgemeinen Nachschlagewerken wiedem All music guide1.1Siehe www.allmusic.com
  10. 10. - 8 -Muss ein Personennormdatensatz angelegt werden, geschieht dies in erster Linie durch dieKolleginnen aus der Titelaufnahme. Es gibt hier also keine zentrale Aufnahme wie bei denKörperschaften. Wenn allerdings eine Transliteration des Namens erforderlich wird oder ergenerell sehr kompliziert ist, erledigt auch diesen Vorgang Frau Kohn. Viele Personen tragenden gleichen Namen. Deshalb werden die Personendatensätze individualisiert: Sie erhaltenzusätzliche Informationen zur bestreffenden Person, um sich von den gleichnamigen Anderenabzugrenzen. Dabei kann es sich z.B. um Lebensdaten oder ausgeübte Funktionen handeln.Alternativ zur Individualisierung steht der Personennormdatensatz, der mehrere gleichnamigePersonen ohne weitere Angaben zusammenfasst, universell verwendet wird. Die Regeln fürdie alphabetische Katalogisierung (RAK) sehen eine Individualisierung eigentlich nicht vor,doch es kann damit gerechnet werden, dass dies demnächst in Form einer Ergänzung des Re-gelwerks geändert wird.Sachgebiet Formalerschließung (FE)Das maßgebliche Regelwerk für die formale Erschließung im DMA sind die RAK-Musik,eine Erweiterung der RAK-WB. Bis 2004 wurde eine Auflage aus dem Jahre 1986 verwendet,seitdem benutzt man die 2003 aktualisierte Fassung. Frau Kumm, die uns einführte, kritisiertean den RAK-Musik vor allem, dass sie zu unflexibel seien, um auf neue Entwicklungen imTonträgermarkt einzugehen, und dass sie noch zu sehr der Ära des Zettelkataloges verhaftetseien. Wie die alten Auflagen der RAK-Musik wird auch die aktuelle vom DMA mit einigenHauszusätzen verwendet.FE MusikalienDie Musikalien gelangen aus der Erwerbung in die Formalerschließung zu Frau Ellermannund einer Kollegin. Die Titelaufnahmen erscheinen im OPAC des DMA; alle vier Wochenwerden die Neuerscheinungen in der Nationalbibliografie zusammengefasst. Frau Brunnerund ich versuchten uns an jeweils einer Titelaufnahme. Wir überprüften zunächst in der Wi-nIBW, ob zu allen in den Publikationen auftretenden Werken, Personen, Verlagen und SerienNormdaten bestehen. Die fehlenden EST-Sätze legten wir selbst an. Dazu war allerdings nocheine Recherche notwendig: Im Internet und in der Handbibliothek versuchten wir die Anga-ben der Vorlage zu verifizieren und zusätzliche Informationen zu erhalten. Nachdem wir alleDetails zusammengetragen und die Normdaten angelegt hatten, nahmen wir mit der Hilfe vonFrau Ellermann unsere Musikalien auf (Beispiel für die Titelaufnahme einer Musikalie in Wi-nIBW: Siehe Anhang 1).
  11. 11. - 9 -FE Tonträger E-Musik / U-MusikGenau wie bei der Formalerschließung von Musikalien gehen auch Frau Quast und Frau El-lermann bei der Titelaufnahme von Tonträgern vor: Wenn Personennormdaten oder Einheits-sachtitel fehlen, legen sie neue Datensätze an, nachdem sie alle nötigen Informationen im In-ternet, den internen Datenbanken und in der Handbibliothek zusammengetragen haben.Die Formalerschließung von sogenannter E(rnster)- und U(nterhaltungs)-Musik unterscheidetsich jedoch in einigen Punkten. Bei E-Musik ist der EST eine zentrale Kategorie: Er gibtAuskunft darüber, über welche Gattung von Musik es sich handelt (Bsp.: Beethoven, Ludwigvan : Sinfonien), oder im Falle eines individuellen Einheitssachtitels, wie der Titel des Stü-ckes lautet (Bsp.: Mozart, Wolfgang Amadeus : Die Zauberflöte). E-Musik ist in der Regelnicht interpretengebunden, d.h. die Haupteintragung findet unter dem Komponisten statt.Hingegen ist U-Musik interpretengebunden. Auch fällt bei ihr der Einheitssachtitel weg. Ins-gesamt lässt sich festhalten, dass die Formalerschließung von E-Musik umfangreichere Re-cherchen benötigt, während es bei U-Musik manchmal schwieriger ist, an Informationen überbestimmte Personen zu gelangen, weil nicht immer so ausführliche und umfangreiche Nach-schlage bestehen wie im Bereich der E-Musik.Im Anhang befindet sich jeweils ein Beispiel einer Titelaufnahme für E- (Anhang 2) und U-Musik (Anhang 3).FE Historische TonträgerHerr Kelbassa und Frau Hoffmann fertigen Titelaufnahmen der Schellackplatten an, die vonHerrn Schleußner-Schwarz erworben wurden. Dieser Vorgang ist einfacher als bei den einge-henden CDs und Musikalien: Da keine Regeln für die formale Erschließung von Schellack-platten bestehen, wird der Inhalt direkt von der Vorlage in die einzelnen Kategorien der Da-tenbank übernommen. Auch in diesem Fall dient die Basic Suite als Arbeitsmittel. Zunächstwird überprüft, ob sich in der Sammlung schon ein Exemplar der jeweiligen Aufnahme befin-det. Ist dies so, wird nur die Anzahl im Datensatz um eins erhöht. – Er werden bis zu zehnExemplare von einer Aufnahme gesammelt. Fehlt eine Titelaufnahme, wird sie angelegt.Eine Besonderheit ergibt sich aus den verwendeten Bestell- und Matrizennummern. In derAnfangszeit der Schellackplatten stimmten diese beiden Nummern überein, später vergab man
  12. 12. - 10 -zwei verschiedene. Als die Schellackplatten zweiseitig bespielt wurden, bekam jede Seite einejeweils eigene Bestell- und Matrizennummer. Hinzu kommt, dass manchmal dieselbe Auf-nahme auf der einen mit verschiedenen anderen auf der zweiten Seite kombiniert wurde. DieBestell- und Matrizennummer war bei einer Aufnahme immer dieselbe trotz der Kombinationmit verschiedenen anderen. So ergeben sich jetzt mitunter die verschiedensten Verbindungenvon Bestell- und Matrizennummern inklusive der Wiederholungen. Dieser Umstand macht dieganze Angelegenheit etwas unübersichtlich und erfordert bei der Recherche große Aufmerk-samkeit.TonstudioZum Haus gehört auch ein Tonstudio, das von Herrn Räck geleitet wird. Es werden hierhauptsächlich Übertragungen von Tonträgern auf CD-R für die Benutzer erstellt. Der Serviceist kostenpflichtig.2Für alle möglichen Tonträger ist die entsprechende Abspieltechnik vor-handen. Daraus ergeben sich Probleme: Fast jedes Jahr erscheint mindestens ein neues Ton-trägermedium. Es muss immer die neue dazugehörige Technik gekauft werden, selbst wenn essich nur um ein vorübergehendes Medium handelt. Weitere Kosten ergeben sich für die In-standhaltung älterer Geräte. Zum Teil existieren nur noch wenige Firmen, die Ersatzteile zubestimmten Fabrikaten liefern können, manchmal ist selbst dies nicht mehr gegeben.Eine weiteres Arbeitsfeld sind Wiederveröffentlichungen von alten Aufnahmen auf CD. Esbesteht u.a. eine längere Zusammenarbeit mit dem Label Bear Family Records, das sich aufCountrymusik und Oldies spezialisiert hat. In der Reihe zeitgenossen ost werden wichtigeWerke von Komponisten aus der ehemaligen DDR, zum größten Teil als Originalaufnahmender Uraufführungen vorhanden, wiederveröffentlicht.2. Arbeiten in der HandbibliothekDas DMA verfügt über eine Handbibliothek, die den Benutzern öffentlich zugänglich ist. Siebeinhaltet circa 18.000 Bände, bei denen es sich um einen repräsentativen Querschnitt neuererund älterer musikwissenschaftlicher Literatur handelt. Bis vor kurzem war sie nur durch einenZettelkatalog erschlossen, aber nicht nachvollziehbar aufgestellt, was eine Benutzung äußersterschwerte. Man entschloss sich, den Zettelkatalog retrokonvertieren zu lassen – dies über-nahm die ungarische Firma Medea. Jetzt, da die Titel alle in der WinIBW verzeichnet sind,arbeiten mehrere Mitarbeiterinnen aus der Formalerschließung daran, diese Titelaufnahmen2Näheres dazu siehe Benutzung / Öffentlichkeitsarbeit im DMA (S. 4)
  13. 13. - 11 -auf mögliche Fehler zu überprüfen, die Bestände mit Signaturen zu versehen und die Hand-bibliothek nach und nach geordnet wieder aufzustellen. Bei der Signaturenvergabe und derAufstellung dient die Systematik des Musikschrifttums (SMM), die in vielen Musikbibliothe-ken Verwendung findet und mittlerweile in der dritten Auflage, 1991 vom damaligen Deut-schen Bibliotheksinstitut (DBI) herausgegeben, besteht. Bislang sind bereits ca. zwei Drittelder Literatur auf diese Weise bearbeitet worden.Während unseres Praktikums verbrachten Frau Brunner und ich nachmittags häufig Zeit da-mit, bei dieser Arbeit zu helfen.III. Einschätzung des PraktikumsIch kann viele positive Dinge aus meinem Praktikum mitnehmen:1. Ich habe im Laufe der vier Wochen in sehr angenehmer Atmosphäre mit dem DMAeines der drei großen Häuser Der Deutschen Bibliothek und das bedeutendste Mu-sikarchiv in Deutschland kennen gelernt.2. Dabei wurden mir sämtliche Arbeitsabläufe innerhalb des Hauses von den entspre-chenden Mitarbeitern näher gebracht. So habe ich jeweils einen guten Einblick in dieVorgehensweisen aber auch die auftretenden Probleme der einzelnen Abteilungen be-kommen und mir ein vielfältiges Bild von den Aktivitäten im DMA machen können.3. Auch den Umstand, dass ich mit so vielen verschiedenen Menschen Kontakt hatte,möchte ich positiv hervorheben. Es war sehr interessant, Eindrücke aus der Arbeits-welt zu sammeln und z.B. über die unterschiedlichen Werdegänge der Mitarbeiter zureden.4. Vor allem während der letzten Woche konnte ich bei der Arbeit in der Handbibliothekeinmal praktische Erfahrungen in einer typischen bibliothekarischen Tätigkeit machen.5. Das Doppelpraktikum als Organisationsform hat mir gut gefallen.Als einzige Kritikpunkte möchte ich vermerken, dass es auf Grund der täglich wechselndenEinführungen einerseits nicht immer möglich war, ein Thema tiefer zu ergründen. In der ers-ten Phase fehlte außerdem eine größere, übergreifende Aufgabe, wie wir sie zum Ende hin mitder Handbibliothek bekamen. Doch die positiven Aspekte überwiegen eindeutig. Ich habe dasgesamte Praktikum mit Spaß und großem Interesse verfolgen können.

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