Humboldt-Universität zu BerlinPhilosophische Fakultät IIIInstitut für Musikwissenschaft und MedienwissenschaftSeminar für ...
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1. EinleitungDiese Arbeit setzt sich mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten digitalerArchive auseinander. Im Z...
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2.a. Das klassische ArchivDas Archiv ist zunächst von der Bibliothek oder Sammlung zu unterscheiden. „Bibliothekmeint im e...
Narration: „Das Archiv erzählt nicht, es registriert.“11 Indem es zählt, statt erzählt,unterscheidet sich das Archiv von d...
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Gleichwohl funktionieren beide Gedächtnisformen wieder völlig unterschiedlich. Es ist zubedenken,         „dass die Maschi...
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Abb. 3: Ausschnitt aus einem Datensatz. Hier finden sich zum Teil automatisch indexierte Metadaten, wie Größe, Format undI...
Abb. 4-5: Ausschnitte aus der Vorschaubilderansicht: Unter den Thumbnails stehen weitere Informationen wie Titel, Format u...
4.b. Das Interface der Typo3-Mediendatenbank                  4.b.i. Traditionelle Textdarstellung als Strukturelement    ...
Abb. 6: Die Typo3-DAM ist in drei scrollbare Spalten geteilt. Die mittlere Spalte mit dem Dateibaum und den Kategorien ist...
Im Gegensatz zur traditionellen Textseite überschreitet die virtuelle Seite den begrenztenRahmen des Browserfensters und d...
Ähnlich dem Kino – und darin unterscheidet sich das Computerinterface von der Malereiund der Fotografie – sind die gerahmt...
Abb. 8: Pop-Up, in dem der Datensatz der Datei direkt editiert werden kann.Auch        gibt      es     im      Typo3-Back...
nacheinander, also zeitbasiert. Gleichwohl steckt die Bildsprache der Typo3-DAM noch inaltbekannten visuellen Strategien f...
Das Bild im Mittelpunkt der Karte stellt dabei das Ursprungsbild dar – Thorp spricht vom„seed“, also Samen oder Saatgut. E...
5.b. Der Image BreederDer Image Breeder ist eine weitere Anwendung zu Repräsentation der Bilder aus derGlocal-Datenbank. D...
Abb. 11: Erster Durchlauf im Image Breeder: Oben sind die beiden Ursprungsbilder („Eltern“) abgebildet, darunter die aus d...
Natürlich sind die errechneten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Bildern reineImagination. Gleichwohl liefert die Me...
Computeranwendungen können zwar die Bedeutung, der Mensch einem Bild zumisst,nicht erkennen, jedoch können sie strukturell...
7. LiteraturBense, Max: Aesthetica. Einführung in die neue Aesthetik. Baden-Baden 1965Brachmann, Botho: Neue Quellengattun...
Pratschke, Margarete: Interaktion mit Bildern. Digitale Bildgeschichte am Beispielgrafischer Benutzeroberflächen. In: Bred...
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Ästhetik und Funktion digitaler Bildarchive - Strategien in der Verwaltung und ästhetischen Repräsentation komplexer Bilddatenbanken am Beispiel der Typo3-Bilddatenbank, der Glocal Similarity Map und dem Glocal Image Breeder

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Diese Arbeit setzt sich mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten digitaler Archive auseinander. Im Zentrum steht dabei die Verwaltung großer Bildmengen in Datenbanken. Es wird der Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von digitalen und klassischen Archiven nachgegangen. Eine große Bedeutung spielt auch das Interface eines digitalen Archivs. Erfordert das Computer-Archiv eine besondere Oberflächen-Ästhetik? Woran orientiert sich das Design der Interfaces? Am Beispiel der Bilddatenbank des verbreiteten Content-Management-Systems Typo3 soll gezeigt werden, wie Computerinterfaces auf bekannten visuellen Sprachen basieren. Zwei Anwendungen des künstlerischen Projekts Glocal sollen wiederum alternative Such- und Visualisierungsstrategien exemplarisch aufzeigen.

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Ästhetik und Funktion digitaler Bildarchive - Strategien in der Verwaltung und ästhetischen Repräsentation komplexer Bilddatenbanken am Beispiel der Typo3-Bilddatenbank, der Glocal Similarity Map und dem Glocal Image Breeder

  1. 1. Humboldt-Universität zu BerlinPhilosophische Fakultät IIIInstitut für Musikwissenschaft und MedienwissenschaftSeminar für MedienwissenschaftWintersemester 2009/10HS: „Dynamische Speicher“: Archive und SuchmaschinenDozent: Prof. Wolfgang ErnstReferentin: Franziska RoederFachsemester: 11Matrikelnr.: 135972Ästhetik und Funktion digitaler BildarchiveStrategien in der Verwaltung und ästhetischen Repräsentation komplexerBilddatenbanken am Beispiel der Typo3-Bilddatenbank, der Glocal SimilarityMap und dem Glocal Image Breeder
  2. 2. Inhaltsangabe:1. Einleitung ......................................................................................................................... 22. Digitale Archive ............................................................................................................... 2 2.a. Das klassische Archiv................................................................................................. 4 2.b. Gedächtnis medienwissenschaftlich........................................................................... 5 2.c. Datenbank als Archiv ................................................................................................. 8 2.d. Bilder im digitalen Archiv.......................................................................................... 93. Ästhetik von Datenbanken ........................................................................................... 12 3.a. Datenbanken als kulturelle Form.............................................................................. 12 3.b. Interfaces .................................................................................................................. 144. Die Typo3-Mediendatenbank....................................................................................... 15 4.a. Ein Content-Management-System als Medienarchiv............................................... 15 4.b. Das Interface der Typo3-Mediendatenbank............................................................. 19 4.b.i. Traditionelle Textdarstellung als Strukturelement in der Typo3- Mediendatenbank ........................................................................................................ 19 4.b.ii. Elemente des Kinos als Strukturelement in der Typo3-Mediendatenbank....... 21 4.b.iii. Elemente des Mensch-Computer-Interface in der Typo3-Mediendatenbank .. 225. Bilder als Eltern und Kinder........................................................................................ 24 5.a. Die Similarity Map Engine....................................................................................... 24 5.b. Der Image Breeder ................................................................................................... 266. Schluss ............................................................................................................................ 287. Literatur......................................................................................................................... 308. Abbildungsverzeichnis .................................................................................................. 31 1
  3. 3. 1. EinleitungDiese Arbeit setzt sich mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten digitalerArchive auseinander. Im Zentrum steht dabei die Verwaltung großer Bildmengen inDatenbanken. Es wird der Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden vondigitalen und klassischen Archiven nachgegangen. Eine große Bedeutung spielt auch dasInterface eines digitalen Archivs. Erfordert das Computer-Archiv eine besondereOberflächen-Ästhetik? Woran orientiert sich das Design der Interfaces? Am Beispiel derBilddatenbank des verbreiteten Content-Management-Systems Typo3 soll gezeigt werden,wie Computerinterfaces auf bekannten visuellen Sprachen basieren. Zwei Anwendungendes künstlerischen Projekts Glocal sollen wiederum alternative Such- undVisualisierungsstrategien exemplarisch aufzeigen.2. Digitale ArchiveIn digitalen Archiven oder audiovisuellen Archiven konvergieren Medien und Gedächtnis,ermöglicht durch „die universale diskrete Maschine namens Computer, die im Prinzip seit1937 durch die Kopplung der Funktionen Speicherung, Übertragung, Programmierbarkeitund Berechnung definiert ist“1. Die Entwicklung der programmierbaren Digitalrechnereröffnet der Archivierung verschiedener Medien völlig neue Möglichkeiten. Ton, Schrift,Bild, Grafik und Video können, unabhängig von ihrem ursprünglichen Trägermedium,zusammen auf demselben Medium festgehalten werden. Das heißt, die vormalsuntrennbare Einheit von Inhalt und Form beziehungsweise Trägermedium wird aufgelöst –ein einschneidendes medienarchäologisches Ereignis. Ermöglicht wird dies durchDigitalisierung der analogen, kontinuierlichen Daten in diskrete kleinste Bestandteile.Dabei ist diese Opposition nicht im Sinne einer geschichtlich-analogen Abfolge zuverstehen, in der das Digitale das Analoge ablöste. Viele Medienarchäologen konntenzeigen, dass „digitale Verfahren bereits vor dem Computer verbreitet waren undMischformen das theoretische Konzept immer wieder durchkreuzten“.2 Zum Beispiel kann1 Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts).Berlin 2007. S. 18f.2 Schneider, Birgit: Digitale Bilder. In: Bredekamp/ Schneider/ Dünkel (Hg.): Das Technische Bild.Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Berlin 2008. S. 82 2
  4. 4. schon die Erfindung des aus 290 einzelnen beweglichen Drucktypen bestehenden Druck-Typen-Satzes Gutenbergs aus dem Jahre 1450 als digitale Revolution betrachtet werden,bemerkt Wolfgang Coy.3 Ohne die massenhafte Produktion billigen Papiers für den Druckunbedeutenderer Publikationen, wäre die Gutenbergsche Revolution jedoch nicht möglichgewesen – für die Herstellung einer seiner Bibeln brauchte man das Pergament von 160Kälbern. „Aber so wie die Gutenbergsche Revolution ohne das Speichermedium Papier stecken geblieben wäre, so beruht die jetzige digitale Revolution auf den mikroelektronischen Schaltungen und den dazu passenden magnetischen und optischen Speichern.“4Die neuen Formen der Speicherung erfordern eine Aktualisierung des Gedächtnisbegriffs.Mit den neuen Medien scheint sich die Gedächtniskultur von der Archivierung zurÜbertragung zu verschieben, wie Wolfgang Ernst betont. “Der langen Epoche des Gutenberg-Zeitalters gegenüber wurde die Gedächtniskultur des 20. Jahrhunderts zunehmend von audiovisuellen Medien bestimmt, deren Wesen – technisch und ästhetisch – nicht mehr primär in der Speicherung, sondern in der Übertragung liegt – ein aktualisierter Begriff von Tradition.“5Um sich den technischen und ästhetischen Möglichkeiten digitaler Archive zu nähern,sollen zunächst verschiedene Begriffe geklärt und differenziert werden. Was kennzeichnetdas klassische Archiv und wie unterscheiden sich digitale Archive von ihnen? Was ist ausmedienwissenschaftlicher Sicht unter dem archivischen Gedächtnis zu verstehen?Inwieweit funktionieren Datenbanken nach der Logik des Archivs?3 Coy, Wolfgang: Eure Rede aber sei: 0, 0; 1, 1 – Vom Detail bei der Digitalisierung. In: Schäffner/ Weigel/Macho (Hg.): „Der liebe Gott steckt im Detail“. Mikrostrukturen des Wissens. München 2003. S. 175-184,hier S. 1794 Ebd.: S. 1795 Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts).Berlin 2007. S. 11 3
  5. 5. 2.a. Das klassische ArchivDas Archiv ist zunächst von der Bibliothek oder Sammlung zu unterscheiden. „Bibliothekmeint im etymologischen Wortsinn den Ort der Büchersammlung; das Archiv hingegenverweist auf die Institution, die Behörde, der die Dokumente entstammen.“6 WährendMuseen und Bibliotheken frei sammeln, was der kulturelle Diskurs anbietet, ist das Archivals administrative Institution an die Maßgabe der Provenienz gebunden. Das heißt, dasArchiv übernimmt das Archivgut so, wie es von den Behörden formal festgelegt wurdeunter Erhaltung seines Entstehungszusammenhanges. Das Archiv entstammt also eher derGeschäfts- und Verwaltungssphäre als dem kulturellen Diskurs. „Archive sind schriftlicherNiederschlag von hoheitlicher Verwaltung durch staatliche Institutionen und vongeschäftsmäßiger Tätigkeit juristischer und natürlicher Personen.“7 In Europa warenArchive prinzipiell nicht der Öffentlichkeit zugänglich, sondern „Vorräume der Macht“8,wie der Name des „Geheimen Staatsarchivs“ (Preußischer Kulturbesitz) verdeutlicht. Eineentscheidende Aufgabe des Archivars besteht in der Selektion des Archivwürdigen und derAussortierung des Nicht-Archivwürdigen, der Kassation. „Staatsarchive haben eben keinen Vollständigkeitsauftrag, sondern im Gegenteil die Pflicht zur Kassation, d.h. zur Sonderung und Löschung überkommener Aktenberge. Hier, in der Selektion, nicht in der Speicherung liegt die eigentliche Aufgabe des klassischen Archivs.“9Auch darin liegt die Macht des Archivs, nämlich konkret Archivgut zu vernichten. „Die(Macht-)Praxis des Archivs heißt also Datenlöschung – eine Funktion, die gegenüber demöffentlichen Diskurs kaschiert wird, wo erfolgreich die Konnotation von Archiv undBewahrung installiert ist.“10 Das Archiv zeichnet sich gerade durch seine Auslassungenund Lücken aus. Seine Verwaltungslogik funktioniert nicht nach dem Prinzip der6 Ernst, Wolfgang: Das Archiv als Gedächtnisort? In: Pauser/ Scheutz/ Winkelbauer (Hg.): Quellenkunde derHabsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch. Wien 2004, S. 1113-1131, hierS. 11147 Ebd.: S. 11148 Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts).Berlin 2007. S. 209 Ebd.: S. 6410 Ernst, Wolfgang: Das Archiv als Gedächtnisort? In: Pauser/ Scheutz/ Winkelbauer (Hg.): Quellenkundeder Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch. Wien 2004, S. 1113-1131.Hier S. 1121 4
  6. 6. Narration: „Das Archiv erzählt nicht, es registriert.“11 Indem es zählt, statt erzählt,unterscheidet sich das Archiv von der Geschichte, deren Medium die Narration ist. „Die Verwaltungslogistik des Archivs entspricht der non-narrativen Verfasstheit seiner Akten, die zuvor entlang bürokratischer Alphanumerik zirkuliert haben. Aktenkennziffern sind dem Dokument (in seiner Semantik) gegenüber äußerlich und doch ihrem Format als Operatoren eingeschrieben. Narrationen sind das Medium des kollektiven Gedächtnisses; Medium des Archivs aber ist der Verbund aus alphanumerische Zeichen, Materialitäten der Speicherung und logistischen Programmen.“12 2.b. Gedächtnis medienwissenschaftlichGedächtnis und Erinnerung meinen nicht dasselbe, auch wenn die umgangssprachlichunscharfe Anwendung beider Begriffe dies zulässt. Das Gedächtnis ist, laut Hegel, dasMedium der Erinnerung, das heißt erst mittels des Konstruktes Gedächtnis kann so etwaswie Erinnerung geschehen.13 Aus diesem Grund ist der Begriff des Gedächtnisses indifferenzierender Abgrenzung zum Erinnerungsbegriff zu verwenden. Gedächtnis immedienarchäologischen Sinne zu fassen, heißt, es außerdem im Zusammenhang mittechnischen Apparaten und Speichern zu betrachten. Der Begriff des Erinnerns wird imComputer dabei vom Begriff des Speicherns überschrieben. „Die Stärke des Computers liegt gerade darin, nicht zu erinnern, sondern zu speichern; er prozessiert seine Daten, streng algorithmisch, nach zeitkritischen Bedingungen […].“14Gedächtnis medienarchäologisch zu definieren heißt aber auch, den Begriff in der Logikarchivischer Agenturen zu verorten.11 Ebd.: S. 111912 Ebd.: S. 111813 Vgl. Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20.Jahrhunderts). Berlin 2007. S. 5614 Ebd.: S. 216 5
  7. 7. „Die Speicherarchitektur in der Von-Neumann-Maschine scheint sich, kulturell vielleicht unbewusst, nach wie vor an dem Modell von Archiven, Bibliotheken und Museen (für ‚Objekte’) zu orientieren.“15Die Klassifikation und Sortierung im archivischen Gedächtnis folgt dabei eher Gesetzender Kybernetik, als denen der linear und lückenlos erzählten Geschichte. Die Kybernetik(gr. kybernētikē téchnē: Steuermannskunst) befasst sich mit der ‚Regelung undNachrichtenübertragung in Lebewesen und Maschine’16, wobei sie im neuronalen(biologischen) und technischem Schaltwerk einen gemeinsamen Typ von Macht erkennt.Im Zentrum der kybernetischen Betrachtungen steht die Untersuchung komplexerBeziehungen von Elementen in Ganzheiten und die Kopplung zwischen einzelnenSystemen, wobei der Prozess der Rückkopplung, also die Rückeinspeisung der Differenzvon Soll- und Istzustand, eine besondere Rolle spielt. Wie ähnlich sind sich menschlichesund technisches Gedächtnis aber wirklich? „Eine sehr wichtige Funktion des Nervensystems und […] eine Funktion, die in gleicher Weise für Rechenmaschinen erforderlich ist, ist die des Gedächtnisses, die Fähigkeit, die Ergebnisse vergangener Operationen für die Benutzung in der Zukunft zu speichern.“17In Rückgriff auf Henri Bergson und Sigmund Freud beschreibt Wolfgang Ernst dasmenschliche Nervensystem als einen gedächtnisbegabten Schaltkreis, der an dieVerschaltung elektronischer Rechner erinnert. „Wie ein digitaler Schalter können Gedächtnisneuronen zwei Zustände ausführen: energetische Besetzungen festhalten wie auch weiterleiten, je nach Stärke des Widerstands (das Prinzip des Elektronenröhrenspeichers).“1815 Ebd.: S. 21416 Untertitel des wegweisenden Werkes von Norbert Wiener: Kybernetik. Regelung undNachrichtenübertragung in Lebewesen und Maschine. Hamburg 1968.17 Wiener, Norbert: Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung in Lebewesen und Maschine.Hamburg 1968. S. 15318 Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts).Berlin 2007. S. 57 6
  8. 8. Gleichwohl funktionieren beide Gedächtnisformen wieder völlig unterschiedlich. Es ist zubedenken, „dass die Maschine für viele aufeinanderfolgende Operationen geplant ist, die entweder ohne Beziehung zueinander sind oder mit einer minimalen begrenzten Beziehung, und dass ihre Aufzeichnungen gelöscht werden können, während das Gehirn im natürlichen Ablauf nicht einmal annäherungsweise seine vergangenen Aufzeichnungen löscht.“19Die menschliche Wahrnehmung bildet außerdem nicht einfach ab, sondern sie konstruiertdiese aus den Empfindungen in den Sinnesorganen, wie schon Hermann von Helmholtz inseines Untersuchungen zur visuellen Sinneswahrnehmung darlegen konnte.20 Dasmenschliche Gedächtnis funktioniert also anders als technische Speicher. „Dasmenschliche Gedächtnis ist nichts Statisches, sondern dynamische Konstruktionsarbeit unddaher kaum als Speicher oder Archiv zu denken.“21Die Problematik der Datenlöschung wird als Datenverlust aber gerade mit den technischenSpeichern zum besonderen Problem. Durch die permanente Weiterentwicklung vonDateiformaten, Datenträgern und Lesegeräten, erhöht sich die Gefahr desGedächtnisverlustes, weil alte Formate nicht mehr gelesen werden können. Auch ist dieLebensdauer digitalen Archivguts zu gering und so ist statt Langzeitarchivierungpermanentes Umkopieren und Übertragen der Daten erforderlich. Andreas Kellerhals-Maeder bringt die Erfordernisse, die das digitale Archiv an seine Archivare stellt, auf denPunkt: „Bei der täglichen Arbeit mit digitalen Datenträgern geht es […] um Risk- Management: Das Risiko ist umfassender Gedächtnisverlust – oder […] mit Kafka19 Wiener, Norbert: Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung in Lebewesen und Maschine.Hamburg 1968. S. 15420 Vgl. Roeder, Franziska: Hermann von Helmholtz im Grenzbereich zwischen Naturwissenschaft undPhilosophie. Die Sinneswahrnehmung als Grenzgebiet zwischen Naturwissenschaft und Philosophie amBeispiel von Helmholtz` Betrachtungen zur visuellen Sinneswahrnehmung. Hausarbeit im MagisterhauptfachKulturwissenschaft, Fachbereich Ästhetik, 2007. www.grin.de21 Ernst, Wolfgang: Das Archiv als Gedächtnisort? In: Pauser/ Scheutz/ Winkelbauer (Hg.): Quellenkundeder Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch. Wien 2004, S. 1113-1131.Hier S. 1115 7
  9. 9. gesprochen: ein Zugang zu Informationen, die zwar ‚da’ sind, auf die aber nicht zurückgegriffen werden kann, weil der Türhüter den Schlüssel verloren hat.“22 2.c. Datenbank als ArchivIm Unterschied zum klassischen Archiv hat man es beim digitalen Archiv genaugenommen mit einer Datenbank zu tun. Der Begriff der Datenbank „ist Symptom und Kind einer Epoche, die neben individuelles und kollektives Gedächtnis, neben Archive, Bibliotheken und Museen eine Form lochkartengesteuerter, elektromagnetischer oder gar vollends digitalisierter Speicher gesetzt hat, mit der im Gedächtnis-Konzert buchstäblich zu rechnen ist.“23Archive sind in einem allgemeinen Sinn auch Datenbanksysteme – sie zählen, registrierenund ordnen, anders ausgedrückt: sie rechnen genau wie die Datenbank. Außerdem müssenArchive wie Datenbanken adressierbar sein, damit sie arbeiten können. „Kaum eineBibliothek, kaum ein Archiv, kaum eine Mediathek ist ohne Metadaten, ohneAdressspeicher operabel.“24 Das heißt, es gibt in jedem Archiv, ob digital oder klassisch,eine übergeordnete Struktur, die unter anderem Ort, Format und Größe eines jedenDatensatzes beziehungsweise des jeweiligen Archivguts festschreibt. Im Unterschied zumklassischen Archiv operiert die Datenbank jedoch „online“, also in Verbindung mit einemaktiven Kommunikationsnetzwerk, während Archive immer nur „offline“ nutzbar waren.Die Vernetzbarkeit von Datenbanken ermöglicht außerdem gleichzeitiges Nutzenderselben Datenbasis durch Anwendungsprogramme: „das sogenannte „file- und time-sharing war traditionellen kulturellen Speichern bislang nicht möglich.“25 Ferner könnenDatenbanken dank digitaler Speichertechnik weit mehr Medientypen speichern als analogeArchive.22 Kellerhals-Maeder, Andreas: Archive in der schönen, neuen Welt. Auf dem Weg zu einer klaren Position.In: Geschichte & Informatik 12 (2001), S. 89-108, hier S. 9123 Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts).Berlin 2007. S. 7824 Ebd.: S. 9025 Ebd.: S. 79 8
  10. 10. „Zahlenkodes, typischerweise feste Bitfolgen aus Nullen und Einsen, bilden ihre Grundstruktur. Mit diesen Kodes lassen sich alle medialen Daten, egal ob Texte, Zahlen, Bilder, Videos, aber auch taktile oder olfaktorische Messungen, notieren und programmiert bearbeiten.“26Das digitale Archiv bietet gegenüber den traditionellen Archiven also neue Möglichkeitender Speicherung und Repräsentation verschiedener Datenformen, indem es sich auf nicht-schriftliche Speichersysteme ausdehnt. „Das Schriftarchiv erscheint neben Ton-, Bild- und Filmarchiv. Vieles, das bislang nicht geschrieben werden konnte, ist in diesen neuen Codes notierbar (Vilém Flusser); das Reale selbst zeichnet sich als Archiv auf.“27In dieser Arbeit sollen technische Bilder und ihre Archivierung im Speziellen behandeltwerden, weshalb alle weiteren digital speicherbaren Daten in der Untersuchung in denHintergrund rücken. 2.d. Bilder im digitalen ArchivAllein die massenhafte Verbreitung der Computer markierte einen Wandel der Interaktionvon Text zu Bild. „Sie beruht auf der mit dem Bild verbundenen Vorstellung seinergegenüber dem Text und komplexer Sprache vorzüglichen Eigenschaft, Sachverhalteleichter und anschaulich, intuitiv und auf einen Blick zu vermitteln.“28 Indem Bilder Texteverdrängen, verändern sie auch die menschliche Wahrnehmung und Wertung der Welt:„nicht mehr eindimensional, linear, prozessual, historisch, sondern zweidimensional, als26 Coy, Wolfgang: Eure Rede aber sei: 0, 0; 1, 1 – Vom Detail bei der Digitalisierung. In: Schäffner/ Weigel/Macho (Hg.): „Der liebe Gott steckt im Detail“. Mikrostrukturen des Wissens. München 2003. S. 175-184,hier S. 17927 Ernst, Wolfgang: Archivbilder. In: Darsow, Götz-Lothar (Hg.): Metamorphosen. Gedächtnismedien imComputerzeitalter. Stuttgart-Bad Cannstatt 2000. S. 18028 Pratschke, Margarete: Interaktion mit Bildern. Digitale Bildgeschichte am Beispiel grafischerBenutzeroberflächen. In: Bredekamp/ Schneider/ Dünkel (Hg.): Das Technische Bild. Kompendium zu einerStilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Berlin 2008. S. 68-81, hier S. 69 9
  11. 11. Fläche, als Kontext, als Szene.“29 Jedoch sind die digitalen Bilder anders geartet alstraditionelle Bilder, wie Vilém Flusser feststellt. „Und zwar insofern, als die technischen Bilder auf Texten beruhen, aus diesen hervorgegangen sind und nicht eigentliche Flächen darstellen, sondern aus Punktelementen zusammengesetzte Mosaiken.“30Das heißt, die Verdrängung der Texte durch Bilder ist eine nur scheinbare, da technischeBilder letzendlich auf geschriebenem Code basieren. Im Computer werden die in Punktezerfallenen Bilder berechnet und als scheinbare Bilder wiedergegeben. „Übrig bleiben dimensionslose Punktelemente, die weder fassbar noch vorstellbar, noch begreifbar sind – unzulänglich für Hände, Augen und Finger. Aber sie sind kalkulierbar (‚calculus’ = Steinchen) und können mittels spezieller, mit Tasten versehener Apparate gerafft (‚komputiert’) werden. Man kann diese mit Fingerspitzen auf Apparat-Tasten drückende Geste ‚Kalkulieren und Komputieren’ nennen. Dank ihr entstehen mosaikartige Raffungen von Punktelementen: die technischen Bilder. Ein komputiertes Universum, in welchem Punktelemente zu scheinbaren Bildern eingebildet werden.“31Das heißt, im Grunde sind digitale Bilder eine Anhäufung vieler kleiner Punkte. Erst derrechnende Computer generiert aus dieser Ansammlung eine wahrnehmbare Fläche. Eroperiert dabei bei Weitem genauer als die menschliche Wahnnehmung, sodass zweischeinbar identische Bilder aus rechnerischer Sicht durchaus verschieden sein können. „Die vom Menschen empfundene Bildähnlichkeit differiert von der Ästhetik des Computers, dem ein Bild dem anderen messbar nahe stehen muss, um rechenbar zu sein. Auch wenn Muster und Texturen in unserer Wahrnehmung ähnlich erscheinen, unterscheiden sie sich auf digitaler Ebene möglicherweise Pixel für Pixel.“3229 Flusser, Vilém: Ins Universum der technischen Bilder (1985). 5. Auflage, Göttingen 1996. S. 930 Ebd.: S. 1031 Ebd.: S. 1432 Ernst, Wolfgang: Archivbilder. In: Darsow, Götz-Lothar (Hg.): Metamorphosen. Gedächtnismedien imComputerzeitalter. Stuttgart-Bad Cannstatt 2000. S. 184f. 10
  12. 12. Bilder in Datenbanken können außerdem mit Metadaten versehen werden, wodurch sichzusätzliche Möglichkeiten der Archivierung bieten. Metadaten sind „Daten über Daten“,Schlüsselwörter und ergänzende Informationen, die einem Bild oder jeder sonstigen Dateieines digitalen Archivs zugewiesen werden können. „Metadaten ermöglichen es den Computern, Daten zu ‚erkennen’ und zu finden, zu verschieben, zu komprimieren und zu extrahieren, mit anderen Daten zu verbinden […].“33Mithilfe von Metadaten sind Dateien aus der Datenbank für den Nutzer besser auffindbar.Eine Herausforderung ist, den Computer die zeitaufwändige Indexierung der Dateienübernehmen zu lassen. Jedoch ist die Zuweisung von Bedeutung bisher zum größten Teilan die menschliche Intelligenz und die Sprache gekoppelt. Über Schlagwörter/keywords,Beschreibungen und Kategorien werden die Dateien in der Datenbank mit bestimmtenBedeutungen belegt. Dies ermöglicht eine zielgerichtete und schnelle Suche. DerComputer kann diese Prozesse unterstützen, zum Beispiel durch den Vergleich vonBildstrukturen. Wie weiter oben beschrieben, kann der Computer ein Bild bis auf denletzten Pixel mathematisch erfassen. Diese Fähigkeit macht sich zum Beispiel das im Jahr1985 von IBM entwickelte Bildverwaltungsprogramm QBIC zunutze, indem es Bilder undVideos über messbare Merkmale finden lässt. “One of the guiding principles by QBIC is to let computers do what they do best – quantifiable measurement – and let humans do what they do best – attaching semantic meaning.”34QBIC kann seine Datenbank zum Beispiel nach “fischförmigen” Objekten durchsuchen,wobei die Vorgabe der Form per Zeichnung des Nutzers erfolgt. Das State HermitageMuseum St. Petersburg, Russland, verwendet die QBIC-Software zur Durchsuchung einesdigitalen Bildarchivs auf seiner Website.35 Der Benutzer hat die Möglichkeit in einem FeldFarben und, leider nur im begrenzten Rahmen, Formen zu definieren, die als Grundlage für33 Manovich, Lev: Black Box – White Cube. Berlin, 2005. S. 2934 Flickner, Myron et al.: Query by Image and Video Content. The QBIC System. In: Maybury, Mark T.(Hg.): Intelligent multimedia information retrieval. Menlo Park, CA (American Association for ArtificialIntelligence) 1997, 7-21 (bzw. textidentische Version in der Zeitschrift IEEE September 1995, 23-32). S. 2335 http://www.hermitagemuseum.org/fcgi-bin/db2www/qbicSearch.mac/qbic?selLang=English (Stand:24.09.2010) 11
  13. 13. die Suche des Programms nach Bildern aus der Datenbank mit ähnlichen Farb- undFormparametern dienen. Eine mittlerweile verbreitete Methode ist auch die automatischeSuche nach Gesichtern in Bildern. Die Suchmaschine Google wendet dieses Verfahren seiteiniger Zeit an.36 Datenbanken bieten also neue Möglichkeiten der Bildarchivierung und -repräsentation und erfordern somit auch eine eigene Ästhetik. Aus diesem Grund soll imfolgenden Kapitel näher die besonderen Merkmale und die spezifische Ästhetik vonDatenbanken eingegangen werden.3. Ästhetik von Datenbanken 3.a. Datenbanken als kulturelle FormDatenbanken sind Systeme zur elektronischen Verwaltung komplexer und strukturierterDatenbestände. Es gibt verschiedene Datenbanktypen die die verwalteten Objekteunterschiedlich organisieren. Hierarchische Datenbanken ordnen die Daten zum Beispiel inbaumähnlichen Strukturen. Im Unterschied zu traditioneller Dokumentenverwaltungerlauben Datenbanken einen schnellen Zugriff auf eine Fülle von Dateien verschiedenenTyps, die, wie schon beschrieben, mittels Metadaten mit zusätzlichen Informationenversehen sind. „[I]t allows to quickly access, sort and re-organize millions of records; it can contain different media types, and it assumes multiple indexing of data, since each record besides the data itself contains a number of fields with user-defined values.”37Der Nutzer kann via Interface – der Benutzeroberfläche – Dateien betrachten und denDatenbestand durchsuchen. Aber anders als bei traditionellen Archivierungsmethoden istder Benutzer einer typischen Datenbank auf die Computertechnologie angewiesen:36 Die Bild- und Gesichtssuche nach „Lev Manovich“ ergibt zum Beispiel folgendes Ergebnis:http://www.google.de/images?hl=de&source=imghp&q=Lev+Manovich&gbv=2&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=#q=Lev+Manovich&hl=de&gbv=2&tbs=isch:1,itp:face&source=lnt&sa=X&ei=frKcTNHtComDswaXt6jmDg&ved=0CAwQpwU (Stand: 24.09.2010)37 Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 214 12
  14. 14. „For instance, we enter some terms into a search field and wait for a computer to find appropriate records. A typical database is so large it cant be displayed all at once, it exists beyond the scale of human perception and cognition. For me, this new “non-human” scale represents one “essential” quality of a database [...].”38Lev Manovich vertritt die These, dass Datenbanken, genau wie zum Beispiel die Literatur,Modelle zur Repräsentation der Welt darstellen. „[L]iterary or cinematic narrative, an architectural plan and database each present a different model of what a world is like. It is this sense of database as a cultural form of its own which I want to address here. [...] [W]e may even call database a new symbolic form of a computer age, [...] a new way to structure our experience of ourselves and of the world.”39Laut Manovich stellen Datenbanken eine neue symbolische Form des Computerzeitaltersdar, eine neue Art und Weise unsere Erfahrungen zu strukturieren. Datenbanken stellen dieWelt als eine ungeordnete Liste von Dingen dar. Auch die Literatur oder die Erzählungstellt die Welt dar, aber im Unterschied zur Datenbank stellt die Erzählung zwischenscheinbar ungeordneten Objekten oder Ereignissen ursächliche Verbindungen her.Datenbanken folgen dagegen einer eigenen Logik, die auf Datenstrukturen undAlgorithmen beruhen. “If in physics the world is made of atoms and in genetics it is made of genes, computer programming encapsulates the world according to its own logic. The world is reduced to two kinds of software objects which are complementary to each other: data structures and algorithms.”40Ein Algorithmus reduziert Prozesse auf eine festgelegte Folge von Handlungsabläufen, dieder Computer ausführen kann, um zum Beispiel eine bestimmte Datei zu suchen.Datenstrukturen bezeichnen in der Informatik mathematische Objekte zur Speicherung von38 Manovich, Lev in einem Interview für SWITCH.http://www.manovich.net/DOCS/interview_database_SWITCH.doc (18.03.2010)39 Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 21940 Ebd.: S. 223 13
  15. 15. Daten, zum Beispiel Arrays, verkettete Listen und Graphen. Beide Softwareobjektearbeiten in Abhängigkeit voneinander. “Algorithms and data structures have a symbiotic relationship. The more complex the data structure of a computer programm, the simpler the algorithm needs to be, and vice versa.”41Um überhaupt verarbeitet zu werden, müssen die Daten zunächst generiert oderdigitalisiert und dann indexiert, das heißt mit Schlagworten versehen, werden. In dieserAbfolge von Prozessen erkennt Manovich einen neuen kulturellen Algorithmus, der sichinsbesondere im Internet manifestiert hat. “Once it is digitized, the data has to be cleaned up, organized, indexed. The computer age brought with it a new cultural algorithm: reality media data database. The rise of the Web, this gigantic and always changing data corpus, gave millions of people a new hobby or profession: data indexing.”42 3.b. InterfacesDer Zugriff auf eine Datenbank erfolgt in den meisten Fällen über eine Schnittstelle, dasInterface, das die Daten auf verschiedene Art und Weise repräsentiert und Funktionen zurNavigation und Suche anbietet. Das Interface ist dabei alles andere als ein transparentesFenster sondern nach besonderen ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten gestaltet,die dem Benutzer das Arbeiten mit der Datenbank erleichtern soll. „For instance, an image database can be represented as a page of miniature images; clicking on a miniature will retrieve the corresponding record. If a database is too41 Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 22342 Ebd.: S. 224f. 14
  16. 16. large to display all of its records at once, a search engine can be provided to allow the user to search for particular records.”43Die Neuen Medien ermöglichen nun die Trennung des Archivguts von derBenutzeroberfläche, denn auf ein und dasselbe Material kann mittels verschiedenaufgebauter Interfaces zugegriffen werden. „[B]y organizing computer data in particular ways, the interface provides distinct models of the world. For instance, a hierarchical file system assumes that the world can be organized in a logical multi-level hierarchy. In contrast, a hypertext model of the World Wide Web models the world as a non-hierarchical system ruled by metonymy.”44Manovich stellt die These auf, dass die Sprache der Interfaces auf drei bekanntenkulturellen Formen basiert: dem gedruckten Word („printed word“), dem Kino („cinema“)und der Mensch-Computer-Interaktion („human-computer interface – HCI“)45. Manovichgebraucht die drei Formen als Kürzel für größere kulturelle Traditionen. Auch dasInterface der Typo3-Mediendatenbank als webbasierte Anwendung greift auf die Sprachedieser drei Formen zurück.4. Die Typo3-Mediendatenbank 4.a. Ein Content-Management-System als MedienarchivTypo3 ist ein quelloffenes (Open Source), webbasiertes Content-Management-System(CMS). Ein CMS verwaltet die Inhalte von meist komplexen Websites, das heißt jede Artvon digitalen Informationen, Bildern und Dokumenten in verschiedenen Formaten. DasTypo3-CMS läuft auf einem Webserver, der Zugang zur Verwaltungsoberfläche (Backend)erfolgt über einen gängigen Browser. Über eine Erweiterung lässt sich Typo3 auch für dasDigital Asset Management (DAM), also für die Speicherung und Verwaltung von Bildern,43 Ebd.: S. 22644 Ebd.: S. 6545 Manovich führt den in der Informatik feststehenden Begriff „human-computer interaction (HCI)“ als„human-computer interface (HCI)“ ein. 15
  17. 17. Grafiken, Musikdateien, Texten und sonstigen Dateien, nutzen. Typo3 verwaltet seineInhalte zwar über Baumstrukturen, also hierarchische Menüs, jedoch folgt dieMedienverwaltung einem etwas abgewandelten Grundprinzip. Alle Medien liegenidealerweise in einem einzigen oder möglichst wenigen Ordnern:Abb. 1: Ausschnitt aus der Ordnerstruktur der Typo3-Bilddatenbank der Helmholtz-Gemeinschaft. Alle Bilder liegen in dem Ordner„Bilder“ beziehungsweise in den Unterordnern „Atmobilder“ oder „Forschung“.Strukturiert werden die Medien über die Zuweisung von vorab redaktionell festgelegtenKategorien, die jeder Datei über ihren Datensatz zugewiesen werden kann.Abb. 2: Ausschnitt aus der formularähnlichen Eingabefläche des Datensatzes. In diesem Bereich werden die Kategorien vergeben. Imrechten Fenster werden die vorab festgelegten Kategorien angezeigt. Durch Klicken werden die jeweiligen Kategorien ins linke Fensterübernommen. Die Datei, zu der der Datensatz gehört, wird nun über die links angezeigten Kategorien in der Datenbank gefunden.Der Datensatz enthält die in dieser Arbeit schon beschriebenen Metadaten, alsoInformationen zum Inhalt der Mediendatei und Schlagworte. 16
  18. 18. Abb. 3: Ausschnitt aus einem Datensatz. Hier finden sich zum Teil automatisch indexierte Metadaten, wie Größe, Format undInformationen aus dem Dateiheader, in dem die IPTC-Daten liegen. Weiterhin können hier per Hand Titel, Schlagworte,Beschreibungen und weitere Informationen zum Bild und seiner Provenienz in die dafür vorgesehenen Textfelder eingetragen werden.Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Medien zu sichten und bestimmte Dateien zufinden. Ein Suchfeld ermöglicht die Suche nach einem bestimmten Begriff aus demDatensatz der Datei. Bei dieser Suchmethode werden alle Felder des Datensatzesausgelesen. Eine weitere Möglichkeit ist das Sichten der Medien in der Listen- oderVorschaubilderansicht – Letzteres bietet sich selbstverständlich besonders für Bilder an.Hierbei können – und das ist die dritte Möglichkeit, die Suche einzugrenzen – Kategorienzur Hilfen genommen werden, die wieder in einer Baumstruktur wie Dateiordner oderMenüpunkte angewählt werden können. 17
  19. 19. Abb. 4-5: Ausschnitte aus der Vorschaubilderansicht: Unter den Thumbnails stehen weitere Informationen wie Titel, Format und Größe,sowie Werkezeuge zur Bearbeitung der Bilder. Darunter werden die Kategorie und das Suchwort angezeigt, nach denen die Datenbankdurchsucht worden ist. 18
  20. 20. 4.b. Das Interface der Typo3-Mediendatenbank 4.b.i. Traditionelle Textdarstellung als Strukturelement in der Typo3- MediendatenbankAuch in einer Mediendatenbank spielt Text eine grundlegende Rolle, sowohl alsMedientyp als auch als Metasprache aller Computermedien. Text „is a meta-language of computer media, a code in which all other media are represented: coordinates of 3D objects, pixel values of digital images, the formatting of a page in HTML.“46Wie die meisten “kulturellen Interfaces”47 adaptiert das Interface der Typo3-DAM diePrinzipien der traditionellen Textorganisation – Manovich bezeichnet dies als Prinzip des„Printed Word“, also des gedruckten Wortes. Ein Beispiel ist die Textseite: einerechteckige Fläche, die begrenzte Informationen enthält und mit weiteren Seiten verbundenist. Auch die Typo3-Mediendatenbank präsentiert sich im Seitenlayout, wobei dasBrowserfenster den Rahmen bildet. Im Unterschied zur klassischen Seite lassen sich dieabgebildeten Inhalte scrollen, so wie jede Website. Insofern ist die Webanwendung derPapyrusrolle näher als dem Buch.48 Die Typo3-Oberfläche ist außerdem tabellenartig inSpalten unterteilt, die sich teilweise zuklappen lassen und so dem nicht zugeklapptenInhaltsbereich mehr Raum zur Verfügung stellen.46 Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 7447 Mit dem Begriff „kulturelles Interface“ (cultural interface) beschreibt Lev Manovich die Art und Weise,wie Computer kulturelle Daten präsentieren und wir mit ihnen interagieren können. „I will use the term‘cultural interfaces’ to describe a human-computer-culture interface: the ways in which computers presentand allows us to interact with cultural data. Cultural interfaces include the interfaces used by the designers ofWeb sites, CD-ROM and DVD titles, multimedia encyclopedias, online museums and magazines, computergames and other new media cultural objects.” [Manovich, Lev: The Language of New Media. MassachusettsInstitute of Technology, 2001. S. 70]48 Vgl.: Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 75 19
  21. 21. Abb. 6: Die Typo3-DAM ist in drei scrollbare Spalten geteilt. Die mittlere Spalte mit dem Dateibaum und den Kategorien ist auf- undzuklappbar.Abb. X: Ansicht mit zugeklappter mittlerer Spalte. Die rechte Spalte bietet jetzt mehr Platz für die angezeigten Vorschaubilder. 20
  22. 22. Im Gegensatz zur traditionellen Textseite überschreitet die virtuelle Seite den begrenztenRahmen des Browserfensters und des Computerbildschirms, durch das Zuklappen vonSeiteninhalten und das Scrollen von Inhalten innerhalb der Seite. Ein weiteres aus derTextorganisation übernommenes Prinzip ist das „Blättern“. Wenn in einer Übersicht dieAnzahl der darzustellenden Medien die Seitengröße und auch die Scrollgrenzeüberschreitet, kann über ein kleines Menü via Hyperlink zu nächsten oder auch zu einerganz bestimmten Seite gesprungen werden.Abb. 7: Mit den Pfeiltasten kann durch die Bildansicht geblättert werden. Über das Drop-Down-Menü kann auch zu einer bestimmtenSeite der Voransicht gesprungen werden.Die Tradition des gedruckten Wortes in den Neuen Medien wird von Repräsentations-strategien, die aus dem Kino bekannt sind, ergänzt. 4.b.ii. Elemente des Kinos als Strukturelement in der Typo3-MediendatenbankIn der computerisierten Gesellschaft wird Information zunehmend über audio-visuelle,zeitbasierte Bewegtbildsequenzen als in Textform präsentiert. In den kulturellen Interfacestritt die Verbindung zur Kinosprache aber noch viel subtiler hervor, nämlich dadurch, dasin beiden Fällen der Blick in die jeweils präsentierte Wirklichkeit durch einen rechteckigenRahmen begrenzt wird – ein Verfahren, dass schon aus der Malerei bekannt ist. „Since the Renaissance, the frame acted as a window onto a larger space which was assumed to extend beyond the frame. This space was cut by the frame’s rectangle into two parts: ‘onscreen space’, the part which is inside the frame, and the part which is outside.”4949 Ebd.: S. 80 21
  23. 23. Ähnlich dem Kino – und darin unterscheidet sich das Computerinterface von der Malereiund der Fotografie – sind die gerahmten Inhalte beweglich. „As a kino-eye moves aroundthe space revealing its different regions, so can a computer user scroll through a window’scontents.“50 Auch im Typo3-CMS können Inhalte horizontal und vertikal gescrollt werdenoder, wie schon im vorherigen Kapitel beschrieben, können Spalten zugeklappt werdenund der Hauptinhalt mehr Raum einnehmen.Weitere Beispiele für die Kino-Sprache wie Virtuelle Realitäten oder Computerspiele sindfür das Beispiel Typo3 nicht relevant. Gleichwohl wurden die ästhetischen Strategien desKinos zu grundlegenden Organisationsprinzipien von Computersoftware. „The window in a fictional world of a cinematic narrative has become a window in a datascape. In short, what was cinema has become human-computer interface.”51 4.b.iii. Elemente der Mensch-Computer-Interaktion in der Typo3-MediendatenbankAuf dem Computer können heutzutage eine Vielzahl verschiedener Anwendungen für denZugriff und die Änderung kultureller Daten laufen, aber die Interfaces funktionieren immernoch nach alten Metaphern, die Typo3-DAM bildet hier keine Ausnahme. „[C]ultural interfaces predictably use elements of a general-purpose HCI such as scrollable windows containing text and other data types, hierarchical menus, dialogue boxes, and command-line input.”52Dass die Typo3-DAM mit scrollbaren Seiten und hierarchischen Strukturen arbeitet, istschon erläutert worden. Sie verwendet außerdem Dialogboxen in Form von Popups, die dieInformation des Datensatzes enthalten, der direkt im Pop up editiert werden kann.50 Ebd.: S. 8151 Ebd.: S. 8652 Ebd.: S. 88f. 22
  24. 24. Abb. 8: Pop-Up, in dem der Datensatz der Datei direkt editiert werden kann.Auch gibt es im Typo3-Backend die Möglichkeit mittels der speziellenProgrammiersprache Typoscript die Anwendung zu konfigurieren.Die Typo3-DAM folgt in der Bildsprache außerdem dem Prinzip der Konsistenz, das heißt,Menüs und Icons ähneln denen anderer Software-Anwendungen oder erschließen sichintuitiv. Als Icon zum Bearbeiten eines Datensatzes wurde zum Beispiel ein Stift-Symbolgewählt, zum direkten Anzeigen beziehungsweise Wiedergeben einer Datei ein Lupen-Symbol. Ein Klassiker ist auch die Verwendung des kleinen Buchstaben „i“, der fastweltweit mit „Information“ gleichgesetzt wird. Darin liegt der Vorteil von Symbolen, diesich über die Zeit in vielen Kulturkreisen manifestiert haben: sie überbrückenSprachbarrieren und können so in verschiedenen Regionen der Welt verstanden werden.Abb. 9: Werkzeugleiste des Bildarchivs.Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Typo3-Benutzeroberfläche nur in wenigenPunkten den ästhetischen Strategien des Kinos folgt und mit seinen Tabellen, Pulldown-Menüs und Listen mehr mit einem Informationsportal gemein hat. Insofern folgt es einerÄsthetik, die unterschiedliche Informationen gleichzeitig auf einer Seite unterbringt. Eingrundlegendes Element des Kino ist dagegen die lineare Abfolge von Seiten oder Bildern 23
  25. 25. nacheinander, also zeitbasiert. Gleichwohl steckt die Bildsprache der Typo3-DAM noch inaltbekannten visuellen Strategien fest und nutzt nicht alle Möglichkeiten, die dasComputermedium bietet. Manovich fordert für die neuen Medien neue eigeneErzählstrategien, die nicht die schon bekannten großen kulturellen Sprachen und Strategienwiederholen, sie sollen sozusagen „new media specific“53 sein. Ein Beispiel für eine solcheNeue Medien-spezifische Sprache sind zwei Computer-Tools, die im Rahmen desKunstprojekts „Glocal“ entstanden sind.5. Bilder als Eltern und KinderIm Kontext des Glocal-Projekts54 kreierte der kanadische Digitalkünstler Jer Thorp55 zweiAnwendungen, mit deren Hilfe der Benutzer visuell durch die umfangreiche Glocal-Bilddatenbank navigieren kann. 5.a. Die Similarity Map EngineDie Glocal Similarity Map Engine visualisiert Ähnlichkeiten zwischen einem bestimmtenBild und den anderen Bildern der Bilddatenbank.Abb. 10: Similarity Map53 Ebd.: S. 23754 Website des Glocal-Projekts: http://www.glocal.ca55 Blog des Digitalkünstler Jer Thorp: http://www.blprnt.com/ 24
  26. 26. Das Bild im Mittelpunkt der Karte stellt dabei das Ursprungsbild dar – Thorp spricht vom„seed“, also Samen oder Saatgut. Es ist durch eine Vielzahl feiner Linien mit ähnlichenBildern verbunden ist. „The image at the centre of each map is the seed. Images from the pool that are most compositionally similar to that seed image are connected to it by a series of lines.”56Bilder, die der zweiten “Generation” von Bildern ähnlich sind, werden in Verästelungenangeordnet, die vom Ursprungsbild abzweigen. Die so entstandenen Bilderkarten könnenÄhnlichkeiten bis zum vierten Grad anzeigen. Dabei ist jede Struktur einzigartig: „[E]ach of the 11,000+ images in the pool will construct a different map when used as the seed. Also, these similarity maps will change over time, as more images are added to the pool and more similarities are identified. In this way, these maps can be thought of as temporal fingerprints of each image and their context within the pool.”57Die Similarity Map nutzt eine Software-Anwendung, die mit ActionScript 3.0programmiert wurde. Die Similarity Engine basiert auf dem von Frank Denis58geschriebenen Programm LibPuzzle59, das ähnliche Bilder identifizieren kann. Dabei teiltein Algorithmus die Bitmap-Bilder in Blöcke und entfernt unnötige Ränder. Auf dieseWeise wird jedes Bild zunächst zusammengefasst. Die Verhältnisse benachbarter Blöckewerden durch Vektoren (PuzzleCvec) dargestellt. Diese Vektoren bilden die Signatur desBildes. Über ihr Verhältnis zueinander kann die Ähnlichkeit von Bildern erkannt werden.„The similarity between two pictures can be characterized as the normalized distancebetween two PuzzleCvec vectors.”60 Statt sich also auf Verschlagwortung zukonzentrieren, nutzt die Similarity Map Engine die Möglichkeiten des Rechners, umähnliche Bilder zu finden.56 http://www.glocal.ca/resources/toolkits/similarity-maps/ (Stand: 05.10.10)57 http://www.glocal.ca/resources/toolkits/similarity-maps/ (Stand: 05.10.10)58 Frank DenisTwitter-Account: http://twitter.com/jedisct159 http://libpuzzle.pureftpd.org/project/libpuzzle (05.10.10)60 http://libpuzzle.pureftpd.org/project/libpuzzle (05.10.10) 25
  27. 27. 5.b. Der Image BreederDer Image Breeder ist eine weitere Anwendung zu Repräsentation der Bilder aus derGlocal-Datenbank. Die Herausforderung, die Jer Thorp bei der Entwicklung antrieb,richtete sich darauf, eine unüberschaubare Menge von digitalen Bildern sinnvoll von einerprogrammierten Anwendung präsentieren zu lassen. Er fand einen Anhaltspunkt in derPhylogenie, die die stammesgeschichtliche Entwicklung aller Lebewesen beschreibt.Genau wie in der Phylogenie sollten auch die Bilder Verwandschaftsbeziehungeneingehen. Dazu werden die Bilder zunächst von der Anwendung hinsichtlich Farbe,Komposition und Symmetrie analysiert und aufgrund der Analyse mit einer Signaturversehen, die Thorp wie einen DNA-Code versteht. „I began thinking about these imagesignatures as a kind of genotype – genetic information that describes each unique image.“61Die Signaturen zweier Bilder werden nun miteinander verbunden und so eine dritteSignatur generiert: „Sig 1: 1111|111111111111|111111 Sig 2: 2222|222222222222|222222 Child: 1111|222222222222|111111”62Die Child-Signatur wird nun durch die Similarity Engine geschickt und so werden Bilderermittelt, die dem Ursprungsbild ähnlich sind.61 http://blog.blprnt.com/blog/blprnt/breeding-images (05.10.10)62 http://blog.blprnt.com/blog/blprnt/breeding-images (05.10.10) 26
  28. 28. Abb. 11: Erster Durchlauf im Image Breeder: Oben sind die beiden Ursprungsbilder („Eltern“) abgebildet, darunter die aus dieserVerbindung ermittelten „Kinder“. „The most successful child here is the middle one, where we see both the light circular shape from the‘egg’ and the colour abstraction from the image on the right.”63Dieser Prozess kann für mehrere Generationen wiederholt werden, sodass sich einStammbaum der Bilder aus dem Datenpool aufbaut.Abb. 12: Mehrere Generationen von Bildern, die mit dem Image Breeder errechnet wurden63 http://blog.blprnt.com/blog/blprnt/breeding-images (05.10.10) 27
  29. 29. Natürlich sind die errechneten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Bildern reineImagination. Gleichwohl liefert die Methode des Image Breeders Suchergebnisse, die beieiner Bilddatenbank wie der Typo3-DAM oder einem klassischen Archiv gar nichtmöglich wäre. Der Image Breeder errechnet die Suchergebnisse aufgrund von Paarungenvon Bildern und aufgrund von mathematisch ermittelten und elektronisch verarbeitetenBildparametern. Die Typo3-DAM basiert hauptsächlich auf der redaktionellen Vergabevon Kategorien und Schlagworten, nach denen Bilder sortiert werden können. Insofernschöpfen der Image Breeder und auch die Similarity Map Engine viel mehr dieMöglichkeiten des Computermediums aus, so wie Lev Manovich es sich vorgestellt hat.Die Ästhetik beider Anwendungen ist in diesem Sinne als wirklich „new media specific“64anzusehen. Jedoch können sich beide Programme noch nicht von der Baumstruktur lösenund sind insofern wieder traditionellen hierarchischen Strukturen nahe, was vor allem dasgenealogische Grundprinzip des Image Breeders beweist, das in der Visualisierung einemStammbaum ähnlich ist. Aber die Zielstellung ist hier eine andere: während das Typo3-Archiv darauf ausgerichtet ist, ganz bestimmte Bilder in gewohnter linearer Logikabzulegen und durch sinnvolle Verschlagwortung schnell auffindbar zu machen, nutzen dieSimilarity Map und der Image Breeder eher demjenigen, der Vorschläge für visuelleähnliche Bilder sucht. Beide Systeme machen in der Praxis Sinn. Eine Kombination beiderSysteme könnte also durchaus von großem Nutzen sein.6. SchlussDigitale Archive bieten völlig neue Möglichkeiten bezogen auf das was archiviert werdenkann als auch darauf, wie etwas archiviert wird. Wie gezeigt wurde, haben digitaleDatenbanken mit traditionellen Archiven einiges gemeinsam, weshalb auch weiterhin vomdigitalen Archiv gesprochen werden kann. Jedoch zeichnen sich digitale Archive durchganz neue Möglichkeiten aus, die das elektrotechnisch arbeitende und programmierbareComputermedium bietet. Experimentelle Anwendungen zur sinnvollen Repräsentationgroßer Bildmengen wie die Glocal Similarity Map und der Image Breeder zeigen, wie derComputer in die semantische Bildsuche mehr einbezogen werden kann.64 Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology, 2001. S. 237 28
  30. 30. Computeranwendungen können zwar die Bedeutung, der Mensch einem Bild zumisst,nicht erkennen, jedoch können sie strukturelle und kompositorische Merkmale „scannen“und dadurch viel schneller als der Mensch, sich visuell ähnelnde Bilder zu finden. Dieseneuen Möglichkeiten erfordern auch eine diesem Medium spezifische Ästhetik derBenutzeroberfläche, denn das Interface ist nicht von der Datenbank zu trennen. AmBeispiel der Typo3-Bilddatenbank wurde gezeigt, dass die Interface-Ästhetik heute immernoch traditionellen kulturellen Sprachen folgt. Die Similarity Map und der Image Breederversuchen dagegen, multiple Beziehungen zwischen Bildern herzustellen und dieseBeziehungen in einem sich ständig ändernden Prozess zu visualisieren. 29
  31. 31. 7. LiteraturBense, Max: Aesthetica. Einführung in die neue Aesthetik. Baden-Baden 1965Brachmann, Botho: Neue Quellengattungen. Spezifik moderner Informationsträger. In:Beck/ Henning (Hg.): Die archivalischen Quellen. Eine Einführung in ihre Benutzung.(1984) Weimar 1994, S. 133-152Bredekamp/ Schneider/ Dünkel (Hg.): Das Technische Bild. Kompendium zu einerStilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Berlin 2008Coy, Wolfgang: Eure Rede aber sei: 0, 0; 1, 1 – Vom Detail bei der Digitalisierung. In:Schäffner/ Weigel/ Macho (Hg.): „Der liebe Gott steckt im Detail“. Mikrostrukturen desWissens. München 2003. S. 175-184Deleuze, Gilles/ Guattari, Félix: Rhizom. Paris, 1976.Ernst, Wolfgang: Archivbilder. In: Darsow, Götz-Lothar (Hg.): Metamorphosen.Gedächtnismedien im Computerzeitalter. Stuttgart-Bad Cannstatt 2000Ernst, Wolfgang: Das Archiv als Gedächtnisort? In: Pauser/ Scheutz/ Winkelbauer (Hg.):Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert). Ein exemplarischesHandbuch. Wien 2004, S. 1113-1131Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20.Jahrhunderts). Berlin 2007Ernst, Wolfgang/ Heidenreich, Stefan: Digitale Bildarchivierung: Der Wölfflin-Kalkül. In:Schade, Sigrid/ Tholen, Georg Christoph: Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien.München 1999. S. 306-320Flusser, Vilém: Ins Universum der technischen Bilder (1985). 5. Auflage, Göttingen 1996Kellerhals-Maeder, Andreas: Archive in der schönen, neuen Welt. Auf dem Weg zu einerklaren Position. In: Geschichte & Informatik 12 (2001), S. 89-108Manovich, Lev: The Language of New Media. Massachusetts Institute of Technology,2001.Pias, Claus: Zeit der Kybernetik. Zur Einführung. In: Ders. u.a. (Hg.): KursbuchMedienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 2004. S.427-431 30
  32. 32. Pratschke, Margarete: Interaktion mit Bildern. Digitale Bildgeschichte am Beispielgrafischer Benutzeroberflächen. In: Bredekamp/ Schneider/ Dünkel (Hg.): Das TechnischeBild. Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder. Berlin 2008. S. 68-81Wiener, Norbert: Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung in Lebewesen undMaschine. Hamburg 1968Internetquellen:Denis, Frank: Libpuzzle. The Puzzle library, http://libpuzzle.pureftpd.org/project/libpuzzle(05.10.10)Manovich, Lev: Interview für SWITCH.http://www.manovich.net/DOCS/interview_database_SWITCH.doc (18.03.2010)Thorp, Jer: blprnt.blg, Blog des Digitalkünstler Jer Thorp, http://www.blprnt.com/Thorp, Jer: Breeding images, http://blog.blprnt.com/blog/blprnt/breeding-images(05.10.10)Thorp, Jer: Similarity Maps, http://www.glocal.ca/resources/toolkits/similarity-maps/(Stand: 05.10.10)Website des Glocal-Projekts: http://www.glocal.ca8. AbbildungsverzeichnisAbb. 1-9: Ausschnitte von Screenshots des Backends der Typo3-Bilddatenbank derHelmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Quelle: Helmholtz-Gemeinschaft(Stand: 5.10.2010)Abb. 10: Similarity Map. Quelle: http://www.glocal.ca/resources/toolkits/similarity-maps/(5.10.2010)Abb. 11-12: Image Breeder „Stammbaum“. Quelle:http://blog.blprnt.com/blog/blprnt/breeding-images (05.10.10) 31

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