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Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68Entstehung 1862-76 (mit Unterbrechungen)Uraufführung 4.11.1876 KarlsruheBeset...
Freunde zu Kundgaben des Entzückens hinriss – der jedoch zunächstkeine Komplettierung zu einer viersätzigen Sinfonie erfuh...
Uraufführung und RevisionMit Vorsicht und Bedacht bahnte Brahms seiner von der Musikwelt solange erwarteten Sinfonie den W...
schon allein die Wahl der Tonart c-Moll weckt Erinnerungen an dessen5. Sinfonie, den Weg »durch Nacht zum Licht« vom erste...
Highlights der Saison 2010/11Haben Sie den Abend genossen? Dann werfen Sie jetzt schoneinen Blick auf das Programm der kom...
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Viktoria Mullova                    Viktoria Mullova studierte an der Zentralen Musik-                    schule Moskau un...
Schuberts Oktett mit dem Mullova Ensemble, ein Rezital mit KatiaLabèque und Bach-Aufnahmen gemeinsam mit Ottavio Dantone s...
AktuellesPublikumsorchester bekommt neuen TerminSehr geehrte Konzertbesucher,seit 2006 ist es für das Konzerthausorchester...
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[PDF] Programmheft 10 06 10 Tag der Musik mit Viktoria Mullova
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  1. 1. FR 18.06.2010 20.00 UhrSA 19.06.2010 20.00 UhrGroßer Saal, Abonnement E, 4. KonzertKonzerthausorchester BerlinLothar ZagrosekViktoria Mullova ViolineBéla Bartók (1881 – 1945)»Der wunderbare Mandarin« – Suite nach der Ballettmusik op. 19Jean Sibelius (1867 – 1957)Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47Allegro maestosoAdagio di moltoAllegro, ma non tantoPauseJohannes Brahms (1833 - 1897)Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68Un poco sostenuto – AllegroAndante sostenutoUn poco Allegretto e graziosoAdagio – Allegro non troppo, ma con brioMit freundlicher Unterstützung vonPräsentiert vonHandy ausgeschaltet? Vielen Dank!Bitte beachten Sie, dass Medien-Aufnahmen aller Art während des Konzertes nicht zulässig sind.
  2. 2. Béla Bartók: »Der wunderbare Mandarin« – Suite nach derBallettmusik op. 19Entstehung 1918/19Uraufführung 27.11.1926 Köln (Ballett), 15.10.1928 Budapest (Suite)Besetzung 3 Flöten (2. und 3. auch Piccolo), 3 Oboen (3. auchEnglischhorn), 3 Klarinetten (3. auch Bassklarinette), 3 Fagotte(2. und 3. auch Kontrafagott), 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen,Tuba, Pauken, Schlagzeug (Große und Kleine Trommel, Triangel,Becken, Tamtam, Xylophon, Celesta, Klavier, Harfe, StreicherDauer ca. 21 MinutenErmutigt durch die erfolgreichen Premieren des Tanzspiels »Der holz-geschnitzte Prinz« (1917) und der Oper »Herzog Blaubarts Burg«(1918) entwarf Bartók im Sommer 1918 Skizzen zu einem neuenBühnenwerk, einer einaktigen Ballettpantomime mit dem Titel »Derwunderbare Mandarin«. Die Handlungsvorlage fand der Komponist in einer Novelle von Menyhért Lengyel, die 1917 in der Budapester Zeitschrift »Nyugat« erschienen war. Einer Überlie- ferung des Bartókschen Freundes- kreises zufolge hatte Lengyel den Stoff ursprünglich, auf Bitten Diaghilews, als Libretto für die Ballets Russes nach ihrem erfolg- reichen Budapester Gastspiel von 1912 konzipiert. Textdichter und Komponist lernten sich AnfangSzenenbild aus »Der wunderbare Mandarin« 1918 kennen, und damals wohlgab Lengyel sein Placet zur Vertonung der »Pantomime grotesque«,deren Verschränkung von brutalem Naturalismus, futuristischerGroßstadtvision und humaner moralischer Botschaft Bartók vonAnfang an außerordentlich faszinierte. Bereits im Mai 1919 lag derkompositorische Entwurf fertig vor, allerdings nur als Klavierauszug.Da man eine Aufführung in Budapest wegen moralischer Bedenkengegen die »krude Erotik« des Sujets kategorisch ablehnte, ließ Bartók
  3. 3. sich Zeit mit der Instrumentation. Die Partiturfassung wurde erst imSommer 1923 in Angriff genommen und im folgenden Jahr (April bisNovember 1924) nochmals gekürzt und revidiert. Doch hat sich Bartóknoch bis 1931, immer wieder feilend und Details verändernd, mit dem»Wunderbaren Mandarin« beschäftigt.Skandal und VerbotDie szenische Uraufführung am 27. November 1926 im KölnerOpernhaus endete mit jenem berüchtigten Skandal, der den DirigentenEugen Szenkár, seinerzeit Generalmusikdirektor in Köln, beinahe seineStellung gekostet hätte. Nach kirchlichen und behördlichen Protestenließ der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer alle wei-teren Aufführungen verbieten. Anstoß erregte vor allem die so kühne wie freizügige Thematik derBallettpantomime, ihre satirische und sozialkritische Haltung, ihre sodemonstrative Abkehr von der Ästhetik traditioneller Tanzpartituren.Bartók selbst hat die Handlung, die er als »wunderschön« bezeichnete,1919 folgendermaßen zusammengefasst: »In ihrem Unterschlupf zwingen drei Apachen ein schönes jungesMädchen, Männer zu sich auf die Stube zu locken, die dann von dendreien vereint ausgeraubt werden. Der erste ist ein armer Bursche, derzweite auch nicht viel besser, der dritte jedoch, ein reicher Chinese, ver-spricht einen guten Fang. Das Mädchen tanzt für den Mandarin underweckt seine heftige Begierde. Er ist in Liebe entbrannt, dem Mädchenaber graut es vor ihm. Die Apachen überfallen den Chinesen, raubenihn aus, ersticken ihn mit Kissen, durchstechen ihn mit dem Degen,können aber nicht mit ihm fertig werden: Er wendet die sehnsuchtsvollverliebten Augen nicht von dem Mädchen. Endlich folgt das Mädchenseinen weiblichen Instinkten, ist ihm zu Willen, und der Mandarinsinkt leblos zu Boden.«Musik voll Härte und SchroffheitBartók hat dazu eine Musik von kompromissloser Härte undSchroffheit der Diktion geschrieben, die den realistischen Charakterund das sozialkritische Engagement der Handlung in jedem Detailgenau reflektiert. Bei aller gerafften Bewegung und explosiven Drama-tik weist die Partitur gleichwohl, ähnlich wie die des »HolzgeschnitztenPrinzen«, eine streng symmetrische Konstruktion auf: Von der furiosen
  4. 4. Introduktion bis hin zum Lento-Epilog der Todesszene ist sie mit allihren kontrastierenden Abschnitten auf eine zentrale Achse bezogen.Auch der Einbezug stilisierter Tanzcharaktere von Marsch und Walzerund die plastisch durchgeformten kontrapunktischen Steigerungensichern der Musik ein hohes Maß an formaler Objektivierung. Aus-schlaggebend für ihren inneren Zusammenhalt ist nicht zuletzt ein sub-tiles Netz von quasi »leitmotivischen« Figuren und »symbolischen«Intervallen, die den sozialen Sphären, den Protagonisten des Dramas,ihren psychischen Haltungen und emotionalen Wandlungen minuziöszugeordnet sind. Die Dynamik der Musik, ihre geballte rhythmische Spannung, ihreostinate Motivik, auch gewisse Charaktere des Orchesterklangs erin-nern deutlich an Strawinskys »Sacre du Printemps«, den Bartók freilichdamals nur aus dem Klavierauszug kannte. Dagegen verweisen die dis-sonanzreiche, kaum noch tonal gebundene Harmonik und die zerklüf-tete, gestisch hochexpressive Melodik eher auf Parallelen zur »WienerSchule«, zu Partituren Schönbergs und Bergs. Bartóks »WunderbarerMandarin« ist »neue Musik« im emphatischen Sinn wie kaum ein ande-res Werk des Komponisten – eines der großen Dokumente expressioni-stischen Musiktheaters. Bartók selbst hielt dieses Werk für eine seiner besten Arbeiten, under gab auch nach dem kläglichen Scheitern des ersten Bühnenversuchsdie Hoffnung nicht auf. Um die Musik wenigstens im Konzertsaalzugänglich zu machen, hat er in mehreren Anläufen eine Suitenfassungerarbeitet; die dritte, definitive Version wurde im Februar 1927 vollen-det und am 15. Oktober 1928 unter Leitung von Ernst von Dohnány inBudapest uraufgeführt. Sie ist, von unwesentlichen Kürzungen abgese-hen, mit der Musik der ursprünglichen Bühnenpartitur identisch, ver-zichtet indes auf die Schlußszene und endet – nach der »Hetzjagd« aufden Mandarin – mit wenigen, eigens zu diesem Zweck hinzukompo-nierten Schlusstakten.
  5. 5. Jean Sibelius: Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47Entstehung 1903/04Uraufführung 8.2.1904 Helsinki (unter Leitung des Komponisten)Besetzung 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner,2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, StreicherDauer ca. 33 Minuten Hört man das Violinkonzert von Sibelius ohne Wissen um die biographisch-genetische Konstella- tion, wird man überrascht sein zu erfahren, dass das Werk erst nach der Jahrhundertwende, im Sommer 1903 – etwa zu gleichen Zeit wie Strauss‘ »Salome« oder Mahlers Sinfonien Nr. 5 und 6 – entstanden ist. Freilich muss man sich ver- gegenwärtigen, dass Sibelius ein »Spätgeborener« war: einer der letzten großen Romantiker, der Finnland und »finnisches Idiom« in der Musik überhaupt erst salon- fähig machte – zu einer Zeit, alsJean Sibelius. Gemälde von Alexis Gallen-Kallela der musikalische Nationalismusanderorts bereits an Substanz und Wirkungskraft verloren hatte. DerSchwerpunkt seines kompositorischen Œuvres liegt zweifellos auf demGebiet der Sinfonie und der Sinfonischen Dichtung. Nicht minderbekannt, ja weltweit populär wurde das Konzert für Violine undOrchester d-Moll op. 47, das in Motivik und Struktur der thematischenArbeit mitunter an die Sinfonien Nr. 1 und 2 erinnert.Sibelius und die GeigeDass Sibelius seine konzertanten Werke – nicht nur dieses Solokonzert,sondern auch die Serenaden op. 69 und die Humoresken op. 87 und 89– ausschließlich für Violine geschrieben hat, nimmt nicht wunder, warer doch selbst ein exzellenter Geiger, der noch im Alter derVirtuosenkarriere nachtrauerte. »Die Geige«, berichtete er über seineStudienzeit, »hatte mich ganz in ihren Bann geschlagen; zehn Jahre war
  6. 6. es mein frommster Wunsch, ein großer Geigenvirtuose zu werden... undes bedeutete ein recht schmerzhaftes Erwachen für mich, als ich einesTages feststellen musste, daß ich meine Ausbildung für den mühseligenWeg eines Virtuosen zu spät begonnen hatte.« Gewiss hat Sibelius hiereinen Solopart von hochprofessionellem Anspruch und technischemRaffinement, von außerordentlich flexibler und nuancenreicher Idio-matik entworfen. Gleichwohl verliert sich sein d-Moll-Konzert nirgendsin den hybriden Ekstasen spätromantischen Bravourvirtuosentums,sondern definiert sich primär als ein Stück konzertanter Sinfonik, unddas hat ihm bis heute einen Platz im Standardrepertoire gesichert. Das eröffnende Allegro moderato folgt dem traditionellen Sonaten-satzmodell, mit dreithemiger Exposition und substantiell variierterReprise. Allerdings treten hier auch assoziativ-rhapsodische Momentedeutlich hervor, und eine großangelegte Solokadenz im Mittelteil über-nimmt gleichsam die Funktion der Durchführung. Intimeren Charakterhat das Adagio di molto, ein weitgespannter dreiteiliger Liedsatz, des-sen lyrische Figuration mitunter an die Ausdrucksmystik des Streich-quartetts »Voces intimae« gemahnt. Als stilisierter Nationaltanz mitzwei doppelt variierten Hauptthemen, Introduktion und Coda präsen-tiert sich das abschließende Allegro ma non tanto – ein Finalsatz vonforcierter Intensität in Ausdruck und Bewegung, mit kräftigen Farb-akzenten im Orchester und einem Solopart von effektvoller Brillanz. Nach dem Misserfolg der Uraufführung am 8. Februar 1904 inHelsinki (mit dem Komponisten am Pult und dem Geiger VictorNovácek) hat Sibelius das Konzert 1904/05 nochmals gründlich über-arbeitet. Die Erstaufführung der definitiven Fassung spielte Carl Halirunter der Leitung von Richard Strauss am 19. Oktober 1905 in einemKonzert der Berliner Hofkapelle. Die ebenfalls in Berlin, bei RobertLienau, verlegte Partitur widmete Sibelius dem jungen ungarischenViolinisten Franz von Vecsey, der seinerzeit als Wunderkind in EuropaFurore machte.
  7. 7. Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68Entstehung 1862-76 (mit Unterbrechungen)Uraufführung 4.11.1876 KarlsruheBesetzung 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte,Kontrafagott, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken,StreicherDauer ca. 48 Minuten Seitdem Robert Schumann 1853 in seinem gutgemeinten Brahms-Arti- kel »Neue Bahnen« diesen als einen künftigen Messias der Musik angekündigt und die Hoffnung auf zukünftige sinfonische Großtaten ausgesprochen hatte, waren in der musikalischen Öffentlichkeit höch- ste Erwartungen geweckt: »Wenn er seinen Zauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der Massen im Chor und Orchester ihre Kräfte leihen, so stehen uns noch wunderbarere Blicke in die Geheimnisse der Geisteswelt be- vor«, hatte Schumann prophezeit,Johannes Brahms, 1874 und seitens des öffentlich so gelob-ten Komponisten fehlte es nicht an Versuchen, sich nach den so beifäl-lig aufgenommenen Klavierwerken auch als Sinfoniker zu behaupten.Doch es wollte zunächst nichts gelingen, und der junge Komponistmusste sich die fehlende Erfahrung im Umgang mit großer Form undgroßem Orchester eingestehen. Verschiedene sinfonische Versuche fan-den dann Eingang in andere Werke – so waren sowohl die SerenadeD-Dur op. 11 als auch das 1. Klavierkonzert zunächst als Sinfoniegeplant und wurden dann »umgewidmet«. Einstweilen aber verlegtesich Brahms auf die Klavierkammermusik als Probefeld, um seineErfahrungen mit einem reich ausdifferenzierten Klaviersatz durch dieArbeit an einer auf Dialog von Instrumentengruppen angelegtenGroßform zu ergänzen. 1862 komponierte Brahms jedoch einenSinfoniesatz in c-Moll, dessen leidenschaftliches Kopfthema die
  8. 8. Freunde zu Kundgaben des Entzückens hinriss – der jedoch zunächstkeine Komplettierung zu einer viersätzigen Sinfonie erfuhr. Es musstenabermals über zehn Jahre vergehen, bis sich der Komponist reif fühlte,mit einer großen Sinfonie in die Öffentlichkeit zu treten. Die 1873 voll-endeten Haydn-Variationen mit ihrer überaus schönen und differen-zierten Instrumentation gaben letztendlich den Ausschlag. Im Sommer1874 nahm sich Brahms das Sinfonie-Projekt wieder vor und skizziertezu dem bereits vorliegenden Kopfsatz ein gleichermaßen gewichtigesund großangelegtes Finale, das im Sommer 1876 auf der Insel Rügenseiner Vollendung entgegenreifte. Dabei wurde der Kopfsatz um diedüster-leidenschaftliche langsame Einleitung erweitert, die einen zykli-schen Bogen zu dem gleichfalls durch eine langsamen Einleitung eröff-neten Finalsatz schlägt. Die beiden Mittelsätze gingen dem Kompo-nisten dann leicht von der Hand, im Oktober 1876 vollendete Brahmsin Lichtental (bei Baden-Baden) – die bereits längerfristig für den 4.11.festgesetzte Karlsruher Uraufführung fest im Blick – seine 1. Sinfonie.Autograph des vierhändigen Klavierauszugs der 1. Sinfonie
  9. 9. Uraufführung und RevisionMit Vorsicht und Bedacht bahnte Brahms seiner von der Musikwelt solange erwarteten Sinfonie den Weg in die Öffentlichkeit. AlsUraufführungsort war keines der bekannten Musikzentren, sondern diekleine Residenz Karlsruhe ausersehen, wo Brahms’ Freund OttoDessoff als Kapellmeister den Taktstock schwang und das Werk mitdem dortigen Hoforchester aus der Taufe hob. Eine zweite Aufführungmit dem gleichen Orchester fand drei Tage nach der Uraufführung inMannheim statt, nun dirigierte der Komponist selbst. Die von HermannLevi geleitete Münchner Hofkapelle hatte das Werk am 15.11. unterStabführung des Komponisten auf dem Programm. Das Werk wurdevom Publikum respektvoll, aber nicht unbedingt überschwänglich auf-genommen. Das Wiener Publikum bekam die lange erwartete Novitäterst am 17.12.1876 zu hören, die Zwischenzeit hatte sich Brahms fürKorrekturen und kleine Retuschen freigehalten. Noch mehr Geduldmusste Brahms’ Verleger Simrock aufbringen, denn Brahms gab dasWerk zunächst noch seinem Freund Joseph Joachim auf eine England-Tournee mit – erst nach dieser letzten Phase der Erprobung undKorrektur war er bereit, das Werk in Druck zu geben. Nach kurzenVerhandlungen zahlte Simrock für die 1. Sinfonie an Brahms ein fürst-liches Honorar von 5000 Talern – er konnte sich bei dieser langerwar-teten Novität aber eines hohen Absatzes und Gewinnes sicher sein!Beethovens »Zehnte«Hans von Bülows Bezeichnung der 1. Sinfonie von Brahms als »Beet-hovens Zehnte« war sicherlich mehr als Lob gemeint, hat dem Kom-ponisten und seinem Werk aber eher geschadet als genützt. Gemeintwar mit diesem Bonmot eigentlich nur, dass nach jahrzehntelangerPause endlich ein Komponist in der Lage war, an die großeBeethovensche Tradition anzuknüpfen – was eben Schubert, Mendels-sohn und auch Schumann mit ihren sinfonischen Werken nicht gelun-gen sei, von Bruckners bis dahin ausgeführten bzw. skizzierten sinfoni-schen Riesenwerken ganz zu schweigen. Doch war dieses BülowscheBonmot auch anders auslegbar, z. B. dass ein ängstliches Beharren aufBeethovenschen Gestus das Fehlen eigener Gedanken und Kompo-sitionstechnik hätte kaschieren sollen …, und so wurde es von denBrahms-Gegnern auch weidlich genutzt.Natürlich beschwört Brahms’ 1. Sinfonie das Vorbild Beethovens –
  10. 10. schon allein die Wahl der Tonart c-Moll weckt Erinnerungen an dessen5. Sinfonie, den Weg »durch Nacht zum Licht« vom ersten zum letztenSatz (und noch einmal in der Einleitung zum 4. Satz zusammengefasst)hatte Beethoven in seinen beiden Moll-Sinfonien vorgezeichnet. Undwenn man den Komponisten auf die Ähnlichkeit des Final-Hauptthemas seiner 1. Sinfonie mit der Beethovenschen »Freuden-melodie« aufmerksam machte, konnte man einer ungnädigen Antwortgewiss sein (etwa »das erkennt ja jeder Esel!«). Sind es vor allemBeobachtungen an der Oberfläche des Werkes, die Brahms 1. Sinfoniein die Nachfolge von Beethovens Meisterwerken stellten, so zeigt dasEindringen in die Detailstrukturen immer deutlicher, wo der Jüngereseine ganz eigenen, vorbildlosen Wege geht, etwa in der kammermusi-kalischen Dichte des Geflechtes motivisch-thematischer Strukturenoder in der Verknüpfung der vier Sätze zur großen zyklischen Form. Ein durchschlagender Erfolg beim Publikum war Brahms’ 1. Sin-fonie zunächst noch nicht. (Ein Wiener Kritiker bescheinigte dem Werklediglich den Rang »eines bedeutenden Epigonenwerkes« …) Nach denersten Aufführungen gab es von den Freunden und Kollegen zwar vielLob, in Einzelfragen aber auch Verständnislosigkeit und Kritik.Bezeichnenderweise berührten die kritischen Anmerkungen zumeistdie Punkte, wo Brahms sich am meisten von den einschlägigenVorbildern entfernt hatte: etwa der serenadenartig-leichte Grund-charakter der beiden Mittelsätze (etwa mit dem schönen Violin-Solo imAdagio), der zunächst noch befremdete. Die Sinfonie benötigte aber nurkurze Zeit, um sich im Repertoire durchsetzen – und Brahms, offenbarauf den Geschmack des Sinfonienschreibens gekommen, begann be-reits im Folgejahr 1877 mit seiner 2. Sinfonie und schrieb diese dann ineinem Zuge nieder! Bis 1885 sollten noch eine dritte und vierte folgen.
  11. 11. Highlights der Saison 2010/11Haben Sie den Abend genossen? Dann werfen Sie jetzt schoneinen Blick auf das Programm der kommenden Saison. VieleHighlights erwarten Sie. Der türkische Pianist und Komponist Fazil Say ist unser neuerArtist in Residence. Wie seine Vorgänger wird er nicht nur demKonzerthausorchester als Solist zur Verfügung stehen, sondernauch bei Kammerkonzerten, innerhalb des Junior-Programms,bei einer Mozart-Matinee und in einem Recital zu hören sein. Inder Spielzeit 2010/11 wird es insgesamt 77 Sinfoniekonzerte mitdem Konzerthausorchester Berlin in der heimischen Spielstättegeben, davon 21 mit Chefdirigent Lothar Zagrosek. Ganz neu im Programm sind drei Themeninseln, die »Musikmit Mahler« präsentieren. Teil 1 beginnt zum Saisonstart imSeptember. Neue Reihen bieten attraktive Angebote, so »Pianis-simo« mit der ersten Liga internationaler Meisterpianisten(Pierre-Laurent Aimard, Arcadi Volodos u.a.) und die »Haus-Konzerte« mit ehemaligen Artists in Residence (Viviane Hagner,Martin Helmchen u.a.). Dirigenten wie Vladimir Fedoseyev undMichael Gielen werden unsere Gäste sein. Saisoneröffnung am 26. August 2010 Klaus-Maria Brandauer eröffnet mit dem Konzerthausorchester Berlin und Lothar Zagrosek die neue Spielzeit 2010/11. Sichern Sie sich schon jetzt die besten P TIP Plätze im Vorverkauf!
  12. 12. Porträt der Mitwirkenden Lothar Zagrosek Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Lothar Zagrosek als Mitglied der Regensburger Dom - spatzen. Er studierte Dirigieren bei Hans Swa- rowsky, Istvàn Kertész, Bruno Maderna und Herbert von Karajan. Nach Stationen als Generalmusik- direktor in Solingen und in Krefeld-Mönchen - gladbach wurde Zagrosek Chefdirigent des Österrei-chischen Radiosinfonieorchesters in Wien. Diesem Engagement folgtendrei Jahre als Directeur musicale der Grand Operá de Paris sowie alsChief Guest Conductor des BBC Symphony Orchestra in London. Von1990 bis 1992 wirkte Lothar Zagrosek als Generalmusikdirektor derOper Leipzig. Seit 1995 ist er als Erster Gastdirigent und KünstlerischerBerater der Jungen Deutschen Philharmonie verbunden. Von 1997 bis2006 war Lothar Zagrosek Generalmusikdirektor der Württem -bergischen Staatsoper Stuttgart. Seine Arbeit an diesem Haus wurde inder Kritikerumfrage der Zeitschrift »Opernwelt« zweimal mit derAuszeichnung »Dirigent des Jahres« gewürdigt. Die StaatsoperStuttgart wurde während seiner Amtszeit fünfmal zum Opernhaus desJahres gewählt. Seit der Saison 2006/2007 ist Lothar Zagrosek Chef-dirigent des Konzerthausorchesters Berlin. Lothar Zagrosek, dem Nachwuchsförderung und kulturelle Bildungsehr am Herzen liegen, ist Schirmherr der Offensive Kulturelle Bildungin Berlin, Ehrenvorsitzender der Jury des HochschulwettbewerbsDirigieren 2008 und Vorsitzender des künstlerischen Beirats desDirigentenforums des Deutschen Musikrats. Im März 2006 wurde Lothar Zagrosek mit dem HessischenKulturpreis ausgezeichnet. Im Juni 2009 erhielt er den DeutschenKritikerpreis.
  13. 13. Viktoria Mullova Viktoria Mullova studierte an der Zentralen Musik- schule Moskau und am Moskauer Konservatorium. 1980 gewann sie den 1. Preis beim Sibelius- Wettbewerb in Helsinki sowie 1982 die Gold - medaille beim Tschaikowsky-Wettbewerb. Es folgte 1983 ihre von großem Medienecho begleitete drama- tische Flucht in den Westen. Seither musiziert sie mitden besten Orchestern und Dirigenten der Welt und tritt bei allen gro-ßen internationalen Festivals auf. Ihr Interesse gilt dem barocken undklassischen Repertoire bis hin zu zeitgenössischen Werken undExperimentalmusik. Sie arbeitet mit Ensembles wie dem Orchestra ofthe Age of Enlightenment, Il Giardino Armonico, Venice Baroque undOrchestre Révolutionnaire et Romantique. Eine enge musikalischePartnerschaft verbindet sie mit dem Cembalisten Ottavio Dantone, mitdem sie regelmäßig Tourneen unternimmt. Viktoria Mullovas intensive Auseinandersetzung mit kreativer zeit-genössischer Musik begann im Jahr 2000 mit ihrem Album ThroughThe Looking Glass mit von Matthew Barley für Solovioline undEnsemble arrangierten Werken aus den Bereichen Weltmusik, Jazz undPop. Sie vergibt immer wieder Kompositionsaufträge an junge Kom-ponisten, wie z. B. Fraser Trainer und Thomas Larcher. Das LondonerSouthbank Centre lud sie als »Artist-in-Focus« in die neu konzipierteinternationale Kammermusikreihe ein. Im Laufe dieser Spielzeit prä-sentiert das Wiener Konzerthaus die Künstlerin in ihrer ganzenVielseitigkeit; ein ähnliches Projekt findet in der nächsten Saison mitdem London Symphony Orchestra in einer Reihe von Konzerten imBarbican Centre und St. Luke’s statt. Als Kammermusikerin ist sie regelmäßig mit Katia Labèque zu erle-ben. Seit einiger Zeit spielt sie im Duo mit Kristian Bezuidenhout(Hammerklavier) Werke von Schubert und Beethoven. Die Sonaten vonLudwig van Beethoven haben beide auch bereits aufgenommen. Bei Philips liegt eine umfangreiche Diskographie von ViktoriaMullova vor; viele ihrer Aufnahmen gewannen bedeutende Preise. Seit2005 arbeitet sie eng mit dem Label Onyx Classics zusammen. Die erstegemeinsame Produktion – Vivaldi-Konzerte mit Il Giardino Armonicounter der Leitung von Giovanni Antonini – wurde mit dem renommier-ten Diapason d’Or ausgezeichnet. Zu weiteren Einspielungen zählen
  14. 14. Schuberts Oktett mit dem Mullova Ensemble, ein Rezital mit KatiaLabèque und Bach-Aufnahmen gemeinsam mit Ottavio Dantone sowiedie sechs Solo-Sonaten und Partiten. Viktoria Mullova musiziert entweder auf der Stradivari »Jules Falk«aus dem Jahr 1723 oder auf einem Instrument von Guadagnini. musik fest berlin vollständiges Programm und Tickets unter (030) 254 89 100 2. September bis 21. September 1o www.musikfest-berlin.de Das Konzerthausorchester Berlin Berliner Festspiele in Zusammenarbeit beim musikfest berlin 2010 mit der Stiftung Berliner Philharmoniker am 16. September 2010 in der Philharmonie
  15. 15. AktuellesPublikumsorchester bekommt neuen TerminSehr geehrte Konzertbesucher,seit 2006 ist es für das Konzerthausorchester und seinen Chef-dirigenten, Lothar Zagrosek, Tradition, zur Saisoneröffnung mit einemPublikumsorchester ein ausgewähltes Werk einzustudieren. DiesesAngebot an Hobby-Musiker, egal welchen Alters, erfreut sich jährlicheines regen Zuspruchs. Im vollbesetzten Großen Saal ist Stimmunggarantiert!Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass in der nächstenSaison ebenfalls die Möglichkeit besteht, sich für einen Platz indiesem besonderen Orchester zu bewerben. Diesmal laden wir Siejedoch nicht zur Saisoneröffnung im August ein, sondern zumTag der offenen Tür am 22. Mai 2011.In einer öffentlichen Probe auf dem Konzertpodium des GroßenSaales wird Herr Zagrosek mit Ihnen Ausschnitte aus dem Ballett»Der Nussknacker« von Pjotr Tschaikowsky erarbeiten. Merken Sie sich »Ihren« Konzerttermin vor und melden Sie sichrechtzeitig in unserem Orchesterbüro an (Telefon: 030 20309-2388oder per Mail: orchesterbuero@konzerthaus.de).
  16. 16. Sie wollen das Konzerthaus fördern und unterstützenoder interessieren sich für eine Stuhlpatenschaft?Zukunft Konzerthaus e.V.Gendarmenmarkt 2 10117 BerlinTelefon: (030) 20309-2344, Fax: (030) 20309-2076E-Mail: zukunft@konzerthaus.dewww.zukunft-konzerthaus.deFreundeskreis Konzerthaus Berlin e.V.Informationen über Detlef Gogalla, 10106 BerlinTelefon: (030) 20309-2020, Fax: (030) 20309-2021E-Mail: freundeskreis@konzerthaus.deIMPRESSUMHerausgeber Konzerthaus BerlinIntendant Prof. Dr. Sebastian NordmannText Dr. Monika Lichtenfeld (Bartók, Sibelius), Dr. Dietmar Hiller (Brahms)Redaktion Tanja-Maria MartensTitelfoto Christian NielingerAbbildungen Christian Nielinger, Henry Fair, Archiv Konzerthaus BerlinSatz und Reinzeichnung www.graphiccenter.deHerstellung REIHER Grafikdesign & Druck2,30 €

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