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WETTKAMPFPHILOSOPHIE IM KINDER- UND JUGENDFUSSBALL
OPTIMALE WETTSPIELE FÜR KINDER UND JUGENDLICHE
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Eine neue wettkampfstruktur im kinder

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Eine neue wettkampfstruktur im kinder

  1. 1. MASSGESCHNEIDERTE WETTKÄMPFE IM KINDER – UND JUGENDFUßBALL EIN WICHTIGER BAUSTEIN FÜR EINE OPTIMALE LEISTUNGSENTWICKLUNG Alle diejenigen, die jahrelang Fußball gespielt haben sind sich darüber einig, dass Fußball ,wenn es auf einem hohen Niveau gespielt wird, ein sehr komplizierter und schwierig zu erlernender Sport ist. Wenn Statistiken von Jugendspielen zeigen, dass in einer Minute Spielzeit ( d.h. bei nur 40 Sekunden mit dem Ball im Spiel) der Ballbesitz zwischen den Mannschaften häufig bis zu 6 Mal wechselt, dann kommt es zwangsläufig zu Fragen wie z.B.: 1. Müssen wir unsere jungen Spieler für diese hohe Prozentzahl von Fehlern verantwortlich machen ? 2. Sind unsere Trainer vielleicht ungenügend ausgebildet oder unsere Lehrmethoden vielleicht überholt ? 3.Oder sind die Trainer im Kinder- und Jugendfussball überfordert ? Bei der Beantwortung dieser Frage gibt es kaum Zweifel. Die Verantwortlichen für die zu hohe Fehlerquote und dem häufig schwachen Niveau der Spiele im Kinder- und Jugendfußball sind jene Gremien, die seit Jahrzehnten unsere jungen Spieler mit dem Fußball 11 gegen 11 auf dem großen Feld völlig überfordern und ihnen auf dem Platz die gleichen Probleme zu lösen geben, mit denen auch die professionellen Fußballspieler konfrontiert werden, und ohne vorher die jungen Spieler systematisch Schritt für Schritt ( wie das im Mathematikunterricht an der Schule praktiziert wird) an die Komplexität und die Schwierigkeit des Erwachsenenspiels herangeführt zu haben. “Das Caos, was dann entsteht, wenn der Fußball nicht dem Kind angepasst wird .” Immer dann wenn Kinder an eine neue komplexe Aufgabe, sowohl im motorischen als auch im mentalen Bereich, nicht langsam und progressiv angeleitet wurden, bekommen sie Schwierigkeiten und scheitern häufig. Bedingt durch die im großen Spiel zu beobachtete Fehlerhäufigkeit verlieren viele unserer jungen Spieler ihr Selbstvertrauen, das Interesse und auch die Motivation zum Weiterlernen. Sie fühlen sich unfähig , die komplizierten Probleme in den Griff zu bekommen und sie mit Erfolg zum Nutzen ihrer Mannschaft zu lösen, weil sie bei den häufigen Zusammenballungen von vielen Spielern rund um den Ball nicht genügend Zeit und Raum haben, um meistens gelungene Aktionen auszuführen. Komplexe Spielsituationen auf ihre Art und Weise
  2. 2. „gelöst“: mit einem weiten Befreiungsschlag des Balles aus der Gefahrenzone. Statt mit dem Ball, spielen sie Fussball mehr gegen den Ball! Das Bewusstsein der jungen Spieler die auftretenden Probleme auf dem großen Spielfeld nicht allein lösen zu können, bewegt viele überforderte junge Spieler zwischen 14 und 16 Jahren dazu, sich vom Fußballspiel abzuwenden und eine andere Sportart zu betreiben, in denen sie mehr Hauptdarsteller sein können und darüber hinaus die Gewissheit haben, kompetenter als im Fußball zu sein. Die Motivation eines jeden jungen Spielers ist es, nicht nur seine Umgebung zu beherrschen und sich fähig für etwas zu fühlen, sondern auch seinen Freunden gegenüber seine Fertigkeiten und Fähigkeiten im Sport beweisen zu können. Aus diesem Grunde ist es wichtig die Jugend mit einem Fußballspiel zu konfrontieren, das sich ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten in jeder Altersstufe perfekt anpasst. Denn nur wenn sich die Anforderungen des Spieles mit den geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes decken, wird der junge Spieler effektiv und mit Spass Fußballspielen lernen. Mini Fußball auf 4 Tore und seine vielen Varianten ist für die 8- und 9-Jährigen ein maßgeschneiderter Wettkampf , der alle ihre Wünsche und Erwartungen erfüllt, genauso wie ein Jahr später das Spiel 5 gegen 5 auf dem Kleinfeld und für die 11 und 12- Jährigen Fußball 7 quer über das normale Spielfeld. In allen diesen drei Wettspielformen hat der junge Spieler, bedingt durch die geringere Spielerzahl, dem kleineren Spielfeld und dem Ball Nr. 4 mehr Erfolgserlebnisse und Glücksgefühle als das beim großen Spiel auf dem großen Platz der Fall ist. Die Spieler identifizieren sich mit diesen Spielen, weil sie das Gefühl haben, fähig zu sein und das Spiel zu verstehen und zu beherrschen. In der gleichen Weise wie ein junger Spieler geistig und körperlich wächst, sollte auch der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität seines Fußballspiels zunehmen. In diesem natürlichen Prozess darf es keine Eile geben, genauso wie auch das Wachstum der Jugend langsam, aber ständig und ohne jegliche Hast fortschreitet. In einer gut geplanten Fußballausbildung wächst der junge Spieler zusammen und gleichzeitig mit der Komplexität seines Fußballspiels. Das grösste Hindernis für den Forschritt unseres Fußballs ist für mich die Gewohnheit von vielen Übungsleitern, immer das Gleiche zu tun. Ohne viel zu überlegen und kritisch zu sein, werden aus Bequemlichkeit häufig alte, längst ausgediente Angewohnheiten, Regeln und Normen übernommen, die bereits seit Jahren überholt sind. Das gilt sowohl für das Planen und die Ausführung der Trainingseinheiten als auch für die Struktur unserer Fußballwettspiele im Kinder – und im Jugendfußball. Das Bewusstsein, in der Vergangenheit Fehler in der Ausbildung unserer jungen Fußballspieler begangen zu haben, ist wichtig für den Fortschritt unseres Fußballs, der sich nur dann abzeichnet wenn die jungen Fußballspieler überall im Lande optimale Bedingungen (sprich Wettkämpfe) zum Erwecken und zur Stimulierung ihres Potentials vorfinden werden. “Wer im Fußball triumphieren will, muss neue Wege suchen, anstatt immer den gleichen zu folgen”.
  3. 3. LOGISCHE WETTKAMPFSTRUKTUR IM KINDER –UND JUGENDFUßBALL KLASSE ALTER ab SPIEL Auswechselspieler - m2 pro Spieler SPIELFELD DAUER SCHIEDS RICHTER Junioren F 8/9 1 109m2 25x35 m. 3x10’ > 16 Jahre Junioren E 1.Jahr 10 Fußball 5 2 80m2 20x40 m. 3x20’ > 16 Jahre Junioren E 2.Jahr /Jun D 1Jahr 11/12 Fußball 7 3 157 m2 40 m.x 55m. 3x20’ >18 Jahre Junioren D. 2.Jahr 13 Fußball 8.8 4 258m2 Zwischen den beiden Strafräumen des regulären Spielfeldes 3x25’ > 20 Jahre Junioren C 14 Fußball 11:11 4 262m2 Reguläre Spielfeld 55x 110m2 3x25’ > 22 Jahre Im vorliegenden “Wettkampfmodell” wird in jeder Altersklasse von F– Junioren bis zu den D-Junioren immer im Sinne des Spieles geübt und alle Kinder und Jugendliche wachsen mit den Jahren von einer Aufgabe zur anderen über Rollen mit steigender Differenzierung spielend in das große Spiel mit einer Mannschaft von 11 Spielern hinein. Wenn auf diese Art und Weise die junge Spieler auf das Fußballspiel vorbereitet werden, ist es ihnen in jeder Entwicklungsstufe möglich, die immer komplexer werdenden Wettkämpfe im Fußball Schritt für Schritt zu verstehen und auch zu meistern. „Der erste Schlüssel zum Erfolg ist ein Gleichgewicht herzustellen zwischen den Anforderungen des Wettspiels und den aktuellen geistigen und körperlichen Fähigkeiten eines jungen Spielers in einer bestimmten Entwicklungsfase“ Horst Wein
  4. 4. DIE NOTWENDIGKEIT EINER PERFEKTEN ANPASSUNG DES WETTSPIELS AN DIE FERTIG- UND FÄHIGKEITEN DER KINDER UND JUGENDLICHEN Seine Leistungen mit anderen zu messen ist für jeden von uns selbstverständlich, natürlich und vital wie z. B. essen und schlafen. In Wettkampfsituationen zeigt sich der wahre Charakter des Spielers und es entwickeln sich in ihnen Gewohnheiten, die auch das Verhältnis des Betreffenden zu seinen Mitmenschen beeinflusst. Das Wettspiel ist für die jungen Fußballspieler und deren optimale Entwicklung sehr wichtig, solange die Ausbildung der Spieler und nicht das Ergebnis im Vordergrund stehen. Damit im Wettspiel keine unerwünschten Verhaltensweisen bei den Kindern und Jugendlichen erzeugt werden - wie es heute überall durch eine verfrühte Konfrontation mit dem Erwachsenenspiel 11 gegen 11 auf dem großen Feld geschieht - ist es notwendig, die Struktur der Fußballwettkämpfe für die 8- bis 14-Jährigen zu modifizieren, ohne dabei jedoch dem Fußball seine Essenz zu nehmen. Es ist an der Zeit, dass die regionalen und nationalen Fußball-Verbände nicht nur das Gewicht und den Umfang des Balles, die Torgröße und die Spielfeldausmaße, sondern andere Regeln wie z.B. die Anzahl der Spieler, die eine Mannschaft bilden, den körperlichen und den geistigen Fähigkeiten der jungen Spieler in den verschiedenen Altersstufen des Kinder – und Jugendfußballs perfekt anpassen. Um aber die Spielregeln der Erwachsenen modifizieren bzw. vereinfachen zu könnnen, müssen die charakteristischen Merkmale der jungen Spieler in jeder Entwicklungsphase sowie ihre Wünsche und Erwartungen in Betracht gezogen werden. Es ist deshalb nur logisch, dass das Wettspiel der 8-Jährigen eine andere Struktur haben muss wie das für die 12 –Jährigen. Der Fußball muss wie ein Anzug dem Jugendlichen in jeder Saison neu zugeschneidert werden, damit er für ihn auch “bequem” ist. Niemand würde als Vater seinem 10-jährigen Sohn seinen Anzug anziehen oder seine Schuhe leihen. Aber im Fußball tun wir es. Alle Maßnahmen zur Modifizierung oder Vereinfachung des Fußballspiels für die Spieler unter 14 Jahren hängen von den charakteristischen Verhaltensweisen der jungen Spieler in den verschiedenen Alterstufen und vom Niveau ihrer augenblicklichen körperlichen und geistigen Fertigkeiten und Fähigkeiten ab. Dieses gilt natürlich auch für den Trainingsprozess, in dem genauso wie bei den Wettkämpfen ein logisches Vorgehen von einfachen Spielsituationen zu immer schwierigeren und komplexeren angeboten werden soll. Das Lernziel ist es schließlich, alle grundlegenden Situationen, die für den jeweiligen Wettkampf charakteristisch sind, so zu üben und verstehen zu lernen, dass am Ende der Saison die Spielfähigkeit im Mini Fußball (8/9 Jahre), im Fußball 5(10 Jahre), im Fußball 7 (11 und 12 Jahre) und im Fußball 8 mit 13 Jahren erreicht werden kann. „Das Training und die Wettkämpfe der Kinder im Fußball sollten genauso sein wie ihre Schuhe – sie sollten perfekt passen, nicht zu groß und nicht zu klein (eng) sein, damit sich das Kind bequem darin bewegen kann und sich wohl fühlt”.
  5. 5. Im meinem vom Spanischen Fussball Verband veröffentlichten Fußball-Entwicklungs- Modell wird nicht nur vorgeschlagen mit welchen Inhalten und Methoden der junge Fußballspieler am besten im Trainingsprozess an das Spiel der Erwachsenen Schritt für Schritt herangeführt wird, sondern es gibt auch konkrete Vorschläge für eine logische Progression von Wettkämpfen, die ihrerseits wieder die Inhalte des Trainings bedingen. Während die Jüngsten in ihrer Fußballschule im Laufe der Saison eine interne Liga mit allen Varianten des Mini Fußball bestreiten sollten (begleitet von einem vielfältigen Wettkampfmenue wie Fußball-Decatlhon, Fussball-Triathlon 3 gegen 3, Pentathlon für Mini Fußball und ein Siebenkampf technischer Fertigkeiten), wird für die 10–Jährigen empfohlen auf dem Kleinfeld Fussball 5 gegen 5, für die 11 und 12 –Jährigen auf dem Fussball 7-Feld 7 gegen 7 und für die 13- Jährigen Fußball 8 zwischen den Strafräumen auf Fußball 7-Tore, die auf den 16.50 m.- Linien stehen, zu spielen. Immer wird mit dem Ball Nr. 4 gespielt ! 11:11 8:8 7:7 5:5 3:3IN ZUNKUNFT 11:11 7:7 HEUTE Ein Jugendtrainer, der die vitalen Bedürfnisse der Kinder kennt und sie in jeder Trainingseinheit in seinen Übungen und vereinfachten Spielen auch zum Wettstreit anregt, hat keine Schwierigkeiten, das Interesse und die Motivation seiner Schüler mit Wettkampfformen dauernd wach zuhalten und sie dazu anzuhalten, sich anzustrengen und sich selbst zu überwinden. Beim Wetteifern lernen die jungen Spieler nicht nur die Technik des Fußballspiels und die Lösung verschiedener in einer grundlegenden Spielsituation enthaltenen Probleme, sondern auch nach dem Sieg zu streben (aber nicht um jeden Preis) und die Niederlage zu akzeptieren, sofern man vorher sein Bestes gegeben hat. Aktuelle Tendenzen in den bedeutendsten Fußballländern zeigen, dass dem Kinder- und Jugendfußball jedes Jahr mehr Bedeutung zugemessen wird, wobei jedoch die Gefahr besteht, dass seine kreativen, sozialen und anderen Werten mehr und mehr in Frage gestellt werden. Das unbekümmerte, spontane, intuitive, fantasiereiche und kreative Handeln, das dem Spiel eigen ist, glänzt häufig durch Abwesenheit und wird heute bereits bei den Kindern durch ein “eingedrilltes”, verantwortungsbewusstes und diszipliniertes Handeln im Sinne der Mannschaft, das vom Trainer gefordert wird, abgelöst.
  6. 6. Johan Cruiff behauptet, dass ein Spieler nur dann seine optimale Leistungsfähigkeit erreichen kann, wenn er sich im Spiel vergnügt, und Dante Panzeri aus Argentinien sagt: “ Wenn die Freude und das Vergnügen fehlen, dann lässt man sich nicht zu etwas verführen! Der Ernst beim Fußballwettspiel der Kinder hat heute ihre Freude und das neugierige Entdecken der Geheimnisse des Spiels begraben” Im Fussball von heute ist nichts mehr beständig und dauerhaft, weder ein Trainer oder ein Funktionär noch die Spielregeln oder die Wettkampfstruktur im Kinder- und Jugendfußball. Alles ändert sich, und nur der dauernde Wechsel ist beständig wie es uns die Medizin, die Mode oder auch andere Sportarten vorleben. Fussball sollte da keine Ausnahme machen. Einige wichtige Konzepte unseres traditionellen Fußballs müssen heute in Frage gestellt werden wie z.B. die für die optimale Ausbildung unserer jungen Fußballspieler hinderliche Wettkampfstruktur, weil sie überall seit Jahrzehnten die optimale Entwicklung des Potenzials junger Fußballspieler nicht nur bremst, sondern sogar behindert. Heute wissen wir, dass sich diejenigen Spieler, die bereits mit 7-12 Jahren systematisch jedes Wochenende mit dem Erwachsenenspiel konfrontiert und so zu Zuschauern verdammt wurden, falsche Verhaltungsweisen im technischen, taktischen, körperlichen und visuellen (perzeptiven) Bereich aneigneten, die dann später nur schwer zu korrigieren sind. Das verfrühte Spiel auf dem großen Feld mit den FIFA Regeln hat die meisten Spieler davon abgehalten, ihr optimales Potenzial im Erwachsenenalter zu erreichen. Damit in Zukunft nicht noch mehr Berufsfußballer ihre Karriere beenden, ohne je ihr optimales Spielniveau erreicht zu haben ( so wie es aus Gesprächen mit sehr vielen ehemaligen Profifußballern hervorgeht) , müssten die Verbände den Kindern beim Fußballspielen wieder erlauben, Kind sein zu dürfen, ohne sie zu frühzeitig aus dem Garten der Kindheit zu stoßen. “Die Natur will, dass die Kinder Kinder sind bevor sie später erwachsen werden. Wenn aber die Fußballverbände diese natürliche Ordnung nicht akzeptieren und den Prozess zu sehr beschleunigen, dann werden sie nur unreife Früchte (Spieler) ernten, die keinen Saft und keine Kraft haben (frei nach Jean Jaque Rousseau)! Das Eingeständnis, dass die Kinder im besten motorischen Lernalter zwischen 7 und 11 Jahren, anstatt des offiziellen Fußballspieles, für das sie noch nicht vorbereitet sind, besser andere für sie maßgeschneiderte Wettkämpfe bestreiten sollten, in dem sie häufiger im Ballbesitz sind und ihre Fähigkeiten ausspielen können, ist der erste Schritt zur Ausrottung des “Krebs“ im Kinder- und Jugendfußball bis 13 Jahren” : das Spiel 11 gegen 11. Anstatt die Kinder und Jugendlichen dazu anzuhalten, sich dem Spiel der Erwachsenen anzupassen, sollten die Erwachsenen das Spiel entsprechend dem körperlichen und geistigen Entwicklungszustand der Jugend gestalten”.
  7. 7. WETTKAMPFPHILOSOPHIE IM KINDER- UND JUGENDFUSSBALL OPTIMALE WETTSPIELE FÜR KINDER UND JUGENDLICHE Wenn ein Junge oder Mädchen bestimmte grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten beherrscht, möchte er sich sofort mit anderen seines Alters in wettkampfähnlichen Situationen messen. Anstatt nun Freude und Vergnügen am Wettkampf mit anderen Gleichaltrigen zu haben, versuchen die von der Wettkampfmentalität der Erwachsenen angesteckten Kinder den hohen Anforderungen ihrer Eltern und Trainer gerecht zu werden. Das heisst, dass ihr Wettspiel von negativen Effekten begleitet wird wie z. B. durch den Druck von Seiten der Eltern, vom Trainer oder auch von ihren gleichaltrigen Freunden. Das Wettspiel verwandelt sich in eine Tätigkeit, deren Konsequenzen ( ein Sieg oder eine Niederlage) den jungen Spieler formt ,während alle anderen positiven Gesichtspunkte, die beim Straßenfußball zu beobachten waren, in den Hintergrund treten. Zu früh wird für die Kinder der Sieg mit Erfolg und die Niederlage mit einem Versagen verbunden! Dennoch würde es ein Fehler sein, auf Wettbewerbe für die Kinder zwischen 7 und 10 Jahren zu verzichten, denn ohne sie würde es keine Motivation geben, regelmäßig zu trainieren. Außerdem gilt es zu beachten, dass ab 8 Jahren der junge Spieler häufig den Wettbewerb sucht, um in der Gruppe von seinen Freunden beachtet zu werden. Mein "Fußball-Entwicklungsmodell " bietet den Ausbildern für jede Altersstufe verschiedene Fußball -Wettkämpfe an, die den Interessen und den Fähigkeiten der Kinder perfekt angepasst sind. Ein variertes Wettkampfmenue von verschiedenen Fußball-Triathlons (3 vereinfachte Spiele für Zweier-, Dreier-, Vierer- oder Fünfermannschaften), Fussball-Zehnkämpfen für Feldspieler und auch nur für den Torwart, Mini Fusball-Pentathlons sowie verschiedene Mini Fussball-Spiele befriedigen jeden teilnehmenden Spieler, weil er nun viel häufiger ein Erfolgserlebnis hat und zur gleichen Zeit durch dauernden Ballkontakt nicht nur seine Technik und taktischen Erfahrungen verbessert , sondern auch lernt, mit einer Niederlage zu leben, die ihm sicherlich zu vermehrten Anstrengungen motiviert. Die Pflicht, für unter 10 –Jährige und unter 12-Jährige jedes Wochenende regelmäßig Wettspiele in einer offiziellen Liga auszutragen, verursacht mehr Probleme als Vorteile. Es wäre sicherlich sinnvoller und vom lerntechnischen Standpunkt auch effektiver (wie uns das Experiment in México bei Pumas und America bewies) vereinsinterne Turniere zu organisieren, anstatt mit Kindern zwischen 8 und 9 Jahren während der gesamten Saison fast jedes Wochenende Ligaspiele zu Hause und auch ausserhalb des Klubs zu bestreiten, deren Ergebnisse meherer 3 Monate später den Tabellenstand beeinflussen. "Sowohl das Training als auch der Wettkampf der Kinder und der Erwachsenen gehören zu zwei diametrisch entgegengesetzte Welten“
  8. 8. Bei einer internen “ Champion’s League” werden jeden Monat die Regeln des -Spiels leicht geändert, damit den Jugendtrainern die Möglichkeit gegeben wird, in den vorhergehenden Trainingseinheiten bestimmte technische, taktische, physische oder kognitive Aspekte des Minifußballspiels besonders zu schulen und so das Wettspiel am kommenden Wochenende vorzubereiten. Wird diese vereinsinterne Liga jeden Monat einmal durch ein Festival im Fussball-Decathlon, Triathlon oder -Pentathlon unterbrochen, dann müssen sich die jungen Fußballspieler immer wieder neu anpassen, und der Trainer weiss während der Woche genau welche Schwerpunkte er im Training setzen muss, damit seine Kinder bis zum Wochenende bestens vorbereitet erneut in den vereinsinternen Wettbewerb gehen. Durch dieses „educational management“ wäre es auch möglich, den Terminkalender im Beisein der Eltern so zu gestalten, dass jeden Monat ein Wochenende ohne Fussball programmiert wird, damit dieses der Familie gewidmet werden kann, weil die 8 bis 10-jährigen Kindern noch eine enge Beziehung zu ihren Eltern haben.. Durch die progressive Zunahme der Zahl der Spieler in einer Mannschaft (von 3 über 5 und 7 zu 8) wird der junge Spieler fast jede neue Saison vor neue Herausforderungen gestellt, bis er mit 14 Jahren für das reguläre Spiel reif oder fähig ist. Ab 14 Jahren sollten dann regelmäßig Wettspiele im 11 gegen 11 stattfinden, die jedoch nicht länger als 3 Monate dauern sollten, womit es während einer Saison zu 3 verschiedenen Meisterschaften ( Bezirks-, Kreis- und dann Bundeslandesebene) kommt. Hier könnte es dann 3 verschiedene Sieger geben, während bei einer einzigen Meisterschaft nur ein Klub zum Sieger erklärt werden kann. Zwischen den 3 Meisterschaften sollten dann möglichst einmal im Monat andere Fußballmodalitäten wie -ein Fußball 5 auf 4 Tore, Fußball 5, Fußball 7 oder Fußball 8 in Turnierform angeboten werden, um die Saison der jungen Spieler so abwechslungsreich wie irgend möglich zu gestalten, was ganz im Sinne der jungen Spieler wäre.
  9. 9. AB WELCHEM ALTER SOLLTEN WETTSPIELE IM LIGAFORMAT ORGANISIERT WERDEN? Von den ersten Eindrücken, die ein Kind in einer Fußball-Schule erhält, hängt es häufig ab, wie lange er diesem Sport treu bleiben wird. Aus diesem Grunde sollte darüber nachgedacht werden, wie man am besten das junge Talent nicht nur an den langjährigen Trainingsprozess, sondern auch an die an den Wochenenden stattfindenden Fußball- Wettspielen heranführt. Kinder leben in einer ganz anderen Welt als die Erwachsenen und in jeder von ihren Entwicklungsphasen zeigen sie charakteristische Eigenschaften in ihrem Verhalten und in ihrem Denken. Das Hauptziel eines unter 11 –Jährigen ist es, beim Spiel vor allem Spaß zu haben. Darüber hinaus will er seine Geschicklichkeit und Fähigkeit im Spiel den “Anderen” gegenüber demonstrieren. Normalerweise bewertet er seine Spielleistung auf zwei verschiedene Arten: er vergleicht sie mit der seiner Mit- und Gegenspieler oder er vergleicht sie mit den Möglichkeiten, die er besitzt. Um seine Leistung jedoch korrekt beurteilen zu können (Kinder unter 11 Jahren haben noch nicht genügend Elemente des Urteils zur Verfügung, um ihre eigene Fertigkeit oder Fähigkeit richtig einschätzen zu können), ist es vom Urteil der Erwachsenen (z.B. vom Trainer oder seinen Eltern) abhängig, denn sie sind für ihn wie ein Spiegel, in dem es seine Fähigkeit oder auch Unfähigkeit sieht. Das erklärt auch, wie leicht es für einen Erwachsenen ist, ein Kind mit Lob oder auch Tadel zu lenken, denn für einen 10 oder 11-Jährigen weiss ein Erwachsener einfach alles, hat immer Recht und ist für ihn noch ein Vorbild. Selbst eine 1:6 Niederlage versteht ein psychologisch geschulter Trainer, Vater oder Mutter mit entsprechenden Bemerkungen in einen Sieg umzuwandeln. Nach McGuire Jr. und Cook (1983) suchen 90 % aller Kinder den Wettbewerb im Sport, um Spaß und Freude mit ihren Gleichgesinnten zu haben. Den Anforderungen des Wettkampfes auch gewachsen zu sein, wird als ein zweiter wichtiger Faktor herausgestellt. Wir sollten wissen, dass gewinnen für ein 8- oder 9-jähriges Kind weniger bedeutet ist als für seinen Vater, der eine Niederlage seines Sohnes monatelang nicht verdrängen kann, während das Kind diese nach dem nächsten Speiseeis bereits vergessen hat. Spaß am Spiel hat jedes Kind, wenn es viel im Ballbesitz ist und, bedingt durch die geringe Spielerzahl in seiner Mannschaft, auch wenige Fehler begeht und damit eine Leistung zeigt, die von den Anderen respektiert wird. Wenn jedoch durch äußere Umstände (wie z. B durch einen Ball Nr.5, durch ein regelgerechtes Spielfeld und durch Mannschaften von je 11 Spielern) alles getan wird, um dem Kind sein Vergnügen am Spiel zu nehmen, weil es dauernd in Situationen gerät, die es noch nicht zu lösen in der Lage ist, gerät es vor dem Wettspiel, aber auch während des Spiels und besonders am Ende unter Stress, der seiner zukünftigen Entwicklung nur schädlich ist. Junge Kinder lernen besonders schnell und effektiv in Situationen ohne jeglichen Stress, weil dann das Ergebnis ihre Aktionen nicht dauernd bewertet wird und so zu keiner negativen Selbsteinschätzung führen kann. Stresssituationen entstehen immer dann, wenn Kinder glauben, nicht fähig zu sein und sie den hohen Anforderungen, die das Spiel von ihnen verlangt, nicht erfüllen können.
  10. 10. Erst ab 13 Jahren, wenn sich ihre Urteilsfähigkeit verbessert hat und sie die Erwachsenen mit anderen Augen sehen, entscheiden viele junge Spieler (besonders diejenigen, die wenig im Ballbesitz waren und wenig Spaß hatten), dem Fußball den Rücken zuzukehren. Einem Bericht des Kicker Sportmagazins vom 05.11.1989 zufolge ergab eine von der Bayerischen Regierung in Auftrag gegebene Studie, dass sich in den Jahren 1978 bis 1988 eine massive Abwendung der Jugend vom Fußballspiel vollzog. Von den gemeldeten Mannschaften mit Spielern von 12 und 14 Jahren gab es beim Wechsel in die nächste Altersklasse von 15 und 16 Jährigen nur noch die Hälfte. Mehr alarmierende Zahlen gibt es aus dem letzten Jahrzehnt aus den Vereinigten Staaten, wo angeblich 73% der Schüler, die mit 6-8 Jahren zum Fußball kamen, diesen zwischen 14 und 16 Jahren wieder verließen. Die hohe “drop-out” Quote der letzten Jahrzehnte sagt uns, dass endlich die Zeit gekommen ist, unseren jungen Fussballspielern zu erlauben, wieder Kind sein zu dürfen, anstatt von ihnen zu verlangen wie Erwachsene Fußball zu spielen und von ihnen den Sieg zu verlangen. Mini Fussball auf 4 Tore wird bereits in einigen Ländern als eine Renaissance des Straßenfußballs gefeiert, weil sich hier jeder Spieler mit häufigen Ballbesitz austoben kann, seine geistigen Fähigkeiten beweisen kann (durch die 4 Tore) und durch die vielen Tore mehr Freude und Spaß am Fussball hat, ohne dabei unter dem Druck des „Gewinnenmüssens“ leidet oder Stresssituationen meistern muss. Wenn Spieler ab 14 Jahren in organisierter Form regelmäßig ihre Punktspiele im 11 gegen 11 bestreiten und in die Fußballwelt der Erwachsenen eintreten, sollten ihre Eltern und Trainer nicht nur Wert allein auf das Ergebnis legen, sondern auch auf die Erfüllung spezifischer Rollen, die den jungen Talenten bereits vor dem Spiel vom Trainer aufgetragen wurden (wie z.B. auf eine korrekte Ausführung bestimmter technisch-taktischer Spielelemente wie die begleitende Abwehr, das Antizipieren als Abwehrspieler oder das Flanken von den Außenpositionen). Spieler, die sich während des Spiels auf eine, zwei oder höchstens drei vom Trainer vorgeschlagene Aufgaben konzentrieren müssen – eine Haupt- und zwei Nebenrollen - werden dadurch kaum Zeit haben, sich viel Gedanken über das Spielergebnis zu machen. Gewinnen heißt dann für sie nicht nur das Spiel für sich zu entschieden, sondern zur gleichen Zeit auch ihre persönliche Rollen, die sie vom Trainer bekamen, optimal erfüllt bzw. ausgeführt zu haben. Um gut zu spielen, sollte der Fußballer Freude am Spiel haben,sich m¨glichst wenig vom Ergebnis beeinflussenlassen und nur an seine nächste Aktion denken, damit diese so erfolgreich wie irgend möglich ausgeführt werden kann. Dieses erfordert vom Spieler seine volle Aufmerksamkeit. “In jedem Menschen verbirgt sich ein Kind, was spielen (Friedrich Nitzschke)....und nicht gewinnen will”(Horst Wein)“. hwfutbol@gmail.com

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