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[PDF] Pressemitteilung: USA aktuell
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  1. 1. Helaba Volkswirtschaft/Research USA aktuell 12. Juli 2012 US-Konsument: Standbein statt Achillesferse? Autor: Patrick Franke  Wegen ihrer hohen Verschuldung gelten die Konsumenten in den USA seit der jüngsten Tel.: 0 69/91 32-47 38 Rezession bei vielen Beobachtern als dauerhafte Wachstumsbremse. research@helaba.de  Seit 2007 haben die Haushalte ihre Verschuldung jedoch schon deutlich zurückgefahren.  Die Niedrigzinspolitik der Fed dämpft diesen Prozess tendenziell, denn billigere Kredite machen Schuldenabbau weniger attraktiv. Redaktion:  Der weitere Ausblick für den Konsum hängt nun weniger von den Haushalten selbst als Dr. Stefan Mitropoulos von den Einstellungsentscheidungen der Unternehmen und von der Finanzpolitik ab. Herausgeber: In den „goldenen Jahren“ 1995 bis 2006, d.h. einschließlich der milden Rezession von 2001, legte der private Konsum inflationsbereinigt im Schnitt um gut 3½ % pro Jahr zu – über diesen Zeit- Dr. Gertrud R. Traud raum insgesamt also um mehr als 50 %. Seit dem Ende der Rezession 2009 liegt der ZuwachsChefvolkswirt/Leitung Research jedoch nur noch bei durchschnittlich 2¼ % (einschließlich der Jahre 2007/2008 sogar nur beiLandesbank Hessen-Thüringen ¾ %). Obwohl dies die pessimistischen Erwartungen in der Krise deutlich übertroffen hat, ist ein MAIN TOWER merklicher Verlust an Dynamik nicht zu übersehen. Dieser spiegelt vor allem die geplatzte Blase Neue Mainzer Str. 52-58 am Immobilienmarkt und ihre Auswirkungen auf die Bilanzen der privaten Haushalte wider. 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Der massive Einbruch am Arbeitsmarkt und die dadurch verloren gegangenen Einkommen spielten Telefax: 0 69/91 32-22 44 bei der schwächeren Entwicklung des Konsums natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Zudem fielen in der Krise nicht nur die Hauspreise, sondern auch die Aktienkurse – was die Nettover- mögen der Konsumenten weiter drückte. Zwar senkte der Bund die Steuern und legte ein umfang- reiches Konjunkturprogramm auf. Doch schon seit einiger Zeit dämpfen die Ausgaben der Bun- desebene die Konjunktur. Auch die untergeordneten Gebietskörperschaften stehen seit längerem auf der Bremse und belasten die Haushalte durch höhere Steuern und Abgaben bzw. durch Ein- schnitte bei den Ausgaben. Wie stellt sich nun aus heutiger Sicht der finanzielle Zustand des Haushaltssektors da? Wie weit ist der Schuldenabbau schon fortgeschritten? Wie viel kann der Konsum in den kommenden Jahren zum Wachstum beisteuern? Schulden der privaten Haushalte: Im fünften Jahr der Korrektur Verschuldung der privaten Haushalte in % der verfügbaren Einkommen 140 140 120 Insgesamt 120 100 100 Die Publikation ist mit größter Sorgfaltbearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich 80 80 unverbindliche Analysen und Prognosen zu 60 60 den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- Hypotheken verhältnissen. Die Angaben beruhen auf 40 40 Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktua- 20 20 lität wir aber keine Gewähr übernehmen kön- Verbraucherkredite 0 0 nen. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 nen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research. Anlageentscheidungen verstanden werden.
  2. 2. USA aktuell „Deleveraging“: Wie viel Schuldenabbau ist genug? In den Jahren 2000 bis 2007 erhöhte sich die Verschuldung der privaten Haushalte von 96 % auf 134 % der verfügbaren Einkommen. Seit 2007 hat die Entschuldung jedoch große Fortschritte gemacht: Vom Gipfel hat die Verschuldung bis Q1 2012 auf 114 %, oder über 20 Prozentpunkte, abgenommen (Schaubild, S.1). Dabei fällt auf, dass die Kreditkarten- und Ratenkredite weder an dem Anstieg noch an der folgenden Korrektur einen nennenswerten Anteil hatten. Der Kern des Problems liegt im dramatischen Anstieg der Hypothekenkredite im Zuge der Immobilienblase. Entsprechend muss auch die Entschuldung über einen Abbau der Immobilienkredite erfolgen. Eine Antwort auf die Frage „Wie weit ist die Korrektur hier fortgeschritten?“ setzt voraus, dass sich ein Wie weit werden die Wert bestimmen lässt, ab dem der Verschuldungsstand unproblematisch ist. Offensichtlich weist Schulden fallen? das Verhältnis der Hypotheken zum verfügbaren Einkommen einen langfristigen Aufwärtstrend auf, der allerdings immer wieder von Seitwärtsbewegungen unterbrochen wird. Angesichts des vergleichsweise stetigen Anstiegs der Einkommen sind die Ursachen eines zunehmenden Verhält- nisses von Hypotheken zu Einkommen z.B. überproportional steigende Hauspreise, günstige Fi- nanzierungsbedingungen und das Öffnen des Hypothekenmarktes für gesellschaftliche Gruppen, die vorher von ihm ausgeschlossen waren. Legt man seit 1950 einen linearen Trend über die Zeit- reihe, so liegt der aktuelle Wert bereits auf dem Trend. Allerdings dürfte die Korrektur den Trend temporär unterschießen. Alternativ wäre denkbar, dass der gesamte Anstieg seit 2000 nicht nach- haltig war – in diesem Fall wäre der Trendwert für die Hypotheken bei vielleicht 70 % der Ein- kommen. Selbst in diesem Szenario wären aber bereits etwa 2/3 der Korrektur bis zum Trend be- reits erfolgt. Ein weiterer Schuldenabbau setzt dabei nicht zwingend einen andauernden Abbau der nominalen Schulden voraus – der weitere Prozess könnte sich auch über eine Stagnation der Im- mobilienschuld bei fortgesetztem Anstieg der verfügbaren Einkommen abspielen. 2012 und 2013 dürften diese jeweils um etwa 3 % zulegen und so die Schuldenquote weiter zurückführen. Das Beispiel „Great Depression“ in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt, dass selbst in einer Wirtschaftskrise ein „Deleveraging“ nicht selbstverständlich ist. Tatsächlich stiegen damals die Schulden relativ zu den Einkommen angesichts des Einbruchs der Wirtschaftsaktivität und vor dem Hintergrund des fallenden Preisniveaus zunächst sogar spürbar. 1 Nicht eindeutig zu klären ist, welchen genauen Anteil freiwillige Schuldentilgung und Zahlungs- ausfälle aktuell am Schuldenabbau haben. Aus der engen Sicht des gesamten Haushaltssektors ist dies irrelevant. Für die einzelnen zahlungsunfähigen Haushalte verschlechtert sich zwar dasWo ist das nachhaltige Niveau? Great Depression: Zunächst steigende SchuldenHypothekenschulden in % der verfügbaren Einkommen Schulden der privaten Haushalte 100 100 80 80 In % der Haushaltseinkommen (LS) 90 90 70 70 80 80 60 60 70 70 60 linearer Trend 50 In Mrd. Dollar (RS) 50 60 50 "Blase ab 50 40 40 2000" 40 40 30 30 30 30 20 20 20 20 10 10 10 10 0 0 0 0 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 1929 1931 1933 1935 1937 1939 1941Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Mishkin (1978), Helaba Volkswirtschaft/Research 1 Siehe Mishkin, Frederic S. (1978), The household balance sheet and the Great Depression, Journal of Economic History, Vol. 38, No. 4, Dezember 1978. Helaba Volkswirtschaft/Research · 12. Juli 2012· © Helaba 2
  3. 3. USA aktuell Credit Rating, aber die Gesamtschuldenlast geht so oder so zurück. Die Belastungen im Default- Fall entstehen im Bankensystem. In gesamtwirtschaftlicher Betrachtung ist daher ein Schuldenab- bau über Insolvenzen natürlich weniger positiv zu bewerten als über Tilgung. Einige Beobachter vertreten seit längerem die These, der beobachtete Schuldenabbau seit 2007 sei praktisch rein auf Zahlungsausfälle zurückzuführen. Dies beruht jedoch auf zu kurz greifenden Analysen oder fragwürdigen Daten. Zu bedenken ist z.B., dass selbst ein definitiver Zahlungsaus- fall auf einen Kredit nur dann zu einer Reduktion der ausstehenden Hypotheken in gleicher Höhe führt, wenn es der Bank, die die Zwangsvollstreckung durchführt, nicht gelingt, einen neuen Käu- fer für das Haus zu finden oder dieser den Kaufpreis in bar bezahlt. Im Regelfall wäre gegenzu- rechnen, dass der neue Käufer einen Kredit aufnehmen wird, auch wenn dieser angesichts der rückläufigen Hauspreise und gestiegenen Eigenkapitalanforderungen wohl niedriger wäre. Eine aktuelle Studie der Fed 2 verwendet Mikrodaten über Haushalte, um die relative Bedeutung unterschiedlicher Faktoren für den Schuldenabbau abzuschätzen. Sie kommt zu dem Ergebnis,Schwache Neuverschul- dass der wichtigste Treiber des Deleveraging nicht die „Abflüsse“ (Tilgung und Insolvenzen) sind, dung wichtigster Faktor sondern der Einbruch bei den „Zuflüssen“. So hat die Geschwindigkeit der Tilgung in den vergan- genen Jahren nicht merklich zugenommen. 3 Bei den Abgängen dominiert der Effekt, dass sich manche Haushalte komplett aus dem Hypothekenmarkt verabschieden – ob durch Default oder Verkauf des Hauses – und stattdessen mieten. Diese Haushalte verzeichnen natürlich den prozen- tual stärksten Rückgang ihrer Hypothekenschuld, in der Regel auf Null. Auf der Makroebene spielt dies jedoch nicht die wichtigste Rolle. So hat sich die Zahl derjenigen Haushalte, die dem Hypo- thekenmarkt den Rücken kehren, interessanterweise seit dem Boom nicht stark verändert – deut- lich zugenommen hat hingegen die Zahl derer, die ihre ausstehende Schuld reduzieren. Der wichtigste Faktor ist aber eine stark rückläufige Zahl der Erstkäufer von Wohnimmobilien und ein 75 %iger Einbruch bei der Zahl der von Investoren (d.h. nicht zur eigenen Nutzung) erworbe- nen Häuser. Dies hat die Neuverschuldung massiv eingedämmt. Fallende Hauspreise, der schwa- che Arbeitsmarkt und die niedrige Rate der Haushaltsbildung haben zu dieser Entwicklung beige- tragen. Verglichen mit der Boomphase ist zudem aktuell die Zahl der Haushalte, die eine beste- hende Hypothek aufstocken, stark gesunken. Offen bleibt, in welchem Umfang die geringeren Zugänge „freiwillig“ sind und inwiefern sie durch ein verändertes Kreditvergabeverhalten seitens der Banken erzwungen wurden.Abschreibungen nicht der wichtigste Faktor Weniger Zuflüsse, nicht mehr Abflüsse treiben den AbbauZahlungsausfälle in % der ausstehenden Hypothekenkredite („residential“) 2-Jahres-Veränderung der Hypothekenschuld nach Haushaltsgruppen, $ Bio. 12 12 2,5 2,5 Neuzugänge Zahlungsverzug 2,0 2,0 10 10 Auf stocker 1,5 1,5 8 8 1,0 1,0 6 6 0,5 0,5 0,0 0,0 4 4 -0,5 -0,5 2 2 Abgänger -1,0 Abbauer -1,0 Wertberichtigung 0 0 -1,5 -1,5 1991 1996 2001 2006 2011 1999-01 2001-03 2003-05 2005-07 2007-09 2009-11Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: FRBNY/Equifax Consumer Credit Panel, Helaba Volkswirtschaft/ Research 2 Bhutta, Neil (2012), Mortgage debt and household deleveraging: accounting for the decline in mortgage debt using con- sumer credit record data, FEDS paper 2012-14. 3 Beim aktuellen Schuldenstand würde eine reguläre Tilgung von durchschnittlich 1 % p.a. die ausstehenden Hypotheken pro Jahr um rund 100 Mrd. Dollar (oder etwa 1 % der Einkommen) sinken lassen. Helaba Volkswirtschaft/Research · 12. Juli 2012· © Helaba 3
  4. 4. USA aktuellErhebliche Entlastung… …auch mit Hilfe der Nullzinspolitik der FedSchuldendienst der privaten Haushalte in % der verfügbaren Einkommen Implizite Zinsen auf die Schulden der privaten Haushalte, % 15 15 20 20 18 18 14 14 16 16 13 13 14 Verbraucherkredite 14 12 12 12 12 10 Insgesamt 10 11 11 8 8 10 10 6 Hypotheken 6 4 4 9 9 2 2 8 8 0 0 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Fallende Schuldendienstquote – auch dank der Nullzinspolitik Eine positive Folge des rückläufigen Schuldenstands ist die abnehmende Belastung der Haushalte durch den Schuldendienst. Da weniger Schulden zu bedienen sind, ist auch die monatliche Belas- Niedrigzinsumfeld hilft tung geringer. Für die Haushalte insgesamt ist die Schuldendienstquote am verfügbaren Einkom- den Haushalten men vom Höchstwert bei 14 % auf 11 % im Q1 2012 gefallen, den niedrigsten Wert seit Mitte der neunziger Jahre. Die Schuldenlast durch Hypothekenschulden liegt wieder beim selben Wert wie 2002, obwohl der Schuldenstand relativ zu den Einkommen heute noch immer rund zehn Prozent- punkte höher ist als damals. Dies wird durch das niedrige Zinsniveau und damit letztlich durch die Geldpolitik der Fed ermöglicht. Obwohl das Bankensystem noch immer angeschlagen ist, sind mit Hilfe der Nullzinspolitik der Notenbank sowohl die Hypotheken- wie auch die Konsumentenkredi- te derzeit so billig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dies gilt nicht nur für neue Kredite, sondern auch für den Bestand, denn die Amerikaner profitieren von der Möglichkeit, einen Kredit vorzeiti- gen abzulösen, indem sie ihn zu den aktuell niedrigeren Zinsen refinanzieren. Dieses Niedrigzinsumfeld ist allerdings im Hinblick auf die Entschuldung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben die Haushalte tendenziell mehr Mittel für die Tilgung übrig. Anderer- seits macht ein niedrigerer Zins das Sparen weniger attraktiv und bietet eher Anreize zur Aufnah- me von zusätzlichen Krediten. Die Fed dämpft also mit ihrer sehr expansiven Politik den Ent- schuldungsprozess. Wären die Hypothekenzinsen deutlich höher, würden noch weniger neue Im- mobilienkredite nachgefragt und noch mehr Haushalte mit bestehenden Krediten müssten Insol- venz anmelden. Schuldenabbau: Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen Ein interessantes Schlaglicht auf die Verschuldungssituation der Haushalte wirft der alle drei Jahre von der Fed durchgeführte „Survey of Consumer Finances“ (SCF). Er zeigt auch die ambivalente Wirkung der Zinspolitik auf die Verschuldung. So haben die ausstehenden Schulden mit Besiche- rung durch Wohnimmobilien am oberen und unteren Ende des Einkommensspektrums in den ersten Jahren nach der Krise sogar zugenommen. Bei den Haushalten in den unteren 40 % der Einkommensverteilung stiegen die Schulden zwischen 2007 und 2010 in absoluter Betrachtung. Dies dürfte vor allem dem schwachen Arbeitsmarkt geschuldet sein und spiegelt wohl primär eine zusätzliche Beleihung bestehenden Wohneigentums wider, um als temporär angenommene Ein- kommenseinbußen zu überbrücken. Die Haushalte in den nächsten 50 % der Einkommensvertei- lung (40 % bis 90 %) bauten ihre Immobilienschulden über den gleichen Zeitraum ab. Die ein- kommensstärksten zehn Prozent der Haushalte erhöhten hingegen trotz fallender Hauspreise ihre Hypothekenschulden – hier dürfte vor allem der Anreiz durch die niedrigen Zinsen eine Rolle gespielt haben. Helaba Volkswirtschaft/Research · 12. Juli 2012· © Helaba 4
  5. 5. USA aktuellMehr Schulden: Die ganz Armen und die ganz Reichen Sonderfall StudentenkrediteMit Immobilien besicherte Kredite (Median), Veränderung 2007 bis 2010, % Prozentanteil aller Haushalte, die… 35 35 84 20 30 30 ...einen ausstehenden 82 Studentenkredit haben (RS) 18 25 25 20 20 80 16 15 15 10 10 78 14 5 5 76 12 0 0 -5 -5 ...verschuldet sind (LS) 74 10 -10 -10 bis 20 % 20-40% 40-60% 60-80% 80-90% 90-100% 72 8 Einkommensverteilung der Haushalte 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010Quellen: FRB, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Insgesamt unterstützt der SCF aber das grundsätzliche Bild eines Schuldenabbaus im Haushalts- sektor. Der Anteil aller Haushalte, die verschuldet sind, war zuletzt rückläufig. Eine Art „Sonder- konjunktur“ gab es eigentlich nur bei den Studentenkrediten, deren Verbreitung kräftig zugelegt hat. Diese machten aber selbst im Q1 2012 nur rund 8 % der Gesamtverschuldung der privaten Haushalte aus. Finanzlage der Haushalte: Gegenwind lässt langsam nach Was heißt all dies nun für die künftigen Ausgaben der privaten Haushalte? Der Konsum profitiert derzeit von der geringeren Schuldendienstquote und von der merklichen Verschiebung der Haus- Hauspreise dämpfen haltsnachfrage weg von Wohnungsbauinvestitionen. Gleichzeitig animieren die niedrigen Zinsen noch zur Aufnahme von Ratenkrediten und zum Einsatz der Kreditkarte. Dies stützt den Konsum. Ge- messen an ihrem Nettovermögen ist die Konsumquote der Haushalte aktuell jedoch eher noch etwas zu hoch. Zwar hat bei den Vermögen seit dem Tief eine Erholung eingesetzt, die Schwäche der Hauspreise hat aber bislang eine deutlichere Verbesserung verhindert. Wenn hier ein Wende eintritt, wird dies positive Effekte auf die Konsumneigung der Verbraucher haben. Sollte der nominale Schuldenabbau auslaufen, würde dies ebenfalls den Konsum stützen. Aktuell investieren die Haushalte Quartal für Quartal netto in den Wohnungsbau, während das Volumen der ausstehenden Hypotheken gleichzeitig fällt. Damit hat sich das als „mortgage equity withdrawal“ (MEW) bezeichnete Beleihen des Wohneigentums im Boom ins Gegenteil verkehrt.Gemessen am Nettovermögen recht hohe Konsumquote Vom Rücken- zum Gegenwind% der verfügbaren Einkommen (4-Quartals-Durchschnitt) MEW*, Mrd. Dollar, kumuliert (Jahreswerte, Q1/12 aufs Jahr hochgerechnet) 700 100 2500 2500 650 Konsumquote (RS) 98 2000 2000 600 96 1500 1500 550 94 1000 1000 500 92 500 500 450 Nettovermögen (LS) 90 0 0 400 88 -500 -500 350 86 -1000 -1000 1953 1963 1973 1983 1993 2003 2013 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research * Differenz aus der Veränderung des Hypothekenbestands und den Woh- nungsbauinvestitionen Helaba Volkswirtschaft/Research · 12. Juli 2012· © Helaba 5
  6. 6. USA aktuell Kumulativ betrachtet haben die Haushalte bis zum Q1 2012 nicht nur das im Boom entzogene Eigenkapital wieder „eingezahlt“, sondern darüber hinaus per Saldo reichlich „nachgeschossen“. Kurzfristig sollte der Konsum Rückenwind von den fallenden Benzinpreisen erhalten. Der Anstieg der Energiepreise im Winterhalbjahr 2011/12 dürfte wie schon im Frühjahr 2011 ein wichtiger Grund für die jüngsten Schwächetendenzen bei den Konsumausgaben gewesen sein.Konsum profitiert von Entlastung bei den Benzinpreisen Ausblick: Niedrigere Inflation, aber die Fiskalpolitik bremst6-Monatsveränderung in % 6-Monatsveränderung in % (invertiert) Veränderung ggü. Vorjahr in % bzw. Prozentpunkte (2012/13 Prognose) 1,8 -20 8 8 Reale Konsumausgaben (LS) 1,6 6 Teuerung 6 Nominale Arbeitseinkommen -10 1,4 4 4 1,2 0 2 2 Preis bei 1,0 c. $3,40/ 10 0 0 0,8 Gallone konstant -2 -2 0,6 20 0,4 -4 Ef f ekt der Fiskalpolitik -4 Benzinpreis (RS) 30 (Transf ers minus Steuern) 0,2 -6 -6 Reale Nettoeinkommen 0,0 40 -8 -8 Jul 10 Jan 11 Jul 11 Jan 12 Jul 12 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Jenseits des Schuldenabbaus: Arbeitsmarkt und Finanzpolitik im Fokus Die wichtigste Determinante des Konsums bleibt aber die Entwicklung der verfügbaren Einkom- men. Diese hängt jedoch primär von Entscheidungen der Unternehmen und der Regierung ab. Erstere bestimmen über die Lohnzuwächse und den Stellenaufbau. Während sich der Anstieg der Stundenlöhne bei rund 2 % eingependelt hat, ist die Unsicherheit über die weitere Beschäfti- gungsentwicklung groß. Anfang 2012 sah es so aus, als hätte der Arbeitsmarkt endlich seine Träg- heit abgeschüttelt und würde Tempo aufnehmen. In den drei Monaten bis zum Juni legte die Zahl der Stellen in der Privatwirtschaft jedoch im Schnitt nur noch um 91.000 pro Monat zu. Dies reicht nicht einmal ganz, um über längere Zeit die Arbeitslosenquote zu stabilisieren. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Stellenmarkt im zweiten Halbjahr wieder etwas Fahrt aufnimmt und im Schnitt netto zusätzlich 150.000 Stellen pro Monat entstehen. Aufs Nur temporäre Delle Jahr hochgerechnet würde dies einen nominalen Anstieg der Lohn- und Gehaltssumme von rund beim Stellenaufbau 3½ % bedeuten. Angesichts des zu erwartenden deutlichen Rückgangs der Teuerungsrate (Progno- se Dezember 2012: 1,5 %, verglichen mit 3 % ein Jahr zuvor) würde dies ausreichend Realein- kommenszuwächse generieren, um bei konstanter Sparquote eine solide, wenn auch unspektakulä- re, Zunahme des realen Konsums um rund 2 % zu ermöglichen. Im kommenden Jahr drohen jedoch Querschüsse von der Fiskalpolitik. Nach geltendem Recht würden zur Jahreswende in erheblichem Umfang die Einkommensteuern erhöht und die Renten- beiträge spürbar angehoben, bei gleichzeitigen Einschnitten bei den Staatsausgaben. Selbst wenn sich Kongress und Präsident auf eine Entschärfung dieser Problematik einigen können – was kei- neswegs sicher ist – dürfte die Fiskalpolitik 2013 dämpfend auf den Konsum wirken. Zwar ist davon auszugehen, dass höhere Steuern zunächst teilweise durch eine rückläufige Sparquote auf- gefangen werden. Dennoch erwarten wir bislang für 2013 trotz der sich tendenziell verbessernden finanziellen Rahmenbedingungen mit 1½ % einen eher unterdurchschnittlichen Zuwachs beim realen Konsum. Tatsächlich könnte die Drohung des Damoklesschwertes „fiscal cliff“ ausreichen, um bereits heute die Unternehmen von Neueinstellungen abzuhalten und die Konjunktur zu schwächen. Wir werden unsere Konjunkturprognose für 2012 und 2013 aktualisieren, nachdem die Statistiker Ende Juli die jährliche Revision der Wachstumszahlen vorgenommen haben Helaba Volkswirtschaft/Research · 12. Juli 2012· © Helaba 6

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