„Photovoltaik-Contracting fürGebäude“Neue Geschäftsmodelle der zukünftigenEnergieversorgungNicolai Wenzel
Kontakt:Nicolai Wenzel,Stuttgart0151-58610654
InhaltsverzeichnisIInhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis......................................................................
AbbildungsverzeichnisIIAbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Zusammenhang von Preis- und Nachfragestimulation ..............9A...
TabellenverzeichnisIIITabellenverzeichnisTabelle 1: Überblick Anschaffungsinvestitionen......................................
AbkürzungsverzeichnisIVAbkürzungsverzeichnisAbs. AbsatzAC Alternating Current (engl. für: Wechselstrom)Aufl. AuflageAVBFer...
AbkürzungsverzeichnisVEngl. EnglischEVU EnergieversorgungsunternehmenGW GigawattGWp Gigawatt Peaki.d.R. in der Regeli.H.v....
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie61. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologieAls Mittel ...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie7Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wird die Technologie ...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie8Unmittelbar nach der Einführung des EEG, welches die deutsche Förd...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie9Abbildung 1: Zusammenhang von Preis- und NachfragestimulationBeson...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie10Technologie, sowie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undR...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie11Auch die Chronik des gesellschaftspolitischen Diskurses zeigt, da...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie12fung von 9,4 Mrd. Euro und über 100.000 Arbeitsplätzen eine feste...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie13auf über 10 Mrd. Euro taxiert. Weitere Nutzenaspekte sind bspw. d...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie14flächen ohne Berücksichtigung von Freiflächen wäre in Deutschland...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie15Förderung zu entkoppeln. Nach Einführung einer Managementprämie z...
1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie16Vergangenheit aufgrund der hohen Installationskosten von PV-Anlag...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich172. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäu-debereich2.1...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich18lage und finanziert sich über regelmäßige Zahlungen des Kunden...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich19racting-Modelle als Outsourcing der Energieversorgung, Drittfi...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich20Primärenergieeinsparung, sondern heben den Charakter derorgani...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich21Finanzierungs-Contracting und das Technische Anlagenmanagement...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich22diese in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung. In der...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich23Zusammenfassend läßt sich daher festhalten, dass sich mögliche...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich24branchen der Anbieter dabei ebenso vielfältig wie die einzelne...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich25Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Anbieter, ihren spezif...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich26das Technische Anlagenmanagement und das Finanzierungs-Contrac...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich27nehmen identifiziert werden, die Contracting aktiv anbieten. A...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich28eine Modellierung als Finanzierungs-Contracting oder als Techn...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich29 Die Finanzierung der Anfangsinvestition durch den Contractor...
2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich30bildung 7 illustriert den Unterschied zwischen den beidenOrgan...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings313. Ausrichtung und Aufbau eines PV-ContractingsNach Abschluss der allgeme...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings32Kunden so erheblich, dass eine nähere Charakterisierung unter diesen As-p...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings33EnBW wieder als grobe Orientierung dienen. Demnach rangieren 2013 diePrei...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings34Die Charakterisierung der bestehenden Strompreissegmente ist für die spä-...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings351. Produzierter PV-Strom ist größer als der Stromverbrauch der Cont-racti...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings36werden. Die organisatorische Ausgestaltung der wichtigsten Bestandteileei...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings37Darüber hinaus sind die hier verwendeten Vertragsbegrifflichkeiten rechtl...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings38dennoch der vornehmliche Zweck des PV-Contractings, nämlich dieLieferung ...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings39Leistungsstörung kommt, auch wenn er die Störung nicht direkt zu vertrete...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings40Anders als bei etablierten Contracting-Modellen der Wärmeenergieversor-gu...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings41Die Stromabnahme des Kunden ist daher für den wirtschaftlichen Betrieb de...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings42tet wird. Dabei unterscheidet die Existenz von zwei unterschiedlichen Ab-...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings43„Ein Grundstück kann in der Weise belastet werden, dass derjenige, zu des...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings44nanzierung24der Investition als Sicherungsmittel hinterlegen zu können(Dr...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings45Scheinbestandteils wird rechtlich auch vermutet, wenn der Contractor dieb...
3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings463.6 Umsetzungsphasen und AnlageninfrastrukturDer Ablauf eines Energielief...
Photovoltaik-Contracting für Gebäude
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Erneuerbarer Strom aus den Solarzellen vom Dach für Industrie und Private ohne eigene Investitionen; gleichzeitig langfristige Kundenbindung und sichere Umsätze für Energieerzeuger? Was als Contracting Modell in anderen Bereichen schon seit Jahrzenten erfolgreich praktiziert wird, könnte zukünftig auch für die Photovoltaik und die Energiewende als innovatives Geschäftsmodell eine immer größere Bedeutung gewinnen...

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  1. 1. „Photovoltaik-Contracting fürGebäude“Neue Geschäftsmodelle der zukünftigenEnergieversorgungNicolai Wenzel
  2. 2. Kontakt:Nicolai Wenzel,Stuttgart0151-58610654
  3. 3. InhaltsverzeichnisIInhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis..........................................................................................IAbbildungsverzeichnis ................................................................................IITabellenverzeichnis.....................................................................................IIIAbkürzungsverzeichnis ............................................................................. IV1. Historische Entwicklung der Photovoltaiktechnologie...................62. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich ........172.1 Evolution unterschiedlicher Contracting-Modelle......................172.2 Anbieterstruktur und Marktentwicklung von Contracting...........232.3 Relevante Contracting-Modelle für die PV und Treiber fürderen Nutzung..........................................................................273. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings ..........................313.1 Kundensegmentierung und Energielieferumfang .....................313.2 Allgemeine Bestimmungen und Rechtsnatur vonEnergiedienstleistungsverträgen ..............................................363.3 Liefer- und Leistungspflichten des Contractors ........................373.4 Abnahmepflicht von Kunden und Netzbetreibern .....................403.5 Eigentum und Zutritt zur Anlage ...............................................433.6 Umsetzungsphasen und Anlageninfrastruktur..........................464. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von PV-Contracting anhandeines Fallbeispiels............................................................................514.1 Darstellung des Fallbeispiels....................................................514.2 Investitions- und Kostenstruktur ...............................................534.3 Preis- und Umsatzstruktur........................................................574.4 Bewertung der Gesamtinvestition nach Zinsfuß- undKapitalwertmethode..................................................................614.5 Sensitivität ausgewählter Einflussfaktoren ...............................635. PV-Contracting als zukünftiges Geschäftsmodell einernachhaltigen Energieversorgung....................................................67Anhang ........................................................................................................ VILiteraturverzeichnis.................................................................................. VIII
  4. 4. AbbildungsverzeichnisIIAbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Zusammenhang von Preis- und Nachfragestimulation ..............9Abbildung 2: PV-Gestehungskosten und Haushaltsstromkosten imVergleich......................................................................................10Abbildung 3: Contracting Varianten nach DIN 8930 .....................................21Abbildung 4: Übersicht zum Hintergrund von Contracting-Anbietern............24Abbildung 5: Studienergebnisse zur Anbieterstruktur bei Contracting-Modellen im Vergleich..................................................................25Abbildung 6: Übersicht zu Contracting-Varianten nach ihrer relativenHäufigkeit.....................................................................................26Abbildung 7: Vergleich der Transaktionsbeziehungen zwischen demkonventionellen Modell der Energiebeschaffung und demContracting-Modell.......................................................................30Abbildung 8: Kategorisierung der Contracting-Projekte nachReferenzstrompreisen und Anzahl der Stromkunden ..................33Abbildung 9: Relevante Rechtsverhältnisse bei PV-Contracting mitVollversorgung (Legler, et al., 2013)............................................36Abbildung 10: Vergleich der EEG-Einspeisevergütung und denReferenzstrompreisen der Kundensegmente ..............................41Abbildung 11: Überblick zu den Umsetzungsphasen von PV-Contracting-Modellen ......................................................................................46Abbildung 12: Übersicht zu den Anlagenkomponenten eines PV-Contractings.................................................................................47Abbildung 13: Überblick zur Zählerstruktur bei der Ein-Kunden-Versorgung (links) und Mehr-Kunden-Versorgung (rechts) .........50Abbildung 14: Überblick Fallbeispiel.............................................................52Abbildung 15: EEG-Vergütung 100 kWp-PV-Anlage ....................................60Abbildung 16: Gegenüberstellung von Umsatz und Kosten pro Jahr............61Abbildung 17: Salden von Umsatz und Kosten pro Jahr...............................61Abbildung 18: Kapitalwertsensitivität bei Änderung der Investitionskosten...64Abbildung 19: Kapitalwertsensitivität bei Änderung der Anzahl der Strom-kunden.........................................................................................65Abbildung 20: Kapitalwertsensitivität bei Änderung der jährlichenStrompreissteigerungen für private Haushalte.............................66
  5. 5. TabellenverzeichnisIIITabellenverzeichnisTabelle 1: Überblick Anschaffungsinvestitionen............................................53Tabelle 2: Überblick Finanzierungskosten ....................................................54Tabelle 3: Übersicht Betriebskosten .............................................................55Tabelle 4: Übersicht Strombezugskosten .....................................................56Tabelle 5: Herleitung potentieller Nettoerlöse...............................................58Tabelle 6: Übersicht Umsätze der dezentralen Kundenversorgung..............59Tabelle 7: Übersicht Umsätze der EEG-Vergütung ......................................60Tabelle 8: Interner Zinsfuß und Kapitalwert des Fallbeispiels.......................63Tabelle 9: Legende zu den nummerischen Verweisen derWirtschaftlichkeitsbetrachtung ..................................................... VITabelle 10: Übersicht historische Strompreisentwicklung (Eurostat, 2013) .. VITabelle 11: Übersicht zu den Kostenpositionen des PV-Contractings.......... VITabelle 12: Übersicht zu den Umsatzpositionen des PV-Contractings........ VIITabelle 13: Interner Zinsfuß und Kapitalwert der Investition........................ VII
  6. 6. AbkürzungsverzeichnisIVAbkürzungsverzeichnisAbs. AbsatzAC Alternating Current (engl. für: Wechselstrom)Aufl. AuflageAVBFernwärmeV Verordnung über Allgemeine Bedingungen für dieVersorgung mit FernwärmeBBSR Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumfor-schungBBR Bundesamt für Bauwesen und RaumordnungBHKW BlockheizkraftwerkBGB BundesgesetzbuchBGBl BundesgesetzblattBGHZ Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivil-sachenBMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undReaktorsicherheitBMVBS Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadt-entwicklungBspw. BeispielsweiseBzw. BeziehungsweiseCuR Contracting und RechtDC Direct Current (engl. für: Gleichstrom)DIN Deutsche Industrie Norme.V. Eingetragener VereinEEG Erneuerbare-Energie-GesetzEDU EnergiedienstleistungsunternehmenEltRL ElektrizitätsbinnenmarktrichtlinieEnWG Energiewirtschaftsgesetz
  7. 7. AbkürzungsverzeichnisVEngl. EnglischEVU EnergieversorgungsunternehmenGW GigawattGWp Gigawatt Peaki.d.R. in der Regeli.H.v. in Höhe vonIEA Internationale EnergieagenturkW KilowattkWh KilowattstundeKWK Kraft-Wärme-KopplungkWp Kilowatt PeakMio. MillionenMwst. MehrwertsteuerNAV NiederspannungsanschlußverordnungNJW Neue Juristische WochenschriftOLG OberlandesgerichtPrKG PreisklauselgesetzPV PhotovoltaikStromGVV StromgrundversorugungsverordnungUrt. Urteilv. vomVgl. VergleicheVfW Verband für Wärmelieferung e.V.WM WertpapiermitteilungenZsh. Zusammenhangz.T. zum Teil
  8. 8. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie61. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologieAls Mittel zur Stromversorgung wird die Photovoltaik gegen Ende des 19.Jahrhunderts entdeckt. Nachdem Alexandre Edmond Becquerel 1834 alsErster den photoelektrischen Effekt beschrieb, stellt Charles Fritsch im Jahr1894 das erste funktionsfähige Solarmodul zur Stromversorgung vor. DasModul besteht aus Selenzellen, zwei Metallschichten und einer vergoldetenOberfläche und erreicht einen Wirkungsgrad von 1% (Wesselak, et al.,2012). Die praktische Anwendung erfolgt allerdings erst in den 50er Jahrendes letzten Jahrhunderts, als die Technologie –nun auch als Silizium-Solarzelle– erstmals zur Stromversorgung von Satelliten eingesetzt wird(Janzing, 2011). Gespeist allein durch Sonnenstrahlung und aufgrund ihrerLanglebigkeit avanciert die Photovoltaiktechnologie schnell zur dominantenQuelle der Stromversorgung im All (Wesselak, et al., 2012). Bei Kosten von2.000 Dollar pro Watt stellt die Technologie für terrestrische Anwendungenzu dieser Zeit allerdings keine wirtschaftliche Alternative zur konventionellenStromerzeugung dar (Janzing, 2011).1Erst in den 70er Jahren rückt die Photovoltaik als Mittel zur terrestrischenEnergieerzeugung in das Blickfeld der öffentlichen Diskussion. So fordernWissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology aufgrund derEndlichkeit fossiler Ressourcen in Ihrer Studie „Die Grenzen des Wachs-tums“ auf Basis computergestützter Simulationen2einen Wechsel in derEnergiepolitik hin zu erneuerbaren Energiequellen (Meadows, et al., 1972).Als kurze Zeit später in Folge der Ölkrise bundesweite Sonntags-Fahrverbotedie Abhängigkeit der Bundesrepublik vom Energieträger Öl verdeutlichen,stellt der damalige Bundesminister für Forschung und Technologie, HansMatthöfer, erstmals einen signifikanten Teil des Forschungsetats für erneu-erbare Energien zur Verfügung (Janzing, 2011).1Anlagenpreise heutiger Großanlagen liegen bei circa 1,50 € (netto) je installiertem Watt(Photon, 2013). Bei einem Wechselkurs von 1,30 Dollar/Euro kostet ein Modul je instal-liertes Watt demnach heute weniger als 1% des damaligen Preises.2In dem Buch „Die Grenzen des Wachstums“ beschreibt Dennis Meadows et al. im Auf-trag des Club of Rome, dass es in einem System mit begrenzten Ressourcen kein gren-zenloses Wachstum geben kann und simuliert Szenarien der globalen Entwicklung für dienächsten Dekaden. Vgl. hierzu (Meadows, et al., 1972)
  9. 9. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie7Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wird die Technologie erstmaligin netzfernen Gebieten zur Versorgung von kleinen Siedlungen oder zumBetrieb von Kommunikation- und Signalanlagen in Betrieb genommen. Suk-zessive errichten auch Großkonzerne wie AEG und RWE erste Anlagen zumTest der solaren Energieerzeugung (Janzing, 2011). Der Markt für netzge-koppelte PV-Anlagen entwickelt sich erst in den 1990er-Jahren (Wesselak, etal., 2012). Die gesetzliche Grundlage hierfür schafft das Stromeinspeisungs-gesetz, welches am 1. Januar 1991 in Kraft tritt. Demnach sind die Elektrizi-tätsunternehmen fortan verpflichtet „[…], den in ihrem Versorgungsgebieterzeugten Strom aus erneuerbaren Energien abzunehmen und den einge-speisten Strom […] zu vergüten.“ (BGBl I; S. 2633) Noch im selben Jahr star-ten Bund und Länder zusammen mit dem noch jungen Fraunhofer Institut fürSolare Energiesysteme das 1000-Dächer-Photovoltaik-Programm, welches2.250 privaten Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern bis zu 70%der Investitionskosten einer PV-Anlage erstattet. In den nachfolgenden Jah-ren werden im In- und Ausland weitere Programme mit wachsendem Förder-umfang aufgelegt (Wesselak, et al., 2012).3Der Durchbruch beim Ausbau der Solarstromanlagen erfolgt allerdings erstmit dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) durch die rot-grüne Bundesregierung am 1. April 2000. Neben der Verpflichtung der Netz-betreiber, PV-Anlagen an das öffentliche Netz anzuschließen und den produ-zierten Strom vorrangig abzunehmen, garantiert der Gesetzesrahmen erst-mals eine stückzahlunbegrenzte Förderung des PV-Stroms. Diese wird ge-treu dem Verursacherprinzip mittels einer Umlage von allen Stromverbrau-chern finanziert.4Aus diesen Mitteln wird den Anlagenbesitzern unabhängigvon öffentlichen Haushaltsmitteln über 20 Jahre hinweg eine fixe Vergütungpro eingespeiste Kilowattstunde PV-Strom gezahlt (Bundesministerium fürUmwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2000).31997 wird in Japan das 70.000 Dächer-Programm;. 1999 in Deutschland das 100.000Dächer-Programm aufgelegt. Die Förderung der Anlagen erfolgt über einen Zuschussoder eine zinssubventionierte Finanzierung (Wesselak, et al., 2012).4Das EEG wird in der Folge mehrfach novelliert. In seiner aktuellen Fassung ist das Ge-setz lediglich beschränkt verursachergerecht, da energieintensive Unternehmen sich vonder Zahlung der Umlage befreien lassen können, sodass die Kosten der Vergütungssätzenur noch auf einen Teil der Stromkunden umgelegt werden (Bundesministerium fürUmwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2008).
  10. 10. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie8Unmittelbar nach der Einführung des EEG, welches die deutsche Förderungunverändert prägt, avanciert der deutsche PV-Markt zum größten weltweit.Im Jahr 2011 sind hierzulande 37% der weltweiten PV-Kapazität installiert,erst mit deutlichem Abstand folgen Länder mit mehr Sonnenscheinstundenwie Italien mit 18%, oder die USA mit 7% (Fraunhofer ISE, 2012). Nach kürz-lich veröffentlichten Zahlen der Bundesnetzagentur und des Bundesumwelt-ministeriums erreicht der PV-Zubau im vergangenen Jahr mit 7,6 Gigawattein neues Allzeithoch, sodass mittlerweile 32,4 Gigawatt Solarleistung bun-desweit installiert sind. Nach 3% in 2011 wird damit im Jahr 2012 circa 5%des gesamten deutschen Strombedarfs gedeckt (Burger, 2013). Der Aus-bauerfolg auf Basis des EEG entfaltet dabei auch eine Signalwirkung für an-dere Länder nach dessen Vorbild in der Folge ähnliche PV-Fördergesetze inüber 50 Staaten weltweit verabschiedet werden. Die deutsche Solarförde-rung ist somit im letzten Jahrzehnt für den globalen Ausbau der PV internati-onal richtungsweisend gewesen (Janzing, 2011).Der Ausbauerfolg im Zusammenhang mit der EEG-Förderung beruht dabeiauf einem Marktmechanismus, der zu einer Kostensenkung durch eine Effi-zienzsteigerung der solaren Wertschöpfungskette führt (Scheer, 2010).Durch die kostendeckende Vergütung wird anfangs eine stabile Marktnach-frage initiiert. Diese dient den Unternehmen als hinreichende Planungsgrund-lage, um in nennenswerte Produktionskapazitäten zu investieren. Die neuengrößeren Kapazitäten ermöglichen es den Unternehmen gleichzeitig ihreProduktion mittels industrieller Fließfertigung zu rationalisieren. Die Weiter-entwicklung des Produktionsprozesses sowie die mit Massenfertigung ein-hergehenden Größendegressionseffekten führen im Zeitablauf zu einer Kos-ten- und Preisreduktion auf dem Markt (Wagemann, et al., 2010). Die gesun-kenen Preise wirken wiederum stimulierend auf die Nachfrage. Auf Basis derstückzahlunbegrenzten Fördergesetzgebung kommt es so zu einem sichselbst verstärkendem Regelkreis aus steigender Nachfrage, Professionalisie-rung der Fertigung und sinkenden Preisen.
  11. 11. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie9Abbildung 1: Zusammenhang von Preis- und NachfragestimulationBesonders deutlich wurden die Preissenkungen im Jahr 2011 aufgrund einesMissverhältnisses von Angebot und Nachfrage. Trotz eines weltweiten Nach-fragewachstums von über 70% gegenüber dem Vorjahr auf 27,7 GWp, ste-hen mit über 50 GWp deutliche Angebotsüberschusskapazitäten zur Verfü-gung (Kost, et al., 2012). Zusammen mit einer sinkenden Einspeisevergütungin Deutschland erhöht dies den Preisdruck auf die Anbieter. Als Folge fallenim Verlauf des Jahres 2012 die Großhandelspreise für PV-Module um über40% (pvXchange GmbH, 2013). Auf dem deutschen Strommarkt führt dieserstmals dazu, dass die Stromgestehungskosten von PV-Anlagen unterhalbder durchschnittlichen Stromkosten der privaten Haushalte liegen. Demnachbetragen nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesys-teme ISE die Kosten für photovoltaisch erzeugten Strom kleinerer Auf-Dachanlagen Anfang 2012 zwischen 13,7 und 20,3 €-Cent pro Kilowattstun-de5, abhängig von spezifischen Investitionskosten und regionalen Strah-lungsverhältnissen. Bei größeren Anlagen über 10 KWp, wie sie bspw. aufLagerhallen oder Freiflächen üblich, sind die Kosten noch niedriger (Kost, etal., 2012). Demgegenüber steigt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis2011 um 6,5% auf 25,3 Euro-Cent (Bundesministerium für Wirtschaft und5Es werden Einstrahlungswerte von 1100-1300 kWh/m²/Jahr (≈ Stromertrag von 900 und1100 kWh/kWp), sowie spezifische Investitionskosten zwischen 1700 €/kWp und 2200€/kWp angesetzt. Die Angaben zu den Stromgestehungskosten an dieser Stelle wie auchim weiteren Verlauf der Arbeit erfolgen exklusive Mwst., vgl. hierzu: (Kost, et al., 2012).SteigendeNachfrageProfessionaliserungder WertschöpfungSinkende Preise
  12. 12. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie10Technologie, sowie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undReaktorsicherheit, 2012)6. Wie in der folgenden Abbildung ersichtlich, ist pho-tovoltaisch erzeugter Strom gegenüber dem Haushaltsstromtarif erstmalsdeutlich günstiger und zwar um 24 – 46 %.7Abbildung 2: PV-Gestehungskosten und Haushaltsstromkosten im VergleichAcht von zehn Studien von Forschungsinstituten haben in der Vergangenheitdie reale Ausbaugeschwindigkeit der Photovoltaik systematisch unterschätzt(Pieprzyk, et al., 2009). So prognostiziert beispielsweise die InternationaleEnergieagentur (IEA) 2002 eine Photovoltaik-Kapazität von 4 Gigawatt fürdie EU-15 im Jahr 2020, dieser Wert wird bereits im Jahr 2008 mit 9,3 Giga-watt von der tatsächlichen Kapazität deutlich übertroffen (Scheer, 2010). Be-reits 2013, sieben Jahre vor dem Prognosezieljahr, sind allein in Deutschlandbereits über 800% der prognostizierten Kapazität für die EU-15 installiert(Burger, 2013).6Bei Verbrauch von 3.500 kWh/Jahr und inkl. Steuern und Abgaben, vgl. hierzu:(Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, sowie Bundesministerium fürUmwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2012)7Die genannten Haushaltsstromkosten beziehen sich auf die tatsächlichen Beschaffungs-kosten inklusive Mwst. und sonstigen Abgaben. Die Stromgestehungskosten konventio-neller Energieträger sind aufgrund von Steuern und Abgaben weitaus geringer.
  13. 13. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie11Auch die Chronik des gesellschaftspolitischen Diskurses zeigt, dass dasThema Photovoltaik bis heute von groben Fehleinschätzungen und Vorurtei-len geprägt ist. So konstatiert ein frühes Thesenpapier der CDU: „Sonnen-energie kann nur zur Wärmeversorgung eingesetzt werden.“ (CDU, 1977).Während dies in Deutschland alsbald widerlegt wird (siehe Ausführungenweiter oben) behauptet die Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,Dr. Angela Merkel, noch im Jahr 2005: „Den Anteil erneuerbarer Energienam Stromverbrauch auf 20 Prozent zu steigern, ist wenig realistisch. Ichglaube, es ist unrealistisch zu erwarten, dass erneuerbare Energien eine Lü-cke schließen können, die zum Beispiel durch die frühzeitige Abschaltungvon Kernenergie geöffnet würde.“ (Dr. Merkel, 2005). Nur zwei Jahre spätervertritt Frau Merkel als Bundeskanzlerin und EU-Ratsvorsitzende einen Be-schluss, der einen Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtenergiever-brauch von 20% bis 2020 europaweit vorschreibt (Scheer, 2010). Weiterevier Jahre später verantwortet Frau Merkel den Beschluss zum Atomausstiegin Deutschland und die sofortige Abschaltung von acht Atomkraftwerken. Dieerneuerbaren Energien erzeugen im gleichen Jahr erstmals 2% mehr Stromals alle deutschen Atomkraftwerke und etablieren sich als zweitgrößte Ener-giequelle im deutschen Strommix (Die Bundesregierung, 2012).Ähnlichen Fehleinschätzungen unterlagen auch Verantwortungsträger undvermeintliche Experten der Energiebranche. So gibt sich Hans-Peter Villis,damaliger Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württemberg (EnBW),in einem Interview der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2008 überzeugt: „Füreine […] Nutzung der Solarenergie scheint in Deutschland zu selten die Son-ne. Der Solaranteil an der Energieerzeugung wird auch 2020 noch bei gera-de mal einem Prozent liegen.“ (Villis, 2009). Sein Kollege Jürgen Großmann,seinerzeit Vorstandsvorsitzender der RWE, äußerte sich auf der Handels-blatt-Jahrestagung in Berlin in ähnlichem Geiste und befand die Photovoltaikin Deutschland als so sinnvoll, „wie Ananas züchten in Alaska“ (Flauger, etal., 2012). Im Laufe des Jahres 2012, weniger als ein Jahr nach GroßmannsÄußerungen zwingt die Entwicklung auf dem deutschen Strommarkt die etab-lierten Energieversorger zu, einem Revidieren ihrer Positionen. Bereits achtJahre vor dem Prognosezieljahr übertrifft der Solarstromanteil die Einschät-zung von Villis um das 5-fache und ist die PV-Branche mit einer Wertschöp-
  14. 14. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie12fung von 9,4 Mrd. Euro und über 100.000 Arbeitsplätzen eine festen Größeim deutschen Energiemarkt (Bundesministerium für Wirtschaft undTechnologie, sowie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undReaktorsicherheit, 2012). Entsprechend räumt der Nachfolger von HerrnGrossmann, der jetzige RWE-Chef Peter Terium, im gleichen Jahr ein: „Dasswir die Solar-Technik lange komplett abgelehnt haben, war aus heutigerSicht ein Fehler" (Klormann, 2012). Zudem stoppen die beiden großen deut-schen Atomenergiekonzerne EON und RWE in Großbritannien aufgrund zuhoher Kosten den Bau neuer Atomkraftwerke (Deutsche Presse Agentur &Reuters, 2012). Ein Blick auf andere europäische Energiekonzerne offenbartähnliche Entscheidungen. In Frankreich, einem Land mit einer traditionellstarken gesellschaftspolitischen Unterstützung für Atomstrom, zieht sich derEnergiekonzern ENEL von dem Bau eines Atomkraftwerks zurück(Finkenzeller, 2012). Nach aktuellen Berechnungen des Konzerns liegen dieStromgestehungskosten 20 % über denen erneuerbarer Energiequellen(Balmer, 2012).8Mit der Aufgabe alter Positionen und der offenen Unterstützung erneuerbarerEnergien schließen sich Politik und Wirtschaft letztlich dem gesellschaftlichenMeinungsbild in Deutschland an. Im Jahr 2011 befürworten gemäß einer Um-frage von TNS-Infratest 94% (Folgeumfrage 2012 93% (TNS-Infratest, 2012))der Deutschen einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Die PVerreicht bei den Befragten die höchste Akzeptanz und wird gegenüber Wind-kraft und Bioenergie favorisiert (TNS-Infratest, 2011). Ein Grund für die breiteUnterstützung des Ausbaus der PV ist in den positiven Nutzeneffekten derErneuerbaren Energien zu sehen. So nennen über 70% der Befragten dieZukunftsfähigkeit und den Klimaschutz als wichtigste Vorteile dieser Erzeu-gungsart (TNS-Infratest, 2011). Nach unterschiedlichen Berechnungen diver-ser Forschungsinstitute zur monetären Wirkung erneuerbarer Energien wirdallein im Jahr 2011 der volkswirtschaftliche Nutzen der vermiedenen Emissi-onen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen durch Erneuerbare Energien8Nach einer aktuellen Studie des Frauenhofer-Instituts für solare Energiesysteme ISE istdie Onshore-Windenergieerzeugung die derzeit billigste Form der erneuerbaren Energie-erzeugung mit Stromentstehungskosten von 6-8 €-Cent/kWh; danach folgt die Photovol-taik mit Kosten von 13-16 €-Cent/kWh Andere erneuerbare Energieformen, wie bspw.Wasserkraft und Biomasse werden in diesem Rahmen nicht berücksichtigt. Vgl. hierzu:(Kost, et al., 2012).
  15. 15. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie13auf über 10 Mrd. Euro taxiert. Weitere Nutzenaspekte sind bspw. die verrin-gerten Rohstoffimporte i.H.v. 6 Mrd. Euro, Investitionen und Branchenumsät-zen i.H.v. 47 Mrd. Euro, eine Branchenbeschäftigung von 381.600 Personenund intangible Effekte wie z.B. Technologieführerschaft (Fraunhofer-Institutfür System- und Innovationsforschung (ISI), Deutsches Institut fürWirtschaftsforschung (DIW Berlin), Gesellschaft für WirtschaftlicheStrukturforschung mbH (GWS), Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES),2012).Auf Basis der vergangenen Ausbauerfolge der Erneuerbaren Energien, derbreiten gesellschaftlichen Unterstützung für deren Fortführung und einer ver-schärften klimapolitischen Diskussion hat die Politik deutliche Wachstumszie-le für die Erneuerbaren Energien bestimmt. Demnach soll bis zum Jahr 2050mindestens 80% der Stromversorgung durch Erneuerbare Energien bereit-gestellt werden (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz undReaktorsicherheit, 2012). Begleitend wurden hierzu in den letzten JahrenStudien veröffentlicht, die langfristig eine vollständige Umstellung der Ener-giewirtschaft von fossil-nuklearen auf erneuerbare Quellen skizzieren(McKinsey & Company, 2010; Umweltbundesamt, 2010; Henning, et al.,2012). Dabei kommen alle Arbeiten zu zwei gemeinsamen Erkenntnissen:1. Eine vollständige zukünftige Stromerzeugung auf Basis Erneuer-barer Energien ist möglich und nicht kostenintensiver als einefossil-nuklear basierte Stromerzeugung. Hierzu McKinsey & Com-pany in der Studie Roadmap 2050: “The key finding […] is, that thechallenge is basically the same in either a high-carbon, low-carbon orzero-carbon energy scenario, in terms of overall cost to consumersand the European economy.” (McKinsey & Company, 2010)2. Die Umstellung auf eine erneuerbare Energieerzeugung ist nurbei einem weiteren Ausbau der Solarstromerzeugung möglich.Als Zielwert einer erneuerbaren Energieerzeugung wird beispielsweiseim mittleren Szenario des Fraunhofer-Instituts eine PV-Kapazität von205 GW für Deutschland ausgewiesen, was 630% der heute installier-ten Kapazität entspricht (Henning, et al., 2012). Zudem belegen weite-re Berechnungen, beispielsweise des Umweltbundesamtes, das Po-tential von PV-Flächen: Nur bei einer Nutzung bestehender Siedlungs-
  16. 16. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie14flächen ohne Berücksichtigung von Freiflächen wäre in Deutschlandbei dem heutigen Stand der Technik eine PV-Kapazität von 275 GW9verfügbar (Umweltbundesamt, 2010).Gerade in Anbetracht dieses Ausbaupotentials und den beschriebenen posi-tiven Nutzeffekten obliegt es einer ganzheitlichen Betrachtung auch die aktu-ellen Probleme des PV-Ausbaus zu beleuchten. Insbesondere die Förderge-setzgebung steht heute aufgrund steigender Belastungen der Stromkundenin der Kritik. Allein im Jahr 2011 müssen die Stromkunden zur Finanzierungder EEG-Umlage 16,72 Mrd. Euro aufwenden (Bundesministerium fürWirtschaft und Technologie, sowie Bundesministerium für Umwelt,Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2012). In Folge des weiterhin starkenAusbaus der PV-Anlagen stieg die EEG-Umlage von 2012 zu 2013 um 46%auf 5,27 Euro Cent pro Kilowattstunde (Bundesverband ErneuerbareEnergien e.V., 2012) und wurde somit im 13. Jahr Ihres Bestehens zum 12.Mal erhöht. Ihr Anteil an den Haushaltsstromkosten ist damit auf über 20%gestiegen (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, sowieBundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2012).Das steigende Fördervolumen führt folglich zu einer stetig zunehmenden fi-nanziellen Belastung von nicht befreiten Unternehmen und privaten Verbrau-chern. Die Bundesregierung hat auf die massiv steigenden Kosten reagiert,indem sie die wesentliche Herausforderung derzeit in der Sicherstellung von„Kosteneffizienz sowie Markt- und Systemintegration der ErneuerbarenEnergien“ sieht und zu dessen Erreichung das EEG seit 2009 wiederholt no-velliert hat (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, sowieBundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2012).Neben mehrfachen außerordentlichen Senkungen der Fördersätze wurde2012 erstmalig auch ein endgültiges Auslaufen der PV-Förderung nach Er-reichen einer installierten Kapazität von 52 GW beschlossen. Zudem ver-sucht der Gesetzgeber zunehmend, die PV-Stromerzeugung von der EEG-9Andere Forschungsprojekte stützen diese Erkenntnisse: Bereits im Jahr 2008 ermitteltdas Forschungsprojekt SUN-AREA von M. Klärle mittels hochauflösender Fernerkun-dungsdaten (Lasermessung aus der Luft), dass in der Stadt Osnabrück eine hinrei-chende Anzahl geeigneter Dachflächen zur PV-Stromproduktion existieren, um den ge-samten privaten Stromverbrauch der Stadt zu decken (Ludwig, et al., 2008).
  17. 17. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie15Förderung zu entkoppeln. Nach Einführung einer Managementprämie zurFörderung der Selbstvermarktung Anfang 2012 wurde mit der jüngsten No-vellierungen zum 1. April 2012 das sogenannte Marktintegrationsmodell ein-geführt, nach dem fortan maximal 90% des erzeugten Stroms von PV-Anlagen zwischen 10-100kW-Nennleistung über EEG-Zahlungen vergütetwerden (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,2012). Eine solche Anlage ist fortan nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn derAnlagenbesitzer den restlichen Strom selbst vermarktet oder verbraucht.Künftig wird die Notwendigkeit einer Selbstvermarktung, bzw. eines Selbst-verbrauchs voraussichtlich weiter zunehmen. Trotz der beiden Novellierun-gen des EEGs im letzten Jahr diskutieren politische Entscheidungsträgerweitergehende Maßnahmen zur Reform des EEGs, die aufgrund der stetigsteigenden Belastung der Stromverbraucher wahrscheinlich eine weitereSenkung der Fördersätze und eine zunehmende Marktintegration, d.h. weni-ger Regulierung und Förderung, der PV beinhalten wird (Altmaier, 2012;Rösler, 2013).Der künftige Einsatz der Photovoltaiktechnologie bewegt sich in Deutschlandpolitisch wie unternehmerisch somit zwischen zwei Spannungsbögen. Einer-seits existiert die gesellschaftliche Erwartung, den Anlagenbestand zurStromerzeugung aus klimapolitischer Verantwortung weiter auszubauen. An-dererseits setzt jedes Vermeiden zusätzlicher Belastungen voraus, dass die-ser Ausbau zunehmend wirtschaftlich eigenständig, d. h. unabhängig vongesetzlichen Förderungen gelingt. Einer vorausschauenden Betrachtungstellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, wie dieses Spannungsverhältniszukünftig überwunden werden kann.Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leis-ten, indem sie untersucht inwieweit Modelle anderer Branchen auf die Ver-marktung der PV übertragen werden können. Der thematische Fokus wirdauf sogenannte Contracting-Modelle gelegt, wie sie seit längerem z. B. imRahmen der Wärmeenergiebereitstellung in Gebäuden erfolgreich umgesetztwerden. Hierbei übernimmt ein Anbieter als Fachexperte die Planung, Finan-zierung, Installation und den Betrieb einer Anlage direkt beim Kunden undamortisiert seinen Aufwand über einen langfristigen angelegten Verkauf dererzeugten Energie (von Braunmühl, 2000). Während diese Modelle in der
  18. 18. 1. Historische Entwicklung der Photovoltaik-technologie16Vergangenheit aufgrund der hohen Installationskosten von PV-Anlagen wirt-schaftlich weitgehend uninteressant waren, entsteht durch die jüngste Sen-kung der Stromgestehungskosten unter den Endkundenpreis erstmals einepotentielle Marge, die eine nähere Betrachtung des Modells in diesem Zu-sammenhang rechtfertigt.Ausgangspunkt für die Betrachtung in den folgenden Kapiteln bildet diegrundlegende Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Contracting undseinen unterschiedlichen Formen, die sich in der Praxis etabliert haben. An-schließend wird analysiert, welche Anforderungen sich aus einem PV-Contracting ergeben und wie wesentliche Inhalte eines solchen Geschäfts-modells organisatorisch ausgestaltet werden könnten. Insbesondere wird dieFrage behandelt, unter welchen rechtlich-organisatorischen Limitationen einpotentielles PV-Contracting angeboten werden kann. Im nächsten Schritt solluntersucht werden, ob heute oder in absehbarer Zukunft eine wirtschaftlicheGrundlage existiert, die es für Anbieter und Kunden attraktiv erscheinenlässt, eine solche Dienstleistung anzubieten. Die Erkenntnisse der Arbeit re-sümierend versucht das abschließende Kapitel eine zusammenfassendeBewertung der Sinnhaftigkeit von PV-Contracting als Geschäftsmodell einernachhaltigen Energieversorgung.
  19. 19. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich172. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäu-debereich2.1 Evolution unterschiedlicher Contracting-ModelleDer Begriff "Contracting" ist auf das englische Substantiv "Contract" (= Ver-trag) zurückführen, sodass die Etymologie bereits das Wesensmerkmal deszugrundeliegenden Geschäftsmodells indiziert (Meinefeld, 2004). Der Vertragdient als Grundlage der langfristigen Regelung eines Geschäfts zur Energie-dienstleistung im Gebäudebereich zwischen zwei Vertragsparteien. Der so-genannte Contracting-Geber (im Folgenden „Contractor“) tritt dabei als An-bieter einer Energiedienstleistung auf, die vom Kunden, dem sogenanntenContracting-Nehmer, nachgefragt wird. Die Konditionen bzgl. Leistung undGegenleistung zwischen den Parteien werden in einem Energiedienstleis-tungsvertrag vereinbart. Charakteristisch für den Vertrag ist eine langfristigezeitraumbezogene Bindung der Vertragsparteien, innerhalb welcher derContractor gegenüber dem Kunden die Verantwortung für die vereinbarteEnergiedienstleistung gegen Entgelt übernimmt (Hack, 2012).Contracting-Modelle sind keine neue Entwicklung. Bereits dem EngländerJames Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine, wird nachgesagt, den nurmäßigen Absatz seiner neuen Maschine mithilfe eines Contracting-Modellsstimuliert zu haben. Da Ende des 18. Jahrhunderts potentielle Käufer dieVorteile der Maschine als gering einschätzten und folglich das Risiko der An-schaffung scheuten, soll er ihnen folgendes Angebot unterbreitet haben:„Wir werden Ihnen kostenlos eine Dampfmaschine überlassen. Wir werdendiese installieren und für fünf Jahre den Kundendienst übernehmen. Wir ga-rantieren Ihnen, dass die Kohle für die Maschine weniger kostet, als Sie ge-genwärtig an Futter (Energie) für die Pferde aufwenden müssen, die die glei-che Arbeit tun. Und alles, was wir von Ihnen verlangen, ist, dass Sie uns einDrittel des Geldes geben, das Sie sparen.“ (zitiert nach von Braunmühl,2000; S. 7)Schon die damalige Offerte von Watt enthält bereits wesentliche Aspekte derheute am Markt üblichen Contracting-Lösungen. Demnach übernimmt derContractor die Investition und die Betriebsführung der Energieerzeugungsan-
  20. 20. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich18lage und finanziert sich über regelmäßige Zahlungen des Kunden, die übereinen längerfristigen Zeitraum zwischen den beiden Parteien vereinbart sind.Im Kern handelt es sich dabei um einen Transfer von Risiko und Aufwandvom Kunden zu Lasten des Contractor, der hierfür eine langfristig planbarefinanzielle Entlohnung erhält. Aus Sicht des Kunden bezeichnet von Braun-mühl Contracting daher als ein „Rundum-Sorglos-Paket“ (von Braunmühl,2000; S. 6).Nennenswerte Geschäftsvolumina erreichen Contracting-Modelle erstmalsim Nordamerika der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Anstattihren Kunden lediglich Energieanlagen zu verkaufen, beginnen erste Unter-nehmen zusätzlich die Finanzierung und die Betriebsführung für die Kundenzu übernehmen (Geiß, 2006). In Zeiten der Ölkrise und stetig steigenderEnergieverbräuche wird Contracting als Mittel propagiert den alten Anlagen-bestand durch neue energieeffizientere Anlagen zu ersetzen und gleichzeitigdurch eine professionelle Betriebsführung brach liegende Einsparpotentialezu heben. Während sich die Unternehmen durch die Ausweitung ihres Leis-tungskatalogs zusätzliche Umsätze versprechen, besteht der Vorteil für dieKunden darin, dass sie neben dem vermiedenen Aufwand für Investition undBetriebsführung häufig auch anteilig an den Einsparungen partizipieren.Aufgrund dieser Vorteile und im Zuge der steigenden Akzeptanz externerDienstleistungen werden in den USA 1985 bereits 50% aller Investitionen zurEnergieerzeugung in öffentlichen Gebäuden durch externe Anbieter finan-ziert (Meinefeld, 2004). In dieser Zeit entwickelt sich eine Vielzahl eng ver-wandter oder gar synonymer Begriffe, wie Public-Private-Partnership, Inde-pendent-Power-Producer-Model, Third-Party-Financing oder PerformanceContracting, die allesamt Contracting-Elemente beinhalten (Henzelmann,1995; Göllinger, 2001).Zwar lassen sich auch in Deutschland bereits im Laufe der 80er Jahre ersteNachweise von Contracting finden, doch handelt es sich hierbei lediglich umvereinzelte Pilotanlagen, bzw. öffentlich geförderte Forschungsprojekte(Meinefeld, 2004). Erst als in den 1990er Jahren erfolgreiche Projekte ausdem europäischen Umland in Großbritannien und Skandinavien bekanntwerden, beginnen sich hierzulande Contracting-Lösungen im Markt zu etab-lieren (Geiß, 2006). Je nach Schwerpunkt und Perspektive werden die Cont-
  21. 21. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich19racting-Modelle als Outsourcing der Energieversorgung, Drittfinanzierung,Dienstleistung über Dritte, Energieversorgungs-Outsourcing, Betreibergesell-schaft, Energie-Contracting, Energiedienstleistung oder gewerbliche Wärme-lieferung bezeichnet (BMVBS, BBSR, BBR, 2009) (Geiß, 2006).Die Bezeichnungsvielfalt einander ähnelnder Modelle ist dabei auch Aus-druck der unterschiedlichen Strömungen, die in der Branche existieren. Einweit verbreitetes Verständnis von Contracting rückt die Erzielung von Effizi-enzgewinnen als Charakteristikum in den Mittelpunkt. So schreibt bspw.Meinefeld: „Ziel aller Contracting-Modelle soll […] die Verbesserung der Effi-zienz sein.“ (Meinefeld, 2004; S. 74). Ebenso führt Knott im Rahmen seinerfünf Kriterien zur Beschreibung von Contracting als erstes an: „Contracting-Konzepte dienen der Realisierung von wirtschaftlich sinnvollenEffizienzverbesserungen bei der Energieerzeugung, -umwandlung und –nutzung.“ (Knott, 1997; S. 21f.). Diese Auslegung von Contrachting, lässtsich auf die ursprüngliche Fokussierung der Branche auf die Bereitstellungvon Wärmeenergie in den 1990er Jahren zurückführen. Analog zum Einsatzder Kontrake in den USA bildet in dieser Zeit das Versprechen derEnergieeinsparung durch Effizienzverbesserung die Grundlage desGeschäftsmodells in Deutschland. Im Zuge der immer stärker in denöffentlichen Fokus rückenden Umwelt- und Klimaschutzaspekte wirdContracting als integriertes Konzept verstanden, um wirtschaftliche undökologische Ziele zu verbinden. In Ihrem Selbstverständnis definieren sichdie Anbieter von Contracting deshalb häufig als „Lieferanten vonökoeffizienten Dienstleistungen“ (Geiß, 2006; S. 269). Ausdruck dieserAusrichtung ist nicht zuletzt die Gründung und Namensgebung des Verbandsfür Wärmelieferung e.V. (im Folgenden VfW), welcher als Dachorganisationzur Förderung von Contracting-Modellen aus einem Forschungsprojekt zureffizienteren Wärmeenergiebereitstellung hervorgeht (Verband fürWärmelieferung e.V., 2012).Mit der zunehmenden Verbreitung und der Entwicklung neuer Contracting-Mischformen hat sich die Bedeutung in den letzen Jahren allerdings vondiesem ursprünglichen, engen Verständnis erweitert. Heutige Definitionen,wie sie auch für den Verlauf dieser Arbeit maßgeblich sein sollen, definierenden Begriff nicht über die Erzielung von Energieeffizienz oder
  22. 22. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich20Primärenergieeinsparung, sondern heben den Charakter derorganisatorischen Arbeitsteilung hervor. In diesem Sinne beschreibt bspw.die EnergieAgentur.NRW Contracting folgendermaßen:„Contracting bedeutet die Übertragung von Aufgaben derEnergiebereitstellung und Energielieferung auf ein darauf spezialisiertesUnternehmen (Contractor)“ (EnergieAgentur.NRW, 2007; S. 6)10Der Vergleich zwischen dem traditionellen Contracting-Verständnis von Knottund Meinefeld einerseits und dem der EnergieAgentur.NRW andererseitsverdeutlicht den evolutionären Bedeutungswandel des Konzepts. Für diethematische Einordnung dieser Arbeit ist dies von wesentlicher Bedeutung,da das heutige Verständnis grundsätzlich auch Erneuerbare Energiequellenwie die Photovoltaiktechnologie einschließt, auch wenn diese nichtnotwendigerweise zu einer Effizienzverbesserung, sondern lediglich zurSubstitution von Kohle, Gas, Öl, etc. durch den Primärenergieträger Sonneführen. Dies ist insofern eine neue Entwicklung, da die bisherige LiteraturPhotovoltaik-Contracting nicht explizit berücksichtigt.11In der deutschen Gesetzgebung wird der Begriff "Contracting" bisher nichtverwendet, sondern mit dem weitgehend synonymen TermEnergiedienstleistung beschrieben (BGBl.I 2010 S.1483). Demgegenüber hatsich in der Fachliteratur Contracting als dominante Begriffsbezeichnung (z.T.auch als Energie-Contracting) heute weitgehend durchgesetzt (Hack, 2012).Dies ist auch auf eine Initiative des Deutschen Institut für Normung e.V. ausdem Jahr 2003 zurückzuführen, welches den Begriff in der DIN 8930 Teil 5(Contracting) erstmals aufgreift uns somit den Grundstein für eineeinheitliche Terminologie wie Verständnis legte. Wie in Abbildung 3dargestellt, werden in der DIN 8930 vier „Contracting-Varianten in Ihrenreinen Ausprägungen festgelegt“ (DIN 8930 Teil 5; S.2). Es handelt sichhierbei um das Energieliefer-Contracting, das Einspar-Contracting, das10Ähnlich lautende Definitionen finden sich auch in anderen Literaturquellen. Vgl. hierzubspw. (Meinefeld, 2004) oder (DIN 8930, 2003)11Dem Autor dieser Arbeit liegen trotz mehrmonatiger Recherche keine Literaturquellenvor, die sich dem Thema Photovoltaik-Contracting widmen. Zwar berücksichtigen einigeBeiträge die Solarenergie, jedoch ist hiermit entweder Solarthermie gemeint, oder die Be-trachtung verbleibt abstrakt, ohne die Besonderheiten der Photovoltaiktechnologie zuthematisieren. Vgl. hierzu bspw. (Geiß, 2006), oder (BMVBS, BBSR, BBR, 2009)
  23. 23. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich21Finanzierungs-Contracting und das Technische Anlagenmanagement.Diese Kategorisierung wird im Folgenden kurz dargestellt, da sie im Sinneeines eindeutigen Begriffsverständnisses dem weiteren Verlauf dieser Arbeitals Grundlage dient.Abbildung 3: Contracting Varianten nach DIN 8930Beim Energieliefer-Contracting übernimmt der Contractor die Verantwor-tung für die Versorgung des Kunden mit Energie, wie bspw. Wärme, Kälte,Licht, oder Strom, auf der Basis von langfristigen Verträgen. Er investiertentweder in eine Neuanlage oder übernimmt die bestehende Anlage, die erfortan unter eigenem Risiko betreibt und instand hält. Üblicherweise handeltes sich bei diesem Modell um eine dezentrale Energieerzeugungsanlage di-rekt auf dem Grundstück des Nutzers oder in dessen räumlicher Nähe. ImGegensatz zu konventionellen Energieversorgern endet die Lieferpflicht nichtmit der Bereitstellung von Energieträgern wie Öl oder Gas, sondern geht da-rüber hinaus, indem der Contractor auch die dezentrale Umwandlung derEnergieträger vom Kunden übernimmt, um ihn unmittelbar mit der benötigtenEnergie des täglichen Gebrauchs in Form von Wärme oder Strom zu versor-gen. Nach der DIN 8930 besteht die Leistungsvergütung durch den Kunden„aus dem Entgelt für die bezogene Nutzenenergie, die Vorhaltung der Ener-gieerzeugungsanlage und die Abrechnung.“ (DIN 8930 Teil 5; S.4).Beim Einspar-Contracting liegt der Fokus nicht auf der Energieer-zeugung, sondern auf der Optimierung der Energienutzung und des Energie-verbrauchs. Der Contractor identifiziert mit dem Kunden Einsparpotentialeam Gebäude im Zusammenhang mit dem Verhalten der Nutzer und realisiertEnergieliefer-Contracting Einspar-ContractingFinanzierungs-ContractingTechnischesAnlagenmanagementContracting-Varianten
  24. 24. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich22diese in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung. In der Regel se-hen die Verträge vor, dass sich die Kosten während der Vertragslaufzeit fürden Kunden nur unwesentlich ändern, sodass der Contractor seinen Auf-wand aus den erzielten Einsparungen finanzieren kann. Da die erzielten Ein-sparungen zumeist dauerhafter Natur sind, profitiert der Kunde hiervon nochnach Ende des Contracting-Vertrags (BBSR, BBR, 2012).Dem Finanzierungs-Contracting kann eine Energieeinsparung oder eineEnergielieferung zugrunde liegen. Charakteristisch hierfür ist, dass der Cont-ractor die anfängliche Investition übernimmt, d.h. Planung, Finanzierung undErrichtung, bzw. Installation, der Anlage. Für die Bereitstellung erhält er inder Folge vom Kunden wiederum ein vereinbartes Entgelt. Im Gegensatz zuden vorhergehenden Varianten ist die Betriebsführung weiterhin Aufgabe desKunden. Da die Gesamtverantwortung der Maßnahme bei dieser Variantebeim Kunden verbleibt, hat der Contractor lediglich einen Anreiz die Kostenfür seinen Teil der Leistungspflicht zu minimieren, nicht aber für die Effizienzder gesamten Maßnahme zu sorgen. Dieses Charakteristikum ist daher einwichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den beiden zuvor beschriebenen Va-rianten,Auch beim Technischen Anlagenmanagement verbleibt das Effizienzrisikoder gesamten Maßnahme beim Kunden. Die Verantwortung des Contractorbeschränkt sich auf die Bedienung und Instandhaltung von Anlagen oder dentechnischen Gewerken. In der Literatur wird es deshalb bisweilen auch alsBetriebsführungs-Contracting bezeichnet.Beide Formen, das Finanzierungs-Contracting sowie das Technische Anla-genmanagement, beschränken sich in ihrem Leistungsumfang lediglich aufeine Teilfunktion der gesamten Maßnahme. Vor diesem Hintergrund lassensie sich als reduzierte Unterformen des Energieliefer-Contracting, bzw. desEinspar-Contracting betrachten (Meinefeld, 2004). Trotz dieser Normierungsind die beschriebenen Varianten kein Bestandteil gesetzlich festgeschriebe-ner Leistungskataloge. Für den rechtlichen Anspruch ist daher nicht die Be-nennung, sondern lediglich die im Einzelfall vereinbarte Leistung relevant(Hack, 2012). Darüber hinaus weist das Deutsche Institut für Normung e.V. inder zitierten Norm explizit darauf hin, dass in der Praxis unterschiedlicheMischformen der dargestellten Varianten existieren (DIN 8930 Teil 5).
  25. 25. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich23Zusammenfassend läßt sich daher festhalten, dass sich mögliche Leistungendes Contractors aus einem breiten Bündel variabel kombinierbarer Teilleis-tungen zusammensetzen lassen. In der Literatur aufgeführte Beispiele rei-chen von der Planung, Finanzierung, Installation, Betriebsführung, Instand-haltung, Abrechnung, Inkasso, Versicherung, bis zum Berichtswesen ent-sprechender Energiedienstleistungen (EnergieAgentur.NRW, 2007; Geiß,2006; Göllinger, 2001).Die Gemeinsamkeit aller Contracting-Typen liegt daher nicht in der Beschrei-bung der Aufgabeninhalte, sondern in der veränderten Zuteilung der Aufga-ben zwischen Energiedienstleister und Kunden. So überträgt der Kunde inallen Varianten Aufgaben im Zusammenhang mit der Energieversorgung,bzw. –einsparung, aus seinem eigenen Verantwortungsbereich vertraglichauf den Contractor und zahlt hierfür eine langfristig angelegte monetäre Ge-genleistung. Ein konstitutives Merkmal des Contracting ist somit die Ver-schiebung der konventionellen Arbeitsteilung zwischen Energieanbietern und–nachfragern zugunsten des Energieanbieters (Hennicke, et al., 1996;Meinefeld, 2004).2.2 Anbieterstruktur und Marktentwicklung von ContractingIn den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sind die klassischen Energie-versorgungsunternehmen (EVU), die ersten Anbieter von Contracting-Verträgen in Deutschland (Geiß, 2006). Ausgehend von dem ursprünglichenZiel, Effizienzpotentiale auf der Kundenseite zu heben, dient Contracting die-sen Unternehmen hauptsächlich als Mittel der Absatzförderung bzw. –stabilisierung. Besonders die langen Amortisationszeiten und die damit ver-bundenen Vertragslaufzeiten führen bei den Unternehmen zu verlässlich kal-kulierbaren Umsätzen und somit zu einer langfristigen Sicherung der Erträge(IZES gGmbH, Bremer Energie Institut, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt,Energie, 2011).Diese Eigenschaften wirkten auch auf Unternehmen angrenzender Wert-schöpfungsbereiche attraktiv, sodass im Zeitverlauf neue Anbieter in denMarkt drängen. Heute steht eine Vielzahl von Unternehmen aus unterschied-lichen Branchen den Energieversorgungsunternehmen als Wettbewerber imContracting-Markt gegenüber. Wie Abbildung 4 illustriert, sind die Herkunfts-
  26. 26. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich24branchen der Anbieter dabei ebenso vielfältig wie die einzelnen Funktions-leistungen, die in Contracting-Modellen gebündelt werden. So finden sichneben den Energieversorgungsunternehmen bspw. klassische Handwerks-betriebe, Ingenieursdienstleister, Wohnungsbaugesellschaften, Facility-Management-Unternehmen, Anlagenhersteller und Energieagenturen unterden heutigen Contracting-Anbietern (Knott, 1997).12Zusätzlich zu den Unter-nehmen, die ihr ursprüngliches Geschäftsmodell aus einem angrenzendenLeistungsfeld um Contracting-Angebote erweitern und sich hierdurch in Ih-rem Produktangebot diversifizieren, finden sich neue, spezialisierte Contrac-ting-Firmen auf dem Markt. Diese zumeist eigenständigen Unternehmen se-hen ihre Kernkompetenz allein im Bereich Contracting(EnergieAgentur.NRW, 2007). Sie werden alsEnergiediensteistungsunternehmen (EDU) bezeichnet und verstehen sichhäufig als Förderer regenerativer Energien (Geiß, 2006).Abbildung 4: Übersicht zum Hintergrund von Contracting-Anbietern12In einigen Publikationen werden auch Finanzdienstleistungsunternehmen als Anbietervon Contracting genannt. Auf ihre Nennung wurde hier bewusst verzichtet, da es sich inder Regel um sehr spezifische Finanzierungslösungen handelt, die weder die Planung,noch die Installation einschließen. Vgl. hierzu bspw. (EnergieAgentur.NRW, 2007).
  27. 27. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich25Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Anbieter, ihren spezifischen Leis-tungsschwerpunkten und ihrem Know-how kennzeichnet den Contracting-Markt seine große Heterogenität (EnergieAgentur.NRW, 2007). Unterschied-liche Studien beziffern die Anzahl der Anbieter im deutschen Markt auf 300bis 500 Unternehmen, je nach thematischer Abgrenzung und dem Zeitpunktder Erhebung (BMVBS, BBSR, BBR, 2009). Qualitative Erhebungen zeigenferner, dass eine Dominanz von zwei Unternehmensarten im Markt festzu-stellen ist. Nach Daten der Firma Prognos und des Vereins für Wohnen imEigentumg e.V. entstammen die meisten Anbieter der Brache der Energie-versorgungsunternehmen, gefolgt von den Energiedienstleistungsunterneh-men (Vgl. Abbildung 5). Die übrigen Anbieter sind zahlenmäßig wenig rele-vant, da sie auch aggregiert in ihrer Anzahl hinter den beiden erstgenanntenKategorien zurückbleiben (BMVBS, BBSR, BBR, 2009; Warnecke, 2008).Abbildung 5: Studienergebnisse zur Anbieterstruktur bei Contracting-Modellen im VergleichDer jährliche Umsatz mit Contracting-Produkten wird im Jahr 2009 insgesamtauf ca. 2 Mrd. € taxiert (BMVBS, BBSR, BBR, 2009). Das bei weitem erfolg-reichste Contracting-Modell im Markt ist dabei das Energieliefer-Contracting.Nach Angaben einer VfW-Mitgliederbefragung ist diese Variante mit 85% diemit Abstand häufigste Organisationsform beim Abschluss eines Contracting-Vertrags im Markt. Wie Abbildung 6 zeigt folgt an zweiter Stelle dasEngergiespar-Contracting mit 9%, während die beiden anderen Varianten,
  28. 28. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich26das Technische Anlagenmanagement und das Finanzierungs-Contracting,gerade noch einen Marktanteil von 5%, bzw. 1% aufweisen (Verband fürWärmelieferung e.V., 2011).Abbildung 6: Übersicht zu Contracting-Varianten nach ihrer relativen Häufig-keitAls Zielkunden im Contracting-Markt gelten traditionell große Energiever-braucher, wie sie in der Industrie, dem Gewerbe, öffentlichen Einrichtungenoder der Wohnungswirtschaft zu finden sind, da durch den vergleichsweisegroßen Energieverbrauch pro Kunde ein hoher Umsatz generiert wird. In derLiteratur wie in der Praxis wird in Anlehnung an diese Überlegung häufigauch von kritischen Größen gesprochen, um ein Contracting-Modell wirt-schaftlich zu betreiben (Geiß, 2006). Demnach sind die Anbieter nur ab einergewissen Umsatzgröße fähig, den Kunden einen attraktiven Preis für dieDienstleistung anzubieten. Nach Angaben des VfW lohnt sich Contractingerst ab einer beheizten Fläche von 1.000m², bzw. ab 6-10 Wohneinheiten proWohnanlage (Verband für Wärmelieferung e.V., 2012). Dies deckt sich imWesentlichen mit dem Markthabitus, nach welchem sich Contracting-Angebote schwerpunktmäßig an Kunden mit Objekten ab einer Mindestgrößevon 13 Wohneinheiten richten (BMVBS, BBSR, BBR, 2009).Entgegen diesen Überlegungen zeigen mehrere Beispiele aus der Praxisallerdings, dass Contracting auch für bedeutend kleinere Einheiten erfolg-reich angeboten werden kann. Das Bremer Energie Institut führt 2011 eineMarkterhebung zu Contracting-Lösungen für Einfamilienhäuser, dem soge-nannten Mini-Contracting, durch, in dessen Rahmen bundesweit 54 Unter-
  29. 29. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich27nehmen identifiziert werden, die Contracting aktiv anbieten. Als Branchenfüh-rer dieser Nische hat die EWE Energie AG demnach Mitte 2010 bereits über10.000 Kunden im Rahmen eines Mini-Contractings unter Vertrag(Clausnitzer, et al., 2011).Obwohl diese Beispiele die Vielfältigkeit und die bestehende Verbreitung vonContracting in Deutschland illustrieren, bleibt die Photovoltaik als Contrac-ting-Maßnahme in Literatur wie der Praxis bis heute nahezu unberücksichtigt.Zwar wird wie bei der Grazer Energieagentur das solare Energieliefer-Contracting explizit erwähnt, jedoch umfasst „solar“ hier lediglich die solar-thermische Wärmeenergieerzeugung (Grazer Energieagentur, 2013). Glei-ches gilt für die Studie „Contracting im Mietwohnungsbau“ aus dem Jahr2009, die auf ein gemeinsames Forschungsprojekt mehrerer Bundeseinrich-tungen zurückgeht. In den hierzu veröffentlichen Umfrageergebnissen sehendie Contracting-Unternehmen die größten Marktpotentiale der Branche beider Solarenergie und damit noch deutlich vor den klassischen Lösungen wiebspw. BHKW, KWK oder Biomasse. Aus dem Kontext erschließt sich jedoch,dass hierunter wiederum allein die solarthermische Wärmeerzeugung ver-standen wird (BMVBS, BBSR, BBR, 2009), weshalb die Erkenntnisse dieserUntersuchungen im Rahmen dieser Arbeit nur bedingt von Bedeutung sind.2.3 Relevante Contracting-Modelle für die PV und Treiber für derenNutzungAuf Basis der allgemeinen Charakterisierung von Contracting und dessenMarkt stellt sich im nächsten Schritt die Frage unter welcher Contracting-Variante ein Betreibermodell auf Basis von PV einzuordnen wäre.Wie bereits ausgeführt, führt der Betrieb einer Photovoltaik-Anlage nicht perse zu einer Energieeinsparung. Vielmehr wird Energie in Form von Stromunter Verwendung eines regenerativen Energieträgers produziert. Vor die-sem Hintergrund ist die Photovoltaik als Maßnahme im Rahmen des Energie-liefer-Contracting zu verstehen, während eine Einordung als Einspar-Contracting hingegen definitorisch ausgeschlossen ist.13Darüber hinaus ist13Dem könnte entgegnet werden, dass die Installation von Photovoltaik den konventionel-len Stromverbrauch aus dem Netz reduziert und damit als Maßnahme im Rahmen eines
  30. 30. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich28eine Modellierung als Finanzierungs-Contracting oder als Technisches Anla-genmanagement mit dem Fokus auf eine Photovoltaik-Anlage denkbar, dabeide Formen unabhängig von der Beurteilung sind, ob eine Energieerzeu-gung oder –einsparung erfolgt.Aufgrund des Ziels einer ganzheitlichen und grundlegenden Betrachtungkonzentriert sich die weitere Darstellung auf die Umsetzung einer PV-Anlagein Form eines Energieliefer-Contracting. Dieser Vorgehensweise liegt dieAnnahme zugrunde, dass der Fokus auf das übergeordnete Organisations-konzepts des Energieliefer-Contracting auch die Vor- und Nachteile der Un-terformen, bzw. deren Wirtschaftlichkeit erlaubt.Bei der Entscheidung, auf eine Contracting-Dienstleistung zurückzugreifenhandelt es sich im Kern um eine häufig untersuchte Thematik, die in der be-triebswirtschaftlichen Literatur ausführlich unter der Bezeichnung „Make-or-Buy-Entscheidung“ behandelt wird. Hierbei erfolgt die Erörterung der Frage,ob es vorteilhaft ist, eine Leistung in Eigenfertigung zu erstellen, oder durchFremdbezug von einem anderen Unternehmen einzukaufen (Hill, et al.,2010). Die Entscheidung zum Fremdbezug, auch Outsourcing genannt, be-wirkt, dass interne Tätigkeiten fortan in der Verantwortung der externenDienstleister liegen (Jentsch, 2010). Es ist daher zutreffend, wenn Geiß ausKundensicht das Contracting als „das Outsourcing der Energieversor-gung“ bezeichnet (Geiß, 2006; S. 272).Aufgrund ihrer engen inhaltlichen Verwandtschaft finden sich in der betriebs-wie energiewirtschaftlichen Literatur ähnliche Motive zur Verpflichtung exter-ner Partner (Barzel, 2000; Meinefeld, 2004). In einer von dem BMVBS demBBSR und dem BBR durchgeführten Studie zum Thema Contracting imMietwohnungsbau werden Vertreter der Wohnungswirtschaft zu ihren Be-weggründen befragt, Contracting-Lösungen in Betracht zu ziehen. Demnachnennt die Mehrheit der Teilnehmer die beiden folgenden Aspekte als wesent-lich (BMVBS, BBSR, BBR, 2009):Energiespar-Contracting zu verstehen ist. In der Literatur wird die solarthermische Ener-gieerzeugung allerdings als Einspeise-Contracting betrachtet (BMVBS, BBSR, BBR,2009). Da es für die Kategorisierung unerheblich ist, ob die Abnahme von konventionellerzeugtem Strom oder von konventionell erzeugter Wärmenergie reduziert wird, ist davonauszugehen, dass diese Einordnung in gleicher Weise für die Photovoltaik gilt.
  31. 31. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich29 Die Finanzierung der Anfangsinvestition durch den Contractor Die Übernahme von Dienstleistungen durch den ContractorDiese Motive von Vertretern der Wohnungswirtschaft stehen stellvertretendfür Contracting-Kunden aller Bereiche (Geiß, 2006; Knott, 1997; Meinefeld,2004; Clausnitzer, et al., 2011). Die Aufgabe, eine hohe Anfangsinvestitionzu finanzieren, stellt Unternehmen regelmäßig vor Herausforderungen. Beibegrenzten finanziellen Mitteln konkurriert jede Investition in die Energieer-zeugung im Geschäftsalltag mit dem Kapitalbedarf anderer Bereiche (Geiß,2006). Dies kann zur Folge haben, dass die kapitalintensive Anschaffungneuer Energieerzeugungsanlangen mit ihren vergleichsweise langen Amorti-sationszeiten gegenüber anderen Projekten zurückgestellt wird(EnergieAgentur.NRW, 2007). Das Unternehmen kann diesen Zielkonfliktdurch eine Finanzierung der Anfangsinvestition mithilfe eines Contractorsumgehen und sich durch nunmehr anfallende, regelmäßige, kleine Zahlun-gen in die Lage versetzen, die Maßnahme umzusetzen (Geiß, 2006). Analogverhält es sich bei Kunden aus dem öffentlichen, oder privaten Sektor, dieauf Basis von Contracting-Lösungen eine Entlastung im Verwaltungshaushalt(Knott, 1997), bzw. der eigenen Rücklagen erreichen können (Clausnitzer, etal., 2011).Hinter dem anderen Treiber, die Übernahme von Dienstleistungen durch denContractor, steht das Versprechen einer zeitlichen und fachlichen Entlastungdes Kunden. „Zur Durchführung von energietechnischen Investitionen brau-chen sich Contracting-Nehmer kein energietechnisches Wissen und keineMarkenkenntnisse anzueignen. Außerdem reduziert sich die Suche, Auswahlund Überprüfung der Vertragspartner auf einen Generalunternehmer – denContracting-Geber.“ (Geiß, 2006; S. 304). Während der Kunde im Nicht-Contracting-Fall mit vielen unterschiedlichen Funktionsträgern wieInstallateuren, Anlagenherstellern, Banken, Versicherungen, etc. in Kontakttreten muss, ist er beim Contracting auf lediglich einen Ansprechpartnerangewiesen (Clausnitzer, et al., 2011). Die Reduktion der Schnittstellen undInteraktionen hat für den Kunden zur Folge, dass er seineTransaktionskosten, d.h. den eigenen Aufwand im Kontakt mit externenDienstleistern, signifikant reduzieren kann (Rotering, 1993; Knott, 1997). Ab-
  32. 32. 2. Contracting als Dienstleistungsmodell im Gebäudebereich30bildung 7 illustriert den Unterschied zwischen den beidenOrganisationsformen schematisch.Abbildung 7: Vergleich der Transaktionsbeziehungen zwischen dem konven-tionellen Modell der Energiebeschaffung und dem Contracting-ModellNeben diesen Hauptmotiven ergeben sich im Einzelfall weitere Vorteile, dievom jeweiligen Contractor, der zugrunde liegenden Energiemaßnahme, so-wie der individuellen vertraglichen Gestaltung abhängen. Diese umfassenbeispielsweise: Eine verbesserte Wirtschaftlichkeit in Folge von Größende-gressionseffekten beim Contractor (EnergieAgentur.NRW, 2007), Kostensi-cherheit durch festgelegte Energiepreise, Kostenoptimierung durch Effizienz-gewinne (Meinefeld, 2004), Erzielung von Steuervorteilen, ein Imagegewinndurch umweltschonende Energieanlagen (Knott, 1997), etc.
  33. 33. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings313. Ausrichtung und Aufbau eines PV-ContractingsNach Abschluss der allgemeinen Einführung zum Thema Contracting wirdnun untersucht, wie ein Energieliefer-Contracting auf Basis der Photovoltaik-technologie ausgerichtet und aufgebaut sein könnte. In Anlehnung an beste-hende Contracting-Modelle anderer Energieerzeugungstechnologien wird amBeispiel grundlegender Bestandteile wie Kundengruppen, Anlagenstruktur,Einspeisevertrag wird dargelegt, wie diese im Zusammenhang mit einem PV-Contracting definiert, bzw. ausgestaltet werden könnten.3.1 Kundensegmentierung und EnergielieferumfangDie Betrachtung potentieller Kundengruppen setzt ein klares Verständnisvoraus, unter welchen Voraussetzungen Installation und Betrieb einer PV-Anlage auf einem Gebäude sinnvoll erscheint. So sollten sich zur PV-Stromerzeugung eignende Pult- und Satteldächer optimaler Weise ca. 30Grad geneigt und nach Süden ausgerichtet sein. Unabhängig von der Art desDaches sollte während der gesamten Betriebszeit eine Verschattung derModulflächen vermieden werden, um signifikante Leistungseinbußen bei derStromproduktion und somit der Wirtschaftlichkeit der Maßnahme zu verhin-dern (Wosnitza, et al., 2012). Desweiteren ist eine PV-Stromproduktion nursinnvoll, wenn am Standort auch ein Verbraucher existiert, der den produ-zierten Strom nutzt. Sind sowohl eine geeignete Dachfläche und ein Ver-braucher vorhanden, kann eine Eignung des Objekts für ein PV-Contractingunterstellt werden.Für eine grundlegende Auswahl geeigneter Objekte sind weitere Kriterienvorerst irrelevant. Alle Eigentümer von Objekten, welche die die ersten bei-den Kriterien erfüllen, sind demnach potentielle Kunde einer PV-Contracting-Lösung. Auf Basis dieser beiden Qualifikationskriterien stellt sich nun dieFrage nach einer sinnvollen Segmentierung dieser Kunden.Ohne Berücksichtigung der Branchenzugehörigkeit und Rechtsform potenti-eller Kunden, zeigen sich erhebliche Unterschiede im Verbrauchsverhaltenund den infrastrukturellen Anforderungen. Wie die Analyse der folgendenKapitel zeigen wird, beeinflussen diese Eigenheiten allerdings den Aufbaueines PV-Contractings und die alternativen Strombeschaffungskosten der
  34. 34. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings32Kunden so erheblich, dass eine nähere Charakterisierung unter diesen As-pekten lohnend erscheint.Als Grundlage sollen hierzu die Kundensegmente der großen deutschenGrundversorger herangezogen werden, die allesamt eine ähnliche Untertei-lung der Kunden für ihre Stromdienstleistungen vornehmen. So unterscheidetEnBW seine Stromkunden in Industrie-, Gewerbe-,14und Privatkunden(EnBW Energie Baden-Württemberg AG, 2013). Abhängig von dem betrach-teten Segment sind deutliche Unterschiede im Stromverbrauch erkennbar.Die größten Stromverbraucher finden sich traditionell in der Indust-rie. Insbesondere Unternehmen aus der Metall-, Papier-, oder Chemieindust-rie zählen zu den energieintensivsten Branchen und erreichen Jahresstrom-verbräuche jenseits eines Gigawatts (Küchler, et al., 2012). Aufgrund ihreshohen Verbrauchs profitieren Industrieunternehmen von vergleichsweisegünstigen Abnahmepreisen. Da die Abnahmemengen von Industriekundenabhängig von Branche und Größe des Unternehmens streuen, ist jede all-gemeine Aussage zum Stromverbrauch notgedrungen unscharf. Gemäß Da-ten von Eurostat, zahlen bspw. Industrieabnehmer mit einem Verbrauch zwi-schen 20 und 70 GWh/Jahr durchschnittlich 14,21 €-Cent pro KilowattstundeStrom inkl. aller Steuern (Eurostat, 2012).15Der Stromverbrauch im Gewerbekundenbereich ist allgemein deutlich mode-rater. Eine Aussage über die durchschnittliche Verbrauchsmenge ist auf-grund der Mannigfaltigkeit der Betriebe in diesem Segment jedoch ebenfallskaum möglich. Die Staffelmengen der EnBW-Gewerbestromtarife lassen al-lerdings eine Schätzung der Größenordnungen der Abnahmemengen zu. Sorichtet sich bspw. der Gewerbestromtarif EnBW Aktiv Profi nach Verbrauchs-stufen von 0 bis 6.000 kWh/a (Stufe 1), von 6.001 bis 30.000 kWh/a (Stufe 2)und ab 30.001 kWh/a (Stufe 3). Die Abnahmepreise der Kunden dieses Be-reichs sind demzufolge höher als im Industriekundensegment. Da Gewerbe-stromtarife von Eurostat nicht ausgewertet werden, kann die Preisstruktur der14Während nach der Segmentierung der EnBW zusätzlich Landwirtschaftskunden aufge-führt werden, sind diese im Rahmen dieser Arbeit unter den Gewerbekunden subsumiert(EnBW Energie Baden-Württemberg AG, 2013).15Deutsche Industrieabnehmer mit einem Verbrauch zwischen 0,5 GWh/a und 2,0 GWh/azahlen durchschnittlich 17,03 €-Cent pro Kilowattstunde Strom inkl. Mwst. (Eurostat,2012).
  35. 35. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings33EnBW wieder als grobe Orientierung dienen. Demnach rangieren 2013 diePreise aller angebotenen Gewerbestromtarife zwischen 26,16 €-Cent/kWhund 31,39 €-Cent/kWh (EnBW Energie Baden-Württemberg AG, 2013).16Privatkunden zeigen im Vergleich zu den anderen beiden Segmenten diegeringsten Abnahmemengen an Strom pro Jahr. So verbraucht ein Haushaltim Jahr 2008 durchschnittlich 3.100 kWh/Jahr (Frondel, et al., 2011).17DerPreis, den private Verbraucher für eine jährliche Abnahmemenge zwischen2.500 und 5.000 kWh im ersten Halbjahr 2012 durchschnittlich entrichtenmüssen, beträgt 25,95 €-Cent pro kWh inkl. Mwst. (Eurostat, 2013).Die zum Jahreswechsel um 1,69 €-Cent gestiegene EEG-Umlage verursachteine geringfügige Erhöhung der genannten Eurostat-Daten aus 2012 (Wirth,2012). Unter Berücksichtigung dieser Erhöhung ergeben sich für das Jahr2013 Referenzstrompreise wie in Abbildung 8 dargestellt. Verglichen mit denIndustriekunden, die aufgrund ihrer Nachfragehöhe Ihren Strom zu deutlichgünstigeren Konditionen beziehen, zahlen private Haushalte und Gewerbeähnlich hohe Preise für Ihren Strom.Abbildung 8: Kategorisierung der Contracting-Projekte nach Referenzstrom-preisen und Anzahl der Stromkunden16Betrachtet werden nur Laufzeitprodukte mit festen Preisen nach Auswertung einer Stutt-garter Postleitzahl. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Tarife an anderen Standortenvon den hier genannten Werten abweichen. Die genannten Werte beinhalten die gesetz-liche Mwst. Vgl. hierzu (EnBW Energie Baden-Württemberg AG, 2013).17Abhängig von der Personenzahl in den Haushalten beträgt der Stromverbrauch durch-schnittlich zwischen ca. 1.900 bis 6.100 kWh/Jahr. (Frondel, et al., 2011).ReferenzstrompreiseIndustrie15,90 €-Cent/kWhGewerbe26,16 - 31,39 €-Cent/kWhPrivate Haushalte27,64 €-Cent/kWhAnzahl derStromkundenEin-Kunden-FallEigentümer = StromkundeMehr-Kunden-Fall1) Eigentümer = Auftraggeber, ggf.auch Stromkunde2) Stromkunden = Mieter 1,2,3, ...(i.d.R. mehrere)
  36. 36. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings34Die Charakterisierung der bestehenden Strompreissegmente ist für die spä-tere Preis- und Umsatzkalkulation unter Berücksichtigung von Opportunitäts-kosten der Contracting-Nehmer von Bedeutung. Demgegenüber hat jedekostenseitige Bewertung der Contracting-Modelle eine Kundensegmentie-rung nach Anzahl der versorgten Stromkunden zu berücksichtigen, da dieseZählerinfrastruktur und Abrechnungsaufwand beeinflusst.18Im einfachstenFall ist der Eigentümer der Immobilie der einzige Stromverbraucher. DerContractor sieht sich sowohl bei der Beauftragung wie bei der Lieferung undAbrechnung des Stroms einer einzigen Person gegenüber, weshalb dieseKonstellation entsprechend als „Ein-Kunden-Fall“ bezeichnet werden kann.Demgegenüber ist auch die Konstellation eines „Mehr-Kunden-Falls“ mög-lich, d.h. im Unterschied zum Ein-Kunden-Fall versorgt der Contractor meh-rere Stromkunden in einer Liegenschaft. Dies ist bspw. im Bereich der Woh-nungswirtschaft vorstellbar, wenn ein Unternehmen als Eigentümer einerImmobilie ein PV-Contracting für ihr Objekt abschließt und dem Contractordie vertragliche Sicherheit gewährt, die Anlage über die Laufzeit hinweg aufdem Dach des Gebäudes betreiben zu dürfen. Potentieller Stromkunde wärein diesem Fall nicht nur der Auftraggeber und Eigentümer der Immobilieselbst, sondern alle privaten oder gewerblichen Mieter in dem Gebäude. DerContractor leistet folglich eine Energiedienstleistung gegenüber allen Partei-en, insofern diese die Dienstleistung in Anspruch nehmen.Wird hierbei von der Stromversorgung der Kunden durch den Contractor ge-sprochen, ist stets zu spezifizieren, ob es sich um eine Voll- oder Teilversor-gung handelt. Dies liegt an der Tatsache, dass die Menge an produziertemPV-Strom von der aktuellen Sonneneinstrahlung abhäng ist und daher nichtan das Lastprofil der Stromkunden, d.h. dem tageszeitspezifischen Strom-verbrauch, angepasst werden kann. Für die Dauer des Betriebs einer PV-Anlage sind somit zwei Konstellationen voneinander zu unterscheiden19:18Nähere Erläuterungen zu den Unterschieden im Zähleraufbau findet sich im Kapitel 3.6.19Theoretisch existiert eine dritte Konstellation für den Fall, dass der Stromverbrauch exaktmit dem durch die PV-Anlage produzierten Strom übereinstimmt. In dieser Situation wür-de weder PV-Strom ins Netz eingespeist, noch zusätzlicher Strom aus dem Netz bezo-gen. Da dieser Fall allerdings vorwiegend theoretischer Natur ist, bzw. nur einer Mo-mentaufnahme entspricht wird er in diesem Zusammenhang nicht weiter berücksichtigt.
  37. 37. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings351. Produzierter PV-Strom ist größer als der Stromverbrauch der Cont-racting Kunden2. Produzierter PV-Strom ist kleiner als der Stromverbrauch der Cont-racting KundenIm ersten Fall erzeugt die Anlage mehr Strom als im Rahmen des Contrac-ting-Modells abgesetzt werden kann. Wenn kein dezentraler Stromspeicherexistiert, wird der überschüssige Anteil in das Stromnetz eingespeist. DieVergütung erfolgt gemäß § 20b Abs. 10 EEG nach den im Bundesanzeigerveröffentlichten Sätzen zugunsten des Contractors. Produziert die PV-Anlagehingegen im zweiten Fall weniger Strom, als vom Kunden benötigt wird,muss die über die Teilversorgung der PV-Anlage hinausgehende Menge anStrom aus dem Netz bezogen werden. Dies erfolgt entweder über einen se-paraten Stromliefervertrag, den der Kunde parallel zum Contracting mit ei-nem EVU (Energieversorgungsunternehmen) seiner Wahl schließt, oder aberder Contractor bietet dem Kunden eine Vollversorgung an, indem er den feh-lenden Strom, sogenannten Zusatz- und Reservestrom, aus dem Netz zu-kauft (Legler, et al., 2013). In diesem Fall schließt der Contractor zur Erfül-lung seiner Vollversorgungspflicht einen Stromliefervertrag mit einem ande-ren EVU, der die Differenz zwischen Kundenverbrauch und PV-Erzeugungliefert (Hack, 2012). Für den Kunden hat dies den Vorteil, dass er keine zwei,sondern wie bisher lediglich einen Vertrag für seine Strombezug abschließenmuss. Abbildung 9 stellt die erläuterten Rechtsverhältnisse für ein PV-Contracting mit Vollversorgung im Überblick dar.Neben dem Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber und dem Liefervertragzur Bereitstellung von Zusatz- und Reservestrom mit einem anderen EVUstellt die vertragliche Regelung zwischen dem Contractor und dem Contrac-ting-Nehmer, bzw. den einzelnen Stromkunden, das wichtigste vertraglicheGestaltungselement eines PV-Contractings dar.Im Fall des Mehr-Kunden-Modells bedarf es für die Belieferung jedes Kundenjeweils einen Stromliefervertrag und zusätzlich einem Contracting-Vertrag fürdie vertraglichen Regelungen zwischen Contracting-Nehmer und Contractor.Im Ein-Kunden-Modell kann hingegen sowohl die Stromlieferung als auch dieBereitstellung der Dachfläche in Verbindung mit der PV-Anlage in einem ein-zigen Dokument, dem sogenannten Energiedienstleistungsvertrag, geregelt
  38. 38. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings36werden. Die organisatorische Ausgestaltung der wichtigsten Bestandteileeines PV-Contractings mit einem Energiedienstleistungsvertrag wird in denfolgenden Unterkapiteln behandelt.Abbildung 9: Relevante Rechtsverhältnisse bei PV-Contracting mit Vollver-sorgung (Legler, et al., 2013)3.2 Allgemeine Bestimmungen und Rechtsnatur vonEnergiedienstleistungsverträgenDer Betrieb dezentraler Stromerzeugungsanlagen -und somit auch ein mögli-ches PV-Contracting- wird juristisch als Betrieb einer dezentralen Kundenan-lage bewertet und nicht wie grundsätzlich vorstellbar als dezentrales Strom-netz. Dies ist in der praktischen Umsetzung von erheblicher Bedeutung, dahierdurch weitreichende Pflichten zur Regulierung, Meldung und Überwa-chung entfallen (Legler, et al., 2013). Maßgeblich für diese Interpretation istein gesetzlicher Kriterienkatalog, der die Anzahl der angeschlossenen End-verbraucher, die geographische Ausdehnung, die Menge durch geleiteterEnergie, sowie sonstige Kriterien zur Bewertung vorgibt (§ 3 Nr. 24a EnWG).Da einzelne dezentrale Energieerzeugungsanlagen im Sinne eines Energie-liefer-Contractings im Vergleich zum restlichen Strommarkt hinsichtlich die-ses Kriterienkatalogs als nicht signifikant angesehen werden, entfallen dieseNetzpflichten auch für den PV-Contractor (§ 3 Nr. 16/18 EnWG).
  39. 39. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings37Darüber hinaus sind die hier verwendeten Vertragsbegrifflichkeiten rechtlichmit keinen weiteren Ansprüchen verbunden. Alternativ zu den Begriffen, wieStromliefervertrag, Contracting-Vertrag, bzw. Energiedienstleistungsvertragsind daher auch andere Bezeichnungen möglich. Wie bei der Bezeichnungder Contracting-Modelle führt dies dazu, dass nicht die Bezeichnung desVertrags, sondern allein dessen inhaltliche Ausgestaltung die Rechte undPflichten der Vertragsparteien festlegt (Hack, 2012).Juristisch handelt es sich bei den Energiedienstleistungsverträgen um „Kauf-verträge oder gemischte Verträge mit kauf-, werk- und dienstvertraglichenElementen“ (Hack, 2012, S. 13). Verstößt der Inhalt nicht gegen gesetzlicheVerbote, kann durch einen derartigen Vertrag ein Schuldverhältnis beliebigenInhalts begründet werden (§ 311 Abs. 1 BGB). Die vielen unterschiedlichenContracting-Modelle indizieren, dass kein einheitliches Modell für einen sol-chen Energiedienstleistungsvertrag existiert (de Wyl, et al., 2003). Darausfolgt unmittelbar, dass der Energiedienstleistungsvertrag zur Stromlieferungunter Beachtung einiger weniger gesetzlicher Verordnungen und Richtlinienein durch die Geschäftspartner frei zu gestaltendes Vertragswerk darstellt (§311 Abs. 1 BGB).20Aufgrund dieses Gestaltungsspielraums sind die Leistun-gen und Pflichten zur Schaffung von Rechtssicherheit aller Beteiligten, sorg-fältig vertraglich zu regeln sind.3.3 Liefer- und Leistungspflichten des ContractorsDie Hauptpflicht des Contractors besteht in der Bereitstellung des Stromsaus der PV-Erzeugung und den notwendigen Zusatz- undReservestromkontingenten.21Da die Sonnenstrahlung alsPrimärenergieträger zur Erzeugung von PV-Strom täglichen, jahreszeitlichenund sogar jährlichen Schwankungen unterliegt (Watter, 2011), ist esunmöglich den Umfang der PV-Strommenge exakt festzuschreiben. Damit20Bei der Stromlieferung an Haushaltskunden sind Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie(EltRL), sowie § 41 des Energiewirtschaftgesetzes (EnWG) zu beachten, zudem ist dieStromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) und die Niederspannungsanschlussver-ordnung (NAV) von praktischer Bedeutung (Hack, 2012).21Vor dem Hintergrund einer umfassenden Betrachtung des PV-Contractings wird im Fol-genden von einer Vollversorgung inkl. der Lieferung von Zusatz- und Reservestrom aus-gegangen.
  40. 40. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings38dennoch der vornehmliche Zweck des PV-Contractings, nämlich dieLieferung von dezentral erzeugtem PV-Strom, auch in den Leistungspflichtendes Contractors Berücksichtigung findet, kann ggf. eine langfristigeMindestmenge an PV-Strom vereinbart werden, die die zugrundeliegendeAnlage auch in strahlungsärmeren Jahren erreichen soillte. Der Contractorsollte dies beurteilen können, da er auf Basis seiner Fachexpertise möglicheObjekte vor Abschluss der Verträge ohnehin evaluieren und hinsichtlich derWirtschaftlichkeit einer PV-Stromerzeugung einschätzen muss.Da die Konditionen und der Umfang aller Leistungspflichten vom jeweiligenObjekt abhängen und zudem Gegenstand einer individuellen Verhandlungzwischen Contractor und Contracting-Nehmer sind, soll an dieser Stellelediglich ein Überlick zu den wesentlichen Regelungspunkten gegebenwerden. Auf Basis des § 5 AVBFernwärmeV und einer Auflistung von Hackist eine Regelung forlgender Sachverhalte erforderlich (Hack, 2012):Art der zu liefernden EnergieAnschlussleistung und voraussichtliche JahresarbeitWeitere Details zur Stromlieferung, ggf. Spezifizierung zumMindestumfang an dezentral erzeugtem PV-StromLieferortLieferzeitraumZulässige Unterbrechungen der Versorgung (höhere Gewalt undandere Störungen durch Dritte; ggf. bestimmte Anlagenrisiken;betriebsnotwendige Arbeiten an der Anlage); besondereAnforderungen an die VersorgungssicherheitAnlagengrenze: Abgrenzung der Anlage des Energiedienstleisters vonder Kundenanlage, insbesondere bei abweichender LiefergrenzeÜbernahme sonstiger Arbeiten/Aufgaben durch denEnergiedienstleisterWie in der obigen Auflistung bereits angedeutet, umfasst eine hinreichendeBeschreibung der Liefer- und Leistungspflichten nicht nur ihre Spezifizierungnach Ort, Zeit und Sache, sondern auch die Ausführung, unter welchen Be-dingungen diese gelten, bzw. nicht gelten. Andernfalls besteht das Risiko,dass sich der Contractor gegenüber dem Kunden nach §280 Abs. 1 BGBschadensersatzpflichtig macht, falls es während der Betriebsführung zu einer
  41. 41. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings39Leistungsstörung kommt, auch wenn er die Störung nicht direkt zu vertretenhat. Zu Gunsten gegenseitiger Transparenz ist im Interesse beider Vertrags-parteien daher vertraglich zu vereinbaren, für welche Fälle eine Leistungs-pflicht gilt und unter welchen Umständen diese außer Kraft gesetzt wird.Eine mögliche Quelle für Leistungsstörungen der PV-Stromproduktion sindAuswirkungen externer Ereignisse wie Sturm, Feuer, Überspannung, die zueiner Beschädigung und einem Ausfall der PV-Anlage führen können. Durchden Abschluss einer gängigen Allgefahrenversicherung können diese Fälleallerdings versichert und über den Strompreis auf den Kunden umlegt wer-den. Die Versicherung entschädigt in diesem Fall nicht nur die Reparatur derdefekten Teile, sondern übernimmt auch die Ertragseinbußen während derSchaden verursachten Ausfalldauer (Seltmann, 2011).Ist ein Anlagenausfall jedoch nicht auf äußere Einwirkungen, sondern auf dasBauteil selbst zurückzuführen, entfällt auch der Anspruch auf eine Ausfallent-schädigung. Der Ausfall eines PV-Moduls während des Contractings ist auf-grund ihrer Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren eher unwahrscheinlich.Demgegenüber ist davon auszugehen, dass die eingebauten Wechselrichterwährend der Betriebszeit ausfallen und zu ersetzen sind (Seltmann, 2011).Um eine Schadensersatzpflicht gegenüber dem Contractor auszuschließen,sind diese Fälle vollständig oder auch nur im beschränkten Maße von derLeistungspflicht auszunehmen. Vorstellbar ist bspw. ein an der zu erwarten-den Wiederbeschaffungszeit der einzelnen Anlagenkomponenten orientierterReaktionszeitraum, innerhalb dessen Verlauf der Contractor die Leistungs-störung nicht zu vertreten hat. Ebenso sollte die Leistungspflicht des Cont-ractors dann außer Kraft gesetzt werden, wenn Arbeiten zur Wartung undInstandhaltung eine kurzzeitige Abschaltung der Anlage erfordern, da diesnotwendiger Bestandteil der Betriebsführung, sowie Basis einer effizientenund störungsarmen Stromproduktion der Anlage ist.Bei Leistungsstörungen, die in den unmittelbaren Verantwortungsbereich desContractors fallen (bspw. Planungs-, Installations- oder Betriebsfehler), isteine Ausnahme von der Schadensersatzpflicht gegenüber dem Kundenkaum zu vertreten, jedoch gilt auch hier die Vertragsfreiheit, sodass die Ver-tragsparteien individuelle Lösungen vereinbaren können (Hack, 2012).
  42. 42. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings40Anders als bei etablierten Contracting-Modellen der Wärmeenergieversor-gung ist eine Versorgung der Kunden auch bei einer Störung der dezentralenEnergieerzeugungsanlage über den vorhandenen Netzanschluss jederzeitgegeben. Dies hat zur Folge, dass im Wesentlichen der Contractor aufgrundder entgangenen Umsätze die Folgen einer Leistungsstörung der Anlageträgt, während der Kunde in seinem Verbrauchsverhalten nicht eingeschränktwird. Der Contractor hat somit stets das Interesse, eine möglichst hohe Anla-genverfügbarkeit sicherzustellen. Abhängig von den jeweiligen Preisstruktu-ren entstünde für den Kunden überhaupt nur in dem Maße ein wirtschaftli-cher Schaden, wie er den PV-Strom günstiger bezieht als den Zusatz- undReservestrom.3.4 Abnahmepflicht von Kunden und NetzbetreibernDie Abnahmepflicht des Kunden bildet das Pendant zu den Liefer- und Leis-tungspflichten des Contractors. Dieser verpflichtet sich nur dann in die Ener-gieerzeugungsanlage zu investieren, wenn der Absatz der produziertenEnergie sichergestellt ist. Der langfristig abgesicherte Verkauf der Energiegarantiert die Amortisation seiner Investition. Im Gegensatz zu konventionel-len Contracting-Modellen aus der Wärmeenergieversorgung ist der Contrac-tor im Rahmen des PV-Contracting bei seinem Absatz nicht ausschließlichan den Kunden gebunden (Meinefeld, 2004).Eine weitere Option zum Absatz des erzeugten PV-Stroms besteht in derEinspeisung in das öffentliche Netz. Durch die seit Einführung des EEGs am1. April 2000 geltende Einspeiseregelung, ist der Netzbetreiber verpflichtet,Strom aus erneuerbaren Energiequellen über eine Dauer von 20 Jahren zueinem festgelegten Satz pro kWh zu vergüten (Bundesumweltministerium,2000). Seit der jüngsten Novellierung des EGGs wurde diese Regelung je-doch eingeschränkt. Bei einer installierten Anlagenleistung zwischen 10 kWpund 1000 kWp gelten die Einspeisetarife für maximal 90% der jährlich produ-zierten Energie , während die restliche Strommenge von den Netzbetreibernnicht vergütet wird (BGBl. 2012, Teil I, Nr. 38, S. 1754). Für den Erlös vonVerkaufspreisen ist der Contractor gezwungen, mindestens 10% seiner Pro-duktion dezentral an einen Kunden zu verkaufen.
  43. 43. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings41Die Stromabnahme des Kunden ist daher für den wirtschaftlichen Betrieb derPV-Anlage nach wie vor erforderlich. Ein Vergleich der vom EEG garantier-ten Vergütungssätze und den Endkundenpreisen der Verbraucher zeigt zu-dem, dass der Contractor mit dem Verkauf an den Kunden vermeintlich hö-here Preise erzielen kann. Abbildung 10 illustriert, dass bspw. im Jahr 2013der zuvor errechnete Referenzstrompreis privater Haushalte 74% höher liegtals der ab ersten April 2013 geltende EEG-Vergütungssatz für bis zu 10-kWp-Anlagen (Bundesnetzagentur, 2013). Für den Contractor ist es dahervorteilhaft, möglichst viel Strom dezentral an den Kunden zu verkaufen, auchwenn von den hier abgebildeten Referenzstrompreisen noch Umlagen undSteuern abzuführen sind.22Abbildung 10: Vergleich der EEG-Einspeisevergütung und den Referenz-strompreisen der KundensegmenteDie Einspeisung in das öffentliche Stromnetz auf Basis des EEGs ist für denContractor vor diesem Hintergrund lediglich die zweitbeste Alternative.Gleichzeitig bildet sie aber die Basis für die Wirtschaftlichkeit des gesamtenModells, da überschüssiger PV-Strom keinen Umsatzausfall für den Contrac-tor nach sich zieht, sondern im Rahmen der Einspeisetarife garantiert vergü-22Eine detailliertere Aufschlüsselung nach Art und Umfang der gesetzlich vorgeschriebe-nen Steuern und Umlagen beim Verkauf von dezentral erzeugtem PV-Strom an Endkun-den erfolgt im Kapitel zur Preiskalkulation.
  44. 44. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings42tet wird. Dabei unterscheidet die Existenz von zwei unterschiedlichen Ab-satzkanälen das PV-Contracting grundsätzlich von Energieliefer-Contracting-Modellen der Wärmeversorgung, bei der der Absatz der produzierten Energiein der Regel lediglich über die direkte Versorgung der Kunden erfolgt (Knott,1997; Hennicke, et al., 1996).Während die Umsätze im Falle der Netzeinspeisung durch die Regelungendes EEGs langfristig garantiert sind, ist der Contractor daran interessiertauch die Abnahme durch die Kunden langfristig sicherzustellen. Dies ist ins-besondere von Bedeutung, wenn die Wirtschaftlichkeit des gesamten Ener-gieliefer-Contracting von den attraktiven Kundenumsätzen abhängt.Rechtlich betrachtet ist der Kunde nach § 4 StromGVV durch den Abschlusseines Stromliefervertrags verpflichtet, seinen gesamten Elektrizitätsbedarfdurch den Bezug beim Lieferanten zu decken. Gleichzeitig wird allerdings dieVertragslaufzeit im Sinne einer freien Versorgerwahl nach § 309 Nr. 9 BGBauf maximal 2 Jahre beschränkt. Außerdem wird dem Kunden eine Kündi-gungsfrist von 2 Wochen eingeräumt (§ 20 Abs. 1 StromGVV). Eine langfris-tige Planungsgrundlange mit festen Kundenumsätzen, die für den Contractordie Investition in eine PV-Anlage rechtfertigen würde, ist auf dieser Basisnicht gegeben. Eine längere Vertragslaufzeit ist grundsätzlich möglich, mussjedoch über eine Individualabrede im Sinne des § 305 b BGB vereinbart wer-den.Eine andere Rechtsfolge ergibt sich bei einer langfristigen Absicherung derAbnahmepflicht in Form einer Dienstbarkeit. Im Unterschied zu den zuvordiskutierten vertraglichen Regelungen wird die Abnahmepflicht in diesem Fallnicht mit einer Person, sondern dem Grundstück verknüpft, auf dem die An-lage errichtet wird. Dies hat den Vorteil, dass bei einem Eigentümerwechseldie Abnahmeverpflichtung bzgl. des produzierten PV-Stroms automatisch aufden neuen Eigentümer übertragen werden kann. Die rechtliche Definition dersogenannten "beschränkten persönlichen Dienstbarkeit"23lautet wie folgt:23Von der beschränkten persönlichen Dienstbarkeit wird die Grunddienstbarkeit nach §1018 unterschieden, die die Belastung eines Grundstücks gegenüber einem anderen re-gelt. In diesem Fall wird hingegen davon ausgegangen, dass die PV-Anlage direkt aufdem Dach des Gebäudes und somit direkt auf dem Grundstück des Contracting-Nehmersinstalliert wird. Die Grunddienstbarkeit findet daher keine direkte Anwendung.
  45. 45. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings43„Ein Grundstück kann in der Weise belastet werden, dass derjenige, zu des-sen Gunsten die Belastung erfolgt, berechtigt ist das Grundstück in einzelnenBeziehungen zu benutzen, oder dass ihm eine sonstige Befugnis zusteht, dieden Inhalt einer Grunddienstbarkeit bilden kann“ (§ 1090 BGB)In der praktischen Anwendung folgt hieraus, dass die Befugnisse des Eigen-tümers durch die Eintragung einer Dienstbarkeit auf verschiedene Arten ein-geschränkt werden können. Im Sinne des PV-Contractings kann dem Eigen-tümer untersagt werden, eigene Stromerzeugungsanlagen auf dem Grund-stück zu errichten oder Strom von anderen als dem PV-Contractor zu bezie-hen (Hack, 2012). Im Ergebnis bedeutet dies, dass der Eigentümer desGrundstücks verpflichtet ist, seinen Strombedarf über den PV-Contractor zudecken. Die Dienstbarkeit wird durch die Eintragung in das Grundbuch wirk-sam und hat dauerhaften Bestand, wenn sie nicht durch Angabe eines Aus-laufdatums befristet wird (Ahrens, 2007). Der PV-Contractor vermag somit,seine Alleinstellung als Versorger langfristig zu sichern.Die langfristige Abnahmepflicht über die Eintragung einer Dienstbarkeit bin-det allerdings nur den Eigentümer und nicht die andere Stromkunden im Ge-bäude. Für die Stromkunden im Mehr-Kunden-Fall bedeutet dies, dass sieunverändert über die relativ kurze gesetzlichen Vertragslaufzeiten und Kün-digungsfristen im Sinne BGB und StromGVV verfügen (Legler, et al., 2013).Für eine Bindung dieser Kunden ist daher ein langfristig wettbewerbsfähigesPreismodell notwendig.3.5 Eigentum und Zutritt zur AnlageWesentliches Charakteristikum des hier beschriebenen Energieliefer-Contracting ist die Übernahme von Planung, Investition und Betriebsführungder PV-Anlage durch den Contractor, der zugleich auch Eigentümer der PV-Anlage ist. Diese besitzrechtliche Verteilung dient dem Zweck des gesamtenModells, den Kunden von möglichst allen Risiken und Pflichten der Energie-bereitstellung zu befreien, insbesondere auch den mit dem Besitz und Be-trieb der Energieerzeugungsanlage verbundenen. Darüber hinaus ist derContractor für die Umsetzung des Contractings auch darauf angewiesen,über das alleinige Eigentum an der Anlage zu verfügen, um diese für die Fi-
  46. 46. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings44nanzierung24der Investition als Sicherungsmittel hinterlegen zu können(Drukarczyk, 2003).Aufgrund der festen Installation der PV-Anlage auf dem Grundstück desContracting-Nehmers ist die rechtlich eindeutige Regelung der Eigentums-verhältnisse der Anlage nicht trivial und bedarf einer besonderen, Betrach-tung. Nach deutscher Rechtsprechung gehen bewegliche Sachen, welche zueinem wesentlichen Bestandteil eines Gebäudes werden, automatisch in dasEigentum ihres Besitzer über (§ 946 BGB). Das Eigentumsrecht des bisheri-gen Eigentümers an der mit dem Gebäude verbunden Sache erlischt unwei-gerlich und endgültig, unabhängig von der Motivation der handelnden Akteu-re (Hack, 2012).Diesbezüglich deutet die bisherige Rechtsprechung darauf hin, dass auchEnergieerzeugungsanlagen von Gebäuden im Sinne des § 94 Abs. 2 BGBals wesentlicher Bestandteil des Gebäudes gesehen werden.25Dies hätte zurFolge, dass der Contractor sein Eigentum an der PV-Anlage unweigerlichverliert, sobald diese auf dem Dach installiert ist (Hack, 2012).Eine Möglichkeit für die Wahrung des Anlageneingentums zugunsten desContractors ergibt sich über die Regelung zum Scheinbestandteil in § 95Abs. 1 S. 1 BGB. Demnach bleiben die Eigentumsverhältnisse unverändert,wenn eindeutig geregelt ist, dass die PV-Anlage nur zu einem vorüberge-henden Zweck auf dem Dach installiert und nach Beendigung der Energie-dienstleistung wieder demontiert wird. Sie gilt dann rechtlich als sogenannter"Scheinbestandteil" des Gebäudes. Dies setzt allerdings voraus, dass dieLebensdauer der Anlage die Laufzeit der Energiedienstleistung übersteigtund der Vertrag weder eine Absicht noch ein Wahlrecht zur Übernahme derAnlage durch den Eigentümer nach Vertragsende vorsieht (Hack, 2012).Beide Aspekte führen unabhängig voneinander zu einer Unwirksamkeit derScheinbestandteilsabrede.26Ein vorübergehender Zweck im Sinne des24An dieser Stelle wird davon ausgegangen, dass der Contractor die Anlage teilweise odervollständig aus Fremdkapitalmitteln finanziert. Bei einer vollständigen Eigenkapitalfinan-zierung sind keine Sicherheiten zu hinterlegen (Drukarczyk, 2003).25Vgl. hierzu OLG Rostock, Urt. v. 15.01.2004 – 7 U 91/02, Rn. 11, CuR 2004, 145-148.26Bzgl. der Übernahme der Anlage durch den Kunden im Zsh. mit der Interpretation alsScheinbestandteil vgl. bspw. folgende Urteile: BGH, Urt. v. 20.05.1988 – V ZR 269/86,NJW 1988, 2789, 2790 = BGHZ 104, 298,301; Urt. v. 04.07.1984 – VIII ZR 270/83, WM1984, 1236, 1237; etc. Bzgl. der Lebensdauer der Anlage im Zsh. mit der Interpretation
  47. 47. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings45Scheinbestandteils wird rechtlich auch vermutet, wenn der Contractor diebenötigte Dachfläche mietet oder pachtet. Hierzu führt der Bundesgerichtshofaus: „Verbindet der Mieter, Pächter oder ein in ähnlicher Weise schuldrecht-lich Berechtigter Sachen mit dem Grund und Boden, so spricht nach festste-hender Rechtsprechung regelmäßig eine Vermutung dafür, dass dies nur imseinem Interesse für die Dauer des Vertragsverhältnisses und damit zu ei-nem vorübergehenden Zweck geschieht“ (BGH, Urt. v. 31.10.1986 – VZR168/85, NJW 1987, 774).Die dritte Methode, das Eigentum an der PV-Anlage auch während desBetriebs zu sichern, besteht in der bereits zuvor erwähnten beschränktenpersönlichen Dienstbarkeit. Ähnlich wie bei Miete oder Pacht geht die Anlagerechtlich nicht in das Eigentum des Gebäudeeigentümers über, wenn die In-stallation und der Betrieb in Ausübung einer eingetragenen Dienstbarkeit er-folgt (§ 95 Abs. 1 S. 2). Da die Eintragung der Dienstbarkeit zur Absicherungder Abnahmepflicht ohnehin empfehlenswert ist, folgt hieraus kein nennens-werter Mehraufwand für die Beteiligten. Im Gegensatz zu den Bestimmungenzum Scheinbestandteil (§ 95 Abs. 1 S.1 BGB) hat in diesem Fall das Eigen-tumsrecht des Contractors auch dann Bestand, wenn dem Kunden eine Op-tion zur Übernahme der Anlage nach Vertragsende eingeräumt wird.27Diesist für beide Seiten vorteilhaft, da der Kunde die Anlage zur eigenen Strom-produktion weiter nutzen kann und der Contractor die Kosten für ihre Demon-tage und Entsorgung spart.Zur vollumfänglichen Erfüllung seiner Leistungspflichten ist das Eigentums-recht des Contractors über die PV-Anlage allerdings nicht ausreichend, dennhierzu benötigt der Contractor zudem ein Zugangsrecht zu den Anlagenteilenvon dem Eigentümer des Grundstücks, bzw. Gebäudes, um regelmäßigeTätigkeiten wie Instandhaltung und Wartung durchführen zu können. Auf-grund der bereits diskutierten Vorteile eines Eigentümerwechsels wird diesim gegenseitigen Einverständnis sinnvollerweise ebenfalls über die Eintra-gung einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit garantiert (§ 1090 BGB).als Scheinbestandteil vgl. bspw. folgendes Urteil: OLG Köln, Urt. v. 13.05.1961, NJW1961, 461, 462.27Vgl. hierzu bspw. OLG Düsseldorf, Urt. v. 23.04.2007 – 9 U 73/06, Rn. 38 CuR 2007, 66-70.
  48. 48. 3. Ausrichtung und Aufbau eines PV-Contractings463.6 Umsetzungsphasen und AnlageninfrastrukturDer Ablauf eines Energieliefer-Contractings kann in unterschiedliche, stan-dardisierte Prozessfolgeschritte unterteilt werden (Meinefeld, 2004; Hack,2012).Jedes Contractings beginnt mit der Phase der Projektierung. Unter Berück-sichtigung der örtlichen Charakteristika plant der Contractor die entspre-chende PV-Anlage und erstellt ein Gesamtkonzept. Abhängig von der Art derAuftragsanbahnung ist eine Zweiteilung der Projektierungsphase vorstellbar,bspw. wenn im Zuge einer allgemeinen Projektausschreibung andere Cont-racting-Unternehmen ausgestochen werden, eine detaillierte Projektierungaber erst nach der Auftragsvergabe erfolgen soll.Nach Abschluss der Projektierung erfolgt die Realisierung, die sowohl dieBeschaffung der Anlage wie die Installation und die Inbetriebnahme am Ein-satzort umfasst. Beide Phasen nehmen nur einen kleinen zeitlichen Teil desgesamten Contracting-Projekts in Anspruch, sind aber dennoch für den Er-folg der Gesamtmaßnahme maßgeblich, da in dieser Phase die Basis einererfolgreichen Betriebsführung gelegt wird.Abbildung 11: Überblick zu den Umsetzungsphasen von PV-Contracting-ModellenDie Betriebsführung bildet mit Abstand die längste Phase des Contractingsund ist zugleich Kernbestandteil im Sinne der vereinbarten Leistungspflich-ten. Durch den Betrieb der Anlage und die Ausführung begleitender Tätigkei-ten wie Wartung und Instandhaltung erfüllt der Contractor seine vertraglichePflicht zur Lieferung von Strom aus der PV-Anlage. Im Gegensatz zu fossil-konventionellen Contracting-Arten entfällt hierbei die Brennstoffbeschaffungdurch den Contractor, da Sonnenenergie als Primärenergieträger genutzt

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