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Strawinsky:»Dumbarton Oaks«Ich kehre zu Bach zurück, zu der lichten Idee des reinen Kontra-punkts, der auch vor Bach in re...
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  1. 1. DI 25.05.10 20.00 UhrGroßer SaalKammerorchester InternationalMurray Perahia Leitung und KlavierIgor Strawinsky (1882 – 1972)»Dumbarton Oaks« – Konzert für Kammerorchester in EsTempo giustoAllegrettoCon motoWolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)Konzert für Klavier und Orchester c-Moll KV 491AllegroLarghettoAllegrettoPauseJohann Sebastian Bach (1685 – 1750)Konzert für Klavier, Streicher und Basso continuo g-Moll BWV 1058(ohne Bezeichnung)AndanteAllegro assaiJoseph Haydn (1732 – 1809)Sinfonie Nr. 99 Es-Dur Hob I:99Adagio – Vivace assaiAdagioMenuet. AllegrettoFinale. VivaceHandy ausgeschaltet? Vielen Dank!Bitte beachten Sie, dass Medien-Aufnahmen aller Art während des Konzertes nicht zulässig sind.
  2. 2. Strawinsky:»Dumbarton Oaks«Ich kehre zu Bach zurück, zu der lichten Idee des reinen Kontra-punkts, der auch vor Bach in reichem Maße Anwendung fand. Derreine Kontrapunkt erscheint mir als das einzig mögliche Material, ausdem eine echte und dauerhafte Musik geschmiedet wird.Igor Strawinsky1882 in der Nähe von St. Petersburg als Russe geboren, war Strawinskyseit 1934 Franzose und wurde 1946 amerikanischer Staatsbürger. Eindurch politische Umstände bedingtes Weltbürgertum, das ihm im Blutzu liegen schien – so spiegelte sich diese Offenheit auch in seiner künst-lerischen Sprache: russische Nationalmusik, Jazz, französischer Impres-sionismus. Vor allem aber steht Strawinsky für den sogenannten Neo-klassizismus. Er studierte die musikalischen Traditionen, knüpfte anFormen des Mittelalters, des Barock, von Klassik und Romantik an.Weit entfernt von bloßem Nachahmen machte er sich das Überlieferte»mundgerecht« zu Eigen, verfremdete, erneuerte: »Ich bin kein Neoklas-siker; ich habe mich lediglich einer strengeren Form der Konstruktionzugewandt, aber ich bin ein moderner Musiker geblieben. Die Gestrigen,das sind diejenigen, die sich immer noch in der Atmosphäre des ›Sacre‹und des Jazz bewegen. Die Stunde fordert eine Musik, in der die deko-rativen Elemente vor den geistigen zurücktreten.« Ganz in diesem Sinne hatte Strawinsky sich »Dumbarton Oaks«auch als ein »kleines Concerto im Stil der Brandenburgischen Konzerte«vorgestellt. Die dreisätzige Komposition für 15 Instrumente, die er alsmehrteilig untergliedertes, dabei einsätziges Werk verstanden wissenwollte – alle Sätze gehen attacca ineinander über –, folgt dem Concerto-grosso-Prinzip Bachscher Prägung. Es ist ein Auftragswerk, geschriebenfür das amerikanische Mäzenatenpaar Bliss. Strawinsky war ihnen zuerstim Zusammenhang mit der Uraufführung seines »Jeu de cartes« in NewYork begegnet – das rhythmisch äußerst abwechslungsreiche Concertodachte er ihnen dann für ihren 30. Hochzeitstag zu. Es wurde noch inParis fertiggestellt, bevor der Komponist Europa nach der BesetzungFrankreichs endgültig den Rücken zuwandte.
  3. 3. Igor StrawinskyDie private Uraufführung des Werkes am 8. Mai 1938 fand unter derLeitung von Nadia Boulanger statt, weil Strawinsky krankheitshalberverhindert war. Erster Aufführungsort war »Dumbarton Oaks«, dernamensgebende prächtige Landsitz der generösen Familie Bliss in derNähe von Washington D. C. Dieses klassizistische Anwesen aus dem19. Jahrhundert mit einem herrlichen großen Park hatte Strawinsky tiefbeeindruckt. Sein Auftrag besagte, eine Musik zum Ehejubiläum zuschreiben, die den räumlichen Verhältnissen des Hauses angepasst war.Der Termin im Mai setzte den Komponisten unter ziemlichen Zeit-druck – erst war die Rede von Juli gewesen –, aber Quellen belegen,dass er das Schreiben unter Druck als stimulierend empfand. Die ersteöffentliche Aufführung im Juni des Jahres in Paris konnte Strawinskydann selbst leiten.Igor Strawinsky –Zeichnung vonPablo Picasso, 1920
  4. 4. Mozart:c-Moll-Konzert KV 491Das ist doch einmal etwas, aus dem sich etwas lernen lässt.Wolfgang Amadeus MozartUnderstatement von Genie zu Genie, eine zwar unpathetisch formu-lierte, aber keineswegs weniger tiefe Verbeugung Wolfgang AmadeusMozarts vor Johann Sebastian Bach! Strawinsky soll das Bonmot »Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen«,geprägt haben. Wenn man im Nachhinein auf die kurze Lebenszeit unddas enorme Œuvre von Mozart schaut, drängt sich das Gefühl einerlebenslangen Hektik auf, und wirklich hat er häufig unter großem Zeit-druck gearbeitet, diesen möglicherweise ein Stück weit gebraucht. 1781war er den verhassten Salzburger Diensten entkommen – die Geschichtevom Fußtritt des Grafen Arco ist bekannt – und genoss nun in einemGlücksrausch seine Ungebundenheit als freischaffender Künstler inWien. Die Stadt empfing den »alten Bekannten« – mittlerweile fünf-undzwanzig Jahre alt – mit offenen Armen, er war gerngesehener Gastin der besseren kunstbeflissenen Gesellschaft, gefragter Lehrer, erfolg-reicher Klaviervirtuose und Konzertveranstalter. Zudem war er frischverheiratet, und zur angetrauten Constanze gesellte sich der Erfolg derBühnen-Constanze in der 1782 am Wiener Burgtheater uraufgeführtenOper »Die Entführung aus dem Serail«. Als Leopold Mozart die jungeFamilie im Frühling 1785 besuchte, konnte er nicht nur ihre relativgesicherten Verhältnisse feststellen, sondern vor allem die beachtlichenErfolge des Sohnes miterleben, der seine Akademien und Konzerte auchvor höchsten Adelskreisen und dem Kaiser gab. Nicht zuletzt erfüllteihn ein Lob Haydns mit Stolz: »Ich sage Ihnen vor Gott, als ein ehrli-cher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person undNamen kenne: Er hat Geschmack und über das die größte Compositions-wissenschaft.« Auf der anderen Seite erlebte der Vater den permanen-ten Trubel im Hause Mozart mit. Vermutlich lag das Hauptarbeitsgebietdes Komponisten zwischen 1782 und ’86 auf den Klavierkonzerten.Allein sechzehn entstanden in dieser Zeitspanne und wurden auf selbst-veranstalteten Akademien dargeboten. Eine solche Aufführung jagte die
  5. 5. Wolfgang Amadeus Mozartnächste, ständig wurde der Flügel an einen anderen Konzertort gebracht,in letzter Minute wurden die Noten reingeschrieben. Dazu gesellte sich1785 schließlich die Arbeit an der neuen Oper »Figaros Hochzeit«.Unruhe und hektische Betriebsamkeit waren ein Mozartscher Grund- zustand, der dazu einlädt, einmal mehr auf Bach zu kommen: »Wem die Kunst das Leben ist, dessen Leben ist eine große Kunst«, hatte der einmal gemeint. Mozarts c-Moll-Konzert KV 491 ist in mancherlei Hinsicht eine Ausnahme. Es ist eins von nur zwei Konzerten in Moll (von einund- zwanzig vollständigen Werken), es ist eines der Mozart-Werke mit der größten Besetzung (wie in der »Haffner« und der »Pariser Sin- fonie«), es verwendet als einziges Klavierkonzert Oboen und Kla- rinetten (der hochdifferenzierte, solistische Holzbläsersatz macht diese Instrumentengruppe zu einer Art drittem Part neben Klavier und Orchester), vor allem aber scheint der Komponist mit dem Werk wirk-lich gerungen zu haben, wie die ungewöhnlich vielen Korrekturen undUmarbeitungen im Autograph beweisen. Fertiggestellt Ende März 1786,wurde es vermutlich schon am 7. April des Jahres bei Mozarts letzterAkademie im Burgtheater uraufgeführt. Bedenkt man, dass die Premieredes »Figaro« auf den 1. Mai fiel, lässt sich einerseits der Stress derWochen nachfühlen, andererseits wird das so ernsthafte, tiefgründigeKlavier-Opus auch gern als tragisches Gegenstück zu dieser Operabuffa gesehen. Ganz offenbar war für den Komponisten das Gesamtkonzept desKonzertes zuerst wichtig, bevor er sich an die konkrete Ausarbeitungder einzelnen Teile und Stimmen machte. Durch seine satzübergreifendeWeiterverarbeitung der Gedanken entsteht eine auffallende Einheitlich-keit und Geschlossenheit. Neben der verstärkten motivischen Arbeit
  6. 6. Wolfgang Amadeus Mozartund der betonten Fortspinnungstechnik fällt der auf Bach zurückwei-sende, dichte polyphone Satz ins Auge bzw. Ohr. Vor allem der Kopfsatzzeigt einen sehr freien Umgang mit den überkommenen Formmodellen.Nach dem leisen Unisono-Beginn von Streichern und Fagotten im unge-wohnten Dreiertakt bringt sich das volle Orchester erst verspätet ein.Die Balance zwischen Orchestertutti in auffälliger Stärke und melodisch-sprechendem Solopart hat eine beglückende Ausgewogenheit. Das fol-gende, verblüffend einfache Larghetto, wie ein schlichter Gesang, bringtdie einzelnen Holzbläsertimbres faszinierend zur Geltung. Danach kannder »revolutionäre, unheimliche Geschwindmarsch« (Alfred Einstein)des abschließenden Allegrettos sein fatalistisches Thema nicht abstrei-fen – nach unterschiedlichsten Variationen kehrt das c-Moll unerbittlichzurück. Das Konzert – leider sind keine zeitgenössischen Berichte zurUraufführung überliefert – ist ohne Frage ein ganz ungewöhnliches,eigensinniges und subjektives Werk, höchst eindrucksvoll für den Hörer,auch wenn es ihm wie Wolfgang Hildesheimer geht: »Zwar höre auchich diesen Satz (den Kopfsatz) düster-erregt, doch seltsamerweise ›ent-höre‹ ich ihm … eine Dur-Stimmung, gewiss heftig und bewegend, dochnicht ›tragisch‹.«
  7. 7. MURRAY PERAHIA BEI SONY CLASSICAL Bach Partiten Nr. 1, 5 & 6 „Abgeklärt, aber nicht weltentrückt, aus- gewogen, aber nie langweilig, immer hell- wach, immer alles auf den Punkt bringend – so stellt sich Perahias souveränes Bach- Spiel dar. ...Perahias Bach leistet sich das Die neue CD unaufgeregt freie Spiel der Formen, muss nichts beweisen.“ WAZ 88697565602 Ebenfalls erhältlich: Bach: Partiten Nr. 2, 3 & 4 Bach: Klavierkonzerte Nr. 1, 2 & 4 Perahias chartstürmende Einspielungen von Bachs Klavierkonzerten mit der Academy of St. Martin in the Fields sind in ihrer romantisch kantablen und hell- sichtigen Deutung einzigartig. „Mit wunderbarer Leichtigkeit und einer pointilistischen Klangfarben-Palette ... die neue Referenz, ebenbürtigSK89245 mit dem legendären Gould.“ Rondo Ebenfalls erhältlich: Bach: Klavierkonzerte Nr. 3, 5, 6 & 7 Mozart: Klavierkonzerte und Rondos K. 382 & K. 386 (12 CDs) Murray Perahias Gesamteinspielung aller Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem English Chamber Orchestra gilt seit Jahrzehnten als Referenzeinspielung82876872302 für diese Werke. Seine Mozarteinspielungen sind voller Eleganz, mit samtweichem und kantablem Anschlag. Ebenfalls erhältlich: Perahia plays Chopin Bach: Goldberg Variationen, BWV 988 u.v.a. www.sonymusicclassical.de www.murrayperahia.de
  8. 8. Bach:g-Moll-Konzert BWV 1058Alles, was man tun muss, ist, die richtige Taste zum richtigen Zeit-punkt zu treffen.Johann Sebastian BachDieser lapidaren Auskunft des Orgel- und Klaviervirtuosen JohannSebastian Bach lässt sich kaum widersprechen, wenn sie auch dasGeheimnis großer Interpretation keineswegs lüftet. Spätestens seit seiner Zeit als Hochfürstlich Anhalt-CöthenischerKapellmeister, letzte Station vor der Leipziger Zeit ab 1723, beschäf-tigte Bach sich intensiv mit der Instrumentalmusik, auch der neuenForm des Konzertes. Schon als Kind in Eisenach hatte er verschiedeneInstrumente vom Vater gelernt und dann die Ausbildung bei seinemBruder in Ohrdruf und an der Michaelisschule in Lüneburg vertieft. Alssehr junger, noch nicht volljähriger Musiker war er bereits für seineVirtuosität auf den Tasteninstrumenten bekannt. Er wirkte bei Hof inArnstadt, Mühlhausen und Weimar, bevor er dem Ruf als Kapellmeisternach Köthen folgte. An diesem reformierten Fürstenhof herrschte dermusikliebende junge Leopold von Anhalt-Köthen, der eine hervorra-gende Kapelle unterhielt und auch selbst gern als Geiger mitwirkte. Im 16./17. Jahrhundert begann sich die musikalische Form des Kon-zertes herauszubilden. Ein oder mehrere Instrumente traten in Dialogoder Wettstreit mit dem Rest des Orchesters. Was sich in Italien einenfesten Platz auf den Bühnen eroberte und in der gängigen Praxis alsZwischenaktmusik bei den allgegenwärtigen Opernvorstellungen des18. Jahrhunderts stand, wurde dann besonders durch Vivaldi zum vir-tuosen Solokonzert, dass auch in Deutschland bekannt wurde. BachsVivaldi-Bearbeitungen beweisen seine Auseinandersetzung mit der musi-kalischen Form ebenso wie beispielsweise die sechs BrandenburgischenKonzerte. Und mit dem fünften der Brandenburgischen Konzerte legteBach vielleicht sein erstes eigentliches Klavier- bzw. Cembalokonzert vor,wenn man den ausladenden Tasteninstrumenten-Part betrachtet. Das Konzert in g-Moll BWV 1058 entstand gemeinsam mit demFragment BWV 1059 vermutlich als erstes in einer Reihe von sieben
  9. 9. Johann Sebastian BachKlavier- bzw. Cembalokonzerten, die in Leipzig etwa zwischen 1729und ’40 entstanden. Bach leitete damals das von Telemann gegründeteCollegium Musicum und führte die Konzerte im »ZimmermannischenCaffee-Hauß« auf. Bei allen Cembalo-Konzerten handelt es sich um Bearbeitungen früherer Stücke, im Falle von BWV 1058 um das Violinkonzert a-Moll BWV 1041, eines von Bachs bekannteren Kon- zerten. Allerdings darf man diese Umdeutung nicht als bloße Tran- skription verstehen. Bach schuf eine wirkliche Übersetzung der virtuosen melodischen Linien von der Geige in die spezielle Sprache des Cembalos. Das Konzert rahmt in typischer Folge einen langsa- men Satz, hier eine Passacaglia, durch zwei schnelle Teile. Neben den sieben Konzerten für ein Cembalo, Streicher und Basso continuo entstammen BachsHand noch drei Konzerte für zwei, zwei Konzerte für drei und ein Konzertfür vier Cembali. Die Wissenschaft geht davon aus, dass besonders dieStücke für zwei Instrumente auf seine beiden ältesten Söhne – WilhelmFriedemann und Carl Philipp Emanuel – zugeschnitten waren, um ihnenAuftrittsmöglichkeiten und damit Erfahrungsgewinn zu verschaffen. Allefünf Bach-Söhne, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden Musiker.
  10. 10. Haydn: Sinfonie Nr. 99Wenn Joseph Haydn von Bach geredet hat, dann meinte er zuerst undganz selbstverständlich Carl Philipp Emmanuel, den wohl berühmtes-ten der Bach-Söhne. Der rund zwanzig Jahre Ältere war für Haydneiner der wichtigsten geistigen Begleiter auf dem Weg zum eigenen Stil. Joseph Haydns Genius sei »erstaunlich, unerschöpflich und erha-ben«, stellte ein Londoner Rezensent fasziniert fest – eine gültige Ein-schätzung der zweiten, englischen Karriere des Komponisten. Bekann- termaßen verbrachte Haydn etwa die Hälfte seines Lebens in den komfortablen Diensten der Fürs- ten von Esterhazy in Eisenstadt und auf Schloß Esterháza am Neusiedler See. Erst 1790 nahm er als fast Sechzigjähriger seinen Abschied und verbrachte den Rest seines Lebens als freier Kompo- nist – teils auf Reisen, teils in Wien. Die Verbindung zum Hof riss freilich nicht vollständig ab: Haydn bekam eine fürstliche Pen- sion und schrieb auch seine spä- ten Messen und die Oratorien für die Esterhazys. Das erste Mal star- tete der rüstige Pensionär schon im Dezember 1790 gen England und blieb bis Juli 1792. Die zweite Reise dauerte von Anfang 1794bis August 1795. Haydn hatte schon vorher Kontakte nach Englandgehabt, und es hatte auch nicht an Einladungen zu ausgedehnten Kon-zertreisen gefehlt. Aber erst der Geiger, Quartettprimarius und umtrie-bige Konzertveranstalter Johann Peter Salomon konnte ihn mit einemlukrativen Angebot überzeugen. Und wirklich waren die Reisen in jederBeziehung ein voller Erfolg. Nicht zuletzt gab es in London ausgezeich-nete große Orchester, mit denen ein ganz anderes Arbeiten möglichwar als mit der relativ kleinen fürstlichen Kapelle.
  11. 11. Joseph HaydnDie Sinfonie des heutigen Abends entstand in Wien, zwischen den bei-den Englandaufenthalten. Diese sechste der insgesamt zwölf sogenann-ten »Londoner Sinfonien«, Nr. 99 in Es-Dur, soll angeblich HaydnsLieblingssinfonie gewesen sein. Zweifellos sind diese späten, letztenSinfonien ein Kompendium seines gesamten Sinfonieschaffens vonmehr als 100 Werken und der unbestrittene Höhepunkt dieser Gattungim 18. Jahrhundert. Haydn hat hier endgültig die klassische Orchesterbe-setzung, aber auch die Viersätzigkeit und die charakteristische Satzfolgeetabliert. Trotzdem sind die Londoner Sinfonien noch ausnahmslosKonzert-Einleitungsstücke, daher auch der verbreitete Name Ouvertüre.Bei der Uraufführung im Hanover Square Room dirigierte Haydn selbstvom Cembalo aus. »Der unvergleichliche Haydn schuf eine Ouvertüre(die Sinfonie Nr. 99), die sich nicht mit gewöhnlichen Worten beschreibenlässt. Sie ist eine der großartigsten Leistungen der Kunst, die wir jemalserlebt haben. Sie ist reich an neuartigen, großen und eindringlichenmusikalischen Gedanken, sie erhebt die Seelen und die Gefühle. DasWerk wurde mit begeistertem Applaus begrüßt«, jubelte der »MorningChronicle« am 11. Februar 1794. Bei der zweiten Aufführung der Sinfo-nie musste der Eingangssatz sogar wiederholt werden.
  12. 12. Porträt der MitwirkendenAcademy of St Martin in the FieldsSir Neville Marriner sagt, das kleine, im Jahre 1958 von ihm gegründeteEnsemble »habe nie die Absicht gehabt, Konzerte zu geben oder ewigzu bestehen«. Glücklicherweise hat sich die Academy fünfzig Jahre spä-ter und ungeachtet der ursprünglichen Absichten als eines der weltweitführenden Orchester etabliert. Richard Morrison von der »Times« for-muliert es so: »Wenn man um den Globus reist, stellt man fest, dass derName der Academy eine Aura verströmt, wie sie kein anderes britischesOrchester besitzt.« Das von einer Gruppe führender Londoner Musiker gebildete undzunächst ohne Dirigenten arbeitende Ensemble trat erstmals am13. November 1959 in der Kirche auf, der es seinen Namen verdankt.Zwei Jahre später erschien die erste Einspielung. Mit einer schon baldzunehmenden Nachfrage insbesondere durch Aufnahmestudios wuch-sen sowohl das Orchester als auch sein Repertoire. Schließlich sah sichSir Neville Marriner gezwungen, die Violine gegen den Dirigentenstabeinzutauschen, doch der kollegiale Geist und die Flexibilität des ehe-dem kleinen, dirigentenlosen Ensembles sind das Markenzeichen derAcademy geblieben. Heute tritt die Academy in verschiedenen Beset-zungen von der Kammermusikgruppe bis hin zum Sinfonieorchesterauf. Sie ist berühmt für ihre preisgekrönten Einspielungen, bietet einumfangreiches Konzertprogramm und arbeitet neben den Auftrittenmit Sir Neville Marriner und Kenneth Sillito auch mit Musikern wieMurray Perahia, Joshua Bell, Julia Fischer, Julian Rachlin, Janine Jansenund Anthony Marwood zusammen. Im Jahr ihres 50. Jubiläums spielte die Academy überall in Groß-britannien, auf Tourneen in Europa, den USA und Kanada sowie einPrivatkonzert für Queen Elizabeth II. im Buckingham Palast anlässlichdes 60. Jubiläums des Commonwealth. Die Saison 2009/2010 sieht dasOrchester mit Gerard Korsten und Sarah Chang bis nach Peking zumBeijing Music Festival reisen, mit Julian Rachlin in den USA sowie mitJoshua Bell und Murray Perahia, Principal Guest Conductor der Academy,in Asien und Europa. In der Reihe »Kammerorchester International«, diedas Konzerthaus Berlin gemeinsam mit der Konzertdirektion Schmidveranstaltet, ist die Academy seit vielen Jahren in jeder Saison zu Gast.
  13. 13. Porträt der MitwirkendenJenseits der Konzertbühne bringt das Bildungsprogramm »OutwardSound« der Academy weiterhin klassische Musik an ungewohnte Orteund bezieht Teilnehmer jeden Alters aus ländlichen und städtischenGemeinden in Schulprojekte, musikalische Familientage und kreativesMusizieren ein.Erste Violine Kenneth Sillito, Harvey de Souza, Helen Paterson, Miranda Playfair, David Chadwick, Miriam Teppich, Patrick Savage, Martin SmithZweite Violine Jennifer Godson, Matthew Ward, Mark Butler, Richard Milone, Adi Brett, Gabriele PainterViola Duncan Ferguson, Nicholas Barr, Alexandros Koustas, Ania UllmanVioloncello Stephen Orton, John Heley, William Schofield, Ken IchinoseKontrabass Lynda Houghton, Cathy ElliottFlöte Michael Cox, Sarah NewboldOboe Christopher Cowie, Rachel IngletonKlarinette Lars Woutters van den Oudenweijer, Sarah ThurlowFagott Graham Sheen, Graham HobbsHorn Timothy Brown, Nicolas FleuryTrompete Niall Keatley, Michael LairdPauke Tommy Foster
  14. 14. Porträt der Mitwirkenden Murray Perahia ist in dreißig Jahren Konzerttätigkeit zu einem der gefragtesten und gefeiertsten Pianisten unserer Zeit geworden. Regelmäßig ist er in allen musikalischen Zentren der Welt zu Gast und spielt mit den führen- den internationalen Orchestern. Derzeit ist Murray Perahia erster Gastdirigent der Academy of St Martin in the Fields. Als Exklusivkünstler von Sony Classi-cal/Sony BMG Masterworks kann er auf eine umfassende Diskographieverweisen. Für seine Einspielung der Chopin-Etüden op. 10 und op. 25gewann er 2003 den Grammy in der Kategorie Best Instrumental SoloistPerformance. Auch seine weiteren Einspielungen sind stets mit höchstemLob bedacht worden. Zu erwähnen sind insbesondere die Gesamtauf-nahme der Mozart-Konzerte mit dem English Chamber Orchestra unddie Gesamtaufnahme der Beethoven-Konzerte mit dem ConcertgebouwOrkest Amsterdam unter Bernard Haitink. Eine Gesamtaufnahme derKonzerte von Bach liegt mit der Academy of St Martin in the Fields vor.Seine jüngste Einspielung vom August 2008 umfasst Beethovens Klavier-sonaten op. 14, 26 und 28. Murray Perahia wurde in New York geboren und begann mit vierJahren das Klavierspiel. Später wurde er Student am Mannes College inNew York, wo er seine Ausbildung in den Fächern Dirigieren und Kom-position abschloss. Seine Sommer verbrachte er in Marlboro, wo er mitMusikern wie Rudolf Serkin, Pablo Casals und Mitgliedern des Buda-pester Streichquartetts zusammenarbeitete. Er studierte zu dieser Zeitauch bei Mieczyslaw Horszowski. Nach dem Sieg beim Klavierwettbe-werb in Leeds 1972 erhielt er Einladungen nach Europa. 1973 gab er seinDebüt beim Aldeburgh Festival in England, wo er mit Benjamin Brittenund Peter Pears zusammenarbeitete. Letzterem stand er später als Lied-begleiter zur Seite. Von 1981 bis 1989 war Murray Perahia Co-ArtisticDirector des Aldeburgh Festivals. Eine enge Freundschaft verband ihnmit Vladimir Horowitz. Murray Perahia arbeitet als Herausgeber an derkritischen Neuausgabe der Beethoven-Sonaten für den Henle-Verlag. Erwurde mit dem Instrumentalist Award der Royal Philharmonic Society1997 ausgezeichnet, ist Ehrendoktor der University of Leeds, Ehrenmit-glied des Royal College of Music und der Royal Academy of Music inLondon sowie seit 2004 in Anerkennung seiner Verdienste um die klas-sische Musik »Knight Commander of the British Empire«.
  15. 15. VorankündigungSO 06.06.10 10.00 bis 17.00 UhrAlle Säle – Eintritt freiTag der offenen TürEin Fest für die ganze FamilieKonzerte – Führungen – Öffentliche Probe des KonzerthausorchestersBerlin unter Leitung von Chefdirigent Lothar Zagrosek – Programmefür Kinder – Orgelvorführung – InformationenSehr geehrte Konzertbesucher,wir möchten Sie bereits jetzt auf die Reihe »KammerorchesterInternational« in der kommenden Saison hinweisen. Die Konzerteim Großen Saal beginnen jeweils um 20.00 Uhr.SO 17.10.10Kremerata BalticaGidon Kremer Leitung und ViolineWerke von Béla Bartók, Robert Schumann, Arvo Pärt, AstorPiazzolla u.a.MI 01.12.10Wiener KammerorchesterStefan Vladar LeitungXavier de Maistre HarfeWerke von Hugo Wolf, François-Adrien Boieldieu, GeorgFriedrich Händel und Franz SchubertFR 28.01.11Academy of St Martin in the FieldsRenaud Capuçon Leitung und ViolineWerke von Richard Strauss, Wolfgang Amadeus Mozart undPjotr Tschaikowsky
  16. 16. VorankündigungDI 22.02.11Accademia BizantinaStefano Montanari Violine und LeitungAndreas Scholl Altus»If music be the food of love«Arien und Instrumentalmusik von Henry PurcellDI 24.05.11Amsterdam SinfoniettaDavid Fray KlavierWerke von Alban Berg, Wolfgang Amadeus Mozart undGustav Mahler»Kammerorchester International« wird vom Konzerthaus Berlinin Zusammenarbeit mit der Konzertdirektion veranstaltet.IMPRESSUMHerausgeber Konzerthaus BerlinIntendant Prof. Dr. Sebastian NordmannText Barbara GugischRedaktion Andreas HitscherTitelfotografie Christian NielingerAbbildungen Archiv KHB (4), Felix BroedeReinzeichnung und Herstellung REIHER Grafikdesign & Druck2,30 €

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