D. P. König · U. Münnich · J. Schmidt · M. Dünnwald · Klinik und Poliklinik für Orthopädie 
(Direktor: Prof. Dr. M. H. Hac...
Material und Methode 
13 Ringer der Bundesligamannschaft 
wurden vor Saisonbeginn untersucht. 
Das Durchschnittsalter der ...
Manuelle Medizin 2´99 91 
2 3 
4 5 6 
7 8 
Abb. 2~Die Überprüfung des M. pectoralis major wird in Rückenlage am Bankrand d...
steten Seite bewegt. Die Verkürzung 
wurde nach dem Ausmaû der Exten-sion 
bewertet. Dieser Test sollte lang-sam 
durchgef...
w Niedersetzen zwischen die Fersen 
(Abb. 12) 
Wenn der Proband in der Lage ist, bei 
der Vorbeuge aus dem Fersensitz den ...
sich sechsmal eine verminderte und 
zweimal eine vermehrte Beweglichkeit. 
Stamm 
Der M. quadratus lumborum war bei 
keine...
Untere Extremität/Fingergelenke 
Die Befunde an der unteren Extremität 
waren überwiegend normal. Die gefun-denen 
Muskelv...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Die Wertigkeit der manuellen Muskelfunktionsdiagnostik

914 Aufrufe

Veröffentlicht am

Fazit für die Praxis
Der pathologische Endwiderstand bei der
Untersuchung einer segmental gezielten
passiven Bewegung wird als charakteristisch
für eine artikuläre Dysfunktion angesehen.
Die vorgestellten Beispiele zeigen anhand
der Effektivität einer gezielten Muskelrelaxation
oder einer relaxierenden Lagerung
(BWS und LWS), daû eindeutig erscheinende
Blockierungsbefunde an Extremitätengelenken
und Wirbelsäulensegmenten nicht immer
artikulär bedingt sind, sondern durch
muskuläre Störungen verursacht werden
können.
Die Differenzierung zwischen artikulä-
ren und muskulären Dysfunktionen ist für die
Therapieentscheidung wichtig.

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
914
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
3
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
2
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Die Wertigkeit der manuellen Muskelfunktionsdiagnostik

  1. 1. D. P. König · U. Münnich · J. Schmidt · M. Dünnwald · Klinik und Poliklinik für Orthopädie (Direktor: Prof. Dr. M. H. Hackenbroch) der Universität zu Köln DieWertigkeit der manuellen Muskelfunktionsdiagnostik nach Janda Eine Untersuchung an Bundesligaringern Zusammenfassung Die Muskelfunktionsdiagnostik nach Janda erlaubt, Muskelverkürzungen zu erkennen. Sie ist eine einfache und reproduzierbare Methode, die vor und während der Saison muskuläre Dysbalancen aufdecken kann. Mehrere Untersuchungen konnten zei-gen, daû sich die Verletzungsinzidenz durch frühzeitig erkannte Dysbalancen und deren Therapie reduzieren lieû. Die Muskelfunktionsdiagnostik nach Janda sollte im Rahmen der sportärztlichen Betreuung zum Einsatz kommen. Zur Diagnose komplexer Probleme ist die Janda-Testung nicht vorgesehen und nicht geeignet. Gefundene Hypermobilitäten sind überwiegend sportartspezifisch, können je-doch z. T. Ursache für spezielle Probleme (In-stabilit ätsimpingement) sein. Hypomobilitäten erfordern Zusatzun-tersuchungen (z. B. Röntgen), um die Genese (z. B. Hüftdysplasie) derselben herauszufin-den. Die Janda Methode kann dem Untersu-cher in diesen speziellen Fällen nicht weiter-helfen. Schlüsselwörter Muskelfunktionsdiagnostik · Janda · Musku-l äre Dysbalancen · Sportverletzungen · Prävention Muskuläre Dysbalancen werden in mehreren Studien ursächlich für das Auftreten von sportspezifischen Verlet-zungen diskutiert [1, 3±5, 7]. Die manuelle Muskelfunktionsdia-gnostik in Anlehnung an die Beschrei-bung von Janda [2] soll nach den Anga-ben o. a. Autoren hilfreich in der Auf-deckung muskulärer Dysbalancen sein, deren Behandlung zu einer Reduktion derVerletzungsinzidenz führt [8, 10, 11]. Nach Sachse [6] werden drei Arten der Hypermobilität unterschieden. Die lokale pathologische, die generalisierte pathologische und die konstitutionelle Hypermobilität. Der lokalen Hypermobilität liegt oftmals eine benachbarte Gelenksblok-kierung zugrunde. Sie muû als Kom-pensationsmechanismus der Blockie-rung interpretiert werden. Generalisierte pathologische Hy-permobilit äten sind bei einigen zentra-len Tonusstörungen und einigen extra-pyramidalen Erkrankungen vorhanden. Charakteristisch für die konstitu-tionelle Hypermobilität ist, daû der ge-samteK örper, in zum Teil unterschiedli-cher Ausprägung, betroffen ist. Diese Form der Hypermobilität ist häufiger bei Frauen als bei Männern anzutreffen. Die Hypermobilitätsuntersuchung be-inhaltet immer eine Gelenkuntersu-chung. Unter Muskelverkürzung bzw. ver-minderte Dehnbarkeit wird ein Zustand verstanden, bei dem es zu einer Verkür-zung des in Ruhe befindlichen Muskels gekommen ist. Posturale Muskeln (Halte-Muskeln) haben eine ausge-pr ägteNeigung zurVerkürzung. Die Be-wertung einer Muskelverkürzung darf nur erfolgen, wenn die Gelenkbeweg-lichkeit nicht aus anderenUrsachen ein-geschr änkt ist. Letztendliches Ziel dieser Untersu-chung ist es behandlungsbedürftige Be-funde zu erheben, die potentiell zu einer Verletzung führen können. Ringen ist eine Zweikampfsportart, die Kraft, Ausdauer, Koordinations-und Reaktionsfähigkeit sowie beson-dere Ansprüche an die Schnelligkeit und Beweglichkeit des Athleten stellt. Im Rahmen der Saisoneingangsun-tersuchung erfolgt bei unserer Mann-schaft eine manuelle Muskelfunktions-diagnostik in Anlehnung an die Be-schreibung von Janda [2]. Ziel dieser Untersuchung ist es die Wertigkeit derMuskelfunktionsdiagno-stik nach Janda an einem Kollektiv von Bundesligaringern zu überprüfen. Vor-handeneMuskelverk ürzungen bzw. Hy-permobilit äten sollen mit Hilfe der Janda-Methode aufgedeckt werden und im Trainingsprogramm gezielt berück-sichtigt werden. Manuelle Medizin 2´99 89 Manuelle Medizin 1999 ´ 37: 89±95 Springer-Verlag 1999 Originalien Dr. D. P. König Arzt für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Mannschaftsarzt der SG EC Bayer Worringen, Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Universität zu Köln, Joseph Stelzmann-Straûe 9, D-50924 Köln
  2. 2. Material und Methode 13 Ringer der Bundesligamannschaft wurden vor Saisonbeginn untersucht. Das Durchschnittsalter der Ringer lag bei 29 Jahren (19±42 Jahre). Der Trainer mit 42 Jahren wurde mituntersucht, da er aktiver Ringer in seiner Altersklasse ist. Im Durchschnitt rangen die Aktiven seit 19 Jahren (9±36 Jahre). Die meisten waren seit frühester Jugend im Ringer-sport aktiv. Während der Wettkampfsaison fand dreimal wöchentlich das Training und einmal wöchentlich derWettkampf statt. In der Vorbereitungsphase wurde neben dem dreimal wöchentlichen Trai-ning jedem Ringer ein individuelles Trainingsprogramm, das vom Trainer in Absprache mit dem Mannschaftsarzt und Physiotherapeuten zusammenge-stellt wurde, aufgegeben. Die Untersuchung auf Hypo- und Hypermobilitäten bzw. Muskelverkür-zungen erfolgte nach der Vorgabe von Janda [2]. Die Beurteilung und Graduie-rung erfolgte nach den Angaben von Janda [2]. Es wurden folgende Gruppen zur besseren Übersicht gebildet: w Halswirbelsäule w Schultergürtel w Ellenbogen, Hand- und Fingerge-lenke w Stamm w Untere Extremität Halswirbelsäule Es wurden ein Hypermobilitätstest (Kopfdrehung) und drei Verkürzungs-tests angrenzender Muskeln durchge-f ührt. w Kopfdrehung (Abb. 1) w Der M. trapezius (oberer Anteil) wurde in Rückenlage überprüft. Zu-n ächst wurde mit der einen Hand der Schultergürtel mit dem Gabelgriff fi-xiert. Mit Hilfe der anderen Hand, die den Kopf unterstützte, wurde pas-siv eine maximale laterale Flexion zur nicht getesteten Seite geführt. In Abänderung der Empfehlung von Janda führten wir diese Untersu-chung nicht in neutraler Rotations-stellung sondern in gleichseitiger Ro-tationsstellung des Kopfes durch. Wenn die Endposition erreicht war, führte die fixierende Hand einen Kau-dalschub auf den Schultergürtel durch. Wenn die Schultergürteldepres-sion leicht durchführbar ist, liegt keine Verkürzung vor. Wenn die De-pression nur mit gröûerem Druck oder nicht durchführbar ist, liegt eine Verkürzung vor. w Der M. levator scapulae wurde in Rückenlage und maximaler Vorbeu-gung des Kopfes untersucht. Der Kopf wurde zur kontralateralen Seite geneigt und rotiert. Die andereUnter-sucherhand fixierte die Scapula mit dem Gabelgriff und führte eine De-pression der Schulter durch. Ausge-wertet wurde das Endgefühl der Schulterdepression. Eine Verkürzung liegt vor, wenn die Schulterdepression erschwert oder nicht möglich ist. w Der M. sternocleidomastoideus wur-de auf eine Verkürzung hin unter-sucht. Der Test wurde in Rückenlage mit überhängenden Kopf durchge-f ührt. Sternum und Schlüsselbein wurden mit der einen Hand fixiert, und mit der anderen Hand wurde der Kopf in Richtung Extension, Lateral-flexion und Rotation zur nicht gete- Manuelle Medizin 1999 ´ 37: 89±95 Springer-Verlag 1999 90 Manuelle Medizin 2´99 Originalien D. P. König · U. Münnich · J. Schmidt · M. Dünnwald The value of Janda's functional muscular diagnostics. Experience with first league wrestlers Summary Especially by using the ªFunctional Muscular Diagnosticsº described by Janda specific muscular imbalances can be found. The method is easy to apply and should be used during and before the championship season. Several studies show a high amount of muscular imbalances in athletes leading to sport-specific injuries. Treatment can pre-vent these injuries. More complex problems (e. g. hip dys-plasia) can not be diagnosed with this method. They require the use of other diag-nostic tools (X-ray, CT-Scan, NMR). General-ized joint laxity is often sport specific, some-times this can cause problems likewise the instability impingement. Key words Functional muscular diagnostics · Janda · Muscular imbalance · Sports injuries · Prevention Abb. 1Die Prüfung der Kopfdrehung erfolgt, indem der Kopf aus der Neutralstellung in die Endstellung geführt wird. Aus der Endstellung wird passiv geprüft, ob eine weitere Bewegung möglich ist. Bei einer Hypermobilität kann aktiv über 90 und passiv noch weiter gedreht werden
  3. 3. Manuelle Medizin 2´99 91 2 3 4 5 6 7 8 Abb. 2~Die Überprüfung des M. pectoralis major wird in Rückenlage am Bankrand durchgeführt. Zur Überprüfung des distalen sternalen Teils wird der gestreckte Arm passiv nach schräg oben angehoben. Sinkt der Arm bis zur Horizontalen, und ist es möglich bei Abwärtsdruck des Oberarms das Bewegungsausmaû zu vergröûern, so liegt keine Verkürzung vor Abb. 3~Normalerweise reicht der Ellenbogen bei der Prüfung der Nackenumfassung bis zur Medianebene des Körpers Abb. 4~Bei Normomobilität ist es möglich, bei im Nacken verschränkten Armen mit den Fingerspitzen die Spina scapulae auf der Gegenseite zu berühren Abb. 5~Bei Normomobilität ist es möglich, bei der Prüfung der Fingerberührung hinter dem Rücken die Finger aneinander zu führen Abb. 6~Zur Überprüfung der aneinandergelegten Ellenbogen legt der Proband bei maximal gebeugtem Ellenbogen beide Unterarme senkrecht in ganzer Länge vor dem Körper zusammen. Ohne die Ellenbogen voneinander zu lösen, versucht er die Unterarme nach vorn zu strecken. Bei normalem Bewegungsausmaû gelingt es, den Ellenbogen bis zur Rechtwinkelstellung zu strecken Abb. 7~Zur Überprüfung der aneinandergelegten Hände drückt der zu Untersuchende die Handflächen vor dem Körper aneinander und überstreckt im Handgelenk durch Abwärtsdrücken der Hände, ohne die Handflächen zu lösen. Normomobilität liegt bei einem Winkel von 90 zwischen Handgelenk und Unterarm vor Abb. 8~Die Fingergelenke werden durch die aneinandergelegten Finger überprüft. Hierbei muû die Mittelhand in Verlängerung des Unterarms sein. Die ausgestreckten Finger werden fest aneinander gepreût. Durch eine Abwärtsbewegung der Hände entsteht eine Hyperextension in den Fingergrundgelenken. Bei normalem Bewegungsausmaû entsteht ein Winkel von 80 zwischen beiden Handflächen
  4. 4. steten Seite bewegt. Die Verkürzung wurde nach dem Ausmaû der Exten-sion bewertet. Dieser Test sollte lang-sam durchgeführt werden, da die A. vertebralis durch die Position auf ungünstige Weise beeinfluût werden kann. Schultergürtel Die drei untersuchten Komplexbewe-gungen dienten der Auffindung vonHy-permobilit äten. Die Untersuchung des M. pectoralis major ist ein Muskelver-k ürzungstest: w M. pectoralis major (Abb. 2) w Prüfung der Nackenumfassung (Abb. 3) w Hinten verschränkten Arme (Abb. 4) w Prüfung der Fingerberührung hinter dem Rücken (Abb. 5) Ellenbogen, Hand-und Fingergelenke Die drei durchgeführten Untersuchun-gen sind Hypermobilitätstests: w Aneinandergelegte Ellenbogen (Abb. 6) w Aneinandergelegte Hände (Abb. 7) w Aneinandergelegte Finger (Abb. 8) Stamm Sechs Tests wurden durchgeführt. Zwei Verkürzungstests: w M. quadratus lumborum (Abb.9) w Paravertebrale Rückenmuskulatur (Abb. 10) Es folgten vierHyper- undHypomobili-t ätsuntersuchungen: w Prüfung derRumpftiefbeuge (Abb. 11) w Rumpfseitneigung Bei der Rumpfseitneigung wurde unter Seitneigung die Hand an der lateralen Oberschenkelseite abwärts geführt. Normalerweise verläuft das von der Achselfalte gefällte Lot durch die Inter-glutealfalte. Bei einer Hypermobilität verschiebt sich das Lot auf die kontrala-terale Seite. 92 Manuelle Medizin 2´99 Originalien 9 10 11 12 Abb. 9~Der Verkürzungstest des M. quadratus lumborum wird in Seitlage überprüft. Der Proband streckt den zunächst 90 im Ellenbogengelenk gebeugten Arm und schiebt somit den Oberkörper langsam hoch. Ist die senkrechte Entfernung der Markierung von der Unterlage 5 und mehr cm, dann liegt keine Verkürzung vor Abb. 10~Die paravertebrale Rückenmuskulatur wird im aufrechten Sitz untersucht. Die Knie und Hüftgelenke sind 90 gebeugt. Das Becken wird vom Untersucher fixiert. Es erfolgt sodann eine maximale Rumpfvorbeuge. Gemessen wird der Abstand zwischen Stirn und den Knien. Ab einer Entfernung von 15 cm und mehr liegt eine Verkürzung der paravertebralen Muskulatur vor Abb. 11~Bei der Prüfung der Rumpftiefbeuge ist der zu Untersuchende normalerweise in der Lage mit den Fingerspitzen in etwa den Fuûboden zu erreichen. Bei einer konstitutionellen Hypermobilität ist es möglich, die Finger und sogar die flache Hand auf den Boden zu legen Abb. 12~Das Niedersetzen zwischen die Fersen gelingt normalerweise bis auf Fersenhöhe. Ist der Proband in der Lage mit dem Gesäû die Unterlage zu erreichen, liegt eine Hypermobilität vor
  5. 5. w Niedersetzen zwischen die Fersen (Abb. 12) Wenn der Proband in der Lage ist, bei der Vorbeuge aus dem Fersensitz den Oberkörper zwischen den gespreiz-ten Knien auf die Unterlage zu legen, liegt definitionsgemäû eine Hyper-mobilit ät vor. Untere Extremität w M. triceps surae DieUntersuchung erfolgte in Rücken-lage mit gestrecktem Bein. Die Ferse wurde nach distal gezogen bei Bewer-tung der passiven Dorsalflexion. Wenn die Dorsalflexion bis zur 0 Stellung möglich ist, liegt keine Ver-k ürzung vor. w Beuger des Hüftgelenks Die Beuger des Hüftgelenks wurden gemeinsam in Rückenlage unter-sucht. Im Steiûsitz an der Bankkante wurde das nicht getestete Bein vom Probanden mit beidenHänden in vol-ler Beugung gehalten. Das getestete Bein hing über die Liegenkante. Liegt der Oberschenkel horizontal, der Un-terschenkel senkrecht nach unten und an der Lateralseite des Ober-schenkels besteht nur eine leichte Ab-flachung, liegt keine Verkürzung vor. Besteht eine spontane Hüftbeugung, so liegt eine Verkürzung des M. iliop-soas vor. Bei Verkürzung des M. rec-tus femoris ist der Unterschenkel nach vorn gestreckt. Liegt eine Ab-duktion des Oberschenkels vor mit Vertiefung an der Lateralseite, ist der M. tensor fasciae latae verkürzt. w Ischiokruralmuskulatur: M. biceps femoris, M. semitendinosus, M. se-mimembranosus (Abb. 13) w Adduktoren des Oberschenkels (Abb. 14) w M. piriformis (Abb. 15) Ergebnisse Halswirbelsäule Bei der Untersuchung der HWS wurden bei der Verwendung oben beschriebe-ner Tests, überwiegend Normalbefunde erhoben. Keiner der 13 untersuchten Ringer zeigte eine Verkürzung des M. trapezius, des M. levator scapulae oder des M. sternocleidomastoideus. DieKopfdrehung ergab bei 4/13 Ringern eine Hypermobilität. Schultergürtel Die Untersuchung des Schultergürtels ergab testspezifische Unterschiede. Ein-deutige Tendenzen zu Hyper- bzw. Hy-pomobilit äten lieûen sich nicht feststel-len. Der M. pectoralis war bei keinem Ringer verkürzt. Bei der Nackenumfas-sung lag viermal eine Hypermobilität und dreimal eine Hypomobilität vor. Bei der Untersuchung der nach hinten verschränkten Arme konnte nur einmal eine vermehrte Beweglichkeit, jedoch sechsmal eine Hypomobilität registriert werden. Bei der Fingerberührung dor-sal war dreimal eine vermehrte und zweimal eine verminderte Beweglich-keit feststellbar. Ellenbogen ± Handgelenke ± Fingergelenke Eindeutige Tendenzen ergaben sich bei der Untersuchung der Hand- und Fin-gergelenke. Sportspezifisch ergab sich bei 11/ 13 Ringer eine Handgelenkshypermobi-lit ät und bei 12/13 eine Fingergelenkshy-permobilit ät. Die Untersuchung der Ellenbogen-gelenke war weniger eindeutig, es zeigte Manuelle Medizin 2´99 93 13 14 15 Abb. 13~Die rückseitige Oberschenkelmuskulatur (Ischiokruralmuskulatur: M. biceps femoris, M. semitendinosus, M. semimembranosus) ist in Rückenlage mit gestrecktem Knie zu überprüfen. Mit gehaltenem Bein wird eine Hüftbeugung durchgeführt. Als Verkürzung wird eine Hüftbeugung kleiner 90 bewertet Abb. 14~Die Adduktoren des Oberschenkels werden gemeinsam überprüft. Am Bankrand in Rückenlage und leichter Abduktion des kontralateralen Beins erfolgt eine passive Abduktion des zu untersuchenden Beins. Gefordert wird eine Abduktionsfähigkeit von 40 , anderenfalls liegt eine Verkürzung vor Abb. 153Der M. piriformis wird durch Hüftbeugung von 60 , Horizontalstellung des Unterschenkels und gleichzeitiger maximaler Hüftadduktion mit Innenrotation überprüft. Ist die Adduktion und Innenrotation in vollem Ausmaû bei weicher Endspannung möglich, liegt keine Verkürzung vor
  6. 6. sich sechsmal eine verminderte und zweimal eine vermehrte Beweglichkeit. Stamm Der M. quadratus lumborum war bei keinem Sportler verkürzt. 8/13 hatten eine vermehrte Seitneigefähigkeit und 7/13 eine vermehrte Rumpftiefbeugefä- higkeit. 7/13 konnten aus dem Fersensitz den Rumpf auf den Boden legen und 8/ 13 waren in der Lage, beim Niedersetzen zwischen den Fersen das Gesäû auf die Unterlage zu führen. Untere Extremität Verkürzungen an der unteren Extremi-t ät lieûen sich nur vereinzelt feststellen. Bei einem Ringer war der M. iliopsoas und der M. tensor fasciae latae verkürzt. Ein weiterer Ringer hatte eine Verkür-zung des M. rectus femoris, des M. ten-sor fasciae latae und der ischiocruralen Muskulatur. Die Kombination von Ver-k ürzung des M. rectus femoris und der ischiocruralen Muskulatur konnte bei einem Ringer festgestellt werden. Ein-zelne Ringer hatten alleinig eineVerkür-zung des M. tensor fasciae latae, des M. rectus femoris und der Adduktoren. Diskussion Die Muskelfunktionsdiagnostik nach Janda ist einfach und reproduzierbar durchführbar. Janda unterteilt die Un-tersuchung in die Prüfung der Kraftfä- higkeit und der Dehnungsfähigkeit. Die vorliegende Untersuchung ist auf die Untersuchung hinsichtlich der Deh-nungsf ähigkeit beschränkt. Die von Janda aufgeführten Kraftfähigkeitste-stungen stellten an die untersuchten Ringer keine Herausforderung, so daû darauf verzichtet wurde. Dies wird von Berthold et al. (1981) an einer Untersuchung von 268 Sport-lern bestätigt [1]. Andererseits be-schreibt Spring 1981 [9] bei 8 Spitzen- Skiläufern muskuläre Dysbalancen mit Abschwächung der Bauch- und Gluteal-muskulatur. Abschwächung der Bauch-und Glutealmuskulatur waren bei den untersuchten Ringern nicht festzustel-len. Die bei einem Ringer feststellbare M. iliopsoas-Verkürzung ging nicht ein-her mit einer Abschwächung der Bauch-muskulatur. Das im Trainingspro-gramm vorhandene Krafttraining beugt dem vor. Die von Janda angegebenen Norm-werte wurden von uns übernommen, dennoch ist z. B. eine 0-Stellung im OSG bei Testung des M. triceps surae u. E. als pathologisch zu beurteilen, wird von Janda jedoch als im Normbe-reich befindlich beurteilt. Die angeführten Tests dienen der groben Orientierung hinsichtlich etwai-ger pathologischer Befunde und sind als Screening-Methode zur Aufdeckung muskulärer Dysbalancen bzw. arthroge-ner Probleme geeignet. Die von Janda angegebenen Tests sind z.T. nicht aus-schlie ûlich auf ein Gelenk bzw. auf einen Muskel beschränkt. Es sind vielmehr Komplexbewegungen, die ± falls patho-logisch ± eine weitergehende Untersu-chung erfordern. Die Diagnose speziel-ler Probleme macht den Einsatz anderer klinischer und apparativer Untersu-chungsmethoden notwendig. Halswirbelsäule Die HWS-Untersuchungen sind nicht ausreichend sensitiv um Hypermobili-t äten aufzuzeigen. Bei den untersuchten Athleten lieûen sich an der Halswirbel-s äule überwiegend Normalbefunde feststellen, obwohl die Ringer sportart-spezifisch eine vermehrte Beweglichkeit der Halswirbelsäule, insbesondere für die Vor- und Rückneigebewegung, auf-wiesen (Abb. 16). Schulter Die Schulteruntersuchungen sind aus-reichend, umMuskelverkürzungen fest-zustellen. Schulterprobleme anderer Genese lassen sich damit nicht erfassen. Ein Ringer leidet an einem Instabilitäts-impingement, das mit Hilfe des Gleit-ph änomens (Schublade ventral-dorsal), des positiven Apprehensiontests und des Impingementzeichens nach Neer diagnostizierbar ist. Eine bei Ringern oftmals feststell-bare Reizung des Sternoklavikular- und Akromioklaviculargelenks kann zu ei-ner Schmerzangabe bei der Nackenum-fassung führen, läût sich jedoch besser durch direkte Palpation und Streûte-stung der jeweiligen Gelenke feststellen. Ellenbogen Die Befunde am Ellenbogengelenk wa-ren unspezifisch. Die bei einem Ringer gefundene Hypomobilität hat eine ar-throgene Genese. Nach Luxationsfrak-tur und daraus resultierender posttrau-matischer Arthrose ist es zu einer arthrogenbedingten Bewegungsein-schr änkung gekommen. Wirbelsäule Die unauffälligen Wirbelsäulenbefunde sind sportartspezifisch. Eine gute Be-weglichkeit in diesem Bereich ist zum Ringen notwendig (Abb. 16). Im Trai-ningsplan der Nachwuchsringer wird der Beweglichkeitsverbesserung im WS-Bereich ein fester Platz eingeräumt. Oftmals sind die Ringer später in der Lage sich selbständig im LWS-Bereich zu deblockieren. 94 Manuelle Medizin 2´99 Originalien Abb. 163Brücke mit Demon-stration der guten Wirbel-s äulenbeweglichkeit, insbe-sondere mit deutlicher Hyper-lordosierung der HWS
  7. 7. Untere Extremität/Fingergelenke Die Befunde an der unteren Extremität waren überwiegend normal. Die gefun-denen Muskelverkürzungen lassen sich durch spezifische Dehnungsbehand-lung gut therapieren. Dies ist von be-sonderer Bedeutung beim Freistilrin-gen, da bei Griffen an den Beinen, Rin-ger mit Muskelverkürzungen verlet-zungsanf älliger sind. Bei einem Ringer lieû sich eine, bis dahin nicht diagnostizierte, arthrogene Hypomobilität der Hüfte auf dem Bo-den einer Hüftdysplasie mit beginnen-den Arthrosezeichen feststellen. Die gefundenen Hypermobilitäten der Wirbelsäule und Fingergelenke sind trainingsbedingt und sportartspe-zifisch. In anderen Sportarten konnte dies z. B. für das Schultergelenk bestä- tigt werden [13]. Adaptierter Trainingsplan Die bei der Saisoneingangsuntersu-chung gefundenen Muskelverkürzun-gen werden für den jeweiligen Ringer re-gistriert und in den persönlichen Trai-ningsplan aufgenommen. Unter Anlei-tung des Physiotherapeuten erfolgt ein gezieltes Dehnprogramm. Die Erfolgskontrolle dieser Maû- nahme erfolgt durch den Physiothera-peuten. Aufgrund der kleinen Fallzahl lassen sich keine statistisch signifikan-ten Aussagen zum Erfolg dieser Maû- nahme aufzeigen. Auch ist durch häufi-gen Vereinswechsel der Ringer ein Ver-lauf über mehrere Saisons nicht mög-lich. Dennoch ist seit der Einführung unseres Screenings vor Beginn der Vor-bereitungszeit eine Reduktion vonMus-kelverletzungen im Laufe der Saison, insbesondere an der unteren Extremi-t ät, aufgefallen. Zu diskutieren sind neuere Unter-suchungen, die es als angebracht anse-hen, muskuläre Dysbalancen nicht mit Dehnung, sondern mit Muskelaufbau-training des defizitären Muskels zu be-handeln [12]. Besonderer Dank für die Erstellung der Fo-tos an: Markus Heinen, Ringer der SG EC Bayer Worringen (69 kg gr.-röm.), Jugend-europameister und Westdeutscher Meister, Vladimir Kadlec (KS-Verlag) Sportfotograf, Olympiateilnehmer 1984 in Los Angeles im deutschen Basketballteam Fazit für die Praxis Die vorliegende Arbeit stellt eine Studie bei Ringern vor, die mit der Muskelfunktionsdia-gnostik nach Janda auf muskuläre Dysbalan-cen untersucht wurden. Die Muskelfunktionsdiagnostik ergab weitgehende Normalbefunde bei der Unter-suchung der Halswirbelsäule und der übrigen Wirbelsäule bei einer sportartspezifischen vermehrten Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Befunde am Ellenbogen waren unspezi-fisch, die an der unteren Extremität überwie-gend normal. Bei der Untersuchung im Schultergürtelbereich konnten sowohl Hy-per- als auch Hypomobilitäten festgestellt werden. Die nachgewiesenen Hypermobili-t äten in den Fingergelenken sind trainings-bedingt und sportartspezifisch. Hypomobilitäten erfordern zur ätiologi-schen Klärung eine weitergehende Diagno-stik. Die gefundenen Muskelverkürzungen wurden in den individuellen Trainingsplan integriert und durch ein spezielles Dehnpro-gramm therapiert. Eine Aussage über die Ef-fizienz dieser Maûnahme ist aufgrund logi-stischer Probleme (Fallzahl, Vereinswechsel etc.) nicht möglich. Literatur 1. Berthold F, Jelink W, Albrecht R (1981) Die Be-deutung der Muskelfunktionstests nach Janda für die sportärztliche Praxis. Med Sport 21: 171±174 2. Janda V (1994) Manuelle Muskelfunktions-diagnostik, 3. Aufl. Ullstein/Mosby, Berlin 3. Ludwig T, Pieper HG, Pühler B (1992) Musku-l äre Ungleichgewichte bei Handballspie-lern. Handballtraining 14: 19±28 4. Pieper HG (1987) Prophylaxe muskulärer Verletzungen im Triathlon. In: Bremer D, Engelhardt M, Kremer A, Wodick R (Hrsg) Triathlon: Sportmedizin und Trainingswissen-schaft, vol 1. Czwalina, Ahrensburg 5. Pieper HG (1995) Muskuläre Ungleichge-wichte bei Spitzenhandballspielern und praktische Möglichkeiten zur Prävention von Verletzungen. Sportmedizin und Hand-ball. Schriftenreihe der IHF Basel, S 57±61 6. Sachse J (1969) Die Hypermobilität des Be-wegungsapparates. Manuelle Med 7: 77±84 7. Schmid H, Spring H (1983) Muscular imbal-ance in skiers. Manuelle Med 21: 63±66 8. Schmidt H, Frauendorf V, Asmussen U, Kraft W (1983) Der Muskeltest nach Janda für die sportmedizinische Praxis. Med Sport 23: 271±278 9. Spring H (1981) Muskelfunktionsdiagnostik nach Janda. Ergebnisse einer Untersu-chung an Skirennfahrern der National-mannschaften Schweiz und Liechtenstein. Schweiz Z Sportmed 29: 143±146 10. Spring H (1985) Was bringt das Stretching? Ergebnisse einer Nachkontrolle bei Ski-rennfahrern. Schweiz Z Sportmed 33: 21±24 11. Weber J (1981) Zur Prophylaxe von Verlet-zungen und Fehlbelastungsschäden bei Sportlern. Med Sport 21: 174±177 12. Wiemann K, Klee A, Startmann M (1998) Fila-ment äre Quellen der Muskelruhespan-nung und die Behandlung muskulärer Dysbalancen. Dtsch Z Sport Med 49: 111±118 13. Zemek MJ, Magee DJ (1996) Comparison of glenohumeral joint laxity in elite and re-creational swimmers. Clin J Sport Med 6: 40±47 Manuelle Medizin 2´99 95

×