Fasciitis plantaris – Symptom oder Ursache?
Retrospektiver Fallbericht (2004) zur Fasciitis plantaris und
ihrer Behandlung...
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und Wadenmuskeldehnung hatten seinen Zustand nicht verbes-
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Ungleichgewichte [17], die vermutlich mit zu den abweichen-
den Beinachsen führten.
Die Außenrotatoren/Abduktoren wurden g...
Tab. 1 Behandlungsprotokoll.
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Behandlung
Probleme und Ziele Interventionen Ergebnis
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lumborum und M. transversus abdominis) und des Ungleich-
gewichts der Muskulatur in den Hüftgelenken für Patienten mit
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Dehnübungen
Im Falle von Verkürzungen des M. tensor fasciae latae und
M. latissimus dorsi empfehlen sich Dehnübungen ([2];...
Weichteilmobilisation und Dehnung des M. latissimus dorsi
(●▶ Abb. 10)
Liegestützen und Dehnung der Zehenbeuger
Bei Lieges...
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Fasciitis plantaris

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Fasciitis plantaris

  1. 1. Fasciitis plantaris – Symptom oder Ursache? Retrospektiver Fallbericht (2004) zur Fasciitis plantaris und ihrer Behandlung, basierend auf ICS-Kriterien Plantar Fasciits – A Symptom or the Cause? Retrospective Case Study (2004) on Fasciitis Plantaris and Its Treatment Based on ICS Criteria Autor B. Carrière Institut Evergreen Physical Therapy Specialists Inc., Pasadena, USA Schlüsselwörter ●▶ Fasciitis plantaris ●▶ Symptom ●▶ Ursache Key words ●▶ Fasciitis plantaris ●▶ symptom ●▶ cause eingereicht 23.10.2008 akzeptiert 4.11.2008 Bibliografie DOI 10.1055/s-0028-1109395 Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ∙ New York ∙ ISSN 1433-2671 Korrespondenzadresse Beate Carrière 512 S. Euclid Ave No 4 Pasadena, CA 91101 USA beatec@earthlink.net Einleitung ! Probleme beim Gehen, Laufen und Springen sind häufige Symptome einer Fasciitis plantaris. Die Beschwerden treten z.B. nach langen Wan- derungen oder dem Tragen neuer, noch nicht eingelaufener Schuhe auf. Weiterhin können veränderter Armschwung, mangelnde Mobilität im Hüftgelenk und biomechanische Fehlbelas- tungen der Beinachsen dazu führen, dass der Fuß anders auf dem Boden auftrifft. Patientendaten ! Name: J.B. Alter: 28 Jahre Beruf: Student Aktuelles Gewicht: 88 – 95 kg Größe: 1,77 m Hobbys: Spazierengehen, Wandern, Tanzen, Bas- ketball Sport: Basketball Diagnose: seit 2 Jahren bilaterale Fasciitis planta- ris Medikation: Tylenol, gelegentlich Ibuprofen, Vico- din Schmerzskala/VAS: 6 – 8/10, tagsüber und auch nachts, am Abend stärker Therapieziele des Patienten: wieder die Activities of Daily Living (ADL) und Hobbys ausüben können Kurzfristige Ziele: 1 Stunde lang ohne Schmerz- zunahme stehen können Langfristige Ziele: normales Gehen ohne Schmer- zen, Wiederaufnahme der Hobbys. Anamnese ! Der Patient gab an, dass er eines Morgens (etwa im Sommer 2002) mit Schmerzen im Fuß auf- wachte. Den Schmerzcharakter in seiner Fußsoh- le beschreibe er als scharf und manchmal auch dumpf, was ihn im Alltag sehr einschränkte. Zu- nächst nahm er eine ganze Reihe Medikamente ein, die neben der Schonung zur Schmerzlinde- rung beitrugen. Dem Patienten war es nicht möglich, länger als 1 Stunde ohne Schmerzen zu stehen. Spazierengehen und alle anderen Frei- zeitbeschäftigungen waren trotz Medikamenten- einnahme unmöglich. Der Patient hatte mehrere Fachärzte in Los Ange- les und Chicago konsultiert und lokale Behand- lungen einschließlich 4– 5 Kortikoidinjektionen erhalten. Verschiedene maßangefertigte Spezial- Zusammenfassung ! Fasciitis-plantaris-Beschwerden treten häufig nach einer ausgedehnten Wanderung, beim Tra- gen neuer Schuhe, verändertem Armschwung beim Gehen, fehlender Mobilität im Hüftgelenk oder biomechanischer Fehlbelastungen der Bein- achsen auf. Nach klinischer Erfahrung verbessert sich die Symptomatik, sobald das falsche Bewe- gungsmuster beim Gehen, die Muskellänge und die exzentrische Kontrolle der beteiligten Mus- kulatur wiederhergestellt sind. Abstract ! Faciitis plantaris symptoms often occur after excessive walking, wearing a new pair of shoes, altered arm swing, lack of hip joint mobility or inappropriate biomechanical leg axes stress. According to clinical experience symptoms im- prove once the faulty gaits’s motor program- ming, muscle length and the eccentric control of the involved muscles is restored. Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis76 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  2. 2. einlagen hatten nicht geholfen. Auch die Anleitungen zur Fuß- und Wadenmuskeldehnung hatten seinen Zustand nicht verbes- sert. Zusätzlich klagte der Patient über Kreuzschmerzen beim Gehen. Objektiver Befund und Clinical Reasoning ! Der Patient schien hochmotiviert, aber aufgrund seiner Unfä- higkeit, an seinem Zustand etwas zu ändern, gleichzeitig ent- mutigt und niedergeschlagen. Der andererseits aktive und gesunde junge Mann empfand seine Lebensqualität ohne Spa- zierengehen, Tanzen, Wandern oder Basketballspiel erheblich eingeschränkt. Aufgrund seines Unvermögens zu schmerzloser körperlicher Aktivität hatte er etwa 10 kg an Gewicht zuge- nommen. Hypothese Da alle vorherigen Behandlungen des Fußes erfolglos waren, muss die Untersuchung auch die Haltung/ Ausrichtung des Rumpfes und der Beinachsen sowie der beteiligten Muskulatur beim Gehen und Stehen miteinbeziehen. Haltung im Stehen Beide Unterschenkel waren nach außen, beide Oberschenkel nach medial rotiert. Der Kalkaneus war evertiert, der Vorfuß erschien „proniert“, bei korrekter Ausrichtung der Beinachsen von Unterschenkel und Füße jedoch supiniert, die weiterlau- fende Bewegung im Vorfuß nicht begrenzte [18]. Der „Gegenverschraubungsmechanismus“ des Fußes (Inversion des Rückfußes mit Pronation des Vorfußes [6] war gestört, was die Fascia plantaris stärker belastete. Die Funktionsachse des Fußes (●▶ Abb. 1, blaue fette Linie) war verkürzt und abwei- chend, sie verlief durch den Mittelfuß und nicht durch das Großzehengrundgelenk. Das Körpergewicht beim Gehen über den medialen Anteil des Kalkaneus und den Fuß belastete dadurch zusätzlich die Strukturen im Bereich des Längsgewöl- bes und die Plantarfaszie. An den Knöcheln unterhalb des Malleolus medialis fand sich eine leichte Schwellung (●▶ Abb. 2), deren vermutliche Ursache eine venöse Insuffizienz durch Fehlbelastung und Inaktivität war [10]. Sitzhaltung ▶ Kyphosierte LWS; ▶ Füße in außenrotierter Stellung. Clinical Reasoning Die Fehlbelastung kann zur Überlastung der Fascia plantaris und den Knöchelschwellungen geführt haben. Um auch die dorsalen Faszien zu mobilisieren und in die Behandlung miteinzubezie- hen, muss die Korrektur sowohl von den Hüftgelenken als auch von den Zehen aus ansetzen, wo der „Ausgangsbahnhof“ der Fascia plantaris liegt [14]. Die Schwellung am Fuß kann die Schmerzen im Stehen ver- stärkt haben, vor allem, weil der Patient den medialen Anteil des Kalkaneus und das Längsgewölbe belastet. Beim Springen werden die Schmerzen wahrscheinlich durch zusätzlich wirken- de Kräfte bei der Landung verstärkt. Die exzentrische Kontrolle des Beckens durch den M. latissimus dorsi und die richtige Muskellänge müssen wiederhergestellt werden, damit sich das Becken bei jedem Schritt in der Sagittal- von der Frontal- durch die Horizontalebene bewegen kann. Muskelkraft ! An den Innenrotatoren/Adduktoren (verspannt) und den Au- ßenrotatoren/Abduktoren (schwach) fanden sich muskuläre 11° Pronations-/Supinationsachse anatomische Längsachse des Fußes Inversions-/Eversionsachse funktionale Längsachse des Fußes veränderte Funktionsachse des Fußes beim Gehen Abb. 1 Veränderte Funktionsachse des Fußes beim Gehen (blaue fette Linie; nach [7, 18]). Abb. 2 Belastungspro- bleme bei veränderter funktionaler Längs- achse (Patient des Fallberichts). Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis 77 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  3. 3. Ungleichgewichte [17], die vermutlich mit zu den abweichen- den Beinachsen führten. Die Außenrotatoren/Abduktoren wurden grob mit dem Muskel- wert 4/5, die Innenrotatoren/Adduktoren mit 5/5 eingestuft. Insgesamt war mehr Muskelspannung als -schwäche nach- weisbar, und es zeigten sich Probleme bei der Stabilisierung des Rumpfes, insbesondere bei der Rekrutierung des M. trans- versus abdominis. Muskelspannung ! Neben der Unterschenkelmuskulatur und den Zehenbeugern (wurden in der Vergangenheit aufgrund der fehlerhaften Fuß- stellung nicht korrekt gedehnt) wies der Patient außerdem hohe Spannungen/Verkürzung an der Ischiokruralmuskulatur, am M. tensor fasciae latae, M. iliopsoas, M. rectus femoris sowie an den Außen- und Innenrotatoren auf. Eine deutliche Verspannung fand sich am M. latissmus dorsi und am M. quadratus lumborum. Range of Motion ! An den Sprunggelenken betrug die Dorsalflexion 0°, die Hüft- beugung reichte lediglich bis 100°. Clinical Reasoning Die Verspannung/Steifheit des M. iliopsoas und M. rectus femoris führt zu einer Anpassung, indem das Becken während des Gehens und Stehens nach vorne gekippt wird, was zu Kreuzschmerzen beiträgt, für die auch die fehlende Aktivie- rung des M. transversus abdominis beim Anheben des Beines während des Gehens verantwortlich sind. Die Verspannung des M. latissimus dorsi, der beim Gesunden zusammen mit dem M. quadratus lumborum als Stoßdämpfer wirkt [15], lässt den Patienten beim Gehen hart auf den Fersen landen und das reizt ebenfalls die Plantarfaszie. Ob mangelnde Bewegung zu Muskelverspannungen führt oder Fehlbelastungen beim Gehen zu Muskeldysbalancen oder beides zusammenwirkt, lässt sich nicht feststellen. Wichtig ist auf jeden Fall, ein gesundes biomechanisch korrektes Bewegungs- verhalten wiederherzustellen. Veränderte Muskelfunktion liegt nicht unbedingt ursächlich an der Muskulatur, sondern kann auch durch Gelenkdysfunktion verursacht werden [5]. Physiotherapeutische Behandlung ! ▶ Aufklärung des Patienten über die möglichen Zusammen- hänge zwischen seiner Haltung, Muskelverkürzungen, biome- chanischer Fehlstellung [15, 17, 18] von Gelenken und seinen Schmerzen in den Füßen und der LWS; ▶ Physikalische Therapie (z.B. kalter Laser, Ultraschall, Kalt- oder Wärmepackungen, heiße Rolle) und Hilfsmittel (z.B. Taping) zur Minderung der akuten Schmerzen [12]; ▶ Muskuläre Mobilisation und Dehnung der verkürzten Musku- latur und Faszien [2, 9, 14]; ▶ Instruktionen für Eigenübungen [3, 18], die der Patient teil- weise auch alleine als Heimprogramm durchführen kann; Physiotherapeutische Kurzziele (3 – 4 Wochen) ▶ Verständnis des Patienten über Zusammenhänge von Haltung, Beweglichkeit und gute biomechanische Belastung von Gelen- ken beim Gehen, Stehen und Sport sowie Fähigkeit zur Selbst- korrektur; ▶ Verringerung der akuten Schmerzen, Unabhängigkeit von Mo- dalitäten; Langzeitziele für den Patienten (4 – 8 Wochen) ▶ Selbstständigkeit bei Dehnung verkürzter Muskulatur; ▶ Selbstständigkeit bei der Durchführung von Heimübungen; ▶ Ohne Schmerzen in den Füßen oder der LWS spazierengehen und wandern können; ▶ Ohne Schmerzen Basketball spielen und Tanzen; ▶ Wiederherstellung eines gesunden Bewegungsverhaltens; Nach den insgesamt 15 Behandlungen von je 1 Stunde inner- halb von 2 Monaten wurden alle Behandlungsziele erreicht (●▶ Tab. 1). Follow-up Bei der Kontaktierung des Patienten im Februar 2008 hatte er mit einer 60-Stunden-Woche zu kämpfen, absolvierte jedoch noch 2 – 3-mal wöchentlich Yogaübungen. Nachdem er wieder wandern, tanzen und Basketball spielen konnte, hatte er 10 kg an Gewicht verloren. Er klagte nicht mehr über Beschwerden an der Plantarfaszie und im Rücken. Nach eigenen Aussagen hatte er während der Behandlung im Jahre 2004 verstanden, wie die Dinge in seinem Körper zu- sammenhingen und wie wichtig es für ihn ist, seinen Körper beweglich und in guter Form zu halten. Schlussfolgerungen ! Für Physiotherapeuten ist es ein Geschenk, Patienten zu haben, von denen sie ebenso viel lernen können wie umgekehrt. Wenn ein Patient Probleme beim Gehen, Laufen und Springen hat, ist die Fasciitis plantaris ein Symptom und nicht die Ur- sache. Häufig setzen die Beschwerden nach einer ausgedehn- ten Wanderung oder nach dem Tragen neuer Schuhe ein. So- gar ein veränderter Armschwung ebenso wie eine veränderte Mobilität in einem oder beiden Hüftgelenken und biomecha- nische Fehlbelastungen der Beinachsen können dazu führen, dass der Fuß anders auf den Boden auftrifft. Wie bei diesem und anderen Patienten geschehen, verbessert sich nach meiner klinischen Erfahrung die Symptomatik der Fasciitis plantaris, sobald das falsche Bewegungsmuster beim Gehen und die Muskellänge und die exzentrische Kontrolle der beteiligten Muskulatur einschließlich der Rumpfmuskula- tur wiederhergestellt sind. Ich möchte meine orthopädischen Kollegen dazu ermuntern, dieser Hypothese forschend nachzugehen. Ein Mangel an bis- heriger fehlender Evidenz kann auch bedeuten, dass noch nicht danach gesucht wurde. Mithilfe von Fragebogen sollten Physiotherapeuten nach mög- lichen Einflussfaktoren forschen, andernfalls sind sie nutzlos. Trotz konventioneller Behandlung (Modalitäten, Dehnung der Plantarfaszie und Wadenmuskulatur) litt der 28-jährige Patient 2 Jahre lang, bevor er nach einer 2-monatigen intensiven ganz- heitlichen Behandlung schmerzfrei war. Nachdem ich die Bedeutung der Untersuchung der Hüft- und Rumpfmuskulatur (besonders M. latissimus dorsi, M. quadratus Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis78 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  4. 4. Tab. 1 Behandlungsprotokoll. Datum der Behandlung Probleme und Ziele Interventionen Ergebnis 15.06.04 18.06.04 05.07.04 Probleme: – Knöchelschwellung – verminderte sensorische Wahrneh- mung der biomechanisch korrek- ten Haltung und der Belastung des Fußes – Verspannungen der Hauptmusku- latur für Gehen und Springen Ziele: – Verringerung der Schwellung – verbesserte Wahrnehmung für biomechanisch korrekten Gang und korrekte Haltung [15, 18] – Aufklärung über erforderlichen ganzheitliche- ren Ansatz gegenüber der Fasciitis plantaris – Anleitung zur korrekten Dehnung der Unter- schenkelmuskulatur und Zehenbeuger in korrigierter Einstellung der Unterschenkel- und Fußachsen – Mobilisation mit Bewegung (MWM, [13] der Hüften, funktionelle Dehnung der Hamstrings, des M. rectus femoris sowie der Außen- und Innenrotatoren – sensorisches Alignment-Training im Sitzen, beim Wechsel vom Sitzen zum Stehen und beim Gehen – Anleitung zur Selbstmobilisation des Vorfußes in die Pronation zur Verringerung der Mittelfuß- pronation – Kaltlicht-Laser-Behandlung der Fascia plantaris zur Linderung der akuten Schmerzen – Anleitung zum Anlegen eines Kinesiotapes an der Fascia plantaris – Patient: „Mir war nicht bewusst, wie verspannt ich war und ich sehe jetzt, wie das alles zusammenhängt“ – Patient konnte das erlernte Heim- programm für seine Urlaubszeit umsetzen. Er gab an, sich nach jeder der 3 Behandlungen viel besser gefühlt zu haben, doch hätte der Fersen- schmerz von der Dauer des Stehens und Gehens abgehangen 09.07.04 13.07.04 16.07.04 Probleme: – weiterhin beträchtliche Verspan- nung der gesamten Bein- und Rumpfmuskulatur – kein permanentes Bewusstsein für achsengerechtes Bewegungsver- halten Ziele: – Unabhängigkeit durch ein Heim- programm zur Korrektur der Hal- tung und des biomechanischen Alignments von Fuß und Rumpf – Übungsmöglichkeiten zur Verbes- serung des Gehens – Weichteilmobilisation – Dehnung der Mm. latissimus dorsi und quadratus lumborum, iliopsoas und rectus femoris, gluta- eus maximus, tensor fasciae latae (TFL), Ischio- krural- (Hamstrings) sowie Wadenmuskeln [9] – exzentrisches Wadenmuskeltraining – Übungen zur Beckenhebung und -absenkung (konzentrische und exzentrische Übungen für M. latissimus dorsi und M. quadratus lumborum – Sprungübungen als Vorbereitung zum schnellen Gehen und Springen (Prejumping exercises) – Heimprogramm zum Dehnen von Zehenbeu- gern, Wadenmuskeln, TFL, Ischiokruralmusku- latur – Modalitäten und Tapen nur noch gelegentlich nach Bedarf bei akuten Beschwerden – Patient konnte wieder etwas Basketball spielen – er fühlte sich beim Spazierengehen weniger steif, und ein Wechsel des Schuhwerks war hilfreich – beim Gehen mit Holzschuhen nahmen die Schmerzen zu, verschwanden jedoch in Ruhe wieder – erstmalig blieben die Schmerzen nicht die ganze Nacht über, und die Schmerzintensität nahm insgesamt ab – er hat bessere Wahrnehmung von guter Einstellung der Beinachsen und Füße – er fühlte sich größer (bessere Haltung) und durch die Fortschritte ermutigt 20.07.04 22.07.04 27.07.04 Probleme: – immer noch etwas Verspannung der gesamten Unterschenkelmus- kulatur und der Zehenbeuger – leichte Verzerrung am rechten Hüftbeuger beim Basketballspielen Ziele: Möglichkeit zur Korrektur der exzentrischen Aktivität des M. la- tissimus dorsi beim Gehen und Wandern bei guter Beinachsenbe- lastung und Verbesserung der Län- ge der Unterschenkelmuskulatur – Betonung der Entspannung von M. soleus, M. gastrocnemius und der Zehenbeuger – funktionelle Dehnung und Weichteilmobilisa- tion [9] der genannten Muskeln einschließlich der rechten Hüftbeuger und –strecker – Kaltlicht-Laser-Behandlung – Gehtraining und funktionelle Vorsprungübun- gen (Federball, Pinguin, manipulierte Schritt- auslösung, Treppensteigen [3] – Kontrolle und Anpassung des Heimprogramms – Patient ist froh über die Fortschritte und gibt an, nur noch selten Ibuprofen zu nehmen – Schmerzen haben stark abgenommen und verschwinden in Ruhe – er spielt wieder Basketball und kann problemlos gerade sitzen – Wahrnehmung für den korrekten Gang hat zugenommen, und er fühlt sich weniger verspannt 29.07.04 03.08.04 06.08.04 10.08.04 Probleme: – immer noch leichte Schmerzen an der medialen Ferse nach erhöhter Aktivität (mehr Basketballspielen) Ziele: – Unabhängigkeit durch Anpassung des Heimprogramms und Schmerzlosigkeit nach Aktivitäten – Vorbereitung der Entlassung aus der Behandlung – kein Tapen mehr erforderlich – nur gelegentliche Kaltlicht-Laser-Behandlung bei leichten Beschwerden an der Plantarfaszie – Gangkontrolle und –korrektur – Mobilisation der BWS und Rippen – Dehnung der Rumpf- und Beinmuskulatur – Übungen mit dem Gymnastikball zur Mobilisa- tion und Dehnung der verspannten Muskulatur [1, 8] – Patient: „Ich weiß jetzt, dass die Schmerzen wieder verschwinden werden – er passt seinen Lebensstil an, absolviert täglich Dehnübungen und fühlt sich so gut wie lange nicht mehr – für den Behandler ist die Dehnung und Mobilisation der ehemals so verhärte- ten Muskulatur viel einfacher 13.08.04 Entlassung – alle Ziele wurden erreicht – Patient ist schmerzfrei und kann wieder alle Freizeitaktivitäten auf- nehmen – er wurde angehalten, sich im Bedarfsfall zur Feinabstimmung des Heimprogramms wieder einzufin- den – Kontrolle des Heimprogramms– Empfehlung von Yogaübungen zur Erhaltung der Flexibilität – Patient: „Ich fühle mich sehr gut und kann zum ersten Mal seit Jahren meine Zehen mit den Händen erreichen. Ich werde das Heimprogramm fortsetzen“ – Patient kehrte am 16.9.04 und am 23.09.04 zur Feinabstimmung des Trainingsprogramms zurück: er konnte nun im Langsitz seine Zehen erreichen Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis 79 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  5. 5. lumborum und M. transversus abdominis) und des Ungleich- gewichts der Muskulatur in den Hüftgelenken für Patienten mit Fasciitis plantaris erkannt hatte, nahm ich diese Muskeln mit in meine Befunde und Behandlung bei anderen Patienten mit Fas- ciitis plantaris und Fersensporn auf. Ich erzielte bei diesen Krankheitsbildern ausgezeichnete Resultate. Vielleicht führt eine breitere Sicht auf Muskelketten und myofasziale Verbin- dungen manchen Behandler zu einem besseren Verständnis die- ses Problems. Beispiele zur Beurteilung des Alignments an der unteren Extremität und Übungen ! ▶ Die Verkürzung des M. tensor fasciae latae abduziert das Bein und trägt zur Außenrotation des Unterschenkels, zum schlech- teren Alignment und zur Veränderung der funktionalen Fuß- achse bei (●▶ Abb. 3a u. b). ▶ Innenrotation des rechten Ober- und Unterschenkels im Ein- beinstand (häufig in Kombination mit erhöhter Beckenflexion in den Hüftgelenken und Divergenz der Fußlängsachse nach lateral;●▶ Abb. 4a). ▶ Versuch der Korrektur durch Außenrotation des Oberschen- kels und Innenrotation des Unterschenkels im Kniegelenk und nach vorne gerichteter Fußlängsachse (●▶ Abb. 4b). Test und Therapie Bei Patienten mit Fasciitis plantaris gibt es zahlreiche geeig- nete Dehnübungen für die Muskeln und Sehnen. Zusätzlich müssen die korrekte Biomechanik des Ganges und ein ausge- wogenes Muskelgleichgewicht wiederhergestellt werden. Der Schlüssel dazu sind sehr präzise Beobachtungen und punkt- genaue Übungen [2, 3, 7–9, 11, 13, 14, 18]. Supination des Fußes und Rotationen im Hüftgelenk Der Patient liegt auf der Seite und soll das obere Bein beugen, außenrotieren und den Fuß vor das untere Knie auf den Boden setzen. Bei gestörtem Alignment und asymmetrischer Hüft- rotation neigt der Fuß dann zur Supination (mit oder ohne Schuhe; ●▶ Abb.5). Bei gutem Alignment des Fußes und verbes- sertem Gleichgewicht zwischen den Innen- und Außenrotatoren des Hüftgelenks kann die korrekte Position eingenommen wer- den (●▶ Abb. 7; Patient gegen Ende der Behandlungsserie). Er sollte das Bein ohne Innenrotation des Knies senkrecht vom Bo- den abheben können. Infolge einer Verhärtung der Innenrotato- ren und einer möglichen Schwäche der Außenrotatoren kommt es zur Innenrotation der linken Hüfte (●▶ Abb. 5, 6). a b Abb. 4 a Innenrotation des rechten Ober- und Unterschenkels beim Ein- beinstand (häufig in Kombination mit erhöhter Beckenflexion in den Hüft- gelenken und Divergenz der Fußlängsachse nach lateral). b Versuch der Korrektur durch Außenrotation des Oberschenkels und Innenrotation des Unterschenkels im Kniegelenk und nach vorne gerichteter Fußlängsachse. Abb. 5 Supination des Fußes bei gestörtem Alignment und asym- metrischer Hüftrotation führt zur Innenrotation der linken Hüfte, sobald das Bein angehoben wird. a b Abb. 3 a, b Außenrotation des Unterschenkels, schlechteres Alignment und Veränderung der funktionalen Fußachse. Abb. 6 Korrekte Posi- tion: gutes Alignment und Gleichgewicht zwischen Innen- und Außenrotatoren des Hüftgelenks. Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis80 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  6. 6. Dehnübungen Im Falle von Verkürzungen des M. tensor fasciae latae und M. latissimus dorsi empfehlen sich Dehnübungen ([2]; ●▶ Abb.8). Hier dient das Gewicht des Oberkörpers dazu, das Becken in der senkrechten Position zu stabilisieren. Sofern kei- ne Kontraindikationen vorliegen, kann diese Eigendehnung auch zu Hause durchgeführt werden. Bei gesunden, aber steifen Personen ist die Überkopfdehnung der Hamstrings sehr effektiv (●▶ Abb.9a u. b). Dabei werden in Rückenlage zunächst beide Beine über den Kopf angehoben und anschließend ein Bein in einer rhythmischen Bewegung abgesenkt und das andere nach oben gezogen. Der Patient führt dann das untere Bein wieder nach oben. Der Behandler hält dieses fest, während der Patient das andere Bein federnd fallen lässt. Diese funktionale Mobilisation wird etwa 10-mal wiederholt. Sofern keine Kontraindikationen vorliegen, wird sie von den Patienten gut toleriert. Gewöhnlich kommt es nach der Mobilisation zu einer Verlän- gerung der Hamstrings von 3 – 7 cm. Die Übung mobilisiert auch den M. iliopsoas und die LWS. Wichtig ist, dass die Füße auf einem weichen Kissen oder einer Matte abgesetzt werden können. Der Behandler sollte mit der Technik vertraut sein (funktionelle Bewegunslehre Klein-Vogelbach [9]). Sie kann auch wertvolle Informationen über die Mobilität/Steifigkeit der Wirbelsäule liefern. Abb. 8 Dehnübungen [2] bei Verkürzung der Mm. tensor fasciae latae und latissimus dorsi. Abb. 9 a, b Überkopf- dehnung der Hamst- rings. Abb. 10 Weichteilmo- bilisation und Dehnung des M. latissimus dorsi. Abb. 11 Dehnung der Zehenbeuger im Liege- stütz. Abb. 12 Dehnung der Zehenbeuger in der Fer- senhocke. Abb. 13 Dehnung des M. gastrocnemius. Abb. 7 Verkürzung des M. tensor fasciae latae. Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis 81 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.
  7. 7. Weichteilmobilisation und Dehnung des M. latissimus dorsi (●▶ Abb. 10) Liegestützen und Dehnung der Zehenbeuger Bei Liegestützen muss die anteriore Muskelkette mit der Bauch- und Quadrizepsmuskulatur gegen die Schwerkraft arbeiten. Die Zehenbeuger lassen sich in dieser Position (●▶ Abb. 11) ebenso wie in der Fersenhocke mit gestreckten Zehen (●▶ Abb. 12) sehr gut dehnen. Dehnung des M. gastrocnemius (●▶ Abb. 13) Hierbei muss der Behandler auf die Dehungsrichtung achten. Der Fuß muss gut ausgerichtet und die funktionelle Fußachse von der Außenseite des Kalkaneus durch die Basis der großen Zehe nach vorne gerichtet sein (die Knie zeigen ebenfalls nach vorne-unten). Das Becken bewegt sich in ventrokaudaler Rich- tung bei Stabilisierung der LWS durch Anspannung des M. transversus abdominis (ohne Hohlkreuz in der LWS). Literatur 1 Carrière B. Der große Ball in der Physiotherapie. Heidelberg: Springer, 1999 2 Carrière B. Fitness for the pelvic floor. Stuttgart: Thieme, 2002 3 Eicke-Wieser K, Spirgi-Gantert I, Suppé B. FBL Klein-Vogelbach Functio- nal Kinetics: Therapeutische Übungen. Heidelberg: Springer, 2006; 5. Aufl 4 Hoepke K, Kantner M. Das Muskelspiel des Menschen. Stuttgart: G. Fi- scher, 1971; 6. Aufl 5 Horre T. Influence of Joint Dysfunction on Muscle Function. Manuelle Therapie 2008; 12: 60–71 6 Inman VT, Ralston HJ, Todd F. Human Walking. Baltimore: Williams & Wilkins, 1984 7 Klein-Vogelbach S. Gangschulung zur Funktionellen Bewegungslehre. Berlin: Springer, 1995 8 Klein-Vogelbach S, Bürge E. Funktionelle Bewegungslehre: Ballübungen. Heidelberg: Springer, 2003; 4. Aufl 9 Klein-Vogelbach S, Mohr G, Spirgi-Gantert I et al. Funktionelle Bewe- gungslehre: Behandlungstechniken: Hubfreie Mobilisation, Widerla- gernde Mobilisation, Mobilisierende Massage. Heidelberg: Springer, 2005 10 Lanz J, Wachsmuth W. Bein und Statik. Berlin: Springer, 1972 11 Larson CF. Füße in guten Händen. Stuttgart: Thieme, 2003 12 McPoil TG, Martin RRL, Cornwall MW et al. Heel Pain – Plantar Fasciitis: Clinical Practice Guidelines. J of Orthopaedic & Sports Physical Therapy 2008; 38: A1–A18 13 Mulligan BR. Manual Therapy: “Nags”, “Snags”,“MWMS” etc. Jackson- ville: RPT, 2004; 5th ed 14 Myers TW. Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen. München: Urban & Fischer b. Elsevier, 2004 15 Perry J. Gait Analysis. Thorofare: Slack, 1992 16 Plas F, Viel E, Blanc Y. La Marche Humaine. Paris: Masson, 1989 17 Powers CM. The role of abnormal lower extremity mechanics. Physio- therapy (Österreichischer Physio Verband) 2002; 1: 8–11 18 Suppé B, Spirgi-Gantert I, Suppé B. FBL Klein-Vogelbach Functional Ki- netics. Berlin: Springer, 2007; 6. Aufl 19 Whittle M. Gait Analysis. Oxford: Butterworth Heinemann, 1991 Carrière B. Fasciitis plantaris –… Manuelle Therapie 2009; 13: 76–82 aus der Praxis – für die Praxis82 Heruntergeladenvon:FHCampusWien.Urheberrechtlichgeschützt.

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