Lebensraum SchuleAusgewählte Beispiele zur Entwicklung der LernumgebungKlassenzimmer in Tirol ab 1945Bachelorarbeitzur Erl...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 2AbstractIm Rahmen meiner Bachelorarbeit beschäftigte i...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 3InhaltsverzeichnisAbbildungsverzeichnis..................
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 44.3 Neue Mittelschule Absam .............................
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Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 6Abbildung 24:Schaukelstuhl (Quelle: privat) .............
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 7Vorwort1.1 Persönlicher Zugang zum ThemaAngeregt durch...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 8Diese Fakten haben mich zum Nachdenken veranlasst und ...
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Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 20eine Lärmbelästigung durch Herumgehen zu vermeiden. (...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 21werden sie dunkler. Die Farbe ist dadurch nicht mehr ...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 22Weiß, Schwarz und Grau sind keine bunten Farbtöne; da...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 23Tabelle 2: Farbwirkung im Raum (Nüchterlein & Richter...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 24der Gemeinschaft sowie an etwas aktiv mitgewirkt zu h...
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Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 27Begriff „praktisch“ fallen z. B. die Schranktüren. Hi...
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Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 31Das staatliche Schulwesen in Österreich geht auf Mari...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 32Klassenzüge unterteilt war, ersetzt. Diese Schulform ...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 33Mit diesem umfassenden Schulgesetz wurde unter andere...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 34telschule verändern, früher fungierte der/die LehrerI...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 35bzw. 65 cm zur Verfügung. Wegen dieser geringen Breit...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 36aufkommen. An die rasche und lebendige Entwicklung de...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 37neuen Nachkriegsschulen sollten einen wesentlich größ...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 38Abbildung 3: Freiluftschule Floridsdorf 1963 (Quelle:...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 39gogen, nach geräumigeren Klassen nach. (Vgl.http://ww...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 40Abbildung 5: Konzept einer Wohnraumschule 1953 (Quell...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 41In den 1960er-Jahren bekommt Österreich Inspiration a...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 42Ab 1773 ist aufgrund der hohen Energiekosten ein Rück...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 434 Forschungsteil4.1 Methodologisches KonzeptUm festzu...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 44nen, d. h. sie müssen nicht aus bereits vorher festge...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 45schriftliche Befragung bei Jugendlichen ist sehr komp...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 46Dieser Fragebogen soll helfen, das Klassenzimmer so z...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 473. Findest du dein Klassenzimmer groß genug?Ja Nein4....
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 487. Was fehlt dir in deinem Klassenzimmer, um dich woh...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 498. Stell dir vor, du bist ein Architekt. Du hast nun ...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 50Neben meiner Erhebungsmethode möchte ich auch einen g...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 51zese Salzburg stellte einen passenden Grund zur Verfü...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 52Stellen Salzburgs, ohne die der Bau des Schulhauses n...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 53damaligen Zeit üblich war, kommt noch hinzu, dass es ...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 54Die permanent steigende Schülerzahl machte einen Neub...
Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 55Abbildung 9: Klassenraum im Hauptschulgebäude im Jahr...
Lebensraum Schule - von LIsa Haller
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  1. 1. Lebensraum SchuleAusgewählte Beispiele zur Entwicklung der LernumgebungKlassenzimmer in Tirol ab 1945Bachelorarbeitzur Erlangung des Lehramtes für Hauptschulen und NeueMittelschulenvorgelegt vonLisa Halleram 22. März 2013an der Pädagogischen Hochschule TirolEingereicht bei: Prof. Dr. Mag. Peter KirschnerProf. Dr. Mag. Elisabeth Fintl
  2. 2. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 2AbstractIm Rahmen meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich mit der zentralen Fra-gestellung, wie zufrieden Tiroler SchülerInnen mit ihren Klassenräumen sindund wie sich dieser (Lebens)raum im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Dar-über hinaus informierte ich mich über den aktuellen Stand der Forschung hin-sichtlich der Architekturpsychologie und arbeitete dies in den theoretischen Teilmeiner Arbeit ein. Neben den neuesten Erkenntnissen werden auch hilfreicheTipps zur lernfreundlichen Umgestaltung des Klassenzimmers angeführt. ImAnschluss daran, gehe ich auf die geschichtliche Entwicklung der Hauptschuleund des Klassenzimmers ein. Weiters behandelte ich die Thematik der architek-tonischen Entwicklung des Schulbaus hinsichtlich des vorherrschenden Zeit-geistes. Im Forschungsteil ist ein historischer Abriss eingearbeitet. Anhand vonzwei Tiroler Neuen Mittelschulen versuchte ich durch vorhandene Schulunterla-gen die Chronik der jeweiligen Schule aufzuarbeiten. Um den aktuellen Standder Zufriedenheit an diesen Schulen zu erheben, wählte ich eine quantitativeMethode und entschied mich dabei für den Fragebogen. Im Rahmen meinerUntersuchung stellte ich fest, dass der Großteil der SchülerInnen mit Gestaltungund Ausstattung der Klassenzimmer zufrieden sind. Geringfügige Verbesse-rungsvorschläge wurden von den SchülerInnen hauptsächlich in RichtungFarbgebung der Wände sowie Schaffung von Ruhezonen genannt. Bemer-kenswert in diesem Kontext ist, dass sich diese Vorschläge im Wesentlichen mitden neusten Erkenntnissen der Architekturpsychologie decken.
  3. 3. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 3InhaltsverzeichnisAbbildungsverzeichnis.....................................................................................5Tabellenverzeichnis ..........................................................................................6Vorwort ..............................................................................................................71.1 Persönlicher Zugang zum Thema .............................................................71.2 Ziele und Erwartungen..............................................................................92 Theoretischer Hintergrund...................................................................112.1 Architekturpsychologie............................................................................112.1.1 Anfänge der Architekturpsychologie........................................................112.1.2 Nähere Begriffserklärung ........................................................................112.2 Größe und Form der Unterrichtsräume...................................................152.3 Boden......................................................................................................192.4 Farbe.......................................................................................................202.5 Möblierung ..............................................................................................242.5.1 Stühle......................................................................................................242.5.2 Tische .....................................................................................................252.5.3 Schrank...................................................................................................262.6 Licht ........................................................................................................273 Geschichtliche Entwicklung ................................................................303.1 Schulentwicklung: Vom Beginn der Hauptschule bis hin zur NeuenMittelschule.............................................................................................303.2 Der Klassenraum früher..........................................................................343.2.1 Größe der Klassenräume & Raumausstattung .......................................343.2.2 Architektonische Entwicklung des Schulbaus in Österreich....................354 Forschungsteil ......................................................................................434.1 Methodologisches Konzept.....................................................................43......................................................................464.2 Neue Mittelschule Mayrhofen..................................................................504.2.1 Geschichtliches.......................................................................................504.2.2 Untersuchung..........................................................................................574.2.3 Fazit ........................................................................................................70
  4. 4. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 44.3 Neue Mittelschule Absam .......................................................................724.3.1 Geschichtliches.......................................................................................724.3.2 Untersuchung..........................................................................................794.3.3 Fazit ........................................................................................................934.4 Resümee.................................................................................................964.4.1 Geschichtliche Aufarbeitung ...................................................................964.4.2 Untersuchung........................................................................................1015 Literaturverzeichnis............................................................................1035.1 Internetquellen ......................................................................................1056 Eidesstattliche Erklärung...................................................................106
  5. 5. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 5AbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Abriss der Pruitt-Igoe Wohnsiedlung (Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Pruitt-Igoe, 28.12.2012) ...............................14Abbildung 2: Beispiel für rechteckige Klassenzimmer mit unterschiedlichenTischordnungen (Quelle: Brosch, Opp 2010, S. 161) .............................16Abbildung 3: Freiluftschule Floridsdorf 1963 (Quelle:http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012) ............................................................................................38Abbildung 4: Freiluftschlule Floridsdorf 1963 mit geöffneter Faltwand(Quelle:http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012) ............................................................................................38Abbildung 5: Konzept einer Wohnraumschule 1953 (Quelle: Nehrer,Wachberger 1982, S. 34) 40Abbildung 6: Schulklasse von Dir. Hans Oberforcher 1930 bis 1945 (Quelle:Lechner 2009, S. 48) ..............................................................................52Abbildung 7: Schulklasse 1960 bis 1970 (Quelle: Lechner 2009, S. 49)...........53Abbildung 8: Klassenraum im Hauptschulgebäude im Jahr 2006 (Quelle:Fotoarchiv NMS Mayrhofen)...................................................................54Abbildung 9: Klassenraum im Hauptschulgebäude im Jahr 2006 (Quelle:Fotoarchiv NMS Mayrhofen)...................................................................55Abbildung 10: Klassenraum Mayrhofen ............................................................59Abbildung 11: Kastenwand (Quelle: privat) .......................................................60Abbildung 12: Klassenraum Mayrhofen mit Sicht nach Norden (Quelle:privat)......................................................................................................65Abbildung 13: Klassenzimmer Mayrhofen (Quelle: privat) ................................66Abbildung 14: Schülerzeichnung Mayrhofen 1 (Quelle: Fragebogen)...............68Abbildung 15: Schülerzeichnung Mayrhofen 2 (Quelle: Fragebogen)...............69Abbildung 16: Schuleröffnung 29. September 1950 – links der Zubau zurbestehenden Volksschule (Quelle: Chronik Hauptschule Absam)..........73Abbildung 17: Mädchenklasse 1953 (Quelle: Fotoarchiv NMS Absam) ............74Abbildung 18: Bau der Hauptschule Absam (Quelle: Chronik HauptschuleAbsam, o.S.)...........................................................................................75Abbildung 19: Fertigstellung des Neubaus (Quelle: Bezirksblatt Innsbruck-Land 1971, S. 8).....................................................................................76Abbildung 20: Zubauarbeiten der Hauptschule Absam (Quelle: ChronikHauptschule Absam) ..............................................................................77Abbildung 21: Hauptschule Absam im Jahr 1990 (Quelle: ChronikHauptschule Absam) ..............................................................................78Abbildung 22: Klassenzimmer aus dem Jahr 1990 (Quelle: ChronikHauptschule Absam) ..............................................................................78Abbildung 23: Klassenraum ..............................................................................82
  6. 6. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 6Abbildung 24:Schaukelstuhl (Quelle: privat) .....................................................84Abbildung 25: Schülerzeichnung Absam 1 (Quelle: Fragebogen).....................91Abbildung 26: Schülerzeichnung Absam 2 (Quelle: Fragebogen).....................92Abbildung 27: 1930 – 1945 (Quelle: Schulchronik Mayrhofen, S. 48)...............97Abbildung 28: 1960 – 1970 (Quelle: Schulchronik Mayrhofen, S. 49)...............97Abbildung 29: 2012 (Quelle: privat)...................................................................98Abbildung 30: Mayrhofen 1930 – 1945 (Quelle: Schulchronik Mayrhofen, S.48) ..........................................................................................................99Abbildung 31: Absam 1953 (Quelle: Fotoarchiv NMS Absam)..........................99Abbildung 32: Mayrhofen 2012 (Quelle: privat)...............................................100Abbildung 33: Absam 2013 (Quelle: privat).....................................................100TabellenverzeichnisTabelle 1: Die zwei menschlichen Verhaltensperspektiven (Quelle: Richter2004, S. 20)............................................................................................13Tabelle 2: Farbwirkung im Raum (Nüchterlein & Richter 2008, zit. nachReisecker 2010, S. 27f) ..........................................................................23Tabelle 3: Daten zur Entwicklung des Schulwesens (Quelle: Loicht,Leinwather 1882, S.12)...........................................................................32
  7. 7. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 7Vorwort1.1 Persönlicher Zugang zum ThemaAngeregt durch mein großes Interesse an (Innen-)Architektur, habe ich michdazu entschlossen, jenen Raum näher zu betrachten, in dem sich SchülerInnenund auch LehrerInnen einen Großteil ihrer Zeit aufhalten: das Klassenzimmer.Meine Begeisterung für Architektur wurde wohl in meiner schulischen Vorbil-dung an der Höheren Technischen Lehranstalt für Hochbau geweckt. Durchzahlreiche Exkursionen in Architekturhauptstädte wie Berlin und Barcelonawurde mein Auge für Architektur geschult. Da ich jedoch im letzten Jahr meinerSchulzeit an der Höheren Technischen Lehranstalt für Hochbau gemerkt habe,dass meine Leidenschaft nicht im Plänezeichnen, sondern im Unterrichtenselbst liegt, wagte ich den Start an der Pädagogischen Hochschule. So steheich nun kurz vor meinen Abschluss und will mein „Hobby“, die Architektur, nunmit meiner Abschlussarbeit in Verbindung bringen. Aus diesem Grund setzte iches mir zur Aufgabe, das Klassenzimmer, im Sinne der Architekturpsychologie,näher zu betrachten.Ein Klassenraum ist viel mehr als ein Raum zum Unterrichten und Lernen, erwird zu einem Lebensraum für die Betroffenen. Laut Forster (2000) ergebensich im Laufe von zwölf Schuljahren rund 15.000 Stunden, in denen Kinder, ineinem wichtigen Abschnitt ihrer Entwicklung, ihre Zeit im Schulhaus verbringen.Ein Großteil des menschlichen Erlebens und Verhaltens wird daher in einemGebäude geprägt. Nicht umsonst wird das Klassenzimmer auch der dritte Pä-dagoge genannt. Diese Tatsache gab sowohl den Psychologen als auch denArchitekten zu denken und so etablierte sich in den letzten Jahrzehnten dieWissenschaft der Architekturpsychologie. Heutzutage beweisen Noack (1997),Forster (2000) und Rogger (2007), dass zahlreiche Aspekte des schulischenLebens durch die Gestaltung eines Klassenzimmers sowohl positiv als auchnegativ beeinflusst werden können.
  8. 8. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 8Diese Fakten haben mich zum Nachdenken veranlasst und in weiterer Folgedie Neugierde in mir geweckt. Daher möchte ich im theoretischen Teil der Ba-chelorarbeit einerseits die Geschichte der Architekturpsychologie sowie ande-rerseits jene Faktoren ergründen, welche die Atmosphäre in einem Klassen-zimmer mitbestimmen. Dabei wird der aktuelle Forschungsstand beschriebenund auf Optimierungsvorschläge im Schulklassenbau bzw. auf Tipps und Tricksfür die positive Umgestaltung eines Klassenraumes eingegangen. Diese Ver-besserungsvorschläge sollen nicht nur Ratschläge für LehrerInnen sein, sie sol-len ebenso Denkanstöße darstellen und Mut bewirken, die Klassenraumsituati-on positiv zu verändern. In erster Linie muss der Klassenvorstand die Initiativeergreifen und mit seinen Schützlingen gemeinsam das Projekt Klassenrau-mumgestaltung starten. Ich glaube, alle SchülerInnen würden sich darüberfreuen und mit neuer Motivation ans Lernen herangehen.Im zweiten Teil wird auf die geschichtliche Entwicklung ausgewählter NeuenMittelschulen eingegangen. Besonders dieser Teil meiner Arbeit erwies sich alssehr schwierig, denn viele Schulen, an die ich mich wand, waren im Laufe desSemesters mit sehr viel Arbeit überhäuft und fanden nicht die Zeit, mich beidem zeitaufwendigen Vorhaben, die Schulchronik aufzuarbeiten, zu unterstüt-zen. Ich war sehr froh darüber, dass sich zwei Schulen dennoch dazu bereiterklärt haben und mit mir kooperierten. Beide Schulen blicken auf eine langeVergangenheit zurück, welche ich versuche, mit einigen verbliebenen Chroni-ken und Bildern aufzuarbeiten. Es soll aufgezeigt werden, ob bzw. wie viel sichin den vergangen Jahren in diesem Bereich der Umgestaltung, in Bezug auf dieArchitekturpsychologie, verändert hat.Im Anschluss daran möchte ich herausfinden, wie zufrieden die Tiroler Schüle-rInnen mit ihren Klassenzimmern sind. Dieses Vorhaben klingt einfach, beinhal-tet jedoch so viel. Wenn ich an mich selbst denke, weiß ich, dass ich in meinemArbeitszimmer am besten lernen kann. Es liegt an der Ruhe, die dieser Raumausstrahlt. Und ich denke mir, dass jeder Mensch einen solchen Platz hat oderhaben sollte. Deswegen ist es mir ein Anliegen, die verschiedenen Faktoren,welche einen Raum zu einer guten Lernumgebung machen, im methodischenTeil meiner Arbeit zu ergründen. Zahlreiche Fragen schossen mir durch denKopf, welche mit dem einfachen Adjektiv „zufrieden“ in Verbindung stehen, eini-
  9. 9. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 9ge davon lauteten folgendermaßen: Was hilft den SchülerInnen beim Lernen?Fühlen sie sich an ihren Arbeitsplätzen wohl? Worauf könnten die Lernenden inihrem Klassenzimmer auf keinen Fall verzichten? Was würden sie verändern?Diese Fragen und weitere möchte ich den SchülerInnen stellen und eruieren, obsich realistische Gemeinsamkeiten finden lassen, um das Klassenzimmer nachdiesen Vorstellungen und Bedürfnissen umzugestalten.Parallel dazu erfolgt eine kritische Betrachtung zweier Hauptschulen in Hinblickauf die architekturpsychologischen Aspekte. Dabei versuche ich, die Räume mitden Gestaltungstipps der Profis zu vergleichen und ein Fazit daraus zu ziehen.An dieser Stelle möchte ich mich bei all jenen Personen bedanken, die am Ge-lingen dieser Arbeit beteiligt waren:Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, besonders meinen Eltern, Margit undWalter Haller, die mich in meiner gesamten schulischen Laufbahn unterstützthaben.Bedanken möchte ich mich bei meinen zwei Betreuern Herrn Prof. Dr. Mag.Kirschner Peter und Prof. Dr. Mag. Fintl Elisabeth, die als ständige Ansprech-partner meine Arbeit betreut haben.Auch danke ich den Direktoren der Neuen Mittelschulen, welche mir Chronikenund Bildmaterial zur Verfügung stellten, und natürlich bei den SchülerInnen,welche meinen Fragebogen gewissenhaft ausfüllten.1.2 Ziele und ErwartungenDa räumliche Bedingungen meines Erachtens oft sekundär betrachtet werden,möchte ich sie zum Mittelpunkt meiner Arbeit machen. Mich fasziniert die Tat-sache, dass viele bedeutende Aspekte von der Gestaltung eines Raumes ab-hängen. Zunächst möchte ich den neuesten Stand der Wissenschaft erheben,da dieser nützliche Gestaltungstipps und Anweisungen liefert, um das Klassen-zimmer zu einem Lebensraum zu machen, in dem sich alle Akteure wohlfühlen.Diese Informationen sollen sowohl LehrerInnen als auch SchulleiterInnen eineOrientierungshilfe geben, um aus ihren Räumen das Beste herauszuholen.
  10. 10. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 10Eines meiner weiteren Ziele besteht darin, die geschichtliche Entwicklung vonzwei Neuen Mittelschulen aufzuarbeiten, um dadurch die Veränderung im Laufeder Zeit zu illustrieren. Auch die Umgestaltung in Hinsicht auf die geschichtlicheEntwicklung der Klassenräume soll bei dieser Aufarbeitung ihren Platz finden.Dies soll aufzeigen, wie viel sich in den letzten Jahren in der Architekturpsycho-logie weiterentwickelt hat.Neben diesem Aspekt bin ich bestrebt, den derzeitigen Stand der Zufriedenheitan zwei ausgewählten Tiroler Neuen Mittelschulen festzustellen. Anhand vonden Bedürfnissen und Wünschen der SchülerInnen sollen Anregungen für Ver-änderungen geliefert werden. Mein Bestreben liegt darin, unseren häufig einge-schränkten Vorstellungen von Klassenräumen neue Dimensionen zu verleihen.Mein Ziel ist es, anhand der Auswertung meiner Fragebögen Gemeinsamkeitenzu finden und dadurch Anregungen zur Verbesserung des Klassenklimas zugeben. Ich möchte versuchen, die Klasse zu einem (Lebens-)Raum zu machen,in dem sich sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen wohlfühlen und optimaleBedingungen für schulische Interaktionen vorherrschen.
  11. 11. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 112 Theoretischer Hintergrund2.1 Architekturpsychologie2.1.1 Anfänge der Architekturpsychologie„Ist es ein großer Raum, in dem Sie sich gerade befinden, oder ist er klein undbedrängend? Schauen Sie sich doch einmal um: Was umgibt Sie genau jetzt, indiesem Moment? Fühlen Sie sich wohl in dieser Umgebung, weswegen Siegenau diese gewählt haben, um jetzt zu lesen? Vermittelt der Raum oder dieseUmgebung Ihnen ein Gefühl der Ruhe? Hat dieser Raum vielleicht sogar einebesondere Funktion? Mögen sie die Farben von denen Sie gerade umgebensind?“ (Strecker 2009, S. 22)Genau diese Fragen versucht der noch junge Bereich der Psychologie, dieArchitekturpsychologie, zu beantworten. Die Architekturpsychologie möchteAntworten auf die Frage finden, welche Wirkung der gebaute Raum auf diemenschliche Psyche hat. (Vgl. Strecker 2009, S. 22)Es beginnt Anfang der 60er-Jahre in den USA, als sich Psychologenzusammenschließen, um herauszufinden, wie eine psychiatrische Anstaltarchitektonisch gebaut sein muss, damit die Räumlichkeiten für dietherapeutischen Arbeiten von Vorteil ist. (Vgl. Strecker 2009, S. 22)Bereits kurze Zeit später wurde der Versuch unternommen, den Einfluss vonRäumen, Gebäuden oder auch Landschaften auf die menschliche Psyche zuergründen. So rückte das vom Menschen erschaffene Lebensumfeld, dieArchitektur, zunehmend in den Fokus der Psychologie – und damit war derStartschuss für die Architekturpsychologie gesetzt. (Vgl. Strecker 2009, S. 22)2.1.2 Nähere BegriffserklärungStrecker (2009) versuchte mit ihren zahlreichen Fragen, zu denen die Architek-turpsychologie Antworten geben möchte, eine Begriffserklärung zu finden. Um
  12. 12. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 12diesen Begriff und deren Aufgaben näher zu erläutern, werde ich auf Richter(2004) zurückgreifen.„In einem ersten Schritt kann Architekturpsychologie (…) als Lehre vom Erlebenund Verhalten des Menschen in gebauten Umwelten definiert werden.“ (Richter2004, S. 19)Diese Erklärung ist ein Anfang, um den Begriff „Architekturpsychologie“ näherzu beschreiben, allerdings ist es nun auch notwendig, die Bestimmungsaspektedieser Definition zu spezifizieren.Das Erleben der gebauten Umwelt weist viele Facetten auf: Es treten dabeiverschiedene Empfindungen, Wahrnehmungen über Bedeutung und Gefühlebis zu ästhetischen Urteilen auf. Dieses Erleben ist keineswegs lediglich be-wusster Natur, diese psychischen Reaktionen auf bestimmte Architektur enthal-ten ebenso teilbewusste sowie unbewusste Modulationen biologischer und so-zialer Prozesse. (Vgl. Richter 2004, S. 19)Das Verhalten muss aus zwei Perspektiven betrachtet werden: Auf der einenSeite steht nämlich der Mensch als aktiver Gestalter von der gebauten Umwelt,auf der anderen Seite befindet sich der Mensch als ein Nutzer einer vorgefun-den gebauten Umwelt.
  13. 13. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 13Menschliches Verhalten in Bezug auf Architektur/gebaute UmweltGestalter NutzerMensch ist Gestalter von gebauterUmwelt in seiner Rolle als Architekt,Bauherr, RaumentwicklerMensch ist Nutzer von gebauter Um-welt in seiner Rolle als Mieter, Besu-cher von öffentlichen Gebäuden etc.auf Architektur gerichtetes proaktivesVerhaltenvon Architektur gerichtetes abhängi-ges reaktives VerhaltenDies entspricht der Perspektive desbewussten, auf die Umwelt von Ge-staltungszielen ausgerichteten Han-delnsDies entspricht der Perspektive desteilbewussten gewohnheitsmäßigenAlltagsverhaltensTabelle 1: Die zwei menschlichen Verhaltensperspektiven (Quelle: Richter2004, S. 20)Diese Tabelle soll aufzeigen, dass der Gestalter in den meisten Fällen zielge-richtet baut, während der Nutzer die gebaute Umwelt so hinnehmen muss, wiesie eben ist.Deshalb ist es wichtig, dass die Planung und Gestaltung von Gebäuden nichtnur dem Architekten überlassen wird, sondern auch nach nutzerorientierten Be-dürfnissen vorgenommen wird. (Vgl. Eisenkolb, Richter 2004, S. 301)Mit dem folgenden Beispiel soll aufgezeigt werden, wie essenziell eine nut-zungsorientierte Planung und Gestaltung von Gebäuden ist:In St. Louis, USA, wurde im Jahr 1955 eine Wohnsiedlung fertiggestellt. DieseAnlage mit ihren rund 2.800 Wohnungen wurde am Rande der Innenstadt er-richtet und sollte die Wohnsituation für ärmere Familien verbessern. Betreffen-des Projekt wurde mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet, deswegenwar man verwundert, als die Belegungsquote innerhalb weniger Jahre rapidabsank. (Vgl. Eisenkolb, Richter 2004, S. 301)
  14. 14. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 14Die Bewohner klagten über eine erhebliche Missplanung, Spielplätze undgrundlegende soziale Infrastrukturen wurden erst aufgrund von Bürgerinitiativender Einwohner geschaffen. Außerdem richtete sich die Kritik an den ArchitektenYamasaki, welcher entschied, dass die Fahrstühle lediglich in jedem drittenStockwerk halten sollen. Damit wollte er erreichen, dass die Bewohner dasTreppenhaus nützen und infolgedessen nachbarschaftliche Beziehungen ent-stehen. Die Grundidee der Bildung von sozialen Kontakten hinter Yamasakis„Fahrstuhlkonzept“ ist gut, allerdings scheiterte es an der Umsetzung. Da ineiner Wohnsiedlung verschiedene Altersklassen und auch vielleicht Menschenmit körperlichen Einschränkungen leben, ist ein Fahrstuhl in jedem Stockwerkunbedingt notwendig. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Pruitt-Igoe, 28.12.2012)Da man diese Planungsfehler nicht mehr korrigieren konnte und der Großteilder leer stehenden Anlage ein Nährboden für Vandalismus war, sah man sichdazu gezwungen, die gesamte Wohnanlage in den 70er-Jahren abzureißen.(Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Pruitt-Igoe, 28.12.2012)Abbildung 1: Abriss der Pruitt-Igoe Wohnsiedlung (Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Pruitt-Igoe, 28.12.2012)Dieses (im wahrsten Sinne) gescheiterte Projekt zeigt auf, wie wichtig es ist,dass der Gestalter und der Nutzer und deren Bedürfnisse zusammenarbeitenbzw. harmonieren müssen.
  15. 15. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 15Aus diesem Grund möchte ich nun in den folgenden Kapiteln auf den(Lebens-)Raum der Jugendlichen in der Schule eingehen, um aufzuzeigen,welche Maßnahmen vorherrschen müssen bzw. getroffen werden können, umden Schulalltag in einem Klassenzimmer positiv zu beeinflussen.2.2 Größe und Form der UnterrichtsräumeWie bereits erwähnt, verbringen sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen imLaufe von zwölf Schuljahren 15.000 Stunden in ihren Klassenräumen. Deshalbist es wichtig, dass die Schule den Kindern das Gefühl eines zweiten Zuhausesvermittelt. Damit ist gemeint, dass das Klassenzimmer für SchülerInnen Sicher-heit, Geborgenheit, aber auch eine Rückzugsmöglichkeit bietet. Obwohl derKlassenraum bzw. das Schulgebäude ein Ort des öffentlichen Lebens ist, musser ansprechend sowie interessant gestaltet werden. Alle Akteure des Schulle-bens sollten sich darin wohlfühlen können. Deswegen beschäftigen sich zu-nehmend mehr Forscher, im Sinne der Architekturpsychologie, mit Optimierun-gen im Bereich der Schulgebäude.Unter anderem spielt dabei ebenso die Größe des Schulraumes eine Rolle.Diese Entscheidung bei der Planung eines Schulgebäudes wird seit dem 19.Jahrhundert durch staatliche Verordnungen geregelt. In Österreich gibt es keinefesten Vorschriften zur Größe eines Klassenzimmers, jedoch muss je nach An-zahl der SchülerInnen eine variable Klassengröße ermittelt werden. Dieses Maßergibt sich aus den Tischmaßen, den vorgegebenen Freiluftabständen zwi-schen den Tischen und den verschiedenen Abständen zu Tafel und Wänden.Überschlagsweise wird deswegen meist mit einer Grundfläche von 2m² proSchülerIn und ein Luftraum von 6m³ pro SchülerIn gerechnet. Diese 2m² proSchülerIn sollten SchülerInnen und LehrerInnen, für die nächsten vier Jahre einzweites Zuhause bieten. (Vgl. Österreichisches Institut für Schul- und Sportstät-tenbau 1999, S. 3f)Die Schule als ein Ort der Kommunikation, des Lernens und Spielens soll aberauch eine Rückzugsmöglichkeit offerieren. Dies ist nicht nur für Erwachsenevon großer Bedeutung, auch SchülerInnen benötigen einen Raum oder eineEcke, in der sie sich unbeobachtet fühlen.
  16. 16. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 16Daher ist es wichtig, dass man sich entweder bei der Gebäudepla-nung/Raumplanung oder im Nachhinein Gedanken darüber macht, wie manRückzugsmöglichkeiten schaffen kann. (Vgl. Rogger 2007, S. 131f)Aus diesem Grund wird im nächsten Absatz aufgezeigt, welche Raumformensich im Zusammenhang damit als günstig erweisen und wie man andere durchentsprechende Raumelemente gestalten kann.Als besonders geeignete Raumformen bieten sich regelmäßige Polygone (Viel-ecke), ab dem gleichseitigen Viereck, an. Ein Polygon hat die Eigenschaft, dassalle Seiten und alle Winkel gleich groß sind. Der Vorteil an polygonalen Räu-men ist, dass sie eine vielseitige Möblierung zulassen. Das bedeutet, dass sichSchülertische sowohl in Reihen, Gruppen, im Halbkreis, zum Quadrat oder imKreis ohne weitere Schwierigkeiten aufstellen lassen. Der Vorteil gegenüberrechteckigen Klassenräumen liegt darin, dass sich weder der Blickwinkel fürSchülerInnen aufgrund der Sitzordnung verschlechtert, noch, dass sich Lehr-personen in irgendeiner Hinsicht eingeschränkt fühlen müssen. Diese Vorteilegegenüber einem rechteckigen Klassenzimmers möchte ich anhand eines Bei-spiels verdeutlichen. (Vgl. Noack 1996, S. 70)Abbildung 2: Beispiel für rechteckige Klassenzimmer mit unterschiedlichenTischordnungen (Quelle: Brosch, Opp 2010, S. 161)
  17. 17. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 17Beispiel für polygonale Klassenzimmer mit unterschiedlichen Tischordnungen(Quelle: Brosch, Opp 2010, S. 155)Ein rechteckiges Klassenzimmer ist laut Noack nicht so wandelbar wie ein poly-gonaler Raum. Da eine Seite des Schulraumes mit Fenstern versehen seinmuss, lässt diese nicht mehr viele Möblierungsvariationen zu, besonders wenndie Fensterfront an einer der kürzeren Seiten des rechteckigen Klassenraumesihren Platz findet. Dies hat zur Folge, dass die Tafel an einer der längeren Sei-ten angebracht werden muss, um den Sehwinkel für alle SchülerInnen zu ge-währleisten. Wenn mit den Schülertischen entlang der Außenkanten des Grund-risses eine U-Form gebildet wird, erschwert dies den Blickkontakt zwischenSchülerInnen und LehrerInnen. Die Lehrperson müsste permanent den Kopf
  18. 18. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 18stark drehen, um alle SchülerInnen zu sehen. Neben dieser für eine Lehrpersonunangenehmen Tatsache, sehen jene SchülerInnen, welche am offenen Endedes Hufeisens sitzen, die Tafel aus einem verzerrten Blickwinkel. Auch wennman die Schülertische so anordnet, dass alle SchülerInnen ziemlich mittig vorder Tafel sitzen und dadurch einen akzeptablen Blickwinkel erhalten, gibt es fürdie Lehrperson gewisse Einschränkungen. Erklärt eine Lehrperson einen Sach-verhalt vor der Tafel, steht sie unangenehm nah vor den sitzenden Schülern derersten Reihe. Aus diesem Grund sollte während der Planung bereits darauf ge-achtet werden, dass rechteckige Klassenzimmer die Fensterfront an der Längs-seite haben. (Vgl. Noack 1996, S. 70f)Dieses Beispiel hat uns deutlich die Nachteile eines rechteckigen Klassenzim-mers gezeigt. Aber natürlich muss die Anzahl der Ecken auf die Größe desRaumes abgestimmt werden. Überdies kommt hinzu, dass fünf- oder mehrecki-ge Räume bessere Möglichkeiten für die Schaffung eines pädagogisch wertvol-len Raumes bieten, allerdings auch teurer und schwieriger zu bauen sind unddaher lediglich von wenigen Schulträgern erwogen werden. Dasselbe gilt fürrunde und bogenförmige Räume: Neben der Tatsache, dass sie teurer undaufwendiger in der Bauphase sind, kommt noch hinzu, dass solche Klassen-räume nicht mit den Standardmöbeln ausgestattet werden können. Weder einenormale Wandtafel könnte angebracht werden, noch die rechteckigen Möbel,wie Tische oder Schränke, würden den Raum optimal ausnützen. Aufgrund derbogenförmigen Wand bleibt ein Leerraum zwischen dem Möbelstück und derWand. Dies wiederum erzeugt einen unordentlichen Eindruck. Da nur ähnlicheFormen miteinander gut harmonieren, muss man entweder viel Kapital investie-ren oder sich auf eine andere Grundrissform einigen. (Vgl. Noack 1996, S. 71)Mit Rücksicht auf das Preis-Leistungsverhältnis stellt ein quadratisches Zimmerwohl die beste Alternative dar, um gute Lernvoraussetzungen zu schaffen.Laut Rogger müssen zukünftige Lernlandschaften drei Möglichkeiten vonRaumkonstellationen zur Verfügung stellen: Einerseits benötigt jeder Schülereinen eigenen Arbeitsplatz. Dieser Arbeitsplatz soll etwas Persönliches habenund Rückzug ermöglichen. Zudem benötigt es ebenso Platz für Partner- undTeamarbeiten. Der dritte und entscheidende Punkt ist der Platz für Versamm-lungen, an denen alle Schüler teilnehmen können.
  19. 19. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 19Um diese drei Bereiche bzw. Aspekte vereinen zu können, werden multifunktio-nale und flexible Klassenzimmer benötigt. Perfekt für diese Anforderungen istdie zuvor genannte fünf-seitige Raumform oder – wenn möglich – ein angren-zender Raum, den man mitnützen kann. Sollte dies nicht der Fall sein, lassensich diese Bereiche auch mit etwas Kreativität selbst erstellen, indem man dieMöblierung als Raumteiler einsetzt: Dafür eignen sich beispielsweise mobileSchränke mit beidseitig nutzbaren Regalen, dadurch kann man eine intime Le-seecke oder einen Versammlungsbereich erschaffen. Eine weitere Möglichkeitwäre ein Podest, welches sich durch seinen Höhenunterschied von der Klasseabgrenzt und somit einen selbständigen Bereich bildet und individuell genütztwerden kann. (Vgl. Rogger 2007, S. 132f)Auch Watschinger ist der Meinung, dass der „alte Klassenraum“, so wie wir ihnkennen, nicht mehr den Anforderungen der Zukunft entspricht. Zusätzlich zumFrontalunterricht öffnen sich immer wieder neue Türen und kündigen neueLehr- und Lernmethoden an, wie z. B. Gruppen- und Einzelarbeiten, Freiarbei-ten, Projektunterricht und seit Neuestem gewinnen auch Gesprächskreise zu-nehmend an Bedeutung. Die Herausforderung an die Architektur besteht darin,Räume zur Verfügung zu stellen, die vielfältige Lernlandschaften bieten, Schü-lerInnen zum Forschen anregen. Der Klassenraum muss folglich für mehrereverschiedene Situationen des Schulalltags ausgelegt sein: Einerseits sollte erPlatz für Frontalunterricht, Gruppen- und Einzelarbeiten, andererseits ebensonoch genügend Platz für Lernmaterialien bieten. Watschinger ist der Meinung,dass der Raum der Zukunft aus flexiblen Elementen bestehen muss, die vonSchülerInnen bzw. Lehrpersonen mit wenig Aufwand zu Nischen, Arbeitsplät-zen, Plätze für Gesprächskreise umfunktioniert werden können. (Vgl. Watschin-ger 2007, S. 33)2.3 BodenAuch die Art bzw. Beschaffenheit des Bodens muss in einem Klassenraum be-rücksichtigt werden. Dieser muss unempfindlich und leicht zu reinigen sein, so-dass der Bewegungsdrang der SchülerInnen in keinem Fall eingeschränkt wer-den muss, aber vor allem soll er schalldämmende Eigenschaften aufweisen, um
  20. 20. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 20eine Lärmbelästigung durch Herumgehen zu vermeiden. (Vgl. Noack 1996, S.95f)Aus diesen Gründen eignen sich robuste Teppichböden im Klassenzimmer sehrgut. Diese Teppichböden sollten eine graue bzw. braune Tönung aufweisen –diese Farben schlucken „Schmutz“ nämlich viel besser als helle Farben oderPastelltöne, welche einen Raum sofort um einiges schmutziger wirken lassen.Natürlich sollte die Farbwahl des Teppichbodens auch nicht zu dunkel ausfal-len, ansonsten wirkt der Raum düster und man benötigt mehr künstliches bzw.natürliches Licht, um dem entgegenzuwirken. Der Boden soll keineswegs ab-lenken, daher sind lebhafte Muster, starke Hell- Dunkelunterschiede oder kräfti-ge Farben nichts für einen Unterrichtsraum. (Vgl. Noack 1996, S. 101)2.4 FarbeIn diesem Kapitel wird auf die Bedeutung der Farbgestaltung in einem Klassen-raum eingegangen. Laut Walden und Borrelbach kann sich die farbliche Gestal-tung eines Raumes sowohl positiv als auch negativ auf die Lernbereitschaft, dieLernmotivation sowie das Wohlbefinden auswirken. (Vgl. Walden & Borrelbach2009, zit. nach Reisecker S. 25)Deshalb sollte man die Farbauswahl für ein Klassenzimmer nicht leichtfertigvornehmen und außerdem sollte man diese Entscheidung auch nicht den Schü-lernInnen überlassen. Da diese nämlich bevorzugt modische und grelle Farbenaussuchen, welche jedoch bei verschiedenen Personen unterschiedliche visuel-le Empfindungen hervorrufen, ist wohl nur schwer eine Einigung zu erzielen.(Vgl. Walden & Borrelbach 2009, zit. nach Reisecker S. 25)Eine Farbe ist mehrfach charakterisierbar, daher kommt es laut Forster auf dieZusammensetzung der einzelnen Farbanteile an. Eine Farbe hat einen „Wert“(Rot/Blau usw.), eine Helligkeit sowie eine Sättigung. Es kommt folglich auf dieZusammensetzung dieser drei Faktoren an, wie eine Farbe auf die Personenwirkt. (Vgl. Forster 2000, S. 36)Ebenso kann der Sättigungsgrad gemessen werden. Dieser Grad verändertsich durch die Beimengung von weißer bzw. von schwarzer Farbe. Bei Beimen-gung von Weiß werden die Farben heller, durch Beimischung von Schwarz
  21. 21. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 21werden sie dunkler. Die Farbe ist dadurch nicht mehr so intensiv. Z.B.: Ein rei-nes Blau wird zu Himmelblau bzw. Nachtblau. Der Reflexionswert gibt an, wieviel Licht von der Farbe zurückgeworfen wird. Die Farbe mit dem höchsten Re-flexionswert ist Weiß, sie reflektiert das Licht zu 100%, den niedrigsten Reflexi-onswert weist Schwarz mit 0% auf. Entscheidend für die Wahl der Farben imKlassenzimmer ist der Reflexionswert: Wenn ein Raum hauptsächlich durchnatürliches Licht beleuchtet werden soll, muss eine Wandfarbe mit einem hohenReflexionswert gewählt werden. Aus diesem Grund bieten sich hellere Farben,also Farben mit einem hohen Reflexionswert, für die Gestaltung des Klassen-zimmers besser an. (Vgl. Noack 1996, S. 103)Nach Noack werden im folgenden Absatz die Wirkungen der verschiedenenFarben auf den Klassenraum beschrieben.Gelb gilt grundsätzlich als angenehme Farbe. Sie besitzt eine heitere, muntereund strahlende Wirkung. Für Klassenräume ist die Farbe Gelb aber nur zu emp-fehlen, wenn der Sättigungsgrad nicht zu hoch ist. Ansonsten erinnert es an dieSicherheitsfarbe aus dem Straßenverkehr und besonders auf großen Flächenwirkt es unangenehm und aufdringlich. (Vgl. Noack 1996, S. 103)Rot wirkt erregend, lebhaft und warm. Je nach Beimischung von gelben oderblauen Farbtönen wirkt die Farbe Rot aufreizend oder beruhigend. Im Klassen-zimmer sollte die Farbe Rot in Kombination mit Gelb lediglich sparsam ange-wandt werden, da diese Farbe sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und Un-ruhe verursacht. Andererseits sollte diese Farbnuance aber auch nicht völligfehlen, weil sie auf die Schüler anregend wirken kann. Rot in Kombination mitBlautönen sollte indes ganz vermieden werden, da es für einen Klassenraum zuerwachsen und ernst wirkt. (Vgl. Noack 1996, S. 105f)Blau wirkt kühl und zurückhaltend. Die Farbe Blau wirkt sich dementsprechendmit seiner zurückhaltenden Eigenschaft positiv auf die Lernenden aus, da siedie Konzentration fördert. Ähnliche Eigenschaften besitzt die Farbe Grün. Grünergibt sich aus der Mischung der zwei Grundfarben Blau und Gelb. Befindensich diese zwei Farben im Einklang, sodass keine der beiden Farben überwie-gend hervorsticht, fördert Grün im Klassenraum eine gesammelte, leise Atmo-sphäre und wirkt beruhigend. (Vgl. Noack 1996, S. 106)
  22. 22. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 22Weiß, Schwarz und Grau sind keine bunten Farbtöne; da sie leicht als langwei-lig sowie öde empfunden werden können, sollten sie in einem Klassenraumvermieden werden. (Vgl. Noack 1996, S. 106)Neben den Wirkungen der Farbtöne, ergeben sich durch den Blickwinkel desMenschen auch noch unterschiedliche Eigenschaften der jeweiligen Anbringungan Boden, Wand und Decke. Diese Wirkungsweisen werden in folgender Tabel-le angeführt.Farbe Boden Wand Deckegelb beunruhigend, hochhebend,berührungsfremd, flüchtiganregend, erre-gend bis irritie-rendanregend, blick-führend, leuch-tend, leichtorange motorisch, erregend warm, leuchtend,kommunikativanregend bis auf-regend, deckend,leuchtendrot repräsentativ, mächtig,brennend, bewusst machendaggressiv, nahe,lautschwer, beunruhi-gendviolett störend, zögerndmachend,ungewisser Aufforderungs-charakter, etwas Besonde-resherabstimmend,magischbedrückend, ver-unsicherndhellblau enthebend, glatt, verfrem-dendfern, ermutigend,vertiefendgeistig, hegend,traumbildend,himmelartig, erhö-hend, wenig greif-bar
  23. 23. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 23Tabelle 2: Farbwirkung im Raum (Nüchterlein & Richter 2008, zit. nach Reis-ecker 2010, S. 27f)Neben den Eigenschaften einer Farbe, sollte natürlich ebenso die Kombinationverschiedener Farbtöne stimmig sein. Der richtige Umgang mit den passendenFarbkombinationen wird folgendem Absatz beschrieben.Für Schulräume unpassend sind zu starke Hell-Dunkel-Kontraste. Man solltesie vermeiden, da sie zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und außerdemdas Auge ermüden. (Vgl. Noack 1996, S. 103)Beim Ausmalen eines Klassenraums sollte man, wenn nötig, ebenso auf opti-sche Tricks zurückgreifen. Wenn man einen schmalen Raum hat, sollte man ihndurch blau-grüne Farbtöne optisch weiten. Wesentlich dabei ist, dass soge-nannte Komplementärfarben bei der Ausgestaltung nicht vergessen werden.Komplementärfarben stellen jene Farbtöne dar, die im Farbkreis einander ge-genüberliegen. Die Kombination der Komplementärfarben erzeugt eine hoheLeuchtkraft und Intensität. Es genügt bereits, wenn man Dekorationselementein den passenden Komplementärfarben einbaut, wie z.B.: ein rot-oranges Bildauf einer blau-grünen Wand. (Vgl. Noack 1996, S. 107)In diesem Fall könnte man die SchülerInnen auch selbst Bilder anfertigen las-sen, welche an den Wänden bzw. an Pinnwänden aufgehängt werden. Dadurchbekommt man passende Farbtupfer und zudem erhalten die Schüler ein Gefühlblau raumvertiefend beruhigend schwer, drückendgrün sanft haltend, weich, tra-gend, erholsamumhegend, be-ruhigendbegrenzend, de-ckend, hegendweiß berührungsfremd, neutral leer, neutral leer, offenschwarz vertiefend, befremdend, abs-traktvertiefend, ver-lieshaftlastend, drückend,lochartig
  24. 24. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 24der Gemeinschaft sowie an etwas aktiv mitgewirkt zu haben. Weitere Farbtupferin der Klasse können durch Garderobenhaken, Papierkörbe und Möbel inte-griert werden. Diese Elemente sollten hervorstechen und dementsprechendeine kräftigere Farbe als die Wandfläche aufweisen. (Vgl. Rogger 2007, S.133f)Als harmonisch werden außer den Komplementärfarben auch die im Farbkreisbenachbarten Farbtöne empfunden. (Vgl. Noack 1996, S. 107)Generell ist zu sagen, dass helle Farbtöne positiv und freundlicher erscheinenals dunkle und deshalb für Klassenräume besser geeignet sind.2.5 MöblierungDas Hauptaugenmerkt für die Ausstattung eines Klassenzimmers sollte auf dieStühle sowie Tische gelegt werden. Die Schüler befinden sich in der Sekundar-stufe noch mitten im Wachstum – um Haltungsschäden zu vermeiden, muss einguter Stuhl bzw. Tisch verschiedene Sitzmöglichkeiten zulassen und der Größeder Kinder angepasst werden können. (Vgl. Noack 1996, S. 111)2.5.1 StühleEin passender Stuhl trägt nicht nur zum Wohlfühlfaktor bei, sondern ist ebensofür eine gesunde Haltung wichtig. Verschiedene Variationen an Sitzmöglichkei-ten ermüden den Körper nicht und sorgen für optimale Arbeitsbedingungen.Dadurch wird nicht nur die Haltung geschont, sondern auch dem Bewegungs-drang der SchülerInnen ein gewisser Freiraum gegeben. Unbestritten sind da-bei die positiven Auswirkungen des Sitzballes, der mitwachsenden Drehstühleoder der Stühle mit Kufen, auch Schaukelstuhl genannt, auf die Haltung derBenützer. (Vgl. Noack 1996, S. 111ff)Wie bereits zuvor erwähnt, ist auch die richtige Stuhlgröße für eine angenehmeund gesunde Sitzposition essenziell. Vor allem in der Pubertät führen Wachs-tumsschübe zu Differenzen bezüglich der Körperlänge innerhalb derselben Al-tersklasse. Deswegen ist es wichtig, dass man dementsprechend reagieren undsowohl die Stühle als auch die Tische der jeweiligen Körperlänge anpassenkann. Die Durchblutung der Beine ist lediglich dann gewährleistet, wenn derStuhl die richtige Höhe aufweist und das Gewicht dadurch auf den Oberschen-
  25. 25. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 25keln lastet. Heutzutage raten die Hersteller der Schulstühle zu einem Freiraumzwischen Kniekehle und Rand des Stuhles. (Vgl. Noack 1996, S. 112f)2.5.2 TischeNeben den Stühlen sollen auch die Tische in einem Klassenraum besonderenAnforderungen gerecht werden. Wichtig ist, dass Tische an die Größe derSchülerInnen angepasst werden können. Dies hat zur Folge, dass Zweiertischezwar weniger Platz in Anspruch nehmen, allerdings nicht individuell auf jedeneinzelnen Schüler abgestimmt werden können. Einzeltische bieten im Gegen-satz dazu Individualität in diesem Bereich. (Vgl. Noack 1996, S. 116f)Neben diesem sollte man ebenso die Neigung der Tischplatte variabel anpas-sen können: Denn eine gerade Tischplatte führt auf Dauer zu einer schlechtenSitzhaltung. Besonders beim Schreiben ziehen die Schüler ihre Schultern hoch,winkeln die Arme ab und beugen sich mit dem Oberkörper weit nach vorne,dies führt zu einer übermäßigen Belastung des Bandapparates und der Rü-ckenmuskulatur. (Vgl. Noack 1996, S. 116f)Überdies unterscheidet man zwischen Einzel- und Zweiertischen. Die Auswahldieser unterschiedlichen Tische bestimmt die Distanzen, die zwischen denSchülerInnen herrschen. Ein Möbelstück wie der Tisch bzw. ein Stuhl platziertdie Personen in einem Raum und legt dadurch die Distanz zwischen ihnen fest.(Vgl. Noack 1996, S. 118)Laut Hall, der sich mit Beobachtungen und Theorien über den Raumgebrauchdes Menschen beschäftigt, unterscheidet man in vier Distanzzonen. „Die intimeDistanz beginnt beim Hautkontakt;(…) in ihrer weiten Phase beträgt die Distanz15 bis 45 cm; die Körperwärme und der Atemgeruch der anderen Person kön-nen wahrgenommen werden(…). Die persönliche Distanz bewegt sich zwischen47 bis 75 und 75 bis 120 cm und wird von Personen eingehalten, die in einergegenseitigen Beziehung stehen. In der nahen Phase kann der Andere nochangefasst werden. (…) Die nächst größte Entfernung nennt Hall die soziale Dis-tanz und legt sie für westliche Kulturen bei 120 bis 220 und 220 bis 360 cm fest.Bei dieser Distanz werden z. B. unpersönliche Geschäfte abgewickelt oder esfinden lockere Zusammenkünfte statt. (…) Die öffentliche Distanz schließlichumfaßt in der nahen Phase 360 bis 750cm, in der weiten Phase 750 cm und
  26. 26. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 26mehr. Die nahe Phase ermöglicht auf Seiten des Gesprächspartners auszuwei-chen, die weite Phase ist typisch für öffentliche Auftritte.“ (Hall 1966, zit. nachNoack 1996, S. 118f)Damit wird aufgezeigt, dass bei Zweiertischen oder zusammengestellten Einzel-tischen SchülerInnen häufig näher aneinander sitzen als ihnen lieb ist, da dieintime Distanz erreicht wird, obwohl die SchülerInnen lediglich eine soziale Be-ziehung eingehen möchten. Diese Situation müssen SchülerInnen für eine gan-ze Schulstunde „ertragen“ und sind dann oft sehr froh, wenn sie sich in denPausen frei bewegen können. Einzeltische haben den Vorteil, dass die Distanzzu Mitschüler, Lehrer, Tafel variabel wählbar ist. (Vgl. Noack 1996, S. 120)2.5.3 SchrankEin weiteres Möbelstück, welches in einem Klassenzimmer nicht fehlen darf, istder Schrank. Dieses notwendige Möbelstück erfüllt einerseits die Aufgabe derStaufunktion und andererseits, wie schon in Punkt 2.1 genannt, kann man mit-hilfe eines Schrankes den Klassenraum beliebig in zwei oder mehr Bereicheunterteilen.In diversen Unterrichtsfächern werden oft schwere und großformatige Unter-richtsmaterialien verwendet, wie z. B. der Atlas im Geografieunterricht, der Zei-chenblock im Kunstunterricht, Lesebücher bzw. Wörterbücher im Deutschunter-richt u.v.m.Diese Unterrichtsmaterialien sollen nicht von den Schülern jeden Tag in derSchultasche mitgeschleppt werden, da schwere Schultaschen, aufgrund vondaraus resultierenden Haltungsschäden, vermieden werden sollen. Deshalb sollSchülerInnen die Option offenstehen, in ihren Bankfächern, Schränken, Sperr-fächern ihre Unterrichtsmaterialien sicher aufzubewahren. Viele Schulen stel-len, neben den Staufächern in der Klasse, für jeden/jede SchülerIn, persönlicheSchließfächer zur Verfügung. Da jedoch der Schrank in der Klasse mehrereFunktionen hat, kann er aufgrund von Schließfächern nicht weggedacht wer-den. (Vgl. Noack 1996, S. 122)Im Klassenraum spielt die Art des Schrankes eine große Rolle, einerseits soll erpraktisch sein und andererseits mehrere Funktionen übernehmen. Unter den
  27. 27. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 27Begriff „praktisch“ fallen z. B. die Schranktüren. Hier wird zwischen Platz spa-renden Schiebetüren, welche aber jeweils einen Teil des Schrankes verdecken,Drehtüren, welche den Blick auf das gesamte Innere ermöglichen, jedoch vielPlatz zum Öffnen benötigen, oder offenen Schränken ohne Türen unterschie-den. Für welche dieser Arten man sich entscheidet, bleibt einem selbst überlas-sen. Da jede Öffnungsart seine Vor- und Nachteile hat, muss man versuchen,die beste Lösung für seinen Klassenraum zu finden. (Vgl. Noack 1996, S. 123)Generell ist festzuhalten, dass Schränke auf jeden Fall aus robusten Materialienbestehen sollten. Besonders gut bieten sich die Materiealien Holz und Kunst-stoff an. Weniger günstig ist Glas, da dieses Material schnell zu Bruch gehenkann und involvierte Personen verletzten könnte. (Vgl. Noack 1996, S. 123)Wie bereits im Punkt 2.4 erwähnt, können Schränke in einer gewünschten Far-be gestrichen werden, um positiv wirkende Farbtupfer zu schaffen. (Vgl. Rogger2007, S. 133f)2.6 LichtLaut Rogger (2007) kann sich eine schlecht oder falsch beleuchtete Umgebungnegativ auf den Entwicklungsprozess eines Kindes auswirken.Generell unterscheidet man zwischen natürlichem und künstlichem Licht. Be-sonders das natürliche Licht ist für den Menschen lebensnotwendig: Es wirktsich nämlich positiv auf das körperliche und psychische Wohlbefinden sowieebenso auf die Leistung aus.Gescheiterte Projekte aus den 70er-Jahren zeigen, wie wichtig für den Men-schen der natürliche Lichteinfluss ist. Zu dieser Zeit glaubten Pädagogen undArchitekten, dass fensterlose Schulen für weniger Ablenkungsmöglichkeitensorgen. Die Klassenzimmer wurden dadurch lediglich mit künstlichem Licht er-hellt. Die geplante Konzentrationssteigerung bei Schülern blieb aus, stattdessenkam es zu körperlichen und psychischen Erkrankungen. (Vgl. Rogger 2007, S.136f)
  28. 28. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 28Das folgende Beispiel zeigt das Ausmaß dieses Irrglaubens:In Baden-Württemberg wurde im Jahr 1967 feierlich jener Berliner Architekten-gruppe der Bau der Schule in Osterburken zugesprochen, welche keine Fensterin Klassenräumen einbaute. Die Jury war von dieser, aus Amerika importierten,Idee so begeistert, dass der Bau der Schule sofort starten sollte. Der ersteStock des Schulhauses und dementsprechend alle Klassenzimmer in diesemBereich blieben komplett fensterlos, im zweiten Stock konnten die Schülerdurch kleine Sehschlitze unterhalb der Decke ein kleines Stück Himmel be-trachten. Dadurch, dass die Klassenräume weder Licht noch Frischluftzufuhrhaben, mussten sie den gesamten Tag über mit Neonlicht beleuchtet sowie be-lüftet werden. Ein Gutachten des TÜV bezeichnete die Folgen der zu schwachausgelegten Klimaanlage als katastrophal. Somit war auch die Gründe gefun-den, weshalb sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen über Augenschmer-zen, Kopfschmerzen und andauernde Erkältung klagten. Laut Aussagen derSchülerInnen dieser Schule waren sie nach einem Acht-Stunden-Tag völlig ka-putt. Sie nannten ihre Schule nur den Bunker. Nach zehn Jahren musste diekomplette Schule umgebaut werden. (Vgl. http://www.zeit.de/1981/10/schule-ohne-fenster, 03.01.2013)Dieses Beispiel zeigt auf, dass Räume ohne Fenster, welche nur durch künstli-ches Licht erhellt werden, auf den Menschen kalt und abweisend wirken. Des-wegen ist es wichtig, dass einem Klassenzimmer ausreichend Tageslicht zurVerfügung steht. (Vgl. Rogger 2007, S. 136f)Neben dem Tageslicht muss aber auch genügen künstliches Licht vorhandensein. Bei dem künstlichen Licht gibt es wiederum verschiedene Qualitäten, wel-che sich unterschiedlich auf das Wohlbefinden auswirken. (Vgl. Reisecker2010, S. 30)Konventionelle Fenster in der Wand sind für Klassenzimmer am besten geeig-net. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Klassenzimmer durch Dachfens-ter zu erhellen. Dies bringt aber einige Nachteile mit sich. Die Fenster bringennicht nur Helligkeit in einen Raum, sondern ebenso Wärme. Durch Dachfensterfallen die Sonnenstrahlen in einem steilen Winkel ein und dadurch wird das
  29. 29. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 29Klassenzimmer stark erhitzt. Räume mit einer hohen Raumtemperatur wirkensich negativ auf die Lernleistungen aus. (Vgl. Noack 1997, S. 93)Laut Rogger sollen die Fenster nicht zu groß und ungegliedert sein, sodass dieSchüler das Gefühl der Sicherheit und des Rückzugs verlieren. Optimal wärenFenster mit mittelgroßen Sprossen, welche sich öffnen lassen, ansonsten bringtman es in Verbindung mit einem Gefängnis. Das Fazit ist, dass sowohl natürli-ches als auch künstliches Licht in einer Klasse in angemessenem Ausmaß ge-geben sein muss. Zu viele dieser Lichtquellen können aber auch zu einer Über-reizung des Auges führen. Deswegen müssen Verschattungselemente vorhan-den sein. Dadurch können die Raumtemperatur und die Sonneneinstrahlungindividuell geregelt werden. (Vgl. Rogger 2007, S. 137)Die Raumtemperatur unterscheidet sich ebenso bei Räumen mit identischemGrundriss, da zum Beispiel Räume im Süden stärkerer Sonneneinstrahlungausgesetzt sind als Räume im Norden. Dies sollte jedoch bereits bei der Pla-nung einer Schule bedacht werden. Laut Rogger sollten die relativ unfreundli-chen Nordräume nicht als Klassenzimmer genützt werden, da das Tageslichteine zentrale Rolle spielt. Diese Räume sollte man für eine andere Benützungausstatten. Eignen würden sich eine Ausstattung für einen Computerraum, WC-Anlagen, Physik-Chemiesaal. (Vgl. Noack 1997, S. 94f)
  30. 30. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 303 Geschichtliche Entwicklung3.1 Schulentwicklung: Vom Beginn der Hauptschule bis hinzur Neuen MittelschuleGünter Katzler (2004) beginnt seine Aufarbeitung der geschichtlichen Entwick-lung des österreichischen Bildungswesens mit passenden Worten, diese möch-te ich meiner voranstellen.„Aus der Geschichte des österreichischen Bildungswesens lassen sich zweiTendenzen herauslesen: Bildung wird für immer größere Bevölkerungsschich-ten zugänglich und Bildung reagiert auf Erfordernisse der Wirtschaft und derGesellschaft mit einer immer stärker werdenden Auffächerung des Bildungsan-gebotes.“ (Katzler 2004, S. 2)Diese Tendenz, dass sich das österreichische Bildungssystem weiterentwickeltund an Gegebenheiten anpasst, kann man ebenso anhand von den Schulbe-zeichnungen des Österreichischen Schulwesens nachverfolgen:„Die Volksschule, die Schule für das Volk, in der jeder, egal welchen Standes,lesen, schreiben und rechnen lernen sollte.“ (Loicht, Leinwather 1982, S. 9)„Die Bürgerschule, die erst in der 1. Republik auf Hauptschule umbenannt wur-de, als Ausbildungsstätte für jene, die keine Mittelschule besuchten, aber überdie Volksschule hinaus Kenntnisse erlagen sollten.“ (Loicht, Leinwather 1982,S. 9)„Das Gymnasium, später auch Realgymnasium, als eine Schule für wenige,deren Eltern entweder aus finanziellen oder gesellschaftlichen Verhältnissenoder aus beiden die Möglichkeit hatten, ihre Kinder auf eine Universität zu schi-cken.“ (Loicht, Leinwather 1982, S. 9)In den folgenden Absätzen geht es hauptsächlich um die Entwicklung bzw. Wei-terentwicklung der Hauptschule. Um den Werdegang dieser Schulform besserzu verstehen, werde ich bei den Anfängen unseres Schulwesens beginnen:
  31. 31. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 31Das staatliche Schulwesen in Österreich geht auf Maria Theresias Schulreformvon 1774 zurück. Es beginnt zu dieser Zeit mit einer sechsjährigen Schulpflicht,welche an einer öffentlichen Staatsschule absolviert werden musste. Unter die-ser Bildung verstand man hauptsächlich die Ausbildung für Wirtschaft, Verwal-tung sowie Militär. (Vgl. Ecker 2009, S. 1)Im Jahr 1869 wurde das Pflichtschulwesen durch das Reichsvolksschulgesetz,auf eine einheitliche Basis gesetzt und modernisiert. Das im Jahre 1855 abge-schlossene Konkordat, welches die kirchliche Schulaufsicht per Gesetz regelte,wurde aufgehoben. Folglich war im Jahr 1869 die Schulaufsicht erstmals Ange-legenheit des Staates und die Kirche rückte vorerst in den Hintergrund. (Vgl.http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/ueberblick/sw_oest.xml, 29.12.2012) Einweiterer wesentlicher Punkt des Reichsvolksschulgesetztes war die Verlänge-rung der Pflichtschuljahre, wobei die Schulpflicht mit acht Jahren festgelegtwurde. (Vgl. Loicht, Leinwather 1982, S. 9)Da eine Optimierung im Bildungswesen fällig war, entstand im selben Jahr diesogenannte „Bürgerschule“. Dadurch war der Grundstein für den Vorgänger derHauptschule gelegt. (Vgl. Katzler 2004, S. 4) Dieses Schulsystem wurde ge-gründet, um Schüler auf das Arbeitsleben am Land bzw. im Gewerbebereichvorzubereiten. Aber auch Mädchen hatten die Gelegenheit, diese Schule zubesuchen, für sie sah der Lehrplan Handarbeit und Haushaltskunde vor. Werdamals die Volksschule nicht acht Jahre besuchen wollte oder eine höhere Bil-dung anstrebte, konnte als Alternative nach fünf Jahren in eine Bürgerschulewechseln, um dort die Pflichtschuljahre zu beenden. (Vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerschule, 29.12.2012)Im §61. ordnet das Reichsvolksschulgesetz an, dass die Landesgesetzgebungfeststellt, wo und mit welchen Mitteln Bürgerschulen zu errichten sind. (Vgl.Loicht, Leinwather 1982, S. 9)Eine Weiterentwicklung der Bürgerschulen wurde in der 1. Republik im Jahr1927 durch den Präsidenten des Wiener Stadtschulrates, Otto Glöckel, in dieWege geleitet. (Vgl.http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/ueberblick/sw_oest.xml, 29.12.2012) Sowurde im Jahr 1927 die Bürgerschule durch die Hauptschule, welche in zwei
  32. 32. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 32Klassenzüge unterteilt war, ersetzt. Diese Schulform sollte allen Kindern, ohneUnterschied des Geschlechtes oder der sozialen Lage, eine optimale Bildungermöglichen. Aus diesem Grund setzte sich Glöckel für Schulgeldfreiheit undBeihilfen für sozial schwächere Familien ein. Die Hauptschule wurde auchschon damals für SchülerInnen der Altersklasse von ca. 10 bis 14 Jahren ent-wickelt. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerschule, 29.12.2012)Diese Tiefe innere Wandlung im allgemeinen Pflichtschulwesen, durch die Ent-wicklung der Hauptschule und in weiterer Folge mit der Erweiterung des Haupt-schulstandortnetzes, führte zu einem parallel dazu laufenden Abbau der Volks-schuloberstufe. (Vgl. Loicht, Leinwather 1982, S. 12) „Hauptschulgründungenwurden in einem großzügigen Landesprogramm vorbereitet und systematischund rasch durchgeführt.“ (Loicht, Leinwather 1982, S. 12)Daten zur Entwicklung des allgemeinbildenden Schulwesens:SchülerInnenzahlenVolksschuloberstufe Hauptschule einschließlich integrierterGesamtschule und Sonderschule1960/61 117.00 215.0001970/71 64.000 322.0001980/81 1.000 384.000Tabelle 3: Daten zur Entwicklung des Schulwesens (Quelle: Loicht, Leinwather1882, S.12)Anhand dieser Tabelle wird auch die zunehmende Bedeutung der Hauptschule,als alternativer Bildungsweg in Österreich, deutlich. Im Gegensatz dazu wird dieVolksschuloberstufe immer unbedeutender, was von Jahrzehnt zu Jahrzehntdeutlich am Abbau der Standorte zu erkennen ist.1962 wurde das österreichische Schulwesen neu geregelt. Das sogenannteSchulgesetzwerk von 1962, kurz SchOG, ist ein geschlossenes Regelwerk undbildet die Rechtsgrundlage für das gesamte österreichische Bildungswesen,davon ausgenommen sind die Universitäten sowie die landwirtschaftlichenSchulen. (Vgl. Katzler 2004, S. 10)
  33. 33. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 33Mit diesem umfassenden Schulgesetz wurde unter anderem beschlossen, diePflichtschuljahre auf neun Jahre zu verlängern. Überdies strebte man eine neueForm der Lehrerausbildung an. Ab nun mussten Pflichtschullehrer eine Ausbil-dung an einer Pädagogischen Akademie absolvieren. (Vgl.http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/ueberblick/sw_oest.xml, 29.12.2012)„Mit dem Schulgesetzwerk 1962, dessen Hauptstück das Schulorganisations-gesetz darstellt, wurde das Schulwesen der Zweiten Republik auf eine neueBasis gestellt, die mit Modifizierungen durch eine Vielzahl von Novellen bis heu-te Gültigkeit hat.“ (Vgl. http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Essays/Institutionen,_Bildung,_Kultur/Das_Schulorganisationsgesetz_1962, 18.02.2013)„Das SchUG ist für angehende LehrerInnen insofern bedeutsam zu nennen, alses konkret künftige Aufgaben, Rechte und Pflichten nennt. Das SchUG gliedertsich in 17 Abschnitte, die verschiedenste Bestimmungen thematisch gruppie-ren. Der Gesetzestext in seiner letztgültigen Fassung ist etwa auf der Homepa-ge des bm:bwk abrufbar.“ (Katzler 2004, S. 10)Im Jahr 1993 besteht auch für Kinder mit besonderen Bedürfnissen erstmals dieMöglichkeit, die Volksschule zu besuchen und integrativ unterrichtet zu werden.Eine weitere Errungenschaft für Kinder mit besonderen Bedürfnissen erfolgtebald. Ab 1997 durften sie auch die Hauptschule besuchen. (Vgl.http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/ueberblick/sw_oest.xml, 29.12.2012)Eine Umgestaltung der Hauptschule wurde in den Jahren 2008/09 realisiert. DieNeue Mittelschule, als ein Vorhaben der Bildungsreform, soll ein neuer Meilen-stein in der Geschichte des Schulwesens werden. (Vgl.http://www.neuemittelschule.at/themen/kurzinformation_zur_nms.html,12.01.2013)Im Schuljahr 2012/13 sind es bereits 689 Neue Mittelschulen in ganz Öster-reich, mit dem Ziel, eine grundsätzliche pädagogische und organisatorischeNeugestaltung des gemeinsamen Lernens der SchülerInnen zwischen 10 und14 Jahren zu ermöglichen. (Vgl.http://www.neuemittelschule.at/fileadmin/user_upload/pdfs/folder2012.pdf,12.01.2013) Aber auch die Rolle der Lehrperson soll sich durch die Neue Mit-
  34. 34. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 34telschule verändern, früher fungierte der/die LehrerIn hauptsächlich als Wis-sensvermittler, nun soll sein/ihr neuer Aufgabenbereich in der Lernbegleitungliegen. Denn das selbsttätige Lernen, auf welches die SchülerInnen vorbereitetwerden sollen, soll die Kinder individueller fördern als der herkömmliche Unter-richt.Da ein wichtiges Konzept der Neuen Mittelschule das gemeinsame Lernen dar-stellt, schaffte man die Leistungsgruppen ab und versucht ab nun eine Differen-zierung von innen. Das bedeutet, dass alle SchülerInnen, egal mit welchemLeistungsniveau, nun zusammen in einer Klasse unterrichtet werden. Beson-ders in den Hauptfächern wäre es für eine Lehrperson fast unmöglich, dieseHeterogenität bestmöglich zu fördern. Deswegen hat das Teamteaching nuneinen neuen Stellenwert bekommen, denn es ermöglicht den Lehrpersonen einverbessertes Eingehen auf die unterschiedlichen Begabungen der heterogenenGruppen. Somit kommt es nicht nur den LehrerInnen zugute, sondern bzw. vorallem den SchülerInnen. (Vgl.http://www.bmukk.gv.at/medienpool/22101/pk_unterlage_nms.pdf, 12.01.2013)Diese Weiterentwicklung der Hauptschule soll in den nächsten Jahren in ganzÖsterreich umgesetzt werden. Bis 2015/16 sollen alle Hauptschulen zur neuenRegelschule werden. (Vgl.http://www.neuemittelschule.at/themen/kurzinformation_zur_nms.html,12.01.2013)3.2 Der Klassenraum früher3.2.1 Größe der Klassenräume & RaumausstattungFrüher stimmte man die Größe der Räume auf die SchülerInnen ab. Nach dem2. Weltkrieg waren ungefähr 1,5 m² je SchülerIn üblich. Diese Zahl stieg im Lau-fe der Jahrzehnte ständig. Heute sind ungefähr 2 m² pro SchülerIn üblich. Alsmaximale Raumtiefe wurde 6,20 7 Meter angenommen. (Vgl. Reysach 1982, S.15)Als Arbeitsplatz für die SchülerInnen dienten meistens Zweiertische mit einerBreite von 1,20 oder 1,30 Metern. Jede/r SchülerIn hatte also eine Breite von 60
  35. 35. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 35bzw. 65 cm zur Verfügung. Wegen dieser geringen Breite kam es ständig zuStreitigkeiten zwischen den SchülerInnen. Für größere Tische reichte der Platzin den damaligen Klassen nicht aus. Man nahm eine Reihe von Messungen vor,um die passende Tischbreite für SchülerInnen festzustellen. Aus all diesen Un-tersuchungen wurde auf eine Tischbreite von 75 cm für SchülerInnen über zehnJahren geschlossen. (Vgl. Reysach 1982, S. 15)Der traditionelle Schulraum nach Kriegsende hatte einen Holz- oder Linoleum-fußboden, geputzte Decken und Wände. In manchen Fällen wurden die Wändeauch bis zur Kopfhöhe mit Ölfarben gestrichen oder mit Fliesen verkleidet. Invereinzelten Schulräumen waren sogar noch Einzelöfenbeheizungen zu finden.(Vgl. Reysach 1982, S. 26)Nachträglich wollte man die oft kahlen Klassenräume mit Holzverkleidungenverschönern, jedoch scheiterten diese Versuche durch die Erhöhung derBrandbelastbarkeit. (Vgl. Reysach 1982, S. 26)3.2.2 Architektonische Entwicklung des Schulbaus in ÖsterreichDiese Entwicklung ist ergründbar durch die, am laufenden Band, optimiertenBautechniken, den jeweiligen Zeitgeist sowie die veränderten Bedürfnisse derMenschen.Die Architekten entwerfen nicht abgeschottet vom Alltag ihre Pläne, sondernlassen sich durch den jeweiligen Zeitgeist beeinflussen, denn nicht ohne Grundwird die Architektur nicht als individuell zu formulierendes Konstrukt betrachtet,sondern als eines, das durch den Zeitgeist bestimmt ist. (Vgl. Düchs 2011, S.212)„Architektur soll ‚zeitgemäß‘ sein, also ihrer Zeit oder dem Ideal der Zeitentsprechen. Der Anspruch der zeitgemäßheit impliziert häufig auch dieForderung, moderne Materialien und Konstuktionen zu verwenden undGrundisse entsprechend den aktuellen Bedürfnissen der Menschen zuentwerfen.“ (Düchs 2011, S. 212f)Besonders in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg versuchte man,durch falsch verstandenen Funktionalismus einen schnellen Wiederaufbau zuerreichen, dabei ließ man künstlerische Impulse im Bauwesen fast gar nicht
  36. 36. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 36aufkommen. An die rasche und lebendige Entwicklung der Zwanzigerjahrekonnte man leider nicht aufschließen und so blieb im österreichischen Schulbauvieles beim Alten. Nur wenige Ausreißer schafften es in Österreich, ab denVierziger- bzw. Fünzigerjahren neue Ideen in das veraltete Denken zu bringen.Viele unterschiedliche Modelle von Schulhäusern entwickelten sich, jedoch istmit Bedauern festzustellen, dass diese für die damalige Zeit modernen Beispie-le nur wenig von der österreichischen Bevölkerung geschätzt worden sind.Durch alle Jahrzehnte hindurch spürte man eine Tendenz zum Traditionellen,besonders beim Bau kleinerer Schulanlagen. Auf die Frage, weshalb im öster-reichischen Schulbau häufig auf traditionelle Bauweisen zurückgegriffen wird,wird die Antwort geliefert, dass sich traditionelle Gebäude besser in die Umge-bung eingliedern lassen, im Gegensatz zu modernen Gebäudekomplexen. Nunmöchte ich jedoch, einige prägende Schulbauten bzw. Schulbautypen aus Ös-terreich herausgreifen, um dadurch das moderne Denken mutiger Architektenaufzuzeigen. (Vgl. Reysach 1982, S. 27)Der neue Zeitgeist um 1945In Österreich baute man bis 1945 hauptsächlich Gangschulen. Als Vorbild fürdiese Gangschulen dienten Klosterschulen und Kasernen. Das Prinzip dieserArt des Schulbaues bestand in einer Vielzahl aneinandergereihter Klassenzim-mer entlang eines Ganges. Zu dieser Zeit prägten Ordnung und Disziplin dieGestaltung der Schulhäuser. Die pädagogischen Anliegen kamen meist zu kurz,in der Architektur zeigte sich diese Strenge durch klare Bauformen. (Vgl. Neh-rer, Wachberger 1982, S. 33)Erst nach dem 2. Weltkrieg rücken pädagogische Anliegen in den Vordergrund.Besonders in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zusammenbruchherrschte in Österreich dieselbe Entwurfsmischung wie in Deutschland vor.Wiederaufbau, im Zusammenhang mit Hudelei, falsch verstandenem Funktiona-lismus, findet sich beim Schulbau in den Nachkriegsjahren wieder. Die neuenSchulgebäude sollten anders konzipiert sein als vor dem Krieg. Die neue Lageder Schule sollte keinen repräsentativen Nutzen haben, sondern innerhalb ei-nes Wohngebietes liegen, sodass die Kinder einen ungefährlichen und kurzenSchulweg haben. Auch die neuen Spiel- und Sportflächen bekamen nach dem2. Weltkrieg einen anderen Stellenwert, zuvor waren sie klein und düster, die
  37. 37. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 37neuen Nachkriegsschulen sollten einen wesentlich größeren Spielraum für dieSchülerInnen bieten. Weiters war man bestrebt, die Klassenanzahl klein zu hal-ten, die Schule naturverbunden, möglichst ebenerdig oder maximal mit einemObergeschoss zu planen. Die neuen Schulen sollen derart konzipiert sein, dassverschiedene Schulmodelle wie z.B. „die Arbeitsschule“ nach Pestalozzi, Ker-schensteiner, oder „das Haus der Kinder“ nach Montessori und Freiluftschulenerprobt werden können. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 33)Entwicklung von Schulbautypen zwischen 1945 und 1960 Gangschule1948 wurde in Wien die erste Nachkriegsschule errichtet. Konzipiert wurdediese sogenannte Gangschule, bzw. auch Atriumschule genannt, von Th.Lauterbach. Entlang eines langen Ganges wurden die Klassenzimmer, stetsnach Osten orientiert, angeordnet. Auch bei der Außengestaltung des Ge-bäudes lassen sich die unterschiedlichen Raumhöhen erkennen. Klassen-räume und der Turnsaal hatten wesentlich größere Raumhöhen als Verwal-tungs- und Funktionsräume. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 33) FreiluftschuleEine der ersten Freiluftschulen entstand im Jahr 1930 durch W. Schütte inFrankfurt am Main. 1949 gelang es R. Rainer, die erste Freiluftschule in Ös-terreich, Wien, zu etablieren. Dadurch schaffte es ebenso Schütte, im Jahr1959 seine Ideen in Österreich zu verwirklichen. Er errichtete eine Schule inFloridsdorf. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 33)Der Hintergedanke an diesen Konzepten der Freiluftschule ist,dass die Kin-der so viel wie möglich in der freien Natur sind bzw. auch im Klassenzimmerdavon umgeben sind. Aus diesem Grund haben die Freiluftklassen großeaufklappbare Faltwände und ermöglichen dadurch eine großzügige Beleuch-tung sowie viel Frischluft. Weiters gehört zu jeder Klasse ein Außenbereich,im Erdgeschoss wäre es ein Garten, in den Obergeschossen ein Balkon.(Vgl. http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012)
  38. 38. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 38Abbildung 3: Freiluftschule Floridsdorf 1963 (Quelle:http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012)Abbildung 4: Freiluftschlule Floridsdorf 1963 mit geöffneter Faltwand (Quel-le: http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012)Im Laufe von mehr als 20 Jahren optimierte Schütte seinen Entwurf der Frei-luftklassen, indem er Messungen zur Beleuchtung durchführte und Aufstell-möglichkeiten der Tische erprobte. Weiters ging er dem Wunsch der Päda-
  39. 39. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 39gogen, nach geräumigeren Klassen nach. (Vgl.http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012)Die Freiluftschule in Floridsdorf ist seit 1989 nicht mehr in diesem Zustanderhalten, im Rahmen einer Teilsanierung wurden die Faltelemente entferntund durch fixe Fensterelemente ersetzt, dadurch ist das Grundkonzept einerFreiluftschule verloren gegangen. (Vgl.http://www.schulen.wien.at/schulen/921013/architektur/index.html,11.12.2012) Hallenschulen1953 entstehen die ersten Entwürfe zur sogenannten Wohnraumschule. DasKonzept dieser Schule sollte ein Gemeinschaftsraum sein, um welchen alleKlassenräume angeordnet werden. Dieser Raum sollte Möglichkeiten fürSpiel, Gesang, Vorträge, Filme, Theaterstücke und zum Lesen bieten. Indiesem Raum sollten sich auch Nischen zum Basteln und für den Gruppen-unterricht finden. Inmitten des „Wohnraumes“ sollte ein offener Kamin sei-nen Platz finden, dieser sollte die Gemeinschaft unter den SchülerInnen so-wie eine harmonische Zusammenarbeit mit Eltern fördern. Diese Idee der„Wohnraumschule“ wurde jedoch auf diese Art und Weise nie realisiert. (Vgl.Nehrer, Wachberger 1982, S. 33)
  40. 40. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 40Abbildung 5: Konzept einer Wohnraumschule 1953 (Quelle: Nehrer, Wach-berger 1982, S. 34)Gut erkennbar ist die großzügige Halle als Zentrum dieser Schulanlage, die-ses Konzept konnte jedoch auf diese Art und Weise nie erprobt werden.Aus dieser Idee keimte jedoch die Hallenschule. Das Konzept der Gruppie-rung der Klassenräume um einen gemeinsamen Raum herum blieb erhal-ten. 1955 errichtet V. Hufnagl eine Hallen-Hauptschule in Strobel, Salzburg.Die zentrale Halle, welche sich über ein ein- oder mehrgeschossiges Schul-haus erschließt, übernimmt die Funktion eines Mehrzweckraumes. Die Halleermöglicht den Kontakt zwischen SchülerInnen aus unterschiedlichenSchulstufen bzw. Klassen, außerdem übernimmt sie Aufgaben der Erschie-ßung in obere bzw. untere Geschosse. Weg vom Frontalunterricht schafft V.Hufnagl mit seinen quadratischen Klassenzimmern, Freiluftloggien undFaltwänden passende Orte für die Gruppenarbeit. (Vgl. Nehrer, Wachberger1982, S. 33f)Dieses Prinzip wurde weiterentwickelt, dabei gewinnt die Halle noch mehran Bedeutung. Mit Sitzstufen, Galerien schafft die Halle nicht nur mehr Kom-fort für die SchülerInnen, sondern dient ebenso als Mehrzweckraum für Ver-anstaltungen aller Art. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 34) Atriumschule, Pavillonschule
  41. 41. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 41In den 1960er-Jahren bekommt Österreich Inspiration aus der Schweiz, dortwurden einige solcher Atrium- bzw. Pavillonschulen erbaut, diese stehen inenger Verbindung mit der Freiluftschule. Man kann es auch als eine Formder Weiterentwicklung einer Freiluftschule betrachten, denn dieser Schul-bautypus ordnet die Klassenräume um einen Innenhof an, welcher als Pau-senhof bzw. auch teilweise überdacht als Pausenhalle genützt werden kann.Atrium- oder Pavillonschulen zeichnen sich durch beidseitige Belichtung derKlassenräume, Naturverbundenheit sowie ebenerdige Baukörper aus. EinNachteil dieses Bautypus ist seine Großflächigkeit, dadurch muss viel Bau-land in Anspruch genommen werden. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S.34)Kombination der verschiedenen Bautypen„Um 1960 sind durch die Organisations- und Funktionsprinzipien hervorgerufe-ne Bautypen wie Gang-, Atrium-, Pavillon-, Freiluft- und Hallenschule weitge-hend entwickelt und finden danach, auch in Alternativen und Kombinationen, inzahlreichen Beispielen Anwendung.“ (Nehrer, Wachberger 1982, S. 35)In den darauffolgenden Jahren entstanden zahlreiche Hauptschulen, bei denendie Halle das Kernstück der Entwürfe darstellte, um diese Halle wurden zahlrei-che Nebenräume angeordnet, aber auch die Idee der Veränderbarkeit setztesich immer mehr durch, indem flexible Raumteiler eingeplant wurden. Auch dieEntwicklung des Stahlbetonskelettbaus bestimmt ab 1960 viele Entwürfe, diesführte dazu, dass die Fensterflächen großzügiger werden konnten, ohne dassdas Gebäude instabil wird. Ebenso die passende Planung hinsichtlich der Um-gebung wurde nicht nur bei Freiluft und Atrium- bzw. Pavillonschulen berück-sichtigt, sondern auch bei den restlichen Bauten. (Vgl. Nehrer, Wachberger1982, S. 35)Österreichischer Schulbau ab 17701970 entstehen viele große Schulanlagen, dabei werden unterschiedlicheSchultypen auf einem Standort zusammengetragen. Dabei bilden sich oftkompakte Anlagen mit einem großen technischen Aufwand, hinsichtlichLüftungsanlagen, aber auch großen Schüleranzahlen und Bauvolumen. (Vgl.Nehrer, Wachberger 1982, S. 40)
  42. 42. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 42Ab 1773 ist aufgrund der hohen Energiekosten ein Rückgang auf kleinereBauformen, welche weniger Energie beanspruchen, erkennbar. Durch diesegroßen Schulanlagen werden zum ersten Mal die großen Umkosten,hinsichtlich Belüftung innenliegender Räume und die Heizengieverschwendung,durch zu große Fensterflächen, ersichtlich. Neben diesen dazugewonnenErkenntnissen legen die Architekten wieder einen großen Wert auf bewährteMaterialien sowie einfache Bauformen. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 40)Ab 1975 ist der Neubau der Pflichtschulen vorläufig am Ende seinerEntwicklung angelangt. Bisher wurden Schulen auf „grüner Wieser“ errichtet.Durch wirtschaftliche oder räumliche Zwänge muss ab den 1970er-Jahren nunein Augenmerk auf den Auf- und Zubau gerichtet werden. Die Aufgabe derArchitekten besteht nun darin, moderne, aber auch passende Zu- oderAufbauten zu entwerfen. (Vgl. Nehrer, Wachberger 1982, S. 38)An diesem Punkt endet meine Aufarbeitung des Schulbaus in Österreich. Leiderkonnte ich keine passenden Werke finden, welche den österreichischenSchulbautypus ab den 1980er Jahren weiter beschreiben. Als Abschlussmöchte ich Nehrer und Wachberger (1982) zitieren: „Es ist nicht möglich, einePrognose für eine zukünftige Entwicklung der Architektur im Schulbau zu erstel-len. Zu sehr ist diese Entwicklung von nicht vorhersehbaren künftigen politi-schen, soziologischen, pädagogischen Faktoren abhängig. (...) Das steigendeBewußtsein der Menschen für eine lebensgerechte Umwelt und für humaneMaßstäbe sowie die erkennbare Abkehr von materiellen Werten lassen hoffen,daß die sich abzeichnende Entwicklung von der nur technisch funktionalen Pla-nung zur kreativen humanen Architektur fortgesetzt wird.“ (Nehrer, Wachberger1982, S. 40)
  43. 43. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 434 Forschungsteil4.1 Methodologisches KonzeptUm festzustellen, wie zufrieden die Tiroler SchülerInnen mit ihren Schulen sind,musste ich eine passende Forschungsmethode wählen. Dabei musste ich michzwischen der quantitativen sowie der qualitativen Forschungsmethode ent-scheiden. Nach langen Überlegungen entschied ich mich für die QuantitativeMethode, welche ich nun näher beschreiben möchte:„Quantitative Methode (z.B.: Fragebogen, Tests) sind standardisiert und zielendarauf ab, Häufigkeitsverteilungen, Größenordnungen, Wahrscheinlichkeiten,zähl- und messbare Erscheinungen zu erheben, sowie auf Gesetzmäßigkeitenund verallgemeinbare Aussagen über Sachverhalte und Vorgänge in der Ge-sellschaft zu stoßen.“ (Brunner, Knitel & Resinger 2011, S. 67)Zu den Vorteilen von schriftlichen Befragungen gehört einerseits, dass eineVielzahl von Personen innerhalb kürzester Zeit befragt werden kann, anderer-seits ist es möglich, durch diese Vielzahl von Befragungen ein breites Mei-nungsspektrum zu einem Thema zu erfassen. (Vgl. Brunner, Knitel & Resinger2011, S. 83)Der Nachteil von schriftlichen Befragungen ist, dass die Situation, in der dieFragebögen ausgefüllt werden, nicht kontrollierbar ist, denn es kann vorkom-men, dass Fragebögen oberflächlich ausgefüllt werden, dadurch kommt es zuVerzerrungen bei der Datenerhebung. Weiters ist es möglich, dass die Fragenvon den Befragten anders aufgefasst werden, als es vom Verfasser gedachtwurde. Weiters kann der Fall auftreten, dass der Befragte ein positives Bild vonsich zeigen will und aus diesem Grund unbewusst oder bewusst eine Tendenzzu einer Antwort hat, bei der er/sie einen guten Eindruck hinterlässt. (Vgl. Brun-ner, Knitel & Resinger 2011, S. 84)Inwieweit der Fragebogen in die Tiefe geht, hängt von der Anzahl der offenenFragen ab. „Bei einer offenen Frage können die Befragen frei antworten kön-
  44. 44. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 44nen, d. h. sie müssen nicht aus bereits vorher festgelegten Antwortmöglichkei-ten auswählen.“ (Brunner, Knitel & Resinger 2011, S. 88)Bei der Erstellung des Fragebogens sind offene Fragen einfacher zu gestalten,da man keine Antwortmöglichkeiten formulieren muss. Bei der Auswertung hin-gegen sind die offenen Fragen schwieriger auszuwerten, da sie in einer Aus-wertungsphase kategorisiert werden müssen. (Vgl. Brunner, Knitel & Resinger2011, S. 88)Im Gegensatz dazu stehen die geschlossenen Fragen. Sie lassen dem Befrag-ten wenig Freiraum, da er eine Auswahl aus vorgegebenen Antwortmöglichkei-ten treffen muss. Diese Art der Fragestellung ist schwieriger vorzunehmen, dader/die ForscherIn die Antwortmöglichkeiten gut gewählt festlegen muss. ImGegenzug nehmen diese Fragen bei der Auswertung weniger Zeit in Anspruch.(Vgl. Brunner, Knitel & Resinger 2011, S.89)Als ich die Vor- und Nachteile einer schriftlichen Befragung abwog, stand ganzklar im Vordergrund, dass ich eine breite Anzahl von Meinungen bekommenmöchte. Dies war ein schlagender Punkt dafür, dass ich mich schlussendlichgegen eine stichprobenartige Analyse eines Interviews und für die Erstellungeines Fragebogens entschied.Einerseits sollten die SchülerInnen meine Fragen, welche den theoretischenTeil meiner Arbeit abdecken, beantworten und andererseits auch eine Gele-genheit dazu bekommen, ihre Wünsche sowie ihre Kreativität einfließen zu las-sen. Aus diesem Grund war klar, dass mein Fragebogen nicht nur aus ge-schlossenen Fragen bestehen sollte. Der Fragebogen sollte genug Freiheitenbieten, um ausreichende Informationen über die Anliegen jener Personen zuerfahren, welche die meiste Zeit in ihrem Klassenzimmer verbringen. Da miraufgefallen ist, dass in vielen Fällen lediglich Planer, Geldgeber, also meist dieGemeinde, und in glücklichen Fällen auch der Lehrkörper Mitspracherecht beider Gestaltung des Schulhauses haben, möchte ich meinen Schwerpunkt aufdie SchülerInnen setzen. Denn meines Erachtens sollten die Wünsche derSchülerInnen nicht nur aus Spekulationen der Erwachsenen bestehen, sondernin passenden Situationen ebenso stichhaltig miteingebunden werden. Damitwar die Erstellung des Fragebogens eine Herausforderung für mich, denn eine
  45. 45. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 45schriftliche Befragung bei Jugendlichen ist sehr komplex. Laut Brunner, Knitel &Resinger (2011) tun sich Kinder schwer, ihre Einschätzung in eine Werteskalaeinzutragen, die von beispielsweise „stimme völlig zu“ bis zu „stimme überhauptnicht zu“ reicht. Aus diesem Grund entschied ich mich für kindgerechte„Smileys“. Weiters achtete ich bei der Erstellung meines Fragebogens darauf,dass die Fragen dem Alter der SchülerInnen angemessen klar formuliert sind.Ich legte ebenso besonderen Wert darauf, dass die Fragen nach steigenderKomplexität bzw. Spannung geordnet sind, um die SchülerInnen nicht zu über-fordern und dennoch bei Laune zu halten.Die SchülerInnen fühlen sich dadurch nicht nur wichtig, sondern würden aucheine Gelegenheit dazu bekommen, ihre gemeinsamen vier Wände nach ihrenVorstellungen zu verschönern. Um herauszufinden, ob die SchülerInnen mitihrem Klassenzimmer zufrieden sind, wählte ich eine angemessene Mischungaus offenen, halboffenen und geschlossenen Fragen.Den folgenden Fragebogen setzte ich an meinen ausgewählten Schulen ein:
  46. 46. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 46Dieser Fragebogen soll helfen, das Klassenzimmer so zu gestalten, dass sichjede/r darin so wohl wie möglich fühlt und gut lernen kann. Mein Ziel ist es, denderzeitigen Ist-Zustand zu erheben bzw. zu verbessern. Aus diesem Grundmöchte ich wissen, wie zufrieden ihr SchülerInnen mit eurer Lernumgebungseid bzw. was man verbessern könnte. Deswegen möchte ich dich bitten, die-sen Bogen ehrlich und gewissenhaft auszufüllen, denn nur so kann künftig et-was zugunsten der SchülerInnen bzw. auch LehrerInnen verändert werden.Diese Umfrage ist anonym, das heißt, du musst deinen Namen nicht auf denFragebogen hinaufschreiben. Für mich sind nur die Ergebnisse von Bedeutung!Danke im Voraus!Demografische Daten:Alter:__________________________Männlich Weiblich1. Wie gefällt dir dein Klassenzimmer?2. Wie wohl fühlst du dich in deinem Klassenzimmer?
  47. 47. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 473. Findest du dein Klassenzimmer groß genug?Ja Nein4. Findest du die farbliche Gestaltung der Wände schön?Ja Nein5. Konntest du bei der Farbgestaltung deines Klassenzimmers mitentschei-den?Ja Nein6. Betrachte deinen Arbeitsplatz:6.1Findest du, dass dein Tisch zum Arbeiten groß genug ist?Ja Nein6.2Ist dein Stuhl, auch wenn du länger sitzt, gemütlich?Ja Nein6.3Hast du im Klassenzimmer/Schulgebäude eine Möglichkeit, Schulbücherund andere Schulmaterialien zu verstauen?Ja Nein
  48. 48. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 487. Was fehlt dir in deinem Klassenzimmer, um dich wohlzufühlen?Nichts Sonstiges: _______________________________________________________________________________________________________________________________________8. Bitte begründe deine Antwort aus Frage 7.____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________9. Was trägt im Klassenraum dazu bei, dass du gut lernen kannst? Nennemindestens 3 Dinge! __________________________________________________________ __________________________________________________________ __________________________________________________________ __________________________________________________________
  49. 49. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 498. Stell dir vor, du bist ein Architekt. Du hast nun die Aufgabe, für dich, deineFreunde und deine Lehrperson ein Klassenzimmer zu gestalten. Wichtig ist,dass du dich in diesem Raum wohlfühlst und du ausgezeichnet lernenkannst. Du kannst mir deine Vorstellung auch gerne in Form einer Zeichnungnäherbringen!Achte dabei auf:Raumform, Farbgestaltung, Dekoration, Sitzordnung, Möbel, FensterHerzlichen Dank für deine Mitarbeit!Lisa Haller
  50. 50. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 50Neben meiner Erhebungsmethode möchte ich auch einen geschichtlichen As-pekt einbringen. Deswegen setzte ich mich mit den Chroniken der beiden aus-gewählten Neuen Mittelschulen auseinander. Mein Ziel ist es dabei, mehr überdie Schule selbst und ihren Werdegang zu erfahren, überdies möchte ich best-möglich aufzeigen, wie sich im Laufe der Zeit der Klassenraum sowie die Lern-bedingungen für die SchülerInnen verändert haben. Besonders letzteres Vor-haben stellt eine sehr schwierige Aufgabe dar, da lediglich in seltensten FällenBildquellen der früheren Klassenräume erhalten sind.4.2 Neue Mittelschule Mayrhofen4.2.1 GeschichtlichesErstmals stellte sich die Frage in den 1920er-Jahren, ob in Mayrhofen eine Bür-gerschule gegründet werden soll. Diese Gelegenheit blieb ungenutzt und sowurde eine Bürgerschule in Zell am Ziller errichtet. (Vgl. Lechner 2009, S. 23)Zell am Ziller ist eine Marktgemeinde im Zillertal und gehört zum BezirkSchwaz. Die Entfernung von Mayrhofen nach Zell beträgt ca. neun Kilometer.Durch die Errichtung der Bürgerschule in Zell wurde diese zur Ausbildungsstät-te für die SchülerInnen Mayrhofens. Beinahe 30 Jahre mussten die SchülerIn-nen gefahrvolle und teure Wanderungen von Mayrhofen nach Zell und zurückauf sich nehmen. (Vgl. Lechner 2009, S. 23)Im Jahr 1950 war die Anzahl der Mayrhofner SchülerInnen in Zell bereits auf 80gestiegen. Diese Tatsache veranlasste den damaligen Bürgermeister Platzerdazu, dass er einen Aufnahmestopp für neue SchülerInnen von Mayrhofen an-ordnete. Zeitgleich formierte sich in Mayrhofen eine Gruppe, die es sich zumZiel setzte, eine eigene Hauptschule zu errichten. (Vgl. Lechner 2009, S. 23)Anfangs standen die bäuerlichen Kreise diesem Projekt der Hauptschule sehrskeptisch gegenüber, da sie glaubten, die Kinder würden dadurch der Arbeit amHof entfremdet werden. (Vgl. Lechner 2009, S. 23)Trotz einigen Gegnern wurde am 16. Dezember 1950 vom Gemeinderat be-schlossen, dass ein Schulhausbau unvermeidlich sei. Neben Materialien für denBau musste natürlich auch ein geeigneter Bauplatz gefunden werden. Die Diö-
  51. 51. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 51zese Salzburg stellte einen passenden Grund zur Verfügung. Danach begannman, Material für den Schulbau zu sparen. Die Gemeinde Mayrhofen legte einegroße Menge an Ziegeln für den Schulhausbau zur Seite, aber ebenso die Bür-ger der Gemeinde mussten eine gewisse Zahl an Abgaben leisten. (Vgl. Lech-ner 2009, S. 24)Im Herbst 1951 wurden die erste Klasse mit 53 SchülerInnen eröffnet. DieseKlasse fand noch im 1. Stock des Café Edelweiß ihren Platz. Dort mussten dieinsgesamt sechs Lehrer den Unterricht abhalten. Laut Erzählungen von Dr. Jo-hannes Rauter handelte es sich um einen lang gezogenen, schmucklosenRaum, welcher mit einer Holzfaserwand versehen war. Mit einer großen Schie-betür ließ sich dieser Raum in zwei Räume aufteilen. (Vgl. Lechner 2009, S. 24)Ein Jahr später wurde der erste Grundstein für die Schule gelegt. Die Gemein-de Mayrhofen hatte genug Rohstoffe sparen können bzw. durch zusätzlicheAbgaben von „Robotschichten“ der Bürger ausreichend Material, um mit demSchulbau zu beginnen. (Vgl. Lechner 2009, S. 24) Die Heimatstimme schrieb:„Zum Schulhausneubau wurde am 14. Jänner 1952 mit dem Grundaushub be-gonnen. Fleißige Hände schaffen und regen sich für das große Werk unsererGemeinde.“ (Lechner 2009, S. 24)In diesem Jahr vergrößerte sich die Klassenanzahl drastisch und somit wurdenaus einer Klasse schließlich vier Klassen. Da das Schulhaus noch nicht fertiggestellt war, war ein Platzmangel vorprogrammiert. Keinesfalls konnten alle vierKlassen im Café Edelweiß untergebracht werden, es gab höchstens Platz fürzwei Schulklassen. Doch ebenso für dieses Problem fand sich eine Lösung:Herr Böhmer stellte den 1. Stock des Wohnhauses Tischlerei Böhmer zur Ver-fügung, diese Räumlichkeit bot Platz für eine Klasse. Die andere Klasse fand ihrneues Zuhause im Proberaum der Musikkapelle. (Vgl. Lechner 2009, S. 24)Nicht lange mussten die SchülerInnen in den provisorischen Unterrichtsräumenunterrichtet werden, denn bereits am 5. Februar 1953 waren Erdgeschoss undKellerräume des neugebauten Schulhauses so weit fertig, um bezogen werdenzu können. An diesem Tag fand die Eröffnungsfeier statt. Prof. Dr. Wolf zele-brierte in der Eingangshalle eine Messe, Msgr. Krapf weihte die Räume, Bür-germeister Kröll hielt eine Ansprache, in der er den Bürgern und den kirchlichen
  52. 52. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 52Stellen Salzburgs, ohne die der Bau des Schulhauses nicht möglich gewesenwäre, dankte. Der Vorzugsschüler Franz Heim durfte das Schulhaus aufsperrenund somit seiner Bestimmung übergeben. (Vgl. Lechner 2009, S. 24)Die nächsten zwei Abbildungen zeigen zwei Klassenräume, das genaue Ent-stehungsdatum konnte leider nicht festgestellt werden.Abbildung 6: Schulklasse von Dir. Hans Oberforcher 1930 bis 1945 (Quelle:Lechner 2009, S. 48)Mithilfe dieser Fotografie bekommt man einen guten Einblick in die damaligenGegebenheiten eines Klassenraumes. Der rechteckige Klassenraum wirkt großund vollgestopft. Zwischen den massiven Schulbänken der Kinder ist nicht vielFreiraum, gerade einmal so viel, dass die SchülerInnen aufrecht sitzen konnten.Im linken hinteren Bereich des Klassenzimmers sind noch leere Schulbänke zuerkennen. Diese Zweierschulbänke der Kinder sind aus einem dunklen Holzgefertigt und sind gerade einmal groß genug, dass jede/r SchülerIn genügendPlatz zum Schreiben hat. Wie bereits Ottel (1982) erwähnte, kam es aufgrunddieser geringen Schulbankbreiten oft zu Streitigkeiten zwischen den SchülerIn-nen. Gut zu erkennen ist auch der Ofen im linken Eck des Klassenraumes. DieWände des Klassenzimmers wurden bis zur Kopfhöhe der Kinder dunkel gestri-chen. Neben der Tatsache, dass ein dunkler Anstrich bis zur Kopfhöhe in der
  53. 53. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 53damaligen Zeit üblich war, kommt noch hinzu, dass es besonders im Fußbe-reich schmutzunempfindlicher ist und somit sauberer wirkt als eine helle, aberverdreckte Wand. Vorhänge, Blumen und Bilder an den Wänden ließen denRaum attraktiver wirken.Abbildung 7: Schulklasse 1960 bis 1970 (Quelle: Lechner 2009, S. 49)Auf diesem Bild aus der Zeit zwischen 1960 und 1970 erkennt man ein deutlichmoderneres Klassenzimmer. Der quadratische Klassenraum wirkt kleiner, abereindeutig freundlicher als jener auf der oberen Fotografie. Die Zweiertische derSchülerInnen haben eine helle Holztischplatte und höhenunverstellbare, zarteFüße aus Stahl. Diese Tische wirken Platz sparender und leichter als die mas-siven Holzbänke auf dem oberen Bild. Die Fenster sind größer und der Klas-senraum wirkt sehr hell. Wieder lassen Vorhänge, Pflanzen und Bilder an denweiß gestrichenen Wänden den Klassenraum attraktiver wirken.Die Zeit verging und man stand vor einem neuen Problem, als das neue Gesetzherauskam, dass jedes Kind in Österreich das Recht hat, bei Einhaltung derHauptschulbedingungen diese in seinem Heimatsprengel zu besuchen. Es warvorauszusehen, dass das Schulhaus zu klein ist, da es eigentlich lediglich fürdie Kinder des Ortes geplant bzw. gedacht war. In das Einzugsgebiet von Ma-yrhofen fielen Brandenberg, Tux, Hippach und Schwendberg.
  54. 54. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 54Die permanent steigende Schülerzahl machte einen Neubau der Volksschuleunvermeidlich. 1966 wurde direkt an die Hauptschule der neue Trakt der Volks-schule angebaut. (Vgl. Lechner 2009, S. 28)Zur Jahrtausendwende wurden Raumnot und die desolaten Zustände des veral-teten Gebäudes zur Qual für alle Betroffenen. 2004 wurde der Entschluss ge-fasst, ein Schulzentrum für Volks-, Haupt- und Polytechnische Schule zu bauen.Man beschloss, den alten Volksschultrakt komplett abzureißen, um Platz fürden Neubau zu schaffen, der Hauptschultrakt sollte renoviert werden und alsTeil des gesamten Komplexes dienen. Dieser Bau wurde wettausgeschrieben,der Gewinner war die Neue Heimat Tirol und wurde somit mit der Bauausfüh-rung beauftragt. Ab Jänner 2005 fanden intensive Besprechungen zwischenVertretern der Gemeinde, Lehrerschaft und der Neuen Heimat Tirol statt, umein passenden Raumprogramm zu entwickeln. Diese Auflagen wurden an fünfverschiedene Architekten versandt. Am 09.08.2005 entschied sich die Jury fürden Tiroler Architekten Schnizer. (Vgl. Lechner 2009, S. 34f)Abbildung 8: Klassenraum im Hauptschulgebäude im Jahr 2006 (Quelle: Foto-archiv NMS Mayrhofen)
  55. 55. Bachelorstudium für das Lehramt an Hautschulen/Neuen Mittelschulen 55Abbildung 9: Klassenraum im Hauptschulgebäude im Jahr 2006 (Quelle: Foto-archiv NMS Mayrhofen)Wenn man die beiden Bilder eines Klassenraumes aus dem Jahr 2006 betrach-tet, wird sofort klar, dass der Umbau bzw. Neubau der Schule notwendig war.Im Klassenzimmer waren ca. 25 Schüler auf ca. 65 m² zusammengepfercht,diese unbefriedigende Lernsituation musste im neuen Schulhaus eindeutig op-timiert werden. Auch die Platz sparenden Zweiertische boten für die Kinder kei-ne große Arbeitsfläche. Neben den Tischen waren ebenso die veralteten Holz-stühle nicht für alle SchülerInnen passend. Da laut Noack (1997) in der PubertätWachstumsschübe innerhalb derselben Altersklasse zu erheblichen Differenzender Körpergröße führen können, sollten Stühle für Kinder höhenverstellbar sein,was im damaligen Fall leider nicht möglich war. Das Ausmaß dieser Wachs-tumsschübe lässt sich in der Abbildung 5 sehr gut erkennen: Der große Schülerim weißen T-Shirt teilt sich seine Bank mit dem Schüler im roten T-Shirt, be-denklich ist, dass beide Schüler mit denselben Höheeinstellungen von Tischund Stuhl arbeiten mussten.Die Spuren der jahrelangen Abnützung machten vor dem grauen Fliesenbodennicht Halt, auch die farblose Gestaltung der Wände mit den spärlichen Regalen

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