Hegelsche Dialektik                Teil IIIAnnette Schlemm:  http://philosophenstuebchen.wordpress.com/
Teil I:http://de.slideshare.net/philosophenstuebchen/hegelsche-dialektik-grundlagen-teil-i-mit-notizenTeil II:http://de.sl...
Inhalt•   Warum Dialektik ?•   Erkenntnis-Entwicklung•   Systemcharakter•   Allgemeines-Besonderes-Einzelnes•   Totalitari...
Aus marxistischer Sicht wird Dialektik vor allem als Theorieder Höherentwicklung (über Widersprüchehindurch/hinweg) versta...
(Historische)Entwicklung•   Dialektische = historische Entwicklung ?•   Entwicklung bei Hegel•   Zukünftige Entwicklung
Früher wurde das Thema „Dialektik“ im marxistisch-dialektischen Kontext eigentlich immer im Zusammenhangmit historischen E...
Dialektische Entwicklung        3 „Grundgesetze“:        • Einheit und „Kampf“ der Gegensätze        • Umschlagen quantita...
Dies sind die drei „Grundgesetze“, die im Marxismus-Leninismus alsKernprinzipien der Dialektik gelehrt wurden. Links steht...
Dialektische EntwicklungLogische Entwicklung bei Hegel:
Wenn man sich auf die Dialektik bezieht, sollte aber auf jedenFall bekannt sein, dass im Hegelschen System nicht übereine ...
Dialektische Entwicklung= Logische = historische Entwicklung ???
Wenn man diese logische Entwicklung umstandslos auf historischeEntwicklungen      überträgt,   entsteht    eine ungerechtf...
Historische Entwicklung              Entfaltung der              logischen Idee ... als              ein Fortgang vom     ...
An zwei Stellen gibt es die Parallele von Logischem undHistorischem auch bei Hegel:1.Der Philosophiegeschichte: "Das Verhä...
Historische EntwicklungWeltgeschichte:„Darstellung des Geistes [...],wie er sich das Wissen dessen,was er an sich ist,erar...
Der Kern der Weltgeschichte wird von Hegel imwachsenden „Bewußtsein der Freiheit“ gesehen. Wie sichdazu auch gesellschaftl...
Historische EntwicklungDie Eule der MinervaAls der Gedanke der Welterscheint sie [diePhilosophie] erst in der Zeit,nachdem...
Dabei gilt, dass die „Logik der historischen Entwicklung“erst vom erreichten Endpunkt her rekonstruiert werdenkann. Man we...
Historische Entwicklung Der Eulenstandpunkt bei der Analyse:                                              • keine „Wunder“...
Wir können diesen „Eulenstandpunkt“ tatsächlicheinnehmen, wenn wir historische Entwicklungen hin zueinem bekannten Ist-Zus...
Entwicklung bei Hegel Drei unterschiedliche Formen der Veränderung:1. Übergehen in Anderes (Seinslogik)2. Scheinen in Ande...
Es gibt bei Hegel verschiedene Formen des Ineinander-Übergehensvon Kategorien in der Logik, nur eine davon nennt er „Entwi...
Wir erkennen, dass zum Leben der Tod gehört und zum Tod dasLeben. Beide sind nicht wirklich unabhängig voneinander. In die...
Entwicklung bei Hegel Drei Formen der „Negation“                       Beispiel   Seinslogischer „Übergang“:              ...
Aus diesen drei Übergangsformen lassen sich drei Formenvon Negierungen ableiten, die alle gleichzeitig vorhandensind – die...
Entwicklung bei HegelEntwicklung mit Notwendigkeit/ notwendige EntwicklungDie Entwicklung des Begriffs (der "Natur der Sac...
Das bedeutet: die (logische) Entwicklung setzt ihrenEndpunkt bereits voraus. Entwicklung bringt ihn hervor. Sieist also le...
Entwicklung bei HegelEntwicklung = EntäußerungDer Begriff, der die „Natur der Sache“ enthält, bestimmtnotwendig seine eige...
Hier wird der Weg vom Sein übers Wesen zum Begriffnoch mal „rückwärts“ gedacht: Die Totalität (das begrifflichvollständig ...
Entwicklung bei HegelEntwicklung und Entäußerung:
Wir haben also zwei Richtungen: Vom Sein zum Begriffund von diesem zurück zum Sein. Ein wahrer Kreislauf.Wenn jedoch diese...
Entwicklung bei HegelEs gibt nichts wirklich NEUES in der HegelschenEntwicklung…Es gilt, "...daß der Begriff inseinem Proz...
Bloch: Das Werden ist "nichts als die pädagogischeEntwicklung eines fertigen Lehrsatzes an der Tafel vor demlernenden Subj...
… und nun?  Hegel „umstülpen“:       Hegel ernst nehmen: Die („ideell“-)logische   Differenz des Logischen  Betrachtungswe...
Wenn das „Umstülpen“ des Idealismus von Hegel inRichtung eines Materialismus einfach nur so interpretiertwird, dass die lo...
Entwicklung bei Hegel Drei Formen der „Negation“                       Beispiel   Seinslogischer „Übergang“:              ...
Wir können u.a. aus der logischen Entwicklung derKategorien in der Logik bei Hegel lernen, dass dreiverschiedene Formen vo...
Zukünftige Entwicklung     Die „virtuelle“ Eule der Minerva                      • keine „Wunder“• Herausfinden wesentlich...
Um zukünftige Entwicklungen antizipieren zu können,können wir den Standpunkt einer „virtuellen Eule derMinerva“ einnehmen:...
Zukünftige EntwicklungDer Sinn der Dialektik für Gesellschaftsveränderer: • Dialektik = Methode des   begreifenden, vernün...
Warum also sollten sich jene, die eineGesellschaftsveränderung anstreben, noch um dieHegelsche Dialektik kümmern?Dialektik...
Erkenntnis-Entwicklung faktische   Das Mögliche        Die„Realität“       in der       Veränder-             „Wirklichkei...
Nun sind wir wieder bei der Folie, die im ersten Teil schon mal auftauchte:Drei Konsequenzen aus der Verwendung der drei S...
Unterschied Hegel -Marx   http://www.thur.de/philo/hegel/L   ogisch_Historisch.pdf   http://www.thur.de/philo/hegel/h   eg...
Hier breche ich die Ausführungen aus Zeit- undKapazitätsgründen wieder ab…(Außerdem kann man das selber entwickeln, wenn m...
Danke…… für Eure Aufmerksamkeit                            http://www.thur.de/philo/h                               egel/h...
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Hegelsche Dialektik Grundlagen Teil III mit Notizen

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  • Teil I: http://de.slideshare.net/philosophenstuebchen/hegelsche-dialektik-grundlagen-teil-i-mit-notizen Teil II: http://de.slideshare.net/philosophenstuebchen/hegelsche-dialektik-grundlagen-teil-ii-mit-notizen Siehe auch die Texte im Internet unter: http://www.thur.de/philo/hegel/hegel.htm Zum Thema Entwicklung insbesondere: http://www.thur.de/philo/hegel/hegelvortrag2.htm http://www.thur.de/philo/hegel/hegel29.htm Die Abbildung zitiert eine Zeichnung von M.C. Escher und verweist auf das Thema Entwicklung mit Spiralformen.
  • Aus marxistischer Sicht wird Dialektik vor allem als Theorie der Höherentwicklung (über Widersprüche hindurch/hinweg) verstanden. Es wird häufig von „dialektischer Entwicklung“ gesprochen. Dabei entstand teilweise eine vereinseitigte Sicht, bei der Entwicklung nur auf zeitliche Zustandsveränderungen bezogen wurde, was auch heute noch im Internet zu finden ist: „Dialektik ist der Versuch, die Dinge im zeitlichen Ablauf, d. h. in ihrer Veränderung zu begreifen.“ (Wal Buchenberg: http://www.trend.infopartisan.net/trd1001/t071001.html)
  • Früher wurde das Thema „Dialektik“ im marxistisch-dialektischen Kontext eigentlich immer im Zusammenhang mit historischen Entwicklungsvorgängen thematisiert. Dies reduziert die Hegelsche Dialektik jedoch und mit dieser Einschränkung im Kopf ist Hegel gar nicht zu verstehen. Deshalb möchte ich zurück gehen: Was hat Hegel eigentlich selbst gemeint?
  • Dies sind die drei „Grundgesetze“, die im Marxismus-Leninismus als Kernprinzipien der Dialektik gelehrt wurden. Links steht als Beispiel die Aufeinanderfolge der ersten Kategorien bei Hegel. „Sein“ und „Nichts“ sind Gegensätze. Das „Sein“ ist die Negation des „Nichts“ und das „Nichts“ ist die Negation des „Sein“. Sie richten sich gegeneinander („kämpfen“). Ihre Einheit finden sie im „Werden“ (etwas Werdendes IST und IST NICHT). Das Werdende/Gewordene ist die Negation der Negation von „Sein“ und von „Nichts“. Letztlich wird der Übergang in die Negation der Negation, die höhere Einheit, geschafft, wenn man „weit genug“ in den Gegensatz hinein gegangen ist. Das Neue entsteht, nachdem sich im Alten lange genug quantitative Veränderungen angehäuft haben: aus vielen Körnchen wird ein Sandhaufen. All dies sind Prinzipien, die bei allen Entwicklungsvorgängen eine Rolle spielen und die auch in der Hegelschen Philosophie auftauchen. Deshalb bietet es sich an, diese Prinzipien als „dialektische Prinzipien“ oder „Grundgesetze“ zu verallgemeinern. „ Es bietet sich an“… heißt: Es ist irgendwie nicht ganz falsch… aber es wird sich zeigen, dass diese Sicht, wenn sie verabsolutiert wird, nicht mehr richtig und ausreichend ist.
  • Wenn man sich auf die Dialektik bezieht, sollte aber auf jeden Fall bekannt sein, dass im Hegelschen System nicht über eine zeitliche Veränderung gesprochen wird (außer in den Fällen, wo er die Geschichte ausdrücklich thematisiert wie in der Geschichte der Philosophie oder der Weltgeschichte). Jene Texte, auf die sich die Grundlage der Dialektik meist bezieht, die „Logik“ hat als Gegenstand aber nicht die zeitlich-geschichtliche Entwicklung, sondern die Entwicklung des sich selbst erkennenden Weltgeistes (bzw. des Menschen als Teil davon). Das wird schon deutlich, wenn man sich die Kategorien in der „Logik“ anschaut. Es kann ja nicht sinnvoll behauptet werden, dass zeitlich nacheinander das „Sein“, danach das „Dasein“ usw. entstehen würden. Philosophie wird ausdrücklich bei Hegel als “zeitloses Begreifen” beschrieben, das sich nicht mit der schlechten Unendlichkeit der Abfolge endlicher Dinge beschäftigt (vgl. Hegel Enz. II, S. 26 § 248 Zusatz)
  • Wenn man diese logische Entwicklung umstandslos auf historische Entwicklungen überträgt, entsteht eine ungerechtfertigte Parallelisierung von Logischem und Historischem. Auch das Negieren einer Qualität ist bei Hegel kein zeitlicher Vorgang (vgl. Hegel Enz. I. § 109 Z: 228) und die Beispiele von Zustandsänderungen (Aggregatzustände von Wasser, Oxydationsstufen von Metallen, Tonunterschiede) meinen keine zeitliche, gar entwicklungsgemäße, Aufeinanderfolge. Auch Marx wusste noch, dass diese Parallelisierung nicht immer funktioniert: "Es wäre [...] untubar und falsch, die ökonomischen Kategorien in der Folge aufeinander folgen lassen, in der sie historisch die bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaft aufeinander haben und die gerade das umgekehrte von dem ist, was als ihre naturgemäße erscheint oder der Reihe der historischen Entwicklung entspricht.“ (MEW 42: 41)
  • An zwei Stellen gibt es die Parallele von Logischem und Historischem auch bei Hegel: Der Philosophiegeschichte: "Das Verhältnis aber der früheren zu den späteren philosophischen Systemen ist im allgemeinen dasselbe wie das Verhältnis der früheren zu den späteren Stufen der logischen Idee, und zwar von der Art, daß die späteren die früheren als aufgehoben in sich enthalten." (Hegel Enz.I § 86 Z2: 184) Weltgeschichte (nächste Folie)
  • Der Kern der Weltgeschichte wird von Hegel im wachsenden „Bewußtsein der Freiheit“ gesehen. Wie sich dazu auch gesellschaftliche Institutionen und Verhältnisse ändern müssen, beschreibt er in den Vorlesungen zur Weltgeschichte.
  • Dabei gilt, dass die „Logik der historischen Entwicklung“ erst vom erreichten Endpunkt her rekonstruiert werden kann. Man weiß, wo der Ist-/Endpunkt ist und kann alle Entwicklungsschritte in Bezug auf diesen Ist-/Endpunkt rekonstruieren. Für diesen Effekt steht die „Eule der Minerva“ (wegen ihrer Aktivität erst in der Dämmerung). (Ernst Bloch schreibt dazu: „wäre die Philosophie wirklich auf Dämmerung angewiesen, dann wäre die hegelsche zu ihrer Zeit überhaupt nicht möglich gewesen, sondern sozusagen erst nach 1850." (Subjekt-Objekt, 231), siehe dazu auch: http://www.inkrit.de/hkwm/artikel/eule.pdf)
  • Wir können diesen „Eulenstandpunkt“ tatsächlich einnehmen, wenn wir historische Entwicklungen hin zu einem bekannten Ist-Zustand rekonstruieren wollen. Wir gehen dann davon aus, dass es keine Wunder gibt, sondern alles, was bis jetzt entstanden ist, sich aus den jeweils früher angelegten Möglichkeiten heraus bilden und entfalten konnte. Nachträglich kann jeweils überlegt werden, was vorher als Voraussetzung, als Bedingung realisiert gewesen sein muss, um das Folgende zu ermöglichen. Dabei kann auch erkannt werden, welche der Bedingungen, die für das Bestehende notwendig sind, überhaupt erst historisch als Voraussetzungen für das Jetzige entstanden sind. Diese Methode verwendet z.B. Klaus Holzkamp in seiner „Grundlegung der Psychologie“ (siehe z.B.: http://www.thur.de/philo/kp/5_schritt.htm)
  • Es gibt bei Hegel verschiedene Formen des Ineinander-Übergehens von Kategorien in der Logik, nur eine davon nennt er „Entwicklung“: zwei verschiedene Zustände sind unabhängig voneinander vorhanden und es finden Übergänge zwischen ihnen statt (Hegel WdL I: 97) (z.B. beim Übergang vom Zustand des Lebens in den Zustand des Todes) Wenn wir uns auf den ersten Aspekt konzentrieren, gibt es den zweiten nicht, und wenn der Übergang vollzogen ist, ist der erste verschwunden und der zweite existiert. Im Wesen findet kein Übergehen statt, „sondern nur Beziehung“ (Enz. I, § 111, Z 229): Hier interessiert der Zusammenhang, die Beziehung zwischen Leben und Tod. „Wenn (in der Sphäre des Seins) das Etwas zu Anderem wird, so ist hiermit das Etwas verschwunden. Nicht so im Wesen; hier haben wir kein wahrhaft Anderes, sondern nur Verschiedenheit, Beziehung des Einen auf sein Anderes. Das Übergehen des Wesens ist also zugleich kein Übergehen; denn beim Übergehen des Verschiedenen in Verschiedenes verschwindet das Verschiedene nicht, sondern die Verschiedenen bleiben in ihrer Beziehung." (ebd.) Wir erkennen, dass zum Leben der Tod gehört und zum Tod das Leben. Beide sind nicht wirklich unabhängig voneinander. In dieser Sphäre finden wir auch die Begründung der Quelle aller Veränderung, den Widerspruch. Er "ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit (Hegel WdL II: 75). Das Lebendige selbst ist die widersprüchliche Einheit seiner beiden Aspekte: Leben und Tod. Das Lebendige greift in seiner positiven Bestimmung (Leben) zugleich über seine negative Bestimmung (Tod). Damit haben wir den Gesamtzusammenhang bereits begriffen, d.h. begriffslogisch erfasst. Das Übergreifende ist die Einheit von Gegensatz und Identität, es ist der sich bewegende Widerspruch, der Entwicklungszusammenhang. Im Begriff des Lebendigen ist bereits enthalten, dass er sich in seine Momente Leben und Tod zerlegt. -> begriffslogische "Entwicklung": alle Daseinsformen und Momente erweisen sich als Momente der Selbstentwicklung des Begriffs. (Hegel Enz. I § 161 Z: 308)
  • Aus diesen drei Übergangsformen lassen sich drei Formen von Negierungen ableiten, die alle gleichzeitig vorhanden sind – die aber in unterschiedlicher Weise aufeinander aufbauend gedacht werden können.
  • Das bedeutet: die (logische) Entwicklung setzt ihren Endpunkt bereits voraus. Entwicklung bringt ihn hervor. Sie ist also letztlich zielgerichtet. Bei Hegel: Das Ganze ist der Geist, der sich selbst erkennt. Er will natürlich „bei sich selbst“ ankommen und nicht irgendwo anders. Deshalb ist die Richtung natürlich notwendigerweise bestimmt. Es gibt dazu auch eine materialistische Interpretation, wenn wir den Erkenntnisprozess in seiner Entwicklung nehmen: Wenn wir die Welt begreifen wollen, dann wollen wir die wirkliche Welt begreifen und nicht irgend etwas anderes. Durch die Wirklichkeit ist der Endpunkt unseres Begreifensprozesses auch notwendigerweise bestimmt (wir wollen die Wirklichkeit wahrheitsgemäß begreifen, so dass wir sie bewusst gestalten können – und nicht nur beliebige Meinungen austauschen).
  • Hier wird der Weg vom Sein übers Wesen zum Begriff noch mal „rückwärts“ gedacht: Die Totalität (das begrifflich vollständig Bestimmte, das, was sich nur noch aus sich selbst heraus begreifen lässt und durch nichts anderes mehr bestimmt wird) entäußert sich: Es zeigt sich als Verhältnis von Wesentlichem und Erscheinendem, als Verhältnis von Wirklichem und Möglichem usw. usf. (H2O zeigt sich als Möglichkeit von Wasser, Eis und Dampf). Unter bestimmen Bedingungen ist es dann auch da als Wasser, Eis oder Dampf… Der Begriff erklärt uns also die Möglichkeit der bestimmten Erscheinungsweisen und auch, warum unter bestimmten Bedingungen was da ist. Dies gibt uns die Möglichkeit, über die Veränderung von Bedingungen das Daseiende zu verändern!
  • Wir haben also zwei Richtungen: Vom Sein zum Begriff und von diesem zurück zum Sein. Ein wahrer Kreislauf. Wenn jedoch dieser Kreislauf der Übereinstimmung von Sein und Denken als historischer Ablauf MISSVERSTANDEN wird, entstehen berühmt gewordene Vorwürfe an Hegel:
  • Bloch: Das Werden ist "nichts als die pädagogische Entwicklung eines fertigen Lehrsatzes an der Tafel vor dem lernenden Subjekt" (ebd.: 174) Verflixt noch mal. Bei der logischen Entwicklung geht es doch gar nicht um historisches Werden, Herr Professor Bloch!!!
  • Wenn das „Umstülpen“ des Idealismus von Hegel in Richtung eines Materialismus einfach nur so interpretiert wird, dass die logische Entwicklung als historische gelesen wird, entsteht jene berüchtigte Interpretation der Hegelschen Dialektik, dass es historisch nichts Neues gibt und dass alles schon vorherbestimmt ist (eindimensionaler Determinismus). Dagegen käme es darauf an, Hegel ernst zu nehmen und neu zu überlegen, was wir damit anfangen können…
  • Wir können u.a. aus der logischen Entwicklung der Kategorien in der Logik bei Hegel lernen, dass drei verschiedene Formen von „Negation“ vorkommen, die nicht historisch „nacheinander“ ablaufen, die wir aber in unserem Erkenntnisprozess voneinander unterscheiden sollten:
  • Um zukünftige Entwicklungen antizipieren zu können, können wir den Standpunkt einer „virtuellen Eule der Minerva“ einnehmen: Wenn wir uns einen gewissen zukünftigen Zustand vorstellen (können, wollen, müssen), dann können wir virtuell „zurück“ verfolgen, welche Bedingungen/Voraussetzungen dazu notwendig waren/sein werden… Dies ist notwendig, um selbst aktiv auf das Entstehen/Verhindern erwünschter/nicht erwünschter Bedingungen einwirken zu können.
  • Warum also sollten sich jene, die eine Gesellschaftsveränderung anstreben, noch um die Hegelsche Dialektik kümmern? Dialektik als Methode des begreifenden, vernünftigen Denkens ermöglicht es, für gegebene Verhältnisse herauszufinden, welche wesentlichen Bedingungen es tragen, d.h. welche Bedingungen verändert werden müssen. Dialektisches Denken orientiert darauf, das jeweilige Möglichkeitsfeld zu analysieren, um Möglichkeiten für Neues befördern zu können.
  • Nun sind wir wieder bei der Folie, die im ersten Teil schon mal auftauchte: Drei Konsequenzen aus der Verwendung der drei Stufen der Denkformen/Erkenntnislogik. Das Stehenbleiben auf der ersten Stufe verführt zum unkritischen Anerkennen der faktischen “Realität”, mit verständigem Denken können verschiedene Möglichkeiten als Alternativen innerhalb des Wirklichen erkannt werden. Erst mit begriffslogischem Begreifen kann auch die Veränderbarkeit der Bedingungen des Wirklichen erfasst werden.
  • Hier breche ich die Ausführungen aus Zeit- und Kapazitätsgründen wieder ab…
  • Hegelsche Dialektik Grundlagen Teil III mit Notizen

    1. 1. Hegelsche Dialektik Teil IIIAnnette Schlemm: http://philosophenstuebchen.wordpress.com/
    2. 2. Teil I:http://de.slideshare.net/philosophenstuebchen/hegelsche-dialektik-grundlagen-teil-i-mit-notizenTeil II:http://de.slideshare.net/philosophenstuebchen/hegelsche-dialektik-grundlagen-teil-ii-mit-notizenSiehe auch die Texte im Internet unter:http://www.thur.de/philo/hegel/hegel.htmZum Thema Entwicklung insbesondere:http://www.thur.de/philo/hegel/hegelvortrag2.htmhttp://www.thur.de/philo/hegel/hegel29.htmDie Abbildung zitiert eine Zeichnung von M.C. Escher undverweist auf das Thema Entwicklung mit Spiralformen.
    3. 3. Inhalt• Warum Dialektik ?• Erkenntnis-Entwicklung• Systemcharakter• Allgemeines-Besonderes-Einzelnes• Totalitarismus ?• (Historische) Entwicklung
    4. 4. Aus marxistischer Sicht wird Dialektik vor allem als Theorieder Höherentwicklung (über Widersprüchehindurch/hinweg) verstanden. Es wird häufig von„dialektischer Entwicklung“ gesprochen.Dabei entstand teilweise eine vereinseitigte Sicht, bei derEntwicklung nur auf zeitliche Zustandsveränderungenbezogen wurde, was auch heute noch im Internet zu findenist:„Dialektik ist der Versuch, die Dinge im zeitlichen Ablauf, d.h. in ihrer Veränderung zu begreifen.“ (Wal Buchenberg:http://www.trend.infopartisan.net/trd1001/t071001.html)
    5. 5. (Historische)Entwicklung• Dialektische = historische Entwicklung ?• Entwicklung bei Hegel• Zukünftige Entwicklung
    6. 6. Früher wurde das Thema „Dialektik“ im marxistisch-dialektischen Kontext eigentlich immer im Zusammenhangmit historischen Entwicklungsvorgängen thematisiert.Dies reduziert die Hegelsche Dialektik jedoch und mitdieser Einschränkung im Kopf ist Hegel gar nicht zuverstehen. Deshalb möchte ich zurück gehen: Was hatHegel eigentlich selbst gemeint?
    7. 7. Dialektische Entwicklung 3 „Grundgesetze“: • Einheit und „Kampf“ der Gegensätze • Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative (und umgekehrt) • Negation der Negation
    8. 8. Dies sind die drei „Grundgesetze“, die im Marxismus-Leninismus alsKernprinzipien der Dialektik gelehrt wurden. Links steht als Beispiel dieAufeinanderfolge der ersten Kategorien bei Hegel. „Sein“ und „Nichts“sind Gegensätze. Das „Sein“ ist die Negation des „Nichts“ und das„Nichts“ ist die Negation des „Sein“. Sie richten sich gegeneinander(„kämpfen“). Ihre Einheit finden sie im „Werden“ (etwas WerdendesIST und IST NICHT). Das Werdende/Gewordene ist die Negation derNegation von „Sein“ und von „Nichts“. Letztlich wird der Übergang indie Negation der Negation, die höhere Einheit, geschafft, wenn man„weit genug“ in den Gegensatz hinein gegangen ist. Das Neueentsteht, nachdem sich im Alten lange genug quantitativeVeränderungen angehäuft haben: aus vielen Körnchen wird einSandhaufen. All dies sind Prinzipien, die bei allenEntwicklungsvorgängen eine Rolle spielen und die auch in derHegelschen Philosophie auftauchen. Deshalb bietet es sich an, diesePrinzipien als „dialektische Prinzipien“ oder „Grundgesetze“ zuverallgemeinern.„Es bietet sich an“… heißt: Es ist irgendwie nicht ganz falsch… aber eswird sich zeigen, dass diese Sicht, wenn sie verabsolutiert wird, nichtmehr richtig und ausreichend ist.
    9. 9. Dialektische EntwicklungLogische Entwicklung bei Hegel:
    10. 10. Wenn man sich auf die Dialektik bezieht, sollte aber auf jedenFall bekannt sein, dass im Hegelschen System nicht übereine zeitliche Veränderung gesprochen wird (außer in denFällen, wo er die Geschichte ausdrücklich thematisiert wie inder Geschichte der Philosophie oder der Weltgeschichte).Jene Texte, auf die sich die Grundlage der Dialektik meistbezieht, die „Logik“ hat als Gegenstand aber nicht die zeitlich-geschichtliche Entwicklung, sondern die Entwicklung des sichselbst erkennenden Weltgeistes (bzw. des Menschen als Teildavon).Das wird schon deutlich, wenn man sich die Kategorien in der„Logik“ anschaut. Es kann ja nicht sinnvoll behauptet werden,dass zeitlich nacheinander das „Sein“, danach das „Dasein“usw. entstehen würden.Philosophie wird ausdrücklich bei Hegel als “zeitlosesBegreifen” beschrieben, das sich nicht mit der schlechtenUnendlichkeit der Abfolge endlicher Dinge beschäftigt (vgl.Hegel Enz. II, S. 26 § 248 Zusatz)
    11. 11. Dialektische Entwicklung= Logische = historische Entwicklung ???
    12. 12. Wenn man diese logische Entwicklung umstandslos auf historischeEntwicklungen überträgt, entsteht eine ungerechtfertigteParallelisierung von Logischem und Historischem.Auch das Negieren einer Qualität ist bei Hegel kein zeitlicher Vorgang(vgl. Hegel Enz. I. § 109 Z: 228) und die Beispiele vonZustandsänderungen (Aggregatzustände von Wasser,Oxydationsstufen von Metallen, Tonunterschiede) meinen keinezeitliche, gar entwicklungsgemäße, Aufeinanderfolge.Auch Marx wusste noch, dass diese Parallelisierung nicht immerfunktioniert:"Es wäre [...] untubar und falsch, die ökonomischen Kategorien in derFolge aufeinander folgen lassen, in der sie historisch diebestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durchdie Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaftaufeinander haben und die gerade das umgekehrte von dem ist, wasals ihre naturgemäße erscheint oder der Reihe der historischenEntwicklung entspricht.“ (MEW 42: 41)
    13. 13. Historische Entwicklung Entfaltung der logischen Idee ... als ein Fortgang vom Abstrakten zum Konkreten http://www.hegel- system.de/de/poster.htm
    14. 14. An zwei Stellen gibt es die Parallele von Logischem undHistorischem auch bei Hegel:1.Der Philosophiegeschichte: "Das Verhältnis aber derfrüheren zu den späteren philosophischen Systemen ist imallgemeinen dasselbe wie das Verhältnis der früheren zuden späteren Stufen der logischen Idee, und zwar von derArt, daß die späteren die früheren als aufgehoben in sichenthalten." (Hegel Enz.I § 86 Z2: 184)2.Weltgeschichte (nächste Folie)
    15. 15. Historische EntwicklungWeltgeschichte:„Darstellung des Geistes [...],wie er sich das Wissen dessen,was er an sich ist,erarbeitet“(Hegel: VLPG: 31) „Weltgeschichte [...] den Stufengang der Entwicklung des Prinzips, dessen Gehalt das Bewußtsein der Freiheit ist“ (Hegel VPG: 75)
    16. 16. Der Kern der Weltgeschichte wird von Hegel imwachsenden „Bewußtsein der Freiheit“ gesehen. Wie sichdazu auch gesellschaftliche Institutionen und Verhältnisseändern müssen, beschreibt er in den Vorlesungen zurWeltgeschichte.
    17. 17. Historische EntwicklungDie Eule der MinervaAls der Gedanke der Welterscheint sie [diePhilosophie] erst in der Zeit,nachdem die Wirklichkeitihren Bildungsprozeßvollendet und sich fertiggemacht hat. (Hegel GPR 27-28)
    18. 18. Dabei gilt, dass die „Logik der historischen Entwicklung“erst vom erreichten Endpunkt her rekonstruiert werdenkann. Man weiß, wo der Ist-/Endpunkt ist und kann alleEntwicklungsschritte in Bezug auf diesen Ist-/Endpunktrekonstruieren. Für diesen Effekt steht die „Eule derMinerva“ (wegen ihrer Aktivität erst in der Dämmerung).(Ernst Bloch schreibt dazu: „wäre die Philosophie wirklichauf Dämmerung angewiesen, dann wäre die hegelsche zuihrer Zeit überhaupt nicht möglich gewesen, sondernsozusagen erst nach 1850." (Subjekt-Objekt, 231), siehedazu auch: http://www.inkrit.de/hkwm/artikel/eule.pdf))
    19. 19. Historische Entwicklung Der Eulenstandpunkt bei der Analyse: • keine „Wunder“• nachträgliche Rekonstruktion von Abläufen• Herausfinden wesentlicher Bedingungen für das Bestehende
    20. 20. Wir können diesen „Eulenstandpunkt“ tatsächlicheinnehmen, wenn wir historische Entwicklungen hin zueinem bekannten Ist-Zustand rekonstruieren wollen. Wirgehen dann davon aus, dass es keine Wunder gibt,sondern alles, was bis jetzt entstanden ist, sich aus denjeweils früher angelegten Möglichkeiten heraus bilden undentfalten konnte. Nachträglich kann jeweils überlegtwerden, was vorher als Voraussetzung, als Bedingungrealisiert gewesen sein muss, um das Folgende zuermöglichen. Dabei kann auch erkannt werden, welche derBedingungen, die für das Bestehende notwendig sind,überhaupt erst historisch als Voraussetzungen für dasJetzige entstanden sind.Diese Methode verwendet z.B. Klaus Holzkamp in seiner„Grundlegung der Psychologie“ (siehe z.B.:http://www.thur.de/philo/kp/5_schritt.htm)
    21. 21. Entwicklung bei Hegel Drei unterschiedliche Formen der Veränderung:1. Übergehen in Anderes (Seinslogik)2. Scheinen in Anderes (Wesenslogik) 3. Entwicklung (Begriffslogik) (Hegel Enz. I § 161 Z: 308)• entspricht drei unterschiedlich (tiefgehenden) Formen der Erkenntnis
    22. 22. Es gibt bei Hegel verschiedene Formen des Ineinander-Übergehensvon Kategorien in der Logik, nur eine davon nennt er „Entwicklung“:1.zwei verschiedene Zustände sind unabhängig voneinandervorhanden und es finden Übergänge zwischen ihnen statt (Hegel WdLI: 97) (z.B. beim Übergang vom Zustand des Lebens in den Zustanddes Todes)Wenn wir uns auf den ersten Aspekt konzentrieren, gibt es den zweitennicht, und wenn der Übergang vollzogen ist, ist der ersteverschwunden und der zweite existiert.2.Im Wesen findet kein Übergehen statt, „sondern nur Beziehung“(Enz. I, § 111, Z 229): Hier interessiert der Zusammenhang, dieBeziehung zwischen Leben und Tod. „Wenn (in der Sphäre des Seins)das Etwas zu Anderem wird, so ist hiermit das Etwas verschwunden.Nicht so im Wesen; hier haben wir kein wahrhaft Anderes, sondern nurVerschiedenheit, Beziehung des Einen auf sein Anderes. DasÜbergehen des Wesens ist also zugleich kein Übergehen; denn beimÜbergehen des Verschiedenen in Verschiedenes verschwindet dasVerschiedene nicht, sondern die Verschiedenen bleiben in ihrerBeziehung." (ebd.) (weiter: nächste Seite)
    23. 23. Wir erkennen, dass zum Leben der Tod gehört und zum Tod dasLeben. Beide sind nicht wirklich unabhängig voneinander. In dieserSphäre finden wir auch die Begründung der Quelle aller Veränderung,den Widerspruch. Er "ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit(Hegel WdL II: 75).1.Das Lebendige selbst ist die widersprüchliche Einheit seiner beidenAspekte: Leben und Tod. Das Lebendige greift in seiner positivenBestimmung (Leben) zugleich über seine negative Bestimmung (Tod).Damit haben wir den Gesamtzusammenhang bereits begriffen, d.h.begriffslogisch erfasst. Das Übergreifende ist die Einheit vonGegensatz und Identität, es ist der sich bewegende Widerspruch, derEntwicklungszusammenhang. Im Begriff des Lebendigen ist bereitsenthalten, dass er sich in seine Momente Leben und Tod zerlegt. ->begriffslogische "Entwicklung": alle Daseinsformen und Momenteerweisen sich als Momente der Selbstentwicklung des Begriffs. (HegelEnz. I § 161 Z: 308)
    24. 24. Entwicklung bei Hegel Drei Formen der „Negation“ Beispiel Seinslogischer „Übergang“: Flüssigkeit wird zu Gas.Der erste Zustand verschwindet, der (Verschiedenheit) neue entsteht. Wesenslogische Gasförmigkeit ist der andereBeziehung/Reflexion: das Etwas Aggregatzustand, der zum Zustand und sein Anderes bleiben. der Flüssigkeit gehört. (Unterschiedlichkeit) Begriffslogische „Entwicklung“: alle Daseinsformen und Momente Es ist die "Natur" des Wassers, in erweisen sich als Momente der unterschiedlichen Selbstentwicklung des Begriffs. Aggregatzuständen zu existieren.
    25. 25. Aus diesen drei Übergangsformen lassen sich drei Formenvon Negierungen ableiten, die alle gleichzeitig vorhandensind – die aber in unterschiedlicher Weise aufeinanderaufbauend gedacht werden können.
    26. 26. Entwicklung bei HegelEntwicklung mit Notwendigkeit/ notwendige EntwicklungDie Entwicklung des Begriffs (der "Natur der Sache")bedeutet lediglich das Herausbringen, das Setzendesjenigen, was an sich schon vorhanden ist (seinesBegriffs).Wenn wir davon ausgehen, dass es jeweils nichts außerhalb desBegriffs (d.h. der Totalität der Sache) gibt, so ist die Negationnotwendig bestimmt. Aus der Natur des Wassers kann nicht folgen,dass es plötzlich als Goldnugget erscheint. Sollte dies tatsächlichpassieren, so waren wir vom falschen Begriff ausgegangen.
    27. 27. Das bedeutet: die (logische) Entwicklung setzt ihrenEndpunkt bereits voraus. Entwicklung bringt ihn hervor. Sieist also letztlich zielgerichtet.Bei Hegel: Das Ganze ist der Geist, der sich selbsterkennt. Er will natürlich „bei sich selbst“ ankommen undnicht irgendwo anders. Deshalb ist die Richtung natürlichnotwendigerweise bestimmt.Es gibt dazu auch eine materialistische Interpretation,wenn wir den Erkenntnisprozess in seiner Entwicklungnehmen: Wenn wir die Welt begreifen wollen, dann wollenwir die wirkliche Welt begreifen und nicht irgend etwasanderes. Durch die Wirklichkeit ist der Endpunkt unseresBegreifensprozesses auch notwendigerweise bestimmt (wirwollen die Wirklichkeit wahrheitsgemäß begreifen, so dasswir sie bewusst gestalten können – und nicht nur beliebigeMeinungen austauschen).
    28. 28. Entwicklung bei HegelEntwicklung = EntäußerungDer Begriff, der die „Natur der Sache“ enthält, bestimmtnotwendig seine eigenen (unterschiedlichen bisgegensätzlichen) Momente. H2O kann existieren in flüssiger, fester oder gasförmiger Weise.Unter bestimmten Bedingungen „ist“ eine der möglichenFormen in unmittelbarer, sinnlich wahrnehmbarer Weise„da“: … … in Abhängigkeit von der Temperatur: Eis, Wasser, Gas
    29. 29. Hier wird der Weg vom Sein übers Wesen zum Begriffnoch mal „rückwärts“ gedacht: Die Totalität (das begrifflichvollständig Bestimmte, das, was sich nur noch aus sichselbst heraus begreifen lässt und durch nichts anderesmehr bestimmt wird) entäußert sich: Es zeigt sich alsVerhältnis von Wesentlichem und Erscheinendem, alsVerhältnis von Wirklichem und Möglichem usw. usf. (H2Ozeigt sich als Möglichkeit von Wasser, Eis und Dampf).Unter bestimmen Bedingungen ist es dann auch da alsWasser, Eis oder Dampf…Der Begriff erklärt uns also die Möglichkeit der bestimmtenErscheinungsweisen und auch, warum unter bestimmtenBedingungen was da ist. Dies gibt uns die Möglichkeit,über die Veränderung von Bedingungen das Daseiende zuverändern!
    30. 30. Entwicklung bei HegelEntwicklung und Entäußerung:
    31. 31. Wir haben also zwei Richtungen: Vom Sein zum Begriffund von diesem zurück zum Sein. Ein wahrer Kreislauf.Wenn jedoch dieser Kreislauf der Übereinstimmung vonSein und Denken als historischer AblaufMISSVERSTANDEN wird, entstehen berühmt gewordeneVorwürfe an Hegel:
    32. 32. Entwicklung bei HegelEs gibt nichts wirklich NEUES in der HegelschenEntwicklung…Es gilt, "...daß der Begriff inseinem Prozeß bei sich selbstbleibt und daß durch denselbendem Inhalt nach nichts Neuesgesetzt, sondern nur eineFormveränderunghervorgebracht wird." (HegelEnz. I § 161 Z: 309). "Anamnesis" (vgl. Bloch 1964)
    33. 33. Bloch: Das Werden ist "nichts als die pädagogischeEntwicklung eines fertigen Lehrsatzes an der Tafel vor demlernenden Subjekt" (ebd.: 174)Verflixt noch mal. Bei der logischen Entwicklung geht esdoch gar nicht um historisches Werden, Herr ProfessorBloch!!!
    34. 34. … und nun? Hegel „umstülpen“: Hegel ernst nehmen: Die („ideell“-)logische Differenz des Logischen Betrachtungsweise und Historischen („materialistisch“) akzeptieren „historisieren“ Neu überlegen, was das für uns heißen kann… Eindimen- sionalerDeterminismus
    35. 35. Wenn das „Umstülpen“ des Idealismus von Hegel inRichtung eines Materialismus einfach nur so interpretiertwird, dass die logischeEntwicklung als historische gelesen wird, entsteht jeneberüchtigte Interpretation der Hegelschen Dialektik, dasses historisch nichts Neues gibt und dass alles schonvorherbestimmt ist (eindimensionaler Determinismus).Dagegen käme es darauf an, Hegel ernst zu nehmen undneu zu überlegen, was wir damit anfangen können…
    36. 36. Entwicklung bei Hegel Drei Formen der „Negation“ Beispiel Seinslogischer „Übergang“: Flüssigkeit wird zu Gas.Der erste Zustand verschwindet, der (Verschiedenheit) neue entsteht. Wesenslogische Gasförmigkeit ist der andereBeziehung/Reflexion: das Etwas Aggregatzustand, der zum Zustand und sein Anderes bleiben. der Flüssigkeit gehört. (Unterschiedlichkeit) Begriffslogische „Entwicklung“: alle Daseinsformen und Momente Es ist die "Natur" des Wassers, in erweisen sich als Momente der unterschiedlichen Selbstentwicklung des Begriffs. Aggregatzuständen zu existieren.
    37. 37. Wir können u.a. aus der logischen Entwicklung derKategorien in der Logik bei Hegel lernen, dass dreiverschiedene Formen von „Negation“ vorkommen, die nichthistorisch „nacheinander“ ablaufen, die wir aber in unseremErkenntnisprozess voneinander unterscheiden sollten:
    38. 38. Zukünftige Entwicklung Die „virtuelle“ Eule der Minerva • keine „Wunder“• Herausfinden wesentlicher Bedingungen für das Neue
    39. 39. Um zukünftige Entwicklungen antizipieren zu können,können wir den Standpunkt einer „virtuellen Eule derMinerva“ einnehmen: Wenn wir uns einen gewissenzukünftigen Zustand vorstellen (können, wollen, müssen),dann können wir virtuell „zurück“ verfolgen, welcheBedingungen/Voraussetzungen dazu notwendig waren/seinwerden… Dies ist notwendig, um selbst aktiv auf dasEntstehen/Verhindern erwünschter/nicht erwünschterBedingungen einwirken zu können. Um zukünftigeEntwicklungen antizipieren zu können, können wir denStandpunkt einer „virtuellen Eule der Minerva“ einnehmen:Wenn wir uns einen gewissen zukünftigen Zustandvorstellen (können, wollen, müssen), dann können wirvirtuell „zurück“ verfolgen, welcheBedingungen/Voraussetzungen dazu notwendig waren/seinwerden… Dies ist notwendig, um selbst aktiv auf dasEntstehen/Verhindern erwünschter/nicht erwünschterBedingungen einwirken zu können.
    40. 40. Zukünftige EntwicklungDer Sinn der Dialektik für Gesellschaftsveränderer: • Dialektik = Methode des begreifenden, vernünftigen (nicht nur verständiges) Denken • und ermöglicht:• Herausfinden wesentlicher Bedingungen für das Bestehende  diese Bedingungen beseitigen• Das Möglichkeitsfeld analysieren  Möglichkeiten für Neues fördern…
    41. 41. Warum also sollten sich jene, die eineGesellschaftsveränderung anstreben, noch um dieHegelsche Dialektik kümmern?Dialektik als Methode des begreifenden, vernünftigenDenkens ermöglicht es, für gegebene Verhältnisseherauszufinden, welche wesentlichen Bedingungen estragen, d.h. welche Bedingungen verändert werdenmüssen.Dialektisches Denken orientiert darauf, das jeweiligeMöglichkeitsfeld zu analysieren, um Möglichkeiten fürNeues befördern zu können.
    42. 42. Erkenntnis-Entwicklung faktische Das Mögliche Die„Realität“ in der Veränder- „Wirklichkeit“ barkeit erkennen erkennen
    43. 43. Nun sind wir wieder bei der Folie, die im ersten Teil schon mal auftauchte:Drei Konsequenzen aus der Verwendung der drei Stufen der Denkformen/Erkenntnislogik.1.Das Stehenbleiben auf der ersten Stufe verführt zum unkritischen Anerkennen der faktischen “Realität”,2.mit verständigem Denken können verschiedene Möglichkeiten als Alternativen innerhalb des Wirklichen erkannt werden.3.Erst mit begriffslogischem Begreifen kann auch die Veränderbarkeit der Bedingungen des Wirklichen erfasst werden.
    44. 44. Unterschied Hegel -Marx http://www.thur.de/philo/hegel/L ogisch_Historisch.pdf http://www.thur.de/philo/hegel/h egel29.htm
    45. 45. Hier breche ich die Ausführungen aus Zeit- undKapazitätsgründen wieder ab…(Außerdem kann man das selber entwickeln, wenn manHegel erst mal ernst nimmt…)
    46. 46. Danke…… für Eure Aufmerksamkeit http://www.thur.de/philo/h egel/hegel.hm

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