Kolleg 88<br />Kulturfrühstück am 9.Juni 2009<br />Thema: “Das BösealsVorraussetzungzumGuten”<br />Referent: Prof.Dr.Wolfg...
Zitate<br />&quot;Das GUTE, dieser Satz steht fest, ist stets das BÖSE, was man lässt!&quot; (Wilhelm Busch) <br />„Es gib...
Es sollenfolgendeTeilinhalteangesprochenwerden:<br /> Der Umgang des jenseitsorientiertenCHRISTENTUMS mit dem sogenannten ...
Frage und Ziel des Vortrags:<br />Wie können wir erkennen, dass wir die &quot;dunklen&quot; und &quot;destruktiven&quot; K...
HistorischerAbriss:<br />Seit der FRÜHZEIT der Menschheitsgeschichte finden wir Vorstellungen eines &quot;Jenseits&quot;, ...
Darstellung des ARSCHAISCHEN Weltbildes:<br />Es geht um die Polarität ,,Diesseits versus Jenseits&quot;; dabei gilt defin...
WELTBILDER sind zählebig und werden vom „Kollektiv&quot; getragen, betrachtet und beurteilt: <br />Sie sind bereits in der...
Vom FRÜH- um SPÄT-archaischenWeltbild:<br />Mit der Zunahme des WISSENS und KÖNNENS sowie der allgemeinen BEWUSSTHEIT im L...
Vom FRÜH- um SPÄT-archaischenWeltbild:<br />Der HIMMEL mit seinen metaphysischen Wesen rückte im spätarchaischen Stadium <...
Die dreifache „Lebenshilfe“ der metaphysischen Religionen:<br />Es geht um die drei Säulen:     OPFER,                    ...
Die dreifache „Lebenshilfe“ der metaphysischen Religionen:<br />Neben den „Zeichen&quot; gab es auch direkte Offenbarungen...
Das vor ca. 2000 Jahren in Jesus von Nazareth &quot;geschehene Heil&quot; wird im heutigen CHRISTENTUM wieder &quot;realpr...
Die dreiKränkungen:<br />Das heißt zur ersten steht unsere ERDE nicht im Mittelpunkt des Kosmos, sondern ist nur ein winzi...
Positivismus:<br />Das archaische Weltbild wurde im 20. Jh. meist vom POSITIVISMUS ersetzt. <br />       Darin ist alles G...
&quot;Gott&quot; und &quot;Teufel&quot; waren im Archaischen noch eine Gestalt, die jedoch später in zwei mit entgegengese...
GEGENSÄTZE, die die abendländische Kultur einst prägten:<br />Conrad Ferdinand MEYER (1825-1898): <br />                  ...
GEGENSÄTZE, die die abendländische Kultur einst prägten:<br />Psychologisch heißt das im Sinne des PATRIARCHlATS: auf FRAU...
SATAN: Der Mythos vom „Engelssturz“<br />Der Maler Hieronymus BOSCH (1450-1516) schuf das Triptychon &quot;Jüngstes Gerich...
AUGUSTINUS:<br /> Auch Augustinus (354-430 n.Chr.) befasst sich mit der Herkunft des ,,Bösen&quot;: <br />        Das „Bös...
TIEFENPSYCHOLOGIE und die neue Deutung des Mythos vom „Engelssturz“<br />C.G. JUNG verwirft nicht die alten Mythen wie der...
TIEFENPSYCHOLOGIE und die neue Deutung des Mythos vom „Engelssturz“<br />Das Resultat: Die abendländische Kultur wurde &qu...
Die TIEFENPSYCHOLOGIE, der „Teufel“ und das „Böse“:<br />Das ZIEL ist ein neues Verständnis für innerpsychische ERFAHRUNGE...
C.G.JUNG und die menschliche Religiösität<br />Jung betrachtete die ,,Entmythologisierung&quot; BULTMANNs als etwas &quot;...
C.G.JUNG und die menschliche Religiösität<br />An die Stelle des &quot;persönlichen Führergottes&quot; der Alten trat bei ...
Die Tiefenpsychologie vor der Frage nach dem „Bösen“<br />Frage: Was ist &quot;GUT&quot;, was ist &quot;BÖSE&quot;? <br />...
GOTT und das neue Fundament von GUT und BÖSE<br />&quot;Gut&quot; und &quot;Böse&quot; haben keine Existenz außerhalb des ...
GOTT und das „BÖSE“ – das Problem der „Theodizee“<br />Die Lehre von &quot;Gott&quot; und dem &quot;Teufel&quot; ist volle...
Frage: Wie variabel sind GUT und BÖSE ?<br />Es gibt empirisch nachweisbar anthropologische KONSTANTEN von &quot;Gut&quot;...
Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Frage: Wie entsteht der &quot;Schatten&quot; ? <br />Mit dem Aufbau d...
Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Das ZIEL der zweiten Lebenshälfte ist nach JUNG: <br />         die b...
Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Mit dieser ETHIK ist der Einzelne nicht mehr nur der „Kollektivmoral ...
Der KOLLEKTIVE Schatten und der „Teufel“<br />Da der Mensch ein Gruppenmitglied ist, besitzt er nicht nur einen PERSÖNLICH...
Die Gestalt des CHRISTLICHEN „Teufels“<br />Der christliche Teufel ist ein Produkt aus:: <br />                           ...
Die Gestalt des CHRISTLICHEN „Teufels“<br />Im christlichen Schatten liegt zudem die AGGRESSION, die mit der „Selbstbehaup...
Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />Zur Frage des UMGANGS mit dem &quot;Schatten&quot; stehen uns 3 Möglichkeiten zur Verfügu...
Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />(3): INTEGRATION des Schattens <br />Vorweg: Das Problem der &quot;Schattenintegration&qu...
Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />Der ÄLTERE beneidet den JÜNGEREN nicht so sehr um seine schattenhaften Abenteuer und Erle...
Das INNEN und AUSSEN<br />Wenn nun ein KOLLEKTIV (soziale Umwelt!) der Ansicht ist, es vertrete den &quot;göttlichen Wille...
Fazit:<br />Erst mit erfolgreicher INTEGRATION des Schattens kann eine: „Abrundung&quot; und „Ausreifung&quot; der PERSÖNL...
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Das Boese als Voraussetzung zum Guten

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Philosophischer Exkurs: "Das Boese als Voraussetzung zum Guten"

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Das Boese als Voraussetzung zum Guten

  1. 1. Kolleg 88<br />Kulturfrühstück am 9.Juni 2009<br />Thema: “Das BösealsVorraussetzungzumGuten”<br />Referent: Prof.Dr.Wolfgang Kinkel<br />(Präsentation von H.Kottke)<br />
  2. 2. Zitate<br />&quot;Das GUTE, dieser Satz steht fest, ist stets das BÖSE, was man lässt!&quot; (Wilhelm Busch) <br />„Es gibt nichts GUTES, außer man tut es!&quot; (Erich Kästner) <br />„…ich bin stets jene Kraft die das BÖSE will, jedoch das GUTE schafft!&quot; (J. W. Goethe/Faust I) <br />
  3. 3. Es sollenfolgendeTeilinhalteangesprochenwerden:<br /> Der Umgang des jenseitsorientiertenCHRISTENTUMS mit dem sogenannten &quot;Bösen&quot;. <br />Das Persönlichkeitsmodell des Tiefenpsychologen C.G. JUNG als Alternative für eine diesseitsorientierteReligion. <br />Die eigenverantwortIiche Persönlichkeitsentwicklung als Weg zu einer humanen und psychisch gesunden GrundeinsteIlung. <br />
  4. 4. Frage und Ziel des Vortrags:<br />Wie können wir erkennen, dass wir die &quot;dunklen&quot; und &quot;destruktiven&quot; Kräfte brauchen, um die &quot;konstruktive, positive Seite&quot; in uns zu zeigen und einsetzen zu können? <br />Es geht auch darum, was das CHRISTENTUM &quot;verteufelt&quot; hat, und was damit verloren gegangen ist; das heißt: <br /> es soll gezeigt werden, wie es dazu kam (und noch immer kommt!), dass so viel Lebensförderndes abgelehnt wurde und unkultiviert blieb! <br />
  5. 5. HistorischerAbriss:<br />Seit der FRÜHZEIT der Menschheitsgeschichte finden wir Vorstellungen eines &quot;Jenseits&quot;, das von &quot;guten&quot; und &quot;bösen&quot; Wesen bevölkert ist. <br />  <br />Während in polytheistischen Kulturen die jenseitigen Mächte: sowohl &quot;gut&quot; <br /> als &quot;böse„<br /> sein können, wird im traditionellen Monotheismus (Christentum, Islam, Judentum) das &quot;Gute&quot; GOTT und <br /> das &quot;Böse&quot; dem TEUFEL <br /> zugeordnet, <br /> wobei eindeutig festgelegt zu sein scheint, was als &quot;gut&quot; und <br /> was als &quot;böse&quot; <br /> zu gelten hat! <br />Der TEUFEL (das verdinglichte Böse!) symbolisiert all das, was z.B. unsere christliche Kultur als &quot;verwerflich&quot; betrachtet! <br />
  6. 6. Darstellung des ARSCHAISCHEN Weltbildes:<br />Es geht um die Polarität ,,Diesseits versus Jenseits&quot;; dabei gilt definitorisch: <br /> -&gt; &quot;Archaisch&quot;: ursprünglich, anfänglich <br /> -&gt; &quot;Weltbild&quot; : Bewusstseinszustand im Sinne der &quot;Tiefenpsychologie&quot;&apos; <br /> Diese „Archaiker&quot; verstehen sich: <br /> entweder als traditionelle Christen <br /> oder als sogenannte „Neuheiden&quot; wie Druiden, Angehörige der Wiccabewegungu.ä.m.! <br />Im Gegensatz zu ihnen stehen die sogenannten &quot;Positivisten &quot;, die einem aufgeklärten materialistischen Weltbild angehören. Jenes Weltbild ist allerdings wegen seiner „Seelenlosigkeit&quot; wieder im Abnehmen. <br />Zum FRÜH-archaischen Weltbild <br /> In dieser „früharchaischen Zeit&quot; konnten &quot;religiös sensible&quot; Menschen noch teilweise dem „Jenseits&quot; konkret begegnen: <br /> etwa bei einem Felsen nahe der eigenen Siedlung, die sich ihnen in einer &quot;Offenbarung&quot; plötzlich als Eingang ins Totenreich entpuppte, oder beim Schafe hüten in der Steppe, wo aus einem Dornbusch in der Wüste &quot;heiliges Feuer&quot; schlug (Mose 3). <br />
  7. 7. WELTBILDER sind zählebig und werden vom „Kollektiv&quot; getragen, betrachtet und beurteilt: <br />Sie sind bereits in der frühen Kindheit internalisiert, als wir noch nicht  in der Lage waren, Dinge kritisch zu hinterfragen! <br />Das &quot;archaische Weltbild&quot; ist grundlegend bestimmt durch die POLARITÄT: <br /> &quot;Diesseits versus Jenseits&quot;! <br /> Dabei ist: der irdische LEIB sterbIich (&quot;entseelt&quot;), <br /> die unabhängige SEELE jedoch unsterbIich.<br />Der sterbliche LEIB und die unsterbliche SEELE repräsentieren zwei polare WELTEN!! <br />Fazit: Es gibt kein antikes Volk, das diesen Glauben nicht gehabt hätte!! <br /> Das &quot;archaische Weltbild&quot; ist teilweise noch heute präsent: <br /> 20% aller Nordeuropäer glauben an einen &quot;leibhaftigen TEUFEL&quot;, der den Lauf der Welt negativ beeinflussen kann! <br />In der früharchaischen Zeit war die JENSEITIGE Dimension potenziell noch überall gegenwärtig! Fast alles konnte wie bei Kleinkindern, im Märchen oder in Träumen, &quot;magisch&quot; sprechen und den Menschen <br /> &quot;Zeichen von drüben&quot; geben: <br /> Sonne, Mond und Sterne, Sturm und Wetter, Blitz und Donner, der rauschende Bach, Tiere, Pflanzen, Berge usw. <br />
  8. 8. Vom FRÜH- um SPÄT-archaischenWeltbild:<br />Mit der Zunahme des WISSENS und KÖNNENS sowie der allgemeinen BEWUSSTHEIT im Laufe der Jahrtausende wurde die: <br />jenseitige Dimension <br /> immer mehr an den Rand des Lebens und der Welt geschoben: <br /> Die &quot;Welt&quot; wurde immer mehr zum entzauberten Diesseits!! <br />In der sokratischen Zeit (ca. 600 v. Chr.) versuchte man bereits, die &quot;Entstehung der Welt&quot; nicht mehr traditionell-mythisch zu erklären, sondern aus &quot;natürlichen„ Ursachen. <br />So waren etwa die GESTIRNE am Himmel im spätarchaischen Weltbild keine derart bestimmenden Mächte mehr, als dass sie das &quot;Schicksal der Menschen&quot; noch hätten nachhaltig bestimmen können! <br />Dennoch: der Glaube an die Bestimmungsmacht von GESTIRNEN über unser Leben hat bis heute überlebt! <br />
  9. 9. Vom FRÜH- um SPÄT-archaischenWeltbild:<br />Der HIMMEL mit seinen metaphysischen Wesen rückte im spätarchaischen Stadium <br /> der &quot;Bewusstseins-Evolution&quot; (als das ICH bereits eine gewisse Eigenständigkeit besaß!) zwar in immer weitere Feme: <br /> aber: das JENSEITS bIieb dennoch als solches bestehen!! <br />Erst wenn die POLARITÄT von &quot;Diesseits&quot; und „Jensseits&quot; zerbrochen wird, zerbricht auch das &quot;archaische Weltbild&quot; wirkIich! <br />Mit dem neuzeitlichen ATHEISMUS und MATERIALISMUS hat sich im Rahmen des „Positivismus&quot; ein Weltbild entwickelt, das 0hne ein &quot;Jenseits&quot; auskommt. <br />Das „Jenseits&quot; wurde bestenfalls noch als HYPOTHESE bezeichnet, die ein moderner und aufgeklärter Mensch nicht mehr nötig habe. <br />Durch die Annahme des Phänomens &quot;PROJEKTION&quot; mittels der &quot;Tiefenpsycholo- gie&quot; erkennen wir heute, dass es sich bei der Vorstellung jenseitiger Wesen um etwas innerlich Wahrgenommenes handelt! <br />Mit der Ablehnung des &quot;Jenseits&quot; besteht für den modemen Menschen allerdings die Gefahr, dass er nun &quot;existenziell auf sich selbst&quot; geworfen ist (siehe SATRE: „Zur Freiheit verurteilt!“). <br />
  10. 10. Die dreifache „Lebenshilfe“ der metaphysischen Religionen:<br />Es geht um die drei Säulen: OPFER, OFFENBARUNG und MAGIE. <br /> Mit den &quot;Schicksalschlägen&quot; wusste sich der frühe Mensch dreifach zu ,,helfen&quot;: - mit OPFERN; <br /> - mit den Vorbereitungen auf den Empfang von OFFENBARUNGEN und - mit seiner geheimen Wissenschaft der MAGIE. <br />Zum OPFERN: da man sich die „jenseitigen Wesen&quot; menschenähnlich vorstellte, lag es nahe, ihnen &quot;Geschenke&quot; anzubieten: <br /> &quot;Opfern&quot; war zugleich ein „Handlungsgeschäft“! <br />Zu den OFFENBARUNGEN: Hier erhielt man zunächst durch genaue Beobachtungen über „Zeichen&quot; Aufschluss über die Inhalte der &quot;Offenbarungen&quot;. <br /> Das lateinische Wort für &quot;religio&quot; bedeutet auch : &quot;sorgfältig auf ZEICHEN von drüben achten&quot;! <br /> In der vorpatriarchalen Zeit waren FRAUEN diese „Zeichendeuterinnen&apos;&apos;: den sogenannten &quot;SIBYLLEN&quot;. Später waren es die &quot;Seher&quot; und &quot;Propheten&quot;, die die &quot;göttlichen Offenbarungen&quot; empfingen und die daraus sich ergebenden &quot;Weisungen&quot;.<br />
  11. 11. Die dreifache „Lebenshilfe“ der metaphysischen Religionen:<br />Neben den „Zeichen&quot; gab es auch direkte Offenbarungen, die dem Menschen einen unmittelbaren Einblick in den Ratschluss der &quot;Jenseitigen&quot; verschaffen: <br /> diese waren z.B. in bedeutenden <br /> TRÄUMEN und VISIONEN <br /> vermittelt, aber auch: <br /> in Erlebnissen &quot;innerer Klarheit&quot; und &quot;Erleuchtung&quot;, die wiederum zu &quot;heiligen Überzeugungen&quot; führten! <br />Die MAGIE wiederum war der vorwissenschaftliche Versuch, den Verlauf der Dinge, in den Griff zu bekommen und wiIIentIichbeeinflussen zu können. <br /> Dazu benötigt der ,,Magier&quot; RITUALE, die etwas bewirken! <br />
  12. 12. Das vor ca. 2000 Jahren in Jesus von Nazareth &quot;geschehene Heil&quot; wird im heutigen CHRISTENTUM wieder &quot;realpräsent&quot;. <br /> In der Feier der &quot;Eucharistie&quot; ist diese Wandlungspotenz in der Lage, gewöhnliches und gewöhnlichen WEIN in den heilträchtigen LEIB und das erlösende BLUT zu &quot;verwandeln&quot; (insbesondere in der Katholischen Kirche!). <br />Das sind Relikte des archaischen Weltbildes!! <br />Gründe für den Zerfall des &quot;archaischen Weltbildes&quot; sind die<br /> ,,drei Kränkungen&quot;. <br /> In seiner &quot;Einführung in die Psychoanalyse&quot; hat S. FREUD von zwei großen &quot;Kränkungen der Menschheit&quot; gesprochen, denen er selber noch eine dritte, die empfindlichste, hinzufügte: <br /> Diese ,,drei Kränkungen&quot; sind mit den Namen. <br /> Kopernikus, Darwin und Freud <br /> verbunden. <br />
  13. 13. Die dreiKränkungen:<br />Das heißt zur ersten steht unsere ERDE nicht im Mittelpunkt des Kosmos, sondern ist nur ein winziges Teilchen des unvorstellbaren Weltsystems!! <br />Zum Zweiten: die BIOLOGISCHE Forschung (&quot;EvolutionstheorielDarwin&quot;) machte das angebliche SCHÖPFUNGS-Vorrecht des Menschen zunichte: der Mensch ist durch „Zufall&quot; aus seiner animalischen Vergangenheit hervorgegangen (also kein „Designer&quot;!&apos;). <br />Zum Dritten: die heutige psychologische Forschung (&quot;Tiefenpsychologie&quot;) konnte nachweisen, dass unser angeblich &quot;souveränes&quot; ICH unbewusst von NATUR und KULTUR gesteuert wird: <br />Der sogenannte „Freie Wille“ steht zur Disposition! <br /> <br /> <br />
  14. 14. Positivismus:<br />Das archaische Weltbild wurde im 20. Jh. meist vom POSITIVISMUS ersetzt. <br /> Darin ist alles Geschehen im Universum: <br /> ziellos - chaotisch - rein zufällig und darum auch letztlich &quot;sinnlos&quot;; d.h. ohne metaphysische Sinn-Vorgabe!! <br />Statt des „Schöpfungsplanes&quot; war: CHAOS getreten, <br /> die zufällig zusammengewürfelte Materie bzw. mehr oder weniger &quot;kondensierte ENERGIE. <br />Die RELIGION ist für Freud ein illusionärer Versuch, die oft trostlose Realität des Lebens zu verleugnen und an deren Stelle eine infantile Wunschwelt zu errichten.<br />Die RELIGION ist dem &quot;Entwicklungsgang der Menschheit&quot; einzureihen, die der einzelne Kulturmensch zur Reife durchzumachen hat! ! <br />Folgerichtig analysiert FREUD auch die Gestalt des Teufels: ,,Der Teufel ist nichts anderes als die Personifikation des verdrängten unbewussten Trieblebens!&quot; <br />
  15. 15. &quot;Gott&quot; und &quot;Teufel&quot; waren im Archaischen noch eine Gestalt, die jedoch später in zwei mit entgegengesetzten Eigenschaften zerlegt wurde. <br />Die Figur des &quot;Teufels&quot; bildet sich demnach im menschlichen UNBEWUSSTEN aus. <br /> ungelöste (angstauslösende) KONFLIKTE, z.B. in der Beziehung des Kleinkindes zu seinem Vater!<br />Keineswegs ist der &quot;Teufel&quot; (wie im archaischen Weltbild!&quot;) eine: für sich und unabhängig vom Menschen existierende personähnliche Figur, <br />sondern ist nur ein SYMBOL für einen „Komplex&quot; im UNBEWUSSTEN! <br />
  16. 16. GEGENSÄTZE, die die abendländische Kultur einst prägten:<br />Conrad Ferdinand MEYER (1825-1898): <br /> &quot;Ich bin kein ausgeklügeltes Buch, ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch!&quot; <br />Den ZWIESPALT bilden die &quot;göttliche“ und die &quot;teuflische&quot; Stimme in uns, die in unserer Kultur von Anfang an miteinander im Widerstreit lagen! <br />In der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins tritt ab einer gewissen EVOLUTIONS-Höhe das: <br />helle, OBERE Prinzip (später das &quot;Gute&quot;!) zum dunklen, UNTEREN <br /> in einen Gegensatz! <br />Schon PLATON (427-347 v. Chr.) spricht von einem inneren &quot;Zwiespalt&quot; in der Seele des Menschen: <br /> Die &quot;Seele&quot; des Menschen gleicht einem Pferdegespann: <br />Das eine Pferd: SCHÖN und GUT, ist der Sitz der höheren, geistigen Leidenschaften; mit dieser Seite strebt der Mensch himmelwärts zum GUTEN! <br />Das andere Pferd: bedeutet den Sitz der sinnlichen BEGIERDEN; d.h, dieses Pferd versucht, den Wagen unserer Seele ungestüm nieder zur ERDE zu ziehen! <br />Für PAULUS ist das &quot;untere Seelenpferd&quot; etwas Lebendiges und Mächtiges, das <br />autonom handelt und die Absichten des ICH durchkreuzt: <br /> Es ist der &quot;Teufel&quot;, die personifizierte Gestalt der niederen Seelenkräfte!<br />
  17. 17. GEGENSÄTZE, die die abendländische Kultur einst prägten:<br />Psychologisch heißt das im Sinne des PATRIARCHlATS: auf FRAUEN wurde der untere psychische POL projiziert, während sich die gebildeten (priviligiertenMÄNNER mit den oberen, hellen POL identifizierten! <br />Das MATRIARCHAT stellt kulturell und psychologisch die Ursprungsphase dar, in welcher das Bewusstsein noch nicht zum Gegenpol des Unbewussten entwickelt hat, sondern sich von diesem hoch weitgehend führen ließ. <br />Da die GEGENSATZ-Spannung in der europäischen Kultur übertrieben wurde, müssen wir heute wieder lernen: das BEWUSSTE und das UNBEWUSSTE <br />k00perieren zu lassen!! <br />
  18. 18. SATAN: Der Mythos vom „Engelssturz“<br />Der Maler Hieronymus BOSCH (1450-1516) schuf das Triptychon &quot;Jüngstes Gericht&quot;. In diesem wurde auch der ,,Der Engelssturz&quot; dargestellt: <br /> Der MYTHOS schildert, wie &quot;Satan&quot; aus dem Himmel gestürzt wurde, weil er sich Gottes Gebot widersetzt hatte: <br /> Bei der Betrachtung des Bildes soll es um die Kritik an einem &quot;Gottesbild&quot; gehen; <br /> das heißt das Bild, das sich jemand von GOTT macht, und wie jenes vom Stand seines Bewusstsein abhängt!! <br />FRAGE:<br /> Wie konnte solch ein Feindbild in „Klima der Liebe„ entstehen? <br /> Hat GOTT vielleicht in Wirklichkeit zwei Seiten? Eine gütige sowie eine <br />grausame ? Ist sein Verhalten &quot;doppelbödig&quot; und seine „Liebesbotschaft&quot; d0ppeIzüngig? <br /> Ist GOTT in sich selber gespalten ? <br /> Wie kann aus einer &quot;gütigen ALLMACHT&quot; plötzlich &quot;Böses&quot; kommen? <br /> <br /> <br />
  19. 19. AUGUSTINUS:<br /> Auch Augustinus (354-430 n.Chr.) befasst sich mit der Herkunft des ,,Bösen&quot;: <br /> Das „Böse&quot; ist „keine Wirklichkeit aus sich selbst heraus&quot;, sondern nur: eine &quot;Verwirrung des wirklichen Seins&quot;: <br /> denn das SEIN sei an sich prinzipiell &quot;gut&quot;! <br /> Das heißt, das BÖSE ist nichts anderes als <br /> die Abwesenheit des &quot;Natürlichen&quot; und &quot;Guten&quot;! <br />Wie kann aber von einstguten Geschöpfen Gottes plötzlich „Böses&quot; kommen? <br />Das ist logisch unerklärlich!! <br />Dazu AUGUSTINUS: „Das Böse hat kommen müssen, damit die Menschen erlöst werden konnten!“ <br /> Im Gottesbild war nicht mehr die &quot;Gesamtheit des Lebens&quot; enthalten, sondern bloß noch dessen angeblich &quot;besserer&quot; Teil! Das war die Voraussetzung für die Entwicklung eines: <br /> UNBEWUSSTEN und deshalb aus unkontrollierbarem SCHATTEN, der sich symbolisch in der mythischen Figur des &quot;Teufels&quot; aus- drückte. <br />
  20. 20. TIEFENPSYCHOLOGIE und die neue Deutung des Mythos vom „Engelssturz“<br />C.G. JUNG verwirft nicht die alten Mythen wie der &quot;Positivismus&quot; und die liberale protestantische Theologie (unter BULTMANN!). <br />Die &quot;Tiefenpsychologie&quot; JUNGs versteht die alten Mythen nicht mehr archaisch- konkret, sondern symbolisch !! <br />In der symbolischen Deutung des &quot;Mythos vom Engelssturz&quot;, d.h. der Aufstand &quot;Satans&quot; gegen &quot;Gott&quot;, wird auf einen innerpsychischen Prozess im Zusammenhang mit der: <br /> EVOLUTION des &quot;moralischen Bewusstseins&quot; hingewiesen! <br />Im SYMBOL des „Engelssturz&apos;&quot; wird ein „Evolutionsschritt&quot; sichtbar: die Aufteilung von HELL und DUNKEL. <br />Das moralische Bewusstsein hat sich zwar verfeinert: <br /> die &quot;persona&quot; (Bewusstsein) wurde &quot;heller&quot;/ glänzender, doch gleichzeitig wuchs auch der &quot;Schatten&quot; (das &quot;Dunkle&quot;): <br /> die verdrängten Strebungen, die nicht mehr hinreichend bearbeitet und kultiviert werden konnten! <br />
  21. 21. TIEFENPSYCHOLOGIE und die neue Deutung des Mythos vom „Engelssturz“<br />Das Resultat: Die abendländische Kultur wurde &quot;spannungsgeladen&quot; mit: der absolutenGERECHTIGKEIT auf der &quot;Vorderseite&quot; und unfassbarer BARBAREI auf der &quot;Rückseite&quot;! <br />Damit wurde die &quot;Ureinheit&quot; des archaischen Gottesbildes aufgesprengt und: <br /> das SELBST des Menschen gespalten ! <br />Die Folge: <br /> Ohne INTEGRATION des &quot;Schattens&quot; stagniert die psychische Entwicklung und: das DESTRUKTIVE wird weiter zunehmen! <br />Ziel: die VEREINIGUNG der Gegensätze auf einer höheren Ebene der &quot;Bewusstheit&quot; ! <br />
  22. 22. Die TIEFENPSYCHOLOGIE, der „Teufel“ und das „Böse“:<br />Das ZIEL ist ein neues Verständnis für innerpsychische ERFAHRUNGEN und eine ,,Religion ohne Metaphysik&quot;! ! <br />FREUD holte die ins All (,,Himmel&quot;) hinausprojizierteunbewusste Seele ins menschliche Innenleben zurück! <br />Für FREUD war also die &quot;Metaphysik&quot; hinfällig, denn sie beruhte auf einer &quot;Projektion&quot; unbewusster psychischer Sachverhalte ins &quot;Kosmische&quot; hinaus. <br />
  23. 23. C.G.JUNG und die menschliche Religiösität<br />Jung betrachtete die ,,Entmythologisierung&quot; BULTMANNs als etwas &quot;Barbarisches&quot;, das der Bibel ihre &quot;ewig gültigen Bilder&quot; raube und den Menschen noch mehr entwurzele! <br />Für JUNG bildet die menschliche Seele die Basis der menschlichen „Religiösität&quot; und nicht irgendein: <br />unabhängig vom Menschen existierendes metaphysisches &quot;Jenseits&quot;!! <br />Das psychische Entwicklungsprogramm ist nach JUNG im UNBEWUSSTEN zentriert: dem &quot;Selbst&quot;! <br />Im &quot;Selbst&quot; ist das gesamte EVOLUTIONS-Wissen gespeichert. <br />Das &quot;Unbewusste&quot; verfugt also über ein WISSEN, das dem &quot;bewussten Wissen„ (der menschlichen Vernunft!) weit überlegen ist. <br />Die Pflege der Beziehung zum &quot;Selbst&quot; wurde für JUNG zu einer zweitgemäßen Form der „Religiösität&quot;! <br /> Das &quot;Selbst&quot; tritt nun an die Stelle des den Menschen begleitenden &quot;Gottes&quot; aus dem archaischen Weltbild. <br />Was die Alten als ,,Diesseits&quot; oder &quot;Welt&quot; bezeichneten, wurde nun neu zum &quot;menschlichen ICH-Bereich&quot;. <br />
  24. 24. C.G.JUNG und die menschliche Religiösität<br />An die Stelle des &quot;persönlichen Führergottes&quot; der Alten trat bei JUNG das &quot;Selbst“<br />&quot;Religiösität&quot; bedeutet für JUNG, den &quot;stillen Rufer&quot; in uns wahrzunehmen und ihm Gehör zu schenken, damit der Mensch seiner inneren Natur gemäßlebenlerne! <br />JUNG hat die psychische Entwicklung des Menschen in zwei Hauptphasen aufgeteilt: in eine erste und zweite Lebenshälfte: <br /> In der ersten Lebenshälfte soll der Mensch s0ziaIisiert , das heißt: zu einem tüchtigen Mitglied der Gruppen werden: <br /> Es geht um den &quot;Aufbau eines weltzugewandten ICHs: die Fähigkeit zur PERSONA .<br /> In der zweiten Lebenshälfte verschiebt sich die Lebensaufgabe zugunsten einer größeren BEWUSSTHEIT des Menschen von sich selber!! <br /> Es geht um bewusste Sei b s t f i n dun g ! <br />ZIEL: Die Belebung der ICH-SELBST -Achse!!<br />
  25. 25. Die Tiefenpsychologie vor der Frage nach dem „Bösen“<br />Frage: Was ist &quot;GUT&quot;, was ist &quot;BÖSE&quot;? <br />Weise Menschen rieten schon immer zur Zurückhaltung im Urteil über: GUT und BÖSE !! <br />(1) Ein Wort aus der Tradition des ZEN: <br /> &quot;Nimm ein Blatt Papier und schreibe: gut/böse; dann zerknülle es und wirf es zum Abfall!&quot; <br />(2) LAOTSE: &quot;Ist ein Unterschied zwischen &quot;Ja&quot; und &quot;Nein&quot;, &quot;Gut&quot; und &quot;Böse&quot; ?Welch&apos; ein Unsinn!&quot; <br />(3) MA TTHÄUS (7; 1 und 13;30): ,,Fällt kein Urteil! Lasst das Unkraut mit dem Weizen zusammen heranwachsen. Die Zukunft wird&apos;s an den Tag bringen, was &quot;wertvoll&quot; und was &quot;unnütz&quot; ist!&quot; <br />(4) GOETHE (&quot;Faust 1&quot;): &quot; .... der TEUFEL ist ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft!&quot; <br />(5) HERAKLIT: ,,Alles fließt, wandelt und verwandelt sich in sein Gegenteil!&quot; <br /> Es ist die Gegenläufigkeit, die allem Lebendigen innewohnt! <br /> In allem WANDEL aber bleibt das Sein eines und dasselbe! Daher ist es für uns <br />  Menschen unmöglich,jemals&quot;endgültig&quot; (!) bestimmen zu können, was GUT und was BÖSE ist! <br />Das Ende der metaphysischen Frage nach &quot;Gut&quot; und ,,Böse&quot; <br />Wer das GUTE fanatisch übertreibt, richtet meist damit BÖSES an!<br />Wie ist es möglich, dass die Übertreibung des GUTEN sich katastrophal ausarten kann?<br />Der nüchterne Schluss lautet: <br /> ,,Es kann nicht nur GUTES oder nur BÖSES geben!! <br />
  26. 26. GOTT und das neue Fundament von GUT und BÖSE<br />&quot;Gut&quot; und &quot;Böse&quot; haben keine Existenz außerhalb des Menschen! <br />Insofern die unbewussten Inhalte bei allen Menschen ähnlich sind, haben sie auch: <br /> KOLLEKTIVE Gültigkeit (&quot;Archetypen&quot;: so z.B. die &quot;mosaischen 10 Gebote„ sind Varianten quasi in allen Kulturen verbreitet!) <br />
  27. 27. GOTT und das „BÖSE“ – das Problem der „Theodizee“<br />Die Lehre von &quot;Gott&quot; und dem &quot;Teufel&quot; ist voller Ungereimtheiten. Der Grund der Widersprüche liegt im archaischen Weltbild: <br /> die Annahme eines unabhängigen Jenseits!! <br />Mit der &quot;Vollkommenheit Gottes&quot; stehen die Theologen vor einem unlösbaren <br /> Problem: <br /> Wie kann aus einem guten Gott, der aIIes erschaffen haben soll, eine doch ziemlich &quot;missratene„ Menschenwelt entstanden ist, und diese Misere über Jahrtausende nicht geändert hat!?? <br />Ein Erklärungsversuch der CHRISTLICHEN Theologie war die Einführung des Begriffs: <br /> &quot;THEODIZEE&quot; (&quot;Rechtfertigung Gottes&quot;) <br />Kann der Mensch angesichts seiner Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit überhaupt VERTRAUEN für&apos;s Leben gewinnen? <br />Hier geht es nach einem möglichen Vertrauen zu unserem SELBST!! <br />Wenn es gelingt, das ICH mit dem SELBST zu verbinden, dann hat der betreffende Mensch für sein Leben eine solide Basis gewonnen! <br />Durch die Einrichtung der &quot;Ich-Selbst-Achse&quot; erfahrt der Mensch, dass sein Leben &quot;Tiefgang&quot; bekommt, gesund und ganzheitlich wird (siehe auch &quot;Seneca&quot;). <br />Wir haben die Möglichkeit, unsere verlorenen &quot;Instinkte&quot; insoweit auszugleichen, als wir mehr auf den &quot;inneren Informationsstrom„ von SELBST zum ICH achten, das heißt: <br /> Träume, Intuitionen und Ahnungen besser wahrnehmen! <br />
  28. 28. Frage: Wie variabel sind GUT und BÖSE ?<br />Es gibt empirisch nachweisbar anthropologische KONSTANTEN von &quot;Gut&quot; und &quot;Böse&quot;, das heißt: <br /> die Gemeinsamkeiten in der ETHIK aller Völker und Religionen (,,Kollektives Unbewusstes&quot;). <br />Andererseits: Wenn uns die bloß relativ und immer nur vorIäufige GÜLTIGKEIT aller unserer menschlichen Vorstellungen von &quot;Gut&quot; und „Böse&quot; einmal bewusst geworden ist, dann erlahmt jener radikale F ANATISMUS einzelner Gruppen und Völker das bei ihnen geltende &quot;Recht&quot; bis zum heutigen Tag zu verabsolutieren!!!<br />
  29. 29. Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Frage: Wie entsteht der &quot;Schatten&quot; ? <br />Mit dem Aufbau der &quot;PERSONA&quot; (die sozialisierte „Persönlichkeit&quot; durch Erziehung und Anpassung: ,,Fremdbestimmung durch die GRUPPE&quot;) hat sich im Laufe der Jahre ein sogenannter &quot;Schatten&quot; herangebildet, in welchem all das versammelt ist, was man bisher nicht oder nur unzureichend leben durfte! <br />Dieser &quot;Schatten&quot; besteht also aus: ungelebten, nicht geförderten, in der Erziehung abgelehnten oder unterentwickelten Seiten der eigenen Anlagen („Kapazitäten&quot;!)<br />Was hat nun der &quot;Schatten&quot; mit GUT und BÖSE zu tun? <br /> Der &quot;Schatten&quot; ist nicht gleichzusetzen mit dem „Bösen&quot; !!! Er ist etwas völlig &quot;Natürliches&quot; und nicht „Krankhaftes&apos;&apos;!! <br />Die Bildung des &quot;Schatten&quot; beginnt sehr früh und ist darum in der Regel unbewusst! <br />
  30. 30. Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Das ZIEL der zweiten Lebenshälfte ist nach JUNG: <br /> die bewusste Abrundung und möglichst vollständige Ausformung der <br /> GESAMT-Persönlichkeit. <br /> Ein erster Schritt auf diesem Wege ist die „Bewusstwerdung des Schattens&quot;!! Danach folgt der Versuch: <br />bewusst und verantwortlich<br /> mit dem &quot;Schatten&quot; umzugehen und ihn zu integrieren !! <br />Die INTEGRATION des Schattens ist eine sehr schwierige Aufgabe! <br /> Es kommt zu „Pflichtkollisionen&quot; zwischen den Ansprüchen: des Sich-selber-sein-Können und <br /> der sozialen Umgebung! <br />Bei jeder Entscheidung bleibt ein &quot;Übel&quot;: <br /> Die Kunst ist nicht, &quot;Übel&quot; zu vermeiden, sondern, jeweils das &quot;kleinere Übel&quot; zu erkennen und richtig zu wählen! <br />Die Bewusstwerdung der GESAMT-Persönlichkeit bedeutet: <br /> das Erreichen eines verantw0rtbaren ICH-Standpunktes zwischen: <br /> Personen - Selbst und Schatten. <br />Fazit: Es geht bei der Ausreifung und Entfaltung der &quot;Gesamtpersönlichkeit&quot;, dem sogenannten INDIVIDUATIONS-Prozess<br /> um eine Annäherung der GEGENSÄTZE und lebbarenKompromissen ! <br />
  31. 31. Der individuelle SCHATTEN und seine INTEGRATION<br />Mit dieser ETHIK ist der Einzelne nicht mehr nur der „Kollektivmoral &quot; seiner Gruppe verpflichtet, sondern ebenso der Integration seines Schattens und damit seiner bewussten SELBSTWERDUNG! <br />Eine gelungene Integration des Schattens zeigt, dass aus angeblich ,,BÖSEM&quot;, bisweilen sogar &quot;GUTES&quot; herauswächst! <br />Ohne &quot;Integration des Schattens&quot; bleibt der Mensch: oberflächlich und unreif !! <br />
  32. 32. Der KOLLEKTIVE Schatten und der „Teufel“<br />Da der Mensch ein Gruppenmitglied ist, besitzt er nicht nur einen PERSÖNLICHEN &quot;Schatten&quot; , sondern auch anteilmäßig den &quot;kollektiven Schatten&quot; der Gemeinschaft, in der er lebt! <br />Die &quot;Kollektivschatten&quot; sind die Summe aller gesellschaftlichen TABUS. Die Quintessenz dieses Schattens erscheint symbolisch in der Gestalt des &quot;Teufels&quot;. <br />Der TEUFEL ist das personifizierte ,,Böse&quot; einer Gesellschaft. <br />Im „Kollektivverband&quot; ist der Mensch sehr primitiv in seinem Urteil: er verliert dort weitgehend seine Fähigkeit <br /> zu differenzieren! <br />Je höher die Anforderungen in einer Kultur an das ethische Verhalten gestellt werden, desto schrecklicher werden die „Höllenbilder&quot; derselben Kultur, um so mehr muss man sich vor dem &quot;Schatten&quot; dieser &quot;schönen&quot; Kultur in acht nehmen! <br />Je glänzender die &quot;Persona&quot;, um so finsterer der &quot;Schatten&quot;, um so größer die REPRESSION! <br />
  33. 33. Die Gestalt des CHRISTLICHEN „Teufels“<br />Der christliche Teufel ist ein Produkt aus:: <br /> der Verteufelung des griechischen Gottes PAN sowie des aufmüpfigen jüdischen SATAN. <br />PAN und SATAN sind Symbole für zwei zentrale Triebe des Menschen: die Triebe der ARTERHALTUNG sowie <br /> der SELBSTBEHAUPTUNG und SELBSTFINDUNG. <br />Die christliche Kultur hat versucht, die: <br /> sündige menschliche Kreatur zu &quot;verbessern&quot; und <br /> die Menschheit ideaIistisch zu &quot;Höherem&quot; zu erziehen. <br />Weil das erlaubte Verhalten stark eingeschränkt war, wurde der Bereich des Schattens umfangreich! <br />Die christliche Kultur hat mit ihren hohen IDEALEN und der VERTEUFELUNG des Schattens die Zivilisation des Teufels unmöglich gemacht! <br />Ein &quot;guter&quot; Christenmensch war und ist ein: <br /> GEHORSAMER Untertan <br /> seiner weltlichen Obrigkeiten von &quot;Gottes Gnaden&quot;! <br />Dem Nicht-Akzeptieren (des Schattens) liegen ANGST, aber auch ein Mangel an <br /> LIEBE und echter DEMUT zugrunde! <br />
  34. 34. Die Gestalt des CHRISTLICHEN „Teufels“<br />Im christlichen Schatten liegt zudem die AGGRESSION, die mit der „Selbstbehauptung&quot; zusammenhängt. <br />Die AGGRESSION ist von &quot;Natur aus&quot; nicht einfach des &quot;Teufels&quot;! Sie hat auch eine positive Seite: <br /> die ,,Abgrenzung&quot; und die &quot;Selbstbehauptung&quot;. <br />Mit der Abwertung der SELBSTBEHAUPTUNG wird auch echte &quot;Demut&quot; unmöglich gemacht: <br /> Denn die tatsächliche Demut wächst nur auf dem Boden eines begründeten SELBSTBEWUSSTSEINS!!<br />Wenn ein gesundes &quot;Selbstbewusstsein&quot; bereits als &quot;STOLZ&quot; (!!) herabgemindert wird, der wird entweder: <br />depressiv oder rebellisch !! <br />Verstecktes egoistisches MACHT-Streben und eine vergiftete Atmosphäre beim Zusammenleben sind die Folge! <br />Als Beispiel seien die Zustände in vielen betont &quot;christlichen Lebensgemeinschaften&quot; erwähnt, in denen man wegen des &quot;christlichen Freundlichkeits-Komplexes&quot; oft genau das Gegenteil dessen erreicht, was man anstrebt. <br />Vorne herum wird ein &quot;ewig-freundliches&quot;, oft zwar &quot;eingefrorenes Lächeln&quot; zur Schau gestellt und die e i gen e Person zurückgestellt: <br /> im Verborgenen werden aber perfide INTRIGEN ausgeheckt! <br />
  35. 35. Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />Zur Frage des UMGANGS mit dem &quot;Schatten&quot; stehen uns 3 Möglichkeiten zur Verfügung: <br />(1) VERDRÄNGUNG und regressive Wiederherstellung der &quot;Persona&quot; . <br />(2) lDENTIFIKATION mit dem &quot;Schatten&quot;: also Umwertung des Schattens zum „Licht&quot;, <br />(3) Versuch einer bewussten INTEGRATION des &quot;Schattens&quot;. <br />Zu(1)<br /> Es geht um unseren Ruf, um die „Persona&quot;! <br />Man kehrt zurück in den Schoß der tragenden Gemeinschaft und übernimmt wieder deren: <br /> &quot;kollektive Persona&quot;, <br /> die alten Verhaltensmuster und <br /> man fügt sich wieder ein: der &quot;Satan in uns&quot; &apos;wird unterdrückt! <br />Die Begegnung mit dem &quot;Schatten&quot; hält auch immer eine C h a n c e für uns bereit: die CHANCE der Erweiterung des Horizonts <br /> und der Bewusstwerdung! <br /> (2): IDENTIFIKATION mit dem Schatten <br />Nicht alle, die &quot;Schattenhaftes&quot; leben, kehren reumütig in den Schoß des &quot;Kollektivs“ zurück! <br />Es gibt auch Menschen, die mitunter unkritisch den „Ausbruch des Schattens&quot; positiv bewerten: <br /> nicht den Absturz ins &quot;Dunkel&quot;, sondern als &quot;Höhenflug&quot;! . <br />Die Umbewertung des Schattens zum &quot;LICHT&quot; bewirkt einen radikalen Knick in der Lebenslinie: <br /> doch das ist auch keine LÖSUNG!! <br />
  36. 36. Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />(3): INTEGRATION des Schattens <br />Vorweg: Das Problem der &quot;Schattenintegration&quot; ist nur durch ein: <br /> NEUES DEN K E N lösbar! <br />Das geforderte •• neue Denken&quot; verharrt nicht länger im Schema des: <br /> ENTWEDER - ODER, <br /> sondern sucht, auf einer höheren Ebene des Bewusstseins, auf der bei d e Standpunkte miteinander versöhnt werden können: <br /> im SOWOHL-Als-AUCH! <br />Im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn&quot; (Lukas 15;11~32) soll nun die &quot;Integration des Schattens&quot; demonstriert werden: <br /> In diesem Gleichnis ist der VATER die &quot;Integrationsfigur„ des SELBST, der mit beiden ungleichen &quot;Söhnen&quot; positiv umzugehen versteht! <br /> Der VATER ist bei den zugetan, dem: „Schattenjüngeren&quot; wie dem &quot;angepassten Älteren&quot;! <br /> Der JÜNGERE hat sich von der Welt der gläubigen Juden so weit entfernt, dass er sogar das heidnische Leben mit Schweinen, dem Tabu-Tier schlechthin, mitgemacht hat. <br /> Der ÄLTERE hat sich keiner solcher &quot;Abweichungen&quot; schuldig gemacht und ist völlig angepasst geblieben. <br /> Ihr SELBST haben aber beide verfehlt: <br /> der &quot;Jüngere&quot;, der seinem &quot;Schatten&quot; verfiel, der &quot;Ältere&quot;, der im &quot;man&quot; stecken blieb (Bewahrung der „Persona&quot;)! <br /> Die berühmte &quot;Heimkehr des verlorenen Sohnes&quot; wurde zunächst als &quot;regressive Wiederherstellung der Personen&quot; verstanden. <br /> Das Schmollen des &quot;älteren Sohnes&quot; wird besser verständlich, wenn wir erkennen, dass ihn der „jüngere&quot; nach seiner Rückkehr in der Persönlichkeitsentwicklung etwas voraus hat: <br /> Der JÜNGERE ist inzwischen &quot;erwachsen&quot; geworden und hat einen &quot;Schatten bekommen&quot;; <br /> während der ÄLTERE immer noch ein &quot;braves Söhnchen&quot;, aber kein reifer, selbstständiger Mann ist! <br />
  37. 37. Vom Umgang mit dem SCHATTEN<br />Der ÄLTERE beneidet den JÜNGEREN nicht so sehr um seine schattenhaften Abenteuer und Erlebnisse, sondern vielmehr: <br /> um das dabei (schmerzlich!) ERFAHRENE, das ihn menschlich weitergebracht hat! <br />Auch JESUS selber lebte in &quot;schlechter Gesellschaft&quot;: er lebte mit kollektiv verachteten Zöllnern, Dirnen und anderen &quot;unreinen&quot; Rand- und Schattenfiguren! <br />Die KIRCHE &quot;Jesu Christi&quot; war und ist mangels Bewusstseins nicht in der Lage, im Geist ihres Herrn und Meisters zu handeln: <br /> so wartet dieser einsame Vorläufer einer bewussten Schattenintegration immer noch auf Menschen, die ihn wirklich verstehen!&apos; <br />Immer hat die KIRCHE zuerst versucht, die &quot;verlorenen Schafe&quot; nett und großzügig zu einer &quot;regressiven Wiederherstellung&quot; der Persona anzuhalten! <br />Wenn dies aber nichts brachte, wurde sie immer gestrenger, und zuletzt kamen: <br /> Drohungen, Verfolgungen und Scheiterhaufen! <br />Für Andersgläubige gab es nur die Alternative: <br /> ENTWEDER die &quot;regressive Wiederherstellung&quot; der Persona ODER dann die Verketzerung und Verteufelung mit entsprechenden obrigkeitsstaatJichen &quot;Sanktionen&quot;! <br />Nur das DENKSCHEMA des &quot;Entweder-Oder&quot; stand zur Verfügung!! <br />
  38. 38. Das INNEN und AUSSEN<br />Wenn nun ein KOLLEKTIV (soziale Umwelt!) der Ansicht ist, es vertrete den &quot;göttlichen Willen&quot;, dann streitet der: <br /> &quot;Gott des Kollektivs&quot; gegen den <br /> &quot;Gott im Innern des Menschen&quot;! <br />Das äußere&quot;MAN&quot; kämpft gegen das eigene Selbst: das ICH muss nun entscheiden, <br /> welcher GOTT der „wahre GOTT“ sei! <br />Der „Individuationsweg&quot; (konstruktive Persönlichkeitsentwicklung!) ist eine Gratwanderung, auf der stets ein Absturz nach zwei Seiten hin droht: <br /> Wer sich einseitig nur nach INNEN ausrichtet, bekommt Schwierigkeiten mit seiner UMGEBUNG. <br /> Wer sich bloß an diese anpasst, erhält Probleme mit seinem INNERN, das sich mit: <br /> Gefühlen der Unsicherheit, Leere und etlichen <br /> psychischen und psychosomatischen Störungen zu rächen beginnt! <br />LÖSUNG: Es geht um die GRUNDHALTUNG des &quot;Sowohl-als-Auch« !! <br />Das Gefühl von innerer Freiheit und Übereinstimmungmit dem Lebensplan des Selbst kostet seinen Preis! <br /> Kein Mensch kann dabei seine Weste weiß behalten, und jeder bekommt irgendwo <br /> &quot;eine Ecke ab&quot;! <br />
  39. 39. Fazit:<br />Erst mit erfolgreicher INTEGRATION des Schattens kann eine: „Abrundung&quot; und „Ausreifung&quot; der PERSÖNLICHKEIT gelingen! <br />

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