Puriysten auf Reisen  Berliner Weltsichten
puriyWeichselstraße 610247 BerlinTel. 030 47989789Fax 030 47989800www.puriy.de   facebook.com/puriyreisenRedaktion: Madlen...
„Auf Reisen glei-  chen wir einemFilm, der belichtet        wird. Entwickeln wirdihn die Erinnerung.“     (Max Frisch)
puriy = Reisen (Quechua)
Zehn Berliner* sichten die Welt. Seit vielen Jahren teilen wir die Ge-meinsamkeit des Reisens, erzählen immer wieder gern ...
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Gestrandet                                              Puri(y)stin:                                              Madlen B...
Madrid                        BogotáBuenos Aires               - 17 -
Puri(y)st:Vom Rettungsboot ins                           Lars Hanfindonesische Fernsehen                         unterwegs...
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Puri(y)stin:Der einsame Kampf gegen                       Ninette Brücknereine vermeintlich tödliche                    un...
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Nach Trümmer-                                             Puri(y)st:                                             André Rie...
Tipps zu Nairobi/ Kenia  1. Was tun, wenn mein Bier in der Bar schal                                              schm    ...
Tipps zu Somalia   1. Wie kann ich das Land überhaupt bereisen?   Drei Wege:   - Sich auf eine Stelle in der Entwicklungsz...
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„I am sorry, but                                              Puri(y)stin:                                              Ma...
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Palmenwunder                                                Puri(y)stin:                                                An...
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Puri(y)st:Safariexperte?                                Lars DörfelEin Angsthase am                             unterwegs ...
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Puri(y)stin:Gefangen im Paradies                          Madlen Brückner                                              unt...
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Bei den Silber-                                              Puri(y)stin:                                              Ver...
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Puri(y)st:Die Welt ist doch                              lars dörfelnur ein Dorf, oder?                            unterwe...
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Über die Puri(y)sten                     Madlen Brückner                     Früher wollte ich nach Berlin, heute in die W...
Brasilien und Venezuela. Die variationsreiche Landschaft dieser Län-der zieht mich immer wieder in den Bann. Und ich liebe...
Claudia Clawien                     Wir sind mit unserer Familie früher zwar viel in                     den Urlaub gefahr...
Der Duft der Holzkohle in Uganda und Äthiopien, der Salsa in Kolum-bien haben mein Herz erobert.                     Lars ...
Verena Herting                      Meine Hochzeitsreise machte ich 1990 nach                      Russland, China und Tha...
Theresa Schulz                       Ich bin gebürtige Berlinerin und liebe meine Hei-                       matstadt. Dan...
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Puriy berliner weltsichten_auszug

  1. 1. Puriysten auf Reisen Berliner Weltsichten
  2. 2. puriyWeichselstraße 610247 BerlinTel. 030 47989789Fax 030 47989800www.puriy.de facebook.com/puriyreisenRedaktion: Madlen Brückner, Nicole Gatz, Theresa SchulzSatz: Jens GuischardUmschlaggestaltung: Jan IllmannLayout: Felix Kumpfe, Atelier HurraDruck: Schaltungsdienst Lange oHG, 12277 BerlinFotos: Privatbilder der AutorenPrinted in GermanyDieses Werk einschließlich aller Teile ist urheberrechtlich geschützt.Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dasgilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrover-filmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektroni-schen Systemen.© puriy, Berlin 20121. Auflage Dezember 2012ISBN 978-3-940543-27-1
  3. 3. „Auf Reisen glei- chen wir einemFilm, der belichtet wird. Entwickeln wirdihn die Erinnerung.“ (Max Frisch)
  4. 4. puriy = Reisen (Quechua)
  5. 5. Zehn Berliner* sichten die Welt. Seit vielen Jahren teilen wir die Ge-meinsamkeit des Reisens, erzählen immer wieder gern über unserebisherigen Erlebnisse und werden des Zuhörens nicht müde. Jeder hatdabei einen anderen Blick auf die Welt, andere Lieblingsziele und -re-gionen.Wir sind Puri(y)sten, Reisepuri(y)sten. Wir streben eine einfachefunktionale Reiseweise an, in der sich Neugierde und ein wenig Aben-teuerlust vereinigen sollen – mit dem Blick auf das Klare, Genaue,auch Unverfälschte.Regelmäßig kehren wir mit vielen Eindrücken aus der Ferne zurück.Gerüche, Bilder, Klänge – einen ganzen Rucksack davon haben wir ge-laden. Plötzlich ist alles wieder so nah.Nach einem Abend des erneuten Austauschs zahlreicher Geschichtenrund um unsere Reiseerlebnisse entstand die Idee eines kleinen Auto-renkollektivs, das einem etwas erweiterten Publikum Einblick in einenTeil seiner Erlebnisse gibt. Weg von alltäglichen Reise-Blogs, weg vondem blauen Guru der Backpacker, dem Lonely Planet, weg von schnel-len Tweets und Facebookeinträgen, hin zu einfachen Erzählungenüber kleine Anekdoten und Erinnerungen. Erlebte Geschichten ausZeiten, in denen Erzählungen, Fotoalben und Dias noch die direktenEindrücke des Reisenden nach seinem Urlaub vermittelten, aber auchvon heute, wo manch eine Geschichte schneller den Weg über Face-book, Blog und Flickr findet, als der Reisende heimkehren kann.Erzählen ist etwas anderes als Schreiben, das merkten wir in den letz-ten Monaten. So stellten wir uns gemeinsam der Herausforderung, un-sere Eindrücke in einer Bildsprache zu Papier zu bringen.Wir? Sind alle Ü30, in Berlin geboren oder leben schon lange in derdeutschen Hauptstadt und genießen in unserer Freizeit Outdoorerleb-nisse fern oder nah.*Nach Redaktionsschluss erreichte uns noch eine schöne Geschichte aus Ruanda vonunserer Urlaubsbekanntschaft Verena – keiner Berlinerin. Wir haben sie in unser Buchmit aufgenommen und so ist Verena „Gast“berlinerin.
  6. 6. km 9. 5 4 7 KM km 170 1.805 10. 1 1. 8 7 KM 2.8 54 K 7.4 40 K M M M 2 KM 3K 92 6.2 6 10. KM 7 KM KM 6 .5 9 4 48 5.61 6 .3 Gestrandet von Madlen Brückner S. 8 Vom Rettungsboot ins indonesische Fernsehe18 n von Lars Hanf S. Perus. iche Krankheit in den Anden ner S. 40Der einsame Kampf gegen eine vermeintlich tödl von Ninette Brück Nach Trümmerland und zurück 52 von André Riediger S. ... „I am sorry, but we are full.“ Und Action bitte 66 von Madlen Brückner S. Palmenwunder im Niemandsland i S. 82 von Anne Wenglarsk rater Safariexperte? Ein Angsthase am Ngorongoro-K l S. 92 von Lars Dörfe
  7. 7. INHALTS- 5. VERZEICHNIS 78 6K M 11 .9 98 KM 14.135 M KSame same but differentvon Jonathan Buttmann S. 102 wahre Entschleunigung kennenlernteDie Bedeutungslosigkeit der Zeit oder wie ich dievon Ninette Brückner S. 114 en 90erInterrail – Eine Reise durch das Europa der frühvon Claudia Clawien S. 126 endung von MülltütenÜber kulinarische Genüsse und die orthodoxe Verwvon Theresa Schulz S. 138Gefangen im Paradiesvon Madlen Brückner S. 166 Bei den Silberrücken in Ruanda von Verena Herting S. 178 Die Welt ist doch nur ein Dorf, oder? von Lars Dörfel S. 188 www.puriy.de
  8. 8. Gestrandet Puri(y)stin: Madlen Brückner unterwegs mit: Flugzeug von Iberia reist nach: Kolumbien und landet in argentinien Stationen: (Bogotá) – Madrid – (Buenos Aires) Reisezeit: Dezember 2010/ Januar 2011 Entfernung: 1.871 KilometerE s ist Silvester 2010. Ich sitze in einem Starbucks im Zentrum Madrids. Widerwillig nippe ich an meinem Latte Soja aus der amerikanischen Kaffeekette. Den würde ich jetzt gern in einemJuan Valdez im Zentrum Bogotás trinken. Bogotá war mein Ziel, aberBogotá ist weit. Schuld ist der Schnee. Oder vielmehr eine schlecht ge-wählte Airline. Oder vielmehr meine Unvernunft, mein Gepäck bei ei-nem Zwischenstopp mit ins Hotel zu nehmen. Schuld ist... Es gibt vieleGründe, warum ich hier in Madrid festsitze. Ich starre hinaus in dasTreiben der spanischen Metropole. Ich habe nichts gegen Land undLeute hier, aber jetzt, in diesem Moment, bin ich nur wütend und mei-ne Wut richtet sich gegen alles, was ich sehe. Anspannung lag bereits am Abend des 27. Dezembers in der Luft, alsich erschöpft mit dem Zug von Leipzig nach Berlin reiste. Auf der Rei-se von Leipzig hatte ich erfahren, dass dies der letzte Zug nach Berlinsein würde – aufgrund der Vereisungen. Ich war ein Glückskind! Bei-nah meinen Flug verpasst, aber eben nur beinah. Aber schon im Autoauf dem Weg nach Haus beschlich mich bereits ein ungutes Gefühl.Schneegestöber verwandelte Berlin gerade in eine froststarrende Zu- -8-
  9. 9. Madrid BogotáBuenos Aires - 17 -
  10. 10. Puri(y)st:Vom Rettungsboot ins Lars Hanfindonesische Fernsehen unterwegs mit: Schiff, Boot, Bus, zu Fuß reist nach: indonesien Stationen: Banda-Inseln, Ambon, Sawai und Nationalpark Manusela auf Seram Reisezeit: März/April 2011 Entfernung: 11.998 KilometerD ie Molukken, die sagenumwobenen Gewürzinseln, sind eine In- selkette zwischen Sulawesi und Neuguinea im Osten Indonesi- ens. Sie können mit einer bewegenden Geschichte, traumhafterNatur und dem Ursprung vieler Gewürze aufwarten. Vom 16. Jahrhun-dert an waren sie das Ziel fast aller Kolonialmächte auf der Suche nachMuskatnüssen und Gewürznelken, die zu jener Zeit mit Gold aufgewogenwurden. Hier kämpften die damaligen Weltmächte um Handelsmonopo-le, doch ist das lange her. Heute verirren sich nur noch wenige Reisendeauf diese fernen, abgelegenen Inseln. Als Freund der asiatischen Küche und ihrer Gewürze hat diese Insel-welt schon immer eine große Anziehung auf mich ausgeübt. Leider gab esdort über viele Jahre religiös und politisch motivierte Unruhen, die dasReisen verhinderten. Aber endlich scheint wieder so etwas wie Ruhe ein-gekehrt zu sein. Im Süden der Molukken befinden sich die Banda-Inseln. Diese kleineInselgruppe ist die Heimat des Muskatnussbaumes und ein wahres Juwel.Sie hat fast alles zu bieten, was man sich auf Reisen wünscht. Hier kannman förmlich die Kolonialgeschichte riechen. Überall begegnet man alten - 18 -
  11. 11. - 39 -
  12. 12. Puri(y)stin:Der einsame Kampf gegen Ninette Brücknereine vermeintlich tödliche unterwegs mit: Bus, zu FußKrankheit in den AndenPerus. reist nach: Peru Stationen: Trujillo, Huaraz Reisezeit: März/April 2003 Entfernung: 10.923 KilometerI ch bin gern alleine auf Reisen. Für mich bedeutet das, keine Kom- promisse eingehen zu müssen, machen zu können, worauf ich selbst Lust habe, viel offener neuen Menschen gegenüber zu tre-ten und vor allem Freiheit zu erleben. In Peru musste ich allerdingsschmerzlich erkennen, was Alleinsein noch bedeuten kann. Es beganndamit, dass ich alle Warnungen, die ich bezüglich der Höhenkrankheitlas, in den Wind schlug. Höhenkrankheit? Ach was. Ich bin doch nichtzum ersten Mal im Hochgebirge unterwegs. Was kann denn schon inder Höhe passieren? Ich habe meine Kindheit im Gebirge verbracht.Zwar nur Mittelgebirge, aber immerhin. Die höchste Erhebung desThüringer Walds liegt noch unter 1000 Metern. Und um ehrlich zusein, habe ich mich in meiner Kindheit nie auf den Gipfel des höchstenBerges begeben. Inzwischen lebe ich schon fast 20 Jahre eher in dentopographischen Niederungen Deutschlands. Wo ich wohne, gibt manschon einer 115 Meter-Erhebung den Namen Berg. Aber ich besitze janoch ein Ass im Ärmel, ich bin körperlich topfit und sportlich. Daswäre ja gelacht. 5000 Meter sind doch geradezu ein Kinderspiel. Wirreden ja hier nicht davon, dass ich den Mount Everest besteigen will. - 40 -
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  14. 14. Nach Trümmer- Puri(y)st: André Riedigerland und zurück unterwegs mit: Flugzeug, Bus, Pick-up reist nach: Kenia und Somalia Stationen: Nairobi, Merka, Jamaame Reisezeit: Mai 2007 Entfernung: 6.348 KilometerN airobi: Zeit sich auf den Weg zu machen. Es ist Leben auf dem Platz vor meinem Apartmenthotel. Ich wohne hier nun schon einige Monate, das Hotel hat einen Swimmingpool.Allerdings ist Nairobi nicht der wärmste Platz in Kenia. Das richtigeTropenfeeling gibt es an der Küste. Dort ist es heiß und schwül. Esriecht nach Salz, Fisch und leicht modrig, abends umspült einen dielaue Seeluft. Das ist mein Afrika. Der Duft, den ich am ersten Taggleich nach der Landung im tansanischen Dar es Salaam gerochenhabe. Vor dem Hotel starten die ersten Autos und passieren das Gate.Der Torwächter, der in seiner kleinen Hütte zu leben scheint, öff-net und schließt geduldig das Tor. Ich gehe hinaus auf den Korridor,der alle Apartments auf dieser Etage miteinander verbindet. MeineNachbarn sind Rohstoffhändler aus dem Kongo, Prostituierte, Rent-ner aus Europa und Amerika, die sich nachts in den Clubs mit jun-gen Frauen vergnügen. Zu meinem Büro ist es nicht weit, ich werde heute zu Fuß gehen.Auch mir öffnet der Torwächter mit Geduld das Gate und schließt - 52 -
  15. 15. Tipps zu Nairobi/ Kenia 1. Was tun, wenn mein Bier in der Bar schal schm eckt? Grundsätzlich sollte sich jeder das Bier direk t vor seiner Nase öffnen lassen. So kann der Barmann nicht panschen. Sch meckt es trotzdem schal, einfach mal auf den Grund der Flasche schauen. Hin und wieder verfängt sich beim Abfüllen ein Insekt in der Flasche. Das ist dann Grund genug für einen Umtausch. 2. Was tun, wenn einem junge Damen in den Club s zu nahe kommen? Augenkontakt meiden und mög lichst schon in weiblicher Begleitung erscheinen. Man merk e: Augen- kontakt fängt hier schon auf Höhe des Dekollet és an. 3. Wie erspa rt man sich unnötige Kosten im Nahver- kehr der Kleinbusse? Immer erst schauen, wie viel der Nachbar bezahlt. Niemals den Conductor nach dem Preis fragen. Er wird ihn mindestens verdoppeln. 4. Was tun, wenn ich das Gefühl habe mein Übe rland bus stürzt gleich über eine Klippe? An einen der Sprüche denken, die hinten auf dem Bus angebracht sind : „This bus is protected by the blood of Jesus“ und hoffe n, dass Jesus stärker ist als das Blut.5. Gibt es in Nai robi Verkehrsregeln und was tun, wennich von der Pol izei in meinem Auto gestoppt werde?Kla r gibt es auch Verkehrsregeln. Die sind aber meistensAuslegungssache und hängen davon ab, wie viel ich demPol izisten bezahlen will, der mich angehalten hat. Auchhier gilt: Kleine Beträge tun es auch. - 63 -
  16. 16. Tipps zu Somalia 1. Wie kann ich das Land überhaupt bereisen? Drei Wege: - Sich auf eine Stelle in der Entwicklungszus ammenar- beit für Somalia bewerben. - Einen Direktflug von Dubai oder Nai robi nach Har- geisa im Norden Somalias. Da ist es relativ sicher. - Auf einem Transportschiff anheuern das sich vor den Küsten Somalias kapern lässt. So lässt sich ein bescheidener T Puntlands erkunden. Nachteil eil : Aufenthaltsdauer ungewiss. Generell ist der Süden eher etwas für Märtyrer und empfiehlt sich bei exis- tentiellen Lebenskrisen. Wer das überlebt, weiß was ihm sein Leben wert ist. 2. Wie kann ich sicher sein, dass meine Bodygua rds mich auch wirklich beschützen? Sicher ist übertrieb en. Aber wenn ich ihnen etwas Kat kaufe, gibt es von ihnen ein nettes Lächeln. Das gibt mir auf jeden Fall ein besseres Gefühl. 3. Was tun, wenn ich in eine Sch ießerei komm e? Flach auf den Boden legen oder in Deckung gehen und hoffen, dass mich kein Querschläger erwischt. Generell ist es bes- ser, zufällig in eine Sch ießerei zu kommen, als Ziel desAngriffs zu sein.4. Was tue ich, wenn ich eine Frau in Somalia attraktivfinde? Hoffen, dass es der große Bruder mit der Ka-laschnikow noch nicht mitbekommen hat.5. Wie sicher ist der Flugverkehr über Somalia? Alsosicher ist, dass, wenn man erst mal in der Luf t ist, manauch irgendwie wieder runter kommt. Zur Ber uhigung:In der Luft bin ich sicherlich genauso sicher wie auf demBoden in Somalia. - 64 -
  17. 17. - 65 -
  18. 18. „I am sorry, but Puri(y)stin: Madlen Brücknerwe are full.“ unterwegs mit: Jeep, zu FußUnd Action bitte ... reist nach: Äthiopien Stationen: Addis Abeba, Shashemene, Arba Minch, Weyto, Jinka, Turmi Reisezeit: Dezember 2007/ Januar 2008 Entfernung: 5.617 KilometerA uf die Schnelle sollte es noch ein Ausflug zu den Völkern des Omo-Tals und Mago Nationalparks sein. Günstig und schnell – so sind wir. Drei Wochen äthiopischer Norden liegen bereitshinter uns. In sieben Tagen sitzen wir schon wieder im Flieger nachDeutschland. Da darf es gern noch einmal etwas urig sein – Natur-völker Äthiopiens mit Lippentellern, Bemalungen, viel Perlenschmuckund Tonerde auf dem Kopf. Den Preis und die Zeit handelten wir noch bei einem äthiopischenAbendessen mit dem Tour-Anbieterchef Cheru runter. Den Jeep ließenwir uns am Vorabend auch noch einmal zeigen, aber dass er erst vorge-fahren wurde, als die Nacht hereinbrach, machte uns nicht stutzig. Wirwaren zufrieden mit unserer Entscheidung und in heller Vorfreude.Am nächsten Morgen fuhr ein etwas anderer Jeep vor, als der uns amVortag präsentierte. Macht nichts, wir wollen nur los. Tibetu, unserGuide, und Solomon, der Fahrer, sind unsere Begleiter. Als wir Addisnach Süden raus verlassen, passieren wir Industrieanlagen und denmorgendlichen Berufsverkehr. Hinter einer Seenlandschaft erreichenwir die Geburtsstadt der Rastas, Shashemene, die einem einzigen Reg- - 66 -
  19. 19. - 81 -
  20. 20. Palmenwunder Puri(y)stin: Anne Wenglarskiim Niemandsland unterwegs mit: Flugzeug, per Pedes, Allradfahrzeug reist nach: Australien Stationen: Melbourne, Alice Springs, Tennant Creek, Katherine, Darwin, Cairns Reisezeit: Oktober/ November 2010 Entfernung: 14.135 KilometerA ustralien, Outback, hier ist es weit und leer, großartig und grenzenlos heiß. Eine stechende Sonne brennt herab, die Luft- feuchtigkeit liegt über 80 Prozent. Das Tabakpapier – nass,Filter...keine mehr da, das Feuerzeug...versagt hartnäckig. Im schatti-gen Zelt auf der Isoliermatte: Hungergefühle und Durst. Rundherum:Wildnis, Einsamkeit und Stille. Wunderbare, nie gehörte majestätischeStille. Australien, muss man wissen, ist ein lautloser Kontinent. Seinefaszinierende Schönheit besticht ohne Radau. Das ist der Reiz. Stell dir vor, du befindest dich in einer beliebigenGroßstadt. Vielleicht Berlin oder Paris? Hektik, Smog, Getöse. Autosrasen hupend an dir vorbei, Menschenmassen überqueren in Eile dieStraßen und reden wild durcheinander. Gerüche überlagern das Ge-dränge, Leuchtreklamen flammen auf, ein Bunt in Bunt, Rufe, Schreie,Lachen, ein Rauschen im Rauschen. Alles dreht sich in diesem Karus-sell aus Bewegung und Überfluss, überall und ständig. Du hast natür-lich gelernt, das alles wegzufiltern, dich vor Überflutung aus Licht undLärm zu schützen. Du nimmst das alles gar nicht mehr wahr. Aberes ist da, nur rauscht es an dir vorbei. Und jetzt stell dir vor, du gehst - 82 -
  21. 21. - 91 -
  22. 22. Puri(y)st:Safariexperte? Lars DörfelEin Angsthase am unterwegs mit: Bus, Matatu, Taxi & GeländewagenNgorongoro-Krater reist nach: Tansania Stationen: Dar es Salaam, Lushoto, Arusha, Serengeti Reisezeit: Dezember 2004 Entfernung: 6.594 KilometerV ierter Tag der Safari, die Serengeti haben wir gerade hinter uns gelassen. Vor uns liegt der Ngorongoro-Krater. Bernhard und Michael Grzimek haben den gewaltigen Urzeitkrater,heute Heimat vieler Tiere, mit ihren Filmen in aller Welt berühmtgemacht. Für uns soll er der Höhepunkt unserer Fünf-Tage-Safari wer-den. Die große Spannung der ersten Tage war schon etwas verflogen.Wir hatten viele Beobachtungen gemacht. Nach vier Tagen fehlten unsauf der Strichliste des zufriedenen Safaritouristen nur noch Nashornund Gepard! Mal sehen, ob unser Guide morgen die ersehnten Tierevor die Kamera locken kann. Doch sie sind mit Handys ausgerüstet. Esgibt eine gute Chance, die Big Five zu entdecken, da sich befreundeteGuides untereinander kontaktieren und alle Spots austauschen. Vor gut zehn Tagen waren wir in Dar es Salaam gelandet. Aufregungmachte sich schon während des Fluges bei mir breit. Dies ist meineerste Reise südlich der Sahelzone. Später sollte dieser Teil der Welt,genauer gesagt die Region der großen Seen, die Heimat meines Her-zens werden. - 92 -
  23. 23. - 101 -
  24. 24. Same same Puri(y)st: Jonathan Buttmannbut different unterwegs mit: Zug, Fähre, Kamel, Fahrrad,Ein halbes Jahr im Wahnsinn des In- Rikscha, Motorrad, Busdischen Subkontinents oder wie ich reist nach:Indien lieben und hassen lernte. Indien Stationen: Mumbai, Ajanta, Goa, Hampi, Gokar- na, Cochin, Backwaters, Kovallam, Ooti, Mysore, Madras, Mahba- lipuram, Agra, Jaipur, Pushkar, Jaisalmer, Delhi, Manali, Parvatti Valley, Reisezeit: November 1995 bis März 1996 Entfernung: 5.786 Kilometer„R ums“ fällt die Tür des Hotelzimmers hinter uns ins Schloss, ich schaue Sebi an – auch er wirkt etwas mitgenommen. Das ist also Indien, wir sind endlich da. Naja, zumindestkörperlich, denn unsere Seele scheint noch etwas länger aus Europahierher zu benötigen. Kulturschock! Auf unserem gerade beendeten ersten Rundgangdurch Bombay haben wir gefühlt zwei Worte gesprochen. Unsere Mün-der standen einfach zu weit offen vor Staunen. Tausend Farben, fremdeGerüche und Geräusche und vor allem Menschen, überall Menschen.Die reinste Ameisenstraße und viele grinsen einen direkt an, wackelnwie irre mit dem Kopf oder spucken im hohen Bogen rote Betelnuss-spucke durch die Luft. Auf den Straßen wird geschlafen, gekocht, geliebt, gearbeitet, ge-bettelt, Beedies oder auch mal Opium geraucht und vor allem wild ge-handelt und lamentiert. Ein Bus fährt uns fast die Zehen ab, denn wirschauen konsequent in die falsche Richtung – Linksverkehr, ein Über-bleibsel der englischen Kolonialmacht. Tapfer wühlen wir uns durchdieses wahnsinnige Gewimmel zu Postamt und Bahnhof. Beides sind - 102 -
  25. 25. - 113 -
  26. 26. Puri(y)stin:Die Bedeutungslosigkeit Ninette Brücknerder Zeit oder wie ich die unterwegs mit: Überlandbus, Kleinbus, Mitfahre-wahre Entschleunigung rin im Auto, Bootkennenlernte reist nach: Malawi (Benin, Tansania) Stationen: Dar es salaam, Lilongwe, Mzuzu, Natitingou, Cotonou Reisezeit: März/April 2001 (Benin); März/April 2004 (Tansania/Malawi) Entfernung: 7.440 KilometerW er Afrika erkunden möchte, braucht Zeit und zwar sehr viel Zeit. Vor allem, wenn man mit öffentlichen Bussen unterwegs ist. Dumm nur, wenn man die nicht hat undsich auch keinen Mietwagen alleine leisten kann oder gar ein eigenesFahrzeug dabei hat. Aber da man ja auch eine andere Seite an sichselbst entdecken möchte und neue Erfahrungen liebt, geht man ebendas Abenteuer Afrika auch ohne die genannten Komfortfahrzeugean. Malawi ging ich nicht mehr als Afrika-Neuling an. Benin lehr-te mich bereits, was es heißt, mit öffentlichen Transportmitteln aufdem Schwarzen Kontinent unterwegs zu sein. Busse im herkömmli-chen Sinne, wie ich sie aus Südamerika und Asien kannte – Fehlan-zeige. Wie oft sehnte ich mich nach den komfortablen NachtbussenLateinamerikas mit viel Beinfreiheit und eigenem Sitzplatz. Abereinen Vorteil gibt es dennoch in den Bussen Afrikas – ich muss kei-nen Schlafsack an Bord nehmen, weil ich fast erfriere, nein, es istkuschelig heiß. Und das liegt nicht alleine an der tropischen Hitze,sondern an den Körpern der afrikanischen Reisebegleiter, die sichan mich schmiegen. Wer hätte schon gedacht, wie viele Menschen - 114 -
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  28. 28. Puri(y)stin:Interrail – Claudia ClawienEine Reise durch das unterwegs mit: Zug, FähreEuropa der frühen 90er reist nach: Griechenland Stationen: Niederlande, Frankreich, Italien, ehemaliges Jugoslawien, Ungarn, Österreich, Schweiz Reisezeit: Juli/ August 1991 Entfernung: 1.805 KilometerS chlaftrunken öffne ich ein Auge, dann das andere. Wo bin ich? Ich schaue in die Gesichter zweier finster dreinblickender Typen in sackförmigen Bundfaltenhosen und wildgemusterten Hem-den. Langsam fällt es mir wieder ein: Ich liege im Zug von irgendwo inGriechenland nach irgendwo in Europa. Genauere Bestimmung: Es istdas Jahr 1991 und ich fahre durch Jugoslawien. Panzer und Militär säu-men die Zugstrecke. Ich schlafe wieder ein. Es ist die Rückfahrt eineraufregenden Reise quer durch Europa mit dem Interrail-Ticket. Alles begann in einem heißen Sommer in Bremen. Ich hatte gerademein Abitur gemacht und von meinen Eltern einen großen Reiseruck-sack geschenkt bekommen. Aber wohin soll es gehen? Die Entscheidung ist schnell getroffen: Ich nehme am liebsten al-les mit! So kaufe ich ein paar Tage später mit meinem Freund Jona amBremer Hauptbahnhof ein Interrail-Ticket für 400 D-Mark. Start- undZielbahnhöfe kann man selbst eintragen. Es geht los! Unser erster Stoppist Amsterdam. Dort schmeißen wir unsere Rucksäcke in ein Schließfach und flanie-ren durch die Stadt, die Grachten entlang, über Flohmärkte, an Puffs - 126 -
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  30. 30. Über kulinarische Puri(y)stin:Genüsse und die ortho- Theresa Schulz unterwegs mit:doxe Verwendung von Zug, MietwagenMülltüten reist nach: Israel Stationen: Tel Aviv, Haifa, Akko, Safed, Jerusalem, En Gedi, Mizpe Ramon Reisezeit: Februar/März 2012 Entfernung: 2.854 KilometerH ätte ich geahnt, dass die Ausreise noch schwieriger und ner- venaufreibender werden würde, hätte ich vermutlich etwas entspannter gewartet. Ungeduldig standen wir seit einerStunde in der unkoordinierten Traube von Menschen, die mit mir undmeinem guten Freund Mirko am Flughafen Ben Gurion, Tel Aviv, ge-landet waren. Zwischen vielen sehr lauten Russen und einigen Deutschen mitSandalen und Socken warteten wir auf Stempel und die Fragerunde:Wen kennen Sie hier? Wo werden Sie wohnen? Warum kommen Sienach Israel? Wollen Sie in den Gazastreifen? Haben Sie vor, ins West-jordanland zu fahren? Wie werden Sie reisen? Als größte Schwierigkeit stellte sich jedoch ein kleines Formular inder Größe einer Postkarte heraus, das wir ausfüllen sollten, um denEinreisestempel nicht in den Pass zu bekommen, der einem weitereReisen in angrenzende Länder so gut wie unmöglich machen würde.Während wir versuchten, die entsprechenden Felder des Formularskorrekt auszufüllen, endete die Schicht unseres Schalterbeamten, derpünktlich seine kleine Box verließ und uns zwischen den Schaltern - 138 -
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  32. 32. Puri(y)stin:Gefangen im Paradies Madlen Brückner unterwegs mit: Flugzeug, Bus, Pick Up, Boot reist nach: Ecuador Stationen: Quito, Tena, Misahuaelli, Baños Reisezeit: März 1999 Entfernung: 10.170 KilometerB lau-Weiß? Überall wo ich hinschaue, stoße ich auf diese Farben. Sieht so der Tod aus? Ist das der Himmel? Mein Himmel? Ich hebe das Rollo und sehe erneut diese Farbkombination, die im-mer mehr verschmilzt. Die Bestandteile von Himmel und Wolken lö-sen sich vor meinem Auge auf. Rollo wieder runter. Die Decke ist blau.Das Kissen weiß. Die Innenausstattung dieses American Airline-Flugsist ganz weiß-blau-grau gehalten. Das „Fasten your Seat Belt“-Zeichenblinkt noch immer auf. Ich lehne mich zurück. Aus dieser Maschine istkein Entkommen. Ein Film erscheint vor meinem geistigen Auge. Es istder erste Flug nach einem Beinahe-Absturz vor einem Jahr. Und es istso, wie mit dem Radfahren. Wenn Du auch stürzt, steige schnell wiederauf. Nur so überwindest Du das, was vielleicht noch keinen Besitz vonDir ergriffen hat, es aber demnächst tun könnte: Angst. Unser Rückflug sollte längst in der Luft sein. Doch die Maschinekam einfach nicht zum Boarden. Immer wieder wurde der Abflug vonCaracas nach London verschoben. Stressig ging es an den Schaltern zu.Das Flugzeug war völlig überbucht. Immer wieder wurden Leute vomFlieger genommen, die schon einen festen Sitz erhascht geglaubt hat- - 166 -
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  34. 34. Bei den Silber- Puri(y)stin: Verena Hertingrücken in Ruanda unterwegs mit: Jeep, zu Fuß reist nach: ruanda Stationen: Kigali, Akagera National Park, Ny- ungwe National Park, Kibu, Gisenyi, Volcanoes National Park Reisezeit: September 2012 Entfernung: 6.262 KilometerR uanda, Du hast mir mein Herz geklaut. Da sitze ich nun in der Abflughalle von Kigali und kann kaum glauben, was ich in den letzten zwei Wochen erlebt habe. Gerade hatte ich dieDame am Ausreiseschalter gefragt, ob es nicht irgendwelche Problememit meinem Pass geben würde und ich einfach dableiben könnte. Soein Empfinden hätte ich nicht vermutet, als ich die Reise zu planenbegann. Als mir vor vier Jahren ein Freund erzählte, dass er wildlebendeBerggorillas in Ruanda gesehen hätte, da ergriff der Wunsch, dieseTiere auch einmal in freier Wildbahn zu beobachten, von mir Besitz.Dass dies aber auch wirklich geschehen würde, hatte ich lange nicht zuträumen gewagt. Doch dann habe ich mir diesen Wunsch erfüllt undkann nur davon schwärmen und jedem empfehlen, es mir nachzutun. Aber nun der Reihe nach. Wir, drei weiße Frauen, beschlossendieses Abenteuer zu wagen und organisierten uns eine Tour inklusi-ve Fahrer. Die Tour war ganz nach unseren Wünschen zusammenge-stellt, das Wichtigste war aber auf jeden Fall das Gorillatrekking. Dadie Preise jedoch demnächst angehoben werden sollten, gab es kaum - 178 -
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  36. 36. Puri(y)st:Die Welt ist doch lars dörfelnur ein Dorf, oder? unterwegs mit: Bus, Holzfloss, diverse Bootsarten reist nach: panama Stationen: NP La Amistad/ Wekso, Bocas del Torro, Bastimentos Reisezeit: Dezember 2008/ Januar 2009 Entfernung: 9.547 KilometerG estern noch in einem ehemaligen Militärcamp von Noriegas militärischer Spezialeinheit mitten im panamaischen Urwald. Ruhe, Einsamkeit, rationierter Strom und Wasser. Die einzi-gen Menschen neben uns, eine indianische Familie vom Naso Stammund zwei Ranger, die gemeinsam das heutige Touristencamp WEKSObetreiben. Ein Tag später: Ein Gefühl wie ein Schlag mitten ins Gesicht. Daskomplette Kontrastprogramm. Amerikanische Surf- und Partytouris-ten bevölkern die karibische Inselwelt von Bocas del Torro. So hatte ichmir das nicht vorgestellt. US-amerikanische Springbreak Partys kann-te ich bisher nur aus dem Fernsehen. Hier sind wir jetzt mittendrin.Bar an Bar, Hostal an Hostal. Die Straßen sind von partywilligen Tou-risten mal mit Surfbrett, mal mit Blondine oder auch mit beidem un-term Arm bevölkert. Nach dem zweiten Durchatmen würde ich dieseAussage zwar etwas revidieren, Ruhe und Entspannung an karibischenStränden hatten wir uns jedoch wirklich anders vorgestellt. Aber viel-leicht ist dies der richtige Ort, um das Gleichgewicht auf den Wellenherauszufordern – let’s start to surf! - 188 -
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  38. 38. Über die Puri(y)sten Madlen Brückner Früher wollte ich nach Berlin, heute in die Welt. Denn immer das, was man nicht hat, nach dem sehnt man sich. Und das lernte ich bereits in meiner Kindheit östlich der Mauer. Sehnsüch- te, die es zu stillen galt, wurden immer mehr zur Sucht. In einer Nacht auf dem Mosesbergund nur ein halbes Jahr später im venezolanischen Amazonasgebietentdeckte ich die Mystik des Augenblicks. Es suchte mich ein Virusheim – der des Reisens. Inzwischen bin ich in eine honduranischeDekompressionskammer abgetaucht, habe an einem Sonntagmor-gen in den Lauf einer Pistole geschaut, weiß durch Touren in Bolivi-en und Äthiopien, dass sich Runterhandeln nicht lohnt, bin mit In-dios den Amazonas entlanggefahren, schipperte mit betrunkenenUNO-Mitarbeitern auf dem Kivu-See an der Grenze zum Kongo...Seit 2009 blogge ich auf www.maddyswelt.de Ninette Brückner Ich liebe es zu reisen. Reisen bedeutet für mich, sich der Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer hinzugeben. Den lästigen, langweiligen Alltag hinter sich zu lassen, auszubrechen. Reisen be- deutet immer, sich überraschen zu lassen, sicheinzulassen auf Neues: andere Kulturen, andere Menschen, andereVerhaltensweisen. Vor allem das Alleinreisen öffnet den Horizont undführt letztendlich wieder zu sich selbst. Ich lerne auf Reisen mehr übermich selbst als im Alltag. Mein Traum wäre, immer unterwegs zu sein,nie anzukommen. So lange dieser Traum noch nicht in Erfüllung geht,sind meine Reisen die Oasen meines Lebens, egal ob Asien, Afrikaoder Lateinamerika. Meine all-time-favorites sind dabei Kolumbien, - 194 -
  39. 39. Brasilien und Venezuela. Die variationsreiche Landschaft dieser Län-der zieht mich immer wieder in den Bann. Und ich liebe den Urwald.Die Faszination, die dieser auf mich ausübt, ist so unbeschreiblich,dass ich nur jedem raten kann – entdecke selbst dieses wundervolleStückchen Erde! Jonathan Buttmann Schon als Kind bin ich viel gereist. Mit einem al- ten, zum Wohnmobil umgebauten Mercedesbus reiste ich mit meiner Familie in jeden Schulferi- en kreuz und quer durch Europa. Später kamen erste Fernreisen zu Verwandten in Bali und Chile hinzu. Die erste selbständige Rucksacktour gingmit 16 durch Europa nach Südspanien per Bahn mit dem InterrailTicket. Weitere Interrail-Touren durch Italien, Frankreich und Grie-chenland folgten. Griechenland bereiste ich in den folgenden Jahrenimmer wieder mit dem Rucksack, es ist für mich eines der schönstenIndividualreiseländer Europas. 1995 machte ich meine erste Rucksack-fernreise, sie dauerte acht Monate und führte durch Indien, Thailand,Malaysia, Singapur und Indonesien. Daraufhin folgten weitere Reisendurch Thailand, Kambodscha, Indien, Peru, Chile, Venezuela, CostaRica, Ägypten, Türkei und Mexico. Mein neuestes Reiseprojekt ist einemehrjährige Weltumsegelung auf einem 35 Jahre alten Stahlboot. DasProjekt lässt sich auch im Internet verfolgen unter www.radiopelicano.de, www.facebook.com/radiopelicano und www.puriy.de. 2013 soll dieReise losgehen. - 195 -
  40. 40. Claudia Clawien Wir sind mit unserer Familie früher zwar viel in den Urlaub gefahren, doch waren diese Reisen mit viel Aufwand und wenig Mobilität verbun- den. So fuhren wir mit dem Zug in den Harz, ins Weserbergland, nach Schleswig-Holstein undbesichtigten dort die Schlösser oder Burgen und gingen wandern.Vielleicht ging deswegen meine erste große Reise, die in diesem Buchbeschriebene, auch zunächst mit dem Transportmittel Zug durch Eu-ropa. Später zog es mich dann weiter hinaus in die Welt, drei Monatein Asien waren der Anfang. Ich werde nie vergessen, wie wohl ich michim Chaos vom Bangkok der 90er Jahre gefühlt habe. Wie neugierigich die Farben und Gerüche aufgesogen, das Stimmengewirr um michherum genossen habe. Reisen mit einfachsten Mitteln. Es folgten Rei-sen nach Venezuela, Mexiko, Chile, Peru, Kambodscha, Indien, CostaRica, Ägypten. Das aktuelle Projekt heißt „Welt“. Es soll mich vom Wasser aus anviele Orte dieser Welt bringen, die sonst kaum erreichbar wären. Aufeinem Segelschiff. Nachzulesen unter: www.radiopelicano.de und aufwww.puriy.de Lars Dörfel Aufgewachsen in Berlin-Lichtenrade, 100 Meter hinter der Mauer auf Westberliner Boden sehn- te ich mich früh nach etwas mehr Weite. Meine erste längere Rucksackreise führte mich mit dem Interrailticket nach Marokko – das Ergebnis: Un- tauglichkeit bei der Bundeswehr. Einige Jahre alsTourmanager nordamerikanischer Bands auf Europatour halfen mir,unseren schönen Kontinent und die unterschiedlichen Kulturen undNationen kennenzulernen. Obwohl ich ein ungeduldiger und stets ak-tiver Mensch bin, vergingen einige Jahre, bis die Ferne nach mir rief: - 196 -
  41. 41. Der Duft der Holzkohle in Uganda und Äthiopien, der Salsa in Kolum-bien haben mein Herz erobert. Lars Hanf Ich bin aufgewachsen im schönen Thüringer Wald und lebe seit vielen Jahren in Berlin. Hier habe ich Sozialpädagogik/Sozialarbeit studiert und mit Glück einen Arbeitgeber gefunden, der mir meine längeren Reisen ermöglicht. Das Fernweh war wohl schon immer vorhanden,aber dies beschränkte sich zuerst auf Europa. Erst der Zufall sollte mirdie Richtung weisen. Ich war Anfang der 90er Jahre per Anhalter un-terwegs, als ich einen euphorischen Indienheimkehrer kennenlernte.Es sollte dann nur ein paar Monate dauern, bis ich begann Indien zubereisen. Seitdem bin ich der Sucht des Reisens erlegen. Ich muss jedesJahr für ein paar Monate meinen Rucksack packen um Neues zu ent-decken. Vor allem der asiatische Raum hat es mir angetan. Die fünf bissechs Jahre, die ich reisend und studierend dort verbracht habe, weck-ten ein großes Interesse und ich begann mich intensiver mit diesen fer-nen Kulturen zu beschäftigen. So habe ich vor ein paar Jahren, mehroder weniger als Hobby, angefangen Regionalstudien Asien/Afrika zustudieren. Außerdem betätige ich mich aktiv im Eisenstein e.V. und stehe hierregelmäßig hinter dem Tresen unserer Vereinskneipe Filmrisz. Hierkann ich, in Form von verschiedensten Veranstaltungen und Ausstel-lungen, meine Reiseerlebnisse vielen Menschen näher bringen. - 197 -
  42. 42. Verena Herting Meine Hochzeitsreise machte ich 1990 nach Russland, China und Thailand und damit begann meine große Liebe zum Reisen. Die Liebe zum Reisen ist geblieben, doch die Ehe leider nicht. Seitdem habe ich den Wunsch, immer mehr von dieser Welt zu entdecken. Mich faszinieren be-sonders die verschiedenen Kulturen. Zu sehen wie verschieden unsereLebensrealitäten sind und wie wir Menschen damit umgehen, hat michtief berührt und viel gelehrt. Seit letztem Jahr kann ich sagen, ich durfte jeden Kontinent dieserErde besuchen und der Wunsch noch mehr zu sehen, versiegt bis jetztnicht. André Riediger Ich bin Exilberliner in Brandenburg, ein richti- ger Öko, der Lebensmittel für den Berliner Bio- markt produziert. Neben dem Essen ist meine große Leidenschaft das Reisen. Zwischen 2000 und 2009 habe ich insgesamt fast fünf Jahre inOstafrika gelebt. In einem Teil meines Herzens bin ich immer noch-Afrikaner. Besonders Tansania und Kenia sind durch die Menschenund Begegnungen fest in meinem Sein verwurzelt. Im Sommer gebenmir die Wiesen der Mark Brandenburg ein Gefühl von Savanne. EineBergwandertour pro Jahr ist ein Muss. Außer den Alpen, Pyrenäenund Mount Kenia gibt es noch viele Berge und Gebirge zu bewandern.Europa mit seiner kulturellen und landschaftlichen Vielfalt ist immerwieder eine Erkundung wert. In den letzten Jahren hat mich vor allemPolen in den Bann gezogen. Auf meiner Europakarte fehlen noch einepaar Regionen: Skandinavien und der Balkan. Aber auch außerhalbEuropas – besonders hinter dem Ural und südlich des Mittelmeeresgibt es für mich noch viel zu entdecken. - 198 -
  43. 43. Theresa Schulz Ich bin gebürtige Berlinerin und liebe meine Hei- matstadt. Dann und wann zieht es mich jedoch auch in die Fremde. Das muss nicht immer weit weg sein, denn viel zu entdecken gibt es nah wie fern. Bisher habe ich hauptsächlich Europa er-kundet. Städtetrips, Trekkingtouren, quer durch‘s Land mit Bus undBahn oder mit dem Rad an der Donau entlang von Passau nach Wien –Hauptsache unterwegs. In meiner Familie sind Reisefieber und Fern-weh bekannte Symptome. Kein Wunder also, dass ich nach dem Abigleich den Anker lichtete. Ein Jahr habe ich in England gelebt, Landund Leute kennen und lieben gelernt. Während des Studiums bin ichmit dem Rucksack vier Wochen lang allein durch Argentinien gereist –eine tolle Erfahrung, die Lust auf mehr machte. Die Liste meiner mög-lichen Reiseziele ist noch sehr lang. Anne Wenglarski Geboren in Magdeburg, aufgewachsen in Berlin Prenzlauer Berg und Hohenschönhausen. Letzte- ren Ort habe ich nie wieder als innerstädtisches Reiseziel angepeilt. Im Alter von 10 Jahren ging es aufs Land. Und mir wurde klar, wie sehr ichder Natur verbunden bin. Diese Erkenntnis sollte sich dann auch inmeinen späteren Reisen bestätigen. Mein erstes großes Reisefieber hat-te ich mit 18 Jahren. Was damals als Auszeit nach meiner Ausbildungbegann, wurde am Ende über ein Jahr Paris und Nordfrankreich. Wei-tere Reisen folgten. Schweden, Südfinnland, Estland, Lettland wurdenmit Rucksack, Gaskocher und Zelt im Gepäck erkundet. Später folgteein längerer Wanderaufenthalt in Kroatien. Mein ganz großes Fieber,welches mich auch noch nicht ganz verlassen hat, ist meine Reise nachAustralien 2010. Dieser Trip hat sich fest in meine Erinnerung ge-brannt. Seitdem wächst mein Fernweh ständig. - 199 -

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