Till eulenspiegel

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Tijl Uilenspiegel: achtergrond informatie en oorspronkelijke verhalen. Deutsch. English. Nederlands.

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  • Hi, very§ beautiful and interesting !!! There is a Museum Tyl Uilenspiegel in Belgium, Damme !!!!
    Nice to visit !!! Thanks for sharing :)))
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Till eulenspiegel

  1. 1. Till Eulenspiegel Autor UnbekanntInhalt • Wie Till dreimal getauft wurde • Ein frecher Junge – durch und durch • Till lernt Seiltanzen • Wie Till ein ganzes Dorf durcheinander wirbelt • Till schläft in einem Bienenkorb • Die Sache mit Henep und Senep • Till heilt Kranke • Till wird Bäckergeselle • Als Till Eulenspiegel Turmbläser war • Till beschlägt sein Pferd ganz „goldig“ • Till verulkt einen Grafen • Till Eulenspiegel wird Soldat • Till wird Landbesitzer • Wie Till Eulenspiegel einem Esel das Lesen beibrachte • Till verärgert die Schneider • Till lässt drei Schneider wegwehen • Till darf nicht Kürschner werden • Till wird Milchhändler • Eulenspiegel als Maler unterwegs • Till macht Wasser zu Wein • Till serviert „gespickten“ Apfel • Till verhöhnt den Pfarrer • Till Eulenspiegels Testament • Eulenspiegel stirbt im Spital • Till Eulenspiegels Begräbnis
  2. 2. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimWie Till dreimal getauft wurdeSicher hat ein jeder von euch schon einmal von einem Mann namens TillEulenspiegel gehört. Das war ein rechter Spaßmacher und hatte sehr viel Freudedaran, immer und überall seinen Mitmenschen einen Streich zu spielen. Meist nutze er deren eigene Dummheit aus, auch wenn diese das nicht wirklich wahrhaben wollten. Geboren wurde Till Eulenspiegel vor 600 Jahren in einem kleinen Örtchen, das Kneitlingen hieß. Und wie es schon damals Tradition war, sollte der kleine Junge getauft werden. Da es aber in dem kleinen Dorf keine Kirche gab, musste die ganze Taufgesellschaft nebst Hebamme in das Nachbardorf ziehen. Dort hielt Pfarrer Pfaffenmeyer den Jungen über das Taufbecken und alle hatten ihre Freude ander schönen Feier. Und weil zu einer richtigen Taufe auch ein paar geselligeStunden gehören, lud Tills Vater die ganze Gesellschaft in die nächsteGastwirtschaft ein.Dort wurde gut gegessen und das ein oder andere Bierchen getrunken. Besondersgut schmeckte dieses Getränk der Hebamme, die Till die ganze Zeit auf dem Armtrug, weil doch seine Mutter krank geworden war.Doch jedes Fest hat irgendwann einmal ein Ende, und so machte sich auch TillsTaufgesellschaft auf den Heimweg nach Kneitlingen. Die Strecke führte über einenkleinen Bach, über den ein ziemlich wackeliger Steg führte. Wenn man aber einmalzu tief ins Glas geschaut hat, dann ist es nicht immer ganz einfach, einen Fußrichtig vor den anderen zu setzen.
  3. 3. So erging es also auch Tills Hebamme, die – wie ihr ja bereits gehört habt – demAlkohol gut zugesprochen hatte. Sie verfehlte den Tritt und purzelte samt Baby,denn das war Till Eulenspiegel zu diesem Zeitpunkt noch, in den Bach. Man kannvon Glück sagen, dass weiter nichts passierte, allerdings sah der Jungeanschließend ziemlich durchnässt und schmutzig aus.So musste er, als man Zuhause angekommen war, gleich noch einmal gebadetwerden. So kam es, dass Till Eulenspiegel an diesem Tag dreimal getauft wurde. AlsPfarrer Pfaffenmeyer am nächsten Tag davon hörte, da zog er ein besorgtesGesicht: „Was soll aus dem Jungen nur werden“, sagte er. „Dreimal getauft. Das isteinfach zu viel!“
  4. 4. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimEin frecher Junge – durch und durchTill Eulenspiegel war ein ausgesprochen lebhaftes Kind. Schon früh trieb er seineScherze mit den Dorfbewohnern, die sich immer wieder bei seinen Eltern über dieUngezogenheit des Jungen beklagten.Doch nie war ihm einer der Streiche nachzuweisen und oft konnten die Eltern garnicht verstehen, was alle Nachbarn und Freunde gegen den Jungen hatten.„Ich beweise dir“, sagte Till eines Tages zu seinem Vater, „dass die anderen michzu Unrecht solcher Streiche beschuldigen. Lass uns durchs Dorf reiten und ich sagedir, obwohl ich brav hinter dir auf dem Pferd sitzen werde, man wird mit dem Fingerauf mich zeigen.“„So wollen wir es machen“, sagte Tills Vater und holte den Gaul aus dem Stall. Erschwang sich auf das Tier, zog Till hinter sich hinauf und ritt stolz mit seinem Sohn,den er ja gut in seiner Obhut wusste, durch Kneitlingen.Doch Till Eulenspiegel wäre nicht Till Eulenspiegel gewesen, hätte er nicht eine Listersonnen. Kaum nämlich hatte er den Platz hinter seinem Vater eingenommen, daentblößte er schon seinen Popo und zeigte sein nacktes Hinterteil allen, die ihnenentgegenkamen.Natürlich zeigten alle sogleich mit dem Finger auf Till. Und der Vater, der vorne aufdem Pferd von alledem nichts mitbekam, sah sich darin bestärkt, dass sein Sohnein braver Junge sei und verstand von diesem Tage an die Mitmenschen nichtmehr, die sich über seinen Sohn beklagten.
  5. 5. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill lernt SeiltanzenDas Dorf, in dem Till Eulenspiegel geboren wurde, wurde den Eltern eines Tages zueng. Und so beschlossen sie in die Heimatstadt der Mutter zu ziehen, die an einemFlüsschen lag, das Saal hieß.Doch bald nach dem Umzug starb der Vater und die Mutter blieb mit dem Kindalleine zurück. Sie war eine gute Mutter und hatte Till von Herzen lieb. Dochmanchmal war sie eben nicht streng genug mit ihm und belächelte nur viele Dinge,die er tat.So dachte sie sich auch nichts dabei, als ihr Sohn eines Tages auf einer auf demBoden liegenden Wäscheleine zu balancieren begann. „Ich übe Seiltanzen“,antwortete er freundlich auf ihre Frage. Tills Mutter dachte sich wenig dabei, wurdeaber stutzig, als sie eines Tages aus dem Fenster heraus beobachtete, dass Till dieLeine am Hausdach befestigte und sie über das Flüsschen Saal, an dem dasElternhaus gelegen war, zum Nachbarhaus hinüber warf und sie dort ebenfalls amDach befestigte.„Das schaue ich mir besser einmal aus der Nähe an“, dachte sich die Mutter undging hinauf zum Dachboden, von wo aus sie einen herrlichen Blick auf dasGeschehen hatte. Und das gleich in unmittelbarer Nähe zu ihrer Zweckentfremdeten Wäscheleine. Denn Till Eulenspiegel, ihr Sohn, tanze über das Seil, soals würde er nie etwas anders tun!„Na warte, mein Junge“, murmelte die Mutter vor sich hin, nahm ein Küchenmesseraus der kleinen Tasche vorne an der Schürze, die sie für gewöhnlich bei derHausarbeit trug, und schnitt, schnipp, schnapp, kurzerhand die Leine durch.Pech nur, dass Till geradewegs die Stelle mitten über dem Fluss erreicht hatte. Undso purzelte der Junge in das kühle Nass hinein.Die vielen Zuschauer, die sich bereits am Flussufer eingefunden hatten, um seinemTreiben hoch oben auf dem Seil zuzuschauen, brachen natürlich in schallendesGelächter aus. Triefnass entstieg Till den Fluten der Saal.„Na wartet“, rief er so laut, dass ihn alle hören könnten. „Euch werde ich es schonzeigen.“
  6. 6. Wie Till ein ganzes Dorf durcheinander wirbeltTill Eulenspiegel hatte immer neue Späße auf Lager. Zumindest hielt er die Dinge,die er tat, für einen echten Spaß.Eines Tages, wieder einmal hatte er sein Hochseil über das Flüsschen Saalgespannt, da rief er Nachbarn, Freunden und Verwandten zu, sie sollten einmal mitihm kommen. Neugierig wie alle nun einmal waren, folgten sie dem jungen Mann,zu dem Till inzwischen herangewachsen war. Am Hochseil angekommen, bat er sie, jeweils den linken Schuh auszuziehen. „Ich will euch ein ganz besonderes Kunststück präsentieren“, erklärte er. Die Umstehenden schauten sich an. Was hatte das nun wieder zu bedeuten, schienen sie sich zu fragen. „Nun denn“, rief der erste, „dann wollen wir dem Jungen mal den Gefallen tun.“ Er zog den linken Schuh aus. Und 199 andere taten es ihm gleich. Till freute sich, sammelte die 200 linken Schuhe auf, fädelte sie an einem langen Band zusammen, um sie besser transportieren zu können, und kletterte mit seinem Bündel aufs Seil hinauf. Als er die Hälfte seiner Wegstrecke – schwer bepackt mit dem Schuhwerk seiner Mitmenschen- hoch oben in der Luft zurückgelegt hatte, da grüßte er einmal freundlich nachunten – und ließ die Schuhe, einen nach dem anderen, aus dieser luftigen Höhe zuBoden fallen.Dort herrschte schiere Aufregung! „Wo ist mein Schuh?“, „ Her damit, das istmeiner!“, und noch ganz andere Dinge riefen sich die Menschen zu. Jung und Altpurzelten durcheinander und kaum hatte einer einen der 200 Schuhe gefasst, dawurde er im glattweg wieder entrissen!Eine Rauferei entstand, über die noch Jahre später in der Stadt berichtet wurde. Alsnach Stunden jeder seinen eigenen linken Schuh wieder am Fuß trug, da schworman sich, es Till Eulenspiegel heimzuzahlen.Doch der war verschwunden und versteckte sich wochenlang in Mutters Stube.
  7. 7. Till schläft in einem BienenkorbEs war im Jahr die Zeit gekommen, dass in dem Städtchen, in dem Till Eulenspiegelmit seiner Mutter lebte, das Kirchweihfest gefeiert wurde. Dann war mächtig waslos in den Straßen. Es wurde gefeiert, getanzt, getrunken.Auch Till Eulenspiegel hatte sich an diesem Tag einen kleinen Schwips angetrunken.Gegen Mittag wurde er so müde, dass er sich einen Platz zum Schlafen suchte. Auf einer Wiese unweit der Stadt wurde er fündig. Hier hatte ein Imker seinen Bienen ein Zuhause geschaffen. Doch einer der Bienenstöcke war leer, und den erkor sich Till als Schlafplatz. Sogleich ratzte er ein. Die Stunden gingen ins Land undinzwischen hatte auch Tills Mutter das Fest verlassen. Sie dachte, Till wäre schoneinmal ohne sie nach Hause gegangen. So machte sie sich keine Sorgen um seinenVerbleib. Hätte sie aber vielleicht tun sollen!Inzwischen war es nämlich Nacht geworden und Till Eulenspiegel schlummerte nochimmer friedlich und sanft schnarchend in seinem Bienenkorb. Doch was waren dasfür zwei finstere Gesellen, die da über die Wiese schlichen?!Diebe, die in der Nacht den Imker um seine Erträge bringen wollten! „Lass uns denKorb nehmen, der am schwersten ist. Dann ist unsere Beute groß“, sagte der eineDieb zum anderen.Und schon hoben sie sich, weil ja alles ziemlich schnell gehen muss, denBienenkorb auf die Schultern, in dem Till Eulenspiegel saß. Der wurde durch dieunsanfte Bewegung wach – und sehr ungehalten. Wer wird auch schon gerne ausden schönsten Träumen gerissen!?Doch dann lachte Till verschmitzt, beugte sich aus dem Korb hervor und zog dem,der vorne ging, feste an den Haaren. „Aua, lass das sein“, rief der so Traktierteerbost auf und schaute sich zu seinem Hintermann um.„Ich hab gar nichts gemacht“, sagte der. Und es stimmte ja auch. Aber TillEulenspiegel hatte noch niemand entdeckt. Und so ging es hin und her. Mal neckteTill den vorne gehenden Dieb, mal den hinten gehenden.Die beiden gerieten darüber so sehr in Streit, dass sie irgendwann den Bienenkorbbeiseite stellten und sich zu prügeln begannen. Wild und ausgelassen rauften sie.Und Till? Der kroch lachend aus seinem Versteck heraus und zog hinaus in die Welt.
  8. 8. Die Sache mit Henep und SenepTill Eulenspiegel zog, nachdem er eines Tages seine Heimatstadt verlassen hatte,durch das Land. Er arbeitete mal hier, mal dort, denn auch ein echter Spaßmacherbraucht Brot zum Leben.Eines Tages kam er an eine Burg und erzählte, er sei ein Hofjunge. Der Junkerstellte ihn sogleich ein und ritt mit ihm durch das kleine Reich, um ihm alles zuzeigen. Als sie an einem Hanffeld vorbei kamen, da sagte der Junker: „Junge, wenndu solch ein Feld siehst, dann setzte einen dicken Haufen hinein. Denn aus diesemZeug, das bei uns Henep heißt, werden Stricke für Räuber gefertigt.“Till nickte. Das konnte er sich gut merken, auch wenn er noch nie einen soseltsamen Begriff wie Henep gehört hatte.Am nächsten Tag musste er dem Koch in der Küche helfen. Der Junker hatte vieleGäste geladen und es galt ein großes Mahl vorzubereiten. „Geh in den Keller undhole mir eine Schüssel voll Senf“, sagte der Koch. Und fügte noch schnell hinzu:„Nur damit du es weißt, bei uns heißt das Zeug Senep!“Wieder nickte Till. Im Keller angekommen fielen Till Eulenspiegel wieder die Wortedes Junkers ein. „Wenn du an Senep vorbeikommst, dann mache einen großenHaufen hinein!“Und so tat Till Eulenspiegel wie ihm der Junker gesagt hatte. Er füllte dann denSenep in seine kleine Schüssel ab, zog seine Hose herunter und erledigte seinGeschäft. Anschließend brachte er den Senep in die Küche zurück, wo der Kochschon auf ihn gewartet hatte.Dieser trug die Schüssel zu den Herrschaften herein. Alles schien in Ordnung. Dochnach wenigen Minuten war ein ohrenbetäubender Schrei zu hören.„Koch, was servierst du uns da? Das soll Senf sein? Das ist Sch….“ Der Junker warmehr als wütend. Nun wurde Till in den Saal gerufen, in dem der Junker mit seinenGästen zu Tisch saß.„Probier das“, befahl ihm sein Dienstherr. Doch Till schüttelte nur den Kopf. „Ichesse das nicht“, sagte er. „Ich habe mein Geschäft darauf erledigt, so wie Ihr es mirbefohlen habt.“„Du Schalk, du Narr“, tönte es Till entgegen. Ich sprach von Henep und nicht vonSenep.“ Doch Till Eulenspiegel hörte nicht mehr, was der Junker noch alles zusagen hatte. Fluchtartig hatte er die Burg verlassen.
  9. 9. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill heilt KrankeEines Tages kam Till Eulenspiegel nach Nürnberg. An einer Kirchentür hängte er eingroßes Plakat auf, auf dem geschrieben stand: „Wunderdoktor in der Stadt“.Natürlich war auch das wieder eine List des Schelms. Immerhin musste er ja Geldverdienen. Nun kam es, dass es in Nürnberg ein Spital gab, das voll belegt war. DerDirektor des Spitals rechnete sich aus, wie viel Geld er sparen könne, wenn er denWunderdoktor engagieren könnte, um die vielen Kranken zu heilen.Und so ließ er Till Eulenspiegel zu sich kommen. 200 Taler handelte man alsVerdienst aus, sollte es ihm gelingen, alle Kranken zu heilen. Das war zu damaligerZeit ein kleines Vermögen!Till ließ alle Kranken in einem Saal zusammenkommen und bat alle anderen darum,den Raum zu verlassen. Er benötige Ruhe für seine Heilung, gab er zur Erklärungab. Als alle Ärzte und Schwestern den Raum verlassen hatten, sprach er zu denKranken.„Meine Liebe. Es ist so, wer der Kränkste von allen ist, der muss sich für dieanderen opfern. Aus ihm stelle ich ein Pulver her, das ich den anderen zurGenesung gebe. Den Kränksten erkenne ich daran, wer zuletzt diesen Raumverlässt, nachdem ich euch aufgefordert habe zu gehen."Die Kranken atmeten einmal kräftig durch. Dann nahmen sie ihre Krücken undGehhilfen zur Hand und rannten mir nichts dir nichts aus dem Saal heraus. Selbstdiejenigen, die schon zehn Jahre und länger das Bett nicht verlassen hatten,schienen plötzlich kerngesund zu sein.Nach wenigen Minuten war das ganze Krankenhaus leer. Der Direktor freute sichund händigte sogleich Till Eulenspiegel die 200 Taler aus. „Gut gemacht“, gab erihm noch mit auf den Weg. Till aber verließ sofort die Stadt.Und das war auch besser so. Denn drei Tage später war das Spital so voll wiezuvor. Das kam dem Direktor dann doch komisch vor. Er fragte seine Patienten,warum sie denn schon wieder da seien. Und als sie ihre Geschichte erzählt hatten,da wusste der Direktor, dass auch er auf Till Eulenspiegel reingefallen war.
  10. 10. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill wird BäckergeselleIn Braunschweig war es, da kam Till Eulenspiegel eines Tages an einer Bäckerstubevorbei, aus der es köstlich roch. „Ei“, dachte er, „das kann nett werden.“ Er ging indie Backstube hinein und gab sich dort als Bäckergeselle aus, was den Meister sehr freute, denn er suchte gerade eine helfende Hand. Zwei Tage ging alles gut, dann sagte des Nachts der Bäckermeister zu Till, er möge die Arbeit nun alleine verrichten, er wäre zu müde und würde nun ins Bett gehen. „Was soll ich backen“, fragte Till. Doch sein Chef war ein griesgrämiger Geselle und so fuhr er Till unwirsch an: „Eulen undMeerkatzen! Du bist doch Geselle, da musst du wissen, was du backen sollst.“ Under verschwand.Till tat, wie man ihm gesagt hatte. Er backte die ganze Nacht hindurch. Als amnächsten Morgen der Meister in der Tür stand, da traute er seinen Augen nicht.Nirgendwo war auch nur ein Brötchen oder gar Brot zu finden, nur Eulen undMeerkatzen sah er.Da trieb er Till Eulenspiegel aus dem Haus, befahl ihm aber noch, den verbrauchtenTeig zu bezahlen und packte ihm alle Meerkatzen und Eulen schleunigst ein. Diewollte er nicht in seinem Laden haben!Nun war es aber so, dass am nächsten Tag Nikolaus gefeiert wurde. Und so stelltesich Till mit seinem Backwerk vor die Tür der Kirche, um seine köstlichenLeckereien den Kindern anzubieten. Die nahmen ihm das Naschwerk gerne ab undbald hatte Till viel mehr verdient, als er je für den Teig ausgegeben hatte.Als das der Bäckermeister hörte, da wollte er sich glatt das Geld wieder gebenlassen. Doch Till Eulenspiegel war längst über alle Berge.
  11. 11. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimAls Till Eulenspiegel Turmbläser warWenn Till Eulenspiegel einen Dienst übernahm, dann konnte sein Arbeitgeber daraufrechnen, verulkt zu werden. Dafür war der Mann, der stets mit einer auffälligenKopfbekleidung durch die Gegend wanderte, bekannt.Aber natürlich wusste man nicht überall über seine Späße Bescheid, so dass erimmer wieder jemanden fand, den er hereinlegen konnte. Dabei machte TillEulenspiegel keine Unterschiede: ob arm oder reich, wen er sich auserkoren hatte,der war dran.So beispielsweise auch der Graf von Anhalt. Der lebte auf einer großen Burg, hatteviele Reichtümer und sah sich stets von irgendwelchen Raubrittern bedroht. Bei ihmtrat Till Eulenspiegel den Dienst eines Turmbläsers an. Das heißt, er musste denlieben langen Tag hoch oben im Turm der Burg sitzen und Ausschau nach Feindenhalten. Wenn er sie sah, so sollte er laut in sein Horn blasen.Da saß der arme Till nun Tag um Tag und schaute sich in der Gegend um. Dochwährend sein Dienstherr mit seinen Rittern stets gutes Essen auf dem Tisch hatte,vergaß man Till Eulenspiegel vollkommen. Und so laut der auch rief, niemand daunten im Burghof hörte ihn. Aber es war Till Eulenspiegel bei größter Strafeverboten, den Turm zu verlassen.Was also tun? Da sah er am Horizont schon die Feinde kommen! Doch dieses Maltat er nicht, wie man ihm befohlen hatte. Er blies nicht in sein Horn, um vor denFeinden zu warnen. Schon hatten die Raubritter alles gestohlen, was sich ihnen inden Weg stellte, noch ehe der Graf und seine Gefolgschaft ausziehen konnten.Kaum aber war der Angriff vorbei, da stürmte der Graf in voller Rüstung auf denTurm hinauf, auf dem Till Eulenspiegel mit seinem Horn saß. Natürlich stellte derGraf ihn sofort zur Rede: „Warum hast du uns nicht vor den Feinden gewarnt?“,fragte er ziemlich böse. Doch anstatt auf die Frage zu antworten, sagte TillEulenspiegel nur: „Warum hast du mir kein Essen geschickt? Bevor man nichtgegessen hat, kann man auch nicht ins Horn blasen.“
  12. 12. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill beschlägt sein Pferd ganz „goldig“Manche Fürsten und andere hohe Herren umgaben sich gerne mit Till Eulenspiegel.Sie hatten Freude an seiner Narretei – solange sie nicht selbst davon betroffenwaren.Einer von denen war der König von Dänemark, der hatte Till wirklich fest in seinHerz geschlossen. Eines Tages da geschah es, dass Till Eulenspiegels Pferd neubeschlagen werden musste.„Bezahl“, was zu bezahlen ist“, sagte der König zu seinem Hofschreiber. „Was TillEulenspiegel braucht, soll er bekommen.“ Till freute sich, ging sogleich zu einemGoldschmied und ließ seinem Pferd neue Hufeisen aus reinem Gold anpassen. Dasgefiel ihm sehr!Dann präsentierte er dem Hofschreiber des Königs gleich die Rechnung: 100 Talerseien zu zahlen, stand da geschrieben. Der Schreiberling eilte gleich zum König undberichtete. Der König war natürlich außer sich. „100 Taler“, rief er, „da kann ich jadie Pferde einer ganzen Armee beim Hufschmied vorführen.“Er wandte sich an Till: „Warum ist die Rechnung so hoch“, fragte der König. Und Tillberichtete, dass er mit seinem Pferd bei einem Goldschmied und nicht bei einemHufschmied gewesen sei.„Ihr habt gesagt, Majestät, was ich brauche solle ich auch bekommen. Und meinPferd braucht nun mal goldene Hufe.“ Da sah der König von Dänemark ein, dassauch er von Till Eulenspiegel zum Narren gehalten worden war. Trotzdem bliebendie beiden Freunde – bis an ihr Ende.
  13. 13. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill verulkt einen GrafenBei einem Grafen von Anhalt hielt es Till Eulenspiegel sogar einmal recht lange aus.Der nämlich hatte Till als Turmbläser angestellt. Und das war wirklich eineangenehme Tätigkeit, sah man davon einmal ab, dass der Graf stets vergaß,seinem Mann auf dem Turm Essen zu schicken.So war es auch an jenem Tag gewesen, als er selbst mit seinen Rittern im Burghofein großes Fest feierte und einen ganzen Ochsen am Spieß hatte. Welch einköstliches Mahl, dachte Till Eulenspiegel, bis zu dem hinauf der köstliche Duft desBratens gestiegen war.So blies er schnell in sein Horn. Graf und Ritter ließen alles stehen und liegen,stürmten zu ihren Pferden und ritten aus dem Burgtor hinaus, um sich tapfer denFeinden des Reiches – vor denen Till Eulenspiegel mit seinem Horn gewarnt hatte –entgegenzustellen.Kaum aber hatten diese den Burghof verlassen, stürmte Till Eulenspiegel vonseinem Aussichtspunkt hoch oben im Turm die Treppen hinunter, füllte sich imBurghof sämtliche Taschen mit Köstlichkeiten, die Graf und Ritter bei ihremunverhofften Aufbruch einfach liegen gelassen hatten, und nahm in jede Hand nochein saftiges und großes Stück Ochsenfleisch, denn der hatte geradewegs dierichtige Reife auf den Feuer erhalten. Dann kehrte er zu seinem Arbeitsplatz zurück.Als Graf von Anhalt merkte, dass sein Turmbläser falschen Alarm gegeben hatte,wurde er wütend und stellte ihn noch am gleichen Tag oben im Turm zur Rede. „Bisdu noch ganz bei Trost, Alarm zu geben, wenn gar kein Feind zu sehen ist“, wollteer von Till wissen.Der jedoch, voll gefuttert mit all den vielen Leckereien, die den Herrschaften zuvorentwendet hatte sagte nur: „Dann muss ich wohl fantasiert haben. Das hat wohlder Hunger gemacht, den ich geschoben habe, weil ihr mir nichts zu essen gebrachthabt.“Natürlich wurde Till sofort entlassen.
  14. 14. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill Eulenspiegel wird SoldatViele Berufe hat der Spaßvogel Till Eulenspiegel ausgeübt. Eines Tages, da war ersogar mal Soldat. Doch als die ersten Feinde vor den Stadttoren erschienen, da warTill der letzte, der der Stadt verließ, um sie zu verteidigen.Aber, so wird bereichtet, er war auch der erste, der wieder in der Stadt eintraf,nachdem die Feinde in die Flucht geschlagen worden waren. So geschah es auchbeim zweiten, dritten und vierten Überfall auf das kleine Städtchen.Irgendwann hatte sein Oberst genug davon und stellte ihn zur Rede. „Ich habelange Zeit nicht genug zu essen bekommen“, sagte Till frechweg. "Wenn ich wirklichals erster auf die Feinde zulaufen würde, dann würde es mir sehr schwer fallen,auch als Erster wieder in der Stadt zu sein, denn das würde ungeheure Energienkosten. Und überhaupt, diese ganze Rennerei ist nichts für mich und meineGesundheit.“Klar doch, dass Till Eulenspiegel von nun an kein Soldat mehr war und die Stadtsofort verließ.
  15. 15. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill wird LandbesitzerTill Eulenspiegel wurde im Laufe seines Lebens nicht nur von einem Fürst aus demLand gejagt. Nein, da gab es eine ganze Menge, die ihn am liebsten nur von hintensahen.So auch der Herzog von Lüneburg, den Till Eulenspiegel eines Tages ganz böseveralbert hatte. Als der Herzog das merkte, da schmiss er Till aus seinem Landheraus und drohte ihm, würde er es je wieder betreten, dann würde er ihn hängenlassen. So gekränkt war der Mann.Natürlich sah Till Eulenspiegel zu, dass er schnell aus Lüneburg verschwindenkonnte, doch wie das Leben so spielt. Kaum waren ein paar Jahre ins Landgezogen, da musste Till bei einer Reise genau dieses Gebiet wieder durchqueren.Vorsichtshalber hatte er sich einen Wagen besorgt, der von einem klapprigen Gaulgezogen wurde. Und hinten, auf dem Fuhrwerk, da transportierte er eine ganzeMenge Erde, in die sich Till Eulenspiegel so tief hinein gegraben hatte, dass nurnoch sein Kopf mit seiner auffälligen Mütze herausblitzte.Und es kam, wie es kommen musste: er begegnete dem Herzog von Lüneburg, derihn natürlich sogleich erkannte. „Hatte ich dir nicht gesagt, dass du ein toter Mannbist, wenn du dich noch einmal in meinem Land sehen lässt?“, schrie der Herzog Tillförmlich an.Doch der blieb ruhig. „Herzog“, sagte er, „seht ihr denn nicht, dass ich gar nicht ineurem Land sitze, sondern in meinem eigenen? Die Erde hier, in der ich sitze, habeich von einem rechtschaffenen Bauern zu einem fairen Preis erworben. Das istmeine Erde, mein Land.“Der Herzog war sprachlos. So viel Dreistigkeit war ihm noch nicht untergekommen.„Sehe ich doch noch einmal“, sagte er, „dann lasse ich dich samt Pferd und Wagenaufhängen.“
  16. 16. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimWie Till Eulenspiegel einem Esel das Lesen beibrachteManche Leute dachten tatsächlich, dass sie einem Mann wie Till Eulenspiegelgewachsen seien. Doch in der Regel behielt der Spaßvogel stets die Oberhand.Ein paar ganz Schlaue verlangten eines Tages von ihm, dass er einem Esel dasLesen beibringen solle. Natürlich nahm Till Eulenspiegel die Herausforderung an,sagte aber, dass er wohl rund 20 Jahre dafür brauchen würde. Das sahen die Leute,die ihm den Auftrag erteilt hatten, wohl ebenso. Und schnell war man sich einigdarüber, was Till als Lohn bekommen solle. 500 Taler sogleich, 500 Taler, sobaldder Esel lesen könne.Von nun an übte Till jeden Tag mit dem Tier. Er legte dazu ein großes altes Buch indie Futterkrippe, zwischen dessen Seiten er jedes Mal etwas Hafer legte. Das hatteder Esel bald spitz und so lernte er tatsächlich, mit seinem Maul Blatt für Blattumzublättern, so dass es für Außenstehende aussah, als würde er lesen.Nach einer Woche Übung ließ Till Eulenspiegel seine Herausforderer im Stallantanzen. „Seht“, sagte er zu ihnen, „was der Esel nur in sieben Tagen gelernt hat.“Er legte das alte Buch in die Krippe, allerdings hatte er dieses Mal keinen Haferzwischen den Seiten versteckt und zudem dem Esel einen ganzen Tag lang nichtszu fressen gegeben.
  17. 17. Das hungrige Tier stürzte sich auf das Buch, blätterte, so wie es gelernt hatte, dieSeiten mit dem Maul um. Zwei, drei, doch als sich auch hinter der vierten Seitenoch immer keine Belohung versteckte, da wurde der Esel ungeduldig und rief solaut er konnte: „I-a. I-a.“Till Eulenspiegel sah die Männer an. „Seht ihn nun, zwei Buchstaben hat er bereitsgelernt. Morgen beginne ich mit dem O und dem U.“ Als die Herausforderer dieseWorte hörten, da wussten sie, dass auch sie nicht schlau genug für Till Eulenspiegelgewesen waren. Doch noch ehe sie ihn zur Rede stellen konnten, da war er wiedereinmal verschwunden.
  18. 18. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill verärgert die SchneiderAls Till Eulenspiegel einmal in Rostock war, da kam er auf die Idee, alle Schneideraus der Umgebung anzuschreiben, um sie zu einem Seminar in die Stadt zu bitten.Dabei wollte er ihnen von ganz Bahn brechenden Dingen des Schneiderhandwerksberichten.Natürlich nahmen alle Schneider der Umgebung die Einladung an. Wer möchte soeinen Vortrag schon verpassen! Als sie zur verabredeten Stunde in dem Saal, denTill dafür eigens angemietet hatte, eingetroffen waren, da begann Eulenspiegelsogleich mit seinen Ausführungen.„Meine Herren“, sagte er, „ich möchte euch gerne berichten, dass ihr nur eineSchere, einen Faden, einen Fingerhut und ein gutes Stück Stoff benötigt, um euerHandwerk auszuüben. Aber vergesst nie, in den Faden nach dem Einfädeln in daskleine Nadelöhr einen Knoten zu machen, denn sonst rutscht er euch wieder raus.“Die Schneider sahen sich irritiert an. War das nicht das, was sie sowieso jeden Tagtaten? Wo waren die Neuigkeiten, was sollten sie hier lernen?
  19. 19. Einem der Schneider wurde es schließlich zu bunt: „Das alles wissen wir seit 1000Jahren“, rief er aus dem Zuschauerraum Till Eulenspiegel zu. „Wie alt bist du?“,wollte dieser wissen. Der Gefragte antwortete: „45 Jahre.“ „Wie kannst du das allesdann hier schon seit 1000 Jahren wissen“, fragte Till nun. Da war der Schneidersehr verdutzt.Und alle sahen sehr schnell ein, dass auch sie von Till Eulenspiegel veralbertworden waren. Als sie ihn aber aus der Halle jagen wollten, da war er schon weg.
  20. 20. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill lässt drei Schneider wegwehenIn der Stadt Brandenburg hielt es Till Eulenspiegel ganze 14 Tage aus. Er hatte eineschöne Herberge, ganz nahe beim Marktplatz. Und wären da nicht die dreiScheidergesellen aus dem Nachbarhaus gewesen, dann wäre Till sicher noch längerin der Stadt geblieben.Doch diese drei Gesellen hatten es auf Till abgesehen. Jedes Mal, wenn er an ihnenvorbeiging, dann machten sie sich über sein Aussehen lustig. Dazu muss manwissen, dass diese jungen Schneider stets draußen vor dem Laden arbeiteten,solange das Wetter das zuließ. Dazu holten sie jeden Morgen ein großes Brett ausder Werkstatt und legten es auf vier stabile Holzpfosten, die sie irgendwann einmalin den Boden eingelassen hatten – des sicheren Stands wegen.
  21. 21. Nach einigen Tagen Verhöhnerei wurde es Till Eulenspiegel zu bunt. In der Nacht,als alle schliefen, schlich er aus dem Haus und sägte alle vier Holzpfosten an.Davon hatte natürlich niemand etwas bemerkt und so legten am nächsten Morgendie drei frechen Schneidergesellen wieder ihr Brett auf die Pfosten und nahmenihren Platz ein. Alles ging gut.Zumindest so lange, bis der Schweinehirt kam und auf seinem Horn blies, um alleSchweine aus den Häusern zu locken. Und weil an diesem Tag Markt war und dieStraßen voll gestopft mit Menschen, da suchten sich die Schweine den einfachstenWeg – unterhalb des Brettes hindurch, auf dem die Schneider saßen.Und wie Schweine nun einmal so sind, sie stießen natürlich an die angesägtenPfosten, die sofort nachgaben und der Reihe nach umfielen. Die drei Schneiderflogen und purzelten durcheinander. Das war ein komisches Bild. Alle Umstehendenlachten herzhaft, denn es sah aus, als wären die drei weggeweht worden. Dochniemand brachte diesen Spaß mit Till Eulenspiegel in Verbindung, denn keiner hatteihn an diesem Morgen in der Stadt gesehen. Konnte auch niemand, denn die hatteer längst verlassen.
  22. 22. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill darf nicht Kürschner werdenIn manche Stadt war Till Eulenspiegels Ruf im Laufe der Zeit schon vorgedrungen.So weigerten sich die Kürschner Leipzigs doch partout, ihm eine Arbeit zu geben!Sie waren nämlich von den Kollegen aus einer Nachbarstadt vor dem Schelmgewarnt worden.Es war aber so, dass Fastnacht kurz bevor stand und sich die Kürschner Leipzigs zueinem Hasenessen treffen wollten. Till hatte davon gehört, sich ein Hasenfellbesorgt und eine Katze gefangen, die er fein säuberlich in das Fell des Haseneinnähte. Dann machte er sich auf den Weg zu einem der Kürschner und bot – inVerkleidung versteht sich – dem Mann einen Hasen an. Er hätte von dem geplantenEssen gehört, sagte er.Der Kürschner war sehr froh, dass der fahrende Händler, denn für einen solchenhielt er den verkleideten Till Eulenspiegel, das Tier anbot. So musste er nicht selbstauch noch zum Markt gehen, um einen Hasen für das Festmahl zu besorgen. Erbezahlte und ging mit dem Tier zum Stammtisch in die Kneipe, wo seine Kollegenbei einem Glas Bier beisammen saßen.Einer von denen hatte seinen Jagdhund dabei, der sofort, als er die Katze imHasenfell roch, unruhig wurde. Er begann zu bellen, was wiederum die Katzeunruhig machte. Sie sprang dem Kürschner einfach vom Arm, rannte hinaus, erhinterher. Die Katze sprang auf den nächst besten Baum – und dort begann siekläglich zu miauen. Nun wusste der Kürschner, dass Till Eulenspiegel auch ihnerwischt hatte?Oder gab es tatsächlich miauende Hasen?
  23. 23. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill wird MilchhändlerTill Eulenspiegel reiste von Stadt zu Stadt. Von Norden nach Süden und von Ostennach Westen. Auch in Bremen, hoch oben im Norden, machte er eines TagesStation. Dort rollte er, man mag es kaum glauben, einen riesengroßes Fass auf denMarktplatz.Und als die Bäuerinnen mit ihren Milcheimern kamen, deren Inhalt sie gutverkaufen wollten, da sprach er die Frauen einfach an. „Füllt eure Milch hier in meinFass“, sagte er. „Ich will es euch gut entlohnen.Die Bäuerinnen hofften auf ein gutes Geschäft und eine nach der anderen entleerteihren Eimer in Tills Fass. Als das Fass randvoll war, da richtete Till Eulenspiegel dasWort an alle Anwesenden. „Liebe Frauen“, begann er, „ich habe heute leider kein
  24. 24. Geld bei mir, so dass ich eure Milch gar nicht bezahlen kann. Seid doch so lieb undkommt in zwei Wochen wieder, dann will ich eure Milch bezahlen.“Das wollten die Frauen natürlich nicht und protestierten laut: „Gibt uns unsere Milchsofort zurück“, schrieen sie ihm entgegen. „Nehmt sie euch doch“, lachte Till. Undnun begann eine Rangelei unter den Frauen, die so in Bremen noch keiner gesehenhatte. Jede wollte die erste an dem großen Fass sein und ihren Anteil wieder ausdem Bottich holen. Die eine schubste die andere weg, und bald lag mehr Milch aufdem Boden als in den Eimer.Zwei Bäuerinnen aber stritten so heftig, dass schließlich sogar das ganze Fassumkippte – und sich der Inhalt, die kostbare Milch, wie ein See über den ganzenMarktplatz verteilte. Und wo war Till Eulenspiegel? Natürlich verschwunden.
  25. 25. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimEulenspiegel als Maler unterwegsAls Till Eulenspiegel eines Tages den Landgrafen von Hessen kennen lernte, dafragte dieser ihn, welchen Beruf Till ausübe. „Ich bin Künstler“, sagte TillEulenspiegel und wurde dabei noch nicht einmal rot. Nun freute sich der Landgrafmächtig, denn er dachte, einen Artisten vor sich zu haben. Denn diesen Eindruck macht Till Eulenspiegel ja in seinem bunten Gewand. Als er Till aufforderte, das ein oder andere Kunststück zu zeigen, da klärte Eulenspiegel das Missverständnis schnell auf. „Ich bin ein Maler!", verkündete er nicht ohne Stolz. „Dann zeig mir einige deiner Werke“, entgegnete der Landgraf. Till zögerte einen Augenblick, zog dann aber aus der Satteltasche seines Pferdes einige Bilder flämischer Maler heraus, die er günstig erworben hatte. Diese gefielen dem Landgrafen prächtig, und so forderte er Till Eulenspiegel auf, auch ihm ein solches Kunstwerk zu schaffen. Till versprach`s, ließ sich Staffelei, Farbe und Leinwand kommen und bat sich jede Störung aus. Dann schloss er sich in dem Saal, den ihm derLandgraf zu Hessen zur Verfügung gestellt hatte, ein. Die Wochen vergingen, ohnedass auch nur irgendjemand das Bild Till Eulenspiegels zu sehen bekam. Nach 21Tagen ließ sich der Landgraf nicht mehr abwimmeln, er bestand darauf, sofort seinBild sehen zu dürfen.Und Till? Der willigte ein, führte den Landesherren vor die Staffelei, auf der dasBild, mit einem großen, weißen Laken bedeckt, stand. „Ich habe“, so sagteEulenspiegel, „euren Urgroßvater mit seiner Frau und den Kindern, eurenGroßvater, euren Vater und gar euch selbst auf diesem Gemälde verewigt.
  26. 26. Allerdings birgt es ein kleines Geheimnis. Wer nämlich unehelich geboren wurde,der wird nur eine große weiße Fläche sehen.“Dann zog er das Laken von dem Bild ab. Und der Landgraf, der sah nichts. Nur einegroße weiße Fläche. Da er nun aber nicht zugeben wollte, dass er unehelichgeboren sei, da schwärmte er in höchsten Tönen von dem Bild.Auch seine Frau, die Landgräfin, sah, als man sie mit ihrer Gefolgschaft gerufenhatte, natürlich nichts auf dem Bild. Wie hätte sie denn auch was sehen können. TillEulenspiegel hatte ja nichts gemalt! Doch auch ihr und den Frauen, die bei ihrwaren, erzählte der Schalk die Geschichte, wer unehelich geboren sei, der könneauf dem Bild nichts erkennen. Nun lobten alle, wie sie da standen, das BildEulenspiegels in den höchsten Tönen.Nur eine nicht, aber die galt wenig in dem erlauchten Kreis der Hofdamen. Sie abersagte: „Ich sehe rein gar nichts. Und ich kann ruhig zugeben, dass ich unehelichgeboren bin, das weiß eh ein jeder.“ Nun kamen auch den anderen große Zweifel.Doch als sie von Till Eulenspiegel eine Erklärung wollten, tja, da war er schonwieder weg.
  27. 27. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill macht Wasser zu WeinIn Lübeck lebte einst ein Wirt, den mochten die Leute nicht gerne, weil er sie immerwieder betrog. Als Till Eulenspiegel davon hörte, machte er sich auf den Weg, umdem Mann ein Schnippchen zu schlagen.Dazu führte er einen leeren Krug und einen Krug gefüllt mit Wasser mit sich. Denvollen Krug trug er unter seinem Hemd verborgen, den leeren offen im Arm. Als Tillnun bei besagtem Wirt ankam, da bat er ihn, ihm einen Krug Wein zu verkaufen.Der Wirt schickte Till in den Weinkeller, er möge sich seinen Krug selbst füllen, wasder auch ohne Zögern tat – er hatte ja schließlich den leeren Krug bei sich.Dann aber sollte Eulenspiegel die Ware bezahlen und tat entrüstet, als er den Preishört: „Zehn Taler, nein, die zahl ich nicht. Sechs würde ich euch geben für den KrugWein.“ Der Wirt lachte. „Sechs Taler. Nie und nimmer gebe ich meinen edlenTropfen dafür her. Gib den Krug zurück, ich fülle den Wein wieder in sein Fass.“Unbemerkt vom Wirt hatte Till Eulenspiegel nun die Krüge getauscht, denn unterseinem Hemd trug er immer noch den, der mit Wasser gefüllt war. Und genaudiesen gab er dem Wirt zurück, der hochmütig den vermeintlichen Wein ins Fassgab. Till schlich sich unterdessen weg – und hatte an diesem Abend ein wirklichköstliches Getränk.
  28. 28. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill serviert „gespickten“ ApfelIn Antwerpen lernte Till Eulenspiegel eines Tages in der Gaststube seiner Herbergeeinen Holländer kennen, der ein wahrer Witzbold war. Allerdings war Till an diesemTag nicht zu Späßen aufgelegt, er fühlte sich krank und hatte sich deshalb Eierweich kochen lassen, die er nun verzehren wollte.Als der Holländer die Eier sah, da sprach er Till Eulenspiegel an: „Hey du, magst dudas Essen in diesem Wirtshaus nicht?!“ Und ehe sich Till Eulenspiegel versah, hatteder Mann ihm die Eier schon entrissen und – mir nichts dir nicht – verspeist. Nungut, dacht Till, auch du wirst dein Fett abbekommen.Am nächsten Tag besorgte er sich einen herrlich großen Apfel, den er feinsäuberlich aushöhlte und mit Fliegen, Maden und Larven bestückte. Dann briet erden Apfel und bestäubte ihn herrlich rund herum mit Ingwer. Welch ein Duft!Auf einem Teller trug Till Eulenspiegel den köstlich angerichteten Apfel am Abend indie Gaststube. Und gerade als er Messer und Gabel zur Hand nehmen wollte, umihn zu verspeisen, da stürzte der Holländer auf Till Eulenspiegel zu und entriss ihmden Apfel, den er sogleich mit zwei oder drei Bissen verspeiste.Aber dann kam es: Na ja, ein paar Minuten später rannte der Holländer nämlich wieder geölte Blitz aus der Gaststube heraus und übergab sich – mehr als einmal wieman hörte.
  29. 29. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill verhöhnt den PfarrerNatürlich gehen auch an einem Till Eulenspiegel die Jahre nicht spurlos vorüber.Immer älter wurde er und eines Tages, da lag er krank zu Bett in seinem Haus, dadachte er so vor sich hin, es wäre doch sicher gut, wenn er seine Sünden demPfarrer beichten würde bevor er sterben müsse.So ließ er den Pfarrer kommen und der eilte sogleich herbei, denn wenn ein TillEulenspiegel beichten will, dann gibt es sicher einiges zu hören. Der Pfarrer setztesich an das Bett des Kranken und hörte seine Geschichten. Dabei ging ihm durchden Kopf, dass Eulenspiegel doch in seinem ganzen Leben jede Menge Geldangesammelt haben müsste.Und da der Pfarrer keine Scheu kannte, fragte er ganz unverhohlen nach dem Geld.Till Eulenspiegel sagte: „Du sollst deinen rechtmäßigen Anteil haben. Kommemorgen wieder.“ So geschah es auch. Derweil aber hatte Eulenspiegel einen Krughergerichtet. Hinein hatte er – er war schließlich Till Eulenspiegel – einen dickenHaufen gelegt, auf den er, so dass man den Kot nicht mehr sehen konnte, einigeGeldscheine gelegt hatte.Als nun der Pfarrer kam, da reichte Eulenspiegel ihm das Gefäß und der Pfarrer,begierig wie er war, griff natürlich sofort hinein. Die ersten Geldscheine fischte erschnell heraus, doch wie veränderte sich sein Gesicht, als er in Tills Exkrementefasste. Da wusste er, dass Eulenspiegel ihn sogar noch auf dem Totenbett geneckthatte.
  30. 30. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill Eulenspiegels TestamentAls die Zeit kam, das Till Eulenspiegel sterben musst, weil er alt und krank war, da machte natürlichauch er ein Testament. In drei gleiche Teile teilte er sein Vermögen auf: ein Teil, soverfügte er es, sollte an seine Freunde gehen, der zweite Teil an den Rat der Stadt und der dritte Teil schließlich an die Kirche. Aber, und auch das verfügte Eulenspiegel, die Truhe, in der sich das Geld befinde, dürfe erst vier Wochen nach seinem Tod geöffnet werden. Außerdem müsse sein Leichnam natürlich auf einem geweihten Fleckchen Erde auf dem Friedhof begraben werden. Gerne stimmten seine Erben zu, denn sie waren sicher: Wer sein Leben lang nur von der Narretei gelebt hatte wie Till Eulenspiegel, der musste einfach ein schönesSümmchen Geld im Laufe seines Lebens angehäuft haben.Till Eulenspiegel also starb, wurde zu Grabe getragen und vier Wochen später,trafen sich die Erben, damit jeder sein Drittel des Vermögens mit nach Hausenehmen könne. Erstaunt aber waren alle, dass die Kiste, die Eulenspiegel ihnenhinterlassen, vollkommen leer war. Und da niemand an einen Streich vonEulenspiegel dachte, denn der war ja tot, da beschuldigten sich die Erben ebengegenseitig, das Geld gestohlen zu haben und gingen schließlich im Streitauseinander. Aber natürlich hatte Eulenspiegel nie Geld in die Kiste hinein gegeben.
  31. 31. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimEulenspiegel stirbt im SpitalSein Leben lang hatte Till Eulenspiegel Schabernack getrieben. Auch sein Abschiedvon dieser Welt hatte ganz besondere Dimensionen. Eulenspiegel starb in einemKrankenhaus, das man früher noch Spital nannte. Sein Leichnam wurde auf eineBahre gelegt und im Flur abgestellt, so dass sich seine Freunde in Ruhe von ihmverabschieden konnten.Doch kaum stand er dort, da bahnte sich auch schon das Spitalschwein mit seinenFerkelchen einen Weg durch das Haus. Und siehe da, Tills Leichnam purzelte vonder Bahre und die kleinen Ferkel wuselten um ihn herum.Weil aber ein Toter so nicht liegen bleiben kann, nahmen seine Freunde den totenTill Eulenspiegel und legten ihn zurück auf die Bahre. Weil alles so schnell gehenmusste, übersahen sie aber, dass sie ihn auf den Bauch – und nicht auf denRücken, so wie es sich für einen Toten gehört – gelegt hatten.Da mussten sie trotz ihrer Traurigkeit lachen. „Auch im Tod macht er noch Späßemit uns“, sagten sie, „und zeigt uns ganz deutlich, dass er nicht so begrabenwerden möchte wie jeder andere.“
  32. 32. http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97 Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 BergheimTill Eulenspiegels BegräbnisTill Eulenspiegel starb in hohem Alter. Doch auch sein Begräbnis war noch mehr als wunderlich. Dennals man den toten Spaßmacher, der sein ganzes Leben lang die Menschen nur verhöhnt hatte, zuGrabe trug, da ereignete sich etwas Seltsames.Als man nämlich den Leichnam in die Gruft hinunter lassen wollte, da riss das Seil,an dem der Sarg befestigt war und purzelte in das Grab hinein. Allerdings nicht inWaage, so wie es sich gehörte, sondern es war so, dass Till Eulenspiegel quasi aufseinen Füßen zu stehen kam.Da sagten alle, die der Beerdigung beiwohnten: „Lasst ihn so stehen. Er istwunderlich gewesen in seinem Leben, lasst ihn wunderlich sein im Tod.“Und so warfen sie das Grab zu und ließen Till Eulenspiegel auch im Tod auf seinenFüßen stehen. Die Freunde kauften einen Grabstein, den setzten sie ihm oben aufsein Grab. Und wer die Inschrift lesen will, der findet sie noch heute:„Diesen Stein soll niemand erhaben, hier steht Eulenspiegel begraben“.Diese Geschichte von TILL EULENSPIEGEL (erschienen 1510) wurde von Martina Meier für den Lesekorbnacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von H. Stache, R. Hansche und R. Trachehergestellt.Seiten URL:http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=97Copyright © 2011 LABBÉ GmbH, D-50126 Bergheim
  33. 33. Till Ulenspiegels EpitaphMarkst denn wuerkelk nix, oll Bunkenknacker!?Wat wi proten, hebbt wi faak all proot’t!Dusend maal all leep ik uenner d’Suenn hen,Dusend maal all queemst du mi tomoet,Dusend maal all smeetst du mi dor uenn’n hen,Un ‘k queem dusend maal weer up de foet!Gnister mit de Tan’n, mi sall nicht graesen!Hau de Welt in Dutt – wat maakt dat mi!?All wat eenmal west hett, dat mutt waesen,Un wor Laevend is, suen ik derbi!Till Ulenspiegel(Ulenspiegel un Jan Dood, Moritz Jahns)
  34. 34. Till Eulenspiegel in BernburgAuf den Spuren von Till Eulenspiegel in der SaalestadtAuf Eulenspiegels Spuren in Bernburg an der Saale, und warum er dem Grafen vonAnhalt eine Nase drehte?Der Eulenspiegelturm auf dem Schlosse zu Bernburg (Gedicht)Till"Jedermann"als FotomotivTill im ParadiesTill-Eulenspiegel-Figur von Paul BöleckeTill als TrinkbrunnenfigurTill als PreisTill Eulenspiegel spricht mit seinen BesuchernTill als "Stummer Diener" in der Bernburg - InformationEulenspiegel aus Holz und ElfenbeinMit Eulenspiegel auf Tour, um Bernburg (Saale) kennen zu lernenAuf Eulenspiegels Spuren in Bernburg an der Saale, und warum er demGrafen von Anhalt eine Nase drehte?Zitat von L. Krähenberger, Bernburg: "Was das Brandenburger Tor für Berlin ist, was die Frauentürme für München bedeuten, das ist der Eulenspiegelturm des Schlosses für Bernburg:Das Wahrzeichen der Stadt. Wenn dieser gewaltige Rundturm dem Wanderer aus der Fernewinkte oder vor den Blicken der mittelalterlichen Fuhrleute auftauchte, die mit ihren schwerenFrachtwagen die alte Heerstraße von Magdeburg über Bernburg nach Halle fuhren, dannerkannten sie bei guter Sicht auf freier Höhe den wegweisenden Eulenspiegelturm und wusstennun, dass sie im Tale, die alte Saalestadt Bernburg vor sich hatten."Der Eulenspiegelturm auf dem Schlosshof Mehr als 90 Geschichten sind über den berühmten und berüchtigten Schalksnarren Till Eulenspiegel oder Dyl Ulenspiegel in Deutschland und Flandern aufgeschrieben worden. Alle Welt musste seine listigen bis böswilligen Streiche ertragen. Nichts war ihm heilig, schon gar nicht die Obrigkeit. Stets war er auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wahr oder weniger wahr ist die "Sage vom Eulenspiegel und einem Turm auf dem Bernburger Schlosse". Sie wurde ein erstes Mal zu Beginn der 19. Jh. für Anhalt-Bernburg aufgeschrieben. Die Urfassung eines volkstümlichen Gedichtes von Dr. Wilhelm Alberts ist festgehalten in der ältesten Sagensammlung Anhalts. Sie ist identisch mit der 22. Historie im ältesten bekannten Straßburger Erstbuch von 1510 / 11. Dieses avancierte zum frühen Bestseller, wurde wieder und wieder neu aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt. So wurde der Eulenspiegel weltweit bekannt.
  35. 35. Till an der Tafel, Illustration von Karl BlosfeldDie Historie vom Turmwächter wurde häufiger frei nacherzählt, kurz und bündig oder weitausschweifend. Die Erzählung wurde zur wichtigsten Sage, neben den Sagen vom Tanzwunderzu Kölbigk und vom Knecht Ruprecht, mit Beinamen Heele-Christ (BernburgerWeihnachtsmann), in Anhalt-Bernburg. Der Till ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellenLebens und der Tradition der Saalestadt. Begeben wir uns auf die Spuren des Tills rund umseinen Turm auf dem Bernburger Schlosshof. Am allgegenwärtigsten ist Till zur Karnevalszeit.Seit 1955 beginnt sein närrischer Freigang mit der Befreiung aus seinem Turm und demRathaussturm am 11.11., 11:11 Uhr, bis zum Aschermittwoch. Angeführt vom Elferrat desBernburger Karnevalclubs trifft sich viel närrisches Volk auf dem Schlosshof. Lautes Rufenfordert den Till auf, von seinem Turm herunter zu steigen. Er ziert sich, antwortet den Rufern.Was, das kann allerdings niemand verstehen, und kommt herunter. Till bernimmt sofort, nebendem Elferrat, die Anführerrolle. Gemeinsam ziehen sie vor die Fenster des Rathauses. Hier istder Oberbürgermeister bereits aufmerksam geworden. Er hat die wichtigsten Vertrauensleute umsich geschart und das Rathaustor versperrt.
  36. 36. Die Narren fordern die Übergabe des Rathausschlüssels für die neue Session. Es kommt zumDisput, denn freiwillig will man die Macht über die Stadt nicht abgeben. Erst ein Scheinangrifflässt den Widerstand zusammenbrechen. Der Elferrat mit Till und Gefolge besetzen das Rathausund auf dem Balkon übergibt, für alle Bürger sichtbar, der Oberbürgermeister den Stadtschlüssel.Till ist zufrieden und friedlich ziehen die Narren ab. Am Aschermittwoch wird Till in seinenTurm zurück geführt. Till"Jedermann"als Fotomotiv Seit kurzem kann jeder das Narrenkostüm anprobieren. Dafür steht eine Wand mit aufgemaltem Till mit einer Öffnung für das eigene Gesicht vor dem Eingang des Museums im Schloss und eine zweite auf dem Markt der Talstadt vor der Gaststätte "Alter Markt". Fotowand mit Till auf dem SchlosshofTill im ParadiesDas "Paradies" ist eine im Bernburger Land bekannteAusflugsgaststätte. Viele Generationen erinnern sich an diesenbeliebten Ort der Erholung und Unterhaltung, weil hier einMärchengarten zu besichtigen ist. Am Eingang zum Garten stehtdie wohl älteste Skulptur vom Eulenspiegel in Bernburg. 1935 istdie Figur von Max Zahn, einem Bernburger Architekten undAlfred Lahne, der Gründer des Märchengartens, aufgestelltworden. Der Gastwirt Lahne war es auch, der immer wiederPuppen auf Spielzeugmessen kaufte und so ein einzigartigesGrimmsches-Märchen- Paradies schuf. Heute, im Zeitalter derKybernetik, haben Automaten in Märchengestalt das Spielzeugabgelöst. Till begrüßt die Gäste der Ausfluggaststätte "Paradies"
  37. 37. Till-Eulenspiegel-Figur von Paul BöleckeAus Stein gehauen steht der Till, mit einer Wurst in der Hand und rückwärts gewand, denZurückbleibenden eine lange Nase drehend, seit 1961 als Skulptur in Bernburg. 1961 feierte dieSaalestadt in Anhalt ihre 1000. Jahrfeier. Zwei Jahre zuvor, am 07.10.1959, erhielt derKönneraner Bildhauer Paul Bölecke den Auftrag von der Stadt Bernburg (Saale) eine Steinfigur des Turmwächters Till auf der Burg Bernburg zu schaffen. Bölecke schuf eine Skulptur aus Rothenburger Sandstein von der Unteren Saale. Die Figur ist 1,50 m hoch und steht auf einem 20 cm hohen Sockel. Sie wurde zum genannten Anlass mit einem Brunnen auf dem damaligen Marx - Engels- Platz, heute Karlsplatz, aufgestellt. Vor dem Till- Eulenspiegel-Brunnen war ein kleiner Steingarten angelegt. Zum Steingarten gehörte eine Bodenplatte mit der Inschrift: "Die Sage der Bernburger Heimat erzählt: Durch falsches Signal erlistetes Mahl hat Eulenspiegel verschlungen. Der Streich ist ihm gelungen. Nach vielen Schelmenstücken kehrt er Bernburg den Rücken". Till in Stein von Paul Bölecke vor dem Rathaus IIJahrzehntelang stand Till dort, im Zentrum der Stadt. Anfang der 90-iger wurde die Figurhäufiger beschädigt oder verunstaltet. Sie wurde aus diesem Grund umgesetzt und steht nunsicher auf der Grünfläche an der Ostseite der ehemaligen Reitbahn des Schlosses, dem heutigenRathaus II, gegenüber dem Theater.Till als TrinkbrunnenfigurAuf halbem Wege zwischen der Fußgängerbrücke und demKarlsplatz, die Wilhelmstraße hinauf, hockt ein nackter Till aufeiner Säule. Seine Kleider hängen herunter. Nichts Närrischesunterscheidet ihn mehr von anderen Menschen. Der Eulenspiegel-Trinkbrunnen wurde am 31. März 2000 an der Nebenstraße "KleineWilhelmstraße" enthüllt. Die Bronzeplastik ist ein Werk desQuedlinburger Künstlers Prof. Wolfgang Dreysse . Der Auftrag zumBrunnen wurde bereits zur DDR-Zeit vom Rat der Stadt Bernburgan Dreysse vergeben. Dreysse unterstreicht die Aussage seinesWerkes mit den Worten in Bronze: "Man wird nicht alsEulenspiegel geboren ... ." Eulenspiegel-Trinkbrunnenfigur von Wolfgang Dreysse in der Kleinen Wilhelmstraße
  38. 38. Till als Preis Die Saalestadt in Anhalt entwickelt sich zu einer bekannten Kabarett-Festival-Stadt in Deutschland. Im Jahr 1999 fand das 1. Festival statt. Jedes Jahr Ende Oktober - Anfang November wird Bernburg zum Mekka des politisch-satirischen Kabaretts. Vielleicht war es der Till im Kopf der Bernburger Kulturleute, bekannte Kabarettisten aus ganz Deutschland an die städtischen Bühnen zu holen. Wie auch immer! Mit der Bundesvereinigung Kabarett e.V. haben sie einen kompetenten und für Bernburg engagierten Partner gewinnen können. Das Festival hat viel Freunde und Laien-Kabarettisten in Bernburg gefunden und ist zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens geworden. Der Höhepunkt ist dieVerleihung des Tills an Deutschlands beliebteste Kabarettisten. Die handliche Hartzinnfigur isteine Verkleinerung der Eulenspiegelskulptur von Paul BöleckeSpöttergewölbe im Metropol – Spielstätte der Theater GmbH Erhalten haben den Preis bisher: Klaus Döll 2000 Dieter Hallervorden 2001 Günther Kulbe 2002 Rainer Otto 2003 Dieter Hallervorden anlässlich der Verleihung des Tills zum 5. Kabarett–Festival in Bernburg Till Eulenspiegel spricht mit seinen Besuchern Wie denn, was denn, ist er leibhaftig wieder da? Aber nein! Moderne Technik macht es möglich. Eine lebensgroße Eulenspiegelfigur, elektronisch gesteuert, beweglich und sprechend, wohnt in der sogenannten Türmerstube des Eulenspiegelturmes. Unter historischem Dach erzählt er den Besuchern in einem ca. 5 Minuten Vortrag "Tills-Streiche" auf Knopfdruck.
  39. 39. Mit der lebensnahen Erzählung der 22. Eulenspiegelepisode "Eulenspiegel verdingt sich beimGrafen von Anhalt als Turmbläser" wirbt die Saalestadt nachhaltig dafür, zu den bedeutendenEulenspiegel-Städten zu gehören.Die Eröffnung des Turmes am 9. Juli 2004 war eine Veranstaltung der besonderen Art, dennkeine geringeren als Deutschlands bekanntesten v.l.n.r. Ingo Insterburg, Till Eulenspiegel undKarl Dall "Blödel-Barden", Ingo Insterburg und Karl Dall waren in der Türmerstube die ersten,denen er sein Erlebnis erzählen konnte. Auf Insterburg, der das Gymnasium beim Schlossbesuchte, fiel häufig der Schatten des Turmes, so dass ein sehr früher Einfluss des "Till-Geistes" nicht auszuschließen ist.Till als "Stummer Diener" in der Bernburg -InformationSeit 2005 wacht ein Till auch an der Tür der BernburgerStadtinformation am Lindenplatz. DerHolzbildhauermeister Ulf Knaul aus Bernburg schuf die 1.40 Meter große Holzfigur. Die Familie Knaul ist seitJahrzehnten in Bernburg mit einer Werkstatt ansässig.Unweit von der Stadtinformation ist ihr Geschäft amKarlsplatz zu finden. Holzplastik von Ulf Knaul in der StadtinformationEulenspiegel aus Holz und Elfenbein Seit dem Frühjahr 2006 ist das Museum im Schloss der neue Eigentümer einer rätselhaften Till ? Eulenspiegel - Plastik. Ein unbekannter Künstler hat einen Eulenspiegel aus Holz, das Gesicht und die Hände fein aus Elfenbein geschnitzt. Eine allegorische Eulenspiegeldarstellung von hoher künstlerischer Qualität, datiert um 1900. Drei zu Füßen sitzende Affen (mit Smaragdaugen) symbolisieren seine Eigenschaft seinen Mitmenschen nachzuäffen. Auf dem Kopf sitzt die Eule als Sinnbild der Klugheit. Fein "ausbalanciert" resultieren daraus seine bekannten, in derb ? humoristischer Sprache vorgetragenen Narrenstreiche gegen alle gesellschaftlichen Schichten der Zeit. Im Kuppelsaal des Eulenspiegelturms ist die 58 cm hohe Figur in einer Vitrine ausgestellt.
  40. 40. Mit Eulenspiegel auf Tour, um Bernburg (Saale) kennen zu lernenSeit den großen Ferien 2007 fest im Sommerprogrammdes Museums Schloss Bernburg und ständig abrufbar,sind Eulenspiegel-Projekte für Jung und Alt. Ansichtskarte des Museums im Schloss zur Sommerferienaktion "Eulenspiegelprojekte" Ansichtskarte des Museums im Schloss zur Sommerferienaktion "Eulenspiegelprojekte"Die Museumspädagogen bieten einen "Eulenspiegel-Erlebnistag" in Bernburg an. Der mit einemGaukler-Frühstück in der Türmerstube beginnt und Museumstheater mit Filmdreh vorsieht.Danach begibt man sich auf die Suche nach Till. Hat man Ortegefunden, an denen er sichaufhielt, wird dies auf einer Karte abgestempelt. Wer alle Orte aufsucht nimmt an einemWettbewerb teil und könnte zum Gewinner werden.Weitere Angebote sind Eulenspiegel-Kindergeburtstagsfeiern oder die Mitgliedschaft imexklusiven Eulenspiegel-Kinderclub.Recherchiert und fotografiert:Uwe HennigStadtverwaltung Bernburg (Saale) Tel. / Fax: 0049 (0)3471 659 161 / 659 300E-Mail: uwe.hennig.stadt__@__bernburg.de
  41. 41. Till Eulenspiegel in Braunschweig Till Eulenspiegel monument, Braunschweig[Ger.,=owl-mirror, hence English Owlglass], a north German peasant clown of the 14thcent. who was immortalized in chapbooks describing his practical jokes on clerics andtownsfolk. The first Till chapbook (c.1500) was probably in Saxon, but the story it toldspread all over Europe and North Britain. Till is the hero of a tone poem by Richard Straussand of many novels, poems, and stories. (bartleby.com)There is a story about his stay in Braunschweig, where he found a job as bakers assistant.After working for two days, the master baker ordered Till to bake all night on his own. WhenTill asked "What should I bake?", the master answered sneeringly "You are a bakersassistant, and ask what to bake? What do people usually bake? Owls and long-tailedmonkeys?".When the master woke up the next morning, he found neither rolls nor cakes. Instead,many owls and long-tailed monkeys. He got angry, said he couldnt sell these things, andordered TIll to pay for the dough. Till paid, and left with his bakery products.Till didnt need long time to figure out what to do with it, as it was the day beforeSt.Nicolaus. He sold all his products in front of the church, and earned even more moneythan he had to pay to the baker. The people loved his extraordinary products. (bs-net.de)
  42. 42. Till Eulenspiegel in MainzSiehe naehste Seite :Mainz, Am Samstag 02.01.2010 wurde die 2,50 Meter hohe, von Professor Eberhard Linkegeschaffene Bronzefigur, auf dem Rondell über der Ein- und Ausfahrt der Theater-Tiefgarageam Kronberger Hof, ganz in der Nähe der MCC-Geschäftsstelle, enthüllt.http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/8135223.htm
  43. 43. Progress-Filmillustrierte 6/57 - Die Abenteuer des Till Ulenspiegel mit Gerard Philipe, Jean Vilar & Fernand Ledoux
  44. 44. ULENSPIEGEL – OPEROper in drei AufzügenLibretto und Musik von Walter BraunfelsIn der Reihe »Opernentdeckungen des 20. Jahrhunderts«Geplante Aufzeichnung durch Deutschlandradio Kultur und mdr FIGAROFr, 28.01.2011 | 19.30 UhrBühnen der Stadt Gera - Großes HausKartenPREMIEREFr, 04.02.2011 | 19.30 Uhr
  45. 45. BeschreibungDie Musik zu ›Ulenspiegel‹ ist ausgezeichnet. Jedesmal, wenn ich so nach einiger Zeit wieder hineinschaue, bin ichfrappiert über die Treffsicherheit, die Menge rhythmischer Ideen ...Wilhelm FurtwänglerTill Eulenspiegel hat den Schalk im Nacken. Doch als die Spanier in seine Heimatstadt Gent einziehen und die heilige Inquisitionverkünden, legt er sich mit den Ablasspriestern an. Der Protestant Eulenspiegel flieht nach Vlissingen, wo ihm seine GeliebteNele die Nachricht vom Tod des Vaters durch die Inquisition überbringt. Eulenspiegel schwört Rache und ruft die Bürger vonVlissingen zum Kampf gegen die Spanier auf.Mit »Ulenspiegel« setzt Theater&Philharmonie Thüringen die vielbeachtete Reihe der »Opernentdeckungen des 20.Jahrhunderts« fort. Walter Braunfels (1882-1954) war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der erfolgreichsten KomponistenDeutschlands. Die Uraufführung seiner Oper »Die Vögel« 1920 in München war ein überwältigender internationaler Erfolg.1925 wurde er vom Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer zum Leiter der dortigen Musikhochschule berufen. Doch mitder Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Braunfels als »Halbjude« alle seine Ämter und erhielt Aufführungsverbot.Die Oper »Ulenspiegel« wurde am 4. November 1913 am Königlichen Hoftheater Stuttgart unter der musikalischen Leitung vonMax von Schillings uraufgeführt. Nachdem der Komponist 1918 zum katholischen Glauben konvertiert war, wollte er sich nichtmehr mit diesem Stoff auseinandersetzen. In Gera besteht nun erstmals wieder die Gelegenheit, diese Oper zu erleben. Für dasBühnenbild zeichnet der Architekt Stephan Braunfels (Pinakothek der Moderne, München; Regierungsbauten, Berlin)verantwortlich, ein Enkel des Komponisten. Walter Braunfels UlenspiegelHandlungI. AufzugErste SzeneZu nächtlicher Stunde versammeln sich die Genter Handwerker. Sie sind wegen des Eintreffensspanischer Truppen unter der Führung des Herzogs Alba in großer Besorgnis und befürchten,ihre Freiheiten und Privilegien zu verlieren.Der Profoß verkündet einen Erlass, wonach Herzog Alba den unbedingten Gehorsam seinerUntergebenen einfordert. Till Ulenspiegel verspottet seine Mitbürger und die Ablasspriestergleichermaßen und entzieht sich deren Zugriff durch die Flucht.
  46. 46. Zweite SzeneKlas, Tills Vater, beklagt mit seiner Ziehtochter Nele das Regiment der Spanier. Till eilt herbei,auf der Flucht vor seinen Verfolgern. Kaum hat er sich von seiner geliebten Nele verabschiedet,tritt der Profoß auf und setzt Klas gefangen. Durch Einsatz der Folter will er Tills Fluchtziel inErfahrung bringen.II. AufzugErste SzeneTill ist die Flucht zu den Geusen, also zu gleichgesinnten Widerstandskämpfern, gelungen.Gepeinigt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen sieht er das traurige Schicksal von Klasvoraus. Als Nele plötzlich auftritt, bringt sie ihm die traurige Nachricht von Klasens Tod.Da die vom Profoß angeordnete Folter, so Neles Bericht, erfolglos geblieben war, wurde Klasder Inquisition übergeben und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Till schwört Rache.Zweite SzeneTill und Nele überzeugen die Geusen von der Notwendigkeit, gegen die Spanier in denKampf zu ziehen.III. AufzugErste SzeneFrauen sollen zur Vollstreckung des Urteils der Inquisition auf Scheiterhaufen verbranntwerden. Mönche intonieren dazu das lateinische Requiem. Angeführt von Till gelingt denGeusen die Befreiung ihrer Glaubens - und Volksgenossen. Während die Frauen fliehen,kommt es zu einem Kampf, in dessen Verlauf Till in Gefangenschaft gerät.Zweite und dritte SzeneIn Erwartung seines nahen Todes hält Till Neles Auftritt zunächst für eine Sinnestäuschung.Nele möchte mit ihm fliehen, um irgendwo in Freiheit und Frieden zu leben. Doch Till willweiter kämpfen, um den Tod des Vaters zu rächen. Während Till zum Tode verurteilt wird, siehter noch einmal den Kampf der Vlamen und Geusen gegen die Spanier. Nele stellt sich schützendvor ihn und stirbt.
  47. 47. Titre LA LEGENDE DULENSPIEGEL Auteur CHARLES DE COSTER Editeur CLUB FRANCAIS DU LIVRE Paris, 1956 _________________________Edition hors-commerce, tirée à 8.000 exemplaires numérotés de 10.001 à 18 000. 15 illustrations en hors texte de reproductions de gravures . Format : 22 x 14. 413 pages, . Reliure dEditeur , illustrée sur le premier plat. Intérieur correct
  48. 48. CHARLES DE COSTER ET THYL ULENSPIEGEL
  49. 49. Charles De Coster 1827-1879. A vécu méconnu et pauvrement dun salaire de professeur de français à lEcole Militaire, alors installée à labbaye de la Cambre.Oeuvre : Les Aventures de Thyl Ulenspiegel. 1867. Ecrite en un français archaïsant, daprès une ancienne légende germanique, transposée dans la Flandre du 16ème siècle. Silhouette en médaillon de Charles De Coster. (Bruxelles retrouvé 2 p 174).
  50. 50. Boekverslag Charles de Coster TIJL UILENSPIEGELUitgeversmaatschappij The Reader’s Digest Amsterdam, 1993 (eerste druk in 1867),aantal blz. 541.Het verhaal begint als Tijl Uilenspiegel geboren wordt. Zijn ouders zijn Klaas enSoeteke. Rond dezelfde tijd wordt er bij Katelijne, hun buurvrouw, een meisje geboren,hoewel ze niet getrouwd was. Daarom wordt het meisje, dat Nele heet bij Klaas enSoeteke opgevoed. Tijl wordt zes keer gedoopt.Keizer Karel krijgt ook een zoon: Filips. Deze blijft in het boek voorkomen als een wreedmisbaksel. De keizer voerde plakkaten in tegen het ketterse geloof. De verrader krijgtde helft van het bezit van het slachtoffer, de keizer de rest.Klaas had ook een broer die hij af en toe bezocht. Die broer was erg verbitterd omdat hijteveel onrechtvaardigheid had meegemaakt. In het dorp Damme woonde verder ooknog Lamme, die erg dik was. Omdat hij zo goed was had hij als bijnaam ‘Goedzak’.Tijl groeit op als een deugniet en pleziermaker. Overal kon hij wel wat grappen uithalen.Hij had ook altijd een raak antwoord klaar. Tijl bouwde een hut waarin hij de mensenvertelde wat ze waren. Dat was altijd raak. Hij zei: ik ben ulen spiegel (= U-liedenspiegel of dus jullie spiegel.) Zo kwam hij aan zijn bijnaam.Tijl en Nele raken verliefd op elkaar, hoewel Tijl ook nog wel graag met andere vrouwenmeegaat.Gent wordt door keizer Karel verwoest. Daaruit blijkt wel de wreedheid van de keizer.Filips trouwde met Maria van Portugal maar voelde geen liefde voor haar. Hij ging doormet al zijn wrede spelletjes. Hij genoot als mensen of dieren pijn leden, maar hij lachtenooit.Uilenspiegel wordt opgepakt omdat hij zich in een café tegen het Roomse geloofuitsprak. Hij wordt veroordeeld en moet een pelgrimstocht naar Rome maken.Onderweg zorgt hij door vele grappen voor plezier. Doordat hij de mensen te slim af iskomt hij vaak aan gratis eten.
  51. 51. Ondertussen wordt Katelijne veroordeeld als toverkol. Dat zorgt ervoor dat ze voor altijdgek wordt.Tijl spreekt in Rome de paus en keert weer terug naar Damme. Als hij weer terug ishoort hij dat Klaas gevangen is genomen. Hij is verraden door een visverkoper en wordttot de dood veroordeeld. Hij wordt in Damme verbrand. Midden in de nacht halenSoeteke en Tijl wat as weg, dat Tijl voor altijd op zijn borst zal dragen. Soeteke krijgtvan Josse, Klaas’ broer, zevenhonderd carolusguldens die ze goed verstopt. Laterworden Soeteke en Tijl ook nog aangeklaagd, maar ze worden beiden vrijgelaten. BijSoeteke thuis komt een man, de vriend van Katelijne op bezoek. Hij heeft zich vermomdals de duivel. Hij doodt zijn vriend en rooft later ook de zevenhonderd guldens. Soetekesterft later ook, zodat Tijl wees wordt.In een visioen zien Tijl en Nele dat Vlaanderen gered moet worden door de Zeven tevinden. Daarom gaat Tijl op reis om ze te zoeken. Hij neemt Lamme ‘Goedzak’ mee, diezijn vrouw gaat zoeken. Ze komen in allerlei steden. Overal halen ze grappen uit. Ookbrengen ze een vervolger van de ketters zo’n schrik aan, dat hij nooit meer wat gedaanheeft. Uiteindelijk sluiten Tijl en Lamme zich aan bij de Geuzen. Ondertussen is inDamme een groot proces gaande tegen Katelijne en haar vriend, die kapitein in eenleger blijkt te zijn. De kapitein wordt ter dood veroordeeld en Katelijne wordt getest of zeeen heks is: ze wordt in het water gegooid. Omdat ze zinkt blijkt dat ze geen heks is. Zewordt snel gered, maar sterft toch aan onderkoeling. Nele sluit zich nu ook aan bij deGeuzen. Dan blijkt aan het einde van het boek, dat de Zeven staan voor de ZevenDeugden die de Zeven Ondeugden moeten vervangen.Een zeer korte samenvatting, onderverdeeld in delenHet boek bestaat uit vijf delen die onderverdeeld zijn in een groot aantal, soms zeerkorte hoofdstukken. Het eerste deel sluit het meest aan bij de volkse overlevering. Hetbeschrijft de zorgeloze jeugd van Tijl, zijn vele schalkse streken en zijn verplichtepelgrimage naar Rome nadat hij de katholieke kerk heeft bespot. Katelijne en Soetekeworden gefolterd en Klaas komt als ketter op de brandstapel terecht. Vanaf dat momentverandert de houding van Uilenspiegel volkomen. Hij neemt zich voor de dood van zijnvader te wreken. Een terugkerend zinnetje is dan De as van Klaas klopt op mijn borst.De vrolijke zorgeloze Tijl is een gezworen vijand van de Spanjaarden en de katholiekekerk geworden.In het tweede deel trekt Tijl – samen met Lamme Goedzak, die op zoek is naar zijn
  52. 52. vrouw – door de Nederlanden en verleent hij als spion diensten aan Willem van Oranje.Zijn streken staan nu in dienst van een ideaal; zijn persoonlijke strijd is verbonden metdie van een volk.In het derde deel sluit Tijl zich aan bij de bosgeuzen en wreekt hij zich op de man diezijn vader Klaas heeft aangegeven bij de inquisitie.In het vierde deel zijn Tijl en Lamme Goedzak watergeuzen; in het vijfde deel vindtLamme zijn vrouw en vestigen Tijl en Nele zich na de Pacificatie van Gent (1576) inZeeland.
  53. 53. Tijl Uilenspiegel in DammeSinds mensenheugenis worden Damme en Tijl Uilenspiegel in één adem genoemd. Werd deschalkse held trouwens niet geboren in het Zwinstadje en stond hij er met zijn onafscheidelijkeNele en boertige Lamme Goedzak niet bekend als ontembare geus en fratsenmaker?Het beeld van Uilenspiegel als symbool van de Vlaamse volksziel is verrassend genoeg vrijnieuw. Het ontstond in het geniale brein van de Franstalige Brusselse romanschrijver CharlesDe Coster, auteur in 1867 van La Légende dUlenspiegel.De oorspronkelijke Uilenspiegel voert ons echter een heel ander personage ten tonele. Volgensrecente ontdekkingen ontsproot hij omstreeks 1500 uit de pen van Hermann Bote, een notoirestadsschrijver uit het Duitse Braunschweig. Voor Bote was Uilenspiegel een brutale schurk, diede regels van de welvoeglijkheid systematisch met de voeten trad en de wereld op zijn kopzette, kortom een zootje ongeregeld.De conservatieve auteur schreef voor de elite van zijn stad en wilde met zijn werk aantonen hoeeen samenleving zonder beschaving, beheerst door de uil als zinnebeeld van zonde en kwaad,ten onder zou gaan. Moraliserend hield hij zijn medeburgers een waarschuwende spiegel vooren pleitte voor recht en orde binnen de traditionele standenmaatschappij, zoals die door Godgewild was. Dit maatschappijbeeld was in die tijd zeker geen uitzondering.Zo schilderde Pieter Breughel in zijn Boerenbruiloft allerlei scènes die het best gemedenkonden worden en ook de humanist Erasmus wees in zijn Lof der Zotheid op de perversiteitvan de lagere klasse. En wat te denken over de spraakmakende schilderijen van JeroenBosch?Charles De Coster voerde in zijn roman een heel andere Uilenspiegel ten tonele. Hij is nu eenrasechte Vlaming, geboren en getogen in Damme. De scherpe kanten van de duivelse schurkwerden afgevlakt tot wat fratsen en schelmenstreken van een guitige grappenmaker.Toch was er meer. Omdat de asse van zijn vader Klaas op zijn borst klopte, groeide Tijl uit totde voorman van het gewapend verzet, telkens als zijn volk verdrukt werd. Hij nam het op tegende fanatieke en gehate Spaanse koning Filips II, zijn leeftijdsgenoot en zoon van Keizer Karel.Aan de zijde van de geuzen van Oranje streed hij tegen de gevreesde, katholieke inquisitie.Sindsdien werd Uilenspiegel misbruikt door alle mogelijke ideologieën en als symbool voor hunboodschap ingezet. In de boerenkrijg nam hij de zeis op tegen de sansculotten, in de EersteWereldoorlog werd hij als oprechte flamingant door de Duitsers gefusilleerd en enkelegeneraties later schaamteloos voor de kar van de nazis gespannen. Ieder zijn Uilenspiegel!Onze volksheld is ook de gedroomde hoofdpersoon van jeugdboeken en de vedette vanstripverhalen, held in films, theaterstukken, oratoria en liederen. Vrije radios en restaurantsdragen zijn naam. Er is Uilenspiegelkaas en Uilenspiegelbier. In het collectieve geheugenbekleedt hij een ereplaats naast figuren als Reinaert de Vos, Don Quichot, Figaro en andere.Zijn avonturen werden in vrijwel alle Europese landen vertaald.Telkens als Uilenspiegel verschijnt, gebeurt er iets! Hij zet de boel op stelten, draait de wereldop zijn kop en toont ons in zijn spiegel ons ware doen en laten.
  54. 54. Volksverhalen(http://nl.wikipedia.org/wiki/Tijl_Uilenspiegel)Er bestaan veel volksverhalen over Tijl Uilenspiegel.Hoe Uilenspiegel zich als smid verhuurdeUilenspiegel woonde bij een smid in Rostock, die tegen knechten die niet genoeg aanbliezen zei:hier met die blaasbalg. Toen dit tegen Uilenspiegel werd gezegd, liep hij de smid achterna naarde binnenplaats. Uilenspiegel biedt aan ook de andere blaasbalgen te halen, maar de smid draagthem op de blaasbalg terug te zetten. Voor straf wekt de smid zijn knechten zeven dagen lang elkenacht om middernacht. Hij gaat zelf weer slapen en Uilenspiegel vraagt waarom ze wakkergemaakt worden. De smid legt uit dat knechten maar de halve nacht op bed mogen liggen enUilenspiegel komt de volgende nacht met het bed aan zijn rug gebonden. Uilenspiegel legt uit dathet zijn gewoonte is dat het bed een halve nacht op hem ligt. De baas draagt op het bed terug opzijn plaats te zetten en Uilenspiegel moet daarboven uit het huis komen. Uilenspiegel zet het bedop zijn plaats, pakt een ladder en breekt het dak af. Als de smid op zolder gaat kijken, ziet hij water is gebeurd. Hij wil Uilenspiegel met een zwaard achterna gaan, maar de knechten leggen uitdat Uilenspiegel alleen maar heeft gedaan wat de smid heeft opgedragen.Hoe Uilenspiegel in Bamberg voor geld atUilenspiegel gaat van Neurenberg naar Bamberg en komt bij een herberg. De waardin vraagt ofhij iets wil eten en Uilenspiegel zegt arm te zijn en gratis eten verlangt. De waardin zegt dat zebij de slager en de bakker niks voor niets krijgt en legt uit dat je voor vierentwintig penning aande grote tafel eet. Eten aan de kleine tafels kost achttien penning en wie eet met haar gezin,betaalt twaalf penning. Uilenspiegel gaat aan de grote tafel zitten en eet zich vol. Als hij wilvertrekken, vraagt hij vierentwintig penning van de waardin. Hij zegt dat hij dood was gegaan alshij nog meer had gegeten en de waardin geeft toe dat hij voor vier man gegeten heeft. Ze stuurtUilenspiegel weg zonder dat hij moet betalen. Een gratis maaltijd is nog te doen, maar geldtoegeven wil ze niet. Uilenspiegel vertrekt zonder dank ontvangen te hebben.Tijl Uilenspiegel en de gierige pastoorTijl Uilenspiegel kwam in de stad Antwerpen waar een pastoor leefde die zo gierig was dat hijzijn voedsel met niemand wilde delen, zelfs niet met zijn parochianen die er tamelijk mager uitzagen. In plaats daarvan preekt de pastoor dat ze beter mager en hongerig kunnen zijn, dangulzig en inhalig. Tijl hoorde direct al wat de pastoor riep, maar hij kende dit soort mensen en hijbesloot de pastoor een lesje te leren. Hij vroeg aan de pastoor of hij bij hem kon werken alskoster. Dat vond de pastoor goed, want Tijl had zon sullige gezicht getrokken dat de pastoorgeloofde dat hij te dom was om hem te bedriegen. Tijl had op de eerste dag al het eten uit dekelder van de pastoor gestolen en op Pasen, toen het feest was, deelde Tijl als koster het eten aande hongerige parochianen in de kerk en buiten begonnen ze ervan te eten. Intussen had depastoor ontdekt dat Tijl zijn kelder had geplunderd. Hij was woest en hij eiste het eten terug. Tijlantwoordde daarop tegen de pastoor dat hij beter mager en sober kon zijn, dan gulzig en inhalig.De pastoor werd nog kwader, maar durfde niet tegen Tijl in te gaan.
  55. 55. Tijl Uilenspiegel bedriegt de adelTijl Uilenspiegel was in Gent en liet daar weten dat hij rond Gent zou vliegen. De adel vond datmooi om te zien en ze besluiten te gaan kijken. Tijl Uilenspiegel vraagt alvorens aan de rijke adelom goudstukken te geven. De adel betaalde en Tijl Uilenspiegel klom de kerktoren in en voordathij zou vliegen riep hij aan de adel dat hij dacht dat hij de enige gek van Gent was, maar hij weetnu dat de adel nog gekker is dan hijzelf. Zij gaven een gek die beweert te kunnen vliegen hungeld en komen dan ook nog kijken hoe die gek gaat vliegen. Daarom is de adel nog gekker danhijzelf. De adel schaamt zich hevig en kwamen tot de ontdekking dat ze inderdaad zot waren omeen gek te geloven. Zodoende kreeg Tijl een flinke som geld om zijn vliegkunst te tonen zonderdat hij ooit heeft gevlogen.Tijl Uilenspiegel en het beeld van Sint-MaartenTijl Uilenspiegel kwam in Oudenaarde waar hij in dienst treedt tot de legercommandant Korjuindie zon omvangrijke buik heeft dat Tijl goed besefte dat deze zich volpropt met eten. Korjuinmaakte van Tijl zijn huismeester, omdat hij naar het slagveld moet gaan om tegen de geuzen testrijden. Tijl ontdekte dat in de kelder een hoop heerlijke hammen, gebraden speenvarken,lammeren en reigerpasteien staan. Ook staan er een vat bier uit Antwerpen en ook een vat wijnuit Orleans. Hij stal al het eten uit de kelder en verstopte deze in de kerk waar hij heerlijk vansmikkelde. Een week later komt Korjuin terug en Tijl vertelde hem dat zijn kelder was beroofddoor de gemaskerde mannen die hem hadden gedwongen het eten te geven. Tijl geloofde dat hetgeuzen waren. Korjuin wilde weten waar de geuzen zijn. Tijl vertelde Korjuin dat zewaarschijnlijk in de kerk zitten, omdat ze daar veilig zijn van geweld. In de kerk mag geengeweld worden gepleegd. Korjuin ging naar de kerk en trof daar het eten aan bij het heilige beeldvan Sint-Maarten. Hij gelooft dat Sint-Maarten zijn eten heeft gestolen. Korjuin werd zo kwaaddat hij met zijn zwaard het hoofd van het heilige beeld van Sint-Maarten afhakte. Dat was eenzeer zware misdaad, een heiligschennis. Korjuin vreesde voor de inquisitie en Tijl raadde hemaan dat hij voor Sint-Maarten moet spelen, net zolang totdat zijn soldaten een nieuwe beeldhebben gemaakt.
  56. 56. Tijl UilenspiegelUit Wikipedia, de vrije encyclopedieAfbeelding uit 1515 Afbeelding uit 1519Sculptuur in Mölln, de voeten en duim zijn gladdoordat de mensen het beeld aanraken voor geluk.
  57. 57. Tijl Uilenspiegel is een personage uit Nederlands-Duitse folklore, die in Vlaanderenlegendarisch werd als de held in Charles de Costers roman. Volgens de legende was Uilenspiegeleen deugniet die vrij als een vogel in de zestiende eeuw door de Nederlanden en Duitsland (daarbekend als Till Eulenspiegel) trok en iedereen voor de gek hield met zijn streken.In De Costers roman wordt Uilenspiegel bijgestaan door zijn goedmoedige dikke vriend LammeGoedzak en zijn vriendin Nele. In De Costers verhalen heeft Tijl behalve zijn schelmenreputatieook de status van verzetsheld tegen de Spaanse bezetting van de Nederlanden in de 16e eeuw. Geschiedenis Hoewel Charles de Coster de in het Nederlandse taalgebied bekendste versie van het Uilenspiegel- personage heeft nagelaten, is Tijl toch geen vrucht van zijn verbeelding. De eerste verhalen over Tijl Uilenspiegel verschenen rond 1500 in Duitsland. Herman Bote, stadsklerk van Brunswijk, schreef een aantal grappige anekdotes over een personage genaamd "Dyl Ulenspeghel". Deze middeleeuwse Uilenspiegel verschilt op veel punten van de latere negentiende-eeuwse roman: de politieke en maatschappijkritische dimensie ontbreekt en de humor is veel platvloerser, op het vulgaire af. Zijn naam verklaart zijn talent mensen voor de gek te houden. De uil was toen nog een symbool van domheid (vandaar dat er op schilderijen van Jheronimus Bosch bij domme personages vaak een uil te zien is, vergelijk ook het woord uilskuiken en de Vlaamse uitdrukking "t is nogal een uil." (t is nogal een domkop)). De spiegel fungeert als ding waarin mensen zich zien zoals ze zijn: "zo dom als een uil". De schalkse Tijl laat de mensen zien zoals ze zijn, zonder enige schroom. Vandaar zijn naam, die hij zelf in de eerste paginas van het boek verklaart: "Ik ben ulieden spiegel," Ulen- spiegel. Het boek vormde de basis voor vele volksverhalen uit de zestiende eeuw over hetzelfde personage. In de Nederlanden werd tussen 1525 en 1547 in Antwerpen door Michiel van Hoochstraten het eerste boek over Tijl Uilenspiegel gedrukt . De volledige titel luidde: "Ulenspieghel, Van Ulenspieghels leven ende schimpelijcke wercken, en de wonderlijcke avontueren die hij hadde want hij en liet hem geen boeverie verdrieten".
  58. 58. De bekendste versie van het verhaal echter is die van de (Franstalige) Belgische auteur Charlesde Coster: "La Légende et les Aventures héroïques, joyeuses et glorieuses dUlenspiegel et deLamme Goedzak au pays de Flandres et ailleurs" (1867). De Coster laat Tijl geboren worden inhet West-Vlaamse Damme (de eerste zin van het boek luidt: "Toen de meimaand de bloemen vande meidoorn deed ontluiken, werd Uilenspiegel, de zoon van Klaas, in Damme geboren"). Tijlziet het levenslicht in 1527, op dezelfde dag als Filips II.De Tijl Uilenspiegel van De Coster is meer dan een luchthartige vagebond en kwajongen: hij iseen Vlaamse vrijheidsstrijder die aan de zijde van de Geuzen tegen de Spaanse overheersingvecht. Sindsdien wordt Uilenspiegel met Vlaanderen geassocieerd, hoewel de oorspronkelijke,middeleeuwse Uilenspiegel deze patriottische dimensie niet bezat. De eerste Nederlandsevertaling van De Costers bewerking verscheen in 1896.Tijl Uilenspiegel : Vlaams, liberaal, antiklerikaalCharles de Coster en de Vlaamse bewegingCharles de Coster werd in 1827 in München geboren als kind van een Waalse vader en eenVlaamse moeder. Hoewel hij Franstalig was, koesterde hij een grote sympathie voor de cultuuren volkstaal van Vlaanderen. Het idee voor zijn roman ontstond tijdens zijn studies aan deUniversité Libre de Bruxelles (ULB), waar zijn vriend Félicien Rops in 1856 een satiristischtijdschrift had opgericht: "Uylenspiegel. Journal des débats littéraires et politiques".De Tijl Uilenspiegel van Charles de Coster is, zoals we al eerder zagen, een vrijheiddsstrijder:een Vlaamse Ivanhoe of Willem Tell, die aan de zijde van de Geuzen tegen de Spaanseoverheersing vecht. De vermakelijke dialogen tussen de twee personages doen onmiskenbaardenken aan dat andere onsterfelijke meester-en-knecht-duo: Don Quichot en Sancho Panza.De in die jaren bloeiende Vlaamse Beweging, die ijverde voor het heropleven van de Vlaamsecultuur, sloot deze strijdbare, flamingante Tijl in haar hart. Zo werd de De Costers roman,contradictorisch genoeg, een Franstalige hulde aan Vlaanderen...Het liberalisme van Tijl UilenspiegelDe Tijl van Charles De Coster heeft een vrijzinnige, vrijgevochten levensvisie, net zoals zijnschepper, met een drang naar waarheid en eerlijkheid. En net zoals de schrijver zelf werd Tijl eensociaal-bewogen figuur, bezeten door een drang naar zelfbeschikking in een brede humanistischeinstelling.Een onverbeterlijke papenvreterDe antiklerikale elementen komen al in het begin van het boek aan bod als de pasgeboren Tijlmaar liefst zes keer gedoopt wordt op één dag.Toch is Tijl op zich geen godsdiensthater. Wel uit hij scherpe kritiek op de godsdienstoorlogen(het boek speelt zich af tijdens de hoogtijdagen van de Contrareformatie) en dekettervervolgingen die het land teisteren. Zijn vader komt op de brandstapel, verdacht vanLutherse sympathieën, de min Kathelijne verliest haar verstand na de vreselijke folteringen diezij, beschuldigd van hekserij, moet doormaken. Uilenspiegel observeert en klaagt het onrecht ende misbruiken van de inquisitie aan: een vrijbuiter die, letterlijk, god noch gebod kent: zoverhuurt hij zich bij de pastoor en steelt diens paard, en verkoopt hij paardenmest aan Joden, hen
  59. 59. wijsmakend dat het om profetische korrels gaat waarmee ze de wederkomst van de messias kunnen voorspellen. Gestraft en veroordeeld tot het maken van een bedevaart naar Rome neemt Tijl ook de paus zelf in het ootje! "Tijl Uilenspiegel" later herwerkt en bewerkt Het boek van Charles de Coster is bewerkt door vele andere auteurs:• Eén van de bekendste bewerkingen is de theaterversie die Hugo Claus in 1965 van de Uilenspiegel-legende maakte.• Willy Vandersteen maakte twee stripalbums rond Tijl Uilenspiegel, maar voegde er een vleugje van zijn eigen fantasie aan toe. Er wordt ook in de stripreeks Suske en Wiske een paar keer naar Uilenspiegel verwezen. In De stalen bloempot (1950) wandelen Lambik en Wiske langs de haven van Amoras, wanneer Lambik de knappe verwezenlijkingen van Vlamingen in het verleden begint te roemen, waaronder ook Tijl Uilenspiegel. Wiske merkt echter op: "Als je maar niet vergeet dat Lamme Goedzak de makker van Tijl Uilenspiegel was mag je voortpraten, Lambik." In De Krimson-crisis (1988) wordt Tijl Uilenspiegel naar het heden geflitst.• Richard Strauss schreef in 1896 het symfonisch gedicht (Till Eulenspiegels lustige Streiche), geïnspireerd op de legende.• In 1961 liep de Vlaamse tv-serie Tijl Uilenspiegel op de BRT.

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