Vietnam _Energiewende

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Vietnam _Energiewende

  1. 1. 09.05.2014 Vietnam leitet "Energiewende" zur Kohle ein Bis 2020 gehen hauptsächlich Wärmekraftwerke ans Netz / 2014 Einspeisetarife für erneuerbare Energien / Von Thomas Hundt Hanoi (gtai) - Wegen des steigenden Energiehungers hat in Vietnam der Bau von Kohlekraftwerken absolute Priorität. Das Land verfügt aber auch über immense Potenziale im Bereich Erneuerbare Energien, diese spielen jedoch bisher kaum eine Rolle. Mit neuen Einspeisetarifen kommt 2014 etwas Bewegung in diesen Markt. Windkraft- und Biomasseanlagen werden am stärksten gefördert. Die praktische Umsetzung bleibt abzuwarten. Einige Pilotprojekte weisen den Weg. (Kontaktanschriften) 1 Langfristige Ausbaupläne, Investitionen und Förderprogramme für regenerative Energieträger Vietnams staatlicher Strommasterplan sieht eine Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energieträger (EE: Kleinwasserkraft, Biomasse, Wind, Solar) an der Stromerzeugung von derzeit etwa 3,0 auf 4,5% bis 2020 vor. Die Schwerpunkte der künftigen Förderung liegen dabei auf Windkraft und Biomasse: Die Zielvorgaben für die Kapazitäten betragen bis 2020 rund 1.000 MW beziehungsweise 500 MW. Für Energiepolitik ist in der Regierung das Wirtschaftsministerium (Ministry of Industry and Trade; MOIT) zuständig. Das Forschungsinstitut Institute for Energy überarbeitet derzeit den 7. Strommasterplan des MOIT (Laufzeit 2010 bis 2020) und wird Ende 2014 eine neue Version vorlegen. Die Zielvorgaben im EE-Sektor bleiben wahrscheinlich erhalten. Die Projektfristen bei konventionellen Energieträgern müssen dagegen verlängert werden. Energiedaten Vietnam 2012 1) 2020 2) Stromverbrauch (TWh) 105.4 k.A. Land-, Forstwirtschaft, Fischerei 1.4 k.A. Industry und Bauwesen (%) 52.5 k.A. Handel und Dienstleistungen (%) 4.7 k.A. Haushalt (%) 36.4 k.A. Sonstige (%) 4.9 k.A. Wachstum des Stromverbrauchs (%) 11.0 9.2 3)
  2. 2. 2 Stromproduktion (TWh) 120.0 225.2 Khole/Öl/Gas (%) 53.8 72.4 Atomkraft (%) 0.0 0 Wasserkraft (%) 43.9 27.6 Biomasse, Kleinwasserkraft (%) 2.9 k.A. Wind, solar (%) 0.1 k.A. Wachstum der Stromproduktion (%) 11.2 8.8 3) Stromerzeugungskapazität (GW) 26.5 52.6 Kohle/Öl/Gas (%) 52.0 69.3 Atomkraft (%) 0 0 Wasserkraft (%) 47.8 30.7 Erneubare Energie (Wind, Solar, %) 0.2 k.A. Stromimport (TWh) 2.7 k.A. Stromexport (TWh) 1.2 k.A. Blackouts (Anzahl 2013) Haushalte: 27 Betriebe: 32 k.A. Übertragungsverluste (% der Produktion) 10 k.A. CO2-Emissions (Mio. t, 2010) 130.5 k.A. 1) Einschätzung, 2) Prognose, 3) Durschnittliches Wachstum 2013 bis 2020 Quelle:EVN, Institute for Energy, BMI Wind Detaillierte Messungen der Windpotenziale an einzelnen Standorten erfolgen derzeit und sollen in einem Windatlas im Rahmen des "Energy Sector Management Assistance Program (ESMAP)" der Weltbank gesammelt und veröffentlicht werden. Als besonders geeignet für die Erzeugung
  3. 3. 3 von Strom aus Windenergie gelten die Gebiete entlang der rund 3.300 km langen Küste sowie teilweise Standorte im Hochland. Seit 2011 gilt ein Tarif für die Abnahme von Windenergiestrom in Höhe von umgerechnet 7,8 USCent je kWh. Die EVN entrichtet ihn an Windmühlenbetreiber. Diesen Tarif betrachten Investoren als zu niedrig und schlagen rund 14 Cent vor. Die Regierung erwägt eine Erhöhung der Vergütung, welche dem Sektor einen kräftigen Schub geben könnte. Vietnams Behörden haben seit 2011 eigentlich 42 Windenergieprojekte mit Kapazitäten von jeweils 6 bis 150 MW Leistung genehmigt. Umgesetzt wurden bislang die Parks Binh Thuan (30 MW; Anlagen von Fuhrländer), Bac Lieu (16 MW; Anlagen von GE, Ausbau auf 100 MW geplant), Phu Quy (6 MW; Vestas) und Bach Long Vi (1 MW; Made). Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert derzeit den Windpark Phu Lac mit 35 Mio. Euro, in dem in der ersten Phase Windturbinen mit einer Kapazität von 24 MW entstehen sollen. Die Ausschreibung für die Planung, Beschaffung, Lieferung und den schlüsselfertigen Bau des Windparks wurde im Januar 2014 initiiert. Wasser Die Wasserkraft ist bisher wichtigster Energieträger des vietnamesischen Stromsektors. Wasserkraftwerke lieferten 2013 nach Schätzung von Business Monitor International (BMI) 40 TWh und nach Angaben des Institute for Energy 53 TWh, das heißt 32 beziehungsweise 43% des Elektrizitätsvolumens. BMI erwartet, dass sich die Produktion bis 2020 auf 61 TWh erhöht und der Anteil auf 27% fällt. Die Potenziale für Großwasserkraftwerke sind nach Ansicht von Fachleuten ausgeschöpft. Neue Großprojekte befinden sich daher nicht in der Pipeline. Auch bei Kleinwasserkraftwerken (jeweils unter 30 MW) findet ein Umdenken statt. Insgesamt sollen 319 Kleinwasserkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 3.443 MW beantragt worden sein. Gebaut wurden bisher 42 Anlagen mit einer Kapazität von 278 MW. Zulassungsstellen prüfen derzeit die übrigen Vorhaben erneut hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Die Provinzen haben einigen zu langsam verlaufenden Projekten bereits die Genehmigungen entzogen. Pumpspeicherkraftwerke wurden noch nicht errichtet. Insbesondere in Südvietnam, wo Stromangebot und -nachfrage nicht im Gleichgewicht sind, könnte die Speichertechnik wichtige Beiträge zur Regelung des Netzes und gleichmäßigeren Auslastung leisten. Nach Angaben des Institute for Energy und des Strommasterplans liegen drei Projektideen für Südvietnam und zwei für Nordvietnam vor. Pumpspeicherkraftwerke sollen bis 2020 eine Gesamtkapazität von 1.800 MW und bis 2030 eine Kapazität von 5.700 MW erreichen. Solar Vietnam verfügt über gute Bedingungen zum Einsatz von Photovoltaik (PV). Dies gilt insbesondere für die südlichen Landesteile. Das Renewable Energy Research Center (RERC) an der University of Technology in Hanoi ermittelte, dass die Sonne im Norden im Schnitt rund 4 kWh pro qm und Tag an Energie liefern kann. Im Süden ließen sich täglich durchschnittlich 5
  4. 4. 4 kWh/qm nutzen. Auch ist die Sonnenscheindauer bei 150 kcal/qm im Süden mit 2.000 bis 2.600 Stunden jährlich höher als im Norden (1.600 bis 2.200 Stunden). PV-Anlagen wurden bisher hauptsächlich "off-grid" installiert. Als weitere Standorte kommen unter anderem die zahlreichen Inseln entlang der Küste in Frage. Die Kapazität an netzunabhängigen und -angebundenen Anlagen schätzen Fachleute auf 4 bis 5 MWp. Allein das Center for Renewable Energy und das Solarlab der Vietnam Academy of Science Technology in Ho-Chi-Minh-City haben im Auftrag von Kommunen und Entwicklungsorganisationen ungefähr 100 netzunabhängige PV-Projekte bauen lassen. In der Regel handelt es sich um Hybrid-Systeme (das heißt PV gekoppelt mit Diesel-, Windkraft- oder Wasserkraftgeneratoren). Die Solarzellen stammen meist aus der VR China oder Japan. Als Geberländer engagierten sich im PV-Sektor bisher unter anderem Japan, Schweden, Frankreich, Spanien, die USA, Korea (Rep.) und Deutschland. Gebaut wurden Anlagen für Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Gebäude oder öffentliche Batterieladestationen. Als Auftraggeber treten auch Betreiber von Ferienanlagen und Industrieunternehmen auf. Bei den Standorten für weitere netzunabhängige Solaranlagen kommen die zahlreichen Inseln entlang der Küste in Frage. Auftraggeber sind Ferienanlagen, Industrieunternehmen oder die örtlichen Verwaltungen. Im Bereich Solarthermie gelang ein Durchbruch. Die Käufer von Solaranlagen für Warmwasser sparen Kosten und sind bei Stromausfällen unabhängiger. Biogas/Biomasse In der zunehmend intensiven Land- und Forstwirtschaft fallen immer größere Mengen an verwertbarer Biomasse an. Die größten Möglichkeiten der energetischen Nutzung liegen bei Reisstroh (40 Mio. t/Jahr), Reishülsen (8 Mio. t) und Bagasse (8 Mio. t, Überreste der Zuckerfabrikation). Die großen Reisanbaugebiete liegen im südvietnamesischen Mekong-Delta und im Delta des Roten Flusses in Nordvietnam. Erste Projekte der Stromerzeugung aus Reishülsen gibt es in den Provinzen Can Tho und An Giang. Etwa 40 Zuckerfabriken sollen Lizenzen für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von 150 MW halten. Weitere sind geplant. Am 10.5.14 tritt eine "Decision on the support mechanism for the development of biomass power projects in Vietnam" (Nr. 24/ 2014/QĐ-TTg) in Kraft. Sie sieht einen Einspeisetarif für die Stromerzeugung aus fester Biomasse, wie Bagasse, Reis- oder Holzabfälle, von 5,8 US-Cent je kWh mit einer Laufzeit von 20 Jahren vor. Die Vergütung gilt, allerdings nur für Anlagen, die Kraft-Wärme-Kopplung verwenden, das heißt Strom und Wärme produzieren. Alle anderen Anlagen erhalten eine Einspeisevergütung basierend auf den "vermiedenen Kosten", welche durch die Produktion einer Kilowatt-Stunde Strom durch importierte Kohle entstanden wären. Dieser Tarif wird jährlich neu berechnet werden. Darüber hinaus will die Regierung noch 2014 weitere Tarife für Strom aus Abfall und Biogas einführen. Mülldeponien, die Nutztierhaltung und landwirtschaftliche Abfälle verfügen zusammen über ein Potenzial zur Produktion von 10 Mrd. cbm Biogas. Die Landwirte setzen Biogas bereits im
  5. 5. 5 Haushalt für den Eigenverbrauch (zum Beispiel zum Kochen) ein. Mit Unterstützung von Entwicklungsgeldern sollen 220.000 Kleinbiogasanlagen installiert worden sein, die umgerechnet nur 500 bis 700 US$ kosten. Geothermie Vietnam verfügt auch über Potenziale zur Nutzung von Geothermie, insbesondere in Zentralvietnam. Bislang wurden jedoch noch keine Geothermiekraftwerke gebaut. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gibt es 300 Quellen mit Wassertemperaturen von über 30 Grad. Davon weisen 45 Quellen Temperaturen von über 60 Grad auf. Eine genauere Untersuchung der Erdwärme ist noch nötig. 2 Langfristige Ausbaupläne, Investitionen und Förderprogramme für konventionelle Energieträger Die Stromerzeugungskapazität betrug in Vietnam laut EVN 2013 rund 26,7 GW. Die tatsächliche Abgabemenge lag bei maximal 20,4 GW, die auf einen Spitzenbedarf von 18,6 GW traf. Insbesondere im Süden des Landes sind Angebot und Bedarf nicht im Gleichgewicht. Landesweit kommt es immer wieder zu Stromausfällen, weil die Nachfrage nach Elektrizität etwa doppelt so stark zulegt wie das Bruttoinlandsprodukt. 2 Long-term plans for expansion, investment and support for conventional energy sources The power generation capacity in Vietnam was according to EVN in 2013 about 26.7 GW. The actual amount was more than 20.4 GW, which met a peak demand of 18.6 GW. Especially in the south of the country the supply and demand are out of balance. Nationally there’s always power outages, because the demand for electricity is about twice as much as the gross domestic product. Der Ausbau der Erzeugungskapazitäten und Übertragungsnetze hat daher hohe Priorität, kommt aber nicht so schnell voran wie geplant. Gemäß dem 7. Energiemasterplan aus dem Jahr 2011 sollten bis 2020 die Kapazitäten von 25 auf 75 GW verdreifacht werden. Der Plan listet alle auszuführenden Kraftwerksprojekte auf. Indes erfordert der Verzug bei vielen Vorhaben seine Revision. Kohle Am 11.12.13 veröffentlichte der Premierminister mit der Entscheidung "2414/QD-TTg" eine überarbeitete Liste von Projekten, die zwischen 2013 und 2020 in Betrieb zu nehmen sind. Es handelt sich um Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von etwa 35 GW. Als dringliche Vorhaben nennt die Entscheidung Long Phu 1 (Investor: Petrovietnam, Bauauftrag an Power Machines, Russland), Vinh Tan 4 (Electricity of Viet Nam, Auftrag an Doosan, Korea/Rep.), die Erweiterung von Duyen Hai 3 (Electricity of Viet Nam, chinesisches Konsortium) und den Bau der 500-kV-Schaltstation Pleiku. Die Regierung hatte 2011 beschlossen, bis 2025 eigentlich insgesamt 90 neue Kohlekraftkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 106 GW zu errichten. Die Finanzierung, ausreichende Versorgung mit Kohle, Erschließung der Standorte und andere Faktoren verzögern indes die damals genannten Projekte. Einige nehmen aber durchaus Gestalt an.
  6. 6. 6 Die finanziell angeschlagenen heimischen Investoren in Kohlekraftwerke EVN, Petrovietnam und Vinacomin sind auf Kredite angewiesen. Die Gelder fließen meist aus Japan, der VR China und Korea (Rep.). In der Regel kommen dann auch Baufirmen und Ausrüstungslieferanten aus dem jeweiligen Geberland zum Zuge. Deutsche Spezialkomponenten werden in Ausnahmefällen eingesetzt. Auch Samsung aus Korea (Rep.), Sembcorp (Singapur), Sumitomo (Japan) und Jaks Resources (Malaysia) haben Interesse an Investitionen in vietnamesische Kohlekraftwerke bekundet. Ihre Betreibermodell-Projekte verzögern sich allerdings aufgrund langwieriger Verhandlungen über die Konditionen und wegen Finanzierungsproblemen. Die Effizienz der mit Kohle befeuerten Anlagen liegt in Vietnam nach Pressemeldungen nur zwischen 28 und 30%. Moderne Kohlekraftwerke können Wirkungsgrade von 40 bis 45% erreichen. Für die lokal geringen Wirkungsgrade machen Experten sowohl die technischen Ausrüstungen als auch die schlechte Qualität der heimischen Kohle verantwortlich. Die Hartkohlereserven des südostasiatischen Landes betragen ungefähr 3.116 Mio. t. Die tatsächliche Kohleförderung wird aber nicht ausreichen, um die Nachfrage der Kraftwerksbetreiber zu decken. Der Staatskonzern Vinacomin förderte 2013 etwa 42,6 Mio. t. Ein Teil davon wird zu subventionierten Preisen an die Kraftwerksbetreiber verkauft. Ab dem Jahr 2015 muss Vietnam für den Kraftwerkssektor ungefähr 6 Mio. t Kohle importieren, meint das Wirtschaftsministerium. Petrovietnam hat bereits Lieferverträge mit Indonesien abgeschlossen. Erdgas Vietnams Gasreserven beliefen sich nach zuletzt verfügbaren Angaben 2012 auf etwa 617 Mrd. cbm. In Südvietnam, wo die größten Vorräte liegen, entstanden bisher die Gaskraftwerke Phu My (4.000 MW), Nhon Trach (1.500 MW) und Ca Mau (1.500 MW), die von einer gemeinsamen Gasleitung versorgt werden. Den Baubeginn von neuen Gaskraftwerken hat die Regierung auf die Zeit nach 2020 verschoben. Grund sind schwierige Preisverhandlungen mit ausländischen Investoren bei Förderprojekten. Im Jahr 2009 begannen zwar offiziell die Arbeiten eines Konsortiums, bestehend aus Petrovietnam und Chevron, zur Förderung von Gas in den Blöcken B und 48/95 im Golf von Thailand. Im Februar 2014 kündigte Chevron jedoch an, dass es seinen Anteil an dem Projekt veräußern möchte, weil der Konzern sich nicht mit Petrovietnam über einen Abnahmepreis einigen konnte. Das Gas soll über eine 400 km lange Leitung (davon 246 km offshore, Kosten circa 1 Mrd. US$) zu den geplanten Kraftwerkskomplexen in O Mon in der Nähe der Stadt Can Tho mit einer geplanten Gesamtkapazität von 2.800 MW transportiert werden. Die Kraftwerke O Mon 1 (660 MW) und O Mon 2 sind bereits in Betrieb und setzen wegen der fehlenden Gasversorgung Heizöl als Brennstoff ein. Der Bau einer zweiten Turbine in O Mon 2 (330 MW) begann im September 2012. Dieses Projekt finanziert Japan; es wird von den Baufirmen Sojitz (Japan) und Daelim (Korea, Rep.) ausgeführt. Das Kraftwerk O Mon 4 mit einer Leistung von ca. 750 MW wollen die KfW-Entwicklungsbank und die Asian Development Bank (ADB) finanzieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf
  7. 7. 7 geschätzte 666 Mio. Euro. Wegen der ungesicherten Gasversorgung wurde ein Bauauftrag allerdings noch nicht erteilt. Petrovietnam und Exxon Mobil erklärten im März 2014, dass sie 87 km vor der Küste Zentralvietnams eine neue Gaslagerstätte entdeckt hätten. Diese soll nach ersten Plänen Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 6.000 bis 6.500 MW versorgen können. Die Konzerne prüfen derzeit die Machbarkeit des 20 Mrd. US$ teuren Großvorhabens. Atomkraft Die ersten Ideen zur Nutzung der Atomkraft stammen aus dem Jahr 1995. Vietnams Nationalversammlung verabschiedete 2008 ein Atomenergiegesetz (Nummer 18/2008/QH12), das in- und ausländische Investitionen in dem Sektor regelt. Ein Masterplan zur Entwicklung der Kernenergie wurde 2010 mit "Decision 906/2010/TTg" veröffentlicht. Er sieht bis 2030 den Bau von insgesamt 13 Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von 15 GW vor. Über die Umsetzung der Baupläne entscheidet der Premierminister noch. Im Jahr 2011 unterzeichnete Vietnam mit der russischen Rosatom einen Vertrag über den Bau des 2.000-MW-Kernkraftwerkes Ninh Thuan 1. Japan soll das Atomkraftwerk Ninh Thuan 2 liefern. Vietnam vereinbarte 2012 mit Korea (Rep.), die Machbarkeit zusätzlicher Reaktoren zu untersuchen. Experten sehen jedoch noch keine ausreichenden Rahmenbedingungen zum Betrieb von Kernkraftwerken gegeben. Anfang 2014 meldete die Presse, dass die Vorhaben aus Sicherheitsgründen aufgeschoben würden. 3 Langfristige Ausbaupläne für Übertragungsnetze Verteilnetze Tochtergesellschaften der National Power Transmission Corporation (NPT), die wiederum zur EVN gehört, betreiben das gesamte Stromübertragungsnetz des Landes. Das 220-kV Höchstspannungsnetz der NPT umfasste 2012 etwa 10.828 km, das bis 2020 auf eine Länge von 26.770 km erweitert werden soll. Der 7. Strommasterplan sieht außerdem den Ausbau des 500- kV-Netzes von 4.847 km auf 12.691 km Länge vor. Außerdem sollen von 2011 bis 2020 genau 362 Transformatoren ausgetauscht oder neu beschafft werden. 3 Long-term expansion plans for transmission networks Die neuen Netze sollen auch die derzeitigen Übertragungsverluste minimieren. Diese liegen nach Angaben der EVN im Landesdurchschnitt bei 10%. Die Verluste im Höchstspannungsnetz dürften etwa 2,3% betragen. Der geplante Ausbau des Übertragungsnetzes würde von 2011 bis 2020 ungefähr 10 Mrd. US$ kosten. Internationale Entwicklungsorganisationen und Geschäftsbanken sollen den Großteil finanzieren. Das Investitionstempo hängt also von der Finanzierungsbereitschaft externer Kapitalgeber ab. Die ADB unterstützt den Ausbau der Stromübertragung im Rahmen ihrer Multitranche Financing Facility (730 Mio. $ Gesamtvolumen in drei Tranchen). Die deutsche Kfw plant im
  8. 8. 8 Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit die Finanzierung des Ausbaus und die Verbesserung der Stromübertragung, unter anderem im Rahmen eines Vorhabens in Höhe von 160 Mio. Euro in Kofinanzierung der Multitranche Financing Facility der ADB. Die Weltbank unterstützt den Ausbau des Hochspannungsnetzes mit ungefähr 300 Mio. US$. Japan setzt landesweit ein "Power Transmission and Distribution Network Development Project" um. Die NPT und die Hanoi Joint Stock Commercial Bank unterzeichneten im Dezember 2013 einen Kreditvertrag über 554,5 Mrd. Dong (knapp 20 Mio. Euro; 1 Euro = circa 29.000 Dong), mit dem Vorhaben im Stromübertragungsbereich finanziert werden. Fünf regionale Netzbetreiber der EVN-Gruppe sind für die Verteilung des Stroms unter 110 kV zuständig. Sie betreiben auch einige 220-kV-Leitungen. Die Hanoi Power Corporation (EVN Hanoi) und die Ho Chi Minh City Power Corporation (EVN HCMC) verfügen über die größten Netze. Die KfW finanziert im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit zwei Vorhaben in Höhe von insgesamt 240 Mio. Euro zur Rehabilitierung stark verlustbringender Mittel- und Niederspannungsnetze in ländlichen Regionen Vietnams. Ein in Vorbereitung befindliches Neuvorhaben erweitert den Ansatz im städtischen Bereich (100 Mio. Euro, Kooperation mit der ADB). Das entsprechende Vorhaben der ADB "Hanoi and Ho Chi Minh City Power Grid Development Sector Project" sieht zwischen 2014 und 2016 Investitionen von 342 Mio. US$ in die 220-kV- und 110-kV-Netze in beiden Städten vor. Die Weltbank stellte 2012 einen 448,9-Mio.-$-Kredit für ein "Distribution Efficiency Project" zur Verfügung, weitere 313 Mio. $ möchte Vietnam beisteuern. Im Jahr 2014 werden mehrere Beratungsleistungen und Beschaffungen international ausgeschrieben. Das Vorhaben wird bis 2018 laufen. Intelligente Stromnetze (Smart Grids / Smart Metering) Die Electricity Regulatory Authority of Vietnam meint, das Stromnetz des Landes sei veraltet, nicht synchronisiert, kaum automatisiert und die Steuerungstechnik unzureichend. Die Behörde, die zum Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums gehört, betreut seit 2012 ein Smart-Grid- Programm, das in der ersten Phase bis 2016 Pilotprojekte sowie die Formulierung von entsprechenden Rahmenvereinbarungen und Standards vorsieht. Auch die EVN verfolgt einen Smart-Grid-Plan, dessen Umsetzung etwa 2 Mrd. $ kosten soll. Er sieht unter anderem die Beschaffung von Ausrüstungen für ein intelligentes Stromnetz vor. Entwicklungsfinanzierer wie Weltbank, ADB und KfW unterstützen im Rahmen ihrer laufenden und geplanten Programme im Bereich Stromübertragung und -verteilung auch die Einführung erster Smart-Grid-Komponenten. Kontaktanschriften: Institute for Energy Ansprechpartner: H. Nguyen Anh Tuan, stellvertretender Direktor 6 Ton That Tung, Hanoi Tel.: 0084 4/38 52 37 30, Fax: -38 53 93 02
  9. 9. 9 E-Mail: tuanna@ievn.com.vn, Internet: http://www.ievn.com.vn Ministry of Industry and Trade General Directory of Energy Ansprechpartner: H. Le Tuan Phong, stellvertretender Direktor 54 Hai Ba Trung, Hanoi Tel.: 0084 4/22 20 24-31, Fax: -32 E-Mail: phonglt@moit.gov.vn, Internet: http://www.moit.gov.vn GIZ Renewable Energy Project Ansprechpartner: H. Werner Kossmann, Chief Technical Advisor 85 Nguyen Du, Hanoi Tel.: 0084 4/39 41 26-05, Fax: -06 E-Mail: werner.kossmann@giz.de, Internet: http://www.windenergy.org.vn

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