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  1. 1. market access & health policy [•][•] market access & health policy 20 21www.healthpolicy-online.de www.healthpolicy-online.de EU-Preisbildung & Preisreferenzierung In der Europäischen Union liegt die Entscheidungsmacht über strikte Preiskontrollen oder freie Preisbildung bei Arzneimitteln in der Hand der einzelnen Mitgliedsstaaten und führt so zu erheblichen Preisdifferenzen. Vor allem in osteuropäischen Ländern hat sich in den vergangenen zwei Dekaden ein komplexes System aus nationalen Preis- festsetzungen und Preisvergleichen mit anderen Ländern etabliert. Im vorliegenden Beitrag wird exemplarisch für die Länder Polen, Rumänien, Bulgarien und die Slowakei die Interdependenz von Referenzierungsmethoden und einzelnen Preisregulierungen modelliert. Damit sollen mögliche Preisreaktionen in einzelnen Ländern aufgrund von Preisänderungen in anderen Ländern antizipiert werden und den in den jeweiligen Ländern tätigen generischen Pharmaunternehmen Hinweise auf deren strategische Preisentscheidungen geben. Schwerpunkt Ost-EU >> Stetig steigende Gesundheits- ausgaben führen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zu verschiedenen Ansät- zen der Ausgabenregulierung. Vor allem die Arzneimittelversorgung stellt einen großen Kostenfaktor dar, was in den einzelnen Staaten der europäischen Union (EU) zu un- terschiedlichen Preisregulierungs- instrumenten geführt hat. Obwohl die EU versucht, den Arzneimittel- markt für Europa zu harmonisie- ren, liegt die Entscheidungsmacht über strikte Preiskontrollen oder freie Preisbildung in der Hand der einzelnen Mitgliedsstaaten, was erhebliche Preisdifferenzen zur Folge hat. Besonders in den jün- geren Staaten Osteuropas hat sich ein äußerst komplexes und viel- fach undurchsichtiges Preisregu- lierungsinstrumentarium etabliert, dessen Kern auf der internationalen Preisreferenzierung beruht. Hierbei werden die Arzneimittelpreise ver- gleichbarer europäischer Staaten, meist Nachbar- und Niedrigpreis- länder, stetig durch die zuständi- gen Behörden beobachtet und bei einer Preissenkung dieser Staaten der Preis des Präparats im eigenen Land angepasst.1 Dies stellt besonders für die auf diesen Märkten vertretenen Generikahersteller eine große Herausforderung dar. Die stetige Referenzierung der Länder unter- einander kann einen schnellen Preisverfall verursachen und ist für die Hersteller schwer vorhersehbar. Hinzu kommt, dass die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen häufig einen großen Handlungsspielraum für die zuständigen Behörden er- öffnen und deren genaue Metho- dik des Preisvergleichs dadurch oft intransparent ist. Der vorliegende Beitrag versucht exemplarisch an- hand von drei fiktiven Produkten die Interdependenz nationaler Preisregulierungen der Länder Bul- garien, Polen, Rumänien und der Slowakei aufzuzeigen und erlaubt damit Generikaherstellern strate- gische Optionen im Hinblick auf die Preisfestsetzung und Einführung von Produkten abzuleiten. Internationale Preisvergleiche in Europa Grundlage der Preisfestsetzung von Arzneimitteln der einzelnen osteuropäischen Länder sind Preis- vergleiche. Diese Methodik der internationalen Preisreferenzie- rung, oder „international reference pricing“ (IRP) ist in der EU weit verbreitet und wird insgesamt in 24 von 27 Mitgliedsstaaten ange- wandt. Dabei werden meist soge- nannte „Länderkörbe“ entwickelt, die in der Regel fünf bis zehn Re- ferenzländer umfassen und nach ökonomischen Kriterien, manchmal aber auch bewusst nach niedrigen Arzneimittelpreisen ausgewählt werden. Weitere Auswahlkriterien können die geographische Nähe oder die Qualität der vorhandenen Preisdatenbanken sein. Einige Län- der betrachten aber auch die Preise sämtlicher EU-Staaten. Allerdings ist nicht nur die Frage nach den Auswahlkriterien der Referenzlän- der für die Preisentstehung von Bedeutung. Ausschlaggebend ist zudem, ob ein Durchschnitt oder der Median als Verhandlungsba- sis herangezogen wird oder wie mit schwankenden Wechselkursen und versteckten Rabatten umge- gangen wird.2 Des Weiteren muss zusätzlich die soeben beschriebene Methodik der Berechnung zum Bei- spiel eines Durchschnittspreises von der sogenannten „informellen“ Preisreferenzierung unterschieden werden, da diese nicht offiziell geregelt ist und somit nicht auf einer bestimmten Formel basiert.3 Abbildung 1 gibt einen Überblick über die Verbreitung der einzelnen Methoden innerhalb Europas. Die Referenzierungs- methoden im Detail In Tabelle 1 werden die Refe- renzierungsmethoden der Länder Bulgarien, Polen, Rumänien und der Slowakei zusammengefasst so- wie die Referenzierung der Länder untereinander in Tabelle 2 veran- schaulicht. Darüber hinaus werden Tab.1: Referenzierungsmethoden und Länderkörbe der Beispielländer. Abb.1: Internationale Preisreferenzierung in Europa. Quelle: Eigene Darstellung nach Angaben vgl. Vogler, Preisbildung und Erstattung von Arzneimitteln in der EU (2012), S. 51; Cassel/Ulrich, Herstellerabgabepreise auf europäischen Arzneimittelmärkten als Erstattungs- rahmen in der GKV‐Arzneimittelversorgung (2012), S. 75 und S. 104. Internationale Preisreferenzierung in Europa 1: Vgl. Vogler, Preisbildung und Erstattung von Arzneimitteln in der EU – Gemein- samkeiten, Unterschiede, Trends (2012), S. 52. 2: Vogler, Preisbildung und Erstattung von Arzneimitteln in der EU – Gemein- samkeiten, Unterschiede und Trends (2012), S. 48 ff. 3: Vgl. Cassel/Ulrich, Herstellerabgabe- preise auf europäischen Arzneimittelmärk- ten als Erstattungsrahmen in der GKV- Arzneimittelversorgung (2012), S. 105. Referenzierungsmethoden und Länderkörbe der Beispielländer Land Referenzierungsmethoden Länderkorb Bulgarien Die Preisfestsetzung in Bulgarien orientiert sich all- gemein am niedrigsten Preis der Länder im bulga- rischen Referenzkorb. Es ist gesetzlich vorgegeben, dass der Preis eines Arzneimittels erhöht werden muss, sobald er in einem Referenzland ebenfalls er- höht wird, und zwar bis zum niedrigsten Preis in den Referenzländern. Rumänien, Frankreich, Estland, Griechenland, Slowakei, Litauen, Portugal, Spanien, Italien, Finn- land, Dänemark und Slowenien. Ausweichländer: Belgien, Tsche- chien, Ungarn, Polen und Lettland Polen Hier steht die zuständige Behörde mit dem betrof- fenen Pharmaunternehmen in Verhandlung über ei- nen möglichst niedrigen Preis. Senkt ein EU-Land während dieser Zeit seinen Preis, wird dies mit einer neuen Erstattungsbewerbung mit in Betracht gezo- gen. Allgemein orientiert sich Polen ebenfalls am niedrigsten Preis seines Länderkorbes und die Höhe der Erstattung ist hier für einen bestimmten Zeitraum festgelegt (informelles IRP). Gesamte EU Rumänien Laut Gesetz sollten in Rumänien 12 EU-Länder verg- lichen und der niedrigste Preis übernommen werden. Der Vergleich basiert hier auf dem Wert pro Tablette oder pro Milligramm des Wirkstoffes und findet für alle verschreibungspflichtigen Medikamente statt, auch, wenn sie nicht erstattet werden. Desweiteren darf der Preis eines Generikums nicht mehr als 65 An- teile von Hundert des Preises des Originalpräparats betragen und das Herstellerland des Präparats wird zusätzlich in den direkten Preisvergleich, neben den Ländern in Rumäniens Referenzkorb, mit einbezogen. Laut Gesetz sind 12 EU-Länder ent- halten, in der Praxis werden aller- dings lediglich die Länder Bulgari- en, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn herangezogen. Slowakei Die Slowakei vergleicht zwei Mal im Jahr die Arznei- mittelpreise. Vergleichsbasis sind hier sogenannte CIP-Preise, also die Herstellerabgabepreise ohne Ein- fuhrzoll und –versteuerung. Dieser darf nicht höher sein, als der Durchschnitt der niedrigsten drei Preise des Länderkorbes. Ist der Preis nur in zwei Ländern des Länderkorbes verfügbar, gilt als maximaler Preis der Durchschnitt dieser beiden. Der pharmazeutische Unternehmer muss den Durchschnitt für sein Präparat bei der Antragstellung selbst anhand eines vorgege- benen Formulars berechnen und hierfür die durch das Gesundheitsministerium veröffentlichten Preisquellen und Umrechnungshinweise, falls keine CIP-Preise zur Verfügung stehen, heranziehen. Österreich, Belgien, Bulgarien, Zypern, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Hol- land, Kroatien, Irland, Italien, Lett- land, Litauen, Luxemburg, Malta, Ungarn, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Schweden und Großbritannien Gegenseitige Referenzierung der Beispielländer Referenzierende Länder Estland Bulgarien Polen Rumänien Slowakei Deutschland Estland -      Bulgarien  - ()   - Polen   -    Rumänien -  () -   Slowakei     -  Tab.2: Gegenseitige Referenzierung der Beispielländer. Quelle: Eigene Darstellung aus Angaben der Wörwag Pharma und den jeweiligen Gesetzestexten. vgl. Ministry of Health (2013), Internetowy Sytem Aktów Prawnych (2011), Ministerstvo zdravotníctva SR (2013). Legende: Ein Haken bedeutet, dass das jeweilige Land im Länderkorb des referenzierenden Landes enthalten ist und zum Preisvergleich herangezogen wird. Ein Haken in Klammern kennzeichnet Länder, welche nur als Ausweisland im Länderkorb zum Vergleich zur Verfügung stehen. Estland referenziert demnach die Preise von Bulgarien, Polen, Rumänien, der Slowakei und Deutschland.
  2. 2. market access & health policy [•][•] market access & health policy 22 23www.healthpolicy-online.de www.healthpolicy-online.de Literatur Vogler, S. (2012): Preisbildung und Erstattung von Arzneimitteln in der EU –Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Trends, Pharmazeutische Medizin, Journal der deutschen Gesellschaft für pharmazeutische Medizin e.V., Jahrgang 14, Ausgabe 1/2012, veröffentlicht im Netz: http://whocc.goeg.at/ Literaturliste/Dokumente/Articles/Pharmazeutische_Medizin_112_50-58_Vogler.pdf (Abfrage: 27.07.2016, 20:00 Uhr). Cassel, D./Ulrich, V. (2012): Herstellerabgabepreise auf europäischen Arzneimittelmärkten als Erstattungsrahmen in der GKV‐Arzneimittelversorgung - Zur Problematik des Konzepts internationaler Vergleichspreise, Gutachten für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., veröffentlicht im Netz: http://www.vfa.de/embed/herstellerabgabepreise-auf-europaeischen-arzneimittelmaerkten.pdf (Abfrage: 27.07.2016, 20:00 Uhr). Ministerstvo zdravotníctva SR (2013), Gesetze über Preisregulierungen im Gesundheitswesen in der Slowakei, veröffentlicht im Netz: http://www.health.gov.sk/?cenove-opatrenia (Abfrage: 28.07.2016, 17:00 Uhr) Internetowy Sytem Aktów Prawnych (2011), Gesetz vom 12.05.2011 über die Erstattung von Arzneimitteln in Polen, veröffentlicht im Netz: http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WDU20111220696 (Abfrage: 28.07.2016, 17:00 Uhr) Ministry of Health Bulgaria (2013): Regulation on the conditions, rules and procedures for regulating and registering the prices of medicinal products, Übersetzter Gesetzestext, übersetzt durch Top Management Advisors Ltd. Ministry. Weigl, M., Antony, K. (2008). Arzneimittelsysteme in Bulgarien und Rumänien, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend, veröffentlicht im Netz: http://whocc.goeg.at/Literaturliste/Dokumente/BooksReports/Arzneimttelsysteme_in_Bulgrien_und_Rumaenien.pdf (Abfrage: 27.07.2016, 20:00 Uhr) Arzneimittelbrief (2008), Wie kommt ein Arzneimittel zu seinem Preis?, AMB 2008, 42, 25, veröffentlicht im Netz: http://www.der-arzneimittelbrief. de/de/Artikel.aspx?J=2008&S=25 (Abfrage: 27.07.2016, 20:00 Uhr). Pirk, O. (2008): Preisbildung und Erstattung, In: Schöffski, O./Fricke, F.-U./Guminski, W. (Hrsg.): Pharmabetriebslehre, 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg. in Tabelle 2 auch Deutschland und Estland einbezogen, da diese in einem der folgenden Beispielszena- rien als Ausgangspunkt für weitere Analysen dienen. Kann man Preisanpas- sungen vorhersagen? Erst- und Zweitrundeneffekt der Preisreferenzierung Für den pharmazeutischen Un- ternehmer ist es von großer Be- deutung vorherzusehen, wie sich der gegenseitige Preisvergleich in Osteuropa auf die Preise der eige- nen Präparate im jeweiligen Land auswirkt, um mögliche Strategien z.B. für eine Preiserhaltung abzu- leiten. Hierzu wird im Folgenden angenommen, dass die Länder direkt auf vergleichbare Produkte des gleichen Herstellers in anderen Ländern referenzieren und nicht auf Generika von anderen Herstellern. Diese Annahme kann trotz der vage formulierten Gesetzgebung getrof- fen werden, da in einigen Ländern nicht die jeweilige Behörde eine Preisrecherche vornimmt, sondern die Hersteller selbst verpflichtet sind, die Preise ihres Produkts in anderen Ländern einzureichen.4 Ein umfassenderer Preisvergleich auch mit wirkstoffgleichen Präparaten anderer Hersteller ist in diesen Fällen somit auszuschließen. Den- noch kann ein solcher, umfassender Preisvergleich beispielsweise auf Basis bestimmter ATC- oder Wirk- stoffgruppen stattfinden, allerdings in Form eines landesinternen Re- ferenzpreissystems.5 Dieses kann in einigen Ländern somit eine Art Parallelstruktur zur internationalen Preisreferenzierung bilden, wel- che aber in nachfolgende Berech- nungen nicht mit einfließt. Bei der Ableitung geeigneter Strategien genügt es allerdings nicht, nur die direkte Auswirkung der Referenzierung, den im Fol- 4: Vgl. Weigl/Antony Arzneimittelsysteme in Bulgarien und Rumänien (2008), S.15; Arzneimittelbrief, Wie kommt ein Arznei- mittel zu seinem Preis? (2008), S. 4.f. 5: Arzneimittelbrief, Wie kommt ein Arz- neimittel zu seinem Preis? (2008), S. 4f. Zweitrundeneffekt bei Preissenkung in Estland Land Aktueller Preis in Eu- ro pro FTB Zu bestimmender Schwellenpreis nach jeweiliger Referenzierungsmethode Endpreis nach mindestens not- weniger Preisanpassung Est- lands in Euro pro FTB Estland 0,55 Polen 0,45 Niedrigster Preis in der EU 0,35 Bulgarien 0,40 Niedrigster Preis im bulgarischen Länderkorb 0,35 Slowakei 0,40 Der neue estnische Preis muss zu einem der drei günstigsten im slowakischen Länderkorb werden 0,35 bis 0,55 Rumänien 0,35 Niedrigster Preis im rumänischen Länderkorb. Besonderes Augenmerk auf die Preise in Bulgarien, Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn 0,40 Tab.3: Überblick über die zur Beispielrechnung verwendeten Preise. Quelle: Eigene Darstellung. Abb. 2: Erstrundeneffekt Preissenkung des Präparates A in Estland. Quelle: Eigene Darstellung. rische Preis von der Preissenkung in Estland betroffen wäre. Daraus ergibt sich der zweite Schwellen- preis, welcher dem niedrigsten Preis des bulgarischen Länderkorbs entspricht. Auch Polen orientiert sich laut Gesetzgebung am niedrigsten Preis seines Länderkorbes, welcher je- doch alle Länder der europäischen Union enthält und somit deutlich mehr Länder umfasst, als der Län- derkorb Bulgariens. Sinkt also der Preis des Präparates A unter den niedrigsten Preis der EU, referen- ziert auch Polen diesen neuen Preis Estlands. Wie bereits erwähnt, liegt der angenommene polnische Preis des Präparates A bei 0,45 Euro/FTB. Um eine Preisänderung in Polen zu erzielen, müsste der neue est- nische Preis also unter den aktuell günstigsten Preis der EU fallen, al- so unter den Preis von 0,35 Euro/ FTB des rumänischen Preises. Da- durch ergibt sich hier ein dritter Schwellenpreis. In Abbildung 3 wird nun auf- gezeigt, wie sich die betrachteten Länder nach einer Preisanpassung in zweiter Runde wiederum unter- einander beeinflussen. Bulgarien referenziert demnach den rumä- nischen Preis, auch Polen orien- tiert sich an Bulgarien und Rumä- nien. Des Weiteren referenziert ebenfalls Rumänien die bulga- rischen Preise. Auch die Slowakei hat Bulgarien und Rumänien sowie Polen in ihrem Länderkorb. Sowohl Bulgarien und Polen, als auch Rumänien referenzieren die Preise der Slowakei und orientie- ren sich immer an den niedrigsten Preisen ihres Länderkorbs. Da die Slowakei den Durchschnitt der drei niedrigsten Preise im eigenen Län- derkorb als Preis ansetzt, kann der slowakische Preis in der Theorie nie der günstigste sein, der niedrigste Preis im slowakischen Länderkorb kann daher immer nur zu 33 % in den slowakischen Preis einfließen. Die restlichen 66 % werden durch den zweit- und drittgünstigsten Preis im Länderkorb bestimmt und liegen somit über dem Preisgünstigsten. Infolgedessen kann der slowakische Preis nur dann dem niedrigsten ent- sprechen, wenn die drei niedrigsten Preise im slowakischen Länderkorb identisch sind. Referenziert die Slo- wakei zeitlich gesehen früher als Bulgarien, Rumänien oder Polen, kann es somit auch vorkommen, dass der slowakische Preis unterhalb dieser Preise liegt. Der Zweitrundeneffekt beschreibt nun die indirekten Auswirkungen auf die Beispielländer zeitlich ge- sehen nach dem Erstrundeneffekt der Preissenkung des Präparates A in Estland. Rumänien referenziert hier nun den bulgarischen Preis des Präparats, falls dieser durch die Preisreferenzierung Estlands der Zweitrundeneffekt bei Preissenkung in Estland Abb. 3: Zweitrundeneffekt bei Preissenkung in Estland. Quelle: Eigene Darstellung. genden genannten „Erstrundenef- fekt“, in Betracht zu ziehen. Viel- mehr verlangt eine adäquate Mo- dellierung preislicher Auswirkungen auch die Betrachtung des im Fol- genden genannten „Zweitrunden- effekts“. Dieser stellt die zeitlich spätere Reaktion auf indirekt be- troffenen Märkten dar, welche bei- spielsweise ihren Preis mit den Län- dern vergleichen, die zu den direkt referenzierenden Ländern gehören. Da allerdings in allen betrachteten Ländern ein großer gesetzlicher Handlungsspielraum in der Metho- dik des Preisvergleichs vorhanden ist, ist eine Verallgemeinerung der im Folgenden beschriebenen Bei- spiele nur eingeschränkt möglich. Drei Beispiele 1. Welche Reaktionen ergeben sich aus einer Preissenkung in Estland? Ein erstes Beispiel für den Wir- kungsmechanismus der Interde- pendenz des IRP wird ausgehend von einer Preissenkung eines Bei- spielpräparats A in Estland veran- schaulicht. Hierbei stellt sich nun die Frage, welche Auswirkungen die Preissenkung des Präparats in Est- land auf die Preise in den Ländern Bulgarien, Polen, Rumänien und der Slowakei hat. Insbesondere von Bedeutung bei der Vorhersage von Preisanpassungen ist das Einbe- ziehen eines Schwellenpreises. Im Zusammenhang des Preisvergleichs steht dieser für den Punkt, ab wel- chem der neue Preis so weit gefal- len ist, dass er den gleichen Wert angenommen hat wie der Preis, welcher bisher durch das jeweilige Land referenziert wurde. Ab der Un- terschreitung des Schwellenpreises beginnt somit die Auswirkung ei- ner Preissenkung auf die anderen Länder. So kann es möglicherwei- se gelingen, die Preisanpassung osteuropäischer Länder bei einer Preissenkung oder Preiserhöhung in einem Vergleichsland zu antizi- pieren. In Abbildung 2 ist der Ers- trundeneffekt dargestellt. Die Pfeile zeigen, dass Estland in den Länder- körben Bulgariens, Polens und der Slowakei vertreten ist. Diese Länder referenzieren den estnischen Preis nach ihrer jeweiligen Methode. Angenommen, der Preis einer Filmtablette (FTB) des Präperates A liegt in Estland bei 0,55 Euro und ist damit der höchste unter den beobachteten Ländern. Danach folgen Polen mit einem Preis von 0,45 Euro/FTB, Bulgarien und die Slowakei mit jeweils 0,40 Euro/ FTB und Rumänien als günstigster Anbieter mit 0,35 Euro/FTB. Die unten stehende Tabelle 3 verschafft einen Überblick über den Preis pro Filmtablette in den betrachteten Ländern und den Preis, unter den der neue estnische Preis fallen muss, um eine Preis- Erstrundeneffekt Preissenkung des Präparates A in Estland änderung in den anderen Ländern hervorzurufen. Der Erstrundeneffekt beschreibt nun die direkten Auswirkungen der Preissenkung des Präparates A in Estland auf die referenzie- renden Länder. Da die Slowakei den Durchschnittspreis der drei günstigsten Präparate in ihrem Länderkorb referenziert, werden 33 % des slowakischen Preises beeinflusst, sollte der Preis in Est- land unter den drittgünstigsten Preis des slowakischen Länderkorbs fallen. Damit sich der Preis in der Slowakei also überhaupt ändern kann, muss der alte Preis von 0,55 Euro/FTB so weit gesenkt werden, dass er unter den drittgünstigsten Preis im slowakischen Länderkorb fällt. Hieraus ergibt sich der erste Schwellenpreis. Ab der Überschrei- tung dieses Punktes beginnt somit die Auswirkung der Preissenkung auf die betrachteten Länder, aller- dings zunächst nur auf den slowa- kischen Preis. Bulgarien orientiert sich am niedrigsten Preis seines gesamten Länderkorbs. Wird der Preis somit unter den niedrigsten des bul- garischen Länderkorbs gesenkt, referenziert Bulgarien den Preis Estlands. Angenommen, der bul- garische Preis liege zu Beginn bei 0,40 Euro/FTB. Der neue estnische Preis müsste also um mehr als 0,15 Euro/FTB sinken, damit der bulga-
  3. 3. market access & health policy [•][•] market access & health policy 24 25www.healthpolicy-online.de www.healthpolicy-online.de niedrigste Preis des rumänischen Länderkorbs geworden ist. Sinkt der Preis Rumäniens darauf hin unter den estnischen Preis, referenziert Bulgarien wiederum den Preis in Rumänien. Polen würde den bulgarischen oder den rumänischen Preis refe- renzieren, sofern die Preise unter- halb des estnischen Preises gefallen sind. Wenn Bulgarien, Polen und Rumänien sich an die Preissen- kung Estlands anpassen und damit zu den drei niedrigsten Preisen des slowakischen Länderkorbs werden, ändern sich 33 %, 66 % oder 100 % des Preises in der Slowakei, je nachdem, wie viele Länder neu un- ter die drei günstigsten Referenz- länder fallen. Eine Reaktion anderer Länder auf eine Preissenkung erfolgt somit grundsätzlich nur, wenn der neue Preis unter den bisherigen von den Ländern referenzierten Preis fällt, was meist dem niedrigsten des je- weiligen Länderkorbs entspricht. 2. Ist eine Preiserhöhung in Deutschland als Preiserhaltungs- maßnahme sinnvoll? Dieser Fragestellung zugrunde liegt die Idee, dass in der Praxis häufig auf deutsche Preise refe- renziert wird. Die Preisgestaltung von Produkten kann grundsätzlich in Deutschland von Herstellern direkt beeinflusst werden, da die Möglichkeit zur freien Preisfest- setzung besteht. Zudem erlauben, den Generikamarkt betreffend, die in Deutschland zwischen Kran- kenkassen und pharmazeutischen Herstellern geschlossenen Rabatt- verträge nach §130a Abs. 8 SGB V einen relativ hohen Preis in der öffentlich verfügbaren Lauer-Taxe zu veranschlagen und dennoch einen hohen Marktanteil zu gene- rieren, weil die an die Krankenkas- sen gezahlten Rabatte geheim und nur den Vertragspartnern bekannt sind.6 Die Thematik wird nun an- hand eines Beispielpräparats, im Folgenden als Präparat B benannt, veranschaulicht. Die Länder Polen, Rumänien und die Slowakei referenzieren den deutschen Arzneimittelpreis, sofern dieser entsprechend niedriger ist als die Preise der restlichen Länder der Referenzkörbe. Angenommen, Deutschland hätte den niedrigsten Preis. Eine Preiserhöhung in Deutschland be- wirkt nun zunächst – ein sofortiges Reagieren der ausländischen Behör- den vorausgesetzt – einen Preiser- höhungsspielraum bis zum zweit- günstigsten Land der Referenz- körbe von Rumänien und Polen. Allerdings ist die Preisanpassung Rumäniens laut Gesetz auf 65 % des Originalpräparats beschränkt, gleichwohl das Herstellerland in den Preisvergleich mit einbezogen wird. Auch in der Slowakei ist der Preiserhöhungsspielraum verhält- nismäßig klein, da aufgrund der Durchschnittspreisbildung nur 33 % des Preises in der Slowakei be- einflusst werden können. Folglich kann sich der bulga- rische Arzneimittelpreis des Prä- parates B im Zweitrundeneffekt an die Preise von Polen und Rumänien anpassen, sofern für Bulgarien der günstigste Preis erhöht wur- de. Durch die Methode der Durch- schnittsberechnung kann der slo- wakische Preis nicht den günstigs- ten Preis aufzeigen, außer wenn alle drei referenzierten Länder einen identischen Preis aufweisen. Zusammenfassend ergibt sich bei Betrachtung dieser theore- tischen Aspekte ein, wenn auch geringer, Handlungsspielraum für Preiserhöhungen in Deutschland. Allerdings sind diesem Ergebnis bei Betrachtung der realen Ge- gebenheiten einige Limitationen entgegenzustellen, auf welche im nächsten Kapitel vertiefend einge- gangen wird. 3. Überlegungen zur vorteilhaf- testen Einführungsreihenfolge für den Hersteller In diesem Abschnitt soll erör- tert werden, ob sich auf Basis der Betrachtung internationaler Preis- regulierungen optimale Strategien hinsichtlich der Einführungsreihen- folge für Hersteller ableiten lassen. Für das im Folgenden betrachtete Generikum X sollte, wie in Abbildung 5 veranschaulicht, die Einführung in Deutschland beginnen. Hauptgrund hierfür ist, dass in Deutschland aufgrund der hier im Generikamarkt üblicherweise nicht praktizierten Preisreferenzierung und Preisfest- setzung von einem höheren Preis- niveau ausgegangen werden kann.7 Somit kann das Generikum mit dem vergleichsweise höchsten Preis ein- geführt werden. Hinzu kommt als weiterer Grund, dass Rumänien den Preis im Ursprungsland in die Preis- kalkulation mit einbezieht. Somit kann durch eine hohe Preisfestset- zung in Deutschland ein direkter Einfluss auf Rumänien ausgeübt wer- den. Als zweites Land bei der Einfüh- rung bietet sich daher Rumänien an. Aus „theoretischen“ Überlegungen kommt als drittes Einführungsland die Slowakei in Frage, da hier die Preise aus dem Durchschnitt der drei günstigsten Preise errechnet werden. Im betrachteten Fall wäre dies der Durchschnitt aus dem rumä- nischen und dem deutschen Preis. Um dies an einem Zahlenbei- spiel zu veranschaulichen, wird ein Preis von 0,70 Euro/FTB für das Generikum bei der Einfüh- rung in Deutschland gewählt. Angenommen, der Preis des Ori- ginalpräparats in Rumänien lie- ge bei 0,95 Euro/FTB. Rumänien kann ausschließlich den Preis von Deutschland referenzieren. Dieser liegt jedoch über den möglichen 65 % des Preises des Originalprä- parats. Daher wird der Preis in Ru- mänien auf den höchstmöglichen Preis festgelegt: 0,62 Euro/FTB als nächstes Einführungsland wird die Slowakei herangezogen, welche aber aufgrund des Vorhandenseins von lediglich zwei Vergleichsprei- sen nun deren Durchschnitt von 0,66 Euro/FTB als Preis im ei- genen Land annimmt. Hier wird ersichtlich, weshalb die Methode der Durchschnittsberechnung der Slowakei zu einem wieder gestei- gerten Preisniveau von 0,62 Euro auf 0,66 Euro/FTB führt. Stellt man also Überlegungen zu einer möglichst langen Preiser- haltung bei der Neueinführung eines Generikums an, sollte zu- nächst ein Land mit verhältnis- mäßig hohem Preisniveau gewählt werden. Dies führt nach theore- tischen Überlegungen dazu, dass weitere Länder sich zunächst aus- schließlich an diesem Preis orien- tieren können. Auch Länder, die eine Durchschnittsberechnung vor- nehmen, erscheinen vorteilhafter für den Hersteller im Vergleich zu Ländern, welche sich grundsätz- lich am günstigsten Preis des je- weiligen Länderkorbes orientieren. Von der Theorie zur Praxis Da nun die theoretische Grund- lage des IRP anhand der drei auf- geführten Beispiele exemplarisch für die Länder Bulgarien, Polen, Rumänien und die Slowakei darge- stellt wurde, ist es darüber hinaus essentiell, diese auch bezüglich ihrer praktischen Anwendung zu betrachten. Da die ausgewählten Preisbeispiele sich an den tatsäch- lichen Preisniveaus der betrachte- ten Länder orientieren, wird bereits im ersten Beispiel ersichtlich, dass die Preisreferenzierungsmethodik nicht immer so angewendet wird, wie sie in der Theorie durch die nationale Gesetzgebung vorge- schrieben ist. Denn Polen weist für Präparat A das zweithöchste Preisniveau auf, obwohl hier laut Gesetzgebung die Orientierung am niedrigsten Preis der EU statt- finden sollte. Ein Grund hierfür könnte sein, dass im Gesetzestext Polens im Gegensatz zu den ande- ren Beispielländern nicht von einer „Preisfestsetzung“, sondern von einer „Preisverhandlung“ die Rede ist und es sich somit lediglich um ein wie bereits zu Beginn beschrie- benes „informelles IRP“ handelt (vgl. Tabelle 1). Womöglich ergibt sich hieraus ein entsprechender Verhandlungsspielraum, welcher für das höhere Preisniveau Polens trotz der vorgeschriebenen Orien- tierung am niedrigsten Preis der EU verantwortlich ist. Auch im zweiten Beispiel, bei welchem eine Preiserhöhung in Deutschland als Preiserhaltungs- maßnahme aus theoretischer Sicht zugestimmt werden konnte, ist die Strategieempfehlung nach der Be- trachtung der tatsächlichen Gege- benheiten eine andere. Denn die häufigste Referenzierungspraxis der hier aufgeführten Beispiellän- der bezieht sich stets auf die güns- tigsten Preise des jeweiligen Län- derkorbes. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland den günstigsten Preis des Länderkorbs aufweist, ist allerdings sehr gering. Es exi- stieren zwar Rabattvereinbarungen zwischen den Herstellern und der gesetzlichen Krankenversicherung, diese sind allerdings nicht öffent- lich zugänglich. Aus diesem Grund kann bei der Preisreferenzierung nur auf das verhältnismäßig hohe Preisniveau in Deutschland Bezug genommen werden, welches aus dem Grund des vorherrschenden Vergleichs mit den niedrigsten Preisen im Länderkorb nicht mit einfließt.8 Des Weiteren wird in der Ge- setzgebung grundsätzlich die Pflicht erwähnt, eine Anpassung bei einer Preissenkung eines Re- ferenzlandes vorzunehmen. De facto besteht jedoch bei einer Preiserhöhung keine Pflicht, son- dern lediglich die Möglichkeit zur Preisanpassung. Zu beachten ist außerdem, dass der rumänische Preis, welcher sich als einziger zu- sätzlich auch am Preis des Präpa- rates im Ursprungsland orientieren sollte, auf maximal 65 % des Origi- nalpräparates erhöht werden kann. Ist dieser Spielraum ausgeschöpft, ist eine weitere Preisanpassung bei einer Preiserhöhung in Deutsch- land grundsätzlich nicht möglich. Im dritten Beispiel wurde ver- sucht, die aus Herstellersicht ideale Länderfolge im Falle einer Neueinführung auszuarbeiten. Dabei würde sich nach praktischer Erfahrung teilweise eine andere Einführungsreihenfolge anbieten, als diese in der Theorie zu ver- muten wäre. Rumänien würde als zweites Einführungsland bestehen bleiben, da untersuchte Beispiele gezeigt haben, dass rumänische Preisanpassungen auf ein nied- rigeres Niveau in der Vergangen- heit vergleichsweise langsam stattfanden. Somit kann ein relativ langanhaltend hohes Preisniveau garantiert werden. Als nächstes Einführungsland würde jedoch nicht wie nach theoretischen Grundlagen die Slowakei gewählt werden, sondern Polen. Begründet ist dies durch die Tatsache, dass der slowakische Preis in der Praxis häufiger unter dem Durchschnitt der drei günstigsten Länder liegt. Polen zeigt hingegen neben dem bereits erwähnten Verhandlungs- spielraum auch eine verhältnis- mäßig langsamere Reaktion auf Preisanpassungen, weshalb es sich als drittes Einführungsland besser zu eigenen scheint. Zudem bietet Polen einen großen Markt und der Erstattungsbetrag des Originalpro- duktes wies in diesen betrachteten Beispielen das höchste Niveau auf, was vermuten lässt, dass der Erstattungsbetrag des Generikums ebenfalls verhältnismäßig hoch sein könnte. Generell ist also die theore- tische Betrachtung der Referen- zierungsmethodik zwar wichtig, ohne das Hinzuziehen der in der Praxis angewandten Preisanpas- sungen aber nicht hinreichend aussagekräftig. Vor allem die Re- aktionsgeschwindigkeit einzelner Länder kann ausschlaggebend für strategische Überlegungen, bei- spielsweise bezüglich der Einfüh- rungsreihenfolge, sein. Fazit Nachdem die Auswirkungen der drei Beispiele erörtert wurden, sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Referenzierungsmethoden der betrachteten Länder meist nur 6: Dies ist ein Unterschied zu den gesetzlichen Herstellerrabatten und dem verhandelten Erstattungspreis bei neuen Produkten, die öffentlich verfügbar sind. U.a. auch deswegen beschränken sich die folgenden Ausführungen auf den Generikamarkt Erstrundeneffekt Preiserhöhung des Präparat B Abb. 4: Erstrundeneffekt Preiserhöhung des Präparat B. Quelle: Eigene Darstellung. Empfohlene Einführungsreihenfolge Generikum X Abb. 5: Empfohlene Einführungsreihenfolge Generikum X. Quelle: Eigene Darstellung. Beispiel einer Einführungsreihenfolge Deutschland vom Hersteller festgelegter Einführungspreis 0,70 Euro pro FTB Rumänien Maximal 65% des Preises des Originalpräparats (0,95Euro) 0,62 Euro pro FTB Slowakei Durchschnittsberechung der bisher vorhan- denen Preise in Deutschland und Rumänien 0,66 Euro pro FTB Tab. 4: Beispiel einer Einführungsreihenfolge. Quelle: Eigene Darstellung. 7: Vgl. Cassel/Ulrich, Herstellerabgabe- preise auf europäischen Arzneimittel- märkten als Erstattungsrahmen in der GKV-Arzneimittelversorgung (2012), S. 68 ff. 8: Vgl. Pirk, Preisbildung und Erstattung (2008), S. 71 ff.
  4. 4. market access & health policy [•][•] market access & health policy 26 27www.healthpolicy-online.de www.healthpolicy-online.de vage formuliert sind, woraus ein großer Handlungsspielraum für die Preisfestsetzung der zustän- digen Behörden resultiert. Dies führt zu großen Herausforde- rungen für die betroffenen Gene- rikahersteller, da dieser Umstand die Vorbereitung auf eine Preisan- passung sowie eine angemessene Reaktion zusätzlich erschwert. Der insgesamt zu erkennende Trend ist eindeutig das Streben aller Länder nach einem mög- lichst niedrigen Preisniveau. Da- bei kann beobachtet werden, dass einige Länder sehr schnell auf Preissenkungen reagieren, wäh- rend andere eine weniger strikte Preisanpassung vornehmen. Dies stellt für betroffene Hersteller einen besonders wichtigen Faktor bei der Strategieentwicklung dar. Allgemein ist allerdings zu sagen, dass das Nachvollziehen der tat- sächlichen Methodik in Osteuropa sowie die Erkennung genauerer Trends in der Preisregulierung auf- grund der scheinbaren Willkür der Regulierungsmethoden eine hohe und langfristige Aufbringung an Ressourcen erfordert. Denn die hier aufgezeigte Preisreferen- zierung zwischen vier Ländern bildet nicht die Komplexität ab, welche sich in Anbetracht aller sich gegenseitig beeinflussender Staaten ergibt. Nur durch die Betrachtung des gesamten europäischen Marktes können möglicherweise zu for- malisierende Abfolgen erkannt werden, die das praktische Vor- gehen der Regulierungsbehörden adäquat abbilden. Eine eindeutige Prognose ist somit derzeit nicht möglich, da sich die osteuropä- ischen Länder der Recherche nach nicht konsequent an ihre kommu- nizierten (bzw. öffentlich verfüg- baren) gesetzlichen Regelungen halten oder die Vorschriften einen weitläufigen Handlungsspielraum erlauben. Dies führt dazu, dass die genaue Reaktion der Länder nicht eindeutig vorausgesagt, sondern lediglich vermutet wer- den kann. Generell ist zu erwarten, dass die stetige Preisreferenzierung der Länder untereinander auf Dau- er zu einer kontinuierlichen Preis- senkung auf ein niedrigstes Ni- veau führt. Andererseits hat diese Abwärtsspirale aber auch einen „unteren Boden“- Dieser ist schlus- sendlich dadurch bestimmt, ob es für Hersteller überhaupt rentabel ist, auf diesen Märkten vertreten zu bleiben. Spätestens wenn die Autoren Melanie Krknjak, BA 2011-2015 Studium im Bachelorstudiengang „Gesund- heitsmanagement“ an der Hochschule Aalen. Seit 2015 Masterstudium „Versorgungssteuerung im Gesundheits- wesen – Health Care Management“ an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Wissenschaftliche Hilfskraft am Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung der Hochschule Ludwigshafen am Rhein aus. Valeska Milan, BA 2011-2015 Studium im Bachelorstudiengang „Gesund- heitsmanagement“ an der Hochschule Aalen. Seit 2015 bei der AOK Baden-Württemberg im Bereich Arzneimit- tel, insbesondere in der Verordnungssteuerung. Selina Moll, BA 2011-2015 Studium im Bachelorstudiengang „Gesund- heitsmanagement“ an der Hochschule Aalen. Seit 2015 Masterstudium „Wirtschaftswissenschaften“ an der Universität Ulm. Werkstudentin bei der Teva Phar- maceutical Industries. Prof. Dr. Stefan Fetzer, Dipl.-Vw. Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Zwischen 2006 und 2008 Mitarbeiter an der Geschäftsstelle des Wissenschaftlichen Beirats der Betrieblichen Kran- kenkassen und in der Abteilung Vertragspolitik des BKK-Bundesverbandes, Essen. Zwischen 2009 und 2011 Bereichsleiter Arzneimittelmanagement bei spectrumK- GmbH. Seit 2011 Professor für Public Health und Internationale Gesundheitssysteme an der Hochschule Aalen – Technik und Wirtschaft. Dr. med. Thomas Schürholz Facharztausbildung am Universitätsklinikum Bochum zum Facharzt für Urologie. Zwischen 1996 und 2005 verschiedene Managementpositionen bei der Weleda AG Schwäbisch Gmünd, ab 2001 operative Geschäftsfüh- rung für Marketing und Medizin. Zwischen 2005 und 2008 Leiter medizinisches Versorgungsmanagement bei der GEK. Zwischen 2009 und 2011 Geschäftsführung bei AnyCare GmbH, seit 2011 Director Medicine bei WÖRWAG Pharma. Dr. Lucia Frzonová, MBA Studium und Promotion an der University of Veterinary and Pharmaceutical Sciences, Kosice/Vienna 1993 bis 1999. Zwischen 1999 und 2013 Country manager bei Wörwag Pharma. Zwischen 2013 und 2015 Regional Director Central Europe bei Wörwag Pharma, seit 2015 General Manager Slovakia & Czech Republic bei Wörwag Pharma. Dieser Artikel basiert auf einem Praxisprojekt der Wörwag Pharma GmbH in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Gesundheitsmanagement der Hoch- schule Aalen). „Ein theore tischer Algorithmus ist durchaus ableitbar“ Interview mit Prof. Dr. Stefan Fetzer und Selina Moll von der HS Aalen sowie Dr. Lucia Frzonová von Wörwag Pharma >> Warum hat sich denn gera- de oder vor allem in osteuro- päischen Ländern ein – wie im Beitrag „Preisbildung und Preis- referenzierung von Arzneimitteln in der EU – Schwerpunkt Ost-EU“ beschrieben, „komplexes Sys- tem aus nationalen Preisfest- setzungen und Preisvergleichen mit anderen Ländern etabliert“. Prof. Dr. Fetzer: Gerade ost- europäische Länder standen, was die Staats- und damit auch Gesundheitsausgaben anbelangt unter enormen Druck, um den Anforderungen des Maastricht- Vertrages gerecht zu werden. Berücksichtigt man die von pri- vaten Haushalten geleisteten Gesundheitsausgaben, so stellt man fest, dass schlicht die Wirt- schaftskraft osteuropäischer Länder noch immer deutlich un- ter jenen in Westeuropa liegt. Von daher haben diese Länder ein verstärktes Interesse an ei- ner restriktiven Preisregulierung. Was ist denn der Hauptun- terschied der Ost-Preisbildung- Modells von – sagen wir – jenen in west- oder südeuropäischen Ländern? Dr. Frzonová: Osteuropäische Länder wenden zum einen das Konzept der Preisreferenzie- rung an, damit werden implizit auch westeuropäische nationale Arzneimittelpreisregulierungs- instrumente (wie z.B. die deut- schen Festbeträge) nach Osteu- ropa „exportiert“. Zum anderen handelt es sich in Osteuropa – oft nach dem Prozess einer Ver- handlung – um temporär fixierte nationale Preise für jedes einzel- ne Produkt. Mit dem –zumindest vom Grundsatz her – marktlibe- ralen freien Preisfestsetzungen westeuropäischer Staaten hat dies nicht viel zu tun. Desweiteren wird im vorste- henden Fachbeitrag von Krknjak etal ausgeführt, dass die „jeweiligen nationalen Gesetzgebungen häufig einen großen Handlungsspielraum für die zuständigen Behörden eröffnen“ und zudem deren genaue Me- thodik des Preisvergleichs dadurch oft intransparent sei. Kann denn eine derartige Handlungsweise EU-Rechtskonform sein? Frzonová: Die Ausgestaltung von Gesundheitssystemen ist grund- sätzlich eine nationale Aufgabe. Der „Handlungsspielraum“ für die zuständigen Behörden ergibt sich zum einen in vaage formulierten Algorithmen der Preisreferenzierung (informelle Preisreferenzierung) und dem Gestaltungsspielraum hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung – wie auch insbesondere der Teil „Von der Theorie zur Praxis“ zeigt. Auf welchem Preisniveau bewegen sich denn im EU-Vergleich die osteuropäischen Länder, speziell die von Ihnen betrachteten? Moll: Betrachtet man den generischen Markt (verschreibungspflich- tig und OTC), so befinden sich osteuropäische Länder im unteren Viertel im EU-Vergleich. Dies kann allerdings bezogen auf ein einzelnes Produkt durchaus unterschiedlich sein – v.a. aufgrund dessen, dass die Preis- referenzierungen – wie ebenfalls im Artikel veranschaulicht – ja bei den betrachteten Staaten immer mit einem zeitlichen „lack“ reagieren. Kann man denn aufgrund der bisherigen Erfahrungen Preisanpas- sungen vorhersagen? Gibt es so etwas wie einen Algorithmus? Moll: Die dem Artikel zugrundeliegende Fragestellung war ja gerade die „Suche“ nach einem solchen Algorithmus. Am Ende kann man es am besten so zusammenfassen: Ein theoretischer Algorithmus ist aufgrund nationaler Gesetzgebungen ableitbar – er hält aber einer praktischen empirischen Prüfung nicht stand. Wäre es denn – wie derzeit diskutiert – überhaupt sinnvoll, wenn im Zuge der anstehenden Reform des AM-VSG die Erstattungspreise unver- öffentlicht blieben? Fetzer: Zunächst ist hier anzumer- ken, dass der Artikel sich auf Generika und nicht auf die von Erstattungsprei- sen betroffenen patentgeschützen Arzneimittel konzentriert – von daher sind die Erfahrungen auch nur bedingt übertragbar. Aus der Perspektive inter- national agierender Pharmaunterneh- men scheint es vordergründig schon so, dass unveröffentlichte Preise bes- ser gegen einen schnellen Preisverfall über den „Preisreferenzierungsexport“ schützen – man stelle sich nur vor, die Nettopreise nach Abzug der §130a(8) SGB V Rabatte wären die Grundla- ge der Referenzierung auf den deutschen Preis. Im Gegensatz zu diesen wirklich geheimen Preisen zwischen Krankenkassen und Pharmaunter- nehmen, stellt sich allerdings die Frage, inwiefern ein für alle (auch für Privatpatienten) gleicher unveröffentlichter Erstattungspreis geheim bleiben soll – wenn es das Interesse von Behörden ist, nach Möglichkeit weniger zu bezahlen als im traditionellen Hochpreisland Deutschland. ersten gravierenden Versorgungs- schwierigkeiten im Arzneimittel- bereich auftreten, müsste sich the- oretisch eine weniger stringente Preisregulierung im betroffenen Markt einstellen. Ob es allerdings wirklich soweit kommt und wie sich dieser komplexe Markt tat- sächlich in Zukunft entwickeln wird, ist schwer vorherzusehen. << Welchen Handlungsspielraum haben denn deutsche Pharmaherstel- ler überhaupt? Preiserhöhungen? Opt Outs? Bestimmte Einführungs- strategien? Frzonová: Hinsichtlich der Einführungsreihenfolge ergibt sich schon ein Handlungsspielraum für Hersteller wie das 3. Beispiel im vorlie- genden Artikel zeigt. Preiserhöhungen sind in den betrachteten Märkten keine Alternative, da die Preise ja festgesetzt sind. Damit bleibt als schlussendliche Alternative der Opt Out, wenn über die Referenzierung ein zu starker Preisverfall initiiert wird. Irgendwann wird die Systematik der Preisreferenzierung zu Mini- malstpreisen führen, zu denen kein Hersteller mehr rentabel arbeiten kann. Was passiert dann mit den so agierenden nationalen Gesund- heitssystemen? Fetzer: Aus rein ökonomischer Perspektive ist das Instrument inter- nationaler Preisreferenzierung wie auch von Arzneimittelreimporten, dasjenige, das die soziale Wohlfahrt global gesehen am meisten redu- ziert, weil schlussendlich unterschiedliche nationale Zahlungsbereit- schaften nivelliert werden. Aus nationaler Perspektive ist es hingegen nachvollziehbar, dass kein Land wesentlich mehr für das gleiche Produkt zahlen möchte als das Nachbarland. Sollte der Preisverfall so stark sein, dass kein westeuropäischer Hersteller rentabel arbeiten kann, würden sich im Markt eben günstigere Hersteller etablieren – mit den oft dis- kutierten Folgen auf die Qualität der Produkte. Der vorliegende Artikel ist aus einem Praxisprojekt mit der Wörwag Pharma GmbH und dem Studiengang Gesundheitsmanagement der Hoch- schule Aalen entstanden. Welchen praktischen Sinn machen derartige Kooperationen für Hochschule wie Industrie? Fetzer: Aus der Perspektive einer Hochschule für angewandte Wis- senschaften ist es enorm wichtig, dass die Studierenden (bereits im 4. und 5. Semester ihres Bachelorstudiums) mit Firmen in Kontakt treten, um zu über- prüfen, ob ihr theoretischer Werkzeug- koffer auch für praktische Fragestel- lungen benutzbar ist. Zudem reifen die Studierenden durch den Austausch mit Personen aus der Praxis tatsächlich sehr schnell in ihrer Persönlichkeit. Moll: Durch die Anwendung des erlernten theoretischen Wissens in der tatsächlich herrschenden Praxis lernten wir Grundsätze zu hinterfra- gen und durch detaillierte Analysen und Vergleiche eigene Schlüsse zu ziehen. Heute profitieren wir alle beim Einstieg in das Berufsleben von den wichtigen Erfahrungen, die wir im Zuge des Projektes ge- sammelt haben. Frzonová: Aus Sicht von Wörwag Pharma hat sich die Zusammen- arbeit mit der Hochschule und den Studenten sehr gelohnt, da das Ergebnis nicht nur mehr Transparenz, sondern auch wichtige Ansatz- punkte für zukünftige Marktstrategien hervorgebracht hat. << << Sollte der Preisverfall so stark sein, dass kein westeuropäischer Hersteller rentabel arbeiten kann, würden sich im Markt eben günstigere Hersteller etablieren – mit den oft diskutierten Folgen auf die Qualität der Produkte.. >> Prof. Dr. Stefan Fetzer

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