Historische Dokumentation und Archivierung

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Historische Dokumentation und Archivierung - Folien zur gleichnamigen Übung im Studiengang "Europäische Geschichte" (BA) an der Universität Bayreuth im Wintersemester 2014/15

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  • cit [ DAT III ]
    cit [ Bureau of Canadian Archivists - Planning Committee on Descriptive Standards, "Appendix D: Glossary," Rules for Archival Description (Ottawa: Bureau of Canadian Archivists, 1990, rev. ed. July 2008) ]
    cit [ Pearce-Moses, Richard. A Glossary of Archival and Records Terminology. Chicago: Society of American Archivists, 2005. http://www.archivists.org/glossary/index.asp ]
  • cit [ Angelika Menne-Haritz (DAT III) ]
    cit [ IP2 dictionary/glossary approved August 19 2011 ]
  • Historische Dokumentation und Archivierung

    1. 1. Archivkunde Karsten Kühnel Wintersemester 2014/2015
    2. 2. Inhalte Deutsche Archivlandschaft Was ist ein Archiv? Bestandsbildung und Erschließung Digitale Archivierung Archiv 2.0: Crowdsourcing etc. Bestandserhaltung für analoges Archivgut
    3. 3. Eine „Straßenkarte“
    4. 4. Archive: Was ist das? Wann fragen wir nach Archiven? Was für Antworten erwarten wir von Archiven? Wie und wo fragen wir die Archive? Wie antworten uns die Archive? Archive unter Archiven: die Archivlandschaft Archivgut in Findmittelsystemen
    5. 5. Archivlandschaft Deutschland - Sparten und Sprengel - Institutionsarchive - Sammlungsverwahrende Einrichtungen - Beispiel Bayern: 943 Archive, davon 9 Staatsarchive und 10 Universitätsarchive Quelle: Bundesarchiv (www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/)
    6. 6. Das heutige Bayreuth in der deutschen Archivlandschaft - Bundesarchiv Koblenz: Schriftgut von Bundesbehörden: Bundesnetzagentur, Außenstelle Bayreuth - Staatsarchiv Bamberg: Landesbehörden - Stadtarchiv Bayreuth: Dienststellen der Stadtverwaltung - Landeskirchliches Archiv Nürnberg: Unterlagen des evang.-luth. Dekanats und Kreisdekanats Bayreuth - Erzbischöfliches Archiv Bamberg: Unterlagen des röm.-kath. Dekanats Bayreuth - Universitätsarchiv Bayreuth: Unterlagen der Universität http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/ By Thomas Kees (Benutzer:Powerbiker1).Powerbiker1 at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons
    7. 7. Das historische Bayreuth in der deutschen Archivlandschaft - Staatsarchiv Bamberg: Markgräfliche Bestände (bis 1792), hohenzollersches Fürstentum und Kgr. Preußen (1792-1810), Regierungen des kgl.-bayer. Obermainkreises und Oberfrankens (ab 1810), staatliche Behörden. - Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin: preußische Bestände (insb. 1792-1810) - Universitätsarchiv Erlangen- Nürnberg - … http://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm ons/f/f0/Bayreuth_1900.jpg By Photoglob AG, Zürich, Switzerland or Detroit Publishing Company, Detroit, Michigan [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons
    8. 8. Oberfranken in der deutschen Archivlandschaft - Bundesarchiv Koblenz, Berlin, Freiburg - Bayerisches Hauptstaatsarchiv - Staatsarchive Bamberg und Coburg - Erzbischöfliches Archiv Bamberg - Landeskirchliches Archiv Nürnberg - Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin
    9. 9. Die „freien“ und ungewöhnlichen Archive Archiv der Jugendkulturen e.V. Lesbenarchiv Frankfurt Schwulenarchiv Schweiz Gesangbucharchiv Frankfurt Internet Archive (http://archive.org) „Freie Archive bewahren die Geschichte von unten: die Dokumente der Spontis und der Autonomen, der linken Polit- und Basisgruppen, der Frauen und der Schwulen, der Friedens- und der Umweltbewegungen, der Internationalismusinitiativen und der Jugendszenen, der DDR- Oppositionsgruppen, der Selbsthilfebewegungen und vieles mehr.“ (Archiv der Jugendkulturen, 2013)
    10. 10. Archivbestände und Sammlungen Fonds Collection Archivbestände von Unterlagen derselben Herkunft (Bestandsbildungskriterium: Herkunft (Provenienz))  Institutioneller Bestand (Zuständigkeit)  Amtlicher Nachlass (Sonderregistraturen von (ehemaligen) Amtsträgern)  Privater Nachlass (jeweils als eigner Fonds verstanden; Sammlungsprofil) Sammlungsbestände von Unterlagen derselben oder unterschiedlicher Herkunft (Bestandsbildungskriterium: beliebig) Vorarchivische Sammlung (Sammlungsprofil) Archivische Sammlung (Sammlungsprofil) Gattungsbestand (z.B. Karten, Fotos, Filme)
    11. 11. IAH versus CHI Institutions with Archival Holdings (IAH) Collection(s) Holding Institutions (CHI) Staatliche Archive Parlamentsarchive Kommunale Archive Kirchliche Archive Archive von Hochschulen und wiss. Institutionen Wirtschaftsarchive Literaturarchive Medienarchive Archive politischer Parteien und Verbände Adels- und Privatarchive Sammlungen von wiss. Institutionen Sammlungen von Gedenkstätten Sammlungen von humanitären Einrichtungen mit personenbezogenem Auswertungsauftrag (z.B. KZ- Gedenkstätten, Suchdienste) Sammlungen von musealen Einrichtungen
    12. 12. Wo finde ich Archive?
    13. 13. Onlinepfade zu Archiven Archivübersichten und Portale: - Archivübersicht der Archivschule Marburg: http://archivschule.de/DE/service/ archive-im-internet/ - Regionale Archivportale http://www.archive-in-bayern.de/ - Archivportal D https://www.archivportal-d.de/ - Archivportal Europa http://www.archivesportaleurope. net/ - Themenbezogene Portale http://bundesarchiv.de/zwangsarb eit/ Einzelarchive: - Universitätsarchiv Bayreuth http://www.uni- bayreuth.de/universitaetsarchiv/
    14. 14. Definition, Funktionen, Aufgaben
    15. 15. Was ist ein Archiv? An agency or institution responsible for the preservation and communication of records selected for permanent preservation. (The InterPARES 1 Project Glossary) Weitere Definitionen: http://www.ciscra.org/mat/termdb/term/64/1371
    16. 16. Bayerisches Archivgesetz „Archivgut“, „archivwürdig“, „Archivierung“ (Art. 2) Aufgaben der staatlichen Archive (Art. 4) Benützung der staatlichen Archive (Art. 10) Kommunale Archive und andere öffentliche Archive (Art. 13, Art. 14)
    17. 17. Bayerische Archivbenützungsordnung Benützungsberechtigte (§ 2) Benützungszweck (§ 3) Benützungsantrag (§ 4) Benützungsgenehmigung (§ 5) Benutzungsantrag des Universitätsarchivs Bayreuth
    18. 18. Archivrecht Zulassungsverfahren zur Archiv- und Archivaliennutzung: Prüfungsschema
    19. 19. Archivische Kernaufgaben Archivierung umfasst die Aufgaben, das Archivgut zu erfassen, zu übernehmen, auf Dauer zu verwahren und zu sichern, zu erhalten, zu erschließen, nutzbar zu machen und auszuwerten.
    20. 20. Archivische Kernaufgaben Erfassen, Bewerten und Übernehmen: Anbietung und Aussonderung (geregelt in Art. 6 und 7 BayArchivG) Verwahren, Sichern, Erhalten auf Dauer (Bestandserhaltung: ISO 11799 „Information und Dokumentation - Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut“) Erschließen (insb. Erschließungsstandard ISAD(G)) Nutzbar machen Auswerten
    21. 21. Erfassung, Übernahme
    22. 22. Bewertung (1): Kriterien für Archivwürdigkeit  Unterlagen müssen der Wahrnehmung einer Funktion des Erzeugers der Unterlagen entsprungen sein.  Akten zu Angelegenheiten des Hochschulsports = Aufgabe nach Art. 2 BayHSchG => grundsätzlich archivwürdig.  Die aus der Wahrnehmung einer Funktion entstandenen Unterlagen müssen eine inhaltliche Aussagekraft besitzen, die über die Definition der Funktion hinausgeht.  Bsp. Vorlesungsverzeichnisse: Funktion Lehre, Aussagekraft: nicht nur, dass, sondern auch, was/worüber gelehrt wurde.  Bsp. Rechnungen der Beschaffungsstelle: Aussagekraft: Es wurde für den Dienstbetrieb erforderliches Material beschafft = belegt Funktion Betriebserhalt, Inhalte durch die Funktion vordefiniert.  Die Unterlagen müssen von der jeweils federführenden (= die Bearbeitung leitenden) Stelle stammen („horizontal-vertikale“ Bewertung).  Bsp. Hochschulentwicklungsplanung: federführende Stelle(n): Hochschulleitung, Präsident => Unterlagen aus anderen Stellen (Fakultäten etc.) dazu sind nicht archivwürdig.
    23. 23. Bewertung (2): Subsidiäre Bewertungskriterien „Bleibender Wert“ für: Wissenschaftliche Forschung Sicherung berechtigter Belange Betroffener oder Dritter Zwecke der Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Verwaltung
    24. 24. Vertiefte Betrachtung einer zentralen Funktion
    25. 25. Das Provenienzprinzip Grundsatz zur Bildung und Abgrenzung der Bestände nach dem historisch bedingten Entstehungs- und Überlieferungszusammenhang des Archivguts: Archivgut eines Bestands stammt vom selben Erzeuger („Schriftgutbildner / Registraturbildner“)
    26. 26. Hierarchische Stufen der Erschließung („Verzeichnungsstufen“) Bestand Teilbestand Serie/Aktengruppe Akte/Vorgang Einzelstück
    27. 27. Der „Bestand“ als Strukturelement
    28. 28. Definition „Bestand“ („Fonds“)  Zentrales Strukturierungselement des Archivgutes eines Archivs. Ein Bestand umfasst idealerweise eine zusammengehörende Gruppe von Archivgut meist aus einer Behörde. Er ist auf der ersten Gliederungsstufe unter der umfassenden Tektonik eines Archivs angesiedelt. Ein Bestand, der nur Archivgut unter Wahrung der Entstehungszusammenhänge umfasst, wird als Fonds bezeichnet.  The whole of the documents, regardless of form or medium, automatically and organically created and/or accumulated and used by a particular individual, family, or corporate body in the course of that creator's activities or functions.  The entire body of records of an organization, family, or individual that have been created and accumulated as the result of an organic process reflecting the functions of the creator.
    29. 29. Definition „Serie“ („Series“) Gleichförmige Schriftstücke, Amtsbücher oder Akten in alphabetischer, numerischer oder chronologischer Folge in einer Registratur ohne innere Anhaltspunkte zu Systematisierung. Documents arranged systematically or maintained as a unit because they relate to a particular function or subject, result from the same activity, have a particular form, or because of some other relationship arising from their creation, receipt, and use.
    30. 30. Relation „Bestand“ : „Serie“ Bestand/Fonds = Einheit von Produkten eines bestimmten Akteurs (Corporation, Person, Family (CPF)) Serie = Einheit von gleichförmigen Produkten ohne innere Gemeinsamkeiten (soz. Klammer um die pyhsisch bedingte Zerstückelung einer konzeptualen Einheit) = Einheit von Produkten mit innerer Gemeinsamkeit hinsichtlich ihres Bezugs oder ihrer Entstehungsursachen
    31. 31. ICA Metadata Model Place Event EAD EAC
    32. 32. Erschließung nach ISAD(G) 1. Identifikation 2. Kontext: Ursprung und Aufbewahrung 3. Inhalt und Ordnung 4. Zugangs- und Nutzungsbedingungen 5. Sachverwandte Unterlagen 6. Anmerkungen 7. Kontrolle (Zeitpunkt, Verfahren und Autor der Verzeichnung)
    33. 33. Minimalset für Metadaten 3.1 IDENTITY STATEMENT AREA (vollständig!) 3.1.1 Reference code(s) 3.1.2 Title 3.1.3 Date(s) 3.1.4 Level of description 3.1.5 Extent and medium of the unit of description (quantity, bulk, or size) 3.2 CONTEXT AREA 3.2.1 Name of creator(s)
    34. 34. Erschließung von Fotos  SIGNATUR: Sie sollte kurz gehalten werden, da sie vom Archiv noch ergänzt wird. Sie muss eindeutig sein und darf auch in anderen Sammlungen nicht noch einmal vorkommen.  FORMAT: Maße des Fotos in cm  AUFNAHMEDATUM: Bei Fotoalben von-bis-Angabe in zwei separaten Feldern (JJJJ-MM-TT)  TITEL: Kurzbezeichnung des Objekts  INHALTSBESCHREIBUNG: Beschreibung des Objekts, ggf. des Kontexts der Entstehung  FOTOGRAF: Name des Fotografen  RECHTEINHABER: Name des Rechteinhabers (Person oder Institution)  MATERIALTYP: z.B. Digitale, Digitalisat, Papier, Diapositiv, Negativ, Glasnegativ etc.  SPERRINFORMATION: Gesperrt bis und Grund der Sperrung (z.B. UrhG)  (VERWEISE: Verweise auf andere Fotos oder Sammlungen)  INDEX: Sachindex: Gebäude etc. Geographischer Index: Landschaften etc. Personenindex: Personen Für jeden Eintrag ein separates Feld innerhalb der einzelnen Indextypen  NAME DES BEARBEITERS Name der Person, die die Beschreibung erstellt hat  DATUM DER BESCHREIBUNG Datum der Erstellung der Beschreibung
    35. 35. Erschließung digitaler Fotos Zusätzlich zur Erschließung analoger Fotos:  DATEINAME  DATUM DES IMPORTS IN DIE DATENBANK  DATEIGRÖSSE  SPEICHERORT(E) Getrennt nach JPEG oder PNG- und TIFF-Speicherort  ERSTELLDATUM  LETZTES SPEICHERDATUM  XMP-DATEN: Daten über Aufnahmegerät, Resolution-Werte, Farbraum etc.
    36. 36. OAIS-Referenzmodell
    37. 37. Informationsobjekt
    38. 38. Archival Information Package (AIP)
    39. 39. AIP-Architektur (Beispiel) METS: Metadata Encoding and Transmission Standard
    40. 40. Preservation Strategies Migration Emulation Ursprungsdateiformate werden zugunsten archivfähiger Speicherformate aufgegeben und in neue Formate „migriert“. Es werden nur die Informationen, die im jeweiligen Ursprungs- oder Erzeugersystem zur Verfügung standen, erhalten. (D.h.: nicht die Funktionalitäten des Erzeugersystems!). Strategie, die Funktionen und Ergebnisse eines elektronischen Systems mittels eines anderen elektronischen Systems zu reproduzieren und auf diese Weise archivierbar zu machen. (Bisher keine sicheren Wege zur langfristigen Umsetzbarkeit dieser Strategie!)
    41. 41. Archivtaugliche Formate Metadaten: XML Texte: PDF/A Datenbanken: CSV, XML Rasterbilder: TIFF, PNG, JPEG2000 Vektordaten (GIS): GML, ESRI/Shape (mit Einschränkungen) CAD: keine Lösung Audio: WAVE Video: datenträgerabhängig
    42. 42. „Records in the Cloud“
    43. 43. „If we build it, will they come?“ Joy Palmer, in: Ariadne 60 (2009) Archivnutzer als Prosument Archivblogs (Archivalia, Archive 2.0: http://archive20.hypotheses.org/) Wikis Crowdsourcing-Projekte (http://youtu.be/F0-UtNg3ots) Findbuch 2.0 Integration ins Kerngeschäft Kollaborative Erschließungsprojekte mit Nutzerkreisen und anderen Archiven Kollaborative Bewertung Neue Accesspoints Direkteinstieg in Archivnutzung von Facebook & Co. Zugang zum Cloud-Repository
    44. 44. Richtungsbestimmung Archive 2.0 (nach Sebastian Gillner, 2013) Virtueller Lesesaal Archivalien digital im Netz Virtuelle Forschungsinfrastruktur inkl.  Beschreiben, Favorisieren, Kommentieren, Vernetzen durch Nutzer Interaktion mit dem Nutzer Vernetzte Informationssphären
    45. 45. Norm für Bestandserhaltung ISO 11799: Information und Dokumentation – Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut
    46. 46. End of the Course Danke für die aufmerksame Mitarbeit!

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