Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
 GZ 02Z03173M P.b.b.Verlagspostamt 1230 Wien




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                                                              ...
Editorial




                                                                                   Editorial




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Thema




                              Martina Sattmann, Kindergartenpädagogin.
                              Ihr Leitmot...
Thema




Die Leistungsträgerinnen
                                                              Verantwortung. Von Leistu...
Thema

Foto: Nurith Wagner-Strauss




                       „Jugendliche, die etwas mit Leidenschaft tun, üben weniger G...
Thema




Sohn oft auf ein telefonisches „Hast    47-jährige mobile Jugendarbeiterin                              Doch war...
Arbeitswelt
  Thema




                                              Foto: David Payr
                                   ...
Aktuell



 Foto: GPA-djp/ Lucia Bauer
                                                                                Akt...
Reportage




             Private Initiativen,
               wie z.B. Nach-
                barschaftsfeste
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Reportage




                                                                               nung ist konsequent einzuhalt...
Aktuell




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eigene Schwerpunkte setzen, weil         Die Studierenden haben im Grund-           INFOS
alles vorgegeben ist...
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Arbeiterkammer




90 Jahre Arbeiterkammern –
90 Jahre Mitgestaltung
Sozialpartnerschaft. Die AK gibt es fast so lange wie...
Foto: Nurith Wagner-Strauss




     Kein Zweifel
     Jubilarin. In wirtschaftlichen Krisenzeiten überlegen sich viele, o...
Portrait




  Brief von Edith Wein


  „Wien, 10. Dezember 2009

  Sehr geehrte Kollegen!

  Ich habe mich sehr über die ...
Recht




         Foto: Christian Jobst




         Glückssache Glücksspiel?
         Casinos. Jürgen Nachbaur, Zentralb...
Arbeitswelt



                                                                                                       Arbe...
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                                                                                            In allen Banke...
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vor den KundInnen stehen und den         umfang. Die Zielvorgaben, die vom       schaft in Sachen „Arbeits...
Stefanie, 21, stv. Marktmanagerin:
„Wenn man bereit ist, die nötige Zeit
zu investieren, dann schafft man sein
Ziel auch.“...
Arbeitswelt




            Foto: Nurith Wagner-Strauss
                                          terbildung haben – nicht...
Regionen




            Regionalforen:
            „Umdenken, gegenlenken!“
            In der GPA-djp haben alle Mitglie...
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Kompetenz 1/2 2010

  1. 1. Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier GZ 02Z03173M P.b.b.Verlagspostamt 1230 Wien KOMPETENZ DAS MAGAZIN FÜR DEN ORGANISIERTEN ERFOLG Ausgabe 1/2010 www.gpa-djp.at Integration ohne Konflikte Seite 10 Bologna den Prozess machen Seite 12 Die Leistungs- trägerinnen ab Seite 4 Wer unsere Gesellschaft zusammenhält
  2. 2. Inhalt Inhalt Foto: Nurith Wagner-Strauss Thema 04 Die Leistungsträgerinnen 04 08 Kommentar: Faires Geld für wahre Leistung Die Leistungsträgerinnen Aktuell 09 Kurzmeldungen 10 Konfliktfreies Miteinander Foto: MA 17 12 Bologna den Prozess machen 14 15 Vom Speditionskaufmann zum Masseur 90 Jahre Arbeiterkammern 10 Konfliktfreies Miteinander 16 Edith Wein Foto: Nurith Wagner-Strauss 18 Glückssache Glücksspiel Arbeitswelt 19 Kurzmeldungen 20 Bankangestellte: Unter Druck 22 22 Karrierechanchen im Handel Karrierechanchen im Handel 24 Regionalforen der GPA-djp IMPRESSUM Leserbriefe an kompetenz@gpa-djp.at Herausgeber: ÖGB, GPA-djp, 1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1, Tel. 05 0301-301, Service service@gpa-djp.at Verlag und Medieninhaber: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes GmbH, 1230 Wien, Altmannsdorfer 25 Kurzmeldungen Straße 154-156, Tel. 01/662 32 96 Chefredakteurin: Dr. Dwora Stein Stv. Chefredakteur: Mag. Martin Panholzer, martin.panholzer 26 Hausbesorgungen – Portraits eines Berufes @gpa-djp.at, Chefin vom Dienst: Dr. Barbara Lavaud, barbara.lavaud@gpa-djp.at Redaktion und Anzeigen: Renate Zaunscherb, renate.zaunscherb@gpa-djp.at 28 Card-Angebote Artdirection und Layout: Kerstin Knüpfer Dipl. Designerin (FH) Druck: Leykam Druck GmbH & Co KG, 7201 Neudörfl, 30 Gewinnspiel, Veranstaltungen Bickfordstr. 21 Verlagsort: Wien Herstellungsort: Neudörfl Coverfoto: Nurith Wagner-Strauss DVR-Nr. 0046655 ZVR-Nr. 576439352 31 Bücher, Offenlegung Die Redaktion behält sich alle Rechte der Vervielfältigung und des Vertriebs der zum Abdruck gelangten Beiträge sowie ihre Verwendung für andere Ausgaben vor. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen die Meinung der AutorInnen dar und müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken. Die Redaktion haftet nicht für unverlangt eingeschickte Artikel und Fotos. 2 Jänner/Februar 2010
  3. 3. Editorial Editorial Foto: Rigaud Veränderungen wagen W enn Sie diese Ausgabe der KOMPETENZ zum funktionierenden Zusammenhalt der Gesell- in Händen halten, werden sie sicher schaft geleistet, etwa im Gesundheits- und Pflege- bemerken, dass sich an der Gestaltung bereich. Dass diese Beschäftigten nicht mehr bereit unseres Magazins einiges verändert hat. Nicht sind, alles hinzunehmen, haben die eindruckvollen nur grafisch gehen wir neue Wege durch größere Kundgebungen im Jänner gezeigt. Und was beson- Übersichtlichkeit und neue Prioritäten bei der Foto- ders erfreulich ist: Der Protest hat Wirkung gezeigt auswahl, auch inhaltlich wollen wir die Zeitung – der Kollektivvertragsabschluss im Gesundheits- weiterentwickeln. Die Artikel sollen noch stärker und Pflegebereich kann sich wirklich sehen lassen. anhand konkreter Fälle die Konflikte, in denen wir Wenn der Einsatz neben höherem Gehalt auch zu uns befinden, aber auch die Erfolge, für die unsere einem größeren Selbstbewusstsein dieser Leis- Gewerkschaft steht, vermitteln. Daneben sollen die tungsträgerInnen geführt hat, dann haben wir Serviceleistungen der GPA-djp noch mehr Raum gemeinsam viel erreicht. als bisher erhalten. Das Ressort Berufe heißt neu „Arbeitswelt“. Wir freuen uns über Reaktionen, Kritik und Anre- gungen und werden alles daran setzen, mit der Im Wissen, dass sich neue elektronische Medien KOMPETENZ-Neu möglichst viele LeserInnenwün- und Printprodukte zunehmend verschränken, wer- sche zu erfüllen und vor allem auch neue LeserIn- den wir den sogenannten „Cross-Media-Ansatz“ nen hinzuzugewinnen. weiterentwickeln, jedoch im Bewusstsein, dass Zei- tungen und Magazine auch künftig unersetzbar in der Kommunikationslandschaft sein werden. Die Titelgeschichte will aufzeigen, dass nicht nur die Bezieher hoher Einkommen zu den Leistungs- trägern der Gesellschaft gehören. In vielen, nicht Dwora Stein gerade gut bezahlten Bereichen wird enorm viel Chefredakteurin Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 3
  4. 4. Thema Martina Sattmann, Kindergartenpädagogin. Ihr Leitmotiv: „Wir tun’s ja für die Kinder!“ Foto: Nurith Wagner-Strauss 4 Jänner/Februar 2010
  5. 5. Thema Die Leistungsträgerinnen Verantwortung. Von Leistungsträgern wird in der politischen Debatte gerne gesprochen, wenn es darum geht, die hohen Gehälter der Manager zu rechtfertigen. Die Leistungen der Menschen, die dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft zusammenhält, werden selten erwähnt. Wird Leistung gerecht bezahlt? W ir leben in einer Leis- tiert nicht den wahren Wert, der onsrechnung“ (Social Return on tungsgesellschaft. Alles durch eine bestimmte Arbeit Investment). Im Gegensatz zu her- und jede(r) muss funk- geschaffen wird. kömmlichen betriebswirtschaftli- tionieren. Erfolg und soziale Aner- chen Ansätzen wird hierbei neben kennung drücken sich jedoch meist Putzfrauen wertvoller dem wirtschaftlichen auch der in Geld aus. Doch sind es eigentlich als Manager? gesellschaftliche und ökologische all jene Manager mit den hohen Wert quantifiziert, der durch eine Gehältern, die unsere Gesellschaft Ökonomen der „New Economic bestimmte Arbeit geschaffen oder zusammenhalten? Sind es wirklich Foundation“ haben den gesell- zerstört wird. all die Player auf virtuellen Schau- schaftlichen Wert der Arbeit ver- plätzen wie den Aktienmärkten, schiedener Berufsgruppen ermit- Das Gehalt reflektiert oft nicht den die den Menschen ein Gefühl der telt. Das Resultat: eine Putzkraft in sozialen Wert einer Tätigkeit. Die Sicherheit geben? Die derzeitige einem Spital schafft für jeden Euro Studienautoren wünschen sich Wirtschaftskrise hat uns gezeigt, Lohn, den sie erhält, einen sozialen eine Gesellschaft mit einer Lohn- dass so mancher Direktor letztend- Wert von elf Euro; elf Euro, die glei- struktur, die Arbeitsstellen aus- lich dafür bezahlt wurde, sehr viel che Summe, wird von einem top- zeichnet, die den meisten sozialen Geld in den Sand zu setzen. bezahlten Werbedirektor pro Euro Nutzen bringen, und nicht Profite Lohn vernichtet. Sind also Putz- auf Kosten von Umwelt und Gesell- Wer sind die wahren Leistungs- frauen wertvoller? Ja, eindeutig, schaft machen. Das Ziel ihrer Studie trägerInnen? Eine britische Studie wenn man sich den Beitrag ansieht, ist es daher auch nicht, Berufsgrup- bestätigt, was uns der gesunde den sie für die Gesellschaft leisten. pen mit hohem Gehalt zu diskredi- Menschenverstand schon lange Für ihre Analysen verwendeten tieren oder mehr Lohn für schlecht zugeflüstert hat: Das Gehalt reflek- die Forscher die „soziale Investiti- bezahlte Jobs zu fordern. Es geht Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 5
  6. 6. Thema Foto: Nurith Wagner-Strauss „Jugendliche, die etwas mit Leidenschaft tun, üben weniger Gewalt aus.“ Christa Preining mit Jugendlichen vom "Back on Stage" um etwas viel Grundsätzlicheres: Es gehen für jeden Euro, den sie ver- sterbende Menschen. Sie versucht sollte einen Zusammenhang geben dienen, rund 50 Euro für die Gesell- die letzten Tage, Wochen oder zwischen dem, was der Einzelne für schaft verloren. Monate tot kranker Menschen so eine Arbeit bezahlt bekommt, und schön und angenehm wie möglich dem Wert, den er oder sie für die zu machen. Da sind Kleinigkeiten Der Kitt der Gesellschaft Gesellschaft schafft. wichtig, die den Menschen aber Sehen wir uns die wahren Leistungs- sehr viel geben: ein warmes Bad, Gutverdiener als trägerinnen an: Frauen, die tagtäg- angenehme Musik, im Sommer Geldvernichter lich mit Menschen arbeiten und sich kurz auf die Terrasse hinaus … um eine Verbesserung ihrer Lebens- Insgesamt haben die Ökonomen bedingungen bemühen. Frau Vankova spricht auch mit den sechs Berufsgruppen analysiert. Hier Angehörigen sterbender Menschen eine Auswahl: TopmanagerInnen in Da wäre Jana Vankova, 47-jährige – die können oft nicht verstehen, Banken verdienen in Großbritannien Krankenschwester mit tschechi- dass es nun so schnell gehen soll. schen Wurzeln. Seit Verstehen nicht, dass sie nichts tun vielen Jahren arbeitet können. Da ist Zuhören wichtig. KinderbetreuerInnen oder PflegerInnen sie im Hospiz der Cari- Frau Vankova erklärt die Situation – schaffen mit jedem eingenommenen Euro tas Socialis und beglei- immer und immer wieder. rund zehn Euro sozialen Mehrwert. tet schwer kranke Men- schen in ihren letzten Immer für die Kinder da Tagen und Stunden. zwischen 550.000 und 88 Millionen „Man bekommt viel zurück von den Martina Sattmann, 48-jährige Kin- Euro pro Jahr – und vernichten im sterbenden Menschen, denn man dergartenpädagogin aus Wien und gleichen Zeitraum den siebenfachen lernt, wie sie diese schwierige Situ- alleinerziehende Mutter von zwei Wert. KinderbetreuerInnen oder Rei- ation bewältigen“, schildert Van- Kindern. Wie viele andere Mütter in nigungskräfte im Spital schaffen mit kova. Als Ausgleich zu dem belas- Österreich – will sie neben einer ver- jedem eingenommenen Euro hinge- tenden Berufsalltag geht sie gerne antwortungsvollen Tätigkeit auch gen rund zehn Euro sozialen Mehr- in die Natur oder macht Yoga. Zeit für die eigenen Kinder finden. wert. Das negativste Resultat haben Neben der Teilzeitbeschäftigung von die Forscher für SteuerberaterInnen Was „bringt“ nun Frau Vankova 31 Stunden beschränkt sich die Kom- errechnet: Dank ihrer Kenntnisse unserer Gesellschaft? Sie betreut munikation mit dem halbwüchsigen 6 Jänner/Februar 2010
  7. 7. Thema Sohn oft auf ein telefonisches „Hast 47-jährige mobile Jugendarbeiterin Doch warum sind eigentlich die du was gegessen? „Hast Du Deine versteht ihre Tätigkeit als wichtigen Sozialberufe, die unsere Gesell- Aufgabe gemacht? Warst Du mit Beitrag zur Gewaltprävention. „Die schaft zusammenhalten und stär- dem Hund draußen?“ Und wieder ab Arbeitserfahrung hat gezeigt, dass ken, nicht besser bezahlt? Es liegt in die Gruppe. Dort warten bis zu 28 Jugendliche, die etwas mit Leiden- an uns allen, diese Leistungen auch Kinder zwischen drei und sechs Jah- schaft tun und in ihrem kreativen entsprechend wertzuschätzen und ren. Diese wollen gefördert werden, Schaffen auch von anderen wahrge- zu achten. Denn wir selbst als sie stellen Fragen, brauchen Beschäf- nommen werden, weniger Gewalt Gesellschaft bestimmen langfris- tigung, Trost oder sind manchmal ausüben, aber auch seltener Opfer tig, welche Leistung monetär wie einfach nur „schlimm“. „Wir tun´s ja von Gewalt werden“, erklärt Prei- bewertet wird.  für die Kinder“ ist Frau Sattmanns ning den präventiven Arbeitsansatz Leitmotiv. So versuchen die Pädago- ihres Teams. Andrea Rogy ginnen trotz Personalknappheit und sinkender finanzieller Ressourcen, Die mobilen JugendarbeiterInnen den ihnen anvertrauten Kindern begleiten die Jugendlichen wäh- eine bessere Ausgangsposition für rend der Pubertät und bieten leicht die Schullaufbahn zu schaffen. erreichbare Hilfestellungen zu den brennenden Fragen dieses Lebens- Im Kindergarten lernen die Kleins- abschnitts: Schulprobleme, Berufs- ten viele Grundlagen für das spä- orientierung, Sexualität, Liebe und tere Leben: Rücksichtnahme auf erfüllende Freizeitbeschäftigung. andere, Respekt vor anderen Kultu- ren, aber auch ganz simple Dinge Im Gegensatz zu den Eltern proji- wie mit Messer und Gabel zu essen. zieren die mobilen Jugendarbeite- Frau Sattmann ist sich ihrer Ver- rInnen keine Erwartungen in die antwortung bewusst: „Wir sind jungen Menschen, sie bewerten Richterinnen, Polizei und Erstver- und verurteilen nicht. Die Jugend- sorgung in einer Gruppe von Kin- lichen fühlen sich akzeptiert und dern, die später einmal für unser aufgefangen, weil sie sozusa- Foto: GPA-djp/ Barbara Lavaud Land Verantwortung zeigen sollen, gen dort abgeholt werden, wo sie als lebensbejahende, kreative und gerade stehen – auch wenn sie arbeitsfähige Menschen.“ Fehler gemacht haben. „Indem wir die Jugendlichen in ihren Talenten und Fähigkeiten fördern, lernen sie Hilfe für die Jugend auch besser mit ihren eigenen Pro- BAGS-KV: Christa Preining leitet die Einrich- blematiken, etwa zeitweise aggres- Plus 1,5 % Gehalt tung „Back on Stage“ für den 16. sivem Verhalten, umzugehen“, so für die Beschäftigten und 17. Wiener Gemeindebezirk. Die Preining. Jana Vankova pflegt Elfriede Walter: „Man bekommt viel zurück.“ Über 7.500 Menschen demonstrierten am Foto: Nurith Wagner-Strauss 14. Jänner trotz klirrender Kälte in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt für einen fairen Gehaltsabschluss im privaten Gesundheits- und Sozialbereich (BAGS-KV). Dieses Engagement ermög- lichte eine kollektivvertragli- che Gehaltserhöhung von 1,5 Prozent – ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann! Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 7
  8. 8. Arbeitswelt Thema Foto: David Payr Faires Geld für wahre Leistung Anerkennung. Während die Gehälter und Boni der Direktoren und Manager weiter wachsen, kämpfen die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbe- reich um ihre Gehaltserhöhung. In welchem Verhält- nis stehen eigentlich Bezahlung und Leistung? GPA-djp Vorsitzender Wolfgang Katzian K aum ein Wort wird in der ihn ausgeheckt haben die Rech- gen am 14. Jänner österreichweit politischen Debatte derzeit nung ohne die Gewerkschaft und trotz klirrender Kälte dafür auf die so stark missbraucht, wie ohne die Menschen in Österreich Straße. der Begriff Leistungsträger. Ein ech- gemacht haben: In einer Umfrage tes Unwort. Schon alleine die Tatsa- des Instituts für Empirische Sozi- Die große Solidarität mit jenen che, dass der Begriff niemals in der alforschung (IFES) im März 2009 ArbeitnehmerInnen, die kranke weiblichen Form verwendet wird, bestätigte eine klare Mehrheit der und alte Menschen sowie Men- zeigt, was wir uns darunter vorzu- Befragten die gewerkschaftliche schen mit Behinderungen betreuen stellen haben: Der Leistungsträger Forderung nach einer besseren und pflegen, sich um Jugendli- ist männlich. Er verdient viel – viel- gesellschaftlichen und finanziel- che kümmern, für den Neustart leicht sogar einen sechs- bis sieben- len Anerkennung der schwierigen von Suchtkranken und Haftentlas- stelligen Eurobetrag –, was aber und belastenden Arbeit im Sozial- senen sorgen oder bei Rettungs- gerecht ist, selbst wenn er die Bank, und Gesundheitsbereich. 22.669 diensten arbeiten, zeigt, dass die die ihm anvertraut ist, in den Ruin Menschen unterstützten in den Menschen ihre eigene Vorstel- führt. Denn er leistet ja auch viel. folgenden Wochen die Initiative lung davon haben, wer in unserer Er zahlt überdies viel zu viele Steu- von GPA-djp und vida für eine bes- Gesellschaft etwas leistet, wer also ern und finanziert mit sei- die Leistungsträgerinnen nen Steuern und Abgaben und Leistungsträger sind. diejenigen, die weniger Wollen wir die verkehrte Logik akzeptieren, Für uns als Gewerkschaft (oder Gott behüte nichts) dass die, die weniger verdienen, bedeutet das ein hohes leisten, also die Nichtleis- auch weniger leisten? Maß an Zustimmung zu tungsträger. unseren Forderungen: der besseren finanziel- Wir sollen die verkehrte Logik akzep- sere finanzielle Ausstattung dieses len Absicherung der Beschäftigten tieren, dass diejenigen, die weniger Bereichs und eine besseren Bezah- einerseits und des Gesundheits- verdienen, auch weniger leisten. lung der dort Beschäftigten. Fast und Pflegebereichs insgesamt. Es Wir sollen glauben, dass es gerecht 21.000 Menschen unterstützten bedeutet aber auch ein hohes Maß ist, dass etwa die ArbeitnehmerIn- im Jänner 2010 mit ihrer Unter- an Verantwortung. Wir werden nen im Gesundheits- und Sozialbe- schrift die ArbeitnehmerInnen im weiter die Menschen sensibilisie- reich schlecht verdienen. Ein billi- Gesundheits- und Sozialbereich ren und vor allem nicht locker las- ger Taschenspielertrick, der jedoch bei ihrem Kampf um einen fairen sen, bis wir gemeinsam unser Ziel nicht aufgeht, weil diejenigen, die KV-Abschluss. 7.000 Menschen gin- erreicht haben.  8 Jänner/Februar 2010
  9. 9. Aktuell Foto: GPA-djp/ Lucia Bauer Aktuell „Brot und Rosen“ Internationaler Frauentag am 8. März 8. März Internationaler Frauentag 2010 Kerstin Knüpfer und Barbara Lavaud arbeiten an der neuen Kompetenz. Neue KOMPETENZ Lieber kämpfen, als arbeiten und hungern www.gpa-djp.at/frauen karte-A6_4c_intern-frauentag2010_scd.indd 1 27.01.2010 14:31:54 Da das Jahr 2010 das Euro- Relaunch. Die KOMPETENZ erscheint mit dieser päische Jahr zur Bekämpfung Nummer erstmals in einem anderen Layout. von Armut und sozialer Aus- grenzung ist, widmen sich die Seit vorigem Sommer arbeiten wir für die redaktionelle Vor- und Auf- GPA-djp Frauen am Internatio- daran – und nun halten Sie die bereitung der Beiträge. nalen Frauentag am 8. März neue Kompetenz in den Händen! dieser Problematik. Unter Wochenlang haben wir Layoutvor- Nicht zufällig erscheint die KOMPE- dem Motto „Brot und Rosen – schläge und Themen diskutiert. Wir TENZ im neuen Gewand just in dem lieber kämpfen, als arbeiten wollten ein bisschen entrümpeln Moment, wo die GPA-djp auch ihre und hungern“ sind bundes- und ein leichteres Layout mit weni- Ressourcen im Web 2.0 verstärkt. weite Aktionen und Veranstal- ger Bildern, die dafür aber grösser Denn die „alten“ Medien gehören tungen geplant. zur Geltung kommen dürfen; und keineswegs zum alten Eisen: Wäh- „Wir möchten damit vor allem wir wollten, dass in den Beiträgen rend im Internet die aktuellen Ereig- die ‚Working poor‘ anspre- mehr Menschen zu Wort kommen nisse laufend neu publiziert werden, chen, also jene Frauen, die können – all die Menschen, die die wird die KOMPETENZ in Reportagen, trotz regelmäßiger Erwerbs- Vielfalt unserer Gewerkschaftsbe- Interviews und Features spannen- arbeit nicht ihr Auskommen wegung ausmachen. den Lesestoff bieten und über die finden können, weil ihr Job so Hintergründe informieren. miserabel bezahlt ist“, erklärt Art-Direktorin Kerstin Knüpfer aus die Bundesfrauenvorsitzende der Marketing-Abteilung der GPA- Schreiben Sie uns, wie Ihnen die Ilse Fetik. djp hat den neuen Look entworfen. neue KOMPETENZ gefällt! Barbara Lavaud ist verantwortlich kompetenz@gpa-djpa.at 28 % der Frauen in Österreich sind armutsgefährdet –- bei den Männern sind das mit 9 % deut- lich weniger. 230.000 Arbeit- nehmerInnen gehören zur Aktiv für atomare Abrüstung Gruppe der „Working poor“. Im Mai findet in Genf die nächste Die Einführung eines Mindest- Runde der Überprüfung des Atomsperrvertrages statt. Nach gehalts von € 1.300,-- brutto, der Ankündigung von US-Präsident Obama, sich verstärkt für eine Anhebung des Arbeits- die Abrüstung einzusetzen, ist die Hoffnung auf eine erfolg- losengeldes auf 70 Prozent reiche Verhandlungsrunde groß. Der Internationale Gewerk- und der Entfall der Anrech- schaftsbund richtet eine Petition an UN-Generalsekretär Ban nung des Partnereinkommens Ki Moon, in der ein Verbot von Atomwaffen und anderen bei der Notstandshilfe sind für Massenvernichtungsmitteln gefordert wird. Fetik die dringendsten Maß- nahmen, um der Armutsge- Die GPA-djp ersucht alle Mitglieder, die Petition mit ihrer fährdung entgegenzuwirken. Unterschrift zu unterstützen: http://petitions.ituc-csi.org/ Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 9
  10. 10. Reportage Private Initiativen, wie z.B. Nach- barschaftsfeste werden von „Sei dabei“unterstützt. Gut gelebtes und konfliktfreies Miteinander Integration. Wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen aufeinander stoßen, kann das zu Konflikten führen. Mit ihrer Initiative „Zusammenle- ben“ will die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) nun allen WienerInnen Mut machen, aufeinander zuzugehen. K athrin Lipowec betreut „Besonders beliebt sind Nachbar- anstaltung handelt.“ Für 2010 ste- die „Sei dabei“-Hotline. Ja, schaftsfeste“, sagt Lipowec. Ob im hen insgesamt 100.000 Euro für „Sei manchmal nutzen Leute Gemeindebau oder im nahe gele- dabei“ zur Verfügung. diese Nummer auch einfach nur, genen Park: Jedes Get-Together wird um ihrem Unmut Luft zu machen, hier von der Stadt Wien unterstützt. „Sei dabei“-Hotline sich über „die Ausländer“ zu Einerseits durch einfache Werbe- beschweren, erzählt sie. Das Gros mittel, wie Plakate, die in der nähe- Das Mitmachen ist denkbar ein- der Anrufer aber will mitmachen ren Umgebung aufgehängt werden, fach: die „Sei dabei“-Hotline ist bei „Sei dabei“. Konkret werden hier andererseits finanziell mit bis zu 300 wochentags von 9.00 Uhr bis 15.00 Privatinitiativen unterstützt, die in Euro. „Meist wird damit dann Essen Uhr unter der Wiener Telefonnum- der Nachbarschaft Projekte auf die gekauft oder Dekoration organisiert, mer 4000-03919 erreichbar. Hier Beine stellen, die Menschen aus ver- aber man kann das Geld auch für skizziert Lipowec kurz seine Idee, schiedenen Gruppen zusammen- das Anmieten eines Raums nutzen, dann wird ein persönliches Treffen bringen. etwa wenn es sich um eine Sportver- ausgemacht und schließlich ent- 10 Jänner/Februar 2010
  11. 11. Reportage nung ist konsequent einzuhalten. Einig war man sich aber, dass das Foto: MA 17 Zusammenleben im Bau im Grunde genommen funktioniert.“ Auch angesichts des nun anlaufen- den Wahlkampfs in Wien, bei dem seitens FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit ausländerfeindlichen Tönen zu rechnen ist, will die Stadt- rätin „seinen negativen Bildern positive entgegensetzen. Klar ist, dass wir uns dabei niemals auf das Niveau der Hetzer begeben werden. Integration ist etwas, das nicht von heute auf morgen erledigt ist. Das ist ein langer und auch nicht einfa- cher Prozess. Integration ist keine Einbahnstraße und eine Herausfor- derung für die, die schon seit Gene- rationen hier leben und für zuge- wanderte Menschen. Aufgabe der Politik ist es, die Menschen hierbei zu unterstützen. Und das tun wir.“ scheidet eine dreiköpfige Jury, ob die BürgerInnen eine unkompli- das vorgeschlagene Projekt unter- ziertere Kontaktaufnahme erlau- Herausforderung Integration stützt werden kann oder nicht. Spä- ben. Hier kann man sich sowohl mit testens zwei Wochen vor dem ins Ideen hinwenden als auch, wenn es Im Übrigen hat sich das Bild des Auge gefassten Termin sollte man Konflikte zu lösen gibt. SeniorInnen Zuwanderers massiv verändert, sich hier bei der Hotline melden. können in Kursen Deutsch erlernen. betont Frauenberger. „Über 60 Und bei den „Bassena Gesprächen“ Prozent der Menschen, die jährlich Als besonders berührend in Erinne- tritt Stadträtin Sandra Frauenber- neu nach Wien zuwandern, sind rung geblieben ist Lipowec ein Iftar- ger in Gemeindebauten in direkten sehr gut qualifiziert. Viele davon Essen. Dabei trafen einander musli- Dialog mit den BürgerInnen. haben sogar einen Universitäts- mische und katholische Frauen, um abschluss beziehungsweise eine gemeinsam das sogenannte Fasten- INFOS höhere Schule absolviert. Das Gast- brechen im Ramadan zu begehen. arbeiterInnenklischee ist also passe. „Dadurch, dass hier islamische und „Sei dabei“-Hotline, Außerdem kommt die Mehrheit der christliche Frauen von vornher- Mo–Fr von 9 bis 15 Uhr Neuzugewanderten aus der Euro- ein abwechselnd gesetzt wurden, Telefon: 01/4000-03919 päischen Union. Dabei sind die haben sich sehr schnell Gespräche Deutschen die Spitzenreiter.“ ergeben.“ Auf reges Interesse stieß Das erste dieser Gespräche fand die Einladung zum Wandern mit im Winter im Reumannhof statt. Das widerspricht also durchaus Nachbarn, eine Idee, die im zehnten „Mich hat es sehr gefreut, dass die jenen Bildern von bildungsfernen Bezirk geboren wurde. Menschen die Gelegenheit, mit mir HilfsarbeiterInnen, die in den Köp- über ihre Anliegen zu sprechen, fen vieler Menschen präsent seien. intensiv genutzt haben“, sagt Frau- Die Stadträtin betont dazu: „Aber Dialog mit den Bürgern enberger. „Der Grundtenor war: Die gerade für diese Zielgruppe stel- Die Initiative „Zusammenleben“ zugewanderten Menschen sollen len wir mit umfassenden Sprach- umfasst aber weit mehr als Nach- Deutsch können, jeder soll respekt- maßnahmen ein zielgruppenge- barschaftsprojekte. Die MA 17, voll mit dem anderen umgehen, rechtes Integrationsangebot zur zuständig für Integrations- und auf das Ruhebedürfnis vor allem Verfügung.“  Diversitätsangelegenheiten hat älterer BewohnerInnen ist Rück- neue Regionalstellen eingerichtet, sicht zu nehmen und die Hausord- Alexia Weiss Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 11
  12. 12. Aktuell Foto: Hans Klaus Techt, picturedesk.com Protestierende StudentInnen im Oktober 2009 vor der Uni Wien. Die Besetzer des Audi- max wollten auch gegen sozi- ale Missstände ankämpfen: Schlechte Studienbedingungen, Entdemokratisierung und Öko- nomisierung der Universitäten. Bologna den Prozess machen! Gegengipfel. Hinter dem Schlagwort „Bologna-Prozess“ verbirgt sich eine groß angelegte Reform der EU zur Vereinheitlichung des euro- päischen Hochschulwesens. StudentInnen aus ganz Europa sind mit dem Ergebnis der Reform unzufrieden. Unter dem Motto „Bologna den Prozess machen“ formieren sich nun die GegnerInnen. N ach zehn Jahren Erfahrung extrem auseinander: Förderung der bedeutet das leider eine komplette mit den Veränderungen, Mobilität, internationale Wettbe- Verschulung der Universitäten. Die die der so genannte „Bolo- werbsfähigkeit und die Beschäfti- neuen Studienpläne haben nur gna-Prozess“ an den Universitäten gungsfähigkeit der AbsolventInnen, noch wenig Ähnlichkeit mit einem in Gang gebracht hat, sind sich die diese drei Hauptziele der Bologna- echten vertiefenden Studium“, kri- Studierenden mehrheitlich einig: Strategie wurden von den europä- tisiert Julia Hofmann, Soziologie- Das ist keine Reform, das ist das ischen BildungsministerInnen for- studentin an der Universität Wien. Ende der universitären Bildung. muliert und wirken auf den ersten Bildung hat keinen Stellenwert Blick recht vernünftig – theoretisch! mehr: „Wir erhalten im Grundstu- Wie so oft klaffen auch bei der Streit- Im gelebten Studienalltag stellt sich dium einen oft sehr oberflächli- frage „Bologna“ Theorie und Praxis das ganz anders dar. „In der Praxis chen Crash-Kurs und können kaum 12 Jänner/Februar 2010
  13. 13. Bildung eigene Schwerpunkte setzen, weil Die Studierenden haben im Grund- INFOS alles vorgegeben ist. Zehn Jahre studium (dem neuen „Bachelor“- Bologna sind genug!“ Studium) kaum die Möglichkeit, eigene Forschungsprojekte zu rea- Am 11. und 12. März 2010 lisieren und wissenschaftliches treffen die europäischen Gegengipfel Arbeiten zu erlernen. Denn das ist WissenschaftsministerInnen Aus diesem Grund planen Julia und sehr betreuungsintensiv und somit zu einer 10-Jahre-Jubiläums- eine Reihe anderer Studierender teuer. Die weiterführenden Studi- konferenz der Bildungsreform aus ganz Europa einen Gegengip- engänge, Master und PhD, stehen zusammen. Der Gegengipfel fel zu den offiziellen Feierlichkeiten dann hingegen nur einer kleinen zu diesem Treffen findet der EU anläßlich des 10. Jahrestages „Elite“ zur Verfügung. zeitgleich unter dem Motto des Abkommens von Bologna (siehe „Bologna den Prozess Kasten). Unter dem Motto „Bolo- machen“ in Wien und Prekäre Lage für alle Budapest statt. gna den Prozess machen!“ sind eine große Demonstration und Störakti- Auf die Situation der Lehrenden Alle Infos auf: onen geplant. angesprochen, schüttelt Hannes nur www.bolognaburns.org oder den Kopf: „Ich und viele meiner Kolle- www.jugend.gpa-djp.at Auch Lena Drescher, die interna- gInnen stecken mitten im Prekariat. tionale Entwicklung an der Uni Wir haben alle irgendwelche ande- Wien studiert, zeigt sich kämpfe- ren Jobs, um unseren Lebensunter- risch: „Wenn die glauben, dass sie halt zu verdienen, weil die Bezah- da einfach in Ruhe feiern können lung an der Uni einfach zum Leben und sich gegenseitig auf die Schul- nicht ausreicht“, kritisiert Hannes. Die Planung und Organisation ter klopfen, weil das ja alles so toll des Gegengipfels, der im März in ist, dann haben sie sich getäuscht,“ Auch für die Studierenden hat sich Wien und Budapest stattfinden sagt sie. „Wir sind Tag für Tag die finanzielle Situation verschlech- wird, läuft bereits auf vollen Tou- an den Unis mit den Folgen von tert: Die starren Studienpläne der ren. Obwohl bei einem Prozess das Bologna konfrontiert und die sind neuen dreiteiligen Studienstruktur Urteil nicht schon zu Beginn festste- alles andere als ein Fest!“ Beim machen es noch schwerer als frü- hen sollte, scheinen sich die Studie- internationalen Gegengipfel wol- her, Studium und Erwerbsarbeit zu renden aus ganz Europa in diesem len die StudentInnen daher mit vereinbaren. Vor allem für Studie- Fall aber einig zu sein: Mit einem Vorträgen, Workshops und Podi- rende, die aus sozial schwächeren Freispruch ist nicht zu rechnen!  umsdiskussionen kritisieren und Familien stammen, bedeutet das analysieren, gleichzeitig aber auch ein enormes Handicap. Barbara Marx Alternativen zum derzeitigen Bil- dungssystem aufzeigen. Foto: Jan Woitas, , picturedesk.com Uni-Lehrer teilen Kritik Unterstützung erhalten die Stu- dierenden auch von vielen Lehrbe- auftragten. Hannes P., der selbst an seiner Doktorarbeit schreibt und als Lektor an der Uni Wien arbeitet, versteht den Unmut: „Die Kritik am Bologna-Prozess ist absolut gerecht- fertigt. Man will die Universitä- ten anhand neoliberaler Kriterien umbauen, um möglichst schnell möglichst viele AbsolventInnen zu „produzieren“. Das Ergebnis ist eine schlecht funktionierende Massen- universität, bei der die Bildung des Auch in Leipzig protestierten im November 2009 StudentInnen aus ganz Deutschland gegen Einzelnen auf der Strecke bleibt.“ Studiengebühren und für bessere Studienbedingungen. Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 13
  14. 14. Aktuell Foto: GPA-djp, Petra Deutschbauer INFOS Alle Infos zu AUSPED auf www.ausped.at Tel.: 01 / 406 06 66 E-Mail: office@ausped.at Der Speditionskaufmann Herbert Öttl nützt AUSPED für eine Ausbildung zum Masseur. Vom Speditionskaufmann zum Masseur Neubeginn. Die Stiftung AUSPED schafft neue Perspektiven für Ange- stellte in Speditionsbetrieben, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Herbert Öttl nutzte die Möglichkeit zu seiner Wunschausbildung. W enn sich die Progno- Kompetenz: Sie sind seit September und der Ausbildung im Rahmen der sen bewahrheiten, wer- 2009 in der AUSPED-Stiftung. Wur- Stiftung wagte ich den Sprung. den bis Ende 2010 rund den Sie davor gekündigt? 1.500 Angestellte in den öster- Kompetenz: Wie gestaltet sich wäh- reichischen Speditionsbetrieben Öttl: Nein, die Stiftung ist auch rend der Ausbildung Ihr Alltag? ihre Arbeit verlieren. Sie können offen für Angestellte in Beschäfti- aber die Möglichkeit nutzen, eine gung! Als ich von der Möglichkeit Öttl: Die Ausbildungsblöcke von berufsorientierte Wunschausbil- hörte, über AUSPED eine Ausbil- jeweils drei Tagen finden 14-tägig dung zu absolvieren und danach in dung zu machen, einigte ich mich statt. Dazwischen gilt es den Stoff diesem Beruf neu durchzustarten: mit meinem Arbeitgeber. zu lernen und um die Vorgabe einer Die Stiftung AUSPED, eine Initiative 40-Stunden-Woche zu erfüllen, der GPA-djp und der Speditionsun- Kompetenz: Wie haben Sie von arbeite ich nebenbei im Büro eines ternehmen, betreut ihre Stiftungs- AUSPED erfahren? Therapiezentrums. Ab September teilnehmerInnen von der Berufs- 2010 mache ich dann ein Praktikum orientierungsphase bis zur aktiven Öttl: Unser GPA-djp-Sekretär Eduard als Masseur im Kneipphaus in Bad Jobsuche über regionale Koopera- Anger informierte uns im Betrieb Mühllacken. tionspartner, um einen erfolgrei- über die Stiftung. So habe auch ich chen Wiedereinstieg ins Berufsle- davon erfahren. Kompetenz: Welchen Abschluss ben zu ermöglichen. haben Sie am Ende der Ausbildung? Kompetenz: Und wie kamen Sie auf Herbert Öttl sah das AUSPED-Ange- die Idee, Masseur zu werden? Öttl: Die Ausbildung dauert zwei bot als tolle Möglichkeit, noch ein- Jahre. Danach bin ich medizinisch- mal etwas Neues zu beginnen. Der Öttl: Der Beruf interessierte mich gewerblicher Masseur. Mit diesem 42-jährige Oberösterreicher gab schon länger, allerdings traute ich Abschluss kann ich mich selbststän- nach 27 Jahren seinen Job als Spe- mich nie über die Hürde, zu kündi- dig machen, was ich auch vorhabe. ditionskaufmann auf und begann gen und neu zu starten. Mit der Mög-   eine Ausbildung zum Masseur. lichkeit des abgesicherten Umstiegs  Petra Deutschbauer 14 Jänner/Februar 2010
  15. 15. Arbeiterkammer 90 Jahre Arbeiterkammern – 90 Jahre Mitgestaltung Sozialpartnerschaft. Die AK gibt es fast so lange wie die Republik Österreich. Seit ihrer Gründung im Jahr 1920 bildet sie das Gegengewicht zur Handels- kammer. Wesentliche soziale und demokratische Errungenschaften hätten ohne sie nicht erkämpft werden können. B Wirtschafts- und Sozialpolitik ereits Mitte des 19. Jahrhun- den und finden, gehen auf Initia- derts forderten die österrei- tiven der Arbeiterkammern und chischen ArbeitnehmerInnen Die Arbeiterkammern als gesetzli- Gewerkschaften zurück und sind eine gesetzliche Interessenvertre- che Vertretung der Interessen der unter ihrer Mitwirkung zustande tung. Doch vorerst gelang es nur ArbeitnehmerInnen gegenüber gekommen. den Unternehmern nach der Revo- Regierung und öffentlicher Verwal- lution von 1848 die Handelskam- tung wurden den Handelskammern „Gerade jüngste Kooperationen mern zu gründen. Danach gab es weitgehend gleichgestellt. Aufgabe und erfolgreiche Projekte, wie etwa immer wieder vergebliche Anläufe, der Arbeiterkammern war die Ein- jene zur Verbesserung der Arbeits- Arbeiterkammern gesetzlich einzu- flussnahme auf die gesamtstaat- bedingungen für Handelsangestell- richten. Doch der Kampf der Arbei- liche Wirtschaftspolitik, die Siche- ten, zeigen, wie wichtig eine enge terschaft um das „Allgemeine Wahl- rung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Gewerk- recht“ ging vor. Sozialpolitik, die Unterstützung der schaften und Arbeiterkammern für Gewerkschaften und BetriebsrätIn- die Beschäftigten sind“, betont die Erst als sich die Gewerkschafts- nen und die Förderung der Bildung Bundesgeschäfttsführerin der GPA- kommission 1918/19 vehement für der ArbeitnehmerInnen. djp und AK-Vizepräsidentin Dwora die Errichtung von Arbeiterkam- Stein.  mern als Pendant zu den Handels- Nach der Zerstörung der Kammern kammern einsetzte, gelang der durch den Faschismus wurden sie Sabine Lichtenberger Durchbruch. Die Arbeiterkammern 1945 als demokratische Selbstver- Klaus-Dieter Mulley sollten den „… Gewerkschaften waltungsinstitution der Arbeitneh- ein Apparat sein, die Wirtschaft merInnen wiedererrichtet. zu durchleuchten, sozialpolitisch das Gestrüpp gesetzlicher Ein- Moderner Sozialstaat richtungen zu durchdringen und arbeitsrechtlich alles verteidigen In enger Zusammenarbeit mit dem zu helfen.“ Zusammen mit dem ÖGB und den Gewerkschaften stel- Foto: ÖGB Archiv/ Zvacek Betriebsrätegesetz 1919, der Errich- len die Arbeiterkammern für die tung von Einigungsämtern durch österreichischen ArbeitnehmerIn- das Kollektivvertragsgesetz 1919 nen eine starke Interessenvertre- und schließlich der Einrichtung der tung der ArbeitnehmerInnen gegen- Arbeiterkammern am 26. Februar über der Wirtschaft, dem Staat und 1920 setzte der damalige Staatsse- der europäischen Gemeinschaft kretär für Soziale Verwaltung, Fer- dar. Nahezu alle modernen sozial- dinand Hanusch, Meilensteine im und wohlfahrtsstaatlichen Rege- Neugründung der Arbeiterkammern Bereich der kollektiven Interessen- lungen, die weit über die Grenzen 1945, v. l. n. r.: Korp, Schärf, Ren- vertretung. Österreichs hinaus Beachtung fan- ner, Seitz, Böhm, Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 15
  16. 16. Foto: Nurith Wagner-Strauss Kein Zweifel Jubilarin. In wirtschaftlichen Krisenzeiten überlegen sich viele, ob sich die Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft noch lohnt. Für Edith Wein waren fünfzig Jahre gewerkschaftliches Engagement immer selbstver- ständlich, weil sie in ihrer Jugend andere Zeiten erlebt hat. E dith Wein ist seit fünfzig Jah- rend zu feiern. Sie bedankte sich für sie klar, dass sie 1946 in das völlig ren Mitglied der GPA-djp. für die Urkunde mit nebenstehen- zerstörte Österreich zurückkehrte, Teil der Gewerkschaftsbewe- dem Brief. um beim Aufbau mitzuhelfen. gung zu sein, das war für sie immer selbstverständlich. Die sehr agile Edith Wein wuchs im 20. Wiener Da sie keinen Beruf hatte erlernen und resolute 85-jährige blickt auf Gemeindebezirk auf und besucht können, war es für sie sehr schwie- ein bewegtes und beruflich erfolg- dort die Volks- und Hauptschule. In rig, in der alten Heimat Fuß zu fas- reiches Leben zurück. den Jahren 1938 bis 1946 lebte sie in sen. Sie absolvierte Maschinen- England, wo sie als Hilfsarbeiterin schreib- und Stenografiekurse und Anlässlich ihrer fünfzigjährigen in der Kriegsindustrie tätig war. fand durch ihre Englischkenntnisse Mitgliedschaft erhielt Edith Wein Aufnahme in einem Büro. Trotz der von der GPA-djp eine Ehrenur- Obwohl viele befreundete Österrei- mangelnden Schulbildung arbei- kunde, um dieses Jubiläum gebüh- cherinnen in England blieben, war es tete sie sich während ihrer Berufs- 16 Jänner/Februar 2010
  17. 17. Portrait Brief von Edith Wein „Wien, 10. Dezember 2009 Sehr geehrte Kollegen! Ich habe mich sehr über die Ehrenurkunde gefreut, die Sie mir anlässlich meiner 50-jährigen Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft übersandt haben. Vor einiger Zeit, damals war die BAWAG-Affäre aktuell, hatte ich eine Diskussion mit einer guten Freundin zu führen, die im Gespräch meinte, ich trete aus der Gewerkschaft aus, was machen denn die für mich. Wie ein Blitz habe ich ihr geantwortet: „Ich werde nie aus der Gewerkschaft austreten. Ich habe im Jahr 1956 zu arbeiten begonnen und habe ohne jegliche Aktivität meinerseits jedes Jahr eine von der Gewerkschaft ausgehandelte Lohner- höhung bekommen. Ich hatte damals 14 Tage Urlaub im Jahr und dann plötzlich 3 Wochen und später sogar 5 Wochen, ohne dass ich einen Finger gerührt habe. Ich bekam ein 13. und 14. Monatsgehalt, das es auf der ganzen Welt nirgends gibt, ohne für das alles persönlich gekämpft zu haben. Nicht dass ich deswegen auf mich stolz bin, aber ich habe es der Gewerk- schaft innerlich immer gedankt.“ Mir ist vollkommen klar, mit der Gewerkschaft steht oder fällt das seit Jahren hart verhan- delte und erkämpfte Entlohnungsgerüst und ich möchte nicht wissen, wie wir dastehen würden, wenn die Gewerkschaft an Kraft verliert. So schnell könnten wir gar nicht schauen, wie sich alles zu unseren Ungunsten ändern würde. Meine Freundin ist nicht ausgetreten. Edith Wein während der Leider sind sich viele Arbeitnehmer nicht bewusst Jahre des österreichischen was die Gewerkschaft leistet, weil sie alles für Wiederaufbaus. selbstverständlich nehmen. Foto: Privat Also nochmals danke! Ihre Edith Wein“ laufbahn zur Geschäftsführerin einer Handelsfirma hoch. Es war für sie von Anfang an selbstver- ständlich, Gewerkschaftsmitglied zu sein. Als alleinerziehende Mutter zweier Söhne waren die damaligen Arbeitsbedingungen wie z. B. die 48-Stunden-Woche eine zusätz- liche Erschwernis. Umso mehr wusste sie die Errungenschaften der Gewerkschaft zu schätzen – 40-Stunden-Woche, fünf Wochen Urlaub und 13. und 14. Monatsge- halt waren für sie Meilensteine des sozialen Fortschritts.  Barbara Lavaud Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 17
  18. 18. Recht Foto: Christian Jobst Glückssache Glücksspiel? Casinos. Jürgen Nachbaur, Zentralbetriebsrats-Vorsitzender der Casinos Austria, fordert ein Glücksspiel-Gesetz, das für alle Anbieter gilt. D ie Casinos Austria beschäf- das so betont? Weil man mit die- zufolge von Automaten.“ Der Vor- tigen 1.700 MitarbeiterIn- sem Pflichtbewusstsein den illega- teil für die Finanzbehörden läge nen an zwölf Standorten. len Anbietern die SpielerInnen ins genauso auf der Hand wie die Ver- Roulette, Poker, Internet und Auto- Haus treibe: „Die 80.000 Personen, netzung auch Kontrollen erleich- maten locken aber in zig Wettcafes, die bei uns gesperrt werden muss- tern würde – die Automaten und Spiellokalen und oft auch in Hinter- ten, spielen ja jetzt nicht ,Mensch- ihre Standorte wären ja registriert, zimmern – das kleine Glücksspiel ärgere-dich-nicht’, für die Staats- und damit sei auch leichter zu ver- boomt. Jürgen Nachbaur missgönnt kasse fällt aber nicht immer etwas hindern, dass Minderjährige ihr niemandem sein Geschäft, „aber es ab.“ Dass diese Entwicklung sich Geld einwerfen. sollten für alle die gleichen Bedin- auf die Casinos Austria und auf gungen gelten“. seine KollegInnen auswirken wird, „Kein kleiner Aufwand, aber dafür will Nachbaur nicht bestätigen, eine Riesenwirkung“, kündigt Nach- Alles, was sich außerhalb des ausschließen kann er es aber auch baur an, der die Hoffnung nicht Glücksspielgesetzes abspielt, ist nicht. aufgibt, dass der Staat ein Gesetz für den wortgewaltigen Vorarlber- macht, das für alle gilt. Er werde ger, seit mehr als drei Jahrzehnten von seiner Forderung, über die Bessere Vernetzung Betriebsrat, illegal – „und das führt er sich mit der Geschäftsführung zur Benachteilung unserer Arbeit- Nachbaur sieht darin eine krasse einig ist, nicht abrücken. Wer den nehmerInnen“. Ungleichbehandlung für die Casi- erfahrenen Betriebsratsvorsitzen- nos Austria, für die er eine Lösung den kennt, weiß, dass er sich kein parat hat, die doppelten Nutzen Blatt vor den Mund nimmt, wenn Illegale Anbieter bringen würde: „Das Finanzminis- es um die Interessen der Mitarbei- Bei den Casinos Austria nehme man terium müsste alle in Österreich terInnen geht. „Ich habe eine gute nicht nur die Pflicht der Zugangs- aufgestellten Automaten mit dem Gesprächsbasis mit dem Unterneh- kontrollen sehr ernst, auch die Mit- Ministerium vernetzen. Damit wäre men, wir sprechen uns ständig ab, arbeiterInnen seien selbstverständ- nicht nur Manipulationen ein Rie- so gelingt vieles gemeinsam.“  lich angemeldet, „wir zahlen brav gel vorgeschoben, 80 Prozent der alle unsere Abgaben“. Warum er Spielsucht kommen allen Studien Litsa Kalaitzis 18 Jänner/Februar 2010
  19. 19. Arbeitswelt Arbeitswelt Psychische Belastung durch Leistungsdruck Ganztagsschule am bfi Foto: bfi Nahezu jeder/jede zweite ArbeitnehmerIn fühlt sich laut Arbeiterkammer psychisch belastet. 39 Prozent der Beschäftigten fühlen Foto: YAnC, iStockphoto.com sich unfähig, vom Job abzuschalten, 64 Prozent fühlen sich überlastet. Für die AK Oberösterreich sind der ständig steigende Leistungsdruck und die aktuelle Wirtschaftskrise der Ein Ganztagsmodell, um alle Grund für die zunehmende psychi- gut zu fördern: Das bietet jetzt sche Belastung der Beschäftigten. das bfi an seiner Handelsaka- demie und Handelsschule. Diese Entwicklung gefährde die Gesundheit von Hunderttausenden, Berufsbildende Schulen stellen die Folgen seien nicht nur viel Leid, hohe Anforderungen – kein sondern auch hohe Kosten, warnte Wunder, dass viele Anfän- AK OÖ-Präsident Johann Kalliauer. gerInnen scheitern. Aber das Er forderte daher eine menschen- muss nicht sein, sagten die gerechtere Gestaltung der Arbeit, LehrerInnen an der Handels- schule und der Handelsaka- einen verbesserten Kündigungs- worden sind, seien zwischen 2003 demie des bfi Wien in der schutz, die Evaluierung psychi- und 2008 von 1,5 auf 2,2 Millionen Margaretenstraße. Sie führen scher Belastungen am Arbeitsplatz gestiegen, ergänzte der Obmann erste Klassen jetzt ganztägig. sowie Maßnahmen im Bereich der der Oberösterreichischen Gebiets- Arbeitsmedizin. krankenkasse, Felix Hinterwirth. Bei Direktor Fred Burda: „Ein sinn- den Angestellten seien psychische volles Gestalten des Schulta- Die Krankenstandstage, die von psy- Krankheiten außerdem die häu- ges ermöglicht uns die erwei- chischen Erkrankungen verursacht figste Pensionsursache. terte Auseinandersetzung mit jenen Themen, die in einer work@flex kaufmännischen Schule sonst nicht transportiert werden können.“ Betriebsrat – Freund oder Feind? Die Unterrichtsstunden erstre- cken sich über den ganzen Betriebsrat – Freund oder Feind atypisch Beschäftigter? Tag und werden durch vertie- „Atypisch“ Beschäftigte sind oft von der innerbetrieb- fende Übungsstunden, Exkur- lichen Mitbestimmung ausgeschlossen. Die GPA-djp hat sionen sowie Möglichkei- 2001 die Interessengemeinschaft work@flex ins Leben ig_work@flex_broschüre_a5_ped.indd 1 30.12.2009 10:12:52 ten zu kreativem Gestalten gerufen, um „Atypischen“ eine Plattform zu bieten. Doch wie sieht ergänzt. die Situation in den Betrieben aus? An wen können „Atypische“ sich hier wenden? Schulen des bfi Wien, Info & Anmeldung: 01/587 96 50 Die BetriebsrätInnen versuchen zu helfen, ganz gleich ob es sich um oder office@schulenbfi.at freie DienstnehmerInnen oder regulär Beschäftigte handelt. Mehr dazu in der Broschüre „Betriebsrat – Freund oder Feind atypisch Beschäftigter?“, zu bestellen unter service@gpa-djp.at Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 19
  20. 20. Arbeitswelt In allen Banken laufen Kosten- einsparungsprogramme.Weni- ger MitarbeiterInnen müssen mehr bewältigen als vorher. Foto: gradt, Fotolia.com Unter Druck Finanzprodukte. Geldinstitute fürchten seit der Krise um ihren Ruf. Die MitarbeiterInnen sind wachsenden Belastungen ausgesetzt. Ganz so, als hätten die Angestellten das Fiasko verursacht. B eim Bewerben von Geldan- Die Folgen dieser Verkaufsstrate- der Erste Bank und Chefverhandler lagen und Investments hat- gien spüren die Finanzinstitute der Globalrunde Finance. „Wesent- ten die Beschäftigten in den dafür heute in Form von Vertrau- licher Bereich der Arbeit in Banken Bank- und Kreditinstituten keine ensverlust der KundInnen und war daher das Wiedergewinnen des Wahl: Die BeraterInnen am Schal- Umsatzeinbußen. In den Rankings Kundenvertrauens“, so Benischek. ter sollten mehr verkaufen. „Die der verrufensten Branchen standen „Zugleich laufen in allen Banken MitarbeiterInnen erhielten den früher die Versicherungen vorn. Kosteneinsparungsprogramme. Auftrag, bestimmte Anlageformen Inzwischen wurden sie von den Weniger MitarbeiterInnen müssen im Produktverkauf zu forcieren“, Banken überholt. mehr bewältigen als vorher.“ weiß Wolfgang Heinzl, Zentral- betriebsrats-Vorsitzender bei der „Die Wogen sind vor allem im ers- MitarbeiterInnen Bank Austria (BA). Zielvereinbarun- ten Quartal des vergangenen Jahres als Sündenböcke gen mit den Beschäftigten steuer- hochgegangen, als sehr viele Kund- ten, welche Finanzprodukte sie in Innen mit ihren Wertpapieren ins Es sind die MitarbeiterInnen, die welcher Zahl den KundInnen ver- Minus gerutscht sind“, sagt Gün- gezwungen sind, den Vertrauens- kaufen mussten. ter Benischek, Betriebsratschef in verlust abzufangen. Sie sind es, die 20 Jänner/Februar 2010
  21. 21. Arbeitswelt vor den KundInnen stehen und den umfang. Die Zielvorgaben, die vom schaft in Sachen „Arbeitsdruck und Ärger wegen der Verluste zu spü- Management vorgegeben werden, Gesundheitsproblematik“ kon- ren bekommen. KundInnen und sind für die Beschäftigten kaum krete präventive Maßnahmen mit Kleininvestoren geben die Schuld noch zu schaffen und immer schwe- den Arbeitgeberverbänden verein- denen, die ihnen die Finanzpro- rer nachvollziehbar. baren.“ Einzelne Institute haben dukte verkauft haben. bereits darauf reagiert. In der Bank „Bei der Vielfalt der Angebote ist Austria ist z. B. bereits ein Vorsor- Viele BankkundInnen empfin- es kaum möglich, eine Beratung so geprojekt im Laufen. In der Erste den die Krise nicht zuletzt auch durchzuführen, dass sich die Kun- Bank ist Gesundheitsvorsorge eine als moralische Krise, weil manche dInnen zufrieden fühlen. Die GPA- fixe Einrichtung. Ein gewerkschaft- Banken ihre Finanzprodukte nicht djp arbeitet deshalb gemeinsam mit liches Positionspapier „Betriebliche immer mit fairen Methoden an die der europäischen Gewerkschafts- Gesundheitsförderung und Stress- vertretung Uni- prävention“ wurde bereits von Europa an einer BetriebsrätInnen und ExpertInnen Der ständig steigende Arbeitsumfang Charta für den dazu erarbeitet. ist für die Beschäftigten verantwortungs- kaum noch zu schaffen. vollen und fairen Fichtinger will, dass Finanzpro- Verkauf von Fi- dukte generell transparenter wer- nanzprodukten. den, damit die BeraterInnen mit Leute gebracht haben. „In den ver- Wenn es gelingt, eine solche Charta dem Angebot verantwortungs- gangenen Jahren ging es um den durchzusetzen, könnte das sowohl voll umgehen können: „Beschäf- schnellen Erfolg“, kritisiert Heinzl. In eine Entlastung für die Bankmitar- tigte in den Kreditinstituten und seinem Konzern, der italienischen beiterInnen bringen, als auch ein KundInnen sollen nicht mehr diese UniCredit Group, glaubt er aber Verbesserung für die KundInnen“, undurchsichtige Produktpalette vor neuerdings zu erkennen, dass auf so Fichtinger. sich haben“, fordert Fichtinger. nachhaltige Geschäftsbeziehungen  und -ergebnisse wieder mehr Wert Spezialfachwissen verbessern gelegt wird. Allerdings stehen die Arpad Hagyo Entscheidungsträger in den Finanz- häusern erst am Anfang des Weges Deswegen fordert Fichtinger, dass zu einem verantwortungsvollen die Ausbildung schwerpunktmäßig Finanzsystem. forciert wird. Wenn es immer mehr Anlageformen gibt, müssen sich Angestellte laufend das dazugehö- Unüberschaubares Angebot rige Spezialfachwissen aneignen. Vor dem Investmentboom existier- „Die Angestellten, die im Verkauf ten deutlich weniger Finanzpro- stehen, sind nicht schuld am Desas- dukte. Dafür gab es damals Spe- ter“, betont Helga Fichtinger, GPA- zialeinschulungen, bei denen die djp-Sekretärin für den Wirtschaft- BeraterInnen genau über die Vor- bereich Finance. und Nachteile sowie über die Risi- ken der einzelnen Prokukte infor- Nicht zuletzt auch wegen des stän- miert wurden. Inzwischen ist es für dig gestiegenen Arbeitsdrucks will die BeraterInnen schwierig gewor- Fichtinger, dass die Tätigkeit von den, die verschiedenen Finanzpro- FinanzberaterInnen entsprechend dukte einzuschätzen. abgegolten wird. Da geht es klarer- weise ums Geld, andererseits auch Viele Beschäftigte haben sich bei um die Arbeitsbelastung in den Ins- der Überzeugungsarbeit am Schal- tituten. ter regelrecht verausgabt. „Im Bereich Finance ist Burn-out eine Klassische Bankprodukte werden fast so häufige Erkrankung wie im Foto: APA vermischt mit Versicherungspro- Sozialbereich“, schildert Fichtinger. dukten, ständig steigt der Arbeits- „Deswegen werden wir als Gewerk- Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 21
  22. 22. Stefanie, 21, stv. Marktmanagerin: „Wenn man bereit ist, die nötige Zeit zu investieren, dann schafft man sein Ziel auch.“ Karrierechancen im Handel Weiterbildung. Berufliche Perspektiven für Handelsangestellte hängen allzu oft davon ab, in welchem Betrieb man arbeitet. Der Zugang zur Bildung muss für alle offen sein, fordert die GPA-djp. M it insgesamt 524.000 ein sehr gutes Angebot an Lehrstel- Führungskräfte absolviert. Für kar- Beschäftigten zählt der len. „Bei der Aus- und Weiterbil- rierebewusste junge Menschen wie Handel zu den größten dung wird das Angebot aber deut- Stefanie hält diese Firma ein gutes Arbeitgebern Österreichs. Diese lich geringer und hängt stark vom Angebot bereit: „Ich wurde von Branche ist für viele der Einstieg Unternehmen und seinen Förder- Anfang an von der Firma über Mög- in den Arbeitsmarkt, allerdings programmen ab“, weiß Anita Stavik, lichkeiten zur Weiterbildung gut zu immer härteren Bedingungen. Sekretärin in der GPA-djp. informiert. Das hat meinen Ehrgeiz Teilzeit und geringfügige Beschäf- geweckt und mich auch motiviert!“ tigung werden oft zum Dauerzu- Ausbildung in der Firma stand. Beruflicher Aufstieg und Stefanies nächster Schritt wird die Karriere bleibt für viele ein Traum. Stefanie H. ist mit 21 Jahren bereits Matura sein, und sie plant auch Aus- und Weiterbildung sind der stellvertretende Marktmanagerin schon für danach. Das verlangt ihr Schlüssel für eine abgesicherte einer Billa-Filiale. Sie hat ein firmen- einiges ab: „Natürlich ist es eine Beschäftigung. Im Handel gibt es eigenes Ausbildungsprogramm für Herausforderung – wenn man 22 Jänner/Februar 2010
  23. 23. Arbeitswelt Foto: Nurith Wagner-Strauss terbildung haben – nicht nur die, „Mobile-Tagging“ die so wie ich das Glück haben, in einem Betrieb zu arbeiten, der sie Mit Hilfe dieses Codes kommen unterstützt.“ Sie direkt auf unser Video zu den Karrierechancen im Handel. Eva S. und Stefanie H. sind leider nicht die Regel. Der Handel ist eine Sie brauchen ein Mobiltele- Branche, wo viele Talente brach lie- fon mit Kamera und Internet- zugang, wenn Sie direkt online gen und die Beschäftigten ein in gehen wollen (Achtung: es Summe äußerst dünnes Angebot können Kosten entstehen, wenn vorfinden. Sie keinen Datentarif haben) Den Code-Leser finden Sie gratis Wenig Angebote, wenig Info z. B. hier: www.beetagg.com/ downloadreader Ingrid S. ist 51 Jahre alt und gelernte Buchhändlerin. Sie ist Vollzeit Mehr dazu auf Seite 25 beschäftigt. Weiterbildungen be- „Weblinks als Code“. Info suchte sie vor allem am Beginn ihrer Berufslaufbahn, in den vergan- Das VIDEO zum Thema „Karri- genen fünfzehn Jahren hat sie an erechancen im Handel?“ finden keiner Bildungsmaßnahme mehr Sie auf unserer Homepage teilgenommen. „Ich glaube, dass www.gpa-djp.at für Weiterbildungen nicht mehr so viel Raum ist. Es gibt kaum Ange- bote“, kritisiert sie die Situation. Dazu kommen die Ladenöffnungs- Zugang zur Bildung zeiten als Hindernis: „Sich neben bereit ist, die nötige Zeit zu inves- der Arbeit im Handel weiterzubil- Wenn der Arbeitgeber also nicht tieren, dann schafft man das auch“, den ist ausgesprochen schwierig. aktiv mitspielt und die Weiterbil- erklärt Stefanie selbstbewusst. Die Kurse finden entweder am Vor- dung fördert oder eigene hausin- mittag statt oder bereits ab 18 Uhr terne Bildungsprogramme anbie- Rahmenbedingungen müssen – ich muss aber bis 19 Uhr arbeiten, tet, geht gar nichts. „Weiterbildung stimmen das geht sich nicht aus. Auch am darf nicht davon abhängen, dass Wochenende ist es schwierig, weil manche Firmen Förderprogramme Auch Eva S., Filialleiterin beim DM wir am Samstag arbeiten. Es fehlt anbieten und manche nicht“, for- Drogeriemarkt, weiß was sie will. uns die Zeit, die müsste uns der dert Gewerkschafterin Anita Stavik. Seit sechzehn Jahren arbeitet sie Arbeitgeber zur Verfügung stellen“, „Weiterbildung muss vor allem bei DM. Was als Nebenjob begann, wünscht sich Ingrid S. Ein größeres auch mit den Arbeitszeiten und wurde eine Karriere im Handel als Entgegenkommen des Arbeitgebers den Ladenöffnungszeiten vereinbar Drogistin und Filialleiterin. „Bei würde vieles erleichtern. sein, das wäre eine Grundvoraus- DM gibt es die Möglichkeit, eine so setzung.“ genannte Fachkarriere zu machen“, Auch Heidemarie St., Lehrling im erklärt Eva S. „Ich bleibe in meiner dritten Lehrjahr in einem großen Und gerade auch ältere Arbeitneh- Funktion als Filialleiterin, erweitere Möbelhaus, ist mit der Situation merInnen wie Ingrid S. müssen, um aber meine Tätigkeitsfelder.“ So hat nicht wirklich zufrieden. Sie schätzt bis zur Pensionierung im Beruf blei- Eva die Ausbildung zur Drogistin im die Möglichkeiten zur Weiterbil- ben zu können, regelmäßig an Bil- zweiten Bildungsweg absolviert. dung in ihrer Branche als höchst dungsveranstaltungen teilnehmen unterschiedlich ein und wünscht können. Für Stavik der entschei- Die Rahmenbedingungen in ihrem sich eine bezahlte Weiterbildungs- dende Punkt: „Dieser Zugang zur Betrieb weiß Eva sehr zu schätzen. zeit. Von Freunden aus anderen Bildung ist unsere Kernforderung, „Wünschenswert wäre es, dass alle Betrieben weiß sie, dass viele nicht darauf kommt es an.“  Beschäftigten im Handel solche einmal die nötigen Infos über Wei- Möglichkeiten zur Aus- und Wei- terbildungen erhalten. Barbara Lavaud Jänner/Februar 2010 KOMPETENZ 23
  24. 24. Regionen Regionalforen: „Umdenken, gegenlenken!“ In der GPA-djp haben alle Mitglieder die Möglichkeit, die politischen Schwerpunkte ihrer Organisation mitzugestalten. Kärnten Tirol 12. März 2010 17. April 2010 11.00 Uhr, Seehotel Hafnersee, 13.30 Uhr, Hotel „Grauer Bär“, Plescherken 5, 9074 Keutschach Universitätsstraße 7, 6020 Innsbruck GPA-djp Kärnten, GPA-djp Tirol, Bahnhofstraße 44/4, Südtiroler Platz 14, 6020 Innsbruck 9020 Klagenfurt Tel.: 05 0301-28 000 Tel.: 05 0301-25 000 E-Mail: tirol@gpa-djp.at E-Mail: kaernten@gpa-djp.at Wien Oberösterreich 20. April 2010 17. März 2010 13.00 Uhr, ÖGB-Zentrale, Kürnberghalle Leonding, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien Limesstrasse 8, 4060 Leonding GPA-djp Wien, GPA-djp Oberösterreich, Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 Wien Volksgartenstraße 40, 4010 Linz Tel.: 05 0301-21 000 Tel.: 05 0301-26 000 E-Mail: wien@gpa-djp.at E-Mail: oberoesterreich@gpa-djp.at Salzburg Vorarlberg 23. April 2010 16. April 2010 Josef Brunauer Hotel Vinomna-Saal, 6830 Rankweil Elisabethstraße 45a, 5020 Salzburg GPA-djp Vorarlberg, GPA-djp Salzburg, Reutegasse 11, 6900 Bregenz Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg Tel.: 05 0301-29 000 Tel.: 05 0301-27 000 E-Mail: vorarlberg@gpa-djp.at E-Mail: salzburg@gpa-djp.at Wir laden unsere Mitglieder ein, aktiv Anträge an die Regionalforen (RF) zu stellen. Die Tagesordnun- gen werden rechtzeitig auf den regionalen Webseiten im Internet publiziert! Frist für die Anträge: 4 Wochen vor dem jeweiligen Termin. Die RF der Bundesländer Niederösterreich und Steiermark finden im Juni statt und werden zeitgerecht bekannt gegeben. Das RF Burgenland wurde bereits in der KOMPETENZ 12/2009, Seite 2 bekannt gegeben und findet am 27. Februar 2010 statt. 24 Jänner/Februar 2010

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