„Neue Wege zu mehr Bildungsgerechtigkeit“                                     Rede       der Bundesministerin für Bildung ...
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12der Eltern und engagierter Einzelpersonen, denen es nichtgleichgültig            ist,    wie      Kinder          in    ...
13Ich erkläre die didacta 2010 für eröffnet.
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[PDF] Pressemitteilung: "Neue Wege zu mehr Bildungsgerechtigkeit"
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  1. 1. „Neue Wege zu mehr Bildungsgerechtigkeit“ Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan, MdB, anlässlich der Eröffnung der didacta am 16. März 2010 in KölnSperrfrist: Beginn der Rede!Es gilt das gesprochene Wort!
  2. 2. 1 I.Bildungsgerechtigkeit ist die Antwort auf die Frage nach derGerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Der Zugang zuBildungschancen ist entscheidend für den persönlichenLebensweg jedes Einzelnen, für die Zukunft und denWohlstand unserer Gesellschaft. Erst vor wenigen Tagen hatdas Institut der deutschen Wirtschaft in einer Studie überBildungsrenditen nachdrücklich vor Augen geführt: Bildunglohnt sich – für den Einzelnen, für die Familien, für unserLand.Die didacta 2010 findet in Nordrhein-Westfalen statt. Hier istin den letzten Jahren in in puncto Bildung viel bewegtworden. Die demographiebedingten finanziellen Spielräumewerden hier genutzt und für die Verkleinerung der Klassen,für neue Lehrerstellen und für die Entwicklung derUnterrichtsqualität eingesetzt. Der Unterrichtsausfall wurdein den letzten Jahren halbiert, fast 3.000 Familienzentrentragen zur Verbesserung der Betreuung von Kindern undFamilien bei. Das ist eine enorme Unterstützung für Bildung,die sich auf zusätzliche 2,7 Milliarden Euro beziffern lässt.Die didacta 2010 findet in einer Zeit statt, in der bei allererhitzten Debatte und kontroversen Diskussion ein breiterKonsens darüber besteht, dass Bildung zumExistenzminimum der Bürgerinnen und Bürger in unseremLand gehört. Das Bundesverfassungsgericht beruft sich inseinem jüngsten Urteil auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die
  3. 3. 2Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der darin liegendeAnspruch umfasst auch den gerechten Zugang zuBildungschancen für alle Kinder.Die größte Bildungsmesse Deutschlands findet statt in einerbewegten Zeit, in der wir sprechen über Vertrauen inLehrerinnen und Lehrer und die Aufmerksamkeit für Kinder,über den Missbrauch von Macht in pädagogischenEinrichtungen und die Demütigung junger Menschen, dienicht verjährt.Wenn wir heute über Bildung und Erziehung sprechen, gehtes auch darum, Vertrauen in Bildungsinstitutionen und in die,die dort wirken, aufzubauen. Dazu gehört auch der Dank andie Lehrerschaft für ihre Arbeit und ihren Einsatz in unserenSchulen. II.„Gerechtigkeit erhöht ein Volk“ – heißt es im AltenTestament. „Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialerInstitutionen.“ – So sagt es die moderne Sozialforschung.1Bildungsgerechtigkeit muss zur ersten Tugend allerInstitutionen werden, die sich um Erziehung, Bildung undAusbildung von Kindern und Jugendlichen kümmern.Die Bildungsarmut ist zu groß in Deutschland. 20 Prozent derFünfzehnjährigen gehören heute zur sogenannten PISA-Risikogruppe. Sie haben kaum die Chance, ihre1 John Rawls: Theorie der Gerechtigkeit (1979).
  4. 4. 3Schullaufbahn mit einem erfolgreichen Abschluss zubeenden und einen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Siehaben kaum die Chance, ein selbstbestimmtes Leben zuführen. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche mitMigrationshintergrund.Und das Besorgniserregende ist: Viele Kinder aus prekärenVerhältnissen haben diese Chancenlosigkeit bereitsverinnerlicht. Sie trauen sich nichts mehr zu: Nur 20% deracht- bis elfjährigen Kinder aus der Unterschicht wollenAbitur machen; im Vergleich zu 68% aus der oberenMittelschicht. Nur 28% der acht- bis zehnjährigen Mädchenund Jungen aus der Unterschicht halten sich selbst für gutebis sehr gute Schüler, im Vergleich zu 74% aus den oberenSchichten.2 Tendenz steigend.Renate Köcher spricht von einem „Statusfatalismus“ derunteren Bevölkerungsschichten – obwohl gerade hier derAufstieg durch Bildung eine völlige Veränderung derLebenslage und Lebensperspektiven bedeuten würde.3Deshalb ist keine der vielen Reformen an deutschen Schulenso wichtig wie die Konzentration darauf, den Schwächstender nachwachsenden Generation jenes Mindestmaß anBildung zu ermöglichen, das Voraussetzung für gelingendesLeben und gesellschaftliche Teilhabe ist.2 WORLD VISION Studie 2007.3 Renate Köcher, FAZ 16.12.09.
  5. 5. 4Deshalb hat für diese Bundesregierung der Kampf gegen dieBildungsarmut und die Herstellung von mehrBildungsgerechtigkeit Priorität.Im Koalitionsvertrag haben wir unser Programm festgelegt:Wir erhöhen die Ausgaben des Bundes für Bildung undForschung bis 2013 um insgesamt 12 Milliarden Euro. Wirwerden es Ländern, Wirtschaft und Privaten erleichtern, ihrenBeitrag zur Erreichung des 10 Prozent-Ziels bis 2015 zuleisten.Viele Menschen quer durch unsere Gesellschaft engagierensich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen. VieleEltern geben ihr Bestes, um ihre Kinder auf dem Weg in dieSelbstständigkeit zu begleiten. Viele Lehrerinnen und Lehreran allen Schularten setzen sich tagtäglich mit großerKreativität und Leidenschaft für die Bildung und Ausbildungvon Kindern und Jugendlichen ein. Die didacta legt vondieser Kreativität Jahr für Jahr ein beeindruckendes Zeugnisab. Jeden Tag zeichnet die Initiative „Land der Ideen“ einenOrt in Deutschland aus, der Vorbildliches leistet undMaßstäbe setzt für Zusammenhalt und Gemeinwohl. Es gibtzahlreiche Initiativen die Angebote zur Unterstützung imBildungsprozess machen.Das ist wichtig und gut. Aber es reicht noch nicht. Wirkönnen und wir müssen mehr tun für die Bildung aller Kinderin unserem Land – unabhängig von ihrer Herkunft,unabhängig von Bildungsabschluss und Finanzlage ihrerEltern. Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit und einengerechten Zugang zu Bildungschancen für alle.
  6. 6. 5Drei Dinge sind mir dabei besonders wichtig:Erstens:Bildung geht alle an. Die Gesellschaft erwartet, dass wir nichtlänger über Zuständigkeiten streiten, sondern Lösungen aufden Weg bringen, die den Kindern helfen. Das ist überhauptdie wichtigste Frage, um die es uns gehen muss: Was nütztden Kindern?Und wenn es den Kindern nützt, dass Bund, Länder,Kommunen (und weitere Partner) in Bildungsfragenzusammenarbeiten, dann müssen wir das auch tun. Wirbrauchen neue Formen der Zusammenarbeit imBildungsbereich, die sich an Verantwortung und nicht alleinan Zuständigkeiten orientieren.Prinzipien sind als Maßstab und Richtschnur eigenenHandelns unentbehrlich. Aber Prinzipien müssen sich immerauch an der Wirklichkeit messen lassen. Es muss geprüftwerden, wo ihre Vor- und Nachteile liegen und ob sie nichteiner behutsamen Weiterentwicklung bedürfen. MeineÜberzeugung ist: Wir brauchen eine solcheWeiterentwicklung im Bildungsföderalismus. Der hat dortseine Berechtigung, wo er zum Wettbewerb um neue Ideenund gute Lösungen einlädt. Aber dort, wo er die gemeinsameArbeit an guten Lösungen für die Zukunft unserer Kinderbehindert, muss er weiterentwickelt werden. Deshalb bin ichder Meinung, dass wir die Kooperationsmöglichkeiten im
  7. 7. 6Grundgesetz erweitern müssen. Bisher gestattet dasGrundgesetz Bund und Ländern die Zusammenarbeit imBildungsbereich nur, wenn es um die Feststellung seinerLeistungsfähigkeit geht – d. h. bei Studien und Analysen.Was spricht dagegen, dass Bund und Länder sich daraufverständigen, dass sie die Leistungsfähigkeit unseresBildungssystems nicht nur gemeinsam „feststellen“ sondernauch gemeinsam „sicherstellen“ wollen?Das ist ein Anspruch, den jeder versteht. Wir nehmenniemandem etwas weg, wenn wir sagen: Wir wollengemeinsam gewährleisten, dass alle Kinder undJugendlichen in Deutschland die bestmögliche Bildungerhalten! Im Gegenteil, das wäre eine Verpflichtung, auf diealle Akteure stolz sein könnten.Zweitens:Wir müssen Eltern stärker einbinden und früh damitanfangen. Unser Bildungssystem muss durchlässiger werdenund einen wirksamen Beitrag leisten zur Entkoppelung vonsozialer Herkunft und schulischem Bildungserfolg. Das heißt,wir werden sehr viel stärker als in der Vergangenheit an deraktiven Partnerschaft von Elternhaus und Schule arbeitenmüssen. Auch Eltern müssen ermutigt und befähigt werden,ihren Kindern die Chance für Bildung zu geben. 20 Euro imJahr für Schulbücher und Lernprogramme, wie die Studie desVerbandes Bildungsmedien es als durchschnittlichen Betragpro Familie berechnet hat, sind nicht genug. Die Eltern
  8. 8. 7ermutige ich: Investieren Sie in die Bildung Ihrer Kinder. Eslohnt sich mit Sicherheit.Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule kommtfür viele Kinder und ihre Familien einem Weltenwechselgleich. Die beiden Institutionen, die zu unterschiedlichenSystemen gehören, sind in den letzten Jahren sehraufeinander zugegangen. Einer, der wie kein zweiter hierfürImpulse erarbeitet hat, sind Sie, Herr Professor Fthenakis.Ihre Bemühungen über Jahrzehnte tragen jetzt Früchte. DieBildungshäuser sind erfolgreich und finden Nachahmer. Indie Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule wirdgerade hier in Nordrhein-Westfalen viel investiert.Drittens:Wir müssen Bündnisse stärken. Rund um unsere Schulenentstehen Netzwerke aus unterschiedlichen Partnern: Daengagieren sich Vereine, Privatpersonen, Wirtschaft,kommunale Stellen. Diese an der einzelnen Schuleorientierten Bildungsbündnisse sind Motor innerer undäußerer Schulentwicklung. Wir müssen nicht die Schulen indie Bündnisse bringen, sondern die Bildungsbündnisse indie Schule. Da sind die Kinder.An immer mehr Schulen entstehen Fördervereine, schon anzwei Drittel der Grundschulen sind Fördervereine aktiv. Hiergibt es eine große Dynamik. Hier kann der Nukleus einersozialen Bewegung entstehen, die zu der sozialen Bewegungder kommenden Jahre wird: einer Bewegung von Eltern,
  9. 9. 8Lehrern, Schulleitern und allen, die für BildungsprozesseVerantwortung tragen. Eine Bewegung für mehrBildungsgerechtigkeit.Diese Bildungsbündnisse, die oftmals von Lehrern und Elterngemeinsam getragen werden, leisten soziale undpädagogische Arbeit. Sie stellen Verbindungen zukulturellen, technischen und wissenschaftlichenEinrichtungen, zur Jugend- und Familienhilfe sowie zusozialen Diensten her. Sie initiieren neue Formen derZusammenarbeit von Schulen, Eltern und gemeindlichemUmfeld. Bildungsbündnisse bereichern die Schulen, siesorgen für die für Bildungserfolg unerlässliche Einbindungund Beteiligung der Eltern.Diese Bewegung, die aus den Schulen kommt, werden wir beiihrer wichtigen Arbeit unterstützen.Wir werden in dieser Legislaturperiode insgesamt 1 MilliardeEuro einsetzen, um Bildungsbündnisse zu stärken, die sichan Grundschulen um benachteiligte Kinder kümmern. Aufdiese Weise wollen wir allen Kindern reale Bildungschanceneröffnen.Und damit müssen wir so früh es geht anfangen, denn derZusammenhang von Bildungsherkunft und Bildungserfolgmuss so früh wie möglich aufgebrochen werden: In derGrundschule werden die Weichen für erfolgreicheBildungsbiographien gestellt. Leistungsförderung undPersönlichkeitsentwicklung laufen parallel. Dem trägt einezunehmend individualisierende Lernkultur gerade zu Beginndes Schullebens Rechnung. Kinder wollen lernen. Und sie
  10. 10. 9wollen sich anstrengen. Sie wollen erleben, dass sie etwaskönnen, was sie vorher noch nicht konnten. In derGrundschule, in die fast alle Kinder mit Freude und Neugierstarten, lernen sie das Lernen.Internationale Leistungsstudien wie IGLU zeigen: Andeutschen Grundschulen wird guter Unterricht erteilt, underfolgreiches Lernen ist möglich. Es gibt in denGrundschulen eine große Kompetenz für das, was fürgelingende Bildungsbiographien notwendig ist. Und es gibtdie Bereitschaft zum Engagement und zu einerausgleichenden Pädagogik.Jede der 16.400 Grundschulen in Deutschland braucht einBildungsbündnis. Jede Brennpunktschule muss über einBildungsbudget verfügen können, mit dem mehrBildungsgerechtigkeit tatsächlich hergestellt wird. Mit einemBudget von 20.000 bis 40.000 Euro an jederBrennpunktschule kann hier vieles geleistet werden.Mit diesem Geld werden die Bildungsbündnisse, die sich umdie Fördervereine herum bilden, gezielt Bildungsarmutbekämpfen: zum Beispiel durch schulergänzendenFörderunterricht oder Ferienkurse zur individuellenFörderung. Kulturelle Projekte wie Theater-, Musical- oderChoraufführungen schaffen neue bedeutsame Lernräume.Förderungen im musischen Bereich oder durch sportlicheAktivitäten in Vereinen bedeuten reale Bildungschancen fürKinder, deren Eltern mit der materiellen Sicherung ihrerExistenz ausgelastet und oft überfordert sind. Bibliotheks-und Zeitungspatenschaften schaffen Zugänge zu Lesewelten,
  11. 11. 10die für Bildungserfolg unersetzlich sind. In Ausbildungen zuSchülerlotsen oder Streitschlichtern können Kinder sozialeKompetenzen erwerben und vorhandene Defiziteausgleichen, bevor sie zu einem Problem in derSchulgemeinschaft werden.Alle Maßnahmen müssen direkt einzelnen – oder auch allenKindern – der Grundschule zugutekommen. Sie müssenBestandteil eines Schulprogramms sein und dienen dernachhaltigen Schärfung des Schulprofils im Blick auf mehrBildungsgerechtigkeit. III.Zu diesen neuen Wegen für mehr Bildungsgerechtigkeitgehört auch die leidenschaftliche Diskussion überBildungsinhalte und –ziele.Bildung muss von den Kindern und auch von allen Eltern alsetwas Sinnstiftendes, Erstrebenswertes und überausNützliches angesehen werden. Aus dieserSelbstverständlichkeit erwachsen Lernbereitschaft undLernmotivation. Genau das ist die kulturelle Absicherung vonLernerfolg, die alle Kinder brauchen.Eltern sind dankbar für Anregungen zur Unterstützung ihrerKinder. Elternbildung gewinnt an Bedeutung. Ich danke andieser Stelle den Verlagen und Unternehmen fürBildungsmedien für ihre Kreativität, ihr ausgezeichnetes
  12. 12. 11Angebot und ihre Partnerschaft mit unserenBildungseinrichtungen.Wir dürfen den Bildungsbegriff so wenig auf seine formaleDimension beschränken wie den Armutsbegriff auf seinematerielle Dimension. Bildungsgerechtigkeit bedeutet diegleichmäßige Ausstattung von Kindern mit kulturellenRessourcen, den Zugang zu realen Bildungschancen und dengezielten Abbau von Hemmnissen und Risiken fürBildungsarmut. Amartya Sen sagt: „Bei der sozialenGerechtigkeit geht es darum, den Einzelnen dazu zubefähigen, seine individuellen Lebensziele zu verwirklichen.“Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht gleiche Resultate. Nichtalle Schülerinnen und Schüler müssen zu den gleichenErgebnissen kommen. Unsere Gesellschaft mussUnterschiede aushalten können, aber nur dann, wenn allePotenziale optimal gefördert werden, nur dann, wennUnterschiede das Ergebnis unterschiedlicher Leistung sind –und nicht unterschiedlicher Herkunft.Unterschiedliche Begabungen erfordern unterschiedlicheLernwelten. Bildungsbündnissen können eine Vielzahlsolcher Lernwelten in und außerhalb der Schule möglichmachen. Wir erreichen echte Chancengerechtigkeit nur dann,wenn wir ein höchst mögliches Maß an Differenzierung vonLern- und Förderangeboten, Bildungswegen undSchullaufbahnen zulassen.Bei der didacta wird deutlich: Bildung ist nicht allein Sachedes Staates. Bildung ist eine Angelegenheit der Gesellschaftinsgesamt – der Wirtschaft, der Sozialpartner, der Vereine,
  13. 13. 12der Eltern und engagierter Einzelpersonen, denen es nichtgleichgültig ist, wie Kinder in ihrer Nachbarschaftaufwachsen. Ihre gemeinsame Aufgabe ist es, in regionalenBildungsnetzwerken ihren Beitrag zu leisten, um die Lern-und Leistungsbereitschaft junger Menschen zu steigern undinsbesondere lernschwache Schülerinnen und Schüler zumotivieren. Wir müssen aufmerksam sein für Risiken undBarrieren. Es gibt so viele Wege zur Bildung, wie esMenschen gibt.Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche. Viele gehengerne zur Schule. Andere brauchen über den Unterrichthinaus Angebote und Erfahrungsräume. Sie brauchenAufmerksamkeit und individuelle Begleitung, z. B.Bildungspaten, die zuhören, helfen und ermutigen. In einerälter werdenden Gesellschaft können sich neuePartnerschaften zwischen den Generationen ergeben, diesich positiv auf unser Lernen auswirken.Bildungsgerechtigkeit ist eine Form derTeilhabegerechtigkeit. Und hier gilt: Nicht die Ergebnisse,sondern die Befähigung zum Handeln steht im Vordergrund.4Die didacta 2010 wird Impulsgeber sein und zeigen:Bildungsgerechtigkeit ist die moderne Antwort auf die Fragenach Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert. Der Kampf gegenBildungsarmut muss zu der sozialen Bewegung derkommenden Jahre werden.4 Lutz Leisering: Paradigmen sozialer Gerechtigkeit.
  14. 14. 13Ich erkläre die didacta 2010 für eröffnet.

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