MQ BMUKK Literacy Symposium 2009

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MQ BMUKK Literacy Symposium 2009

  1. 1. Medienängste, Lehrerängste und Media Literacy<br />LITERACY - Lesen in einer digitalisierten Welt <br />2. Dezember 2009 <br />Mag.phil Sigrid Jones, MA<br />sigrid.jones@univie.ac.at<br />1<br />
  2. 2. Überblick<br />2<br />Eine kurze Geschichte der Medien<br />als Geschichte der Medienängste<br />‚Literacy‘ – eine ökologische Perspektive<br />
  3. 3. Was sind Medien?<br />3<br />McCloud, Scott (1993): Understanding Comics: The Invisible Art<br />
  4. 4. Medienrevolutionen<br />von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit<br />von skriptographischen zu typographischen Medien<br />zu elektronischen Medien<br />zu digitalen Medien<br />4<br />Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Frankfurt a.M. 1998.<br /><ul><li>http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/wissen/medienrevolution/gliederung.htm</li></li></ul><li>Orale Kultur<br />Mündliche Generierung und Tradierung von Wissen<br />Rezeption und Produktion von Inhalt liegen nahe zusammen<br />Gedächtnis: Reim, Versmaß und Rhythmik, formelhafte Wendungen, Wiederholungen, erleichtern das Memorieren und Weitererzählen bzw Singen<br />Ritual, Performanz: Erzählungen in rituelle Handlungen eingebunden<br />siehe: Sabria David | stARTconference 09<br />
  5. 5. Orale Kultur &gt; Schriftkultur<br />6<br />Lesen als Spurenlesen<br />Schreiben als neue Art der Selbstreflexion<br />Neue Art des Wissens: „Bücherwissen“<br />„Denn im Vertrauen auf die Schrift werden sie (die Menschen) ihre Erinnerungen mithilfe geborgter Formen von außen heranholen, nicht von innen aus sich herausziehen; so dass sie sich vielwissend dünken werden, obwohl sie größtenteils unwissend sind, und schwierig im Umgang sein, weil sie scheinweise geworden sind statt weise“<br /><ul><li>Platon (428 – 348 v. Chr.) Phaidros </li></li></ul><li>Orale Kultur &gt; Schriftkultur<br />7<br />Trennung von Produktion und Rezeption<br />Das Schreiben bleibt die Sache von wenigen Autoren bzw. Autoritäten<br />Schriftkultur als Handeln der Mächigen<br />Priester und Pharaonen, später Könige, Höfe und Klöster hatten Schriftmonopol<br />
  6. 6. Schriftkultur &gt; Buchkultur<br />8<br />Das Mittelalter als semi-orale Kultur<br />handgeschriebene Manuskripte<br />Schriftlichkeit lange Zeit von Spezialisten (Klöstern und Domschulen) monopolisiert<br />Schreibwerkstätten<br />Lesen bedeutet laut lesen<br />
  7. 7. Schriftkultur &gt; Buchkultur<br />Die Erfindung des Buchdrucks<br />Die Entwicklung der Druckmedien (bewegliche Lettern)<br />Viele neue Druckwerke (religiöse Schriften, antike Texte, profane Ratgeber, Hand- und Lehrbücher, Kalender, Schwänke, Satiren „Neue Zeitungen“ von spektakulären Ereignissen, Wunderberichte)<br />
  8. 8. Schriftkultur &gt; Buchkultur<br />10<br />Demokratisierung des Lesens<br />Wachsende Alphabetisierung, Laien als Leser <br />Entstehung von Urheberrecht <br />Versuche der Zensur<br />
  9. 9. Schriftkultur &gt; Buchkultur<br />11<br />Revolution der Medienwelt und Gesellschaft<br />Gutenbergbibel 1452-1454, Lutherbibel 1522-1534<br /><ul><li>Reformationsbewegung</li></ul>Nachrichten, Pamphlete<br /><ul><li> Bauernkriege</li></ul>„Explosion“ des gespeicherten Wissens<br /><ul><li>Bildungsbewegung des Humanismus im 14./15. Jh</li></li></ul><li>Buchkultur &gt; Medienkultur<br />12<br />Photographie<br />Telegraph<br />Comics<br />Film<br />Grammophon<br />Hörfunk<br />Fernsehen<br />Video, Walkman, CD, DVD<br />Computer, Internet<br />Handy<br />Videospiele u.v.a<br />
  10. 10. Medienkultur &gt; Digitale Kultur<br />13<br />1. „Sekundäre Oralität“ (Walter Ong)<br />2. „schriftliche Mündlichkeit“ SMS, Chat, email, <br /> „Das Internet ist ein Schriftmedium, das nach den Regeln der Mündlichkeit funktioniert.“ (Sabrina David)<br /> (Annäherung an) Echtzeit, Unmittelbarkeit, Flüchtigkeit, Fluss der Zeit, Performativität, Prozesshaftigkeit<br />3. „Visual Turn“: Von der Druckseite zum Bildschirm als dominantes Medium, visuelle Orientierung des Lesers (Gunther Kress)<br />
  11. 11. Neue Medien werden zum Kulturgut<br />14<br />Phasen der Entwicklung:<br />Medium als Novität<br />Medium als Angstmedium<br />Medium als Alltagsmedium<br />Medium als Kulturgut<br />Prokop Dieter (2001) Der Kampf um die Medien. Das Geschichtsbuch der kritischen Medienforschung<br />
  12. 12. Medienängste<br />15<br />
  13. 13. Auslöser von Medienängsten<br />16<br /><ul><li>Novität: Neue Medien stören die Ordnung der Dinge „Abwehr durch Abwertung“</li></ul>Penetration: führt zu politischen sowie sozialen Verschiebungen<br />„Medienangst als Angst Machthabender und Privilegierter, an Macht und Privilegien zu verlieren.“<br /><ul><li>Prof. Susanne Keuneke - Angstmedien - Medienängste </li></li></ul><li>Auslöser von Medienängsten<br />17<br />Generationenkonflikt: Jüngere Menschen adaptieren neue Medien schneller und gewinnen ‚kulturelle Vorsprünge‘.<br />Typisch für Medienangstdebatten: Sorge um ‚schädlichen Einfluss auf die Jugend‘.<br /><ul><li>Prof. Susanne Keuneke - Angstmedien - Medienängste </li></li></ul><li>Populäre Thesen in Medienangstdebatten<br />18<br />Trivialitätsthese<br />(Miss-)bildungsthese<br />Suchtthese: <br />Pathologiethese<br />Tabubruchthese, Werteverfallthese <br />Täuschungsthese<br /><ul><li>Prof. Susanne Keuneke - Angstmedien - Medienängste </li></li></ul><li>Populäre Thesen in Medienangstdebatten<br />19<br /> Aus der Tabubruch-, Täuschungs- und Suchtthese folgt die<br />(A-)sozialisationsthese<br />Violenzthese <br />Verantwortungslosigkeitsthese<br />Defizitthese<br /><ul><li>Prof. Susanne Keuneke - Angstmedien - Medienängste </li></li></ul><li>Pädagogische Reaktionen<br />20<br />
  14. 14. Pädagogisch Reaktionen<br />Stadium der Irritation und Ablehnung<br />Stadium der Vereinnahmung und Instrumentalisierung <br />Stadium der medienangemessenen Auseinandersetzung <br />21<br />Merkert, Rainald (1992) Medien und Erziehung. Einführung in pädagogische Fragen des Medienzeitalters nach Schrammel, Sabrina (2ßß7) Play based learning Die Aktivität des Computerspielens als Lernanlass <br />
  15. 15. Pädagogisch Reaktionen<br />1. Stadium der Irritation und Ablehnung<br />Angst, Aversion, Entrüstung<br />kulturkritischer Pessimismus<br />medienvermittelte Scheinwelt <br />der Verfall geistiger und kultureller Werte <br />die kindliche Phantasie überreizende und aggressionsauslösende Medienwirkung <br />22<br />Merkert, Rainald (1992) Medien und Erziehung. Einführung in pädagogische Fragen des Medienzeitalters nach Schrammel, Sabrina (2ßß7) Play based learning Die Aktivität des Computerspielens als Lernanlass <br />
  16. 16. Pädagogisch Reaktionen<br />2. Stadium der Vereinnahmung und Instrumentalisierung <br />Versuche unternommen, das Medium für Lehr- und Lernzwecke zu vereinnahmen<br />„leichter, schneller und effizienter“ <br />23<br />Merkert, Rainald (1992) Medien und Erziehung. Einführung in pädagogische Fragen des Medienzeitalters nach Schrammel, Sabrina (2ßß7) Play based learning Die Aktivität des Computerspielens als Lernanlass <br />
  17. 17. Pädagogisch Reaktionen<br />3. Stadium der medienangemessenen Auseinandersetzung<br />Ernüchterung<br />neue Thematisierung unter Hinsicht auf <br />Kulturwandel<br />neue Möglichkeit der Weltbegegnung bzw. Selbst- und Weltbildung<br />Fragen der Bildung<br />24<br />Merkert, Rainald (1992) Medien und Erziehung. Einführung in pädagogische Fragen des Medienzeitalters nach Schrammel, Sabrina (2ßß7) Play based learning Die Aktivität des Computerspielens als Lernanlass <br />
  18. 18. Lehrerängste<br />Versagensangst: Angst, den Stoff nicht genügend zu beherrschen, Angst Fehler zu machen <br />Qualifikationsangst: Zweifel oder tatsächlich ungenügende Qualifikation&gt; Druck durch Lernziele und Lerninhalte&gt; Überbelastung <br />Legitimationsangst<br />Angst vor Konkurrenz, Isolation, Verachtung etc. durch KollegInnen<br />Ängste in Bezug auf das Rollenbild: Erwartungen und Ansprüche an und Vorurteile gegenüber LehrerInnen <br />Katschnig, Tamara: (1998) Lehrerangst<br />25<br />
  19. 19. Lehrerängste<br />Ängste in Bezug auf das Rollenbild: <br />Erwartungen und Ansprüche an und Vorurteile gegenüber LehrerInnen<br />Angst vor Autoritätsverlust<br />„Es läßt sich vermuten, daß einstweilen, wo immer die Angst der Kinder abnimmt, die Angst der Lehrer zunimmt.”<br />26<br /><ul><li>Von Hentig (1976) zit. n. Katschnig, Tamara: (1998) Lehrerangst</li></li></ul><li>– eine ökologische Perspektive<br />„Literacy“<br />27<br />
  20. 20. Literacy wird definiert durch den gesellschaftlichen Kontext<br />
  21. 21. Literacy ist soziale Praxis<br />29<br />
  22. 22. Literacy vollzieht sich in Ereignissen (literacy events) <br />
  23. 23. Literacy ist multimodal<br />
  24. 24. Literacy ist multimedial<br />
  25. 25. Ökologie als Metapher für Literacy<br />33<br />Beziehung zwischen menschlicher Aktivität und Umwelt<br />Komplexe Systeme: Strukturen, Eigenschaften <br />Gleichgewicht, Nachhaltigkeit<br />Diversität als Stärke<br />Technologie beschleungt ökologische Veränderungen<br /><ul><li> Beziehung zwischen sozialen Praktiken, Zeichensystemen und Technologie
  26. 26. nach: David Barton (2007) Literacy</li></li></ul><li>Eine ökologische Perspektive<br /><ul><li>nach: Marsh (2003) One Way Traffic: Connection between Home and School Literacy Practices</li></li></ul><li>Kreislauf der Kultur<br />Sigrid Jones – some rights reserved<br />
  27. 27. Erweitertes Lese/ Schreibverständnis<br />LESEN/HÖREN/<br />ANSCHAUEN/<br />SPIELEN<br />Bilderbücher, Kinderbücher<br />Hörbücher<br />CD-ROMs, E-Bücher<br />Zeitungen, Zeitschriften, <br />Werbung, Plakate<br />Film, Fernsehen, DVD<br />Webseiten, Webquests,<br />Computerspiele, Videospiele <br />Email, SMS, Chats<br />iPod, Podcasting<br />SCHREIBEN/<br />PRODUZIEREN/<br />GESTALTEN<br />Zeichnung & Text<br />Bildgeschichten<br />SMS, Email, Chat<br />Photos, Bildbearbeitung <br />Power Point<br />Webseiten, Blogs, Wikis<br />Video, Videoschnitt<br />Animationen, Trickfilm<br />Radio, Podcasts<br />Sigrid Jones – some rights reserved<br />
  28. 28. Lesen Schreiben<br />analytisch<br />verstehen entschlüsseln erkennen<br />praktisch<br />technisch funktional operativ<br />kritisch<br />hinterfragen<br />Wahrheit/<br />Fiktion unterscheiden<br />kreativ<br />gestalten anwenden transformieren<br />Sigrid Jones – some rights reserved<br />
  29. 29. LesenSchreiben<br />praktisch<br />analytisch<br />kritisch<br />kreativ<br />Sigrid Jones – some rights reserved<br />
  30. 30. reflexiv<br />Sigrid Jones – some rights reserved<br />analytisch<br />praktisch<br />kritisch<br />kreativ<br />
  31. 31. Medienbildung/Media Literacy <br /><ul><li>Analytisch-kritisches Verständnis über Medien, deren Wirkung und Funktion in unserer Gesellschaft
  32. 32. Kreative und praktische Medienkompetenzen
  33. 33. Fähigkeit zur Reflexion über Erfahrungen mit Medien und eigene Produktionsprozesse</li></ul>Sigrid Jones – some rights reserved<br />
  34. 34. Danke!<br />41<br />
  35. 35. Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Österreich<br />http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/at/<br />

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