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umkreist die Gegenstände des amerikanischen Alltags. Um sie wieder in das Bewusstseindes Betrachters zu rücken, entfremdet...
In der Sammlung Brandhorst befinden sich Gemälde und ein Cutout aus der Zeit von 1959 bis1997. Es dominieren Porträts, abe...
Mario MerzDer 1925 in Mailand geborene Autodidakt Mario Merz gilt als einer der Hauptvertreter derArte Povera, einer von I...
Die Bandbreite künstlerischer Medien und Techniken, die Polkes Werk kennzeichnet, lässtsich anhand der etwa 15 Werke in de...
Andy Warhol1928 in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania als Sohn slowakischer Immigrantengeboren, absolvierte Warhol ...
Christopher WoolNeben Mike Kelley und Robert Gober ist Christopher Wool einer der bedeutendsten Post-PopArt-Künstler der N...
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  1. 1. Die Künstler der Sammlung BrandhorstPositionen des 20. Jahrhunderts und der GegenwartskunstJoseph BeuysJoseph Beuys (1921-1986) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler derNachkriegszeit und genießt internationales Renommee. Sein Werk strebt nach einer»Erweiterung des Kunstbegriffs«, ein Postulat, unter dem er eine Loslösung von traditionellgeprägten formal-ästhetischen Gesichtspunkten hin zu einer anthropologischen Kunstversteht. Damit verbindet sich auch das Konzept der »sozialen Plastik«, eine Vorstellung, derzufolge jeder Mensch als ein Künstler durch bewusstes und gezieltes Handeln einenindividuellen Beitrag leisten kann, gesellschaftliche Strukturen und damit die Welt zuverändern. Seine vielschichtig angelegten Arbeiten sind konzeptionelle Visualisierungenkomplexer Gedankenstrukturen und stellen nicht selten Vorarbeiten und Relikteperformativer Aktionen dar. Beuys´ Kunstverständnis ist geprägt von einer tief empfundenenNaturverbundenheit, die sich unter anderem in der Einbeziehung erhabener, ursprünglicherMythen zeigt. Weiterhin sind sie eine Reflektion über physikalische Prozesse und denEigenschaften der von ihm verwendeten Materialien.Dumme Kiste, eine Arbeit aus der Sammlung Brandhorst, zeigt einen aus vier Kupferplattenzusammengesetzten nach oben hin offenen Kasten. An den Schnittstellen der scharfenKanten hat Beuys aus Filz ausgeschnittene Platten eingefügt. Dadurch entsteht ein Kontrastzwischen dem kalten Metall und seiner kristallinen Struktur, das physikalisch betrachtet diepotentielle Fähigkeit eines elektrischen Leiters aufweist und dem weichen und warmenMaterial Filz mit seiner isolierenden Eigenschaft. Ihr Zusammenspiel kreiert einenarchitektonischen Raum, der sich modellhaft als ein von physikalischen Gegebenheitenbestimmter Lebensraum begreifen lässt. Die auf den ersten Blick wenig beachtenswertanmutende Dumme Kiste offenbart sich bei eingehender Betrachtung als ein intellektuellesModell gefühlt physikalischer Realitäten.James Lee ByarsMan hat ihn den »Magier der Stille« genannt. James Lee Byars, 1932 in Detroit geboren,studierte Kunst, Psychologie und Philosophie. Vor allem die Auseinandersetzung mit derfernöstlichen Kultur Japans, wo Byars mehrere Jahre lebte, hat seine Geisteshaltung ent-scheidend geprägt. Seit den siebziger Jahren ist der Minimalist, Konzept- und Performance-künstler mit Objekten, Skulpturen, Rauminstallationen und Aktionen international präsentund mehrfach auf der »documenta« vertreten. Byars` Werk kreist um die existentiellenThemen von Leben und Tod. Seine Intention ist der Ausdruck von erhabener Vollkommenheit,ein Zustand, der sich in der momenthaften Begegnung zwischen dem Flüchtigen und demEwigen einstellt. 1994 schenkte der Künstler seine Performance The Perfect Smile, eineDarbietung, bestehend aus einer winzigen Mundbewegung, die zu einem Lächeln wird, dem
  2. 2. Museum Ludwig in Köln. Die immaterielle und flüchtige Vorführung wird allein durch den Aktder auf Dauer ausgerichteten Schenkung durch ihre potentielle Wiederholbarkeit zu einemmuseal »konservierten« Kunstwerk.In I am Imaginary, einer nach oben hin abgerundeten Marmorplatte, die den Titel des Werkesin einer kaum sichtbaren goldenen Inschrift aufweist, wird das dauerhafte und hochwertigeMaterial zu einem monumentalen Epitaph und damit zu einem langfristigen Stellvertreterder eigenen ephemeren Existenz. Auch die vollkommene Form der Kugel in The Lucky Stonevisualisiert anschaulich die Umsetzung des Absoluten und Perfekten, das der 1997verstorbene Künstler in dem auf Fortbestand ausgerichteten Material des Steins auf ewigfestzuhalten suchte. ChamberlainJohn Chamberlain1927 in Rochester im US-Bundesstaat Indiana geboren, erhielt der Bildhauer JohnChamberlain seine Kunstausbildung zunächst in Chicago, um dann ein Jahr am BlackMountain College zu verbringen, wo er mit einigen der wichtigsten Künstler und Literatenseiner Zeit Bekanntschaft machte. Als er 1957 nach New York zog, entwickelte er die für seinWerk typische Ästhetik mit verbeulten, verschiedenfarbigen Autoteilen, durch die er zu einemProtagonisten der Junk Art wurde. Nachdem er in den späten 1960er Jahren mit Filmexperimentiert und in den 1970er Jahren auch druckgraphische Prozesse für sich entdeckthatte, erweiterte er seit den 1980er Jahren die Bandbreite seiner skulpturalen Werkstoffe. Erlebt und arbeitet in New York.In der Sammlung Brandhorst sind verschiedene Aspekte aus Chamberlains Schaffenvertreten, neben frühen monochromen, lackierten und unlackierten Autostahl-Plastikenauch kleinformatige bunte Wandreliefs sowie zwei Blätter aus der Serie Gondola (1982). MitLord Suckfist (1989) bewahrt das Museum Brandhorst eines der Hauptwerke JohnChamberlains. Die allansichtige Plastik vereint Karosserieteile verschiedener Autos undverknautscht diese scheinbar leicht und doch kunstvoll zu einem ästhetisch ansprechendenund abwechslungsreichen Gebilde. Dass dieses Objekt keiner Zufälligkeit und keinem»Unfall« zu verdanken ist und dass somit Chamberlains Skulpturen stets oberflächliche undunterschwellige Bezüge in sich vereinen, belegt auch der Titel, der auf eine lächerliche Figurin dem Renaissance-Romanzyklus »Pantagruel« von François Rabelais anspielt.Eric FischlDer 1948 in New York geborene amerikanische Maler und Grafiker Eric Fischl zog nach demKunststudium in Kalifornien und einem Lehrauftrag in Nova Scotia 1978 nach New York, woer seither lebt. In den 1980er Jahren entwickelte er die Bildsprache, die ihm zuinternationalem Erfolg verhalf. Seine in flächigem Realismus ausgeführten Figuren ausbürgerlichem Milieu befinden sich häufig in zweideutigen Situationen mit oft sexuellen odergewalttätigen Untertönen. Fischl fordert damit dem Betrachter ein genaues Hinsehen ab,verweigert aber eine Erklärung im Bild. Dieses enigmatische Verfahren hat Vorläufer bei
  3. 3. Eduard Manet und Edward Hopper, verrät aber zugleich auch enge Parallelen zurzeitgenössischen Fotografie, mit deren Paradigmen sich Fischls Werk immer wiederauseinanderzusetzen scheint.Die Sammlung Brandhorst umfasst derzeit fünf bedeutende Gemälde Fischls, die einenEinblick in sein Schaffen seit den frühen 1980er Jahren bis heute geben. Vier von Ihnenhängen in der Erstpräsentation in einem einzigen Raum und erzeugen eine spannungsvolleund mysteriöse Atmosphäre. Dabei sticht Daddys girl von 1984 als frühes Meisterwerkhervor, in dem der Maler das Bild einer glücklichen Familie durch Doppeldeutigkeiten inFrage stellt. Die Viehversteigerung (Cattle auction, 1990) zeigt scheinbar eine folkloristischeTanzszene, die suggestiv das Nebeneinander von Vergnügen und Gewalt inszeniert. Mit derBadeszene Japanese bath (1988) greift Fischl auf Bilderfindungen von Impressionisten wieEdgar Degas zurück, Living room, scene 3 (spinning) von 2002 hingegen evoziert Bilder voneinsamer Zweisamkeit Edward Hoppers.Katharina FritschDie Bildhauerin Katharina Fritsch wurde 1956 in Essen geboren. Ab Mitte der 1980er Jahreerlangte sie mit lebensgroßen plastischen Arbeiten, wie etwa der maßstabsgetreuenUmsetzung eines Elefanten, internationale Aufmerksamkeit. 1995 bespielte sie dendeutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig.In der Sammlung Brandhorst ist sie mit mehreren Arbeiten vertreten. Dabei handelt es sichvornehmlich um Multiples, die inhaltlich den alltäglichen Warencharakter einer Konsum-gesellschaft thematisieren. Die Arrangements, zusammengesetzt aus massenhaft produ-zierten, völlig identischen Objekten, negieren den individuellen Charakter des einzelnenGegenstandes. Besonders deutlich zeigt sich dieser Umstand in der Arbeit Warengestell mitMadonnen von 1987-89. Knapp 300 Marienfigürchen werden in neun ringförmigen Etagen zueinem mannshohen turmartigen Gebilde zusammengesetzt. Bei ihnen handelt es sich umeine in beliebiger Stückzahl nachproduzierbare Devotionalie der wundertätigen Madonna ausdem französischen Wallfahrtsort Lourdes, ein begehrtes und zugleich beliebiges Objekt.Einheitlich in signalfarbenes Gelb gefasst, ziehen die Figuren den Blick des Betrachtersunweigerlich auf sich, treten dabei aber gleichzeitig in ihrer Monochromie und seriellenGleichförmigkeit in den Hintergrund zugunsten einer übergeordneten Struktur. FritschsArbeiten lassen an Warhols Bildbegriff denken, der hier im dreidimensionalen Raumumgesetzt wird.Robert GoberDer 1954 geborene amerikanische Objektkünstler Robert Gober lebt und arbeitet in NewYork. Nach dem Kunststudium in Vermont und Rom konzentrierte sich sein Schaffen aufplastische Arbeiten. Formal an die Pop Art-Skulptur anknüpfend erweiterte Gober derengesellschaftspolitische Anliegen, ähnlich wie Eric Fischl in der Malerei, um unheimliche,unerklärliche und subtil-bedrohliche Facetten. Seine in den frühen 1990er Jahreneinsetzende internationale Karriere gipfelte bald in der Teilnahme an der documenta inKassel (1992) und in einem Beitrag für die Biennale in Venedig (2001). Das Werk Gobers
  4. 4. umkreist die Gegenstände des amerikanischen Alltags. Um sie wieder in das Bewusstseindes Betrachters zu rücken, entfremdet er sie durch Vergrößerung, offensichtlichen Entzugihrer Funktionen oder Ironisierung.All diese Mechanismen lassen sich an den Werken der Sammlung Brandhorst studieren.Dabei wird ein zentrales Motiv von Gobers Schaffen, der Abfluss (engl. drain) gleich inmehreren Werken aufgegriffen: Der Künstler verwendet ihn mal als Metapher für dengesellschaftlichen Überfluss, mal als Sinnbild für die moderne Informationsflut oder denGefühlsüberschwang. Im Museum Brandhorst werden in einem Raum die Hauptwerke ausder Sammlung zusammengebracht und mit Positionen anderer Künstler, etwa Damien Hirst,konfrontiert.Damien HirstKaum ein anderer Gegenwartskünstler genießt soviel internationale Aufmerksamkeit undfinanziellen Erfolg wie der 1965 in Bristol geborene Damien Hirst. Er zählt zur Gruppe derYoung British Artists, die die Produktionsformen von Kunst ebenso gründlich beherrschenwie sie sich ihrer Vertriebsformen auf selbstverständliche Weise bedienen. Mit inFormaldehyd konservierten Tierleibern, provokativ eingerichteten Käfigen, Kabinen undSchaukästen zog Hirst schnell Kritik und Anerkennung an. Seine Werke zielen in oftironischer Weise darauf ab, den Betrachter mit existentiellen Themen wie Tod undVergänglichkeit, Sexualität und Liebe zu konfrontieren und regen zur Reflektion an. Hirstarbeitet und lebt in London. Mit den Objekten E.M.I. (1989), Looking forward to a completesuppression of pain (1994), Waste (Twice) (1994), Hymn (2000) und In this terrible moment weare victims clinging helplessly to an environment that refuses to acknowledge the soul (2002)befinden sich vor allem Werke Hirsts in der Sammlung Brandhorst, die sich mit denMöglichkeiten und Grenzen der modernen Medizin auseinandersetzen. Bis auf diemonumentale Bronzeplastik Hymn sind alle diese Werke jetzt im Museum Brandhorst zusehen.Alex KatzÄußerst geordnet wirken die Werke des 1927 in New York geborenen Malers Alex Katz. SeineStudienjahre fielen in die Hochphase des Abstrakten Expressionismus, doch ist er bis heuteder figurativen Malerei treu geblieben. Er gilt als einer der Wegbereiter der Pop Art. Katz istmodern und altmodisch, radikal und gediegen, stets kontrolliert und von kühlerDistanziertheit, die jede Sentimentalität, die seinen Themen durchaus immanent ist, in ihreSchranken verweist. Er variiert immer wieder Themen aus seinem unmittelbaren Umfeld:Figuren, Porträts (insbesondere das seiner Frau Ada), minimalistisch reduzierteLandschafts- und Architekturausschnitte – die mit extremer Ökonomie in die Bildflächeeingeschrieben werden. Vor monochromen Hintergründen erscheinen die Motive wieeingefroren in einer Bewegung, einer Geste, einem flüchtigen Lichteinfall. JapanischenHolzschnitten vergleichbar entstehen stilisierte Realitätsfragmente, die zugleich auch dieSchönheit eines zugespitzten, im besten Sinne »impressionistischen« Augenblicks erfassen.
  5. 5. In der Sammlung Brandhorst befinden sich Gemälde und ein Cutout aus der Zeit von 1959 bis1997. Es dominieren Porträts, aber einige lyrische Landschaften sind auch vertreten. Ineinem eigens diesem Künstler vorbehaltenen Saal im Museum Brandhorst lässt sich daherleicht ein Einblick in das Schaffen dieses einflussreichen amerikanischen Malers erlangen.Mike KelleyDer 1954 in Detroit geborene Mike Kelley gehört der gleichen Künstlergeneration wie RobertGober und Christopher Wool an, doch unterscheidet sich sein Werk durch die größereExperimentierfreude mit unterschiedlichen künstlerischen Medien. Nach dem Kunststudiumin Michigan und Kalifornien beteiligte sich Kelley zunächst an Gruppenarbeiten oftperformancehafter Natur. Ende der 1980er Jahre begann er, Stofftiere für seine Arbeiten zubenutzen, die sich für seinen gesellschaftskritischen und oft konzeptualistischen Ansatz guteigneten und schnell internationalen Erfolg brachten. Der Künstler lebt und arbeitet in LosAngeles.Die wichtigsten Werkphasen Kelleys sind in der Sammlung Brandhorst mit eindrucksvollenWerken vertreten: die an Comics anknüpfenden frühen Blätter, in denen er amerikanischeMythen kritisch beleuchtet; Installationen mit Stofftieren, welche aus den so vertrautenKuscheltieren ein unheimliches Element hervorkitzeln. In jüngeren multimedialenRauminstallationen ruft die Oberflächenästhetik einer unterschwelligen Bedrohung einebefremdliche Stimmung hervor. Mit dem Werk Kandor 15 und der dazu gehörigen ArbeitLenticular 15 beruft sich Mike Kelley auf den Superman-Mythos und überträgt Motive aus derComic-Welt in eine neue, raumfüllende Kunstinstallation.Jannis KounellisDer gebürtige Grieche Jannis Kounellis ging 1956 als Zwanzigjähriger zum Kunststudiumnach Rom, wo er bis heute lebt. Bereits 1967 nahm Kounellis an der Ausstellung »ArtePovera e Spazio IM« in Genua teil, die ihn als bedeutenden Vertreter der Arte Poveraetablierte. Kounellis erweitert in seinem Werk das Spektrum künstlerischer Mittel umvermeintlich banale oder krude Alltagsgegenstände. Auch ephemere Phänomene wie Rauchoder lebende Tiere sind ihm in seiner Arbeit nicht fremd. Von den Beschränkungen derflachen Leinwand löste sich Kounellis immer wieder, geht es ihm doch oft darum, dieProduktions- wie Präsentationsbedingungen von Kunst zu befragen. Seit 1993 lehrt er an derKunstakademie Düsseldorf.Obwohl die Mehrzahl der über zwanzig Werke in der Sammlung Brandhorst zweidimensionalist, bezieht die Auswahl auch Kounellis’ plastisches Schaffen mit ein. Neben frühen fragil-lyrischen Arbeiten auf Papier finden sich Leinwandgemälde der für den Künstler wichtigen1960er Jahre, figurative Aquarelle aus den 1970er Jahren und eine Collage auf Stahl aus den1980ern. Mit dem Objekt Ohne Titel (1980), setzt Kounellis einen ausgestopften, farb-besprenkelten Papagei auf den Rand eines Farbtopfes und platziert das Gefäß auf zweiGesamtausgaben der Lyrik Arthur Rimbauds. Die Sammlung Brandhorst besitzt mit dieserArbeit ein in seiner vielschichtigen und humorvoll-subversiven Verweiskraft charakteris-tisches wie besonders zugängliches Meisterwerk.
  6. 6. Mario MerzDer 1925 in Mailand geborene Autodidakt Mario Merz gilt als einer der Hauptvertreter derArte Povera, einer von Italien ausgehenden Kunstrichtung, die auf Konzeptkunst, Land Art,Informel und die Art Brut Bezug nahm. Bis zu seinem Tod 2003 lebte und arbeitete er inTurin. Sein Markenzeichen wurde das Iglu, das ein existentielles Menschheitsthema aufgreiftund dessen Grundform Merz mit ganz unterschiedlichen Materialien variierte. Ein anderesInteresse galt der Verwendung von Neonlicht, das er oft als zivilisatorischen Antipoden mitFundstücken aus der Natur in Kontrast setzte.Mit dem Iglu Mai alzato pietra su pietra (Nie Stein auf Stein gehoben) (1968) und den ObjektenOhne Titel (1969), Pittore in Africa (1982) sowie Numeri in colonna (1986) verfügt dieSammlung Brandhorst über einen ebenso repräsentativen wie qualitätvollen Querschnittdurch das Schaffen von Mario Merz. Erweitert wird dieser Einblick in das Werk desitalienischen Künstlers durch ein frühes Gemälde und mehrere Arbeiten auf Papier ausunterschiedlichen Werkphasen.Bruce NaumanDer 1941 in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana geborene Bruce Nauman ist einer dervielseitigsten Künstler der vergangenen fünfzig Jahre und gehört zu jenen, die sich nurschwer in künstlerische Kategorien einordnen lassen. Nach einem Grundstudium, das auchNaturwissenschaften einschloss, machte Nauman seinen Abschluss in bildender Kunst.Technisch beherrscht er die Malerei und das Zeichnen ebenso wie die Bildhauerei undneuere Medien. Häufig setzt er auf offensichtliche Provokation, spielt aber auch mit stillerenkonzeptualistischen Anspielungen oder interdisziplinären Bezügen, wie literarischen odermusikalischen Assoziationen.Zentrales Thema der Arbeiten von Bruce Nauman in der Sammlung Brandhorst ist diezwischenmenschliche Begegnung in ihrer psychologischen und physiologischen Dynamik.Der Künstler erkundet auf Papier (Big welcome, 1985, All thumbs, 1996), in Gips (All thumbs1996), Wachs (Two heads on base #1, 1989) sowie in einer Videoinszenierung (Violent incident1986), welche Funktion dem Körper und einzelnen Körperteilen wie Händen oder Köpfenverliehen wird, welche Rolle Gewalt oder Sexualität spielen. In der Neon-Plastik Mean clownwelcome (1985), einem Hauptwerk, treibt Nauman solche Themen bis zum Äußersten.Sigmar PolkeDer 1941 in Oels/Niederschlesien geborene deutsche Künstler Sigmar Polke studierteMalerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Zusammen mit seinen Kollegen Gerhard Richterund Konrad Fischer-Lueg erfand er in den 1960er Jahren den Kapitalistischen Realismus,eine europäische Reaktion auf die amerikanische Pop Art. Polkes selbständiges Werk istgeprägt von experimentellen Maltechniken und einem breiten Spektrum künstlerischerMedien. Inhaltlich geht es Polke stets um subversive Formen des Humors, die oft gesell-schaftskritisch sind, aber auch von Selbstironie zeugen. Vielfach international ausgezeichnetlebt und arbeitet Sigmar Polke heute in Köln.
  7. 7. Die Bandbreite künstlerischer Medien und Techniken, die Polkes Werk kennzeichnet, lässtsich anhand der etwa 15 Werke in der Sammlung Brandhorst nachvollziehen. Angefangen beidem kleinen intimen Format des Ölbildes Goethes Werke von 1963, über das monumentaleund kämpferische Liberté, egalité, fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) (1988) biszum teils gedruckten, teils gemalten Meisterwerk mittleren Formats, Die drei Lügen derMalerei (1994), umspannt die Sammlung Brandhorst Polkes gesamtes Schaffen.Gerhard RichterGerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschenMaler von internationalem Ansehen. Richter studierte zwischen 1951 und 1956 an der Kunst-akademie in Düsseldorf und entwickelte dort zusammen mit Sigmar Polke den Kapitalis-tischen Realismus, um der damals dominierenden Pop Art und der Fluxus-Bewegungkritisch etwas entgegenzusetzen. Richters Anliegen war und blieb über Jahrzehnte hinweg,mit der Malerei über Persönliches hinauszugelangen. Häufig verwendete er Fotografien alsVorlagen für seine Bilder und setzte verfremdend eine malerische Unschärfe ein. BeideStilmittel machten Richter schließlich international bekannt.Von Gerhard Richter befinden sich einige Zeichnungen, kleinformatige Farbarbeiten aus den1980er Jahren und das bedeutende Gemälde Familie nach Altem Meister von 1965 in derSammlung Brandhorst. Letzteres ist ein frühes Beispiel für Richters Maltechnik derUnschärfe und ein Meisterwerk der Porträtkunst des 20. Jahrhunderts.Cy TwomblyDer in der Sammlung Brandhorst wohl bedeutendste Künstler ist der 1928 inLexington/Virginia geborene Amerikaner Cy Twombly. Nach dem Kunststudium an ver-schiedenen Hochschulen besuchte er kurz das Black Mountain College, um danach eineEuropa- und Nordafrikareise mit Robert Rauschenberg anzutreten. Seither beschäftigt sichTwombly mit dem Mittelmeerraum, der zu einer seiner wichtigsten Inspirationen gewordenist. Twomblys Kunst hat wie keine andere eine sensible und lyrische Verbindung von Bild undText erreicht. Neben Robert Rauschenberg und Jasper Johns ist Twombly der bedeutendsteVertreter der Generation, die den Abstrakten Expressionismus ablöste. Wie seinen beidenKollegen gelang es ihm, eine neue Ära nicht nur der amerikanischen Kunst einzuleiten undeine ganz eigene, höchst einflussreiche Bildsprache zu entwickeln.Twomblys monumentalem Werk Lepanto (2001), bestehend aus zwölf Bildern, ist dauerhaftein zentraler Saal des Museums vorbehalten, der nach Wünschen des Künstlers gestaltetwurde. Mit mehr als 60 Werken – Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen – ausunterschiedlichen Schaffensperioden bietet die Sammlung Brandhorst einen Überblick überdie künstlerische Entwicklung dieses ungewöhnlichen Künstlers und ist somit diebedeutendste außerhalb der USA, vergleichbar nur der »Cy Twombly Gallery« der MenilCollection in Houston/Texas. Jüngster Zuwachs ist eine Werkgruppe um das Motiv Rose von2008, dem im Obergeschoss ein eigener Saal eingerichtet wurde.
  8. 8. Andy Warhol1928 in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania als Sohn slowakischer Immigrantengeboren, absolvierte Warhol ein Kunst- und Designstudium in seiner Heimatstadt. Nachdemer 1949 nach New York übersiedelte und sich schnell im Einzelhandel und bei Mode-magazinen einen Namen als Produkt- und Werbedesigner gemacht hatte, erlebte er Anfangder 1960er Jahre erste Erfolge als bildender Künstler. Den Durchbruch erzielte er mitWerken, die von der Alltagswelt inspiriert waren. Heute gilt Warhol als einer derProtagonisten der Pop Art. Von Anfang an inszenierte sich der Künstler als glamourösenSonderling, was ihm eine große Anhängerschaft verschaffte, die er wiederum in seineWerkproduktion einband. 1987 starb Warhol in New York unerwartet nach einer Operation.Mit weit über hundert Werken ist die Sammlung Brandhorst eine der größten Warhol-Sammlungen in Europa. Besonders bemerkenswert ist, dass alle Schaffensperioden, auchdie sehr frühen, mit qualitätvollen Beispielen repräsentiert sind. So bewahrt das Museumfrühe Zeichnungen im von Warhol erfundenen blotted-line-Stil, handgemalte Dollarschein-Gemälde aus den 1950er Jahren sowie die berühmten Siebdrucke mit Starporträts oderBlumenmuster. Darüber hinaus enthält die Sammlung Brandhorst Werkgruppen aus den1970er und 80er Jahren, in denen Warhol zum einen die Glamourkultur, zum anderenmetaphysische Themen beschäftigten. Im Museum findet sich eine große Konzentration vonWarhol-Werken im Untergeschoss, doch werden auch in anderen Sälen spannende neueKonfrontationen mit Werken anderer Künstler gesucht. Dank der Stiftung Brandhorst ist esdem Museum Brandhorst möglich, auch weiterhin Ankäufe für diesen einzigartigen Warhol-Bestand zu tätigen.Franz WestZu den bedeutendsten lebenden Künstlern Österreichs zählt der 1947 in Wien geboreneFranz West. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Akademie der bildendenKünste Wien. In Wests meist dreidimensionalen Arbeiten verbinden sich Anklänge ausWiener Aktionismus und Pop Art, aus am menschlichen Körper entwickelten Formen mitphilosophischen Inhalten. In Wests Kunst spielt die Interaktion eine große Rolle, sowohlzwischen ihm und anderen Künstlern als auch zwischen seinen Werken und dem Betrachter.Folgerichtig sind seine Arbeiten oft raumgreifend.Der Künstler war zweimal auf der documenta vertreten (1992 und 1997). Im Jahr 1990 nahmer an der 44. Biennale in Venedig teil. West lebt und arbeitet in Wien. 2007 konnte die für dieBiennale in Venedig angefertigte siebenteilige Arbeit Das Fragile an seiner Kloake (2007) fürdie Sammlung Brandhorst erworben werden. Sie bildet das Herzstück des Werkkomplexesvon Franz West und wird in einem der schönsten Säle des neuen Museums gezeigt. Mit derArbeit bezieht sich der Künstler auf eine These des französischen Philosophen JacquesLacan, nach der keine Hochkultur ohne die Lösung des Abwasser-problems zustandekommen konnte.
  9. 9. Christopher WoolNeben Mike Kelley und Robert Gober ist Christopher Wool einer der bedeutendsten Post-PopArt-Künstler der New Yorker Kunstszene. 1955 in Chicago geboren ging er in den 1980erJahren nach New York. Bereits Ende der 1980er Jahre wurden internationaleAusstellungsmacher und Galerien auf seine Gemälde aufmerksam, in denen er schwarze,scheinbar gedruckte Worte, oft Zitate oder Zitatfragmente, auf weißgrundierte Alumi-niumtafeln malte oder druckte. Als er sein Motivspektrum und seine Maltechnik um Über-malungen erweiterte, wirkte dieser Rückgriff auf die Alltagskultur poetischer und nachdenk-licher als jene der Pop Art-Künstler. Wool lebt und arbeitet in New York.Die Werke der Sammlung Brandhorst geben einen repräsentativen Einblick in das SchaffenWools seit den frühen 1990er Jahren. Neben den Zitatbildern erfasst sie Beispiele fürÜbermalungen und den späteren Graffiti-Zeichenstil, neben Arbeiten auf Aluminium solcheauf Papier, intime Formate ebenso wie ausgedehnte. Wie in der Erstpräsentation desMuseums Brandhorst zu sehen ist, können Wools Werke durchaus jenen von Warhol oderChamberlain auf Augenhöhe begegnen.

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