Rundbrief I-2013

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Rundbrief I-2013

  1. 1. Paten für Kinder in Esmeraldas/San Lorenzo e.V. Mönchstr. 43, 33790 Halle Tel.: 05201-9892 e-mail: Paten-fuer-Kinder@web.de Konto 39685 BLZ 48051580 bei der KSK Halle I – 2013 Neuigkeiten aus San Lorenzo Heftige Regenfälle haben in den Küstenregionen von Ecuador zu Überschwemmungen geführt. Die Regierung entschied daraufhin, das Schuljahr 30 Tage später beginnen zu lassen, um die beschädigten Schulgebäude wieder herzurichten bzw. die Schulen noch als Notunterkünfte weiter nutzen zu können. Somit war auch in San Lorenzo erst am 2. Mai wieder Schuljahresbeginn, obwohl die Stadt verhältnismäßig glimpflich davongekommen ist und auch die neue Cabaña den Härtetest nahezu unbeschadet überstanden hat. Bei den Schulanmeldungen stellten wir fest, dass dieses Jahr acht Kinder nach den Ferien nicht wieder erschienen sind und folglich nicht mehr am Projekt teilnehmen werden. Die jeweiligen Paten und Spender wurden gesondert informiert. Hauptgrund ist mit fünf betroffenen Kindern Umzug der Familie in eine andere Stadt, in zwei Fällen davon nach Trennung der Eltern. Es gibt wieder einen Fall, wo der Vater in einen Mordfall verwickelt ist und die Familie aus San Lorenzo geflohen ist. Eine Familie hat ihr Haus verloren, da der älteste Sohn einen Unfall verursacht hat und dem Unfallopfer das Haus als Schadensersatz überlassen musste. Ein inzwischen neunzehnjähriger Junge ist aus dem Projekt ausgeschieden und leistet seinen Militärdienst ab. Ecuador hat seit einigen Jahren keine Wehrpflicht mehr. Der Militärdienst wird von vielen als eine Art Chance für die weitere Ausbildung angesehen, da man in verschiedenen Bereichen je nach Interesse geschult wird. Kunst fürs Leben – Frieden für gegenseitiges Verständnis Unter diesem Motto begann noch im letzten Jahr am 10. November eine Seminarreihe für die Kinder und Jugendlichen unseres Projektes. Auch die Eltern, Nachbarn aus dem Stadtviertel und Interessierte aus San Lorenzo konnten partizipieren. Am Eröffnungstag wurde das Programm präsentiert und mit Hilfe einiger geladener Redner aus der „Escuela de la tradición oral“ (dem Institut für mündliche Überlieferung) in San Lorenzo konnte tief in die afro-ecuadorianische Kultur eingetaucht werden. (Mehr zum Thema mündliche Überlieferung und deren Bedeutung unter dem Link http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCndliche_%C3%9Cberlieferung.) In den Städten ist die afro-ecuadorianische Kultur von den Kulturen der Weißen, Mestizen und Indígenas überlagert und an den Rand gedrängt, so dass man sie fast nicht wahrnehmen kann. Ein Grund ist, dass ihr selbst von den Afro-Ecuadorianern wenig Bedeutung gegeben wird. Es wurde geradezu mit Staunen registriert, dass es Künstler aus der Gegend von San Lorenzo gibt, die landesweit anerkannt und gefragt sind, und dass die afro-ecuadorianische Kultur sehr reichhaltig ist und sich keinesfalls verstecken muss. Gerade heute in der sich rasant ändernden Welt ist Identität sehr wichtig und gibt Halt. Die Anwesenden unterschiedlicher Herkunft kamen aber auch überein, dass andere Erfahrungen, fremde Lebensstile, Traditionen und Gebräuche das Leben bereichern können. Nach dem gelungenen Eröffnungstag startete die zweiwöchige Mal- und Kunstwerkstatt. Hier sollten die Kinder und Jugendlichen ihre neue Cabaña im wahrsten Sinne des Wortes in Besitz nehmen, ihr ein Gesicht geben und sie damit zu ihrem ganz eigenen Treffpunkt machen, wo sie sich wohl fühlen und lernen können. Zwei Künstler aus Quito, Sofia Acosta und Daniel Boloh, arbeiteten Montag, Mittwoch und Freitag mit den Kindern und Jugendlichen unseres Projektes, während Dienstag, Donnerstag und Samstag die Werkstatt für Kinder aus dem Viertel offen war. Da in San Lorenzo die Erziehung sowohl in der Schule als auch im Elternhaus häufig ein Bestrafungssystem inklusive verbaler und lauter Drohungen beinhaltet, legten die Künstler besonderen Wert auf die Vorbereitung. Mit
  2. 2. Atem- und Meditationsübungen sollten die Kinder ihre Ängste und Sorgen hinter sich lassen und sich nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Mit Liedern und Turnübungen wurde die Anspannung abgebaut. Dann gab es verschiedene Aufgaben, wie z.B. - mit geschlossenen Augen den Geräuschen lauschen und dann die Geräuschquellen, eventuell Tiere, mit geöffneten Augen identifizieren und malen. - sich mit einem Partner zusammensetzen und die Augen, das Gesicht, die einzelnen Merkmale des anderen genau studieren, um ihn dann zu zeichnen. - Ein Kind erzählt eine Geschichte und die anderen hören zu und malen eine Szene aus der Erzählung. So wurde eine Vielzahl von Zeichnungen angefertigt, mit unterschiedlichen Motiven, mit verschiedenen Maltechniken und Farbakzenten. Hinterher wurden die Werke besprochen und es wurde abgestimmt, welche Bilder auf den Wänden des Containers unserer Cabaña reproduziert werden sollten. Die Innenwand, die zum Mehrzweckraum zeigt, wurde von den älteren Kindern und Jugendlichen gestaltet, da die Umsetzung schon einiges Geschick erforderte. Die kleineren Kinder wirkten an der hinteren Wand mit, auf der Tiermotive entstanden, die nicht bis ins kleinste Detail exakt sein mussten. Die lange Außenwand schmückt nun eine Meerjungfrau, eine aus Erzählungen und Legenden in San Lorenzo wohl bekannte Figur, die auch im Park in der Innenstadt als Skulptur zu finden ist. Aufgefallen war bereits zu Beginn des Seminars, dass die Kinder fast ausschließlich Menschen mit heller Hautfarbe malten, wie sie selbst sagten schöne Menschen mit idealisierten Proportionen, die sie auch in ihren Schulbüchern wieder fanden, aber nicht in ihrem Alltag. Geradezu ein Renner wurde ein Stift, mit dem man die braune Farbe wegnehmen und zu heller Hautfarbe machen konnte. Eine Einheit war deshalb, genau hinzusehen und natürliche Personen aus der Umgebung zu malen. So haben die Kinder und Sofia Acosta die Meerjungfrau auf dem Container letztendlich farbig gemalt– nicht wie im Park mit weißer Haut. Auch die Darstellung einer Frau ist durchaus bewusst. Es gibt mehr und mehr Probleme von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Schlimmer noch: die Frauen und Mädchen nehmen das gar nicht als Unrecht wahr, lehnen sich nicht auf, zeigen die Taten nicht an, es wird überspielt und abgetan, denn man empfindet es als normal, es gilt als üblich. Die Zeichnung der Frau ist ein erster Schritt zur Sensibilisierung und Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ein weiterer Lernschritt war, dass es nicht immer um das naturgetreue abmalen gehen muss, sondern auch künstlerische Freiheiten erlaubt sind. Das wurde mit dem Bild der Seitenwand zur Straße hin unterstrichen, ein abstraktes Gesicht, moderne Kunst, gestaltet von den Kindern und dem Künstler Bolho. Die hintere Wand wurde fast ausschließlich von David gemalt, einem 10 jährigen Jungen, der so begeistert war, dass er jeden Tag kam und das zeitweise auch außerhalb des Projektbetriebes, um weiter zu malen oder seinen Freunden die Fortschritte zu zeigen.
  3. 3. Eine weitere einwöchige Serie gab es zu dem Thema „Arbeiten mit wieder verwertbaren Materialien“, die von Fachleuten der Organisation NUMA (Nosotros unimos Manos por el Ambiente = wir vereinen uns / packen gemeinsam an für die Umwelt; http://numa-reciclarte.blogspot.com/). Begonnen wurde mit einer Einführung über die verschiedenen Arten von Müll, die Zersetzungsprozesse und den angemessenen Umgang mit Müll unter den Aspekten Umweltschutz und Gesundheit. Danach wurden in San Lorenzo die für das aktive Recycling benötigten Materialien gesammelt: Zeitungen, Zeitschriften und Plastikflaschen. Im Anschluss begann die kreative und handwerkliche Ausarbeitung. Aus den Zeitungen wurden Schlangen und andere Tiere und Figuren aus Pappmache gefertigt, die die Kinder und Jugendlichen nach dem Trocknen anmalten. Die Plastikflaschen wurden erst gereinigt und dann zum Etui für Stifte und Taschen umgearbeitet. Aus den Zeitschriften fertigten die Kinder und Jugendlichen filigrane Ohrringe, Ketten, Armbänder und Fußkettchen. Am Samstag wurden die Eltern mit einbezogen. Auch hier gab es zunächst eine theoretische Vorbereitung, bevor Körbe aus Zeitschriften handwerklich produziert wurden. Diese Themenwoche hat den Blickwinkel der Teilnehmer nachhaltig verändert. Kinder, Jugendliche und Erwachsene konnten ausprobieren, wie aus Sachen, die sie vorher als Müll weggeworfen oder verbrannt haben, neue Dinge hergestellt werden können. Was vorher Müll war, kann einen anderen Zweck und neuen Nutzen bekommen oder sogar verkauft werden. Am Ende stand aber auch die Einsicht, dass es nicht nur sinnvoll ist, Müll zu recyceln sondern auch Müll zu vermeiden und z.B. auf Verpackungen zu verzichten.
  4. 4. Kurz vor Weihnachten stand ein Workshop zum Thema Ernährung auf dem Plan. Gemeinsam wurde der Teig für die Weihnachtsplätzchen gemacht, den dann jedes Kind zu seinen ganz persönlichen Lieblingskeksen formen konnte. Der theoretische Teil wurde in der Backzeit ab gehalten, so dass dann anschließend direkt das fertige Produkt verkostet werden konnte. Der größere Anteil jedoch wurde in Tüten verpackt als Attraktion für den Weihnachtswarenkorb, der nach der Weihnachtsfeier am 20.Dezember an die Familien des Projektes ausgegeben wurde. Auch die Mütter waren zum Punkt Ernährung aktiv und erarbeiteten bei der nationalen Koordinatorin für „Slow Food“, Claudia Garcia, was ausgewogene Ernährung bedeutet und warum das für uns Menschen wichtig ist. Zusätzlich zum Lernen über Proteine, Kohlenhydrate und Vitamine wurden die Kenntnisse gleich praktisch umgesetzt und ein in der Region sehr bekanntes, bei den Familien in San Lorenzo aber nur in abgewandelter Form schon mal ausprobiertes Rezept von „Envueltos“ aus Kochbananen und Mais zubereitet. Zur Abschlussveranstaltung im Januar kamen sie dann alle: die Kinder und Jugendlichen des Projektes, die Eltern, die Teilnehmer und Interessierten aus dem benachbarten Stadtviertel, Sonia Salas und Pablo Espinosa als offizielle Vertreter der „Fundacion Luis A. Davalos“, die Musikgruppe „Torbellino“, offizielle Redner und Tänzer und viele andere mehr. Zur traditionellen Marimbamusik, die man leider auch in San Lorenzo immer seltener hören kann, wurde getanzt. Die Festredner verstanden es, das Publikum anspruchs- und humorvoll in Reimen zu unterhalten, es konnten noch einmal die hergestellten Kunstwerke bewundert werden und festliches Essen gab es auch – kurz: eine denkwürdige Seminarreihe fand einen würdigen Ausklang. Finanziell unterstützt wurden wir von der britischen Botschaft und der „Fundacion Luis A Davalos“, einer gemeinnützigen 1995 gegründeten Organisation in Erinnerung an Luis A. Davalos, einem prominenten britischen Geschäftsmann und Diplomaten, der in der Aus- und Fortbildung der einzelnen Menschen die Grundlage für die Entwicklung des ganzen Volkes sah. Besonders zu erwähnen bleibt noch, dass zwei ehemalige Kinder unseres Projektes, Yita Patricia Bone und Martha Cecilia Martinez, als Helferinnen und Koordinatorinnen der Seminare tätig waren. Der Kontakt zu den Seminarleitern und die mit der Vorbereitung und Teilnahme gewonnene Erfahrung sind für beide sehr wertvoll und geben Selbstbewusstsein. Gleichzeitig zeigt es den Kindern und Jugendlichen im Projekt, dass sich im Projekt Möglichkeiten für sie ergeben und eröffnen können – dass es sich lohnt zu lernen. Fotos unter: http://de.slideshare.net/kmgneanne/kunst-frs-leben-frieden-fr-gegenseitiges-verstndnis Einen schönen Sommer und viele Grüße Marion Weeke

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