Dorn Methode

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Dorn Methode

  1. 1. Manuelle Medizin 2010 · 48:49–51 DOI 10.1007/s00337-010-0729-3 Online publiziert: 17. Februar 2010 © Springer-Verlag 2010 Hat die Dorn-Methode einen Platz in der manualmedizinischen Fachliteratur? Leserbriefe Leserbrief C. Beyerlein Physiotherapeut und Dipl.-Sportwissenschaftler, Ulm Sehr geehrter Herr Professor Beyer, ich bin ein regelmäßiger und inter- essierter Leser Ihrer Zeitschrift Manu- elle Medizin. Umso erstaunter, um ehr- lich zu sein, fast schon entsetzt war ich über die Ausgabe 47 vom Oktober 2009, insbesondere über die Veröffentlichung des Artikels „Die Dorn-Methode“. In der Zielsetzung Ihrer Zeitschrift heißt es im Unterpunkt Begutachtungsverfahren, ich zitiere: „Alle für Manuelle Medizin einge- reichten Manuskripte werden begutachtet. Originalien und Übersichten durchlaufen einen Peer-Review-Prozess.“ Ich frage mich ernsthaft, ob dieser Ar- tikel einen Peer-Review-Prozess durch- laufen hat? In diesem Fall wäre dem Au- tor gar kein Vorwurf zu machen. Dass die Dorn-Methode stark polarisiert, wissen Sie vermutlich genauso wie ich, dass Sie sich als etablierte Zeitschrift auf dieses Niveau herablassen, macht mich stutzig. Warum bin ich der Meinung, dass derar- tige Übersichten die medizinischen Be- rufsgruppen nicht weiterbringen? Wenn ein „Schlossbauer, der gelegentlich Men- schen und Tiere einrichtete“ den medizi- nischen Berufsgruppen als Vorbild dient, dann ist unser System in eine gewaltige Schieflage geraten. Die Medizin ist we- sentlich komplexer, als in diesem Arti- kel dargestellt. Es geht eben meist nicht nach dem Motto: „Was rausgeht, muss auch wieder reingehen“. Genau diese Pa- tienten konfrontieren uns dann in den Praxen damit und erwarten von uns, dass wir einen vermeintlich herausgesprun- genen Wirbel wieder an Ort und Stelle zurückschieben. Der Autor schreibt weiter: “… die Teil- nehmer seien hauptsächlich Laien oder Heilpraktiker.“ Wie kann es sein, dass ein Laie in einem medizinischen Beruf über- haupt tätig ist und Patienten behandelt? Wozu brauchen wir dann überhaupt ein Medizinstudium oder eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, wenn man Pa- tienten auch nach einem 2-Tage-Kurs be- handeln kann? Wie würden Sie sich als Arzt fühlen, wenn Sie eine Weiterbil- dung besuchen und neben Ihnen sitzt ein Schreiner oder Bäcker, der dann die glei- chen Techniken lernt wie Sie? Sie kön- nen nicht verhindern, dass Laien medi- zinische Kurse besuchen, aber Sie haben als wissenschaftliches Journal meines Er- achtens eine Verantwortung, Artikel kri- tisch zu begutachten, um dann ggf. eine Publikation zu verhindern. Das ist in die- sem Fall nicht geschehen. Auf S. 306 schreibt der Autor: “… zu- erst wird die Beinlängendifferenz ausge- glichen, danach werden das Becken und die Lendenwirbelsäule bis zur mittleren Brustwirbelsäule behandelt.“ Nicht ge- schildert wird, welche Art von Proble- men überhaupt vorliegen und ob die Beinlängendifferenz für das Problem des Patienten klinisch relevant ist. Mög- licherweise haben Patienten eine Bein- längendifferenz, sind aber völlig symp- tomfrei. Dies wäre zwar ein Befund, wür- de aber eine Behandlung nicht rechtfer- tigen. Es folgt eine Aneinanderreihung von schwer nachvollziehbaren Behand- lungstechniken einzelner Körperregi- onen. Hüftgelenke, Lenden- und Brust- wirbelsäule werden in einem Abschnitt abgehandelt. Lassen Sie mich nochmals auf den Abschnitt Becken und die Ilio- sakralgelenke genauer eingehen. Aus der Literatur ist hinlänglich bekannt, dass Palpations- und Bewegungstest insge- samt wenig reliabel sind [1–5]. Der Au- tor schreibt: “… zunächst wird durch Ent- langfahren mit dem Daumen entlang der Beckenkämme die höher stehende Becken- schaufel identifiziert.“ Therapeuten kön- nen, wenn man sich an evidenzbasierten Richtlinien orientiert, nicht zuverlässig palpieren. Die Intra- und Intertester-Re- liabilität ist schwach. Warum werden die­ se Untersuchungsverfahren also unre- flektiert erwähnt? Den Abschnitt Weiterbildung auf S. 309 bringt der Autor nochmals selbst auf den Punkt: „Die Weiterbildung ist nicht geregelt. Kurse zur Dorn-Methode können von jedermann angeboten wer- den. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Kursanbietern, die diese Methode zum Teil sehr unterschiedlich lehren. Darunter sind sehr erfahrene Dorn-Therapeuten, andere haben ein geringes Hintergrund- wissen …“ Mit anderen Worten: Jeder kann es machen, jeder darf es anbieten, es gibt kein einheitliches Curriculum und zu guter Letzt gibt es keinerlei wissenschaft- liche Evidenz, die die Wirksamkeit der Methode nachweist. Ein Offenbarungs- eid. Diese Art von Artikel nützt kei- nem innerhalb der medizinischen Pro- fession. Ganz im Gegenteil: Sie schadet dem medizinischem Berufsstand, egal ob Arzt, Physiotherapeut und/oder an- deren. Lediglich der redliche Sägewerk- besitzer aus dem Allgäu dürfte sich zu- frieden die Hände reiben, sich zurück- lehnen und sich insgeheim freuen, dass seine Methoden jetzt sogar schon Einzug in ein wissenschaftliches Journal gehal- ten haben. Eine bessere Plattform kann man sich nicht wünschen. Meinungsaustausch zu dem Beitrag Zinecker S (2009) Die Dorn-Methode. Manu- elle Med 47:304–309 49Manuelle Medizin 1 · 2010  |
  2. 2. Korrespondenzadresse C. Beyerlein Physiotherapeut und Dipl.-Sportwissenschaftler Michel-Erhart-Weg 10 89081 Ulm info@physiotherapie-beyerlein.de Literatur   1. Seffinger MA, NajmWI, Mishra SI et al (2004) Relia- bility of spinal palpation for diagnosis of back and neck pain: a systematic review of the literature. Spine 29(19):E413–E425   2. Haneline MT,Young M (2009) A review of intraex- aminer and interexaminer reliability of static spi- nal palpation: a literature synthesis. J Manipulative PhysiolTher 32(5):379–386   3. Hestbaek L, Leboeuf-Yde C (2000) Are chiropractic tests for the lumbo-pelvic spine reliable and valid? A systematic critical literature review. J Manipula- tive PhysiolTher 23(4):258–275   4. Robinson R, Robinson HS, Bjørke G, Kvale A (2009) Reliability and validity of a palpation technique for identifying the spinous processes of C7 and L5. ManTher 14(4):409–414   5. Schneider M, Erhard R, Brach J et al (2008) Spinal palpation for lumbar segmental mobility and pain provocation: an interexaminer reliability study. J Manipulative PhysiolTher 31(6):465–473 Erwiderung L. Beyer DGMM, Ärztehaus Mitte, Jena Sehr geehrter Herr Kollege Beyerlein, vielen Dank für Ihren Brief anlässlich des Beitrags zur Dorn-Methode. Unabhängig von einer öffentlichen Diskussion der Sache möchte ich gleich antworten, weil mir der tiefere Hinter- grund wichtig ist. Es handelt sich bei dem Artikel zur Dorn-Methode nicht um eine Original- arbeit, die einem Gutachterverfahren zu unterziehen ist. Dass der Verlag diese als Übersichtsarbeit eingeordnet hat, war nicht ganz zutreffend und vonseiten der Herausgeber nicht gewünscht. Ich habe Herrn Zinecker zur Veröf- fentlichung eingeladen, nachdem die Methode in verschiedenen ärztlichen Zeitschriften vorgestellt wurde und in den letzten Jahren immer wieder in phy- siotherapeutischen Zeitschriften Ein- gang findet. Bisher hat sich kein Manualmediziner berufen gefühlt, sich damit begründend auseinanderzusetzen – weder in positiver noch negativer Richtung. Auch Sie spre- chen letztlich pauschal über die Metho- de. Gespräche mit Kollegen haben aber ergeben, dass an einigen der „vorgeschla- genen Behandlungstechniken“ doch et- was dran sei, z. B. die Mitbewegung des Patienten. Wenn es in der manuellen Me- dizin etwas „Neues“ gibt, dann kann es nur von denen kommen, die täglich da- mit arbeiten, – die gibt es leider kaum in Einrichtungen, die dieses Neue auch qualifiziert bewerten könnten. Somit se- he ich in der Veröffentlichung einen Weg zu einer öffentlichen Diskussion. Als Bei- trag hierzu verstehe ich Ihren Leserbrief. Mit totschweigen und wegschauen ist niemandem geholfen – eher Gegentei- liges. Von den Gestandenen in unserer Ge- sellschaft müssten die als „Dorn-Metho- de“ vorgeführten Techniken überprüft, begutachtet und entweder offiziell be- gründet verworfen oder aber in die emp- fohlenen Methoden für Ärzte oder PT eingegliedert werden – und schon wäre die Dorn-Methode nicht länger ein The- ma – oder die MM möglicherweise um eine Methode reicher. Mit freundlichen Grüßen L. Beyer Korrespondenzadresse Prof. Dr. L. Beyer DGMM, Ärztehaus Mitte Westbahnhofstr. 2 07745 Jena Lobeyer@t-online.de Erwiderung C. Beyerlein Möglicherweise liegen wir in unseren Sichtweisen nicht sehr weit auseinan- der. Ich möchte nochmals meine beiden Hauptpunkte erläutern und bekräftigen: Fangen wir mit dem Einfachen an. Ein Kritikpunkt bezog sich auf die Publika­ tionsweise des Artikels. Wenn ich Sie hier richtig verstanden habe, dann war das in erster Linie ein Fehler des Ver- lages, der ihn in der falschen Ru­brik ver- öffentlicht hat. Das kann passieren. Des Weiteren wollten Sie durch die Einla- dung an Herrn Zinecker, einen Artikel über die Dorn-Methode zu schreiben, eine sachliche Diskussion entfachen. Sie wollten, ich sage das mal salopp, da- mit provozieren. Das ist Ihnen auch zum Teil gelungen, denn ich habe darauf an- gesprochen. Ich sage bewusst, Ihnen ist das zum Teil gelungen, da die Dorn-Me- thode m. E. in diesem Artikel, wie in vie- len anderen Artikeln auch, viel zu positiv dargestellt wurde. Und die Frage ist wirk- lich, ob sich an diesem Artikel eine wirk- lich sachliche Kritik entfachen wird. Man darf gespannt sein! Meine Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Behandlungstechniken (das kann ich u. U. nicht gut genug beurtei- len), sondern basiert auf folgenden Fak- ten, die ich bereits in meinem Leserbrief erwähnt habe: 1. Laien (auch nichtmedizinische Be- rufsgruppen) können diese Metho- de erlernen. Das ist aus meiner Sicht unseriös und kriminell und unter- gräbt alle medizinischen Berufsgrup- pen. 2. Jeder kann sie anbieten. Es gibt keine Voraussetzungen an den Dozenten. Jeder darf die Inhalte weitergeben. 3. Es gibt kein einheitliches Ausbil- dungscurriculum. 4. Meines Wissens gibt es keine wissen- schaftliche Studie, die die Wirksam- keit der Dorn-Methode nachgewie- sen hätte. Gerade Punkt 4 finde ich sehr wichtig. Solange es keine positive Evidenz für ei- ne Methode gibt, ist ihre Anwendung mit Vorsicht zu genießen. Gerade bei knap- per werdenden Ressourcen im Gesund- heitswesen werden Kostenträger und Krankenkassen in Zukunft genauer hin- schauen und vielleicht irgendwann nur noch das bezahlen, was wirklich wir- kungsvoll ist. Das heißt, wir alle sind in der Pflicht. Insofern ist meine Kritik auch eine Kritik an den Kolleginnen und Kollegen, die unreflektiert Fortbildungen besuchen und so mitverantwortlich sind, dass die Dorn-Methode überhaupt eine Plattform bekommt. Aus meiner Sicht völlig zu Unrecht. Aus den oben darge- stellten Gründen. Wir werden uns in Zukunft nicht mehr mit dem Spruch „Wer heilt, hat recht“ zufrieden geben können, son- dern wir müssen uns darum bemüh- en, eine wissenschaftliche Basis und ein 50 |  Leserbriefe
  3. 3. wissenschaftliches Verständnis zu schaf- fen. Namen haben wir genug – jede Wo- che erfindet jemand eine neue Behand- lungsmethode und nennt sie nach sei- nem Namen (Breuss, Hock, Popp etc.). Es gibt beispielsweise manualtherapeu- tische Konzepte, die gezeigt haben, dass sie seit vielen Jahren einen Stellenwert haben, da sie auch evidenzbasiert sind (z. B. Maitland, McKenzie, Mulligan und Kaltenborn-Evjenth, um nur einige zu nennen). Hier, wie auch in anderen Konzepten, sind die Punkte 1.–4. (s. o.) klar definiert. In vielen dieser Konzepte geht ein Teil des Honorars direkt in einen Forschungs- fonds, um den wissenschaftlichen Nach- wuchs zu fördern. Das finde ich prima und sichert langfristig unseren Beruf. Erwiderung S. Zinecker Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie/Manuelle Medizin, Akupunktur, Psychotherapie, Nürnberg Die Chirotherapie ist seit Tausenden von Jahren Bestandteil der Naturmedi- zin vieler Völker. Hippokrates hat be- reits um 400 v. Chr. die Wichtigkeit der Wirbelsäule im Krankheitsgeschehen be- schrieben, auch er arbeitete mit manuel- len Techniken. Gegen Ende des Mittelalters wurden die Kenntnisse der manuellen Therapie in der ärztlichen Ausbildung nicht mehr gelehrt. Es waren seitdem im Wesent- lichen Laien, meist aus einfacheren Be- rufsgruppen, die diese Methoden weiter anwandten und weitergaben. Erst nach dem 2. Weltkrieg konnte die Chirothera- pie in Deutschland wieder einen Raum im ärztlichen Ausbildungs- und Tätig- keitsbereich finden. Dieter Dorn hat eine Methode entwi- ckelt, mit der nach seinem Wunsch mög- lichst viele, auch Laien, anderen zu mehr Wohlbefinden verhelfen können. Dass dabei auch Menschen, die trotz jahre- langer ärztlicher Bemühungen nicht schmerzfrei sein konnten, Linderung er- fahren haben, ist ein erfreulicher Neben­ effekt. Auf der anderen Seite hat die korrekt und sorgfältig durchgeführte Dorn-Me- thode (DM) das Potenzial, auch den Ein- zug in den offiziellen ärztlichen Ausbil- dungsbetrieb zu schaffen. Zu den Kritikpunkten: Zu 1.) Laien können diese Methode er- lernen. Bis jetzt haben sich vergleichsweise sehr wenige Ärzte dafür interessiert, aber Physiotherapeuten und Heilpraktiker als medizinische Berufsgruppen. Die DM ist ungeachtet ihrer Eignung auch zur Behandlung von schmerzhaften Erkrankungen technisch sehr einfach und ungefährlich anzuwenden, sodass auch im rechtlichen Sinne keine Ein- schränkungen bestehen sollten, solange diese Methode nicht zur Behandlung von Krankheiten durchgeführt wird. Zu 2.) Jeder kann Kurse zur DM an- bieten. Die DM ist eine Technik, die aus der Volksmedizin entstanden ist. Sie wur- de von einem Laien entwickelt, an Laien und Heilpraktiker weitergegeben und entsprechend wird sie von diesen ausge- übt. Diejenigen, die diese Methode wei- tergeben, konnten dementsprechend bis jetzt auch nur Laien bzw. Heilpraktiker sein. Zu 3.) Es gibt kein einheitliches Ausbil- dungscurriculum. Die Dornmethode ist keine medizi- nisch professionalisierte Methode, so- mit bestehen keinerlei festgelegte Aus- bildungsinhalte. Des Weiteren entwickelt sich diese Methode weiter, so auch in der Zeit, seit ich sie anwende. Zu 4.) … gibt es keine wissenschaftliche Studie, die die Wirksamkeit der Dorn-Me- thode nachgewiesen hätte. Sie bemängeln das Fehlen von Studi- en zur Wirksamkeit der Dornmethode, wie es z. B. in der Evidence-based Me- dicine (EBM) gefordert ist. Das Kürzel EBM kann jedoch für zwei Inhalte ste- hen, einerseits die Evidence-BM, ande- rerseits auch Experience-BM. Evidence- BM wird durchgeführt bei bekannten Therapien, bei denen nicht klar ist, wel- che der verschiedenen Varianten einen Vorteil bringt, um die bessere Alternative herauszuarbeiten. Experience-BM grün- det sich auf die direkten Auswirkungen der erfolgten Therapien. Der Erfolg lässt sich unmittelbar überprüfen. Korrespondenzadresse S. Zinecker Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirothera- pie/Manuelle Medizin, Akupunktur, Psycho- therapie Olgastr. 9 90441 Nürnberg info@dr-zinecker.de 51  |

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