Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November...
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  1. 1. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinRedemanuskript zum VortragFritz PleitgenVortrag 55. Jahresversammlung “Aktion Gemeinsinn”Am 27. November in Berlin, Jägerstraße 1Ethos in Medien und Werbung –gibt es das noch?Die Aktion Gemeinsinn hat mich gebeten, auf ihrerJahresversammlung über Ethik und Medien zu sprechen. Ichkomme dem Wunsch gerne nach, auch aus eigenem Interesse.Schließlich geht es um Prinzipien meines Journalistenberufs, diemir wichtig sind. Der Titel “Ethos in Medien” klingt akademischabstrakt, das Thema ist aber von konkreter Alltäglichkeit.Wie komme ich darauf? Die Medien sind ein bestimmenderFaktor unserer freiheitlichen Demokratien. Über sie erfahren wir,was um uns herum – nah oder fern – geschieht. Wie wir dieEreignisse und Vorgänge wahrnehmen und wie wir sie bewerten,ist im Wesentlichen Sache der Vermittlung. Ob seriös oderleichtfertig, sachlich oder reißerisch, gekonnt oder dilettantisch,die Herangehensweise hängt entscheidend vom Ethos der Medienab, die wir in Anspruch nehmen.Wenn die Medien ihre ethischen Grundsätze – Unabhängigkeit,Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Sachkunde und Glaubwürdigkeit –einhalten, dann ist die Versorgung der Bevölkerung mit derbestmöglichen Vielfalt an Informationen und Meinungengesichert. Selbst Ausfälle sind zu verkraften; sie würden durch das
  2. 2. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlindann immer noch üppige mediale Angebot – gedruckte Presse,Radio, Fernsehen, Internet – für die Bürgerinnen und Bürgerhinreichend kompensiert. Die Gefahr, einer politisch vorsortiertenEinheits-Information und Einheitsmeinung ausgeliefert zu sein, istbei uns nicht so schnell gegeben.Dennoch gilt es, wachsam zu sein und wachsam zu bleiben.Unfehlbar sind die Medien nicht, nicht einmal unumstritten. In derHitze des Wettbewerbs können sie sich leicht verrennen oder überdas Ziel hinausschießen. Und Selbstkritik gehört nicht zu ihrenstärksten Eigenschaften. Nehmen wir den Fall Christian Wulff.Der Niedersachse war nur kurz Präsident der BundesrepublikDeutschland. Zum Verhängnis wurde ihm seine Neigung, Vorteilein Anspruch zu nehmen, die mit seinen Ämtern alsMinisterpräsident oder später als Bundespräsident schwer oder garnicht in Einklang zu bringen waren, wie der Kredit für sein Hausoder Auslagen für Urlaube und Wochenendausflüge.Es war die Presse, die dem Bundespräsidenten auf die Schlichekam. Ihrem Auftrag entsprechend hat sie zu informieren undaufzuklären, Fehlentwicklungen aufzudecken undVerantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf die Finger zuschauen. Nicht immer geht es dabei mit Glacehandschuhen zu.Wenn etwas nicht koscher abgelaufen ist und die Presse nachfragt,dann pflegen Betroffene in den seltensten Fällen die Karten offenauf den Tisch zu legen. Eher versuchen sie, zu verschleiern oderzu mauern.Ratsam ist eine solche Taktik nicht. Wenn die Presse eine Spuraufgenommen hat, dann lässt sie nicht so leicht locker. Sie setztimmer wieder nach, klopft mit penetranter Beharrlichkeit auf denBusch. Das sorgt ständig für neue Schlagzeilen, was wiederum zurFolge hat, dass der strittige Fall nicht nur länger in der
  3. 3. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinöffentlichen Diskussion bleibt, sondern auch noch an Gewichtzunimmt.Beides dürfte kaum im Sinne der Betroffenen sein, wird aber oftgenug von ihnen selbst verursacht, in der Absicht, Schlimmeresfür sich zu verhüten. Das Interesse der Allgemeinheit ist ihnendabei nicht so wichtig. Das ist Sache der Presse. Das Ende ist fastimmer das gleiche. Es kommt heraus, was sich wirklich abgespielthat.So war es auch im Fall Wulff. Seine Verteidigungsstrategie warseltsam beschränkt. Statt Fehler souverän einzugestehen,versuchte er, ein stattliches Darlehen oder attraktiveUrlaubseinladungen als normale Freundschaftsleistungenherunterzuspielen. Die Rechnung ging nicht auf, stattdessenlieferte er der Presse reichlich neues Futter. Mit seinerHinhaltetaktik trug Christian Wulff selbst zum Bild desgewöhnlichen Schnäppchenjägers bei, den die große Mehrheit derBevölkerung nicht mehr als Bundespräsidenten haben wollte.Von seinem Amt zurückgetreten ist Christian Wulff schließlich,als die Staatsanwaltschaft Hannover ankündigte, einErmittlungsverfahren zu eröffnen. Der Druck der öffentlichenMeinung, den die Berichterstattung der Medien hervorgerufenhatte, wird die Initiative der Staatsanwaltschaft möglicherweisebefördert haben.Inzwischen haben wir mit Joachim Gauck längst einen neuenBundespräsidenten, mit dem die Bevölkerung überaus zufriedenist. Ende gut, alles gut? Nicht ganz! Die Verantwortlichen in denMedien haben durchaus Anlass, die Berichterstattung ihrerUnternehmungen selbstkritisch zu überprüfen. Gewiss, es ging um
  4. 4. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlindas höchste Amt im Staate. Aber im Rausch der Enthüllungenging die Verhältnismäßigkeit zuweilen arg verloren.Kapitale Vergehen waren nicht aufzudecken, es ging um eineReihe von Peinlichkeiten. Doch in den Nachrichten nahmenMeldungen zum Fall Wulff – mochten sie noch so unwesentlichsein – wochenlang Spitzenpositionen ein; selbst vor Ereignissenvon Weltrang oder nationaler Bedeutung.Genau genommen begingen die Medien in den Wochen der Affäreum den damaligen Bundespräsidenten in vielfacher Wiederholungfahrlässige Irreführung des Publikums. Die Gefahr wurdeheraufbeschworen, der Bundespräsident wolle die Pressefreiheiteinschränken, nachdem er auf der Mailbox eines Chefredakteursvon Krieg gesprochen hatte. Darauf führten sich Journalisten auf,als drohe ihnen das Schicksal des früheren russischen OligarchenChordokowski, den Putins Richter auf viele Jahre hinter Gitterbrachten.Doch was hatten sie vom Bundespräsidenten Christian Wulff zubefürchten? Konnte er ihnen die GSG 9 auf den Hals hetzen odersie ins Straflager schicken lassen? Wohl kaum! Höchstens in dieSansibar als Straflager auf Sylt. Wir leben nicht in PutinsRussland, noch nicht einmal in Berlusconis Italien und auch nichtim Frankreich von Sarkozy, der Chefredakteuren die Fressepolieren wollte. Wer wem bei uns die Fresse poliert, haben wir imFall Wulff gesehen.Die Presse in Deutschland hat einen mächtigen Beschützer. Das istdas Bundesverfassungsgericht. Wenn wir das Gefühl haben, diePressefreiheit könnte Schaden nehmen, haben wir dieMöglichkeit, nach Karlsruhe zu gehen, wenn der Fall bedeutend
  5. 5. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlingenug ist oder unsere Beschwerde in Instanzen vorher nichtangemessen behandelt wurde. Dies ist mehrfachgeschehen. Die Pressefreiheit ist dabei immer gestärktweggekommen.Im Fall Wulff legten die Talk Shows besonderen Eifer an den Tag.Dutzendfach nahmen sie sich der Causa an. Dadurch wurdenVorgänge abgedrängt, die wirklich an die Substanz unseresGemeinwesens gehen, wie das jahrelange Morden desNationalsozialistischen Untergrunds. Doch zu dieserJournalistenpflicht mochte man sich im Fernsehen nicht engagiertaufraffen. Die Soap Opera im Schloss Bellevue versprach beileichter Vorbereitung mehr Publikum als die arbeitsintensiveinvestigative Beschäftigung mit den rechtsradikalen Schandtaten.Der November scheint für hochrangige Politiker ein schwierigerMonat zu werden. In diesem Jahr hat sich die Presse den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück aufs Korn genommen. DieFälle sind nicht oder kaum miteinander vergleichbar. Steinbrückhat sich nicht aushalten lassen oder denen, die ihn angeheuerthatten, nach dem Mund geredet. Die hohen Honorare, die ihmgezahlt wurden, hat er nicht mit vorgehaltener Pistole gefordertund kassiert, sondern sie sind ihm als marktüblich überwiesenworden.Den Vorwurf, bei seinem Gewinnstreben sein politisches Mandatnicht voll wahrgenommen zu haben, hat er allerdings nicht beijedermann entkräften können. Insgesamt hat sein Fall die Chance,bald als eine Episode in den Hintergrund zu treten, falls nichtsNeues hinzukommt. Doch auch hier hat der Betroffene seinenBeitrag geleistet, die Sache höher zu spielen. Als die ersten Fragenkamen, hat der Kanzlerkandidat zunächst offensiv gemauert, stattgleich – so weit er es konnte - alle Karten auf den Tisch zu legen.
  6. 6. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinDie Bemerkung, dieses oder jenes ginge niemanden etwas an,verfängt bei der Presse nicht. Sie ist weder barmherzig nochzartfühlend. Selbst reflektierend ist sie auch nicht immer, sonsthätte sie zur Relativierung der Verhältnisse darauf hingewiesen,dass renommierte Journalisten noch höhere Honorare für ihreVorträge verbuchen können. Darunter auch Kollegen, die ihreBekanntheit mit Hilfe öffentlicher Gelder erlangten.Die Presse – mit diesem Begriff meine ich alle Medien, also auchRundfunk und Internet – ist nicht abzuschütteln, wenn sie einenFall riecht. Für die Betroffenen kann das zum Fegefeuer werden.Nehmen wir den Fall des Duisburger Oberbürgermeister AdolfSauerland. Er hat bei der Loveparade-Tragödie 2010, bei der 21junge Menschen das Leben verloren, eine klägliche Rolle gespielt.Sauerland hatte die Loveparade für seine Stadt haben wollen, aberer war es nicht allein. Fast alle hatten die Veranstaltung alsAttraktion für junge Menschen gut geheißen: der damaligeMinisterpräsident, seine Nachfolgerin, der jetzige Innenminister,die Medien und auch wir von der Kulturhauptstadt Europas 2010“Essen für das Ruhrgebiet”. Einzig der frühere Polizeichef warnte.Doch als die entscheidenden Gespräche über die Organisationgeführt wurden, waren derartige Warnungen oder Einwendungennicht erhoben worden. Als dann das Unglück geschah, wurdeAdolf Sauerland als der Alleinschuldige an den Pranger gestellt.Dass die Staatsanwaltschaft keine Handhabe sah, ihn strafrechtlichzu verfolgen, spielte keine Rolle. Die Presse ließ nicht locker, bisSauerland abgewählt war.Dabei wäre Selbstkritik angebracht gewesen, denn auch die Pressehatte versagt. Sie hatte sich nicht nur für die Loveparade
  7. 7. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlineingesetzt, sie hatte auch die Vorbereitungen intensiv verfolgt. Zuihrer Aufgabe hätte es gehört, auf Schwachstellen aufmerksam zumachen. Nichts davon! Weder im Rundfunk noch in denZeitungen wurde auf mögliche Gefahren aufmerksam gemacht.Dabei hatte die Presse den Ort des Geschehens vorher besichtigt,aber nichts Bedrohliches festgestellt. Nachdem die Katastrophegeschehen war, wusste sie allerdings, dass der Tunnel zurTodesfalle werden musste. Vorher dazu – wie gesagt – kein Wort!Statt allein die Spur zum Oberbürgermeister zu verfolgen, wäre esgerade bei einer Katastrophe vom Ausmaß der Loveparade 2010notwendig gewesen, den ganzen Hergang akribisch auszuleuchten.So wird das Gerichtsverfahren abzuwarten sein. Ausgang offen!Adolf Sauerland wird nicht zu den Angeklagten gehören. Dasspricht ihn nicht von der moralischen Verantwortung frei.Die Medien werden gerne als die “Vierte Gewalt” im Staatbezeichnet. Ursprünglich stammt der Ausdruck von dembritischen Staatsphilosophen Edmund Burke. Bereits im Jahr 1774hatte er in einer Parlamentsrede von der “Vierten Gewalt” im Staatgesprochen, die er als wichtigste Gewalt im Staat ansah.Das Verständnis der Medien als “Vierte Gewalt” ist heute nochweit verbreitet. Dabei wird die Ansicht vertreten, die Medien seienim rechtstaatlichen Prinzip der Gewaltenteilung die “VierteGewalt”, weil sie die wesentliche und oft einzige Einrichtungdarstellten, die zu neuen Impulsen und vor allem zur Kontrolle derStaatsgewalten in der Lage sei.Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Medien sind, wenn sieunabhängig agieren können, eine wirkungsvolle Kontroll-Instanz.Daran besteht kein Zweifel. Durch ihre Berichterstattung tragen
  8. 8. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinsie in zweierlei Hinsicht zum Funktionieren des demokratischenSystems bei. Auf der einen Seite überwachen sie durch intensiveRecherchen und Hintergrundinformationen die Tätigkeit vonPolitikern und anderen Verantwortlichen in unserem Staat.Auf der anderen Seite bilden sie die Schnittstelle zwischen denRegierenden und den Wählern, indem sie über politische Inhalte,Entscheidungen und Planungen berichten und dadurch dieBevölkerung über die Vorstellungen der politischVerantwortlichen in Kenntnis setzen. Kurzum: Medieninformieren, damit sich die Bürger souverän ihre eigenen Urteilebilden können.Doch reicht dies, um sie als “Vierte Gewalt” im Staat zuverstehen? Ich meine nein! Im Grundgesetz der BundesrepublikDeutschland findet sich hierzu kein Wort. Presse und Rundfunkwerden weder zu den drei Gewalten – Legislative, Exekutive undJudikative – direkt in Bezug gesetzt noch als “Vierte Gewalt” imSinne einer Kontrollinstanz bezeichnet.Dies ist auch nicht nötig. Es reicht, dass die Medien die volleTeilnahme und Mitwirkung der Bevölkerung am politischenLeben ermöglichen. Dafür müssen die Voraussetzungen stimmen,was der französische Publizist Louis Terrenoire auf die Formelgebracht hat: “Die Presse muss schreiben können, was sie will,damit gewisse Leute nicht tun können, was sie wollen.”Dürfen die Medien veröffentlichen, was sie wollen?Uneingeschränkt ja, wenn die zur Veröffentlichung vorgesehenenVorgänge sauber recherchiert sind und der wahrheitsgemäßenInformation und Aufklärung der Bevölkerung dienen. Zu beachtenist in jedem Fall die Wahrung der Menschenwürde, die aber auchnicht als undurchdringlicher Schutz von fragwürdigenMachenschaften herhalten darf.
  9. 9. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinIn den Statuten der Verlage und Rundfunkanstalten wie auch desPresserates sind die Regeln beschrieben, die bei derBerichterstattung zu beachten sind. Unlautere Methoden bei derRecherche sollten unterbleiben, ebenso Ehrverletzungen undVerletzungen von religiösen oder weltanschaulichenÜberzeugungen. Unbestätigte Meldungen müssen erkennbar sein.Was falsch dargestellt wurde, sollte umgehend richtig gestelltwerden.Alles schön und gut, aber die Grenzen sind fließend. FürInterpretationen bleibt da viel Platz. Insbesondere für ausgefuchsteJuristen, wissen das zu nutzen. Der Presserat, eingerichtet vonVerlagen und Journalistenverbänden, kann gegen diese Machtkaum oder gar nichts ausrichten, wenn er grobe Regelverletzungenmissbilligt. Die Mitglieder ziehen gegen solche Missbilligungenalle Register. Im Namen der Pressefreiheit setzen sie sich gegendrohende oder ausgesprochene Rügen zur Wehr setzen.Medien sind weder himmlische Einrichtungen noch des Teufels.Sie sind Menschenwerk – mit Stärken und Schwächen. Wenn sieden nötigen Spielraum haben, sind sie Beschützer und Motoren fürdie Entwicklung erfolgreicher Demokratien. Hinzu gekommen istEnde des letzten Jahrtausends das Internet.Das Internet ist per se ein demokratisches Medium. Es bietettheoretisch allen Menschen Zugang zu einem Universum anInformationen. Früher war mediale Öffentlichkeit mehr oderweniger auf die Territorien innerhalb von Staatsgrenzenbeschränkt. Heute leben wir im Global Village. Im digitalenZeitalter sind Zugang und Verbreitung von Informationendemokratisiert.
  10. 10. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinJeder kann sich mit seinen Ideen und Aussagen – ohne großeMühen und Kosten – an die globale Öffentlichkeit wenden und umUnterstützung werben, wie das beim Arabischen Frühlinggeschehen ist oder gegenwärtig in Syrien passiert. DieBevölkerungen lassen sich nicht mehr so leicht wie früher unterKontrolle halten, was Diktaturen und autoritäre Regime sehrbeunruhigt. In ihrer Furcht, die Macht zu verlieren, greifen sie zurigiden Maßnahmen. Sie errichten im Internet Brandmauern, sogenannte Firewalls. Auf die Dauer wird es den Mauerbauern abernicht helfen.Der Zugang zu Informationen ist noch nie so schnell, so einfachund kostengünstig gewesen wie heute und in Zukunft. Doch esgibt auch Schattenseiten. Das soziale Netzwerk Facebook verfügtüber mehr Daten von mehr Menschen als sie irgendeine Dikaturauf Erden besitzt, was nicht beruhigend ist. Risikofrei ist dasInternetangebot auch sonst nicht. Es bietet nicht nur alleWahrheiten, sondern auch alle Lügen dieser Welt feil. Zuerkennen ist das häufig nicht.Um trotzdem der ungeheuren Informationsflut Herr zu werden,sollte schon früh in der Schule Medienkompetenz gelehrt werden.Für die Heranbildung zu mündigen Staatsbürgern wäre das einewertvolle Hilfe. Kurz und gut: wenn man die Medien richtig zunutzen versteht, dann lässt sich mit ihrer Hilfe ein guterdemokratischer und prosperierender Staat machen, der sich in derweltweiten Konkurrenz sicher behauptet.Zu dieser Erkenntnis ist der Vater der amerikanischenUnabhängigkeitserklärung, Thomas Jefferson, bereits gekommen,als die Verfassung der USA ausgearbeitet wurde.Damals – um 1790 – erklärte er, wenn er die Wahl hätte zwischeneiner Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne Regierung,
  11. 11. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinwürde er das Zweite wählen. Entsprechend fand in deramerikanischen Verfassung die Pressefreiheit neben derReligions- und Meinungsfreiheit gleich im First Amendment ihrenPlatz.Was Jefferson erklärte, war eine kühne Feststellung für das 18.Jahrhundert, als in Deutschland und Europa Fürsten, Könige undZaren für ihre jeweiligen Territorien das alleinige Sagen hatten.Jeffersons Postulat wäre im Übrigen auch heute noch eine kühneForderung. Später als Präsident hat er sich allerdings häufig überdie Presse beschwert, nicht selten mit Grund, denn die ebenbeschriebenen selbst entwickelten Regeln des Journalismus gab esnoch nicht. Stattdessen wurde nach Herzenslust diffamiert.Angesichts der Vielzahl der Zeitungen, die im Übrigen nur kleineAuflagen hatten, waren die Verunglimpfungen zu verkraften.Jefferson wurde jedenfalls wiedergewählt.Da ich nun tief in die Presse-Geschichte geraten bin, möchte ichdas europäische Licht nicht ganz unter den Scheffel stellen. Seinemodernen Ideen hatte Thomas Jefferson vom Alten Kontinentmitgebracht. Was die Rolle der Presse anging, kamen die stärkstenImpulse aus England. Edmund Burke habe ich bereits erwähnt.Bereits vor ihm, im 17. und 18. Jahrhundert, entwickelte sich mitder Idee der Aufklärung die Überzeugung, dass zum Wesen desMenschen auch die Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheitals überstaatliche Menschenrechte gehören. Die damalsexistierende kirchlich-staatliche Pressezensur wurde mehr undmehr als eine unwürdige Bevormundung geistig freier Menschenempfunden.Als wichtigstes Instrument zur Durchsetzung vonMenschenrechten und Mitbestimmung galt das Grundrecht auf
  12. 12. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinPressefreiheit. Als erster moderner Staat hat demzufolge Englandseinen Bürgern Pressefreiheit gewährt, in dem es 1695 dasabgelaufene Zensurstatut nicht verlängerte. Das englische Vorbildstrahlte in die Neue Welt hinaus. Wir in Deutschland hinktendieser Entwicklung um Jahrhunderte hinterher. Die Pressefreiheitvon heute haben wir den fürchterlichen Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur und der klugen Politik der Westalliierten zu verdanken.Insbesondere die Amerikaner und Briten legten nach dem ZweitenWeltkrieg Wert darauf, dass sich neben dem wirtschaftlichenAufbau des materiell und moralisch völlig zerstörten Deutschlandsauch ein krisenfestes demokratisches Bewusstsein in unseremLand entwickelt. Um dies zu gewährleisten, wurde eine kräftigeunabhängige Qualitätspresse und ein ebenfalls unabhängiger,leistungsstarker Rundfunk als unbedingt erforderlich angesehen.“Die Skandale sind auch nicht mir das, was sie mal waren,”sagte mir ein herausragender Politiker vergangener Jahre. Ermeinte Fälle wie den Parteispendenskandal, über den derehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Ehrenvorsitz in derCDU verlor und trotzdem nicht damit herausrückte, woher dasGeld gekommen war. Von der Qualität hat die Bundespolitik imneuen Jahrtausend nichts Gleichwertiges an Skandalen zu bietengehabt.Das meint auch der Journalist Matthias Kepplinger, der imBerliner Tagesspiegel an die Starfighter- und SPIEGEL-Affäreerinnerte und fast resigniert feststellte, dass man sich alsinvestigativer Journalist heutzutage mit privat genutztenBonusmeilen und einem fliegenden Minister-Teppich begnügenmüsste. Auch in den Vereinigten Staaten registrierte der Kollege,was Skandale angeht, einen starken “Qualitätseinbruch”. Um einImpeachment, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den
  13. 13. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinPräsidenten einzuleiten, bedurfte es vor 40 Jahren im Watergate-Skandal krimineller Taten wie den Einbruch beim politischenGegner und illegal abgehörter Gespräche im Weißen Haus, späterreichte eine Liebesaffäre des Präsidenten.Es wird bei Skandalen mit zweierlei Maß gemessen. DenUnterschied macht die Presse, je nachdem wie engagiert sie zuWerke geht. Was den einen Politiker wegen Vorteilsnahme zumRücktritt zwingt, kann den anderen ungeschoren lassen. MatthiasKepplinger hat für die unterschiedlichen Reaktionen undWirkungen schlagende Beispiele parat. Die Ehec-Infektionen mit50 Todesopfern hielt die Republik für Monate in Atem. Berichte,dass jährlich zwischen 10 000 und 20 000 Menschen anInfektionen sterben, die sie sich in Krankenhäusern zugezogenhaben, wurden hingegen gleichmütig hingenommen.Wozu hyper-aktive Berichterstattung führen kann, belegt die BSE-Affäre. Nur 0, 004 Prozent der getesteten Rinder hatte den Infekt.Die Dramatisierung durch die Medien hatte weit reichendeFolgen. 80 000 vermutlich gesunde Tiere wurden getötet. DerVerkauf von Rindfleisch brach um 50 Prozent ein. Der Verlustging in die Milliarde. Dabei sei es gefährlicher zu heiraten alsRindfleisch zu essen, konstatierte Kepplinger trocken. Man werdeeher durch seinen eigenen Partner ermordet als dass man durchRindfleisch ums Leben komme.Die Medien haben Missstände aufzudecken. Je mehr sie daserreichen, desto mehr schaffen sie Stoff für Skandale. Das mussnicht gegen den Zustand des jeweiligen Staates sprechen, sonderneher für die Leistungsfähigkeit der Medien, was wiederum demStaat und seiner Bevölkerung zugute kommt, denn dadurchkönnen Missstände beseitigt werden. So haben wir das scheinbare
  14. 14. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinParadox, dass es die meisten und größten Missstände in denLändern mit den wenigsten Skandalen gibt.Die Medien nehmen ein Wächteramt wahr. Dies erforderthöchstes Verantwortungsbewusstsein und handwerklichesKönnen. Dilettantismus und Fahrlässigkeit können viel Unheilanrichten. Politikverdrossenheit ist für eine demokratischeGesellschaft eine gefährliche Entwicklung. Daran tragen nachmeiner Beobachtung nicht allein die Politiker selbst Schuld. Auchdie Medien haben ihren Anteil.Mit Unbehagen verfolge ich, wenn Kampagnen ausbrechen, diedie Politiker generell als eine geltungssüchtige, inkompetente undraffgierige Kaste aussehen lassen. Wenn es um Diäten geht, ist mitKommentaren dieser Art zuverlässig zu rechnen. Dass die eigeneBranche selbst gerne Vergünstigungen – wie beim Autokauf, beiBahnfahrten, Flugreisen und Urlaubsaufenthalten – in Anspruchnimmt, wird nur gelegentlich und dann recht rücksichtsvollthematisiert.Jürgen Leinemann, langjähriger SPIEGEL-Autor, hat vonJournalisten ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst und ihremBeruf, einen bewussten Umgang mit der eigenen Subjektivitäteingefordert. Dies solle selbst auferlegte Pflicht sein. Wie sichJournalisten zur Macht und gegenüber Mächtigen verhalten, dassei nicht nur individuell relevant, sondern habe auch politischeFolgen. Schließlich hat er uns von den Medien eine schöneGedichtzeile von Peter Rühmkorf ins Stammbuch geschrieben:“Bleib erschütterbar und widersteh!”Oft wird bei uns von mutigem Journalismus gesprochen, leiderauch von der eigenen Branche. In Deutschland braucht keinJournalist besonderen Mut, um seinen Beruf auszuüben, erst recht
  15. 15. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinnicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unsereins ist geschütztdurch Redakteurausschüssen, Personalräte und Gerichte. Das ist inanderen Ländern nicht der Fall. Da kann investigativeBerichterstattung den Verlust der Freiheit oder des Lebens kosten.Entweder durch den Staat oder durch kriminelle Organisationenwie die Mafia.Medien haben ihren Spielraum verantwortungsvoll zu nutzen.Verantwortungsvoll! Manchmal habe ich den Eindruck, dass trotzallem guten Willen aus Fahrlässigkeit bedenkliche Stimmungen inunserem Land erzeugt werden. So ist zu beobachten, dass inkritischen Situationen in unserer scheinbar weltoffenenBevölkerung nationalistische Verhaltensweisen auftauchen. Dienun schon lange währende Schuldenkrise in der Eurozone liefertein solches Beispiel. Was über die Länder und ihre Menschengesagt wird, die ihre Probleme trotz Hilfen bislang nichtgemeistert haben, atmet zuweilen wenig Respekt und Verständnis.Leider werden solche Sichtweisen durch unbedachte und vorlauteÄußerungen von Politikern hervorgerufen und bestärkt, vonKommentaren in den Medien ganz zu schweigen. Aberzunehmend beschleicht mich der Verdacht, dass dazu auch daswichtigste Element des Journalismus erheblich beiträgt: dieNachrichten.Nachrichten gelten als objektiv, Nachrichten werden als bareMünze genommen, bei Nachrichten geht man davon aus, dass siedas wahre Bild des Geschehens vom Tage widerspiegeln. Dochleider trifft das nicht zu. In den Nachrichten hat das NationaleVorrang vor dem Internationalen, das Interessantere vor demTrocken-Bedeutsamen. Beim Fall Wulff haben völligunbeachtliche Bemerkungen politischer Hinterbänkler spielendwichtige Vorgänge von den vorderen Plätzen verdrängt. Auswahl
  16. 16. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinund Rangordnung der Themen lassen beim Konsumentenunbewusst Deutschland als Nabel der Welt erscheinen.Bei internationalen Veranstaltungen, wie Gipfeltreffen der Staats-und Regierungschefs oder Zusammenkünfte der Finanzministerwird die deutsche Rolle so dominant dargestellt, dass diePositionen und Argumente der anderen Teilnehmer wieRanderscheinungen wirken. Wenn man sich dann im Fernsehenoder in Zeitungen Englands, Frankreichs oder Spaniens zusätzlichinformiert, glaubt man sich auf der falschen Beerdigung. So wirddas schwer mit dem europäischen Bewusstsein, denn in anderenLändern wird in gleicher Weise verfahren. Mein Traum wäredeshalb, die Tagesschau würde uns täglich – meinetwegen aufPhoenix – 30 Minuten oder eine Stunde Weltnachrichten liefern.Dann hätten wir das ganze Bild.Da wir gerade beim Ausland sind, komme ich nicht daran vorbei,ethische Entgleisungen der Medien in England, dem Mutterlandder freien Presse, zu beklagen. Reporter der auflagenstarken undmit Premier Cameron verbandelten News of the World werdenbeschuldigt, Polizeibeamte bestochen und Mailboxen vonMitgliedern des Königshauses und Terroropfern abgehört zuhaben. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Es ist zuhoffen, dass diese Kommission nicht zu Ergebnissen kommt, diedie Pressefreiheit einschränken könnten. Das könnte Rückwirkungauf andere Länder haben, auch auf uns. Wollen wir es nichthoffen.Der Zeitpunkt ist nicht besonders günstig. Ein weiterer Skandalhat das Ansehen der britischen Medien zusätzlich beschädigt. Diehoch angesehene BBC musste eingestehen, Informationen übereinen prominenten Mitarbeiter, der Hunderte Kinder missbrauchthaben soll, zurückgehalten zu haben. Die unerträgliche Sache
  17. 17. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in Berlinwurde noch dadurch verschlimmert, weil der Sender andererseitseinen Politiker völlig ungerechtfertigt in den Verdacht desgleichen Delikts brachte. Die Krise wird sicher überwunden, aberder Ansehensverlust wird auf lange Zeit nicht wettzumachen sein.Aber auch in Deutschland gibt es schlechte Nachrichten. Nichtwegen ethischen Versagens, sondern wegen wirtschaftlicherProbleme. Die Frankfurter Rundschau, die Financial TimesDeutschland und das Magazin Prinz müssen aufgeben. Andererenommierte Zeitungen sind ebenfalls in Schwierigkeiten. Kannunter diesen Umständen guter Journalismus überleben?Die ZEIT hat in ihrer jetzigen Ausgabe diese Frage Deutschlandswichtigsten Medienmachern gestellt. Die Auskünfte sinderstaunlich optimistisch. Der Tenor lautet:Kompetenz, Glaubwürdigkeit, sorgfältige Recherche, gekonnteAufbereitung und festes Rückgrat sichern das Überleben.Voraussetzung ist, dass nicht nur auf Papier, sondern auch onlinebester Journalismus geboten wird.Das Gleiche gilt für die audiovisuellen Medien. Wenn das befolgtwird, ist tatsächlich – wie eine Schlagzeile verspricht– nochreichlich Zukunft da. Das Schöne daran ist: laut ZEIT haben wirheute schon, was Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeitangeht – die vielleicht beste Medienlandschaft der Welt. Eineschöne Ansage! So lässt sich auch die Frage Ihrer Tagungbeantworten: Ethos in Medien – gibt es das noch? Ja, das gibt esnoch. Nicht immer und überall, aber in Deutschland vorwiegend.Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!VerfasserDr. h.c. Fritz PleitgenIntendant a.D. des Westdeutschen RundfunksWDR, Köln, Präsident der Deutschen Krebshilfe
  18. 18. Ethos in Medien und Werbung – gibt´s das noch?“Eine Tagung zum 55-jährigen Bestehen der Aktion Gemeinsinn e.V.27. November 2012 in BerlinAnschrift des Veranstalters:Aktion Gemeinsinn e.V.Am Hofgarten 1053113 Bonninfo@gemeinsinn.dewww.gemeinsinn.deTel. 0228 222306

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