Geographisches Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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1. Naturräumliche Ausstattung
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Das Berchtesgadener Land bzw. der gleichnamige Landkreis liegt im Sü...
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Abb. 8 : Sommerliche Erholungsnutzung im Nationalpark Berchtesgaden
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Mittlere Exkursion: Berchtesgadener Land

  1. 1. Geographisches Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn SS 2007: Mittlere Exkursion Waldlandschaften Deutschlands Leitung: Dr. Burkhard Neuwirth Berchtesgadener Land 1. Naturräumliche Ausstattung 1 1.1 Lage und Landschaft ………………………………………………. 1 1.2 Klimatische Bedingungen………………………………………… 2 1.3 Geologische und pedologische Bedingungen…………………. 4 1.4 Vegetation …………………………………………………………. 6 2. Anthropogener Einfluss auf die Waldgesellschaften von Berchtesgaden 7 2.1 Geschichte der Salinenwirtschaft in Berchtesgaden …………. 8 2.2 Folgen der Salinenwirtschaft auf die Waldgesellschaften……. 9 2.3 Entwicklung der Waldgrenze und Waldzusammensetzung Von 1200 – 2000 …………………………………………………. 10 3. Nationalpark Berchtesgaden 13 3.1 Entwicklung und Tätigkeiten in Bezug auf Waldentwicklung … 13 3.2 Waldpflegemaßnahmen……………………………………………… 13 Literaturverzeichnis………………………………………………………………… 14 Vorgelegt von: Daniel Funk, Kirstin Hoffmann & Adrian Pfahlsberger
  2. 2. 1. Naturräumliche Ausstattung 1.1 Lage und Landschaft Das Berchtesgadener Land bzw. der gleichnamige Landkreis liegt im Südosten des Freistaats Bayern und grenzt im Osten, Süden und Südwesten an das österreichische Bundsland Salzburg, im Westen und Nordwesten an den Landkreis Traunstein. Entsprechend Abbildung 1 lässt sich das Berchtesgadener Land in drei geographische Regionen gliedern: die voralpine um Laufen und Freilassing, die alpine um Bad Reichenhall sowie die hochalpine um Berchtesgaden1. Der Landkreis Berchtesgadener Land hat eine Gesamtfläche von 840 km² und eine Einwohnerzahl von ca. 102 000 Menschen (2004)2. Im Rahmen der Mittleren Exkursion lag der Schwerpunkt insbesondere auf der hochalpinen Region um Berchtesgaden und dem Nationalpark Berchtesgaden. Daher sollen diese in den folgenden Ausführungen im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Der hochalpine Teil des Berchtesgadener Landes, innerhalb dem auch der Nationalpark Berchtesgaden liegt, gehört zum Naturraum der Berchtesgadener Alpen, welcher wiederum einen Bestandteil der Nördlichen Kalkalpen bildet3. Charakteristisch für die dortige Landschaft sind extreme Höhenunterschiede sowie ein stark gegliedertes Relief. Der Watzmann ist mit einer Höhe von 2713 m ü. NN die höchste Erhebung, der Wasserspiegel des Königssees mit 603 m ü. NN die tiefste. Das Relief ist durch einen Wechsel zwischen hohen Bergen mit steil aufragenden und schroffen Felswänden, von eiszeitlichen Gletschern tief ausgeschürften Trogtälern und ausgedehnten Plateaulagen oberhalb der Waldgrenze gekennzeichnet4. Die Vielfalt an Reliefformen bietet eine große Zahl an Mikrohabitaten für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. 1 vgl. Landratsamt Berchtesgadener Land 2007 2 vgl. ebd. 3 vgl. Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 2001, S. 1 4 vgl. ebd., S. 1 2
  3. 3. Abb. 1: Überblick über das Berchtesgadener Land bzw. den Landkreis Berchtesgadener Land (Quelle: http://www.berchtesgadener- land.com/www/live/wwwnavi/parser,id,26, nodeid,.html (09.11.2007)). 1.2 Klimatische Bedingungen Das gesamte Berchtesgadener Land liegt im Übergangsbereich zwischen ozeanischen und kontinentalen Einflüssen, was durch die Diagramme der Lufttemperatur- und Niederschlags-Jahresgänge am Hohenpeißenberg bestätigt wird (vgl. Abb. 2 (a) und (b)). Die Jahresamplitude der Lufttemperatur ist mit ca. 17 °C relativ hoch; Niederschläge fallen in allen Monaten des Jahres, erreichen ihr Maximum aber während der Sommermonate. Bei der Interpretation der Klimadaten des Hohenpeißenbergs ist jedoch zusätzlich die Höhenlage zu berücksichtigen (977 m ü. NN). Aufgrund der großen Höhenunterschiede besitzt das Berchtesgadener Land ein typisches Gebirgsklima mit einer hohen vertikalen, horizontalen und zeitlichen Variabilität. In Abhängigkeit von der Höhenlage schwanken die Jahresmitteltemperaturen zwischen + 7 °C (Königssee) und – 2 °C (Gipfelregionen des Watzmanns und Hochkalters); die Jahresniederschlagsmengen erreichen durchschnittliche Werte von 1500 bis 2600 mm. Dementsprechend variiert auch die Mächtigkeit der Schneedecke, und zwar im Mittel zwischen 50 cm in den Tallagen 3
  4. 4. (Maximum im Februar) und 3 bis 5 m in den Hochlagen (Maximum im März). Der Strahlungshaushalt in der hochalpinen Region des Berchtesgadener Landes wird wesentlich durch die Höhenlage, die Hangneigung und die Exposition beeinflusst, was sich u. a. in der Länge der Vegetationszeit widerspiegelt. Letztere liegt zwischen 160 Tagen in den Talräumen und weniger als 60 Tagen in den äußersten Hochlagen5. Hohenpeißenberg 977 m ü. NN 47°48' N, 11°00' W Jahresmitteltemperatur : 6,5 °C 16,0 14,0 12,0 10,0 8,0 [°C] 6,0 4,0 2,0 0,0 (a) -2,0 Jan Feb Mrz Apr Mai Juni Juli Aug Sept Okt Nov Dez Monat Jahresniederschla g: 1210 mm 180,0 160,0 140,0 120,0 100,0 [mm] 80,0 60,0 40,0 20,0 (b) 0,0 Jan Feb Mrz Apr Mai Juni Juli Aug Sept Okt Nov Dez Monat Abb. 2 (a) und (b): Temperatur- (a) und Niederschlags-Jahresgang (b) für die Station Hohenpeißenberg 1961-1990 (Quelle: eigene Darstellung nach Daten des DWD). Als Besonderheiten des Gebirgsklimas sind Luv- und Lee-Effekte, Berg-Talwind- Zirkulationen sowie Inversionen zu nennen. Luv- und Lee-Effekte entstehen durch die ablenkende oder sogar absperrende Wirkung der alpinen Gebirgszüge auf horizontal transportierte Luftmassen. Die im Laufe eines Tages unterschiedlich starke 5 vgl. Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 2001, S. 29 f. 4
  5. 5. Erwärmung der Gebirgshänge und der Talräume durch die Sonneneinstrahlung bedingt die Herausbildung von Berg-Talwind-Zirkulationen, welche für einen großräumigen Luftaustausch zwischen den Alpen und dem Alpenvorland sorgen. Inversionswetterlagen treten besonders häufig in den Herbst- und Wintermonaten auf und führen zu einer bodennahen Akkumulation von Emissionen in einer ca. 600 bis 800 m mächtigen Inversionsschicht (bis ca. 1200 bzw. 1400 m ü. NN)6. 1.3 Geologische und pedologische Bedingungen Die Gesteine der Berchtesgadener Alpen wurden überwiegend in der Trias gebildet (Mesozoikum, 200-250 Millionen Jahre vor heute). Die größte Verbreitung weist dabei der so genannte Dachsteinkalk auf (vgl. Abb. 3), welcher im Wesentlichen die Gipfelregionen, Hochplateaulagen und senkrecht abfallenden Steilwände bildet. Der Dachsteinkalk neigt zu starker Verkarstung, weshalb ausgedehnte Kluft- und Höhlensysteme sowie Karren- und Dolinenbildungen für ihn charakteristisch sind7. Abb. 3: Geologischer Aufbau des Berchtesgadener Landes (stark vereinfacht) (Quelle: KRAL & RALL 1991, S. 27). Die Gebirgssockel sind in der Regel aus dem so genannten Ramsaudolomit aufgebaut, welcher aufgrund seines grusigen Zerfalls große Schuttströme bilden 6 vgl. ebd., S. 30 7 vgl. ebd., S. 30 f. 5
  6. 6. kann (z.B. „Wimbachgries“, vgl. Abb. 4) 8. Stellenweise steht in den Gebirgssockeln auch toniges, leicht verwitterndes Gesteinsmaterial an („Werfener Schichten“, vgl. Abb. 3). Abb. 4: Wimbachgries im Wimbachtal (Quelle: eigene Aufnahme, 08.08. 2007). Jüngere Ablagerungen aus der Jurazeit, welche die triassischen Gesteine überdecken, findet man nur in geringem Umfang. Die flächenmäßig am weitesten verbreiteten quartären Bildungen sind ungegliederte Moränenablagerungen, ausgedehnte Hangschuttbereiche und Hangschuttkegel (z.B. in der Umgebung des Obersees) sowie Lockermassen in den Talräumen (z.B. Wimbach-, Klausbachtal)9. In Abhängigkeit von der Geologie variieren Umfang und Richtung der Bodenentwicklung vielfach in einem mosaikartigen Muster. Die Bodenmächtigkeit beträgt in den Hanglagen überwiegend 30 bis 60 cm. Zudem haben durch Jahrhunderte lange Kahlschlagwirtschaft und Beweidung verursachte Bodenerosionsprozesse an vielen Standorten zu Profilverkürzungen geführt10. Der am häufigsten vorkommende Bodentyp ist die Braunerde, welche sich bevorzugt über mergeligen und schieferigen triassischen Sedimenten (z.B. „Werfener Schichten“), Ablagerungen aus dem Jura und der Oberkreide sowie über Moränenablagerungen bildet. Eine ebenfalls erhebliche flächenhafte Verbreitung weisen Rendzinen auf. Diese findet man insbesondere über verwittertem Ramsaudolomit sowie über rein karbonatischen, klastischen Lockersedimenten (Hangschutt, Moränen, alluviale Sedimente). Auf oberflächennah bzw. oberirdisch 8 vgl. ebd., S. 31 9 vgl. ebd., S. 31 10 vgl. ebd., S. 31 6
  7. 7. anstehendem Dachsteinkalk und Ramsaudolomit kommen zudem Humuscarbonatböden vor, welche in ungestörter Lage und unter Wald- bzw. Latschenbestockung eine 80 bis 100 cm mächtige organische Auflage aufweisen können11. Weitere, aber nur kleinflächig auftretende Bodentypen sind Gleye und Pseudogleye (in ebenen bis muldigen Lagen bzw. unter Grundwassereinfluss), Niedermoore, z. T. Zwischen- und Hochmoore (in Bereichen mit dauerndem Wasserüberschuss) sowie Auenböden (entlang der Fließgewässer). 1.3 Vegetation Die Vegetation der Berchtesgadener Alpen weist eine ausgeprägte Höhenzonierung auf, welche in erster Linie durch die vertikale klimatische Variabilität und das breite Höhenspektrum verursacht wird. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die natürlicherweise, in den verschiedenen Höhenstufen vorkommenden Pflanzengesellschaften gegeben werden. Inwiefern die natürliche Vegetation im Laufe der Jahrhunderte eine Veränderung durch die Tätigkeiten des Menschen erfahren hat, wird in Kapitel 2 dargestellt. Die submontane Höhenstufe, welche sonnenseitig bis zu einer Höhe von ca. 700 m ü. NN (schattseitig bis 600 m ü. NN) reicht, ist im Wesentlichen durch das Vorkommen von Buchen- bzw. Buchenmischwaldgesellschaften gekennzeichnet. Die dominierenden Baumarten sind dabei Rotbuche, Bergahorn und Gemeine Esche, teilweise auch Spitzahorn, Bergulme sowie Sommerlinde. Eine Besonderheit sind zudem die Schlucht- und Auenwälder, welche nur kleinflächig anzutreffen sind und überwiegend aus Grauerle, Gemeiner Esche, Bergahorn, Bergulme sowie Weidengebüschen bestehen12. Die montane Höhenstufe erstreckt sich in den Berchtesgadener Alpen von ca. 700 (600) m ü. NN bis zu einer Höhe von ca. 1400 (1300) m ü. NN. Hier herrschen montane Bergmischwälder mit Rotbuche, Weißtanne, Fichte und Bergahorn vor, wobei der Fichtenanteil nach oben hin deutlich zunimmt. Daneben findet man auf Sonderstandorten Schluchtwälder mit Gemeiner Esche, Bergahorn, Bergulme sowie z. T. Grauerle Eine Besonderheit der Vegetation der montanen Höhenstufe sind die Spirkenwälder auf den Gesteinsschuttflächen des „Wimbachgrieses“13. 11 vgl., ebd., S. 31 12 vgl. ebd., S. 34 13 vgl. ebd., S. 34 7
  8. 8. In der subalpinen Höhenstufe zwischen 1400 (1300) m ü. NN und ca. 2000 (1900) m ü. NN dominieren fichtenreiche Waldgesellschaften, Fichten-Lärchen-Wälder sowie z. T. Lärchen-Zirben-Wälder. Für die obere subalpine Höhenstufe sind neben Wäldern auch ausgedehnte Latschegebüsche und Rasengesellschaften typisch14. Oberhalb von 2000 (1900) m ü. NN beginnt die alpine Höhenstufe, in der Latschen- und Alpenrosen-Latschen-Gebüsche, Grünerlengebüsche, Rasengesellschaften, Zwergstrauchheiden sowie Felsspalten- und Felsschuttgesellschaften die größte Verbreitung aufweisen. Die an die alpine Höhenstufe unmittelbar anschließende nivale Höhenstufe ist in den Berchtesgadener Alpen nur kleinflächig und azonal ausgebildet (z.B. Watzmanngletscher) und bedarf daher keiner weiteren Betrachtung15. Eine grobe Gliederung der Biotoptypen des Nationalpark Berchtesgaden (vgl. Abb. 7) ergibt flächenmäßig eine Unterteilung in 44,1% Wälder, 21% (Mager-) Rasengesellschaften, 19,3% Fels und Schuttfluren, 12,4% Latschen- und Grünerlengebüsche, sowie 3,2% Seen und Gletscher. 2. Anthropogener Einfluss auf die Waldgesellschaften von Berchtesgaden Bis Ende des 12. Jahrhunderts waren Waldgesellschaften im Berchtesgadener Land vorzufinden, wie sie den lokalen natürlichen Standortbedingungen entsprachen (siehe Kapitel 1). Der Naturwald lässt sich grob beschreiben mit Lärchen und Zirben auf Plateaus im obersten Waldgürtel und zusätzlich Fichten in den Hanglagen. Zwischen 1800 m und 1500 m ü. NN folgt die Fichtenstufe und unterhalb 1500 m der Fichten- Buchen- Tannen-Mischwald16. Das Hochgebirge stellt mit seinen extremen Witterungsbedingungen und dem zum Teil äußerst unwegsamen Gelände eine natürliche Barriere für die anthropogene Nutzung dar. Aus diesem Grund sind bestimmte Bereiche des heutigen Nationalparks, vor allem in höheren Lagen, weitgehend vom Menschen unberührt geblieben. Zu den anthropogenen Nutzungen im Nationalpark zählen Alm- und Landwirtschaft, Holzwirtschaft, Jagd und insbesondere Erholungsnutzung für Touristen. Letztere birgt vor allem in den Sommermonaten eine enorme 14 vgl. ebd., S. 34 15 vgl. ebd., S. 34 16 vgl. Kral, F. & Rall, H. (1991)² 8
  9. 9. Herausforderung an eine naturverträgliche Nationalparkentwicklung17. Nichtsdestotrotz besteht aufgrund des mitunter sehr steilen Reliefs und der damit verbundenen Konzentration der Besuchermassen auf flächenmäßig geringe Anteile der Gesamtfläche kein Wegegebot im gesamten Nationalpark. Der Tourismus stellt im Berchtesgadener Land zudem den heute bedeutsamsten Wirtschaftszweig dar18. Dies ist der historischen Entwicklung des zu den ältesten Urlaubs- und Fremdenverkehrszielen der Alpen zählenden Gebietes zuzuschreiben. Auch für das Nationalparkgebiet ergaben sich hieraus durch die Publikumsmagneten Königssee, Watzmann und der Wallfahrtskirche St. Bartholomä einige touristische Nutzungsmöglichkeiten in der Pflegezone. Hierzu zählen Wandern, Bergsteigen, Übernachtung auf Berghütten und der Schifffahrtsbetrieb auf dem Königssee (vgl. Abb. 8). Seit einigen Jahren existiert deshalb zur Lösung und Koordination der Publikumsströme eine Zusammenarbeit der Nationalparkverwaltung mit der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) bzw. dem Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee. Aus historischer Sicht ist für die gegenwärtig anzutreffenden Waldgesellschaften jedoch ein anderer Faktor hauptverantwortlich, nämlich die Salinenwirtschaft sowie die damit verbundene selektive Holzwirtschaft. 2.1 Geschichte der Salinenwirtschaft in Berchtesgaden Ende des 12. Jahrhunderts wurden erste Meldungen über einen Salzabbau im Berchtesgadener Land laut. Die Sole wurde vom Tuval und Gollenbach in die Saline Schellenberg zur nächsten Sudanlage transportiert. Die enormen Salzlager und scheinbar unerschöpflichen Holzvorräte bildeten die wirtschaftliche Grundlage des damals jungen Staatswesens. Es kam sogar zu Anspruchsstreitigkeiten zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Salzburger Domprobst. 1517 wurde der Petersbergstollen eröffnet. Die Saline wurde weiterhin nach Schellenberg geleitet. Der Holzverbrauch der Saline Schellenberg wurde mit den Berchtesgadener Wäldern gedeckt. Somit stand die Saline in Konkurrenz mit den weiteren Holznutzern wie Bauern und Handwerkern, welche bis dahin uneingeschränkt Holz einschlagen durften. Deshalb kam es 1529 zu einer ersten Waldordnung, an die sich allerdings nicht viele Holzmeister hielten. Dazu wurde 1556 17 Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 2001: S. 60f 18 1998: ca. 345.000 Gäste 9
  10. 10. die Saline Frauenreuth eröffnet. und 1558 folgte der Frauenbergstollen. Diese neue Saline ließ den Waldzustand deutlich verschlechtern. 1795 trat eine neue Waldordnung in Kraft, welche eine Erhaltung des Flächeninhaltes, nachhaltigen Holzeinschlag und weitere schonende Wirtschaftsweisen forderte. Aber erst nach einer weiteren Taxation von 1819/21 wurden erste spürbare Verbesserungen in der Waldbewirtschaftung deutlich. Berchtesgaden erlitt im 18. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Tiefschlag von dem es sich nie wieder erholte und verarmte. Die Saline Schellenberg wurde bereits 1805 stillgelegt. Unter bayrischer Regierung (ab 1810) wurde 1816/17 eine Soleleitung nach Reichenhall gebaut. 1928 schloss dann auch die Saline Frauenreuth und seit 1961 floss die Saline ausschließlich nach Reichenhall. Diese Verlagerung bedeutete eine große Entlastung der Berchtesgadener Wälder. Die Schlagfläche konnte bis 1855 um zwei Drittel verringert werden.19 2.2 Folgen der Salinenwirtschaft auf die Waldgesellschaften Der Einfluss des Menschen hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die Wälder Berchtesgaden. Wälder wurden in den Tälern und kollinen Stufe für Siedlungszwecke gerodet und in höheren Lagen für die Almwirtschaft. Holz wurde geschlagen für die Brenn- und Bauholznutzung, für das Holzhandwerk, welches im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt hatte und für Viehweiden und vor allem für die Salinen. Das Brennholz für die Salzgewinnung wurde über die Flüsse zu den Salinen getriftet. Genutzt wurde deshalb beinahe ausschließlich Fichtenholz, da dieses leicht triftbar ist und einzig für die Sudpfanne zu gebrauchen ist. Die Buche macht ein zu heißes Feuer und ist zu schwer zum Triften. Neben Brennholz benötigten die Salinen auch Bauholz, Kufholz und für sonstige Konsumenten, die an den Salinenbetrieb angeschlossen waren, wie Ziegel- und Kalkbrennereinen und Brauereien. Hinzu kommen Triftverluste von 20 – 30%. Die Saline Schellenberg produzierte von 1762 bis 1770 jährlich 2775 t Salz. Frauenreuth im gleichen Zeitraum 3845 t pro Jahr. Allein für die Salzgewinnung wurden ca. 600 fm Holz pro Woche benötigt. Für den ganzen Salinenbetrieb gingen dafür 26.600 fm (1670), 29.900 fm (1720) und 30.200 fm (1770) Holz drauf. Der höchste Verbrauch 1770 konnte nur durch Holzimporte aus Bayern gedeckt werden. 19 vgl. Knott (1988) 10
  11. 11. Der Zustand des Waldes vor 1795 war erbärmlich, da die Waldordnung von 1529 ignoriert wurde. Fichten wurden ausgebeutet und die Struktur des Bergmischwaldes zerstört. Die Waldweide verhinderte eine natürliche Verjüngung des Waldes und die Holzentnahme nahe der oberen Waldgrenze in sehr steilen Lagen bewirkten Bodenerosion und beschleunigte zudem die Absenkung der Waldgrenze. Mit der Taxation von 1819 bzw. 1821 folgte zwar eine nachhaltige Holzentnahme, schädliches Vieh wurde aus dem Wald gehalten und es wurde eine künstliche Verjüngung eingeleitet. Diese konzentriert sich aber aus wirtschaftlichen Gründen vor allem auf die Fichte. Die Nachzucht von Lärche, Tanne, Kiefer, Zirbe, Eibe, Buche und Ahorn wurden zwar auch erwähnt, gewannen aber nie die Bedeutung wie die Fichte.20 2.3 Entwicklung der Waldgrenze und Waldzusammensetzung von 1200 – 2000 Abbildung 6 zeigt die Waldgrenzen und Baumartenverbreitung in den Berchtesgadener Alpen seit 1200 n. Chr. und spiegelt den Einfluss anthropogenen Wirkens auf die Waldgesellschaften gut wieder. Zum Vergleich ist auch die potentielle Waldgrenze eingezeichnet. Im 13./14. Jahrhundert herrschte günstiges Klima und der Höchststand der Waldgrenze für die kommenden Jahre ist erreicht. Der Mensch hat noch keinen Einfluss auf die Waldgesellschaften. Der oberste schmale Waldgürtel besteht aus Fichten und Zirben. In dem darauf folgenden Fichtengürtel ist die Tanne als Mischbaumart beigemischt. Unter 1600 m ü. NN kommt zu Fichte und Tanne noch die Buche hinzu. Ab dem 15./16. Jahrhundert klingt das Klimaoptimum ab. Dazu kommt der Einfluss des Menschen, welcher sich durch Alprodung und Salineneinschlag nun deutlich bemerkbar macht. Die Waldgrenze sinkt in 200 Jahren von 1950 auf 1700 m ü. NN. Die Latschenstufe im oberen Teil wird breiter und enthält im unteren Teil eine schüttere Baumbestockung der Zirbe und Fichtenwaldreste. Die Fichtenstufe lockert auf. Die seltene Lärche tritt zur Fichte als Mischbaumart hinzu während die Tanne zurückgeht. Die obere Grenze des Fichten-Tannen-Buchenwaldes liegt nun bei 1400 m ü. NN und ist noch relativ unbeeinflusst. Im 17. Jahrhundert ist der Tiefststand der Waldgrenze erreicht und liegt bei 1600 m ü. NN. Die Kleine Eiszeit zwingt die Almwirtschaft in tiefere Lagen. Die Folge ist, dass 20 vgl. Knott (1988) 11
  12. 12. der waldgrenznahe Bereich vom Menschen in dieser Zeit wenig beeinflusst und geschont wird. Konsequenterweise heben sich die Waldgrenze und auch die Grenze der Fichtenstufe im 18. Jahrhundert wieder an. Am oberen Ende des Fichtengürtels bildet sich ein Lärchen-/Zirbengürtel und stellt den Übergang zum Latschengürtel dar. Die Lärche kann sich auf den aufgegebenen Almflächen gut verjüngen und mischt sich auch wieder in den Fichtengürtel ein. Die Tanne bleibt verschwunden und ist nur als Relikt vorhanden. Im 19./20. Jahrhundert setzt sich die Regeneration fort. Die Maßnahmen der Taxation von 1819/21 machen sich bemerkbar. Der Fichtenstufe werden ab 1650 bzw. 1700 m ü. NN Lärchen beigemischt. Erst unterhalb 1400 m ü. NN wird der Fichte auch Buche beigemischt und sehr wenig Tanne. Die natürliche Entwicklung und die tatsächliche Entwicklung der Waldgrenze im Vergleich zeigt, dass die Tendenz ähnlich ist. Lediglich der extreme Einbruch der Waldgrenze ab dem 14. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert, der eindeutig anthropogen verursacht ist, bleibt in dieser Kurve aus. Auffällig ist auch, dass der anthropogene Einfluss in den höheren Lagen früher wirksam wird (14./15. Jahrhundert) als in den tieferen Lagen (17./18. Jahrhundert). Eine direkte Gegenüberstellung von ursprünglicher, tatsächlicher und heutiger potentieller Bewaldung (vgl. Abbildung 6) lässt folgende Schlussfolgerungen zu: Die heutige Waldgrenze ist um Durchschnitt 100-150 m aus anthropogenen Gründen gedrückt. Nur ausnahmsweise erreicht diese noch die potentielle Höhe von 1850 m. Seit dem mittelalterlichen Höchststand ist diese um ca. 270 m gesunken. 160 m davon sind auf klimatische Gründe zu schieben. Für die restlichen 110 m sind menschliche Einflüsse verantwortlich. Die Aufeinanderfolge der Waldgürtel stimmt prinzipiell mit denen der ursprünglichen Situation überein. Lediglich Walddichte und Mischungsanteile der Baumarten variiert.21 21 vgl. Kral, F. & Rall, H. (19912) 12
  13. 13. Abb. 5: Waldgrenzen und Baumartenverbreitung in den Berchtesgadener Alpen seit ca. 1200 n. Chr. (Quelle: Kral, F. & Rall, H. (19912) Abb. 6: Gegenüberstellung von ursprünglicher, potentieller und aktueller Bewaldung der Berchtesgadener Alpen (Quelle: Kral, F. & Rall, H. (19912) 13
  14. 14. 3. Nationalpark Berchtesgaden 3.1 Entwicklung und Tätigkeiten in Bezug auf Waldentwicklung Der Nationalpark Berchtesgaden ist der zweitälteste Nationalpark in Deutschland, gegründet am 1. August 1978. Jedoch existierte bereits zwischen 1910 und 1921 ein Pflanzenschonbezirk um den gesamten Königsee. Vorher war die Region vor allem auf Grund des Verkaufs von Alpenblumen bekannt. 1921 wurde zudem der gastronomische Betrieb in St. Bartholomä aufgenommen. Das von der UNESCO eingerichtete Biosphärenreservat Berchtesgaden 22 besteht seit 1990. Der Nationalpark Berchtesgaden entspricht dabei der Kern- und Pflegezone des Biosphärenreservats, das Nationalparkvorfeld der Entwicklungszone. Die Nationalparkverwaltung beschäftigt sich zur Verfolgung ihrer Ziele mit einer Vielzahl an Projekten, wissenschaftlichen Publikationen, sowie der Herausgabe einer Nationalparkzeitung. Zu den aktuellen Projekten, die im Kontext von Wald stehen, zählen sowohl langfristige Vorhaben zur Umweltbeobachtung mithilfe von modernen Monitoringsystemen (Alpenbiotopkartierung, Waldinventar, botanische und zoologische Datenbanken) als auch Untersuchungen zu den Auswirkungen des Klimawandels (u.a. GLORIA: Global Observation Research Initiative in alpine Environments23). Desweiteren stellt das Forschungsprojekt „Waldentwicklungsplan“ ein Instrument bereit, welches langfristig im wesentlichen der Wiederherstellung von naturnahen Bergmischwäldern in der Pflegezone des Nationalparks dienen soll, wo durch die Jahrhunderte währende Salinenwirtschaft Fichtenreinbestände entstanden sind (vgl. Kapitel 2.2). 3.2 Waldpflegemaßnahmen In das Maßnahmenkonzept des Nationalparks24 fließen Waldpflegemaßnahmen ein, welche sich an den Zielen und Verfahren des naturnahen Waldbaues orientieren. Für den Nationalpark gelten dabei jedoch besondere Grundsätze25: 1. Eine ökonomische Werterzeugung spielt im Nationalpark keine Rolle. 2. Für alle standortsheimischen Baumarten muss eine Verjüngung und Entwicklung in ausreichendem Umfang ohne Schutzmaßnahmen gesichert sein. 22 vgl. http://www.europarc-deutschland.de (letzter Zugriff 12.11.2007) 23 vgl. http://www.gloria-deutschland.de (letzter Zugriff 12.11.2007) 24 Vgl. §10 Nationalparkplan Berchtesgaden 2001 25 vgl. Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 2001, S. 152 14
  15. 15. 3. Pionierbaumarten sind keine Konkurrenten von Baumarten reifer Klimaxbestände. 4. Totholz ist auch in starken Dimensionen und in größerer Anzahl akzeptiert, da es für die Lebensgemeinschaft Wald eine wichtige Funktion erfüllt. 5. Zum Wald gehören auch Waldlücken. Waldpflege- und Forstschutzmaßnahmen finden dabei nur innerhalb der permanenten Pflegezone statt, wobei der räumliche Schwerpunkt in der Zone des montanen Bergmischwaldes liegt. Diese Pflegemaßnahmen sollen in den jeweiligen Waldentwicklungsphasen (Jugendphase  Wachstumsphase  Terminalphase  Zerfallsphase  Verjüngungsphase  Plenterphase) angewendet werden. In erster Linie zielen die Maßnahmen auf eine Änderung der Baumartenzusammensetzung zugunsten von Buchen und Tannen, eine Erhöhung der Artenvielfalt und eine Erhöhung der Stabilität der vorhandenen Bestände (z.B. Lärche), vor allem dort, wo den Schutzwaldfunktionen eine hohe Bedeutung zukommt. Literaturverzeichnis Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (Hrsg.) (2001): Nationalparkplan. München. Abrufbar unter: http://www.nationalpark- berchtesgaden.bayern.de/nationalparkplan/index.htm (Datum des letzten Zugriffs: 09.11. 2007). Kral, F. & H. Rall (19912): Wälder. Geschichte, Zustand, Planung. Forschungsbericht 20. Nationalparkverwaltung Berchtesgaden. Berchtesgaden. Knott, H. (1988): Geschichte der Salinen und Salinenwälder von Berchtesgaden. Forschungsbericht 12. Nationalparkverwaltung.Berchtesgaden. Berchtesgaden. 15
  16. 16. Abb. 7 : Biotop- und Nutzungstypen des Nationalparks Berchtesgaden Quelle: Quelle: www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/nationalparkplan/doc/5biotop_nutzungstypen.pdf 16
  17. 17. Abb. 8 : Sommerliche Erholungsnutzung im Nationalpark Berchtesgaden Quelle : http://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/nationalparkplan/doc/22erholungsnutzungsommer.pdf 17

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