Sws aktuell 2015_2

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Die Inflation 2014
Seit 4 Jahren befinden sich die Inflationsraten im Fallen. Dennoch gibt es bei einigen Indexpositionen einen
ungebremsten Preisauftrieb. Dieser wirkt sich besonders bei Haushalten mit niedrigem Einkommen aus.

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  1. 1. Die Inflation 2014 Seit 4 Jahren befinden sich die Inflationsraten im Fallen. Dennoch gibt es bei einigen Indexpositionen einen ungebremsten Preisauftrieb. Dieser wirkt sich besonders bei Haushalten mit niedrigem Einkommen aus. Impressum: Herausgeber und Medieninhaber Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 · Redaktion Gerlinde Hauer, Petra Innreiter, Ilse Leidl, Reinhold Russinger, Matthias Schnetzer, Norman Wagner · Kontakt SWSA@akwien.at · Verlags- und Herstellungsort Wien Erscheinungsweise 11 mal jährlich · DVR 0063673 AKWien Die Inflationsraten im Zeitvergleich Jedes Jahr im Jänner wird von Statistik Austria die jährliche durchschnittliche Inflationsrate des Vorjahres veröffentlicht. Für das Jahr 2014 betrug sie 1,7  %, d.h., die Preise der im Warenkorb befindlichen Güter und Dienstleistungen haben sich gegenüber 2013 um durchschnittlich 1,7 % erhöht. Im Vorjahr erreichte die Inflationsrate mit 2,0 % ein um 0,3 Prozentpunkte höhe- res Niveau. Geht man in seinen Betrachtungen noch weiter zurück – z.B. in das Jahr 1975 – so betrug damals die Inflationsrate 8,5 %. Grund für diese hohe Inflation waren die Auswirkungen des sog. „1. Erdölschocks“. Die Preisbewegungen einzelner Indexpositionen Insgesamt werden 791 Waren- und Dienstleistungs­ positionen auf ihre Preisänderungen hin Monat für Monat beobachtet. Diese Beobachtungen erstrecken sich auf 20 Städte und umfassen letztlich über 40.000 Einzel- è WUSSTEN SIE, DASS im Vorjahr die Inflationsrate um 0,3 Prozentpunkt höher war? AbonnierenSieSWSAalsE-Mail-Newsletter:http://wien.arbeiterkammer.at/newsletter.html „Sozial- und Wirtschaftsstatistik aktuell“ auswählen und auf „abschicken“ klicken. Quelle: Statistik Austria Feedback und Rückfragen bitte an SWSA@akwien.at SOZIAL-&WIRTSCHAFTS­ STATISTIK AKTUELL Nr 2/2015 Download: http://wien.arbeiterkammer.at/service/zeitschriften/SozialundWirtschaftsstatistikaktuellWS S A Tabelle 1: Verbraucherpreisindex Veränderungs- raten für die Verbrauchgruppen Veränderung in % Verbrauchsgruppen 2014/2013 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 2,0 Alkoholische Getränke 3,8 Bekleidung und Schuhe -0,8 Wohnung, Wasser, Energie 1,6 Hausrat 0,9 Gesundheitspflege 2,2 Verkehr 0,2 Nachrichtenübermittlung 6,0 Freizeit und Kultur 1,4 Erziehung und Unterricht 2,7 Restaurants und Hotels 2,9 Verschiedene Waren und DL 1,7 VPI gesamt 1,7
  2. 2. Inflation 2014 2 preise. Dies ermöglicht eine sehr genaue Abbildung der tatsächlichen Gesamtpreisentwicklung. Die Einzelpositi- onen werden zu 12 Gruppen zusammengefasst. Für jede davon lassen sich auch „Subinflationsraten“ berechnen. Als Berechnungsgrundlage dienen die entsprechenden Verbraucherpreisindizes (VPI). Diese Messzahl – aus- gehend vom Basiswert 100 – gibt die Preisänderungen bezogen auf den Basiswert wieder. So bedeutet etwa der Index 109,7 (Wert 2014), dass seit Beginn der Preisver- gleiche zu einem bestimmten Basisjahr (100) die Waren und Dienstleistungen um 9,7 % teurer wurden. Tabelle 1 zeigt die durchschnittlichen Preissteigerun- gen von 2013 auf 2014, und zwar auf der Verbrauchs- gruppenebene. Über der Gesamtinflation liegende Steigerungen konnten in den letzten Jahren immer wieder bei Indexpositionen festgestellt werden, die ein relativ hohes Ausgabengewicht aufweisen. Die Problematik dabei liegt nicht so sehr – oder nicht nur – bei der prozentuellen Preisveränderung, sondern auch bei der Positionsgewichtung im Gesamtindex (Grafik 1):SoumfassenetwadiePositionen„Nahrungs- mittel“ und „Wohnung, Wasser, Energie“ ca. 30 % der Gesamtausgaben eines Durchschnittshaushalts. Oder mit anderen Worten: Waren- und Dienstleistungspositi- onen mit einem besonders hohen Gewicht wirken sich in Verbindung mit einer hohen relativen Veränderung der Preise auf die Gesamtinflation besonders stark aus. Zum Beispiel betrug der Beitrag zur Inflation für die beiden oben genannten Ausgabenpositionen 0,53-Pro- zentpunkte (ohne Einrechnung dieser Preisanstiege würde die Inflation 1,2 %) betragen. Gemessen an ihren Gesamtausgaben geben ärmere Haushalte für Wohnen und Ernährung relativ mehr aus als reichere Haushalte. Daraus ergibt sich, dass ärmere Haushalte sehr stark von der Verteuerung der Lebensmit- tel bzw. des Wohnens betroffen sind; d.h., sie sind daher stärker von der Inflation betroffen als reichere Haushalte. Die Preistreiber: Wohnung, Wasser und Energie Den stärksten Einfluss (+ 0,3 Prozentpunkte) auf die Jahresinflation hatten die Preisanstiege in der Ausga- bengruppe „Wohnung, Wasser, Energie“. Dies wiegt umso schwerer, als man diesen Ausgaben nicht ent- kommt; zumindest nicht kurzfristig. Daher ganz klar die Stoßrichtung der AK: Reform des Mietrechts mit è Quelle: Statistik Austria Grafik 1: Verbraucherpreisindex: Gewichtungsschema 2014 in % des Gesamtindex WUSSTEN SIE, DASS zu mehr als 50 % die Inflation von Preissteigerungen bei Lebensmitteln und bei Wohnen bestimmt wird? Verschiedene Waren und DL 9,7% Restaurants und Hotels 8,6% Erziehung und Unterricht 1,3% Freizeit und Kultur 11,5% Nachrichtenübermittlung 2,4% Verkehr 13,9% Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 11,8% Alkoholische Getränke 3,9% Bekleidung und Schuhe 6,1% Wohnung, Wasser, Energie 18,3% Hausrat 7,7% Gesundheitspflege 4,9% VPI gesamt 100% 11,8% 3,9% 6,1% 18,3% 7,7% 4,9% 13,9% 2,4% 11,5% 1,3% 8,6% 9,7%
  3. 3. Inflation 2014 3 eindeutigen Mietzinsobergrenzen bei privaten Mieten. Grafik 2 zeigt den Preisanstieg der VPI-Positionen Wohnen und Ernährung und die Gesamtinflation im mittelfristigen Jahresdurchschnitt. Deutlich zu erken- nen ist der über der Inflation liegende Preisanstieg für Wohnen und Ernährung. Die Kaufkraft schwindet Die Bruttolohn- bzw. Bruttogehaltszuwächse pro Kopf für das Jahr 2014 werden vom Wirtschaftsforschungs- institut mit 1,5 % prognostiziert, während die Inflation im selben Zeitraum um 1,7 % stieg. Der Pensionsan- passungsfaktor für 2014 beträgt 1,6 %. Wenn diese Prognose hält, sinkt die Kaufkraft der Pensionen und jene der Löhne und Gehälter. Fehlende Kaufkraftzuwächse wirken sich besonders negativ in einer Phase geringen wirtschaftlichen Wachstums aus, und zwar über die Stagnation oder den Rückgang des privaten Konsums. Die gesamten privaten Konsumausgaben betragen ca. 50  % des Bruttoinlandsproduktes. Kräftige Reallohnzuwächse setzten daher überaus wirksame Wachstumsimpulse, die nicht nur die Inlandsnachfrage erhöhen, sondern über höhere Steuereinnahmen (z.B. MWSt.) auch bud- getentlastende Wirkungen zeigen. WUSSTEN SIE, DASS Wohnen in den letzten fünf Jahren um jährlich durchschnittlich 2,6 % teurer wurde? Die Arbeiterkammer fordert umfangreiche Maßnahmen zur Begrenzung der Teuerung, insbesondere ¡ eine Reform des Mietrechts mit klaren Mietzinsobergrenzen bei privaten Mieten, ¡ niedrigere Betriebskosten: Streichung der Grundsteuer und Versicherungskosten aus dem Betriebskostenkatalog, ¡ rasche Zweckwidmung der Wohnbauförderung, ¡ eine Beweislastumkehr in hochkonzentrierten Branchen, wie im Energie- und Lebensmittelbereich, auch wenn diese bis dato vom Nationalrat abgelehnt wurde. Quelle: AK Wien Grafik 2: Entwickung der Preise ausgewählter Ausgabengruppen 2010–2014 jährliche durchschnittliche Veränderungen in % Ernährung WohnenVPI 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 2,72,3 2,6
  4. 4. Inflation 2014 4 Glossar Inflation: Andauernder und signifi- kanter Anstieg des Preisniveaus. Verbraucherpreisindex (VPI) zeigt das Preisniveau der Waren und Dienstleistungen des privaten Konsums an, ausgehend von einem Basisjahr (=100). Er ist ein aus Teilindizes (Messzahlen) zusammengewichteter Gesamt­ index. blog.arbeit-wirtschaft.at leuchtet Hintergründe aus, stößt Debatten an und hält mit Fakten dem Mainstream kritisch gegen. Der AW Blog bezieht klar Position: Auf Seiten der arbeitenden Menschen. Dazu bringen engagierte Leute aus Wissenschaft, interessierter Öffentlichkeit und ArbeitnehmerInnenvertretung kurze Analysen und klare Argumente auf den Blog. Anklicken: blog.arbeit-wirtschaft.at twitter.com/AundW facebook.com/arbeit.wirtschaft istockphoto.com/mattjeacock

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