Sommerfeld leser-30

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Sommerfeld leser-30

  1. 1. Neue Medien für den Leser 3.0
  2. 2. „Wir sind nichts; was wir suchen, ist alles.“Friedrich Hölderlin, Hyperion„Donʼt believe the Hype!“Bernd Sommerfeld
  3. 3. Bernd SommerfeldNeue Medien für den Leser 3.0Gegenwart und Zukunft der E-Books
  4. 4. Impressum1. Ausgabe August 2010Herausgegeben vom UPLOAD Magazin für digitales Publizierenupload-magazin.deMehr Informationen rund ums Thema im Special „Buch der Zukunft“:upload-magazin.de/buch-zukunftTitelbild: es.war.einmal. / photocase.comDer Text steht unter einer Creative Commons Lizenz:Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0Deutschland (CC BY-SA)Das bedeutet: Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt vervielfältigen,verbreiten und öffentlich zugänglich machen, Abwandlungen undBearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anfertigen.Und zwar zu den folgenden Bedingungen:1. Namensnennung: Sie müssen den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen.2. Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Wenn Sie das lizenzierteWerk bzw. den lizenzierten Inhalt bearbeiten oder in andererWeise erkennbar als Grundlage für eigenes Schaffen verwenden,dürfen Sie die daraufhin neu entstandenen Werke bzw. Inhalte nurunter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergeben, die mitdenen dieses Lizenzvertrages identisch oder vergleichbar sind.Weitere Hinweise und den vollständigen Lizenzvertrag finden Siehier: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/Wenn Sie den Text verwenden möchten, setzen Sie sich bitte vorhermit dem Autor Bernd Sommerfeld in Verbindung: bso2000@web.de
  5. 5. InhaltsverzeichnisEinleitung!9Evolution der Technologie!11Digitale Ästhetik, erweitert!12Vorteile der E-Versionen!13Lifestyle-Objekt oder Endgerät mit echtem Mehrwert?!13Wie werden E-Books konsumiert?!15Neuer Player: Apples iPad!17Plattformen und Anbieter!19Libreka!19Libri und Ciando!19Google Editions!19Safari Books Online!20Content Aggregatoren!20Der Kampf um die Leser der Zukunft!21Entstehung von digitalen Supermächten!21Der gläserne Kunde!23Formate und hilfreiche Tools!24Formate: Verwirrende Vielfalt!24EPUB!24PDF, ePDF!24DocBook!25Apps!25Formatewelt: Neue Probleme für den Nutzer!25Tool 1: E-Book-Converter Calibre!25Tool 2: EPUB-Dateien bearbeiten mit Sigil!26Tool 3: EPUB online lesen mit Bookworm!26
  6. 6. Tipp: Selbst erstellte E-Books auf dem iPad lesen!26Texte selbst veröffentlichen!28Apple!28Amazon!28Barnes & Noble!28Scribd!28Und dann noch...!28Die richtige Preisgestaltung!29Digitaler Vertrieb!30Und wo bleibt der Buchhandel?!30E-Anwendungen!32PAUX!32Liviato!32Studentensupport.de!32Biblets!32Smart Book – Die E-Book-Lösung für den Buchhandel!33Fazit!34Über den Autor!36
  7. 7. EinleitungZukunft ist etwas, das meistens schon da ist, bevor wir damitrechnen. Unsere klassischen Medien haben sich lange schwer damitgetan, das Internet als wirklich neues Medium zu begreifen, das ganzeigenen Regeln folgt. Und das gilt auch für den Hype bei E-Books.Umfragen ergeben, dass nur noch die Hälfte der Studenten eineklare Präferenz für gedruckte Lehrbücher hat. Wer nur einige Kapiteleines Buches braucht, hat wenig Lust den Preis für das kompletteBuch zu zahlen – und durch das Internet stehen viele Texte schnellund unkompliziert überall bereit. Der Buchhandel spürt dieseEntwicklung, muss reagieren und angemessene Angebote machen.Für einen großen Teil der Verlage sind E-Books erst einmal einzusätzliches Glied in der kommerziellen Verwertungskette: Buch,Taschenbuch, Hörbuch, E-Book. Innovative Verlage (Springer) dieweiterdenken, sehen ihre zukünftige Rolle auch als Online-Content-Anbieter oder gar als Content-Aggregator.Auch Universitäten und Institutionen suchen nach Wegen, ihrvorhandenes Wissen verständlich aufzubereiten, im Semantic Webvolltextorientiert suchbar und dann, z.B. als Open Access, freiverfügbar zu machen. Besonders Lehrbücher und wissenschaftlicheTexte werden gescannt und so beispielsweise den Studenten zurVerfügung gestellt. Das treibt natürlich die wissenschaftlichenVerlage an, selbst ihre Lehrbücher zu digitalisieren und anzubieten.Viele Lehrwerke werden digital, einige sogar multimedial, denndigitale Gestaltungsmöglichkeiten bringen neue literarische unddidaktische Möglichkeiten. Durch die Digitalisierung wird auch dasE-Book zum Auslöser einer neuen, radikalen Medienrevolution.Unser Informationskonsum hat sich bereits durch Facebook undTwitter stark verändert, und diese Entwicklung wird sich mit derVerbreitung des mobilen Internets weiter beschleunigen. Schülernutzen unterwegs schnell mal Apps, um Latein zu lernen oder gehenauf YouTube, um die verpassten Mathelektionen dort zu verstehen.Das E-Book wird sich schneller verändern als jedes andereMedienformat in der Geschichte unserer Buchkultur. Die Nutzungvon E-Books ist nur mit technischen Hilfsmitteln (E-Reader,Computer, iPad) möglich und der nicht mehr so ferne Autor spielt fürdie Leser von hochwertigem Content eine immer wichtigere Rolle.Die digitale Revolution ist noch am Anfang ihres fundamentalenWandels. Neue Grenzen werden ausgelotet und die Entwicklungbeschleunigt sich. Digitale Technologien verändern auch unser9
  8. 8. Denken. So gibt es schon Überlegungen, ob man Links nicht besseran das Ende eines Textes setzen sollte, weil diese den Leserablenken und Inhalte schlechter erfasst werden...Unsere traditionelle Märkte verlagern sich immer massiver in denvirtuellen Raum. Und hierbei ist eindeutig: Die Bedeutung vonimmateriellen Gütern nimmt stetig weiter zu, während ihreProduktionskosten sinken. Das bedeutet auch, dass immer mehrContent in kürzerer Zeit produziert wird. Da wundert es nicht, dassQualität und Entschleunigung als Reaktion darauf eine ungeahnteWertsteigerung erfahren. Die Schlacht um das digitale Fenster (dasDisplay) und um die Zukunft der Medien hat begonnen. Die virtuellenBücherregale füllen sich…10
  9. 9. Evolution der TechnologieSchon lange notieren wir Menschen, was wir wissen, um es zuerhalten und anderen zur Verfügung zu stellen:• 30.000 v. Chr.: Höhlenzeichnungen• 3000 v. Chr.: Hieroglyphen• 1450: Buchdruck• 1935: Computer• 1965: Hypertext• 1982: Internet• 1995: Wikis• 1998: E-Book-ReaderDie erste Medienrevolution fand etwa im 8. Jahrhundert v. Chr. statt.Zu dieser Zeit begann man mit der schriftlichen Fixierung der bisdahin mündlich überlieferter Texte. Es war vor allem das WerkHomers, das so der Nachwelt erhalten blieb. Eine weitereMedienrevolution wurde von Gutenbergs Buchdruck im 15.Jahrhundert ausgelöst. Mit seiner Erfindung wurden alte Manuskriptevervielfältigt und überfluteten die Renaissance mit der Vergangenheit des Altertums und des Mittelalters. In dieser Zeitwurde die Zukunft erfunden. Mit Hilfe von gedruckten Büchernbegann der menschliche Geist zum ersten Mal, sich frei inVergangenheit und Zukunft zu bewegen. Elektronische Texte waren nicht das, was die frühenComputerentwickler im Sinn hatten. In den späten 60er Jahrenentwickelte Bell Labs ein Betriebssystem, das eine brauchbareTextunterstützung lieferte und es ermöglichte, elektronischeDokumente zu erstellen und auszudrucken. Das Ergebnis war Unix,basierend auf dem ASCII-Code. Bei der Einführung 1963 enthielt dieKodierung z.B. noch keine Kleinbuchstaben, dies wurde dann 1967nachgeholt, um Buchstaben eine feste Größe zuzuordnen, die esComputern erlaubt, alphabetisch zu sortieren. 1971 begann dasProjekt Gutenberg. In den 80ern bekam der elektronische Text danneine höhere Aufmerksamkeit. Erste Buchtexte im TXT-Format undProgramme unterstützten Lesen und Suchen im Text, der auf demBildschirm dargestellt wurde. Adobe Systems entwickelte ausPostScript das Format PDF, legte es offen und bot dendazugehörigen Acrobat Reader kostenlos zum Download an - einverbreiteter plattform-unabhäniger Quasi-Standard für formatierteDaten. Mehrere Verlage experimentierten mit E-Books, unteranderem OʼReilly mit ihren Bookshelf-CDs. Diese umfassten einreguläres Buch und eine CD-ROM mit sieben E-Books zu einementsprechenden Thema im HTML-Format.11
  10. 10. Erste E-Reader wie das Rocket E-Book und der Softbook Readerwurden im Jahr 1998 vorgestellt. Das erste Lesegerät, das E-Ink-Technologie nutzte, der Sony Librie, erschien 2003. Die Darstellungim Display orientiert sich stark am papiernen Text-Vorbild. Das heißt,dass die Bildschirme der E-Book-Reader nicht hintergrundbeleuchtetsind. Der Amazon Kindle wurde mit großem Presseaufwand 2007vorgestellt. Und Nintendo erweiterte seine Konsole Nintendo DS umden Bereich E-Books. Mit der „Bibliothek der klassischen Bücher“brachte Nintendo mehr als 100 klassische Werke deutschsprachigerDichter auf kleine Doppelschirme. Das Literaturprogramm wurdedamit auch zum schlagenden Argument, um bislang quengelndeEltern zum Kauf einer Nintendo-Konsole zu bewegen. Die Krise derreinen E-Reader begann mit dem Erfolg von Apples iPad. Die Preisevon Kindle & Co rauschen im Sommer 2010 drastisch in den Keller.Andere Hersteller verzichteten auf die Produktion ihrer neu geplantenGeräte und ein Ausverkauf begann. Das erfolgreiche iPad dagegenbekommt unzählige Nachahmer.Teure Lesegeräte, ein hinderliches Rechtemanagement (DRM) undeine umständliche Beladung der Geräte – das konnte noch nichtwirklich der Durchbruch bei E-Reader sein. Nun erstmals sind, durchden Erfolg des iPads, günstige E-Reader unterhalb der 100-Euro-Schwelle in Sicht. Amazon hat den Preis für das Kindle 2 innerhalbeines Jahres schon zum dritten Mal gesenkt. Und mit preiswertenLesegeräten könnten Aggregatoren wie Google oder Microsoft dennicht-papiernen Teil des Buchmarktes massiv voranbringen und überden Erfolg und Nichterfolg von Werken alleine mit ihrer ihrerSuchfunktion entscheiden.Digitale Ästhetik, erweitertE-Books haben grundsätzlich eine ganz andere Ästhetik als Bücher.Verleger können ihre E-Books mehrwertiger und nutzerfreundlichergestalten. Es wird beispielsweise sehr bald digitale Schulbüchergeben, die mediale Erlebnisse vermitteln, steuerbar für den Nutzernicht nur beim auswählbaren Schwierigkeitsgrad durch denLernenden.Bei Rowohlt zirkulieren die ersten Dummys der neu entwickelten E-Book-Versionen der altehrwürdigen Monografien-Reihe. Es handeltsich um so etwas wie eine Mischung aus Buch und Film. So kannman etwa in der E-Version der Monografie über Thomas Mann anentsprechender Stelle ein bisher kaum bekanntes TV-Interview mitKatja Mann sehen, in dem sie von der Entstehung der Novelle „Todin Venedig“ berichtet. In der Einstein-Monografie wird es eineneigens produzierten Trickfilm geben, der die Relativitätstheorieerklärt. Auch bei einigen anderen Sachbüchern wird daran12
  11. 11. gearbeitet, das E-Book in eine „enriched version“ zu verwandeln.Britische Informatiker haben für das iPad eine interaktive Version desKinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ erstellt. Es sorgteinternational für Aufsehen, weil es mehr ist als ein herkömmliches E-Book, das nur ein gedrucktes Buch nachahmt.Vorteile der E-VersionenDas Arbeiten mit dem digitalen Text wird einfacher und produktiver.Die Vorteile sind die Volltextsuche, die Auswahl und die Verknüpfungder unterschiedlichsten Inhalte. Ein Nutzer kann so ein ganzesBücherregal an E-Books mit sich führen und jenes auswählen, dasihm gerade zusagt, er kann leicht zwischen Büchern hin und herwechseln, markieren und teilweise auch versenden. DieSchriftgrößen lassen sich oft variabel einstellen. Gute E-Book-Reader können MP3-Formate wiedergeben und Grafiken (JPEG)anzeigen. Zahlreiche Bibliotheken und Universitäten erlauben es, E-Books an ihre Leser auszuleihen (onleihe.net).Im Fachbuch und auch im Schulbuchbereich ist eine Anreicherungdurch zusätzliche multimediale Inhalte voraussichtlich amerfolgreichsten. Wir werden bald die ersten Projekte dieser Verlagesehen. Vorbilder dabei könnten neben spannendem Erzählen auchComputerspiele oder innovative E-Learning-Modelle sein. Diebisherigen Beschränkungen des Textes mit Bildern können damiterweitert werden. Zu funktionieren scheint das aber bisher nochselten, eher bei Comics, die als eine Art animierter Slideshow aufdem iPad lebendiger und intensiver wirken (Marvel etc.). Auch dieTypografie spielt eine herausragende Rolle. Buchstaben entwickelnexpressives Potenzial, das ihre verschiedensten Aspekte wieSchriftschnitt, Zeichengröße, Farbe, Körperlichkeit, Hintergrundfarbeund Geschwindigkeit des Ablaufes einschließt.Lifestyle-Objekt oder Endgerät mit echtem Mehrwert? Die Branche zeigte sich optimistisch – nicht nur angesichts derwachsenden Zahl von elektronischen Lesegeräten wie AmazonsKindle, Sonys E-Reader oder dem der Berliner Firma txtr und demiPad, auch angesichts der immer größer und besser auflösendenBildschirme von Smartphones. Allein für das iPhone gibt es sehrviele Anwendungen für das mobile Lesen. Bereits über 115.000Bücher sind für das iPhone verfügbar, die Hälfte davon kostenlos.Die Berliner Entwicklung txtr bietet ein Konzept, das auch für daswissenschaftliche Arbeiten interessant ist: Es gibt die txtr-Community,auf der angemeldete Mitglieder an gemeinsamen Projekten arbeitenkönnen: So besteht z.B. die Möglichkeit, eigene Texte einzustellen,13
  12. 12. anderen Zugriffsrechte darauf zu erteilen und sich darüber auf dertxtr-Plattform auszutauschen.Mit Partnern wie Barnes & Noble und Libri will auch Acer bald einenvernetzten E-Book-Reader auf den Markt bringen. Inhalte könnendamit auch ohne Anschluss an einen PC direkt über WLAN oder einoptionales UMTS-Modul heruntergeladen werden. Der integrierteBrowser kann Webseiten auch für das spätere Offline-Lesenspeichern. Wer unterwegs ein interessantes gedrucktes Buch findetund es kaufen oder auf seine Wunschliste packen will, dem bleibtdurch einen in den Lumiread eingebauten ISBN-Code-Scanner dasAbtippen des Titels erspart.Die Zukunft verspricht noch viele weitere spannende Ideen in immerbesseren Geräten.14
  13. 13. Wie werden E-Books konsumiert?Beim Nutzerverhalten stehen Forschung und Studium klar imVordergrund, entsprechend sind Nachschlagewerke und Lehrbücherdie am häufigsten genutzten E-Books. Elektronische Bücher habeneinen enormen Aufschwung erlebt: Mittlerweile gehören sie nunstandardmäßig an allen wissenschaftlichen Bibliotheken undgrößeren Firmen zum fixen Angebot. Noch vor wenigen Jahren wardiese Entwicklung nicht absehbar.Nur angesichts des Lesekomforts eines gedruckten Buchs undseiner langen Kulturgeschichte existieren bei den Nutzern nochBedenken gegen eine komplette Verlagerung der Informationen insNetz. Wer einen Text von vorn bis hinten konzentriert durcharbeitenwill, greift dann lieber zum gedruckten Buch. Sehr erfolgreich sind dieE-Books vor allem im Bereich Fachbuch, wobei die gleichzeitigeSpeicherung mehrerer Bücher auf einem Gerät und die Volltextsucheder besondere Vorteil sind.Das E-Book hat sich im wissenschaftlichen Bereich schon starkausgebreitet –  die Möglichkeit, einzelne Kapitel zu erwerben, wirdsehr geschätzt. Eine internationale Untersuchung legt offen: Inwissenschaftlichen Institutionen nutzen bereits 73 Prozent derBefragten E-Books, vorwiegend zu Recherchezwecken. Ein großerTeil der Fachbücher ist bereits als E-Book erhältlich. Sie kostenzwischen 1,99 und 25 Euro, durchschnittlich 10,26 Euro.15
  14. 14. Das Leseverhalten der nachwachsenden Generation wird sich,genau so wie beim Online-Musik-Konsum, schneller undgrundlegender ändern, als wir bisher annehmen konnten. Ein Grunddafür ist die permanente Verfügbarkeit und eine Sucht nach Neuem.Anders als beim Sprechen oder Sehen war unser Gehirnevolutionsbedingt nie dafür gemacht, zu lesen (Buchtipp: StanislasDehaene: Lesen).Beim digitalen Lesen haben wir es normalerweise meist mit kurzenAufmerksamkeitsphasen zu tun, statt mit langen, konzentriertenZeitabschnitten. Erst mit einer tieferen Leseerfahrung, wenn wir unsganz auf den Text einlassen, wenn wir Analogien ziehen, bildet sichdie Möglichkeit für eigene, neue Ideen und Erkenntnisprozesse. Soerst lernen wir Informationen zu beurteilen. Es sind oft eigeneNotizen am Seitenrand der Bücher, die die Grundlage für unsereeigenen Gedanken bilden.Beim digitalen Lesen geht es um Effektivität, Produktivität, Sammelnvon Information. Gesucht und gefunden werden E-Books in derRegel per Suchmaschine (z.B. Google) aber auch im Onlinekatalogeiner Bibliothek. Typisch dabei ist, dass Studenten eine Vielzahl vondigitalen Quellen nutzen, die sie rasch überfliegen, um bestimmteInformationen für sich herauszufiltern. Anstatt eine lange Zeit damitzu verbringen, ein bestimmtes E-Book oder einen Artikel einerOnline-Fachzeitschrift zu lesen, überfliegen die sie die Seiten undspringen von einer Quelle zur nächsten. Nur vier Minuten im Schnittblieben sie demnach bei einem bestimmten Angebot und surfen dannweiter zu ähnlichen Inhalten. Die Lesegeschwindigkeit aber bleibtüber 10 Prozent hinter der beim traditionellen Buch zurück.Spannende E-Texte und Leseerfahrungen wollen natürlich mitanderen Lesern ausgetauscht und geteilt werden. Dagegen brechengewohnte Verhaltensweisen ab und ganze Produktgattungen wiezum Beispiel das Loseblattwerk oder auch das Lexikon verlieren anBedeutung.Die neuen Kulturtechniken des Surfens, der Emoticons und von„copy and paste“ setzen sich langsam aber sicher gegen die desBuchstabierens durch. Und mit zunehmendem Anteil wird das, waswir über die Welt wissen, durch Google und Wikipedia vermittelt.Wenn junge Leser etwas bei Google nicht finden, gibt es diesen Texteinfach nicht. Eine Recherche in der Bibliothek scheint unbequem,obwohl gerade Bibliotheken auch bei E-Books sehr hilfreich seinkönnen.Der Hauptgrund für die Nichtnutzung von E-Books ist einfach oftmangelndes Wissen über ihr Angebot. Hier muss auch der16
  15. 15. Buchhandel aktiver werden. Umfragen legen nahe, dass dasmangelnde Angebot und die hohen Preise, die meist identisch mitdenen der Printwerke sind, viele interessierte E-Book-Leserabschrecken oder sie zur Nutzung von Internet-Tauschbörsenanimieren, in denen illegal gescannte Bestseller in digitalenFormaten zu finden sind.Der Besitz von Fachmedien wird immer unwichtiger, der permanenteZugriff auf Information dagegen wird unersetzlich.Die Entwicklung von neuen Formaten und Präsentationsformen derE-Books wird maßgeblich von den Bedürfnissen der Nutzer gesteuertwerden. Hier versuchen sich neue Firmen wie PaperC, MedizinportalDocCheck, Liviato, oder Textunes. Für Textunes liegt die Zukunft desMobil-Publishing dabei eher noch im Handy-Format.Die E-Reader Software Bilio erlaubt es, Bücher mit multimedialenInhalten oder auch Webinhalten zu präsentieren. Gleichzeitig enthältdie Software wie Apples iTunes einen Buchladen. Hier wird es eine3D-Sicht des Buches geben. Flat World Knowledge ist ein Internetportal, auf dem Dozenten ihreLehrbücher mit vorhandenen, aber auch eigenen Inhalten erstellenkönnen. Studenten können auf diese Lehrwerke in ihrem virtuellenArbeitsplatz zugreifen – und zwar kostenlos. Zusatzservices wie einAusdruck kosten Geld. Und das sind nur einige Beispiele einer Zukunft, die gerade erstbegonnen hat.Neuer Player: Apples iPadApples iPad mit dem Vorteil von Print und Internet verändert derweildie Medienlandschaft. Gerade die Integration animierter Illustrationenkann eine schnellere und intensivere Informationsverarbeitungermöglichen. Das iPad etabliert so eine neue leicht zu handhabendeGeräteklasse zwischen Smartphone, Netbook und E-Reader. Esfördert die Entwicklung neuer Buchtypen oder Medienformate undsoll auch der Kostenlos-Kultur im Netz ein Ende bereiten.Ich erlebe es ja an mir: Für Infotainment und digitale Unterhaltungzahlt der Nutzer gerne, der Erfolg von iTunes beweist es. AndereInternet-Inhalte und Nachrichten werden dagegen wohl weiterhinkostenlos bleiben. Aber gezielte, optisch ansprechende (Fach-)Informationen könnten dagegen schon Einnahmen generieren.Somit gelten die Tablet-Computer allgemein als neue Hoffnung fürdie Medien- und Buchindustrie. Mit ihnen soll auch eine intensiverevisuelle Art des Erzählens möglich werden. Eine wunderbare App für17
  16. 16. das iPad ist Flipboard. Die kostenlose iPad-App zapft den privatenFreundes-Nachrichtenstrom von Twitter, Facebook, Blogs und RSS-Feeds an und präsentiert uns alles als digitales News-Magazin. DasGefühl, das sich beim Blättern einstellt, ist höchst angenehm. Schonallein die Titelseite sieht sehr einladend aus und alle privaten Bilderund Links sind in einem zweispaltigen Layout dargestellt. Alles, wofürman mühsam externe Webseiten aufrufen musste, ist bei Flipboardnur einen Fingertipp entfernt. Cooliris, eine Firma, die sich auf dieEntwicklung der Visualisierung von Inhalten in 3D spezialisiert hat,hat gerade mit dem neuesten App-Projekt “Discover” die Wikipedia-Inhalte in einem Magazin-Layout auf das iPad gebracht.Geeignet sind Apps auch für den Einsatz im Marketing: Wer bisherPapier-Kataloge mochte, der wird noch mehr einen komfortablen,blätterbaren Katalog auf dem iPad mögen. Und belletristische Textekönnen mit relativ geringem Aufwand für das iPad verfügbar gemachtwerden. Bisher ist die Auswahl an englischen Titeln noch weit größerals die der deutschsprachigen. Apples iBooks hat ein Englisch-Nachschlagewerk integriert, es muss jedoch, wie viele anderehilfreiche Apps auch, erst vom Shop heruntergeladen werden.Apple integriert außerdem den gesamten Katalog des ProjektsGutenberg. Hier gibt es die 30.000 E-Books, deren Lizenzenabgelaufen und die vergriffen sind. Hinzu kommen weiterekostenpflichtige Bücher. Schon heute führen E-Books vor Spielendas Angebot im App Store an.DRM-geschützte ePUB-Titel außerhalb von Apples iTunes werdenvon iBooks leider bisher nicht angezeigt. So können viele Titel derBranchenplattform Libreka oder Textunes so nicht gelesen werden.Als beste Reader-Alternative zu iBooks gilt die Anwendung Stanza.Sie unterstützt zahlreiche Formate, darunter auch ePUB und PDF. Istdie URL einer ePUB-Datei bekannt, so hat Stanza den Vorteil, dassman sie dort auch direkt ohne iTunes herunterladen kann.Mit Stanza Desktop lassen sich die Werke aber auch auf Rechnernmit Windows oder Mac OS X gut betrachten. Jedes geöffnete Bucherscheint in einem eigenen Fenster, das sich mit verschiedenenLayouts anpassen lässt. Schriftart, Schriftgröße und Farbe könnenim Handumdrehen angepasst werden. Außerdem tauscht dasProgramm bei Bedarf Hintergrund- und Schriftfarbe.18
  17. 17. Plattformen und AnbieterIm deutschsprachigen Raum gibt es im B2C-Bereich zurzeit nurwenig große E-Book-Anbieter: Libreka, ciando, beam, Digitallesen,txtr sowie Libri. Alle bieten sowohl Fachbücher als auch Belletristikan. Dazu kommen Google mit Google Editons und Apple mit demiBook Store für iPad, iPhone und iPod touch.LibrekaDer Börsenverein des deutschen Buchhandels hat libreka(www.libreka.de), eine Plattform zum Vertrieb von E-Books,bereitgestellt. Libreka will eine zentrale Schnittstelle für dieSpeicherung, Archivierung, Suche und den Verkauf von digitalenBüchern werden. Ein Marktplatz für das neue Medium E-Book, derleider wohl weder technisch noch konzeptionell - und so wie er sichbisher präsentiert keine grosse Überlebenschance hat.Libri und CiandoEin Shop-System bieten auch Libri und Ciando. Voraussetzunghierfür ist allerdings, dass bereits eine eigene Internetpräsenzbesteht. Der Händler integriert nach Vertragsabschluss einen Online-Shop auf der Buchhandels-Website, die optisch angepasst werdenkann. Die gesamte Abwicklung des Auftrags wird vom Dienstleisterübernommen. Ausarbeitung des Sortiments, Aneignen des nötigenKnow-hows und zusätzliche zeitliche Belastungen werden demBuchhändler somit abgenommen – dem gegenüber stehen dieKosten für diesen Dienst.Google EditionsNatürlich will auch Google seine Nutzer unabhängig vom Endgerätmit digitalen Buch-Inhalten erreichen. Google Editions soll einkostenloses Angebot für Verlage sein, Bücher online zu vermarktenund zu verkaufen. Shops können ihr Sortiment damit erweitern,stationäre Buchhandlungen mit angeschlossenem Online-Shop dieGoogle-Vorschau zur Steigerung ihrer Abverkäufe nutzen. Bei denGoogle Editions sollen die Käufer die Möglichkeit haben, vor demKauf wie bei Book Search ins Buch zu sehen. Der „Kauf“ istallerdings nur ein Zugang zum Buch: Ein echter Download findetnicht statt, das Buch verbleibt im Netz und wird lokal nur temporärgespeichert. Langfristig wird Google Editions auch eine Kombinationaus E-Book und physischem Buch anbieten.19
  18. 18. Safari Books OnlineSafari Books Online wiederum ist eine digitale, durchsuchbare On-Demand-Bibliothek mit Zugriff auf den vollständigen Inhalt vonTausenden von Büchern, Manuskripten, Vorveröffentlichenden vonweltweit führenden Autoren und Verlagen. Initiiert hat sie derOʻReilly-Verlag. Für eine geringe monatliche Gebühr hat der Nutzeronline Zugriff auch auf Schulungsvideos über Technik, Design undBusiness-Themen von über 40 Verlagen, darunter OReilly Media,Addison-Wesley, Prentice-Hall, Microsoft-Press, Cisco-Press,Peachpit-Press, Adobe-Press, Apress, Manning und mehr. Der Wegdorthin führt z.B. auch über www.informit.de . Auch in Frankreich istOReillys Modell mit anderen Verlagen recht erfolgreich:librairie.immateriel.frNicht nur Tim OReilly fürchtet eine Krieg der Plattformen wie Google,Facebook oder Apple, die sich abschotten, um die anderen zuverdrängen.Content AggregatorenDas Modell der digitalen Zwischenhändler oder Aggregatoren hatsich bereits in der Musikbranche durchgesetzt. Im Bereich derAuslieferung von digitalen Medien (MP3) hat man hier fast zehnJahre Vorsprung vor der Buchbranche. Man kann einzelneMusikstücke erwerben und neue Modelle (Simfy) erlauben auch einAbomodell per Streamingdienst. Gegen eine monatliche Gebührkann man dort auf ein gigantisches Online-Musikarchiv zugreifen,ohne dass die Dateien auf dem eigenen Gerät landen. Störend daranist in Deutschland bisher noch die hohe GEMA-Gebühr. Mit seinenFreunden teilen kann man eigene Playlisten, auch via Facebook.Die spannende Frage: Wer bietet das optimale Erlebnis in unsererbegrenzten mobilen Zeit? 20
  19. 19. Der Kampf um die Leser der ZukunftWarum so viele Unternehmen im E-Book-Bereich aktiv werden, istschnell erklärt: In den USA liegt die Wachstumsrate beim E-Book-Absatz weit über dem im Print-Sektor, wobei die E-Book-Preiseteilweise deutlich niedriger sind als die der Paperback-Ausgabe.Branchenexperten erwarten laut einer Studie der FrankfurterBuchmesse und Publishers Weekly, dass die Umsätze mit digitalenInhalten die des klassischen Buchgeschäfts binnen 10 Jahrenüberholen werden. Tatsächlich wurden im ersten Halbjahr 2009 lauteiner GfK-Studie nur rund 65.000 elektronische Bücher abgesetzt.Auch der Absatz der E-Reader funktioniert außerhalb desBuchhandels (trotz Thalia-Kampagne) besser bei Schlecker & Co.Dort wurden nach eigenen Angaben mehr als 1000 „IRiver Story“-Geräte für 279 Euro in einem dafür eher untypischen Sortimentverkauft.Imposante Zahlen gibt es auch bei Apple. Das iPad verkauft sichmillionenfach, ca. 12 Millionen Apps und 1,5 Millionen E-Bookswurden in wenigen Wochen nach dem Start heruntergeladen. ApplesDownload-Shop iTunes hatte schon 2009 weltweit mehr als 100Millionen Kundenkonten samt aktuellen Kreditkartendaten.Als eine Alternative zum iPad wird z.B. die Berliner Firma Neofoniegesehen. Deren Tablet „WeTab“ hat offene Schnittstellen (Linux,Android) und soll ab Ende September auch über Verlage vertriebenwerden.Entstehung von digitalen SupermächtenDer Vertrieb von Büchern, Fach-Zeitschriften und anderen Medienwird immer komplexer: Die Konzentration im stationären Buchhandelnimmt weiter zu, die Machtverhältnisse zwischen Verlag und Handelverschieben sich. Und mit digitalen Plattformen, verlagseigenenOnline-Shops oder Mobile Commerce bieten sich immer mehralternative Vertriebskanäle an. Während die globalen Player Google,Amazon und Apple bisher auf dem deutschen E-Book-Markt dieprägende Rolle spielen, tun sich die Verlage mit den Unwägbarkeitendes Marktes und der Geschwindigkeit seiner Innovationszyklen nochschwer. Am weitesten entwickelt hat sich der japanische E-Book-Markt, er war 2009 mit 0,6 Mrd. US-Dollar Umsatz auch der größteder Welt. Dort sind es auch nicht allein die Verlage, die den Taktangeben: Dienstleister wie Kobo oder Overdrive sind hier dietreibenden Anbieter für alle Plattformen.21
  20. 20. Alle Verlage konkurrieren auch mit Angeboten, die kostenlos imInternet zu finden sind. Wer hier zu viele Barrieren (Kopierschutz,DRM) beim Zugang zu seinen Inhalten aufstellt, wird diesenKonkurrenzkampf verlieren. Wenige Weltkonzerne kontrollieren undzensieren E-Book-Inhalte und -Apps. So bietet OReilly seine Bücherauch als iPhone-Apps an. Doch dass er sich auf diesen Vertriebswegnicht allein verlassen sollte, weiß OReilly spätestens seit sich Appleweigerte, einen seiner besten Titel ins Sortiment aufzunehmen: einHandbuch für das iPhone-Konkurrenzsystem Android von Google.Zu Apples Politik bemerkte Frank Schirrmacher: „Klingt weniger nachder Entwicklung und Vermarktung eines Gerätes, als vielmehr nachSchaffung und Gründung eines Staates.“ Besonders diese rigideInhaltskontrolle Apples schreckt Verlage und Verbraucherschützerab.Apple und Amazon sind regide, wenn es um ihre Vorrangstellung aufdem Markt geht. Sowohl Kindle-Reader wie auch iPhone und iPadsind als Closed-Shop-System konzipiert: E-Books, die für dieseGeräte gekauft wurden, sind nur innerhalb dieser firmeneigenenSysteme zu gebrauchen. Daran ändert selbst die Kindle-App nichtviel – denn andere E-Ink-Geräte bleiben natürlich außen vor, daAmazon den Branchenstandard epub nicht unterstützt. KünstlicheBarrieren sind jedoch nur ein Teil ihrer Strategie. Gerade Amazon hatden Lesern von Anfang an die abgeschottete Kindle-Welt mit vielenNiedrigpreisen, auf Kosten der Verlage, schmackhaft gemacht. US-Behörden werfen den Branchenriesen daher Kartellbildung beim E-Book-Pricing vor. Auf dem Prüfstand stehen die Verträge von Appleund Amazon mit den Buchverlagen, die wettbewerbsfeindlich sind.Nicht nur Verleger, Autoren und Nutzer sehen es als Problem, wenndiese Unternehmen versuchen, eine geschlossene E-Book-Plattformdurchzusetzen. Sie fordern stattdessen ein universelles und offenesFormat, welches auf allen Geräten angesehen werden kann. Wasman bei Amazon als E-Book erwirbt, ist nur das Recht, den Text zulesen. Und dieses Recht kann jederzeit ohne Warnung wiederentzogen werden. Wer gestern noch 100 Bücher im virtuellen Regalhatte, kann dann vielleicht am nächsten Tag nur noch 98 vorfinden.Alle E-Books mit DRM die dort online gekauft werden, könnengelöscht oder verändert werden. Schöne neue Welt...Es gibt Alternativen zum Kopierschutz, z.B. ein „Wasserzeichen“, dasbei e-PDFs möglich ist, oder auch individualisierte Ausgaben, die denNamen des Käufers enthalten, so dass damit eine sehr wirksamepsychologische Hemmschwelle aufgebaut wird.Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Amazon stellt der Ende Juli2009 eröffnete E-Book-Shop von Barnes & Noble dar. Laut eigenen22
  21. 21. Angaben ist er mit rund 700.000 Titeln im Sortiment der größte E-Book-Shop der Welt.Neue Mittler sind dabei, sich auch für E-Books entsprechendeBibliotheken aufzubauen: Apple, Blackberry, Google etc. Und da derE-Book-Käufer zur Zeit noch in starkem Maße Gerätegetrieben ist,wird er zuerst auch bei diesen Hersteller einkaufen.Der gläserne KundeDie neuen Technologien bringen dabei auch neue Probleme mit sich,beispielsweise für die Privatsphäre der Kunden. Bisher musste derVerlag nicht wissen, wer den Duden kauft. Es hat keine Rollegespielt, denn es wurden genug Duden verkauft. Doch nun stagniertder Verkauf. Um das Geschäft wieder anzukurbeln, ist es für denVerlag wichtig, die Endkunden zu kennen, um darauf die geeigneteMarketingstrategie auszurichten. Das E-Book macht es möglich, dasNutzerverhalten für den Anbieter sichtbar zu machen. Ob Amazonüber die Schulter der Nutzer schaut, welcher Text wird wann und wogelesen, welche Stellen werden markiert – die Digitalisierung schafftden gläsernen Kunden. Diesen Vorteil wollen auch Verlage natürlichfür sich nutzen...23
  22. 22. Formate und hilfreiche ToolsDer Schriftsetzer, gerade erst zum Mediengestalter avanciert, istzunehmend auch Programmierer, Konvertierer, Datenpfleger undContent Manager. Die Vielfalt der möglichen Endgeräte macht eswünschenswert, dass ein Dokument auf möglichst vielen Plattformenverwendbar ist. Andernfalls muss der Autor bzw. Verleger für jedePlattform eine eigene Version produzieren. Zur Herstellung eines E-Books im EPUB- oder MOBI-Format aus einem Textdokumentbenutzt man Applikationen wie Calibre und SIGIL.Mehr dazu hier: http://blogs.ethz.ch/innovethbib/tag/epub/Formate: Verwirrende VielfaltNoch gibt es eine verwirrende Vielfalt an unterschiedlichen offenenund proprietären Dateiformaten. Zur Zeit sind das AZW Amazon,MOBI MobiPocket, LIT Microsoft, PNPd Palm E-Reader, und BBeBSony. Ein offenes, anerkanntes Format ist EPUB. Der einzigepopuläre E-Book-Reader, der EPUB nicht unterstützt, ist AmazonsKindle. EPUBDie beiden zukunftsträchtigsten Datenformate für E-Book-Reader(EPUB und MobiPocket) basieren auf XHTML und CSS. Das FormatEPUB wurde 2007 vom International Digital Publishing Forum (IDPF)entworfen und ist damit im Gegensatz zu MobiPocket ein offiziellerIndustriestandard. EPUB ist ein offengelegtes Format: DieSpezifikation ist jedermann zugänglich und findet vor allem imBelletristikbereich Anwendung.Das EPUB-Format besteht im Prinzip aus mehreren Dateien. Esfasst drei Spezifikationen in einem ZIP-Container zusammen: dieXHTML-formatierten Inhalte, das Dateiformat .epub zu einer odermehreren Inhaltsdateien sowie Meta-Informationen in XML. Problemist das fehlende, plattformübergreifende Rechtemanagement (DRM).Hier setzen viele auf Adobe EPUB-DRM, welches aber zum Beispielnicht bei Amazons Kindle oder Apples iPad eingesetzt wird. PDF, ePDFDie umfangreichen Möglichkeit zum Verschlüsseln, Schützen undSignieren von PDF-Dateien haben das Format auch für dieAnwendung im E-Book-Bereich interessant gemacht. PDF ist ein weitverbreitetes Format von Adobe, allerdings funktioniert es auftragbaren Geräten wegen der Bildschirmgröße nicht besonders gut.Es ist für Computer besser geeignet, da es oft Seiten in Blattgröße24
  23. 23. erwartet. Sowohl EPUB als auch PDF können vom Hersteller mitDRM versehen werden.ePDF ist das bekannteste layout-orientierte Format, das zurWebtauglichkeit auf eine kleinere Dateigröße umgerechnet wird.Fach- und Wissenschaftsverlage konzentrieren sich fastausschließlich auf dieses Format – denn damit ist der digitale Titelebenso zitierfähig wie die gedruckte Ausgabe. Währendessentummeln sich im Consumer-Bereich eine Vielzahl DRM-geschützterFormate, die hauptsächlich dazu dienen, die Rechte der Autoren undVerlage zu schützen. DocBookDocBook wurde ursprünglich als Austauschformat für technischeDokumentation entwickelt und wird inzwischen vor allem im Bereichdes Single Source Publishing eingesetzt. DocBook hat sich als einQuasi-Standard für technische Dokumentation etabliert.Insbesondere in der Open-Source-Welt ist DocBook allgegenwärtig. AppsEin neues Format, oder bessere Software, sind die Apps für iPadsund andere Smartphone-Betriebssysteme wie z.B. Android. Apples Apps werden z.B. mit dem iPhone SDK entwickelt und vonApple freigegeben. Apps sind mit Funktionen angereichert, die überdas hinausgehen werden, was übliche E-Book-Formate bzw. derenReader anbieten und der Vertriebskanal sowie die Community sindbereits eingebaut. Die textunes-App verfügt z.B. über eine Funktion,die es ermöglicht, Textausschnitte aus E-Books an sozialeNetzwerke wie Twitter oder auch per E-Mail zu versenden. Die Appswerden ständig von ihren Entwicklern verbessert. Ein gutesAusgangsformat für die Erstellung von Apps ist EPUB. Formatewelt: Neue Probleme für den NutzerProblematisch für den Nutzer wird es dann, wenn der Anbieter seineFormate austauscht. Der Leser oder eine Bibliothek lizenziert einenZugang auf PDF-Onlinebücher und nach drei Monaten sagt derVerlag: „Tut uns leid, aber wir stellen jetzt auf Flash um.“ Damit isteine Nutzung nicht mehr so möglich, wie sie zum Zeitpunkt desKaufs geplant war. Das sind Probleme, an die vorher kaum einNutzer gedacht hat, und die es mit einem Print-Buch so nie gegebenhätte...Tool 1: E-Book-Converter CalibreDas Open-Source-Tool Calibre ist ein kostenloser E-Book-Converterund unterstützt die Formate der gängigsten E-Book-Reader, darunternatürlich auch das iPhone, den Amazon Kindle und Sony PRS.25
  24. 24. Calibre erkennt angeschlossene E-Book-Reader automatisch undkann direkt mit ihnen kommunizieren und Daten austauschen. AuchHTML-Seiten, Text-Dateien oder auch RSS-Feeds kann man rechteinfach in ein EPUB umwandeln. Alle konvertierten Texte und RSS-Feeds werden in der eigenen Calibre-Bibliothek abgelegt. Beiunvollständigen Metadaten bietet Calibre die Möglichkeit, diesemanuell oder automatisch via Internet zu ergänzen. Calibre verwaltetnicht nur die verschiedenen E-Books, sondern kann auch ausverschiedenen Quellen neue Ausgabeformate im XML-, CSV-,EPUB- oder MOBI-Format generieren. Zusätzlich zeigt es Bilder imSVG-Format an. Tool 2: EPUB-Dateien bearbeiten mit SigilWie mit einem Texteditor kann man mit Sigil EPUB-Dateienbearbeiten. Wahlweise in einer Quelltext- oder in einer WYSIWG-Ansicht editiert man die Datei - ähnlich einem HTML-Editor.Importieren kann Sigil neben EPUB auch HTML- und Textdateienund ins EPUB-Format umwandeln. Weit besser als mit denKonkurrenten Stanza und Calibre kann man Metadaten undInhaltsverzeichnisse bearbeiten, es stehen auch deutlich mehrOptionen für Kapitel oder Textformatierungen zur Verfügung. Bilderunterstützt die Freeware ebenfalls. Allerdings kann Sigil nur einzelneDateien bearbeiten, eine Stapelverarbeitung fehlt. Verfügbar ist dasTool für Windows, Mac und Linux.Tool 3: EPUB online lesen mit BookwormBookworm ist eine freie Plattform, um EPUB-Bücher online zu lesen.Es unterstützt CSS, Grafiken im JPG., GIF-, PNG- und SVG-Format,sowie vollständiges XHTML. Bookworm erlaubt, EPUB-Bücher zueiner Online-Bibliothek hinzuzufügen und diese im Browser oder aufeinem mobilen Gerät zu lesen. Ein automatisch Inhaltsverzeichniswird erzeugt, das auf auf den Metadaten des Dokumentes basiert.Wer ein mobiles Gerät besitzt, das EPUB unterstützt (wie z.B. denSony Reader oder iRex iLiad), kann damit Bücher in einen E-Readerherunterladen. Bookworm ist speziell für die Benutzung mit demiPhone optimiert und kann direkt in Stanza exportieren.Tipp: Selbst erstellte E-Books auf dem iPad lesenDanach kann man beispielsweise den kostenlosen E-Book-ReaderStanza auf den iPad installieren. Dort findet sich im Menü „Bibliothek“der Eintrag „Online-Katalog“, eine Liste mit diversen, teilskostenlosen E-Book-Angeboten. Per Plus-Taste lässt sich „Kataloghinzufügen“ einblenden und die Option „Stanza-Katalog hinzufügen“nutzen. 26
  25. 25. Sowohl Apples iBooks wie auch Kindle für iPad bieten guteFunktionen zum Blättern und zeigen die Texte und Bilder brilliant an.Über Stanza kann man eigene E-Books im Format EPUB aufs iPadladen. Man kann in gekauften Büchern keine Textpassagen kopieren,nur anmerken oder kommentieren. Das gilt auch für die Kindle App.Bei den kostenlos erhältlichen Büchern im iBook Store ist dieKopierfunktion hingegen aktiv. Bei diesen Werken kann man sichalso Textpassagen kopieren und in ein Textdokument einfügen.Eigene E-Books im Format EPUB in die Applikation iBooks zu laden,um sie auf dem iPad zu lesen, geht im Prinzip nur perSynchronisierung mittels iTunes. Das iPad ist bei alldem eher einGerät für den Konsumenten, weniger geeignet für wissenschaftlichesArbeiten. Empfehlenswert ist eine klassische Betrachtungssoftware wie dieApp GoodReader. Mit ihr kann man zahlreiche Dateiformate wieWord- Powerpoint- und diverse Grafikformate sowie PDF-Dokumenteöffnen und lesen und bzw. auch Webseiten o.ä. zum späterenOffline-Lesen abspeichern. Eine Mail-Option ist ebenso vorhandenwie die Möglichkeit, rudimentäre Dateiformate wie Textdateien zubearbeiten. Wenn man ein E-Book im PDF-Format findet und diesesin die Software GoodReader übernehmen will, braucht man nur dieAdresse des Dokumentes in den Zwischenspeicher des iPad zukopieren, dann öffnet man im GoodReader die Rubrik „WebDownloads“ auf der rechten Seite und fügt im Eingabefenster „EnterURL to download“ die zuvor kopierte Adresse ein.Fortgeschrittene Anwender, die PDFs auf dem iPad nicht nur lesenwollen, sondern auch Markierungen im Dokument anbringen undabspeichern möchten, dürften in iAnnotate PDF einezufriedenstellendere Anwendung finden.27
  26. 26. Texte selbst veröffentlichenAppleApple hat mit der Online-Applikation zum iBook Store eineMöglichkeit vorgestellt, über die Autoren Ihre eigenen Bücher in denStore einstellen können. Systemvoraussetzungen sind ein Intel-Macmit Mac OS X 10.5 und 1 GB RAM sowie QuickTime 7.0.3. AlleBücher müssen eine ISBN-Nummer haben und im EPUB-Format zurVerfügung gestellt werden. Geprüft werden die Werke von Applenatürlich auch.AmazonNach und nach hat Amazon-Chef Jeff Bezos um den Kindle-Readerund den Kindle-Shop ein ganz eigenes Ökosystem für elektronischeBücher geschaffen. Um möglichst viele E-Books anbieten zu können,gibt es für Autoren die Möglichkeit, das Self-Publishing Tool DTP zunutzen. Für Selbstvermarkter ist das attraktiv: Durch die Kindle-Apps,die nicht nur auf PCs und Macs, sondern auf zahlreichen mobilenGeräten laufen, ist die Zahl der potentiellen Leser in letzter Zeitenorm gewachsen. Amazon mausert sich auch langsam zum Verlag:Über die Analyse von Kundenrezensionen werden potentielleBestseller ausgewählt und mit eigenem Imprint vertrieben.Barnes & NobleAuch Barnes & Noble will unabhängigen Autoren und VerlegernZugang zu ihrem E-Book-Shop, ein Portal mit dem Namen Pubitgewähren. Anmelden, Text hochladen und dieser wird ins EPUB-Format konvertiert und mit einem DRM-Schutz versehen.ScribdDie unabhängige Textplattform Scribd hatte bereits im Mai 2009einen Onlineshop eröffnet und damit Autoren und Verlagen dieMöglichkeit gegeben, über das Portal Geld mit ihren Texten zuverdienen.Und dann noch...Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Buch öffentlich zuschreiben. Die Autoren von „Real World Haskell“ schrieben im Webund luden die Leser ein, zu kommentieren. Sie erhielten währenddes Schreibens 7.500 Kommentare, 2.000 seit der Veröffentlichung.Das Werk wurde zu OʼReillys Besteller im letzten Jahr. ZahlreicheAutoren publizieren inzwischen selbst, und auch das Marketinggehen sie selbst an. Auf Twitter, Facebook, YouTube oder mit einemeigenen Blog bauen sie Ihre Communities auf. 28
  27. 27. Die richtige PreisgestaltungWesentlich für die Kundenakzeptanz wird bei alldem diePreisgestaltung sein. Das Angebot an kostenloser Literatur imInternet wächst rasant. Allein Google Books stellt inzwischen übereine Million Bücher im PDF- und EPUB-Format zum Downloadbereit.Wie wichtig die richtige Preisgestaltung ist, zeigt sich am Beispiel desamerikanischen Computerbuch-Verlegers OʼReilly. Er reduziert seineDigital-Bücher teilweise um 80 Prozent und erzielt trotzdemUmsatzzuwächse. Eine Kannibalisierung scheint es nicht zu geben:Vor 18 Monaten verzeichnete der OʼReilly-Verlag eine klare Wende:Seither verkauft er mehr E-Books als Print-Titel, inzwischenverzeichnet er im E-Book-Bereich sogar einen doppelt so hohenUmsatz wie im Printbereich bei Umsatzsteigerungen von über 50Prozent. 29
  28. 28. Digitaler VertriebMir gefällt der Vorschlag einer Kollegin, die fordert, beim Kauf einesBuches Print- und E-Book-Version in einem begrenzten Zeitraum zuverbinden und es damit dem Kunden zu überlassen, was er wie esnutzen will. Durch die Kombination beider Medien kann der Leserselbst die Erfahrung machen, welches Medium für ihn passend ist. Technisch längst kein Problem: Per „Cloud Computing“ kann manRechenleistung und Anwendungen über das Netz nutzen. Diese Artder Dienstleistung kann man auch für die Bereitstellung von E-Booksund generell E-Produkten ganz allgemein nutzen. Dann muss mankeine Inhalte mehr auf den lokalen Rechner laden und ggf. mit einemstarren DRM versehen, sondern der Zugriff könnte webbasiert, mitden dabei üblichen Prüfroutinen und von jedem beliebigen Gerät auserfolgen. Das wäre eine interessante Lösung für das Kopier(schutz)problem und zugleich für die Bequemlichkeit der Kunden.Und wo bleibt der Buchhandel?Nicht das traditionelle Buch bleibt das Kerngeschäft der modernenBuchhandlung, sondern die Problemlösung für den Kunden.Unsere Branche wird sich auf ihn besinnen und Mehrwert über dieProdukte hinaus schaffen, etwa durch die Inszenierung vonErlebniswelten, die Zusammenstellung bedürfnisgerechterSortimente oder außergewöhnliche Beratungskompetenz. Dasausufernde Angebot an Büchern wird immer eine sinnvolleVorauswahl benötigen. Kunden wollen bei der riesigen Auswahl keinRisiko eingehen. Sie befürchten, die falsche Entscheidung zu treffen.Das Suchen auf Amazon ist oft zeitraubend und frustrierend. DerFachbuchhandel hat die Möglichkeit E-Books zu bewerten, zubündeln und verlagsübergreifend in einer Suchmaske oder Appbereit zu stellen. Ein glaubwürdiger, unabhängiger Experte,30
  29. 29. kombiniert mit Leseproben und fachmännischem Urteil undentsprechendem Sortiment, das wird funktionieren.Keiner hat Lust und Zeit, auf der Suche nach interessanten E-Bookssämtliche Verlagsseiten durchsuchen zu müssen. Dabei gibt es danndie Möglichkeit des Taggens, d.h. des Vergebens von Schlagwörtern,egal ob nutzergetrieben oder von Fachleuten und Buchhändlern.Je überzeugender das Problem des Käufers gelöst werden kann,umso höher ist der empfundene Wert der Beratung. Das halte ichauch beim Suchen nach guten E-Books für eine hilfreiche Leistung.Die Fachbuchhandlung Lehmanns bietet seit Jahren mit ihren VIP-Tipps Experten-Empfehlungen für Programmierer (die auch alsPodcast ausgebaut werden) an. Eine umfassende Datenbank für E-Books ist im Entstehen und wird gleichzeitig mir dem Shop-Relaunchauf www.Lehmanns.de noch im September 2010 vorgestellt.Buchhandlungen, die ihren Kunden Datenbanken und Servicesanbieten, entwickeln sich damit auch zum Dienstleister. Bisher wares für Buchhändler nicht so einfach, Literatur aus China, Indien oderSpanien, Italien oder aus Frankreich zu besorgen. Lieferzeiten vonbis zu 4 Wochen bei Bücher aus Italien oder Spanien waren fürKunden schwer zu vermitteln. Bei E-Books aus fernen Ländern kannman Kooperationen mit den jeweiligen Anbietern abschließen undsich so ganz international präsentieren.Für den wissenschaftlichen Buchhandel gibt es wirtschaftlich eingroßes Potential, wenn er es schafft, zusammen mit der Open-Source-Gemeinde eine technische Plattform (oder besser gesagteine App) für E-Books anzubieten, die beiden Seiten gerecht wird:gute standardisierte Lesbarkeit und Handhabbarkeit für den Leserund einfach technische Konvertierung für den Verlag.Der Buchhandel würde technisch damit für alle Verlage ein Systemzur Verfügung stellen, das auch von kleinen Verlagen genutzt werdenkann, die sich solche Systeme ansonsten aus eigenen Kräften nichtleisten könnten und gleichzeitig einen Schritt RichtungStandardisierung (von Verlagsangeboten) unternehmen. Mit derOpen-Source-Gemeinde im Rücken würde ein solches System sichbald durchsetzen und auch wirtschaftlich rechnen.Die Fachbuchhandlung Lehmanns ist mit E-Books bereits seit 5Jahren eine erfolgreiche Größe im B2B-Geschäft. Bibliotheken,Institutionen und Firmen schätzen den Service von 250.000wissenschaftlichen Titeln von über 500 Verlagen - und der Bereichwird mit neuen Anwendungen und Services stark ausgebaut. Auch imB2C-Markt werden die Medienangebote aufwändiger und komplexer:31
  30. 30. Multimedia, Verlinkungen, Animationen und auch Kundenintegration -all das ist mit modernen E-Anwendungen möglich.E-AnwendungenPAUXPAUX ist beispielsweise ein CMS, das speziell für die Online-Veröffentlichung von Fachbüchern Mehrwertdienste anbietet. Es istein innovatives Content-Komponenten Management System, dasText modular speichert. Es ist E-Learning-Tool und Wiki, das Wörterund Sätze als selbständige Datenbank-Objekte speichert undvielfach semantisch verknüpft. Hierzu gehören spezielle Info-Fenster,die Anpassung des Contents nach Schwierigkeit, das E-Learning unddie Kommentierbarkeit einzelner Textbestandteile. Mittels Linked-Data-Technologie erweitert es multimedialen Text um vierDimensionen und eröffnet damit neue Anwendungsbereiche undGeschäftsmodelle. Das Multi-Autoren-System und verfügt über einedetaillierte Rechteverwaltung.Diese Mehrwertdienste ermöglichen Verlagen die Einführung vonPaid Services. Bekannt ist die kostenlose PAUX-Lernsoftware fürJurastudenten, die z.B. unter www.jurastudium.de angeboten wird.LiviatoGute Buchzusammenfassungen bietet da Startup Liviato. Liviatosetzt dabei auf Community: Alle Inhaltsangaben werden von denMitgliedern eingestellt und können kostenlos gelesen und bewertetwerden. Damit grenzen sie sich ab von kommerziellen Anbietern wiegetAbstract, wo man die Zusammenfassungen bezahlen muss. Nochfließt das Geld über Werbung und das Amazon-Affiliate-Programm indie Kassen von Liviato, aber man kann sich Partnerschaften mitBücher-Webseiten und dem stationären Buchhandel vorstellen...Studentensupport.deDer Online-Dienst Studentensupport.de bietet auf seinenInternetseiten Fachbücher für Studenten und Interessierte kostenlosals E-Book zum Download an. Ein Großteil der Bücher ist inenglischer Sprache, zahlreiche E-Books sind aber auch auf Deutschverfügbar. Der Newsletter-Service informiert über Neuerscheinungen.Eine Registrierungspflicht besteht nicht. Der Dienst finanziert sichdurch Anzeigen, die in den PDF-Dokumenten platziert wurden, aberkaum stören.BibletsImmer mehr Verlage nutzen Biblets. Mit ihnen kann man erstenSeiten eines Buches probelesen, bewerten und den Fund als E-Mailverschicken. Ein Social-Marketing-Tool, das speziell Buchhändler32
  31. 31. unterstützt, den mit den Händlerversionen der Biblets kann mandirekt auch in die Communities senden... Smart Book – Die E-Book-Lösung für den BuchhandelDas Smart-Book-Konzept, das auf einem Smart Media Stick®angeboten wird, hat gegenüber einem herkömmlichen E-Book eineganze Reihe von Vorteilen und Zusatzleistungen. Es kann Text-,Bild-, Ton- und Videoformate beinhalten, auf allen Endgeräten miteinem Display genutzt werden und verbindet sich ohne Login undPasswort mit aktuellen Informationen und Inhalten zum Buch undzum Verlag. Bewährte Bestell-, Versand- und Abrechnungs-modalitäten können beibehalten werden, es können Smart MediaSticks mit Verlags-, Autoren- oder Themen angelegt oder dazuerweitert werden. Zudem lassen sich Smart Books weiterverkaufen,verleihen und verschenken. Damit hat smt ein grundlegend neuesMedienformat entwickelt das dem Zwischenhandel nützen sollte. Mitdieser Weiterentwicklung handelsüblicher USB-Sticks bekommenBuchhändler die Chance, komfortabel am Handel mit digitalenBüchern teilnehmen zu können..33
  32. 32. FazitDas Internet repräsentiert, anders als früher angenommen, keinenneuen Vertriebskanal, sondern definiert als destruktive Technologieden gesamten Handel neu. Innovative E-Books erschließen demBuchmarkt neue Geschäftsfelder und Chancen. Medienkonvergenzist in unserem Alltag angekommen. Auf unseren Displays wachsendie Medien zusammen. Das betrifft nicht nur Zeitungen, Radio undTV sondern auch den Buchhandel. Bücher sind nicht nur nützlich,sondern auch schön. Bücher sind nicht aussschließlich Träger vonWissen, sie dienen im fiktiven Umgang mit Wirklichkeit auch derErbauung und Unterhaltung. Die Art und Weise wie wir heute lesen,wird sich verändern und die guten alten Bücher werden dann einmalgenau so zu Sammlerobjekten für Liebhaber - so begehrt wie schöngestaltete Briefmarken. Natürlich verschwindet das Buch in dieserMedienkonkurrenz nicht ganz, aber es ändert seine Form wie auchseine Funktion.Spannend bleibt die Frage, welches mobile Betriebssystem wird inZukunft die Nase vorn haben? Laut den US-Marktforschern von TheNPD rangiert in den USA RIM OS (Blackberry) mit 36 ProzentMarktanteil vor Android mit 28 Prozent (z. B. Motorola, Google) undApples iOS mit 21 Prozent. Der Hype um das iPad und das neueiPhone 4 werden Apple sicher weiter nach vorne bringen, aber auchfür Android als freie Alternative öffnet das iPad als First Mover denMarkt. Wir verändern das Web aber das Web verändert auch uns. Wasdurch das Digitale ersetzbar ist, wird durch das Digitale ersetzt. DasWeb ist kommunikativ und auch das wird immer mehr in denEntstehungsprozess von Büchern einfließen. Literatur war und istDialog zwischen Autor und Leser. Im Netz aber entstehen neueFormen der Kommunikation, die sich wiederum auf die Art und Weiseauswirken, wie Wissen und Erfahrungen vermittelt und wie Literaturproduziert wird. Daten müssen häppchenweise im richtigen Kontextangeboten werden. Man muss von den Nutzerbedürfnissenausgehend die jeweilig beste Vertriebsform für Inhalte finden: ob E-Book, E-Seminar/Video, Mobile App oder was auch immer. Auch derPreis und die Verfügbarkeit sind entscheidende Kriterien.Wird eine neue wissenschaftliche Bibliothek eingerichtet, spielengedruckte Bücher meist nicht mehr die Hauptrolle. Es hilft da wenig,den Untergang der guten alten Bücherzeit zu beklagen. SchonSokrates wetterte seinerzeit gegen die aufkommende Schrift, weil erdie mündliche Überlieferung für eine viel bessere Geistesschulung34
  33. 33. hielt. Doch hatten nicht die alten Griechen durch die Auseinander-setzung mit der Schrift die Philosophie erfunden? Und die früheNeuzeit erfand in der Auseinandersetzung mit dem Buchdruck danndie grosse Welt der Gefühle. Später, durch die Erfindung derTaschenbücher vor 60 Jahren, stand uns Schülern erstmals diegesamte Weltliteratur zur Verfügung. Das digitale Buch schafft wiederneue Möglichkeiten.Emotionalisierung, Personalisierung, Digitalisierung - damit wirdheute überall geworben - auch ich habe mir gleich ein iPad gekauftund erfreue mich täglich meines persönlichen Flipboards.Als spannende Frage bleibt uns Buchhändlern, ob die mit Audio- undVideoelementen angereicherten E-Books sich noch weiter vom Print-Buch emanzipieren, etwa durch interaktive Elemente und derAuflösung der linearen Erzählweise. Oder kommt eine Mischung ausBuch und Video-Spiel? Aktuelle E-Book-Apps für das iPhone, wieetwa die interaktive Teen-Novel „Cathyʼs Book“ scheinen tatsächlichin diese Richtung zu weisen. Was wird mit HTML 5 möglich werden?Die neue Version der Hypertext Markup Language könnte eine großeHerausforderung für die App-Hersteller werden.Aus Richtung der Games-Branche wiederum nähern sich etwa Point-and-Click-Adventures traditionellen Techniken des Storytellings an.Wichtigstes Experimentierfeld für das E-Book der Zukunft bleiben bisauf weiteres wohl vor allem das iPad und ähnliche Tablets. Durch dietechnische Entwicklung neuer stromsparender und hauchdünnerDisplays wird das Buch und das Magazin vielleicht immer mehrverschwinden und eine Fülle neuer elektronischer Begleiter im iPad-Format in jedem Haushalt Einzug halten.35
  34. 34. Über den AutorBernd Sommerfeld ist Buchhändler in Berlin undist seit 1993 mit Lehmanns.de die ersteBuchhandlung im Web. Er organisierte denersten internationalen „Linux & InternetKongress“ in Heidelberg und beschäftigt sichseither aktiv in Vorträgen, Stammtischen undTexten auch in Sozial-Communities mit denFolgen für den Buchhandel.36

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